{"id":12677,"date":"2017-07-30T20:30:49","date_gmt":"2017-07-30T18:30:49","guid":{"rendered":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=12677"},"modified":"2017-07-30T20:30:49","modified_gmt":"2017-07-30T18:30:49","slug":"medienkritik-cvi-si-tacuisses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2017\/07\/medienkritik-cvi-si-tacuisses\/","title":{"rendered":"Medienkritik CVI: Si tacuisses\u2026"},"content":{"rendered":"<p>Das Mag\u00ada\u00adzin \u201cHohe Luft\u201d \u2014 Unter\u00adti\u00adtel: \u201cF\u00fcr alle, die Lust am Denken haben\u201d \u2014 geh\u00f6rt zu den weni\u00adgen Mag\u00ada\u00adzi\u00adnen, deren Erschei\u00adn\u00adun\u00adgen ich regelm\u00e4\u00dfig zumin\u00add\u00adest inhaltlich zur Ken\u00adnt\u00adnis nehme. Das wesentliche The\u00adma des Mag\u00ada\u00adzins ist die Philoso\u00adphie, und w\u00e4hrend Adorno und Alt\u00adgriechen in der Redak\u00adtion offen\u00adbar als geset\u00adzt gel\u00adten, hat doch jede einzelne Aus\u00adgabe ein anderes Haupt\u00adthe\u00adma. Wie auch in der vor vie\u00adlen Jahren noch grund\u00ads\u00e4t\u00adzlich lesenswerten \u201cc\u2019t\u201d, die irgend\u00adwann um 2014 herum zum Lin\u00adux-Fan\u00admagazin verkom\u00admen ist, nehme ich jedoch auch in der \u201cHohen Luft\u201d allm\u00e4h\u00adlich einen qual\u00adi\u00adta\u00adtiv\u00aden Ver\u00adfall wahr.<\/p>\n<p>Nor\u00admaler\u00adweise geht es an dieser Stelle um Frauen\u00admagazine und ihr merk\u00adw\u00fcrdi\u00adges Bild von M\u00e4n\u00adnern. So \u00e4hn\u00adlich ist es auch heute, denn die Redak\u00adtion der \u201cHohen Luft\u201d hat eine recht hohe Frauen\u00adquote. Sel\u00adten aber war das so offen\u00adsichtlich wie dies\u00admal.<\/p>\n<p><!--more-->Das Titelthe\u00adma der Aus\u00adgabe 5\/2017 der \u201cHohen Luft\u201d n\u00e4m\u00adlich lautet: \u201cWas es hei\u00dft, ein Mann zu sein\u201d. Bebildert ist es vorne drauf mit ein\u00ader Sil\u00adhou\u00adette, die wohl einen Mann darstellen soll, um den <em>klas\u00adsisch m\u00e4nnliche<\/em> Dinge wie Gewichte, ein muskul\u00f6s\u00ader Arm, eine Schir\u00adm\u00adm\u00fctze, ein Ten\u00adniss\u00adchl\u00e4ger und ein B\u00fcgeleisen kreisen. \u201cDer Mann als ethis\u00adches Geschlecht\u201d ist das jet\u00adzige Leit\u00adthe\u00adma des Mag\u00ada\u00adzins und ich habe mich wirk\u00adlich schon mal ethis\u00adch\u00ader gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Den Text zur bl\u00f6\u00adden \u00dcber\u00adschrift (\u201cDer mod\u00aderne Mann\u201d) ver\u00adfasste Chefredak\u00adteur Thomas Va\u0161ek gemein\u00adsam mit der erschreck\u00adend blonden Philosophin, Red\u00adner\u00adin &amp; Autorin Dr. Rebek\u00adka Rein\u00adhard, die unter anderem das Buch \u201cKleine Philoso\u00adphie der Macht (nur f\u00fcr Frauen)\u201d geschrieben hat und gele\u00adgentlich f\u00fcr Geld \u00fcber \u201cFemale Empow\u00ader\u00adment\u201d redet, wie ihre <a href=\"https:\/\/rebekkareinhard.de\/\">Web\u00adsite<\/a> wei\u00df; die Qual\u00adi\u00adfika\u00adtion f\u00fcr einen mehr\u00adseit\u00adi\u00adgen Text \u00fcber die Ethik des mod\u00ader\u00adnen Mann\u00adseins bedarf also kein\u00ader weit\u00aderen Erk\u00adl\u00e4rung. Vielle\u00adicht schreibe ich irgend\u00adwann mal ein Buch \u00fcber Men\u00adstru\u00ada\u00adtion oder so.