{"id":17831,"date":"2021-04-22T17:07:09","date_gmt":"2021-04-22T15:07:09","guid":{"rendered":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=17831"},"modified":"2021-04-22T17:07:09","modified_gmt":"2021-04-22T15:07:09","slug":"plaedoyer-fuer-eine-neue-staerke-sahra-wagenknecht-hat-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2021\/04\/plaedoyer-fuer-eine-neue-staerke-sahra-wagenknecht-hat-recht\/","title":{"rendered":"Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine neue St\u00e4rke: Sahra Wagenknecht hat Recht."},"content":{"rendered":"<p>In ihrem <em>umstrit\u00adte\u00adnen<\/em> Buch \u201cDie Selb\u00adst\u00adgerecht\u00aden\u201d ver\u00adwen\u00addete Sahra Wagenknecht, als \u00fcberzeugte Kom\u00admu\u00adnistin offenkundig poli\u00adtis\u00adche Geg\u00adner\u00adin der Partei \u201cDie Linke\u201d, einen Satz, der nicht fol\u00adgen\u00adlos blieb:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Iden\u00adtit\u00e4t\u00adspoli\u00adtik l\u00e4uft darauf hin\u00adaus, das Augen\u00admerk auf immer kleinere und immer skur\u00adrilere Min\u00adder\u00adheit\u00aden zu richt\u00aden, die ihre Iden\u00adtit\u00e4t jew\u00adeils in irgen\u00addein\u00ader Marotte find\u00aden, durch die sie sich von der Mehrheits\u00adge\u00adsellschaft unter\u00adschei\u00adden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Sofort, sog\u00adar noch vor Erscheinen des Buch\u00ades, bewiesen sich <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1150512.sahra-wagenknecht-wagenknecht-verliert-sich-in-identitaetspolitik.html\">in <em>den Medi\u00aden<\/em><\/a> Kom\u00admen\u00adta\u00adtoren in der Diszi\u00adplin, eine Fest\u00adstel\u00adlung zu bele\u00adgen, indem man sich \u00fcber sie emp\u00f6rt, denn das Augen\u00admerk wurde vielfach auf Vertreter <em>skur\u00adril\u00ader Min\u00adder\u00adheit\u00aden<\/em> gelegt, die dann auch brav zu ver\u00adste\u00adhen gaben, dass sie als Min\u00adder\u00adheit es nicht gut find\u00aden, wenn eine Mehrheit sie \u00fcber\u00adstimmt. <!--more--><\/p>\n<p>Es sei, lese ich \u2014 wen\u00adngle\u00adich in Fra\u00adgen des Geschlechterzwists \u2014 oft, ein Zeichen von St\u00e4rke, auch Schw\u00e4che zeigen zu k\u00f6n\u00adnen. Damit ist beina\u00adhe nie die k\u00f6r\u00adper\u00adliche, fast immer hinge\u00adgen die <em>seel\u00adis\u00adche<\/em> St\u00e4rke gemeint, oft gepaart mit dem Ruf, man m\u00f6ge <em>Inklu\u00adsion<\/em> und\/oder <em>Inte\u00adgra\u00adtion<\/em> der\u00ader betreiben, die als schw\u00e4ch\u00ader iden\u00adti\u00adfiziert wer\u00adden.<\/p>\n<p>Nun ist <em>Inte\u00adgra\u00adtion<\/em> nach meinem Ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis keine reine Bring\u2011, son\u00addern zum Teil auch eine Holschuld. Um das Beispiel der <em>Inte\u00adgra\u00adtion<\/em> von Men\u00adschen aus anderen Kul\u00adturen zu w\u00e4hlen: Bei vie\u00adlen reicht der Respekt f\u00fcr diejeni\u00adgen, die sie <em>inte\u00adgri\u00aderen<\/em> sollen, nicht ein\u00admal daf\u00fcr aus, ihre Sprache ler\u00adnen zu wollen; man schie\u00dft sich auf den <em>kle\u00adin\u00adsten gemein\u00adsamen Nen\u00adner<\/em>, meist gebroch\u00adenes Englisch, ein und freut sich, dass man, wenn man nur bei\u00add\u00adseit\u00adig genug eigene Kul\u00adtur aufgibt, so sch\u00f6ne <em>Fortschritte<\/em> bei dieser \u201cInte\u00adgra\u00adtion\u201d in