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            "title": "Musik 12/2025 \u2013 Favoriten und Analyse",
            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 29 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Oh! Ein Jahresbeginn! Ihr wisst, was das bedeutet, n\u00e4mlich, dass es Zeit f\u00fcr die einzig richtige (d.h. <b>meine</b>) Liste der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">besten Musikalben des Jahres 2025</span> ist. Man sehe mir nach, dass ich das gestern <em>(haha, Jahresr\u00fcckblicke im November, hahaha)</em> erschienene <a href="\&quot;https://www.houseofmythology.com/releases/view/ulver-neverland\&quot;" data-wpel-link="internal">neue Album</a> von <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span> <em>trotzdem</em> nicht rechtzeitig zu h\u00f6ren <em>geschafft</em> habe. Ich f\u00fchre es daher nur der Form halber auf.</p>\n<p>Erg\u00e4nzend sei festgehalten: Die Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Skillet Lickers</span>, inzwischen in der vierten Generation aktiv, feiert im nun begonnenen Jahr ihren 100. Geburtstag. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span> sollten sich nicht so auff\u00fchren mit ihren Jubil\u00e4en.</p>\n<p><span id=\"more-23688\"></span></p>\n<p>Zur Punkmusik des Jahres 2025 erlaube ich mir \u2013 schon im April 2025, w\u00e4hrend ich diese Einleitung niederschreibe \u2013 eine desillusionierte Vorabbemerkung: Musiker, die sich in ihren Texten \u00fcber das \u00dcble auf der Welt beklagen, treiben damit, wenn sie es <em>ein</em> Lied lang machen, etwas H\u00f6renswertes, wenn sie es <em>zwei</em> Lieder lang machen, etwas wenigstens Interessantes; aber wenn man als Musiker seine <em>komplette Karriere</em> auf zwei bis drei leicht mitgebr\u00fcllte Parolen beschr\u00e4nkt und also au\u00dfer dem erkenntnisarmen \u201ePolizei doof und Nazis schlecht\u201c nicht viel mitzuteilen hat, dann verschwendet man damit meine Zeit und das mag ich nicht so. Macht doch mal was mit Blumen oder Autos.</p>\n<p>Der bis heute von vielen untersch\u00e4tzte, doch inzwischen verstorbene <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> sprach schon Ende der 1960er Jahre mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Velvet Underground</span>, was an damals zeitgen\u00f6ssischer Musik eine Last ist: \u201eCheap simian melodies, hillbilly outgush for illiterate ramblings, for cheap understanding, for mass understanding, (\u2026) business and business and cheap, stupid lyrics and simple mass reverse while the real thing is dying\u201c (\u201eThe Murder Mystery\u201c). Ich w\u00fcnschte, die seitdem geradezu explodierte Menge an Musik, die auf uns einprasselt, k\u00f6nnte wenigstens mit schierer Masse diesen Effekt umkehren. Stattdessen war es gar nicht <em>so</em> leicht, Behaltenswertes im Jahr 2025 zu finden \u2013 manches hatte seine H\u00f6hepunkte (so etwa \u201eAll That Is Over\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Sprints</span>), machte diesen Eindruck aber mit F\u00fclltiteln zunichte, wieder anderes war einfach nur entt\u00e4uschend bis erm\u00fcdend. Mein pers\u00f6nliches Ergebnis dessen, was neben der <a href="\&quot;https://www.metal-hammer.de/jen-majura-beendet-karriere-als-musikerin-2412981/\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00fcberw\u00e4ltigenden Menge an L\u00e4cherlichkeit</a> \u00fcbrig blieb, folgt.</p>\n<hr>\n<ol>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/kratzen-iii.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_kratzen-iii.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Kratzen \u2013 III</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWo ich mir Zukunft versprach / liegt nun Vergangenheit brach.\u201c</span> (Immer)</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Kratzen</span>, das \u201e2017 in K\u00f6ln gegr\u00fcndete Trio\u201c, \u201everbindet Krautrock und New Wave. Sie nennen es Krautwave\u201c (<span class=\"musik-review-bandname\">Kratzen</span> \u00fcber <span class=\"musik-review-bandname\">Kratzen</span>) und <em>eigentlich</em> k\u00f6nnte ich das so stehen lassen.</p>\n<p>Motorik-Beat, New-Wave-Gitarren, Gesang mit NDW-konformem Hall; harter Tobak ist es nicht, womit ich diese Liste beginnen lasse, aber ich habe es mir auch nicht zur wesentlichen Aufgabe gemacht, m\u00f6glichst vielen Lesern auf die N\u00fcsse zu gehen, sondern, diese j\u00e4hrlichen Zusammenfassungen zu nutzen, um meinerseits eine Ausrede zu haben, endlich mal wieder mehr Musik zu h\u00f6ren. Klappt, w\u00fcrde ich behaupten.</p>\n<p>Was sonst noch drinsteckt, ist Postpunk, aber das ist ja <em>auch wieder</em> ein weites Feld. Mehr <span class=\"musik-review-bandname\">Smiths</span> als <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span>, das sei erkl\u00e4rt. Krautrockfans m\u00f6gen\u2019s h\u00f6ren m\u00f6gen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream:</span> <a href="\&quot;https://tidal.com/album/411178926\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://kratzen.bandcamp.com/album/iii\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0DSV3KYYD?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/neutral-lagliv.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_neutral-lagliv.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">neutral \u2013 l\u00e5gliv</span></p>\n<p>Nachdem das erledigt w\u00e4re, kann es ja jetzt doch losgehen mit dem harten Tobak. Von der von mir schon an anderer Stelle empfohlenen kalifornischen Helen Scarsdale Agency kommt zerbrechlicher Industrial aus Schweden in Form des Albums \u201el\u00e5gliv\u201c, was Schwedisch ist und ungef\u00e4hr \u201edas Leben eines Taugenichts\u201c bedeutet.</p>\n<p>Das erste der beiden fast zwanzigmin\u00fctigen St\u00fccke, \u201eenhet / r\u00f6da sten / s\u00f6mng\u00e5ng / punkt\u201c, klingt eingangs wie eine Phonographenaufnahme eines Kinderkarussells, die in einem Sado-Maso-Studio neben einer Metall verarbeitenden Fabrik abgespielt wird, dazu murmelt <span class=\"musik-review-bandname\">Sofie Herner</span> etwas ins Diktaphon, das zu verstehen ich in skandinavischen Sprachen zu wenig versiert bin. Bald kommt eine gerade gestimmt werdende E\u2011Gitarre hinzu, bevor etwa zur Halbzeit alles in sich zusammenf\u00e4llt und eine d\u00e4monische Spieluhr kurz die F\u00fchrung \u00fcbernimmt, bis schlie\u00dflich ein panischer M\u00f6nchschor ein Regal mittels Bohrmaschine an der Wand zu befestigen beginnt und anschlie\u00dfend Applaus empf\u00e4ngt. Klingt irre? Ist es auch. Sollte ich dereinst beerdigt werden, m\u00f6chte ich, dass im Rahmen der Feierlichkeiten (\u201eTrauerfeier\u201c ist ja auch noch so ein Wort, mit dem man in \u201eunserem\u201c \u201eKulturkreis\u201c wenig anzufangen vermag) unter anderem irgendwas von dieser Plattenfirma l\u00e4uft. Damit die <em>normalen</em> Menschen mich weniger vermissen. (Diese sind hiermit ausgeladen.)</p>\n<p>Das zweite St\u00fcck ist <em>anders</em> seltsam. Stimmverfremdungs\u00fcbungen unter Wasser werden begleitet von zun\u00e4chst tropischer Perkussion, dann von einem kl\u00e4ffenden viel zu kleinen Hund, dann wieder von einer dystopischen Fabrik, woraufhin eine verstimmte Westerngitarre kurz solieren darf. Der Gitarrist fl\u00fcchtet jedoch vor einem Gewitter, die Stimmverfremdungs\u00fcbungen klappen aber anscheinend auch bei Gewitter. Finde ich gut.</p>\n<p>Das Leben ist zu kurz f\u00fcr Musik, die nicht herausfordert. \u201el\u00e5gliv\u201c fordert heraus.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream und Vinyl:</span> <a href="\&quot;https://helenscarsdale.bandcamp.com/album/l-gliv\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/bank-myna-eimuria.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_bank-myna-eimuria.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Bank Myna \u2013 Eimuria</span></p>\n<p>Anderes Land, andere Musik. <span class=\"musik-review-bandname\">Bank Myna</span> kommen aus Paris und tragen den Namen eines s\u00fcdasiatischen Vogels, hierzulande eher als Ufermaina bekannt. Ihr 2025er Album \u201eEimuria\u201c, angeblich live eingespielt, hingegen wurde, glaubt man <em>dem Internet</em>, nach einem alten Wort f\u00fcr Glut benannt, was irgendwie passt.</p>\n<p>Ich h\u00f6re kr\u00e4ftigen Postrock mit einigem Gedrone und weiblichem (und zum Gl\u00fcck englischsprachigem) Gesang, zumindest mich ein bisschen an <span class=\"musik-review-bandname\">Anna von Hausswolff</span> erinnernd, was aber auch daran liegt, dass ich einfach zu wenige Vergleiche kenne, was vermutlich vor allem an mir selbst liegt. <em>Das Internet</em> findet, dieses Album k\u00f6nnte Fans von <span class=\"musik-review-bandname\">Earth</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">BIG|BRAVE</span> gefallen, und weil ich <span class=\"musik-review-bandname\">Earth</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">BIG|BRAVE</span> ebenfalls mag, k\u00f6nnte das hinkommen. \u201eEimuria\u201c ist ziemlich intensiv und damit genau das, was uns Kopfh\u00f6rerh\u00f6rern bisweilen den Tag vers\u00fc\u00dft.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Vinyl, CD:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Eimuria-Bank-Myna/dp/B0F7RTY4J9?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://bankmyna.bandcamp.com/album/eimuria\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/426019054\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/pearl-handled-revolver-tales-you-lose.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_pearl-handled-revolver-tales-you-lose.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Pearl Handled Revolver \u2013 Tales You Lose</span></p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Pearl Handled Revolver</span> sind eine Gruppe von Musikern aus Gro\u00dfbritannien, die das selten bestellte Feld zwischen Funk, Blues, Psychedelic Rock und R\u2019n\u2019B zu beackern behauptet. Ihr f\u00fcnftes Album sei ein \u201eKopfsprung in ihre tiefsten Grooves und Psychedelic-Rock-Erkundungen\u201c, fabuliert der Pressetext. Das l\u00e4sst aufhorchen.</p>\n<p>Dieses \u2013 wohl ihr f\u00fcnftes \u2013 Album atmet dann auch in der Tat den Geist der 70er. Ich h\u00f6re Bluesrock mit viel Hammondorgel und gelegentliche Psychedelic-Ausbr\u00fcche (v\u00f6llig zutreffend betiteltes Lied, das klingt, wie es hei\u00dft: \u201eJunkies\u201c). Spontan tun sich mir Assoziationen an <span class=\"musik-review-bandname\">Brother Grimm</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Joe Bonamassa</span> auf, etwas <span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span> auch. S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Lee Vernon</span> wird bisweilen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Jim Morrison</span> verglichen, was stimmlich schon <em>irgendwie hinkommt</em> und zur Musik auch passt, nur dass <span class=\"musik-review-bandname\">Pearl Handled Revolver</span> es mit sp\u00e4rlich instrumentierten Spannungsb\u00f6gen nicht so haben. <em>Fr\u00fcher</em> h\u00e4tte man \u201eTales You Lose\u201c wohl <em>fetzig</em> genannt, und weil ich es mag, wie man <em>fr\u00fcher</em> geredet hat, mache ich das jetzt einfach auch.</p>\n<p>\u201ePearl Handled Revolver\u201c ist das 2025er Album f\u00fcr diejenigen, die eigentlich lieber ein neues Album aus den 70ern h\u00e4tten. So k\u00f6nnten die <span class=\"musik-review-bandname\">Doors</span> heute klingen, taten sie aber nie.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download und Kauf:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0DPTPVX1R?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://pearlhandledrevolver.bandcamp.com/album/tales-you-lose\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/404425398\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/nytt-land-songs-of-the-shaman.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_nytt-land-songs-of-the-shaman.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Nytt Land \u2013 Songs of the Shaman</span></p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Nytt Land</span>, wei\u00df die Wikipedia, sei eine \u201eNordic-Ritual-Folk-Band\u201c aus Sibirien. Der S\u00e4nger spielt nebenbei Fl\u00f6te und Talharpa und nennt sich \u201eNordman\u201c, zwei der f\u00fcnf Musiker spielen unter anderem Maultrommel, zwei weitere wenigstens eine Trommel. Die von mir auffindbaren Texte der verschiedenen Alben sind auf Sprachen wie Altnordisch, F\u00e4r\u00f6isch oder Isl\u00e4ndisch gehalten. Wer jetzt schon keinen Bock mehr hat, der m\u00f6ge dieses Album \u00fcberspringen.</p>\n<p>Den \u00dcbriggebliebenen w\u00fcnsche ich einen wachen Geist und die Bereitschaft f\u00fcr v\u00f6llig Anderes, denn das werdet ihr brauchen. Die Band selbst schreibt zum Album, dort interpretierten sie, daher auch der Titel, \u201etraditionelle schamanische Lieder oder Zauberspr\u00fcche der mandschu-tungusischen Ethno-Linguistikgruppen Sibiriens. Diese Lieder verwenden alte musikalische Techniken wie Kehlkopfgesang und Trommeln und wurden in ihrer Originalsprache aufgenommen\u201c. Als der vermutlich nicht Einzige hier im Internet, dem das sibirische Schamanentum weitgehend unbekannt ist, der aber f\u00fcr das Erfahren von Naturreligionen und traditionellen Kulturen grunds\u00e4tzlich empf\u00e4nglich ist, respektiere ich die Ernsthaftigkeit des Unterfangens (es wurde, versichern die Musiker, darauf verzichtet, Zauberspr\u00fcche aufzunehmen, die Schaden verursachen k\u00f6nnten) und lausche dem, was hier zelebriert wird.</p>\n<p>Ich m\u00f6chte \u201eHoge Yage\u201c, das mir noch Wochen sp\u00e4ter einen der merkw\u00fcrdigeren Ohrw\u00fcrmer meines Lebens bereiten sollte, exemplarisch f\u00fcr \u201eSongs of the Shaman\u201c herausgreifen. Es beginnt mit rhythmischer Perkussion, woraufhin S\u00e4ngerin \u201eKrauka\u201c selbige mit Beschw\u00f6rungsformeln in einer mir g\u00e4nzlich unbekannten Sprache \u00fcbersingt. Irgendwann setzen Maultrommel und Kehlkopfgesang im Hintergrund ein, die dieses in der Tat wie das, was ich banausenhafter Westeurop\u00e4er mir unter einem magischen Geistertanz vorstelle, klingende <em>Ereignis</em> begleiten, bis schlie\u00dflich nach f\u00fcnf Minuten nur noch ein wenig energisch stampfende Trommel \u00fcbrigbleibt und dann verstummt. Ich f\u00fchle mich hinterher wie durch das Jenseits spaziert. Auch mal interessant.</p>\n<p>Was f\u00fcr eine verr\u00fcckte Idee. Was f\u00fcr ein verr\u00fccktes Album.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, CD, Vinyl:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Songs-Shaman-2cd-Hardcover-Book/dp/B0DWFJ23ZL?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://nyttland.bandcamp.com/album/songs-of-the-shaman\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/411792538\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/technicolor-blood-evolution-now.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_technicolor-blood-evolution-now.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Technicolor Blood \u2013 Evolution Now</span></p>\n<p>Und da wir vorhin schon beim Postrock waren, machen wir mit Postpunk weiter und landen folgerichtig bei <span class=\"musik-review-bandname\">Technicolor Blood</span> aus Montreal. Die dortige Postrockszene ist international bekannt, aber auf seinem wohl zweiten Studioalbum haben die vier Herren es sich anders \u00fcberlegt.</p>\n<p>Eine Prise Fuzz und Stoner haben sie wohlweislich aufgenommen, um das vermeintlich fertigbeackerte Feld des Postpunks wenigstens nicht mit immer denselben \u00f6den Pflanzen \u00fcberwuchern zu lassen; dabei verzichten sie allerdings gro\u00dfteils auf ein \u00dcberma\u00df an Verzerrung, und auch der Gesang h\u00e4lt sich in der Abmischung zur\u00fcck. <em>Das Internet</em> zieht hier Vergleiche zu den ziemlich guten <span class=\"musik-review-bandname\">Verst\u00e4rker</span> (denen aus Kentucky, nicht den anderen) und hat damit gar nicht mal Unrecht. Schwer psychedelisch (<em>heavy psychedelic</em>) sei dieses Album, steht anderswo, daf\u00fcr ist dann aber doch zu wenig \u201ez\u00e4hes Gewaber\u201c (eine der sch\u00f6nsten Beschreibungen von <span class=\"musik-review-bandname\">Pink-Floyd</span>-Musik, die ich je gelesen habe) enthalten. \u201eEvolution Now\u201c sitzt irgendwo zwischen den St\u00fchlen und ist <em>deswegen</em> interessant, es also sowohl in diese Liste aufzunehmen als auch zwischen zwei stilistisch andere Alben zu setzen erschien mir folgerichtig.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream und/oder Download:</span> <a href="\&quot;https://technicolorblood.bandcamp.com/album/evolution-now\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/428397112\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/amplifier-gargantuan.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_amplifier-gargantuan.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Amplifier \u2013 Gargantuan</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI\u2019m running from the future and the past.\u201c</span> (Guilty Pleasure)</p>\n<p>Vor einigen Jahren habe ich mal irgendwo geschrieben, dass ich die (britische, nicht jedoch ihre belgischen Namensvettern) Band <span class=\"musik-review-bandname\">Placebo</span> f\u00fcr schwer ertr\u00e4glich halte, weil ich zwar nicht unbedingt was gegen allgegenw\u00e4rtige Keyboards habe, aber der elend n\u00f6lige S\u00e4nger mir nicht so recht Freude bereitet. Zum Gl\u00fcck haben <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span> eine andere Besetzung.</p>\n<p>Manche eher experimentierfreudige Bands, die mit <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span> gern mal ins New-Artrock-Wasser geworfen werden, <a href="\&quot;https://www.music-map.de/amplifier\&quot;" data-wpel-link="internal">etwa</a> die zu Recht hochgesch\u00e4tzten <span class=\"musik-review-bandname\">Oceansize</span> und die aufgrund der Trennung vor \u2013 huch! \u2013 auch schon wieder bald zwanzig Jahren in den Neuver\u00f6ffentlichungen sehr fehlenden <span class=\"musik-review-bandname\">Aereogramme</span>, hat die Zeit sozusagen auf dem Gewissen, aber <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span>, seit wenigen Jahren nur noch als Duo aktiv, ziehen\u2019s seit 1999 durch. Das ist erst mal eine Leistung. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Durose</span> von ebendiesen <span class=\"musik-review-bandname\">Oceansize</span> nach deren Aufl\u00f6sung bis 2020 auch bei <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span> spielte, spricht im \u00dcbrigen vermutlich f\u00fcr sich.</p>\n<p>Nun also \u201eGargantuan\u201c. Die f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span> nicht unbedingt ungew\u00f6hnliche Keyboarddominanz r\u00fcckt \u201eGargantuan\u201c, ich habe es eingangs angedeutet, in die (sehr grobe) N\u00e4he von <span class=\"musik-review-bandname\">Placebo</span>, aber ohne deren st\u00e4ndige Fanfaren. Eingebettet wird das in eine zusehends intensivere Weltraumlandschaft; als beg\u00f6nne man \u201eGargantuan\u201c auf der Autobahn (\u201eGateway\u201c), beobachtete, wie die Umgebung zusehends futuristischer wird (\u201eKing Kong\u201c), und fl\u00f6ge schlie\u00dflich (\u201eLong Road\u201c) entspannt durch das All. Dass die eher alltagsorientierten Texte mit dem musikalischen Thema wenig zu tun haben, darf als egal gelten, denn darum geht es ja auch nicht immer. Zu den Keyboards gesellen sich schneidend riffende Gitarren und ein hellwaches Schlagzeug mit Bewegungsdrang. Die zwei Herren bauen hier ein monolithisches Klangunget\u00fcm auf, das f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Entzifferung vermutlich mehr H\u00f6rdurchl\u00e4ufe braucht; fest steht, dass es reich belohnt wird.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span> scheinen insofern auch 2025 noch eine gute Anlaufstelle f\u00fcr diejenigen H\u00f6rer zu sein, die in der Schnittmenge aus New Artrock und Spacerock nach neuen Ideen suchen. M\u00f6ge es munden. (Oder wie hei\u00dft das bei Musik? M\u00f6ge sie ohren?)</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download und/oder Kauf:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Gargantuan-Amplifier/dp/B0DVH2XFJQ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://amplifier.bandcamp.com/album/gargantuan\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/413657863\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/minerall-stromung.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_minerall-stromung.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Minerall \u2013 Str\u00f6mung</span></p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Dave Schmidt</span>, vorrangig als <span class=\"musik-review-bandname\">Sula Bassana</span> <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Sula_Bassana\&quot;" data-wpel-link="internal">bekannt</a> f\u00fcr ungef\u00e4hr zweiundf\u00fcnfzig (plus/minus f\u00fcnfzig) Musikprojekte aus dem weiten Bereich der psychedelischen Rockmusik, nahm 2023, glaubt man <em>dem Internet</em>, an einer Veranstaltung in <em>ausgerechnet</em> Hannover teil, in deren Rahmen eine weitere Gruppe (ein weiteres Projekt?) namens <span class=\"musik-review-bandname\">Minerall</span> ins Leben gerufen wurde, dessen Deb\u00fctalbum mit dem schier entz\u00fcckenden Namen \u201eB\u00fcgeln\u201c bei mir 2024 schon <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/04/minerall-buegeln-unerforscht-mailto-ist-verboten/\&quot;" data-wpel-link="internal">Montagsmusik spielen</a> durfte. \u201eStr\u00f6mung\u201c ist nun das zweite Album, entstanden wohl im Rahmen derselben Aufnahmesitzung.</p>\n<p>Dargeboten wird in den beiden St\u00fccken zu je \u201eungef\u00e4hr\u201c zwanzig Minuten L\u00e4nge \u2013 nun \u2013 eine Art Motorik-Spacerock. Ein stoisches Schlagzeug, bedient \u00fcbrigens von <span class=\"musik-review-bandname\">Tommy Handschick</span>, regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner fragw\u00fcrdigen Texte schon mal als Teil von <span class=\"musik-review-bandname\">Kombynat Robotron</span> begegnet, begleitet ein waberndes Ger\u00e4uschunget\u00fcm, das bisweilen an <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> erinnert, ansonsten aber wie ein Amalgam der musikalischen Hintergr\u00fcnde der beteiligten Musiker klingt.</p>\n<p>Vierzig Minuten Kopfreise f\u00fcr die, die daf\u00fcr keine anderen Drogen als Musik brauchen; Menschen wie mich und m\u00f6glicherweise auch die, die hier <em>immer noch</em> mitlesen, also. Bitte, gern geschehen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream</span> (Vinyl ist gerade schwer erh\u00e4ltlich, existiert aber wohl auch): <a href="\&quot;https://minerall.bandcamp.com/album/str-mung\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/mclusky-the-world-is-still-here-and-so-are-we.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_mclusky-the-world-is-still-here-and-so-are-we.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">mclusky \u2013 the world is still here and so are we</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eTell me you\u2019re precious without being pissed on!\u201c</span> (kafka-esque novelist franz kafka)</p>\n<p>Mal was anderes, n\u00e4mlich erdiger Rock. <span class=\"musik-review-bandname\">Mclusky</span>, derzeit anscheinend wie auch der Titel dieses Albums sowie s\u00e4mtliche St\u00fccke darauf konsequent klein geschrieben, sind eine Post-Hardcore-Band, aber davon merkt man nichts, aus Cardiff, aber davon auch nicht. Ihr neuestes, viertes Album, n\u00e4mlich dieses, wurde bei Ipecac ver\u00f6ffentlicht, was, wie der geneigte Musikfreund wei\u00df, als Kriterium zum Interessesch\u00fcren durchaus hinreichend ist. Eine \u201eSch\u00f6nheit\u201c sei das Album, etikettiert die \u201eVISIONS\u201c, aber klassisch <em>sch\u00f6n</em> will es gar nicht sein.</p>\n<p>Nein, auf \u201ethe world is still here and so are we\u201c geht es so sumpfig zu wie einst bei den wundervollen <span class=\"musik-review-bandname\">Shellac</span>. Hier und da (\u201echekhov\u2019s guns\u201c) bricht der Crossover-Nu-Metal der fr\u00fchen 2000er hervor, aber im Wesentlichen haben wir es hier mit kr\u00e4ftig gepfeffertem Noiserock und ebensolchen Texten (etwa in \u201epeople person\u201c: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eexploding kids can kill the mood / can kill the mood if kid explosions aren\u2019t your heart\u2019s desire\u201c</span>; der \u201etagesschau\u201c gef\u00e4llt das) zu tun. Nur drei der Texte haben ein \u201eexplizite Lyrik\u201c-Etikett, aber danach suche ich mir die Musik hier ja auch nicht aus. Textlich soll es gar keinen Spa\u00df machen, aber musikalisch geht es gar nicht anders. Misanthroper Krach ist anders sch\u00f6n. \u201eBlabbermouth\u201c <a href="\&quot;https://blabbermouth.net/reviews/the-world-is-still-here-and-so-are-we\&quot;" data-wpel-link="internal">zieht das Fazit</a>, es sei \u201eegal, ob irgendwer von uns versteht, was hier passiert\u201c, wenn es doch \u201ederma\u00dfen gut\u201c klinge. Stimmt.</p>\n<p>N\u00f6rgelei? Klar: Das Album k\u00f6nnte meinetwegen l\u00e4nger sein. Aber es ist ja vermutlich nicht das letzte.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download, Kauf:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/World-Still-Here-Ltd-Blue-Vinyl/dp/B0DWXL2H7W?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://mcluskymclusky.bandcamp.com/album/the-world-is-still-here-and-so-are-we\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/433822728\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/colosseum-xi.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_colosseum-xi.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Colosseum \u2013 XI</span></p>\n<p>Das Ableben von <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Hiseman</span> hat seine Jazzrockcombo zum Gl\u00fcck nicht ihre Zelte abbrechen lassen, sondern, wie es sich anh\u00f6rt, erst recht befeuert. Das kennt man so \u00e4hnlich ja von <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span>. Am Schlagzeug sitzt in seiner Nachfolge seit 2020 <span class=\"musik-review-bandname\">Malcolm Mortimore</span>, einigen Lesern m\u00f6glicherweise von <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> (oder jedenfalls von deren Album \u201eThree Friends\u201c) bekannt und auch sonst seit Jahrzehnten recht umtriebig, weiterhin an Bord sind von der \u201ealten\u201c Garde seit 1969 bzw. 1970 <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eClem\u201c Clempson</span> (Gitarre, Keyboards), <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Clarke</span> (Bass) und <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Farlowe</span> (Gesang). So viel zu den nackten Zahlen.</p>\n<p>\u201eXI\u201c, das \u2013 \u00e4tsch! \u2013 neunte Studioalbum (sofern man die zwei EPs \u201eBread &amp; Circuses\u201c und \u201eThe Kettle\u201c nicht mitz\u00e4hlt) dieser verdienten Combo, beginnt schon mit ordentlich Groove. <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Farlowe</span> hat auch mit mittlerweile 85 Jahren immer noch den Soul von <em>fr\u00fcher</em> und auch sonst schlie\u00dft man nahtlos an die eigene Geschichte an: der springende Herr auf dem Titelbild war so \u00e4hnlich schon auf dem Livealbum von 1971 zu sehen.</p>\n<p>Es ist festzuhalten, dass die Musiker im Alter anscheinend ihren zweiten Fr\u00fchling erfahren, denn w\u00e4hrend die letzten Studioalben bis 2014 weithin als entt\u00e4uschend wahrgenommen werden, geht es seit dem Vorg\u00e4nger \u201eRestoration\u201c (2022) wieder qualitativ aufw\u00e4rts, und wer \u2013 wie ich \u2013 die \u201eValentyne Suite\u201c f\u00fcr bisher unerreicht im Schaffen <span class=\"musik-review-bandname\">Colosseums</span> h\u00e4lt, der d\u00fcrfte schon angesichts der Titelliste feststellen, dass hier eine fast neunmin\u00fctige \u201eEnglish Garden Suite\u201c enthalten ist, die rein instrumental gehalten ist und am ehesten <em>wie fr\u00fcher</em> klingt. Nat\u00fcrlich sollte keine Musikgruppe auf jede Weiterentwicklung verzichten, man betrachte diesen Einwurf daher vielmehr als nostalgisches Seufzen denn als plumpe Kritik am Neuen. Um die \u201eSuite\u201c herumgewoben sind zeitlose St\u00fccke wie das er\u00f6ffnende, <em>funkige</em> \u201eNot Getting Through\u201c, das jedenfalls mich an die j\u00fcngeren <span class=\"musik-review-bandname\">Uriah-Heep</span>-Werke erinnernde \u201eHunters\u201c und die ausnahmsweise von <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Clarke</span> gesungene (weil wohl auch geschriebene) Bluesrockhymne \u201eGypsy\u201c. Ich gebe zu, die Geschichte von <span class=\"musik-review-bandname\">Colosseum</span> in den letzten Jahren eher vernachl\u00e4ssigt zu haben, und kann daher nicht mit hinreichender Treffsicherheit Vergleiche zu den vorherigen Alben ziehen, aber als f\u00fcr sich allein stehendes \u201eAlterswerk\u201c, das \u201eXI\u201c wohl ist, ist es mehr als nur erfreulich.</p>\n<p>Sch\u00f6n, dass das <span class=\"musik-review-bandname\">Colosseum</span> noch steht. Es lebe (noch lange und) hoch.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download und Kauf:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/XI-Vinyl-LP-Colosseum/dp/B0DX15F8D3?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/414575038\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/sumac-and-moor-mother-the-film.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_sumac-and-moor-mother-the-film.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">SUMAC and Moor Mother \u2013 The Film</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSeems like every time there\u2019s a bomb, there\u2019s a round of applause\u201c</span> (Scene 5: Breathing Fire)</p>\n<p>Kratzen wir mal am anderen Extrem.</p>\n<p>F\u00fcr das Album \u201eThe Film\u201c hat sich das Postmetaltrio <span class=\"musik-review-bandname\">SUMAC</span> mit der Experimentalmusikerin <span class=\"musik-review-bandname\">Moor Mother</span>, die sonst bei der Free-Jazz-Combo <span class=\"musik-review-bandname\">Irreversible Entanglements</span> ins Mikrofon spricht, zusammengetan. Zu h\u00f6ren gibt es folgerichtig eine Art Free Jazzmetal, recht frei im Rhythmus, verfeinert von besagter Musikerin, die ausweislich <em>des Internets</em> sowohl Synthesizer und Effektger\u00e4te als auch das Mikrofon bedient. Gesang ist das nicht, stattdessen wird <a href="\&quot;https://genius.com/Sumac-and-moor-mother-scene-3-lyrics\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00fcberwiegend Politisches</a> teils ruhig, teils aufgeregt erz\u00e4hlt. Am Ende des zweiten St\u00fccks, \u201eScene 2: The Run\u201c, kommt Growling ins Spiel. Das macht aber wohl wer anders.</p>\n<p>Die Grundstimmung von \u201eThe Film\u201c ist verst\u00f6rend. Ich wei\u00df nicht, ob es dazu tats\u00e4chlich einen Film gibt, aber ansehen w\u00fcrde ich mir einen solchen schon. Mich erinnert das Album streckenweise an \u201eLulu\u201c, teils an \u201eThe Cherry Thing\u201c, aber hektischer. Dass das Album in den letzten f\u00fcnf Minuten <em>trotzdem</em> eher sanft ausklingt, macht\u2019s zu einer runden Sache. (Sind Tontr\u00e4ger nicht meistens rund?) Empfehlung abseits dieser Liste: Etwas von <span class=\"musik-review-bandname\">Irreversible Entanglements</span> zur Einstimmung h\u00f6ren. Dann ist \u201eThe Film\u201c nur folgerichtig.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Kassette, CD, Vinyl, Downloads:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Film-Sumac-Moor-Mother/dp/B00UUU7YVS?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://sumac.bandcamp.com/album/the-film\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/407191542\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/osmium.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_osmium.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">OSMIUM</span></p>\n<p>Von 2005 bis 2008 nannte sich die brasilianische Progmetalband <span class=\"musik-review-bandname\">Daydream XI</span> stattdessen <span class=\"musik-review-bandname\">Osmium</span>. Dies ist eine andere Gruppe, aber der Name war ja wieder frei. Diejenigen <span class=\"musik-review-bandname\">OSMIUM</span> die im Juni 2025 ihr namenloses (oder eigenbenanntes?) Deb\u00fctalbum <em>rausbrachten</em>, um das es hier gehen soll, sind stattdessen ein Quartett aus Berlin.</p>\n<p>Eine Art Panikindustrial, vom Pressetext als \u201eelektromechanischer Metal\u201c beschimpft, gibt es hier zu h\u00f6ren, hergestellt mithilfe einer Klangkulisse aus dreierlei selbst entworfenen Instrumenten, zu dem der Stimmk\u00fcnstler <span class=\"musik-review-bandname\">Rully Shabara</span> st\u00f6hnt, r\u00f6chelt und schreit. Assoziationen: <span class=\"musik-review-bandname\">Nine Inch Nails</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Aphex Twin</span>, Filmmusik f\u00fcr Weltkriegsdokus. Da, wo es mal ruhiger wird (etwa in \u201eOsmium 4\u201c), quietscht und brummt es in eine metallische K\u00e4lte hinein, so dass man selbst da ein kaum erkl\u00e4rliches Unwohlsein versp\u00fcrt. Wahrscheinlich ist das Absicht. Es gibt ein <a href="\&quot;https://thequietus.com/interviews/osmium-interview/\&quot;" data-wpel-link="internal">lesenswertes Interview</a> zu den Hintergr\u00fcnden des hier auf Platte Gepressten, das ich hiermit als weiterempfohlen betrachte. Ausweislich der Bandcampseite zum Album wird hier erfolgreich die Grenze zwischen der Ausdrucksform von Maschinen und derjenigen von Menschen verwischt, und ich stimme zu. So \u00e4hnlich m\u00fcssen Cybermen klingen, wenn die jemals diesseits von Doctor Who vorkommen sollten. <em>(Lange dauert das wohl auch nicht mehr.)</em></p>\n<p>\u201eOsmium\u201c (das Album) will gar nicht gefallen und tut es nach klassischen Kriterien auch nicht. Ein anderer Rezensent schrieb irgendwo, es sei geeignet, um den Kopf zwischen zwei Popmusikalben wieder zu erden, und wahrscheinlich stimmt das. Aber so viel Popmusik h\u00f6re ich gar nicht. Nein, wer Gef\u00e4lliges braucht, der braucht das Gegenteil von dem hier. \u201eOsmium\u201c (das Album) verlangt stattdessen dem H\u00f6rer einen Sinn f\u00fcr die Avantgarde ab. Zum Gl\u00fcck habe ich den und bin daher angetan.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Vinyl und/oder Download:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Osmium-White-Vinyl-LP/dp/B0F63S8NM3?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://osmiumosmium.bandcamp.com/album/osmium\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/423377932\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/ranges-sin.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_ranges-sin.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Ranges \u2013 Sin</span></p>\n<p>Zahlenverr\u00fcckte \u2013 dies ist \u00fcbrigens das dreizehnte Album auf dieser Liste \u2013 d\u00fcrfen sich entz\u00fccken lassen: Auf den sieben St\u00fccken auf \u201eSin\u201c vertonen <span class=\"musik-review-bandname\">Ranges</span> aus Montana die sieben Tods\u00fcnden, namentlich \u2013 soweit ich das verstanden habe \u2013 Hochmut (\u201eThe Falcon Cannot Hear the Falconer\u201c), Neid (\u201eTheir Eyes Sewn Shut\u201c), Wollust (\u201eBound To The Black Wind\u201c), V\u00f6llerei (\u201eThree Throats\u201c), Gier (\u201eProdigal\u201c), J\u00e4hzorn (\u201eThe Red Mist\u201c) und Faulheit (\u201eIdle Hands\u201c). Hand hoch, wer noch keine von ihnen (und sei\u2019s Wollust) jemals begangen hat. Die Platte f\u00fcr siebenundzwanzig US-Dollar gibt es in sieben verschiedenen Farbvarianten, den Download f\u00fcr sieben US-Dollar. Ihr merkt: Subtil sind die Musiker nicht.</p>\n<p>Das gilt nicht nur f\u00fcr die Verpackung und die Vermarktung, sondern auch f\u00fcr die Musik selbst. Zu h\u00f6ren gibt es weitgehend energischen Postrock mit dem <em>alten Laut-leise-Spiel</em>. <span class=\"musik-review-bandname\">Ranges</span> erfinden das Genre nicht neu, aber bewegen sich treffsicher in ihm wie auf einer gro\u00dfen Spielwiese, so dass das, was hier aus dem Kopfh\u00f6rer gewittert, nicht nach Schablone klingt, sondern danach, dass hier Musiker am Werk sind, die sich <em>abreagieren</em> wollen und es gar nicht so ungern h\u00e4tten, wenn ihr Publikum sich ihnen anschlie\u00dft.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Ranges</span> malen breitwandig, aber keine gepunkteten Bergseen, sondern rei\u00dfende Sturzfluten, die alles unter sich begraben, das sich ihnen in den Weg stellt. Hochemotionale Musik f\u00fcr diejenigen, deren Emotionen empf\u00e4nglich f\u00fcr Musik sind. Selten klangen Tods\u00fcnden so einladend, man m\u00f6chte zu ihnen <em>abhotten</em>, wie die jungen Leute sagen bzw. mal sagten. Ich mache das mal und empfehle unterdessen weiter.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Kauf, Runterladen:</span> <a href="\&quot;https://ranges.bandcamp.com/album/sin\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/423756279\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/we-lost-the-sea-a-single-flower.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_we-lost-the-sea-a-single-flower.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">We Lost the Sea \u2013 A Single Flower</span></p>\n<p>Die j\u00e4hrliche Dosis Postrock wird \u00fcberdies vorangebracht von einer Gruppe, die im Rahmen dieser Rezensionsreihe seit Jahren immer mal wieder zu Gast ist, n\u00e4mlich <span class=\"musik-review-bandname\">We Lost the Sea</span>. Deren 2025er Album \u201eA Single Flower\u201c beginnt zur\u00fcckhaltend mit Gitarre und ein wenig begleitendem Rhythmus, bevor nach etwas \u00fcber drei Minuten erstmals das einsetzt, was der geneigte Postrockfreund vermutlich bereits erwartet, n\u00e4mlich das volle Breitwandkino.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">We Lost the Sea</span> gestalten auch auf \u201eA Single Flower\u201c prachtvolle Klanglandschaften, die \u00fcber weite Strecken einem Freund des musikalischen Fr\u00fchlings gefallen k\u00f6nnten. (Ist ja auch bald wieder so weit.) Gesungen wird nicht, was gut ist. Der etwas plumpe Discostampfrhythmus von \u201eEverything Here is Black and Blinding\u201c zieht meine Bewertung etwas runter, aber <em>irgendwas ist ja immer</em> und <span class=\"musik-review-bandname\">We Lost the Sea</span> vers\u00f6hnen mich ja meist schnell.</p>\n<p>Dass <em>ausgerechnet</em> im mit Abstand k\u00fcrzesten St\u00fcck \u201eThe Gloaming\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Sophie Trudeau</span> (bekannt mindestens von den nicht besonders eiligen <span class=\"musik-review-bandname\">Godspeed You! Black Emperor</span>) am Streichinstrument aushilft, ist ein Detail, das wahrscheinlich mal wieder nur ich f\u00fcr bemerkenswert halte. Gro\u00dfe \u00dcberraschungen gibt es dar\u00fcberhinaus nicht und das ist auch gut so. Feine Scheibe.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download und (Vinyl ist ausverkauft, aber trotzdem) Kauf:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0FDQDVDRH?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://welostthesea.bandcamp.com/album/a-single-flower\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/443087986\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/half-past-four-finding-time.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_half-past-four-finding-time.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Half Past Four \u2013 Finding Time</span></p>\n<p>Ich wei\u00df, ich wei\u00df, ich empfehle hier eigentlich meist nur obskuren Krach. Das liegt daran, dass mir obskurer Krach gef\u00e4llt. Doch machen wir uns nichts vor: Das hier ist Pop, aber guter.</p>\n<p>2018 <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/01/kurzkritik-half-past-four-land-of-the-blind/\&quot;" data-wpel-link="internal">erhoffte ich</a> mir eine Fortsetzung ihres damals aktuellen Albums \u201eLand of the Blind\u201c. Diese liegt nun vor; der Titel \u201eFinding Time\u201c ist da schon Programm. F\u00fcr die, die\u2019s damals nicht <em>verfolgt</em> haben, wie \u201egelesen\u201c heutzutage wohl hei\u00dft, fasse ich deren Treiben kurz zusammen: <span class=\"musik-review-bandname\">Half Past Four</span>, ein kanadisches Quintett um die S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Kyree Vibrant</span>, die sonst was mit Filmen macht, habe sich vor ein paar Jahren, so teilt\u2019s <a href="\&quot;https://halfpastfour.com/kyree\&quot;" data-wpel-link="internal">deren Website</a> mit, dazu entschieden, sich vollst\u00e4ndig dem Progressive Rock hinzugeben. Das sollte man nicht verwechseln: Das, was Musikgruppen heute machen, wenn sie versuchen, so zu klingen wie solche Musikgruppen, die in den 1970er Jahren <em>progressive</em> Musik gespielt haben, nennt man \u201eOldies\u201c. \u201eRetrorock\u201c. Schlimmstenfalls, und das geht mancherseits als Beleidigung durch, \u201eNeoprog\u201c. (Das bedeutet nicht, dass ich Musikgruppen, die versuchen, so zu klingen wie solche Musikgruppen, die in den 1970er Jahren <em>progressive</em> Musik gespielt haben, unbedingt schlecht finde. Aber W\u00f6rter haben eine Bedeutung und \u201eprogressiv\u201c hei\u00dft \u201evorw\u00e4rts\u201c und nicht \u201ewie fr\u00fcher\u201c.)</p>\n<p><em>Nat\u00fcrlich</em> steht auch neun Jahre nach dem Vorg\u00e4nger die immer noch gro\u00dfartige S\u00e4ngerin im Vordergrund. Auf ihrer eigenen Website zitiert sie gern Vergleiche mit <span class=\"musik-review-bandname\">Leslie Hunt</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Kate Bush</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Grace Slick</span>. Lasse ich gelten. Beim H\u00f6ren dachte ich gelegentlich an <span class=\"musik-review-bandname\">Lee Triffon</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Kim Wilde</span> (wieso auch immer) und \u2013 ja \u2013 auch <span class=\"musik-review-bandname\">Kate Bush</span>, welche nicht die \u00fcbelsten Drandenkk\u00fcnstlerinnen sind. Die Musik dahinter, und da stimmt der Vergleich mit <span class=\"musik-review-bandname\">Leslie Hunt</span> und damit <span class=\"musik-review-bandname\">District 97</span> auf mehr als eine Art, ist wohl tats\u00e4chlich als \u201emoderner Progressive Rock\u201c zu begreifen: Unabh\u00e4ngig von den Titell\u00e4ngen, angesichts derer fast jeder Radio-DJ dankend abwinken w\u00fcrde, gibt es grunds\u00e4tzlich radiotaugliche Ideen (das geht schon im er\u00f6ffnenden \u201eTomorrowless\u201c los), die, damit niemand aus Versehen spontan Bock darauf bekommt, sich im Edeka an der Wursttheke anzustellen (Pawlow funktioniert), von Jazz- (man h\u00f6re etwa \u201eBranches\u201c) und Mathrockideen durchzogen sind. \u201eHandwerklich von h\u00f6chster Qualit\u00e4t\u201c findet ein <a href="\&quot;https://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=22358&amp;content=review\&quot;" data-wpel-link="internal">anderer Rezensent</a> das und irrt nicht.</p>\n<p>Mich freut, dass die Musiker wieder, nun, <em>die Zeit gefunden</em> haben, auch wenn wir es hier mit einem neuen Gitarristen zu tun haben, der jedoch bemerkenswerte Akzente setzt. Hoffentlich dauert das n\u00e4chste Album nicht noch mal neun Jahre.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream und/oder Download:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0DZFHS6TV?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://halfpastfour.bandcamp.com/album/finding-time\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/422121509\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/fieldwork-thereupon.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_fieldwork-thereupon.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Fieldwork \u2013 Thereupon</span></p>\n<p>Noch mal Jazz, diesmal nicht von alten Meistern, sondern von einem jungen (oder jedenfalls erst 1971 geborenen) Herrn, n\u00e4mlich <span class=\"musik-review-bandname\">Vijay Iyer</span>. Dieses in New York heimische, und man muss es wohl so nennen, Multitalent (die englischsprachige Wikipedia listet allein Komponist, Bandleader, Produzent, Autor und Professor auf; Jazzmusiker sind oft ein sehr eigenes V\u00f6lkchen) ist nicht nur Kopf einiger Musikprojekte, sondern dann und wann auch mal gleichberechtigtes Mitglied, so auch im Trio <span class=\"musik-review-bandname\">Fieldwork</span>, das seit 2002 vier Studioalben ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, wobei das dritte, \u201eDoor\u201c (2008), schon eine Weile zur\u00fcckliegt. Die anderen beiden Musiker im Trio sind <span class=\"musik-review-bandname\">Tyshawn Sorey</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Lehman</span>, beide selbst ausgewiesene Experten und Bandleader mit jeweils eigenem Wikipediaartikel. (Von wegen, ich h\u00f6r\u2019 immer nur obskuren Kram von Musikern, die niemand kennt\u2026)</p>\n<p>Hier also liegt nun das vierte Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Fieldwork</span>, \u201eThereupon\u201c, vor. Gesungen wird nicht und das ist in Ordnung so. Das ganze Album durchzieht ein Mitwipp-Groove, dabei wird es aber nie wirklich beliebig; das Trio an Klavier, Saxophon und Schlagzeug durchzieht die neun St\u00fccke mit einer Spielfreude, die ansteckend ist und also den H\u00f6rer (oder zumindest mich) hier und da zum Sitztanz verleitet. An traditionelle Jazzformen halten sich die Musiker eher aus Versehen, stattdessen entfachen sie einen wahren Wirbelsturm <em>(entfacht man eigentlich Wirbelst\u00fcrme?)</em> aus Rhythmus, Melodie und gekonnt Improvisiertem, der mir durchaus mehr als einmal ein anerkennendes Nicken entlockt. Das ist Zustimmung genug.</p>\n<p>Das und nat\u00fcrlich meine hiesige Empfehlung, die hiermit erteilt ist.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download, Kauf:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Thereupon-Vinyl-Fieldwork-Lehman-Tyshaw/dp/B0FFYH94P4?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://fieldworktheband.bandcamp.com/album/thereupon\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/454159025\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/la-dispute-no-one-was-driving-the-car.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_la-dispute-no-one-was-driving-the-car.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">La Dispute \u2013 No One Was Driving The Car</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eYou carved \u201aDie Young\u2018 with a pen / in the skin below your neck\u201c</span> (Steve)</p>\n<p>Den ungef\u00e4hren Stil der US-Amerikaner <span class=\"musik-review-bandname\">La Dispute</span> beschrieb ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/04/la-dispute-wildlife/\&quot;" data-wpel-link="internal">bereits 2013</a>, damals stellte ich \u201eGeschepper und Geschrei\u201c (d.h. Screamo-Stil) fest. Es scheint sich seitdem manches ge\u00e4ndert zu haben, denn geschrien wird hier kaum noch.</p>\n<p>\u201eNo One Was Driving The Car\u201c ist das, was man wohl heutzutage ein Spoken-Word-Album nennt: Es wird viel gesprochen. Dabei klingt S\u00e4nger/Sprecher <span class=\"musik-review-bandname\">Jordan Dreyer</span> allerdings sehr ungeduldig, als w\u00e4re die Schlange vorm Klo unertr\u00e4glich lang. \u2013 In den letzten Jahren, erf\u00e4hrt man, sei die sonst grunds\u00e4tzlich unpolitisch handelnde Band zusehends w\u00fctender geworden und das m\u00fcsse jetzt raus. An den Texten, plumpe Parolen findet man hier nicht, erkennt man keine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Politisierung, wohl aber findet man in ihnen einen gewissen fatalistischen Weltschmerz. Es hat Gr\u00fcnde, dass auch <em>das</em> ein Wort ist, das es ins Englische geschafft hat.</p>\n<p>Die Musik dazu ist gut treibend, <em>kurzweilig</em> im besten Sinne und bisweilen (Reinh\u00f6rempfehlung: \u201eTop-Sellers Banquet\u201c) beinahe <em>tanzbar</em>. <span class=\"musik-review-bandname\">La Dispute</span> sind hier wie <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span> auf Speed und die <span class=\"musik-review-bandname\">Pixies</span> auf Techno, sowohl die Post als auch das Hardcore in \u201ePost-Hardcore\u201c. Gepaart mit der dem Album innewohnenden Verzweiflung an der Welt und <em>dem ganzen Rest</em> ergibt das ein gutes St\u00fcck Musik, von dem man entweder depressiv oder geradezu ansteckend fr\u00f6hlich wird. Bei jedenfalls mir war\u2019s Letzteres.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download und/oder Tontr\u00e4ger (Letztere nur bei Amazon):</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/One-Was-Driving-Coloured-Vinyl/dp/B0F8K39BCK?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://ladispute.bandcamp.com/album/no-one-was-driving-the-car\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/455795493\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/deaf-club-we-demand-a-permanent-state-of-happiness.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_deaf-club-we-demand-a-permanent-state-of-happiness.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Deaf Club \u2013 We Demand a Permanent State of Happiness</span></p>\n<p>Apropos nerv\u00f6se Musik.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Deaf Club</span> klingen an Gesang und Instrumenten eigentlich fortw\u00e4hrend wie vom wilden Affen gebissen. Sie \u201everlangen\u201c auf ihrem zweiten Album \u201eandauernde Gl\u00fcckseligkeit\u201c und das h\u00f6rt man auch. <span class=\"musik-review-bandname\">Deaf Club</span> spielen einen fiebrigen, hochexplosiven Hardcorepunk f\u00fcr Menschen, die heute noch zu wenig Kaffee hatten. Dass das Coverbild des Albums die Friedensbewegung grafisch zitiert, ist ein sch\u00f6nes Detail, das mit dem Inhalt des Albums allerdings kaum korreliert. Friedlich ist hier gar nichts.</p>\n<p>\u201ePanik sch\u00fcrenden Punkrock\u201c nannte das \u201eNew Noise Magazine\u201c das, was <span class=\"musik-review-bandname\">Deaf Club</span> hier anrichten, und dem ist kaum zu widersprechen. \u201eWe Demand a Permanent State of Happiness\u201c ist musikalisches Chaos der angenehmeren Art. Manchmal schrille (gelungene Vorabsingle: \u201eNihilist for Dummies\u201c), stets aber <em>fiese</em> Gitarren fliegen aus dem Kopfh\u00f6rer, wor\u00fcber der <a href="\&quot;https://en.wikipedia.org/wiki/Justin_Pearson_(musician)\&quot;" data-wpel-link="internal">sowieso eifrige</a> <span class=\"musik-review-bandname\">Justin Pearson</span> energisch ins Mikrofon schreit, w\u00e4hrend ein \u00fcberdrehter Schlagzeuger die Trommelfelle windelweich pr\u00fcgelt. <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> treffen auf <span class=\"musik-review-bandname\">Dillinger Escape Plan</span>. \u201eWe Demand a Permanent State of Happiness\u201c gibt dem geneigten H\u00f6rer fortw\u00e4hrend <em>auf die Fresse</em> und das f\u00fchlt sich nicht mal schlecht an.</p>\n<p>Live sei es immer besser als auf Platte, hei\u00dft es \u00fcber Rockmusik. Das gehe <em>mehr ab</em>. Nun habe ich <span class=\"musik-review-bandname\">Deaf Club</span> bisher nicht live gesehen, aber wenn da <em>noch</em> mehr geht, f\u00fcrchte ich, ich muss da sowohl mal hin als auch hinterher dringend meine Ohren untersuchen lassen. Aber das wird\u2019s wert gewesen sein.</p>\n<p>Krasse Scheibe.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download, Kauf:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Demand-Permanent-State-Happiness-Vinyl/dp/B0FH1D258J?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://deafclub31g.bandcamp.com/album/we-demand-a-permanent-state-of-happiness\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/438721252\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/zatokrev-.bring-mirrors-to-the-surface.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_zatokrev-.bring-mirrors-to-the-surface.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Zatokrev \u2013 \u2026Bring Mirrors To The Surface</span></p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Zatokrev</span>, man ahnt es angesichts des Namens, kommen selbstverst\u00e4ndlich \u2013 richtig \u2013 aus Basel. Zu ihren musikalischen Vorbildern geh\u00f6ren, glaubt man <em>dem Internet</em>, die gro\u00dfartigen <span class=\"musik-review-bandname\">Neurosis</span>, zu Geh\u00f6r bringen sie folgerichtig schweren, atmosph\u00e4rischen Postmetal.</p>\n<p>Das Album walzt sich ins Geh\u00f6r wie sonst nur Bayern M\u00fcnchen durch die Bundesliga, ist dabei aber auch deutlich weniger langweilig. Dabei geben sie dem H\u00f6rer genug Zeit, sich auf das einzulassen, was ihm, man muss es wohl so ausdr\u00fccken, hier druckvoll widerf\u00e4hrt: F\u00fcnf der St\u00fccke sind \u00fcber neun Minuten lang. Tatkr\u00e4ftige Hilfe erhalten die Schweizer von Kollegen von <span class=\"musik-review-bandname\">Minsk</span>, mit denen sie schon 2018 zusammen ihr bis dahin letztes Studiolebenszeichen, n\u00e4mlich eine Split-EP, <em>rausgebracht</em> hatten, ebenso wie von einigen weiteren Kollegen aus der <em>Szene</em>. Das Gastspiel des <span class=\"musik-review-bandname\">Zeal-&amp;-Ardor</span>-Frontmanns <span class=\"musik-review-bandname\">Manuel Gagneux</span> (\u201eUnwinding Spirits\u201c) ist auf diesem Album nur als folgerichtig zu verstehen.</p>\n<p>Beinahe aus dem Rahmen fallen dagegen die beiden sehr gegens\u00e4tzlichen St\u00fccke \u201eBlood\u201c und \u201eFaint\u201c: W\u00e4hrend Letzteres ein (zu kurzes, aber) wahres Noisegewitter \u00fcber den unvorbereiteten H\u00f6rer einbricht, was <em>mir</em> als altem Krachfreund das Album ja erst so richtig veredelt, nimmt \u201eBlood\u201c ab etwa der H\u00e4lfte der Laufzeit das Tempo etwas heraus. Wer zuh\u00f6rt und jetzt glaubt, er k\u00f6nne kurz verschnaufen, der m\u00f6ge sich damit ein bisschen beeilen, denn bereits im folgenden \u201eThe Only Voice\u201c geben <span class=\"musik-review-bandname\">Zatokrev</span> wieder Vollgas.</p>\n<p>\u201e\u2026Bring Mirrors To The Surface\u201c ist ein musikalischer Mahlstrom, von dem sich mitrei\u00dfen zu lassen nicht die schlechteste Idee ist. Die R\u00fcckkehr an Land hat was Reinigendes. Ich mag das.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download und Kauf:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Bring-Mirrors-Surface-Vinyl-LP/dp/B0FDVJ7YKP?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://zatokrev.bandcamp.com/album/bring-mirrors-to-the-surface\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/439179215\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/tv-cult-industry.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_tv-cult-industry.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">TV Cult \u2013 Industry</span></p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">TV Cult</span> kommen aus K\u00f6ln, aber verzichten zu meiner Freude auf Mundartgesang. Das kann man ja von hinreichend bekannten Musikgruppen aus K\u00f6ln nicht immer behaupten.</p>\n<p>Was <span class=\"musik-review-bandname\">Pearl Handled Revolver</span> (siehe oben) f\u00fcr die 70er sind, sind <span class=\"musik-review-bandname\">TV Cult</span> f\u00fcr die (besseren) 80er. M\u00f6gt ihr <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span> und/oder <span class=\"musik-review-bandname\">Idles</span>? Dann m\u00f6gt ihr auch <span class=\"musik-review-bandname\">TV Cult</span>. \u201eIndustry\u201c, ihr zweites Studioalbum, klingt vor allem <em>dreckig</em>, heiseren Gesang gibt\u2019s gratis obendrauf. Das Album trage, las ich <a href="\&quot;https://whenthehornblows.com/content/2025/10/9/long-read-tv-cult-on-emerging-from-the-kln-underground-making-80s-inspired-political-art-and-levelling-up-on-their-new-album-industry\&quot;" data-wpel-link="internal">anderswo</a>, seinen Namen unter anderem, um der gewaltigen Arbeit Rechnung zu tragen, die in die Produktion des Albums geflossen ist. Kann sein.</p>\n<p><em>Gut gemacht</em> ist es auf jeden Fall: Hier und da flie\u00dfen im Hintergrund des mal w\u00fctend, meist frustriert daherkommenden Rhythmusfundaments Synthesizermelodien ein (<em>wie fr\u00fcher</em>), Ohrwurmpotential hat f\u00fcr die, die sich jetzt schon angesprochen f\u00fchlen, sowieso vieles, wobei ich mich selbst immer wieder dabei erwische, dass ich ja eigentlich <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=CggRvQRNk2o\&quot;" data-wpel-link="internal">noch mal \u201eOverpressure\u201c</a> h\u00f6ren k\u00f6nnte.</p>\n<p>\u201eAber das ist doch alles schon mal da gewesen!\u201c m\u00f6gt ihr jetzt denken. Das verh\u00e4lt sich bei Musik ja in den letzten Jahrzehnten des \u00d6fteren so. Aber muss denn immer alles noch nie da gewesen sein? \u2013 Innovation? Nein. Tolle Musik? Ja!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download, Kauf:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Industry-Vinyl-LP-TV-Cult/dp/B0FHJF2T1W?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tvcult.bandcamp.com/album/--2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <ahref tidal.com album>TIDAL.</ahref></p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/lut.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_lut.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">L\u00dcT</span></p>\n<p>Aus Norwegen stammt das Punkrockquartett mit dem urnorwegischen Namen <span class=\"musik-review-bandname\">L\u00dcT</span>. Zuvor, wei\u00df das Internet, spielten sie seit 2010 als <span class=\"musik-review-bandname\">The Wolves</span> zusammen, nennen sich seit 2015 <span class=\"musik-review-bandname\">L\u00dcT</span> und hatten zwei Alben und diverse Besetzungs\u00e4nderungen hinter sich gebracht, bevor sie 2022 noch mal von vorn anfingen und nun in Originalbesetzung ein konsequent selbstbetiteltes Album aufnahmen. So weit die Geschichte.</p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil des hier Enthaltenen ist auf Norwegisch, das gut klingt, aber mir nicht gel\u00e4ufig ist, gesungen, eine Ausnahme ist einzig das auch noch schw\u00e4chste Lied auf dem Album, \u201eGl\u00fccksschmied\u201c, in dem <em>ausgerechnet</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Bela B.</span>, wohl selbst der Gruppe zugeneigt und mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> bereits nach ihnen aufgetreten seiend, den ansonsten norwegischen Refrain auf Deutsch singt und eine einigerma\u00dfen uninteressante <a href="\&quot;https://lutnorway.bandcamp.com/track/gl-cksschmied\&quot;" data-wpel-link="internal">Strophe beisteuert</a>. Das Lied hat es freilich nicht ganz leicht, denn <span class=\"musik-review-bandname\">L\u00dcT</span> machen auch in ihrer Muttersprache Spa\u00df und <em>gehen ab</em>. Eine musikalische N\u00e4he zu zeitgen\u00f6ssischem Deutschpunk (d.h. \u201eIndie\u201c) kann ich ausmachen, verstehe aber immerhin kein Wort. Daf\u00fcr gibt es ziemlich viele <em>Hummeln im Hintern</em>.</p>\n<p>Das Album ist tats\u00e4chlich nur etwas \u00fcber eine halbe Stunde lang, aber die Zeit wird komplett durchgeprescht. Wer Ruhe haben will, der ist hier falsch. Finde ich gut und gehe dazu ab.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream und Vinyl:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/L\u00fct-Vinyl-LP/dp/B0FC5917G8?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://lutnorway.bandcamp.com/album/l-t\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/443440214\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/jo-montgomerie-ephemeral-rituals.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_jo-montgomerie-ephemeral-rituals.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Jo Montgomerie \u2013 Ephemeral Rituals</span></p>\n<p>Von der Helen Scarsdale Agency gab es 2025 <em>noch mehr</em> Gutes f\u00fcr die Freunde gepflegter Ger\u00e4usche. Die mir zuvor unbekannte <span class=\"musik-review-bandname\">Jo Montgomerie</span> aus Manchester etwa, dort etikettiert unter \u201eMusique concr\u00e8te\u201c, was gar nicht schlecht passt, hat eine sieben St\u00fccke enthaltene CD / einen sieben St\u00fccke enthaltenden Download <em>rausgebracht</em>.</p>\n<p>Wer nicht zwingend Rhythmus, Harmonie oder auch nur Melodie braucht, sondern ganz zufrieden damit ist, etwas zu haben, das den Kopf mehr befreit als ihn anzustrengen, ohne dabei in die seichte Fahrstuhl- bzw. B\u00fcgelmusik zu kippen, dem k\u00f6nnten die <em>Rituale</em> gefallen. <span class=\"musik-review-bandname\">Jo Montgomerie</span> webt einen Ger\u00e4uschteppich mit allerlei Zirpen, Phonographenpulsieren, Donnergrollen und auch mal Telefonklingeln (sehr sch\u00f6n: das in \u00dcbereinstimmung mit seinem Titel immer n\u00e4her zu kommen scheinende \u201eyou better run\u201c) ins Ohr des <em>unvorbereiteten</em> H\u00f6rers, um den sich \u201eEphemeral Rituals\u201c wie eine Blase legt und \u00fcber eine \u2013 Helen-Scarsdale-Agency-erfahrene Leser haben das vermutlich schon geahnt \u2013 verlassene, aber noch voll funktionst\u00fcchtige Fabrik mitten in einer futuristischen W\u00fcstengegend tr\u00e4gt, w\u00e4hrend er nach und nach nicht nur seine \u00c4ngste, sondern unweigerlich auch seine Hoffnung verliert, bevor sie ihn am Schluss (auch gut benannt: das fordernd blechern grollende \u201eeverything is silent\u201c) wieder absetzt und verl\u00e4sst, als w\u00e4re nie etwas geschehen.</p>\n<p>Ich habe eine Schw\u00e4che f\u00fcr Musik wie diese. Sie hat etwas Kathartisches an sich, eine irgendwie <em>befreiende</em> Wirkung eben. Die milde Klaustrophobie, die damit einhergeht, ist ein Nebeneffekt, der wieder verschwindet. Was bleibt, ist Stille.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Stream, Download und/oder Kauf:</span> <a href="\&quot;https://jomontgomerie.bandcamp.com/album/ephemeral-rituals\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp 1</a>, <a href="\&quot;https://helenscarsdale.bandcamp.com/album/ephemeral-rituals\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp 2</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/baker-beck-wyskida-trzecia-drugi.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_baker-beck-wyskida-trzecia-drugi.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Baker-Beck-Wyskida \u2013 Trzecia (Drugi)</span></p>\n<p>Ehemals Supergroupiges zum Schluss.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Baker-Beck-Wyskida</span> waren <span class=\"musik-review-bandname\">Aidan Baker</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Nadja</span> u.a.), <span class=\"musik-review-bandname\">Tim Wyskida</span> (zumindest mir vor allem von <span class=\"musik-review-bandname\">Insect Ark</span> bekannt) und der vor der Fertigstellung des Albums verstorbene <span class=\"musik-review-bandname\">Daron Beck</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Pinkish Black</span>). Enthalten sind vier St\u00fccke zwischen 8:18 und 14:30 Minuten, die vor allem denen gefallen d\u00fcrften, die gegen instrumentales Elektronisches nichts einzuwenden haben. <span class=\"musik-review-bandname\">Baker-Beck-Wyskida</span> erschaffen gro\u00dfe Atmosph\u00e4re, ohne dabei so erm\u00fcdend zu werden wie weiland <span class=\"musik-review-bandname\">Tangerine Dream</span> in ihren schw\u00e4chsten Phasen.</p>\n<p>Das dritte St\u00fcck \u201eDziewi\u00e5ty\u201c poltert nach dem fl\u00e4chigen, hier und da auch mal <em>spacig</em> h\u00fcpfenden Beginn ziemlich unerwartet los. Industrial, wo man ihn nicht erwartet, ist mein liebster Industrial. Ich denke kurz an \u201eRavvivando\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> und bin entz\u00fcckt. Dem gegen\u00fcber steht das vierte und zweitl\u00e4ngste St\u00fcck mit dem <em>kein bisschen verwirrenden</em> Titel \u201eDziesi\u00e5ty\u201c, das \u00e4hnlich <em>industriellen</em> Kl\u00e4ngen eine schwerm\u00fctige Stimmung zur Seite stellt, die mich an ein Begr\u00e4bnis denken l\u00e4sst, dissonant unterst\u00fctzt. Keine Ahnung, ob <span class=\"musik-review-bandname\">Daron Beck</span> wusste, dass sein Ableben nicht mehr lange dauern w\u00fcrde, aber es w\u00fcrde es erkl\u00e4ren. Zu Grabe getragen hat dieses St\u00fcck jedenfalls mindestens dieses Album.</p>\n<p>Sch\u00f6n, es noch geh\u00f6rt zu haben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Kassette (!) und Stream:</span> <a href="\&quot;https://cruelnaturerecordings.bandcamp.com/album/trzecia-drugi\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/480363468\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n</ol>\n<hr>\n<p>Reicht. Erg\u00e4nzungen? Gern hier drunter. Gen\u00f6rgel? Sp\u00e4ter vielleicht. Weiteres, wenn alles Relevante beim Alten bleibt, gibt es hier in einem Jahr.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>keine ahnung schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2026/01/musik-12-2025-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2. Januar 2026</a> dies: Ach, so viele Buchstaben \u2013 und so viel Musik. Es war nicht alles schlecht in 2025. Danke!</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2026/01/musik-12-2025-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2. Januar 2026</a> dies: Immer noch jedoch schreiben Menschen \u201ein 2025\u201c statt \u201e2025\u201c. Seufz. Gern geschehen.</li><li><a href="\&quot;https://polemica-blog.jimdofree.com/blog/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Polemicer</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2026/01/musik-12-2025-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Januar 2026</a> dies: Erg\u00e4nzung:\n\nCloakroom \u2013 Last leg of the human table \nhttps://cloakroom.bandcamp.com/album/last-leg-of-the-human-table\n(Hat mich ziemlich abgeholt, weil irgendwie Stoner-Downtempo-Hillbillie-Punk-Metal oder so. Genretechnisch schwer festzunageln, i like that kind of stuff.)\n\n(16) \u2013 Guide for the misguided\nhttps://16theband.bandcamp.com/album/guides-for-the-misguided\n(Schwer, variantenreich, fett)\n\nUnto others \u2013 Never, Neverland\n(Straighter Metal/Rock mit (glaube) Sisters of Mercy-Ged\u00e4chtnisgesang, l\u00e4uft oft auf meinen Ger\u00e4ten)</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2026/01/musik-12-2025-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg08.met.vgwort.de/na/774bcd4474dd44c29804b20c95ec1e3c\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 29 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickOh! Ein Jahresbeginn! Ihr wisst, was das bedeutet, n\u00e4mlich, dass es Zeit f\u00fcr die einzig richtige (d.h. meine) Liste der besten Musikalben des Jahres 2025 ist. Man sehe mir nach, dass ich das gestern (haha, Jahresr\u00fcckblicke im November, hahaha) erschienene neue Album von Ulver trotzdem nicht rechtzeitig zu h\u00f6ren geschafft habe. Ich f\u00fchre es daher nur der Form halber auf.\nErg\u00e4nzend sei festgehalten: Die Musikgruppe Skillet Lickers, inzwischen in der vierten Generation aktiv, feiert im nun begonnenen Jahr ihren 100. Geburtstag. Die Rolling Stones sollten sich nicht so auff\u00fchren mit ihren Jubil\u00e4en.\n\nZur Punkmusik des Jahres 2025 erlaube ich mir \u2013 schon im April 2025, w\u00e4hrend ich diese Einleitung niederschreibe \u2013 eine desillusionierte Vorabbemerkung: Musiker, die sich in ihren Texten \u00fcber das \u00dcble auf der Welt beklagen, treiben damit, wenn sie es ein Lied lang machen, etwas H\u00f6renswertes, wenn sie es zwei Lieder lang machen, etwas wenigstens Interessantes; aber wenn man als Musiker seine komplette Karriere auf zwei bis drei leicht mitgebr\u00fcllte Parolen beschr\u00e4nkt und also au\u00dfer dem erkenntnisarmen \u201ePolizei doof und Nazis schlecht\u201c nicht viel mitzuteilen hat, dann verschwendet man damit meine Zeit und das mag ich nicht so. Macht doch mal was mit Blumen oder Autos.\nDer bis heute von vielen untersch\u00e4tzte, doch inzwischen verstorbene Lou Reed sprach schon Ende der 1960er Jahre mit den Velvet Underground, was an damals zeitgen\u00f6ssischer Musik eine Last ist: \u201eCheap simian melodies, hillbilly outgush for illiterate ramblings, for cheap understanding, for mass understanding, (\u2026) business and business and cheap, stupid lyrics and simple mass reverse while the real thing is dying\u201c (\u201eThe Murder Mystery\u201c). Ich w\u00fcnschte, die seitdem geradezu explodierte Menge an Musik, die auf uns einprasselt, k\u00f6nnte wenigstens mit schierer Masse diesen Effekt umkehren. Stattdessen war es gar nicht so leicht, Behaltenswertes im Jahr 2025 zu finden \u2013 manches hatte seine H\u00f6hepunkte (so etwa \u201eAll That Is Over\u201c von Sprints), machte diesen Eindruck aber mit F\u00fclltiteln zunichte, wieder anderes war einfach nur entt\u00e4uschend bis erm\u00fcdend. Mein pers\u00f6nliches Ergebnis dessen, was neben der \u00fcberw\u00e4ltigenden Menge an L\u00e4cherlichkeit \u00fcbrig blieb, folgt.\n\n\n\nKratzen \u2013 III\n\u201eWo ich mir Zukunft versprach / liegt nun Vergangenheit brach.\u201c (Immer)\nKratzen, das \u201e2017 in K\u00f6ln gegr\u00fcndete Trio\u201c, \u201everbindet Krautrock und New Wave. Sie nennen es Krautwave\u201c (Kratzen \u00fcber Kratzen) und eigentlich k\u00f6nnte ich das so stehen lassen.\nMotorik-Beat, New-Wave-Gitarren, Gesang mit NDW-konformem Hall; harter Tobak ist es nicht, womit ich diese Liste beginnen lasse, aber ich habe es mir auch nicht zur wesentlichen Aufgabe gemacht, m\u00f6glichst vielen Lesern auf die N\u00fcsse zu gehen, sondern, diese j\u00e4hrlichen Zusammenfassungen zu nutzen, um meinerseits eine Ausrede zu haben, endlich mal wieder mehr Musik zu h\u00f6ren. Klappt, w\u00fcrde ich behaupten.\nWas sonst noch drinsteckt, ist Postpunk, aber das ist ja auch wieder ein weites Feld. Mehr Smiths als The Fall, das sei erkl\u00e4rt. Krautrockfans m\u00f6gen\u2019s h\u00f6ren m\u00f6gen.\nStream: TIDAL, Bandcamp, Amazon.de.\n\n\nneutral \u2013 l\u00e5gliv\nNachdem das erledigt w\u00e4re, kann es ja jetzt doch losgehen mit dem harten Tobak. Von der von mir schon an anderer Stelle empfohlenen kalifornischen Helen Scarsdale Agency kommt zerbrechlicher Industrial aus Schweden in Form des Albums \u201el\u00e5gliv\u201c, was Schwedisch ist und ungef\u00e4hr \u201edas Leben eines Taugenichts\u201c bedeutet.\nDas erste der beiden fast zwanzigmin\u00fctigen St\u00fccke, \u201eenhet / r\u00f6da sten / s\u00f6mng\u00e5ng / punkt\u201c, klingt eingangs wie eine Phonographenaufnahme eines Kinderkarussells, die in einem Sado-Maso-Studio neben einer Metall verarbeitenden Fabrik abgespielt wird, dazu murmelt Sofie Herner etwas ins Diktaphon, das zu verstehen ich in skandinavischen Sprachen zu wenig versiert bin. Bald kommt eine gerade gestimmt werdende E\u2011Gitarre hinzu, bevor etwa zur Halbzeit alles in sich zusammenf\u00e4llt und eine d\u00e4monische Spieluhr kurz die F\u00fchrung \u00fcbernimmt, bis schlie\u00dflich ein panischer M\u00f6nchschor ein Regal mittels Bohrmaschine an der Wand zu befestigen beginnt und anschlie\u00dfend Applaus empf\u00e4ngt. Klingt irre? Ist es auch. Sollte ich dereinst beerdigt werden, m\u00f6chte ich, dass im Rahmen der Feierlichkeiten (\u201eTrauerfeier\u201c ist ja auch noch so ein Wort, mit dem man in \u201eunserem\u201c \u201eKulturkreis\u201c wenig anzufangen vermag) unter anderem irgendwas von dieser Plattenfirma l\u00e4uft. Damit die normalen Menschen mich weniger vermissen. (Diese sind hiermit ausgeladen.)\nDas zweite St\u00fcck ist anders seltsam. Stimmverfremdungs\u00fcbungen unter Wasser werden begleitet von zun\u00e4chst tropischer Perkussion, dann von einem kl\u00e4ffenden viel zu kleinen Hund, dann wieder von einer dystopischen Fabrik, woraufhin eine verstimmte Westerngitarre kurz solieren darf. Der Gitarrist fl\u00fcchtet jedoch vor einem Gewitter, die Stimmverfremdungs\u00fcbungen klappen aber anscheinend auch bei Gewitter. Finde ich gut.\nDas Leben ist zu kurz f\u00fcr Musik, die nicht herausfordert. \u201el\u00e5gliv\u201c fordert heraus.\nStream und Vinyl: Bandcamp.\n\n\nBank Myna \u2013 Eimuria\nAnderes Land, andere Musik. Bank Myna kommen aus Paris und tragen den Namen eines s\u00fcdasiatischen Vogels, hierzulande eher als Ufermaina bekannt. Ihr 2025er Album \u201eEimuria\u201c, angeblich live eingespielt, hingegen wurde, glaubt man dem Internet, nach einem alten Wort f\u00fcr Glut benannt, was irgendwie passt.\nIch h\u00f6re kr\u00e4ftigen Postrock mit einigem Gedrone und weiblichem (und zum Gl\u00fcck englischsprachigem) Gesang, zumindest mich ein bisschen an Anna von Hausswolff erinnernd, was aber auch daran liegt, dass ich einfach zu wenige Vergleiche kenne, was vermutlich vor allem an mir selbst liegt. Das Internet findet, dieses Album k\u00f6nnte Fans von Earth und BIG|BRAVE gefallen, und weil ich Earth und BIG|BRAVE ebenfalls mag, k\u00f6nnte das hinkommen. \u201eEimuria\u201c ist ziemlich intensiv und damit genau das, was uns Kopfh\u00f6rerh\u00f6rern bisweilen den Tag vers\u00fc\u00dft.\nStream, Vinyl, CD: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nPearl Handled Revolver \u2013 Tales You Lose\nPearl Handled Revolver sind eine Gruppe von Musikern aus Gro\u00dfbritannien, die das selten bestellte Feld zwischen Funk, Blues, Psychedelic Rock und R\u2019n\u2019B zu beackern behauptet. Ihr f\u00fcnftes Album sei ein \u201eKopfsprung in ihre tiefsten Grooves und Psychedelic-Rock-Erkundungen\u201c, fabuliert der Pressetext. Das l\u00e4sst aufhorchen.\nDieses \u2013 wohl ihr f\u00fcnftes \u2013 Album atmet dann auch in der Tat den Geist der 70er. Ich h\u00f6re Bluesrock mit viel Hammondorgel und gelegentliche Psychedelic-Ausbr\u00fcche (v\u00f6llig zutreffend betiteltes Lied, das klingt, wie es hei\u00dft: \u201eJunkies\u201c). Spontan tun sich mir Assoziationen an Brother Grimm und Joe Bonamassa auf, etwas Deep Purple auch. S\u00e4nger Lee Vernon wird bisweilen mit Jim Morrison verglichen, was stimmlich schon irgendwie hinkommt und zur Musik auch passt, nur dass Pearl Handled Revolver es mit sp\u00e4rlich instrumentierten Spannungsb\u00f6gen nicht so haben. Fr\u00fcher h\u00e4tte man \u201eTales You Lose\u201c wohl fetzig genannt, und weil ich es mag, wie man fr\u00fcher geredet hat, mache ich das jetzt einfach auch.\n\u201ePearl Handled Revolver\u201c ist das 2025er Album f\u00fcr diejenigen, die eigentlich lieber ein neues Album aus den 70ern h\u00e4tten. So k\u00f6nnten die Doors heute klingen, taten sie aber nie.\nStream, Download und Kauf: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nNytt Land \u2013 Songs of the Shaman\nNytt Land, wei\u00df die Wikipedia, sei eine \u201eNordic-Ritual-Folk-Band\u201c aus Sibirien. Der S\u00e4nger spielt nebenbei Fl\u00f6te und Talharpa und nennt sich \u201eNordman\u201c, zwei der f\u00fcnf Musiker spielen unter anderem Maultrommel, zwei weitere wenigstens eine Trommel. Die von mir auffindbaren Texte der verschiedenen Alben sind auf Sprachen wie Altnordisch, F\u00e4r\u00f6isch oder Isl\u00e4ndisch gehalten. Wer jetzt schon keinen Bock mehr hat, der m\u00f6ge dieses Album \u00fcberspringen.\nDen \u00dcbriggebliebenen w\u00fcnsche ich einen wachen Geist und die Bereitschaft f\u00fcr v\u00f6llig Anderes, denn das werdet ihr brauchen. Die Band selbst schreibt zum Album, dort interpretierten sie, daher auch der Titel, \u201etraditionelle schamanische Lieder oder Zauberspr\u00fcche der mandschu-tungusischen Ethno-Linguistikgruppen Sibiriens. Diese Lieder verwenden alte musikalische Techniken wie Kehlkopfgesang und Trommeln und wurden in ihrer Originalsprache aufgenommen\u201c. Als der vermutlich nicht Einzige hier im Internet, dem das sibirische Schamanentum weitgehend unbekannt ist, der aber f\u00fcr das Erfahren von Naturreligionen und traditionellen Kulturen grunds\u00e4tzlich empf\u00e4nglich ist, respektiere ich die Ernsthaftigkeit des Unterfangens (es wurde, versichern die Musiker, darauf verzichtet, Zauberspr\u00fcche aufzunehmen, die Schaden verursachen k\u00f6nnten) und lausche dem, was hier zelebriert wird.\nIch m\u00f6chte \u201eHoge Yage\u201c, das mir noch Wochen sp\u00e4ter einen der merkw\u00fcrdigeren Ohrw\u00fcrmer meines Lebens bereiten sollte, exemplarisch f\u00fcr \u201eSongs of the Shaman\u201c herausgreifen. Es beginnt mit rhythmischer Perkussion, woraufhin S\u00e4ngerin \u201eKrauka\u201c selbige mit Beschw\u00f6rungsformeln in einer mir g\u00e4nzlich unbekannten Sprache \u00fcbersingt. Irgendwann setzen Maultrommel und Kehlkopfgesang im Hintergrund ein, die dieses in der Tat wie das, was ich banausenhafter Westeurop\u00e4er mir unter einem magischen Geistertanz vorstelle, klingende Ereignis begleiten, bis schlie\u00dflich nach f\u00fcnf Minuten nur noch ein wenig energisch stampfende Trommel \u00fcbrigbleibt und dann verstummt. Ich f\u00fchle mich hinterher wie durch das Jenseits spaziert. Auch mal interessant.\nWas f\u00fcr eine verr\u00fcckte Idee. Was f\u00fcr ein verr\u00fccktes Album.\nStream, CD, Vinyl: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nTechnicolor Blood \u2013 Evolution Now\nUnd da wir vorhin schon beim Postrock waren, machen wir mit Postpunk weiter und landen folgerichtig bei Technicolor Blood aus Montreal. Die dortige Postrockszene ist international bekannt, aber auf seinem wohl zweiten Studioalbum haben die vier Herren es sich anders \u00fcberlegt.\nEine Prise Fuzz und Stoner haben sie wohlweislich aufgenommen, um das vermeintlich fertigbeackerte Feld des Postpunks wenigstens nicht mit immer denselben \u00f6den Pflanzen \u00fcberwuchern zu lassen; dabei verzichten sie allerdings gro\u00dfteils auf ein \u00dcberma\u00df an Verzerrung, und auch der Gesang h\u00e4lt sich in der Abmischung zur\u00fcck. Das Internet zieht hier Vergleiche zu den ziemlich guten Verst\u00e4rker (denen aus Kentucky, nicht den anderen) und hat damit gar nicht mal Unrecht. Schwer psychedelisch (heavy psychedelic) sei dieses Album, steht anderswo, daf\u00fcr ist dann aber doch zu wenig \u201ez\u00e4hes Gewaber\u201c (eine der sch\u00f6nsten Beschreibungen von Pink-Floyd-Musik, die ich je gelesen habe) enthalten. \u201eEvolution Now\u201c sitzt irgendwo zwischen den St\u00fchlen und ist deswegen interessant, es also sowohl in diese Liste aufzunehmen als auch zwischen zwei stilistisch andere Alben zu setzen erschien mir folgerichtig.