<\/p>\n<p>\u201cDer tra\u00addi\u00adtionelle Mann\u201d, behauptet also schon der Anris\u00ads\u00adtext, sei \u201cein Aus\u00adlauf\u00admod\u00adell. Doch was ist das \u00fcber\u00adhaupt: M\u00e4nnlichkeit?\u201d Da bin ich mal ges\u00adpan\u00adnt. Aus didak\u00adtis\u00adchen Gr\u00fcn\u00adden springe ich im Text ein wenig umher, zur Strin\u00adgenz ist der Genuss des Orig\u00adinal\u00adtexts unver\u00admei\u00addlich.<\/p>\n<p>Schon, weil der ver\u00admut\u00adlich entschei\u00addende Text\u00adteil mit\u00adten\u00addrin ste\u00adht:<\/p>\n<blockquote><p>M\u00e4n\u00adner haben bish\u00ader die (\u00dcber-)Macht. Sie haben sich die Welt so ein\u00adgerichtet, dass sie ihren Bed\u00fcrfnis\u00adsen und F\u00e4higkeit\u00aden entspricht. Kap\u00adi\u00adtal\u00adis\u00admus, Wet\u00adtbe\u00adwerb, Waf\u00adfen, Kriege, schnelle Autos \u2014 all das sind ihre Erzeug\u00adnisse.<\/p><\/blockquote>\n<p>Frauen n\u00e4m\u00adlich, das muss man wis\u00adsen, sind f\u00fcr Kap\u00adi\u00adtal\u00adis\u00admus und Wet\u00adtbe\u00adwerb nicht <em>f\u00e4hig<\/em> genug \u2014 daher ver\u00admut\u00adlich ihr Gezeter ob aus\u00adbleiben\u00adder Vagi\u00adnalquotierung \u2014 und haben kein <em>Bed\u00fcrf\u00adnis<\/em> nach Waf\u00adfen und Kriegen, was sie immer und grund\u00ads\u00e4t\u00adzlich von M\u00e4n\u00adnern unter\u00adschei\u00addet. Ein Mann ste\u00adht mor\u00adgens auf und f\u00e4ngt erst mal einen Krieg an, denn das ver\u00adlangt die von ihm selb\u00adst errichtete Welt von ihm.<\/p>\n<p>Mit einem so bescheuerten Grund\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adnis vom Mann\u00adsein (Buchver\u00adtrag!) argu\u00admen\u00adtiert es sich <em>nat\u00fcr\u00adlich<\/em> recht schnell etwas \u00fcber \u201cM\u00e4n\u00adner\u00adforschung\u201d zusam\u00admen. \u201cDie M\u00e4n\u00adner\u00adforschung\u201d, behauptet ein Erk\u00adl\u00e4rungskas\u00adten, sei \u201cein inter\u00addiszi\u00adplin\u00e4res akademis\u00adches Fach, das (\u2026) neue Mod\u00adelle der M\u00e4nnlichkeit disku\u00adtiert. (\u2026) Ein\u00ader der derzeit ein\u00adflussre\u00adich\u00adsten M\u00e4n\u00adner\u00adforsch\u00ader ist der amerikanis\u00adche Sozi\u00adologe und Fem\u00adi\u00adnist Michael Kim\u00admel\u201d, denn wenn es eine Gruppe von Men\u00adschen gibt, die M\u00e4n\u00adner sin\u00adnvoll erforschen kann, dann sind das ganz klar die Fem\u00adi\u00adnis\u00adten. Bedauer\u00adlicher\u00adweise schaf\u00adfen die bei\u00adden Autoren es auf vier Seit\u00aden kaum, inhaltlich merk\u00adlich \u00fcber die Behaup\u00adtung, unter Mann\u00adsein ver\u00adste\u00adhe man 2017 etwas anderes als noch 1817, hin\u00adauszuge\u00adhen, wobei sie immer\u00adhin den Kun\u00adst\u00adgriff vornehmen, die Geschlechter\u00adfrage nicht auf \u201chat Penis\u201d und \u201chat keinen Penis\u201d herun\u00adterzubrechen.