irgend\u00adwas (\u201cdie Gesellschaft\u201d jen\u00adseits der Blase der Englis\u00adchbrech\u00ader allerd\u00adings mag\u2019s nicht sein) vor\u00adweisen kann. \u201cInte\u00adgra\u00adtion\u201d ist insofern ein Wort, dessen Nutzung in diesem Kon\u00adtext sich eigentlich ver\u00adbi\u00adetet, denn man bringt mit ihr nicht <em>den Schwachen<\/em> in <em>die Gesellschaft<\/em>, son\u00addern errichtet eine ganz eigene, par\u00adal\u00adlel zur eigentlichen Gesellschaft beste\u00adhende Klein\u00adwelt <em>f\u00fcr<\/em> diesen Schwachen. Ist ein potemkin\u00adsches Dorf wirk\u00adlich der richtige Ort f\u00fcr eine Ein\u00adb\u00fcrgerung?<\/p>\n<p>Etwas anders sieht die Sache bei der <em>Inklu\u00adsion<\/em> aus, denn diese set\u00adzt zwar auch voraus, dass man selb\u00adst <em>Bar\u00adri\u00aderen senkt<\/em>, erfordert aber \u2014 sofern sin\u00adnvoll und nicht blo\u00df aktivis\u00adtisch ange\u00adwandt \u2014 auch einen Empf\u00e4nger, der nach Abschluss der Inklu\u00adsion im Rah\u00admen des M\u00f6glichen am <em>tat\u00ads\u00e4ch\u00adlichen Leben<\/em> teil\u00adnimmt, ohne fortw\u00e4hrend bemut\u00adtert wer\u00adden zu m\u00fcssen, denn fortw\u00e4hrende Bemut\u00adterung ist das Gegen\u00adteil von M\u00fcndigkeit. Lei\u00adder hat sich aber auch hier inzwis\u00adchen, befeuert von vorge\u00adblich poli\u00adtis\u00adchen Akteuren, eine Verkehrung der Inklu\u00adsion\u00adsrich\u00adtung eingestellt: Das Ziel ist es nicht mehr, auch Men\u00adschen mit <em>Beein\u00adtr\u00e4ch\u00adti\u00adgun\u00adgen<\/em> das Leben zu erle\u00adichtern, son\u00addern diese <em>Beein\u00adtr\u00e4ch\u00adti\u00adgun\u00adgen<\/em> als nich\u00adtex\u00adis\u00adtent zu definieren. Dabei k\u00e4mpfen \u2014 wie so oft \u2014 die ver\u00admeintlich Weltof\u00adfe\u00adnen erbit\u00adtert gegen das Indi\u00advidu\u00adum.<\/p>\n<p>Es ist etwa nicht allzu lange her, als Wolf\u00adgang Thierse, altge\u00addi\u00aden\u00adter Sozialdemokrat in der aus\u00adge\u00addi\u00aden\u00adten SPD, davor warnte, die Grup\u00adpen\u00adzuge\u00adh\u00f6rigkeit nach Geschlecht oder Eth\u00adnie h\u00f6her zu bew\u00aderten als die Leis\u00adtung des Einzel\u00adnen, wof\u00fcr ihm Sask\u00adia Esken, bekan\u00adnte Geg\u00adner\u00adin des Leis\u00adtung\u00adsprinzips, zusam\u00admen mit etlichen anderen Mit\u00adgliedern der Inklu\u00adsion\u00adis\u00adten per <abbr class=\"c2c-text-hover\" title=\"Feuilleton\">F\u00f6je\u00adtong<\/abbr> die Parteifre\u00adund\u00adschaft k\u00fcndigte, was <em>die Medi\u00aden<\/em> \u2014 als w\u00e4re ger\u00adade son\u00adst nichts los \u2014 <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/wolfgang-thierse-hat-recht-identitaetspolitik-ist-gift-ld.1606241\">lange Zeit besch\u00e4ftigte.<\/a> Dass solch\u00ades Bestreben unter anderem die min\u00addestens <em>inter\u00ades\u00adsante<\/em> Kon\u00adse\u00adquenz mit sich f\u00fchrte, dass in Han\u00adnover ein kri\u00adtis\u00adch\u00ader Vor\u00adtrag \u00fcber die Kolo\u00adnial\u00adisierung <em>der Schwarzen<\/em> durch <em>die Wei\u00dfen<\/em> abge\u00adsagt wor\u00adden ist, weil Wei\u00dfe fan\u00adden, ein Wei\u00dfer <a href=\"https:\/\/taz.de\/Streit-um-Rassismus-Vortrag\/!5758214\/\">habe kein Recht dazu<\/a>, andere Wei\u00dfe \u00fcber die Nachteile des Kolo\u00adnial\u00adis\u00admus zu belehren, ist mit \u201cabsurd\u201d noch unzure\u00adichend betitelt.