\nStream und/oder Download: Bandcamp, TIDAL.\n\n\nAmplifier \u2013 Gargantuan\n\u201eI\u2019m running from the future and the past.\u201c (Guilty Pleasure)\nVor einigen Jahren habe ich mal irgendwo geschrieben, dass ich die (britische, nicht jedoch ihre belgischen Namensvettern) Band Placebo f\u00fcr schwer ertr\u00e4glich halte, weil ich zwar nicht unbedingt was gegen allgegenw\u00e4rtige Keyboards habe, aber der elend n\u00f6lige S\u00e4nger mir nicht so recht Freude bereitet. Zum Gl\u00fcck haben Amplifier eine andere Besetzung.\nManche eher experimentierfreudige Bands, die mit Amplifier gern mal ins New-Artrock-Wasser geworfen werden, etwa die zu Recht hochgesch\u00e4tzten Oceansize und die aufgrund der Trennung vor \u2013 huch! \u2013 auch schon wieder bald zwanzig Jahren in den Neuver\u00f6ffentlichungen sehr fehlenden Aereogramme, hat die Zeit sozusagen auf dem Gewissen, aber Amplifier, seit wenigen Jahren nur noch als Duo aktiv, ziehen\u2019s seit 1999 durch. Das ist erst mal eine Leistung. Dass Steve Durose von ebendiesen Oceansize nach deren Aufl\u00f6sung bis 2020 auch bei Amplifier spielte, spricht im \u00dcbrigen vermutlich f\u00fcr sich.\nNun also \u201eGargantuan\u201c. Die f\u00fcr Amplifier nicht unbedingt ungew\u00f6hnliche Keyboarddominanz r\u00fcckt \u201eGargantuan\u201c, ich habe es eingangs angedeutet, in die (sehr grobe) N\u00e4he von Placebo, aber ohne deren st\u00e4ndige Fanfaren. Eingebettet wird das in eine zusehends intensivere Weltraumlandschaft; als beg\u00f6nne man \u201eGargantuan\u201c auf der Autobahn (\u201eGateway\u201c), beobachtete, wie die Umgebung zusehends futuristischer wird (\u201eKing Kong\u201c), und fl\u00f6ge schlie\u00dflich (\u201eLong Road\u201c) entspannt durch das All. Dass die eher alltagsorientierten Texte mit dem musikalischen Thema wenig zu tun haben, darf als egal gelten, denn darum geht es ja auch nicht immer. Zu den Keyboards gesellen sich schneidend riffende Gitarren und ein hellwaches Schlagzeug mit Bewegungsdrang. Die zwei Herren bauen hier ein monolithisches Klangunget\u00fcm auf, das f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Entzifferung vermutlich mehr H\u00f6rdurchl\u00e4ufe braucht; fest steht, dass es reich belohnt wird.\nAmplifier scheinen insofern auch 2025 noch eine gute Anlaufstelle f\u00fcr diejenigen H\u00f6rer zu sein, die in der Schnittmenge aus New Artrock und Spacerock nach neuen Ideen suchen. M\u00f6ge es munden. (Oder wie hei\u00dft das bei Musik? M\u00f6ge sie ohren?)\nStream, Download und/oder Kauf: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nMinerall \u2013 Str\u00f6mung\nDave Schmidt, vorrangig als Sula Bassana bekannt f\u00fcr ungef\u00e4hr zweiundf\u00fcnfzig (plus/minus f\u00fcnfzig) Musikprojekte aus dem weiten Bereich der psychedelischen Rockmusik, nahm 2023, glaubt man dem Internet, an einer Veranstaltung in ausgerechnet Hannover teil, in deren Rahmen eine weitere Gruppe (ein weiteres Projekt?) namens Minerall ins Leben gerufen wurde, dessen Deb\u00fctalbum mit dem schier entz\u00fcckenden Namen \u201eB\u00fcgeln\u201c bei mir 2024 schon Montagsmusik spielen durfte. \u201eStr\u00f6mung\u201c ist nun das zweite Album, entstanden wohl im Rahmen derselben Aufnahmesitzung.\nDargeboten wird in den beiden St\u00fccken zu je \u201eungef\u00e4hr\u201c zwanzig Minuten L\u00e4nge \u2013 nun \u2013 eine Art Motorik-Spacerock. Ein stoisches Schlagzeug, bedient \u00fcbrigens von Tommy Handschick, regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner fragw\u00fcrdigen Texte schon mal als Teil von Kombynat Robotron begegnet, begleitet ein waberndes Ger\u00e4uschunget\u00fcm, das bisweilen an Hawkwind erinnert, ansonsten aber wie ein Amalgam der musikalischen Hintergr\u00fcnde der beteiligten Musiker klingt.\nVierzig Minuten Kopfreise f\u00fcr die, die daf\u00fcr keine anderen Drogen als Musik brauchen; Menschen wie mich und m\u00f6glicherweise auch die, die hier immer noch mitlesen, also. Bitte, gern geschehen.\nStream (Vinyl ist gerade schwer erh\u00e4ltlich, existiert aber wohl auch): Bandcamp.\n\n\nmclusky \u2013 the world is still here and so are we\n\u201eTell me you\u2019re precious without being pissed on!\u201c (kafka-esque novelist franz kafka)\nMal was anderes, n\u00e4mlich erdiger Rock. Mclusky, derzeit anscheinend wie auch der Titel dieses Albums sowie s\u00e4mtliche St\u00fccke darauf konsequent klein geschrieben, sind eine Post-Hardcore-Band, aber davon merkt man nichts, aus Cardiff, aber davon auch nicht. Ihr neuestes, viertes Album, n\u00e4mlich dieses, wurde bei Ipecac ver\u00f6ffentlicht, was, wie der geneigte Musikfreund wei\u00df, als Kriterium zum Interessesch\u00fcren durchaus hinreichend ist. Eine \u201eSch\u00f6nheit\u201c sei das Album, etikettiert die \u201eVISIONS\u201c, aber klassisch sch\u00f6n will es gar nicht sein.\nNein, auf \u201ethe world is still here and so are we\u201c geht es so sumpfig zu wie einst bei den wundervollen Shellac. Hier und da (\u201echekhov\u2019s guns\u201c) bricht der Crossover-Nu-Metal der fr\u00fchen 2000er hervor, aber im Wesentlichen haben wir es hier mit kr\u00e4ftig gepfeffertem Noiserock und ebensolchen Texten (etwa in \u201epeople person\u201c: \u201eexploding kids can kill the mood / can kill the mood if kid explosions aren\u2019t your heart\u2019s desire\u201c; der \u201etagesschau\u201c gef\u00e4llt das) zu tun. Nur drei der Texte haben ein \u201eexplizite Lyrik\u201c-Etikett, aber danach suche ich mir die Musik hier ja auch nicht aus. Textlich soll es gar keinen Spa\u00df machen, aber musikalisch geht es gar nicht anders. Misanthroper Krach ist anders sch\u00f6n. \u201eBlabbermouth\u201c zieht das Fazit, es sei \u201eegal, ob irgendwer von uns versteht, was hier passiert\u201c, wenn es doch \u201ederma\u00dfen gut\u201c klinge. Stimmt.\nN\u00f6rgelei? Klar: Das Album k\u00f6nnte meinetwegen l\u00e4nger sein. Aber es ist ja vermutlich nicht das letzte.\nStream, Download, Kauf: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nColosseum \u2013 XI\nDas Ableben von Jon Hiseman hat seine Jazzrockcombo zum Gl\u00fcck nicht ihre Zelte abbrechen lassen, sondern, wie es sich anh\u00f6rt, erst recht befeuert. Das kennt man so \u00e4hnlich ja von Gong. Am Schlagzeug sitzt in seiner Nachfolge seit 2020 Malcolm Mortimore, einigen Lesern m\u00f6glicherweise von Gentle Giant (oder jedenfalls von deren Album \u201eThree Friends\u201c) bekannt und auch sonst seit Jahrzehnten recht umtriebig, weiterhin an Bord sind von der \u201ealten\u201c Garde seit 1969 bzw. 1970 \u201eClem\u201c Clempson (Gitarre, Keyboards), Mark Clarke (Bass) und Chris Farlowe (Gesang). So viel zu den nackten Zahlen.\n\u201eXI\u201c, das \u2013 \u00e4tsch! \u2013 neunte Studioalbum (sofern man die zwei EPs \u201eBread &amp; Circuses\u201c und \u201eThe Kettle\u201c nicht mitz\u00e4hlt) dieser verdienten Combo, beginnt schon mit ordentlich Groove. Chris Farlowe hat auch mit mittlerweile 85 Jahren immer noch den Soul von fr\u00fcher und auch sonst schlie\u00dft man nahtlos an die eigene Geschichte an: der springende Herr auf dem Titelbild war so \u00e4hnlich schon auf dem Livealbum von 1971 zu sehen.\nEs ist festzuhalten, dass die Musiker im Alter anscheinend ihren zweiten Fr\u00fchling erfahren, denn w\u00e4hrend die letzten Studioalben bis 2014 weithin als entt\u00e4uschend wahrgenommen werden, geht es seit dem Vorg\u00e4nger \u201eRestoration\u201c (2022) wieder qualitativ aufw\u00e4rts, und wer \u2013 wie ich \u2013 die \u201eValentyne Suite\u201c f\u00fcr bisher unerreicht im Schaffen Colosseums h\u00e4lt, der d\u00fcrfte schon angesichts der Titelliste feststellen, dass hier eine fast neunmin\u00fctige \u201eEnglish Garden Suite\u201c enthalten ist, die rein instrumental gehalten ist und am ehesten wie fr\u00fcher klingt. Nat\u00fcrlich sollte keine Musikgruppe auf jede Weiterentwicklung verzichten, man betrachte diesen Einwurf daher vielmehr als nostalgisches Seufzen denn als plumpe Kritik am Neuen. Um die \u201eSuite\u201c herumgewoben sind zeitlose St\u00fccke wie das er\u00f6ffnende, funkige \u201eNot Getting Through\u201c, das jedenfalls mich an die j\u00fcngeren Uriah-Heep-Werke erinnernde \u201eHunters\u201c und die ausnahmsweise von Mark Clarke gesungene (weil wohl auch geschriebene) Bluesrockhymne \u201eGypsy\u201c. Ich gebe zu, die Geschichte von Colosseum in den letzten Jahren eher vernachl\u00e4ssigt zu haben, und kann daher nicht mit hinreichender Treffsicherheit Vergleiche zu den vorherigen Alben ziehen, aber als f\u00fcr sich allein stehendes \u201eAlterswerk\u201c, das \u201eXI\u201c wohl ist, ist es mehr als nur erfreulich.\nSch\u00f6n, dass das Colosseum noch steht. Es lebe (noch lange und) hoch.\nStream, Download und Kauf: Amazon.de, TIDAL.\n\n\nSUMAC and Moor Mother \u2013 The Film\n\u201eSeems like every time there\u2019s a bomb, there\u2019s a round of applause\u201c (Scene 5: Breathing Fire)\nKratzen wir mal am anderen Extrem.\nF\u00fcr das Album \u201eThe Film\u201c hat sich das Postmetaltrio SUMAC mit der Experimentalmusikerin Moor Mother, die sonst bei der Free-Jazz-Combo Irreversible Entanglements ins Mikrofon spricht, zusammengetan. Zu h\u00f6ren gibt es folgerichtig eine Art Free Jazzmetal, recht frei im Rhythmus, verfeinert von besagter Musikerin, die ausweislich des Internets sowohl Synthesizer und Effektger\u00e4te als auch das Mikrofon bedient. Gesang ist das nicht, stattdessen wird \u00fcberwiegend Politisches teils ruhig, teils aufgeregt erz\u00e4hlt. Am Ende des zweiten St\u00fccks, \u201eScene 2: The Run\u201c, kommt Growling ins Spiel. Das macht aber wohl wer anders.\nDie Grundstimmung von \u201eThe Film\u201c ist verst\u00f6rend. Ich wei\u00df nicht, ob es dazu tats\u00e4chlich einen Film gibt, aber ansehen w\u00fcrde ich mir einen solchen schon. Mich erinnert das Album streckenweise an \u201eLulu\u201c, teils an \u201eThe Cherry Thing\u201c, aber hektischer. Dass das Album in den letzten f\u00fcnf Minuten trotzdem eher sanft ausklingt, macht\u2019s zu einer runden Sache. (Sind Tontr\u00e4ger nicht meistens rund?) Empfehlung abseits dieser Liste: Etwas von Irreversible Entanglements zur Einstimmung h\u00f6ren. Dann ist \u201eThe Film\u201c nur folgerichtig.\nStream, Kassette, CD, Vinyl, Downloads: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nOSMIUM\nVon 2005 bis 2008 nannte sich die brasilianische Progmetalband Daydream XI stattdessen Osmium. Dies ist eine andere Gruppe, aber der Name war ja wieder frei. Diejenigen OSMIUM die im Juni 2025 ihr namenloses (oder eigenbenanntes?) Deb\u00fctalbum rausbrachten, um das es hier gehen soll, sind stattdessen ein Quartett aus Berlin.\nEine Art Panikindustrial, vom Pressetext als \u201eelektromechanischer Metal\u201c beschimpft, gibt es hier zu h\u00f6ren, hergestellt mithilfe einer Klangkulisse aus dreierlei selbst entworfenen Instrumenten, zu dem der Stimmk\u00fcnstler Rully Shabara st\u00f6hnt, r\u00f6chelt und schreit. Assoziationen: Nine Inch Nails, Aphex Twin, Filmmusik f\u00fcr Weltkriegsdokus. Da, wo es mal ruhiger wird (etwa in \u201eOsmium 4\u201c), quietscht und brummt es in eine metallische K\u00e4lte hinein, so dass man selbst da ein kaum erkl\u00e4rliches Unwohlsein versp\u00fcrt. Wahrscheinlich ist das Absicht. Es gibt ein lesenswertes Interview zu den Hintergr\u00fcnden des hier auf Platte Gepressten, das ich hiermit als weiterempfohlen betrachte. Ausweislich der Bandcampseite zum Album wird hier erfolgreich die Grenze zwischen der Ausdrucksform von Maschinen und derjenigen von Menschen verwischt, und ich stimme zu. So \u00e4hnlich m\u00fcssen Cybermen klingen, wenn die jemals diesseits von Doctor Who vorkommen sollten. (Lange dauert das wohl auch nicht mehr.)\n\u201eOsmium\u201c (das Album) will gar nicht gefallen und tut es nach klassischen Kriterien auch nicht. Ein anderer Rezensent schrieb irgendwo, es sei geeignet, um den Kopf zwischen zwei Popmusikalben wieder zu erden, und wahrscheinlich stimmt das. Aber so viel Popmusik h\u00f6re ich gar nicht. Nein, wer Gef\u00e4lliges braucht, der braucht das Gegenteil von dem hier. \u201eOsmium\u201c (das Album) verlangt stattdessen dem H\u00f6rer einen Sinn f\u00fcr die Avantgarde ab. Zum Gl\u00fcck habe ich den und bin daher angetan.\nStream, Vinyl und/oder Download: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nRanges \u2013 Sin\nZahlenverr\u00fcckte \u2013 dies ist \u00fcbrigens das dreizehnte Album auf dieser Liste \u2013 d\u00fcrfen sich entz\u00fccken lassen: Auf den sieben St\u00fccken auf \u201eSin\u201c vertonen Ranges aus Montana die sieben Tods\u00fcnden, namentlich \u2013 soweit ich das verstanden habe \u2013 Hochmut (\u201eThe Falcon Cannot Hear the Falconer\u201c), Neid (\u201eTheir Eyes Sewn Shut\u201c), Wollust (\u201eBound To The Black Wind\u201c), V\u00f6llerei (\u201eThree Throats\u201c), Gier (\u201eProdigal\u201c), J\u00e4hzorn (\u201eThe Red Mist\u201c) und Faulheit (\u201eIdle Hands\u201c). Hand hoch, wer noch keine von ihnen (und sei\u2019s Wollust) jemals begangen hat. Die Platte f\u00fcr siebenundzwanzig US-Dollar gibt es in sieben verschiedenen Farbvarianten, den Download f\u00fcr sieben US-Dollar. Ihr merkt: Subtil sind die Musiker nicht.\nDas gilt nicht nur f\u00fcr die Verpackung und die Vermarktung, sondern auch f\u00fcr die Musik selbst. Zu h\u00f6ren gibt es weitgehend energischen Postrock mit dem alten Laut-leise-Spiel. Ranges erfinden das Genre nicht neu, aber bewegen sich treffsicher in ihm wie auf einer gro\u00dfen Spielwiese, so dass das, was hier aus dem Kopfh\u00f6rer gewittert, nicht nach Schablone klingt, sondern danach, dass hier Musiker am Werk sind, die sich abreagieren wollen und es gar nicht so ungern h\u00e4tten, wenn ihr Publikum sich ihnen anschlie\u00dft.\nRanges malen breitwandig, aber keine gepunkteten Bergseen, sondern rei\u00dfende Sturzfluten, die alles unter sich begraben, das sich ihnen in den Weg stellt. Hochemotionale Musik f\u00fcr diejenigen, deren Emotionen empf\u00e4nglich f\u00fcr Musik sind. Selten klangen Tods\u00fcnden so einladend, man m\u00f6chte zu ihnen abhotten, wie die jungen Leute sagen bzw. mal sagten. Ich mache das mal und empfehle unterdessen weiter.\nStream, Kauf, Runterladen: Bandcamp, TIDAL.\n\n\nWe Lost the Sea \u2013 A Single Flower\nDie j\u00e4hrliche Dosis Postrock wird \u00fcberdies vorangebracht von einer Gruppe, die im Rahmen dieser Rezensionsreihe seit Jahren immer mal wieder zu Gast ist, n\u00e4mlich We Lost the Sea. Deren 2025er Album \u201eA Single Flower\u201c beginnt zur\u00fcckhaltend mit Gitarre und ein wenig begleitendem Rhythmus, bevor nach etwas \u00fcber drei Minuten erstmals das einsetzt, was der geneigte Postrockfreund vermutlich bereits erwartet, n\u00e4mlich das volle Breitwandkino.\nWe Lost the Sea gestalten auch auf \u201eA Single Flower\u201c prachtvolle Klanglandschaften, die \u00fcber weite Strecken einem Freund des musikalischen Fr\u00fchlings gefallen k\u00f6nnten. (Ist ja auch bald wieder so weit.) Gesungen wird nicht, was gut ist. Der etwas plumpe Discostampfrhythmus von \u201eEverything Here is Black and Blinding\u201c zieht meine Bewertung etwas runter, aber irgendwas ist ja immer und We Lost the Sea vers\u00f6hnen mich ja meist schnell.\nDass ausgerechnet im mit Abstand k\u00fcrzesten St\u00fcck \u201eThe Gloaming\u201c Sophie Trudeau (bekannt mindestens von den nicht besonders eiligen Godspeed You! Black Emperor) am Streichinstrument aushilft, ist ein Detail, das wahrscheinlich mal wieder nur ich f\u00fcr bemerkenswert halte. Gro\u00dfe \u00dcberraschungen gibt es dar\u00fcberhinaus nicht und das ist auch gut so. Feine Scheibe.\nStream, Download und (Vinyl ist ausverkauft, aber trotzdem) Kauf: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nHalf Past Four \u2013 Finding Time\nIch wei\u00df, ich wei\u00df, ich empfehle hier eigentlich meist nur obskuren Krach. Das liegt daran, dass mir obskurer Krach gef\u00e4llt. Doch machen wir uns nichts vor: Das hier ist Pop, aber guter.\n2018 erhoffte ich mir eine Fortsetzung ihres damals aktuellen Albums \u201eLand of the Blind\u201c. Diese liegt nun vor; der Titel \u201eFinding Time\u201c ist da schon Programm. F\u00fcr die, die\u2019s damals nicht verfolgt haben, wie \u201egelesen\u201c heutzutage wohl hei\u00dft, fasse ich deren Treiben kurz zusammen: Half Past Four, ein kanadisches Quintett um die S\u00e4ngerin Kyree Vibrant, die sonst was mit Filmen macht, habe sich vor ein paar Jahren, so teilt\u2019s deren Website mit, dazu entschieden, sich vollst\u00e4ndig dem Progressive Rock hinzugeben. Das sollte man nicht verwechseln: Das, was Musikgruppen heute machen, wenn sie versuchen, so zu klingen wie solche Musikgruppen, die in den 1970er Jahren progressive Musik gespielt haben, nennt man \u201eOldies\u201c. \u201eRetrorock\u201c. Schlimmstenfalls, und das geht mancherseits als Beleidigung durch, \u201eNeoprog\u201c. (Das bedeutet nicht, dass ich Musikgruppen, die versuchen, so zu klingen wie solche Musikgruppen, die in den 1970er Jahren progressive Musik gespielt haben, unbedingt schlecht finde. Aber W\u00f6rter haben eine Bedeutung und \u201eprogressiv\u201c hei\u00dft \u201evorw\u00e4rts\u201c und nicht \u201ewie fr\u00fcher\u201c.)\nNat\u00fcrlich steht auch neun Jahre nach dem Vorg\u00e4nger die immer noch gro\u00dfartige S\u00e4ngerin im Vordergrund. Auf ihrer eigenen Website zitiert sie gern Vergleiche mit Leslie Hunt, Kate Bush und Grace Slick. Lasse ich gelten. Beim H\u00f6ren dachte ich gelegentlich an Lee Triffon, Kim Wilde (wieso auch immer) und \u2013 ja \u2013 auch Kate Bush, welche nicht die \u00fcbelsten Drandenkk\u00fcnstlerinnen sind. Die Musik dahinter, und da stimmt der Vergleich mit Leslie Hunt und damit District 97 auf mehr als eine Art, ist wohl tats\u00e4chlich als \u201emoderner Progressive Rock\u201c zu begreifen: Unabh\u00e4ngig von den Titell\u00e4ngen, angesichts derer fast jeder Radio-DJ dankend abwinken w\u00fcrde, gibt es grunds\u00e4tzlich radiotaugliche Ideen (das geht schon im er\u00f6ffnenden \u201eTomorrowless\u201c los), die, damit niemand aus Versehen spontan Bock darauf bekommt, sich im Edeka an der Wursttheke anzustellen (Pawlow funktioniert), von Jazz- (man h\u00f6re etwa \u201eBranches\u201c) und Mathrockideen durchzogen sind. \u201eHandwerklich von h\u00f6chster Qualit\u00e4t\u201c findet ein anderer Rezensent das und irrt nicht.\nMich freut, dass die Musiker wieder, nun, die Zeit gefunden haben, auch wenn wir es hier mit einem neuen Gitarristen zu tun haben, der jedoch bemerkenswerte Akzente setzt. Hoffentlich dauert das n\u00e4chste Album nicht noch mal neun Jahre.\nStream und/oder Download: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nFieldwork \u2013 Thereupon\nNoch mal Jazz, diesmal nicht von alten Meistern, sondern von einem jungen (oder jedenfalls erst 1971 geborenen) Herrn, n\u00e4mlich Vijay Iyer. Dieses in New York heimische, und man muss es wohl so nennen, Multitalent (die englischsprachige Wikipedia listet allein Komponist, Bandleader, Produzent, Autor und Professor auf; Jazzmusiker sind oft ein sehr eigenes V\u00f6lkchen) ist nicht nur Kopf einiger Musikprojekte, sondern dann und wann auch mal gleichberechtigtes Mitglied, so auch im Trio Fieldwork, das seit 2002 vier Studioalben ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, wobei das dritte, \u201eDoor\u201c (2008), schon eine Weile zur\u00fcckliegt. Die anderen beiden Musiker im Trio sind Tyshawn Sorey und Steve Lehman, beide selbst ausgewiesene Experten und Bandleader mit jeweils eigenem Wikipediaartikel. (Von wegen, ich h\u00f6r\u2019 immer nur obskuren Kram von Musikern, die niemand kennt\u2026)\nHier also liegt nun das vierte Album von Fieldwork, \u201eThereupon\u201c, vor. Gesungen wird nicht und das ist in Ordnung so. Das ganze Album durchzieht ein Mitwipp-Groove, dabei wird es aber nie wirklich beliebig; das Trio an Klavier, Saxophon und Schlagzeug durchzieht die neun St\u00fccke mit einer Spielfreude, die ansteckend ist und also den H\u00f6rer (oder zumindest mich) hier und da zum Sitztanz verleitet. An traditionelle Jazzformen halten sich die Musiker eher aus Versehen, stattdessen entfachen sie einen wahren Wirbelsturm (entfacht man eigentlich Wirbelst\u00fcrme?) aus Rhythmus, Melodie und gekonnt Improvisiertem, der mir durchaus mehr als einmal ein anerkennendes Nicken entlockt. Das ist Zustimmung genug.\nDas und nat\u00fcrlich meine hiesige Empfehlung, die hiermit erteilt ist.\nStream, Download, Kauf: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nLa Dispute \u2013 No One Was Driving The Car\n\u201eYou carved \u201aDie Young\u2018 with a pen / in the skin below your neck\u201c (Steve)\nDen ungef\u00e4hren Stil der US-Amerikaner La Dispute beschrieb ich bereits 2013, damals stellte ich \u201eGeschepper und Geschrei\u201c (d.h. Screamo-Stil) fest. Es scheint sich seitdem manches ge\u00e4ndert zu haben, denn geschrien wird hier kaum noch.\n\u201eNo One Was Driving The Car\u201c ist das, was man wohl heutzutage ein Spoken-Word-Album nennt: Es wird viel gesprochen. Dabei klingt S\u00e4nger/Sprecher Jordan Dreyer allerdings sehr ungeduldig, als w\u00e4re die Schlange vorm Klo unertr\u00e4glich lang. \u2013 In den letzten Jahren, erf\u00e4hrt man, sei die sonst grunds\u00e4tzlich unpolitisch handelnde Band zusehends w\u00fctender geworden und das m\u00fcsse jetzt raus. An den Texten, plumpe Parolen findet man hier nicht, erkennt man keine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Politisierung, wohl aber findet man in ihnen einen gewissen fatalistischen Weltschmerz. Es hat Gr\u00fcnde, dass auch das ein Wort ist, das es ins Englische geschafft hat.\nDie Musik dazu ist gut treibend, kurzweilig im besten Sinne und bisweilen (Reinh\u00f6rempfehlung: \u201eTop-Sellers Banquet\u201c) beinahe tanzbar. La Dispute sind hier wie The Fall auf Speed und die Pixies auf Techno, sowohl die Post als auch das Hardcore in \u201ePost-Hardcore\u201c. Gepaart mit der dem Album innewohnenden Verzweiflung an der Welt und dem ganzen Rest ergibt das ein gutes St\u00fcck Musik, von dem man entweder depressiv oder geradezu ansteckend fr\u00f6hlich wird. Bei jedenfalls mir war\u2019s Letzteres.\nStream, Download und/oder Tontr\u00e4ger (Letztere nur bei Amazon): Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nDeaf Club \u2013 We Demand a Permanent State of Happiness\nApropos nerv\u00f6se Musik.\nDeaf Club klingen an Gesang und Instrumenten eigentlich fortw\u00e4hrend wie vom wilden Affen gebissen. Sie \u201everlangen\u201c auf ihrem zweiten Album \u201eandauernde Gl\u00fcckseligkeit\u201c und das h\u00f6rt man auch. Deaf Club spielen einen fiebrigen, hochexplosiven Hardcorepunk f\u00fcr Menschen, die heute noch zu wenig Kaffee hatten. Dass das Coverbild des Albums die Friedensbewegung grafisch zitiert, ist ein sch\u00f6nes Detail, das mit dem Inhalt des Albums allerdings kaum korreliert. Friedlich ist hier gar nichts.\n\u201ePanik sch\u00fcrenden Punkrock\u201c nannte das \u201eNew Noise Magazine\u201c das, was Deaf Club hier anrichten, und dem ist kaum zu widersprechen. \u201eWe Demand a Permanent State of Happiness\u201c ist musikalisches Chaos der angenehmeren Art. Manchmal schrille (gelungene Vorabsingle: \u201eNihilist for Dummies\u201c), stets aber fiese Gitarren fliegen aus dem Kopfh\u00f6rer, wor\u00fcber der sowieso eifrige Justin Pearson energisch ins Mikrofon schreit, w\u00e4hrend ein \u00fcberdrehter Schlagzeuger die Trommelfelle windelweich pr\u00fcgelt. Mr. Bungle treffen auf Dillinger Escape Plan. \u201eWe Demand a Permanent State of Happiness\u201c gibt dem geneigten H\u00f6rer fortw\u00e4hrend auf die Fresse und das f\u00fchlt sich nicht mal schlecht an.\nLive sei es immer besser als auf Platte, hei\u00dft es \u00fcber Rockmusik. Das gehe mehr ab. Nun habe ich Deaf Club bisher nicht live gesehen, aber wenn da noch mehr geht, f\u00fcrchte ich, ich muss da sowohl mal hin als auch hinterher dringend meine Ohren untersuchen lassen. Aber das wird\u2019s wert gewesen sein.\nKrasse Scheibe.\nStream, Download, Kauf: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nZatokrev \u2013 \u2026Bring Mirrors To The Surface\nZatokrev, man ahnt es angesichts des Namens, kommen selbstverst\u00e4ndlich \u2013 richtig \u2013 aus Basel. Zu ihren musikalischen Vorbildern geh\u00f6ren, glaubt man dem Internet, die gro\u00dfartigen Neurosis, zu Geh\u00f6r bringen sie folgerichtig schweren, atmosph\u00e4rischen Postmetal.\nDas Album walzt sich ins Geh\u00f6r wie sonst nur Bayern M\u00fcnchen durch die Bundesliga, ist dabei aber auch deutlich weniger langweilig. Dabei geben sie dem H\u00f6rer genug Zeit, sich auf das einzulassen, was ihm, man muss es wohl so ausdr\u00fccken, hier druckvoll widerf\u00e4hrt: F\u00fcnf der St\u00fccke sind \u00fcber neun Minuten lang. Tatkr\u00e4ftige Hilfe erhalten die Schweizer von Kollegen von Minsk, mit denen sie schon 2018 zusammen ihr bis dahin letztes Studiolebenszeichen, n\u00e4mlich eine Split-EP, rausgebracht hatten, ebenso wie von einigen weiteren Kollegen aus der Szene. Das Gastspiel des Zeal-&amp;-Ardor-Frontmanns Manuel Gagneux (\u201eUnwinding Spirits\u201c) ist auf diesem Album nur als folgerichtig zu verstehen.\nBeinahe aus dem Rahmen fallen dagegen die beiden sehr gegens\u00e4tzlichen St\u00fccke \u201eBlood\u201c und \u201eFaint\u201c: W\u00e4hrend Letzteres ein (zu kurzes, aber) wahres Noisegewitter \u00fcber den unvorbereiteten H\u00f6rer einbricht, was mir als altem Krachfreund das Album ja erst so richtig veredelt, nimmt \u201eBlood\u201c ab etwa der H\u00e4lfte der Laufzeit das Tempo etwas heraus. Wer zuh\u00f6rt und jetzt glaubt, er k\u00f6nne kurz verschnaufen, der m\u00f6ge sich damit ein bisschen beeilen, denn bereits im folgenden \u201eThe Only Voice\u201c geben Zatokrev wieder Vollgas.\n\u201e\u2026Bring Mirrors To The Surface\u201c ist ein musikalischer Mahlstrom, von dem sich mitrei\u00dfen zu lassen nicht die schlechteste Idee ist. Die R\u00fcckkehr an Land hat was Reinigendes. Ich mag das.\nStream, Download und Kauf: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nTV Cult \u2013 Industry\nTV Cult kommen aus K\u00f6ln, aber verzichten zu meiner Freude auf Mundartgesang. Das kann man ja von hinreichend bekannten Musikgruppen aus K\u00f6ln nicht immer behaupten.\nWas Pearl Handled Revolver (siehe oben) f\u00fcr die 70er sind, sind TV Cult f\u00fcr die (besseren) 80er. M\u00f6gt ihr Joy Division und/oder Idles? Dann m\u00f6gt ihr auch TV Cult. \u201eIndustry\u201c, ihr zweites Studioalbum, klingt vor allem dreckig, heiseren Gesang gibt\u2019s gratis obendrauf. Das Album trage, las ich anderswo, seinen Namen unter anderem, um der gewaltigen Arbeit Rechnung zu tragen, die in die Produktion des Albums geflossen ist. Kann sein.\nGut gemacht ist es auf jeden Fall: Hier und da flie\u00dfen im Hintergrund des mal w\u00fctend, meist frustriert daherkommenden Rhythmusfundaments Synthesizermelodien ein (wie fr\u00fcher), Ohrwurmpotential hat f\u00fcr die, die sich jetzt schon angesprochen f\u00fchlen, sowieso vieles, wobei ich mich selbst immer wieder dabei erwische, dass ich ja eigentlich noch mal \u201eOverpressure\u201c h\u00f6ren k\u00f6nnte.\n\u201eAber das ist doch alles schon mal da gewesen!\u201c m\u00f6gt ihr jetzt denken. Das verh\u00e4lt sich bei Musik ja in den letzten Jahrzehnten des \u00d6fteren so. Aber muss denn immer alles noch nie da gewesen sein? \u2013 Innovation? Nein. Tolle Musik? Ja!\nStream, Download, Kauf: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nL\u00dcT\nAus Norwegen stammt das Punkrockquartett mit dem urnorwegischen Namen L\u00dcT. Zuvor, wei\u00df das Internet, spielten sie seit 2010 als The Wolves zusammen, nennen sich seit 2015 L\u00dcT und hatten zwei Alben und diverse Besetzungs\u00e4nderungen hinter sich gebracht, bevor sie 2022 noch mal von vorn anfingen und nun in Originalbesetzung ein konsequent selbstbetiteltes Album aufnahmen. So weit die Geschichte.\nEin Gro\u00dfteil des hier Enthaltenen ist auf Norwegisch, das gut klingt, aber mir nicht gel\u00e4ufig ist, gesungen, eine Ausnahme ist einzig das auch noch schw\u00e4chste Lied auf dem Album, \u201eGl\u00fccksschmied\u201c, in dem ausgerechnet Bela B., wohl selbst der Gruppe zugeneigt und mit den Die \u00c4rzte bereits nach ihnen aufgetreten seiend, den ansonsten norwegischen Refrain auf Deutsch singt und eine einigerma\u00dfen uninteressante Strophe beisteuert. Das Lied hat es freilich nicht ganz leicht, denn L\u00dcT machen auch in ihrer Muttersprache Spa\u00df und gehen ab. Eine musikalische N\u00e4he zu zeitgen\u00f6ssischem Deutschpunk (d.h. \u201eIndie\u201c) kann ich ausmachen, verstehe aber immerhin kein Wort. Daf\u00fcr gibt es ziemlich viele Hummeln im Hintern.\nDas Album ist tats\u00e4chlich nur etwas \u00fcber eine halbe Stunde lang, aber die Zeit wird komplett durchgeprescht. Wer Ruhe haben will, der ist hier falsch. Finde ich gut und gehe dazu ab.\nStream und Vinyl: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\n\n\nJo Montgomerie \u2013 Ephemeral Rituals\nVon der Helen Scarsdale Agency gab es 2025 noch mehr Gutes f\u00fcr die Freunde gepflegter Ger\u00e4usche. Die mir zuvor unbekannte Jo Montgomerie aus Manchester etwa, dort etikettiert unter \u201eMusique concr\u00e8te\u201c, was gar nicht schlecht passt, hat eine sieben St\u00fccke enthaltene CD / einen sieben St\u00fccke enthaltenden Download rausgebracht.\nWer nicht zwingend Rhythmus, Harmonie oder auch nur Melodie braucht, sondern ganz zufrieden damit ist, etwas zu haben, das den Kopf mehr befreit als ihn anzustrengen, ohne dabei in die seichte Fahrstuhl- bzw. B\u00fcgelmusik zu kippen, dem k\u00f6nnten die Rituale gefallen. Jo Montgomerie webt einen Ger\u00e4uschteppich mit allerlei Zirpen, Phonographenpulsieren, Donnergrollen und auch mal Telefonklingeln (sehr sch\u00f6n: das in \u00dcbereinstimmung mit seinem Titel immer n\u00e4her zu kommen scheinende \u201eyou better run\u201c) ins Ohr des unvorbereiteten H\u00f6rers, um den sich \u201eEphemeral Rituals\u201c wie eine Blase legt und \u00fcber eine \u2013 Helen-Scarsdale-Agency-erfahrene Leser haben das vermutlich schon geahnt \u2013 verlassene, aber noch voll funktionst\u00fcchtige Fabrik mitten in einer futuristischen W\u00fcstengegend tr\u00e4gt, w\u00e4hrend er nach und nach nicht nur seine \u00c4ngste, sondern unweigerlich auch seine Hoffnung verliert, bevor sie ihn am Schluss (auch gut benannt: das fordernd blechern grollende \u201eeverything is silent\u201c) wieder absetzt und verl\u00e4sst, als w\u00e4re nie etwas geschehen.\nIch habe eine Schw\u00e4che f\u00fcr Musik wie diese. Sie hat etwas Kathartisches an sich, eine irgendwie befreiende Wirkung eben. Die milde Klaustrophobie, die damit einhergeht, ist ein Nebeneffekt, der wieder verschwindet. Was bleibt, ist Stille.\nStream, Download und/oder Kauf: Bandcamp 1, Bandcamp 2.\n\n\nBaker-Beck-Wyskida \u2013 Trzecia (Drugi)\nEhemals Supergroupiges zum Schluss.\nBaker-Beck-Wyskida waren Aidan Baker (Nadja u.a.), Tim Wyskida (zumindest mir vor allem von Insect Ark bekannt) und der vor der Fertigstellung des Albums verstorbene Daron Beck (Pinkish Black). Enthalten sind vier St\u00fccke zwischen 8:18 und 14:30 Minuten, die vor allem denen gefallen d\u00fcrften, die gegen instrumentales Elektronisches nichts einzuwenden haben. Baker-Beck-Wyskida erschaffen gro\u00dfe Atmosph\u00e4re, ohne dabei so erm\u00fcdend zu werden wie weiland Tangerine Dream in ihren schw\u00e4chsten Phasen.\nDas dritte St\u00fcck \u201eDziewi\u00e5ty\u201c poltert nach dem fl\u00e4chigen, hier und da auch mal spacig h\u00fcpfenden Beginn ziemlich unerwartet los. Industrial, wo man ihn nicht erwartet, ist mein liebster Industrial. Ich denke kurz an \u201eRavvivando\u201c von Faust und bin entz\u00fcckt. Dem gegen\u00fcber steht das vierte und zweitl\u00e4ngste St\u00fcck mit dem kein bisschen verwirrenden Titel \u201eDziesi\u00e5ty\u201c, das \u00e4hnlich industriellen Kl\u00e4ngen eine schwerm\u00fctige Stimmung zur Seite stellt, die mich an ein Begr\u00e4bnis denken l\u00e4sst, dissonant unterst\u00fctzt. Keine Ahnung, ob Daron Beck wusste, dass sein Ableben nicht mehr lange dauern w\u00fcrde, aber es w\u00fcrde es erkl\u00e4ren. Zu Grabe getragen hat dieses St\u00fcck jedenfalls mindestens dieses Album.\nSch\u00f6n, es noch geh\u00f6rt zu haben.\nKassette (!) und Stream: Bandcamp, TIDAL.\n\n\n\nReicht. Erg\u00e4nzungen? Gern hier drunter. Gen\u00f6rgel? Sp\u00e4ter vielleicht. Weiteres, wenn alles Relevante beim Alten bleibt, gibt es hier in einem Jahr.\nKommentarekeine ahnung schrob am 2. Januar 2026 dies: Ach, so viele Buchstaben \u2013 und so viel Musik. Es war nicht alles schlecht in 2025. Danke!tux0r schrob am 2. Januar 2026 dies: Immer noch jedoch schreiben Menschen \u201ein 2025\u201c statt \u201e2025\u201c. Seufz. Gern geschehen.Polemicer schrob am 3. Januar 2026 dies: Erg\u00e4nzung:\n\nCloakroom \u2013 Last leg of the human table \nhttps://cloakroom.bandcamp.com/album/last-leg-of-the-human-table\n(Hat mich ziemlich abgeholt, weil irgendwie Stoner-Downtempo-Hillbillie-Punk-Metal oder so. Genretechnisch schwer festzunageln, i like that kind of stuff.)\n\n(16) \u2013 Guide for the misguided\nhttps://16theband.bandcamp.com/album/guides-for-the-misguided\n(Schwer, variantenreich, fett)\n\nUnto others \u2013 Never, Neverland\n(Straighter Metal/Rock mit (glaube) Sisters of Mercy-Ged\u00e4chtnisgesang, l\u00e4uft oft auf meinen Ger\u00e4ten)Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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Bei \u201eBetreutes Proggen\u201c <a href="\&quot;https://www.betreutesproggen.de/2024/12/colonel-petrovs-good-judgement-madman-theory/\&quot;" data-wpel-link="internal">n\u00f6rgelte</a> Klaus Reckert, dass nach dem Ver\u00f6ffentlichen seiner Jahresbestenliste immer noch neue gute Musikalben rauskamen. Es bereitet mir ja immer ein bisschen mehr oder weniger heimliche Schadenfreude, dass jemand lange vor dem Ende eines Jahres eine vermeintliche \u201eJahresr\u00fcckschau\u201c ver\u00f6ffentlicht und dann die wichtigsten Dinge gar nicht drin hat, weil das Jahr noch weitergeht und seine Liste nicht. Hihi.</p>\n<p><span id=\"more-22692\"></span></p>\n<p>Die nach einem St\u00fcck von <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> benannte Motorik-Krautband <span class=\"musik-review-bandname\">You Doo Right</span> hat mit \u201eFrom the Heights of Our Pastureland\u201c ein sch\u00f6nes Album voller psychedelischem Gitarrenkrach ver\u00f6ffentlichen lassen, das leider ein paar Schw\u00e4chen und L\u00e4ngen aufzuweisen hat, die den H\u00f6rgenuss doch merklich schm\u00e4lern und mich unbefriedigt lie\u00dfen. Schade. Au\u00dfer Konkurrenz verbleiben diesmal aufgrund fr\u00fcherer Rezensionen die neuen Alben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/07/kurzkritik-jim-haynes-inconsequential/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Jim Haynes</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/09/kurzkritik-faust-blickwinkel/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">faust</span></a>.</p>\n<p>Hadmut Danisch <a href="\&quot;https://www.danisch.de/blog/2024/12/25/hijo-de-la-luna-und-sonstige/\&quot;" data-wpel-link="internal">fragt</a>, ob das \u201egro\u00dfe Zeitalter\u201c der Musik \u201evorbei\u201c sei. Finden wir es heraus!</p>\n<hr>\n<ol>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/kreidler-twists-a-visitor-arrives.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_kreidler-twists-a-visitor-arrives.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Kreidler \u2013 Twists (A Visitor Arrives)</span></p>\n<p>Obwohl sie wieder nur noch zu dritt sind, schaffen <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> es, einen best\u00e4ndigen <em>groove</em> in die Tiefe gehen zu lassen.</p>\n<p>Auf dem weitgehend instrumentalen 2024er Album \u201eTwists (A Visitor Arrives)\u201c herrscht neben einem allgegenw\u00e4rtigen grollenden Bassfundament ein bemerkenswertes Zusammenspiel aus der guten alten Berliner Schule \u2013 es surrt, blubbert und fiept st\u00fcckweise unentwegt \u2013 und entspanntem Jazz vor. Das h\u00f6re ich so in dieser Kombination auch nicht allzu oft, auch bei <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> war mir der Jazzanteil nie so dominant begegnet. Einen Anteil daran k\u00f6nnten vielleicht auch die Gastbeitr\u00e4ge an Posaune (\u201ePolaris\u201c) und Saxophon (\u201eTanger Telex\u201c) haben. \u201eTwists (A Visitor Arrives)\u201c k\u00f6nnte damit bereits jetzt zu meinem Lieblingsalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> avanciert sein. Auch mal ein sch\u00f6ner Start ins Jahr (zum Zeitpunkt des H\u00f6rens und der Niederschrift ist\u2019s erst der 14. Januar).</p>\n<p>In zwei St\u00fccken lassen sich die drei Herren auch stimmlich unterst\u00fctzen: \u201eLoisaida Sisters\u201c wird von einem Herrn intoniert, der sich <span class=\"musik-review-bandname\"> Khan of Finland</span> nennt und <em>nat\u00fcrlich</em> in Berlin heimisch ist, w\u00e4hrend in \u201eHands\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Natalia Beridse</span>, die, glaubt man dem Internet, als <span class=\"musik-review-bandname\">TBA</span> <em>(wem?)</em> bekannt geworden ist, irgendwas \u00fcber H\u00e4nde erz\u00e4hlt. Obwohl gerade erstgenanntes St\u00fcck so nah an der zeitgen\u00f6ssischen Tanzpopmusik ist wie sonst kaum eines von <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span>, verw\u00e4ssern die Gastbeitr\u00e4ge doch nicht den gesamten Eindruck. Man habe sich durch meine Empfehlungen geh\u00f6rt und brauche jetzt Therapie, gab man mir anl\u00e4sslich der letztj\u00e4hrigen R\u00fcckschau zu verstehen. F\u00fcr Freunde von Krautrock, 70er-Elektronik und durchaus auch zeitgen\u00f6ssischer <em>anspruchsvoller</em> Tanzmusik ist \u201eTwists (A Visitor Arrives)\u201c als Therapie vielleicht durchaus geeignet. Gefallen tut\u2019s jedenfalls schon mal.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Twists-Visitor-Arrives-Vinyl-LP/dp/B0CMSFT7TN?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://kreidler-official.bandcamp.com/album/twists-a-visitor-arrives\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/331434765?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/schubmodul-lost-in-kelp-forest.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_schubmodul-lost-in-kelp-forest.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Schubmodul \u2013 Lost In Kelp Forest</span></p>\n<p>Bei dem Bandnamen denkt unsereins ja entweder an leichtf\u00fc\u00dfigen Spacerock oder an schr\u00e4ge Krautelektronik. Beides ist nicht der Fall. <span class=\"musik-review-bandname\">Schubmodul</span> aus Bochum spielen auf \u201eLost In Kelp Forest\u201c, ihrem zweiten, bereits im Sommer 2023 aufgenommenen Album, stattdessen schwere Kost.</p>\n<p>Ich h\u00f6re Stoner\u2011, aber auch Postrock. Das Album ist \u00fcberwiegend instrumentell, doch kommen mehrere gesprochene <em>samples</em> vor, die die Handlung in Form eines Radioberichts sozusagen einrahmen. Es geht offenbar um ein U\u2011Boot namens Renegade One (so hei\u00dft auch das dritte St\u00fcck), in dem ohne Genehmigung psychedelische Drogen aus Seetang hergestellt werden oder so. Passt schon, so klingt das Album auch. (Dass momentan \u2013 28. Dezember \u2013 <em>ausgerechnet</em> die blaue Version der Platte noch bei Bandcamp zu haben ist und die nicht wasserfarbene nicht, ist zumindest bemerkenswert.)</p>\n<p>Vergleiche f\u00fcr diejenigen unter meinen Lesern, die unbedingt Vergleiche brauchen: <span class=\"musik-review-bandname\">Colour Haze</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">God Is An Astronaut</span>. Zwischen diesen Polen liegt die Welt von <span class=\"musik-review-bandname\">Schubmodul</span> und sie ist farbenreich. Stoner\u2011, Space- und Heavy Rock geben einander hier sozusagen die Klinke in die Hand, untermalt von wunderbar atmosph\u00e4rischen und immer etwas <em>entr\u00fcckten</em> Gitarrenfl\u00e4chen. In dieser musikalischen Nische war 2024, so weit es meine eigene Aufmerksamkeit betrifft, gar nicht so viel los, bei <span class=\"musik-review-bandname\">Schubmodul</span> stimmt daf\u00fcr um so mehr. Volle Kraft voraus, sozusagen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Lost-Forest-Ltd-180g-Cokebottlegreen-Vinyl/dp/B0CV6WTQ7F?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://schubmodul.bandcamp.com/album/lost-in-kelp-forest\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/392250918?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/lustmord-much-unseen-is-also-here.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_lustmord-much-unseen-is-also-here.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Lustmord \u2013 Much Unseen Is Also Here</span></p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Lustmord</span> ist der von <a href="\&quot;https://www.kettererkunst.com/details-e.php?obnr=400506160&amp;anummer=299&amp;detail=1\&quot;" data-wpel-link="internal">deutscher Malerei</a> inspirierte K\u00fcnstlername des Walisers <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Williams</span>, selbst \u201eder Gustave Dor\u00e9 der Musik\u201c (Internet), der seit 1980, nach eigener Aussage \u00fcberredet von Mitgliedern von <span class=\"musik-review-bandname\">Throbbing Gristle</span>, Aufnahmen t\u00e4tigt, die klingen, wie sie hei\u00dfen. Live tritt er selten auf, doch Zeit f\u00fcr Aufnahmen nimmt er sich bisweilen.</p>\n<p>\u201eMuch Unseen is Also Here\u201c, erschienen im M\u00e4rz 2024, zu beschreiben ist schwierig. Es ist ein Album, auf dem vordergr\u00fcndig fast nichts passiert und hintenrum wird man traurig. Auf Bandcamp tr\u00e4gt das Album das Etikett \u201eweird shit\u201c, was als Genrebezeichnung mal passen mag, andere m\u00f6gen\u2019s dronehaltiges Dark Ambient f\u00fcr uns Freunde der gepflegten Langsamkeit nennen und haben damit trotzdem Recht. Es sind <em>Ger\u00e4usche</em> ohne Gesang, ohne Rhythmus, ohne Melodie, nicht einmal wirklich mit Instrumenten (sieht man von der einzeln klagenden Oboe in \u201eInvocation of the Nameless One\u201c ab). \u201eTheir Souls Asunder\u201c, das fast zw\u00f6lfmin\u00fctige sechste der acht St\u00fccke, kommt zumindest vor\u00fcbergehend mit einer Stimme daher, aber leichte Kost geht trotzdem anders. Der Geist eines M\u00f6nchs beschw\u00f6rt wortlos die Toten.</p>\n<p>\u201eMuch Unseen is Also Here\u201c ist eines dieser Alben, nach deren durchgehendem Konsum man sich f\u00fchlt, als h\u00e4tte man am selben Tag die Wohnung, die Arbeitsstelle und die Liebe seines Lebens sowie zwei Z\u00e4hne verloren. Immerhin: Ist eins davon wirklich passiert, dann wird es mit dem Album fast ertr\u00e4glicher. Warum die menschliche Psyche so funktioniert, dass <em>genau dieser Effekt</em> den H\u00f6rer fesselt, wei\u00df ich nicht. Ich freue mich, dieses Album geh\u00f6rt zu haben, und das nicht nur, weil es jetzt vorbei ist. Ihr solltet das auch tun.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Much-Unseen-Also-Here-Lustmord/dp/B0CS6WMLT1?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://lustmord.bandcamp.com/album/much-unseen-is-also-here\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/334202220?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/247-diva-heaven-gift.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_247-diva-heaven-gift.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">24/7 Diva Heaven \u2013 Gift</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWhatever you do: it\u2019s never enough\u201c</span> (Rat Race)</p>\n<p>T\u00e4glich und rund um die Uhr im Divenhimmel w\u00e4hnen sich die drei auf- und abgedrehten Musikerinnen von <span class=\"musik-review-bandname\">24/7 Diva Heaven</span>. Wie der Name schon verr\u00e4t, haben wir es hier mit einer Musikgruppe aus Berlin zu tun.</p>\n<p>Diese nahmen auf ihrem zweiten Studioalbum \u201eGift\u201c genau die Art von Musik auf, die von Berlin nicht anders zu erwarten ist: <em>Rotziger</em> Garagenpunk mit Grungeaffinit\u00e4t, <em>nat\u00fcrlich</em> auf Englisch vorgetragen, unter vier Minuten pro Lied. Dass <em>ausgerechnet</em> das Titellied, immerhin nominell fast dreieinhalb Minuten lang, langweilig ausgeblendet statt mit einem <em>anst\u00e4ndigen</em> Ende versehen wurde, ist der einzige relevante Kritikpunkt, den ich hier h\u00e4tte. Dabei n\u00f6rgele ich doch so gern!</p>\n<p>24/7 Diva Heaven klingen nach den 90ern und sehen sich selbst als in der Riot-Grrrl-Tradition stehend, sind aber <em>trotzdem</em> auch in der gegenw\u00e4rtigen <em>Szene</em> gut vernetzt: Es gab etwa eine gemeinsame Tour mit den meinerseits hochgesch\u00e4tzten <span class=\"musik-review-bandname\">Team Scheisse</span>, auf \u201eGift\u201c wiederum ist (in \u201eThese Days\u201c) <span class=\"musik-review-bandname\">Arnim Teutoburg-Wei\u00df</span> von <em>ausgerechnet</em> den <span class=\"musik-review-bandname\">Beatsteaks</span> am Mikrofon zu h\u00f6ren. Das macht aber nichts. \u201eGift\u201c ist ein ziemlich rundes Ding (also nicht die Tontr\u00e4ger jetzt, wobei: die nat\u00fcrlich auch) geworden, das die vornehme Zur\u00fcckhaltung einer Diva nicht etwa schlicht vermeidet, sondern sie mit Anlauf in den Arsch fickt. Ohne Gleitgel.</p>\n<p>\u201eGift\u201c ist ein erfreulich lautes, dreckiges, kraftvolles Album, das unter all den lauten, dreckigen, kraftvollen Alben des Jahres 2024 immer noch hervorragt. Daf\u00fcr gibt\u2019s meine Empfehlung.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/GIFT-Limited-Red-Vinyl-Gatefold/dp/B0DBBD7DPX?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://247divaheaven.bandcamp.com/album/gift\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/384339153?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/present-this-is-not-the-end.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_present-this-is-not-the-end.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Present \u2013 this is NOT the end</span></p>\n<p>Im M\u00e4rz 2021 ist <span class=\"musik-review-bandname\">Roger Trigaux</span>, Gitarrist auf den ersten beiden Alben der belgischen Kammerrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Univers Z\u00e9ro</span>, im Alter von 69 Jahren verstorben. Dieser Umstand bedeutet unumg\u00e4nglich auch das Ende von <span class=\"musik-review-bandname\">Present</span>, derjenigen Musikgruppe, die er nach seinem Ausstieg bei <span class=\"musik-review-bandname\">Univers Z\u00e9ro</span> im Mai 1979 gegr\u00fcndet hatte, um \u2013 im Gegensatz zur eher <em>klassisch</em> orientierten Musik seiner fr\u00fcheren Combo \u2013 das \u201eRock\u201c in \u201eKammerrock\u201c st\u00e4rker zu betonen und gleichzeitig mehr Platz f\u00fcr seine eigenen Kompositionen zu haben.</p>\n<p>Bis zu seinem Tod arbeitete <span class=\"musik-review-bandname\">Roger Trigaux</span> an der hier dargebotenen Musik, die schlie\u00dflich \u2013 das bis dahin letzte Studioalbum \u201eHigh Infidelity\u201c stammt von 2001, live kam zuletzt 2009 \u201eBarbaro (ma non troppo)\u201c auf den Markt \u2013 nach langer Zeit ohne Lebenszeichen der Band Anfang 2024 endlich ver\u00f6ffentlicht wurde. Der Titel \u201ethis is NOT the end\u201c sei, lie\u00df man die H\u00f6rer wissen, ein Ergebnis des an <span class=\"musik-review-bandname\">Roger Trigaux</span> gerichteten Dr\u00e4ngens, mit <span class=\"musik-review-bandname\">Present</span> d\u00fcrfe es doch noch nicht vorbei sein. Dass dem nun <em>trotzdem</em> wohl so ist, gibt dem Titel eine zus\u00e4tzliche Metaebene. Ich mag Metaebenen.</p>\n<p>Auf dem Album \u2013 leider (wie auch die anderen <span class=\"musik-review-bandname\">Present</span>-Alben) nicht auf Schallplatte erh\u00e4ltlich \u2013 sind drei St\u00fccke zu finden, namentlich \u201eContre\u201c sowie das zweigeteilte Titelst\u00fcck. Teil 2 kommt auf dem Album vor Teil 1. Das ist witzig. Musikalisch w\u00fcrde ich jetzt von \u201ekeinen \u00dcberraschungen\u201c schreiben, denn <em>nat\u00fcrlich</em> klingen Present auch nach \u00fcber vierzig Jahren noch wie die schlecht gelaunte Gothicschwester von <span class=\"musik-review-bandname\">Univers Z\u00e9ro</span>. Der <em>klassische</em> Unterbau, der dieser Art von Musik zugrundeliegt, ist auch hier zu h\u00f6ren, wozu <span class=\"musik-review-bandname\">Kurt Bud\u00e9</span> (Saxophon, Klarinette und Bassklarinette) insbesondere im Titelst\u00fcck, in dem es eigentlich fortw\u00e4hrend knarzt und brummt, einen nennenswerten Teil beitr\u00e4gt, begleitet von <span class=\"musik-review-bandname\">Liesbeth Lambrecht</span> (sonst bei <span class=\"musik-review-bandname\">Aranis</span>) an der Violine. Dem gegen\u00fcber stehen <span class=\"musik-review-bandname\">Roger Trigaux\u2019</span> schneidende Gitarre und immer wieder \u2013 doch \u2013 \u00fcberraschende Ausbr\u00fcche in vermeintlich ruhigen Abschnitten. Der avantgardistische Reiz dieser Musik wird von st\u00e4ndigen Tempowechseln unterstrichen, wobei die Musiker es schaffen, nie ungewollt hektisch zu klingen. Manchmal greift der Bandchef zum Mikrofon und rezitiert einen Text, was <em>im Internet</em> mit einer franz\u00f6sischen Version von <span class=\"musik-review-bandname\">Captain Beefheart</span> verglichen wird. Passt schon. Keine Ahnung, was er sagt (Franz\u00f6sisch hat mich nie interessiert), aber es ist hinreichend gut in die Musik eingebunden, dass es mir <em>eigentlich</em> auch v\u00f6llig egal ist.</p>\n<p>Zum Ende des Albums, in der zweiten H\u00e4lfte von \u201eTeil 1\u201c des Titelst\u00fccks also, hin werfen die acht Musiker noch mal alles in die Waagschale, nach einer mehrmin\u00fctigen orchestralen Eruption klingt das Album ruhig aus. Ein toller Abschluss f\u00fcr eine tolle Karriere. Schade, dass ich nie das Vergn\u00fcgen hatte, diese Musik live zu erleben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/This-NOT-End-PRESENT/dp/B0CPJSC4Y7?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://cuneiformrecords.bandcamp.com/album/this-is-not-the-end-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (nur auszugsweise).</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/the-messthetics-and-james-brandon-lewis.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_the-messthetics-and-james-brandon-lewis.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Messthetics and James Brandon Lewis</span></p>\n<p>Ungef\u00e4hr 2016 gr\u00fcndeten die fr\u00fcheren <span class=\"musik-review-bandname\">Fugazi</span>-Mitglieder <span class=\"musik-review-bandname\">Joe Lally</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Brendan Canty</span> gemeinsam mit dem Gitarristen <span class=\"musik-review-bandname\">Anthony Pirog</span>, der vorher <em>nicht</em> bei <span class=\"musik-review-bandname\">Fugazi</span> gewesen war, das Instrumentaltrio <span class=\"musik-review-bandname\">The Messthetics</span>. Anders als <span class=\"musik-review-bandname\">Fugazi</span> spielen sie unter diesem Namen eine Art Jazzpunk.</p>\n<p>Nach zwei Alben zu dritt \u00fcberraschten sie zumindest einen Teil der Musikwelt mit einer Zusammenarbeit mit dem Jazzsaxophonisten <span class=\"musik-review-bandname\">James Brandon Lewis</span>, der mit dem <span class=\"musik-review-bandname\">James Brandon Lewis Quartet</span> (\u201eerinnert an den musikalischen Geist von <span class=\"musik-review-bandname\">David Murray</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">John Coltrane</span> oder <span class=\"musik-review-bandname\">Albert Ayler</span> und beeindruckt durch ihre \u00fcbersch\u00e4umende Energie, Dringlichkeit und Kraft\u201c) einen Deutschen Jazzpreis 2023 in der Kategorie \u201eBand des Jahres international\u201c bekommen hatte, was ich gar nicht mitbekommen hatte, weil Jazz zwar interessant, aber nicht <em>so</em> interessant ist. Um so sch\u00f6ner, den Herrn jetzt <em>doch noch</em> kennengelernt zu haben.</p>\n<p>Und er harmoniert pr\u00e4chtig mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Messthetics</span>, wie <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=wT2jX_Psdg0\&quot;" data-wpel-link="internal">Liveauftritte</a> belegen. Zu viert bringen die Musiker weiterhin instrumentalen, <em>tanzbaren</em> Jazzrock mit ordentlich Wumms hervor. Alles auf diesem Album <em>macht Spa\u00df</em>, wenn man \u2013 wie ich \u2013 f\u00fcr gut gemachte gelegentliche Jazzlastigkeit nichts einzuwenden hat. Und wenn die Welt eines immer, immer zu wenig hat, dann ist es: Spa\u00df.</p>\n<p>Da helfe ich doch gern.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Messthetics-James-Brandon-Lewis/dp/B0CT4B79FM?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://themessthetics.bandcamp.com/album/the-messthetics-and-james-brandon-lewis\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/349712741?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/goddess-limax-black-monstranz.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_goddess-limax-black-monstranz.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Goddess Limax Black \u2013 monstranz</span></p>\n<p>\u201eG\u00f6ttin Schnegelschwarz\u201c, soso. Immerhin: Langsam sind sie ja, nur nicht unbedingt schleimig. Die sechs St\u00fccke tragen Titel wie \u201eSabbatheske, die\u201c und \u2013 mit neuneinhalb Minuten L\u00e4nge das aufmerksamkeitsforderndste St\u00fcck \u2013 \u201eDie freudenreichen Geheimnisse/Die schmerzhaften Geheimnisse/Die glorreichen Geheimnisse\u201c, zu dessen Instrumentenbeginn diverse christliche Gebete, von Avemaria bis zum Apostolischen Glaubensbekenntnis, angenehm monoton, aber mit etwas zu viel Hall vorgetragen werden. Man muss die Institution Kirche nicht m\u00f6gen, um dem etwas abgewinnen zu k\u00f6nnen.</p>\n<p>Trotz dieser quasi wie eine Monstranz <em>(hehe)</em> zur Schau getragenen And\u00e4chtigkeit bleibt die Fantasie erhalten: Gesang im eigentlichen Sinne gibt es hier nicht.</p>\n<p>Die drei \u00d6sterreicher in klassischer Rockbesetzung (plus Synthesizer, der, wenn mich mein Geh\u00f6r nicht tr\u00fcgt, gern f\u00fcr Hintergrundklangfl\u00e4chen zum Einsatz kommt) nehmen sich auf ihrem bereits Anfang Januar 2024 ver\u00f6ffentlichten, doch bereits 2023 aufgenommenen Album \u201emonstranz\u201c jede Menge Zeit, hier gibt es kaum mehr als schleppenden Doom mit m\u00e4chtigen Drones. Genau das, was ich jetzt brauche!</p>\n<p>Bisweilen wird das Grollen von schweren Gitarrenriffen zerschnitten, ohne dass diese ihm dabei wirklich Einhalt gebieten k\u00f6nnten. Ein unaufhaltsamer, aber z\u00e4hfl\u00fcssiger Mahlstrom bohrt sich ins Ohr.</p>\n<p>\u201emonstranz\u201c wirke \u201ewie ein Versuch, inmitten all des Chaos\u2019 Ordnung zu finden\u201c, <a href="\&quot;https://www.betreutesproggen.de/2024/03/goddess-limax-black-monstranz/\&quot;" data-wpel-link="internal">schrieb</a> Raphael Lukas Genovese im M\u00e4rz und hat damit <em>nat\u00fcrlich</em> v\u00f6llig Recht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0CV398VNJ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://goddesslimaxblack.bandcamp.com/album/monstranz\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/344337989?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/monkey3-welcome-to-the-machine.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_monkey3-welcome-to-the-machine.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Monkey3 \u2013 Welcome To The Machine</span></p>\n<p>Vier Schweizer gehen auf\u2019s Ganze (so h\u00e4tte es fr\u00fcher als deutscher Film gehei\u00dfen) und ver\u00f6ffentlichten mit \u201eWelcome To The Machine\u201c im Februar 2024 ein Album, das sie selbst ein \u201eMagnum Opus\u201c nennen, ein <em>gro\u00dfes Werk</em> also. Rein von der L\u00e4nge her mag das stimmen, kommen <span class=\"musik-review-bandname\">Monkey3</span> doch mit nur f\u00fcnf St\u00fccken auf eine solide Laufzeit von fast f\u00fcnfzig Minuten.</p>\n<p>Das Titelbild des Albums zeigt ein futuristisches Dingsda im Weltall und passend hierzu nutzen die Musiker diese Laufzeit, um in gewohnt hoher Qualit\u00e4t au\u00dferweltliche Klangfl\u00e4chen zu malen. In diese Zeit dr\u00fccken sie aber, wie auch auf vorherigen Alben, keinen Gesang hinein, sondern f\u00fcllen sie mit treibendem Schlagzeug und singenden Gitarren. Ein \u201eMeisterst\u00fcck der psychedelischen Rockmusik\u201c nannte ein Rezensent irgendwo <em>im Internet</em> dieses Album und das ist nicht mal unbedingt \u00fcbertrieben. Nach einem Science-Fiction-w\u00fcrdigen <em>intro</em> brettern die Musiker direkt los und halten das Tempo erst mal. Das wenigstens in seiner ersten H\u00e4lfte entspannt <em>groovende</em> \u201eCollision\u201c kann die nerv\u00f6se Grundstimmung des Albums nicht kaschieren und soll das wahrscheinlich auch gar nicht. Dass das Mittelst\u00fcck \u201eKali Yuga\u201c in <span class=\"musik-review-bandname\">God-Is-an-Astronaut</span>-Gew\u00e4ssern fischt, soll mir altem Postrockfreund ja nur recht und billig sein.</p>\n<p>Auf \u201eWelcome To The Machine\u201c gehe es, hei\u00dft es, um den Konflikt zwischen Mensch und Maschine. Den kann wohl jeder nachempfinden, der schon mal mit Linux arbeiten musste. Unter anderem in Ermangelung von Texten ist es nicht leicht, diesem Konzept inhaltlich zu folgen. <a href="\&quot;https://www.thesleepingshaman.com/reviews/monkey3-welcome-machine/\&quot;" data-wpel-link="internal">Rob Walsh</a> schlug daher vor, \u201eWelcome To The Machine\u201c nicht an diesem Konzept zu messen, sondern es als das zu betrachten, was es ist: Ein durchweg gelungenes Musikalbum einer durchweg gelungenen Band. <em>More of the same</em> ist es sicherlich: Wer <span class=\"musik-review-bandname\">Monkey3</span> bestellt, der bekommt auch <span class=\"musik-review-bandname\">Monkey3</span>. Aber wie albern w\u00e4re es, dar\u00fcber zu klagen?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Welcome-Machine-Vinyl-LP-Monkey3/dp/B0CQNTZQS9?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://monkey-3.bandcamp.com/album/welcome-to-the-machine\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (auch hier wieder nur auszugsweise), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/327779348?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/halma-driving-by-numbers.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_halma-driving-by-numbers.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Halma \u2013 Driving by Numbers</span></p>\n<p>Apropos Postrock.</p>\n<p>Deutlich langsamer als die Schweizer (ironisch, nicht?) gehen die Hamburger <span class=\"musik-review-bandname\">Halma</span>, wiederkehrende Leser <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/01/kurzkritik-so-melancholisch-muss-man-erst-mal-sein-halma-granular/\&quot;" data-wpel-link="internal">erinnern sich</a> an sie, nach f\u00fcnf Jahren ohne ein neues Album auf den vier St\u00fccken von \u201eDriving by Numbers\u201c zu Werke. Gesungen wird nicht (interessehalber: warum gibt eine Hamburger Musikgruppe einem weitgehend textlosen Album einen englischsprachigen Titel?), daf\u00fcr wird ordentlich <em>gegroovt</em>. Dass so ein E\u2011Bass, hier seit einigen Jahren von <span class=\"musik-review-bandname\">Gundi Voigt</span> bedient, ein fantastisches Melodieninstrument ist, ist in diesem <em>Genre</em> (allein das Wort schon!) keine unbekannte Feststellung, doch sie will auch weiterhin gemacht werden. Diese Ehre erweise ich ihr gern.</p>\n<p>Unter dem Bass \u2013 auch mal eine interessante Schichtung \u2013 wird von Bariton- und anderer Gitarre ein dichtes Netz gewoben. Falls er mal runterf\u00e4llt. Herz- und Kernst\u00fcck des Albums scheint dabei der \u201eSlow Song\u201c zu sein, der, mit seinem Titel in die Irre f\u00fchrend, gar kein Song (dt. \u201eSingst\u00fcck\u201c), aber durchaus <em>slow</em> und folgerichtig dreizehn Minuten lang ist. Wer langsamer erz\u00e4hlt, dem sei auch mehr Zeit verg\u00f6nnt. Mitten in diesem \u201eSong\u201c n\u00e4mlich, der Weg dahin wird treffend gepflastert, scheint die bis dahin gewohnt gem\u00e4chliche Gruppe kurz zu eskalieren, s\u00e4gender Noise fegt irrlichternd \u00fcber das Fundament; schnell aber besinnen sich die vier Musiker wieder dessen, was sie eigentlich tun wollten, und kehren dorthin zur\u00fcck, wo dann auch das letzte, das Titelst\u00fcck anschlie\u00dft (das zwar durchaus mit Text beginnt, aber nicht mit englischsprachigem Gesang, sondern mit anderssprachigen Wortsamples; versteh\u2019 ich nicht), n\u00e4mlich zu mitwippbarem Postrock mit krautrockigem Motorikschlagzeug. Als Verbeugung vor ihrer eigenen Geschichte und insbesondere ihren fr\u00fcheren Alben lassen <span class=\"musik-review-bandname\">Halma</span> dieses Titelst\u00fcck ambient ausklingen, und obwohl ich Ambientmusik schrecklich langweilig finde, f\u00e4llt mir nichts ein, was ich hieran auszusetzen h\u00e4tte.</p>\n<p>Sch\u00f6nes Album, auch wenn\u2019s mir etwas zu kurz vorkommt; was bei ungef\u00e4hr vierzig Minuten Gesamtlaufzeit aber auch nicht mehr ist als ein Gef\u00fchl. Gef\u00fchle sind ja immer so eine Sache. Mich freut, dass es <span class=\"musik-review-bandname\">Halma</span> noch gibt. M\u00f6gen viele weitere Alben folgen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Driving-Numbers-Halma/dp/B0CZWJC245?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://kapitaenplatte.bandcamp.com/album/driving-by-numbers\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/359628612?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/so-far-as-i-know-awe.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_so-far-as-i-know-awe.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">So Far as I Know \u2013 Awe</span></p>\n<p>Noch mal etwas Postrock, weil nur schwere Gitarren vieles, was 2024 (\u201ein 2024\u201c, wie Menschen, deren Umgang mit Sprache einer Pr\u00fcgelei gleichkommt, es nennen) geschehen ist, ertr\u00e4glich machen konnten: Aus Russland <em>(buh!)</em> kommt <span class=\"musik-review-bandname\">Sergei Guselnikov</span> und damit auch sein Einmannprojekt <span class=\"musik-review-bandname\">So Far as I Know</span>.</p>\n<p>Dass eine S\u00e4ngerin namens <span class=\"musik-review-bandname\">Katya Zlobina</span>, die, verr\u00e4t <em>das Internet</em>, sonst f\u00fcr eine Ambientgruppe namens <span class=\"musik-review-bandname\">Vena Portae</span> singt, im zweiten St\u00fcck, \u201eTana Mao\u201c, einen mir unverst\u00e4ndlichen Text intoniert, ist das Einzige, das mich am Album \u201eAwe\u201c st\u00f6rt, denn auch dieses St\u00fcck ist recht <em>ambient</em> geraten. Ambientmusik finde ich schrecklich erm\u00fcdend. Es h\u00e4lt mich jedoch der Rest des Albums quasi <em>in awe</em>, denn die \u00fcbrigen sieben St\u00fccke, jedes \u2013 der Stilrichtung zum Trotz \u2013 unter sieben Minuten lang, wobei das Titelst\u00fcck \u201eAwe\u201c es nicht einmal auf derer zwei schafft, exerzieren das vorz\u00fcgliche <em>Laut-Leise-Spiel</em> des Postrocks auf gelungene Art durch.</p>\n<p><em>Nat\u00fcrlich</em> gibt es auch hier Alleinstellungsmerkmale, sonst w\u00e4re das Album die Aufnahme in diese Liste nicht wert; am deutlichsten vielleicht das immer mal wieder anklingende Spiel mit der musikalischen <em>Unsauberkeit</em>. Das St\u00fcck \u201eWhen Stars Collide and Fall Upon Us\u201c etwa klingt genau, wie es hei\u00dft, n\u00e4mlich nach Kollision und trudelndem Absturz: auch die Gitarren brettern hier nicht nur in einem fort, sondern sie stolpern und st\u00fcrzen, was ich so auch nur selten geh\u00f6rt habe. Von solchen Momenten gibt es auf \u201eAwe\u201c (dem Album) manchen, was mir dem geneigten Postrockgeneigten selbiges Album zu empfehlen geradezu aufdr\u00e4ngt. Hiermit geschehen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0CVBLQ1BL?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://sofarasiknow.bandcamp.com/album/awe\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/344613082?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/gurriers-come-and-see.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_gurriers-come-and-see.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Gurriers \u2013 Come and See</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI want that sentimental feeling to come right back online.\u201c</span> (Des Goblin)</p>\n<p>Wir bleiben bei der Post, wechseln aber in den Punk, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Gurriers</span> aus Dublin sind eine erstklassige Postpunkband, stilecht mit grollendem Bass und, hier und da, Noiserock- und Shoegazestreusel, die den Kuchen \u201eCome and See\u201c perfektionieren und nicht nur verzieren. Ich kam und sah (akustischerweise) und war verz\u00fcckt.</p>\n<p>Ich h\u00f6re (Banause, der ich bin) <span class=\"musik-review-bandname\">Kaiser Chiefs</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Fontaines D.C.</span> und eine ordentliche Portion <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span> (\u201eDes Goblin\u201c). <span class=\"musik-review-bandname\">Gurriers</span> beherrschen ruhige Momente ebenso wie das Reinsteigern in die Ekstase (\u201eSign of the Times\u201c). Keine negativen \u00dcberraschungen, daf\u00fcr positive Erfahrungen. Man solle dazu \u201etanzen, als w\u00fcrde niemand zusehen\u201c, <a href="\&quot;https://www.clashmusic.com/reviews/gurriers-come-and-see/\&quot;" data-wpel-link="internal">schreibt</a> Julia Mason. Mach\u2018 ich und schweige derweil.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Come-See-Vinyl-LP-Gurriers/dp/B0D3M2Q2CB?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://gurriersdub.bandcamp.com/album/come-and-see\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/386014214?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/outlander-acts-of-harm.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_outlander-acts-of-harm.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Outlander \u2013 Acts of Harm</span></p>\n<p>Apropos Postpunk: Einen hab\u2019 ich noch!</p>\n<p>Aus dem Heimatland des Postpunks, genauer: aus Birmingham, stammt das Quartett <span class=\"musik-review-bandname\">Outlander</span>. Allzu aktiv sind sie nicht, die Ver\u00f6ffentlichungen betreffend, seit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eThe Valium Machine\u201c sind immerhin ungef\u00e4hr f\u00fcnf Jahre vergangen. Obwohl <em>nat\u00fcrlich</em> eine gewisse Retroartigkeit dem Stil selbst anhaftet, klingt \u201eActs of Harm\u201c erfreulich zeitlos. Ich mag das.</p>\n<p>Entstanden sei \u201eActs of Harm\u201c, l\u00e4sst man die H\u00f6rer wissen, anfangs isoliert (es gab wohl irgendwo eine gr\u00f6\u00dfere Epidemie von irgendwas), dann per Zusammenf\u00fcgens des St\u00fcckwerks. Es gehe um die Vers\u00f6hnung mit dem Erwachsensein und das \u201efragile Gleichgewicht der Normalit\u00e4t in der modernen Gesellschaft\u201c. Wie passend.</p>\n<p>In der Tat vereinen <span class=\"musik-review-bandname\">Outlander</span> auf \u201eActs of Harm\u201c Verzweiflung mit Hoffnung beziehungsweise musikalische K\u00e4lte mit verhei\u00dfungsvollen Melodien. Hier und da, gerade im letzten Teil des Albums, schl\u00e4gt der Postpunk in Postrock um, Gitarrenw\u00e4nde eingeschlossen, aber die Grundstimmung bleibt bestehen. \u201eActs of Harm\u201c ist so grau wie sein Titelbild, aber die Wolken lichten sich immer mal wieder, um zu signalisieren, dass nicht alles tr\u00fcb bleiben wird, als reichte die Musik immer mal wieder ein Seil, um sich selbst aus dem Treibsand zu ziehen. Acts of Harm? Acts of Hope. Auch ein untersch\u00e4tztes Gef\u00fchl im Jahr 2024.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://outlandertheband.bandcamp.com/album/acts-of-harm\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/355569448?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/the-hard-quartet.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_the-hard-quartet.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Hard Quartet</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eRustling up some liquid hash to make some colours flash\u201c</span> (Heel Highway)</p>\n<p>Die Musikgruppe des Namens <span class=\"musik-review-bandname\">The Hard Quartet</span> ist tats\u00e4chlich ein Quartett, bestehend aus <span class=\"musik-review-bandname\">Emmett Kelly</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Stephen Malkmus</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Matt Sweeney</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Jim White</span>, jeweils bekannt aus anderen musikalischen Zusammenh\u00e4ngen, wobei <span class=\"musik-review-bandname\">Malkmus\u2019 Pavement</span> vermutlich der bekannteste Zusammenhang sind.</p>\n<p>Musikalisch bedient wird sich bei Gruppen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> und den <span class=\"musik-review-bandname\">Dandy Warhols</span>: Es gibt irgendwie <em>dreckigen</em>, verwaschenen 70er-Jahre-Rock\u2019n\u2019Roll mit Lo-Fi-Attit\u00fcde und m\u00e4chtig Druck auf die Ohren. Abwechslung ist trotzdem gegeben: Auf das <em>punkige</em> \u201eRenegade\u201c etwa folgt mit \u201eHeel Highway\u201c direkt ein ruhiges St\u00fcck, an anderer Stelle werden Glam Rock (\u201eChrome Mess\u201c) oder Hardrock (\u201eAction for Military Boys\u201c) gew\u00fcrdigt. Damit es nicht langweilig wird.</p>\n<p>Apropos \u201enicht langweilig\u201c: Gesang ist gerade bei einem von mehreren Teilnehmern gleichzeitig komponierten Album oft ein <em>schwieriges</em> Kriterium (regelm\u00e4\u00dfige Leser wissen, dass ich Musikalben gern mal nur deshalb nicht empfehle, weil der Vokalinterpret zu oft nicht die Klappe h\u00e4lt), aber die Stimme von <span class=\"musik-review-bandname\">Stephen Malkmus</span>, der hier den Gro\u00dfteil des Gesangs absolviert, passt zur Musik wie Faust aufs Auge, Arsch auf Eimer oder andere Dinge, die gut zueinander passen. \u201eThe Hard Quartet\u201c (das Album) ist eine gelungene Verbeugung vor einer der Hochzeiten der Rockmusik und ich kann <em>nicht mal da</em> etwas finden, das mich st\u00f6rt.</p>\n<p>Wie \u00e4rgerlich. Wie sch\u00f6n.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Hard-Quartet/dp/B0DCS12GL2?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://thehardquartet.bandcamp.com/album/the-hard-quartet\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/386875552?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/oranssi-pazuzu-muuntautuja.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_oranssi-pazuzu-muuntautuja.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Oranssi Pazuzu \u2013 Muuntautuja</span></p>\n<p>\u201eMuuntautuja\u201c ist Finnisch und hei\u00dft Transformator. Entsprechend elektronisch gehen <span class=\"musik-review-bandname\">Oranssi Pazuzu</span> auf ihrem so benannten 2024er Studioalbum zu Werke.</p>\n<p>Ich f\u00fchle mich nicht nur einmal an <span class=\"musik-review-bandname\">Cave In</span> erinnert, das geht beim Er\u00f6ffner \u201eBioalkemisti\u201c schon los. Die erste Assoziation: Heiser intonierter Tanzmetal (oder hei\u00dft das noch \u201eEBM\u201c wie <em>fr\u00fcher</em>?). Die Produktion \u201eersticke\u201c das Album auf eine nicht etwa st\u00f6rende, sondern sogar gef\u00e4llige Art mit Verzerrungen aller Art, las ich so \u00e4hnlich anderswo und stimme zu. \u201eMuuntautuja\u201c ist im Wesentlichen ein einziges Fuzzgewitter und ich mag es.</p>\n<p>In irgendein <em>Genre</em> stecken lassen die Musiker das Album trotzdem nicht, das w\u00e4re auch zu langweilig. Es ist <em>irgendwie</em> auch Black Metal und Stoner Metal, es ist die Musik zu einem Horrorfilm, der in einer Achterbahn spielt, aber <span class=\"musik-review-bandname\">Oranssi Pazuzu</span> erschaffen hier etwas <em>noch</em> Gro\u00dfartigeres, Atmosph\u00e4rischeres, was sicher auch durch die Synthesizerfl\u00e4chen (das von einem fast schon sanften Rhythmus getragene \u201eHautatuuli\u201c ginge \u00fcber weite Teile beinahe als Trip-Hop-St\u00fcck durch) hervorgerufen wird. Im reichlich ger\u00e4uschverzierten Fastzehnmin\u00fcter \u201eIkik\u00e4\u00e4rme\u201c blitzt, Fl\u00fcgelspiel sei Dank, auch (ziemlich guter) Kammerprog hervor, der f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Present</span>genie\u00dfer (hierzu siehe weiter oben) gar nicht <em>so</em> herausfordernd sein d\u00fcrfte.</p>\n<p>Mein Fazit: Eine, nun ja, <em>krasse</em> Scheibe. Nichts f\u00fcr schwache Nerven oder solche Menschen, die selbige gern behalten w\u00fcrden. \u201eMuuntautuja\u201c sollte man als sportliche Herausforderung begreifen. Der Sport: Dazu abhotten. (Sagt man das noch, \u201eabhotten\u201c?) Ich fang\u2019 schon mal an.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Muuntautuja-Oranssi-Pazuzu/dp/B0DBGS3BL9?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://oranssipazuzu.bandcamp.com/album/muuntautuja\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/374330710?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/tess-parks-pomegranate.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_tess-parks-pomegranate.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Tess Parks \u2013 Pomegranate</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eIt feels like everyone should be dancing / maybe I should be dancing\u201c</span> (Koalas)</p>\n<p>Zur Abwechslung mal wieder ein etwas ruhigeres Album von einer etwas ruhigeren K\u00fcnstlerin. <span class=\"musik-review-bandname\">Tess Parks</span> ist eine kanadische, jedoch in London wohnende Liedermacherin, die seit 2013 mittlerweile f\u00fcnf Alben <em>rausgebracht</em> hat, wobei zwei davon mit <span class=\"musik-review-bandname\">Anton Newcombe</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">The Brian Jonestown Massacre</span>) zusammen entstanden sind, \u201ePomegranate\u201c jedoch nicht. Glaubt man ihren Beitr\u00e4gen in <em>sozialen Medien</em>, so verehrt die K\u00fcnstlerin unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Oasis</span> und die Hippiekultur. Das merkt man.</p>\n<p>Eine \u201ePomegranate\u201c nennt man hierzulande meist einen Granatapfel. Fr\u00fcher nahm man Granat\u00e4pfel gegen Durchfall, heute gegen schlechte Laune: \u201ePomegranate\u201c ist ein Album mit entspanntem Artpop f\u00fcr den Sommerabend auf der Veranda.</p>\n<p>Den Stil nennt der Pressetext \u201enouveau-delic\u201c, also neudelisch. Mit der indischen Hauptstadt hat das nichts zu tun. Ich h\u00f6re <em>nat\u00fcrlich</em> Einfl\u00fcsse des 90er-Pops, eine ordentliche Portion dessen, was im Radio \u201eClassic Rock\u201c hei\u00dft, aber damals als Hippiemusik <em>gemeint</em> war, und durchaus auch <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Leonard Cohen</span>. Das ergibt Sinn, denn <em>eigentlich</em> wollte sie aufgrund einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung, sofern <em>das Internet</em> <a href="\&quot;https://whenthehornblows.com/content/2024/10/23/album-review-tess-parks-pomegranate\&quot;" data-wpel-link="internal">nicht l\u00fcgt</a> (und das tut es bekanntlich nie), nie wieder Musik aufnehmen, doch haben ihre Mitmusiker, auf \u201ePomegranate\u201c sind es derer sieben, sie mit ein paar Musikvorschl\u00e4gen davon \u00fcberzeugt, doch weiterzumachen. Das finde ich sehr nett von ihnen. Das Album klinge, informiert der Pressetext weiter, nach Sehnsucht, Herzschmerz, aber auch Leichtigkeit und Freude. Stellt euch das mal kurz vor. Stellt ihr es euch vor? So klingt \u201ePomegranate\u201c.</p>\n<p>M\u00f6ge <span class=\"musik-review-bandname\">Tess Parks</span> ihren Antrieb nicht allzu bald wieder verlieren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Pomegranate-Vinyl-LP-Tess-Parks/dp/B0DB2PJLWQ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tessparks.bandcamp.com/album/pomegranate\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/374237931?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/zeug-vessel.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_zeug-vessel.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">zeug \u2013 Vessel</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe secret of joy / keeps me awake\u201c</span> (D.A.R.V.O.)</p>\n<p>Mehr gute Neuigkeiten: Nach ein paar Download-EPs, zum Teil noch in anderer Besetzung \u2013 einzig Bassist und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Vladislav Overchuk</span> ist seit der ersten Demo-EP von Januar 2015 dabei -, hat das Berliner Trio <span class=\"musik-review-bandname\">zeug</span> (konsequent klein geschrieben) endlich Leuten wie mir, die ihm schon recht fr\u00fch mit der Frage nach <em>richtigen</em> Tontr\u00e4gern auf die N\u00fcsse gegangen sind, eine kaum in Worte zu fassende Freude gemacht und im Juni 2024 mit \u201eVessel\u201c sein erstes Vollzeitalbum auf Schallplatten <em>rausgebracht</em>. Schallplatte<em>n</em>? Ja: Es sind derer zwei, wobei lediglich die vierte Seite mehr als ein St\u00fcck (n\u00e4mlich \u201eHolst\u201c, etwas \u00fcber 14 Minuten, und \u201eStoned in a Queer Age\u201c, etwas unter neun Minuten lang) enth\u00e4lt.</p>\n<p>Drunter machen sie\u2019s nicht.</p>\n<p>Ihren sowieso schon interessanten Stilmix aus Postrock, Doom und 70er-Psychedelik entwickeln <span class=\"musik-review-bandname\">zeug</span> auf \u201eVessel\u201c weiter. Vieles, schon ab dem ersten St\u00fcck \u201eHydras\u201c, atmet den Geist der Krautimprovisation. Die Texte werden weitgehend auf Englisch, zum Teil (\u201eSete\u201c, \u201eD.A.R.V.O.