{"id":11761,"date":"2016-09-14T18:30:09","date_gmt":"2016-09-14T16:30:09","guid":{"rendered":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=11761"},"modified":"2016-09-14T16:43:43","modified_gmt":"2016-09-14T14:43:43","slug":"musikindustrie-beklagt-erfolgreiche-werbung-durch-sich-selbst-und-ist-empoert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2016\/09\/musikindustrie-beklagt-erfolgreiche-werbung-durch-sich-selbst-und-ist-empoert\/","title":{"rendered":"Musikindustrie beklagt erfolgreiche Werbung durch sich selbst und ist emp\u00f6rt."},"content":{"rendered":"<p>Wie man eine Studie gr\u00fcndlich missver\u00adste\u00adht, erk\u00adl\u00e4rt heute mal wieder <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Streaming-fuer-lau-Musikindustrie-schiesst-sich-auf-YouTube-ein-3320936.html\">die Musikin\u00addus\u00adtrie<\/a> (nur echt mit typ\u00adis\u00adchen heise-S\u00e4tzen wie \u201cIn Schwellen\u00adl\u00e4n\u00addern wie Mexiko oder Brasilien sowie in S\u00fcd\u00adko\u00adrea und Ital\u00adien lauschen \u00fcber zwei Drit\u00adtel der Onlin\u00ader zu Songs auf dem Handy\u201d, was auch immer der let\u00adzte Teil des Satzes gram\u00admatikalisch \u00fcber\u00adhaupt hei\u00dfen soll):<\/p>\n<blockquote><p>82 Prozent der Besuch\u00ader des Video\u00adpor\u00adtals <em>(YouTube, A.d.V)<\/em> nutzen die Plat\u00adtform, um sich Musik-Clips anzuschauen und Songs zu h\u00f6ren. (\u2026) 58 Prozent [von ihnen] sto\u00dfen dort auf musikalis\u00adche Neuent\u00addeck\u00adun\u00adgen. (\u2026) F\u00fcr die Labels wird damit deut\u00adlich, dass die Gratis-Ser\u00advices zunehmend als Alter\u00adna\u00adtive genutzt wer\u00adden, um nicht f\u00fcr Musik bezahlen zu m\u00fcssen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Oder eben auch, dass die kosten\u00adlose Wer\u00adbung <em>ganz gut<\/em> funk\u00adtion\u00adiert, nicht?<\/p>\n<p>Ich selb\u00adst habe auf YouTube schon manchen K\u00fcn\u00adstler \u201cent\u00addeckt\u201d, der son\u00adst mein\u00ader Aufmerk\u00adsamkeit v\u00f6l\u00adlig ent\u00adgan\u00adgen w\u00e4re, was schade gewe\u00adsen w\u00e4re. Allerd\u00adings ist das <em>Ph\u00e4nomen<\/em>, dass es \u2014 Panik! Panik! \u2014 Musik kosten\u00adlos <em>im Inter\u00adnet<\/em> zu h\u00f6ren gibt, kein neues: Als ich noch j\u00fcnger war, h\u00f6rte ich in neue Musikalben lieber via Nap\u00adster (sp\u00e4ter: Audio\u00adgalaxy, KaZaA, bis heute: eMule) hinein als mich hin\u00adter\u00adher \u00fcber einen Fehlka\u00aduf zu \u00e4rg\u00adern. Taschen\u00adgeld und Musikver\u00adschwen\u00addung passen nicht so gut zueinan\u00adder. Seit\u00addem hat sich viel ge\u00e4n\u00addert: Ich kann mir heute mehr Musik leis\u00adten als fr\u00fcher, \u201cmuss\u201d es aber sel\u00adtener.<\/p>\n<p>Was der Pio\u00adnier Myspace einst etablierte, n\u00e4m\u00adlich <em>Platz<\/em> f\u00fcr Musik\u00ader, die ihre Werke kosten\u00adlos der \u00d6ffentlichkeit zum Anh\u00f6ren zur Ver\u00adf\u00fc\u00adgung stellen woll\u00adten, ist heute vor allem dank Band\u00adcamp so beliebt und viel\u00adgenutzt wie nie zuvor. Diese Losl\u00f6\u00adsung von klas\u00adsis\u00adchen Ver\u00adtrieb\u00adswe\u00adgen \u2014 mithin auch: von YouTube, denn die dor\u00adtige Ton\u00adqual\u00adit\u00e4t h\u00e4lt sich doch meist