<\/p>\n<p>Aber von der Inklu\u00adsion an sich f\u00fchrt diese Debat\u00adte inhaltlich etwas weg, weshalb es wichtig zu wis\u00adsen ist, dass es diesel\u00adben Akteure (\u201ctaz\u201d, SPD und so weit\u00ader) sind, die ein\u00ader\u00adseits <em>alte wei\u00dfe M\u00e4n\u00adner<\/em> als solche f\u00fcr eine Gruppe hal\u00adten, die <em>drin\u00adgend weg m\u00fcsse<\/em>, gle\u00adichzeit\u00adig aber darauf behar\u00adren, dass jed\u00ader so leben k\u00f6n\u00adnen solle, wie er wolle. Ob ihnen bekan\u00adnt ist, dass es Men\u00adschen gibt, die eigentlich ganz gern <em>als wei\u00dfer Mann<\/em> leben wollen, w\u00e4re bes\u00adtimmt auch mal inter\u00ades\u00adsant her\u00adauszufind\u00aden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Traditionally-masculine.jpg\" alt=\"Break the shackles of 'traditional masculinity' and be the person YOU want to be! - I want to be traditionally masculine - No\" width=\"750\" height=\"567\" class=\"alignnone size-full wp-image-17832\" srcset=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Traditionally-masculine.jpg 883w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Traditionally-masculine-300x227.jpg 300w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Traditionally-masculine-120x91.jpg 120w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Traditionally-masculine-768x581.jpg 768w, https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Traditionally-masculine-730x552.jpg 730w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\"><\/p>\n<p>Bere\u00adits aus dem erw\u00e4h\u00adn\u00adten Zwis\u00adchen\u00adfall l\u00e4sst sich aber able\u00adsen, dass die Gesellschaft \u2014 immer\u00adhin: <em>endlich<\/em> \u2014 die freie Ent\u00adfal\u00adtung der Per\u00ads\u00f6n\u00adlichkeit zu w\u00fcrdi\u00adgen bere\u00adit ist, jedoch scheint die Bew\u00ader\u00adtung dieser freien Ent\u00adfal\u00adtung ma\u00dfge\u00adblich vom men\u00adgen\u00adm\u00e4\u00dfi\u00adgen Anteil der Ent\u00adfal\u00adtenden an der jew\u00adeili\u00adgen <em>Sub\u00adkul\u00adtur<\/em> (hu, schon wieder so ein Wort) abzuh\u00e4n\u00adgen: Je weniger, desto bess\u00ader. (Keineswegs fol\u00adgerichtig wer\u00adden auf dem Chaos Com\u00admu\u00adni\u00adca\u00adtion Con\u00adgress, auf dem LGBTQ-mit-Son\u00adderze\u00adichen-Iden\u00adti\u00adfizierende <em>\u00fcber\u00adrepr\u00e4sen\u00adtiert<\/em> zu sein scheinen, <em>alte wei\u00dfe M\u00e4n\u00adner<\/em> trotz\u00addem nicht als beson\u00adders sch\u00fctzenswerte Min\u00adder\u00adheit anerkan\u00adnt.)<\/p>\n<p>Wann und warum ist die Gesellschaft eigentlich auf den Kurs abge\u00adbo\u00adgen, auf dem man gegen sex\u00aduelle und\/oder geschlechtliche Unentschlossen\u00adheit eben\u00adso wie f\u00fcr Depres\u00adsio\u00adnen nicht mehr ther\u00ada\u00adpiert, son\u00addern zwecks ihrer Best\u00e4\u00adti\u00adgung <em>gef\u00f6rdert<\/em> wird? \u2014 Nein, ich kor\u00adrigiere; die Frage ist schon falsch gestellt: Selb\u00adst die ein\u00addeutige Iden\u00adti\u00adfika\u00adtion als Frau wird mit\u00adtler\u00adweile gesellschaftlich \u00fcberkom\u00adpen\u00adsiert. Bei den Gr\u00fc\u00adnen, press\u00adespricht man bei den Gr\u00fc\u00adnen, habe die diesj\u00e4hrige Kan\u00adzlerkan\u00addi\u00addat\u00f6se sich etwa ihre Kan\u00addi\u00addat\u00f6\u00adsur damit ver\u00addi\u00adent, anders