\u201c) auch auf Russisch gesungen, klingen aber trotzdem nicht schlecht. Das ist bei deutschen Musikgruppen ja auch nicht selbstverst\u00e4ndlich. Klang ist den Musikern im Allgemeinen sehr wichtig: Einige Tonspuren, darunter Blechbl\u00e4ser, wurden im Gro\u00dfen Wasserspeicher in Berlin aufgenommen, um dessen besondere Klangeigenschaften zunutze zu machen. Nun bin ich kein Tontechniker und kann diese Angaben daher nicht qualifiziert \u00fcberpr\u00fcfen, doch als Konsument bin ich vom Ergebnis nicht weniger als begeistert.</p>\n<p>Abseits der Beitr\u00e4ge von Gastmusikern wurde, informieren <span class=\"musik-review-bandname\">zeug</span> des Weiteren, das Album ohne jede Nachbearbeitung live an Bord der <a href="\&quot;http://ms-loretta.de\&quot;" data-wpel-link="internal">MS Loretta</a>, mithin auf der Weser, aufgenommen. Es ist nicht alles schlecht in Bremen. Zum ersten Mal deutlich zum Einsatz kommen die Bl\u00e4ser in den letzten Minuten des zweiten St\u00fccks \u201eSete\u201c, wo sie die Stimmen der S\u00e4nger, es scheinen hier mehrere zu sein, als Teil der anschwellenden Doomkulisse langsam ertr\u00e4nken. Ergibt da schon Sinn, das mit dem Schiff. \u201eD.A.R.V.O.\u201c beginnt mit eineinhalb Minuten Walzenger\u00e4uschen, und kaum will man nachsehen, was da beim Abspielen schiefgelaufen ist, setzen auch schon rumpelnd Schlagzeug und Bass ein. Eine Art Verschnaufpause ist das St\u00fcck trotzdem, denn gerade nach dem aufgekratzten \u201eSete\u201c ist der eher <em>coole</em> Postpunk der ersten paar Minuten geradezu ein Fels in der Brandung. Dass sich schnell immer weitere Spuren dazugesellen, bis sich (wieder) das Bahn bricht, was man wohl \u201egeordnetes Chaos\u201c nennen kann, versteht sich von selbst. In der zweiten H\u00e4lfte gibt es ein kleines P\u00e4uschen in Form von Kammermusik mit Fagott, bevor der finale Klagegesang dieser Plattenseite einsetzt: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eBefore you break me now / my hand slips out / and my head breaks out\u201c</span>. Mitrei\u00dfend.</p>\n<p>\u201eStoned in a Queer Age\u201c ist nicht nur das mit Abstand k\u00fcrzeste, sondern auch das merkw\u00fcrdigste St\u00fcck auf \u201eVessel\u201c: Es beginnt (textlich und musikalisch) beinahe wie ein Schlaflied und bleibt fast vier Minuten lang so, einzig vorangetrieben von energischem Trommeln. In der zweiten H\u00e4lfte hauen <span class=\"musik-review-bandname\">zeug</span> allerdings, wie man so sch\u00f6n sagt, noch mal <em>auf die Kacke</em>, Blechbl\u00e4ser <em>und</em> beinahe erdr\u00fcckten, aber <em>w\u00fctenden</em> Gesang <em>und</em> Punkrhythmusgitarre inbegriffen. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">zeug</span> hier buchst\u00e4blich bis zur letzten Minute des sowieso schon ambitionierten Deb\u00fctalbums sozusagen den Fu\u00df auf dem Gas lassen, spricht f\u00fcr sich und f\u00fcr es und f\u00fcr sie.</p>\n<p>Es habe Projektmittel \u201eder Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien\u201c gegeben, informiert die Bandcampseite zum Album. Endlich tut mal einer was. \u201eVessel\u201c ist \u2013 jedenfalls <em>jetzt gerade</em> \u2013 mein Lieblingsalbum des Jahres 2024. Diese Auszeichnung vergebe ich ja nicht ganz so oft (d.h. genau einmal) und will also was hei\u00dfen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://zeug.bandcamp.com/album/vessel\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>. Reicht.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/grundeis-every-second-an-ocean.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_grundeis-every-second-an-ocean.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Grundeis \u2013 Every Second an Ocean</span></p>\n<p>Die Shoegazegruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Grundeis</span> aus Hamburg vereint drei Dinge, die ich mag: Shoegaze, Hamburg und einen Namen, mit dem man Wortspiele machen kann (\u201emir geht der Arsch auf\u201c selbiges, zum Beispiel).</p>\n<p>Bevor Frontfrau <span class=\"musik-review-bandname\">Laura M\u00fcller</span>, die nur unter Zuhilfenahme ihres Namens im Internet zu finden auch nicht <em>so</em> leicht ist, im kommenden Februar wieder unter dem <em>anders</em> interessanten Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Undinyx</span> soliert, legt <em>ihre</em> Band noch schnell den Nachfolger ihres mir bisher unbekannten Deb\u00fctalbums \u201eAmygdala\u201c, n\u00e4mlich \u201eEvery Second an Ocean\u201c, vor. Katrin Riedl vom \u201eMetal Hammer\u201c findet, das Album sei zu lang (es seien immerhin 14 St\u00fccke drauf). Das macht nichts, die etwas \u00fcber 43 Minuten Zeit habe ich heute gerade noch.</p>\n<p>Diese etwas \u00fcber 43 Minuten f\u00fcllen die Musiker mit einer bisweilen hypnotischen (\u201eAs Close As It Gets\u201c), manchmal ruhigen (\u201eEvery Second an Ocean\u201c), immer aber <em>fordernden</em> Melancholie, die breitfl\u00e4chig daherkommt und trotzdem <em>(Sprachbilder in Musikrezensionen sind ja immer so eine Sache)</em> zerbrechlich bleibt, wobei der S\u00e4ngerin bemerkenswert emotionaler Stimme sicherlich ein gro\u00dfer Anteil an der perfekten Verzahnung von Stimmung und Musik zuteilkommt. Dass manche Wechsel etwas \u00fcberraschend scheinen, so l\u00f6st etwa das f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">The-Cure</span>-Freunde vermutlich <em>noch</em> genussbietendere, schwungvolle \u201eIgnoring People\u201c die letzten Kl\u00e4nge des den H\u00f6rer sanft wiegenden Titelst\u00fccks ab, spricht f\u00fcr die Klasse, die Grundeis hier beweisen.</p>\n<p>\u201eZu lang\u201c. Pfff. Der \u201eMetal Hammer\u201c ist zu lang. \u201eEvery Second an Ocean\u201c hingegen ist <em>genau richtig</em>. Chapeau.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0DHCSNJFH?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://grundeis.bandcamp.com/album/every-second-an-ocean\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/388087356?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/ulnaris-futur-passe.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_ulnaris-futur-passe.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Ulnaris \u2013 futur pass\u00e9</span></p>\n<p>Mal wieder etwas Albernes zwischendurch. Das kann ich guten Gewissens kurz halten, denn \u201efutur pass\u00e9\u201c, f\u00fcnf Lieder und keine vierzehn Minuten lang, ist es auch.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Ulnaris</span> kommen aus dem Saarland, <em>nat\u00fcrlich</em> wird auf Franz\u00f6sisch gesungen. Dies \u00fcbernimmt <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c9lodie Brochier</span>, namentlich das einzige Bandmitglied, zu dem das auch passt. Nun ist es ja so, dass ich mit franz\u00f6sischsprachigem Gesang bekanntlich kaum etwas anzufangen wei\u00df, weil ich die Sprache weder beherrsche noch mag, sieht man von der abgedrehten Avantgarde ab. So ist es auch hier, denn das, was die drei Musiker und eine S\u00e4ngerin hervorbringen, muss man wohl als eine Art Avantgardepunk bezeichnen.</p>\n<p>Im Grunde n\u00e4mlich funktioniert die Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Ulnaris</span> jedenfalls auf \u201efutur pass\u00e9\u201c so, dass Gitarre, Bass und Schlagzeug ein nur auf den ersten Blick gew\u00f6hnliches Punkfundament legen, dessen stilistische Vorhersehbarkeit aber hier gefesselt und geknebelt in den Keller gesperrt wurde. Oft hat Punk Ber\u00fchrungspunkte mit Ska und Reggae, der Punk von <span class=\"musik-review-bandname\">Ulnaris</span> ber\u00fchrt <em>alles</em>. Dar\u00fcber singt, fl\u00fcstert und jubelt <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c9lodie Brochier</span> auf eine derart verspielte Weise, dass es eine wahre Freude ist.</p>\n<p>Zu meinem Bedauern gibt es \u201efutur pass\u00e9\u201c nur als Download und/oder Stream, daher schreibe ich hier nicht: Was f\u00fcr eine verr\u00fcckte, geile Scheibe! Stattdessen schreibe ich also: Was f\u00fcr ein verr\u00fcckter, geiler Download und/oder Stream! Davon gern mehr.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://ulnaris-sulcus.bandcamp.com/album/futur-pass-4\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/405381976?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/the-body-the-crying-out-of-things.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_the-body-the-crying-out-of-things.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Body \u2013 The Crying Out of Things</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDreams are worthless while in the hold of what we now know\u201c</span> (Last Things)</p>\n<p>Ich mag ja Musikalben, die so hei\u00dfen, wie sie klingen. \u201eThe Crying Out of Things\u201c ist eines von ihnen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Bert Kaempfert</span> hat mal gesagt, er m\u00f6chte \u201eMusik machen, die nicht st\u00f6rt\u201c, ich jedoch m\u00f6chte Musik <em>h\u00f6ren</em>, die st\u00f6rt. Hier bin ich richtig aufgehoben, hier f\u00fchle ich mich wohl. Dabei beginnt es mit \u201eLast Things\u201c noch beinahe <em>harmlos</em>, als h\u00e4tten <span class=\"musik-review-bandname\">Aereogramme</span> sich von <span class=\"musik-review-bandname\">Trent Reznor</span> produzieren lassen. Zum Gl\u00fcck t\u00e4uscht das.</p>\n<p>Nahezu alles, was nach den ersten paar Momenten auf \u201eThe Crying Out of Things\u201c geschieht, ist n\u00e4mlich das <em>genaue Gegenteil</em> von Harmlosigkeit, mithin ein aus elektronischer Tanzmusik, <span class=\"musik-review-bandname\">Joy-Division</span>-Bootlegs (\u201eAll Worries\u201c) und exorzistisch wertvoller Urschreitherapie gekonnt komponierter <em>Krach</em>, von dem ich noch w\u00e4hrend des H\u00f6rens das dringende Bed\u00fcrfnis bekam, mir erst mit einem Hammer auf die Finger zu hauen und dann die Schallplatte zu kaufen. Die ist ganz h\u00fcbsch, wenn ich das richtig gesehen habe. Deutlich aus dem Rahmen f\u00e4llt allenfalls das zweieinhalbmin\u00fctige \u201eThe Citadel Unconquered\u201c, das sich auch von einem der <em>h\u00e4rteren</em> Nebenprojekte von <span class=\"musik-review-bandname\">Godspeed You! Black Emperor</span> nicht allzu schlecht machen k\u00f6nnte.</p>\n<p>Irgendwo <em>im Internet</em> las ich, dieses Album h\u00f6re sich an wie der Moment, an dem man das Bewusstsein nach einem Autounfall verliert und/oder zur\u00fcckerlangt. Kann schon sein. Es ist ganz gro\u00dfartiger Radau f\u00fcr Menschen wie mich, die Musik m\u00f6gen, die jede Tanzfl\u00e4che augenblicklich leeren. Warum tanzen, wenn man sich auch anders abregen kann?</p>\n<p>Gef\u00e4llt mir.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Crying-Out-Things-Body/dp/B0DG92BT11?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://thebody.bandcamp.com/album/the-crying-out-of-things\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/382475638?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n<li>\n<p><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/sleepytime-gorilla-museum-of-the-last-human-being.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_sleepytime-gorilla-museum-of-the-last-human-being.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sleepytime Gorilla Museum \u2013 of the Last Human Being</span></p>\n<p>Und da wir gerade beim Krach waren: Nach einer l\u00e4ngeren Pause mit vielerlei sonstigen Projekten haben <span class=\"musik-review-bandname\">Sleepytime Gorilla Museum</span>, die von 2001 bis 2007 mit Zirkusmetal (den Begriff habe ich mir gerade ausgedacht) die Progressive-Rock-<em>Szene</em> zumindest nicht kalt gelassen haben, in gleicher Besetzung das seit 2011 angek\u00fcndigte Album \u201eof the Last Human Being\u201c mittlerweile fertiggestellt und <em>rausgebracht</em>.</p>\n<p>Der fr\u00fchere Perkussionist <span class=\"musik-review-bandname\">Moe! Staiano</span> \u2013 das Ausrufezeichen scheint Teil des Namens zu sein \u2013 l\u00e4sst hier als Gast im tats\u00e4chlich treibenden <span class=\"musik-review-bandname\">This-Heat</span>-Cover \u201eS. P. Q. R.\u201c noch einmal von sich h\u00f6ren. Ob er <em>fehlt</em>, wie <em>das Internet</em> es formuliert, vermag ich nicht abschlie\u00dfend zu beurteilen, jedenfalls aber bekommen die \u00fcbrigen f\u00fcnf Musiker auch ohne ihn einen ordentlichen Rhythmus zustande. Gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen im Stil sind ohnehin ausgeblieben. Mich freut, dass Musiker auch nach \u00fcber zehn Jahren mit <em>solcher</em> Musik nicht die Lust daran verlieren.</p>\n<p>Modern sind immerhin die Texte: \u201eThe Gift\u201c etwa kritisiert die Allgegenwart von Computertechnik, die S\u00e4nger (nach wie vor M\u00e4nnlein und Weiblein) schlagen stattdessen vor: Geh doch mal wieder raus! (Wissen die eigentlich, wie <em>kalt</em> es ist?) In \u201eSave It!\u201c meine ich gar Anleihen an <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span> zu erkennen, aber <span class=\"musik-review-bandname\">Sleepytime Gorilla Museum</span> bleiben trotzdem auch 2024 noch ganz sie selbst, reichlichen Geigeneinsatz eingeschlossen. Mit dem \u201eRose-Colored Song\u201c klingt das Album ebenso ruhig und unaufgeregt aus wie diese Liste.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Human-Being-Oxblood-Blood-Vinyl/dp/B0CNJ7V6TP?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://sleepytimegorillamuseum1.bandcamp.com/album/of-the-last-human-being\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/325367785?u\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p>\n</li>\n</ol>\n<hr>\n<p>Reicht? Reicht. Wie 2025 <em>das</em> \u00fcberbieten will, wei\u00df ich nicht, aber ich hoffe, die Musiker und Produzenten betrachten das als Ansporn und nicht als ausweglose Situation. Der Musikfreund dankt\u2019s. Alles \u00dcbrige in einem Jahr an dieser Stelle.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>mike schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2025/01/musik-12-2024-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">1. Januar 2025</a> dies: +1</li><li>Anonym schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2025/01/musik-12-2024-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">8. Januar 2025</a> dies: Bei Nummer 19 passt der Titel nicht zum Text, Vessel ist bereits als Nummer 16 rezensiert worden.\nMan merkt halt, dass dir das Album gefallen hat <img alt=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif\"></li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2025/01/musik-12-2024-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">8. Januar 2025</a> dies: Wieso? Da stand doch nie was anderes! \u2026\n\n(Ja, hat es.)</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2025/01/musik-12-2024-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg08.met.vgwort.de/na/e21d4dc1e642497f91ee3bc6653f494c\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 28 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickHuch! Ein neues Jahr! Dabei war ich noch gar nicht damit fertig, das alte zu verarbeiten. Selbst in der Musikwelt war einiges los: Die von wenigstens mir gemochten 417.3 haben sich aufgel\u00f6st, die tollen Kombynat Robotron haben derweil ein neues Album ver\u00f6ffentlicht. Bei \u201eBetreutes Proggen\u201c n\u00f6rgelte Klaus Reckert, dass nach dem Ver\u00f6ffentlichen seiner Jahresbestenliste immer noch neue gute Musikalben rauskamen. Es bereitet mir ja immer ein bisschen mehr oder weniger heimliche Schadenfreude, dass jemand lange vor dem Ende eines Jahres eine vermeintliche \u201eJahresr\u00fcckschau\u201c ver\u00f6ffentlicht und dann die wichtigsten Dinge gar nicht drin hat, weil das Jahr noch weitergeht und seine Liste nicht. Hihi.\n\nDie nach einem St\u00fcck von Can benannte Motorik-Krautband You Doo Right hat mit \u201eFrom the Heights of Our Pastureland\u201c ein sch\u00f6nes Album voller psychedelischem Gitarrenkrach ver\u00f6ffentlichen lassen, das leider ein paar Schw\u00e4chen und L\u00e4ngen aufzuweisen hat, die den H\u00f6rgenuss doch merklich schm\u00e4lern und mich unbefriedigt lie\u00dfen. Schade. Au\u00dfer Konkurrenz verbleiben diesmal aufgrund fr\u00fcherer Rezensionen die neuen Alben von Jim Haynes und faust.\nHadmut Danisch fragt, ob das \u201egro\u00dfe Zeitalter\u201c der Musik \u201evorbei\u201c sei. Finden wir es heraus!\n\n\n\nKreidler \u2013 Twists (A Visitor Arrives)\nObwohl sie wieder nur noch zu dritt sind, schaffen Kreidler es, einen best\u00e4ndigen groove in die Tiefe gehen zu lassen.\nAuf dem weitgehend instrumentalen 2024er Album \u201eTwists (A Visitor Arrives)\u201c herrscht neben einem allgegenw\u00e4rtigen grollenden Bassfundament ein bemerkenswertes Zusammenspiel aus der guten alten Berliner Schule \u2013 es surrt, blubbert und fiept st\u00fcckweise unentwegt \u2013 und entspanntem Jazz vor. Das h\u00f6re ich so in dieser Kombination auch nicht allzu oft, auch bei Kreidler war mir der Jazzanteil nie so dominant begegnet. Einen Anteil daran k\u00f6nnten vielleicht auch die Gastbeitr\u00e4ge an Posaune (\u201ePolaris\u201c) und Saxophon (\u201eTanger Telex\u201c) haben. \u201eTwists (A Visitor Arrives)\u201c k\u00f6nnte damit bereits jetzt zu meinem Lieblingsalbum von Kreidler avanciert sein. Auch mal ein sch\u00f6ner Start ins Jahr (zum Zeitpunkt des H\u00f6rens und der Niederschrift ist\u2019s erst der 14. Januar).\nIn zwei St\u00fccken lassen sich die drei Herren auch stimmlich unterst\u00fctzen: \u201eLoisaida Sisters\u201c wird von einem Herrn intoniert, der sich  Khan of Finland nennt und nat\u00fcrlich in Berlin heimisch ist, w\u00e4hrend in \u201eHands\u201c Natalia Beridse, die, glaubt man dem Internet, als TBA (wem?) bekannt geworden ist, irgendwas \u00fcber H\u00e4nde erz\u00e4hlt. Obwohl gerade erstgenanntes St\u00fcck so nah an der zeitgen\u00f6ssischen Tanzpopmusik ist wie sonst kaum eines von Kreidler, verw\u00e4ssern die Gastbeitr\u00e4ge doch nicht den gesamten Eindruck. Man habe sich durch meine Empfehlungen geh\u00f6rt und brauche jetzt Therapie, gab man mir anl\u00e4sslich der letztj\u00e4hrigen R\u00fcckschau zu verstehen. F\u00fcr Freunde von Krautrock, 70er-Elektronik und durchaus auch zeitgen\u00f6ssischer anspruchsvoller Tanzmusik ist \u201eTwists (A Visitor Arrives)\u201c als Therapie vielleicht durchaus geeignet. Gefallen tut\u2019s jedenfalls schon mal.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nSchubmodul \u2013 Lost In Kelp Forest\nBei dem Bandnamen denkt unsereins ja entweder an leichtf\u00fc\u00dfigen Spacerock oder an schr\u00e4ge Krautelektronik. Beides ist nicht der Fall. Schubmodul aus Bochum spielen auf \u201eLost In Kelp Forest\u201c, ihrem zweiten, bereits im Sommer 2023 aufgenommenen Album, stattdessen schwere Kost.\nIch h\u00f6re Stoner\u2011, aber auch Postrock. Das Album ist \u00fcberwiegend instrumentell, doch kommen mehrere gesprochene samples vor, die die Handlung in Form eines Radioberichts sozusagen einrahmen. Es geht offenbar um ein U\u2011Boot namens Renegade One (so hei\u00dft auch das dritte St\u00fcck), in dem ohne Genehmigung psychedelische Drogen aus Seetang hergestellt werden oder so. Passt schon, so klingt das Album auch. (Dass momentan \u2013 28. Dezember \u2013 ausgerechnet die blaue Version der Platte noch bei Bandcamp zu haben ist und die nicht wasserfarbene nicht, ist zumindest bemerkenswert.)\nVergleiche f\u00fcr diejenigen unter meinen Lesern, die unbedingt Vergleiche brauchen: Colour Haze und God Is An Astronaut. Zwischen diesen Polen liegt die Welt von Schubmodul und sie ist farbenreich. Stoner\u2011, Space- und Heavy Rock geben einander hier sozusagen die Klinke in die Hand, untermalt von wunderbar atmosph\u00e4rischen und immer etwas entr\u00fcckten Gitarrenfl\u00e4chen. In dieser musikalischen Nische war 2024, so weit es meine eigene Aufmerksamkeit betrifft, gar nicht so viel los, bei Schubmodul stimmt daf\u00fcr um so mehr. Volle Kraft voraus, sozusagen.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nLustmord \u2013 Much Unseen Is Also Here\nLustmord ist der von deutscher Malerei inspirierte K\u00fcnstlername des Walisers Brian Williams, selbst \u201eder Gustave Dor\u00e9 der Musik\u201c (Internet), der seit 1980, nach eigener Aussage \u00fcberredet von Mitgliedern von Throbbing Gristle, Aufnahmen t\u00e4tigt, die klingen, wie sie hei\u00dfen. Live tritt er selten auf, doch Zeit f\u00fcr Aufnahmen nimmt er sich bisweilen.\n\u201eMuch Unseen is Also Here\u201c, erschienen im M\u00e4rz 2024, zu beschreiben ist schwierig. Es ist ein Album, auf dem vordergr\u00fcndig fast nichts passiert und hintenrum wird man traurig. Auf Bandcamp tr\u00e4gt das Album das Etikett \u201eweird shit\u201c, was als Genrebezeichnung mal passen mag, andere m\u00f6gen\u2019s dronehaltiges Dark Ambient f\u00fcr uns Freunde der gepflegten Langsamkeit nennen und haben damit trotzdem Recht. Es sind Ger\u00e4usche ohne Gesang, ohne Rhythmus, ohne Melodie, nicht einmal wirklich mit Instrumenten (sieht man von der einzeln klagenden Oboe in \u201eInvocation of the Nameless One\u201c ab). \u201eTheir Souls Asunder\u201c, das fast zw\u00f6lfmin\u00fctige sechste der acht St\u00fccke, kommt zumindest vor\u00fcbergehend mit einer Stimme daher, aber leichte Kost geht trotzdem anders. Der Geist eines M\u00f6nchs beschw\u00f6rt wortlos die Toten.\n\u201eMuch Unseen is Also Here\u201c ist eines dieser Alben, nach deren durchgehendem Konsum man sich f\u00fchlt, als h\u00e4tte man am selben Tag die Wohnung, die Arbeitsstelle und die Liebe seines Lebens sowie zwei Z\u00e4hne verloren. Immerhin: Ist eins davon wirklich passiert, dann wird es mit dem Album fast ertr\u00e4glicher. Warum die menschliche Psyche so funktioniert, dass genau dieser Effekt den H\u00f6rer fesselt, wei\u00df ich nicht. Ich freue mich, dieses Album geh\u00f6rt zu haben, und das nicht nur, weil es jetzt vorbei ist. Ihr solltet das auch tun.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\n24/7 Diva Heaven \u2013 Gift\n\u201eWhatever you do: it\u2019s never enough\u201c (Rat Race)\nT\u00e4glich und rund um die Uhr im Divenhimmel w\u00e4hnen sich die drei auf- und abgedrehten Musikerinnen von 24/7 Diva Heaven. Wie der Name schon verr\u00e4t, haben wir es hier mit einer Musikgruppe aus Berlin zu tun.\nDiese nahmen auf ihrem zweiten Studioalbum \u201eGift\u201c genau die Art von Musik auf, die von Berlin nicht anders zu erwarten ist: Rotziger Garagenpunk mit Grungeaffinit\u00e4t, nat\u00fcrlich auf Englisch vorgetragen, unter vier Minuten pro Lied. Dass ausgerechnet das Titellied, immerhin nominell fast dreieinhalb Minuten lang, langweilig ausgeblendet statt mit einem anst\u00e4ndigen Ende versehen wurde, ist der einzige relevante Kritikpunkt, den ich hier h\u00e4tte. Dabei n\u00f6rgele ich doch so gern!\n24/7 Diva Heaven klingen nach den 90ern und sehen sich selbst als in der Riot-Grrrl-Tradition stehend, sind aber trotzdem auch in der gegenw\u00e4rtigen Szene gut vernetzt: Es gab etwa eine gemeinsame Tour mit den meinerseits hochgesch\u00e4tzten Team Scheisse, auf \u201eGift\u201c wiederum ist (in \u201eThese Days\u201c) Arnim Teutoburg-Wei\u00df von ausgerechnet den Beatsteaks am Mikrofon zu h\u00f6ren. Das macht aber nichts. \u201eGift\u201c ist ein ziemlich rundes Ding (also nicht die Tontr\u00e4ger jetzt, wobei: die nat\u00fcrlich auch) geworden, das die vornehme Zur\u00fcckhaltung einer Diva nicht etwa schlicht vermeidet, sondern sie mit Anlauf in den Arsch fickt. Ohne Gleitgel.\n\u201eGift\u201c ist ein erfreulich lautes, dreckiges, kraftvolles Album, das unter all den lauten, dreckigen, kraftvollen Alben des Jahres 2024 immer noch hervorragt. Daf\u00fcr gibt\u2019s meine Empfehlung.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nPresent \u2013 this is NOT the end\nIm M\u00e4rz 2021 ist Roger Trigaux, Gitarrist auf den ersten beiden Alben der belgischen Kammerrockband Univers Z\u00e9ro, im Alter von 69 Jahren verstorben. Dieser Umstand bedeutet unumg\u00e4nglich auch das Ende von Present, derjenigen Musikgruppe, die er nach seinem Ausstieg bei Univers Z\u00e9ro im Mai 1979 gegr\u00fcndet hatte, um \u2013 im Gegensatz zur eher klassisch orientierten Musik seiner fr\u00fcheren Combo \u2013 das \u201eRock\u201c in \u201eKammerrock\u201c st\u00e4rker zu betonen und gleichzeitig mehr Platz f\u00fcr seine eigenen Kompositionen zu haben.\nBis zu seinem Tod arbeitete Roger Trigaux an der hier dargebotenen Musik, die schlie\u00dflich \u2013 das bis dahin letzte Studioalbum \u201eHigh Infidelity\u201c stammt von 2001, live kam zuletzt 2009 \u201eBarbaro (ma non troppo)\u201c auf den Markt \u2013 nach langer Zeit ohne Lebenszeichen der Band Anfang 2024 endlich ver\u00f6ffentlicht wurde. Der Titel \u201ethis is NOT the end\u201c sei, lie\u00df man die H\u00f6rer wissen, ein Ergebnis des an Roger Trigaux gerichteten Dr\u00e4ngens, mit Present d\u00fcrfe es doch noch nicht vorbei sein. Dass dem nun trotzdem wohl so ist, gibt dem Titel eine zus\u00e4tzliche Metaebene. Ich mag Metaebenen.\nAuf dem Album \u2013 leider (wie auch die anderen Present-Alben) nicht auf Schallplatte erh\u00e4ltlich \u2013 sind drei St\u00fccke zu finden, namentlich \u201eContre\u201c sowie das zweigeteilte Titelst\u00fcck. Teil 2 kommt auf dem Album vor Teil 1. Das ist witzig. Musikalisch w\u00fcrde ich jetzt von \u201ekeinen \u00dcberraschungen\u201c schreiben, denn nat\u00fcrlich klingen Present auch nach \u00fcber vierzig Jahren noch wie die schlecht gelaunte Gothicschwester von Univers Z\u00e9ro. Der klassische Unterbau, der dieser Art von Musik zugrundeliegt, ist auch hier zu h\u00f6ren, wozu Kurt Bud\u00e9 (Saxophon, Klarinette und Bassklarinette) insbesondere im Titelst\u00fcck, in dem es eigentlich fortw\u00e4hrend knarzt und brummt, einen nennenswerten Teil beitr\u00e4gt, begleitet von Liesbeth Lambrecht (sonst bei Aranis) an der Violine. Dem gegen\u00fcber stehen Roger Trigaux\u2019 schneidende Gitarre und immer wieder \u2013 doch \u2013 \u00fcberraschende Ausbr\u00fcche in vermeintlich ruhigen Abschnitten. Der avantgardistische Reiz dieser Musik wird von st\u00e4ndigen Tempowechseln unterstrichen, wobei die Musiker es schaffen, nie ungewollt hektisch zu klingen. Manchmal greift der Bandchef zum Mikrofon und rezitiert einen Text, was im Internet mit einer franz\u00f6sischen Version von Captain Beefheart verglichen wird. Passt schon. Keine Ahnung, was er sagt (Franz\u00f6sisch hat mich nie interessiert), aber es ist hinreichend gut in die Musik eingebunden, dass es mir eigentlich auch v\u00f6llig egal ist.\nZum Ende des Albums, in der zweiten H\u00e4lfte von \u201eTeil 1\u201c des Titelst\u00fccks also, hin werfen die acht Musiker noch mal alles in die Waagschale, nach einer mehrmin\u00fctigen orchestralen Eruption klingt das Album ruhig aus. Ein toller Abschluss f\u00fcr eine tolle Karriere. Schade, dass ich nie das Vergn\u00fcgen hatte, diese Musik live zu erleben.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com (nur auszugsweise).\n\n\nThe Messthetics and James Brandon Lewis\nUngef\u00e4hr 2016 gr\u00fcndeten die fr\u00fcheren Fugazi-Mitglieder Joe Lally und Brendan Canty gemeinsam mit dem Gitarristen Anthony Pirog, der vorher nicht bei Fugazi gewesen war, das Instrumentaltrio The Messthetics. Anders als Fugazi spielen sie unter diesem Namen eine Art Jazzpunk.\nNach zwei Alben zu dritt \u00fcberraschten sie zumindest einen Teil der Musikwelt mit einer Zusammenarbeit mit dem Jazzsaxophonisten James Brandon Lewis, der mit dem James Brandon Lewis Quartet (\u201eerinnert an den musikalischen Geist von David Murray, John Coltrane oder Albert Ayler und beeindruckt durch ihre \u00fcbersch\u00e4umende Energie, Dringlichkeit und Kraft\u201c) einen Deutschen Jazzpreis 2023 in der Kategorie \u201eBand des Jahres international\u201c bekommen hatte, was ich gar nicht mitbekommen hatte, weil Jazz zwar interessant, aber nicht so interessant ist. Um so sch\u00f6ner, den Herrn jetzt doch noch kennengelernt zu haben.\nUnd er harmoniert pr\u00e4chtig mit den Messthetics, wie Liveauftritte belegen. Zu viert bringen die Musiker weiterhin instrumentalen, tanzbaren Jazzrock mit ordentlich Wumms hervor. Alles auf diesem Album macht Spa\u00df, wenn man \u2013 wie ich \u2013 f\u00fcr gut gemachte gelegentliche Jazzlastigkeit nichts einzuwenden hat. Und wenn die Welt eines immer, immer zu wenig hat, dann ist es: Spa\u00df.\nDa helfe ich doch gern.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nGoddess Limax Black \u2013 monstranz\n\u201eG\u00f6ttin Schnegelschwarz\u201c, soso. Immerhin: Langsam sind sie ja, nur nicht unbedingt schleimig. Die sechs St\u00fccke tragen Titel wie \u201eSabbatheske, die\u201c und \u2013 mit neuneinhalb Minuten L\u00e4nge das aufmerksamkeitsforderndste St\u00fcck \u2013 \u201eDie freudenreichen Geheimnisse/Die schmerzhaften Geheimnisse/Die glorreichen Geheimnisse\u201c, zu dessen Instrumentenbeginn diverse christliche Gebete, von Avemaria bis zum Apostolischen Glaubensbekenntnis, angenehm monoton, aber mit etwas zu viel Hall vorgetragen werden. Man muss die Institution Kirche nicht m\u00f6gen, um dem etwas abgewinnen zu k\u00f6nnen.\nTrotz dieser quasi wie eine Monstranz (hehe) zur Schau getragenen And\u00e4chtigkeit bleibt die Fantasie erhalten: Gesang im eigentlichen Sinne gibt es hier nicht.\nDie drei \u00d6sterreicher in klassischer Rockbesetzung (plus Synthesizer, der, wenn mich mein Geh\u00f6r nicht tr\u00fcgt, gern f\u00fcr Hintergrundklangfl\u00e4chen zum Einsatz kommt) nehmen sich auf ihrem bereits Anfang Januar 2024 ver\u00f6ffentlichten, doch bereits 2023 aufgenommenen Album \u201emonstranz\u201c jede Menge Zeit, hier gibt es kaum mehr als schleppenden Doom mit m\u00e4chtigen Drones. Genau das, was ich jetzt brauche!\nBisweilen wird das Grollen von schweren Gitarrenriffen zerschnitten, ohne dass diese ihm dabei wirklich Einhalt gebieten k\u00f6nnten. Ein unaufhaltsamer, aber z\u00e4hfl\u00fcssiger Mahlstrom bohrt sich ins Ohr.\n\u201emonstranz\u201c wirke \u201ewie ein Versuch, inmitten all des Chaos\u2019 Ordnung zu finden\u201c, schrieb Raphael Lukas Genovese im M\u00e4rz und hat damit nat\u00fcrlich v\u00f6llig Recht.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nMonkey3 \u2013 Welcome To The Machine\nVier Schweizer gehen auf\u2019s Ganze (so h\u00e4tte es fr\u00fcher als deutscher Film gehei\u00dfen) und ver\u00f6ffentlichten mit \u201eWelcome To The Machine\u201c im Februar 2024 ein Album, das sie selbst ein \u201eMagnum Opus\u201c nennen, ein gro\u00dfes Werk also. Rein von der L\u00e4nge her mag das stimmen, kommen Monkey3 doch mit nur f\u00fcnf St\u00fccken auf eine solide Laufzeit von fast f\u00fcnfzig Minuten.\nDas Titelbild des Albums zeigt ein futuristisches Dingsda im Weltall und passend hierzu nutzen die Musiker diese Laufzeit, um in gewohnt hoher Qualit\u00e4t au\u00dferweltliche Klangfl\u00e4chen zu malen. In diese Zeit dr\u00fccken sie aber, wie auch auf vorherigen Alben, keinen Gesang hinein, sondern f\u00fcllen sie mit treibendem Schlagzeug und singenden Gitarren. Ein \u201eMeisterst\u00fcck der psychedelischen Rockmusik\u201c nannte ein Rezensent irgendwo im Internet dieses Album und das ist nicht mal unbedingt \u00fcbertrieben. Nach einem Science-Fiction-w\u00fcrdigen intro brettern die Musiker direkt los und halten das Tempo erst mal. Das wenigstens in seiner ersten H\u00e4lfte entspannt groovende \u201eCollision\u201c kann die nerv\u00f6se Grundstimmung des Albums nicht kaschieren und soll das wahrscheinlich auch gar nicht. Dass das Mittelst\u00fcck \u201eKali Yuga\u201c in God-Is-an-Astronaut-Gew\u00e4ssern fischt, soll mir altem Postrockfreund ja nur recht und billig sein.\nAuf \u201eWelcome To The Machine\u201c gehe es, hei\u00dft es, um den Konflikt zwischen Mensch und Maschine. Den kann wohl jeder nachempfinden, der schon mal mit Linux arbeiten musste. Unter anderem in Ermangelung von Texten ist es nicht leicht, diesem Konzept inhaltlich zu folgen. Rob Walsh schlug daher vor, \u201eWelcome To The Machine\u201c nicht an diesem Konzept zu messen, sondern es als das zu betrachten, was es ist: Ein durchweg gelungenes Musikalbum einer durchweg gelungenen Band. More of the same ist es sicherlich: Wer Monkey3 bestellt, der bekommt auch Monkey3. Aber wie albern w\u00e4re es, dar\u00fcber zu klagen?\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com (auch hier wieder nur auszugsweise), TIDAL.\n\n\nHalma \u2013 Driving by Numbers\nApropos Postrock.\nDeutlich langsamer als die Schweizer (ironisch, nicht?) gehen die Hamburger Halma, wiederkehrende Leser erinnern sich an sie, nach f\u00fcnf Jahren ohne ein neues Album auf den vier St\u00fccken von \u201eDriving by Numbers\u201c zu Werke. Gesungen wird nicht (interessehalber: warum gibt eine Hamburger Musikgruppe einem weitgehend textlosen Album einen englischsprachigen Titel?), daf\u00fcr wird ordentlich gegroovt. Dass so ein E\u2011Bass, hier seit einigen Jahren von Gundi Voigt bedient, ein fantastisches Melodieninstrument ist, ist in diesem Genre (allein das Wort schon!) keine unbekannte Feststellung, doch sie will auch weiterhin gemacht werden. Diese Ehre erweise ich ihr gern.\nUnter dem Bass \u2013 auch mal eine interessante Schichtung \u2013 wird von Bariton- und anderer Gitarre ein dichtes Netz gewoben. Falls er mal runterf\u00e4llt. Herz- und Kernst\u00fcck des Albums scheint dabei der \u201eSlow Song\u201c zu sein, der, mit seinem Titel in die Irre f\u00fchrend, gar kein Song (dt. \u201eSingst\u00fcck\u201c), aber durchaus slow und folgerichtig dreizehn Minuten lang ist. Wer langsamer erz\u00e4hlt, dem sei auch mehr Zeit verg\u00f6nnt. Mitten in diesem \u201eSong\u201c n\u00e4mlich, der Weg dahin wird treffend gepflastert, scheint die bis dahin gewohnt gem\u00e4chliche Gruppe kurz zu eskalieren, s\u00e4gender Noise fegt irrlichternd \u00fcber das Fundament; schnell aber besinnen sich die vier Musiker wieder dessen, was sie eigentlich tun wollten, und kehren dorthin zur\u00fcck, wo dann auch das letzte, das Titelst\u00fcck anschlie\u00dft (das zwar durchaus mit Text beginnt, aber nicht mit englischsprachigem Gesang, sondern mit anderssprachigen Wortsamples; versteh\u2019 ich nicht), n\u00e4mlich zu mitwippbarem Postrock mit krautrockigem Motorikschlagzeug. Als Verbeugung vor ihrer eigenen Geschichte und insbesondere ihren fr\u00fcheren Alben lassen Halma dieses Titelst\u00fcck ambient ausklingen, und obwohl ich Ambientmusik schrecklich langweilig finde, f\u00e4llt mir nichts ein, was ich hieran auszusetzen h\u00e4tte.\nSch\u00f6nes Album, auch wenn\u2019s mir etwas zu kurz vorkommt; was bei ungef\u00e4hr vierzig Minuten Gesamtlaufzeit aber auch nicht mehr ist als ein Gef\u00fchl. Gef\u00fchle sind ja immer so eine Sache. Mich freut, dass es Halma noch gibt. M\u00f6gen viele weitere Alben folgen.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nSo Far as I Know \u2013 Awe\nNoch mal etwas Postrock, weil nur schwere Gitarren vieles, was 2024 (\u201ein 2024\u201c, wie Menschen, deren Umgang mit Sprache einer Pr\u00fcgelei gleichkommt, es nennen) geschehen ist, ertr\u00e4glich machen konnten: Aus Russland (buh!) kommt Sergei Guselnikov und damit auch sein Einmannprojekt So Far as I Know.\nDass eine S\u00e4ngerin namens Katya Zlobina, die, verr\u00e4t das Internet, sonst f\u00fcr eine Ambientgruppe namens Vena Portae singt, im zweiten St\u00fcck, \u201eTana Mao\u201c, einen mir unverst\u00e4ndlichen Text intoniert, ist das Einzige, das mich am Album \u201eAwe\u201c st\u00f6rt, denn auch dieses St\u00fcck ist recht ambient geraten. Ambientmusik finde ich schrecklich erm\u00fcdend. Es h\u00e4lt mich jedoch der Rest des Albums quasi in awe, denn die \u00fcbrigen sieben St\u00fccke, jedes \u2013 der Stilrichtung zum Trotz \u2013 unter sieben Minuten lang, wobei das Titelst\u00fcck \u201eAwe\u201c es nicht einmal auf derer zwei schafft, exerzieren das vorz\u00fcgliche Laut-Leise-Spiel des Postrocks auf gelungene Art durch.\nNat\u00fcrlich gibt es auch hier Alleinstellungsmerkmale, sonst w\u00e4re das Album die Aufnahme in diese Liste nicht wert; am deutlichsten vielleicht das immer mal wieder anklingende Spiel mit der musikalischen Unsauberkeit. Das St\u00fcck \u201eWhen Stars Collide and Fall Upon Us\u201c etwa klingt genau, wie es hei\u00dft, n\u00e4mlich nach Kollision und trudelndem Absturz: auch die Gitarren brettern hier nicht nur in einem fort, sondern sie stolpern und st\u00fcrzen, was ich so auch nur selten geh\u00f6rt habe. Von solchen Momenten gibt es auf \u201eAwe\u201c (dem Album) manchen, was mir dem geneigten Postrockgeneigten selbiges Album zu empfehlen geradezu aufdr\u00e4ngt. Hiermit geschehen.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nGurriers \u2013 Come and See\n\u201eI want that sentimental feeling to come right back online.\u201c (Des Goblin)\nWir bleiben bei der Post, wechseln aber in den Punk, denn Gurriers aus Dublin sind eine erstklassige Postpunkband, stilecht mit grollendem Bass und, hier und da, Noiserock- und Shoegazestreusel, die den Kuchen \u201eCome and See\u201c perfektionieren und nicht nur verzieren. Ich kam und sah (akustischerweise) und war verz\u00fcckt.\nIch h\u00f6re (Banause, der ich bin) Kaiser Chiefs, Fontaines D.C. und eine ordentliche Portion The Fall (\u201eDes Goblin\u201c). Gurriers beherrschen ruhige Momente ebenso wie das Reinsteigern in die Ekstase (\u201eSign of the Times\u201c). Keine negativen \u00dcberraschungen, daf\u00fcr positive Erfahrungen. Man solle dazu \u201etanzen, als w\u00fcrde niemand zusehen\u201c, schreibt Julia Mason. Mach\u2018 ich und schweige derweil.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nOutlander \u2013 Acts of Harm\nApropos Postpunk: Einen hab\u2019 ich noch!\nAus dem Heimatland des Postpunks, genauer: aus Birmingham, stammt das Quartett Outlander. Allzu aktiv sind sie nicht, die Ver\u00f6ffentlichungen betreffend, seit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eThe Valium Machine\u201c sind immerhin ungef\u00e4hr f\u00fcnf Jahre vergangen. Obwohl nat\u00fcrlich eine gewisse Retroartigkeit dem Stil selbst anhaftet, klingt \u201eActs of Harm\u201c erfreulich zeitlos. Ich mag das.\nEntstanden sei \u201eActs of Harm\u201c, l\u00e4sst man die H\u00f6rer wissen, anfangs isoliert (es gab wohl irgendwo eine gr\u00f6\u00dfere Epidemie von irgendwas), dann per Zusammenf\u00fcgens des St\u00fcckwerks. Es gehe um die Vers\u00f6hnung mit dem Erwachsensein und das \u201efragile Gleichgewicht der Normalit\u00e4t in der modernen Gesellschaft\u201c. Wie passend.\nIn der Tat vereinen Outlander auf \u201eActs of Harm\u201c Verzweiflung mit Hoffnung beziehungsweise musikalische K\u00e4lte mit verhei\u00dfungsvollen Melodien. Hier und da, gerade im letzten Teil des Albums, schl\u00e4gt der Postpunk in Postrock um, Gitarrenw\u00e4nde eingeschlossen, aber die Grundstimmung bleibt bestehen. \u201eActs of Harm\u201c ist so grau wie sein Titelbild, aber die Wolken lichten sich immer mal wieder, um zu signalisieren, dass nicht alles tr\u00fcb bleiben wird, als reichte die Musik immer mal wieder ein Seil, um sich selbst aus dem Treibsand zu ziehen. Acts of Harm? Acts of Hope. Auch ein untersch\u00e4tztes Gef\u00fchl im Jahr 2024.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nThe Hard Quartet\n\u201eRustling up some liquid hash to make some colours flash\u201c (Heel Highway)\nDie Musikgruppe des Namens The Hard Quartet ist tats\u00e4chlich ein Quartett, bestehend aus Emmett Kelly, Stephen Malkmus, Matt Sweeney und Jim White, jeweils bekannt aus anderen musikalischen Zusammenh\u00e4ngen, wobei Malkmus\u2019 Pavement vermutlich der bekannteste Zusammenhang sind.\nMusikalisch bedient wird sich bei Gruppen wie Sonic Youth, The Velvet Underground und den Dandy Warhols: Es gibt irgendwie dreckigen, verwaschenen 70er-Jahre-Rock\u2019n\u2019Roll mit Lo-Fi-Attit\u00fcde und m\u00e4chtig Druck auf die Ohren. Abwechslung ist trotzdem gegeben: Auf das punkige \u201eRenegade\u201c etwa folgt mit \u201eHeel Highway\u201c direkt ein ruhiges St\u00fcck, an anderer Stelle werden Glam Rock (\u201eChrome Mess\u201c) oder Hardrock (\u201eAction for Military Boys\u201c) gew\u00fcrdigt. Damit es nicht langweilig wird.\nApropos \u201enicht langweilig\u201c: Gesang ist gerade bei einem von mehreren Teilnehmern gleichzeitig komponierten Album oft ein schwieriges Kriterium (regelm\u00e4\u00dfige Leser wissen, dass ich Musikalben gern mal nur deshalb nicht empfehle, weil der Vokalinterpret zu oft nicht die Klappe h\u00e4lt), aber die Stimme von Stephen Malkmus, der hier den Gro\u00dfteil des Gesangs absolviert, passt zur Musik wie Faust aufs Auge, Arsch auf Eimer oder andere Dinge, die gut zueinander passen. \u201eThe Hard Quartet\u201c (das Album) ist eine gelungene Verbeugung vor einer der Hochzeiten der Rockmusik und ich kann nicht mal da etwas finden, das mich st\u00f6rt.\nWie \u00e4rgerlich. Wie sch\u00f6n.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nOranssi Pazuzu \u2013 Muuntautuja\n\u201eMuuntautuja\u201c ist Finnisch und hei\u00dft Transformator. Entsprechend elektronisch gehen Oranssi Pazuzu auf ihrem so benannten 2024er Studioalbum zu Werke.\nIch f\u00fchle mich nicht nur einmal an Cave In erinnert, das geht beim Er\u00f6ffner \u201eBioalkemisti\u201c schon los. Die erste Assoziation: Heiser intonierter Tanzmetal (oder hei\u00dft das noch \u201eEBM\u201c wie fr\u00fcher?). Die Produktion \u201eersticke\u201c das Album auf eine nicht etwa st\u00f6rende, sondern sogar gef\u00e4llige Art mit Verzerrungen aller Art, las ich so \u00e4hnlich anderswo und stimme zu. \u201eMuuntautuja\u201c ist im Wesentlichen ein einziges Fuzzgewitter und ich mag es.\nIn irgendein Genre stecken lassen die Musiker das Album trotzdem nicht, das w\u00e4re auch zu langweilig. Es ist irgendwie auch Black Metal und Stoner Metal, es ist die Musik zu einem Horrorfilm, der in einer Achterbahn spielt, aber Oranssi Pazuzu erschaffen hier etwas noch Gro\u00dfartigeres, Atmosph\u00e4rischeres, was sicher auch durch die Synthesizerfl\u00e4chen (das von einem fast schon sanften Rhythmus getragene \u201eHautatuuli\u201c ginge \u00fcber weite Teile beinahe als Trip-Hop-St\u00fcck durch) hervorgerufen wird. Im reichlich ger\u00e4uschverzierten Fastzehnmin\u00fcter \u201eIkik\u00e4\u00e4rme\u201c blitzt, Fl\u00fcgelspiel sei Dank, auch (ziemlich guter) Kammerprog hervor, der f\u00fcr Presentgenie\u00dfer (hierzu siehe weiter oben) gar nicht so herausfordernd sein d\u00fcrfte.\nMein Fazit: Eine, nun ja, krasse Scheibe. Nichts f\u00fcr schwache Nerven oder solche Menschen, die selbige gern behalten w\u00fcrden. \u201eMuuntautuja\u201c sollte man als sportliche Herausforderung begreifen. Der Sport: Dazu abhotten. (Sagt man das noch, \u201eabhotten\u201c?) Ich fang\u2019 schon mal an.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nTess Parks \u2013 Pomegranate\n\u201eIt feels like everyone should be dancing / maybe I should be dancing\u201c (Koalas)\nZur Abwechslung mal wieder ein etwas ruhigeres Album von einer etwas ruhigeren K\u00fcnstlerin. Tess Parks ist eine kanadische, jedoch in London wohnende Liedermacherin, die seit 2013 mittlerweile f\u00fcnf Alben rausgebracht hat, wobei zwei davon mit Anton Newcombe (The Brian Jonestown Massacre) zusammen entstanden sind, \u201ePomegranate\u201c jedoch nicht. Glaubt man ihren Beitr\u00e4gen in sozialen Medien, so verehrt die K\u00fcnstlerin unter anderem Oasis und die Hippiekultur. Das merkt man.\nEine \u201ePomegranate\u201c nennt man hierzulande meist einen Granatapfel. Fr\u00fcher nahm man Granat\u00e4pfel gegen Durchfall, heute gegen schlechte Laune: \u201ePomegranate\u201c ist ein Album mit entspanntem Artpop f\u00fcr den Sommerabend auf der Veranda.\nDen Stil nennt der Pressetext \u201enouveau-delic\u201c, also neudelisch. Mit der indischen Hauptstadt hat das nichts zu tun. Ich h\u00f6re nat\u00fcrlich Einfl\u00fcsse des 90er-Pops, eine ordentliche Portion dessen, was im Radio \u201eClassic Rock\u201c hei\u00dft, aber damals als Hippiemusik gemeint war, und durchaus auch Nick Cave und Leonard Cohen. Das ergibt Sinn, denn eigentlich wollte sie aufgrund einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung, sofern das Internet nicht l\u00fcgt (und das tut es bekanntlich nie), nie wieder Musik aufnehmen, doch haben ihre Mitmusiker, auf \u201ePomegranate\u201c sind es derer sieben, sie mit ein paar Musikvorschl\u00e4gen davon \u00fcberzeugt, doch weiterzumachen. Das finde ich sehr nett von ihnen. Das Album klinge, informiert der Pressetext weiter, nach Sehnsucht, Herzschmerz, aber auch Leichtigkeit und Freude. Stellt euch das mal kurz vor. Stellt ihr es euch vor? So klingt \u201ePomegranate\u201c.\nM\u00f6ge Tess Parks ihren Antrieb nicht allzu bald wieder verlieren.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nzeug \u2013 Vessel\n\u201eThe secret of joy / keeps me awake\u201c (D.A.R.V.O.)\nMehr gute Neuigkeiten: Nach ein paar Download-EPs, zum Teil noch in anderer Besetzung \u2013 einzig Bassist und S\u00e4nger Vladislav Overchuk ist seit der ersten Demo-EP von Januar 2015 dabei -, hat das Berliner Trio zeug (konsequent klein geschrieben) endlich Leuten wie mir, die ihm schon recht fr\u00fch mit der Frage nach richtigen Tontr\u00e4gern auf die N\u00fcsse gegangen sind, eine kaum in Worte zu fassende Freude gemacht und im Juni 2024 mit \u201eVessel\u201c sein erstes Vollzeitalbum auf Schallplatten rausgebracht. Schallplatten? Ja: Es sind derer zwei, wobei lediglich die vierte Seite mehr als ein St\u00fcck (n\u00e4mlich \u201eHolst\u201c, etwas \u00fcber 14 Minuten, und \u201eStoned in a Queer Age\u201c, etwas unter neun Minuten lang) enth\u00e4lt.\nDrunter machen sie\u2019s nicht.\nIhren sowieso schon interessanten Stilmix aus Postrock, Doom und 70er-Psychedelik entwickeln zeug auf \u201eVessel\u201c weiter. Vieles, schon ab dem ersten St\u00fcck \u201eHydras\u201c, atmet den Geist der Krautimprovisation. Die Texte werden weitgehend auf Englisch, zum Teil (\u201eSete\u201c, \u201eD.A.R.V.O.\u201c) auch auf Russisch gesungen, klingen aber trotzdem nicht schlecht. Das ist bei deutschen Musikgruppen ja auch nicht selbstverst\u00e4ndlich. Klang ist den Musikern im Allgemeinen sehr wichtig: Einige Tonspuren, darunter Blechbl\u00e4ser, wurden im Gro\u00dfen Wasserspeicher in Berlin aufgenommen, um dessen besondere Klangeigenschaften zunutze zu machen. Nun bin ich kein Tontechniker und kann diese Angaben daher nicht qualifiziert \u00fcberpr\u00fcfen, doch als Konsument bin ich vom Ergebnis nicht weniger als begeistert.\nAbseits der Beitr\u00e4ge von Gastmusikern wurde, informieren zeug des Weiteren, das Album ohne jede Nachbearbeitung live an Bord der MS Loretta, mithin auf der Weser, aufgenommen. Es ist nicht alles schlecht in Bremen. Zum ersten Mal deutlich zum Einsatz kommen die Bl\u00e4ser in den letzten Minuten des zweiten St\u00fccks \u201eSete\u201c, wo sie die Stimmen der S\u00e4nger, es scheinen hier mehrere zu sein, als Teil der anschwellenden Doomkulisse langsam ertr\u00e4nken. Ergibt da schon Sinn, das mit dem Schiff. \u201eD.A.R.V.O.\u201c beginnt mit eineinhalb Minuten Walzenger\u00e4uschen, und kaum will man nachsehen, was da beim Abspielen schiefgelaufen ist, setzen auch schon rumpelnd Schlagzeug und Bass ein. Eine Art Verschnaufpause ist das St\u00fcck trotzdem, denn gerade nach dem aufgekratzten \u201eSete\u201c ist der eher coole Postpunk der ersten paar Minuten geradezu ein Fels in der Brandung. Dass sich schnell immer weitere Spuren dazugesellen, bis sich (wieder) das Bahn bricht, was man wohl \u201egeordnetes Chaos\u201c nennen kann, versteht sich von selbst. In der zweiten H\u00e4lfte gibt es ein kleines P\u00e4uschen in Form von Kammermusik mit Fagott, bevor der finale Klagegesang dieser Plattenseite einsetzt: \u201eBefore you break me now / my hand slips out / and my head breaks out\u201c. Mitrei\u00dfend.\n\u201eStoned in a Queer Age\u201c ist nicht nur das mit Abstand k\u00fcrzeste, sondern auch das merkw\u00fcrdigste St\u00fcck auf \u201eVessel\u201c: Es beginnt (textlich und musikalisch) beinahe wie ein Schlaflied und bleibt fast vier Minuten lang so, einzig vorangetrieben von energischem Trommeln. In der zweiten H\u00e4lfte hauen zeug allerdings, wie man so sch\u00f6n sagt, noch mal auf die Kacke, Blechbl\u00e4ser und beinahe erdr\u00fcckten, aber w\u00fctenden Gesang und Punkrhythmusgitarre inbegriffen. Dass zeug hier buchst\u00e4blich bis zur letzten Minute des sowieso schon ambitionierten Deb\u00fctalbums sozusagen den Fu\u00df auf dem Gas lassen, spricht f\u00fcr sich und f\u00fcr es und f\u00fcr sie.\nEs habe Projektmittel \u201eder Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien\u201c gegeben, informiert die Bandcampseite zum Album. Endlich tut mal einer was. \u201eVessel\u201c ist \u2013 jedenfalls jetzt gerade \u2013 mein Lieblingsalbum des Jahres 2024. Diese Auszeichnung vergebe ich ja nicht ganz so oft (d.h. genau einmal) und will also was hei\u00dfen.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com. Reicht.\n\n\nGrundeis \u2013 Every Second an Ocean\nDie Shoegazegruppe Grundeis aus Hamburg vereint drei Dinge, die ich mag: Shoegaze, Hamburg und einen Namen, mit dem man Wortspiele machen kann (\u201emir geht der Arsch auf\u201c selbiges, zum Beispiel).\nBevor Frontfrau Laura M\u00fcller, die nur unter Zuhilfenahme ihres Namens im Internet zu finden auch nicht so leicht ist, im kommenden Februar wieder unter dem anders interessanten Namen Undinyx soliert, legt ihre Band noch schnell den Nachfolger ihres mir bisher unbekannten Deb\u00fctalbums \u201eAmygdala\u201c, n\u00e4mlich \u201eEvery Second an Ocean\u201c, vor. Katrin Riedl vom \u201eMetal Hammer\u201c findet, das Album sei zu lang (es seien immerhin 14 St\u00fccke drauf). Das macht nichts, die etwas \u00fcber 43 Minuten Zeit habe ich heute gerade noch.\nDiese etwas \u00fcber 43 Minuten f\u00fcllen die Musiker mit einer bisweilen hypnotischen (\u201eAs Close As It Gets\u201c), manchmal ruhigen (\u201eEvery Second an Ocean\u201c), immer aber fordernden Melancholie, die breitfl\u00e4chig daherkommt und trotzdem (Sprachbilder in Musikrezensionen sind ja immer so eine Sache) zerbrechlich bleibt, wobei der S\u00e4ngerin bemerkenswert emotionaler Stimme sicherlich ein gro\u00dfer Anteil an der perfekten Verzahnung von Stimmung und Musik zuteilkommt. Dass manche Wechsel etwas \u00fcberraschend scheinen, so l\u00f6st etwa das f\u00fcr The-Cure-Freunde vermutlich noch genussbietendere, schwungvolle \u201eIgnoring People\u201c die letzten Kl\u00e4nge des den H\u00f6rer sanft wiegenden Titelst\u00fccks ab, spricht f\u00fcr die Klasse, die Grundeis hier beweisen.\n\u201eZu lang\u201c. Pfff. Der \u201eMetal Hammer\u201c ist zu lang. \u201eEvery Second an Ocean\u201c hingegen ist genau richtig. Chapeau.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nUlnaris \u2013 futur pass\u00e9\nMal wieder etwas Albernes zwischendurch. Das kann ich guten Gewissens kurz halten, denn \u201efutur pass\u00e9\u201c, f\u00fcnf Lieder und keine vierzehn Minuten lang, ist es auch.\nUlnaris kommen aus dem Saarland, nat\u00fcrlich wird auf Franz\u00f6sisch gesungen. Dies \u00fcbernimmt \u00c9lodie Brochier, namentlich das einzige Bandmitglied, zu dem das auch passt. Nun ist es ja so, dass ich mit franz\u00f6sischsprachigem Gesang bekanntlich kaum etwas anzufangen wei\u00df, weil ich die Sprache weder beherrsche noch mag, sieht man von der abgedrehten Avantgarde ab. So ist es auch hier, denn das, was die drei Musiker und eine S\u00e4ngerin hervorbringen, muss man wohl als eine Art Avantgardepunk bezeichnen.\nIm Grunde n\u00e4mlich funktioniert die Musik von Ulnaris jedenfalls auf \u201efutur pass\u00e9\u201c so, dass Gitarre, Bass und Schlagzeug ein nur auf den ersten Blick gew\u00f6hnliches Punkfundament legen, dessen stilistische Vorhersehbarkeit aber hier gefesselt und geknebelt in den Keller gesperrt wurde. Oft hat Punk Ber\u00fchrungspunkte mit Ska und Reggae, der Punk von Ulnaris ber\u00fchrt alles. Dar\u00fcber singt, fl\u00fcstert und jubelt \u00c9lodie Brochier auf eine derart verspielte Weise, dass es eine wahre Freude ist.\nZu meinem Bedauern gibt es \u201efutur pass\u00e9\u201c nur als Download und/oder Stream, daher schreibe ich hier nicht: Was f\u00fcr eine verr\u00fcckte, geile Scheibe! Stattdessen schreibe ich also: Was f\u00fcr ein verr\u00fcckter, geiler Download und/oder Stream! Davon gern mehr.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nThe Body \u2013 The Crying Out of Things\n\u201eDreams are worthless while in the hold of what we now know\u201c (Last Things)\nIch mag ja Musikalben, die so hei\u00dfen, wie sie klingen. \u201eThe Crying Out of Things\u201c ist eines von ihnen.\nBert Kaempfert hat mal gesagt, er m\u00f6chte \u201eMusik machen, die nicht st\u00f6rt\u201c, ich jedoch m\u00f6chte Musik h\u00f6ren, die st\u00f6rt. Hier bin ich richtig aufgehoben, hier f\u00fchle ich mich wohl. Dabei beginnt es mit \u201eLast Things\u201c noch beinahe harmlos, als h\u00e4tten Aereogramme sich von Trent Reznor produzieren lassen. Zum Gl\u00fcck t\u00e4uscht das.\nNahezu alles, was nach den ersten paar Momenten auf \u201eThe Crying Out of Things\u201c geschieht, ist n\u00e4mlich das genaue Gegenteil von Harmlosigkeit, mithin ein aus elektronischer Tanzmusik, Joy-Division-Bootlegs (\u201eAll Worries\u201c) und exorzistisch wertvoller Urschreitherapie gekonnt komponierter Krach, von dem ich noch w\u00e4hrend des H\u00f6rens das dringende Bed\u00fcrfnis bekam, mir erst mit einem Hammer auf die Finger zu hauen und dann die Schallplatte zu kaufen. Die ist ganz h\u00fcbsch, wenn ich das richtig gesehen habe. Deutlich aus dem Rahmen f\u00e4llt allenfalls das zweieinhalbmin\u00fctige \u201eThe Citadel Unconquered\u201c, das sich auch von einem der h\u00e4rteren Nebenprojekte von Godspeed You! Black Emperor nicht allzu schlecht machen k\u00f6nnte.\nIrgendwo im Internet las ich, dieses Album h\u00f6re sich an wie der Moment, an dem man das Bewusstsein nach einem Autounfall verliert und/oder zur\u00fcckerlangt. Kann schon sein. Es ist ganz gro\u00dfartiger Radau f\u00fcr Menschen wie mich, die Musik m\u00f6gen, die jede Tanzfl\u00e4che augenblicklich leeren. Warum tanzen, wenn man sich auch anders abregen kann?\nGef\u00e4llt mir.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\nSleepytime Gorilla Museum \u2013 of the Last Human Being\nUnd da wir gerade beim Krach waren: Nach einer l\u00e4ngeren Pause mit vielerlei sonstigen Projekten haben Sleepytime Gorilla Museum, die von 2001 bis 2007 mit Zirkusmetal (den Begriff habe ich mir gerade ausgedacht) die Progressive-Rock-Szene zumindest nicht kalt gelassen haben, in gleicher Besetzung das seit 2011 angek\u00fcndigte Album \u201eof the Last Human Being\u201c mittlerweile fertiggestellt und rausgebracht.\nDer fr\u00fchere Perkussionist Moe! Staiano \u2013 das Ausrufezeichen scheint Teil des Namens zu sein \u2013 l\u00e4sst hier als Gast im tats\u00e4chlich treibenden This-Heat-Cover \u201eS. P. Q. R.\u201c noch einmal von sich h\u00f6ren. Ob er fehlt, wie das Internet es formuliert, vermag ich nicht abschlie\u00dfend zu beurteilen, jedenfalls aber bekommen die \u00fcbrigen f\u00fcnf Musiker auch ohne ihn einen ordentlichen Rhythmus zustande. Gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen im Stil sind ohnehin ausgeblieben. Mich freut, dass Musiker auch nach \u00fcber zehn Jahren mit solcher Musik nicht die Lust daran verlieren.\nModern sind immerhin die Texte: \u201eThe Gift\u201c etwa kritisiert die Allgegenwart von Computertechnik, die S\u00e4nger (nach wie vor M\u00e4nnlein und Weiblein) schlagen stattdessen vor: Geh doch mal wieder raus! (Wissen die eigentlich, wie kalt es ist?) In \u201eSave It!\u201c meine ich gar Anleihen an Primus zu erkennen, aber Sleepytime Gorilla Museum bleiben trotzdem auch 2024 noch ganz sie selbst, reichlichen Geigeneinsatz eingeschlossen. Mit dem \u201eRose-Colored Song\u201c klingt das Album ebenso ruhig und unaufgeregt aus wie diese Liste.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL.\n\n\n\nReicht? Reicht. Wie 2025 das \u00fcberbieten will, wei\u00df ich nicht, aber ich hoffe, die Musiker und Produzenten betrachten das als Ansporn und nicht als ausweglose Situation. Der Musikfreund dankt\u2019s. Alles \u00dcbrige in einem Jahr an dieser Stelle.\nKommentaremike schrob am 1. Januar 2025 dies: +1Anonym schrob am 8. Januar 2025 dies: Bei Nummer 19 passt der Titel nicht zum Text, Vessel ist bereits als Nummer 16 rezensiert worden.\nMan merkt halt, dass dir das Album gefallen hat tux0r schrob am 8. Januar 2025 dies: Wieso? Da stand doch nie was anderes! \u2026\n\n(Ja, hat es.)Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 27 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Ein Jahr ist vorbei und ihr wisst, was das hei\u00dft: Die Liste meiner <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">bevorzugten Alben des Jahres</span> bedarf wieder eurer ungeteilten Aufmerksamkeit. Es k\u00f6nnte das letzte Mal sein, dass ich es euch so einfach mache: Der au\u00dferordentlich unh\u00f6fliche Konzern Songtradr hat 2023 <a href="\&quot;https://www.vulture.com/article/epic-games-bandcamp-sale-layoffs.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp halbiert.</a> Ich w\u00fcrde ja gern mit positiven Aussichten das Musikjahr 2023 verabschieden, aber ich kann nicht. Ich kann einfach nicht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> hat 2023 mit \u201eThe Harmony Codex\u201c ein weiteres vielger\u00fchmtes Album mit Stampfpop (na gut: <i>artpop</i>) rausgebracht. Die Rezensenten waren wie \u00fcblich <i>hin und weg</i>, weil man Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span>!) ja nicht einfach ignorieren <i>darf</i>. Ich wollte das Album <i>eigentlich</i> selbst nicht h\u00f6ren (der Vorg\u00e4nger \u201eThe Future Bites\u201c war <i>wirklich schlimm</i>, aber ich hatte zu viel Zeit und fasse mich mal kurz: Ich w\u00fcnschte, Popmusik w\u00fcrde mich interessieren. 2024 werde das \u201eJahr der Popfrauen\u201c, mutma\u00dfte die \u201eFrankfurter Allgemeine Sonntagszeitung\u201c im Dezember. Das hoffe ich doch einfach mal nicht.</p>\n<p>Dass es im j\u00fcngst <i>abgelaufenen</i> Jahr trotzdem ziemlich gute Musik gab, sei hier dennoch nicht verschwiegen. Einiges davon, n\u00e4mlich die jeweiligen Alben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2023/02/kuerzestkritik-uriah-heep-chaos-colour/\&quot;" data-wpel-link="internal">Uriah Heep</a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2023/03/kurzkritik-poil-ueda/\&quot;" data-wpel-link="internal">PoiL Ueda</a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2023/04/kurzkritik-scheissediebullen-simulation-eines-guten-lebens/\&quot;" data-wpel-link="internal">scheissediebullen</a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2023/06/kurzkritik-sigur-ros-atta/\&quot;" data-wpel-link="internal">Sigur R\u00f3s</a>, hatte ich schon fr\u00fcher im Jahr positiv bewertet. Siebzehn weitere gelungene Werke folgen im Folgenden. Es m\u00f6ge euch von Nutzen sein.</p>\n<p><span id=\"more-21562\"></span></p>\n<hr>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/atsuko-chiba-water-it-feels-like-its-growing.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_atsuko-chiba-water-it-feels-like-its-growing.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Atsuko Chiba \u2013 Water, It Feels Like It\u2019s Growing</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Atsuko Chiba</span>, der Name verr\u00e4t es schon, stammen aus Montr\u00e9al (Kanada), sind also mit einer florierenden Postrockszene vertraut. \u201eWater, It Feels Like It\u2019s Growing\u201c ist ihr drittes Studioalbum und war der erste wirkliche <i>Knaller</i> des Jahres. Also nicht im Wortsinne jetzt.</p>\n<p>Ich h\u00f6re <i>weitgehend</i> Rockmusik mit dem <i>gewissen Etwas</i>. Adjektiv? <i>Tanzbar</i>. Das Dargebotene ist vielschichtig, \u00fcberall und st\u00e4ndig passiert etwas, aber man schafft es kaum, sich darauf zu konzentrieren, weil der Mahlstrom an Musik rhythmisch vorantreibt. Nicht innehalten. Bewegen. Die immer noch untersch\u00e4tzten <span class=\"musik-review-bandname\">Crippled Black Phoenix</span> fallen mir als Vergleich (auf und) ein.</p>\n<p>Das Titelst\u00fcck flie\u00dft zum Abschluss des Albums eher z\u00e4h, jazz-trippig aus dem Kopfh\u00f6rer, ohne dabei Komplexit\u00e4t zu opfern. Ein Album, das sich zu kurz <i>anf\u00fchlt</i>. Atsuko Chiba ist eine Figur aus dem japanischen Anime \u201ePaprika\u201c (noch so ein japanischer Name) von 2006. Ich mag keine Animes. Die Musik ist aber gut.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0BFRXZ7FB?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/249315108\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://atsukochiba.bandcamp.com/album/water-it-feels-like-its-growing\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/hong-faux-desolation-years.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_hong-faux-desolation-years.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Hong Faux \u2013 Desolation Years</span>\n<p>Hong, so sagt\u2019s der Wissensschatz, sei unter anderem eine Marienk\u00e4ferart. <span class=\"musik-review-bandname\">Hong Faux</span>, ein falscher Marienk\u00e4fer also? Das schwedische Quartett dieses Namens spielt jedenfalls eine Musik derjenigen Art, die mit Marienk\u00e4fern wenig gemein hat.</p>\n<p>Irref\u00fchrend ist auch der Beginn von \u201eDesolation Years\u201c, des aktuellen Albums der vier Herren, denn das, was ich zun\u00e4chst f\u00fcr grollenden Stoner hielt, geht sp\u00e4ter \u00fcber in <i>gut gemachten</i> Indierock mit mitunter mehrstimmigem Powergesang. Yeah. Die \u201eVISIONS\u201c zitiert die <span class=\"musik-review-bandname\">Foo Fighters</span> (offensichtlich in \u201eStarkiller\u201c), <span class=\"musik-review-bandname\">Clutch</span> (mag ich) und <span class=\"musik-review-bandname\">Queens of the Stone Age</span> (haben auch so ihre Momente) als Einfl\u00fcsse. Dem zu widersprechen liegt mir fern. \u201eDesolation Years\u201c, \u201etrostlose Jahre\u201c \u2013 der Titel deutet erdige Kl\u00e4nge an und daran mangelt es hier nicht. Trockene Musik f\u00fcr die trockene W\u00fcste. Bl\u00f6d, dass ich diese Rezension im Winter zu Ende bringe. Aber das Album behalte ich ja noch etwas l\u00e4nger; im Sommer k\u00f6nnte ich es noch mal brauchen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Desolation-Years-Hong-Faux/dp/B0CMTT8XQF/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/273097604\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/mspaint-post-american.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_mspaint-post-american.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">MSPAINT \u2013 Post-American</span>\n<p>Wenn man <span class=\"musik-review-bandname\">MSPAINT</span> hei\u00dft, dann muss man wahrscheinlich genau so was machen wie die Musikgruppe gleichen Namens aus Mississippi, die von sich behauptet, sie w\u00fcrde \u201eTanzpunk\u201c hervorbringen. Auf ihrem ironisch \u201ePost-American\u201c genannten 2023er Album ist davon auch tats\u00e4chlich etwas zu h\u00f6ren, wobei der Tanz- dem Punkfaktor \u00fcbergeordnet scheint.</p>\n<p>Sicher: Es gibt w\u00fctende Gitarren und zornigen Gesang (oft vielmehr: Gerufe), aber der Rezensent (= ich) erwischt sich doch \u00f6fter beim Mitwippen als beim Sitzpogo. Das wirklich gro\u00dfartige \u201eDelete It\u201c, eins dieser Lieder, an denen ich mich immer noch vergebens sattzuh\u00f6ren versuche, ist eins von zwei Liedern auf diesem Album, auf denen Gastmusiker zu h\u00f6ren sind \u2013 in \u201eDelete It\u201c ist es <span class=\"musik-review-bandname\">Ian Shelton</span>, S\u00e4nger der Post-Hardcore-Combo <span class=\"musik-review-bandname\">Militarie Gun</span>, auf \u201eDecapitated Reality\u201c singt <span class=\"musik-review-bandname\">Pierce Jordan</span> der mir bislang unbekannten <span class=\"musik-review-bandname\">Soul Glo</span>. Eine gewisse stilistische Stringenz ist dabei erkennbar, \u201eFree From the Sun\u201c etwa glaube ich schon zuvor auf demselben Album so \u00e4hnlich geh\u00f6rt zu haben, aber das macht ja nichts, so lange es gut ist. In der Tat schw\u00e4cheln <span class=\"musik-review-bandname\">MSPAINT</span> auf \u201ePost-American\u201c kaum, sondern gehen <i>gut ab</i>. Das haben sie dem Malprogramm voraus.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0BW9QYHBX?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/277847837\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://mspainthattiesburg.bandcamp.com/album/post-american\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/shem-iii.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_shem-iii.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Shem \u2013 III</span>\n<p>Das (ja, huch!) dritte Studioalbum des Stuttgarter Psychedelic-Kollektivs <span class=\"musik-review-bandname\">Shem</span> \u2013 dessen Bandcampseite witzigerweise \u201eShemtrails\u201c hei\u00dft, hehe, wegen Chemtrails \u2013 m\u00f6ge die j\u00e4hrliche Dosis Postrock einleiten. Zwar spielt es nicht das alte Laut-leise-Spiel mit, doch ist die instrumentale Reise (im fast dreimin\u00fctigen \u201eLamentum\u201c, leider ausgeblendet mit einem bl\u00f6den <i>fade-out</i>, gibt es erstmals textlosen Gesang, ebenso im abschlie\u00dfenden \u201eRefugium\u201c) von Gitarren getragen.</p>\n<p>Die unklare Anzahl an Musikern (es handelt sich immerhin um ein \u201eKollektiv\u201c) r\u00fchrt kr\u00e4ftig im Topf der \u201eKosmischen Musik\u201c, bedient sich dabei aber moderner Mittel. Der H\u00f6rer wird mitgenommen auf eine Klangreise in den (mentalen) Wolken, nat\u00fcrlich hat man das schon mal geh\u00f6rt.</p>\n<p>Das Album ist unter 40 Minuten lang, es <i>f\u00fchlt sich</i> nicht l\u00e4nger an als eine halbe Stunde. Schade eigentlich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://shemtrails.bandcamp.com/album/iii\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/when-plagues-collide-an-unbiblical-paradigm.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_when-plagues-collide-an-unbiblical-paradigm.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">When Plagues Collide \u2013 An Unbiblical Paradigm</span>\n<p>2023 erschienen manche gar nicht mal \u00fcble Alben, die in irgendeine Metalcorespielart einzusortieren sind. Dazu z\u00e4hlen Alben wie \u201eSilhouettes of Disgust\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Downfall of Gaia</span>, das hier separat aufzuf\u00fchren mir nur meine Faulheit verbietet, noch viel mehr aber lohnt sich ein Blick auf das europ\u00e4ische Ausland. Deutsche Musikalben werden hierzulande schon viel zu ausf\u00fchrlich gew\u00fcrdigt.</p>\n<p>2016 fanden <i>ausgerechnet</i> in Belgien f\u00fcnf, nun, Musiker zusammen, um gemeinsam Ger\u00e4usche hervorzubringen, die gemeinhin als \u201eSymphonic Deathcore\u201c, \u201esinfonischer Todeskern\u201c also, etikettiert werden. \u201eSymphonic Deathcore\u201c muss man sich ungef\u00e4hr wie folgt vorstellen: Man wohnt einem klassischen Konzert mit gro\u00dfem Orchester bei, hat aber in einem Ohr einen dieser uns\u00e4glichen Ohrstecker, in dem ein Metalgitarrist stundenlang dasselbe Riff spielt, begleitet von einem Schlagzeuger, der Hummeln im Hintern hat und <i>wirklich w\u00fctend</i> auf seine Exfreundin ist, deren neuen Freund er in Form eines Fotos auf seine Felle geklebt hat. Kurz nach Beginn des Konzerts springt Batman aus demjenigen Paralleluniversum, in dem er seit 50 Jahren Kettenraucher und \u00fcberdies leicht erk\u00e4ltet ist, auf die B\u00fchne und versucht ein st\u00f6rrisches, jedoch taubstummes Kind dazu zu bewegen, endlich mal sein Zimmer aufzur\u00e4umen.</p>\n<p>Dieser Art von Musik, zumal deren Interpret \u201eWenn Plagen kollidieren\u201c hei\u00dft, kommt eine anstrengende Gesamtsituation wie die, in der die Welt sich im Zeitrahmen der Aufnahme und der Ver\u00f6ffentlichung von \u201eAn Unbiblical Paradigm\u201c (so hei\u00dft deren zweites Album) befand, freilich zupass und dem Verfasser dieser Zeilen ebenso; gelegentlich zieht es mich ja dazu, mich aus dem Kopfh\u00f6rer anbr\u00fcllen zu lassen. Das abschlie\u00dfende \u201eIn alle stilte\u201c (das ist Ausl\u00e4ndisch und hei\u00dft \u201eIn aller Stille\u201c) macht es mit seinem beinahe melodischen Wesen und dem dazu erz\u00e4hlten Text (es mag Fl\u00e4misch sein, das kann ich nicht) fast kaputt; aber eben nur fast.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Unbiblical-Paradigm-When-Plagues-Collide/dp/B0C4CV477J/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/280740596\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://whenplaguescollide.bandcamp.com/album/an-unbiblical-paradigm\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/vertonen-einige-schadstoffe.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_vertonen-einige-schadstoffe.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Vertonen \u2013 Einige Schadstoffe</span>\n<p>Ich halte nicht viel von der Verwendung des schrecklichen Begriffs <i>Liefern</i> im Zusammenhang mit musikalischen oder sonstigen k\u00fcnstlerischen Werken, denn zwar <i>liefert</i> mir ein Bote bisweilen neue Schallplatten, die K\u00fcnstler selbst <i>liefern</i> jedoch nur selten. Das ist auch nicht ihre Aufgabe.</p>\n<p>Daher werde ich hier auch nicht auf die Formulierung zur\u00fcckgreifen, die Helen Scarsdale Agency <i>liefere</i> zuverl\u00e4ssig v\u00f6llig kaputte Musik, obwohl ich diesen Eindruck bereits <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2023/01/musik-12-2022-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">seit Januar 2023</a> mit mir herumtrage. Mit <span class=\"musik-review-bandname\">Vertonen</span> \u2013 so nennt sich ein Avantgardemusiker aus Chicago nicht ganz grundlos, obwohl ich nicht so genau wei\u00df, <i>was</i> er eigentlich vertont \u2013 hat die \u201eAgency\u201c einen weiteren Musiker im Programm, der v\u00f6llig kaputte Musik hervorbringt. Gut, was habe ich von einem Album auch erwartet, das \u201eEinige Schadstoffe\u201c hei\u00dft?</p>\n<p>Aufgenommen wurde das Album 2022, ver\u00f6ffentlicht wurde es trotzdem erst im April 2023. Als Musikinstrumente kommen ein Synthesizer, Feldaufnahmen, Kurzwellenger\u00e4te und Altmetall zum Einsatz. Was <i>vertont</i> wurde, vermag ich nicht zu beurteilen; Banausen w\u00fcrden jetzt \u201eganz klar ein Autounfall\u201c schreiben, aber ich bin ja kein Banause, sondern <i>mag Krach</i>. Das Album sei eine Hommage an die klassische Phase des Industrial Noise, erz\u00e4hlt der Pressetext (welche Presse auch immer man mit dieser Art von Musik erreichen will). Das kann durchaus sein. Bezug genommen wird unter anderem auf <span class=\"musik-review-bandname\">Throbbing Gristle</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Maurizio Bianchi</span>. Dem kann ich nicht widersprechen. \u201eEinige Schadstoffe\u201c ist ein Album mit lose strukturierten Ger\u00e4uschen, das mich \u00fcberdies mitunter an \u201eRavvivando\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> denken l\u00e4sst. Ab und zu gibt es Sprachfetzen, die zu verstehen ich gerade zu eingenommen von der auf mich einprasselnden Atmosph\u00e4re bin. V\u00f6llig kaputt. Gro\u00dfartig.</p>\n<p>Das Album gibt es nur als Download und auf Kassette. Passt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://helenscarsdale.bandcamp.com/album/einige-schadstoffe\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/orsak-oslo-in-irons.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_orsak-oslo-in-irons.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Orsak:Oslo \u2013 In Irons</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Orsak:Oslo</span> ist eine Musikgruppe aus, nun ja, haupts\u00e4chlich Oslo. \u201eOrsak\u201c ist Schwedisch und hei\u00dft Ursache oder Grund. Ich finde, Oslo ist ein akzeptabler Grund.</p>\n<p>Die Gruppe hei\u00dft also gar nicht so seltsam wie ihre St\u00fccke. Auf dem zweiten Studioalbum \u201eIn Irons\u201c setzen <span class=\"musik-review-bandname\">Orsak:Oslo</span> ihre auf 13 EPs und dem Deb\u00fctalbum begonnene Tradition, ihre Lieder zu nummerieren (und das nicht mal konsequent), jedenfalls fort: Die f\u00fcnf St\u00fccke hei\u00dfen \u201e068 The Swell\u201c, \u201e079 Dutchman\u2019s Wake (Part I)\u201c, \u201e069 In What Way Are You Different\u201c, \u201e078 The Mute (Part II)\u201c und \u201e074 Hadal Blue\u201c. Angenommen, es w\u00e4re hier eine gewisse Chronologie verewigt, was Sinn erg\u00e4be (auf der Deb\u00fct-EP war Nummer 8 drauf), geb\u00fchrt den Musikern schon wegen ihrer Produktivit\u00e4t meine Hochachtung.</p>\n<p>Zu h\u00f6ren ist, die L\u00e4nge (\u201eHadal Blue\u201c schafft es als mit Abstand l\u00e4ngstes St\u00fcck auf nahezu 17 Minuten Laufzeit) k\u00f6nnte es verraten haben, keine gew\u00f6hnliche Alltagsmusik. Die vier Herren haben tief ins Krautglas gegriffen und pr\u00e4sentieren zu vortrefflich polterndem Bass und dem guten, alten Motorikbeat mal <i>klassische</i> <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>-Reminiszenzen, mal gitarrenorientierten Postrock \u00e1 la <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span>. Zur Veranschaulichung: \u201e079 Dutchman\u2019s Wake (Part I)\u201c ist zu einem nennenswerten Teil ein versiertes Gitarrensolo, das dem psychedelischen Grundmotiv nicht etwa zuwiderl\u00e4uft, sondern es vielmehr unterstreicht. Texte gibt es kaum, sieht man von etwas mittendrin Gesprochenem ab, auf das ich aber nicht geachtet habe, weil ich zu sehr damit besch\u00e4ftigt war, mich von der Wirkung einnehmen zu lassen. Andere nehmen Drogen, ich h\u00f6re solche Musik. Legalize it.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Irons-Vinyl-LP-Orsak-Oslo/dp/B0BZ325PGD/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/281947641\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://orsakoslo.bandcamp.com/album/in-irons\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/mutoid-man-mutants.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_mutoid-man-mutants.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Mutoid Man \u2013 Mutants</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">I\u2019m in love with my gravekeeper / I said, \u201eHey, make that hole deeper\u201c</span> (Graveyard Love)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Mutoid Man</span> ist der Name einer dreik\u00f6pfigen und sechsarmigen New Yorker <i>supergroup</i>, bestehend aus Mitgliedern von <span class=\"musik-review-bandname\">Cave In</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Converge</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">High On Fire</span>. Die schon oft gesehene Besetzung (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass) deutet, verbunden mit den Stammbands der Musiker, v\u00f6llig zu Recht in eine gewisse stilistische Richtung: Metalcore, Punk, <i>irgendwie so</i>; und tats\u00e4chlich: Wirbelnde Gitarrenl\u00e4ufe tragen auf \u201eMutants\u201c komplexe Rockmusik mit Bewegungswillen.</p>\n<p><i>Im Internet</i> wurde geschrieben, der Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Mutoid Man</span> fehle eigentlich nur noch <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span>. Stimmt schon; zumal manche Lieder auch das richtige Ma\u00df an Witz aufweisen, etwa das eingangs zitierte \u201eGraveyard Love\u201c.</p>\n<p>Mir gef\u00e4llt \u00fcbrigens das Coverbild. Es ist so farbenfroh und energiereich wie das Geh\u00f6rte <i>und</i> es hat sogar was mit dem Titel des Albums zu tun. Zum er\u00f6ffnenden St\u00fcck \u201eCall of the Void\u201c gibt es ein <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=wdQFzJIG-dU\&quot;" data-wpel-link="internal">seltsames Musikvideo</a>, es legt nicht die schlechteste Grundlage f\u00fcr den Konsum von \u201eMutants\u201c. Ein Album f\u00fcr diejenigen Momente, in denen quirliger Gitarrenkrach das Einzige ist, was den Tag noch retten k\u00f6nnte.</p>\n<p>Zum Gl\u00fcck sind die Weihnachtsm\u00e4rkte erst mal wieder vorbei.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Mutants-Mutoid-Man/dp/B0C159W67C/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/278616969\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://mutoidman.bandcamp.com/album/mutants\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/kvelertak-endling.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_kvelertak-endling.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Kvelertak \u2013 Endling</span>\n<p>\u201e<span class=\"musik-review-bandname\">Kvelertak</span> aus Norwegen spielen instrumentalen Hardrock\u201c wollte ich eigentlich schreiben, aber dann setzte nach schlappen vier Minuten der S\u00e4nger ein. Also noch mal von vorn: <span class=\"musik-review-bandname\">Kvelertak</span> aus Norwegen tourten vor einer Weile unter anderem mit <span class=\"musik-review-bandname\">Mutoid Man</span> und spielen \u2013 insofern kaum \u00fcberraschend \u2013 <i>ganz normalen</i> Hardrock mit Metal- und Punkanleihen. Ich habe keine Ahnung, worum es in den norwegischsprachigen Texten geht. Hoffentlich nicht um Schweinkram, <a href="\&quot;https://blabbermouth.net/news/kvelertak-announces-new-album-endling\&quot;" data-wpel-link="internal">angeblich</a> um historische und zeitgen\u00f6ssische sterbende V\u00f6lker in Norwegen. Gutes textliches Motiv f\u00fcr eine Hardrockband.</p>\n<p>Zumindest in der ersten H\u00e4lfte des Albums dominiert der instrumentale Bestandteil der Musik deutlich, dann kommt derjenige Aspekt zum Tragen, der die Aufnahme in diese Liste zur Folge hatte: <span class=\"musik-review-bandname\">Kvelertak</span> <i>rocken</i>, und das wirklich gut mit ordentlich <i>groove</i>. Ein- und ausgeblendet wird das Album mit einem Rauschen, was immerhin weniger bl\u00f6d als das heutzutage immer noch \u00fcbliche blo\u00dfe Ausblenden ist. Hinsichtlich der Instrumente, die hier zum Einsatz kommen, steht diversen Gitarren auch ein Banjo (\u201eD\u00f8geniktens Kvad\u201c) zur Seite. Das am\u00fcsiert mich.