{"id":1486,"date":"2010-01-12T06:00:55","date_gmt":"2010-01-12T05:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=1486"},"modified":"2016-07-13T15:26:35","modified_gmt":"2016-07-13T13:26:35","slug":"sie-fragment-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/01\/sie-fragment-2\/","title":{"rendered":"Sie. (Frag\u00adment 2)"},"content":{"rendered":"<p>\u2026 Es war dun\u00adkel und es reg\u00adne\u00adte, als er wie\u00adder auf die Stra\u00ad\u00dfe trat. Kein Mensch war mehr zu sehen, fast kein Ger\u00e4usch mehr zu h\u00f6ren; nur in der Fer\u00adne unter\u00adhielt sich eine Eule mit der Nacht. \u201eWie pas\u00adsend\u201c, dach\u00adte er.<\/p>\n<p>Was hat\u00adte er erwar\u00adtet, als er noch kurz zuvor mit Herz\u00adklop\u00adfen vor ihrer T\u00fcr stand? Er h\u00e4t\u00adte sich ohr\u00adfei\u00adgen k\u00f6n\u00adnen. Wie ein Narr hat\u00adte er sich benom\u00admen. Alles war an sei\u00adner Angst zer\u00adbro\u00adchen, auch damals im Fr\u00fch\u00adling, als er noch nicht alles rui\u00adniert hat\u00adte. Angst war sein Beglei\u00adter, seit er den\u00adken konn\u00adte, und hat\u00adte ihn schon oft in Gefahr gebracht. Eine Angst jedoch war neu: Die Angst, die ihn nun seit Mona\u00adten qu\u00e4l\u00adte und die ihm heu\u00adte auch die\u00adse eine, letz\u00adte Chan\u00adce ver\u00adsagt hat\u00adte. Die Angst, <span style=\"font-style:italic\">sie<\/span> end\u00adg\u00fcl\u00adtig zu ver\u00adlie\u00adren.<\/p>\n<p>Sie war fort, dar\u00adan zwei\u00adfel\u00adte er nicht, und es war sei\u00adne eige\u00adne Schuld. Sie war die Frau sei\u00adnes Lebens, und eigent\u00adlich h\u00e4t\u00adte er jetzt eben\u00adso gut ein\u00adfach tot umfal\u00adlen k\u00f6n\u00adnen. Dabei hat\u00adte alles so gut begon\u00adnen. Sei\u00adner Bit\u00adte um die l\u00e4ngst f\u00e4l\u00adli\u00adge <span style=\"font-style:italic\">Aus\u00adspra\u00adche<\/span> woll\u00adten sie bei\u00adde end\u00adlich \u2013 und nach lan\u00adgem end\u00adlich wie\u00adder <span style=\"font-style:italic\">gemein\u00adsam<\/span> \u2013 nach\u00adkom\u00admen. Viel\u00adleicht schwan\u00adgen \u00dcber\u00admut und Leicht\u00adsinn mit, als er es sich aus\u00admal\u00adte, wie es wohl aus\u00adge\u00adhen w\u00fcr\u00adde, viel\u00adleicht war es auch nur sei\u00adne Ver\u00adzweif\u00adlung; er <span style=\"font-style:italic\">wuss\u00adte<\/span> jeden\u00adfalls, dass es f\u00fcr ihn, nein: f\u00fcr sie bei\u00adde an die\u00adsem Abend um alles ging, um eine gemein\u00adsa\u00adme Zukunft oder um ein Leben ohne ein \u201eWir\u201c, an das er in die\u00adsen Tagen st\u00e4n\u00addig dach\u00adte. Wochen\u00adlang hat\u00adte er sich vor\u00adbe\u00adrei\u00adtet, Fra\u00adgen, Ant\u00adwor\u00adten und Erin\u00adne\u00adrun\u00adgen sorg\u00adf\u00e4l\u00adtig sor\u00adtiert. Er hat\u00adte schon zu viel Gl\u00fcck gehabt, dies\u00admal durf\u00adte er sich nicht auf es ver\u00adlas\u00adsen.<\/p>\n<p>Er hat\u00adte es mal wie\u00adder \u00fcber\u00adtrie\u00adben. Je n\u00e4her der Tag r\u00fcck\u00adte, auf den er all sei\u00adne Hoff\u00adnun\u00adgen, W\u00fcn\u00adsche und Tr\u00e4u\u00adme pro\u00adji\u00adziert hat\u00adte, desto unge\u00addul\u00addi\u00adger wur\u00adde er. Als er es schlie\u00df\u00adlich nicht mehr aus\u00adhielt, begann er wie\u00adder zu schrei\u00adben. Er schrieb Gedich\u00adte und zitier\u00adte Lie\u00adder, er offen\u00adbar\u00adte dem Papier in Pro\u00adsa sein Gef\u00fchls\u00adle\u00adben. Der Sta\u00adpel an Auf\u00adzeich\u00adnun\u00adgen wuchs zuse\u00adhends. \u201eWar\u00adum war\u00adten?