in engen Gren\u00adzen, was die Aufre\u00adgung \u00fcber YouTube noch anachro\u00adnis\u00adtis\u00adch\u00ader scheinen l\u00e4sst als sie es ohne\u00adhin ist \u2014 bedeutet auch einen Wech\u00adsel der Par\u00ada\u00addig\u00admen und mehr Frei\u00adheit\u00aden (sowie ger\u00adingf\u00fcgig mehr Pflicht\u00aden) f\u00fcr die Musik\u00ader selb\u00adst. Manche lassen ihre Alben im Voraus von ihren <em>fans<\/em> bezahlen (\u201cCrowd\u00adfund\u00ading\u201d), manche stem\u00admen diese B\u00fcrde selb\u00adst, ver\u00adlassen sich aber daf\u00fcr hin\u00adsichtlich der Wer\u00adbung auf die <em>crowd<\/em>, die \u00fcber Musik\u00adblogs wie <a href=\"http:\/\/www.schallgrenzen.de\">Schall\u00adgren\u00adzen<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.nicorola.de\">Nicoro\u00adla<\/a> und <a href=\"http:\/\/33rpmpvc.blogspot.de\">33rpmPVC<\/a> ihren Teil dazu beitr\u00e4gt, dass <em>geile<\/em> Musik auch <em>geile<\/em> Aufmerk\u00adsamkeit erf\u00e4hrt. Die wesentliche Rolle ein\u00ader Plat\u00adten\u00adfir\u00adma, Finanzierung und Ver\u00admark\u00adtung n\u00e4m\u00adlich, f\u00fcllt heute ein Musik\u00ader, der tech\u00adnisch ver\u00adsierte Fre\u00adunde oder selb\u00adst aus\u00adre\u00adichend viel Inter\u00adesse am The\u00adma hat, dank der <em>ver\u00addammten Dig\u00adi\u00adtal\u00adisierung<\/em> bei Bedarf g\u00e4n\u00adzlich allein aus.<\/p>\n<p><em>Das Inter\u00adnet<\/em>, diese Tod und Ungl\u00fcck brin\u00adgende Hydra, ist insofern <em>nat\u00fcr\u00adlich<\/em> ein Feind der Plat\u00adten\u00adfir\u00admen; den sie indes nicht schla\u00adgen k\u00f6n\u00adnen, <em>so sehr sie es auch ver\u00adsuchen<\/em>. Das haben sie zum Teil bere\u00adits erkan\u00adnt, immer\u00adhin unter\u00adh\u00e4lt unter anderem Vevo (eine Part\u00adner\u00adschaft zwis\u00adchen, Sony Music \u201cEnter\u00adtain\u00adment\u201d und der Uni\u00adver\u00adsal Music Group) au\u00dfer\u00adhalb der Ein\u00adflusssph\u00e4re der GEMA jew\u00adeils einen gut gef\u00fcll\u00adten YouTube-Kanal f\u00fcr eine <em>ganze Menge<\/em> an reichen, sch\u00f6\u00adnen, ber\u00fchmten und teil\u00adweise nicht v\u00f6l\u00adlig \u00fcblen Musik\u00adern aus dem eige\u00adnen Port\u00adfo\u00adlio und Lizen\u00adzvertr\u00e4ge mit den ein\u00adschl\u00e4gi\u00adgen Stream\u00ading\u00addi\u00aden\u00adsten, die sich ins\u00adbeson\u00addere dadurch ausze\u00adich\u00adnen, dass die Musik\u00ader noch weniger Geld daf\u00fcr bekom\u00admen als es ohne\u00adhin bere\u00adits der Fall ist, tun ihr \u00dcbriges. Die Musikin\u00addus\u00adtrie fand nun also \u00fcber\u00adrascht her\u00adaus, dass dadurch, dass sie kosten\u00adlos Musik zur Ver\u00adf\u00fc\u00adgung stellt, viele Men\u00adschen diese kosten\u00adlose Musik auch h\u00f6ren, ohne etwas daf\u00fcr zu bezahlen. Wenn das doch nur jemand geah\u00adnt h\u00e4tte!<\/p>\n<p>Ent\u00adfiele YouTube, ent\u00adfiele also nichts als ein weit\u00ader\u00ader Ver\u00adtrieb\u00adsweg. F\u00fcr das Gros der <em>fiesen Ver\u00adbrech\u00ader<\/em> vor dem Bild\u00adschirm, die diesen Ver\u00adtrieb\u00adsweg als poten\u00adzielle Kun\u00adden gern weit\u00ader\u00adhin beschre\u00adit\u00aden w\u00fcr\u00adden, w\u00fcrde sich allen\u00adfalls ein dig\u00adi\u00adtales Leseze\u00adichen \u00e4ndern, f\u00fcr die Lizen\u00adz\u00adin\u00adhab\u00ader aber wird sich die fehlende M\u00f6glichkeit der Gratispro\u00adpa\u00adgan\u00adda \u00fcber YouTube mit ziem\u00adlich\u00ader Sicher\u00adheit sehr unan\u00adgenehm auf die Bilanzen auswirken.