</p>\n<p>\u201eTanzbar\u201c sei \u201eEndling\u201c, las ich anderswo, und ich kann ja sogar zu Walzer nicht tanzen und bewerte das daher erst mal nur als Information.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Endling-Kvelertak/dp/B0C25TCNG6/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/284604680\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/bolt-05.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_bolt-05.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">[ B O L T ] \u2013 ( 0 5 )</span>\n<p>Die Wiederentdeckung der Langsamkeit ist in hektischen Zeiten wie den unsrigen von so gro\u00dfer Wichtigkeit wie selten zuvor. Da kommen die Duisburger von <span class=\"musik-review-bandname\">[ B O L T ]</span> mit ihrem 2023er Album \u201e( 0 5 )\u201c gerade recht.</p>\n<p>Die verhaltene Perkussion schon zu Beginn des Albums (\u201e[ 3 2 ]\u201c, die St\u00fccke tragen nicht chronologisch sortierte Nummern und selten zus\u00e4tzliche Titel) tr\u00fcgt: Haupts\u00e4chlich spielen die drei Herren \u2013 zwei am Bass, einer am Schlagzeug \u2013 \u201eBlack Drone Metal\u201c, das ein Genre sein soll und ein bisschen wie eine Fr\u00fchlingsversion von <span class=\"musik-review-bandname\">Sunn O)))</span> klingt. Die Leerzeichen im Gesamten sind so treffend, dass die Musiker <i>eigentlich</i> alles \u00dcbrige auch weglassen k\u00f6nnten. Das von mir als Kernst\u00fcck des Albums identifizierte \u201e[ 3 7 ]\u201c, fast 22 Minuten lang, w\u00e4re in <i>normaler</i> Geschwindigkeit wahrscheinlich radiokompatibel (wenn auch sicher nicht \u2011tauglich), dennoch w\u00fcrde ich nichts k\u00fcrzen oder beschleunigen wollen. Das St\u00fcck \u2013 <i>das Album</i> \u2013 klingt wie ein Sommermorgen nach dem Krieg, ein \u201eschizophrenes Szenario\u201c (Mike Langer). <span class=\"musik-review-bandname\">Dennis Strillinger</span> trommelt in die kakophonische Dystopie hinein, die die gerade abgezogenen Marodeure von der einst bl\u00fchenden Stadt, die in den Melodien noch zu erahnen ist, \u00fcbrig gelassen haben.</p>\n<p>Irgendwo in der Musik sei ein Zeichen der Hoffnung zu finden, wortsalatiert der Pressetext (haha, welche Presse?) zum Album. Dieses Zeichen kommt sp\u00e4t (\u201e[ 4 0 ] / Petite fleur des champs\u201c), aber es kommt mit Wucht: Hinter dem schleppenden Dr\u00f6hnen singt und fl\u00fcstert <span class=\"musik-review-bandname\">Sura Sol</span>, die ich immerhin bislang auch nicht kannte, f\u00fcr mich aus Abmischgr\u00fcnden schwer Verst\u00e4ndliches, doch sch\u00f6n Klingendes, in mir unbekannter Sprache. Mit Gesang hatte ich an dieser Stelle nicht gerechnet, aber er <i>passt</i>. Das Lied klingt sanft, beinahe sakral, aus und geht ins ebenso ruhig beginnende letzte St\u00fcck \u201e[ 2 9 ]\u201c \u00fcber. Die Ruhe nach dem Sturm mag keine Aufregung. Das kann ich verstehen. Nach etwa zwei Minuten entschlie\u00dft sich \u201e[ 2 9 ]\u201c dann aber doch dazu, den Mitwipp- und Mitnickfaktor zu vervielfachen. Vielen Dank. Sch\u00f6nes Album, sch\u00f6nes Ende.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/285845539\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://wearebolt.bandcamp.com/album/0-5\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/akira-sakata-toshimaru-nakamura-raiga-hayashi-kinjo-no-tabibito.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_akira-sakata-toshimaru-nakamura-raiga-hayashi-kinjo-no-tabibito.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Akira Sakata, Toshimaru Nakamura, Raiga Hayashi \u2013 Kinjo no Tabibito</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Akira Sakata</span> (Altsaxophon und Klarinette) ist ein Free-Jazz-Musiker, <span class=\"musik-review-bandname\">Toshimaru Nakamura</span> (Mischpult) ist ein Improvisationsmusiker und <span class=\"musik-review-bandname\">Raiga Hayashi</span> ist \u2013 dar\u00fcber schweigt die Wikipedia \u2013 zumindest hier ein Schlagzeuger. Zu dritt nahmen die drei Japaner vor ein paar Monaten unter anderem das Album \u201eKinjo no Tabibito\u201c auf, das man wahrscheinlich ungef\u00e4hr \u8fd1\u6240 \u306e\u65c5\u4eba schreiben <i>sollte</i>, was ungef\u00e4hr \u201eReisende in der Nachbarschaft\u201c bedeutet.</p>\n<p>Die Tonqualit\u00e4t erinnert nicht zuf\u00e4llig an eine Livesituation: Aufgenommen wurden beide St\u00fccke, die \u00fcberdies \u201e1st Set\u201c und \u201e2nd Set\u201c hei\u00dfen, am 5. M\u00e4rz <i>live</i> in Tokio. Das hier verwendete Mischpult weist die Besonderheit auf, dass es keine externen Eing\u00e4nge hat, so dass das sonstige Gespielte eben nicht <i>gemischt</i> wird, sondern vielmehr ein Spiel mit elektronischen Kl\u00e4ngen betrieben wird. <a href="\&quot;https://daily.bandcamp.com/lists/toshimaru-nakamura-discography-list\&quot;" data-wpel-link="internal">Auf Bandcamp</a> gibt es einen (englischsprachigen) Artikel \u00fcber das Instrument (bzw. das Eben-nicht-Instrument), den weiter zu zitieren m\u00f6glicherweise den Rahmen dieses Textes sprengen w\u00fcrde, weshalb ich darauf verzichte.</p>\n<p>Die im Titel des Albums erw\u00e4hnte Reise f\u00fchrt \u00fcber holprigen Untergrund, stelle ich fest: Auf die Ohren gibt es vor allem hektischen Instrumentaljazz, wor\u00fcber <span class=\"musik-review-bandname\">Akira Sakata</span> gelegentlich eine japanischsprachige Geschichte murmelt. Man sehe mir nach, dass ich die Texte beim H\u00f6ren nicht sofort zu \u00fcbersetzen imstande war. Es ist den Musikern zu w\u00fcnschen, dass in der <i>Nachbarschaft</i> Jazz zumindest nicht unerw\u00fcnscht ist. Ich mag Jazz.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://meenna.bandcamp.com/album/kinjo-no-tabibito\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/kraan-zoup.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_kraan-zoup.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Kraan \u2013 Zoup</span>\n<p>Zu den wenigen angenehmen Dingen, die 2023 passiert sind, geh\u00f6rt auch, dass viele der <i>Alten</i> gezeigt haben, dass sie <i>es</i> musikalisch immer noch <i>k\u00f6nnen</i>. Die deutlich verj\u00fcngte Mannschaft von <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> brachte ebenso ein neues <i>ganz gutes</i> Album <i>raus</i> wie die deutsche Krautrocklegende <span class=\"musik-review-bandname\">Guru Guru</span>, die immer noch den \u201eElektrolurch\u201c auf ihren Alben schwingen.</p>\n<p>Deren Wegbegleiter und Landsleute von <span class=\"musik-review-bandname\">Kraan</span>, die es \u2013 zehn Jahre Pause eingeschlossen \u2013 auch schon seit 1970 gibt, scheinen aber noch ebenso hungrig zu sein, so dass es 2023 zu einem neuen Album namens \u201eZoup\u201c kam. Das hei\u00dft Suppe, glaube ich. Das Coverbild verstehe ich nicht. Gibt es Vogelsuppe? Zutaten: <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span>, ein paar Essl\u00f6ffel <span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span> (\u201ePlain Vanilla\u201c) und eine Prise AOR (\u201eTwisted\u201c).</p>\n<p>Wie bei einem guten Eintopf k\u00f6nnen die Musiker hier insofern wenig falsch machen, denn sie bleiben bei ihrem bew\u00e4hrten Konzept. Die eingebrockte Suppe auszul\u00f6ffeln s\u00e4ttigt nicht, aber schmeckt. Ich w\u00fcnsche guten Appetit.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Zoup-Kraan/dp/B0CL1BTFYZ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/321688778\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://kraan.bandcamp.com/album/zoup\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/citrus-citrus-albedo-massima.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_citrus-citrus-albedo-massima.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Citrus Citrus \u2013 Albedo Massima</span>\n<p>Wie es der Titel des Albums f\u00fcr uns Vielgereiste schon vorschl\u00e4gt, ist <span class=\"musik-review-bandname\">Citrus Citrus</span> eine Musikgruppe aus Italien, auf \u201eAlbedo Massima\u201c zu f\u00fcnft. Die Plattenfirma Sulatron Records, bekannt f\u00fcr allerlei Psychedelisches, <a href="\&quot;https://www.sulatron.com/xoshop/vinyl/citrus-citrus-albedo-massima-lp-dl.html\&quot;" data-wpel-link="internal">hat Hintergrundinformationen</a> <i>(31. Dezember 2023: zurzeit leider im Urlaubsmodus)</i> zum Titel des Albums (es geht um Pomelos) f\u00fcr diejenigen, die Trivia sammeln, doch erfasst es das Musikalische kaum.</p>\n<p>Das Album <i>rotiert</i> gerade bei mir wie eine Pomelo im Mixer, als frischer Eindruck klebt an mir wie eine matschige Frucht ein wahrer Smoothie aus Indien (eine Sitar ist zu h\u00f6ren), Griechenland und 70er-Hardrock, Orgel inklusive. Gesungen (wenig) wird auf Englisch, was ich gut finde, weil ich den Klang der italienischen Sprache noch nie mochte und auch weiterhin nicht mag. In \u201eFetonte\u201c mache ich gar ein wenig Krautrock aus, Marco Buffettis Schlagzeug treibt hier ein musikalisches Kaleidoskop voran. Fetonte ist der italienische Name von Phaethon, einem Sohn der griechischen Sonneng\u00f6ttin Eos. Ironischerweise klingt <i>dieses</i> St\u00fcck \u00fcberhaupt nicht griechisch. Das ist in Ordnung.</p>\n<p>Eine wahrlich vitaminreiche Mischung tischen <span class=\"musik-review-bandname\">Citrus Citrus</span> hier auf.<br>\nNicht schlecht geeignet f\u00fcr kalte Abende.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Albedo-Massima-Vinyl-LP-Citrus/dp/B0CMZM9M7F/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/328697743\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://citruscitrus.bandcamp.com/album/albedo-massima\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/princess-thailand-golden-frames.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_princess-thailand-golden-frames.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Princess Thailand \u2013 Golden Frames</span>\n<p>Apropos gute Musikgruppen aus sprachlich benachteiligten L\u00e4ndern: <span class=\"musik-review-bandname\">Princess Thailand</span> ist ein (klar, was auch sonst?) franz\u00f6sisches Quartett, deren S\u00e4ngerin erfreulicherweise ebenfalls auf Englisch singt; wobei Gesang in dem <i>genre</i>, in dem Princess Thailand sich herumtreiben, ein gewagtes Wort ist. Auf dem weiten Feld zwischen Postpunk und Noise, zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Savages</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span> quasi, tanzen sie einen Reigen, von dem Daniel Thomas von der \u201eVISIONS\u201c (6 von 12 Punkten) ganz schwindlig geworden ist.</p>\n<p>Die lakonisch vorgetragenen Vokalbeitr\u00e4ge \u2013 mal singend, selten (\u201eImperator\u201c) raunend, oft eher energisch sprechend, wie\u2019s sich in der Stilrichtung eben geh\u00f6rt \u2013 f\u00fcgen sich indes ins Gesamte ein. W\u00fctendes Schlagzeug und grollender Bass legen das Fundament des Gewohnten, das \u00dcbrige ist mal nerv\u00f6ser Krach, mal von sanfterer Art, aber trotz des vermeintlich <i>auserz\u00e4hlten</i> Stils (wenigstens mich) musikalisch beeindruckend. Gelegentlich werden Motive wieder aufgegriffen, das freut den Rezensenten, der sonst mitunter den Eindruck hat, dass das eigene Ged\u00e4chtnis nicht mehr das beste sei. Es belegt, dass zumindest Wiedererkennen noch funktioniert. Die Lieder k\u00f6nnten l\u00e4nger sein, aber das ist ja fast immer so.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/317936708\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://atantreverduroi.bandcamp.com/album/princess-thailand-golden-frames\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/seven-impale-summit.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_seven-impale-summit.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Seven Impale \u2013 Summit</span>\n<p>Noch mal Jazz, damit ihr euch nicht unterfordert f\u00fchlt, und schon wieder was aus Norwegen und mit griechischen Sagengestalten: <span class=\"musik-review-bandname\">Seven Impale</span> sind sechs Musiker mit klassischem und/oder Jazzhintergrund, die nach \u201eContrapasso\u201c von 2016 mit \u201eSummit\u201c 2023 <i>endlich</i> ein neues Album \u201erausgebracht\u201c haben. Enthalten sind vier St\u00fccke namens \u201eHunter\u201c, \u201eHydra\u201c, \u201eIkaros\u201c und \u201eSisyphos\u201c. Aus welcher Sage Hunter stammt, wei\u00df ich nicht. Vielleicht ist ja auch der Kommissar aus den Micky-Maus-Geschichten gemeint.</p>\n<p>Die Stilzusammenfassung \u201eJazz\u201c ist allerdings auch <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=21039&amp;content=review\&quot;" data-wpel-link="internal">zu kurz gegriffen:</a> \u201eAvant-Prog-Anleihen und die jazzig eingef\u00e4rbten Arrangements (\u2026) brachiale Metal-Riffs (\u2026) Stoner Rock-Momente\u201c, <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span> passt als Vergleich schon. Der Schlagzeuger spielt angeblich auch <i>schon wieder</i> irgendwo auf diesem Album Banjo. Geh\u00f6rt habe ich davon nichts. Das ist gut, ich finde den Klang von Banjos n\u00e4mlich schei\u00dfe.</p>\n<p>Hier aber finde ich fast alles gut. Nur \u201eSisyphos\u201c, das letzte und mit etwas \u00fcber 13 Minuten auch l\u00e4ngste der vier St\u00fccke, pl\u00e4tschert etwas entt\u00e4uschend (\u201eleicht optimistisch klingend\u201c, <a href="\&quot;https://www.metal.de/reviews/seven-impale-summit-483550/\&quot;" data-wpel-link="internal">metal.de</a>, aber das h\u00e4tte es hier nicht gebraucht) aus, das gibt Abz\u00fcge in der B\u2011Note. Die A\u2011Note ist trotzdem immer noch \u00fcberzeugend und gibt eine Empfehlung aus.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Summit-Seven-Impale/dp/B0C2QDB9DP/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/285588936\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://sevenimpale.bandcamp.com/album/summit\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/frankie-and-the-witch-fingers-data-doom.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_frankie-and-the-witch-fingers-data-doom.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Frankie and The Witch Fingers \u2013 Data Doom</span>\n<p>Wenn ein Musikprojekt beliebiger Gr\u00f6\u00dfe sich schon \u201eFrankie and The Witch Fingers\u201c nennt, dann erwartet unsereins <i>(also: erwarte ich)</i> ein Mindestma\u00df an Unterhaltungswert vom Dargebotenen. Und tats\u00e4chlich: \u201eData Doom\u201c, das neueste Album des US-amerikanischen Quartetts dieses Namens, macht <i>Spa\u00df</i>. Dass es textlich \u2013 mehr oder weniger \u2013 um die zusammenbrechende Zivilisation unserer Zeit geht, steht dem nicht entgegen. Man kann den Niedergang der Menschheit bedauern und dabei trotzdem tanzen. Gut, au\u00dfer mir. Ich kann ja nicht tanzen.</p>\n<p>\u00dcber sich selbst sagt die Band (oder l\u00e4sst die Band sagen, man \u2013 also ich \u2013 wei\u00df es nicht), sie sei \u201ea constant source of primordial groove\u201c, also /&nbsp;eine st\u00e4ndige Quelle des urspr\u00fcnglichen Grooves/. Das ist nicht hilfreich. <i>Das Internet</i> zieht <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> als Vergleich heran, wegen des Saxophoneinsatzes in \u201eBurn Me Down\u201c, aber auch das trifft den Kern nicht. Vielleicht versuche ich es doch mal mit Stilzuschreibungen: Desert (<span class=\"musik-review-bandname\">ZZ Top</span>?) und Stoner Rock werden hier verm\u00e4hlt mit Funk (\u201eMild Davis\u201c, passender Titel auch) und erstaunlich <i>klassischem</i> Rock\u2019n\u2019Roll. Ich gehe davon aus, ich sollte mir diese Gruppe einmal live ansehen. Ich vermute, ich h\u00e4tte Spa\u00df.</p>\n<p>Ein Wermutstr\u00f6pfchen (obwohl: ich <i>mag</i> Wermut): Das Album ist etwas zu kurz und wird am Ende langweilig ausgeblendet. Aber der Weg bis dahin gef\u00e4llt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Data-Doom-Frankie-Witch-Fingers/dp/B0C8C1VXYG?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/288583346\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://frankieandthewitchfingers.bandcamp.com/album/data-doom\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/david-eugene-edwards-hyacinth.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_david-eugene-edwards-hyacinth.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">David Eugene Edwards \u2013 Hyacinth</span>\n<p>F\u00fcr Freunde der Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave</span> sei \u201eHyacinth\u201c, das aktuelle Album von <span class=\"musik-review-bandname\">David Eugene Edwards</span> (auch bei und mit der Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Woven Hand</span> aktiv), geeignet, riet man mir. Diese Gruppe enth\u00e4lt mittlerweile auch mich, daher h\u00f6rte ich mal rein.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">David Eugene Edwards</span> sei ein sehr religi\u00f6ser Countrymusiker, erkl\u00e4rte mir <i>das Internet</i>. Ich finde religi\u00f6sen Country zwar schei\u00dfe, kann hier aber beruhigt vermelden, dass <i>das Internet</i> mit Genrezuschreibungen fast so schlecht umgehen kann wie der Musikjournalismus. Auf seinem ersten Soloalbum, n\u00e4mlich diesem hier, werden tats\u00e4chlich nur am Rande Christentum und Country gestreift, vielmehr gibt es sonoren Experimental-Folk mit geringer Instrumentierung, im Fokus stehen elektronische Perkussion und die verst\u00e4rkte (nicht verzerrte) Gitarre, ins Ohr. Keine Ahnung, ob Gastmusiker zu h\u00f6ren sind oder ob der K\u00fcnstler alle Instrumente selbst eingespielt hat, die <a href="\&quot;https://davideugeneedwards.bandcamp.com/album/hyacinth\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcampseite</a> zum Album schweigt dazu und eine schnelle Recherche blieb erfolglos.</p>\n<p>Ich h\u00f6re \u2013 ja \u2013 <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave</span> (\u201eBright Boy\u201c), aber auch <span class=\"musik-review-bandname\">Leonard Cohen</span> und bisweilen (\u201eLionisis\u201c) auch <span class=\"musik-review-bandname\">Sisters of Mercy</span>. Gute Referenzen. \u201eHyacinth\u201c wolle \u201emit dem Herzen ergr\u00fcndet werden\u201c, <a href="\&quot;http://www.musikreviews.de/reviews/2023/David-Eugene-Edwards/Hyacinth/\&quot;" data-wpel-link="internal">schrieb</a> anderswo Dominik Maier. Dem kann ich nicht widersprechen. Das Album schlie\u00dft mit \u201eThe Cuckoo\u201c, einer Coverversion eines Folkklassikers, wie abermals <i>das Internet</i> (diesmal wohl zutreffend) mitzuteilen wei\u00df. Ein sch\u00f6nes Ende, dem einzig negativ zu attestieren ist, dass es <i>viel zu fr\u00fch</i> kommt. Die Zeit vergeht mit \u201eHyacinth\u201c im Ohr erschreckend schnell.</p>\n<p>Aber man kann es ja dann einfach noch mal von vorn h\u00f6ren.</p></li>\n</ol>\n<hr>\n<p>Das soll\u2019s erst mal gewesen sein. Wie immer gilt: Alben, die ich str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt haben k\u00f6nnte, sind als Kommentar gern willkommen. Cheerio.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Thilo Bauer schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">1. Januar 2024</a> dies: Die lang erwartete (von mir, ausreichend) neue Platte von Patio. Saudummes Video zur Single, so erstickt man m\u00f6gliche Karrieren im Keim. Besser erstmal hier: https://www.youtube.com/watch?v=93yd79yrfD8 Die Bassistin macht irgendwas. Pa\u00dft dann irgendwie doch ins Gesamt\u201ebild\u201c. Mesmerisierend.\nFrohes Neues.</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">1. Januar 2024</a> dies: Verdammt, die h\u00e4tte ich fr\u00fcher kennen sollen. Danke.</li><li>KarlMarx schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">1. Januar 2024</a> dies: In meinen Vorlesungen/Seminaren habe ich den Studis immer erkl\u00e4rt, da\u00df man seine pers\u00f6nliche Lieblingsmusik nur unter schwersten Verlusten anderen Mith\u00f6rend*innen nahebringen kann, weil das eben (aus Gr\u00fcnden, die hier den Rahmen sprengen w\u00fcrden) schlicht und ergreifend unm\u00f6glich ist. Trotzdem habe ich jeden einzelnen Link hier durchgeh\u00f6rt, obwohl die Mucke von meinem Musikplaneten aus gesehen wirklich eine komplett andere Baustelle ist. \n\nKlarer Testsieger sind die Flamen: wenn Musik (was sie nie oder nur dann tut, wenn sie schlecht ist) irgendetwas \u201eReales\u201c in der \u201eWelt\u201c widerspiegelt, dann ist der fl\u00e4mische akustische Kommentar das einzige, was den andauernden Krieg, den medialen wie den realen wie auch den subtil versteckten, halbwegs ad\u00e4quat \u201ewiedergibt\u201c. \n\nDas Fl\u00e4mische ist zwar meine Lieblingssprache, aber alles habe ich auch nicht kapiert. Nur so ungef\u00e4hr (und im Original wirklich sprachgewaltig): \n\nDer Tot als der Lehrer der Stille. Als anonymer Tot infiltriert er die Gedanken der Wachenden, der Wach-Seienden, er wartet ab, bis seine kalte Hand zufassen kann, in aller Stille. Er umgibt uns, als einzige tats\u00e4chliche Regel, ohne Aussicht auf Besserung etc. pp.\n\n\u00dcber allem schweben musikalisch (in my not so humble opinion) wirklich nur Bach, Richard Strauss, Messiaen, Woody Shaw, Rob Madna und Bob Brookmeyer. \n\nAber mit den \u00e4sthetischen Urteilen ist das, wie gesagt, so eine Sache, denn wie sagt der alte K\u00f6nigsberger doch so treffend: \u201eUm zu unterscheiden, ob etwas sch\u00f6n sei oder nicht, beziehen wir die Vorstellung nicht durch den Verstand auf das Objekt zum Erkenntnisse, sondern durch die Einbildungskraft (vielleicht mit dem Verstande verbunden) auf das Subjekt und das Gef\u00fchl der Lust oder Unlust desselben.\u201c\n\n\nBach:\n\nhttps://www.youtube.com/watch?v=3EnosoXeTWI&amp;pp=ygUlYmFjaCB3b2hsdGVtcGVyaWVydGVzIGtsYXZpZXIgcmljaHRlcg%3D%3D\n\nZu Risiken und Nebenwirkungen etc.: \n\nMessiaen:\nhttps://www.youtube.com/watch?v=RJ_x_8o80TI\n\nUnd ein paar Leckerli, extra f\u00fcr Sie/Dich eingepackt. \n\nhttps://www.mediafire.com/file/veo59dtibm0th6m/tux0r.zip/file\n\nKeine Sorge, das Zeug \u201everstehen\u201c vielleicht ein halbes Dutzend Leute auf der Welt (und ich selbst auch nur, wenn ich einen guten Tag habe). Mu\u00df man aber auch nicht \u201everstehen\u201c, einfach ohne Vorurteile und Vorannahmen wirken lassen. \n\nWie sagte gr\u00f6\u00dfte Geist, dem ich jemals begegnen durfte, der Dombaumeister des K\u00f6lner Doms, Prof. Dr.-Ing. Arnold Wolff mal, als ich ihm eine von diesen Aufnahmen (auf denen ich selber mitspiele) vorgespielt habe: \u201eDas gef\u00e4llt mir zwar nicht, ist aber au\u00dferordentlich gut!\u201c\n\nMehr braucht man nicht zu wissen\u2026 ;-)\n\nIn diesem Sinne ein frohes Neues Jahr!</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">1. Januar 2024</a> dies: Gebe ich mir mal in einer ruhigen Minute. Tats\u00e4chlich fahre ich meinen Musikkonsum gerade ein bisschen zur\u00fcck \u2013 ich habe in den letzten Wochen so viel davon geh\u00f6rt, dass ich sonst Angst h\u00e4tte, dass sie mir zum Bingelistening verkommt. Danke, auch f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des Textes.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> \n\nIch erwarte gar nicht, dass jeder mag, was mir gef\u00e4llt. Ich h\u00f6re auch manchmal Dinge, die ich nicht mag (Banjo\u2026). Horizont. Weite. Ich finde Dinge gern begr\u00fcndet doof, grundlos kann jeder.</li><li><a href="\&quot;http://www.wunschtraumfabrik.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Peter</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2. Januar 2024</a> dies: Das mit Bandcamp war mir neu und gef\u00e4llt mir gar nicht. Das was du \u00fcber Herrn Wilson schreibst ist ganz sch\u00f6n gemein. Ansonsten ist dein Musikgeschmack, nun ja, be\u00e4ngstigend. Ich habe gerade mal einiges neugierig angeklickt und bin froh, das ich morgen meinen Termin beim Seelenklempner habe. Ein frohes neues Jahr  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":-)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> </li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2. Januar 2024</a> dies: Kennst mich doch\u2026  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\">  \u2026 vielleicht werde ich einfach zu alt f\u00fcr Steven Wilson. So kann\u2019s gehen. Auch frohes Neues!</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg02.met.vgwort.de/na/20b76ee8c1b544d3861e6af4fd25a3b3\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 27 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickEin Jahr ist vorbei und ihr wisst, was das hei\u00dft: Die Liste meiner bevorzugten Alben des Jahres bedarf wieder eurer ungeteilten Aufmerksamkeit. Es k\u00f6nnte das letzte Mal sein, dass ich es euch so einfach mache: Der au\u00dferordentlich unh\u00f6fliche Konzern Songtradr hat 2023 Bandcamp halbiert. Ich w\u00fcrde ja gern mit positiven Aussichten das Musikjahr 2023 verabschieden, aber ich kann nicht. Ich kann einfach nicht.\nSteven Wilson hat 2023 mit \u201eThe Harmony Codex\u201c ein weiteres vielger\u00fchmtes Album mit Stampfpop (na gut: artpop) rausgebracht. Die Rezensenten waren wie \u00fcblich hin und weg, weil man Musik von Steven Wilson (Steven Wilson!) ja nicht einfach ignorieren darf. Ich wollte das Album eigentlich selbst nicht h\u00f6ren (der Vorg\u00e4nger \u201eThe Future Bites\u201c war wirklich schlimm, aber ich hatte zu viel Zeit und fasse mich mal kurz: Ich w\u00fcnschte, Popmusik w\u00fcrde mich interessieren. 2024 werde das \u201eJahr der Popfrauen\u201c, mutma\u00dfte die \u201eFrankfurter Allgemeine Sonntagszeitung\u201c im Dezember. Das hoffe ich doch einfach mal nicht.\nDass es im j\u00fcngst abgelaufenen Jahr trotzdem ziemlich gute Musik gab, sei hier dennoch nicht verschwiegen. Einiges davon, n\u00e4mlich die jeweiligen Alben von Uriah Heep, PoiL Ueda, scheissediebullen und Sigur R\u00f3s, hatte ich schon fr\u00fcher im Jahr positiv bewertet. Siebzehn weitere gelungene Werke folgen im Folgenden. Es m\u00f6ge euch von Nutzen sein.\n\n\n\nAtsuko Chiba \u2013 Water, It Feels Like It\u2019s Growing\nAtsuko Chiba, der Name verr\u00e4t es schon, stammen aus Montr\u00e9al (Kanada), sind also mit einer florierenden Postrockszene vertraut. \u201eWater, It Feels Like It\u2019s Growing\u201c ist ihr drittes Studioalbum und war der erste wirkliche Knaller des Jahres. Also nicht im Wortsinne jetzt.\nIch h\u00f6re weitgehend Rockmusik mit dem gewissen Etwas. Adjektiv? Tanzbar. Das Dargebotene ist vielschichtig, \u00fcberall und st\u00e4ndig passiert etwas, aber man schafft es kaum, sich darauf zu konzentrieren, weil der Mahlstrom an Musik rhythmisch vorantreibt. Nicht innehalten. Bewegen. Die immer noch untersch\u00e4tzten Crippled Black Phoenix fallen mir als Vergleich (auf und) ein.\nDas Titelst\u00fcck flie\u00dft zum Abschluss des Albums eher z\u00e4h, jazz-trippig aus dem Kopfh\u00f6rer, ohne dabei Komplexit\u00e4t zu opfern. Ein Album, das sich zu kurz anf\u00fchlt. Atsuko Chiba ist eine Figur aus dem japanischen Anime \u201ePaprika\u201c (noch so ein japanischer Name) von 2006. Ich mag keine Animes. Die Musik ist aber gut.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.\nHong Faux \u2013 Desolation Years\nHong, so sagt\u2019s der Wissensschatz, sei unter anderem eine Marienk\u00e4ferart. Hong Faux, ein falscher Marienk\u00e4fer also? Das schwedische Quartett dieses Namens spielt jedenfalls eine Musik derjenigen Art, die mit Marienk\u00e4fern wenig gemein hat.\nIrref\u00fchrend ist auch der Beginn von \u201eDesolation Years\u201c, des aktuellen Albums der vier Herren, denn das, was ich zun\u00e4chst f\u00fcr grollenden Stoner hielt, geht sp\u00e4ter \u00fcber in gut gemachten Indierock mit mitunter mehrstimmigem Powergesang. Yeah. Die \u201eVISIONS\u201c zitiert die Foo Fighters (offensichtlich in \u201eStarkiller\u201c), Clutch (mag ich) und Queens of the Stone Age (haben auch so ihre Momente) als Einfl\u00fcsse. Dem zu widersprechen liegt mir fern. \u201eDesolation Years\u201c, \u201etrostlose Jahre\u201c \u2013 der Titel deutet erdige Kl\u00e4nge an und daran mangelt es hier nicht. Trockene Musik f\u00fcr die trockene W\u00fcste. Bl\u00f6d, dass ich diese Rezension im Winter zu Ende bringe. Aber das Album behalte ich ja noch etwas l\u00e4nger; im Sommer k\u00f6nnte ich es noch mal brauchen.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL.\nMSPAINT \u2013 Post-American\nWenn man MSPAINT hei\u00dft, dann muss man wahrscheinlich genau so was machen wie die Musikgruppe gleichen Namens aus Mississippi, die von sich behauptet, sie w\u00fcrde \u201eTanzpunk\u201c hervorbringen. Auf ihrem ironisch \u201ePost-American\u201c genannten 2023er Album ist davon auch tats\u00e4chlich etwas zu h\u00f6ren, wobei der Tanz- dem Punkfaktor \u00fcbergeordnet scheint.\nSicher: Es gibt w\u00fctende Gitarren und zornigen Gesang (oft vielmehr: Gerufe), aber der Rezensent (= ich) erwischt sich doch \u00f6fter beim Mitwippen als beim Sitzpogo. Das wirklich gro\u00dfartige \u201eDelete It\u201c, eins dieser Lieder, an denen ich mich immer noch vergebens sattzuh\u00f6ren versuche, ist eins von zwei Liedern auf diesem Album, auf denen Gastmusiker zu h\u00f6ren sind \u2013 in \u201eDelete It\u201c ist es Ian Shelton, S\u00e4nger der Post-Hardcore-Combo Militarie Gun, auf \u201eDecapitated Reality\u201c singt Pierce Jordan der mir bislang unbekannten Soul Glo. Eine gewisse stilistische Stringenz ist dabei erkennbar, \u201eFree From the Sun\u201c etwa glaube ich schon zuvor auf demselben Album so \u00e4hnlich geh\u00f6rt zu haben, aber das macht ja nichts, so lange es gut ist. In der Tat schw\u00e4cheln MSPAINT auf \u201ePost-American\u201c kaum, sondern gehen gut ab. Das haben sie dem Malprogramm voraus.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.\nShem \u2013 III\nDas (ja, huch!) dritte Studioalbum des Stuttgarter Psychedelic-Kollektivs Shem \u2013 dessen Bandcampseite witzigerweise \u201eShemtrails\u201c hei\u00dft, hehe, wegen Chemtrails \u2013 m\u00f6ge die j\u00e4hrliche Dosis Postrock einleiten. Zwar spielt es nicht das alte Laut-leise-Spiel mit, doch ist die instrumentale Reise (im fast dreimin\u00fctigen \u201eLamentum\u201c, leider ausgeblendet mit einem bl\u00f6den fade-out, gibt es erstmals textlosen Gesang, ebenso im abschlie\u00dfenden \u201eRefugium\u201c) von Gitarren getragen.\nDie unklare Anzahl an Musikern (es handelt sich immerhin um ein \u201eKollektiv\u201c) r\u00fchrt kr\u00e4ftig im Topf der \u201eKosmischen Musik\u201c, bedient sich dabei aber moderner Mittel. Der H\u00f6rer wird mitgenommen auf eine Klangreise in den (mentalen) Wolken, nat\u00fcrlich hat man das schon mal geh\u00f6rt.\nDas Album ist unter 40 Minuten lang, es f\u00fchlt sich nicht l\u00e4nger an als eine halbe Stunde. Schade eigentlich.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com.\nWhen Plagues Collide \u2013 An Unbiblical Paradigm\n2023 erschienen manche gar nicht mal \u00fcble Alben, die in irgendeine Metalcorespielart einzusortieren sind. Dazu z\u00e4hlen Alben wie \u201eSilhouettes of Disgust\u201c von Downfall of Gaia, das hier separat aufzuf\u00fchren mir nur meine Faulheit verbietet, noch viel mehr aber lohnt sich ein Blick auf das europ\u00e4ische Ausland. Deutsche Musikalben werden hierzulande schon viel zu ausf\u00fchrlich gew\u00fcrdigt.\n2016 fanden ausgerechnet in Belgien f\u00fcnf, nun, Musiker zusammen, um gemeinsam Ger\u00e4usche hervorzubringen, die gemeinhin als \u201eSymphonic Deathcore\u201c, \u201esinfonischer Todeskern\u201c also, etikettiert werden. \u201eSymphonic Deathcore\u201c muss man sich ungef\u00e4hr wie folgt vorstellen: Man wohnt einem klassischen Konzert mit gro\u00dfem Orchester bei, hat aber in einem Ohr einen dieser uns\u00e4glichen Ohrstecker, in dem ein Metalgitarrist stundenlang dasselbe Riff spielt, begleitet von einem Schlagzeuger, der Hummeln im Hintern hat und wirklich w\u00fctend auf seine Exfreundin ist, deren neuen Freund er in Form eines Fotos auf seine Felle geklebt hat. Kurz nach Beginn des Konzerts springt Batman aus demjenigen Paralleluniversum, in dem er seit 50 Jahren Kettenraucher und \u00fcberdies leicht erk\u00e4ltet ist, auf die B\u00fchne und versucht ein st\u00f6rrisches, jedoch taubstummes Kind dazu zu bewegen, endlich mal sein Zimmer aufzur\u00e4umen.\nDieser Art von Musik, zumal deren Interpret \u201eWenn Plagen kollidieren\u201c hei\u00dft, kommt eine anstrengende Gesamtsituation wie die, in der die Welt sich im Zeitrahmen der Aufnahme und der Ver\u00f6ffentlichung von \u201eAn Unbiblical Paradigm\u201c (so hei\u00dft deren zweites Album) befand, freilich zupass und dem Verfasser dieser Zeilen ebenso; gelegentlich zieht es mich ja dazu, mich aus dem Kopfh\u00f6rer anbr\u00fcllen zu lassen. Das abschlie\u00dfende \u201eIn alle stilte\u201c (das ist Ausl\u00e4ndisch und hei\u00dft \u201eIn aller Stille\u201c) macht es mit seinem beinahe melodischen Wesen und dem dazu erz\u00e4hlten Text (es mag Fl\u00e4misch sein, das kann ich nicht) fast kaputt; aber eben nur fast.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.\nVertonen \u2013 Einige Schadstoffe\nIch halte nicht viel von der Verwendung des schrecklichen Begriffs Liefern im Zusammenhang mit musikalischen oder sonstigen k\u00fcnstlerischen Werken, denn zwar liefert mir ein Bote bisweilen neue Schallplatten, die K\u00fcnstler selbst liefern jedoch nur selten. Das ist auch nicht ihre Aufgabe.\nDaher werde ich hier auch nicht auf die Formulierung zur\u00fcckgreifen, die Helen Scarsdale Agency liefere zuverl\u00e4ssig v\u00f6llig kaputte Musik, obwohl ich diesen Eindruck bereits seit Januar 2023 mit mir herumtrage. Mit Vertonen \u2013 so nennt sich ein Avantgardemusiker aus Chicago nicht ganz grundlos, obwohl ich nicht so genau wei\u00df, was er eigentlich vertont \u2013 hat die \u201eAgency\u201c einen weiteren Musiker im Programm, der v\u00f6llig kaputte Musik hervorbringt. Gut, was habe ich von einem Album auch erwartet, das \u201eEinige Schadstoffe\u201c hei\u00dft?\nAufgenommen wurde das Album 2022, ver\u00f6ffentlicht wurde es trotzdem erst im April 2023. Als Musikinstrumente kommen ein Synthesizer, Feldaufnahmen, Kurzwellenger\u00e4te und Altmetall zum Einsatz. Was vertont wurde, vermag ich nicht zu beurteilen; Banausen w\u00fcrden jetzt \u201eganz klar ein Autounfall\u201c schreiben, aber ich bin ja kein Banause, sondern mag Krach. Das Album sei eine Hommage an die klassische Phase des Industrial Noise, erz\u00e4hlt der Pressetext (welche Presse auch immer man mit dieser Art von Musik erreichen will). Das kann durchaus sein. Bezug genommen wird unter anderem auf Throbbing Gristle und Maurizio Bianchi. Dem kann ich nicht widersprechen. \u201eEinige Schadstoffe\u201c ist ein Album mit lose strukturierten Ger\u00e4uschen, das mich \u00fcberdies mitunter an \u201eRavvivando\u201c von Faust denken l\u00e4sst. Ab und zu gibt es Sprachfetzen, die zu verstehen ich gerade zu eingenommen von der auf mich einprasselnden Atmosph\u00e4re bin. V\u00f6llig kaputt. Gro\u00dfartig.\nDas Album gibt es nur als Download und auf Kassette. Passt.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com.\nOrsak:Oslo \u2013 In Irons\nOrsak:Oslo ist eine Musikgruppe aus, nun ja, haupts\u00e4chlich Oslo. \u201eOrsak\u201c ist Schwedisch und hei\u00dft Ursache oder Grund. Ich finde, Oslo ist ein akzeptabler Grund.\nDie Gruppe hei\u00dft also gar nicht so seltsam wie ihre St\u00fccke. Auf dem zweiten Studioalbum \u201eIn Irons\u201c setzen Orsak:Oslo ihre auf 13 EPs und dem Deb\u00fctalbum begonnene Tradition, ihre Lieder zu nummerieren (und das nicht mal konsequent), jedenfalls fort: Die f\u00fcnf St\u00fccke hei\u00dfen \u201e068 The Swell\u201c, \u201e079 Dutchman\u2019s Wake (Part I)\u201c, \u201e069 In What Way Are You Different\u201c, \u201e078 The Mute (Part II)\u201c und \u201e074 Hadal Blue\u201c. Angenommen, es w\u00e4re hier eine gewisse Chronologie verewigt, was Sinn erg\u00e4be (auf der Deb\u00fct-EP war Nummer 8 drauf), geb\u00fchrt den Musikern schon wegen ihrer Produktivit\u00e4t meine Hochachtung.\nZu h\u00f6ren ist, die L\u00e4nge (\u201eHadal Blue\u201c schafft es als mit Abstand l\u00e4ngstes St\u00fcck auf nahezu 17 Minuten Laufzeit) k\u00f6nnte es verraten haben, keine gew\u00f6hnliche Alltagsmusik. Die vier Herren haben tief ins Krautglas gegriffen und pr\u00e4sentieren zu vortrefflich polterndem Bass und dem guten, alten Motorikbeat mal klassische Can-Reminiszenzen, mal gitarrenorientierten Postrock \u00e1 la Mogwai. Zur Veranschaulichung: \u201e079 Dutchman\u2019s Wake (Part I)\u201c ist zu einem nennenswerten Teil ein versiertes Gitarrensolo, das dem psychedelischen Grundmotiv nicht etwa zuwiderl\u00e4uft, sondern es vielmehr unterstreicht. Texte gibt es kaum, sieht man von etwas mittendrin Gesprochenem ab, auf das ich aber nicht geachtet habe, weil ich zu sehr damit besch\u00e4ftigt war, mich von der Wirkung einnehmen zu lassen. Andere nehmen Drogen, ich h\u00f6re solche Musik. Legalize it.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.\nMutoid Man \u2013 Mutants\nI\u2019m in love with my gravekeeper / I said, \u201eHey, make that hole deeper\u201c (Graveyard Love)\nMutoid Man ist der Name einer dreik\u00f6pfigen und sechsarmigen New Yorker supergroup, bestehend aus Mitgliedern von Cave In, Converge und High On Fire. Die schon oft gesehene Besetzung (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass) deutet, verbunden mit den Stammbands der Musiker, v\u00f6llig zu Recht in eine gewisse stilistische Richtung: Metalcore, Punk, irgendwie so; und tats\u00e4chlich: Wirbelnde Gitarrenl\u00e4ufe tragen auf \u201eMutants\u201c komplexe Rockmusik mit Bewegungswillen.\nIm Internet wurde geschrieben, der Musik von Mutoid Man fehle eigentlich nur noch Mike Patton. Stimmt schon; zumal manche Lieder auch das richtige Ma\u00df an Witz aufweisen, etwa das eingangs zitierte \u201eGraveyard Love\u201c.\nMir gef\u00e4llt \u00fcbrigens das Coverbild. Es ist so farbenfroh und energiereich wie das Geh\u00f6rte und es hat sogar was mit dem Titel des Albums zu tun. Zum er\u00f6ffnenden St\u00fcck \u201eCall of the Void\u201c gibt es ein seltsames Musikvideo, es legt nicht die schlechteste Grundlage f\u00fcr den Konsum von \u201eMutants\u201c. Ein Album f\u00fcr diejenigen Momente, in denen quirliger Gitarrenkrach das Einzige ist, was den Tag noch retten k\u00f6nnte.\nZum Gl\u00fcck sind die Weihnachtsm\u00e4rkte erst mal wieder vorbei.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.\nKvelertak \u2013 Endling\n\u201eKvelertak aus Norwegen spielen instrumentalen Hardrock\u201c wollte ich eigentlich schreiben, aber dann setzte nach schlappen vier Minuten der S\u00e4nger ein. Also noch mal von vorn: Kvelertak aus Norwegen tourten vor einer Weile unter anderem mit Mutoid Man und spielen \u2013 insofern kaum \u00fcberraschend \u2013 ganz normalen Hardrock mit Metal- und Punkanleihen. Ich habe keine Ahnung, worum es in den norwegischsprachigen Texten geht. Hoffentlich nicht um Schweinkram, angeblich um historische und zeitgen\u00f6ssische sterbende V\u00f6lker in Norwegen. Gutes textliches Motiv f\u00fcr eine Hardrockband.\nZumindest in der ersten H\u00e4lfte des Albums dominiert der instrumentale Bestandteil der Musik deutlich, dann kommt derjenige Aspekt zum Tragen, der die Aufnahme in diese Liste zur Folge hatte: Kvelertak rocken, und das wirklich gut mit ordentlich groove. Ein- und ausgeblendet wird das Album mit einem Rauschen, was immerhin weniger bl\u00f6d als das heutzutage immer noch \u00fcbliche blo\u00dfe Ausblenden ist. Hinsichtlich der Instrumente, die hier zum Einsatz kommen, steht diversen Gitarren auch ein Banjo (\u201eD\u00f8geniktens Kvad\u201c) zur Seite. Das am\u00fcsiert mich.\n\u201eTanzbar\u201c sei \u201eEndling\u201c, las ich anderswo, und ich kann ja sogar zu Walzer nicht tanzen und bewerte das daher erst mal nur als Information.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL.\n[ B O L T ] \u2013 ( 0 5 )\nDie Wiederentdeckung der Langsamkeit ist in hektischen Zeiten wie den unsrigen von so gro\u00dfer Wichtigkeit wie selten zuvor. Da kommen die Duisburger von [ B O L T ] mit ihrem 2023er Album \u201e( 0 5 )\u201c gerade recht.\nDie verhaltene Perkussion schon zu Beginn des Albums (\u201e[ 3 2 ]\u201c, die St\u00fccke tragen nicht chronologisch sortierte Nummern und selten zus\u00e4tzliche Titel) tr\u00fcgt: Haupts\u00e4chlich spielen die drei Herren \u2013 zwei am Bass, einer am Schlagzeug \u2013 \u201eBlack Drone Metal\u201c, das ein Genre sein soll und ein bisschen wie eine Fr\u00fchlingsversion von Sunn O))) klingt. Die Leerzeichen im Gesamten sind so treffend, dass die Musiker eigentlich alles \u00dcbrige auch weglassen k\u00f6nnten. Das von mir als Kernst\u00fcck des Albums identifizierte \u201e[ 3 7 ]\u201c, fast 22 Minuten lang, w\u00e4re in normaler Geschwindigkeit wahrscheinlich radiokompatibel (wenn auch sicher nicht \u2011tauglich), dennoch w\u00fcrde ich nichts k\u00fcrzen oder beschleunigen wollen. Das St\u00fcck \u2013 das Album \u2013 klingt wie ein Sommermorgen nach dem Krieg, ein \u201eschizophrenes Szenario\u201c (Mike Langer). Dennis Strillinger trommelt in die kakophonische Dystopie hinein, die die gerade abgezogenen Marodeure von der einst bl\u00fchenden Stadt, die in den Melodien noch zu erahnen ist, \u00fcbrig gelassen haben.\nIrgendwo in der Musik sei ein Zeichen der Hoffnung zu finden, wortsalatiert der Pressetext (haha, welche Presse?) zum Album. Dieses Zeichen kommt sp\u00e4t (\u201e[ 4 0 ] / Petite fleur des champs\u201c), aber es kommt mit Wucht: Hinter dem schleppenden Dr\u00f6hnen singt und fl\u00fcstert Sura Sol, die ich immerhin bislang auch nicht kannte, f\u00fcr mich aus Abmischgr\u00fcnden schwer Verst\u00e4ndliches, doch sch\u00f6n Klingendes, in mir unbekannter Sprache. Mit Gesang hatte ich an dieser Stelle nicht gerechnet, aber er passt. Das Lied klingt sanft, beinahe sakral, aus und geht ins ebenso ruhig beginnende letzte St\u00fcck \u201e[ 2 9 ]\u201c \u00fcber. Die Ruhe nach dem Sturm mag keine Aufregung. Das kann ich verstehen. Nach etwa zwei Minuten entschlie\u00dft sich \u201e[ 2 9 ]\u201c dann aber doch dazu, den Mitwipp- und Mitnickfaktor zu vervielfachen. Vielen Dank. Sch\u00f6nes Album, sch\u00f6nes Ende.\nReinh\u00f6ren: TIDAL, Bandcamp.com.\nAkira Sakata, Toshimaru Nakamura, Raiga Hayashi \u2013 Kinjo no Tabibito\nAkira Sakata (Altsaxophon und Klarinette) ist ein Free-Jazz-Musiker, Toshimaru Nakamura (Mischpult) ist ein Improvisationsmusiker und Raiga Hayashi ist \u2013 dar\u00fcber schweigt die Wikipedia \u2013 zumindest hier ein Schlagzeuger. Zu dritt nahmen die drei Japaner vor ein paar Monaten unter anderem das Album \u201eKinjo no Tabibito\u201c auf, das man wahrscheinlich ungef\u00e4hr \u8fd1\u6240 \u306e\u65c5\u4eba schreiben sollte, was ungef\u00e4hr \u201eReisende in der Nachbarschaft\u201c bedeutet.\nDie Tonqualit\u00e4t erinnert nicht zuf\u00e4llig an eine Livesituation: Aufgenommen wurden beide St\u00fccke, die \u00fcberdies \u201e1st Set\u201c und \u201e2nd Set\u201c hei\u00dfen, am 5. M\u00e4rz live in Tokio. Das hier verwendete Mischpult weist die Besonderheit auf, dass es keine externen Eing\u00e4nge hat, so dass das sonstige Gespielte eben nicht gemischt wird, sondern vielmehr ein Spiel mit elektronischen Kl\u00e4ngen betrieben wird. Auf Bandcamp gibt es einen (englischsprachigen) Artikel \u00fcber das Instrument (bzw. das Eben-nicht-Instrument), den weiter zu zitieren m\u00f6glicherweise den Rahmen dieses Textes sprengen w\u00fcrde, weshalb ich darauf verzichte.\nDie im Titel des Albums erw\u00e4hnte Reise f\u00fchrt \u00fcber holprigen Untergrund, stelle ich fest: Auf die Ohren gibt es vor allem hektischen Instrumentaljazz, wor\u00fcber Akira Sakata gelegentlich eine japanischsprachige Geschichte murmelt. Man sehe mir nach, dass ich die Texte beim H\u00f6ren nicht sofort zu \u00fcbersetzen imstande war. Es ist den Musikern zu w\u00fcnschen, dass in der Nachbarschaft Jazz zumindest nicht unerw\u00fcnscht ist. Ich mag Jazz.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com.\nKraan \u2013 Zoup\nZu den wenigen angenehmen Dingen, die 2023 passiert sind, geh\u00f6rt auch, dass viele der Alten gezeigt haben, dass sie es musikalisch immer noch k\u00f6nnen. Die deutlich verj\u00fcngte Mannschaft von Gong brachte ebenso ein neues ganz gutes Album raus wie die deutsche Krautrocklegende Guru Guru, die immer noch den \u201eElektrolurch\u201c auf ihren Alben schwingen.\nDeren Wegbegleiter und Landsleute von Kraan, die es \u2013 zehn Jahre Pause eingeschlossen \u2013 auch schon seit 1970 gibt, scheinen aber noch ebenso hungrig zu sein, so dass es 2023 zu einem neuen Album namens \u201eZoup\u201c kam. Das hei\u00dft Suppe, glaube ich. Das Coverbild verstehe ich nicht. Gibt es Vogelsuppe? Zutaten: Soft Machine, Caravan, ein paar Essl\u00f6ffel Camel (\u201ePlain Vanilla\u201c) und eine Prise AOR (\u201eTwisted\u201c).\nWie bei einem guten Eintopf k\u00f6nnen die Musiker hier insofern wenig falsch machen, denn sie bleiben bei ihrem bew\u00e4hrten Konzept. Die eingebrockte Suppe auszul\u00f6ffeln s\u00e4ttigt nicht, aber schmeckt. Ich w\u00fcnsche guten Appetit.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.\nCitrus Citrus \u2013 Albedo Massima\nWie es der Titel des Albums f\u00fcr uns Vielgereiste schon vorschl\u00e4gt, ist Citrus Citrus eine Musikgruppe aus Italien, auf \u201eAlbedo Massima\u201c zu f\u00fcnft. Die Plattenfirma Sulatron Records, bekannt f\u00fcr allerlei Psychedelisches, hat Hintergrundinformationen (31. Dezember 2023: zurzeit leider im Urlaubsmodus) zum Titel des Albums (es geht um Pomelos) f\u00fcr diejenigen, die Trivia sammeln, doch erfasst es das Musikalische kaum.\nDas Album rotiert gerade bei mir wie eine Pomelo im Mixer, als frischer Eindruck klebt an mir wie eine matschige Frucht ein wahrer Smoothie aus Indien (eine Sitar ist zu h\u00f6ren), Griechenland und 70er-Hardrock, Orgel inklusive. Gesungen (wenig) wird auf Englisch, was ich gut finde, weil ich den Klang der italienischen Sprache noch nie mochte und auch weiterhin nicht mag. In \u201eFetonte\u201c mache ich gar ein wenig Krautrock aus, Marco Buffettis Schlagzeug treibt hier ein musikalisches Kaleidoskop voran. Fetonte ist der italienische Name von Phaethon, einem Sohn der griechischen Sonneng\u00f6ttin Eos. Ironischerweise klingt dieses St\u00fcck \u00fcberhaupt nicht griechisch. Das ist in Ordnung.\nEine wahrlich vitaminreiche Mischung tischen Citrus Citrus hier auf.\nNicht schlecht geeignet f\u00fcr kalte Abende.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.\nPrincess Thailand \u2013 Golden Frames\nApropos gute Musikgruppen aus sprachlich benachteiligten L\u00e4ndern: Princess Thailand ist ein (klar, was auch sonst?) franz\u00f6sisches Quartett, deren S\u00e4ngerin erfreulicherweise ebenfalls auf Englisch singt; wobei Gesang in dem genre, in dem Princess Thailand sich herumtreiben, ein gewagtes Wort ist. Auf dem weiten Feld zwischen Postpunk und Noise, zwischen Savages und Sonic Youth quasi, tanzen sie einen Reigen, von dem Daniel Thomas von der \u201eVISIONS\u201c (6 von 12 Punkten) ganz schwindlig geworden ist.\nDie lakonisch vorgetragenen Vokalbeitr\u00e4ge \u2013 mal singend, selten (\u201eImperator\u201c) raunend, oft eher energisch sprechend, wie\u2019s sich in der Stilrichtung eben geh\u00f6rt \u2013 f\u00fcgen sich indes ins Gesamte ein. W\u00fctendes Schlagzeug und grollender Bass legen das Fundament des Gewohnten, das \u00dcbrige ist mal nerv\u00f6ser Krach, mal von sanfterer Art, aber trotz des vermeintlich auserz\u00e4hlten Stils (wenigstens mich) musikalisch beeindruckend. Gelegentlich werden Motive wieder aufgegriffen, das freut den Rezensenten, der sonst mitunter den Eindruck hat, dass das eigene Ged\u00e4chtnis nicht mehr das beste sei. Es belegt, dass zumindest Wiedererkennen noch funktioniert. Die Lieder k\u00f6nnten l\u00e4nger sein, aber das ist ja fast immer so.\nReinh\u00f6ren: TIDAL, Bandcamp.com.\nSeven Impale \u2013 Summit\nNoch mal Jazz, damit ihr euch nicht unterfordert f\u00fchlt, und schon wieder was aus Norwegen und mit griechischen Sagengestalten: Seven Impale sind sechs Musiker mit klassischem und/oder Jazzhintergrund, die nach \u201eContrapasso\u201c von 2016 mit \u201eSummit\u201c 2023 endlich ein neues Album \u201erausgebracht\u201c haben. Enthalten sind vier St\u00fccke namens \u201eHunter\u201c, \u201eHydra\u201c, \u201eIkaros\u201c und \u201eSisyphos\u201c. Aus welcher Sage Hunter stammt, wei\u00df ich nicht. Vielleicht ist ja auch der Kommissar aus den Micky-Maus-Geschichten gemeint.\nDie Stilzusammenfassung \u201eJazz\u201c ist allerdings auch zu kurz gegriffen: \u201eAvant-Prog-Anleihen und die jazzig eingef\u00e4rbten Arrangements (\u2026) brachiale Metal-Riffs (\u2026) Stoner Rock-Momente\u201c, Motorpsycho passt als Vergleich schon. Der Schlagzeuger spielt angeblich auch schon wieder irgendwo auf diesem Album Banjo. Geh\u00f6rt habe ich davon nichts. Das ist gut, ich finde den Klang von Banjos n\u00e4mlich schei\u00dfe.\nHier aber finde ich fast alles gut. Nur \u201eSisyphos\u201c, das letzte und mit etwas \u00fcber 13 Minuten auch l\u00e4ngste der vier St\u00fccke, pl\u00e4tschert etwas entt\u00e4uschend (\u201eleicht optimistisch klingend\u201c, metal.de, aber das h\u00e4tte es hier nicht gebraucht) aus, das gibt Abz\u00fcge in der B\u2011Note. Die A\u2011Note ist trotzdem immer noch \u00fcberzeugend und gibt eine Empfehlung aus.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.\nFrankie and The Witch Fingers \u2013 Data Doom\nWenn ein Musikprojekt beliebiger Gr\u00f6\u00dfe sich schon \u201eFrankie and The Witch Fingers\u201c nennt, dann erwartet unsereins (also: erwarte ich) ein Mindestma\u00df an Unterhaltungswert vom Dargebotenen. Und tats\u00e4chlich: \u201eData Doom\u201c, das neueste Album des US-amerikanischen Quartetts dieses Namens, macht Spa\u00df. Dass es textlich \u2013 mehr oder weniger \u2013 um die zusammenbrechende Zivilisation unserer Zeit geht, steht dem nicht entgegen. Man kann den Niedergang der Menschheit bedauern und dabei trotzdem tanzen. Gut, au\u00dfer mir. Ich kann ja nicht tanzen.\n\u00dcber sich selbst sagt die Band (oder l\u00e4sst die Band sagen, man \u2013 also ich \u2013 wei\u00df es nicht), sie sei \u201ea constant source of primordial groove\u201c, also /&nbsp;eine st\u00e4ndige Quelle des urspr\u00fcnglichen Grooves/. Das ist nicht hilfreich. Das Internet zieht King Crimson als Vergleich heran, wegen des Saxophoneinsatzes in \u201eBurn Me Down\u201c, aber auch das trifft den Kern nicht. Vielleicht versuche ich es doch mal mit Stilzuschreibungen: Desert (ZZ Top?) und Stoner Rock werden hier verm\u00e4hlt mit Funk (\u201eMild Davis\u201c, passender Titel auch) und erstaunlich klassischem Rock\u2019n\u2019Roll. Ich gehe davon aus, ich sollte mir diese Gruppe einmal live ansehen. Ich vermute, ich h\u00e4tte Spa\u00df.\nEin Wermutstr\u00f6pfchen (obwohl: ich mag Wermut): Das Album ist etwas zu kurz und wird am Ende langweilig ausgeblendet. Aber der Weg bis dahin gef\u00e4llt.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.\nDavid Eugene Edwards \u2013 Hyacinth\nF\u00fcr Freunde der Musik von Nick Cave sei \u201eHyacinth\u201c, das aktuelle Album von David Eugene Edwards (auch bei und mit der Gruppe Woven Hand aktiv), geeignet, riet man mir. Diese Gruppe enth\u00e4lt mittlerweile auch mich, daher h\u00f6rte ich mal rein.\nDavid Eugene Edwards sei ein sehr religi\u00f6ser Countrymusiker, erkl\u00e4rte mir das Internet. Ich finde religi\u00f6sen Country zwar schei\u00dfe, kann hier aber beruhigt vermelden, dass das Internet mit Genrezuschreibungen fast so schlecht umgehen kann wie der Musikjournalismus. Auf seinem ersten Soloalbum, n\u00e4mlich diesem hier, werden tats\u00e4chlich nur am Rande Christentum und Country gestreift, vielmehr gibt es sonoren Experimental-Folk mit geringer Instrumentierung, im Fokus stehen elektronische Perkussion und die verst\u00e4rkte (nicht verzerrte) Gitarre, ins Ohr. Keine Ahnung, ob Gastmusiker zu h\u00f6ren sind oder ob der K\u00fcnstler alle Instrumente selbst eingespielt hat, die Bandcampseite zum Album schweigt dazu und eine schnelle Recherche blieb erfolglos.\nIch h\u00f6re \u2013 ja \u2013 Nick Cave (\u201eBright Boy\u201c), aber auch Leonard Cohen und bisweilen (\u201eLionisis\u201c) auch Sisters of Mercy. Gute Referenzen. \u201eHyacinth\u201c wolle \u201emit dem Herzen ergr\u00fcndet werden\u201c, schrieb anderswo Dominik Maier. Dem kann ich nicht widersprechen. Das Album schlie\u00dft mit \u201eThe Cuckoo\u201c, einer Coverversion eines Folkklassikers, wie abermals das Internet (diesmal wohl zutreffend) mitzuteilen wei\u00df. Ein sch\u00f6nes Ende, dem einzig negativ zu attestieren ist, dass es viel zu fr\u00fch kommt. Die Zeit vergeht mit \u201eHyacinth\u201c im Ohr erschreckend schnell.\nAber man kann es ja dann einfach noch mal von vorn h\u00f6ren.\n\n\nDas soll\u2019s erst mal gewesen sein. Wie immer gilt: Alben, die ich str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt haben k\u00f6nnte, sind als Kommentar gern willkommen. Cheerio.\nKommentareThilo Bauer schrob am 1. Januar 2024 dies: Die lang erwartete (von mir, ausreichend) neue Platte von Patio. Saudummes Video zur Single, so erstickt man m\u00f6gliche Karrieren im Keim. Besser erstmal hier: https://www.youtube.com/watch?v=93yd79yrfD8 Die Bassistin macht irgendwas. Pa\u00dft dann irgendwie doch ins Gesamt\u201ebild\u201c. Mesmerisierend.\nFrohes Neues.tux0r schrob am 1. Januar 2024 dies: Verdammt, die h\u00e4tte ich fr\u00fcher kennen sollen. Danke.KarlMarx schrob am 1. Januar 2024 dies: In meinen Vorlesungen/Seminaren habe ich den Studis immer erkl\u00e4rt, da\u00df man seine pers\u00f6nliche Lieblingsmusik nur unter schwersten Verlusten anderen Mith\u00f6rend*innen nahebringen kann, weil das eben (aus Gr\u00fcnden, die hier den Rahmen sprengen w\u00fcrden) schlicht und ergreifend unm\u00f6glich ist. Trotzdem habe ich jeden einzelnen Link hier durchgeh\u00f6rt, obwohl die Mucke von meinem Musikplaneten aus gesehen wirklich eine komplett andere Baustelle ist. \n\nKlarer Testsieger sind die Flamen: wenn Musik (was sie nie oder nur dann tut, wenn sie schlecht ist) irgendetwas \u201eReales\u201c in der \u201eWelt\u201c widerspiegelt, dann ist der fl\u00e4mische akustische Kommentar das einzige, was den andauernden Krieg, den medialen wie den realen wie auch den subtil versteckten, halbwegs ad\u00e4quat \u201ewiedergibt\u201c. \n\nDas Fl\u00e4mische ist zwar meine Lieblingssprache, aber alles habe ich auch nicht kapiert. Nur so ungef\u00e4hr (und im Original wirklich sprachgewaltig): \n\nDer Tot als der Lehrer der Stille. Als anonymer Tot infiltriert er die Gedanken der Wachenden, der Wach-Seienden, er wartet ab, bis seine kalte Hand zufassen kann, in aller Stille. Er umgibt uns, als einzige tats\u00e4chliche Regel, ohne Aussicht auf Besserung etc. pp.\n\n\u00dcber allem schweben musikalisch (in my not so humble opinion) wirklich nur Bach, Richard Strauss, Messiaen, Woody Shaw, Rob Madna und Bob Brookmeyer. \n\nAber mit den \u00e4sthetischen Urteilen ist das, wie gesagt, so eine Sache, denn wie sagt der alte K\u00f6nigsberger doch so treffend: \u201eUm zu unterscheiden, ob etwas sch\u00f6n sei oder nicht, beziehen wir die Vorstellung nicht durch den Verstand auf das Objekt zum Erkenntnisse, sondern durch die Einbildungskraft (vielleicht mit dem Verstande verbunden) auf das Subjekt und das Gef\u00fchl der Lust oder Unlust desselben.\u201c\n\n\nBach:\n\nhttps://www.youtube.com/watch?v=3EnosoXeTWI&amp;pp=ygUlYmFjaCB3b2hsdGVtcGVyaWVydGVzIGtsYXZpZXIgcmljaHRlcg%3D%3D\n\nZu Risiken und Nebenwirkungen etc.: \n\nMessiaen:\nhttps://www.youtube.com/watch?v=RJ_x_8o80TI\n\nUnd ein paar Leckerli, extra f\u00fcr Sie/Dich eingepackt. \n\nhttps://www.mediafire.com/file/veo59dtibm0th6m/tux0r.zip/file\n\nKeine Sorge, das Zeug \u201everstehen\u201c vielleicht ein halbes Dutzend Leute auf der Welt (und ich selbst auch nur, wenn ich einen guten Tag habe). Mu\u00df man aber auch nicht \u201everstehen\u201c, einfach ohne Vorurteile und Vorannahmen wirken lassen. \n\nWie sagte gr\u00f6\u00dfte Geist, dem ich jemals begegnen durfte, der Dombaumeister des K\u00f6lner Doms, Prof. Dr.-Ing. Arnold Wolff mal, als ich ihm eine von diesen Aufnahmen (auf denen ich selber mitspiele) vorgespielt habe: \u201eDas gef\u00e4llt mir zwar nicht, ist aber au\u00dferordentlich gut!\u201c\n\nMehr braucht man nicht zu wissen\u2026 ;-)\n\nIn diesem Sinne ein frohes Neues Jahr!tux0r schrob am 1. Januar 2024 dies: Gebe ich mir mal in einer ruhigen Minute. Tats\u00e4chlich fahre ich meinen Musikkonsum gerade ein bisschen zur\u00fcck \u2013 ich habe in den letzten Wochen so viel davon geh\u00f6rt, dass ich sonst Angst h\u00e4tte, dass sie mir zum Bingelistening verkommt. Danke, auch f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des Textes.   \n\nIch erwarte gar nicht, dass jeder mag, was mir gef\u00e4llt. Ich h\u00f6re auch manchmal Dinge, die ich nicht mag (Banjo\u2026). Horizont. Weite. Ich finde Dinge gern begr\u00fcndet doof, grundlos kann jeder.Peter schrob am 2. Januar 2024 dies: Das mit Bandcamp war mir neu und gef\u00e4llt mir gar nicht. Das was du \u00fcber Herrn Wilson schreibst ist ganz sch\u00f6n gemein. Ansonsten ist dein Musikgeschmack, nun ja, be\u00e4ngstigend. Ich habe gerade mal einiges neugierig angeklickt und bin froh, das ich morgen meinen Termin beim Seelenklempner habe. Ein frohes neues Jahr   tux0r schrob am 2. Januar 2024 dies: Kennst mich doch\u2026    \u2026 vielleicht werde ich einfach zu alt f\u00fcr Steven Wilson. So kann\u2019s gehen. Auch frohes Neues!Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 26 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Lange nichts mehr \u00fcber Musik geschrieben.</p>\n<p>Es hat <em>endlich</em> ein neues Jahr begonnen. Der fr\u00fcheste Zeitpunkt f\u00fcr Jahresr\u00fcckblicke ist <b>jetzt</b>. Wer schon im Oktober seinen Jahresr\u00fcckblick fertiggestellt hatte, dem fehlt in diesem ein Sechsteljahr. Noch bis Silvester h\u00e4tten theoretisch wunderbare Musikalben rauskommen k\u00f6nnen und die haben die anderen R\u00fcckschauer euch allen unterschlagen. Ich nicht! Daher bekommt ihr den ersten zuverl\u00e4ssigen <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">musikalischen Jahresr\u00fcckblick 2022</span> derjenigen Alben, die h\u00f6renswert sind, exklusiv hier auf dieser bezaubernden Webpr\u00e4senz (und sp\u00e4ter vielleicht auch woanders). Ist das nicht nett von mir?</p>\n<p>Wie fast immer hatte ich mehrmals eine musiktheoretische <em>eiaculatio praecox</em> (hehe, <em>cocks</em>) und konnte hinsichtlich der jeweils aktuellen Alben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/01/kurzkritik-faust-daumenbruch/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/03/kurzkritik-empath-visitor/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Empath</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/04/kurzkritik-jirm-the-tunnel-the-well-holy-bedlam/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">JIRM</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/05/kurzkritik-ufomammut-fenice/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Ufomammut</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/07/kurzkritik-hiroe-wrought/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Hiroe</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/09/kurzkritik-motork-3/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Motor!k</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/09/kurzkritik-naenocybboerg-vberrholoekaeaevst/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">N\u01fdn\u00f8\u0109\u00ffbb\u0152r\u011f Vb\u00eb\u0159\u0159\u0126\u014dl\u00f6k\u00e4\u00e4vs\u0166</span></a> (\u201eNanocyborg Uberholokaust\u201c) nicht an mich halten. Der Rest folgt unten. Das vielger\u00fchmte R\u00fcckkehralbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span> \u2013 ihr \u201eIn Absentia\u201c ist immerhin seit weit \u00fcber zehn Jahren mein bevorzugtes Avatarbild in manchen <em>sozialen Medien</em> \u2013 wusste mich dabei nicht zu begeistern, weshalb es hier nicht vorkommt. Das Leben ist zu kurz f\u00fcr (gleichwie gut gemachten) Kuschelrock.</p>\n<p><span id=\"more-20511\"></span></p>\n<hr>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/earthless-night-parade-of-one-hundred-demons.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_earthless-night-parade-of-one-hundred-demons.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Earthless \u2013 Night Parade of One Hundred Demons</span>\n<p>Mit schweren Gitarrenkl\u00e4ngen beginnt es: Auf dem aktuellen Studioalbum des US-amerikanischen Psychedelic-Rock-Trios <span class=\"musik-review-bandname\">Earthless</span> klingt f\u00fcnf Minuten lang leichter Doom an, bevor sich das er\u00f6ffnende St\u00fcck \u201eNight Parade of One Hundred Demons (Part 1)\u201c in dunklen Blues aufl\u00f6st, schlie\u00dflich ganz verstummt und nach fast sieben Minuten pl\u00f6tzlich <em>explodiert</em>. Der Rest des St\u00fccks wird von einer Art <em>heavy psychedelic</em> bestimmt, die man sich wahrscheinlich ungef\u00e4hr so vorstellen kann, als h\u00e4tten sich <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span> zusammengeschlossen und beschlossen, k\u00fcnftig Spacerock zu spielen. Der wesentliche Faktor scheint die Gitarre zu sein: Mal darf sie ein ausgiebiges Solo singen, mal erg\u00e4nzt sie (mit viel Hall) das Treiben der anderen Instrumente. Sind ja nicht so viele, sind nur Schlagzeug und Bass.</p>\n<p>\u201ePart 2\u201c des gleichen St\u00fccks wird mit <em>groovendem</em> Rhythmus aus Schlagzeug und Bass eingeleitet, dazu ein elektronisches Blubbern, \u00fcber dem bald wieder eine <em>bluesige</em> Gitarre soliert. So \u00e4hnlich w\u00fcrde ich einen W\u00fcstenthriller vertonen, glaube ich. Aber ich kenne mich nicht aus mit dem Vertonen von W\u00fcstenthrillern. Es gab 2017 ein Album des fast gleichen Titels von einer Hardcorepunkband. Damit haben <span class=\"musik-review-bandname\">Earthless</span> zum Gl\u00fcck nichts zu tun.</p>\n<p>Auf \u201eNight Parade of One Hundred Demons\u201c gibt es keinen Gesang, aber daf\u00fcr auch nur drei St\u00fccke. Keines davon ist unter 19 Minuten lang. Wieder eine Band ohne Radiotauglichkeit. Gl\u00fcck gehabt. Es <em>groovt</em> \u00fcber die gesamte Dauer von etwas \u00fcber einer Stunde, ohne auch nur kurz das Gef\u00fchl auszul\u00f6sen, das habe man doch gerade erst geh\u00f6rt. Ein Album wie eine einzige lange Improvisation dreier gut eingespielter Musiker. Nicht \u00fcbel.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Night-Parade-Hundred-Demons-Vinyl/dp/B09LGW2WM6?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/201014441\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort sonst nichts).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/author-punisher-krueller.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_author-punisher-krueller.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Author &amp; Punisher \u2013 Kr\u00fcller</span>\n<p>Kein Kn\u00fcller, aber zumindest ein Kr\u00fcller: Unter diesem <em>interessanten</em> Titel ver\u00f6ffentlichte der US-amerikanische Solok\u00fcnstler und <a href="\&quot;https://www.midi.org/midi-articles/heavy-metal-midi-by-author-and-punisher\&quot;" data-wpel-link="internal">Erfinder</a> <span class=\"musik-review-bandname\">Tristan Shone</span> im Februar 2022 ein weithin als \u00fcberdurchschnittlich wahrgenommenes Album. Weil ich den Namen interessant fand, habe ich es mir angeh\u00f6rt und ich mag es.</p>\n<p>Bereits das erste St\u00fcck \u201eDrone Carrying Dread\u201c \u2013 mit 8:16 Minuten Laufzeit das l\u00e4ngste auf dem Album \u2013 pr\u00e4sentiert die stilistische Bandbreite nahezu in G\u00e4nze. Tief t\u00f6nende Drones (haha, daher der Name; nein, daran d\u00fcrft\u2019s nicht liegen), Industrialrhythmen und meist <em>cleaner</em> Gesang \u2013 der im Verlauf des Albums aber nicht immer so <em>sanft</em> bleibt \u2013 sagen mir zu. Ich hab\u2018 so meine Momente. <em>Im Internet</em> las ich, \u201eKr\u00fcller\u201c sei stilistisch im Wesentlichen <em>Alternative Rock</em>, und das k\u00f6nnte stimmen. Ich h\u00f6re eine <em>h\u00e4rtere</em> Version von <span class=\"musik-review-bandname\">Linkin Park</span>, eine <em>andere</em> Version der <span class=\"musik-review-bandname\">Nine Inch Nails</span>. Dem Widerklangfreund, der bei meinem Musikgenuss gelegentlich das dominante Ohr f\u00fchrt, gef\u00e4llt auch das eigenartige elektronische Fiepsen, das manche St\u00fccke (etwa das herrlich zerrissene \u201eBlacksmith\u201c) begleitet; aber <em>fade-out</em> (\u201eGlorybox\u201c) ist doch immer ein bedauerlicher Abgang.</p>\n<p>F\u00fcr die Gesamtwertung sind solche <em>fehlenden Enden</em> aber letztlich nicht schm\u00e4lernd genug: \u201eKr\u00fcller\u201c gef\u00e4llt. Sch\u00f6n, es entdeckt zu haben, und sch\u00f6n, es weiterempfehlen zu k\u00f6nnen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://authorandpunisher.bandcamp.com/album/kr-ller\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Kr\u00fcller-Author-Punisher/dp/B00128UU0E?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/202620750\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort als explizite Lyrik gekennzeichnet).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/animals-as-leaders-parrhesia.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_animals-as-leaders-parrhesia.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Animals as Leaders \u2013 Parrhesia</span>\n<p>Ich mag ja keinen Metal, <em>aber</em>.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Animals as Leaders</span>, ein US-amerikanisches Trio mit zwei Gitarren und einem Schlagzeug (wenngleich auf \u201eParrhesia\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Misha Mansoor</span>, derzeit bei <span class=\"musik-review-bandname\">Periphery</span>, als Bassist gastiert) und keinem Gesang. \u201eParrhesia\u201c, der Name ihres diesj\u00e4hrigen Studioalbums, ist Englisch und hei\u00dft Parrhesie. Das ist witzig, weil Redefreiheit ohne Text gar nicht so einfach funktioniert wie mit Text.</p>\n<p>Lassen wir also die Musik f\u00fcr sich sprechen. Das erste St\u00fcck \u201eConflict Cartography\u201c l\u00e4sst mich w\u00e4hrend der gesamten f\u00fcnf Minuten seiner Dauer in wechselnden Rhythmen neben dem Takt mit dem Kopf nicken, weshalb ich bereits sein <em>intro</em> zum Anlass nehme, dieses Album in diese Liste aufzunehmen. Die ineinander verzwirbelten Instrumente verdrehen dem geneigten H\u00f6rer (mir) indes bereits im zweiten St\u00fcck \u201eMonomyth\u201c geh\u00f6rig den Kopf. Die 80er-Alben von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> sind gelegentlich \u2013 etwa hier \u2013 nicht fern und die mag ich bei fortschreitendem Alter auch immer lieber.</p>\n<p>Dass die US-Amerikaner am Deutschen so viel Gefallen finden wie ich an ihrer Musik, erkenne ich zumindest am Titel des St\u00fcckes \u201eGestaltzerfall\u201c. Ein sch\u00f6nes Wort. Das klaue ich mal f\u00fcr meine Autobiografie. Das abschlie\u00dfende \u201eGordian Naught\u201c, das als dritte Single ver\u00f6ffentlicht worden ist (das musste ich nachlesen, Singles interessieren mich seit \u00fcber zwanzig Jahren nur noch, wenn ich die B\u2011Seite mag), \u00fcberwindet quasi im Vorbeigehen die Genregrenzen zwischen Progressive Metal, Math Rock und \u2013 tats\u00e4chlich \u2013 Funk. Interessant. H\u00f6rbar. Seltsam.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Parrhesia-Animals-As-Leaders/dp/B09M4R7DKZ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/250761740\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort nur H\u00f6ren).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/green-asphalt.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_green-asphalt.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Green Asphalt</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI know that we will meet again some day.\u201c</span> (She\u2019s a Cow)<br>\n<br>\nAbseits dessen, dass die meisten fr\u00fcheren Mitglieder von <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> w\u00e4hrend <em>der Pandemie</em> tats\u00e4chlich mal wieder gemeinsam einen <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=NYjFP8gildU\&quot;" data-wpel-link="internal">ihrer <em>hits</em> intonierten</a>, war in den letzten Jahren in ihrer musikalischen Nische \u2013 ich w\u00fcrd\u2019s <em>Barock-Prog</em> nennen \u2013 eher wenig los, und auch der <em>Canterbury Style</em>, eine Zeitlang von (unter anderem) <span class=\"musik-review-bandname\">Argos</span> verwaltet, schien sich ein wenig auszuruhen. Umso mehr freut mich, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Green Asphalt</span> auf ihrem Deb\u00fctalbum beides miteinander verbinden.\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Dan Bornemark</span>, befreundet mit <span class=\"musik-review-bandname\">Kerry Minnear</span> und auch sonst im <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle-Giant</span>-<em>Kosmos</em> kein v\u00f6llig Fremder, habe, erz\u00e4hlt das Internet, mit sechs weiteren Musikern (davon drei S\u00e4ngerinnen) insgesamt siebzehn Jahre lang an diesem Album gearbeitet. Das Ergebnis klingt tats\u00e4chlich beeindruckend reif: Mehrstimmige Arrangements mit offensichtlichen (\u201eSuit Yourself\u201c) und weniger offensichtlichen (\u201e&nbsp;\u201aXcuse Me\u201c) Verneigungen vor dem gro\u00dfen Vorbild, zwar weniger Instrumentendurcheinander als das Original, daf\u00fcr mehr <em>jazzige</em> Canterburypassagen mit Fl\u00f6te (beachtlich in \u201eShe\u2019s a Cow\u201c, in dem \u00fcbrigens tats\u00e4chlich gemuht wird), gelegentliche Anleihen an <span class=\"musik-review-bandname\">David Bowie</span> und dazu eine dem Jahr 2022 angemessene Produktion hinterlassen ein wissendes L\u00e4cheln auf dem Gesicht derer, die diesen <em>alten Kram</em> m\u00f6gen, gegen ein wenig moderne Rockmusik mit Streichern (\u201e200 Girls\u201c) aber auch nichts einzuwenden haben.</p>\n<p>Auf meinem zum Beispiel.</p>\n<p>Das \u00fcber zehnmin\u00fctige \u201eTime in Your Face\u201c rundet das Album schlie\u00dflich wie eine Zusammenfassung des bis dahin Geh\u00f6rten \u2013 vielleicht mit einem zus\u00e4tzlichen L\u00f6ffel <span class=\"musik-review-bandname\">Emerson, Lake &amp; Palmer</span> in der Mischung \u2013 ab und macht dabei <em>nichts</em> falsch. Das ist auch mal charmant. Dieses Album macht Spa\u00df. Spa\u00df ist wichtig.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://greenasphalt.bandcamp.com/album/green-asphalt-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD und Vinyl).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/eunoia-psyop-of-the-year.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_eunoia-psyop-of-the-year.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Eunoia \u2013 Psyop of the Year</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Eunoia</span> \u2013 eigentlich: \u03b5\u1f54\u03bd\u03bf\u03b9\u1fb0 \u2013 ist Altgriechisch und hei\u00dft so viel wie \u201esch\u00f6n denken\u201c. Der Name ist nicht unbedingt Programm, denn wie Sch\u00f6ndenken klingt das Album \u201ePsyop of the Year\u201c, das im April erschienen ist, eher nicht, sondern vielmehr nach einer seltsamen Mischung aus Grunge, Mathcore und beizeiten (\u201eLeather Lollipop\u201c) Postpunk \u2013 auch gesprochene/gerufene Spracheinsch\u00fcbe kommen vor \u2013 beziehungsweise, wie\u2019s wir Genreagnostiker zu formulieren pflegen, <em>nach Krach.</em></p>\n<p>Mitunter instrumental, oft aber mit meist extrovertiertem Gesang (insbesondere in der zweiten H\u00e4lfte des Albums wird auch gegrowlt, passt aber trotzdem) gehen die drei Herren hier zu Werke. Ich denke an eine weniger verspielte, daf\u00fcr <em>ziemlich w\u00fctende</em> Version der jetzt auch schon seit f\u00fcnf Jahren verschwundenen <span class=\"musik-review-bandname\">The Dillinger Escape Plan</span>. Der Name und das Titelbild des Albums folgen dem Konzept des Vorg\u00e4ngeralbums \u201eYOU\u2019RE NOT PARANOID ENOUGH\u201c (2019), das insgesamt das Bandkonzept zu sein scheint. Das abschlie\u00dfende St\u00fcck \u2013 keines \u00fcberschreitet \u00fcbrigens f\u00fcnf Minuten Spieldauer \u2013 tr\u00e4gt den Titel \u201e&nbsp;\u201aSaddam Never Worked for the CIA\u2018 and Other Lies Your Father Told You\u201c.</p>\n<p>Das Album klinge von Anfang an nach Gefahr und Unruhe, las ich <em>im Internet</em> und vermag nicht argumentativ zu widersprechen. Ich empfinde w\u00e4hrend des H\u00f6rvorgangs eine Stimmung wie auf einer politischen Demonstration in irgendeiner Gro\u00dfstadt, ein energisches <em>wir gegen die</em> in Musikform; vertrackte Rhythmen inklusive, weil so ein Stra\u00dfenkampf ja auch selten abl\u00e4uft wie ein Ballettst\u00fcck.</p>\n<p>\u201ePsyop\u201c ist ein fremdsprachiges Kurzwort f\u00fcr psychologische Kriegsf\u00fchrung. Passt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B09TY4XL7X?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://eunoia513.bandcamp.com/album/psyop-of-the-year\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/219336255\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort sonst nichts).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/shadow-universe-subtle-realms-subtle-worlds.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_shadow-universe-subtle-realms-subtle-worlds.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Shadow Universe \u2013 Subtle Realms, Subtle Worlds</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Shadow Universe</span> ist der Projektname vierer slowenischer Musiker. Auf ihrem dritten Album \u201eSubtle Realms, Subtle Worlds\u201c ist interessant groovender Instrumentalpostrock mit <em>wirklich viel</em> Klavier, gespielt von <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Dimnik</span> (auch: Gitarre und Synthesizer), und hin und wieder auch Geige zu h\u00f6ren, zwei der sechs St\u00fccke haben Gastmusiker. Es handelt sich um ein Konzeptalbum, das die Annahme vertonen soll, dass jeder Mensch in seiner eigenen Welt lebt, weil er sie auf eine einmalige Art wahrnimmt oder so.</p>\n<p>Das ist eine ziemlich esoterische Pr\u00e4misse, der ich nur auszugsweise folgen kann, aber der Stimmungswechsel zwischen analogmusikalischer Beschaulichkeit, Bedrohlichkeit (\u201eLosing Home\u201c) und Post-Metal-Eruptionen \u2013 \u201eFrieden und Chaos\u201c, wie\u2019s der Pressetext nennt \u2013 ist tats\u00e4chlich erstaunlich fesselnd (aber auf die gute Art) und l\u00e4sst mich <em>eigentlich</em> nur schade finden, dass das Album mit nur 38:10 Minuten Laufzeit viel zu kurz scheint, ohne dabei wirklich kurz zu sein.</p>\n<p>Ich freue mich trotzdem und genie\u00dfe sichtlich still.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Subtle-Realms-Worlds-Vinyl-LP/dp/B09QP3M92P?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://shadowuniverse.bandcamp.com/album/subtle-realms-subtle-worlds\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/203761203\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort weder CD noch Vinyl).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/bruecken-innere-unruhen.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_bruecken-innere-unruhen.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Bruecken \u2013 Innere Unruhen</span>\n<p>\u201eInnere Unruhen liegen dann vor, wenn zahlenm\u00e4\u00dfig nicht unerhebliche Teile des Volkes in einer die \u00f6ffentliche Ruhe und Ordnung st\u00f6renden Weise in Bewegung geraten und Gewaltt\u00e4tigkeiten gegen Personen oder Sachen ver\u00fcben\u201c (Internet). Da freut man sich gleich noch ein wenig mehr, dass man den Genuss von \u201eInnere Unruhen\u201c der Oldenburger Postrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Bruecken</span> halbwegs ohne Pr\u00fcgelei \u00fcberstehen kann, wenn man will.</p>\n<p>Dass dem Rezensenten (d.h.: mir) im zweiten St\u00fcck \u201eAbgrundtief\u201c, das insofern immerhin einen passenden Namen tr\u00e4gt, immer wieder der Refrain von \u201eEin Kompliment\u201c der <span class=\"musik-review-bandname\">Sportfreunde Stiller</span> ins Ged\u00e4chtnis gerufen wird, spricht nicht f\u00fcr meinen <em>damals</em> konsequent durchgehaltenen hervorragenden Musikgeschmack, ist aber auch einer der seltenen Momente auf \u201eInnere Unruhen\u201c, in denen mir irgendwas <em>bekannt vorkommt</em>. Von wegen, Postrock klinge <em>immer gleich</em>.</p>\n<p>Schwaches gibt es ebenfalls so gut wie nicht; vielleicht: Dem Sechseinhalbmin\u00fcter \u201eAtaxie\u201c haftet streckenweise ein gewisser Demo-EP-Charme an. Aber ich mag Demo-EPs von Postrockgruppen eigentlich fast immer. <em>Nat\u00fcrlich</em> lassen auch <span class=\"musik-review-bandname\">Bruecken</span> das altbekannte Laut-Leise-Spiel nicht ungespielt, aber sie versuchen nicht eine Spalte in der Rezensionsrubrik \u201eklingt wie \u2026\u201c auszuf\u00fcllen. Das finde ich sehr nett von ihnen. Zu ihren Vorbildern, behauptet irgendein Pressetext indirekt, z\u00e4hlen unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Red Sparowes</span>, diejenige Postrockband also, von der ich annehme, sie habe irgendeine Wette mit irgendwem laufen, wie lang die Titel ihrer St\u00fccke sein d\u00fcrfen, bevor jemand einschreitet.</p>\n<p>Eine direkte Relation zwischen Namen und <em>Stimmungen</em> der auf \u201eInnere Unruhen\u201c enthaltenen Musik kann ich auch schemenhaft erkennen; \u201eLichterloh\u201c klingt so, wie es hei\u00dft, und \u201eImmersion\u201c wirkt tats\u00e4chlich immersiv. Das Album sei inspiriert von den \u201eGef\u00fchlen des Unbehagens\u201c, behaupten die Musiker, reden aber von \u201eSongs\u201c, obwohl gar keiner singt. Unbehaglich ist \u201eInnere Unruhen\u201c jedenfalls nicht geworden, aber ihnen das vorzuwerfen liegt mir fern. Stattdessen danke ich ihnen f\u00fcr ein gelungenes St\u00fcck inneres Gleichgewicht spendender Musik. \u00c4tsch.