als der regierungser\u00adfahrene Robert Habeck <em>kein Mann<\/em> zu sein. Das Land ma\u00dfge\u00adblich von ein\u00ader <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0ivb-YE-bpQ\">zufrieden Unqual\u00adi\u00adfizierten<\/a> regieren lassen zu wollen wird als \u201cfrisch\u00ader Wind\u201d ver\u00adbr\u00e4mt. Hat Deutsch\u00adland nicht mal mehr den <em>Ver\u00adsuch<\/em> ver\u00addi\u00adent, dass es so aussieht, als sei die Regierungs\u00adf\u00fchrung zu mehr als blo\u00df der Quoten\u00ader\u00adf\u00fcl\u00adlung da? (Und darf der Bun\u00adde\u00adspr\u00e4si\u00addent, bekan\u00adntlich ein <em>noch<\/em> h\u00f6heres Amt, dann eigentlich noch ein het\u00adero\u00adsex\u00adueller Wei\u00dfer sein?) Dass man den Gr\u00fc\u00adnen so eine Kleinigkeit nach\u00adsieht, weil man den Gr\u00fc\u00adnen auch <a href=\"https:\/\/blog.fefe.de\/?ts=9e8075e0\">alles andere nach\u00adsieht<\/a>, ist dabei nicht viel mehr als ein Symp\u00adtom des von mir Gemein\u00adten: Weil sie mit ihrer wieder\u00adholten Forderung nach mehr <em>linkem<\/em> Iden\u00adti\u00adtaris\u00admus die <em>richti\u00adgen<\/em> Kn\u00f6pfe dr\u00fcck\u00aden, lassen es sog\u00adar ges\u00adtandene Qual\u00adit\u00e4tsme\u00addi\u00aden l\u00e4ngst an <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2021-04\/buendnis-90-die-gruenen-kanzlerkandidatur-annalena-baerbock-macht\">der n\u00f6ti\u00adgen Dis\u00adtanz<\/a> man\u00adgeln und wer\u00adben offen f\u00fcr einen Wahlsieg der Partei, deren gr\u00f6\u00dftes poli\u00adtis\u00adches Kap\u00adi\u00adtal es ist, dass sie seit sechzehn Jahren nicht mehr beweisen durfte, wie f\u00fcrchter\u00adlich sie eigentlich das Land regiert, wenn man sie l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Dass Iden\u00adtit\u00e4t\u00adspoli\u00adtik jun\u00adgen W\u00e4h\u00adlern, wohl auch unter dem Ein\u00adfluss von iden\u00adtit\u00e4ren Aktivis\u00adten in <em>sozialen Medi\u00aden<\/em> und zuse\u00adhends \u00f6fter auch in eigentlich <a href=\"https:\/\/schwerdtfegr.wordpress.com\/2021\/04\/19\/faengt-ja-gut-an\/\">tech\u00adnis\u00adchen Pro\u00adjek\u00adten<\/a>, wichtiger zu sein scheint als eigentliche Inhalte, das \u201cWer ist man?\u201d also dem \u201cWas tut man?\u201d <em>aus\u00adgerech\u00adnet<\/em> in poli\u00adtis\u00adchen Fra\u00adgen vorge\u00adzo\u00adgen wird, hat augen\u00adschein\u00adlich eine poli\u00adtis\u00adche Nis\u00adche aufge\u00adtan, die zu beset\u00adzen kaum Bedenkzeit brauchte. Aus dieser Posi\u00adtion her\u00adaus warnt man jet\u00adzt vor ety\u00admol\u00ado\u00adgis\u00adchem Kleinkram:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Der\u00adald Wing Sue, Pro\u00adfes\u00adsor f\u00fcr Beratungspsy\u00adcholo\u00adgie an der Colum\u00adbia Uni\u00adver\u00adsi\u00adty, hat drei ver\u00adschiedene Kat\u00ade\u00adgorien von Mikroag\u00adgres\u00adsio\u00adnen beschrieben: Mikroan\u00adgriffe (offen\u00adsichtliche \u00dcber\u00adgriffe), Mikro\u00adbelei\u00addi\u00adgun\u00adgen (klar erkennbare Unh\u00f6flichkeit) und Mikroen\u00adtw\u00fcrdi\u00adgun\u00adgen (Mit\u00adteilun\u00adgen, die abweisend und auss\u00adchlie\u00dfend sind).