<\/p>\n<p>Selb\u00adst\u00adgew\u00e4hlte M\u00e4nnlichkeit n\u00e4m\u00adlich \u2014 das <em>ethis\u00adche<\/em>, nicht etwa das <em>soziale<\/em> oder <em>biol\u00ado\u00adgis\u00adche<\/em> Geschlecht \u2014 liege vor, wenn <em>m\u00e4nnliche Werte<\/em> vertreten w\u00fcr\u00adden, zum Beispiel n\u00e4m\u00adlich:<\/p>\n<blockquote><p>Ein Mann strebt einen gut bezahlten Job an, weil ihm finanzielle Unab\u00adh\u00e4ngigkeit wichtig ist. (\u2026) Er kann es (\u2026) unab\u00adh\u00e4ngig von einem bes\u00adtimmten m\u00e4nnlichen \u201cSollen\u201d tun \u2014 ein\u00adfach deshalb, weil es sein\u00ader Vorstel\u00adlung von einem gelin\u00adgen\u00adden Leben entspricht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Argu\u00admen\u00adta\u00adtion\u00adsweise der Autoren zufolge ist jede Frau, die gern ein finanziell gelin\u00adgen\u00addes Leben f\u00fchren m\u00f6chte, ethisch ein Mann. Hof\u00adfentlich lesen Fem\u00adi\u00adnis\u00adten nicht die \u201cHohe Luft\u201d. \u2014 Wenige Seit\u00aden zuvor zitierte Tobias H\u00fcrter bezo\u00adgen auf Don\u00adald Trump die Logik\u00ader\u00adweisheit \u201caus Falschem fol\u00adgt Beliebiges\u201d, jedoch hat\u00adten die Autoren in Logik wohl meist gefehlt, so dass es ihrer\u00adseits zu fol\u00adgen\u00addem <em>Vorschlag<\/em> kam:<\/p>\n<blockquote><p>Nur wenn der mod\u00aderne Mann bere\u00adit ist, seinen Umbau selb\u00adst in die Hand zu nehmen (\u2026), kann er sich wirk\u00adlich als \u201cmod\u00adern\u201d und zukun\u00adfts\u00adf\u00e4hig erweisen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dem \u201cUmbau\u201d ist hier die Auf\u00adgabe der so genan\u00adnten \u201cM\u00e4nnlichkeit\u201d, das Auf\u00adbrechen von \u201cklas\u00adsis\u00adche Nor\u00admen\u201d genan\u00adnten Ver\u00adhal\u00adtens\u00admustern (i.e. Waf\u00adfen und Kriege), gemeint, um als Mann, dem seine gewohn\u00adten Nor\u00admen auf\u00adgrund gesellschaftlich\u00ader Umw\u00e4lzun\u00adgen abhan\u00adden gekom\u00admen seien, nicht den Lebenssinn zu ver\u00adlieren. Ich bezwei\u00adfle, dass diese Aus\u00adgabe der \u201cHohen Luft\u201d diesem Ver\u00adlust nicht Vorschub leis\u00adtet.<\/p>\n<p>Als \u201cLek\u00adt\u00fcre\u201d wer\u00adden am Schluss des Artikels mag\u00ada\u00adz\u00adin\u00adtyp\u00adisch drei ver\u00adschiedene B\u00fcch\u00ader emp\u00adfohlen, darunter \u201cder Klas\u00adsik\u00ader eines Fem\u00adi\u00adnis\u00adten \u00fcber die ver\u00adschiede\u00adnen M\u00e4nnlichkeit\u00adskonzepte unser\u00ader Zeit\u201d. Man k\u00f6n\u00adnte wahrschein\u00adlich stattdessen auch ein\u00adfach die \u201cEMMA\u201d lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Mag\u00ada\u00adzin \u201cHohe Luft\u201d \u2014 Unter\u00adti\u00adtel: \u201cF\u00fcr alle, die Lust am Denken haben\u201d \u2014 geh\u00f6rt zu den weni\u00adgen Mag\u00ada\u00adzi\u00adnen, deren Erschei\u00adn\u00adun\u00adgen ich regelm\u00e4\u00dfig zumin\u00add\u00adest inhaltlich zur Ken\u00adnt\u00adnis nehme. 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