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://bruecken.bandcamp.com/album/innere-unruhen-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/215339891\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort Stream).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/dalek-precipice.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_dalek-precipice.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">d\u00e4lek \u2013 Precipice</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eTick, tock, motherfucker!\u201c</span> (A Heretic\u2019s Inheritance)\n<p>Ohne deren Zusammenarbeit mit <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> (\u201eDerbe Respect, Alder\u201c, 2004) h\u00e4tte ich die Existenz von <span class=\"musik-review-bandname\">d\u00e4lek</span>, einer US-amerikanischen Hip-Hop-Gruppe um den Frontmann <span class=\"musik-review-bandname\">MC d\u00e4lek</span>, benannt nach (aber falsch abgeschrieben von) Mutanten aus einer britischen Science-Fiction-Serie, wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Wer mag schon Hip-Hop?</p>\n<p>\u201ePrecipice\u201c, ihr 2022er Album, beginnt aber auch gar nicht mit Hip-Hop, sondern mit der \u201eLo-Fi-Soundwand\u201c (Dominik Steiner) \u201eLest We Forget\u201c, die nicht im Geringsten auf das vorbereitet, was kommen mag: Im folgenden \u201eBoycott\u201c wird druckvoll und <em>sehr US-amerikanisch</em> gerappt, wobei die Ger\u00e4uschcollage im Hintergrund mich eher an <span class=\"musik-review-bandname\">Jambinais</span> \u201eAbyss\u201c als an typische Vertreter zeitgen\u00f6ssischen Sprechgesangs erinnert. d\u00e4lek vermengen Industrial- ebenso wie krautige Elektronikkl\u00e4nge mit <em>handels\u00fcblichem</em> Hip-Hop, als h\u00e4tten sie eigentlich Berliner Elektronik aufnehmen wollen, dann aber <em>beats</em> und B\u00e4sse dr\u00fcbergesch\u00fcttet und pl\u00f6tzlich war\u2019s eine andere Art von Musik. Nicht schlecht.</p>\n<p>Diese Art klanglicher Hervorbringungen ohne L\u00e4ngen zu produzieren erscheint schwierig, und obwohl nur \u201eA Heretic\u2019s Inheritance\u201c sechs Minuten Laufzeit \u00fcberschreitet, bemerke ich beim H\u00f6ren des Albums, dass es manchmal ein paar Takte weniger auch tun w\u00fcrden, etwa in \u201eGood\u201c; andererseits l\u00e4sst sich so die melodische Struktur noch etwas l\u00e4nger genie\u00dfen, was ich insbesondere in den <em>Industrial</em>-n\u00e4heren St\u00fccken (etwa \u201eThe Harbingers\u201c) gern annehme.</p>\n<p>Auf der Vorabsingle \u201eA Heretic\u2019s Inheritance\u201c gastiere <span class=\"musik-review-bandname\">Adam Jones</span> (unter anderem Gitarrist von <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span>), vermeldet der Pressetext mit erkennbarem Stolz, und obwohl ich <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> gar nicht mal besonders gern mag, m\u00f6chte ich diese fast sieben Minuten vorsichtig als den musikalischen H\u00f6hepunkt auf \u201ePrecipice\u201c bezeichnen: Kopfnickrhythmus, ein seltsam schr\u00e4ges Elektronikfundament, vier Minuten Instrumentalintro und erst dann von anschwellendem Krautrock (Krautrock!) begleiteter Sprechgesang, danach ein sanftes, aber schnelles Ausklingen. Ich bin angetan.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://dalek.bandcamp.com/album/precipice\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Precipice-D\u00e4lek/dp/B09NS3KVV8?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/226100037\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort sonst nichts).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/scoof-cdr003sa.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_scoof-cdr003sa.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sc\u2019\u00f6\u00f6f \u2013 CDR003SA</span>\n<p>Ich wei\u00df noch ungef\u00e4hr, was eine CD\u2011R ist, und ahne daher auch, warum das Album \u201eCDR003SA\u201c (das es indes nur auf Kassette und als Download gibt, nicht jedoch auf CD) so hei\u00dft, wie es hei\u00dft. Da endet mein Wissen aber auch schon.</p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, was <span class=\"musik-review-bandname\">Sc\u2019\u00f6\u00f6f</span> \u2013 vier Herren aus der Schweiz und der Name der Band \u2013 hei\u00dfen soll (zumindest die Aussprache ist klar: in \u201eB\u201c und anderen Interludien klingt es ungef\u00e4hr wie \u201eScurf\u201c), und ich wei\u00df auch nicht, was das hier genau ist. Musik, vermutlich, \u201ebrutal jazz\u201c, also \u201ebrutaler Jazz\u201c, kolportiert die Gruppe selbst bzw. l\u00e4sst die Gruppe ihre Plattenfirma kolportieren, das wei\u00df man ja heute nie so genau. Strukturen gibt es auf \u201eCDR003SA\u201c jedenfalls nicht zu h\u00f6ren und Rhythmen auch nicht. Kein St\u00fcck \u00fcberschreitet 3:16 Minuten Laufzeit, die meisten schaffen nicht mal 2 Minuten, bis auf das 13. St\u00fcck \u201e10\u201c, das fast 22 Minuten lang ist.</p>\n<p>Das ist alles ein fabelhafter Krach auf \u201eCDR003SA\u201c, unterbrochen von Pseudo-Spotify-Werbung f\u00fcr die <a href="\&quot;https://scoeoef.bandcamp.com\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcampseite</a> von <span class=\"musik-review-bandname\">Sc\u2019\u00f6\u00f6f</span>. Ich finde das lustig. Alles klingt, als w\u00fcrde man leiernde Kassetten auf zerkratzte CDs \u00fcberspielen, und zwar mit einem Bagger. Viele St\u00fccke h\u00f6ren abrupt auf. Das passt alles ins Konzept.</p>\n<p>In der Rubrik \u201eklingt wie\u201c kriegt \u201eCDR003SA\u201c bei mir zehn Punkte auf der Kopfschmerz- und immerhin acht auf der \u201easia\u201c-Skala. Langj\u00e4hrige Leser wissen: \u201easia\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">boris</span> ist bis heute ein von mir gern zitiertes Album, wenn es um fabelhaften Krach geht. Mal was anderes als Gitarre.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Bandcamp.com wurde ja bereits verlinkt, mehr gibt es anscheinend nicht. Qualit\u00e4t muss man halt manchmal auf ungewohnten Pfaden suchen. Verdammter Kapitalismus.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/julie-tippetts-martin-archer-illusion.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_julie-tippetts-martin-archer-illusion.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Julie Tippetts &amp; Martin Archer \u2013 Illusion</span>\n<p>Im Jahr 1969 nahm die junge S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Julie Driscoll</span> ihr erstes Soloalbum auf, das den Titel \u201e1969\u201c trug. Bereits auf diesem gastierten unter anderem Mitglieder von <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> sowie der mittlerweile verstorbene Jazzpianist <span class=\"musik-review-bandname\">Keith Tippett</span>, der eigentlich Tippetts hie\u00df und sp\u00e4ter ihr Ehemann wurde. In der Folge tauchte <span class=\"musik-review-bandname\">Julie Driscoll</span> als <span class=\"musik-review-bandname\">Julie Tippetts</span> in zahlreichen Besetzungslisten von Projekten von und mit letzterem auf, darunter auf dem empfehlenswerten Album \u201eSeptober Energy\u201c des 55-k\u00f6pfigen Ensembles <span class=\"musik-review-bandname\">Centipede</span>.</p>\n<p>Seit einigen Jahren arbeitet sie vor allem mit <span class=\"musik-review-bandname\">Martin Archer</span> zusammen, seines Zeichens Jazzsaxophonist und Keyboarder. Beide ver\u00f6ffentlichten im Jahr 2022 gemeinsam \u201eIllusion\u201c, was ein fast zweieinhalbst\u00fcndiges Doppelalbum ist, das aus zwei <em>eigentlich</em> separaten Alben besteht, namentlich aus der avantgardistischen \u201eIllusion Suite\u201c, die aus sieben Teilen besteht, die aber wiederkehrende Themen aufweisen und insofern als <em>einzelnes St\u00fcck</em> begriffen werden sollten, sowie dem \u201eCircle of Whispers\u201c, der 13 einzelne, \u00fcberwiegend in Jazz und Jazzrock anzusiedelnde St\u00fccke umfasst. \u201eCircle of Whispers\u201c beginnt dabei mit einem kraftvoll vorgetragenen Lied namens \u201eIllusion\u201c, schlie\u00dft somit zumindest thematisch an die \u201eIllusion Suite\u201c an.</p>\n<p>Der kraftvolle Vortrag ist tats\u00e4chlich einer der st\u00e4rksten Aspekte dieses ohnehin starken Albums. <span class=\"musik-review-bandname\">Julie Tippetts</span> ist im Juni 2022 75 Jahre alt geworden, aber ihre Stimme \u2013 Alt, behauptet <em>das Internet</em> zugunsten von Holzohren wie mir \u2013 scheint das noch nicht gemerkt zu haben; da ist <em>ordentlich Feuer</em> drin. \u00dcberhaupt ist ihr wesentliches Instrument seit Jahrzehnten ihre Stimme und sie wei\u00df sie einzusetzen (hierzu beachtliches St\u00fcck: \u201eNever As They Seem\u201c). Finde ich gut. <span class=\"musik-review-bandname\">James Archer</span>, der vermutlich irgendwie mit <span class=\"musik-review-bandname\">Martin Archer</span> verwandt ist oder auch nicht, streute \u00fcber das Album eine Portion <em>beats</em> und <em>loops</em>, manchmal lugt also etwas Discomusik (mit Stampfbeat) vorsichtig um die Ecke, wird dabei aber niemals aufdringlich und bleibt nie lange. Die Aufmerksamkeit des H\u00f6rers hat auch genug anderes zu tun; der vermeintlich leichtf\u00fc\u00dfige Jazz weicht an interessanten Stellen (sehr, sehr gutes Teilst\u00fcck: \u201ePandemonium\u201c) einer RIO-Detonation mit eskalierenden Blasinstrumenten, findet aber stets zur\u00fcck in die Spur.</p>\n<p>Das letzte St\u00fcck der \u201eIllusion Suite\u201c hei\u00dft \u201eTurn It Around\u201c, also \u201edreh es um\u201c. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Rezension \u2013 18. Juni 2022 \u2013 gibt es \u201eIllusion\u201c (noch?) nicht auf Vinyl, sonst w\u00e4re das ein guter Abschluss meiner Ausf\u00fchrungen. Schade.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Illusion-Julie-Archer-Martin-Tippetts/dp/B09V318H6B?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD), <a href="\&quot;https://discusmusic.bandcamp.com/album/illusion-131cd-2022\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch Download und CD), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/221410016\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort sonst nix).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/j-peter-schwalm-stephan-thelen-transneptunian-planets.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_j-peter-schwalm-stephan-thelen-transneptunian-planets.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">J. Peter Schwalm &amp; Stephan Thelen \u2013 Transneptunian Planets</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Stephan Thelen</span> ist ein in Z\u00fcrich lebender Komponist, Musiker und Mathematiker, den wiederholte Leser meiner Rezensionen vielleicht bereits als Mitglied der Gruppe <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/02/kurzkritik-sonar-black-light/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Sonar</span></a> kennen, <span class=\"musik-review-bandname\">J. Peter Schwalm</span> wiederum ist ein deutscher Komponist und Musikproduzent, der um das Jahr 2000 herum erstmals in hinreichend popul\u00e4rem Umfeld, n\u00e4mlich in mehreren Gemeinschaftsarbeiten mit <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Eno</span>, von sich h\u00f6ren lie\u00df. Gemeinsam mit drei weiteren, an der Komposition jedoch nur wenig beteiligten Musikern, darunter dem Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Manuel Pasquinelli</span> (ebenfalls f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Sonar</span> t\u00e4tig), haben die beiden in elektronischer Avantgarde bewanderten Herren unter dem Titel \u201eTransneptunian Planets\u201c acht transneptunischen Objekten \u2013 unter ihnen <em>nat\u00fcrlich</em> Pluto und sein Herausforderer Quaoar \u2013 jeweils ein weitgehend instrumentales St\u00fcck mit wenigen Spracheinw\u00fcrfen gewidmet.</p>\n<p>Gelegentlich zerrei\u00dft eine schneidende Gitarre das elegant gewobene Tuch, aber gr\u00f6\u00dftenteils wird mit \u201eTransneptunian Planets\u201c eine vordergr\u00fcndig groovende, im Detail aber <em>erfrischend verknotete</em> Weltraumlandschaft gemalt, deren Vortrag zwischen Spacerock, Industrial und Postrock schwebt (\u00fcberhaupt: Schweben), angereichert allerdings mit einer oft kaum auff\u00e4llig polyrhythmischen Grundstruktur, die vermeintliches Ambient (sch\u00f6ner Kontrast: \u201eOrcus\u201c) in Spannung versetzt, ohne es zu <em>verderben</em>. Mitunter, etwa im St\u00fcck \u201eGongGong\u201c (mit der Band <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> hat es trotz \u00e4hnlicher musikalischer Ziele nichts zu tun), atmet \u201eTransneptunian Planets\u201c auch etwas vom Geist des fr\u00fchen Krautrocks (ich meine die <em>mittleren</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> zu h\u00f6ren), der Fokus liegt aber klar auf der <em>Reise durch das All</em>. L\u00e4ngen gibt es kaum, erst das vorletzte St\u00fcck \u201eSedna\u201c h\u00e4tte meiner Meinung nach etwas k\u00fcrzer sein k\u00f6nnen, aber ich bin ja auch Konsument und nicht <em>creator</em> und habe darum kein Mitspracherecht. Musik ist keine Demokratie. Das ist wahrscheinlich auch besser so.</p>\n<p>Die Musiker haben, behauptet der Pressetext, sich von den \u00e4u\u00dferen Grenzen des Kosmos inspirieren lassen. Da war ich noch nie, aber es scheint dort voller Wohlklang zu sein. Vielleicht gucke ich doch mal, wann die n\u00e4chste Bahn dahin f\u00e4hrt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://stephanthelen.bandcamp.com/album/transneptunian-planets\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Transneptunian-Planets-J-Peter-Schwalm/dp/B09X3D44T9?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/231933250\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort nur Stream).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/tassenschrank-vom-erfolg-verfolgt.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_tassenschrank-vom-erfolg-verfolgt.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Tassenschrank \u2013 Vom Erfolg verfolgt</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eKapitalismus, ich liebe dich / ich verehre dich ewiglich!\u201c</span> (Ich habe Geld)\n<p>\u201eDie irrste Band Europas\u201c, schreibt der Verantwortliche f\u00fcr die Website von <span class=\"musik-review-bandname\">Tassenschrank</span> auf der Website von <span class=\"musik-review-bandname\">Tassenschrank</span>, sei <span class=\"musik-review-bandname\">Tassenschrank</span>. <a href="\&quot;https://web.archive.org/web/20220801195652/https://tassenschrank.com/the-band/\&quot;" data-wpel-link="internal">Lorem ipsum!</a> Das Schweizer Quintett sei im Jahr 2020 gegr\u00fcndet worden, als auch in der Schweiz pl\u00f6tzlich jede Menge Freizeit da war. Die Plattenfirma pretty noice, bei der 2022 ihr Deb\u00fctalbum \u201eVom Erfolg verfolgt\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde, verlegt unter anderem auch <span class=\"musik-review-bandname\">Das Niveau</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Die Streuner</span>. Wer daraus abzuleiten versucht, wie \u201eVom Erfolg verfolgt\u201c wohl klingt, der wird voraussichtlich scheitern.</p>\n<p><em>Folk</em> spielen <span class=\"musik-review-bandname\">Tassenschrank</span>, anders als die genannten Kollegen, in keiner Weise, hingegen einen humorvollen, oft gar albernen Poprock, der Genregrenzen allenfalls als grobe Empfehlung, nicht aber als festen Rahmen begreift. <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span> (\u201eIch habe Geld\u201c) kann ich ebenso wie die Neue Deutsche Welle (\u201eDer Wald\u201c) als Inspirationen ausmachen, m\u00f6glicherweise unbeabsichtigt, aber nicht ungef\u00e4llig, hier und da auch mit Ohrwurmqualit\u00e4ten: \u201eUnd pl\u00f6tzlich der Regen\u201c \u2013 so endet \u201eDer Wald\u201c und damit auch das Album \u2013 bleibt noch eine Weile im Ohr.</p>\n<p>Vom Erfolg verfolgt sind <span class=\"musik-review-bandname\">Tassenschrank</span> tats\u00e4chlich, immerhin haben sie es hier auf diese noble Liste geschafft. Hoffentlich bleiben sie ihr auch mit dem n\u00e4chsten Album gerecht \u2013 der Einstand war schon mal gut.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/214382376\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> hat einen Komplettstream, es gibt im \u00dcbrigen auch einen offiziell scheinenden <a href="\&quot;https://www.youtube.com/@tassenschrank8454\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube-Kanal</a> mit Ausz\u00fcgen aus dem Album.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/birth-born.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_birth-born.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Birth \u2013 Born</span>\n<p>Da hat die <em>Birth Control</em> zum Gl\u00fcck versagt: \u201eBorn\u201c, das Deb\u00fctalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Birth</span>, klingt tats\u00e4chlich eher britisch und ist <em>nach meinem Empfinden</em> das beste 70er-Progressive-Bluesrock-Album, das mir 2022 untergekommen ist. <span class=\"musik-review-bandname\">Birth</span> ist trotzdem ein US-amerikanisches Quartett, das \u00fcberwiegend aus Mitgliedern der derzeit anscheinend pausierenden Progressive-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Astra</span> besteht.</p>\n<p>Ich h\u00f6re <span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span> (\u201eDescending Us\u201c), die <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>, fr\u00fche <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> (sch\u00f6n!), aber auch eine gitarrenorientierte Version von <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> (\u201eBorn\u201c), allgemein viel AOR mit wenig, daf\u00fcr angenehm mit der Musik harmonierenden Gesang. Davon k\u00f6nnen sich andere zeitgen\u00f6ssische Musikgruppen, die versuchen, in den 1970er Jahren zu wildern, eine gro\u00dfe Scheibe abschneiden und dann ist immer noch genug \u00fcbrig. An Text soll\u2019s auch genug sein.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://birthprog.bandcamp.com/album/born\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD, Vinyl und Beutel), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Born-Black-Vinyl-LP/dp/B0B18WPS6K?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/227638431\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort keine Tontr\u00e4ger).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/ana-fosca-poised-at-the-edge-of-structure.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_ana-fosca-poised-at-the-edge-of-structure.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">ANA FOSCA \u2013 Poised at the Edge of Structure</span>\n<p>Ein zumindest gl\u00fccklicher Zufall \u2013 ihre Mitwirkung an einer Zusammenstellung von St\u00fccken von mehreren K\u00fcnstlern, die mir aus nicht mehr l\u00fcckenlos rekonstruierbaren Gr\u00fcnden empfohlen wurde \u2013 stellte mir <span class=\"musik-review-bandname\">Ana Fosca</span> (\u201eANA FOSCA\u201c, die Gro\u00df- und Kleinschreibung scheint so gewollt zu sein) vor, eine der d\u00e4nischen Untergrundszene anscheinend entwachsenden Musikerin aus Kopenhagen, die eigentlich anders hei\u00dft und, wie man den Presseinformationen entnehmen kann, beeinflusst wurde von \u201eKierkegaard, Plath, Tarkowski, Hannah Arendt, Wiener Aktionismus, \u00c9liane Radigues Ansatz des Zuh\u00f6rens, den Filmen von Kurt Kren\u201c sowie den \u201eGedanken und Schriften von Simone de Beauvoir\u201c. Ihr neues Album \u201ePoised at the Edge of Structure\u201c ist ihr Deb\u00fct bei der bemerkenswerten, weil wohl <a href="\&quot;https://www.helenscarsdale.com/about.htm\&quot;" data-wpel-link="internal">aus <em>Liebe</em> zur Musik</a> statt aus rein finanziellen Erw\u00e4gungen seit 2003 von einer Privatperson betriebenen Plattenfirma \u201eThe Helen Scarsdale Agency\u201c, die ich bislang auch gar nicht kannte. Diese sei, erfahre ich, spezialisiert auf Post-Industrial, Surrealismus, Minimalismus und so weiter. Das klingt unironisch einladend nach f\u00fcrchterlichem Krach, aber ich bin ja auch komisch.</p>\n<p>\u201ePoised at the Edge of Structure\u201c ist tats\u00e4chlich kein geeignetes Album f\u00fcr eine spa\u00dfige Tanzveranstaltung oder auch nur f\u00fcr ein Rendezvous (es sei denn, der Rendezvouspartner ist ebenfalls komisch). Es brummt, es knattert, manchmal zirpt es, irgendwo spricht eine Frau zum Verstehen zu Verzerrtes. \u201eGegens\u00e4tzliche Kr\u00e4fte, sengendes Ger\u00e4usch und bedrohliches Dr\u00f6hnen\u201c, teilt der Pressetext weiter mit, seien der Kern dieses Albums, in den von Stimme erg\u00e4nzten Teilen gepaart mit einer \u201ekathartischen Beschw\u00f6rung\u201c mit dem Ziel, \u201ein all der Qual und Verzweiflung\u201c einen Sinn zu finden. Nach Abschluss des ersten H\u00f6rdurchgangs (grunds\u00e4tzlich ist der optimale Zeitpunkt f\u00fcr eine Rezension, wie ich finde, derjenige, der die spontanen Eindr\u00fccke noch frisch abbilden l\u00e4sst) verstehe ich das nicht: Es f\u00fchlt sich alles irgendwie <em>sinnlos</em> an.</p>\n<p>Genau die richtige Dosis <span class=\"musik-review-bandname\">CoiL</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Throbbing Gristle</span> f\u00fcllt die vermeintliche L\u00fccke, die der oft scheinbar fehlende Rhythmus hinterl\u00e4sst. Der fehlt aber gar nicht, auch wenn gerade keine Trommeln ert\u00f6nen, sondern er findet im Kopf statt. <em>Nat\u00fcrlich</em> klingt \u201ePoised at the Edge of Structure\u201c in den St\u00fccken, in denen die <em>Kante der Struktur</em> zur\u00fcckgelassen wird, wie eine einsame Fabrikhalle, in der irgendeine Maschine effizient auf Metall rumkloppt. <em>Nat\u00fcrlich</em> ist dieses Album von dem, was diejenigen, die <span class=\"musik-review-bandname\">Rammstein</span> oder meinetwegen <span class=\"musik-review-bandname\">Laibach</span> als typische Industrialband verstehen, als \u201eIndustrial\u201c bezeichnen w\u00fcrden, so weit entfernt wie <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> von einem Herrn, der beruflich singen sollte. Ich wei\u00df nicht, wie ich die hier enthaltene Musik zusammenfassen soll. Ambient des Todes vielleicht. Factory Noise. Sengendes Ger\u00e4usch und bedrohliches Dr\u00f6hnen. Es ist <em>geil</em>. Ich mag das Wort nicht, aber es stimmt. Es ist nur etwas bedauerlich, dass es anscheinend derzeit <em>(Stand: 30. August 2022)</em> keine Vinylauflage gibt; bei <em>kleinen</em> K\u00fcnstlern indes nicht ungew\u00f6hnlich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://helenscarsdale.bandcamp.com/album/poised-at-the-edge-of-structure\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B09SVW8ZBP/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort tats\u00e4chlich mal nur Stream), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/217771810\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort auch).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/the-slow-light-liminal.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_the-slow-light-liminal.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Slow Light \u2013 Liminal</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eAs the sands divide / you see your ending / of grains piling as memories.\u201c</span> (The Hourglass)\n<p>Das j\u00e4hrliche Soll an gutem Postrock wurde 2022 von Alteingesessenen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Long Distance Calling</span> eigentlich \u00fcbererf\u00fcllt, das Deb\u00fctalbum der australischen Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">The Slow Light</span> \u2013 \u201eLiminal\u201c betitelt \u2013 bedarf dennoch besonderer Erw\u00e4hnung, denn Postrock ist nur eine ihrer Facetten. \u201eLiminal\u201c bedeutet ungef\u00e4hr \u201eSchwellenwert\u201c, was passt, denn auf der <em>Schwelle</em> zwischen Postrock, Spacerock und <em>klassischem</em> Progressive Rock (sehr sch\u00f6n: der Bass im Mittelteil des Titelst\u00fccks), nicht <em>ganz</em> un\u00e4hnlich den \u00e4lteren Soloalben <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilsons</span>, bewegen sich die f\u00fcnf Musiker hier fast eine Dreiviertelstunde lang. Die Streicher sind leider nicht echt, klingen aber sch\u00f6n.</p>\n<p>Bei \u201eLiminal\u201c handelt es sich um ein Konzeptalbum, das \u201edie K\u00e4mpfe der Trauer und des Existenzialismus beleuchtet\u201c, erkl\u00e4rt der Informationstext zum Album nebul\u00f6s. Dieses Konzept wird von den von <span class=\"musik-review-bandname\">Jack Bolingbroke</span> \u2013 sch\u00f6ner Name auch \u2013 intonierten Texten abgebildet, es existiert also wirklich. Das muss man bei vermeintlichen Konzeptalben dieser Tage ja immer dranschreiben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://theslowlight.bandcamp.com/album/liminal\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (nur Digitales), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0B94WT9XK/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (nur Digitales), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/242302713\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (nur Digitales).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/archive-call-to-arms-and-angels.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_archive-call-to-arms-and-angels.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Archive \u2013 Call to Arms &amp; Angels</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI\u2019m constantly falling / I constantly rise\u201c</span> (Shouting Within)\n<p>Ab \u201eControlling Crowds\u201c von 2009 hatte ich die Londoner Artrockgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Archive</span> zwar noch <em>im Auge gehabt</em>, aber kaum mehr wirklich zu sch\u00e4tzen gewusst \u2013 sp\u00e4testens der Gastrapper auf dem genannten Album hatte mir jede Lust an der zuvor f\u00fcr <em>eigentlich</em> ganz gut befundenen Band weitgehend genommen.</p>\n<p>Nun erschien 2022 mit \u201eCall to Arms &amp; Angels\u201c ein mit \u00fcber anderthalb Stunden Laufzeit (das sind ungef\u00e4hr drei Schallplatten, zumindest wird das Album als Dreifach-LP verkauft) nicht unbedingt kompaktes neues Album der wohl auf die Stammbesetzung aus den beiden letzten verbliebenen Gr\u00fcndungsmitglieder <span class=\"musik-review-bandname\">Darius Keeler</span>, den eine Krebserkrankung 2022 erfreulicherweise nicht dahingerafft hat, und <span class=\"musik-review-bandname\">Danny Griffiths</span>, die allerdings diesmal satte 14 Gastmusiker um sich geschart haben, darunter auch die langj\u00e4hrigen S\u00e4ngerinnen <span class=\"musik-review-bandname\">Holly Martin</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Maria Q</span>. Rap gibt es diesmal gar nicht zu h\u00f6ren, stattdessen angenehm intensive Elektronik, die den Postrock fr\u00fcherer Alben immer mal wieder durchscheinen l\u00e4sst und in l\u00e4ngeren Teilen wie dem fast viertelst\u00fcndigen St\u00fcck \u201eDaytime Coma\u201c auch den Industrial mindestens streift. w\u00e4hrend die zweite H\u00e4lfte des Achteinhalbmin\u00fcters \u201eEnemy\u201c EBM und Postpunk <em>gar nicht schlecht</em> miteinander kombiniert. Die musikalischen Wurzeln der beiden faktischen <em>Bandleader</em> in der Londoner Tanzclubszene sind eben nie ganz verblasst.</p>\n<p>\u201eCall to Arms &amp; Angels\u201c wirkt wie eine Werkschau von <span class=\"musik-review-bandname\">Archive</span>, aber das war ja \u201e25\u201c (2019) schon: Bereits in den ersten sechs St\u00fccken gibt es \u2013 au\u00dfer Rap <em>nat\u00fcrlich</em> \u2013 einen Querschnitt aus all ihren bisherigen musikalischen Phasen. Dominant ist erstaunlich gitarrenfreundlicher psychedelischer Shoegaze mit einem Qu\u00e4ntchen Elektronik, die sich wie ein Schleier \u00fcber die wenigen Popankl\u00e4nge (\u201eEvery Single Day\u201c) legt. Obwohl es auf \u201eCall to Arms &amp; Angels\u201c mehrere <em>lange St\u00fccke</em> gibt, kann ich musikalisch keine einzige <em>L\u00e4nge</em> ausmachen. Sehr erfreuliches Album, sehr erfreulicher Zufallsfund. Danke, <span class=\"musik-review-bandname\">Archive</span>. Jetzt bitte so bleiben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Call-Arms-Angels-2cd-Archive/dp/B09L9T6F84?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (auch Vinyl, CD ebenfalls dort irgendwo), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/226100102\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (weder Vinyl noch CD).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/huracan-we-are-very-happy.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_huracan-we-are-very-happy.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Hurac\u00e1n \u2013 We Are Very Happy</span>\n<p>So fr\u00f6hlich wie das Titelbild dieses Albums ist auch die Musik und so \u00e4hnlich f\u00fchle ich mich, wenn ich einen schlechten Tag habe; soll hei\u00dfen: Wenn <span class=\"musik-review-bandname\">Hurac\u00e1n</span> so klingen, wenn sie <em>very happy</em> sind, m\u00f6chte ich sie lieber nicht schlecht gelaunt erleben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Hurac\u00e1n</span> kommen aus Belgien, aber das macht nichts. Gesungen wird trotzdem auf Englisch. Der Bandname \u2013 so hei\u00dft auch ein Auto, wahrscheinlich aus dem gleichen Grund \u2013 wurde dem Mayagott des Windes, des Sturmes und des Feuers entliehen und beschmutzt seinen Namen keineswegs, denn dargeboten wird <em>st\u00fcrmischer, feuriger</em> Sludge Metal. Die beiden Gasts\u00e4ngerinnen <span class=\"musik-review-bandname\">Nele De Gussem</span> (sonst bei <span class=\"musik-review-bandname\">Maya\u2019s Moving Castle</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Future Old People Are Wizards</span> besch\u00e4ftigt) und <span class=\"musik-review-bandname\">Evelien Weymaere</span> (sonst anscheinend nirgends) sind erfreulich, aber die St\u00fccke ohne ihre Beteiligung <em>liefern</em> trotzdem, wie es in zeitgen\u00f6ssischer Formulierung hei\u00dft. Zum er\u00f6ffnenden Titelst\u00fcck, das die Essenz des Albums (d.h. zentral ins Antlitz zimmernden Stoner, Doom und Postmetal) bereits in sich vereint, gibt es <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=7CGIaKYcsWM\&quot;" data-wpel-link="internal">ein merkw\u00fcrdiges Musikvideo.</a> Gef\u00e4llt.</p>\n<p>\u201eDem Gelegenheitsh\u00f6rer\u201c, schrieb jemand anderswo, k\u00f6nnte dieses Album \u201eetwas sperrig erscheinen\u201c. Nun bin ich Gelegenheitsh\u00f6rer des Artverwandten, denn mein Leben ist selbst mir etwas zu kurz, um mich fortw\u00e4hrend anbr\u00fcllen zu lassen, aber ich teile diese Auffassung nicht. Im Gegenteil: Es k\u00f6nnte meinetwegen gern noch l\u00e4nger sein. Aber so viel Musik, so wenig Zeit. Mein altes Problem.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://huracantheband.bandcamp.com/album/we-are-very-happy\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (nur Stream), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B0BCL45BFH/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (nur Stream), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/245994035\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (nur Stream).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/holz-holz.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_holz-holz.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Holz \u2013 Holz</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDie H\u00fcgel schieben sich an mir vorbei / mit \u00e4u\u00dferster Geduld.\u201c</span> (50 Meilen geradeaus)\n<p><em>Ich und mein</em> \u2013 nein, dies ist einfach nur \u201eHolz\u201c, nicht \u201eHolziholz\u201c und schon gar nicht \u201eHolziholziholz\u201c, das j\u00fcngste und wom\u00f6glich erste Studioalbum des Kasseler Trios gleichen Namens. <span class=\"musik-review-bandname\">Holz</span> gab es von 2011 bis ungef\u00e4hr 2016 und seit ungef\u00e4hr 2021 wieder, sofern ich die Informationen <em>im Internet</em> korrekt zusammengekratzt habe. Die zehn Lieder sind \u00fcberwiegend zwischen vier und viereinhalb Minuten lang, manchmal k\u00fcrzer, nur \u201eGarten\u201c hebt mit 8:32 Minuten Laufzeit den Schnitt deutlich.</p>\n<p>Die zus\u00e4tzlichen Minuten in \u201eGarten\u201c werden \u00fcberwiegend mit Instrumentalem gef\u00fcllt, womit wir auch schon bei der Hauptsache w\u00e4ren, n\u00e4mlich der Musik; und die ist gut gelungen. <span class=\"musik-review-bandname\">Holz</span> spielen energiegeladenen, dabei aber staubtrockenen Stoner Rock mit unanstrengend, aber kraftvoll vorgetragenen deutschen Texten. Irgendwo begegnete ich dem Einwand, S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Leonard Riegel</span> habe eine nicht \u00fcberzeugende Stimme, aber <em>mir</em> gef\u00e4llt sie \u2013 sie hat genau das richtige Ma\u00df an <em>Dreckigkeit</em>, ohne dabei (ein Fehler, den sonst viele artverwandte Gruppen machen) in Metalgegrunze zu verfallen. Die Band selbst nennt ihren Stil auf Bandcamp in den <em>tags</em> \u201eStonerpunk\u201c, passen k\u00f6nnte es. Saufen und Politik kommen in den Texten aber nicht vor, es ist also die jenseits von Feiern und Massenveranstaltungen <em>bessere</em> Art von Punk. \u201eHolz\u201c macht Spa\u00df, \u201eHolz\u201c hebt die Stimmung. Ich finde diese Wirkung empfehlenswert.</p>\n<p>Das Coverbild finde ich \u00fcbrigens seltsam, aber seltsam mag ich ja.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://holzholzholz.bandcamp.com/album/holz\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Holz-Ltd-180g-Black-Lp-Vinyl/dp/B0BFV28XQH?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD und Vinyl).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/kamala-limbo666.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_kamala-limbo666.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Kamala \u2013 limbo666</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Kamala</span>, dieses Wort habe ich in einem Wiki namens \u201eYogawiki\u201c gefunden, ist ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet Lotosbl\u00fcte. \u00dcberhaupt nicht indisch ist allerdings eine der mindestens zwei Musikgruppen gleichen Namens, von denen n\u00e4mlich eine wiederum in Leipzig ans\u00e4ssig zu sein behauptet und auf ihrem j\u00fcngsten Album \u201elimbo666\u201c erfreulicherweise trotzdem auf Englisch und nicht auf S\u00e4chsisch singt. Die Texte sind diesseitsbezogen und recht unmeditativ (der Titel \u201eFreudian Autocorrect\u201c verr\u00e4t es schon beim Dr\u00fcberlesen). Alles \u00dcbrige w\u00fcrde mir auch missfallen.</p>\n<p>Dass bereits das Titelst\u00fcck (\u201eLimbo\u201c, allerdings kommt \u201e666\u201c im Text vor), das das Album anf\u00fchrt, nach etwas mehr als viereinhalb Minuten langweilig ausgeblendet wird, schm\u00e4lert meine Freude ein wenig, aber grunds\u00e4tzlich ist das hier zu H\u00f6rende nicht zu verachten: Ich h\u00f6re recht geradlinigen, solide und mit <em>coolem</em> Gesang dargebotenen und nur selten (\u201eFreudian Autocorrect\u201c \u2013 zum Zeitpunkt der Niederschrift mein Favorit auf diesem Album) ins Harte gedrehten, manchmal (\u201eNarcissus\u201c) hingegen balladesken Psychedelic Rock ohne Ecken und Kanten und ohne allzu abgedrehte Experimente. Ohne einen einzigen <em>Ausfall</em>. Wie unaufregend. Wie sch\u00f6n. Kann man mal machen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://kamalapsych.bandcamp.com/album/limbo666\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Limbo666-Kamala/dp/B0BHMZHMK3?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort auch CD), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/256721206\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (dort weder CD noch Vinyl).</p></li>\n</ol>\n<hr>\n<p>Mal sehen, was 2023 auf uns zukommt. Die ersten Alben hab\u2018 ich schon.</p>\n<hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2023/01/musik-12-2022-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg02.met.vgwort.de/na/1f2266baef1f420084665b25718f570c\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 26 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickLange nichts mehr \u00fcber Musik geschrieben.\nEs hat endlich ein neues Jahr begonnen. Der fr\u00fcheste Zeitpunkt f\u00fcr Jahresr\u00fcckblicke ist jetzt. Wer schon im Oktober seinen Jahresr\u00fcckblick fertiggestellt hatte, dem fehlt in diesem ein Sechsteljahr. Noch bis Silvester h\u00e4tten theoretisch wunderbare Musikalben rauskommen k\u00f6nnen und die haben die anderen R\u00fcckschauer euch allen unterschlagen. Ich nicht! Daher bekommt ihr den ersten zuverl\u00e4ssigen musikalischen Jahresr\u00fcckblick 2022 derjenigen Alben, die h\u00f6renswert sind, exklusiv hier auf dieser bezaubernden Webpr\u00e4senz (und sp\u00e4ter vielleicht auch woanders). Ist das nicht nett von mir?\nWie fast immer hatte ich mehrmals eine musiktheoretische eiaculatio praecox (hehe, cocks) und konnte hinsichtlich der jeweils aktuellen Alben von Faust, Empath, JIRM, Ufomammut, Hiroe, Motor!k und N\u01fdn\u00f8\u0109\u00ffbb\u0152r\u011f Vb\u00eb\u0159\u0159\u0126\u014dl\u00f6k\u00e4\u00e4vs\u0166 (\u201eNanocyborg Uberholokaust\u201c) nicht an mich halten. Der Rest folgt unten. Das vielger\u00fchmte R\u00fcckkehralbum von Porcupine Tree \u2013 ihr \u201eIn Absentia\u201c ist immerhin seit weit \u00fcber zehn Jahren mein bevorzugtes Avatarbild in manchen sozialen Medien \u2013 wusste mich dabei nicht zu begeistern, weshalb es hier nicht vorkommt. Das Leben ist zu kurz f\u00fcr (gleichwie gut gemachten) Kuschelrock.\n\n\n\nEarthless \u2013 Night Parade of One Hundred Demons\nMit schweren Gitarrenkl\u00e4ngen beginnt es: Auf dem aktuellen Studioalbum des US-amerikanischen Psychedelic-Rock-Trios Earthless klingt f\u00fcnf Minuten lang leichter Doom an, bevor sich das er\u00f6ffnende St\u00fcck \u201eNight Parade of One Hundred Demons (Part 1)\u201c in dunklen Blues aufl\u00f6st, schlie\u00dflich ganz verstummt und nach fast sieben Minuten pl\u00f6tzlich explodiert. Der Rest des St\u00fccks wird von einer Art heavy psychedelic bestimmt, die man sich wahrscheinlich ungef\u00e4hr so vorstellen kann, als h\u00e4tten sich Pink Floyd und Led Zeppelin zusammengeschlossen und beschlossen, k\u00fcnftig Spacerock zu spielen. Der wesentliche Faktor scheint die Gitarre zu sein: Mal darf sie ein ausgiebiges Solo singen, mal erg\u00e4nzt sie (mit viel Hall) das Treiben der anderen Instrumente. Sind ja nicht so viele, sind nur Schlagzeug und Bass.\n\u201ePart 2\u201c des gleichen St\u00fccks wird mit groovendem Rhythmus aus Schlagzeug und Bass eingeleitet, dazu ein elektronisches Blubbern, \u00fcber dem bald wieder eine bluesige Gitarre soliert. So \u00e4hnlich w\u00fcrde ich einen W\u00fcstenthriller vertonen, glaube ich. Aber ich kenne mich nicht aus mit dem Vertonen von W\u00fcstenthrillern. Es gab 2017 ein Album des fast gleichen Titels von einer Hardcorepunkband. Damit haben Earthless zum Gl\u00fcck nichts zu tun.\nAuf \u201eNight Parade of One Hundred Demons\u201c gibt es keinen Gesang, aber daf\u00fcr auch nur drei St\u00fccke. Keines davon ist unter 19 Minuten lang. Wieder eine Band ohne Radiotauglichkeit. Gl\u00fcck gehabt. Es groovt \u00fcber die gesamte Dauer von etwas \u00fcber einer Stunde, ohne auch nur kurz das Gef\u00fchl auszul\u00f6sen, das habe man doch gerade erst geh\u00f6rt. Ein Album wie eine einzige lange Improvisation dreier gut eingespielter Musiker. Nicht \u00fcbel.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de (dort auch CD und Vinyl), TIDAL (dort sonst nichts).\nAuthor &amp; Punisher \u2013 Kr\u00fcller\nKein Kn\u00fcller, aber zumindest ein Kr\u00fcller: Unter diesem interessanten Titel ver\u00f6ffentlichte der US-amerikanische Solok\u00fcnstler und Erfinder Tristan Shone im Februar 2022 ein weithin als \u00fcberdurchschnittlich wahrgenommenes Album. Weil ich den Namen interessant fand, habe ich es mir angeh\u00f6rt und ich mag es.\nBereits das erste St\u00fcck \u201eDrone Carrying Dread\u201c \u2013 mit 8:16 Minuten Laufzeit das l\u00e4ngste auf dem Album \u2013 pr\u00e4sentiert die stilistische Bandbreite nahezu in G\u00e4nze. Tief t\u00f6nende Drones (haha, daher der Name; nein, daran d\u00fcrft\u2019s nicht liegen), Industrialrhythmen und meist cleaner Gesang \u2013 der im Verlauf des Albums aber nicht immer so sanft bleibt \u2013 sagen mir zu. Ich hab\u2018 so meine Momente. Im Internet las ich, \u201eKr\u00fcller\u201c sei stilistisch im Wesentlichen Alternative Rock, und das k\u00f6nnte stimmen. Ich h\u00f6re eine h\u00e4rtere Version von Linkin Park, eine andere Version der Nine Inch Nails. Dem Widerklangfreund, der bei meinem Musikgenuss gelegentlich das dominante Ohr f\u00fchrt, gef\u00e4llt auch das eigenartige elektronische Fiepsen, das manche St\u00fccke (etwa das herrlich zerrissene \u201eBlacksmith\u201c) begleitet; aber fade-out (\u201eGlorybox\u201c) ist doch immer ein bedauerlicher Abgang.\nF\u00fcr die Gesamtwertung sind solche fehlenden Enden aber letztlich nicht schm\u00e4lernd genug: \u201eKr\u00fcller\u201c gef\u00e4llt. Sch\u00f6n, es entdeckt zu haben, und sch\u00f6n, es weiterempfehlen zu k\u00f6nnen.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (dort auch CD und Vinyl), Amazon.de (dort auch CD), TIDAL (dort als explizite Lyrik gekennzeichnet).\nAnimals as Leaders \u2013 Parrhesia\nIch mag ja keinen Metal, aber.\nAnimals as Leaders, ein US-amerikanisches Trio mit zwei Gitarren und einem Schlagzeug (wenngleich auf \u201eParrhesia\u201c Misha Mansoor, derzeit bei Periphery, als Bassist gastiert) und keinem Gesang. \u201eParrhesia\u201c, der Name ihres diesj\u00e4hrigen Studioalbums, ist Englisch und hei\u00dft Parrhesie. Das ist witzig, weil Redefreiheit ohne Text gar nicht so einfach funktioniert wie mit Text.\nLassen wir also die Musik f\u00fcr sich sprechen. Das erste St\u00fcck \u201eConflict Cartography\u201c l\u00e4sst mich w\u00e4hrend der gesamten f\u00fcnf Minuten seiner Dauer in wechselnden Rhythmen neben dem Takt mit dem Kopf nicken, weshalb ich bereits sein intro zum Anlass nehme, dieses Album in diese Liste aufzunehmen. Die ineinander verzwirbelten Instrumente verdrehen dem geneigten H\u00f6rer (mir) indes bereits im zweiten St\u00fcck \u201eMonomyth\u201c geh\u00f6rig den Kopf. Die 80er-Alben von King Crimson sind gelegentlich \u2013 etwa hier \u2013 nicht fern und die mag ich bei fortschreitendem Alter auch immer lieber.\nDass die US-Amerikaner am Deutschen so viel Gefallen finden wie ich an ihrer Musik, erkenne ich zumindest am Titel des St\u00fcckes \u201eGestaltzerfall\u201c. Ein sch\u00f6nes Wort. Das klaue ich mal f\u00fcr meine Autobiografie. Das abschlie\u00dfende \u201eGordian Naught\u201c, das als dritte Single ver\u00f6ffentlicht worden ist (das musste ich nachlesen, Singles interessieren mich seit \u00fcber zwanzig Jahren nur noch, wenn ich die B\u2011Seite mag), \u00fcberwindet quasi im Vorbeigehen die Genregrenzen zwischen Progressive Metal, Math Rock und \u2013 tats\u00e4chlich \u2013 Funk. Interessant. H\u00f6rbar. Seltsam.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de (dort auch CD und Vinyl), TIDAL (dort nur H\u00f6ren).\nGreen Asphalt\n\u201eI know that we will meet again some day.\u201c (She\u2019s a Cow)\n\nAbseits dessen, dass die meisten fr\u00fcheren Mitglieder von Gentle Giant w\u00e4hrend der Pandemie tats\u00e4chlich mal wieder gemeinsam einen ihrer hits intonierten, war in den letzten Jahren in ihrer musikalischen Nische \u2013 ich w\u00fcrd\u2019s Barock-Prog nennen \u2013 eher wenig los, und auch der Canterbury Style, eine Zeitlang von (unter anderem) Argos verwaltet, schien sich ein wenig auszuruhen. Umso mehr freut mich, dass Green Asphalt auf ihrem Deb\u00fctalbum beides miteinander verbinden.\nDan Bornemark, befreundet mit Kerry Minnear und auch sonst im Gentle-Giant-Kosmos kein v\u00f6llig Fremder, habe, erz\u00e4hlt das Internet, mit sechs weiteren Musikern (davon drei S\u00e4ngerinnen) insgesamt siebzehn Jahre lang an diesem Album gearbeitet. Das Ergebnis klingt tats\u00e4chlich beeindruckend reif: Mehrstimmige Arrangements mit offensichtlichen (\u201eSuit Yourself\u201c) und weniger offensichtlichen (\u201e&nbsp;\u201aXcuse Me\u201c) Verneigungen vor dem gro\u00dfen Vorbild, zwar weniger Instrumentendurcheinander als das Original, daf\u00fcr mehr jazzige Canterburypassagen mit Fl\u00f6te (beachtlich in \u201eShe\u2019s a Cow\u201c, in dem \u00fcbrigens tats\u00e4chlich gemuht wird), gelegentliche Anleihen an David Bowie und dazu eine dem Jahr 2022 angemessene Produktion hinterlassen ein wissendes L\u00e4cheln auf dem Gesicht derer, die diesen alten Kram m\u00f6gen, gegen ein wenig moderne Rockmusik mit Streichern (\u201e200 Girls\u201c) aber auch nichts einzuwenden haben.\nAuf meinem zum Beispiel.\nDas \u00fcber zehnmin\u00fctige \u201eTime in Your Face\u201c rundet das Album schlie\u00dflich wie eine Zusammenfassung des bis dahin Geh\u00f6rten \u2013 vielleicht mit einem zus\u00e4tzlichen L\u00f6ffel Emerson, Lake &amp; Palmer in der Mischung \u2013 ab und macht dabei nichts falsch. Das ist auch mal charmant. Dieses Album macht Spa\u00df. Spa\u00df ist wichtig.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (dort auch CD und Vinyl).\nEunoia \u2013 Psyop of the Year\nEunoia \u2013 eigentlich: \u03b5\u1f54\u03bd\u03bf\u03b9\u1fb0 \u2013 ist Altgriechisch und hei\u00dft so viel wie \u201esch\u00f6n denken\u201c. Der Name ist nicht unbedingt Programm, denn wie Sch\u00f6ndenken klingt das Album \u201ePsyop of the Year\u201c, das im April erschienen ist, eher nicht, sondern vielmehr nach einer seltsamen Mischung aus Grunge, Mathcore und beizeiten (\u201eLeather Lollipop\u201c) Postpunk \u2013 auch gesprochene/gerufene Spracheinsch\u00fcbe kommen vor \u2013 beziehungsweise, wie\u2019s wir Genreagnostiker zu formulieren pflegen, nach Krach.\nMitunter instrumental, oft aber mit meist extrovertiertem Gesang (insbesondere in der zweiten H\u00e4lfte des Albums wird auch gegrowlt, passt aber trotzdem) gehen die drei Herren hier zu Werke. Ich denke an eine weniger verspielte, daf\u00fcr ziemlich w\u00fctende Version der jetzt auch schon seit f\u00fcnf Jahren verschwundenen The Dillinger Escape Plan. Der Name und das Titelbild des Albums folgen dem Konzept des Vorg\u00e4ngeralbums \u201eYOU\u2019RE NOT PARANOID ENOUGH\u201c (2019), das insgesamt das Bandkonzept zu sein scheint. Das abschlie\u00dfende St\u00fcck \u2013 keines \u00fcberschreitet \u00fcbrigens f\u00fcnf Minuten Spieldauer \u2013 tr\u00e4gt den Titel \u201e&nbsp;\u201aSaddam Never Worked for the CIA\u2018 and Other Lies Your Father Told You\u201c.\nDas Album klinge von Anfang an nach Gefahr und Unruhe, las ich im Internet und vermag nicht argumentativ zu widersprechen. Ich empfinde w\u00e4hrend des H\u00f6rvorgangs eine Stimmung wie auf einer politischen Demonstration in irgendeiner Gro\u00dfstadt, ein energisches wir gegen die in Musikform; vertrackte Rhythmen inklusive, weil so ein Stra\u00dfenkampf ja auch selten abl\u00e4uft wie ein Ballettst\u00fcck.\n\u201ePsyop\u201c ist ein fremdsprachiges Kurzwort f\u00fcr psychologische Kriegsf\u00fchrung. Passt.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp.com (dort auch CD), TIDAL (dort sonst nichts).\nShadow Universe \u2013 Subtle Realms, Subtle Worlds\nShadow Universe ist der Projektname vierer slowenischer Musiker. Auf ihrem dritten Album \u201eSubtle Realms, Subtle Worlds\u201c ist interessant groovender Instrumentalpostrock mit wirklich viel Klavier, gespielt von Peter Dimnik (auch: Gitarre und Synthesizer), und hin und wieder auch Geige zu h\u00f6ren, zwei der sechs St\u00fccke haben Gastmusiker. Es handelt sich um ein Konzeptalbum, das die Annahme vertonen soll, dass jeder Mensch in seiner eigenen Welt lebt, weil er sie auf eine einmalige Art wahrnimmt oder so.\nDas ist eine ziemlich esoterische Pr\u00e4misse, der ich nur auszugsweise folgen kann, aber der Stimmungswechsel zwischen analogmusikalischer Beschaulichkeit, Bedrohlichkeit (\u201eLosing Home\u201c) und Post-Metal-Eruptionen \u2013 \u201eFrieden und Chaos\u201c, wie\u2019s der Pressetext nennt \u2013 ist tats\u00e4chlich erstaunlich fesselnd (aber auf die gute Art) und l\u00e4sst mich eigentlich nur schade finden, dass das Album mit nur 38:10 Minuten Laufzeit viel zu kurz scheint, ohne dabei wirklich kurz zu sein.\nIch freue mich trotzdem und genie\u00dfe sichtlich still.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de (dort auch CD und Vinyl), Bandcamp.com (dort auch CD und Vinyl), TIDAL (dort weder CD noch Vinyl).\nBruecken \u2013 Innere Unruhen\n\u201eInnere Unruhen liegen dann vor, wenn zahlenm\u00e4\u00dfig nicht unerhebliche Teile des Volkes in einer die \u00f6ffentliche Ruhe und Ordnung st\u00f6renden Weise in Bewegung geraten und Gewaltt\u00e4tigkeiten gegen Personen oder Sachen ver\u00fcben\u201c (Internet). Da freut man sich gleich noch ein wenig mehr, dass man den Genuss von \u201eInnere Unruhen\u201c der Oldenburger Postrockband Bruecken halbwegs ohne Pr\u00fcgelei \u00fcberstehen kann, wenn man will.\nDass dem Rezensenten (d.h.: mir) im zweiten St\u00fcck \u201eAbgrundtief\u201c, das insofern immerhin einen passenden Namen tr\u00e4gt, immer wieder der Refrain von \u201eEin Kompliment\u201c der Sportfreunde Stiller ins Ged\u00e4chtnis gerufen wird, spricht nicht f\u00fcr meinen damals konsequent durchgehaltenen hervorragenden Musikgeschmack, ist aber auch einer der seltenen Momente auf \u201eInnere Unruhen\u201c, in denen mir irgendwas bekannt vorkommt. Von wegen, Postrock klinge immer gleich.\nSchwaches gibt es ebenfalls so gut wie nicht; vielleicht: Dem Sechseinhalbmin\u00fcter \u201eAtaxie\u201c haftet streckenweise ein gewisser Demo-EP-Charme an. Aber ich mag Demo-EPs von Postrockgruppen eigentlich fast immer. Nat\u00fcrlich lassen auch Bruecken das altbekannte Laut-Leise-Spiel nicht ungespielt, aber sie versuchen nicht eine Spalte in der Rezensionsrubrik \u201eklingt wie \u2026\u201c auszuf\u00fcllen. Das finde ich sehr nett von ihnen. Zu ihren Vorbildern, behauptet irgendein Pressetext indirekt, z\u00e4hlen unter anderem Red Sparowes, diejenige Postrockband also, von der ich annehme, sie habe irgendeine Wette mit irgendwem laufen, wie lang die Titel ihrer St\u00fccke sein d\u00fcrfen, bevor jemand einschreitet.\nEine direkte Relation zwischen Namen und Stimmungen der auf \u201eInnere Unruhen\u201c enthaltenen Musik kann ich auch schemenhaft erkennen; \u201eLichterloh\u201c klingt so, wie es hei\u00dft, und \u201eImmersion\u201c wirkt tats\u00e4chlich immersiv. Das Album sei inspiriert von den \u201eGef\u00fchlen des Unbehagens\u201c, behaupten die Musiker, reden aber von \u201eSongs\u201c, obwohl gar keiner singt. Unbehaglich ist \u201eInnere Unruhen\u201c jedenfalls nicht geworden, aber ihnen das vorzuwerfen liegt mir fern. Stattdessen danke ich ihnen f\u00fcr ein gelungenes St\u00fcck inneres Gleichgewicht spendender Musik. \u00c4tsch.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (dort auch CD und Vinyl), TIDAL (dort Stream).\nd\u00e4lek \u2013 Precipice\n\u201eTick, tock, motherfucker!\u201c (A Heretic\u2019s Inheritance)\nOhne deren Zusammenarbeit mit Faust (\u201eDerbe Respect, Alder\u201c, 2004) h\u00e4tte ich die Existenz von d\u00e4lek, einer US-amerikanischen Hip-Hop-Gruppe um den Frontmann MC d\u00e4lek, benannt nach (aber falsch abgeschrieben von) Mutanten aus einer britischen Science-Fiction-Serie, wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Wer mag schon Hip-Hop?\n\u201ePrecipice\u201c, ihr 2022er Album, beginnt aber auch gar nicht mit Hip-Hop, sondern mit der \u201eLo-Fi-Soundwand\u201c (Dominik Steiner) \u201eLest We Forget\u201c, die nicht im Geringsten auf das vorbereitet, was kommen mag: Im folgenden \u201eBoycott\u201c wird druckvoll und sehr US-amerikanisch gerappt, wobei die Ger\u00e4uschcollage im Hintergrund mich eher an Jambinais \u201eAbyss\u201c als an typische Vertreter zeitgen\u00f6ssischen Sprechgesangs erinnert. d\u00e4lek vermengen Industrial- ebenso wie krautige Elektronikkl\u00e4nge mit handels\u00fcblichem Hip-Hop, als h\u00e4tten sie eigentlich Berliner Elektronik aufnehmen wollen, dann aber beats und B\u00e4sse dr\u00fcbergesch\u00fcttet und pl\u00f6tzlich war\u2019s eine andere Art von Musik. Nicht schlecht.\nDiese Art klanglicher Hervorbringungen ohne L\u00e4ngen zu produzieren erscheint schwierig, und obwohl nur \u201eA Heretic\u2019s Inheritance\u201c sechs Minuten Laufzeit \u00fcberschreitet, bemerke ich beim H\u00f6ren des Albums, dass es manchmal ein paar Takte weniger auch tun w\u00fcrden, etwa in \u201eGood\u201c; andererseits l\u00e4sst sich so die melodische Struktur noch etwas l\u00e4nger genie\u00dfen, was ich insbesondere in den Industrial-n\u00e4heren St\u00fccken (etwa \u201eThe Harbingers\u201c) gern annehme.\nAuf der Vorabsingle \u201eA Heretic\u2019s Inheritance\u201c gastiere Adam Jones (unter anderem Gitarrist von Tool), vermeldet der Pressetext mit erkennbarem Stolz, und obwohl ich Tool gar nicht mal besonders gern mag, m\u00f6chte ich diese fast sieben Minuten vorsichtig als den musikalischen H\u00f6hepunkt auf \u201ePrecipice\u201c bezeichnen: Kopfnickrhythmus, ein seltsam schr\u00e4ges Elektronikfundament, vier Minuten Instrumentalintro und erst dann von anschwellendem Krautrock (Krautrock!) begleiteter Sprechgesang, danach ein sanftes, aber schnelles Ausklingen. Ich bin angetan.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (dort auch CD und Vinyl), Amazon.de (dort auch CD und Vinyl), TIDAL (dort sonst nichts).\nSc\u2019\u00f6\u00f6f \u2013 CDR003SA\nIch wei\u00df noch ungef\u00e4hr, was eine CD\u2011R ist, und ahne daher auch, warum das Album \u201eCDR003SA\u201c (das es indes nur auf Kassette und als Download gibt, nicht jedoch auf CD) so hei\u00dft, wie es hei\u00dft. Da endet mein Wissen aber auch schon.\nIch wei\u00df nicht, was Sc\u2019\u00f6\u00f6f \u2013 vier Herren aus der Schweiz und der Name der Band \u2013 hei\u00dfen soll (zumindest die Aussprache ist klar: in \u201eB\u201c und anderen Interludien klingt es ungef\u00e4hr wie \u201eScurf\u201c), und ich wei\u00df auch nicht, was das hier genau ist. Musik, vermutlich, \u201ebrutal jazz\u201c, also \u201ebrutaler Jazz\u201c, kolportiert die Gruppe selbst bzw. l\u00e4sst die Gruppe ihre Plattenfirma kolportieren, das wei\u00df man ja heute nie so genau. Strukturen gibt es auf \u201eCDR003SA\u201c jedenfalls nicht zu h\u00f6ren und Rhythmen auch nicht. Kein St\u00fcck \u00fcberschreitet 3:16 Minuten Laufzeit, die meisten schaffen nicht mal 2 Minuten, bis auf das 13. St\u00fcck \u201e10\u201c, das fast 22 Minuten lang ist.\nDas ist alles ein fabelhafter Krach auf \u201eCDR003SA\u201c, unterbrochen von Pseudo-Spotify-Werbung f\u00fcr die Bandcampseite von Sc\u2019\u00f6\u00f6f. Ich finde das lustig. Alles klingt, als w\u00fcrde man leiernde Kassetten auf zerkratzte CDs \u00fcberspielen, und zwar mit einem Bagger. Viele St\u00fccke h\u00f6ren abrupt auf. Das passt alles ins Konzept.\nIn der Rubrik \u201eklingt wie\u201c kriegt \u201eCDR003SA\u201c bei mir zehn Punkte auf der Kopfschmerz- und immerhin acht auf der \u201easia\u201c-Skala. Langj\u00e4hrige Leser wissen: \u201easia\u201c von boris ist bis heute ein von mir gern zitiertes Album, wenn es um fabelhaften Krach geht. Mal was anderes als Gitarre.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com wurde ja bereits verlinkt, mehr gibt es anscheinend nicht. Qualit\u00e4t muss man halt manchmal auf ungewohnten Pfaden suchen. Verdammter Kapitalismus.\nJulie Tippetts &amp; Martin Archer \u2013 Illusion\nIm Jahr 1969 nahm die junge S\u00e4ngerin Julie Driscoll ihr erstes Soloalbum auf, das den Titel \u201e1969\u201c trug. Bereits auf diesem gastierten unter anderem Mitglieder von Soft Machine sowie der mittlerweile verstorbene Jazzpianist Keith Tippett, der eigentlich Tippetts hie\u00df und sp\u00e4ter ihr Ehemann wurde. In der Folge tauchte Julie Driscoll als Julie Tippetts in zahlreichen Besetzungslisten von Projekten von und mit letzterem auf, darunter auf dem empfehlenswerten Album \u201eSeptober Energy\u201c des 55-k\u00f6pfigen Ensembles Centipede.\nSeit einigen Jahren arbeitet sie vor allem mit Martin Archer zusammen, seines Zeichens Jazzsaxophonist und Keyboarder. Beide ver\u00f6ffentlichten im Jahr 2022 gemeinsam \u201eIllusion\u201c, was ein fast zweieinhalbst\u00fcndiges Doppelalbum ist, das aus zwei eigentlich separaten Alben besteht, namentlich aus der avantgardistischen \u201eIllusion Suite\u201c, die aus sieben Teilen besteht, die aber wiederkehrende Themen aufweisen und insofern als einzelnes St\u00fcck begriffen werden sollten, sowie dem \u201eCircle of Whispers\u201c, der 13 einzelne, \u00fcberwiegend in Jazz und Jazzrock anzusiedelnde St\u00fccke umfasst. \u201eCircle of Whispers\u201c beginnt dabei mit einem kraftvoll vorgetragenen Lied namens \u201eIllusion\u201c, schlie\u00dft somit zumindest thematisch an die \u201eIllusion Suite\u201c an.\nDer kraftvolle Vortrag ist tats\u00e4chlich einer der st\u00e4rksten Aspekte dieses ohnehin starken Albums. Julie Tippetts ist im Juni 2022 75 Jahre alt geworden, aber ihre Stimme \u2013 Alt, behauptet das Internet zugunsten von Holzohren wie mir \u2013 scheint das noch nicht gemerkt zu haben; da ist ordentlich Feuer drin. \u00dcberhaupt ist ihr wesentliches Instrument seit Jahrzehnten ihre Stimme und sie wei\u00df sie einzusetzen (hierzu beachtliches St\u00fcck: \u201eNever As They Seem\u201c). Finde ich gut. James Archer, der vermutlich irgendwie mit Martin Archer verwandt ist oder auch nicht, streute \u00fcber das Album eine Portion beats und loops, manchmal lugt also etwas Discomusik (mit Stampfbeat) vorsichtig um die Ecke, wird dabei aber niemals aufdringlich und bleibt nie lange. Die Aufmerksamkeit des H\u00f6rers hat auch genug anderes zu tun; der vermeintlich leichtf\u00fc\u00dfige Jazz weicht an interessanten Stellen (sehr, sehr gutes Teilst\u00fcck: \u201ePandemonium\u201c) einer RIO-Detonation mit eskalierenden Blasinstrumenten, findet aber stets zur\u00fcck in die Spur.\nDas letzte St\u00fcck der \u201eIllusion Suite\u201c hei\u00dft \u201eTurn It Around\u201c, also \u201edreh es um\u201c. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Rezension \u2013 18. Juni 2022 \u2013 gibt es \u201eIllusion\u201c (noch?) nicht auf Vinyl, sonst w\u00e4re das ein guter Abschluss meiner Ausf\u00fchrungen. Schade.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de (dort auch CD), Bandcamp.com (dort auch Download und CD), TIDAL (dort sonst nix).\nJ. Peter Schwalm &amp; Stephan Thelen \u2013 Transneptunian Planets\nStephan Thelen ist ein in Z\u00fcrich lebender Komponist, Musiker und Mathematiker, den wiederholte Leser meiner Rezensionen vielleicht bereits als Mitglied der Gruppe Sonar kennen, J. Peter Schwalm wiederum ist ein deutscher Komponist und Musikproduzent, der um das Jahr 2000 herum erstmals in hinreichend popul\u00e4rem Umfeld, n\u00e4mlich in mehreren Gemeinschaftsarbeiten mit Brian Eno, von sich h\u00f6ren lie\u00df. Gemeinsam mit drei weiteren, an der Komposition jedoch nur wenig beteiligten Musikern, darunter dem Schlagzeuger Manuel Pasquinelli (ebenfalls f\u00fcr Sonar t\u00e4tig), haben die beiden in elektronischer Avantgarde bewanderten Herren unter dem Titel \u201eTransneptunian Planets\u201c acht transneptunischen Objekten \u2013 unter ihnen nat\u00fcrlich Pluto und sein Herausforderer Quaoar \u2013 jeweils ein weitgehend instrumentales St\u00fcck mit wenigen Spracheinw\u00fcrfen gewidmet.\nGelegentlich zerrei\u00dft eine schneidende Gitarre das elegant gewobene Tuch, aber gr\u00f6\u00dftenteils wird mit \u201eTransneptunian Planets\u201c eine vordergr\u00fcndig groovende, im Detail aber erfrischend verknotete Weltraumlandschaft gemalt, deren Vortrag zwischen Spacerock, Industrial und Postrock schwebt (\u00fcberhaupt: Schweben), angereichert allerdings mit einer oft kaum auff\u00e4llig polyrhythmischen Grundstruktur, die vermeintliches Ambient (sch\u00f6ner Kontrast: \u201eOrcus\u201c) in Spannung versetzt, ohne es zu verderben. Mitunter, etwa im St\u00fcck \u201eGongGong\u201c (mit der Band Gong hat es trotz \u00e4hnlicher musikalischer Ziele nichts zu tun), atmet \u201eTransneptunian Planets\u201c auch etwas vom Geist des fr\u00fchen Krautrocks (ich meine die mittleren Can zu h\u00f6ren), der Fokus liegt aber klar auf der Reise durch das All. L\u00e4ngen gibt es kaum, erst das vorletzte St\u00fcck \u201eSedna\u201c h\u00e4tte meiner Meinung nach etwas k\u00fcrzer sein k\u00f6nnen, aber ich bin ja auch Konsument und nicht creator und habe darum kein Mitspracherecht. Musik ist keine Demokratie. Das ist wahrscheinlich auch besser so.\nDie Musiker haben, behauptet der Pressetext, sich von den \u00e4u\u00dferen Grenzen des Kosmos inspirieren lassen. Da war ich noch nie, aber es scheint dort voller Wohlklang zu sein. Vielleicht gucke ich doch mal, wann die n\u00e4chste Bahn dahin f\u00e4hrt.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (dort auch CD und Vinyl), Amazon.de (dort auch CD und Vinyl), TIDAL (dort nur Stream).\nTassenschrank \u2013 Vom Erfolg verfolgt\n\u201eKapitalismus, ich liebe dich / ich verehre dich ewiglich!\u201c (Ich habe Geld)\n\u201eDie irrste Band Europas\u201c, schreibt der Verantwortliche f\u00fcr die Website von Tassenschrank auf der Website von Tassenschrank, sei Tassenschrank. Lorem ipsum! Das Schweizer Quintett sei im Jahr 2020 gegr\u00fcndet worden, als auch in der Schweiz pl\u00f6tzlich jede Menge Freizeit da war. Die Plattenfirma pretty noice, bei der 2022 ihr Deb\u00fctalbum \u201eVom Erfolg verfolgt\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde, verlegt unter anderem auch Das Niveau und Die Streuner. Wer daraus abzuleiten versucht, wie \u201eVom Erfolg verfolgt\u201c wohl klingt, der wird voraussichtlich scheitern.\nFolk spielen Tassenschrank, anders als die genannten Kollegen, in keiner Weise, hingegen einen humorvollen, oft gar albernen Poprock, der Genregrenzen allenfalls als grobe Empfehlung, nicht aber als festen Rahmen begreift. Mr. Bungle und Primus (\u201eIch habe Geld\u201c) kann ich ebenso wie die Neue Deutsche Welle (\u201eDer Wald\u201c) als Inspirationen ausmachen, m\u00f6glicherweise unbeabsichtigt, aber nicht ungef\u00e4llig, hier und da auch mit Ohrwurmqualit\u00e4ten: \u201eUnd pl\u00f6tzlich der Regen\u201c \u2013 so endet \u201eDer Wald\u201c und damit auch das Album \u2013 bleibt noch eine Weile im Ohr.\nVom Erfolg verfolgt sind Tassenschrank tats\u00e4chlich, immerhin haben sie es hier auf diese noble Liste geschafft. Hoffentlich bleiben sie ihr auch mit dem n\u00e4chsten Album gerecht \u2013 der Einstand war schon mal gut.\nReinh\u00f6ren: TIDAL hat einen Komplettstream, es gibt im \u00dcbrigen auch einen offiziell scheinenden YouTube-Kanal mit Ausz\u00fcgen aus dem Album.\nBirth \u2013 Born\nDa hat die Birth Control zum Gl\u00fcck versagt: \u201eBorn\u201c, das Deb\u00fctalbum von Birth, klingt tats\u00e4chlich eher britisch und ist nach meinem Empfinden das beste 70er-Progressive-Bluesrock-Album, das mir 2022 untergekommen ist. Birth ist trotzdem ein US-amerikanisches Quartett, das \u00fcberwiegend aus Mitgliedern der derzeit anscheinend pausierenden Progressive-Rock-Band Astra besteht.\nIch h\u00f6re Deep Purple (\u201eDescending Us\u201c), die Beatles, fr\u00fche King Crimson (sch\u00f6n!), aber auch eine gitarrenorientierte Version von Yes (\u201eBorn\u201c), allgemein viel AOR mit wenig, daf\u00fcr angenehm mit der Musik harmonierenden Gesang. Davon k\u00f6nnen sich andere zeitgen\u00f6ssische Musikgruppen, die versuchen, in den 1970er Jahren zu wildern, eine gro\u00dfe Scheibe abschneiden und dann ist immer noch genug \u00fcbrig. An Text soll\u2019s auch genug sein.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (dort auch CD, Vinyl und Beutel), Amazon.de (dort auch CD und Vinyl), TIDAL (dort keine Tontr\u00e4ger).\nANA FOSCA \u2013 Poised at the Edge of Structure\nEin zumindest gl\u00fccklicher Zufall \u2013 ihre Mitwirkung an einer Zusammenstellung von St\u00fccken von mehreren K\u00fcnstlern, die mir aus nicht mehr l\u00fcckenlos rekonstruierbaren Gr\u00fcnden empfohlen wurde \u2013 stellte mir Ana Fosca (\u201eANA FOSCA\u201c, die Gro\u00df- und Kleinschreibung scheint so gewollt zu sein) vor, eine der d\u00e4nischen Untergrundszene anscheinend entwachsenden Musikerin aus Kopenhagen, die eigentlich anders hei\u00dft und, wie man den Presseinformationen entnehmen kann, beeinflusst wurde von \u201eKierkegaard, Plath, Tarkowski, Hannah Arendt, Wiener Aktionismus, \u00c9liane Radigues Ansatz des Zuh\u00f6rens, den Filmen von Kurt Kren\u201c sowie den \u201eGedanken und Schriften von Simone de Beauvoir\u201c. Ihr neues Album \u201ePoised at the Edge of Structure\u201c ist ihr Deb\u00fct bei der bemerkenswerten, weil wohl aus Liebe zur Musik statt aus rein finanziellen Erw\u00e4gungen seit 2003 von einer Privatperson betriebenen Plattenfirma \u201eThe Helen Scarsdale Agency\u201c, die ich bislang auch gar nicht kannte. Diese sei, erfahre ich, spezialisiert auf Post-Industrial, Surrealismus, Minimalismus und so weiter. Das klingt unironisch einladend nach f\u00fcrchterlichem Krach, aber ich bin ja auch komisch.\n\u201ePoised at the Edge of Structure\u201c ist tats\u00e4chlich kein geeignetes Album f\u00fcr eine spa\u00dfige Tanzveranstaltung oder auch nur f\u00fcr ein Rendezvous (es sei denn, der Rendezvouspartner ist ebenfalls komisch). Es brummt, es knattert, manchmal zirpt es, irgendwo spricht eine Frau zum Verstehen zu Verzerrtes. \u201eGegens\u00e4tzliche Kr\u00e4fte, sengendes Ger\u00e4usch und bedrohliches Dr\u00f6hnen\u201c, teilt der Pressetext weiter mit, seien der Kern dieses Albums, in den von Stimme erg\u00e4nzten Teilen gepaart mit einer \u201ekathartischen Beschw\u00f6rung\u201c mit dem Ziel, \u201ein all der Qual und Verzweiflung\u201c einen Sinn zu finden. Nach Abschluss des ersten H\u00f6rdurchgangs (grunds\u00e4tzlich ist der optimale Zeitpunkt f\u00fcr eine Rezension, wie ich finde, derjenige, der die spontanen Eindr\u00fccke noch frisch abbilden l\u00e4sst) verstehe ich das nicht: Es f\u00fchlt sich alles irgendwie sinnlos an.\nGenau die richtige Dosis CoiL und Throbbing Gristle f\u00fcllt die vermeintliche L\u00fccke, die der oft scheinbar fehlende Rhythmus hinterl\u00e4sst. Der fehlt aber gar nicht, auch wenn gerade keine Trommeln ert\u00f6nen, sondern er findet im Kopf statt. Nat\u00fcrlich klingt \u201ePoised at the Edge of Structure\u201c in den St\u00fccken, in denen die Kante der Struktur zur\u00fcckgelassen wird, wie eine einsame Fabrikhalle, in der irgendeine Maschine effizient auf Metall rumkloppt. Nat\u00fcrlich ist dieses Album von dem, was diejenigen, die Rammstein oder meinetwegen Laibach als typische Industrialband verstehen, als \u201eIndustrial\u201c bezeichnen w\u00fcrden, so weit entfernt wie Phil Collins von einem Herrn, der beruflich singen sollte. Ich wei\u00df nicht, wie ich die hier enthaltene Musik zusammenfassen soll. Ambient des Todes vielleicht. Factory Noise. Sengendes Ger\u00e4usch und bedrohliches Dr\u00f6hnen. Es ist geil. Ich mag das Wort nicht, aber es stimmt. Es ist nur etwas bedauerlich, dass es anscheinend derzeit (Stand: 30. August 2022) keine Vinylauflage gibt; bei kleinen K\u00fcnstlern indes nicht ungew\u00f6hnlich.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (dort auch CD), Amazon.de (dort tats\u00e4chlich mal nur Stream), TIDAL (dort auch).\nThe Slow Light \u2013 Liminal\n\u201eAs the sands divide / you see your ending / of grains piling as memories.\u201c (The Hourglass)\nDas j\u00e4hrliche Soll an gutem Postrock wurde 2022 von Alteingesessenen wie Long Distance Calling eigentlich \u00fcbererf\u00fcllt, das Deb\u00fctalbum der australischen Gruppe The Slow Light \u2013 \u201eLiminal\u201c betitelt \u2013 bedarf dennoch besonderer Erw\u00e4hnung, denn Postrock ist nur eine ihrer Facetten. \u201eLiminal\u201c bedeutet ungef\u00e4hr \u201eSchwellenwert\u201c, was passt, denn auf der Schwelle zwischen Postrock, Spacerock und klassischem Progressive Rock (sehr sch\u00f6n: der Bass im Mittelteil des Titelst\u00fccks), nicht ganz un\u00e4hnlich den \u00e4lteren Soloalben Steven Wilsons, bewegen sich die f\u00fcnf Musiker hier fast eine Dreiviertelstunde lang. Die Streicher sind leider nicht echt, klingen aber sch\u00f6n.\nBei \u201eLiminal\u201c handelt es sich um ein Konzeptalbum, das \u201edie K\u00e4mpfe der Trauer und des Existenzialismus beleuchtet\u201c, erkl\u00e4rt der Informationstext zum Album nebul\u00f6s. Dieses Konzept wird von den von Jack Bolingbroke \u2013 sch\u00f6ner Name auch \u2013 intonierten Texten abgebildet, es existiert also wirklich. Das muss man bei vermeintlichen Konzeptalben dieser Tage ja immer dranschreiben.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (nur Digitales), Amazon.de (nur Digitales), TIDAL (nur Digitales).\nArchive \u2013 Call to Arms &amp; Angels\n\u201eI\u2019m constantly falling / I constantly rise\u201c (Shouting Within)\nAb \u201eControlling Crowds\u201c von 2009 hatte ich die Londoner Artrockgruppe Archive zwar noch im Auge gehabt, aber kaum mehr wirklich zu sch\u00e4tzen gewusst \u2013 sp\u00e4testens der Gastrapper auf dem genannten Album hatte mir jede Lust an der zuvor f\u00fcr eigentlich ganz gut befundenen Band weitgehend genommen.\nNun erschien 2022 mit \u201eCall to Arms &amp; Angels\u201c ein mit \u00fcber anderthalb Stunden Laufzeit (das sind ungef\u00e4hr drei Schallplatten, zumindest wird das Album als Dreifach-LP verkauft) nicht unbedingt kompaktes neues Album der wohl auf die Stammbesetzung aus den beiden letzten verbliebenen Gr\u00fcndungsmitglieder Darius Keeler, den eine Krebserkrankung 2022 erfreulicherweise nicht dahingerafft hat, und Danny Griffiths, die allerdings diesmal satte 14 Gastmusiker um sich geschart haben, darunter auch die langj\u00e4hrigen S\u00e4ngerinnen Holly Martin und Maria Q. Rap gibt es diesmal gar nicht zu h\u00f6ren, stattdessen angenehm intensive Elektronik, die den Postrock fr\u00fcherer Alben immer mal wieder durchscheinen l\u00e4sst und in l\u00e4ngeren Teilen wie dem fast viertelst\u00fcndigen St\u00fcck \u201eDaytime Coma\u201c auch den Industrial mindestens streift. w\u00e4hrend die zweite H\u00e4lfte des Achteinhalbmin\u00fcters \u201eEnemy\u201c EBM und Postpunk gar nicht schlecht miteinander kombiniert. Die musikalischen Wurzeln der beiden faktischen Bandleader in der Londoner Tanzclubszene sind eben nie ganz verblasst.\n\u201eCall to Arms &amp; Angels\u201c wirkt wie eine Werkschau von Archive, aber das war ja \u201e25\u201c (2019) schon: Bereits in den ersten sechs St\u00fccken gibt es \u2013 au\u00dfer Rap nat\u00fcrlich \u2013 einen Querschnitt aus all ihren bisherigen musikalischen Phasen. Dominant ist erstaunlich gitarrenfreundlicher psychedelischer Shoegaze mit einem Qu\u00e4ntchen Elektronik, die sich wie ein Schleier \u00fcber die wenigen Popankl\u00e4nge (\u201eEvery Single Day\u201c) legt. Obwohl es auf \u201eCall to Arms &amp; Angels\u201c mehrere lange St\u00fccke gibt, kann ich musikalisch keine einzige L\u00e4nge ausmachen. Sehr erfreuliches Album, sehr erfreulicher Zufallsfund. Danke, Archive. Jetzt bitte so bleiben.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de (auch Vinyl, CD ebenfalls dort irgendwo), TIDAL (weder Vinyl noch CD).\nHurac\u00e1n \u2013 We Are Very Happy\nSo fr\u00f6hlich wie das Titelbild dieses Albums ist auch die Musik und so \u00e4hnlich f\u00fchle ich mich, wenn ich einen schlechten Tag habe; soll hei\u00dfen: Wenn Hurac\u00e1n so klingen, wenn sie very happy sind, m\u00f6chte ich sie lieber nicht schlecht gelaunt erleben.\nHurac\u00e1n kommen aus Belgien, aber das macht nichts. Gesungen wird trotzdem auf Englisch. Der Bandname \u2013 so hei\u00dft auch ein Auto, wahrscheinlich aus dem gleichen Grund \u2013 wurde dem Mayagott des Windes, des Sturmes und des Feuers entliehen und beschmutzt seinen Namen keineswegs, denn dargeboten wird st\u00fcrmischer, feuriger Sludge Metal. Die beiden Gasts\u00e4ngerinnen Nele De Gussem (sonst bei Maya\u2019s Moving Castle und Future Old People Are Wizards besch\u00e4ftigt) und Evelien Weymaere (sonst anscheinend nirgends) sind erfreulich, aber die St\u00fccke ohne ihre Beteiligung liefern trotzdem, wie es in zeitgen\u00f6ssischer Formulierung hei\u00dft. Zum er\u00f6ffnenden Titelst\u00fcck, das die Essenz des Albums (d.h. zentral ins Antlitz zimmernden Stoner, Doom und Postmetal) bereits in sich vereint, gibt es ein merkw\u00fcrdiges Musikvideo. Gef\u00e4llt.\n\u201eDem Gelegenheitsh\u00f6rer\u201c, schrieb jemand anderswo, k\u00f6nnte dieses Album \u201eetwas sperrig erscheinen\u201c. Nun bin ich Gelegenheitsh\u00f6rer des Artverwandten, denn mein Leben ist selbst mir etwas zu kurz, um mich fortw\u00e4hrend anbr\u00fcllen zu lassen, aber ich teile diese Auffassung nicht. Im Gegenteil: Es k\u00f6nnte meinetwegen gern noch l\u00e4nger sein. Aber so viel Musik, so wenig Zeit. Mein altes Problem.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (nur Stream), Amazon.de (nur Stream), TIDAL (nur Stream).\nHolz \u2013 Holz\n\u201eDie H\u00fcgel schieben sich an mir vorbei / mit \u00e4u\u00dferster Geduld.\u201c (50 Meilen geradeaus)\nIch und mein \u2013 nein, dies ist einfach nur \u201eHolz\u201c, nicht \u201eHolziholz\u201c und schon gar nicht \u201eHolziholziholz\u201c, das j\u00fcngste und wom\u00f6glich erste Studioalbum des Kasseler Trios gleichen Namens. Holz gab es von 2011 bis ungef\u00e4hr 2016 und seit ungef\u00e4hr 2021 wieder, sofern ich die Informationen im Internet korrekt zusammengekratzt habe. Die zehn Lieder sind \u00fcberwiegend zwischen vier und viereinhalb Minuten lang, manchmal k\u00fcrzer, nur \u201eGarten\u201c hebt mit 8:32 Minuten Laufzeit den Schnitt deutlich.\nDie zus\u00e4tzlichen Minuten in \u201eGarten\u201c werden \u00fcberwiegend mit Instrumentalem gef\u00fcllt, womit wir auch schon bei der Hauptsache w\u00e4ren, n\u00e4mlich der Musik; und die ist gut gelungen. Holz spielen energiegeladenen, dabei aber staubtrockenen Stoner Rock mit unanstrengend, aber kraftvoll vorgetragenen deutschen Texten. Irgendwo begegnete ich dem Einwand, S\u00e4nger Leonard Riegel habe eine nicht \u00fcberzeugende Stimme, aber mir gef\u00e4llt sie \u2013 sie hat genau das richtige Ma\u00df an Dreckigkeit, ohne dabei (ein Fehler, den sonst viele artverwandte Gruppen machen) in Metalgegrunze zu verfallen. Die Band selbst nennt ihren Stil auf Bandcamp in den tags \u201eStonerpunk\u201c, passen k\u00f6nnte es. Saufen und Politik kommen in den Texten aber nicht vor, es ist also die jenseits von Feiern und Massenveranstaltungen bessere Art von Punk. \u201eHolz\u201c macht Spa\u00df, \u201eHolz\u201c hebt die Stimmung. Ich finde diese Wirkung empfehlenswert.\nDas Coverbild finde ich \u00fcbrigens seltsam, aber seltsam mag ich ja.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp (dort auch CD und Vinyl), Amazon.de (dort auch CD und Vinyl).\nKamala \u2013 limbo666\nKamala, dieses Wort habe ich in einem Wiki namens \u201eYogawiki\u201c gefunden, ist ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet Lotosbl\u00fcte. \u00dcberhaupt nicht indisch ist allerdings eine der mindestens zwei Musikgruppen gleichen Namens, von denen n\u00e4mlich eine wiederum in Leipzig ans\u00e4ssig zu sein behauptet und auf ihrem j\u00fcngsten Album \u201elimbo666\u201c erfreulicherweise trotzdem auf Englisch und nicht auf S\u00e4chsisch singt. Die Texte sind diesseitsbezogen und recht unmeditativ (der Titel \u201eFreudian Autocorrect\u201c verr\u00e4t es schon beim Dr\u00fcberlesen). Alles \u00dcbrige w\u00fcrde mir auch missfallen.\nDass bereits das Titelst\u00fcck (\u201eLimbo\u201c, allerdings kommt \u201e666\u201c im Text vor), das das Album anf\u00fchrt, nach etwas mehr als viereinhalb Minuten langweilig ausgeblendet wird, schm\u00e4lert meine Freude ein wenig, aber grunds\u00e4tzlich ist das hier zu H\u00f6rende nicht zu verachten: Ich h\u00f6re recht geradlinigen, solide und mit coolem Gesang dargebotenen und nur selten (\u201eFreudian Autocorrect\u201c \u2013 zum Zeitpunkt der Niederschrift mein Favorit auf diesem Album) ins Harte gedrehten, manchmal (\u201eNarcissus\u201c) hingegen balladesken Psychedelic Rock ohne Ecken und Kanten und ohne allzu abgedrehte Experimente. Ohne einen einzigen Ausfall. Wie unaufregend. Wie sch\u00f6n. Kann man mal machen.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (dort auch CD und Vinyl), Amazon.de (dort auch CD), TIDAL (dort weder CD noch Vinyl).\n\n\nMal sehen, was 2023 auf uns zukommt. Die ersten Alben hab\u2018 ich schon.\nQuelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 24 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Ah, es ist wieder ein Jahr vorbei. Das kriegt man ja derzeit gar nicht so wirklich mit, deswegen schreibe ich es lieber dran. W\u00e4hrend die meisten Jahresr\u00fcckblicke aber schon im Sp\u00e4therbst weitgehend fertiggeschrieben worden waren, gab ich auch diesmal wieder der Musikerwelt die Chance, mich noch bis zum letzten Tag des Jahres von ihrem K\u00f6nnen zu \u00fcberzeugen. Wenig w\u00e4re trauriger als einen R\u00fcckblick auf ein Jahr zu schreiben und einen Tag sp\u00e4ter gesch\u00e4he etwas, das alles \u00e4ndert. Nein, nein.</p>\n<p>Hier also \u2013 zur Erbauung hoffentlich vieler \u2013 folgen einige der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">bemerkenswertesten Musikalben des Jahres 2021</span>. Es scheinen einige \u00dcberraschungen \u2013 etwa das neueste Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Limp Bizkit</span> \u2013 zu fehlen. Dem ist aber nicht so. Die haben mir nur nicht gefallen.