{"id":11550,"date":"2016-07-13T00:24:01","date_gmt":"2016-07-12T22:24:01","guid":{"rendered":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/?p=11550"},"modified":"2016-07-13T00:24:01","modified_gmt":"2016-07-12T22:24:01","slug":"warum-keith-jarrett-zu-bejubeln-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tuxproject.de\/blog\/2016\/07\/warum-keith-jarrett-zu-bejubeln-ist\/","title":{"rendered":"Warum Keith Jarrett zu bejubeln ist"},"content":{"rendered":"<p>Gestern <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/freitext\/2016\/07\/12\/keith-jarrett-konzert-clemens-setz\/\">schrieb<\/a> Clemens Setz auf \u201cZEIT ONLINE\u201d \u00fcber ein Konz\u00adert des unbe\u00adstrit\u00adten erstk\u00adlas\u00adsi\u00adgen Jaz\u00adzpi\u00adanis\u00adten Kei\u00adth Jar\u00adrett unge\u00adf\u00e4hr dies:<\/p>\n<blockquote><p>Ich war aufgeregt. Ich hat\u00adte ihn nie zuvor live erlebt. Der Held mein\u00ader Jugend, noch aus jen\u00ader Zeit, als ich dachte, ich k\u00f6n\u00adnte vielle\u00adicht selb\u00adst ein gro\u00dfer Jaz\u00adzpi\u00adanist wer\u00adden. (\u2026) Als N\u00e4ch\u00adstes kam Kei\u00adth Jar\u00adrett. Er sah nicht sehr gl\u00fcck\u00adlich aus. Er trat ans Mikro\u00adfon und sagte: \u201eIch spiele nicht eine einzige Note auf diesem Klavier, bis die zwei Per\u00adso\u00adn\u00aden, die Fotos gemacht haben, das Geb\u00e4ude ver\u00adlassen haben!\u201c (\u2026) Jar\u00adrett set\u00adzte, mit ein\u00ader Hand Schweigen gebi\u00adetend, noch eins drauf. Er habe durch unsere Unver\u00adsch\u00e4mtheit den Kon\u00adtakt mit der Musik ver\u00adloren. (\u2026) Der K\u00fcn\u00adstler entzieht uns r\u00fcck\u00adwirk\u00adend seine Seele! Was wir geh\u00f6rt haben, war nicht wirk\u00adlich er. Und falls es uns gefall\u00aden hat, zeigt das nur, wie dumm wir sind. Her\u00adrje.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201cHer\u00adrje\u201d, <em>was hat dieser K\u00fcn\u00adstler\u00adarsch doch eine v\u00f6l\u00adlig falsche Vorstel\u00adlung von Musik!<\/em> Es steckt kein Herzblut im Geh\u00f6rten? Das ist egal, es ist beliebig. Der Mann kann uns doch nicht das Atmen ver\u00adbi\u00adeten und das fast genau so wichtige Bel\u00e4sti\u00adgen des inter\u00adessierten Pub\u00adlikums mit Licht\u00adblitzen erst recht nicht, denn v\u00f6l\u00adlig ungeachtet der Frage, ob die Gef\u00fchlsreise geneigter Anwe\u00adsender, auf die sie mit guter Musik aufzubrechen ver\u00adm\u00f6\u00adgen, nicht von bl\u00f6\u00addem Geknipse von Banau\u00adsen unsan\u00adft been\u00addet wer\u00adden k\u00f6n\u00adnte und man sich das vielle\u00adicht mal fr\u00fcher \u00fcber\u00adlegen sollte, <em>darf man<\/em> nicht aus den Augen ver\u00adlieren, worum es wirk\u00adlich geht, wenn man ein Konz\u00adert besucht, n\u00e4m\u00adlich um einen weit\u00aderen Etap\u00adpen\u00adsieg im ewig w\u00e4hren\u00adden Wet\u00adtkampf um D\u00e4um\u00adchen und Sternchen. <a href=\"https:\/\/kiezneurotiker.blogspot.co.uk\/2016\/07\/herzlichen-gluckwunsch-es-ist-ein-troll.html\">Jemand macht was, egal was: Like.