<br>\n<cite><a href=\"https:\/\/missy-magazine.de\/blog\/2018\/06\/27\/hae-was-sind-denn-mikroaggressionen\/\">Mis\u00adsy Mag\u00ada\u00adzine<\/a><\/cite><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ich per\u00ads\u00f6n\u00adlich habe ja <em>Makroan\u00adgriffe<\/em>, <em>Makro\u00adbelei\u00addi\u00adgun\u00adgen<\/em> und <em>Makroen\u00adtw\u00fcrdi\u00adgun\u00adgen<\/em> (zum Beispiel \u201cseien Sie woan\u00adders dumm, Sie st\u00f6ren\u00adder Fick\u00adfrosch\u201d) als Mit\u00adtel des Wort\u00adge\u00adfechts zu sch\u00e4tzen gel\u00adernt. Wenn man sich von mir <em>ver\u00adlet\u00adzt<\/em> f\u00fchlt, dann ist die Chance also gro\u00df, dass das <em>pure Absicht<\/em> war \u2014 das spart nicht nur Zeit, son\u00addern schont auf\u00adgrund der aus\u00adbleiben\u00adden Anre\u00adgung zur weit\u00aderen Diskus\u00adsion mit dem st\u00f6ren\u00adden Fick\u00adfrosch auch die Ner\u00adven.<\/p>\n<p>Die Lehre von der \u201cstruk\u00adturellen Benachteili\u00adgung\u201d, ob nun tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich erlebt oder blo\u00df irgend\u00adwo aufgeschnappt, ist eine lukra\u00adtive; es ist ein Diskurs zwis\u00adchen Akademik\u00adern und Kindern reich\u00ader Eltern, die ihrer\u00adseits ein\u00adfache Arbeit\u00ader <em>struk\u00adturell benachteili\u00adgen<\/em>, indem sie ihnen ihre Sprache vorschreiben wollen, ohne selb\u00adst auch nur ein Ohr f\u00fcr deren Sor\u00adgen zu haben ver\u00adsuchen. Ich lehne mich sicher\u00adlich nicht zu weit aus dem Fen\u00adster, wenn ich behaupte, dass die Wahl des Per\u00adson\u00adal\u00adpronomens seit\u00adens der Gespr\u00e4chspart\u00adner nicht zu den gr\u00f6\u00dften Prob\u00adle\u00admen eines mit\u00adtf\u00fcn\u00adfziger Flie\u00dfban\u00addar\u00adbeit\u00aders geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Andere sind da <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1128882.trans-personen-bittere-erfahrungen.html\">nicht so entspan\u00adnt:<\/a><\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Per\u00adson, um die es geht, bricht inner\u00adlich zusam\u00admen und kann nur mit M\u00fche die Tr\u00e4\u00adnen unter\u00addr\u00fcck\u00aden, ver\u00adl\u00e4sst schnell den Raum. Sie, eine junge Frau Mitte zwanzig, wurde ger\u00adade \u00bber\u00ab genan\u00adnt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das mag nun ein Anlass zu bedauern\u00addem Kopf\u00adsch\u00fct\u00adteln und dem Sto\u00dfseufz\u00ader, man m\u00f6ge der <em>jun\u00adgen Frau Mitte zwanzig<\/em> psy\u00adchi\u00ada\u00adtrisch zur Seite ste\u00adhen, sein, jedoch tritt vielmehr eine Welle der Emp\u00f6rung \u00fcber das Ver\u00adhal\u00adten des so Ansprechen\u00adden ein, der sich auf diese Weise zweifel\u00adlos zum <em>Gewalt\u00adt\u00e4ter<\/em> gemacht habe. Wer jet\u00adzt aber tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich annimmt, dieses Zer\u00adw\u00fcrf\u00adnis sei eines zwis\u00adchen zwei ohne\u00adhin ver\u00adfein\u00adde\u00adten Grup\u00adpen, der unter\u00adsch\u00e4tzt den Sparten\u00adre\u00adich\u00adtum der \u201cUnter\u00addr\u00fcck\u00adung\u00adsolympiade\u201d (Enri\u00adco Ippoli\u00adto u.a.); so beschreibt etwa der freiberu\u00adfliche Autor und \u201cTrans\u00admann\u201d (\u201ctaz\u201d) Till Ran\u00addolf Amelung aus Han\u00adnover <a href=\"https:\/\/twitter.com\/TillRandolf\/status\/1384904360040218624\">auf Twit\u00adter<\/a> (per <a href=\"https:\/\/threadreaderapp.com\/thread\/1384904360040218624.html\">Thread\u00adread\u00ader<\/a> ver\u00admut\u00adlich bess\u00ader les\u00adbar), warum ein von ihm angek\u00fcndigter Vor\u00adtrag f\u00fcr den AStA der Uni\u00adver\u00adsit\u00e4t Vech\u00adta am urspr\u00fcnglich anber\u00adaumten Ter\u00admin nicht zus\u00adtande gekom\u00admen ist:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Das The\u00adma meines Vor\u00adtrags w\u00e4ren die aktuellen Kon\u00adflik\u00adte zwis\u00adchen #Trans <em>[Trans\u00adsex\u00aduellen, A.d.V.]