<\/p>\n<p>Im Orig\u00adi\u00adnalar\u00adtikel hei\u00dft es weit\u00ader\u00adhin:<\/p>\n<blockquote><p>Nutzer\u00adrechte m\u00fcssten aber so gestal\u00adtet sein, dass sie nicht Gesch\u00e4ftsmod\u00adellen Vorschub leis\u00adteten, \u201cdie let\u00adztlich nur schmarotzen und die Kreativ\u00aden und ihre Part\u00adner nicht an den Ein\u00adnah\u00admen par\u00adtizip\u00adieren lassen\u201d.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zum Beispiel dem der Musikin\u00addus\u00adtrie, die ihren K\u00fcn\u00adstlern, wenn es <em>ganz bl\u00f6d kommt<\/em>, <a href=\"http:\/\/music3point0.blogspot.de\/2010\/08\/slicing-profit-pie.html\">unge\u00adf\u00e4hr 4,5 Prozent<\/a> von den Ein\u00adnah\u00admen eines Albums <em>abgibt<\/em>. F\u00fcr Musik bezahlen, geht es nach ihrem Willen, also vor allem diejeni\u00adgen, die sie \u00fcber\u00adhaupt erst aufnehmen.<\/p>\n<p>Der Tod der Musikin\u00addus\u00adtrie wird ein ret\u00adten\u00adder sein. Sto\u00dfen wir darauf an!<\/p>\n<p><em>(via <a href=\"https:\/\/schwerdtfegr.wordpress.com\/2016\/09\/14\/die-musikindustrie\/\">Schw\u00aderdt\u00adfe\u00adgr<\/a>)<\/em><\/p>\n<hr>\n<p>Meine <a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2016\/04\/fuer-den-seelenfrieden-140-zeichen-diskussionskultur\/\">diesj\u00e4hrige Kan\u00addi\u00addatur<\/a> blieb erwartungs\u00adgem\u00e4\u00df hin\u00adter den Erwartun\u00adgen zur\u00fcck. Vielle\u00adicht h\u00e4tte ein anderes Wahlkampf\u00admot\u00adto geholfen: <a href=\"http:\/\/pitchfork.com\/news\/68214-darkthrone-frontman-glyve-fenriz-nagell-involuntarily-elected-to-local-office\/\">W\u00e4hlen Sie mich blo\u00df nicht!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie man eine Studie gr\u00fcndlich missver\u00adste\u00adht, erk\u00adl\u00e4rt heute mal wieder die Musikin\u00addus\u00adtrie (nur echt mit typ\u00adis\u00adchen heise-S\u00e4tzen wie \u201cIn Schwellen\u00adl\u00e4n\u00addern wie Mexiko oder Brasilien sowie in S\u00fcd\u00adko\u00adrea und Ital\u00adien lauschen \u00fcber zwei Drit\u00adtel der Onlin\u00ader zu Songs auf dem Handy\u201d, was auch immer der let\u00adzte Teil des Satzes gram\u00admatikalisch \u00fcber\u00adhaupt hei\u00dfen soll): 82 Prozent der \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2016\/09\/musikindustrie-beklagt-erfolgreiche-werbung-durch-sich-selbst-und-ist-empoert\/\" class=\"more-link\">\u2018Musikin\u00addus\u00adtrie beklagt erfol\u00adgre\u00adiche Wer\u00adbung durch sich selb\u00adst und ist emp\u00f6rt.\u2019 weit\u00ader\u00adlesen \u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[2,13],"tags":[],"series":[],"class_list":["post-11761","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikalisches","category-in-den-nachrichten"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11761\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11761"},{"taxonomy":"series","embeddable":true,"href":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/series?post=11761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}