<\/a> Warum den Abend genie\u00dfen, wenn man ihn auch hin\u00adter\u00adher auf einem Bild\u00adschirm anguck\u00aden kann? Die heutige Videotech\u00adnik l\u00e4sst verbl\u00fcf\u00adfend echt\u00ades <em>feel\u00ading<\/em> aufkom\u00admen, als w\u00e4re man bei dem aufgenomme\u00adnen Konz\u00adert selb\u00adst dabei gewe\u00adsen.<\/p>\n<p>Krass.<\/p>\n<p>Clemens Setz schrieb weit\u00ader\u00adhin:<\/p>\n<blockquote><p>Er schien uns zu sagen: Ihr beklatscht ohne\u00adhin alles, also was soll\u2019s, hier ist ein Blues. Zynis\u00adche Musik. Bit\u00adtere Imi\u00adta\u00adtio\u00adnen sein\u00ader selb\u00adst, vir\u00adtu\u00ados hingek\u00adnallt f\u00fcr ein dummes Pub\u00adlikum, das nicht still und unsicht\u00adbar sein kann. (\u2026) Ich stellte mir vor, wie der K\u00fcn\u00adstler vor dem Konz\u00adert ins Mikro\u00adfon sagt: (\u2026) \u201eUnd schauen Sie nicht dauernd auf die Arm\u00adban\u00adduhr. Was hat Tech\u00adnolo\u00adgie hier neben mir und mein\u00ader Kun\u00adst zu suchen?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn ich <em>noch drin\u00adgend irgend\u00adwo hin muss<\/em> oder ein\u00adfach nur den Moment her\u00adbeisehne, dass <em>der Mist<\/em> vorn auf der B\u00fchne endlich endet, dann ist es nicht die Auf\u00adgabe des K\u00fcn\u00adstlers, seine Arbeit so schnell wie m\u00f6glich hin\u00adter sich zu brin\u00adgen, denn er hat den ungeduldigen Konz\u00adertbe\u00adsuch\u00ader nicht darum gebeten, an einem Ort zu sein, an dem er gar nicht sein will. W\u00e4re ich selb\u00adst Musik\u00ader, ich w\u00fcrde mich gle\u00adich\u00adfalls erhe\u00adblich an Men\u00adschen st\u00f6ren, die trotz frei\u00adwilli\u00adgen Bei\u00adwohnens offen\u00adsichtlich nicht gewil\u00adlt sind, mir zuzuh\u00f6ren. Ich gehe ja auch nicht in eine Met\u00adzgerei, wenn ich Lust auf Salat habe, und lasse die aus\u00adbleibende dor\u00adtige Befriedi\u00adgung dieser Lust schon gar nicht am anwe\u00adsenden Met\u00adzgersper\u00adson\u00adal aus.<\/p>\n<p>Da ich dies ger\u00adade schreibe, f\u00e4llt mir auf, wem ich sicher\u00adlich nicht h\u00e4tte zuh\u00f6ren sollen: Clemens Setz n\u00e4m\u00adlich. Allerd\u00adings tu\u2019 ich ihm nicht den Gefall\u00aden und beschwere mich bei ihm dar\u00fcber, dass ich meine Zeit damit ver\u00adschwen\u00addet habe, seinen Banau\u00adsen\u00adquatsch zu lesen, denn das war meine eigene und vor allem freie Entschei\u00addung. Ich h\u00f6re lieber ein wenig Jazz. Das entspan\u00adnt.<\/p>\n<p>Und ich brauche nicht mal ein Foto vom Klavier daf\u00fcr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern schrieb Clemens Setz auf \u201cZEIT ONLINE\u201d \u00fcber ein Konz\u00adert des unbe\u00adstrit\u00adten erstk\u00adlas\u00adsi\u00adgen Jaz\u00adzpi\u00adanis\u00adten Kei\u00adth Jar\u00adrett unge\u00adf\u00e4hr dies: Ich war aufgeregt. Ich hat\u00adte ihn nie zuvor live erlebt. Der Held mein\u00ader Jugend, noch aus jen\u00ader Zeit, als ich dachte, ich k\u00f6n\u00adnte vielle\u00adicht selb\u00adst ein gro\u00dfer Jaz\u00adzpi\u00adanist wer\u00adden. (\u2026) Als N\u00e4ch\u00adstes kam Kei\u00adth Jar\u00adrett. 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