</p>\n<p><span id=\"more-19036\"></span>Bereits zuvor besprochen beziehungsweise beschrieben habe ich die aktuellen Werke von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/01/kurzkritik-palo-alto-difference-and-repetition-a-musical-evocation-of-gilles-deleuze/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Palo Alto</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/05/kurzkritik-neurosenbluete-hallo-fruehling/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Neurosenbl\u00fcte</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/07/kurzkritik-bossk-migration/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Bossk</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/10/kurzkritik-godspeed-you-black-emperor-g_ds-pee-at-states-end/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Godspeed You! Black Emperor</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/12/kurzkritik-dry-cleaning-new-long-leg/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Dry Cleaning</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/11/kurzkritik-electric-orange-psi-hybrid/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Electric Orange</span></a>. Bitte nicht mehr anrufen, die sind nicht mehr dabei.</p>\n<p>Der Musiker <span class=\"musik-review-bandname\">Morrissey</span> schrieb im <a href="\&quot;https://www.morrisseycentral.com/messagesfrommorrissey/hello-hell\&quot;" data-wpel-link="internal">April 2021</a>, in der modernen Musik haben Emotionen keinen Platz mehr. Das wollen wir doch mal sehen. In einer Studie kam vor einer <a href="\&quot;https://www.egofm.de/blog/freizeit/studien-zeigen-es-gibt-einen-zusammenhang-zwischen-charakter-und-musikgeschmack\&quot;" data-wpel-link="internal">Weile heraus</a>, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen dem Charakter und dem Musikgeschmack eines Menschen gibt. Menschen, denen hiervon irgendetwas gef\u00e4llt, sind daher gute Menschen. Wirklich.</p>\n<p>Los geht\u2019s.</p>\n<hr>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/kombynat-robotron-270-c.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_kombynat-robotron-270-c.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">\u041a\u041e\u041c\u0412\u0423\u0418\u0410\u0422 \u042f\u041e\u0412\u041e\u0422\u042f\u041e\u0418 \u2013 \u2011270\u00b0C</span>\n<p>Die Gruppe, die tats\u00e4chlich nicht \u201eKombinat Robotron\u201c hei\u00dft, weil die kyrillischen Buchstaben <em>eigentlich</em> irgendwie anders gelesen werden, reicht dem Genie\u00dfer auf \u201e-270\u00b0C\u201c gewohnt mitrei\u00dfende (ich mag nicht \u201egereifte\u201c schreiben, das h\u00e4tte was von Langeweile) Space-/Krautkost auf gewohnt hohem Niveau. W\u00fcrde ich tanzen, tanzte ich dazu, doch ich tanze nicht. Ich h\u00f6re, nicke unrhythmisch und freue mich.</p>\n<p>Minus 270 Grad Celsius, wie der Name des Albums vielleicht ausgesprochen werden soll, sind 3,15 Grad Celsius \u00fcber dem absoluten Nullpunkt, also immer noch recht k\u00fchl. Da es hier keinen Gesang gibt (uff!), ist der Kontext schwer auszumachen. Die vier St\u00fccke hei\u00dfen wie Teleskope (\u201eCompton\u201c, \u201eChandra\u201c, \u201eSpitzer\u201c und \u201eHubble\u201c). <em>Nat\u00fcrlich</em> ist \u201eHubble\u201c (21:21 Minuten) am l\u00e4ngsten. Kennen die meisten, also braucht es auch am meisten Platz.</p>\n<p>Die Vinylauflage ist restlos ausverkauft und gebraucht derzeit <a href="\&quot;https://www.amazon.de/270-Ltd-Colored-Vinyl-LP/dp/B08VCH8SQ7?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">recht teuer.</a> Verdammter Mainstream.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://kombynatrobotron.bandcamp.com/album/270-c\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/171219695\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/sleaford-mods-spare-ribs.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_sleaford-mods-spare-ribs.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Sleaford Mods \u2013 Spare Ribs</span>\n<p>Das erste Album <em>nach</em> dem \u201eBrexit\u201c konnte wegen <em>der Krise</em> nicht per Tour beworben werden wie <em>fr\u00fcher</em>, trotzdem hat sich kaum etwas ge\u00e4ndert: <span class=\"musik-review-bandname\">Jason Williamson</span> erz\u00e4hlt w\u00fctend, wenn auch <a href="\&quot;https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/sleaford-mods-die-wuetenden-maenner-aus-nottingham-sind-zurueck-100.html\&quot;" data-wpel-link="internal">zahmer als bisher</a>, zu monotonen <em>beats</em> etwas \u00fcber alles, was ihn aufregt; das ist, so viel sei vorweggenommen, immer noch einiges. Wirklich neu sind die beiden Kollaborationen mit den Gasts\u00e4ngerinnen <span class=\"musik-review-bandname\">Amy Taylor</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Nomates</span>, wobei insbesondere letztere \u2013 in \u201eMork n Mindy\u201c zu h\u00f6ren \u2013 im gesungenen Refrain einen ungew\u00f6hnlichen Souleindruck hinterl\u00e4sst. Dass die <span class=\"musik-review-bandname\">Sleaford Mods</span> trotzdem weit von den furchtbar belanglosen Popstaralben von Eminem vor seiner Besinnung auf <em>fr\u00fcher</em> entfernt bleiben, beruhigt: Auf das N\u00f6tigste reduzierter Elektropunk ohne Kompromisse. Worauf sollten sie auch aus sein \u2013 auf <em>Verkaufszahlen</em>?</p>\n<p>Wer bis zum Ende durchh\u00e4lt, den erwartet trotzdem noch eine \u00dcberraschung: Das abschlie\u00dfende \u201eFishcakes\u201c, das angeblich autobiografisch die Kindheit des Texters nacherz\u00e4hlt, ist von einer geradezu traurigen Stimmung, wenn auch mit einem hoffnungsvollen Refrain versehen: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eAnd when it mattered, and it always did, at least we lived.\u201c</span> Was f\u00fcr ein wundervolles Ende f\u00fcr ein Album, das jetzt leider auch zu Ende ist. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Sleaford Mods</span> aber sind es wohl noch lange nicht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Es gibt ein <a href="\&quot;https://youtube.com/watch?v=iKcbSOjIzjQ\&quot;" data-wpel-link="internal">Musikvideo</a> zu \u201eMork n Mindy\u201c, ansonsten <em>nat\u00fcrlich</em> H\u00f6rproben <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Spare-Ribs-Explicit-Sleaford-Mods/dp/B08LCP4HDH?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> und alles <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/167366064\&quot;" data-wpel-link="internal">auf TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/syndone-kama-sutra.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_syndone-kama-sutra.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Syndone \u2013 Kama Sutra</span>\n<p>Wenn man den Progressive Rock \u00fcber eine Zeitlang verfolgt, erkennt man oft Muster, was Musiker und Regionen angeht. <span class=\"musik-review-bandname\">David Jackson</span> etwa, fr\u00fcher unter anderem verdienter Saxophonist der inzwischen zahnlosen <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span>, spielt gelegentlich mit italienischen Stilkollegen zusammen.</p>\n<p>Von italienischen \u201eProgbands\u201c halte ich in der Regel wenig, weil mich italienischsprachiger Gesang ganz furchtbar nervt und die meisten hier relevanten Gruppen aus Italien anscheinend auch vor allem <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> nacheifern, die mich ebenfalls ganz furchtbar nerven; nicht aber so <span class=\"musik-review-bandname\">Syndone</span>.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Syndone</span> wurden, sofern <em>das Internet</em> nicht irrt, 1988 gegr\u00fcndet und haben seitdem ein paar Alben <em>rausgebracht</em>. Auf dem neuesten, \u201eKama Sutra\u201c, gastieren neben <span class=\"musik-review-bandname\">David Jackson</span> unter anderem ein Sitarspieler, drei Bl\u00e4ser und das Budapest Scoring Symphonic Orchester. Stilistisch ist \u201eKama Sutra\u201c <em>zappaesk</em>, indem es nicht nur durchaus komplexe Kompositionen gibt, sondern auch \u00fcberraschende Stilwechsel. Hier folgen auch schon mal Schlager (\u201eInto the Kama\u201c, ein St\u00fcck mit dem Titelbestandteil \u201eSutra\u201c hingegen gibt es \u00fcbrigens nicht auf dem Album), energischer Jazzrock (\u201eBitches\u201c), Blues und Filmmusik (\u201eYou Still Shine\u201c) direkt aufeinander. Blo\u00df keine Langeweile!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Herausragend scheint mir das St\u00fcck <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=Und1-suEYm8\&quot;" data-wpel-link="internal">Sex Toys R Us</a> zu sein, ansonsten <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Kama-Sutra-Explicit-Syndone/dp/B09F3W96JC?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Schnipsel auf Amazon.de</a> (leider kein Vinyl) und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/195962359\&quot;" data-wpel-link="internal">Komplettstream auf TIDAL.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/raedsel-menetekel.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_raedsel-menetekel.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">R\u00e6dsel \u2013 Menetekel</span>\n<p>\u00c6s ist mir ein R\u00e6dsel, warum <span class=\"musik-review-bandname\">R\u00e6dsel</span> sich R\u00e6dsel nennen. An der Sprache (Hessisch?) mag\u2019s nicht liegen, die vier gut frisierten Herren (Quelle: Internet) kommen aus <em>Kassel oder so</em> und bringen druckvollen Postrock hervor. Das alte Laut-Leise-Spiel wird auf angenehm atmosph\u00e4rische Weise durchexerziert, ohne dabei ins Schrammeln zu verfallen.</p>\n<p>Auf das initiale instrumentale \u201eMy Hands Your Eyes\u201c folgt mit \u201eTreetop\u201c ein Post-Metal-St\u00fcck, das schon in der ersten H\u00e4lfte (mehrstimmigen oder effektbeladenen?) Gesang aufweist; und das klingt dann sogar gut. Im sonst meist nicht mit gut klingendem Gesang auffallenden Postrock muss man das ja auch mal positiv bemerken. Sonst machen die das nie wieder.</p>\n<p>Das mit dem Gesang machen <span class=\"musik-review-bandname\">R\u00e6dsel</span> danach aber auch nie wieder. Auf dem Rest von \u201eMenetekel\u201c bleiben sie wieder instrumental, ohne dabei langweilig zu werden. Postrockalben, von denen man <em>nicht</em> annimmt, man habe sie schon zu oft geh\u00f6rt, sind immer wieder reizend, und seien\u2019s hier nur die kleinen Gitarrentupfer, die die Mauern aus Schall immer wieder durchbrechen. H\u00fcbsche Scheibe, so insgesamt, wenn auch mit etwas \u00fcber 33 Minuten Spielzeit etwas kurz. Daf\u00fcr macht es mehr Spa\u00df als manch l\u00e4ngeres Album, das dieses Jahr so <em>rausgekommen</em> ist. Auch mal sch\u00f6n.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Damit es nicht langweilig wird, mal eine andere Reihenfolge: <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/181131293\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://raedsel-music.bandcamp.com/album/menetekel\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> (dort auch auf CD), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Menetekel-R\u00e6dsel/dp/B092WTH59S?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (dort ohne Tontr\u00e4ger).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/suffocate-for-fuck-sake-fyra.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_suffocate-for-fuck-sake-fyra.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Suffocate for Fuck Sake \u2013 Fyra</span>\n<p>Man sollte sich von dem beschaulichen Anfang dieses Albums wie auch von einigen Zwischent\u00f6nen nicht beirren lassen: <span class=\"musik-review-bandname\">Suffocate for Fuck Sake</span> tragen ihren Namen zu Recht. \u201eFyra\u201c, das (wie der Name schon andeutet) vierte Album der Schweden, enth\u00e4lt <em>schon wieder</em> Postrock im weitesten Sinne, allerdings flankiert von <em>post hardcore</em> im vokalen wie im gerifften Sinne. Mitunter, in den ruhigeren Momenten, wird auf Schwedisch gesprochen. Schade. Ich kann kein Schwedisch.</p>\n<p>In \u201eHope\u201c gibt es eine sanft-<em>clean</em> gesungene <em>bridge</em>, ansonsten gibt\u2019s in \u201eFyra\u201c etwas mehr als eine Stunde und 21 Minuten lang weitgehend <em>auf die Fresse</em> (A. Nahles, anderer Zusammenhang). \u201ePost-Metal mit Screamo-Einschlag\u201c, schrieb ein Redakteur von \u201emetal1.info\u201c, werde mit dieser Dauer \u201eanstrengend\u201c. Ich teile diese Auffassung nicht, denn ich, obwohl meine Aufmerksamkeitsspanne inzwischen auch merklich nachl\u00e4sst (man wird ja nicht j\u00fcnger), empfand die Laufzeit als <em>genau richtig</em>. Muss so ein Menschenproblem sein.</p>\n<p>\u201eFyra\u201c ist sicherlich kein Album f\u00fcr die Freunde beschaulicher T\u00f6ne, aber das mir zuerst eingefallene Adjektiv f\u00fcr dieses Album war \u201ekurzweilig\u201c. (Einige Menschen, denen gegen\u00fcber ich dieses Wort verwendet habe, glauben, das bedeute so was \u00e4hnliches wie langweilig. Ich arbeite daran.) Und darum geht es ja letztendlich, oder?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Kauf usw. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Fyra-Col-Vinyl-LP/dp/B08T74BF8M?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a>, Stream usw. <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/169503328\&quot;" data-wpel-link="internal">via TIDAL</a> und <a href="\&quot;https://suffocateforfucksake.bandcamp.com/album/fyra\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>. Tontr\u00e4ger sind \u2013 au\u00dfer den CDs, aber wer kauft schon noch CDs? \u2013 leider aus.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/oslo-tapes-or.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_oslo-tapes-or.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Oslo Tapes \u2013 \u00d8R</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Oslo Tapes</span>, der Name sagt\u2019s schon, ist ein Trio aus Italien, allerdings sind auf Pressefotos vier Herren zu sehen. Vielleicht ist es doch ein Quartett oder irgendwelche Texte und/oder Pressefotos m\u00fcssten mal wieder erneuert werden. Sei\u2019s drum.</p>\n<p>Gegr\u00fcndet worden sei es, so will es die Legende, nach einer Reise durch Norwegen. Das dritte Album der mir unbekannten Anzahl an Musikem hei\u00dft \u201e\u00d8R\u201c, was auf Norwegisch irgendwas hei\u00dft, und enth\u00e4lt <em>Avant-Rock</em> beziehungsweise \u201eeinen schwindelerregenden Ritt durch eine fiebrige Traumlandschaft des imagin\u00e4ren norwegischen Hochlands, gemalt in kubistischen Formen\u201c (Quelle: Pressetext) oder aber Free Jazz mit Elefantentrompeten (\u201eExotic Dreams\u201c; sind vermutlich norwegische Elefanten), <span class=\"musik-review-bandname\">Depeche Mode</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span> (\u201eObsession is the Mother of All\u201c) sowie jede Menge Spacerock mit <em>Dance</em>-Einschlag.</p>\n<p>Die Stimmung auf \u201e\u00d8R\u201c ist tats\u00e4chlich <em>tr\u00e4umerisch</em>, der (nur manchmal etwas nervig) effektgeladene <em>dream-pop</em>-Gesang, der die nicht rein instrumentalen Teile des Albums begleitet, klingt wie hinter einem Schleier verborgen. Gesungen wird im \u00dcbrigen auf Englisch, was ich gut finde. Italienischsprachiger Gesang st\u00f6rt mich sehr; das erw\u00e4hnte ich ja aber schon.</p>\n<p>Aaron Kavanagh von \u201eNew Noise\u201c <a href="\&quot;https://newnoisemagazine.com/album-review-oslo-tapes-or/\&quot;" data-wpel-link="internal">findet</a>, <span class=\"musik-review-bandname\">Oslo Tapes</span> sollten unbedingt bekannter werden. Meinetwegen. Hauptsache, sie bleiben so.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Amazon.de hat ausnahmsweise keinen Stream, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Oslo-Tapes/dp/B08ZQD1FQX?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">nur die Tontr\u00e4ger</a>; <a href="\&quot;https://oslotapes.bandcamp.com/album/r\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/177676933\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> schaffen Abhilfe.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/caravan-its-none-of-your-business.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_caravan-its-none-of-your-business.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Caravan \u2013 It\u2019s None of Your Business</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eCountry life\u2019s not for you\u201c</span> (Down From London)\n<p>Ein neues Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span> l\u00e4sst mich meist schnell zum Kopfh\u00f6rer greifen: In den inzwischen 53 Jahren ihres Bestehens haben die Altmeister des <em>Canterbury Style</em> selten wirklich nachdr\u00fccklich entt\u00e4uscht und man ist ja auch immer froh \u00fcber alles, was aus dieser musikalischen Ecke <em>\u00fcberhaupt</em> noch kommt; neben <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span> und den zur\u00fcckgekehrten <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> sind die <em>Alten</em> nahezu ausnahmslos in Rente gegangen, verstorben oder sonstwie verstummt.</p>\n<p>\u201eIt\u2019s None of Your Business\u201c, das diesj\u00e4hrige insgesamt 15. Studioalbum, auf dem mit <span class=\"musik-review-bandname\">Pye Hastings</span> (Gitarre, Gesang) immerhin noch ein Gr\u00fcndungsmitglied von <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span> zu h\u00f6ren ist (das werden andere Gruppen dieses Alters, etwa <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, vermutlich nie wieder schaffen), beginnt mit \u201eDown From London\u201c direkt mit einer Entt\u00e4uschung: Das St\u00fcck wird <em>langweilig ausgeblendet</em>, als sei es eigentlich viel l\u00e4nger, aber zu lang f\u00fcr \u2013 keine Ahnung \u2013 das Radio oder so. Diesen Fauxpas wiederholen <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span> auf dem Rest des Albums allerdings nicht oft. Sie wollten mit diesem Album zur\u00fcck zu ihren <em>Wurzeln</em>, teilte <span class=\"musik-review-bandname\">Pye Hastings</span> in einem Interview mit. Urs\u00e4nger und \u2011bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Richard Sinclair</span>, einst dessen stimmliches und musikalisches Gegengewicht, fehlt allerdings auch auf \u201eIt\u2019s None of Your Business\u201c.</p>\n<p>Im zeitgen\u00f6ssischen Radio w\u00fcrde der sanfte Jazzrock, der hier zu h\u00f6ren ist, trotzdem auffallen, denn die St\u00fccke sind entweder zu lang (das Titelst\u00fcck schafft fast zehn Minuten Laufzeit) oder zu musikalisch anspruchsvoll f\u00fcr diejenigen, die einen drei Minuten lang durchgehaltenen 4/4\u2011Takt als h\u00f6chstes Gl\u00fcck der Berieselung begreifen. Dabei sind schon ein paar veritable Ohrw\u00fcrmer auf \u201eIt\u2019s None of Your Business\u201c zu h\u00f6ren, etwa das bemerkenswert rhythmische \u201eReady Or Not\u201c (Abzug in der B\u2011Note, sozusagen: auch hier wird wieder bl\u00f6de ausgeblendet), wenn auch sicher keine gro\u00dfen \u00dcberraschungen. <em><span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span>: Da wei\u00df man, was man hat.</em> Bisschen Fl\u00f6te, viel Akustikgitarre und <em>nat\u00fcrlich</em> der prominent nach vorn gemischte, angenehme, nie aufdringliche, aber auch \u2013 stilun\u00fcblich \u2013 nicht auffallend schlechte Gesang Pye Hastings\u2018.</p>\n<p>Sch\u00f6nes Album, auch von der Stimmung her. Gerne wieder.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Komplettstream <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/194636315\&quot;" data-wpel-link="internal">via TIDAL</a>, Schnipsel und Kauf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Its-None-Your-Business-Caravan/dp/B09D38CM1X?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">per Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/whispering-sons-several-others.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_whispering-sons-several-others.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Whispering Sons \u2013 Several Others</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI carve silence in my forearm / there\u2019s no silence in my head.\u201c</span> (Flood)\n<p>N\u00e4chster Stil- und Landsprung: Bei \u201eSeveral Others\u201c der belgischen Band <span class=\"musik-review-bandname\">Whispering Sons</span>, die ich als \u2013 wie eine Stichprobe im Bekanntenkreis ergab \u2013 anscheinend weltweit letzter Mensch noch <em>nicht</em> kannte, nicht binnen k\u00fcrzester Zeit an <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Cure</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Savages</span> und hin und wieder (zuerst am Schluss des zweiten St\u00fccks \u201eHeat\u201c) auch an <span class=\"musik-review-bandname\">Grinderman</span> zu denken vermochte ich nicht. Aufgespielt wird mit musikalisch oft angenehm zur\u00fcckhaltendem, d\u00fcsterem Postpunk, Gitarrendominanz herrscht nur selten. S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Fenne Kuppens</span> legt einen <em>interessanten</em> Gesang dar\u00fcber, der kaum als eindeutig weiblich, wohl aber als zerbrechlich wahrzunehmen ist.</p>\n<p>Diese Kombination wirkt am eindrucksvollsten, wenn <span class=\"musik-review-bandname\">Whispering Sons</span> aus dem sowieso schon nur locker angelegten Genrekorsett ausbrechen, etwa im von Klavier und Perkussionselektronik getragenen \u201eScreens\u201c, dessen Streichereinsatz selbst einen hartgesottenen Griesgram wie mich nicht ganz unbewegt l\u00e4sst; daran \u00e4ndert auch das folgende stampfende \u201eFlood\u201c, das in einem zeitgen\u00f6ssischen Gothic-<em>Tanzschuppen</em> sowohl musikalisch als auch textlich kaum negativ auffiele und deswegen zumindest <em>meinen</em> Geschmack knapp verfehlt, nichts.</p>\n<p>\u201eEin Traum\u201c (<a href="\&quot;https://www.medienkonverter.de/artikel/whispering-sons-several-others\&quot;" data-wpel-link="internal">anderswo</a> gelesen) sei das hier Geh\u00f6rte. In diesen \u201eschwierigen Zeiten\u201c (danke, mir kommt\u2019s selber hoch) sind Tr\u00e4ume immer gern gesehen; und geh\u00f6rt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Es gibt Stream (<a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/187635751\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>) und/oder Kauf (<a href="\&quot;https://whisperingsons.bandcamp.com/album/several-others\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Several-Others-Whispering-Sons/dp/B08X9FTD5S?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/lotus-titan-odyssees.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_lotus-titan-odyssees.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Lotus Titan \u2013 Odyss\u00e9es</span>\n<p>Ich konnte nie Franz\u00f6sisch und kann es bis heute nicht. Das macht den Genuss von <span class=\"musik-review-bandname\">Lotus Titans</span> <em>irgendwie passend</em> benanntem Deb\u00fctwerk \u201eOdyss\u00e9es\u201c etwas schwieriger als erhofft.</p>\n<p>Die vier Musiker n\u00e4mlich, von denen eine \u2013 <span class=\"musik-review-bandname\">Julie Castel Jordy</span>, eine auch sonst vielseitig interessierte K\u00fcnstlerin \u2013 neben dem Theremin auch das Mikrofon spielt, also <em>Texte darbietet</em>, spielen eine <em>merkw\u00fcrdige</em> Mischung aus improvisiertem Free Jazz, dem gelegentlich <span class=\"musik-review-bandname\">crimsonesque</span> Ausbr\u00fcche entlockt werden (\u201eJeterrible\u201c), und einer Art Poetry Slam, indem, sieht man vom auch sonst treffend betitelten, beinahe wie ein Fremdk\u00f6rper erscheinenden \u201eSilence\u201c ab, statt Gesangs oft intensive Monologe auf den H\u00f6rer einprasseln, auf dass er nicht mehr wissen m\u00f6ge, wo oben und unten, vorne und hinten und auch sonst irgendeine Richtung ist. Eine wahre <em>Odyssee</em> quasi.</p>\n<p>Das auf \u201eSilence\u201c folgende Titelst\u00fcck, mt \u00fcber zw\u00f6lf Minuten Laufzeit auch das mit Abstand l\u00e4ngste, l\u00e4sst das Tempo zun\u00e4chst gedrosselt: Es gibt geradezu sakrale Ambientkl\u00e4nge und zur\u00fcckhaltende Stimmeins\u00e4tze zu h\u00f6ren. Erst nach etwa sieben Minuten setzt eine Instrumentalpassage ein, die erkl\u00e4rt, warum <span class=\"musik-review-bandname\">Lotus Titan</span> sich f\u00fcr von <em>ausgerechnet</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Meshuggah</span> beeinflusst verstehen, denn deren Spielart des Progressive Metal beherrschen sie gar nicht mal schlecht. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Julie Castel Jordy</span> zwischendrin w\u00fctend etwas reinruft, passt zur umgebenden Musik, ist aber trotzdem \u00e4rgerlich, weil ich auch jetzt immer noch kein Franz\u00f6sisch kann. Vielleicht ist \u201eOdyss\u00e9es\u201c noch besser, wenn man es kann?</p>\n<p>Auch f\u00fcr alle anderen ist es allerdings ein Album, das sicherlich eines aufmerksamen Konsumenten bedarf, dessen Aufmerksamkeit aber mit hintergr\u00fcndiger Verspieltheit bei gleichzeitiger musikalischer \u00dcberraschung belohnt. Mein Album des Jahres 2021 ist es nicht, aber in der Avantgardekategorie schon sehr weit oben. Das ist ja auch was.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Eine Darbietung von \u201eH\u00e9ro\u00efne\u201c hatte ich schon mal <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/06/lotus-titan-heroine-ablassbriefe-699-euro/\&quot;" data-wpel-link="internal">als Montagsmusik</a>, ansonsten gibt es \u201eOdyss\u00e9es\u201c <em>nat\u00fcrlich</em> auch auf <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/172785371\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Odyss\u00e9es-Lotus-Titan/dp/B08W6HWTJP?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://lotustitan.bandcamp.com/album/odyss-es\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/hippotraktor-meridian.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_hippotraktor-meridian.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Hippotraktor \u2013 Meridian</span>\n<p>Toller Name, tolle Musik. Die (schon wieder!) Belgier tun mir den Gefallen, zumindest auf Englisch zu singen, denn auch mein Fl\u00e4misch ist schlecht. Ihr seht: Ich bin zwar vielseitig interessiert und gebildet, aber meine Kenntnisse von zeitgen\u00f6ssischen europ\u00e4ischen Sprachen ist <em>d\u00fcrftig</em>.</p>\n<p>Auf \u201eMeridian\u201c, dem ersten <em>long player</em> von <span class=\"musik-review-bandname\">Hippotraktor</span>, werden fast 42 (sch\u00f6ne Zahl auch) Minuten lang harte Riffs, <em>cleanen</em> wie <em>uncleanen</em> Gesang und geradezu fesselnde <em>grooves</em> entfesselt. Die Besetzung der Band, die man wohl als \u201eSupergroup\u201c, wie Musikgruppen aus mehreren schon bekannten Musikern fr\u00fcher mal hie\u00dfen, bezeichnen sollte, spricht f\u00fcr sich; unter anderem ist hier sozusagen auch die DNS der Stoner-Metal-Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Psychonaut</span> und der \u201eKrank-Rock\u201c-Band <span class=\"musik-review-bandname\">L\u2019itch</span> \u2013 <em>ich</em> denke mir diese Genrenamen <em>nicht</em> aus \u2013 beteiligt.</p>\n<p>Die wenigen <em>leise(re)n</em> Momente f\u00e4ngt das grollende Instrumentalgewitter mit Leichtigkeit auf, diese werden indes von vornherein nur sp\u00e4rlich angek\u00fcndigt. \u201eMeridian\u201c ist laut, ungest\u00fcm, \u201eMeridian\u201c ist <em>Krach</em>. Ich mag Krach.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://hippotraktor.bandcamp.com/album/meridian\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/192895805\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und so weiter.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/kurushimi-chaos-remains.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_kurushimi-chaos-remains.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Kurushimi \u2013 Chaos Remains</span>\n<p>\u201eKurushimi\u201c ist Japanisch und hei\u00dft \u201eLeiden\u201c. Das australische Sextett gleichen Namens \u2013 nicht zu verwechseln mit dem japanischen, anscheinend inzwischen inaktiven Musiker, der sich ebenfalls <span class=\"musik-review-bandname\">Kurushimi</span> nennt \u2013 klagt auf seinem sechsten Tontr\u00e4ger \u201eChaos Remains\u201c, namensgerecht aus Aufnahmeresten des Vorg\u00e4ngeralbums \u201eWhat Is Chaos?\u201c (2018) zusammengestellt, aber kaum, denn Gesang im verbreiteten Sinne gibt es nicht. Man habe sich thematisch von Werken <span class=\"musik-review-bandname\">John Zorns</span> inspirieren lassen, l\u00e4sst die Band mitteilen. Der erfahrene Leser wei\u00df nun bereits: Hier geht es um Freiform-Jazz.</p>\n<p>Tats\u00e4chlich sei \u201eChaos Remains\u201c wie folgt entstanden: <span class=\"musik-review-bandname\">Andrew Mortensen</span>, Bass- und Keyboardspieler von <span class=\"musik-review-bandname\">Kurushimi</span>, habe ein paar Schallplattenschleifen (\u201eturntable loops\u201c) erschaffen, indem er an zuf\u00e4lligen Stellen Aufkleber auf den Platten aufgebracht hat, und im Studio sollten die Musiker dann unter der Anleitung des gleichfalls zur freien Entfaltung angehaltenen Dirigenten <span class=\"musik-review-bandname\">Simeon Bartholomew</span> zu diesen <em>loops</em> spielen, wonach ihnen gerade der Sinn stand. Aufgrund der immerhin zwei Saxophonisten klingt das Ergebnis ungef\u00e4hr so, als w\u00fcrden die 70er- und die 90er-Besetzungen von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> einander gleichzeitig covern, w\u00e4hrend ein Orchester auf einer Autobahn spielt und den dort zu findenden Fahrzeugen kaum auszuweichen imstande ist. In \u201eFuneral Moon\u201c gibt es wenige Sekunden lang textlose Stimmeinw\u00fcrfe, die zur Stimmung der Musik vor allem als bekr\u00e4ftigendes Element beitragen.</p>\n<p>\u201eChaos Remains\u201c ist 29:35 Minuten lang und somit deutlich k\u00fcrzer als \u201eWhat Is Chaos?\u201c, was etwas kurz scheint. Es wurde bereits im Februar ver\u00f6ffentlicht, angek\u00fcndigt waren weitere Ver\u00f6ffentlichungen im Laufe des Jahres. Bislang \u2013 heute ist der 19. November 2021 \u2013 ist daraus nichts geworden. Bl\u00f6des Corona. Tolles Album.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Neben \u201eWhat Is Chaos?\u201c gibt es auch \u201eChaos Remains\u201c <a href="\&quot;https://viakurushimi.bandcamp.com/album/chaos-remains\&quot;" data-wpel-link="internal">bei Bandcamp</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/174275194\&quot;" data-wpel-link="internal">auf TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/idles-crawler.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_idles-crawler.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Idles \u2013 Crawler</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eCan I get a Hallelujah?\u201c</span> (The Wheel)\n<p>Kommen wir nun zu etwas v\u00f6llig anderem.</p>\n<p>Es w\u00e4re zu einfach, an Idles und ihr neuestes Album \u201eCrawler\u201c lediglich das langweilige Etikett \u201ePostpunk\u201c anzuheften, zumal das er\u00f6ffnende \u201eMTT 420 RR\u201c \u2013 meine erste Assoziation war <span class=\"musik-review-bandname\">Bryan Ferrys</span> <em>CPL 593H</em> und tats\u00e4chlich geht es auch um ein Fahrzeug, allerdings um einen Motorradunfall \u2013 eine klaustrophobische Bad-Seeds-Atmosph\u00e4re erzeugt, keineswegs aber eine dr\u00f6hnend-intime, wie gew\u00f6hnlicher Postpunk sie \u00fcblicherweise hervorbringt.</p>\n<p>\u201eCrawler\u201c ist ein Konzeptalbum, das sich weitgehend mit einem Fahrzeugunfall unter Drogeneinfluss, dessen Zustandekommen und dessen Folgen besch\u00e4ftigt. Erstmals explosiv wird es in \u201eCar Crash\u201c, das die Geschichte aus dem ersten St\u00fcck aus einer anderen Perspektive beleuchtet. Die Stimme des \u201emit Glas gurgelnden\u201c (<em>The Guardian</em>) Frontmanns <span class=\"musik-review-bandname\">Joe Talbot</span>, dessen Gesang nicht nur im Refrain von \u201eStockholm Syndrome\u201c an <span class=\"musik-review-bandname\">Bob Dylan</span> (man hole Fackeln und Mistgabeln, ich habe soeben ein Sakrileg begangen) erinnert, mitunter \u2013 in den ruhigeren Momenten (\u201eThe Beachland Ballroom\u201c) \u2013 aber auch sanft, zerbrechlich gar, aus dem Kopfh\u00f6rer flie\u00dft, ist trotz sch\u00f6n dominanten Bassspiels das wesentliche Alleinstellungsmerkmal dieses Albums.</p>\n<p>In \u201eThe New Sensation\u201c, das textlich (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201ere-train as a dancer\u201c</span>) unter anderem auf eine sehr bescheuerte Werbung der britischen Regierung Bezug nimmt, die <em>wegen Corona</em> vorgeschlagen hat, dass Leute, die ihre Arbeit verlieren, ihre Karrierepl\u00e4ne aufgeben und etwas ganz anderes lernen sollten, meine ich mich an \u201eTheir Satanic Majesties Request\u201c und dessen musikalisches Vorbild \u2013 die <em>Drogenphase</em> der langweiligen <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> \u2013 erinnert, und auch der von elektronischem Zirpen und Grollen begleitete Kanon \u201eProgress\u201c, der von zwei Halbmin\u00fctern eingerahmt ist, f\u00e4llt aus jedem Schema. Dass ich sp\u00e4testens nach den ersten paar St\u00fccken meine Einsch\u00e4tzung, dass es sich hier nicht um banalen Postpunk handelt, revidieren muss, bedaure ich indes kaum; denn zwar l\u00e4sst sich der Postpunk selbst von mir nicht wegdiskutieren, aber <em>banal</em> ist er nicht, sondern vielmehr der bisher beste, der mir 2021 untergekommen ist.</p>\n<p>\u201eCrawl!\u201c w\u00fcrde ich gar einen <em>Partykracher</em> nennen, wenn ich allein von dem Wort nicht die sprichw\u00f6rtlichen Kr\u00e4tze bek\u00e4me. Zum bedr\u00fcckenden Thema des Albums mag\u2019s nicht passen, aber ich bekomme tats\u00e4chlich <em>gute Laune</em>, w\u00e4hrend ich dieses Album h\u00f6re. Das w\u00e4re doch jetzt nicht n\u00f6tig gewesen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-inline\">\u201eLife is beautiful!\u201c</span> stellt der S\u00e4nger am Ende des Albums \u2013 in \u201eThe End\u201c \u2013 fest. Ein passender Abschluss f\u00fcr ein gro\u00dfartiges Album.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/204277921\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (Komplettstream), <a href="\&quot;https://www.amazon.de/CRAWLER-Explicit-IDLES/dp/B096MTQ6XT?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (auch Kauf).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/bruit-the-machine-is-burning-and-now-everyone-knows-it-could-happen-again.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_bruit-the-machine-is-burning-and-now-everyone-knows-it-could-happen-again.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">BRUIT \u2264 \u2013 The Machine is burning and now everyone knows it could happen again</span>\n<p>Ich mag ja Bands mit Namen, die ich nicht aussprechen kann (aber anscheinend spricht man das \u201e\u2264\u201c nicht mit), und Musikalben mit viel zu langen Titeln. Den Rekord scheinen bisher <span class=\"musik-review-bandname\">Chumbawamba</span> zu halten. Haben sie verdient. <span class=\"musik-review-bandname\">BRUIT \u2264</span> machen Postrock und davon hatte es 2021 sonst sowieso zu wenig.</p>\n<p>Auf \u201eThe Machine is burning and now everyone knows it could happen again\u201c sind vier St\u00fccke von jeweils \u00fcber achteinhalb Minuten L\u00e4nge enthalten. Ich w\u00fcnschte, das w\u00e4re noch ein Qualit\u00e4tsmerkmal, aber das macht inzwischen <a href="\&quot;https://www.republicworld.com/entertainment-news/music/taylor-swift-performs-10-minute-long-track-all-too-well-on-snl-acts-with-pete-davidson.html\&quot;" data-wpel-link="internal">sogar <span class=\"musik-review-bandname\">Taylor Swift</span>.</a> M\u00f6glicherweise haben wir es hier mit einem Konzeptalbum zu tun; zwei der vier St\u00fccke sind mit Textzitaten unterlegt, in denen eine bessere Welt mit mehr Menschlichkeit und weniger Kapitalismus und Umweltzerst\u00f6rung herbeigesehnt wird. <span class=\"musik-review-bandname\">BRUIT \u2264</span> kommen aus Toulouse, aber das macht nichts.</p>\n<p>Am langweiligen Laut-leise-Spiel, das in den Neunzigern schon perfektioniert worden ist und deshalb l\u00e4ngst <em>uninteressant</em> ist, beteiligen sich <span class=\"musik-review-bandname\">BRUIT \u2264</span> nur scheinbar. Zur Stammbesetzung des Quartetts geh\u00f6rt ein Cellist, die vier Gastmusiker tragen Bassposaune, Klarinette, Horn und Vibraphon bei. Insbesondere unter der Pr\u00e4misse, dass es sich hier um ein Deb\u00fctalbum handelt, ist das Ergebnis au\u00dferordentlich beeindruckend. <span class=\"musik-review-bandname\">BRUIT \u2264</span> kombinieren <em>typische</em> Postrockeffekte, also <em>Gitarrenkrach</em> und durchaus \u00fcberraschende elektronische Schnitte, mit diesen <em>klassischen</em> Zutaten (\u201eRenaissance\u201c zeigt sie erstmals in voller Pracht), ohne dass sie <em>zu viel</em> versuchen, wie es manch anderer Band geht, die zu <em>experimentieren</em> versucht. Wohldosierte instrumentale Explosionen an den richtigen Stellen und ein v\u00f6lliges Fehlen von <em>fade-outs</em> \u2013 das Album ist als Einheit zu erkennen, nicht blo\u00df als lose Ideensammlung \u2013 tun ihr \u00dcbriges zu meiner Einsch\u00e4tzung, dass es in letzter Zeit kaum ein beeindruckenderes Postrockalbum als dieses gegeben hat.</p>\n<p>Hoffentlich lassen <span class=\"musik-review-bandname\">BRUIT \u2264</span> jetzt nicht nach.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Es gibt ein <a href="\&quot;https://bruitofficial.bandcamp.com/track/the-machine-is-burning\&quot;" data-wpel-link="internal">Video</a> zum St\u00fcck \u201eThe Machine Is Burning\u201c. Es ist gut.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/trialogos-stroh-zu-gold.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_trialogos-stroh-zu-gold.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Trialogos \u2013 Stroh zu Gold</span>\n<p>Der Titel des Albums klingt nach Grimm\u2019schen M\u00e4rchen, die Musik hingegen keinesfalls.</p>\n<p>Das anscheinend in Berlin beheimatete Trio <span class=\"musik-review-bandname\">Trialogos</span> trat erstmals \u2013 wie auch sonst? \u2013 im Jahr 2020 im Rahmen einer Kunstausstellung gemeinsam auf. Konsequent erschiene es mir falsch, diese <em>Kunst</em> zum Genre zu degradieren. Die drei subkulturell <em>diversen</em> Musiker spielen Noiserock, Postrock und Industrial, \u00fcberwiegend instrumental. Wer braucht schon Gesang? Zur Beschreibung des treffend betitelten St\u00fccks \u201eBatdance\u201c, das der <em>Tanzmusik</em> <span class=\"musik-review-bandname\">And-One</span>-scher Manier angeh\u00f6rt, las ich irgendwo im Web das Wort \u201eGruftidisco\u201c. Sch\u00f6nes Wort.</p>\n<p>Das Album endet mit einer instrumentalen Klimax, dank moderner Technik intensiver als der vielstimmige Orchesterakkord, den die bl\u00f6den <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> irgendwann mal gemacht haben. \u201eWellenreiter\u201c hei\u00dft das letzte St\u00fcck und es schickt tats\u00e4chlich Wellen durch den K\u00f6rper. H\u00fcbsch.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Via <a href="\&quot;https://trialogos.bandcamp.com/album/stroh-zu-gold\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> kann man streamen, kaufen und theoretisch auch (in mittelm\u00e4\u00dfiger Qualit\u00e4t) direkt herunterladen, aber <em>nat\u00fcrlich</em> macht man <a href="\&quot;https://pypi.org/project/campdown/\&quot;" data-wpel-link="internal">so was nicht</a>, das w\u00e4re <em>unmoralisch</em>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/big-brave-vital.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_big-brave-vital.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Big \u2021 Brave \u2013 Vital</span>\n<p>Was fehlt in dieser R\u00fcckschau noch? Ach ja: Postrock und Artverwandtes.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Big \u2021 Brave</span>, inzwischen zum Trio angewachsen, zelebrieren auf \u201eVital\u201c  einen sehr, nun ja, <em>vitalen</em> Doom-Postmetal, dessen bedrohliches Donnern das Niederschreiben dieser Eindr\u00fccke erschwert, denn ich bin ein Mann, ich kann nicht zwei Dinge gleichzeitig machen. Diese Musik aber zwingt mich zu Aufmerksamkeit. Schade.</p>\n<p>In f\u00fcnf St\u00fccken, aber insgesamt immerhin \u00fcber 38 Minuten, trifft d\u00fcsterste Instrumentalarbeit auf den expressiv-klagenden, mitunter auch w\u00fctenden (\u201eOf This Ilk\u201c) Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Robin Wattie</span>, der jenen, die sowieso keinen Frauengesang m\u00f6gen, ganz besonders wenig gefallen d\u00fcrfte, f\u00fcr mich aber ein mehr als nur treffender Kontrast ist. Ich denke manchmal an <span class=\"musik-review-bandname\">Anna von Hausswolff</span>. Ich denke sehr gern an <span class=\"musik-review-bandname\">Anna von Hausswolff</span>. (Die seit 2021 \u00fcbrigens auch als Gasts\u00e4ngerin und \u2011organistin auf <span class=\"musik-review-bandname\">Sunn O)))s</span> \u201eMetta, Benevolence BBC 6Music: Live on the Invitation of Mary Anne Hobbs\u201c zu h\u00f6ren ist, aber Livealben und Sp\u00e4terver\u00f6ffentlichungen nehme ich ja aus Prinzip nicht in diese Liste auf.)</p>\n<p>Das Tempo bleibt dabei \u00fcber weite Strecken gedrosselt, die brachiale Gewalt will sanft genossen werden. Ein passendes Adjektiv f\u00fcr das hier Geh\u00f6rte ist \u201eschwergewichtig\u201c. Ich f\u00fchle mich musikalisch geradezu erdr\u00fcckt und das gef\u00e4llt mir auch noch gut. Ich wei\u00df nicht, welcher ICD-10-Code das jetzt wieder ist. <em>Im Internet</em> wird dem Werk von <span class=\"musik-review-bandname\">Big \u2021 Brave</span> eine kathartische Wirkung bescheinigt. Stimmt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Es gibt <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=6CgK5w6E2ns\&quot;" data-wpel-link="internal">ein Video</a> zu \u201eHalf Breed\u201c, das zeigt, wie eine unsichtbare Hand Erde auf einen am Boden liegenden Menschen sch\u00fcttet, der anschlie\u00dfend aufsteht und geht. Ich verstehe das nicht. Das macht nichts.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/spiritczualic-enhancement-center-carpet-album.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_spiritczualic-enhancement-center-carpet-album.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Spiritczualic Enhancement Center \u2013 Carpet Album</span>\n<p>Was erwarte ich von einer Band, deren Name mit \u201eSpiritczualic\u201c \u2013 ein Kofferwort aus \u201espirit\u201c, \u201eritual\u201c und einem polnischen Zischlaut \u2013 beginnt? Klar: Drogenmusik. Bekiffte Audiotrips mit bed\u00e4chtigem Rhythmus, gern mit dominantem Bass und gelegentlich ein bisschen Gitarrenflirren.</p>\n<p>Was ist auf dem \u201eCarpet Album\u201c des Berliner \u201eMusikerkollektivs\u201c <em>(warum muss in Berlin immer alles ein \u201eKollektiv\u201c sein?)</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Spiritczualic Enhancement Center</span> zu h\u00f6ren? Klar: Drogenmusik. Bekiffte Audiotrips mit bed\u00e4chtigem Rhythmus, gern mit dominantem Bass und gelegentlich ein bisschen Gitarrenflirren. Instrumental, versteht sich, und manchmal an der Grenze zur Massagepornomusik (\u201eCarpet Inauguration\u201c), sich von dieser aber jedes Mal schnell wieder entfernend.</p>\n<p>Die Musiker selbst <a href="\&quot;https://www.psychedelicbabymag.com/2021/03/spiritczualic-enhancement-center-interview.html\&quot;" data-wpel-link="internal">sprechen von</a> \u201eSpektraljazz\u201c und einer Inspiration durch die \u201ekosmische Musik\u201c, was ein Kunstbegriff war, den ein LSD-verr\u00fcckter Idiot in den 1970er Jahren <a href="\&quot;https://en.wikipedia.org/wiki/Cosmic_Couriers\&quot;" data-wpel-link="internal">propagieren zu m\u00fcssen</a> meinte, weshalb er heute pleite und verschollen ist. Zu Recht, wie ich meine. Ob <span class=\"musik-review-bandname\">Spiritczualic Enhancement Center</span> auch pleite sind, wei\u00df ich nicht, aber verschollen sind sie bisher nicht. Finde ich gut.</p>\n<p>Erfreulicherweise verzichtet das \u201eKollektiv\u201c \u2013 w\u00e4h \u2013 auch darauf, den gleichen langweiligen Fehler wie die meisten anderen zeitgen\u00f6ssischen \u201epsychedelischen\u201c Musikgruppen zu machen und <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> und/oder <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> zu imitieren. \u201eSpektraljazz\u201c passt schon als Bezeichnung. Etwas schade sind nur die hier auch vorkommenden <em>fade-outs</em> und sonstigen eher abrupten Enden (sofern man bei so entspannender Musik \u00fcberhaupt von \u201eabrupt\u201c reden kann), denn w\u00e4hrend <span class=\"musik-review-bandname\">Spiritczualic Enhancement Center</span> Anf\u00e4nge <em>ganz gut</em> hinbekommen, fehlt ihnen f\u00fcr gute Schl\u00fcsse anscheinend manchmal der Antrieb. Ich behaupte: w\u00e4ren die 1980er Jahre nicht gewesen, w\u00e4re das Ausblenden von Musikst\u00fccken die f\u00fcrchterlichste Erscheinung, die je in die Musik Einzug gehalten hat. Sch\u00f6n ist das trotzdem nicht.</p>\n<p>Alles Weitere aber schon, deshalb: Empfehlung.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://kryptox-music.bandcamp.com/album/carpet-album\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (Vinyl ist aus).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/red-kite-apophenian-bliss.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_red-kite-apophenian-bliss.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Red Kite \u2013 Apophenian Bliss</span>\n<p>Mal wieder ein bisschen Anstrengung zwischendurch, sonst langweilt ihr euch noch.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Red Kite</span>, ein Instrumentalquartett und gleichzeitig eine <em>supergroup</em>, unter anderem mit Beteiligung der gro\u00dfartigen <span class=\"musik-review-bandname\">Elephant9</span>, aus Norwegen, hat mit \u201eApophenian Bliss\u201c im November 2021 sein bisher zweites Studioalbum ver\u00f6ffentlicht. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Fender Rhodes, wobei insbesondere das Schlagzeug eine dominante Rolle einnimmt, \u00fcberzeugen mit einer <em>merkw\u00fcrdigen</em> Zusammenstellung von Jazz- und Space-Rock-Elementen, wobei diese <em>Fusion</em> schon im zweiten St\u00fcck \u201eThis Immortal Coil\u201c \u2013 mit fast achteinhalb Minuten Laufzeit das drittl\u00e4ngste auf dem Album \u2013 sich als \u201ebrennbar\u201c (Quelle: Internet) erweist. Von \u201eMetal\u201c und \u201eHeavy Prog\u201c quatscht das Etikettennetz. Ich mag keine Etiketten.</p>\n<p>Selten \u2013 \u201eApophenia\u201c ist eines dieser Beispiele \u2013 wird der Space-Rock-Anteil merklich reduziert und macht Platz f\u00fcr eine <em>interessante</em> Mischung aus Bluesrock (mit <em>singender</em> Gitarre) und dem jetzt schon etablierten Jazz; daf\u00fcr d\u00fcrfen im folgenden \u201eRed Kite Flight\u201c Schlagzeug und Bass wieder <em>eskalieren</em>. Eskalation lie\u00df sich bei der Produktion von \u201eApophenian Bliss\u201c kaum vermeiden, fiel ihr Beginn doch auch mit der Eskalation <em>der Pandemie</em> zusammen. Mancherlei Musiker Kreativit\u00e4t haben die erschwerten Aufnahmebedingungen jedenfalls offenkundig keinen nennenswerten Schaden zugef\u00fcgt. Die einzige Coverversion auf dem Album, das Psych-Jazz-St\u00fcck \u201eMorrasol\u201c, wurde von dem Saxophonisten und Komponisten <span class=\"musik-review-bandname\">Gisle Johansen</span> <em>geliehen</em>, der \u201eDeath Metal und <span class=\"musik-review-bandname\">Coltrane</span> gleicherma\u00dfen mag\u201c (Quelle: Internet). Sch\u00f6ne Mischung. Sch\u00f6nes Album.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Stream bei <a href="\&quot;https://thisisredkite.bandcamp.com/album/apophenian-bliss\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/203182575\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, Kauf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Apophenian-Bliss-Red-Kite/dp/B09FHCHTBJ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/weston-super-maim-180-degree-murder.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_weston-super-maim-180-degree-murder.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Weston Super Maim \u2013 180-Degree Murder</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eEnd me or I erupt\u201c</span> (180-Degree Murder)\n<p>Kurz und <em>schmerzhaft</em>: Der/die/das EP \u201e180-Degree Murder\u201c \u2013 wunderbares Coverbild auch \u2013 ist ungef\u00e4hr eine Viertelstunde lang und enth\u00e4lt zwei St\u00fccke, namentlich das Titelst\u00fcck sowie \u201eWe Need To Talk About Heaven\u201c. Die Band <span class=\"musik-review-bandname\">Weston Super Maim</span> ist ein britisch-US-amerikanisches Duo und setzt mit diesen zwei St\u00fccken ein angemessen brutales Ausrufezeichen unter dieses verdammte Jahr 2021, obwohl \u201e180-Degree Murder\u201c bereits im Juli 2021 <em>rauskam</em>. Macht ja nichts.</p>\n<p>Musikalisch bekommt der H\u00f6rer es mit Tech-Metal und Mathcore zu tun, es wird gegr\u00f6lt und gebr\u00fcllt und nicht gesungen. Das w\u00e4re auch eine sehr alberne Kombination. Die beiden Musiker verweisen auf <span class=\"musik-review-bandname\">Meshuggah</span> als relevante Inspiration und dem zu widersprechen l\u00e4ge mir fern. Es gibt sogar 12-Zoll-Vinyl zu diesem kurzen Ausflug ins Extreme. Ich w\u00fcnschte, das k\u00f6nnte ich von allen Alben sagen, die ich 2021 zu sch\u00e4tzen gelernt habe.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://westonsupermaim.bandcamp.com/album/180-degree-murder\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/183966601\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>. Tut fast gar nicht weh.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/zement-rohstoff.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_zement-rohstoff.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Zement \u2013 Rohstoff</span>\n<p>Na gut, ich gebe es zu: Ich mag <span class=\"musik-review-bandname\">Kraftwerk</span> nicht.</p>\n<p>Das schlie\u00dft mich m\u00f6glicherweise von Diskussionen mit manchen Zeitgenossen aus, denn auch auf der anderen Seite des Musikh\u00f6rerspektrums gibt es \u00e4hnliche Dickk\u00f6pfe wie mich; aber ich kann es begr\u00fcnden: Obwohl sie als wirklich <em>h\u00f6rbare</em> Krautrockband angefangen haben, sind sie sehr schnell in eine sehr langweilige elektronische Schiene abgebogen, die sich, glaubt man \u00fcberschw\u00e4nglichen Rezensenten, noch bis heute vor allem dadurch auszeichnet, dass da so sch\u00f6n wenig passiert und deswegen so sch\u00f6n viel Platz ist f\u00fcr so sch\u00f6ne Langeweile. Gleichbleibende Rhythmen, kaum eine neue Idee in den aktiven Jahrzehnten. Der Kunde (\u201eH\u00f6rer\u201c) honoriert es als \u201eseinem Stil treu bleiben\u201c oder so. G\u00e4hn.</p>\n<p>Statt auf der Autobahn zu fahrnfahrnfahrn, werfe ich mich mitsamt meinen Kopfh\u00f6rern lieber in den Mischer, denn hier produzierte das W\u00fcrzburger Duo <span class=\"musik-review-bandname\">Zement</span> 2021 neuen \u201eRohstoff\u201c, wie dessen aktuelles Album \u2013 das bereits dritte Vollzeitwerk \u2013 hei\u00dft. \u00c4hnlichkeiten zu <span class=\"musik-review-bandname\">Kraftwerk</span>, vom Einsatz monotoner \u201eRoboter\u201c-Stimmen bis hin zu ebenfalls recht gleichbleibenden Rhythmen, lassen sich kaum verkennen, aber <span class=\"musik-review-bandname\">Zement</span> machen es <em>besser</em>, denn w\u00e4hrend <span class=\"musik-review-bandname\">Kraftwerk</span> ihre Krautrockwurzeln derart intensiv dem ewigen Vergessen \u00fcberantwortet haben, dass in ihrem \u201eKatalog\u201c (so hei\u00dft die ab 2009 in verschiedenen Versionen ver\u00f6ffentlichte Werkschau) die ersten drei Studioalben \u00fcberhaupt nicht vorkommen, sind <span class=\"musik-review-bandname\">Zement</span> nicht ganz so d\u00e4mlich; hier darf auch mal eine Gitarre zu h\u00f6ren sein (etwa im polyrhythmischen Jazz-Ausflug \u201eKleiner 3\u201c) und immer wieder schwingt die <em>gute alte</em> Psychedelik mit.</p>\n<p>Im etwas zu kurzen \u201eZunder\u201c bedauert die Roboterstimme, etwas sei \u201esuch a shame\u201c, aber von den Achtzigern lassen <span class=\"musik-review-bandname\">Zement</span>, die dieser Stimme ein dominantes Saxophon entgegensetzen, ansonsten die Finger. Ist auch besser so. Die Achtziger waren musikalisch f\u00fcrchterlich. Das l\u00e4ngste St\u00fcck hingegen hei\u00dft \u201eEntz\u00fccken\u201c, folgt direkt auf \u201eZunder\u201c und ist \u00fcber zehn Minuten lang. Ich bin entz\u00fcckt. Mit \u201eAtem\u201c endet \u201eRohstoff\u201c in einer Instrumentaleruption mit irrlichternder Gitarre und schier ungez\u00fcgeltem Schlagzeug, wie man sie in dieser Ecke der elektronischen Musik gar nicht mehr erwartet h\u00e4tte. Ich mag es, wenn ungen\u00fcgende Erwartungen weit \u00fcbertroffen werden.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Komplettstreams gibt\u2019s bei <a href="\&quot;https://zement.bandcamp.com/album/rohstoff\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/177317271\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, H\u00f6rschnipsel und (theoretisch) Stream und Kauf diesmal auch wieder auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Rohstoff-Zement/dp/B08Z7N5898/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/moor-mother-black-encyclopedia-of-the-air.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_moor-mother-black-encyclopedia-of-the-air.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Moor Mother \u2013 Black Encyclopedia of the Air</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI\u2019m too fucking high.\u201c</span> (Zami)\n<p>Das erste St\u00fcck von \u201eBlack Encyclopedia of the Air\u201c erinnert mich spontan und daher un\u00fcberlegt an die von mir anderswo schon mal rezensierte neuere Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">I Like Trains</span>, aber auch an die elektronische Musik der 70er und fr\u00fchen 80er Jahre. Irgendwie unwirklich vertr\u00e4umt wabert das minimalistische St\u00fcck \u201eTemporal Control of Light Echoes\u201c zur Er\u00f6ffnung desjenigen Albums aus dem Kopfh\u00f6rer, das die in Rap und Jazz bewanderte US-Amerikanerin <span class=\"musik-review-bandname\">Camae Ayewa</span> alias <span class=\"musik-review-bandname\">Moor Mother</span> im Scherz <a href="\&quot;https://pitchfork.com/reviews/albums/moor-mother-black-encyclopedia-of-the-air/\&quot;" data-wpel-link="internal">ihr \u201eAusverkaufsalbum\u201c nannte</a>, da es <em>zug\u00e4nglicher</em> sei als manches, was sie zuvor herausgebracht habe.</p>\n<p>Nun bin ich mit dem bisherigen Wirken von <span class=\"musik-review-bandname\">Moor Mother</span> nicht vertraut und verlasse mich somit auf meine eigenen Eindr\u00fccke. Zu diesen z\u00e4hlt, dass neun von den enthaltenen dreizehn St\u00fccken einen oder mehrere Gastmusiker aufweisen, die ich allesamt ebenfalls nicht kenne. Prima. Ich mag mir zuvor Unbekanntes in der Musik manchmal. Und tats\u00e4chlich: Es wird gerappt.</p>\n<p>Ja, ja, <em>Rap ist keine Musik</em>, er gen\u00fcgt der Definition von Musik gem\u00e4\u00df der deutschsprachigen Wikipedia nicht und so weiter und so fort. Das macht aber nichts, denn die musikalische Begleitung bleibt doch eher <em>jazzig</em>. Mir ist, als h\u00f6rte ich eine US-amerikanische Konkurrenz zur <span class=\"musik-review-bandname\">Jazzkantine</span>, aber mit <em>noch</em> tiefer im <em>spacig</em> Verspielten unterwegs. Textlich ist das Album weniger beschwingt, es geht in den meisten St\u00fccken um den US-eigenen Rassismus, mitunter aber auch um Lehren aus dem Leben der Vorfahren (\u201eTarot\u201c) und die Freiheit zu leben, wobei das resignierende Schlussst\u00fcck \u201eClock Fight\u201c sicher nicht hoffnungsfroh stimmen sollte. Vorhaben f\u00fcr die Zukunft: \u00d6fter mal auf die Texte h\u00f6ren, auch wenn\u2019s blo\u00df Englisch ist. Dieses Vorhaben habe ich in letzter Zeit ein wenig vernachl\u00e4ssigt.</p>\n<p>W\u00e4hrend ich dies tippe, merke ich, dass ich <em>unbeholfen</em> an diese Art von Musik herangehe. Sie \u00fcberrascht mich, weil ich diese Kombination nicht gewohnt bin. Sind die weniger \u201ezug\u00e4nglichen\u201c Fr\u00fcherwerke von <span class=\"musik-review-bandname\">Camae Ayewa</span> wirklich anstrengender oder nur herausfordernder? Ich sollte das irgendwann mal herausfinden.</p>\n<p>Am Ende z\u00e4hlt aber ohnehin nur: Gef\u00e4llt\u2019s oder gef\u00e4llt\u2019s nicht? Ganz ungeachtet der Textexegese, f\u00fcr die mehr Szenekenntnisse meinerseits wahrscheinlich notwendig w\u00e4ren: Mir gef\u00e4llt\u2019s; auf eine ganz neue Art gar. Das muss erst mal reichen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> F\u00fcr blo\u00dfe Ausz\u00fcge ist das Album zu schade, daher empfehle ich hier nur den Komplettstream via <a href="\&quot;https://moormother.bandcamp.com/album/black-encyclopedia-of-the-air\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> und/oder <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/183667353\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>. Haptisch interessantere Tontr\u00e4ger \u2013 also: \u00fcberhaupt Tontr\u00e4ger \u2013 hingegen bietet <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Black-Encyclopedia-Nicole-Mitchell-Mother/dp/B098RFVF92?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> an, bei Bandcamp wird man diesmal zurzeit nicht f\u00fcndig. Schade eigentlich.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/tomahawk-tonic-immobility.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" class=\"musik-review-album-covr1\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_tomahawk-tonic-immobility.jpg\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Tomahawk \u2013 Tonic Immobility</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eGot a birthing coach with a COVID smile / We labor alone today\u201c</span> (Doomsday Fatigue)\n<p>Zum Abschluss dieser Liste muss dann doch noch ein wenig anst\u00e4ndige Rockmusik her.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span> m\u00f6chte ich nicht sein m\u00fcssen, der von mir gesch\u00e4tzte Herr ist anscheinend zu schnell gelangweilt und muss darum dauernd irgendwas machen. 2021 hat er, mittlerweile 53 Jahre alt, zum Beispiel neben den reaktivierten <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> auch seiner seit 2020 wieder formierten Experimentalrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Tomahawk</span> zu einem neuen Studioalbum verholfen. Es hei\u00dft \u201eTonic Immobility\u201c und ist erwartungsgem\u00e4\u00df vortrefflich gelungen.</p>\n<p><em>Zeitlos</em> im klassischen Sinne ist es nicht, denn unter anderem wird auf Doomscrolling w\u00e4hrend <em>der Pandemie</em> (\u201eDoomsday Fatigue\u201c) und zeitgen\u00f6ssische K\u00f6rperideale (\u201eBusiness Casual\u201c) Bezug genommen. Stilistisch passiert auf \u201eTonic Immobility\u201c jede Menge, ich h\u00f6re Nu Metal, Grunge, Country (\u201eHowlie\u201c; trotzdem gut und vor allem zum Ende hin eine h\u00f6chst angenehme Eskapade) und gelegentlich auch etwas Punkrock. Zum Gl\u00fcck muss ich im Saturn nicht die Plattenregale sortieren. Keine Ahnung, in welche <em>Schublade</em> dieses Album reinm\u00fcsste. Einen roten Faden gibt es nicht, aber das tut dem H\u00f6rvergn\u00fcgen keinen Abbruch. Es <em>rockt</em>. Braucht man immer mehr?</p>\n<p>Ich k\u00f6nnte hier einen Indianerwitz machen, aber den lasse ich begraben wie andere das Kriegsbeil. Stattdessen spreche ich diesem Album meine w\u00e4rmste Empfehlung aus. Hugh.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Tonic-Immobility-Explicit-Tomahawk/dp/B08S44JVN1/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> oder eben auch <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/177937180\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>. Dort sind alle enthaltenen St\u00fccke als <em>explizit</em> gekennzeichnet. Weicheier.</p></li>\n</ol>\n<hr>\n<p>Fragen, Kritik, Anmerkungen und Liebeserkl\u00e4rungen nehme ich gern als Kommentar entgegen. Ansonsten: Fortsetzung folgt!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Thilo schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/01/musik-12-2021-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">1. Januar 2022</a> dies: So sehr ich auch Schei\u00df-Fan des Sarkasmus bzw. der feinen Beobachtungen des Herrn Hirnficks bin: Das ist typische Kneipenhocker-Musik. Wer, warum auch immer (kann nicht tanzen/hat sich nicht getraut/hatte nur m\u00e4nnliche Freunde) in seiner \u201ePr\u00e4gungsphase\u201c nie in eine Disko hineingestolpert ist \u2013 der findet dann gleichsam als Akt der Abwehr Kraftwerk \u00f6de, wahrscheinlich auch \u201eDisco\u201c, \u201eHouse\u201c und \u201eTechno\u201c. Und h\u00f6rt dann so einen Krampf. Habe mir die erste H\u00e4lfte der Empfehlungen angetan, ach Du meine G\u00fcte. Bin dennoch weiterhin Fan. Was ist heutzutage schon Musikgeschmack, da niemand mehr eine Plattensammlung sein eigen nennt. So egal wie eine Backrezeptesammlung. Ist er denn ge\u201eimpft\u201c, das ist die Frage (Achtung, Ironie. Was geht es einen an, verdammt nochmal)!</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/01/frueher-war-alles-musikalischer/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Fr\u00fcher war alles musikalischer.</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/01/musik-12-2021-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">24. Januar 2022</a> dies: [\u2026] dem \u201eAlten\u201c vor\u00adaus hat. Das tr\u00e4gt sicher\u00adlich auch dazu bei, dass es mehr Spa\u00df macht, nach \u201eNeuem\u201c zu fischen; des\u00adhalb aber dem \u201eAlten\u201c ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis\u00adlos zu begeg\u00adnen, weil es das \u201eNeue\u201c [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2022/01/musik-12-2021-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg02.met.vgwort.de/na/b7f5bb1045314af99ab5f0e0c8ea5e75\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 24 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickAh, es ist wieder ein Jahr vorbei. Das kriegt man ja derzeit gar nicht so wirklich mit, deswegen schreibe ich es lieber dran. W\u00e4hrend die meisten Jahresr\u00fcckblicke aber schon im Sp\u00e4therbst weitgehend fertiggeschrieben worden waren, gab ich auch diesmal wieder der Musikerwelt die Chance, mich noch bis zum letzten Tag des Jahres von ihrem K\u00f6nnen zu \u00fcberzeugen. Wenig w\u00e4re trauriger als einen R\u00fcckblick auf ein Jahr zu schreiben und einen Tag sp\u00e4ter gesch\u00e4he etwas, das alles \u00e4ndert. Nein, nein.\nHier also \u2013 zur Erbauung hoffentlich vieler \u2013 folgen einige der bemerkenswertesten Musikalben des Jahres 2021. Es scheinen einige \u00dcberraschungen \u2013 etwa das neueste Album von Limp Bizkit \u2013 zu fehlen. Dem ist aber nicht so. Die haben mir nur nicht gefallen.\nBereits zuvor besprochen beziehungsweise beschrieben habe ich die aktuellen Werke von Palo Alto, Neurosenbl\u00fcte, Bossk, Godspeed You! Black Emperor, Dry Cleaning und Electric Orange. Bitte nicht mehr anrufen, die sind nicht mehr dabei.\nDer Musiker Morrissey schrieb im April 2021, in der modernen Musik haben Emotionen keinen Platz mehr. Das wollen wir doch mal sehen. In einer Studie kam vor einer Weile heraus, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen dem Charakter und dem Musikgeschmack eines Menschen gibt. Menschen, denen hiervon irgendetwas gef\u00e4llt, sind daher gute Menschen. Wirklich.\nLos geht\u2019s.\n\n\n \u041a\u041e\u041c\u0412\u0423\u0418\u0410\u0422 \u042f\u041e\u0412\u041e\u0422\u042f\u041e\u0418 \u2013 \u2011270\u00b0C\nDie Gruppe, die tats\u00e4chlich nicht \u201eKombinat Robotron\u201c hei\u00dft, weil die kyrillischen Buchstaben eigentlich irgendwie anders gelesen werden, reicht dem Genie\u00dfer auf \u201e-270\u00b0C\u201c gewohnt mitrei\u00dfende (ich mag nicht \u201egereifte\u201c schreiben, das h\u00e4tte was von Langeweile) Space-/Krautkost auf gewohnt hohem Niveau. W\u00fcrde ich tanzen, tanzte ich dazu, doch ich tanze nicht. Ich h\u00f6re, nicke unrhythmisch und freue mich.\nMinus 270 Grad Celsius, wie der Name des Albums vielleicht ausgesprochen werden soll, sind 3,15 Grad Celsius \u00fcber dem absoluten Nullpunkt, also immer noch recht k\u00fchl. Da es hier keinen Gesang gibt (uff!), ist der Kontext schwer auszumachen. Die vier St\u00fccke hei\u00dfen wie Teleskope (\u201eCompton\u201c, \u201eChandra\u201c, \u201eSpitzer\u201c und \u201eHubble\u201c). Nat\u00fcrlich ist \u201eHubble\u201c (21:21 Minuten) am l\u00e4ngsten. Kennen die meisten, also braucht es auch am meisten Platz.\nDie Vinylauflage ist restlos ausverkauft und gebraucht derzeit recht teuer. Verdammter Mainstream.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp, TIDAL.\n Sleaford Mods \u2013 Spare Ribs\nDas erste Album nach dem \u201eBrexit\u201c konnte wegen der Krise nicht per Tour beworben werden wie fr\u00fcher, trotzdem hat sich kaum etwas ge\u00e4ndert: Jason Williamson erz\u00e4hlt w\u00fctend, wenn auch zahmer als bisher, zu monotonen beats etwas \u00fcber alles, was ihn aufregt; das ist, so viel sei vorweggenommen, immer noch einiges. Wirklich neu sind die beiden Kollaborationen mit den Gasts\u00e4ngerinnen Amy Taylor und Billy Nomates, wobei insbesondere letztere \u2013 in \u201eMork n Mindy\u201c zu h\u00f6ren \u2013 im gesungenen Refrain einen ungew\u00f6hnlichen Souleindruck hinterl\u00e4sst. Dass die Sleaford Mods trotzdem weit von den furchtbar belanglosen Popstaralben von Eminem vor seiner Besinnung auf fr\u00fcher entfernt bleiben, beruhigt: Auf das N\u00f6tigste reduzierter Elektropunk ohne Kompromisse. Worauf sollten sie auch aus sein \u2013 auf Verkaufszahlen?\nWer bis zum Ende durchh\u00e4lt, den erwartet trotzdem noch eine \u00dcberraschung: Das abschlie\u00dfende \u201eFishcakes\u201c, das angeblich autobiografisch die Kindheit des Texters nacherz\u00e4hlt, ist von einer geradezu traurigen Stimmung, wenn auch mit einem hoffnungsvollen Refrain versehen: \u201eAnd when it mattered, and it always did, at least we lived.\u201c Was f\u00fcr ein wundervolles Ende f\u00fcr ein Album, das jetzt leider auch zu Ende ist. Die Sleaford Mods aber sind es wohl noch lange nicht.\nReinh\u00f6ren: Es gibt ein Musikvideo zu \u201eMork n Mindy\u201c, ansonsten nat\u00fcrlich H\u00f6rproben auf Amazon.de und alles auf TIDAL.\n Syndone \u2013 Kama Sutra\nWenn man den Progressive Rock \u00fcber eine Zeitlang verfolgt, erkennt man oft Muster, was Musiker und Regionen angeht. David Jackson etwa, fr\u00fcher unter anderem verdienter Saxophonist der inzwischen zahnlosen Van der Graaf Generator, spielt gelegentlich mit italienischen Stilkollegen zusammen.\nVon italienischen \u201eProgbands\u201c halte ich in der Regel wenig, weil mich italienischsprachiger Gesang ganz furchtbar nervt und die meisten hier relevanten Gruppen aus Italien anscheinend auch vor allem Genesis nacheifern, die mich ebenfalls ganz furchtbar nerven; nicht aber so Syndone.\nSyndone wurden, sofern das Internet nicht irrt, 1988 gegr\u00fcndet und haben seitdem ein paar Alben rausgebracht. Auf dem neuesten, \u201eKama Sutra\u201c, gastieren neben David Jackson unter anderem ein Sitarspieler, drei Bl\u00e4ser und das Budapest Scoring Symphonic Orchester. Stilistisch ist \u201eKama Sutra\u201c zappaesk, indem es nicht nur durchaus komplexe Kompositionen gibt, sondern auch \u00fcberraschende Stilwechsel. Hier folgen auch schon mal Schlager (\u201eInto the Kama\u201c, ein St\u00fcck mit dem Titelbestandteil \u201eSutra\u201c hingegen gibt es \u00fcbrigens nicht auf dem Album), energischer Jazzrock (\u201eBitches\u201c), Blues und Filmmusik (\u201eYou Still Shine\u201c) direkt aufeinander. Blo\u00df keine Langeweile!\nReinh\u00f6ren: Herausragend scheint mir das St\u00fcck Sex Toys R Us zu sein, ansonsten Schnipsel auf Amazon.de (leider kein Vinyl) und Komplettstream auf TIDAL.\n R\u00e6dsel \u2013 Menetekel\n\u00c6s ist mir ein R\u00e6dsel, warum R\u00e6dsel sich R\u00e6dsel nennen. An der Sprache (Hessisch?) mag\u2019s nicht liegen, die vier gut frisierten Herren (Quelle: Internet) kommen aus Kassel oder so und bringen druckvollen Postrock hervor. Das alte Laut-Leise-Spiel wird auf angenehm atmosph\u00e4rische Weise durchexerziert, ohne dabei ins Schrammeln zu verfallen.\nAuf das initiale instrumentale \u201eMy Hands Your Eyes\u201c folgt mit \u201eTreetop\u201c ein Post-Metal-St\u00fcck, das schon in der ersten H\u00e4lfte (mehrstimmigen oder effektbeladenen?) Gesang aufweist; und das klingt dann sogar gut. Im sonst meist nicht mit gut klingendem Gesang auffallenden Postrock muss man das ja auch mal positiv bemerken. Sonst machen die das nie wieder.\nDas mit dem Gesang machen R\u00e6dsel danach aber auch nie wieder. Auf dem Rest von \u201eMenetekel\u201c bleiben sie wieder instrumental, ohne dabei langweilig zu werden. Postrockalben, von denen man nicht annimmt, man habe sie schon zu oft geh\u00f6rt, sind immer wieder reizend, und seien\u2019s hier nur die kleinen Gitarrentupfer, die die Mauern aus Schall immer wieder durchbrechen. H\u00fcbsche Scheibe, so insgesamt, wenn auch mit etwas \u00fcber 33 Minuten Spielzeit etwas kurz. Daf\u00fcr macht es mehr Spa\u00df als manch l\u00e4ngeres Album, das dieses Jahr so rausgekommen ist. Auch mal sch\u00f6n.\nReinh\u00f6ren: Damit es nicht langweilig wird, mal eine andere Reihenfolge: TIDAL, Bandcamp (dort auch auf CD), Amazon.de (dort ohne Tontr\u00e4ger).\n Suffocate for Fuck Sake \u2013 Fyra\nMan sollte sich von dem beschaulichen Anfang dieses Albums wie auch von einigen Zwischent\u00f6nen nicht beirren lassen: Suffocate for Fuck Sake tragen ihren Namen zu Recht. \u201eFyra\u201c, das (wie der Name schon andeutet) vierte Album der Schweden, enth\u00e4lt schon wieder Postrock im weitesten Sinne, allerdings flankiert von post hardcore im vokalen wie im gerifften Sinne. Mitunter, in den ruhigeren Momenten, wird auf Schwedisch gesprochen. Schade. Ich kann kein Schwedisch.\nIn \u201eHope\u201c gibt es eine sanft-clean gesungene bridge, ansonsten gibt\u2019s in \u201eFyra\u201c etwas mehr als eine Stunde und 21 Minuten lang weitgehend auf die Fresse (A. Nahles, anderer Zusammenhang). \u201ePost-Metal mit Screamo-Einschlag\u201c, schrieb ein Redakteur von \u201emetal1.info\u201c, werde mit dieser Dauer \u201eanstrengend\u201c. Ich teile diese Auffassung nicht, denn ich, obwohl meine Aufmerksamkeitsspanne inzwischen auch merklich nachl\u00e4sst (man wird ja nicht j\u00fcnger), empfand die Laufzeit als genau richtig. Muss so ein Menschenproblem sein.\n\u201eFyra\u201c ist sicherlich kein Album f\u00fcr die Freunde beschaulicher T\u00f6ne, aber das mir zuerst eingefallene Adjektiv f\u00fcr dieses Album war \u201ekurzweilig\u201c. (Einige Menschen, denen gegen\u00fcber ich dieses Wort verwendet habe, glauben, das bedeute so was \u00e4hnliches wie langweilig. Ich arbeite daran.) Und darum geht es ja letztendlich, oder?\nReinh\u00f6ren: Kauf usw. auf Amazon.de, Stream usw. via TIDAL und Bandcamp. Tontr\u00e4ger sind \u2013 au\u00dfer den CDs, aber wer kauft schon noch CDs? \u2013 leider aus.\n Oslo Tapes \u2013 \u00d8R\nOslo Tapes, der Name sagt\u2019s schon, ist ein Trio aus Italien, allerdings sind auf Pressefotos vier Herren zu sehen. Vielleicht ist es doch ein Quartett oder irgendwelche Texte und/oder Pressefotos m\u00fcssten mal wieder erneuert werden. Sei\u2019s drum.\nGegr\u00fcndet worden sei es, so will es die Legende, nach einer Reise durch Norwegen. Das dritte Album der mir unbekannten Anzahl an Musikem hei\u00dft \u201e\u00d8R\u201c, was auf Norwegisch irgendwas hei\u00dft, und enth\u00e4lt Avant-Rock beziehungsweise \u201eeinen schwindelerregenden Ritt durch eine fiebrige Traumlandschaft des imagin\u00e4ren norwegischen Hochlands, gemalt in kubistischen Formen\u201c (Quelle: Pressetext) oder aber Free Jazz mit Elefantentrompeten (\u201eExotic Dreams\u201c; sind vermutlich norwegische Elefanten), Depeche Mode und Joy Division (\u201eObsession is the Mother of All\u201c) sowie jede Menge Spacerock mit Dance-Einschlag.\nDie Stimmung auf \u201e\u00d8R\u201c ist tats\u00e4chlich tr\u00e4umerisch, der (nur manchmal etwas nervig) effektgeladene dream-pop-Gesang, der die nicht rein instrumentalen Teile des Albums begleitet, klingt wie hinter einem Schleier verborgen. Gesungen wird im \u00dcbrigen auf Englisch, was ich gut finde. Italienischsprachiger Gesang st\u00f6rt mich sehr; das erw\u00e4hnte ich ja aber schon.\nAaron Kavanagh von \u201eNew Noise\u201c findet, Oslo Tapes sollten unbedingt bekannter werden. Meinetwegen. Hauptsache, sie bleiben so.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de hat ausnahmsweise keinen Stream, nur die Tontr\u00e4ger; Bandcamp.com und TIDAL schaffen Abhilfe.\n Caravan \u2013 It\u2019s None of Your Business\n\u201eCountry life\u2019s not for you\u201c (Down From London)\nEin neues Album von Caravan l\u00e4sst mich meist schnell zum Kopfh\u00f6rer greifen: In den inzwischen 53 Jahren ihres Bestehens haben die Altmeister des Canterbury Style selten wirklich nachdr\u00fccklich entt\u00e4uscht und man ist ja auch immer froh \u00fcber alles, was aus dieser musikalischen Ecke \u00fcberhaupt noch kommt; neben Caravan, Camel und den zur\u00fcckgekehrten Soft Machine sind die Alten nahezu ausnahmslos in Rente gegangen, verstorben oder sonstwie verstummt.\n\u201eIt\u2019s None of Your Business\u201c, das diesj\u00e4hrige insgesamt 15. Studioalbum, auf dem mit Pye Hastings (Gitarre, Gesang) immerhin noch ein Gr\u00fcndungsmitglied von Caravan zu h\u00f6ren ist (das werden andere Gruppen dieses Alters, etwa Yes, vermutlich nie wieder schaffen), beginnt mit \u201eDown From London\u201c direkt mit einer Entt\u00e4uschung: Das St\u00fcck wird langweilig ausgeblendet, als sei es eigentlich viel l\u00e4nger, aber zu lang f\u00fcr \u2013 keine Ahnung \u2013 das Radio oder so. Diesen Fauxpas wiederholen Caravan auf dem Rest des Albums allerdings nicht oft. Sie wollten mit diesem Album zur\u00fcck zu ihren Wurzeln, teilte Pye Hastings in einem Interview mit. Urs\u00e4nger und \u2011bassist Richard Sinclair, einst dessen stimmliches und musikalisches Gegengewicht, fehlt allerdings auch auf \u201eIt\u2019s None of Your Business\u201c.\nIm zeitgen\u00f6ssischen Radio w\u00fcrde der sanfte Jazzrock, der hier zu h\u00f6ren ist, trotzdem auffallen, denn die St\u00fccke sind entweder zu lang (das Titelst\u00fcck schafft fast zehn Minuten Laufzeit) oder zu musikalisch anspruchsvoll f\u00fcr diejenigen, die einen drei Minuten lang durchgehaltenen 4/4\u2011Takt als h\u00f6chstes Gl\u00fcck der Berieselung begreifen. Dabei sind schon ein paar veritable Ohrw\u00fcrmer auf \u201eIt\u2019s None of Your Business\u201c zu h\u00f6ren, etwa das bemerkenswert rhythmische \u201eReady Or Not\u201c (Abzug in der B\u2011Note, sozusagen: auch hier wird wieder bl\u00f6de ausgeblendet), wenn auch sicher keine gro\u00dfen \u00dcberraschungen. Caravan: Da wei\u00df man, was man hat. Bisschen Fl\u00f6te, viel Akustikgitarre und nat\u00fcrlich der prominent nach vorn gemischte, angenehme, nie aufdringliche, aber auch \u2013 stilun\u00fcblich \u2013 nicht auffallend schlechte Gesang Pye Hastings\u2018.\nSch\u00f6nes Album, auch von der Stimmung her. Gerne wieder.\nReinh\u00f6ren: Komplettstream via TIDAL, Schnipsel und Kauf per Amazon.de.\n Whispering Sons \u2013 Several Others\n\u201eI carve silence in my forearm / there\u2019s no silence in my head.\u201c (Flood)\nN\u00e4chster Stil- und Landsprung: Bei \u201eSeveral Others\u201c der belgischen Band Whispering Sons, die ich als \u2013 wie eine Stichprobe im Bekanntenkreis ergab \u2013 anscheinend weltweit letzter Mensch noch nicht kannte, nicht binnen k\u00fcrzester Zeit an Joy Division, The Cure, Savages und hin und wieder (zuerst am Schluss des zweiten St\u00fccks \u201eHeat\u201c) auch an Grinderman zu denken vermochte ich nicht. Aufgespielt wird mit musikalisch oft angenehm zur\u00fcckhaltendem, d\u00fcsterem Postpunk, Gitarrendominanz herrscht nur selten. S\u00e4ngerin Fenne Kuppens legt einen interessanten Gesang dar\u00fcber, der kaum als eindeutig weiblich, wohl aber als zerbrechlich wahrzunehmen ist.\nDiese Kombination wirkt am eindrucksvollsten, wenn Whispering Sons aus dem sowieso schon nur locker angelegten Genrekorsett ausbrechen, etwa im von Klavier und Perkussionselektronik getragenen \u201eScreens\u201c, dessen Streichereinsatz selbst einen hartgesottenen Griesgram wie mich nicht ganz unbewegt l\u00e4sst; daran \u00e4ndert auch das folgende stampfende \u201eFlood\u201c, das in einem zeitgen\u00f6ssischen Gothic-Tanzschuppen sowohl musikalisch als auch textlich kaum negativ auffiele und deswegen zumindest meinen Geschmack knapp verfehlt, nichts.\n\u201eEin Traum\u201c (anderswo gelesen) sei das hier Geh\u00f6rte. In diesen \u201eschwierigen Zeiten\u201c (danke, mir kommt\u2019s selber hoch) sind Tr\u00e4ume immer gern gesehen; und geh\u00f6rt.\nReinh\u00f6ren: Es gibt Stream (TIDAL) und/oder Kauf (Bandcamp.com, Amazon.de).\n Lotus Titan \u2013 Odyss\u00e9es\nIch konnte nie Franz\u00f6sisch und kann es bis heute nicht. Das macht den Genuss von Lotus Titans irgendwie passend benanntem Deb\u00fctwerk \u201eOdyss\u00e9es\u201c etwas schwieriger als erhofft.\nDie vier Musiker n\u00e4mlich, von denen eine \u2013 Julie Castel Jordy, eine auch sonst vielseitig interessierte K\u00fcnstlerin \u2013 neben dem Theremin auch das Mikrofon spielt, also Texte darbietet, spielen eine merkw\u00fcrdige Mischung aus improvisiertem Free Jazz, dem gelegentlich crimsonesque Ausbr\u00fcche entlockt werden (\u201eJeterrible\u201c), und einer Art Poetry Slam, indem, sieht man vom auch sonst treffend betitelten, beinahe wie ein Fremdk\u00f6rper erscheinenden \u201eSilence\u201c ab, statt Gesangs oft intensive Monologe auf den H\u00f6rer einprasseln, auf dass er nicht mehr wissen m\u00f6ge, wo oben und unten, vorne und hinten und auch sonst irgendeine Richtung ist. Eine wahre Odyssee quasi.