<\/em> und #Rad\u00adfem <em>[Radikalfem\u00adi\u00adnis\u00admus, A.d.V.]<\/em> gewe\u00adsen. Meine These hier\u00adbei ist, dass die wesentliche Ursache f\u00fcr diese Kon\u00adflik\u00adte ein post\u00admod\u00adernes Ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis von Geschlecht ist, was am besten gar nicht mehr irgend\u00adwas mit Biolo\u00adgie zu tun haben darf. (\u2026) Doch dies wird von der post\u00admod\u00adern\u00adern Gen\u00adder\u00adfrak\u00adtion unter\u00adbun\u00adden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nicht nur dem weit\u00ader oben zitierten Satz von Sahra Wagenknecht, son\u00addern auch dem The\u00adma des <em>gecan\u00adcel\u00adten<\/em> Vor\u00adtrags in der Sache Recht gab ein junger Men\u00adsch namens Lau\u00adrence, indem er sich zu Ungun\u00adsten des Thread\u00adschreibers ereiferte:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Ein junger Men\u00adsch namens Lau\u00adrence machte gegen meinen Vor\u00adtrag mobil, u.a. auch mit Bilder\u00adstreck\u00aden auf Insta\u00adgram (\u2026). Ganz wichtig ist nat\u00fcr\u00adlich, dass man sen\u00adsi\u00adbel die eige\u00adnen Priv\u00adi\u00adlegien reflek\u00adtiert. Lau\u00adrence kehrt her\u00adaus, wie sehr sein wei\u00dfer und nicht\u00adbe\u00adhin\u00adde\u00adter K\u00f6r\u00adp\u00ader andere unter\u00addr\u00fcckt und dass man ihn nicht als \u201cer\u201d beze\u00adich\u00adnen solle.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Punkt ist erre\u00adicht, an dem mich eine Punk\u00adtetabelle \u2014 also f\u00fcr <em>welche<\/em> Eigen\u00adschaft man in der Unter\u00addr\u00fcck\u00adten\u00adhier\u00adar\u00adchie <em>wie<\/em> weit nach oben steigt, um sich so was \u00fcber\u00adhaupt <em>erlauben<\/em> zu d\u00fcr\u00adfen \u2014 ohne jede Ironie inter\u00adessieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6rte erstaunlicher\u00adweise erst dieses Jahr \u2014 wenn auch von einem Kabaret\u00adtis\u00adten \u2014 die Frage, wie <em>solche Leute<\/em> wohl Bewer\u00adbun\u00adgen schreiben, wenn man doch beim Bewer\u00adben \u2014 zumin\u00add\u00adest dort, wo man nicht wegen sein\u00ader Schw\u00e4chen (Behin\u00adderung, Geschlecht usw.) <em>bevorzugt eingestellt<\/em> wird \u2014 seine <em>St\u00e4rken<\/em> anstelle sein\u00ader psy\u00adchis\u00adchen Prob\u00adleme aufz\u00e4hlen und begr\u00fcn\u00adden sollte.<\/p>\n<div class=\"lyte-wrapper\" title=\"Mathias Tretter | Mikroaggressionen (Pufpaffs Happy Hour, E54)\" style=\"width:1280px;max-width:100%;margin:5px;\"><div class=\"lyMe\" id=\"WYL_tL1XnIIPlv4\"><div id=\"lyte_tL1XnIIPlv4\" data-src=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FtL1XnIIPlv4%2Fhqdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC\"><div class=\"tT\">Math\u00adias Tret\u00adter | Mikroag\u00adgres\u00adsio\u00adnen (Puf\u00adpaffs Hap\u00adpy Hour, E54)<\/div><\/div><div class=\"play\"><\/div><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/tL1XnIIPlv4\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FtL1XnIIPlv4%2F0.jpg\" alt=\"Mathias Tretter | Mikroaggressionen (Pufpaffs Happy Hour, E54)\" width=\"1280\" height=\"700\"><\/a><\/noscript><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:1280px;margin:5px;\"> <a href=\"https:\/\/youtu.be\/tL1XnIIPlv4\" target=\"_blank\">Dieses Video auf YouTube anse\u00adhen<\/a>.