\u201c, dach\u00adte er sich, als er dies bemerk\u00adte. Er woll\u00adte ihr zei\u00adgen, was sie ihm bedeu\u00adte\u00adte. Der Aus\u00adsicht dar\u00adauf, all dies noch unaus\u00adge\u00adspro\u00adchen las\u00adsen zu m\u00fcs\u00adsen, behag\u00adte ihm nicht. Hin und wie\u00adder also, wenn ihm ein Text beson\u00adders gut gefiel, ver\u00adpack\u00adte er ihn und sand\u00adte ihn ihr zu. Er hoff\u00adte, dass sie ihn ver\u00adste\u00adhen w\u00fcr\u00adde.<\/p>\n<p>End\u00adlich war sein Tag gekom\u00admen. Geschla\u00adfen hat\u00adte er seit meh\u00adre\u00adren N\u00e4ch\u00adten nur noch wenig, er lag stun\u00adden\u00adlang wach und dach\u00adte an <span style=\"font-style:italic\">sie<\/span>. Was w\u00fcr\u00adde pas\u00adsie\u00adren, wenn sie sich in die Augen s\u00e4hen \u2013 er in ihre dunk\u00adlen, tie\u00adfen, sie in sei\u00adne hel\u00adlen, kla\u00adren?<\/p>\n<p>Z\u00f6gernd trat er vor ihre T\u00fcr und bet\u00e4\u00adtig\u00adte die Klin\u00adgel. Erst nach, so kam es ihm vor, meh\u00adre\u00adren Minu\u00adten bemerk\u00adte er, dass an ihr ein Brief befe\u00adstigt war, auf dem sein Name stand. Er zit\u00adter\u00adte, w\u00e4h\u00adrend er ihn \u00f6ff\u00adne\u00adte. Er war von <span style=\"font-style:italic\">ihr<\/span>.<\/p>\n<p>Mit jedem Satz, den er las, zit\u00adter\u00adten die Buch\u00adsta\u00adben ein wenig mehr. Sie habe, schrieb sie, sich ent\u00adschie\u00adden. Sie f\u00fch\u00adle sich von ihm noch immer \u2013 oder schon wie\u00adder? \u2013 ein\u00adge\u00adengt und unter Druck gesetzt; genau wie damals, als sie ihn ver\u00adlie\u00df. \u201eDie Brie\u00adfe!\u201c, dach\u00adte er und riss die Augen auf. Die\u00adse ver\u00addamm\u00adten Brie\u00adfe, die er ihr immer wie\u00adder zukom\u00admen lie\u00df, hat\u00adten ihn um den letz\u00adten Gras\u00adhalm gebracht. Den letz\u00adten hat\u00adte er erst am Vor\u00adtag geschrie\u00adben, die Tin\u00adte war noch nicht lan\u00adge getrock\u00adnet. \u201eGestern\u201c, dach\u00adte er, und die alte, unge\u00adlieb\u00adte Schall\u00adplat\u00adte in sei\u00adnem Kopf begann sich wie\u00adder zu dre\u00adhen. <span style=\"font-style:italic\">\u201eWhy she had to go I don\u2019t know, she would\u00adn\u2019t say; I said some\u00adthing wrong, now I long for yester\u00adday.\u201c<\/span><\/p>\n<p>Nur mit M\u00fche konn\u00adte er durch die Schlei\u00ader, die sei\u00adne Augen und sei\u00adnen Ver\u00adstand zu umh\u00fcl\u00adlen began\u00adnen, ihre letz\u00adten Wor\u00adte ent\u00adzif\u00adfern:<br>\nSie wol\u00adle ihn nie mehr wie\u00adder\u00adse\u00adhen.<\/p>\n<p>Er atme\u00adte tief durch. Das Geschrei der Eule, die noch immer unauf\u00adh\u00f6r\u00adlich mit der Nacht sprach, klang jetzt, als lach\u00adte sie ihn aus. Das Was\u00adser, das ihm \u00fcber das Gesicht lief, schmeck\u00adte sal\u00adzig. \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 Es war dun\u00adkel und es reg\u00adne\u00adte, als er wie\u00adder auf die Stra\u00ad\u00dfe trat. Kein Mensch war mehr zu sehen, fast kein Ger\u00e4usch mehr zu h\u00f6ren; nur in der Fer\u00adne unter\u00adhielt sich eine Eule mit der Nacht. \u201eWie pas\u00adsend\u201c, dach\u00adte er. Was hat\u00adte er erwar\u00adtet, als er noch kurz zuvor mit Herz\u00adklop\u00adfen vor ihrer T\u00fcr \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2010\/01\/sie-fragment-2\/\" class=\"more-link\">\u2018Sie. 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