\nDas auf \u201eSilence\u201c folgende Titelst\u00fcck, mt \u00fcber zw\u00f6lf Minuten Laufzeit auch das mit Abstand l\u00e4ngste, l\u00e4sst das Tempo zun\u00e4chst gedrosselt: Es gibt geradezu sakrale Ambientkl\u00e4nge und zur\u00fcckhaltende Stimmeins\u00e4tze zu h\u00f6ren. Erst nach etwa sieben Minuten setzt eine Instrumentalpassage ein, die erkl\u00e4rt, warum Lotus Titan sich f\u00fcr von ausgerechnet Meshuggah beeinflusst verstehen, denn deren Spielart des Progressive Metal beherrschen sie gar nicht mal schlecht. Dass Julie Castel Jordy zwischendrin w\u00fctend etwas reinruft, passt zur umgebenden Musik, ist aber trotzdem \u00e4rgerlich, weil ich auch jetzt immer noch kein Franz\u00f6sisch kann. Vielleicht ist \u201eOdyss\u00e9es\u201c noch besser, wenn man es kann?\nAuch f\u00fcr alle anderen ist es allerdings ein Album, das sicherlich eines aufmerksamen Konsumenten bedarf, dessen Aufmerksamkeit aber mit hintergr\u00fcndiger Verspieltheit bei gleichzeitiger musikalischer \u00dcberraschung belohnt. Mein Album des Jahres 2021 ist es nicht, aber in der Avantgardekategorie schon sehr weit oben. Das ist ja auch was.\nReinh\u00f6ren: Eine Darbietung von \u201eH\u00e9ro\u00efne\u201c hatte ich schon mal als Montagsmusik, ansonsten gibt es \u201eOdyss\u00e9es\u201c nat\u00fcrlich auch auf TIDAL, Amazon.de und Bandcamp.com zu h\u00f6ren.\n Hippotraktor \u2013 Meridian\nToller Name, tolle Musik. Die (schon wieder!) Belgier tun mir den Gefallen, zumindest auf Englisch zu singen, denn auch mein Fl\u00e4misch ist schlecht. Ihr seht: Ich bin zwar vielseitig interessiert und gebildet, aber meine Kenntnisse von zeitgen\u00f6ssischen europ\u00e4ischen Sprachen ist d\u00fcrftig.\nAuf \u201eMeridian\u201c, dem ersten long player von Hippotraktor, werden fast 42 (sch\u00f6ne Zahl auch) Minuten lang harte Riffs, cleanen wie uncleanen Gesang und geradezu fesselnde grooves entfesselt. Die Besetzung der Band, die man wohl als \u201eSupergroup\u201c, wie Musikgruppen aus mehreren schon bekannten Musikern fr\u00fcher mal hie\u00dfen, bezeichnen sollte, spricht f\u00fcr sich; unter anderem ist hier sozusagen auch die DNS der Stoner-Metal-Gruppe Psychonaut und der \u201eKrank-Rock\u201c-Band L\u2019itch \u2013 ich denke mir diese Genrenamen nicht aus \u2013 beteiligt.\nDie wenigen leise(re)n Momente f\u00e4ngt das grollende Instrumentalgewitter mit Leichtigkeit auf, diese werden indes von vornherein nur sp\u00e4rlich angek\u00fcndigt. \u201eMeridian\u201c ist laut, ungest\u00fcm, \u201eMeridian\u201c ist Krach. Ich mag Krach.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com, TIDAL und so weiter.\n Kurushimi \u2013 Chaos Remains\n\u201eKurushimi\u201c ist Japanisch und hei\u00dft \u201eLeiden\u201c. Das australische Sextett gleichen Namens \u2013 nicht zu verwechseln mit dem japanischen, anscheinend inzwischen inaktiven Musiker, der sich ebenfalls Kurushimi nennt \u2013 klagt auf seinem sechsten Tontr\u00e4ger \u201eChaos Remains\u201c, namensgerecht aus Aufnahmeresten des Vorg\u00e4ngeralbums \u201eWhat Is Chaos?\u201c (2018) zusammengestellt, aber kaum, denn Gesang im verbreiteten Sinne gibt es nicht. Man habe sich thematisch von Werken John Zorns inspirieren lassen, l\u00e4sst die Band mitteilen. Der erfahrene Leser wei\u00df nun bereits: Hier geht es um Freiform-Jazz.\nTats\u00e4chlich sei \u201eChaos Remains\u201c wie folgt entstanden: Andrew Mortensen, Bass- und Keyboardspieler von Kurushimi, habe ein paar Schallplattenschleifen (\u201eturntable loops\u201c) erschaffen, indem er an zuf\u00e4lligen Stellen Aufkleber auf den Platten aufgebracht hat, und im Studio sollten die Musiker dann unter der Anleitung des gleichfalls zur freien Entfaltung angehaltenen Dirigenten Simeon Bartholomew zu diesen loops spielen, wonach ihnen gerade der Sinn stand. Aufgrund der immerhin zwei Saxophonisten klingt das Ergebnis ungef\u00e4hr so, als w\u00fcrden die 70er- und die 90er-Besetzungen von King Crimson einander gleichzeitig covern, w\u00e4hrend ein Orchester auf einer Autobahn spielt und den dort zu findenden Fahrzeugen kaum auszuweichen imstande ist. In \u201eFuneral Moon\u201c gibt es wenige Sekunden lang textlose Stimmeinw\u00fcrfe, die zur Stimmung der Musik vor allem als bekr\u00e4ftigendes Element beitragen.\n\u201eChaos Remains\u201c ist 29:35 Minuten lang und somit deutlich k\u00fcrzer als \u201eWhat Is Chaos?\u201c, was etwas kurz scheint. Es wurde bereits im Februar ver\u00f6ffentlicht, angek\u00fcndigt waren weitere Ver\u00f6ffentlichungen im Laufe des Jahres. Bislang \u2013 heute ist der 19. November 2021 \u2013 ist daraus nichts geworden. Bl\u00f6des Corona. Tolles Album.\nReinh\u00f6ren: Neben \u201eWhat Is Chaos?\u201c gibt es auch \u201eChaos Remains\u201c bei Bandcamp und auf TIDAL.\n Idles \u2013 Crawler\n\u201eCan I get a Hallelujah?\u201c (The Wheel)\nKommen wir nun zu etwas v\u00f6llig anderem.\nEs w\u00e4re zu einfach, an Idles und ihr neuestes Album \u201eCrawler\u201c lediglich das langweilige Etikett \u201ePostpunk\u201c anzuheften, zumal das er\u00f6ffnende \u201eMTT 420 RR\u201c \u2013 meine erste Assoziation war Bryan Ferrys CPL 593H und tats\u00e4chlich geht es auch um ein Fahrzeug, allerdings um einen Motorradunfall \u2013 eine klaustrophobische Bad-Seeds-Atmosph\u00e4re erzeugt, keineswegs aber eine dr\u00f6hnend-intime, wie gew\u00f6hnlicher Postpunk sie \u00fcblicherweise hervorbringt.\n\u201eCrawler\u201c ist ein Konzeptalbum, das sich weitgehend mit einem Fahrzeugunfall unter Drogeneinfluss, dessen Zustandekommen und dessen Folgen besch\u00e4ftigt. Erstmals explosiv wird es in \u201eCar Crash\u201c, das die Geschichte aus dem ersten St\u00fcck aus einer anderen Perspektive beleuchtet. Die Stimme des \u201emit Glas gurgelnden\u201c (The Guardian) Frontmanns Joe Talbot, dessen Gesang nicht nur im Refrain von \u201eStockholm Syndrome\u201c an Bob Dylan (man hole Fackeln und Mistgabeln, ich habe soeben ein Sakrileg begangen) erinnert, mitunter \u2013 in den ruhigeren Momenten (\u201eThe Beachland Ballroom\u201c) \u2013 aber auch sanft, zerbrechlich gar, aus dem Kopfh\u00f6rer flie\u00dft, ist trotz sch\u00f6n dominanten Bassspiels das wesentliche Alleinstellungsmerkmal dieses Albums.\nIn \u201eThe New Sensation\u201c, das textlich (\u201ere-train as a dancer\u201c) unter anderem auf eine sehr bescheuerte Werbung der britischen Regierung Bezug nimmt, die wegen Corona vorgeschlagen hat, dass Leute, die ihre Arbeit verlieren, ihre Karrierepl\u00e4ne aufgeben und etwas ganz anderes lernen sollten, meine ich mich an \u201eTheir Satanic Majesties Request\u201c und dessen musikalisches Vorbild \u2013 die Drogenphase der langweiligen Beatles \u2013 erinnert, und auch der von elektronischem Zirpen und Grollen begleitete Kanon \u201eProgress\u201c, der von zwei Halbmin\u00fctern eingerahmt ist, f\u00e4llt aus jedem Schema. Dass ich sp\u00e4testens nach den ersten paar St\u00fccken meine Einsch\u00e4tzung, dass es sich hier nicht um banalen Postpunk handelt, revidieren muss, bedaure ich indes kaum; denn zwar l\u00e4sst sich der Postpunk selbst von mir nicht wegdiskutieren, aber banal ist er nicht, sondern vielmehr der bisher beste, der mir 2021 untergekommen ist.\n\u201eCrawl!\u201c w\u00fcrde ich gar einen Partykracher nennen, wenn ich allein von dem Wort nicht die sprichw\u00f6rtlichen Kr\u00e4tze bek\u00e4me. Zum bedr\u00fcckenden Thema des Albums mag\u2019s nicht passen, aber ich bekomme tats\u00e4chlich gute Laune, w\u00e4hrend ich dieses Album h\u00f6re. Das w\u00e4re doch jetzt nicht n\u00f6tig gewesen.\n\u201eLife is beautiful!\u201c stellt der S\u00e4nger am Ende des Albums \u2013 in \u201eThe End\u201c \u2013 fest. Ein passender Abschluss f\u00fcr ein gro\u00dfartiges Album.\nReinh\u00f6ren: TIDAL (Komplettstream), Amazon.de (auch Kauf).\n BRUIT \u2264 \u2013 The Machine is burning and now everyone knows it could happen again\nIch mag ja Bands mit Namen, die ich nicht aussprechen kann (aber anscheinend spricht man das \u201e\u2264\u201c nicht mit), und Musikalben mit viel zu langen Titeln. Den Rekord scheinen bisher Chumbawamba zu halten. Haben sie verdient. BRUIT \u2264 machen Postrock und davon hatte es 2021 sonst sowieso zu wenig.\nAuf \u201eThe Machine is burning and now everyone knows it could happen again\u201c sind vier St\u00fccke von jeweils \u00fcber achteinhalb Minuten L\u00e4nge enthalten. Ich w\u00fcnschte, das w\u00e4re noch ein Qualit\u00e4tsmerkmal, aber das macht inzwischen sogar Taylor Swift. M\u00f6glicherweise haben wir es hier mit einem Konzeptalbum zu tun; zwei der vier St\u00fccke sind mit Textzitaten unterlegt, in denen eine bessere Welt mit mehr Menschlichkeit und weniger Kapitalismus und Umweltzerst\u00f6rung herbeigesehnt wird. BRUIT \u2264 kommen aus Toulouse, aber das macht nichts.\nAm langweiligen Laut-leise-Spiel, das in den Neunzigern schon perfektioniert worden ist und deshalb l\u00e4ngst uninteressant ist, beteiligen sich BRUIT \u2264 nur scheinbar. Zur Stammbesetzung des Quartetts geh\u00f6rt ein Cellist, die vier Gastmusiker tragen Bassposaune, Klarinette, Horn und Vibraphon bei. Insbesondere unter der Pr\u00e4misse, dass es sich hier um ein Deb\u00fctalbum handelt, ist das Ergebnis au\u00dferordentlich beeindruckend. BRUIT \u2264 kombinieren typische Postrockeffekte, also Gitarrenkrach und durchaus \u00fcberraschende elektronische Schnitte, mit diesen klassischen Zutaten (\u201eRenaissance\u201c zeigt sie erstmals in voller Pracht), ohne dass sie zu viel versuchen, wie es manch anderer Band geht, die zu experimentieren versucht. Wohldosierte instrumentale Explosionen an den richtigen Stellen und ein v\u00f6lliges Fehlen von fade-outs \u2013 das Album ist als Einheit zu erkennen, nicht blo\u00df als lose Ideensammlung \u2013 tun ihr \u00dcbriges zu meiner Einsch\u00e4tzung, dass es in letzter Zeit kaum ein beeindruckenderes Postrockalbum als dieses gegeben hat.\nHoffentlich lassen BRUIT \u2264 jetzt nicht nach.\nReinh\u00f6ren: Es gibt ein Video zum St\u00fcck \u201eThe Machine Is Burning\u201c. Es ist gut.\n Trialogos \u2013 Stroh zu Gold\nDer Titel des Albums klingt nach Grimm\u2019schen M\u00e4rchen, die Musik hingegen keinesfalls.\nDas anscheinend in Berlin beheimatete Trio Trialogos trat erstmals \u2013 wie auch sonst? \u2013 im Jahr 2020 im Rahmen einer Kunstausstellung gemeinsam auf. Konsequent erschiene es mir falsch, diese Kunst zum Genre zu degradieren. Die drei subkulturell diversen Musiker spielen Noiserock, Postrock und Industrial, \u00fcberwiegend instrumental. Wer braucht schon Gesang? Zur Beschreibung des treffend betitelten St\u00fccks \u201eBatdance\u201c, das der Tanzmusik And-One-scher Manier angeh\u00f6rt, las ich irgendwo im Web das Wort \u201eGruftidisco\u201c. Sch\u00f6nes Wort.\nDas Album endet mit einer instrumentalen Klimax, dank moderner Technik intensiver als der vielstimmige Orchesterakkord, den die bl\u00f6den Beatles irgendwann mal gemacht haben. \u201eWellenreiter\u201c hei\u00dft das letzte St\u00fcck und es schickt tats\u00e4chlich Wellen durch den K\u00f6rper. H\u00fcbsch.\nReinh\u00f6ren: Via Bandcamp.com kann man streamen, kaufen und theoretisch auch (in mittelm\u00e4\u00dfiger Qualit\u00e4t) direkt herunterladen, aber nat\u00fcrlich macht man so was nicht, das w\u00e4re unmoralisch.\n Big \u2021 Brave \u2013 Vital\nWas fehlt in dieser R\u00fcckschau noch? Ach ja: Postrock und Artverwandtes.\nBig \u2021 Brave, inzwischen zum Trio angewachsen, zelebrieren auf \u201eVital\u201c  einen sehr, nun ja, vitalen Doom-Postmetal, dessen bedrohliches Donnern das Niederschreiben dieser Eindr\u00fccke erschwert, denn ich bin ein Mann, ich kann nicht zwei Dinge gleichzeitig machen. Diese Musik aber zwingt mich zu Aufmerksamkeit. Schade.\nIn f\u00fcnf St\u00fccken, aber insgesamt immerhin \u00fcber 38 Minuten, trifft d\u00fcsterste Instrumentalarbeit auf den expressiv-klagenden, mitunter auch w\u00fctenden (\u201eOf This Ilk\u201c) Gesang von Robin Wattie, der jenen, die sowieso keinen Frauengesang m\u00f6gen, ganz besonders wenig gefallen d\u00fcrfte, f\u00fcr mich aber ein mehr als nur treffender Kontrast ist. Ich denke manchmal an Anna von Hausswolff. Ich denke sehr gern an Anna von Hausswolff. (Die seit 2021 \u00fcbrigens auch als Gasts\u00e4ngerin und \u2011organistin auf Sunn O)))s \u201eMetta, Benevolence BBC 6Music: Live on the Invitation of Mary Anne Hobbs\u201c zu h\u00f6ren ist, aber Livealben und Sp\u00e4terver\u00f6ffentlichungen nehme ich ja aus Prinzip nicht in diese Liste auf.)\nDas Tempo bleibt dabei \u00fcber weite Strecken gedrosselt, die brachiale Gewalt will sanft genossen werden. Ein passendes Adjektiv f\u00fcr das hier Geh\u00f6rte ist \u201eschwergewichtig\u201c. Ich f\u00fchle mich musikalisch geradezu erdr\u00fcckt und das gef\u00e4llt mir auch noch gut. Ich wei\u00df nicht, welcher ICD-10-Code das jetzt wieder ist. Im Internet wird dem Werk von Big \u2021 Brave eine kathartische Wirkung bescheinigt. Stimmt.\nReinh\u00f6ren: Es gibt ein Video zu \u201eHalf Breed\u201c, das zeigt, wie eine unsichtbare Hand Erde auf einen am Boden liegenden Menschen sch\u00fcttet, der anschlie\u00dfend aufsteht und geht. Ich verstehe das nicht. Das macht nichts.\n Spiritczualic Enhancement Center \u2013 Carpet Album\nWas erwarte ich von einer Band, deren Name mit \u201eSpiritczualic\u201c \u2013 ein Kofferwort aus \u201espirit\u201c, \u201eritual\u201c und einem polnischen Zischlaut \u2013 beginnt? Klar: Drogenmusik. Bekiffte Audiotrips mit bed\u00e4chtigem Rhythmus, gern mit dominantem Bass und gelegentlich ein bisschen Gitarrenflirren.\nWas ist auf dem \u201eCarpet Album\u201c des Berliner \u201eMusikerkollektivs\u201c (warum muss in Berlin immer alles ein \u201eKollektiv\u201c sein?) Spiritczualic Enhancement Center zu h\u00f6ren? Klar: Drogenmusik. Bekiffte Audiotrips mit bed\u00e4chtigem Rhythmus, gern mit dominantem Bass und gelegentlich ein bisschen Gitarrenflirren. Instrumental, versteht sich, und manchmal an der Grenze zur Massagepornomusik (\u201eCarpet Inauguration\u201c), sich von dieser aber jedes Mal schnell wieder entfernend.\nDie Musiker selbst sprechen von \u201eSpektraljazz\u201c und einer Inspiration durch die \u201ekosmische Musik\u201c, was ein Kunstbegriff war, den ein LSD-verr\u00fcckter Idiot in den 1970er Jahren propagieren zu m\u00fcssen meinte, weshalb er heute pleite und verschollen ist. Zu Recht, wie ich meine. Ob Spiritczualic Enhancement Center auch pleite sind, wei\u00df ich nicht, aber verschollen sind sie bisher nicht. Finde ich gut.\nErfreulicherweise verzichtet das \u201eKollektiv\u201c \u2013 w\u00e4h \u2013 auch darauf, den gleichen langweiligen Fehler wie die meisten anderen zeitgen\u00f6ssischen \u201epsychedelischen\u201c Musikgruppen zu machen und Pink Floyd und/oder Hawkwind zu imitieren. \u201eSpektraljazz\u201c passt schon als Bezeichnung. Etwas schade sind nur die hier auch vorkommenden fade-outs und sonstigen eher abrupten Enden (sofern man bei so entspannender Musik \u00fcberhaupt von \u201eabrupt\u201c reden kann), denn w\u00e4hrend Spiritczualic Enhancement Center Anf\u00e4nge ganz gut hinbekommen, fehlt ihnen f\u00fcr gute Schl\u00fcsse anscheinend manchmal der Antrieb. Ich behaupte: w\u00e4ren die 1980er Jahre nicht gewesen, w\u00e4re das Ausblenden von Musikst\u00fccken die f\u00fcrchterlichste Erscheinung, die je in die Musik Einzug gehalten hat. Sch\u00f6n ist das trotzdem nicht.\nAlles Weitere aber schon, deshalb: Empfehlung.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com (Vinyl ist aus).\n Red Kite \u2013 Apophenian Bliss\nMal wieder ein bisschen Anstrengung zwischendurch, sonst langweilt ihr euch noch.\nRed Kite, ein Instrumentalquartett und gleichzeitig eine supergroup, unter anderem mit Beteiligung der gro\u00dfartigen Elephant9, aus Norwegen, hat mit \u201eApophenian Bliss\u201c im November 2021 sein bisher zweites Studioalbum ver\u00f6ffentlicht. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Fender Rhodes, wobei insbesondere das Schlagzeug eine dominante Rolle einnimmt, \u00fcberzeugen mit einer merkw\u00fcrdigen Zusammenstellung von Jazz- und Space-Rock-Elementen, wobei diese Fusion schon im zweiten St\u00fcck \u201eThis Immortal Coil\u201c \u2013 mit fast achteinhalb Minuten Laufzeit das drittl\u00e4ngste auf dem Album \u2013 sich als \u201ebrennbar\u201c (Quelle: Internet) erweist. Von \u201eMetal\u201c und \u201eHeavy Prog\u201c quatscht das Etikettennetz. Ich mag keine Etiketten.\nSelten \u2013 \u201eApophenia\u201c ist eines dieser Beispiele \u2013 wird der Space-Rock-Anteil merklich reduziert und macht Platz f\u00fcr eine interessante Mischung aus Bluesrock (mit singender Gitarre) und dem jetzt schon etablierten Jazz; daf\u00fcr d\u00fcrfen im folgenden \u201eRed Kite Flight\u201c Schlagzeug und Bass wieder eskalieren. Eskalation lie\u00df sich bei der Produktion von \u201eApophenian Bliss\u201c kaum vermeiden, fiel ihr Beginn doch auch mit der Eskalation der Pandemie zusammen. Mancherlei Musiker Kreativit\u00e4t haben die erschwerten Aufnahmebedingungen jedenfalls offenkundig keinen nennenswerten Schaden zugef\u00fcgt. Die einzige Coverversion auf dem Album, das Psych-Jazz-St\u00fcck \u201eMorrasol\u201c, wurde von dem Saxophonisten und Komponisten Gisle Johansen geliehen, der \u201eDeath Metal und Coltrane gleicherma\u00dfen mag\u201c (Quelle: Internet). Sch\u00f6ne Mischung. Sch\u00f6nes Album.\nReinh\u00f6ren: Stream bei Bandcamp.com und TIDAL, Kauf Amazon.de.\n Weston Super Maim \u2013 180-Degree Murder\n\u201eEnd me or I erupt\u201c (180-Degree Murder)\nKurz und schmerzhaft: Der/die/das EP \u201e180-Degree Murder\u201c \u2013 wunderbares Coverbild auch \u2013 ist ungef\u00e4hr eine Viertelstunde lang und enth\u00e4lt zwei St\u00fccke, namentlich das Titelst\u00fcck sowie \u201eWe Need To Talk About Heaven\u201c. Die Band Weston Super Maim ist ein britisch-US-amerikanisches Duo und setzt mit diesen zwei St\u00fccken ein angemessen brutales Ausrufezeichen unter dieses verdammte Jahr 2021, obwohl \u201e180-Degree Murder\u201c bereits im Juli 2021 rauskam. Macht ja nichts.\nMusikalisch bekommt der H\u00f6rer es mit Tech-Metal und Mathcore zu tun, es wird gegr\u00f6lt und gebr\u00fcllt und nicht gesungen. Das w\u00e4re auch eine sehr alberne Kombination. Die beiden Musiker verweisen auf Meshuggah als relevante Inspiration und dem zu widersprechen l\u00e4ge mir fern. Es gibt sogar 12-Zoll-Vinyl zu diesem kurzen Ausflug ins Extreme. Ich w\u00fcnschte, das k\u00f6nnte ich von allen Alben sagen, die ich 2021 zu sch\u00e4tzen gelernt habe.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com, TIDAL. Tut fast gar nicht weh.\n Zement \u2013 Rohstoff\nNa gut, ich gebe es zu: Ich mag Kraftwerk nicht.\nDas schlie\u00dft mich m\u00f6glicherweise von Diskussionen mit manchen Zeitgenossen aus, denn auch auf der anderen Seite des Musikh\u00f6rerspektrums gibt es \u00e4hnliche Dickk\u00f6pfe wie mich; aber ich kann es begr\u00fcnden: Obwohl sie als wirklich h\u00f6rbare Krautrockband angefangen haben, sind sie sehr schnell in eine sehr langweilige elektronische Schiene abgebogen, die sich, glaubt man \u00fcberschw\u00e4nglichen Rezensenten, noch bis heute vor allem dadurch auszeichnet, dass da so sch\u00f6n wenig passiert und deswegen so sch\u00f6n viel Platz ist f\u00fcr so sch\u00f6ne Langeweile. Gleichbleibende Rhythmen, kaum eine neue Idee in den aktiven Jahrzehnten. Der Kunde (\u201eH\u00f6rer\u201c) honoriert es als \u201eseinem Stil treu bleiben\u201c oder so. G\u00e4hn.\nStatt auf der Autobahn zu fahrnfahrnfahrn, werfe ich mich mitsamt meinen Kopfh\u00f6rern lieber in den Mischer, denn hier produzierte das W\u00fcrzburger Duo Zement 2021 neuen \u201eRohstoff\u201c, wie dessen aktuelles Album \u2013 das bereits dritte Vollzeitwerk \u2013 hei\u00dft. \u00c4hnlichkeiten zu Kraftwerk, vom Einsatz monotoner \u201eRoboter\u201c-Stimmen bis hin zu ebenfalls recht gleichbleibenden Rhythmen, lassen sich kaum verkennen, aber Zement machen es besser, denn w\u00e4hrend Kraftwerk ihre Krautrockwurzeln derart intensiv dem ewigen Vergessen \u00fcberantwortet haben, dass in ihrem \u201eKatalog\u201c (so hei\u00dft die ab 2009 in verschiedenen Versionen ver\u00f6ffentlichte Werkschau) die ersten drei Studioalben \u00fcberhaupt nicht vorkommen, sind Zement nicht ganz so d\u00e4mlich; hier darf auch mal eine Gitarre zu h\u00f6ren sein (etwa im polyrhythmischen Jazz-Ausflug \u201eKleiner 3\u201c) und immer wieder schwingt die gute alte Psychedelik mit.\nIm etwas zu kurzen \u201eZunder\u201c bedauert die Roboterstimme, etwas sei \u201esuch a shame\u201c, aber von den Achtzigern lassen Zement, die dieser Stimme ein dominantes Saxophon entgegensetzen, ansonsten die Finger. Ist auch besser so. Die Achtziger waren musikalisch f\u00fcrchterlich. Das l\u00e4ngste St\u00fcck hingegen hei\u00dft \u201eEntz\u00fccken\u201c, folgt direkt auf \u201eZunder\u201c und ist \u00fcber zehn Minuten lang. Ich bin entz\u00fcckt. Mit \u201eAtem\u201c endet \u201eRohstoff\u201c in einer Instrumentaleruption mit irrlichternder Gitarre und schier ungez\u00fcgeltem Schlagzeug, wie man sie in dieser Ecke der elektronischen Musik gar nicht mehr erwartet h\u00e4tte. Ich mag es, wenn ungen\u00fcgende Erwartungen weit \u00fcbertroffen werden.\nReinh\u00f6ren: Komplettstreams gibt\u2019s bei Bandcamp und TIDAL, H\u00f6rschnipsel und (theoretisch) Stream und Kauf diesmal auch wieder auf Amazon.de.\n Moor Mother \u2013 Black Encyclopedia of the Air\n\u201eI\u2019m too fucking high.\u201c (Zami)\nDas erste St\u00fcck von \u201eBlack Encyclopedia of the Air\u201c erinnert mich spontan und daher un\u00fcberlegt an die von mir anderswo schon mal rezensierte neuere Musik von I Like Trains, aber auch an die elektronische Musik der 70er und fr\u00fchen 80er Jahre. Irgendwie unwirklich vertr\u00e4umt wabert das minimalistische St\u00fcck \u201eTemporal Control of Light Echoes\u201c zur Er\u00f6ffnung desjenigen Albums aus dem Kopfh\u00f6rer, das die in Rap und Jazz bewanderte US-Amerikanerin Camae Ayewa alias Moor Mother im Scherz ihr \u201eAusverkaufsalbum\u201c nannte, da es zug\u00e4nglicher sei als manches, was sie zuvor herausgebracht habe.\nNun bin ich mit dem bisherigen Wirken von Moor Mother nicht vertraut und verlasse mich somit auf meine eigenen Eindr\u00fccke. Zu diesen z\u00e4hlt, dass neun von den enthaltenen dreizehn St\u00fccken einen oder mehrere Gastmusiker aufweisen, die ich allesamt ebenfalls nicht kenne. Prima. Ich mag mir zuvor Unbekanntes in der Musik manchmal. Und tats\u00e4chlich: Es wird gerappt.\nJa, ja, Rap ist keine Musik, er gen\u00fcgt der Definition von Musik gem\u00e4\u00df der deutschsprachigen Wikipedia nicht und so weiter und so fort. Das macht aber nichts, denn die musikalische Begleitung bleibt doch eher jazzig. Mir ist, als h\u00f6rte ich eine US-amerikanische Konkurrenz zur Jazzkantine, aber mit noch tiefer im spacig Verspielten unterwegs. Textlich ist das Album weniger beschwingt, es geht in den meisten St\u00fccken um den US-eigenen Rassismus, mitunter aber auch um Lehren aus dem Leben der Vorfahren (\u201eTarot\u201c) und die Freiheit zu leben, wobei das resignierende Schlussst\u00fcck \u201eClock Fight\u201c sicher nicht hoffnungsfroh stimmen sollte. Vorhaben f\u00fcr die Zukunft: \u00d6fter mal auf die Texte h\u00f6ren, auch wenn\u2019s blo\u00df Englisch ist. Dieses Vorhaben habe ich in letzter Zeit ein wenig vernachl\u00e4ssigt.\nW\u00e4hrend ich dies tippe, merke ich, dass ich unbeholfen an diese Art von Musik herangehe. Sie \u00fcberrascht mich, weil ich diese Kombination nicht gewohnt bin. Sind die weniger \u201ezug\u00e4nglichen\u201c Fr\u00fcherwerke von Camae Ayewa wirklich anstrengender oder nur herausfordernder? Ich sollte das irgendwann mal herausfinden.\nAm Ende z\u00e4hlt aber ohnehin nur: Gef\u00e4llt\u2019s oder gef\u00e4llt\u2019s nicht? Ganz ungeachtet der Textexegese, f\u00fcr die mehr Szenekenntnisse meinerseits wahrscheinlich notwendig w\u00e4ren: Mir gef\u00e4llt\u2019s; auf eine ganz neue Art gar. Das muss erst mal reichen.\nReinh\u00f6ren: F\u00fcr blo\u00dfe Ausz\u00fcge ist das Album zu schade, daher empfehle ich hier nur den Komplettstream via Bandcamp und/oder TIDAL. Haptisch interessantere Tontr\u00e4ger \u2013 also: \u00fcberhaupt Tontr\u00e4ger \u2013 hingegen bietet Amazon.de an, bei Bandcamp wird man diesmal zurzeit nicht f\u00fcndig. Schade eigentlich.\n Tomahawk \u2013 Tonic Immobility\n\u201eGot a birthing coach with a COVID smile / We labor alone today\u201c (Doomsday Fatigue)\nZum Abschluss dieser Liste muss dann doch noch ein wenig anst\u00e4ndige Rockmusik her.\nMike Patton m\u00f6chte ich nicht sein m\u00fcssen, der von mir gesch\u00e4tzte Herr ist anscheinend zu schnell gelangweilt und muss darum dauernd irgendwas machen. 2021 hat er, mittlerweile 53 Jahre alt, zum Beispiel neben den reaktivierten Mr. Bungle auch seiner seit 2020 wieder formierten Experimentalrockband Tomahawk zu einem neuen Studioalbum verholfen. Es hei\u00dft \u201eTonic Immobility\u201c und ist erwartungsgem\u00e4\u00df vortrefflich gelungen.\nZeitlos im klassischen Sinne ist es nicht, denn unter anderem wird auf Doomscrolling w\u00e4hrend der Pandemie (\u201eDoomsday Fatigue\u201c) und zeitgen\u00f6ssische K\u00f6rperideale (\u201eBusiness Casual\u201c) Bezug genommen. Stilistisch passiert auf \u201eTonic Immobility\u201c jede Menge, ich h\u00f6re Nu Metal, Grunge, Country (\u201eHowlie\u201c; trotzdem gut und vor allem zum Ende hin eine h\u00f6chst angenehme Eskapade) und gelegentlich auch etwas Punkrock. Zum Gl\u00fcck muss ich im Saturn nicht die Plattenregale sortieren. Keine Ahnung, in welche Schublade dieses Album reinm\u00fcsste. Einen roten Faden gibt es nicht, aber das tut dem H\u00f6rvergn\u00fcgen keinen Abbruch. Es rockt. Braucht man immer mehr?\nIch k\u00f6nnte hier einen Indianerwitz machen, aber den lasse ich begraben wie andere das Kriegsbeil. Stattdessen spreche ich diesem Album meine w\u00e4rmste Empfehlung aus. Hugh.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de oder eben auch TIDAL. Dort sind alle enthaltenen St\u00fccke als explizit gekennzeichnet. Weicheier.\n\n\nFragen, Kritik, Anmerkungen und Liebeserkl\u00e4rungen nehme ich gern als Kommentar entgegen. Ansonsten: Fortsetzung folgt!\nKommentareThilo schrob am 1. Januar 2022 dies: So sehr ich auch Schei\u00df-Fan des Sarkasmus bzw. der feinen Beobachtungen des Herrn Hirnficks bin: Das ist typische Kneipenhocker-Musik. Wer, warum auch immer (kann nicht tanzen/hat sich nicht getraut/hatte nur m\u00e4nnliche Freunde) in seiner \u201ePr\u00e4gungsphase\u201c nie in eine Disko hineingestolpert ist \u2013 der findet dann gleichsam als Akt der Abwehr Kraftwerk \u00f6de, wahrscheinlich auch \u201eDisco\u201c, \u201eHouse\u201c und \u201eTechno\u201c. Und h\u00f6rt dann so einen Krampf. Habe mir die erste H\u00e4lfte der Empfehlungen angetan, ach Du meine G\u00fcte. Bin dennoch weiterhin Fan. Was ist heutzutage schon Musikgeschmack, da niemand mehr eine Plattensammlung sein eigen nennt. So egal wie eine Backrezeptesammlung. Ist er denn ge\u201eimpft\u201c, das ist die Frage (Achtung, Ironie. Was geht es einen an, verdammt nochmal)!Hirnfick 2.0 \u00bb Fr\u00fcher war alles musikalischer. schrob am 24. Januar 2022 dies: [\u2026] dem \u201eAlten\u201c vor\u00adaus hat. Das tr\u00e4gt sicher\u00adlich auch dazu bei, dass es mehr Spa\u00df macht, nach \u201eNeuem\u201c zu fischen; des\u00adhalb aber dem \u201eAlten\u201c ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis\u00adlos zu begeg\u00adnen, weil es das \u201eNeue\u201c [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2022-01-01T08:30:59+01:00",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 24 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Na gut, wenigstens eine sp\u00e4te <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Musikr\u00fcckschau f\u00fcr das schreckliche Jahr 2020</span> gibt es \u2013 nur <a href="\&quot;https://www.coffeeandtv.de/2021/01/29/alben-des-jahres-2020/\&quot;" data-wpel-link="internal">geringf\u00fcgig versp\u00e4tet</a> \u2013 doch noch. Man verzeihe mir, dass sie k\u00fcrzer ist als sonst \u2013 bei einigen anderen Alben konnte ich nicht an mich halten und lie\u00df mich zu einer <em>Rezension praecox</em> hinrei\u00dfen. Man w\u00fchle in <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/category/musikkritik/\&quot;" data-wpel-link="internal">der Blogkategorie</a>, so\u2019s gef\u00e4llt: Von <span class=\"musik-review-bandname\">Eminem</span> \u00fcber das gar nicht so geschriebene <span class=\"musik-review-bandname\">Kombynat Robotron</span> bis hin zu \u2013 obwohl deutschsprachiger Gesang nachweislich <a href="\&quot;https://www.futurezone.de/science/article231449727/Corona-Ansteckung-Deutsche-Lieder-bringen-besonderes-Risiko-mit.html\&quot;" data-wpel-link="internal">krank macht</a> \u2013 den <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> war stilistisch alles Notwendige dabei, sogar ein bisschen <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2020/06/kurzkritik-t-e-s-a-c-o-n-t-r-o-l/\&quot;" data-wpel-link="internal">Postrock.</a> Mir sei verziehen, dass ich auf <a href="\&quot;https://www.explica.co/youth-attention-has-decreased-by-33-since-2000/\&quot;" data-wpel-link="internal">ver\u00e4nderte H\u00f6rgewohnheiten</a> auch diesmal keine R\u00fccksicht nehme: Ist ein St\u00fcck l\u00e4nger als vier Minuten, so wird es hier trotzdem zum Reinh\u00f6ren empfohlen; nicht (nur), weil ich Sadist bin, sondern auch, weil ich Musik mag.</p>\n<p><span id=\"more-17658\"></span>Und zwar folgende:</p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/toundra-das-cabinet-des-dr-caligari.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_toundra-das-cabinet-des-dr-caligari.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Toundra \u2013 Das Cabinet des Dr. Caligari</span>\n<p>\u201eDas Cabinet des Dr. Caligari\u201c, wei\u00df die Wikipedia, sei \u201eein deutscher Horrorfilm von Robert Wiene aus dem Jahr 1920\u201c, den ich aber nie gesehen habe, weil mich Horrorfilme schon hinsichtlich ihrer beabsichtigten Wirkung nicht interessieren. Wohl aber interessiere ich mich f\u00fcr Musik. Es verbinden beides miteinander aber unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Toundra</span> aus Madrid, die das hundertj\u00e4hrige Jubil\u00e4um des Films genutzt haben, um ihn noch mal anders zu vertonen.</p>\n<p>Der Film besteht aus sechs Akten und der Titelsequenz, ebenso ist auch dieses Album aufgeteilt, denn es soll als Begleitung desselben wiedergegeben werden (hierzu siehe \u201eReinh\u00f6ren\u201c). Zu h\u00f6ren gibt es \u201eFilm-Musik\u201c im Wortsinne, wobei auch das <em>genre</em> \u2013 ich glaube immer noch nicht an die Existenz von Genres \u2013 passt, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Toundra</span> spielen seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 2007 meist instrumentalen Postrock mit gelegentlichen Ausfl\u00fcgen in den Postmetal, also mit <em>etwas</em> verzerrteren Gitarren, <em>etwas</em> lauterem Bass und <em>etwas</em> hektischerem Schlagzeug. Ein Rezensent <em>im Internet</em> fand \u201eDas Cabinet des Dr. Caligari\u201c (das Album) langweilig, ich finde es wenigstens ungew\u00f6hnlich, denn das vorhersehbare Laut-leise-Spiel steht hier zugunsten der Synchronit\u00e4t von Bild und Ton zur\u00fcck, wof\u00fcr man wahrscheinlich dann doch gleichzeitig den Film sehen muss.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://vimeo.com/393884802\&quot;" data-wpel-link="internal">Vimeo</a> werden Film und Album zugleich abgespielt, ansonsten gibt es das Album <em>nat\u00fcrlich</em> auch in Schnipseln <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Das-Cabinet-Dr-Caligari-Toundra/dp/B084TM9RJG?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> und in G\u00e4nze <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/131429263\&quot;" data-wpel-link="internal">per TIDAL.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/heads-push.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_heads-push.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Heads. \u2013 Push</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Heads.</span> \u2013 der Punkt geh\u00f6rt zum Namen \u2013 aus Berlin (und Australien) sind namentlich ein Symptom der modernen Zeit, die K\u00f6pfe \u00fcber Inhalt stellt. Trotzdem ist der Inhalt gar nicht mal furchtbar: Ich h\u00f6re Noiserock mit deutlichem britischem Akzent im Gesang. Globalisierung wirkt.</p>\n<p>Der Anfang (\u201eEmpty Towns\u201c), der als <em>reprise</em> im letzten St\u00fcck nochmals aufgegriffen wird, wirkt bedrohlich, kommt aber fast irref\u00fchrend sanft daher. Nach einer \u00fcberraschenden Welle aus Noise, Metal und Postpunk drosselt die Band mit dem Indie-Rock-Lied \u201eLoyalty\u201c das Tempo wieder etwas herunter. Die etwas n\u00f6lige Stimme des S\u00e4ngers st\u00f6rt mich ein bisschen, aber <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> hat es ja auch in meinen Plattenschrank geschafft. Der Vergleich sei unfair, hei\u00dft es jetzt vom Publikum? Ja, das ist er wahrscheinlich. Was ich ausdr\u00fccken wollte: Dieses Album rei\u00dft nicht mal der Gesang noch runter. Das ist doch auch sch\u00f6n.</p>\n<p>Auch sp\u00e4ter (\u201eA Swarming Tide\u201c) l\u00e4sst die Band dem H\u00f6rer immer mal wieder eine kurze Verschnaufpause, aber es <a href="\&quot;https://www.neolyd.com/news-kritiken/heads-push/\&quot;" data-wpel-link="internal">stimmt schon:</a> Viel Platz f\u00fcr <em>friedvolle Momente</em> wird hier nicht gelassen. Macht nichts. Ich habe eh schlechte Laune.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Einen Komplettstream gibt es bei <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/140247902\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und <a href="\&quot;https://headsnoise.bandcamp.com/album/push\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, dazu noch Schnipsel und Kauf auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Push-Heads/dp/B0864RZ7SR/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/danheim-skapanir.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_danheim-skapanir.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Danheim \u2013 Skapanir</span>\n<p>Mongolenm\u00f6nche beschw\u00f6ren antike Wikingerg\u00f6tter im Kampfgetrommel. Herrlich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Skapanir-Danheim/dp/B085LJ121T/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, sonst <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/133452831\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/charivari-descent.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_charivari-descent.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Charivari \u2013 Descent</span>\n<p>Vier <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>-kundige Engl\u00e4nder huldigen postrockend der Berliner Schule, es wird sph\u00e4risch gesungen. Mehr Text braucht es nicht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Warum nicht mal <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/132993948\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/gp/product/B085CN9VC7/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> oder <a href="\&quot;https://worstbassistrecords.bandcamp.com/album/descent\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp?</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/taumel-there-is-no-time-to-run-away-from-here.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_taumel-there-is-no-time-to-run-away-from-here.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">taumel \u2013 there is no time to run away from here</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">taumel</span> sind nicht nur eine Beschreibung meines Heimwegs nach dem Stammtisch, sondern auch zwei bis vier Herren aus Rheda-Wiedenbr\u00fcck.</p>\n<p>Es werden auf \u201ethere is no time to run away from here\u201c f\u00fcnf St\u00fccke dargeboten, die die Titel \u201ethere is\u201c, \u201eno time\u201c, \u201eto run\u201c, \u201eaway\u201c und \u201efrom here\u201c tragen, wobei die ersten beiden ineinander \u00fcbergehen. Zu h\u00f6ren ist sehr langsamer Postrock ohne Gitarrengewitter. Wer die vermeintlich ruhigeren Momente von <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> mag, der mag auch dieses Album, wage ich zu versprechen.</p>\n<p>Die hier ausgebreiteten Klanglandschaften sind eher ein Sonnenaufgang \u00fcber der W\u00fcste als ein prasselnder Wasserfall. Gerade das von <span class=\"musik-review-bandname\">Manuel Viehmann</span> gespielte Fl\u00fcgelhorn (besonders durchdringend in der zweiten H\u00e4lfte von \u201eto run\u201c) vermittelt Hoffnung, obwohl ich selbst nicht so genau wei\u00df, worauf. Trotzdem f\u00fchlt sich dieses Album nach Geborgenheit an und das kann man ja auch nicht von jedem Album behaupten. Das abschlie\u00dfende \u201efrom here\u201c, getragen von Klavier und wenig Perkussion, ist insofern ein angemessener Abschluss, als es die Ruhe und Beh\u00e4bigkeit von taumel auf die Spitze treibt.</p>\n<p>Das Album ist instrumental: Kein Gesang, kein Gekreisch, kein Gest\u00f6hne. Die Leute halten ja viel zu selten die Fresse dieser Tage. Auch mal sch\u00f6n.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://taumel.bandcamp.com/album/there-is-no-time-to-run-away-from-here\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/There-Time-Run-Away-Here/dp/B08HDHFSBZ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/154143500\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/airbag-a-day-at-the-beach.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_airbag-a-day-at-the-beach.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Airbag \u2013 A Day at the Beach</span>\n<p>Ein schwieriges Album, gebe selbst ich zu, der schwierige Alben ja durchaus zu sch\u00e4tzen wei\u00df.</p>\n<p>Mit \u201eMachines and Men\u201c beginnt die Band aus Oslo ihren \u201eTag am Strand\u201c mit einem \u00dcberzehnmin\u00fcter, der den industrialgeimpften Artpop der Achtziger nicht wiederholt, sondern ihm seine Reverenz erweist, wenngleich mit besserem Gesang und ohne die ollen Plastikorgeln. Der folgende Teil 1 des Titelst\u00fccks verneigt sich vor <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy Music</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">David Gilmour</span> zugleich, verleugnet aber nicht das Selbstverst\u00e4ndnis von <span class=\"musik-review-bandname\">Airbag</span>, die sich sowohl als \u201eClassic-Rock-\u201c als auch als \u201eProgressive-Rock-Band\u201c begreifen (Quelle: Internet). Das Verst\u00f6rendste an diesem Album ist das Coverbild.</p>\n<p>Der zweite und letzte \u00dcberzehnmin\u00fcter \u201eInto the Unknown\u201c hebt nochmals die N\u00e4he zu <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> hervor: Das St\u00fcck ist \u2013 wie die meisten von <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> \u2013 einfach zu lang. Nein, Scherz beiseite: Es geht um die <em>Stimmung</em>. Sanfte Gitarrensoli \u00fcber wabernden Keyboards gibt es nach der Effektpause mittendrin, schon zuvor aber ist das Bedr\u00fcckte, das auch \u00fcber dem letzten <span class=\"musik-review-bandname\">Pink-Floyd</span>-Album (dem mit dem Fluss, nicht dem mit dem Puls) schwebt, das bestimmende Element. Immerhin das folgende \u201eSunsets\u201c rei\u00dft dann wieder mit 80er-Elektrobeats aus dem milden Schlummer. <span class=\"musik-review-bandname\">Depeche Mode</span>? Klingt doch alles gleich. Der Mitnickrefrain und die darin zu h\u00f6rende Gitarre gefallen. Davon ein ganzes Album und ich w\u00fcrde weniger skeptische Kommentare anbringen. Vielleicht.</p>\n<p>Teil 2 des Titelst\u00fccks <span class=\"musik-review-bandname\">davidgilmourt</span> schon wieder. F\u00fcr die, die es noch nicht verstanden haben: <span class=\"musik-review-bandname\">Airbag</span> finden <span class=\"musik-review-bandname\">David Gilmour</span> total schnafte. F\u00fcr mehr von <span class=\"musik-review-bandname\">David Gilmour</span> einfach <span class=\"musik-review-bandname\">Airbag</span> h\u00f6ren. Ich verstehe das Konzept, ich mag dieses Album (weil es die langweiligen Teile von <span class=\"musik-review-bandname\">David Gilmours</span> eigenen Werken ersetzt, n\u00e4mlich den \u00f6den Gesang), aber f\u00fcr die, die eine eigenst\u00e4ndige Arbeit h\u00f6ren wollen, ist das hier nichts. Da hilft auch das abschlie\u00dfende \u201eMegalomaniac\u201c, mein Lieblingsst\u00fcck auf dem Album, weil es den 80er-Artpop, die 70er-Stimmung, die \u00fcberraschenden Stilwechsel und die bemerkenswerte Gitarrenarbeit miteinander vereint, kaum.</p>\n<p>Abgeschreckt? Nein? Ich auch nicht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Day-at-Beach-Airbag/dp/B0868VDPSJ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat Stream und Kauf und H\u00f6rproben, bei <a href="\&quot;https://airbagsound.bandcamp.com/album/a-day-at-the-beach\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/135159572\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> sind aber ebenfalls Streams zu haben.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/elizabeth-the-last-task.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_elizabeth-the-last-task.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Elizabeth the last \u2013 Task</span>\n<p>Ich finde, viel mehr deutsche Bands sollten hei\u00dfen wie eine Figur aus einer hypothetischen Adelspersiflage, aber ich finde auch, es gibt zu wenige zeitgen\u00f6ssische Adelspersiflagen. <span class=\"musik-review-bandname\">Elizabeth the last</span> bringen jedenfalls instrumentalen Doom-Post-Sonstwasmetal zu Geh\u00f6r, der mir zusagt. Ich mag ja so Gitarrenw\u00e4nde.</p>\n<p>Die f\u00fcnf St\u00fccke haben bis zu elfeinhalb Minuten L\u00e4nge und klingen genau so wie alles andere aus dem Genre; n\u00e4mlich wie etwas, das nicht zu kennen ich sehr schade f\u00e4nde. Freunde des Kopfnickens zu verschobenen Rhythmen m\u00f6gen ihren Nacken \u00f6len und ab geht\u2019s.</p>\n<p>Ich habe schon mal angefangen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> F\u00fcr Amazon.de <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Task-Elizabeth-last/dp/B08JQJ7VVG/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">hier entlang</a>, f\u00fcr TIDAL <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/156125999\&quot;" data-wpel-link="internal">dort entlang.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/the-ocean-collective-phanerozoic-ii-mesozoic-cenozoic.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_the-ocean-collective-phanerozoic-ii-mesozoic-cenozoic.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">The Ocean (Collective) \u2013 Phanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic</span>\n<p>Man merkt es den englischsprachigen <em>lyrics</em> nicht an, aber <span class=\"musik-review-bandname\">The Ocean</span> (mitunter auch: <span class=\"musik-review-bandname\">The Ocean Collective</span>) sind eine Band aus Berlin <em>(auuuus Berlin, jaja)</em>, die im Wesentlichen handwerklich guten Progressive Metal spielt. Wer aus dieser musikalischen Ecke nur <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> kennt, der liegt mit diesem Vergleich nur wenig daneben, denn sich an <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> zu messen gelingt wenigen. Ich pers\u00f6nlich halte <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> aber f\u00fcr langweilig, deshalb h\u00f6re ich stattdessen zum Beispiel <span class=\"musik-review-bandname\">The Ocean</span>.</p>\n<p>Es gibt schon im ersten, mich bereits hinreichend \u00fcberzeugten St\u00fcck \u201eTriassic\u201c \u2013 das Album umfasst die erz\u00e4hlerische Zeitspanne vom Trias bis zum Holoz\u00e4n \u2013 bretternde, aber auch mal frickelnde Gitarren und Wechsel zwischen sanftem Gesang und hartem Gegr\u00f6l (<em>\u201egrowling\u201c</em>), sp\u00e4ter auf dem Album kommen unter anderem Bl\u00e4ser hinzu. \u00dcber verschiedene Erdzeitalter haben <span class=\"musik-review-bandname\">The Ocean</span> unterschiedlich viel zu erz\u00e4hlen: \u201eJurassic | Cretaceous\u201c ist 13:25 Minuten lang, weist aber auch L\u00e4ngen auf, also mehrere Momente, die man auch k\u00fcrzen k\u00f6nnte, ohne wichtige Botschaften streichen zu m\u00fcssen; \u201eMiocene | Pliocene\u201c hingegen dauert nur 4:40 Minuten, ist dabei aber auch nicht zu kurz. Was will man \u00fcber Mio- und Plioz\u00e4n auch gro\u00df erz\u00e4hlen?</p>\n<p>Dass <span class=\"musik-review-bandname\">The Ocean</span> neben der F\u00e4higkeit zu Brachialem bis hin zum Black Metal (\u201ePleistocene\u201c) auch viel Wert auf Atmosph\u00e4re legen, beweisen die auf diesem Album nicht seltenen Momente wie die leider etwas zu kurze Shoegazeverschnaufpause \u201eOligocene\u201c. Das abschlie\u00dfende \u201eHolocene\u201c greift stilistisch und textlich nochmals die Themen von \u201eTriassic\u201c auf, ist nur etwas reicher instrumentiert. Die Geschichte ist ein Kreis, jedes Ende ist auch ein neuer Anfang. Das Album \u201ePhanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic\u201c gibt es f\u00fcr Gesangsscheue auch als Instrumentalversion. Sind die Texte also wichtig? Ist <em>irgendwas</em> wichtig?</p>\n<p><a href="\&quot;https://www.metal.de/reviews/the-ocean-phanerozoic-ii-mesozoic-cenozoic-412027/\&quot;" data-wpel-link="internal">Anderswo</a> nannte man \u201ePhanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic\u201c zusammengefasst <em>gro\u00dfe Kunst</em>. Und ist das nicht alles, worauf es ankommt \u2013 die Kunst?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/143812201\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://theocean.bandcamp.com/album/phanerozoic-ii-mesozoic-cenozoic\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> oder halt <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Phanerozoic-II-Mesozoic-Cenozoic-Ocean/dp/B089QG6HJ6/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/jesu-terminus.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_jesu-terminus.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Jesu \u2013 Terminus</span>\n<p>Jessas! <span class=\"musik-review-bandname\">Jesu</span> \u2013 gegr\u00fcndet in der Zeit, in der die Mitglieder von <span class=\"musik-review-bandname\">Godflesh</span> lieber etwas anderes machen wollten als bei <span class=\"musik-review-bandname\">Godflesh</span> zu spielen \u2013 ist ein englisches Bandprojekt um die einzige personelle Konstante <span class=\"musik-review-bandname\">Justin Broadrick</span>, der eigentlich auch alle Instrumente nebst Mikrofon allein aufnehmen k\u00f6nnte, aber das nicht immer tut.</p>\n<p>Obwohl <span class=\"musik-review-bandname\">Justin Broadrick</span> <a href="\&quot;https://www.tinymixtapes.com/features/jesu\&quot;" data-wpel-link="internal">der Ansicht ist</a>, seine Musik sei vor allem <em>Pop</em>, was der l\u00e4stigen Genrediskussion zumindest eine angenehm absurde Komponente beif\u00fcgt, nehme ich hier haupts\u00e4chlich Shoegaze und Electronica als Zutaten wahr, hinreichend ausgedehnt, dass es die zweieinhalb Minuten, die im Radio zwischen zwei Werbebl\u00f6cken derzeit zur Verf\u00fcgung stehen, mehrfach \u00fcberbelegen m\u00fcsste. Gl\u00fcck gehabt. Radioh\u00f6rer sind sicher nicht das angenehmste Publikum.</p>\n<p>Meine erste Assoziation waren <span class=\"musik-review-bandname\">Aereogramme</span>, aber das kann auch daran liegen, dass ich <span class=\"musik-review-bandname\">Aereogramme</span> zu lange nicht mehr geh\u00f6rt habe, w\u00e4hrend ich das hier aufschreibe. Die Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Jesu</span> ist aber weit weniger <em>rockig</em>, eher ausladend-atmosph\u00e4risch. Zwar blitzt gelegentlich (etwa im Titelst\u00fcck) auch mal reinrassiger Postrock hervor, das Album wird aber beherrscht von melancholischen Arrangements, denen anderswo nachgesagt wird, sie verspr\u00fchten <em>Einsamkeit, Depression und Reue</em>. Das stimmt sogar.</p>\n<p>\u201eTerminus\u201c ist \u2013 wie so viele Postrock- und Shoegazealben \u2013 eigentlich ein sehr gutes Herbstalbum geworden, also eines, zu dem man drinsitzt, w\u00e4hrend es drau\u00dfen regnet, und schwere Getr\u00e4nke zu sich nimmt, aber im Herbst habe ich diese Liste ja bereits prokrastiniert. Tut mir leid.</p>\n<p>Man h\u00f6re \u201eTerminus\u201c dann also etwas sp\u00e4ter, zum Beispiel noch heute. Es ist nie zu sp\u00e4t.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> M\u00f6glich ist das unter anderem auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Terminus-Jesu/dp/B08NH19XXH?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/160928222\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/six-days-of-calm-the-oceans-lullaby.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_six-days-of-calm-the-oceans-lullaby.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Six Days of Calm \u2013 The Ocean\u2019s Lullaby</span>\n<p>Leise T\u00f6ne und ein Stimmengewirr er\u00f6ffnen \u201eThe Ocean\u2019s Lullaby\u201c, das Deb\u00fctalbum der \u201efilmischen Postrockgruppe\u201c (<span class=\"musik-review-bandname\">Six Days of Calm</span> \u00fcber <span class=\"musik-review-bandname\">Six Days of Calm</span>) <span class=\"musik-review-bandname\">Six Days of Calm</span> aus W\u00fcrzburg. Gesungen wird nicht, stattdessen gibt es Klangwelten und nur manchmal nicht weiter bedeutsame Sprachsamples. <em>Filmisch</em> \u201ebassd scho\u201c, wie man in W\u00fcrzburg vermutlich sagen w\u00fcrde (ich bin ja nicht dort), ich w\u00fcrde Naturdokumentationen annehmen, irgendwas mit Bergen und Seen.</p>\n<p>Dass Bandgr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Marc Fischer</span> sich zuvor als Liedschreiber im Metalcore aufgehalten haben soll, w\u00e4re nicht anzunehmen, denn <em>nat\u00fcrlich</em> (bereits im er\u00f6ffnenden \u201eBreathe\u201c) wird hier auch mal instrumental eskaliert, aber \u00fcberwiegend hat man es mit weiten Klangfl\u00e4chen (\u201eLoss\u201c) zu tun, in denen selbst das Schlagzeug manchmal nur als Beiwerk, aber nicht als wesentliches Rhythmusinstrument zu Einsatz kommt. Mir fallen <span class=\"musik-review-bandname\">65daysofstatic</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">God Is An Astronaut</span> als Vergleich ein, aber (selten) auch <span class=\"musik-review-bandname\">Oceansize</span> und die doch sehr vermissten <span class=\"musik-review-bandname\">Dear John Letter</span>. (Wenn ihr das \u2013 was mich \u00fcberraschen sollte \u2013 lest: <span class=\"musik-review-bandname\">Carpet</span> ist nicht gut. Macht das bitte nicht mehr.)</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Six Days of Calm</span> tragen ihren Namen nicht zu Unrecht. Das zu oft geh\u00f6rte Laut-Leise-Spiel betonen sie auf dem Leise, das majest\u00e4tisch erhabene und doch befreiend auslaufende Ende von \u201eLoss\u201c steht dieser Einsch\u00e4tzung wie auch die anderen <em>lauteren</em> Momente (besonders unerwartet: \u201eObscure\u201c) nicht entgegen, zumal das anschlie\u00dfende \u201eReflections\u201c mit Streichern und melancholischer Sch\u00f6nheit bereits den Kontrapunkt setzt.</p>\n<p>Wer Postrock vor allem mit musikalischer Sch\u00f6nheit verbindet und den Gitarrent\u00fcrmen anderer Genrekollegen weniger abgewinnen kann, der m\u00f6ge es hiermit versuchen. Ist nicht schlecht geworden.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Locker bleiben und entspannt \u2013 gern auch erst in sechs Tagen \u2013 <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Oceans-Lullaby-Six-Days-Calm/dp/B08JD6D7FX?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://sixdaysofcalm.bandcamp.com/album/the-oceans-lullaby\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> oder <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/155606389\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> aufrufen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/pg.lost-oscillate.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_pg.lost-oscillate.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">pg.lost \u2013 Oscillate</span>\n<p>Zwar gewohnte instrumentale Postrockkost, wie \u00fcblich verfeinert mit raffinierter Elektronik, tischen <span class=\"musik-review-bandname\">pg.lost</span> auf ihrem nicht mehr ganz neuen, aber noch aktuellen Album \u201eOscillate\u201c, das \u2013 nun ja \u2013 auch im alten Laut-Leise-Spiel <em>oszilliert</em>, auf. F\u00fcr Freunde der Gitarrenbreitw\u00e4nde ist das \u2013 wie immer \u2013 ein Muss-H\u00f6r <em>(was stimmt heute eigentlich nicht mit mir?)</em>, f\u00fcr Postrocknichtkenner ist es kein sperriger Einstieg. Ich empfehl\u2019s.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Oscillate-Pg-lost/dp/B08HPYB9KG?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/154609049\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> haben das Album im Repertoire, ebenso <a href="\&quot;https://pglost.bandcamp.com/album/oscillate\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/lee-ranaldo-raul-refree-names-of-north-end-women.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_lee-ranaldo-raul-refree-names-of-north-end-women.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Lee Ranaldo &amp; Ra\u00fcl Refree \u2013 Names of North End Women</span>\n<p>Was kommt dabei heraus, wenn ein spanischer Komponist und ein ehemaliges <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic-Youth</span>-Mitglied zusammen ein Album aufnehmen? Es ist nicht, wonach es aussieht!</p>\n<p>\u201eNames of North End Women\u201c ist ein erstaunlich ruhiges Album geworden, das mehr an <span class=\"musik-review-bandname\">Leonard Cohen</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">John Cale</span> und die <span class=\"musik-review-bandname\">Doors</span> als an <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span> erinnert, wenngleich mitunter (zum ersten Mal in \u201eWords Out of the Haze\u201c) Gitarreneffekte pl\u00f6tzlich auftauchen und ebenso pl\u00f6tzlich wieder verschwinden, deren Herkunft sich schwer leugnen l\u00e4sst.</p>\n<p>Komponiert wurde, behauptet <em>das Internet</em>, auf Marimba und Vibraphon, daher l\u00e4uten St\u00fccke wie \u201eNew Brain Trajectory\u201c auch wie diese deutlich l\u00e4stigeren Weihnachtslieder, die jetzt zum Gl\u00fcck erst mal wieder nicht mehr zum Besten gegeben werden. Dazu gibt es verschiedene andere Instrumente vom Band, eigene und fremde Gedichte (oft als Spoken-Word-Vortrag) sowie die erw\u00e4hnten Gitarren, selten akustisch von Elektronik zerrissen, die gemeinsam sch\u00f6nen Melodien folgen, die auch in Folk und Pop nicht auffallen w\u00fcrden. Das Ergebnis ist ein vordergr\u00fcndig angenehm entspanntes, aber doch brodelndes (man h\u00f6re hierzu insbesondere das Titelst\u00fcck) St\u00fcck Musik von zwei Menschen, die niemandem mehr ihr K\u00f6nnen beweisen m\u00fcssen.</p>\n<p>Habe ich eigentlich schon die sch\u00f6nen Melodien angepriesen?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Diese Melodien gibt es auch unter anderem auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Names-North-Women-Refree-Ranaldo/dp/B08466XNL3/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/1315720492\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> zu erkunden.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/the-burden-remains-fluid.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_the-burden-remains-fluid.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">The Burden Remains \u2013 fluid</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eIsch Schicksau nume Projektion und w\u00e4r isch de Proj\u00e4kter?\u201c</span> (Fremdi Gstaade)\n<p>\u201eAus isch teilt\u201c, so hei\u00dft das erste St\u00fcck auf \u201efluid\u201c, dem 2020er Album des Schweizer Quartetts <span class=\"musik-review-bandname\">The Burden Remains</span>. Zu meiner gro\u00dfen sowohl Entt\u00e4uschung als auch Freude wird trotz des Bandnamens nicht auf Englisch oder gar Schw\u00e4bisch gesungen, sondern, mit Ausnahme des Instrumentalsechsmin\u00fcters \u201eFlussabw\u00e4rts\u201c, auf Schweizerdeutsch, stilecht mit \u00fcberbetontem \u201eK\u201c. Das k\u00f6nnte den Bandnamen erkl\u00e4ren. Hihi. \u201eGesungen\u201c ist andererseits auch falsch: Es wird geschrien. Fein.</p>\n<p>Melodisch kommt mal ein von einem wahren Schlagzeugtrommelfeuer begleiteter Postpunk (\u201eAus isch teilt\u201c), mal ein sch\u00f6n ambientfl\u00e4chiger Laut-leise-Postrock (\u201eI de Fluet verhaut\u201c), oft aber auch sogar gut passender Schrammelmetal mit, immerhin, h\u00fcbsch brummendem Bass aus dem Kopfh\u00f6rer. F\u00fcr Freunde zur\u00fcckhaltender Feinkunst ist \u201efluid\u201c sicherlich ungeeignet, aber L\u00e4rm muss ja auch nicht immer stilvoll sein.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> \u201efluid\u201c gibt es auf <a href="\&quot;https://theburdenremains.bandcamp.com/album/fluid\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/153533756\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und <em>nat\u00fcrlich</em> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Fluid-Burden-Remains/dp/B08GYYTDPX?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> auszugsweise oder komplett zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/neptunian-maximalism-eons.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_neptunian-maximalism-eons.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Neptunian Maximalism \u2013 \u00c9ons</span>\n<p>Genug der seltsamen Sprachen aus fremden L\u00e4ndern \u2013 kommen wir zu \u2026 Moment, ich muss nachlesen \u2026 einer zumeist grunzend intonierten rekonstruierten menschlichen Protosprache, begleitet von vier Musikern aus Belgien. Von dieser Sprache ist w\u00e4hrend der zwei Stunden und acht Minuten, die dieses Album dauert, allerdings wenig zu h\u00f6ren, denn das weitgehend instrumentale Album behandelt zwar <em>(schon wieder!)</em> ein Erdzeitalter, beginnt aber thematisch mit der Zeit <em>nach</em> dem Anthropoz\u00e4n, in der intelligente Elefanten regieren. Folgerichtig sind Saxophon und Trompete zeitweise dominante Instrumente. Nach etwa zwanzig Minuten zerschneidet erstmals eine vergleichsweise <em>rockige</em> Gitarre die Atmosph\u00e4re, l\u00f6st sich aber sogleich in einen Klangteppich auf.</p>\n<p>\u201e\u00c9ons\u201c besteht aus drei wesentlichen Teilen, der Erde, dem Mond und der Sonne gewidmet. Ich bin mir nicht ganz sicher, was das f\u00fcr ein <em>genre</em> sein soll \u2013 eine Verquickung von Kammer-Avant-Prog (ich weigere mich, die offensichtliche Referenz <span class=\"musik-review-bandname\">Univers Z\u00e9ro</span> hier unerw\u00e4hnt zu lassen) mit <span class=\"musik-review-bandname\">zappaesquem</span> Free Jazz k\u00e4me dem Ergebnis schon nahe, w\u00e4re aber deutlich unvollst\u00e4ndig. Zwei Stunden. Acht Minuten. F\u00fcnfundzwanzig Sekunden, aber darauf mag es auch nicht mehr ankommen. Die Dreifach-LP ist auf Bandcamp.com l\u00e4ngst ausverkauft, und zwar nicht meinetwegen. Schade eigentlich. Nach etwa einer Stunde, <em>nat\u00fcrlich</em> h\u00f6re ich selbst dieses Album am St\u00fcck, f\u00e4llt seine L\u00e4nge tats\u00e4chlich nicht mehr auf \u2013 ich habe, w\u00e4hrend ich dies hier aufschreibe, tats\u00e4chlich <em>die Zeit vergessen</em>. Jetzt, da ich nachgucke, sehe ich, dass ich mit dem zweiten Teil des Albums fast <em>durch</em> bin. Dass zwei der vier Musiker jeweils auch ein Schlagzeug bedienen, kommt hier gut zum Tragen, denn das (welches?) Schlagzeug peitscht den Jazzunterbau dominant voran. Dass die \u00fcber zehn (bis zu 18:32) Minuten langen St\u00fccke erst noch folgen werden, tut dem Genuss keinen Abbruch: Mit steigender Dauer des H\u00f6rens steigt auch der Spa\u00df am Geh\u00f6rten. Ich mag es, wenn ich nicht anfange, meinen Jubel in Worte zu fassen, und dann drei Abs\u00e4tze sp\u00e4ter feststelle, dass mir fast die Ohren eingeschlafen sind, weil dem starken Anfang ein starkes Nachlassen folgt. Nein, hier steckt <em>Zeit</em> in beide Richtungen drin und das ist gut.</p>\n<p>Eine <em>space opera</em> sei in \u201e\u00c9ons\u201c drin, befindet die Selbstbeschreibung, aber wenn \u201e\u00c9ons\u201c eine Oper ist, dann finde ich <span class=\"musik-review-bandname\">Freddie Mercury</span> zwar immer noch schei\u00dfe, aber sollte wahrscheinlich viel \u00f6fter mal Opern h\u00f6ren. Etwas <em>spacig</em> beginnt der dritte Teil, \u201eTo the Sun\u201c, der auch tats\u00e4chlich \u00fcber zehn Minuten braucht, um wieder den Kammerprog vom Anfang in Erinnerung zu rufen, mit seinem bedrohlichen, fl\u00e4chigen Brummen zwar doch, aber Gl\u00e4ser werden hier nicht zersungen. Muss ja auch nicht sein, das ist immerhin teuer. Anders als \u201eTo the Earth\u201c (Japanisch und Akkadisch) und \u201eTo the Moon\u201c (Henochianisch und Tibetisch) tragen in \u201eTo the Sun\u201c alle Titel griechische Namen. Keine sch\u00f6ne Aussicht, dass das Zeitalter der Elefanten wieder mit alten Griechen endet. Andererseits: Das letzte St\u00fcck tr\u00e4gt den ausnahmsweise englischen Untertitel \u201eWe Are, We Were and We Will Have Been\u201c \u2013 \u201ewir sind, wir waren und wir werden gewesen sein\u201c. Das sch\u00f6ne Futur II gibt ein Bonusbienchen im Heft, das ist ein klares Bestanden.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Neben <a href="\&quot;https://neptunianmaximalism.bandcamp.com/album/ons\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> \u2013 dem Portal mit der ausverkauften Dreifach-LP \u2013 fallen mir spontan auch <a href="\&quot;https://www.amazon.de/\u00c9ons-Neptunian-Maximalism/dp/B08BZ1NFMR/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/146793761\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, beide von vornherein ohne Vinylangebot, ein.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/ingrina-siste-lys.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_ingrina-siste-lys.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Ingrina \u2013 Siste Lys</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Ingrina</span> wiederum kommen aus Frankreich, aber das merkt man ihnen nicht an. \u201eAtmospheric Metal\u201c soll das hier sein und das ist es f\u00fcrwahr: Zwei Schlagzeuger, drei Gitarristen, ein Bassist und Gesang, der klingt, als k\u00e4me er direkt aus einem h\u00f6llischen Abgrund \u2013 da l\u00e4sst sich schon ordentlich <em>Atmosph\u00e4re</em> erzeugen.</p>\n<p>\u201eSiste Lys\u201c ist schon namentlich ebenso ein Konzeptalbum wie der Vorg\u00e4nger, das Deb\u00fctalbum \u201eEtter Lys\u201c, wobei drei der St\u00fccke zwecks Neubearbeitung einfach noch mal verwendet wurden. Besagten Vorg\u00e4nger kenne ich bisher nicht, deswegen ist das nicht so schlimm. Manches hier klingt wie ein vertontes futuristisches Industriegel\u00e4nde (\u201eWalls\u201c), aber es dominiert W\u00fcstenplanetendzeitstimmung. Ich mag das. Alles auf \u201eSiste Lys\u201c ist Post-irgendwas: Post-Metal, Post-Hardcore, mitunter (\u201eCasual\u201c) aber auch einfach nur Post-Rock. Bonusfeature: Die gelegentlichen Gitarrenbretter (\u201eNow\u201c et al.) sp\u00fclen nach dem Genuss gen\u00fcsslich ausgewalzter Vulkanlandschaften wieder die Ohren frei.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://ingrina.bandcamp.com/album/siste-lys\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/158539318\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und \u2013 zum heute letzten Mal \u2013 <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Siste-Lys-Ingrina/dp/B08L72J6VL?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n</ol>\n<p>So, reicht jetzt mit 2020. Auf 2021 aber komme ich bei Gelegenheit noch zu sprechen.</p>\n<p>Bis dahin w\u00fcnsche ich h\u00f6chsten Genuss in allen Belangen.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Juri Nello schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Ich finde, es wird mal Zeit f\u00fcr ein Musikquiz hier. Tux spielt Drum Solos an, und der Rest muss Band, St\u00fcck und Land erraten.</li><li>ric schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: K\u00f6nntest ja mal den Anfang machen, vielleicht machen die Anderen dann auch mit.</li><li><a href="\&quot;https://artodeto.bazzline.net\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">artodeto</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Da brauch ich ja wieder ewig bis ich das alles durchgeh\u00f6rt habe. Toll, dabei wollte ich doch die f\u00fcnfte Staffel vom Bachelor schauen.</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Gern geschehen.</li><li><a href="\&quot;https://artodeto.bazzline.net\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">artodeto</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: <img decoding=\"async\" alt src=\"https://s.w.org/images/core/emoji/13.0.1/svg/1f917.svg\"></li><li><a href="\&quot;https://artodeto.bazzline.net\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">artodeto</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Uff, der ist ja so gro\u00df wie du wei\u00dft schon wer :-O.</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Penis!</li><li><a href="\&quot;http://n/a\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Kalle Marx</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Eine der Empfehlungen (Edit Peptide von Bubblemath, ist schon ein wenig her) hat es \u00fcber diesen Blog sogar mal bis in die Vorlesungen an einer Musikhochschule geschafft \u2013 die M\u00fche findet also Adressat*innen (m/w/d).  ;-)\n\nEin Leser mehr!</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Achgott, ich vergesse Bands einfach zu schnell.\n\nIch werde in Hochschulen behandelt? Als abschreckendes Beispiel?</li><li><a href="\&quot;http://n/a\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Kalle Marx</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Ich habe ein paar Jahre (aus Gr\u00fcnden) meine Musikgeschichtsseminare (Mo., 13.00) immer mit den Pawlowschen Worten \u201eEs ist Montag!\u201c begonnen, und Bubblemath (und ein paar andere, Pomrad, Collier und so) sind perfekt f\u00fcr alle diejenigen, die vom Hochschul-Jazz die Schnauze voll haben\u2026\n\nDein Blog zieht also Kreise, nix abschreckend \u2013 ganz im Gegenteil!  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":-)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> </li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Ach, schade. Ich habe mir so viel M\u00fche gegeben.</li><li>Anonym schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Fail!\n\nSoziopathie gibt\u2019s bei uns zwar nur als Nebenfach (0,5 ECTS), wird aber ansonsten schon durchg\u00e4ngig in allen Veranstaltungen quasi durch Osmose unterrichtet.\n\nWenn Du Bock hast, schickt mir doch mal \u2019ne Mail von Deiner Wegwerfadresse an meine Wegwerfadresse: wegwerfdreck \u00e4t webpunktde\u2026 ;-)</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Ich will einen Abschluss als promovierter Soziopath!</li><li>Anonym schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Soziopathie wird im allgemeinen immer noch unterbewertet! \n\nIch rede mal mit der KolleginProfessX, die die Gender-Abteilung leitet \u2013 vielleicht kann Dir der Promotionsauschu\u00df was anrechnen. Lange Schachtels\u00e4tze z\u00e4hlen z.B. doppelt, Parteimitgliedschaftszeiten achtfach!!!11eins!</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Muss ich ja doch noch mal in eine eintreten. Och n\u00f6.</li><li>Anonym schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Blo\u00df nicht irgendwo eintreten, die gelten doch r\u00fcckwirkend! Da kommen schnell mal 2374 Semester zusammen, und zack! \u2013 schon feddich1!!1\n\nDr. soz.path.!\n\nIch m\u00f6chte dann in dem Ausschu\u00df sitzen; als habilitierter Soziopath steht mir das zu! (Nat\u00fcrlich nur \u00fcber Zoom. Alles andere w\u00e4re igittpfuib\u00e4!)</li><li><a href="\&quot;https://artodeto.bazzline.net\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">artodeto</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Langsam anfangen, ich trau mich bald an einen Kuhfladen ran.</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/18ae5fb3293645859c0cd90958776282\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 24 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickNa gut, wenigstens eine sp\u00e4te Musikr\u00fcckschau f\u00fcr das schreckliche Jahr 2020 gibt es \u2013 nur geringf\u00fcgig versp\u00e4tet \u2013 doch noch. Man verzeihe mir, dass sie k\u00fcrzer ist als sonst \u2013 bei einigen anderen Alben konnte ich nicht an mich halten und lie\u00df mich zu einer Rezension praecox hinrei\u00dfen. Man w\u00fchle in der Blogkategorie, so\u2019s gef\u00e4llt: Von Eminem \u00fcber das gar nicht so geschriebene Kombynat Robotron bis hin zu \u2013 obwohl deutschsprachiger Gesang nachweislich krank macht \u2013 den Die \u00c4rzte war stilistisch alles Notwendige dabei, sogar ein bisschen Postrock. Mir sei verziehen, dass ich auf ver\u00e4nderte H\u00f6rgewohnheiten auch diesmal keine R\u00fccksicht nehme: Ist ein St\u00fcck l\u00e4nger als vier Minuten, so wird es hier trotzdem zum Reinh\u00f6ren empfohlen; nicht (nur), weil ich Sadist bin, sondern auch, weil ich Musik mag.\nUnd zwar folgende:\n\n Toundra \u2013 Das Cabinet des Dr. Caligari\n\u201eDas Cabinet des Dr. Caligari\u201c, wei\u00df die Wikipedia, sei \u201eein deutscher Horrorfilm von Robert Wiene aus dem Jahr 1920\u201c, den ich aber nie gesehen habe, weil mich Horrorfilme schon hinsichtlich ihrer beabsichtigten Wirkung nicht interessieren. Wohl aber interessiere ich mich f\u00fcr Musik. Es verbinden beides miteinander aber unter anderem Toundra aus Madrid, die das hundertj\u00e4hrige Jubil\u00e4um des Films genutzt haben, um ihn noch mal anders zu vertonen.\nDer Film besteht aus sechs Akten und der Titelsequenz, ebenso ist auch dieses Album aufgeteilt, denn es soll als Begleitung desselben wiedergegeben werden (hierzu siehe \u201eReinh\u00f6ren\u201c). Zu h\u00f6ren gibt es \u201eFilm-Musik\u201c im Wortsinne, wobei auch das genre \u2013 ich glaube immer noch nicht an die Existenz von Genres \u2013 passt, denn Toundra spielen seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 2007 meist instrumentalen Postrock mit gelegentlichen Ausfl\u00fcgen in den Postmetal, also mit etwas verzerrteren Gitarren, etwas lauterem Bass und etwas hektischerem Schlagzeug. Ein Rezensent im Internet fand \u201eDas Cabinet des Dr. Caligari\u201c (das Album) langweilig, ich finde es wenigstens ungew\u00f6hnlich, denn das vorhersehbare Laut-leise-Spiel steht hier zugunsten der Synchronit\u00e4t von Bild und Ton zur\u00fcck, wof\u00fcr man wahrscheinlich dann doch gleichzeitig den Film sehen muss.\nReinh\u00f6ren: Auf Vimeo werden Film und Album zugleich abgespielt, ansonsten gibt es das Album nat\u00fcrlich auch in Schnipseln auf Amazon.de und in G\u00e4nze per TIDAL.\n Heads. \u2013 Push\nHeads. \u2013 der Punkt geh\u00f6rt zum Namen \u2013 aus Berlin (und Australien) sind namentlich ein Symptom der modernen Zeit, die K\u00f6pfe \u00fcber Inhalt stellt. Trotzdem ist der Inhalt gar nicht mal furchtbar: Ich h\u00f6re Noiserock mit deutlichem britischem Akzent im Gesang. Globalisierung wirkt.\nDer Anfang (\u201eEmpty Towns\u201c), der als reprise im letzten St\u00fcck nochmals aufgegriffen wird, wirkt bedrohlich, kommt aber fast irref\u00fchrend sanft daher. Nach einer \u00fcberraschenden Welle aus Noise, Metal und Postpunk drosselt die Band mit dem Indie-Rock-Lied \u201eLoyalty\u201c das Tempo wieder etwas herunter. Die etwas n\u00f6lige Stimme des S\u00e4ngers st\u00f6rt mich ein bisschen, aber Lou Reed hat es ja auch in meinen Plattenschrank geschafft. Der Vergleich sei unfair, hei\u00dft es jetzt vom Publikum? Ja, das ist er wahrscheinlich. Was ich ausdr\u00fccken wollte: Dieses Album rei\u00dft nicht mal der Gesang noch runter. Das ist doch auch sch\u00f6n.\nAuch sp\u00e4ter (\u201eA Swarming Tide\u201c) l\u00e4sst die Band dem H\u00f6rer immer mal wieder eine kurze Verschnaufpause, aber es stimmt schon: Viel Platz f\u00fcr friedvolle Momente wird hier nicht gelassen. Macht nichts. Ich habe eh schlechte Laune.\nReinh\u00f6ren: Einen Komplettstream gibt es bei TIDAL und Bandcamp, dazu noch Schnipsel und Kauf auf Amazon.de.\n Danheim \u2013 Skapanir\nMongolenm\u00f6nche beschw\u00f6ren antike Wikingerg\u00f6tter im Kampfgetrommel. Herrlich.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, sonst TIDAL.\n Charivari \u2013 Descent\nVier Can-kundige Engl\u00e4nder huldigen postrockend der Berliner Schule, es wird sph\u00e4risch gesungen. Mehr Text braucht es nicht.\nReinh\u00f6ren: Warum nicht mal TIDAL, Amazon.de oder Bandcamp?\n taumel \u2013 there is no time to run away from here\ntaumel sind nicht nur eine Beschreibung meines Heimwegs nach dem Stammtisch, sondern auch zwei bis vier Herren aus Rheda-Wiedenbr\u00fcck.\nEs werden auf \u201ethere is no time to run away from here\u201c f\u00fcnf St\u00fccke dargeboten, die die Titel \u201ethere is\u201c, \u201eno time\u201c, \u201eto run\u201c, \u201eaway\u201c und \u201efrom here\u201c tragen, wobei die ersten beiden ineinander \u00fcbergehen. Zu h\u00f6ren ist sehr langsamer Postrock ohne Gitarrengewitter. Wer die vermeintlich ruhigeren Momente von Mogwai mag, der mag auch dieses Album, wage ich zu versprechen.\nDie hier ausgebreiteten Klanglandschaften sind eher ein Sonnenaufgang \u00fcber der W\u00fcste als ein prasselnder Wasserfall. Gerade das von Manuel Viehmann gespielte Fl\u00fcgelhorn (besonders durchdringend in der zweiten H\u00e4lfte von \u201eto run\u201c) vermittelt Hoffnung, obwohl ich selbst nicht so genau wei\u00df, worauf. Trotzdem f\u00fchlt sich dieses Album nach Geborgenheit an und das kann man ja auch nicht von jedem Album behaupten. Das abschlie\u00dfende \u201efrom here\u201c, getragen von Klavier und wenig Perkussion, ist insofern ein angemessener Abschluss, als es die Ruhe und Beh\u00e4bigkeit von taumel auf die Spitze treibt.\nDas Album ist instrumental: Kein Gesang, kein Gekreisch, kein Gest\u00f6hne. Die Leute halten ja viel zu selten die Fresse dieser Tage. Auch mal sch\u00f6n.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp, Amazon.de, TIDAL.\n Airbag \u2013 A Day at the Beach\nEin schwieriges Album, gebe selbst ich zu, der schwierige Alben ja durchaus zu sch\u00e4tzen wei\u00df.\nMit \u201eMachines and Men\u201c beginnt die Band aus Oslo ihren \u201eTag am Strand\u201c mit einem \u00dcberzehnmin\u00fcter, der den industrialgeimpften Artpop der Achtziger nicht wiederholt, sondern ihm seine Reverenz erweist, wenngleich mit besserem Gesang und ohne die ollen Plastikorgeln. Der folgende Teil 1 des Titelst\u00fccks verneigt sich vor Roxy Music und David Gilmour zugleich, verleugnet aber nicht das Selbstverst\u00e4ndnis von Airbag, die sich sowohl als \u201eClassic-Rock-\u201c als auch als \u201eProgressive-Rock-Band\u201c begreifen (Quelle: Internet). Das Verst\u00f6rendste an diesem Album ist das Coverbild.\nDer zweite und letzte \u00dcberzehnmin\u00fcter \u201eInto the Unknown\u201c hebt nochmals die N\u00e4he zu Pink Floyd hervor: Das St\u00fcck ist \u2013 wie die meisten von Pink Floyd \u2013 einfach zu lang. Nein, Scherz beiseite: Es geht um die Stimmung. Sanfte Gitarrensoli \u00fcber wabernden Keyboards gibt es nach der Effektpause mittendrin, schon zuvor aber ist das Bedr\u00fcckte, das auch \u00fcber dem letzten Pink-Floyd-Album (dem mit dem Fluss, nicht dem mit dem Puls) schwebt, das bestimmende Element. Immerhin das folgende \u201eSunsets\u201c rei\u00dft dann wieder mit 80er-Elektrobeats aus dem milden Schlummer. Depeche Mode? Klingt doch alles gleich. Der Mitnickrefrain und die darin zu h\u00f6rende Gitarre gefallen. Davon ein ganzes Album und ich w\u00fcrde weniger skeptische Kommentare anbringen. Vielleicht.\nTeil 2 des Titelst\u00fccks davidgilmourt schon wieder. F\u00fcr die, die es noch nicht verstanden haben: Airbag finden David Gilmour total schnafte. F\u00fcr mehr von David Gilmour einfach Airbag h\u00f6ren. Ich verstehe das Konzept, ich mag dieses Album (weil es die langweiligen Teile von David Gilmours eigenen Werken ersetzt, n\u00e4mlich den \u00f6den Gesang), aber f\u00fcr die, die eine eigenst\u00e4ndige Arbeit h\u00f6ren wollen, ist das hier nichts. Da hilft auch das abschlie\u00dfende \u201eMegalomaniac\u201c, mein Lieblingsst\u00fcck auf dem Album, weil es den 80er-Artpop, die 70er-Stimmung, die \u00fcberraschenden Stilwechsel und die bemerkenswerte Gitarrenarbeit miteinander vereint, kaum.\nAbgeschreckt? Nein? Ich auch nicht.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de hat Stream und Kauf und H\u00f6rproben, bei Bandcamp und TIDAL sind aber ebenfalls Streams zu haben.\n Elizabeth the last \u2013 Task\nIch finde, viel mehr deutsche Bands sollten hei\u00dfen wie eine Figur aus einer hypothetischen Adelspersiflage, aber ich finde auch, es gibt zu wenige zeitgen\u00f6ssische Adelspersiflagen. Elizabeth the last bringen jedenfalls instrumentalen Doom-Post-Sonstwasmetal zu Geh\u00f6r, der mir zusagt. Ich mag ja so Gitarrenw\u00e4nde.\nDie f\u00fcnf St\u00fccke haben bis zu elfeinhalb Minuten L\u00e4nge und klingen genau so wie alles andere aus dem Genre; n\u00e4mlich wie etwas, das nicht zu kennen ich sehr schade f\u00e4nde. Freunde des Kopfnickens zu verschobenen Rhythmen m\u00f6gen ihren Nacken \u00f6len und ab geht\u2019s.\nIch habe schon mal angefangen.\nReinh\u00f6ren: F\u00fcr Amazon.de hier entlang, f\u00fcr TIDAL dort entlang.\n The Ocean (Collective) \u2013 Phanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic\nMan merkt es den englischsprachigen lyrics nicht an, aber The Ocean (mitunter auch: The Ocean Collective) sind eine Band aus Berlin (auuuus Berlin, jaja), die im Wesentlichen handwerklich guten Progressive Metal spielt. Wer aus dieser musikalischen Ecke nur Tool kennt, der liegt mit diesem Vergleich nur wenig daneben, denn sich an Tool zu messen gelingt wenigen. Ich pers\u00f6nlich halte Tool aber f\u00fcr langweilig, deshalb h\u00f6re ich stattdessen zum Beispiel The Ocean.