<\/div>\n<p>Als Ersatz f\u00fcr eine Per\u00ads\u00f6n\u00adlichkeit ist die blo\u00dfe Iden\u00adtit\u00e4t jeden\u00adfalls eben\u00adso ungeeignet wie eine psy\u00adchol\u00ado\u00adgis\u00adche oder psy\u00adchi\u00ada\u00adtrische Diag\u00adnose; dabei ist die Per\u00ads\u00f6n\u00adlichkeit eines Men\u00adschen doch seine wesentliche Eigen\u00adschaft, ohne die er nicht mehr ist als eine leere H\u00fclle, die nach Belieben mit Pro\u00adjek\u00adtio\u00adnen gef\u00fcllt wer\u00adden kann.<\/p>\n<p>Wir soll\u00adten aufh\u00f6ren, <em>dumme Men\u00adschen ber\u00fchmt<\/em> zu machen, lautete der Titel mehrerer Auf\u00ads\u00e4tze, Artikel und min\u00addestens eines Buch\u00ades, die seit 2016 erschienen sind. Vielle\u00adicht ist es Zeit, diese Forderung zu erweit\u00adern: Wir soll\u00adten aufh\u00f6ren, Men\u00adschen daf\u00fcr zu begl\u00fcck\u00adw\u00fcn\u00adschen, was sie <em>nicht<\/em> k\u00f6n\u00adnen \u2014 und wir soll\u00adten uns endlich alle mal etwas lock\u00ader\u00ader machen; soll hei\u00dfen: <strong>kommt mal runter.<\/strong><\/p>\n<p>Mer\u00adi\u00adtokratie ist nicht die schlecht\u00adeste Gesellschafts\u00adform.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihrem umstrit\u00adte\u00adnen Buch \u201cDie Selb\u00adst\u00adgerecht\u00aden\u201d ver\u00adwen\u00addete Sahra Wagenknecht, als \u00fcberzeugte Kom\u00admu\u00adnistin offenkundig poli\u00adtis\u00adche Geg\u00adner\u00adin der Partei \u201cDie Linke\u201d, einen Satz, der nicht fol\u00adgen\u00adlos blieb: Die Iden\u00adtit\u00e4t\u00adspoli\u00adtik l\u00e4uft darauf hin\u00adaus, das Augen\u00admerk auf immer kleinere und immer skur\u00adrilere Min\u00adder\u00adheit\u00aden zu richt\u00aden, die ihre Iden\u00adtit\u00e4t jew\u00adeils in irgen\u00addein\u00ader Marotte find\u00aden, durch die sie sich von der \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2021\/04\/plaedoyer-fuer-eine-neue-staerke-sahra-wagenknecht-hat-recht\/\" class=\"more-link\">\u2018Pl\u00e4\u00addoy\u00ader f\u00fcr eine neue St\u00e4rke: Sahra Wagenknecht hat Recht.\u2019 weit\u00ader\u00adlesen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[13,37],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-17831","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-in-den-nachrichten","category-mir-wird-geschlecht"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":"ec33b0646bfa4352b687c60ec6d910a1","server":"vg02.met.vgwort.de","url":"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/ec33b0646bfa4352b687c60ec6d910a1"},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17831","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17831"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17831\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17831"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17831"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17831"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=17831"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}