\nEs gibt schon im ersten, mich bereits hinreichend \u00fcberzeugten St\u00fcck \u201eTriassic\u201c \u2013 das Album umfasst die erz\u00e4hlerische Zeitspanne vom Trias bis zum Holoz\u00e4n \u2013 bretternde, aber auch mal frickelnde Gitarren und Wechsel zwischen sanftem Gesang und hartem Gegr\u00f6l (\u201egrowling\u201c), sp\u00e4ter auf dem Album kommen unter anderem Bl\u00e4ser hinzu. \u00dcber verschiedene Erdzeitalter haben The Ocean unterschiedlich viel zu erz\u00e4hlen: \u201eJurassic | Cretaceous\u201c ist 13:25 Minuten lang, weist aber auch L\u00e4ngen auf, also mehrere Momente, die man auch k\u00fcrzen k\u00f6nnte, ohne wichtige Botschaften streichen zu m\u00fcssen; \u201eMiocene | Pliocene\u201c hingegen dauert nur 4:40 Minuten, ist dabei aber auch nicht zu kurz. Was will man \u00fcber Mio- und Plioz\u00e4n auch gro\u00df erz\u00e4hlen?\nDass The Ocean neben der F\u00e4higkeit zu Brachialem bis hin zum Black Metal (\u201ePleistocene\u201c) auch viel Wert auf Atmosph\u00e4re legen, beweisen die auf diesem Album nicht seltenen Momente wie die leider etwas zu kurze Shoegazeverschnaufpause \u201eOligocene\u201c. Das abschlie\u00dfende \u201eHolocene\u201c greift stilistisch und textlich nochmals die Themen von \u201eTriassic\u201c auf, ist nur etwas reicher instrumentiert. Die Geschichte ist ein Kreis, jedes Ende ist auch ein neuer Anfang. Das Album \u201ePhanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic\u201c gibt es f\u00fcr Gesangsscheue auch als Instrumentalversion. Sind die Texte also wichtig? Ist irgendwas wichtig?\nAnderswo nannte man \u201ePhanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic\u201c zusammengefasst gro\u00dfe Kunst. Und ist das nicht alles, worauf es ankommt \u2013 die Kunst?\nReinh\u00f6ren: TIDAL, Bandcamp oder halt Amazon.de.\n Jesu \u2013 Terminus\nJessas! Jesu \u2013 gegr\u00fcndet in der Zeit, in der die Mitglieder von Godflesh lieber etwas anderes machen wollten als bei Godflesh zu spielen \u2013 ist ein englisches Bandprojekt um die einzige personelle Konstante Justin Broadrick, der eigentlich auch alle Instrumente nebst Mikrofon allein aufnehmen k\u00f6nnte, aber das nicht immer tut.\nObwohl Justin Broadrick der Ansicht ist, seine Musik sei vor allem Pop, was der l\u00e4stigen Genrediskussion zumindest eine angenehm absurde Komponente beif\u00fcgt, nehme ich hier haupts\u00e4chlich Shoegaze und Electronica als Zutaten wahr, hinreichend ausgedehnt, dass es die zweieinhalb Minuten, die im Radio zwischen zwei Werbebl\u00f6cken derzeit zur Verf\u00fcgung stehen, mehrfach \u00fcberbelegen m\u00fcsste. Gl\u00fcck gehabt. Radioh\u00f6rer sind sicher nicht das angenehmste Publikum.\nMeine erste Assoziation waren Aereogramme, aber das kann auch daran liegen, dass ich Aereogramme zu lange nicht mehr geh\u00f6rt habe, w\u00e4hrend ich das hier aufschreibe. Die Musik von Jesu ist aber weit weniger rockig, eher ausladend-atmosph\u00e4risch. Zwar blitzt gelegentlich (etwa im Titelst\u00fcck) auch mal reinrassiger Postrock hervor, das Album wird aber beherrscht von melancholischen Arrangements, denen anderswo nachgesagt wird, sie verspr\u00fchten Einsamkeit, Depression und Reue. Das stimmt sogar.\n\u201eTerminus\u201c ist \u2013 wie so viele Postrock- und Shoegazealben \u2013 eigentlich ein sehr gutes Herbstalbum geworden, also eines, zu dem man drinsitzt, w\u00e4hrend es drau\u00dfen regnet, und schwere Getr\u00e4nke zu sich nimmt, aber im Herbst habe ich diese Liste ja bereits prokrastiniert. Tut mir leid.\nMan h\u00f6re \u201eTerminus\u201c dann also etwas sp\u00e4ter, zum Beispiel noch heute. Es ist nie zu sp\u00e4t.\nReinh\u00f6ren: M\u00f6glich ist das unter anderem auf Amazon.de und TIDAL.\n Six Days of Calm \u2013 The Ocean\u2019s Lullaby\nLeise T\u00f6ne und ein Stimmengewirr er\u00f6ffnen \u201eThe Ocean\u2019s Lullaby\u201c, das Deb\u00fctalbum der \u201efilmischen Postrockgruppe\u201c (Six Days of Calm \u00fcber Six Days of Calm) Six Days of Calm aus W\u00fcrzburg. Gesungen wird nicht, stattdessen gibt es Klangwelten und nur manchmal nicht weiter bedeutsame Sprachsamples. Filmisch \u201ebassd scho\u201c, wie man in W\u00fcrzburg vermutlich sagen w\u00fcrde (ich bin ja nicht dort), ich w\u00fcrde Naturdokumentationen annehmen, irgendwas mit Bergen und Seen.\nDass Bandgr\u00fcnder Marc Fischer sich zuvor als Liedschreiber im Metalcore aufgehalten haben soll, w\u00e4re nicht anzunehmen, denn nat\u00fcrlich (bereits im er\u00f6ffnenden \u201eBreathe\u201c) wird hier auch mal instrumental eskaliert, aber \u00fcberwiegend hat man es mit weiten Klangfl\u00e4chen (\u201eLoss\u201c) zu tun, in denen selbst das Schlagzeug manchmal nur als Beiwerk, aber nicht als wesentliches Rhythmusinstrument zu Einsatz kommt. Mir fallen 65daysofstatic und God Is An Astronaut als Vergleich ein, aber (selten) auch Oceansize und die doch sehr vermissten Dear John Letter. (Wenn ihr das \u2013 was mich \u00fcberraschen sollte \u2013 lest: Carpet ist nicht gut. Macht das bitte nicht mehr.)\nSix Days of Calm tragen ihren Namen nicht zu Unrecht. Das zu oft geh\u00f6rte Laut-Leise-Spiel betonen sie auf dem Leise, das majest\u00e4tisch erhabene und doch befreiend auslaufende Ende von \u201eLoss\u201c steht dieser Einsch\u00e4tzung wie auch die anderen lauteren Momente (besonders unerwartet: \u201eObscure\u201c) nicht entgegen, zumal das anschlie\u00dfende \u201eReflections\u201c mit Streichern und melancholischer Sch\u00f6nheit bereits den Kontrapunkt setzt.\nWer Postrock vor allem mit musikalischer Sch\u00f6nheit verbindet und den Gitarrent\u00fcrmen anderer Genrekollegen weniger abgewinnen kann, der m\u00f6ge es hiermit versuchen. Ist nicht schlecht geworden.\nReinh\u00f6ren: Locker bleiben und entspannt \u2013 gern auch erst in sechs Tagen \u2013 Amazon.de, Bandcamp oder TIDAL aufrufen.\n pg.lost \u2013 Oscillate\nZwar gewohnte instrumentale Postrockkost, wie \u00fcblich verfeinert mit raffinierter Elektronik, tischen pg.lost auf ihrem nicht mehr ganz neuen, aber noch aktuellen Album \u201eOscillate\u201c, das \u2013 nun ja \u2013 auch im alten Laut-Leise-Spiel oszilliert, auf. F\u00fcr Freunde der Gitarrenbreitw\u00e4nde ist das \u2013 wie immer \u2013 ein Muss-H\u00f6r (was stimmt heute eigentlich nicht mit mir?), f\u00fcr Postrocknichtkenner ist es kein sperriger Einstieg. Ich empfehl\u2019s.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de und TIDAL haben das Album im Repertoire, ebenso Bandcamp.\n Lee Ranaldo &amp; Ra\u00fcl Refree \u2013 Names of North End Women\nWas kommt dabei heraus, wenn ein spanischer Komponist und ein ehemaliges Sonic-Youth-Mitglied zusammen ein Album aufnehmen? Es ist nicht, wonach es aussieht!\n\u201eNames of North End Women\u201c ist ein erstaunlich ruhiges Album geworden, das mehr an Leonard Cohen, John Cale und die Doors als an Sonic Youth erinnert, wenngleich mitunter (zum ersten Mal in \u201eWords Out of the Haze\u201c) Gitarreneffekte pl\u00f6tzlich auftauchen und ebenso pl\u00f6tzlich wieder verschwinden, deren Herkunft sich schwer leugnen l\u00e4sst.\nKomponiert wurde, behauptet das Internet, auf Marimba und Vibraphon, daher l\u00e4uten St\u00fccke wie \u201eNew Brain Trajectory\u201c auch wie diese deutlich l\u00e4stigeren Weihnachtslieder, die jetzt zum Gl\u00fcck erst mal wieder nicht mehr zum Besten gegeben werden. Dazu gibt es verschiedene andere Instrumente vom Band, eigene und fremde Gedichte (oft als Spoken-Word-Vortrag) sowie die erw\u00e4hnten Gitarren, selten akustisch von Elektronik zerrissen, die gemeinsam sch\u00f6nen Melodien folgen, die auch in Folk und Pop nicht auffallen w\u00fcrden. Das Ergebnis ist ein vordergr\u00fcndig angenehm entspanntes, aber doch brodelndes (man h\u00f6re hierzu insbesondere das Titelst\u00fcck) St\u00fcck Musik von zwei Menschen, die niemandem mehr ihr K\u00f6nnen beweisen m\u00fcssen.\nHabe ich eigentlich schon die sch\u00f6nen Melodien angepriesen?\nReinh\u00f6ren: Diese Melodien gibt es auch unter anderem auf Amazon.de und TIDAL zu erkunden.\n The Burden Remains \u2013 fluid\n\u201eIsch Schicksau nume Projektion und w\u00e4r isch de Proj\u00e4kter?\u201c (Fremdi Gstaade)\n\u201eAus isch teilt\u201c, so hei\u00dft das erste St\u00fcck auf \u201efluid\u201c, dem 2020er Album des Schweizer Quartetts The Burden Remains. Zu meiner gro\u00dfen sowohl Entt\u00e4uschung als auch Freude wird trotz des Bandnamens nicht auf Englisch oder gar Schw\u00e4bisch gesungen, sondern, mit Ausnahme des Instrumentalsechsmin\u00fcters \u201eFlussabw\u00e4rts\u201c, auf Schweizerdeutsch, stilecht mit \u00fcberbetontem \u201eK\u201c. Das k\u00f6nnte den Bandnamen erkl\u00e4ren. Hihi. \u201eGesungen\u201c ist andererseits auch falsch: Es wird geschrien. Fein.\nMelodisch kommt mal ein von einem wahren Schlagzeugtrommelfeuer begleiteter Postpunk (\u201eAus isch teilt\u201c), mal ein sch\u00f6n ambientfl\u00e4chiger Laut-leise-Postrock (\u201eI de Fluet verhaut\u201c), oft aber auch sogar gut passender Schrammelmetal mit, immerhin, h\u00fcbsch brummendem Bass aus dem Kopfh\u00f6rer. F\u00fcr Freunde zur\u00fcckhaltender Feinkunst ist \u201efluid\u201c sicherlich ungeeignet, aber L\u00e4rm muss ja auch nicht immer stilvoll sein.\nReinh\u00f6ren: \u201efluid\u201c gibt es auf Bandcamp, TIDAL und nat\u00fcrlich Amazon.de auszugsweise oder komplett zu h\u00f6ren.\n Neptunian Maximalism \u2013 \u00c9ons\nGenug der seltsamen Sprachen aus fremden L\u00e4ndern \u2013 kommen wir zu \u2026 Moment, ich muss nachlesen \u2026 einer zumeist grunzend intonierten rekonstruierten menschlichen Protosprache, begleitet von vier Musikern aus Belgien. Von dieser Sprache ist w\u00e4hrend der zwei Stunden und acht Minuten, die dieses Album dauert, allerdings wenig zu h\u00f6ren, denn das weitgehend instrumentale Album behandelt zwar (schon wieder!) ein Erdzeitalter, beginnt aber thematisch mit der Zeit nach dem Anthropoz\u00e4n, in der intelligente Elefanten regieren. Folgerichtig sind Saxophon und Trompete zeitweise dominante Instrumente. Nach etwa zwanzig Minuten zerschneidet erstmals eine vergleichsweise rockige Gitarre die Atmosph\u00e4re, l\u00f6st sich aber sogleich in einen Klangteppich auf.\n\u201e\u00c9ons\u201c besteht aus drei wesentlichen Teilen, der Erde, dem Mond und der Sonne gewidmet. Ich bin mir nicht ganz sicher, was das f\u00fcr ein genre sein soll \u2013 eine Verquickung von Kammer-Avant-Prog (ich weigere mich, die offensichtliche Referenz Univers Z\u00e9ro hier unerw\u00e4hnt zu lassen) mit zappaesquem Free Jazz k\u00e4me dem Ergebnis schon nahe, w\u00e4re aber deutlich unvollst\u00e4ndig. Zwei Stunden. Acht Minuten. F\u00fcnfundzwanzig Sekunden, aber darauf mag es auch nicht mehr ankommen. Die Dreifach-LP ist auf Bandcamp.com l\u00e4ngst ausverkauft, und zwar nicht meinetwegen. Schade eigentlich. Nach etwa einer Stunde, nat\u00fcrlich h\u00f6re ich selbst dieses Album am St\u00fcck, f\u00e4llt seine L\u00e4nge tats\u00e4chlich nicht mehr auf \u2013 ich habe, w\u00e4hrend ich dies hier aufschreibe, tats\u00e4chlich die Zeit vergessen. Jetzt, da ich nachgucke, sehe ich, dass ich mit dem zweiten Teil des Albums fast durch bin. Dass zwei der vier Musiker jeweils auch ein Schlagzeug bedienen, kommt hier gut zum Tragen, denn das (welches?) Schlagzeug peitscht den Jazzunterbau dominant voran. Dass die \u00fcber zehn (bis zu 18:32) Minuten langen St\u00fccke erst noch folgen werden, tut dem Genuss keinen Abbruch: Mit steigender Dauer des H\u00f6rens steigt auch der Spa\u00df am Geh\u00f6rten. Ich mag es, wenn ich nicht anfange, meinen Jubel in Worte zu fassen, und dann drei Abs\u00e4tze sp\u00e4ter feststelle, dass mir fast die Ohren eingeschlafen sind, weil dem starken Anfang ein starkes Nachlassen folgt. Nein, hier steckt Zeit in beide Richtungen drin und das ist gut.\nEine space opera sei in \u201e\u00c9ons\u201c drin, befindet die Selbstbeschreibung, aber wenn \u201e\u00c9ons\u201c eine Oper ist, dann finde ich Freddie Mercury zwar immer noch schei\u00dfe, aber sollte wahrscheinlich viel \u00f6fter mal Opern h\u00f6ren. Etwas spacig beginnt der dritte Teil, \u201eTo the Sun\u201c, der auch tats\u00e4chlich \u00fcber zehn Minuten braucht, um wieder den Kammerprog vom Anfang in Erinnerung zu rufen, mit seinem bedrohlichen, fl\u00e4chigen Brummen zwar doch, aber Gl\u00e4ser werden hier nicht zersungen. Muss ja auch nicht sein, das ist immerhin teuer. Anders als \u201eTo the Earth\u201c (Japanisch und Akkadisch) und \u201eTo the Moon\u201c (Henochianisch und Tibetisch) tragen in \u201eTo the Sun\u201c alle Titel griechische Namen. Keine sch\u00f6ne Aussicht, dass das Zeitalter der Elefanten wieder mit alten Griechen endet. Andererseits: Das letzte St\u00fcck tr\u00e4gt den ausnahmsweise englischen Untertitel \u201eWe Are, We Were and We Will Have Been\u201c \u2013 \u201ewir sind, wir waren und wir werden gewesen sein\u201c. Das sch\u00f6ne Futur II gibt ein Bonusbienchen im Heft, das ist ein klares Bestanden.\nReinh\u00f6ren: Neben Bandcamp \u2013 dem Portal mit der ausverkauften Dreifach-LP \u2013 fallen mir spontan auch Amazon.de und TIDAL, beide von vornherein ohne Vinylangebot, ein.\n Ingrina \u2013 Siste Lys\nIngrina wiederum kommen aus Frankreich, aber das merkt man ihnen nicht an. \u201eAtmospheric Metal\u201c soll das hier sein und das ist es f\u00fcrwahr: Zwei Schlagzeuger, drei Gitarristen, ein Bassist und Gesang, der klingt, als k\u00e4me er direkt aus einem h\u00f6llischen Abgrund \u2013 da l\u00e4sst sich schon ordentlich Atmosph\u00e4re erzeugen.\n\u201eSiste Lys\u201c ist schon namentlich ebenso ein Konzeptalbum wie der Vorg\u00e4nger, das Deb\u00fctalbum \u201eEtter Lys\u201c, wobei drei der St\u00fccke zwecks Neubearbeitung einfach noch mal verwendet wurden. Besagten Vorg\u00e4nger kenne ich bisher nicht, deswegen ist das nicht so schlimm. Manches hier klingt wie ein vertontes futuristisches Industriegel\u00e4nde (\u201eWalls\u201c), aber es dominiert W\u00fcstenplanetendzeitstimmung. Ich mag das. Alles auf \u201eSiste Lys\u201c ist Post-irgendwas: Post-Metal, Post-Hardcore, mitunter (\u201eCasual\u201c) aber auch einfach nur Post-Rock. Bonusfeature: Die gelegentlichen Gitarrenbretter (\u201eNow\u201c et al.) sp\u00fclen nach dem Genuss gen\u00fcsslich ausgewalzter Vulkanlandschaften wieder die Ohren frei.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp, TIDAL und \u2013 zum heute letzten Mal \u2013 Amazon.de.\n\nSo, reicht jetzt mit 2020. Auf 2021 aber komme ich bei Gelegenheit noch zu sprechen.\nBis dahin w\u00fcnsche ich h\u00f6chsten Genuss in allen Belangen.\nKommentareJuri Nello schrob am 3. Februar 2021 dies: Ich finde, es wird mal Zeit f\u00fcr ein Musikquiz hier. Tux spielt Drum Solos an, und der Rest muss Band, St\u00fcck und Land erraten.ric schrob am 3. Februar 2021 dies: K\u00f6nntest ja mal den Anfang machen, vielleicht machen die Anderen dann auch mit.artodeto schrob am 3. Februar 2021 dies: Da brauch ich ja wieder ewig bis ich das alles durchgeh\u00f6rt habe. Toll, dabei wollte ich doch die f\u00fcnfte Staffel vom Bachelor schauen.tux0r schrob am 3. Februar 2021 dies: Gern geschehen.artodeto schrob am 3. Februar 2021 dies: artodeto schrob am 3. Februar 2021 dies: Uff, der ist ja so gro\u00df wie du wei\u00dft schon wer :-O.tux0r schrob am 3. Februar 2021 dies: Penis!Kalle Marx schrob am 3. Februar 2021 dies: Eine der Empfehlungen (Edit Peptide von Bubblemath, ist schon ein wenig her) hat es \u00fcber diesen Blog sogar mal bis in die Vorlesungen an einer Musikhochschule geschafft \u2013 die M\u00fche findet also Adressat*innen (m/w/d).  ;-)\n\nEin Leser mehr!tux0r schrob am 3. Februar 2021 dies: Achgott, ich vergesse Bands einfach zu schnell.\n\nIch werde in Hochschulen behandelt? Als abschreckendes Beispiel?Kalle Marx schrob am 3. Februar 2021 dies: Ich habe ein paar Jahre (aus Gr\u00fcnden) meine Musikgeschichtsseminare (Mo., 13.00) immer mit den Pawlowschen Worten \u201eEs ist Montag!\u201c begonnen, und Bubblemath (und ein paar andere, Pomrad, Collier und so) sind perfekt f\u00fcr alle diejenigen, die vom Hochschul-Jazz die Schnauze voll haben\u2026\n\nDein Blog zieht also Kreise, nix abschreckend \u2013 ganz im Gegenteil!   tux0r schrob am 3. Februar 2021 dies: Ach, schade. Ich habe mir so viel M\u00fche gegeben.Anonym schrob am 3. Februar 2021 dies: Fail!\n\nSoziopathie gibt\u2019s bei uns zwar nur als Nebenfach (0,5 ECTS), wird aber ansonsten schon durchg\u00e4ngig in allen Veranstaltungen quasi durch Osmose unterrichtet.\n\nWenn Du Bock hast, schickt mir doch mal \u2019ne Mail von Deiner Wegwerfadresse an meine Wegwerfadresse: wegwerfdreck \u00e4t webpunktde\u2026 ;-)tux0r schrob am 3. Februar 2021 dies: Ich will einen Abschluss als promovierter Soziopath!Anonym schrob am 3. Februar 2021 dies: Soziopathie wird im allgemeinen immer noch unterbewertet! \n\nIch rede mal mit der KolleginProfessX, die die Gender-Abteilung leitet \u2013 vielleicht kann Dir der Promotionsauschu\u00df was anrechnen. Lange Schachtels\u00e4tze z\u00e4hlen z.B. doppelt, Parteimitgliedschaftszeiten achtfach!!!11eins!tux0r schrob am 3. Februar 2021 dies: Muss ich ja doch noch mal in eine eintreten. Och n\u00f6.Anonym schrob am 3. Februar 2021 dies: Blo\u00df nicht irgendwo eintreten, die gelten doch r\u00fcckwirkend! Da kommen schnell mal 2374 Semester zusammen, und zack! \u2013 schon feddich1!!1\n\nDr. soz.path.!\n\nIch m\u00f6chte dann in dem Ausschu\u00df sitzen; als habilitierter Soziopath steht mir das zu! (Nat\u00fcrlich nur \u00fcber Zoom. Alles andere w\u00e4re igittpfuib\u00e4!)artodeto schrob am 3. Februar 2021 dies: Langsam anfangen, ich trau mich bald an einen Kuhfladen ran.Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2021-02-02T16:59:45+01:00",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 23 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Kuckuck, n\u00e4chstes halbes Jahr! Sch\u00fcss, letztes halbes Jahr! Und damit auch: Willkommen zum zweiten Teil der Liste der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">feinsten Musikalben 2019</span>, so weit sie mein Geschmack eben hergab. <span id=\"more-16335\"></span>Teil 1 wurde <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/07/musik-06-2019-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Juli</a> hier und anderswo publiziert, seitdem war ich mal wieder ungeduldig und gab den neuen Studioalben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/10/kurzkritik-cranial-alternate-endings/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Cranial</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/11/kurzkritik-bensnburner-noclip/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">bensnburner</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/12/kurzkritik-you-guitarprayer-art-wont-tear-us-apart-again/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">You Guitarprayer</span></a> Gelegenheit zur Entfaltung.</p>\n<p>Ehrenhalber erw\u00e4hnt sei das sehr h\u00f6renswerte, aber keinesfalls durchweg neue und darum disqualifizierte <a href="\&quot;https://mikepatton.bandcamp.com/album/corpse-flower\&quot;" data-wpel-link="internal">Gemeinschaftsalbum</a> von <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Jean-Claude Vannier</span>. Was die sonstigen Regeln angeht: Beim Verfassen dieser Zeile wurde ich gefragt, warum ich nicht ein einziges Album zum Sieger k\u00fcre. Die Erkl\u00e4rung ist einfach: Was mir heute gef\u00e4llt, kann morgen schon st\u00f6ren \u2013 und andersherum. Es gibt (abgesehen von <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span>) nicht die falsche Musik. Es gibt nur die falsche Stimmung.</p>\n<p>Ich hoffe, ich bilde auch diesmal wieder ein breites Spektrum derselben ab.</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Die Liste</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/\u0417\u043b\u0443\u0440\u0430\u0434-\u0412\u043e-\u0431\u043b\u0430\u0433\u043e-\u0437\u043b\u0443.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_\u0417\u043b\u0443\u0440\u0430\u0434-\u0412\u043e-\u0431\u043b\u0430\u0433\u043e-\u0437\u043b\u0443.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">\u0417\u043b\u0443\u0440\u0430\u0434 \u2013 \u0412\u043e \u0431\u043b\u0430\u0433\u043e \u0437\u043b\u0443</span>\n<p>Um meinem sorgsam gepflegten Ruf als <em>Putinversteher</em> geb\u00fchrend Respekt zu zollen, beginne ich diese Liste mit \u201e\u0412\u043e \u0431\u043b\u0430\u0433\u043e \u0437\u043b\u0443\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">\u0417\u043b\u0443\u0440\u0430\u0434</span>, was Russisch ist und \u201eZlurad\u201c hei\u00dft, wobei es sich vermutlich um einen Eigennamen handelt, den zu \u00fcbersetzen wenig Sinn erg\u00e4be. Korrekterweise handelt es sich bei der Band um eine russische.</p>\n<p>Der Mitglieder hat sie f\u00fcnf, wovon vier auch mal singen, wovon eines, <span class=\"musik-review-bandname\">Violetta Postnova</span>, \u00fcberhaupt keine andere Aufgabe hat. Worum es in den Texten geht, wei\u00df ich nicht, denn sie werden nicht nur sehr unsanft vorgetragen, sondern ich verstehe auch die Sprache nicht. Musikalisch ist das Album <em>v\u00f6llig irre</em>. Der Reklametext zum Album (von mir \u00fcbersetzt) fasst es so zusammen:</p>\n<blockquote><p>Alle wilden Tiere in einem Moshpit \u2013 man kann Schreie und Fl\u00fcstern h\u00f6ren, Stimmen von Mann und Frau, punkige Melodien und Explosionen. Halsbrecherischer Fastcore trifft auf Sludge, rituelle Perkussion und Mantrages\u00e4nge.</p></blockquote>\n<p>Ich h\u00f6re Brachialpunkrock mit Horn und Trompete. Hui!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/\u0412\u043e-\u0431\u043b\u0430\u0433\u043e-\u0437\u043b\u0443-\u0417\u043b\u0443\u0440\u0430\u0434/dp/B07MFRZDRL/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;http://zlurad.bandcamp.com/album/-\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/102780298\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/stonefield-bent.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_stonefield-bent.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Stonefield \u2013 BENT</span>\n<p>Da bereits jetzt die weniger Hartgesottenen unter meinen Lesern die Flucht ergriffen haben d\u00fcrften, k\u00f6nnen wir wenigen Verbliebenen das, was noch vor uns liegt, wenigstens unter uns genie\u00dfen. Daf\u00fcr greifen wir umgehend in eine ganz andere Schublade. Konstant bleibt allerdings, welchem Geschlecht der Gesang zuf\u00e4llt: Alle Mitglieder von <span class=\"musik-review-bandname\">Stonefield</span> sind Frauen.</p>\n<p>Um noch etwas pr\u00e4ziser zu werden und weil\u2019s <em>das Internet</em> bewegt: Es handelt sich um vier Schwestern aus Australien. Dem Vernehmen nach ist das Band zwischen Schwestern ein Leben lang gefestigt, was die Ausdauer erkl\u00e4rt. \u201eBENT\u201c ist immerhin bereits ihr viertes Album. Aufgewachsen seien die vier Musikerinnen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span>, deren St\u00fcck \u201eWhole Lotta Love\u201c ihnen, <span class=\"musik-review-bandname\">Stonefield</span>, in einer Neuaufnahme, glaubt man dem H\u00f6rensagen, erste gr\u00f6\u00dfere Bekanntschaft eingebracht habe, und vergleichbaren K\u00fcnstlern. Es ist daher kaum erstaunlich, dass auch auf \u201eBENT\u201c vor allem der Musik aus \u00e4lterer Zeit gehuldigt wird.</p>\n<p>\u201eWie eine Mischung aus 80er-Pop und okkultem Doom\u201c lautete eine Beschreibung eines Rezensenten <em>im Internet</em>. Ich habe keine Ahnung, was okkulter Doom ist, aber 80er-Pop klingt hier zum Gl\u00fcck nur in Erinnerungen durch. <span class=\"musik-review-bandname\">Stonefield</span>, sich selbst unter anderem mit \u201eHeavy Metal\u201c etikettierend, spielen in meinen Ohren, die selbstredend die einzig ma\u00dfgeblichen sind, vor allem Stoner Rock, allerdings in der melodi\u00f6sen Retrorock\u2011, nicht in der Bretterspielart. Nicht, dass sie das nicht <em>k\u00f6nnten</em>, wie schon die Eruption in \u201eDead Alive\u201c deutlich belegt; aber sie <em>m\u00fcssen</em> nicht. Selten war heuriger 70er-Orgelrock besser eingebunden, selten empfahl ich ein Album dieser Kategorie lieber.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Erneut gibt es einen Komplettstream auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/BENT-Stonefield/dp/B07RX6Q4MB/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://stonefield.bandcamp.com/album/bent\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/111052448\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/black-midi-schlagenheim.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_black-midi-schlagenheim.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">black midi \u2013 Schlagenheim</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThey find different ways to suck themselves off.\u201c</span> (bmbmbm)\n<p>Darf man Dinge gut finden, die die meisten anderen H\u00f6rer auch gut finden? Ich finde: In diesem Fall <em>sollte</em> man das sogar, denn es \u00e4rgert die Richtigen. Ich mag es, wenn die Richtigen ge\u00e4rgert werden.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">black midi</span>, eine Gruppe von vier Londonern, die jeweils ungef\u00e4hr 19 Jahre alt sind, haben mit \u201eSchlagenheim\u201c \u201eim Jahr 2019 nach Christus\u201c (\u201eZEIT ONLINE\u201c) ein Album ver\u00f6ffentlicht, das auch langweiligen Kritikern (\u201eZEIT ONLINE\u201c) gef\u00e4llt. Der einzige Verriss, den ich w\u00e4hrend meiner (wenn auch: kurzen) Presseschau finden konnte, wurde von Daniela Weinmann, Liedautorin der mir unbekannten Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Odd Beholder</span>, in die Schweizer \u201eWOZ\u201c <a href="\&quot;https://static.woz.ch/1928/black-midi/in-kaputter-gesellschaft\&quot;" data-wpel-link="internal">reingeschrieben:</a></p>\n<blockquote><p>So wie <span class=\"musik-review-bandname\">Rammstein</span> keine Nazis sein m\u00f6gen, sind <span class=\"musik-review-bandname\">Black Midi</span> wahrscheinlich keine Incels, also keine misogynen Nerds, die sich das Patriarchat zur\u00fcckw\u00fcnschen. Dennoch k\u00f6nnten sie von den problematischen Frauenbildern in ihren Lyrics finanziell profitieren.</p></blockquote>\n<p>Ich f\u00fcr meinen Teil profitiere von problematischen Rezensionen, denn sie legen mir mitunter gute Musik nahe. \u201eSchlagenheim\u201c ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr.</p>\n<p>Das auffallendste Element der Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">black midi</span> scheinen Stimme und Akzent des S\u00e4ngers <span class=\"musik-review-bandname\">Geordie Greep</span> zu sein. Musikalisch ist die Bandbreite eine vergleichsweise gro\u00dfe: so ist etwa \u201e953\u201c ein St\u00fcck aus explosivem Noiserock, durchs\u00e4t von klanglichem Widerhaken; das <em>funkig</em>-ruhige \u201eSpeedway\u201c folgt einem <span class=\"musik-review-bandname\">crimsonesquen</span> Gitarrengrundmuster (man ziehe sich zum Vergleich etwa letztgenannter Gruppe 80er-Werk rein); das Titelst\u00fcck \u201eOf Schlagenheim\u201c wiederum l\u00e4sst den Industrial wieder aufleben. Selbst \u201ebmbmbm\u201c, das um Audioaufnahmen der hysterischen Nikki Grahame (\u201eBig Brother\u201c) herum gesponnen wurde, ist mit dem expressiven, sich ins ebenso Irre steigernden Gesang und den gut abgestimmten Instrumentalausbr\u00fcchen mehr als eine blo\u00dfe Provokation.</p>\n<p>Mit \u201eDucter\u201c endet \u201eSchlagenheim\u201c mit nerv\u00f6ser 80er-Elektronik und damit genau so, wie man es nicht erwartet h\u00e4tte. Grandios!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Bandcamp.com <a href="\&quot;https://bmblackmidi.bandcamp.com/album/schlagenheim\&quot;" data-wpel-link="internal">hier</a>, TIDAL <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/111200967\&quot;" data-wpel-link="internal">dort.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/mindspeak-eclipse-chaser.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_mindspeak-eclipse-chaser.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">MindSpeak \u2013 Eclipse Chaser</span>\n<p>Erneut wechseln wir Land und Stil.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">MindSpeak</span> haben eine bl\u00f6de Binnenmajuskel, kommen aus Wien und ihr aktuelles Album \u201eEclipse Chaser\u201c l\u00fcgt mich an. Die drei St\u00fccke hei\u00dfen \u201eWhen Giants Cry\u201c, \u201eTetrachrome\u201c und \u201eThe Human Element\u201c (wobei letzteres St\u00fcck sechs Teile zu haben vorgibt) und auch das Album hat einen eher astronomischen Titel, aber es ist gar kein Spacerock. Tz, \u00d6sterreicher!</p>\n<p>Stattdessen h\u00f6re ich Stoner Rock und Retroprog, zum Teil sogar <em>gleichzeitig</em>, wobei von zweiterem Stil insbesondere der pr\u00e4gende Bass adaptiert wurde. Moment: Drei St\u00fccke? Ja, und lang sind sie auch noch! Wieder so ein Album also, das eher nicht im Radio gespielt werden wird. Woran man das erkenne, wurde ich gefragt \u2013 und die L\u00e4nge mag ein Argument sein. Da passt ja gar keine Werbung rein. Fast zwanzig Minuten lang passiert allerdings auf \u201eEclipse Chaser\u201c nicht viel, in der zweiten H\u00e4lfte des zweiten St\u00fccks \u201eTetrachrome\u201c geht es erstmals, jedenfalls instrumental, <em>zur Sache</em>.</p>\n<p>S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Viktoria Simon-Lukic</span> \u2013 wie man in Wien halt so hei\u00dft \u2013 macht ihre Sache insgesamt gut; sie ist <em>mit pers\u00f6nlich</em> stellenweise etwas zu glatt und wenig kraftvoll, \u00fcberzeugt aber auch mal mit \u00fcberraschenden Melodien, was sich also insgesamt die Waage h\u00e4lt.</p>\n<p>Man merkt: Ich bin nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig begeistert \u2013 aber ich halte \u201eEclipse Chaser\u201c noch immer f\u00fcr eines der h\u00f6renswerteren Alben des zweiten Halbjahrs. (Es erschien bereits im Juni, aber wir wollen ja nicht <em>immer</em> nur kleinlich sein.) Es m\u00f6ge auch unter meinen Lesern Menschen erreichen, die es nicht f\u00fcr wegwerfenswert halten.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Eclipse-Chaser-MindSpeak/dp/B081927KFZ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (Schnipsel), <a href="\&quot;https://mindspeak.bandcamp.com/album/eclipse-chaser\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> (Komplettstream), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/122155202\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (auch).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/brighteye-brison-v.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_brighteye-brison-v.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Brighteye Brison \u2013 V</span>\n<p>Schon wieder so ein Format! Das Wichtigste zuerst: Auf \u201eV\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Brighteye Brison</span> aus Stockholm, was man auch h\u00f6rt, sind schon wieder nur drei St\u00fccke drauf, deren L\u00e4nge jeweils zwischen zw\u00f6lfeinhalb und fast 37 (siebenunddrei\u00dfig!) Minuten liegt. So muss das sein!</p>\n<p>Die ersten zweieinhalb Minuten des Albums weisen wabernde Elektronik auf, wie sie sp\u00e4ter an anderen Stellen, etwa in der Mitte des Titelst\u00fccks \u201eV\u201c, immer mal wieder zu h\u00f6ren sein wird. Der Teil danach aber hat es in sich: Zun\u00e4chst zur\u00fcckhaltend, dann druckvoller ert\u00f6nt eine deutliche Erinnerung an <span class=\"musik-review-bandname\">Starcastle</span> (beziehungsweise, weil diese selbst eine Art <em>US-amerikanische <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span></em> waren, <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>). Die <em>besseren</em> Siebziger sind bei <span class=\"musik-review-bandname\">Brighteye Brison</span> st\u00e4ndig zugegen.</p>\n<p>Darum wird ab dem zweiten St\u00fcck \u201eV\u201c per akustischer S\u00e4nfte auch ein Mellotron in die mellotronentw\u00f6hnten Ohren getragen. Mehr noch: Dasselbe St\u00fcck l\u00e4sst bei ansteigender Abspieldauer auch den Gesang, parallel laufend, mehrstimmig erklingen, was nebenbei <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> anklingen l\u00e4sst, weil wir Menschen einfach gestrickte Wesen sind und mit nicht chorartiger Mehrstimmigkeit <em>immer</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> verbinden. Es passt eben auch <em>ganz gut</em> ins bis dahin Geh\u00f6rte.</p>\n<p>Das abschlie\u00dfende St\u00fcck, \u201eThe Magician Chronicles \u2013 Part II\u201c, scheint schon aufgrund seiner L\u00e4nge ein strukturell wichtiges zu sein, zumal es der Untertitel des Albums ist. Leider kenne ich Teil 1 von 2011, das wohl ein ganzes Album war, bisher nicht, es soll aber <em>ganz gut</em> <a href="\&quot;https://www.betreutesproggen.de/pnl/index.htm?/pnl/cd74_21.htm\&quot;" data-wpel-link="internal">gewesen sein.</a> Es befindet sich mancher AOR in ihm, allerdings wenigstens der <em>bessere</em> AOR (ich denke an <span class=\"musik-review-bandname\">Circa:</span>), auch scheint hier und da der Canterbury Sound durch.</p>\n<p><em>Im Internet</em> wird dem Album eine eher durchschnittliche Bewertung zuteil: Es sei \u201emitunter zu austauschbar und beliebig\u201c, was sicherlich auch daran liegt, dass man in der gegebenen Stilrichtung nur bedingt neue Wege beschreiten kann, ohne am Ende am v\u00f6llig falschen Ort zu landen. Zum Gl\u00fcck bin ich nicht <em>das Internet</em> und vergebe auch keine Punkte. Mir gef\u00e4llt\u2019s. So.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Stream  und Kauf (leider nur als Download und/oder CD) gibt es per <a href="\&quot;https://brighteyebrison.bandcamp.com/album/v\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> und <a href="\&quot;https://www.amazon.de/V-Brighteye-Brison/dp/B07SRL2LDJ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, das \u00fcbliche Nur-Streaming-Ged\u00f6ns <em>nat\u00fcrlich</em> wie \u00fcblich auch auf <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/110813839\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/oiseaux-tempete-from-somewhere-inside.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_oiseaux-tempete-from-somewhere-inside.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Oiseaux-Temp\u00eate \u2013 From Somewhere Invisible</span>\n<p>Aufmerksame wiederkehrende Leser vermissen an dieser Stelle wom\u00f6glich bereits eine dieser skurrilen franz\u00f6sischen Musikgruppen, die ich sonst relativ wortgewaltig w\u00fcrdige. Haben sie etwa seit der letzten R\u00fcckschau kaum etwas ver\u00f6ffentlicht, was der Rede wert w\u00e4re? Doch, nat\u00fcrlich haben sie das \u2013 und hier kommt auch schon eine solche!</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Oiseaux-Temp\u00eate</span> n\u00e4mlich, man kann es am Namen erkennen, ist ein Quintett (das nicht) aus Frankreich (das schon). Das n\u00e4chste Album ist bereits angek\u00fcndigt worden, es soll im Februar 2020 erscheinen. Heute ist aber erst mal \u201eFrom Somewhere Invisible\u201c von Oktober 2019 dran. Einer der beiden Gitarristen von <span class=\"musik-review-bandname\">Oiseaux-Temp\u00eate</span> nennt sich <span class=\"musik-review-bandname\">Mondkopf</span>. Ich mag das.</p>\n<p>Zu den f\u00fcnf Mitgliedern gesellen sich eine Violinistin und ein Bediener von Synthesizer sowie elektronischem Buzuk als G\u00e4ste. Da ich keine Ahnung habe, wie ein elektronischer Buzuk zu klingen hat, finde ich das Album bereits beim Lesen der Besetzungsliste interessant. Und h\u00f6re da: Ich ward nicht entt\u00e4uscht. Ich h\u00f6re <em>irgendwas zwischen</em> Kammermusik und Postrock. <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave</span> trifft <span class=\"musik-review-bandname\">broken.heart.collector</span> trifft die wilden Gitarrenausbr\u00fcche der neueren <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>. \u201eThe Naming of a Crow\u201c ist gesprochener Text zu Streichmusik, ab etwa sieben Minuten kommt ein orientalisches <em>flair</em> hinzu.</p>\n<p>F\u00fcr Freunde des Widerklangs ist \u201eFrom Somewhere Invisible\u201c eines der besten Alben des Jahres \u2013 und f\u00fcr diejenigen, die meinen Geschmack teilen, sowieso.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren und/oder kaufen:</span> Nat\u00fcrlich geht das auf <a href="\&quot;https://oiseaux-tempete.bandcamp.com/album/from-somewhere-invisible\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, aber auch auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Somewhere-Invisible-Lp-Vinyl-LP/dp/B07Y1WQNF3/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/120672419\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/glutton-eating-music.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_glutton-eating-music.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Glutton \u2013 Eating Music</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSo I watch you from afar, but I don\u2019t mind a second time.\u201c</span> (Pinhole)\n<p>\u201eEating Music\u201c ist ein hektisches Album und das finde ich gut. Seine Interpreten von <span class=\"musik-review-bandname\">Glutton</span> nebst sieben bis acht Gastmusikern (je nachdem, ob man den abgetretenen Keyboarder <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c5smund R. S\u00e6b\u00f8e</span> nun noch als Mitglied z\u00e4hlt oder nicht), von denen wenigstens einer, der Streicher <span class=\"musik-review-bandname\">Kari R\u00f8nnekleiv</span>, als Orchestermusiker auch bereits mit <span class=\"musik-review-bandname\">Sunn O)))</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span> gemeinsam musiziert hat, sind in Norwegen heimisch, wo man sich erfahrungsgem\u00e4\u00df auskennt mit der Kunst, Gutes hervorzubringen.</p>\n<p>\u201eEating Music\u201c, \u201eeine klare Empfehlung f\u00fcr Liebhaber eines Alternative-orientierten Prog mit Ecken und Kanten\u201c (Jochen Rindfrey), sortiere ich musikalisch zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Umphrey\u2019s McGee</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span> und (schon wieder) <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> ein, aber ich habe auch weder Geschmack noch Ahnung, wie mir gelegentlich mitgeteilt wird, weshalb das erst mal als Richtschnur untauglich ist. Man erlaube mir zwei der neun St\u00fccke beispielhaft herauszugreifen:</p>\n<p>\u201eThe Tomb of the Unknown Ontonaut\u201c ist eines der drei St\u00fccke, in denen die vier Gastbl\u00e4ser an Waldhorn, Posaune, Euphonium und Trompete ebenso auftreten wie <span class=\"musik-review-bandname\">Trond Gjellum</span> an Perkussion und Synthesizer. Diese f\u00fcr Rockmusik eher ungew\u00f6hnliche Besetzung sorgt nicht nur f\u00fcr sch\u00f6ne Melodien, sondern auch daf\u00fcr, dass man noch genauer hinh\u00f6rt als ohnehin schon. So kann man das prima Zusammenspiel von mehrstimmigem Gesang, Progressive Rock und Bl\u00e4sern noch aufmerksamer genie\u00dfen. Dem entgegen steht das abschlie\u00dfende \u201eSpace &amp; Our Hearts\u201c: Zum wiederholten, aber letzten Mal wird die musikalische Atmosph\u00e4re mit immer mehr Schichten verdichtet, freiformatig wuseln allerlei Instrumente, wohl \u00fcberwiegend aus Synthesizern und/oder Keyboards gewonnen, unter einer Rockklimax. Das Album klingt sanft aus wie eine Welle bei Ebbe und man w\u00fcrde es gern sofort noch mal h\u00f6ren, aber es gibt noch so viele andere Alben. Mache ich also sp\u00e4ter.</p>\n<p>So lange k\u00f6nnt ihr das ja f\u00fcr mich \u00fcbernehmen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Ich h\u00e4tte <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Eating-Music-Glutton/dp/B07R9SJZ2L/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://glutton.bandcamp.com/album/eating-music\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/108385195\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> im Angebot. Greift zu!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/sleater-kinney-the-center-wont-hold.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_sleater-kinney-the-center-wont-hold.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sleater-Kinney \u2013 The Center Won\u2019t Hold</span>\n<p>Bei <span class=\"musik-review-bandname\">Sleater-Kinney</span> handelt es sich um eine dieser Gruppen, die mir zum ersten Mal medial aufgefallen sind, als die Schlagzeugerin ihren Ausstieg bekanntgab, was von einem hier nicht weiter erw\u00e4hnenswerten Musikmagazin unn\u00f6tig umst\u00e4ndlich weitergetragen wurde. Auf \u201eThe Center Won\u2019t Hold\u201c ist sie aber noch dabei, so dass es sich hier um ein Damentrio mit zwei Gitarren und einem Schlagzeug handelt.</p>\n<p>Das hier Geh\u00f6rte klingt britisch, kommt aber zusammen mit der Band aus Olympia, Washington. Man kennt ja diese Musik, bei der man zun\u00e4chst denkt: Ah, britischer Punk! Ist das hier aber nicht. Wobei: Eigentlich ist es nicht mal wirklich Punk, sondern nur etwas \u00e4hnliches. Etwas besseres, wie ich meine.</p>\n<p>Es dauert etwas \u00fcber zwei Minuten, bevor <span class=\"musik-review-bandname\">Sleater-Kinney</span> im er\u00f6ffnenden Titelst\u00fcck die interessant schleppende Elektronik, mit der sie das Album einleiten, durch krachenden, elektronisch verzierten Indierock mit deutlicher Punkschlagseite ersetzen, den sie erfreulich konsequent durchhalten, was nicht mal das balladesque \u201eRestless\u201c zunichte machen kann. Dass das stilbedingt einen etwas einfallslosen Schlagzeugrhythmus mit sich bringt, f\u00e4llt nur auf, wenn man darauf achtet, und selbst dann nur in wenigen Momenten. \u00dcberwiegend ist aber nichts zu h\u00f6ren au\u00dfer nach vorn preschender Spa\u00df machender Musik von \u00fcberzeugt Spielfreude vermittelnden Musikerinnen. Ich hei\u00dfe das gut.</p>\n<p>Mit dem ruhigen Klavierst\u00fcck \u201eBroken\u201c, dessen zerbrechlicher Gesang selbst einem abgeh\u00e4rteten alten Sack wie mir eine angenehme G\u00e4nsehaut verpasst, klingt \u201eThe Center Won\u2019t Hold\u201c schlie\u00dflich aus. Ein Narr, wen das kalt l\u00e4sst.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/115095739\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, (zurzeit auszugsweise, Stand: 29. Dezember 2019) <a href="\&quot;https://sleaterkinney.bandcamp.com/album/the-center-wont-hold\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, h\u00e4ppchenhaft auch <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Center-Wont-Hold-Sleater-Kinney/dp/B07SZXZGLT/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/yellow-eyes-rare-field-ceiling.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_yellow-eyes-rare-field-ceiling.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Yellow Eyes \u2013 Rare Field Ceiling</span>\n<p>Noch mehr auf die Pauke hauen <span class=\"musik-review-bandname\">Yellow Eyes</span> aus New York, deren f\u00fcnftes Album \u201eRare Field Ceiling\u201c, erschienen im Juni 2019, gem\u00e4\u00df dem Pressetext ihr bislang <em>k\u00e4ltestes</em> sei. Ich hatte Black Metal bisher nicht mit emotionaler Hitze in Verbindung gebracht, insofern kann das durchaus sein.</p>\n<p>Das Album klingt nun auch genau so, wie wir Banausen uns Black Metal eben so vorstellen: Rohe Herren wirbeln, kloppen und scheppern sich durch die Musik, dazu br\u00fcllt jemand heiser eigentlich v\u00f6llig bekloppte, aber kaum verst\u00e4ndliche und darum <em>nicht so schlimme</em> Texte; <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eThe glint above the swollen tree / The shrimp inside the pillowcase\u201c</span> (\u201eNo Dust\u201c) \u2013 na dann!</p>\n<p>Und das \u00c4rgerlichste an diesem Album: Es gef\u00e4llt mir. Es tut genau das, was diese Musikrichtung tun soll: Es <em>geht gut ab</em>. Dass <em>das Internet</em> behauptet, <span class=\"musik-review-bandname\">Yellow Eyes</span> seien auch handwerklich \u00fcberdurchschnittlich gut, sei <em>dem Internet</em> verg\u00f6nnt. Sicher: Ein paar Finessen nehme ich in der Klangwucht selbst wahr, etwa den durchaus gelungenen \u00dcbergang zwischen \u201eWarmth Trance Reversal\u201c und \u201eNo Dust\u201c und den Spannungsaufbau in den Momenten, in denen man die gar nicht immer belanglosen Gitarrenmelodien selbst wahrnehmen darf. F\u00fcnf der sechs St\u00fccke, das den Stil brechende, weil z\u00e4h dahinflie\u00dfende <em>outro</em> \u201eMaritime Flare\u201c ausgenommen, sind \u00fcber sieben Minuten lang, es bleibt somit hinreichend viel Zeit zum Genuss.</p>\n<p>Aber muss man Musik denn immer mit einem Monokel im Gesicht und einem Cognac im Glas genie\u00dfen? \u201eRare Field Ceiling\u201c schreit nach Sitztanz mit Dosenbier. Mal sehen, was sich machen l\u00e4sst.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://yelloweyes.bandcamp.com/album/rare-field-ceiling\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/108899632\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Rare-Field-Ceiling-Yellow-Eyes/dp/B07RNDYM4D/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/we-lost-the-sea-triumph-disaster.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_we-lost-the-sea-triumph-disaster.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">We Lost The Sea \u2013 Triumph &amp; Disaster</span>\n<p>Was dieser Liste noch dringend fehlt, ist eine ordentliche Dosis instrumentalen Postrocks. Da kommen <span class=\"musik-review-bandname\">We Lost The Sea</span> gerade recht, die in meinen Ausf\u00fchrungen bisher, sofern ich das richtig archiviert habe, nur <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/04/we-lost-the-sea-a-gallant-gentleman-aprilscherzkater/\&quot;" data-wpel-link="internal">als Montagsmusik</a> eine auffallende Rolle spielten.</p>\n<p>Es handelt sich um ein australisches Sextett mit drei Gitarren, das ich 2017 auch schon mal \u2013 damals gemeinsam mit seinen Landsleuten von <span class=\"musik-review-bandname\">Dumbsaint</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Meniscus</span> \u2013 live gesehen habe, das aber von der brachialen Wucht letzterer Gruppe schlicht weggeblasen wurde. Da ich <span class=\"musik-review-bandname\">Meniscus</span> aber mal wieder aus den Augen verloren habe, kommen <span class=\"musik-review-bandname\">We Lost The Sea</span> mir dieses Jahr durchaus gelegen.</p>\n<p>Pr\u00e4sentiert werden weitgehend kantenarme Gitarrenlandschaften, wobei die aufget\u00fcrmten <em>walls of sound</em> im stil\u00fcblichen Spiel von Laut und Leise hier kaum eine Rolle spielen. <span class=\"musik-review-bandname\">We Lost The Sea</span> versuchen es stattdessen mit ausgedehnten Melodieverschrankungen \u2013 das l\u00e4ngste St\u00fcck \u201eTowers\u201c ist eine Viertelstunde lang \u2013 und nur selten (\u201eDust\u201c) elektronischer Effektw\u00fcrze. Etwas aus dem Rahmen f\u00e4llt das abschlie\u00dfende \u201eMother\u2019s Hymn\u201c, getextet und gesungen von <span class=\"musik-review-bandname\">Louise Nutting</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Wartime Sweethearts</span>), dessen Emotionalit\u00e4t mit der dichten Instrumentierung, Trompete eingeschlossen, vorz\u00fcglich harmoniert. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eAre we really too late?\u201c</span> Nein, seid ihr nicht \u2013 ihr seid im perfekten Moment genau am richtigen Ort.</p>\n<p>Danke daf\u00fcr.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Noch mal <a href="\&quot;https://welostthesea.bandcamp.com/album/triumph-disaster\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, noch mal <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/117967414\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, noch mal <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Triumph-Disaster-We-Lost-Sea/dp/B07XX2CQY5/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/kokomo-totem-youth.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_kokomo-totem-youth.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">kokomo \u2013 Totem Youth</span>\n<p>Ich weigere mich, dieser Art von Musik ein schlichtes Etikett zu verpassen. Am Ende k\u00e4me da wieder nur so ein langweiliges Wort wie \u201ePostrock\u201c heraus und das hatten wir ja gerade erst.</p>\n<p>Nein, dem Duisburger Quintett <span class=\"musik-review-bandname\">kokomo</span> \u2013 auf gar keinen Fall zu verwechseln mit der britischen Soulgruppe gleichen Namens \u2013 wohnt eine Energie inne, die zu beschreiben mir schwer f\u00e4llt. Im Schatten gigantischer Gitarrenw\u00e4nde bauen sie bereits im er\u00f6ffnenden \u201eSterben am Fluss\u201c ein polterndes Belagerungsinstrumentarium auf, das jedes Bauwerk mit W\u00e4nden beliebiger Dicke erschauern lie\u00dfe, wenn Bauwerke erschauern k\u00f6nnten. Texte gibt es abseits von \u201eMelodic Rock Night\u201c nicht, aber Texte schreibe ich selbst schon genug. Obwohl: Sind das Schreie, die in \u201eNarcosis\u201c in der Ferne zu h\u00f6ren sind, oder haben sie einen Text? Ich wei\u00df es nicht und es k\u00fcmmert mich auch nicht. Schade, dass ausgerechnet das St\u00fcck \u201eDer Vogelmann\u201c auch keinen Text hat. Wie auch immer: Ich lasse mich vom Gitarrenarpeggio tragen und wei\u00df noch nicht, wo ich landen werde. G\u00e4nsehaut bis nach Paris. Soll sch\u00f6n sein dort.</p>\n<p>Dass die f\u00fcnf Herren es trotz mancher Erfahrung mit Vergleichbarem immer wieder schaffen, dem Rezensenten eine kurze Entspannung zu g\u00f6nnen, indem sie sich an sanften Melodien versuchen, bevor <em>die perfekte Welle</em> krachend die noch junge Landschaft unter sich begr\u00e4bt, \u00fcberrascht positiv. \u201eTotem Youth\u201c ist bereits das f\u00fcnfte eigene Studioalbum der Gruppe und es hat trotzdem immer noch Feuer. Ein Jammer, so sp\u00e4t erst auf sie aufmerksam geworden zu sein!</p>\n<p>Ein Auge bleibt darum auf sie geworfen. Bis dahin sind sie auch hier etwas f\u00fcrs Ohr.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Na? Richtig: <a href="\&quot;https://kokomoband.bandcamp.com/album/totem-youth\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/122779790\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Totem-Youth-Kokomo/dp/B081N2ZFPC/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/nap-ausgeklingt.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_nap-ausgeklingt.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">NAP \u2013 Ausgeklingt</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWas kommt nun?\u201c</span> (Ausgeklingt)\n<p>Machen wir noch was lustiges, h\u00f6ren wir Musik aus Oldenburg!</p>\n<p>Dort haust das Trio <span class=\"musik-review-bandname\">NAP</span>, dessen zweites Album \u201eAusgeklingt\u201c ein Wortspiel im Namen tr\u00e4gt und mir schon darum gef\u00e4llt. Es klingt aber nicht aus, sondern an, und zwar stilvoll. Das er\u00f6ffnende \u201eAstrojelly\u201c etwa, mit nicht mal vier Minuten L\u00e4nge nach meinem Daf\u00fcrhalten etwas zu kurz geraten, ist ein sch\u00f6nes St\u00fcck Weltraumpsychedelic (instrumental). Wer den Fehler macht, das f\u00fcr den vorherrschenden Stil auf diesem Album zu halten, der ist selbst schuld.</p>\n<p>Das folgende \u201eVoigo\u201c enth\u00e4lt landes\u00fcblich belanglos vorgetragenen Gesang, dazu ert\u00f6nt ein immer noch recht psychedelisch dargebotener Hardrock der alten Schule, bretternde Riffs inklusive. Bei <em>diesem</em> Stil wiederum bleibt die Band mal mit, mal ohne Gesang noch f\u00fcr einige St\u00fccke. Beim Sitzen wird unterdessen eines der beiden Tanzbeine geschwungen, so verlangt es der Rhythmus.</p>\n<p>\u201eAmygdala\u201c, das vorletzte St\u00fcck, bringt etwas Bluesrock (der mich, zugegeben, gegen Ende an die Titelmusik von \u201eALF\u201c erinnert) in das inzwischen deutlich <em>stonernde</em> Album, bevor dieses mit \u201eTreibsand\u201c angemessen riffend, nun ja, ausklingt. <em>Interessante</em> Scheibe also.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Warum nicht mal <a href="\&quot;https://napofficial.bandcamp.com/album/ausgeklingt-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/117255321\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> oder <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Ausgeklingt-Nap/dp/B07VSJGYY4/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>?</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/65daysofstatic-replicr-2019.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_65daysofstatic-replicr-2019.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">65daysofstatic \u2013 replicr, 2019</span>\n<p>Es gab zuvor kein Album namens \u201ereplicr\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">65daysofstatic</span> und vielleicht wird es auch sp\u00e4ter kein Album namens \u201ereplicr\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">65daysofstatic</span> geben. Tats\u00e4chlich hei\u00dft dieses Album \u2013 ihr siebtes Studioalbum \u2013 von <span class=\"musik-review-bandname\">65daysofstatic</span> trotzdem \u201ereplicr, 2019\u201c. Vielleicht beschreibt das das englische Quartett bereits <em>ganz gut</em>.</p>\n<p>F\u00fcr den Rest meiner Leser verliere ich noch ein paar weitere Worte: \u201ereplicr, 2019\u201c enth\u00e4lt St\u00fccke namens \u201estillstellung\u201c, \u201einterference_1\u201c, aber auch \u201e[]lid\u201c und \u201egr[]v\u2011_s\u201c. Wer jetzt aufgrund der merkw\u00fcrdigen Titelschreibung an die neulich vor\u00fcbergegangene, aber meiner Meinung nach auch k\u00fcnftig schwer zu \u00fcbertreffende Serie \u201eMr. Robot\u201c denkt, irrt, denn das ist Zufall.</p>\n<p>Ein wenig Interesse an Elektronik setzen <span class=\"musik-review-bandname\">65daysofstatic</span> bei ihren H\u00f6rern aber trotzdem voraus, denn auf \u201ereplicr, 2019\u201c servieren sie fast eine Dreiviertelstunde lang mal stampfendes (\u201eBad Age\u201c), mal sanft malendes (\u201esister\u201c), mal den Kl\u00e4ngen einer Fabrik huldigendes (\u201egr[]v\u2011_s\u201c), aber immer die Grenze zum Postrock ber\u00fchrendes oder auch \u00fcberschreitendes Instrumentalspiel, womit sie sich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/06/musik-06-2009-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">seit 2009</a> <em>genau richtig</em> ge\u00e4ndert haben, n\u00e4mlich: kaum. Postrock ist immer auch ein Spiel dessen, was bleibt. <span class=\"musik-review-bandname\">65daysofstatic</span> bleiben, ihr Stil bleibt, darum bleibe auch ich.</p>\n<p>Man begleite mich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Kein Bandcamp, daf\u00fcr <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/112851955\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und <a href="\&quot;https://www.amazon.de/replicr-2019-Special-CD-Digipak/dp/B07TKNGD1S/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p>\n<p>Huch, so sp\u00e4t schon? Jetzt aber schnell!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Russian Circles \u2013 Blood Year</span>\n<p>Wie immer bringen <span class=\"musik-review-bandname\">Russian Circles</span> ihre ganz eigene Melange aus Postrock und Industrial hervor \u2013 und immer ist das Ergebnis gro\u00dfartig. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Blood-Year-Russian-Circles/dp/B07RHCG122/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Earth Moves \u2013 Human Intricacy</span>\n<p>Noch ein bisschen Schreimusik gef\u00e4llig? Hier, bittesch\u00f6n! <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Human-Intricacy-Earth-Moves/dp/B07YNS7B4F/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Enablers \u2013 Zones</span>\n<p>Mit Ausnahme des <em>gut abgehenden</em> \u201eSquint\u201c haben <span class=\"musik-review-bandname\">Enablers</span> hier etwas aufgenommen, was eine Art <span class=\"musik-review-bandname\">Slint</span>-Postrock mit <span class=\"musik-review-bandname\">Nick-Cave</span>-esquen <em>vocals</em> ist und mich restlos \u00fcberzeugt. <a href="\&quot;https://enablers.bandcamp.com/album/zones-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Ride \u2013 This Is Not A Safe Place</span>\n<p>New Wave trifft auf Postpunk trifft voll auf meinen Geschmack \u2013 herrlich. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/This-Not-Safe-Place-Ride/dp/B07QXRLHLL/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Cosmic Ground \u2013 cosmic ground 5</span>\n<p>\u201ecosmic ground 5\u201c klingt, als spielten die mittleren <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> in einer futuristischen W\u00fcstenlandschaft einen von Kraftwerk beeinflussten, instrumentalen Nachfolger von \u201eMeddle\u201c ein; einen sehr guten, ohne Zweifel. <a href="\&quot;https://cosmicground.bandcamp.com/album/cosmic-ground-5\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Soulsplitter \u2013 Salutogenesis</span>\n<p>Nach einer an Jazz angelehnten Einf\u00fchrung (\u201eThe Prophecy\u201c) erfreut das deutsche Quartett mit vielen Gastmusikern meine sonst gelegentlich gequ\u00e4lten Ohren mit sinfonischem Retro-Prog/-Metal, der das weite Feld zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Dream Theater</span> nicht unbestellt l\u00e4sst, wobei S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Ophelia T. Sullivan</span> mich in ihrem kontrastbildenden Vortrag mal wieder <span class=\"musik-review-bandname\">Toc.Sin</span> vermissen l\u00e4sst \u2013 aber der Lauf der Dinge ist bekanntlich ein zynischer. <a href="\&quot;https://soulsplitter.bandcamp.com/album/salutogenesis\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">CHORD \u2013 CHORD II</span>\n<p>Die beiden Gitarristen <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Didkovsky</span> (unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Doctor Nerve</span>) und <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Marsan</span> bringen auf dem zweiten gemeinsamen Album <em>live</em>, also ohne Nachbearbeitungen, aufgenommene Instrumentalgewitter hervor, die jeder erkennbaren Struktur \u2013 von wegen Takte! \u2013 stolz trotzen und fast eine Dreiviertelstunde lang mit <em>ordentlich Feedback</em> ein aurales Feuerwerk nach dem n\u00e4chsten z\u00fcnden. <a href="\&quot;https://doctornerve.bandcamp.com/album/chord-ii\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Lingua Nada \u2013 Djinn</span>\n<p>\u201eDjinn\u201c klingt, als w\u00fcrden <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span> versuchen, ein Jazzrockalbum aufzunehmen \u2013 herrlich durcheinander, gro\u00dfartig verspielt, erschreckend <em>tanzbar</em>, einfach gut. <a href="\&quot;https://linguanada.bandcamp.com/album/djinn\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Bad Breeding \u2013 Exiled</span>\n<p>Vielerorts sind die Siebziger mitsamt ihrem Schrammelpunkrock l\u00e4ngst vor\u00fcber, nicht so aber in ihrem Ursprungsland Gro\u00dfbritannien, von wo aus die Anarchopunkband <span class=\"musik-review-bandname\">Bad Breeding</span> 2019 mit \u201eExiled\u201c eine beruhigende Note in die Sorge setzte, es fehle der Musik heutzutage an Rebellion und Wut. <a href="\&quot;https://badbreeding.bandcamp.com/album/exiled\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n</ol>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Was war</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor vierzig Jahren</span> lief in Deutschland neben Punk und Disco auch noch die elektronische (\u201ekosmische\u201c) Musik, wenn auch: langsam aus. Es war daher viel Platz in Studios und vor allem Terminkalendern, um auch ausl\u00e4ndische K\u00fcnstler einzuladen. Die US-amerikanische Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Earthstar</span> nutzte diese Gelegenheit und lie\u00df sich von <span class=\"musik-review-bandname\">Klaus Schulze</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">French Skyline</span> das erste von drei Alben im hiesigen Inland produzieren, das gar nicht klingt, als h\u00e4tte man mit dem Krautrock schon \u00f6rtlich bedingt gar nichts zu tun. Wenige Jahre sp\u00e4ter und wieder zur\u00fcck in den Vereinigten Staaten l\u00f6ste sich die Band wieder auf. Einen Zusammenhang k\u00f6nnte man herbeidenken, aber das lasse ich ausnahmsweise bleiben. Zur\u00fcck bleiben eines der ungew\u00f6hnlicheren Alben aus der Welt der <em>krautigen</em> Klanglandschaften und eine viel zu sp\u00e4te Empfehlung meinerseits.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor drei\u00dfig Jahren</span> widmete <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> seinen Alben \u00fcber langweilige St\u00e4dte (<span class=\"musik-review-album-titel\">Berlin</span>), langweilige Frauen (<span class=\"musik-review-album-titel\">Sally Can\u2019t Dance</span>) und langweilige Ger\u00e4uschverursacher (<span class=\"musik-review-album-titel\">The Bells</span>) mit <span class=\"musik-review-album-titel\">New York</span> endlich der einen Stadt ein Album, mit der man ihn so eng verband wie <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> mit Berlin oder graue Betonkl\u00f6tze mit Hannover. Es wurde sp\u00e4ter als \u201eeines der besten Alben der 80er\u201c bewertet, was f\u00fcr sich genommen noch keine ungef\u00e4hre Qualit\u00e4tsangabe darstellt, enth\u00e4lt aber mit \u201eDirty Blvd.\u201c und \u201eRomeo Had Juliette\u201c zwei derjenigen Lieder im Solowerk des K\u00fcnstlers, deren ungef\u00e4hren Klang man nicht gleich wieder vergisst. M\u00fcsste ich nur ein Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> empfehlen, so schl\u00f6sse ich nicht aus, dass ich dieses hier als eine Empfehlung in Erw\u00e4gung z\u00f6ge. <span class=\"musik-review-bandname\">Moe Tucker</span> ist in zwei St\u00fccken als Perkussionistin zu h\u00f6ren. Aus dem Erfolg dieses Albums speiste sich dem Vernehmen nach die Reunion der <span class=\"musik-review-bandname\">Velvet Underground</span> in den Neunzigern, und mindestens daf\u00fcr geb\u00fchrt ihm meine W\u00fcrdigung.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor zwanzig Jahren</span> endete eine \u00c4ra: Das letzte Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Popol Vuh</span>, <span class=\"musik-review-album-titel\">Messa di Orfeo</span>, erschien. Zwei Jahre sp\u00e4ter starb ihr Gr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Florian Fricke</span> und die Band l\u00f6ste sich auf. Bis dahin, so auch auf diesem letzten Album, war unter ihrem Namen oft esoterische, mitunter religi\u00f6se, immer <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=1u7vzaqITMA\&quot;" data-wpel-link="internal">entspannte</a> Musik erschienen, die den LSD-Konsum ihrer fr\u00fchen musikalischen Wegbegleiter noch jahrzehntelang erahnen lie\u00df. Dass es trotzdem immer den richtigen Moment geben wird, um diese Art von Musik zu genie\u00dfen, m\u00f6ge bitte niemals ein Zustand sein, der zu hinterfragen ist.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor zehn Jahren</span> \u2013 und hier m\u00f6chte ich den Kreis schlie\u00dfen \u2013 hatte ich gerade seit einem Jahr angefangen, Listen dieser Art zu f\u00fchren \u2013 und meine Ausf\u00fchrungen von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/06/musik-06-2009-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Juni</a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Dezember 2009</a> sind, wie ich an dieser Stelle schreiben zu d\u00fcrfen meine, im Jahr 2019 noch immer aktuell. Von <span class=\"musik-review-bandname\">Olli Schulz</span> kenne ich \u00fcbrigens noch immer nichts. Wahrscheinlich ist das auch gut so.</li>\n</ul>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Schlussworte</span></p>\n<p>Ich schlie\u00dfe nicht aus, dass dies das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich der Jahresr\u00fcckschau einen Ritt durch die Geschichte angef\u00fcgt habe. Mir ist aufgefallen, dass man \u00fcber musikalische Jahrzehnte nur bedingt viele verschiedene Aussagen treffen kann. Die Quelle der Ideen, aus der ich sch\u00f6pfen kann, versiegt diesbez\u00fcglich in merklicher Geschwindigkeit. Insofern werde ich k\u00fcnftig immerhin noch mehr Zeit finden, um viel zu sp\u00e4t mit dem Schreiben dieser Listen zu beginnen.</p>\n<p>Wie meist hoffe ich, meine Ausf\u00fchrungen waren auch diesmal wieder wenigstens f\u00fcr einige der hier Eingetroffenen erhellend. Erg\u00e4nzungen bitte ich wie \u00fcblich per Kommentarfunktion zu hinterlassen. Ich bedanke mich f\u00fcr die Aufmerksamkeit und gr\u00fc\u00dfe energisch.</p>\n<p>In etwa einem halben Jahr geht es an gewohnter Stelle weiter. Es m\u00f6ge ein beachtliches Musikjahr 2020 werden!</p>\n<hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/12/musik-12-2019-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/bc0fec2b1186427e8a14d627524e3194\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 23 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickKuckuck, n\u00e4chstes halbes Jahr! Sch\u00fcss, letztes halbes Jahr! Und damit auch: Willkommen zum zweiten Teil der Liste der feinsten Musikalben 2019, so weit sie mein Geschmack eben hergab. Teil 1 wurde im Juli hier und anderswo publiziert, seitdem war ich mal wieder ungeduldig und gab den neuen Studioalben von Cranial, bensnburner und You Guitarprayer Gelegenheit zur Entfaltung.\nEhrenhalber erw\u00e4hnt sei das sehr h\u00f6renswerte, aber keinesfalls durchweg neue und darum disqualifizierte Gemeinschaftsalbum von Mike Patton und Jean-Claude Vannier. Was die sonstigen Regeln angeht: Beim Verfassen dieser Zeile wurde ich gefragt, warum ich nicht ein einziges Album zum Sieger k\u00fcre. Die Erkl\u00e4rung ist einfach: Was mir heute gef\u00e4llt, kann morgen schon st\u00f6ren \u2013 und andersherum. Es gibt (abgesehen von Phil Collins) nicht die falsche Musik. Es gibt nur die falsche Stimmung.\nIch hoffe, ich bilde auch diesmal wieder ein breites Spektrum derselben ab.\n1. Die Liste\n\n\u0417\u043b\u0443\u0440\u0430\u0434 \u2013 \u0412\u043e \u0431\u043b\u0430\u0433\u043e \u0437\u043b\u0443\nUm meinem sorgsam gepflegten Ruf als Putinversteher geb\u00fchrend Respekt zu zollen, beginne ich diese Liste mit \u201e\u0412\u043e \u0431\u043b\u0430\u0433\u043e \u0437\u043b\u0443\u201c von \u0417\u043b\u0443\u0440\u0430\u0434, was Russisch ist und \u201eZlurad\u201c hei\u00dft, wobei es sich vermutlich um einen Eigennamen handelt, den zu \u00fcbersetzen wenig Sinn erg\u00e4be. Korrekterweise handelt es sich bei der Band um eine russische.\nDer Mitglieder hat sie f\u00fcnf, wovon vier auch mal singen, wovon eines, Violetta Postnova, \u00fcberhaupt keine andere Aufgabe hat. Worum es in den Texten geht, wei\u00df ich nicht, denn sie werden nicht nur sehr unsanft vorgetragen, sondern ich verstehe auch die Sprache nicht. Musikalisch ist das Album v\u00f6llig irre. Der Reklametext zum Album (von mir \u00fcbersetzt) fasst es so zusammen:\nAlle wilden Tiere in einem Moshpit \u2013 man kann Schreie und Fl\u00fcstern h\u00f6ren, Stimmen von Mann und Frau, punkige Melodien und Explosionen. Halsbrecherischer Fastcore trifft auf Sludge, rituelle Perkussion und Mantrages\u00e4nge.\nIch h\u00f6re Brachialpunkrock mit Horn und Trompete. Hui!\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, Bandcamp, TIDAL.\nStonefield \u2013 BENT\nDa bereits jetzt die weniger Hartgesottenen unter meinen Lesern die Flucht ergriffen haben d\u00fcrften, k\u00f6nnen wir wenigen Verbliebenen das, was noch vor uns liegt, wenigstens unter uns genie\u00dfen. Daf\u00fcr greifen wir umgehend in eine ganz andere Schublade. Konstant bleibt allerdings, welchem Geschlecht der Gesang zuf\u00e4llt: Alle Mitglieder von Stonefield sind Frauen.\nUm noch etwas pr\u00e4ziser zu werden und weil\u2019s das Internet bewegt: Es handelt sich um vier Schwestern aus Australien. Dem Vernehmen nach ist das Band zwischen Schwestern ein Leben lang gefestigt, was die Ausdauer erkl\u00e4rt. \u201eBENT\u201c ist immerhin bereits ihr viertes Album. Aufgewachsen seien die vier Musikerinnen mit Led Zeppelin, deren St\u00fcck \u201eWhole Lotta Love\u201c ihnen, Stonefield, in einer Neuaufnahme, glaubt man dem H\u00f6rensagen, erste gr\u00f6\u00dfere Bekanntschaft eingebracht habe, und vergleichbaren K\u00fcnstlern. Es ist daher kaum erstaunlich, dass auch auf \u201eBENT\u201c vor allem der Musik aus \u00e4lterer Zeit gehuldigt wird.\n\u201eWie eine Mischung aus 80er-Pop und okkultem Doom\u201c lautete eine Beschreibung eines Rezensenten im Internet. Ich habe keine Ahnung, was okkulter Doom ist, aber 80er-Pop klingt hier zum Gl\u00fcck nur in Erinnerungen durch. Stonefield, sich selbst unter anderem mit \u201eHeavy Metal\u201c etikettierend, spielen in meinen Ohren, die selbstredend die einzig ma\u00dfgeblichen sind, vor allem Stoner Rock, allerdings in der melodi\u00f6sen Retrorock\u2011, nicht in der Bretterspielart. Nicht, dass sie das nicht k\u00f6nnten, wie schon die Eruption in \u201eDead Alive\u201c deutlich belegt; aber sie m\u00fcssen nicht. Selten war heuriger 70er-Orgelrock besser eingebunden, selten empfahl ich ein Album dieser Kategorie lieber.\nReinh\u00f6ren: Erneut gibt es einen Komplettstream auf Amazon.de, Bandcamp und TIDAL.\nblack midi \u2013 Schlagenheim\n\u201eThey find different ways to suck themselves off.\u201c (bmbmbm)\nDarf man Dinge gut finden, die die meisten anderen H\u00f6rer auch gut finden? Ich finde: In diesem Fall sollte man das sogar, denn es \u00e4rgert die Richtigen. Ich mag es, wenn die Richtigen ge\u00e4rgert werden.\nblack midi, eine Gruppe von vier Londonern, die jeweils ungef\u00e4hr 19 Jahre alt sind, haben mit \u201eSchlagenheim\u201c \u201eim Jahr 2019 nach Christus\u201c (\u201eZEIT ONLINE\u201c) ein Album ver\u00f6ffentlicht, das auch langweiligen Kritikern (\u201eZEIT ONLINE\u201c) gef\u00e4llt. Der einzige Verriss, den ich w\u00e4hrend meiner (wenn auch: kurzen) Presseschau finden konnte, wurde von Daniela Weinmann, Liedautorin der mir unbekannten Gruppe Odd Beholder, in die Schweizer \u201eWOZ\u201c reingeschrieben:\nSo wie Rammstein keine Nazis sein m\u00f6gen, sind Black Midi wahrscheinlich keine Incels, also keine misogynen Nerds, die sich das Patriarchat zur\u00fcckw\u00fcnschen. Dennoch k\u00f6nnten sie von den problematischen Frauenbildern in ihren Lyrics finanziell profitieren.\nIch f\u00fcr meinen Teil profitiere von problematischen Rezensionen, denn sie legen mir mitunter gute Musik nahe. \u201eSchlagenheim\u201c ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr.\nDas auffallendste Element der Musik von black midi scheinen Stimme und Akzent des S\u00e4ngers Geordie Greep zu sein. Musikalisch ist die Bandbreite eine vergleichsweise gro\u00dfe: so ist etwa \u201e953\u201c ein St\u00fcck aus explosivem Noiserock, durchs\u00e4t von klanglichem Widerhaken; das funkig-ruhige \u201eSpeedway\u201c folgt einem crimsonesquen Gitarrengrundmuster (man ziehe sich zum Vergleich etwa letztgenannter Gruppe 80er-Werk rein); das Titelst\u00fcck \u201eOf Schlagenheim\u201c wiederum l\u00e4sst den Industrial wieder aufleben. Selbst \u201ebmbmbm\u201c, das um Audioaufnahmen der hysterischen Nikki Grahame (\u201eBig Brother\u201c) herum gesponnen wurde, ist mit dem expressiven, sich ins ebenso Irre steigernden Gesang und den gut abgestimmten Instrumentalausbr\u00fcchen mehr als eine blo\u00dfe Provokation.\nMit \u201eDucter\u201c endet \u201eSchlagenheim\u201c mit nerv\u00f6ser 80er-Elektronik und damit genau so, wie man es nicht erwartet h\u00e4tte. Grandios!\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com hier, TIDAL dort.\nMindSpeak \u2013 Eclipse Chaser\nErneut wechseln wir Land und Stil.\nMindSpeak haben eine bl\u00f6de Binnenmajuskel, kommen aus Wien und ihr aktuelles Album \u201eEclipse Chaser\u201c l\u00fcgt mich an. Die drei St\u00fccke hei\u00dfen \u201eWhen Giants Cry\u201c, \u201eTetrachrome\u201c und \u201eThe Human Element\u201c (wobei letzteres St\u00fcck sechs Teile zu haben vorgibt) und auch das Album hat einen eher astronomischen Titel, aber es ist gar kein Spacerock. Tz, \u00d6sterreicher!\nStattdessen h\u00f6re ich Stoner Rock und Retroprog, zum Teil sogar gleichzeitig, wobei von zweiterem Stil insbesondere der pr\u00e4gende Bass adaptiert wurde. Moment: Drei St\u00fccke? Ja, und lang sind sie auch noch! Wieder so ein Album also, das eher nicht im Radio gespielt werden wird. Woran man das erkenne, wurde ich gefragt \u2013 und die L\u00e4nge mag ein Argument sein. Da passt ja gar keine Werbung rein. Fast zwanzig Minuten lang passiert allerdings auf \u201eEclipse Chaser\u201c nicht viel, in der zweiten H\u00e4lfte des zweiten St\u00fccks \u201eTetrachrome\u201c geht es erstmals, jedenfalls instrumental, zur Sache.\nS\u00e4ngerin Viktoria Simon-Lukic \u2013 wie man in Wien halt so hei\u00dft \u2013 macht ihre Sache insgesamt gut; sie ist mit pers\u00f6nlich stellenweise etwas zu glatt und wenig kraftvoll, \u00fcberzeugt aber auch mal mit \u00fcberraschenden Melodien, was sich also insgesamt die Waage h\u00e4lt.\nMan merkt: Ich bin nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig begeistert \u2013 aber ich halte \u201eEclipse Chaser\u201c noch immer f\u00fcr eines der h\u00f6renswerteren Alben des zweiten Halbjahrs. (Es erschien bereits im Juni, aber wir wollen ja nicht immer nur kleinlich sein.) Es m\u00f6ge auch unter meinen Lesern Menschen erreichen, die es nicht f\u00fcr wegwerfenswert halten.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de (Schnipsel), Bandcamp (Komplettstream), TIDAL (auch).\nBrighteye Brison \u2013 V\nSchon wieder so ein Format! Das Wichtigste zuerst: Auf \u201eV\u201c von Brighteye Brison aus Stockholm, was man auch h\u00f6rt, sind schon wieder nur drei St\u00fccke drauf, deren L\u00e4nge jeweils zwischen zw\u00f6lfeinhalb und fast 37 (siebenunddrei\u00dfig!) Minuten liegt. So muss das sein!\nDie ersten zweieinhalb Minuten des Albums weisen wabernde Elektronik auf, wie sie sp\u00e4ter an anderen Stellen, etwa in der Mitte des Titelst\u00fccks \u201eV\u201c, immer mal wieder zu h\u00f6ren sein wird. Der Teil danach aber hat es in sich: Zun\u00e4chst zur\u00fcckhaltend, dann druckvoller ert\u00f6nt eine deutliche Erinnerung an Starcastle (beziehungsweise, weil diese selbst eine Art US-amerikanische Yes waren, Yes). Die besseren Siebziger sind bei Brighteye Brison st\u00e4ndig zugegen.\nDarum wird ab dem zweiten St\u00fcck \u201eV\u201c per akustischer S\u00e4nfte auch ein Mellotron in die mellotronentw\u00f6hnten Ohren getragen. Mehr noch: Dasselbe St\u00fcck l\u00e4sst bei ansteigender Abspieldauer auch den Gesang, parallel laufend, mehrstimmig erklingen, was nebenbei Gentle Giant anklingen l\u00e4sst, weil wir Menschen einfach gestrickte Wesen sind und mit nicht chorartiger Mehrstimmigkeit immer Gentle Giant verbinden. Es passt eben auch ganz gut ins bis dahin Geh\u00f6rte.\nDas abschlie\u00dfende St\u00fcck, \u201eThe Magician Chronicles \u2013 Part II\u201c, scheint schon aufgrund seiner L\u00e4nge ein strukturell wichtiges zu sein, zumal es der Untertitel des Albums ist. Leider kenne ich Teil 1 von 2011, das wohl ein ganzes Album war, bisher nicht, es soll aber ganz gut gewesen sein. Es befindet sich mancher AOR in ihm, allerdings wenigstens der bessere AOR (ich denke an Circa:), auch scheint hier und da der Canterbury Sound durch.\nIm Internet wird dem Album eine eher durchschnittliche Bewertung zuteil: Es sei \u201emitunter zu austauschbar und beliebig\u201c, was sicherlich auch daran liegt, dass man in der gegebenen Stilrichtung nur bedingt neue Wege beschreiten kann, ohne am Ende am v\u00f6llig falschen Ort zu landen. Zum Gl\u00fcck bin ich nicht das Internet und vergebe auch keine Punkte. Mir gef\u00e4llt\u2019s. So.\nReinh\u00f6ren: Stream  und Kauf (leider nur als Download und/oder CD) gibt es per Bandcamp und Amazon.de, das \u00fcbliche Nur-Streaming-Ged\u00f6ns nat\u00fcrlich wie \u00fcblich auch auf TIDAL.\nOiseaux-Temp\u00eate \u2013 From Somewhere Invisible\nAufmerksame wiederkehrende Leser vermissen an dieser Stelle wom\u00f6glich bereits eine dieser skurrilen franz\u00f6sischen Musikgruppen, die ich sonst relativ wortgewaltig w\u00fcrdige. Haben sie etwa seit der letzten R\u00fcckschau kaum etwas ver\u00f6ffentlicht, was der Rede wert w\u00e4re? Doch, nat\u00fcrlich haben sie das \u2013 und hier kommt auch schon eine solche!\nOiseaux-Temp\u00eate n\u00e4mlich, man kann es am Namen erkennen, ist ein Quintett (das nicht) aus Frankreich (das schon). Das n\u00e4chste Album ist bereits angek\u00fcndigt worden, es soll im Februar 2020 erscheinen. Heute ist aber erst mal \u201eFrom Somewhere Invisible\u201c von Oktober 2019 dran. Einer der beiden Gitarristen von Oiseaux-Temp\u00eate nennt sich Mondkopf. Ich mag das.\nZu den f\u00fcnf Mitgliedern gesellen sich eine Violinistin und ein Bediener von Synthesizer sowie elektronischem Buzuk als G\u00e4ste. Da ich keine Ahnung habe, wie ein elektronischer Buzuk zu klingen hat, finde ich das Album bereits beim Lesen der Besetzungsliste interessant. Und h\u00f6re da: Ich ward nicht entt\u00e4uscht. Ich h\u00f6re irgendwas zwischen Kammermusik und Postrock. Nick Cave trifft broken.heart.collector trifft die wilden Gitarrenausbr\u00fcche der neueren King Crimson. \u201eThe Naming of a Crow\u201c ist gesprochener Text zu Streichmusik, ab etwa sieben Minuten kommt ein orientalisches flair hinzu.\nF\u00fcr Freunde des Widerklangs ist \u201eFrom Somewhere Invisible\u201c eines der besten Alben des Jahres \u2013 und f\u00fcr diejenigen, die meinen Geschmack teilen, sowieso.\nReinh\u00f6ren und/oder kaufen: Nat\u00fcrlich geht das auf Bandcamp, aber auch auf Amazon.de und TIDAL.\nGlutton \u2013 Eating Music\n\u201eSo I watch you from afar, but I don\u2019t mind a second time.\u201c (Pinhole)\n\u201eEating Music\u201c ist ein hektisches Album und das finde ich gut. Seine Interpreten von Glutton nebst sieben bis acht Gastmusikern (je nachdem, ob man den abgetretenen Keyboarder \u00c5smund R. S\u00e6b\u00f8e nun noch als Mitglied z\u00e4hlt oder nicht), von denen wenigstens einer, der Streicher Kari R\u00f8nnekleiv, als Orchestermusiker auch bereits mit Sunn O))), Ulver und Motorpsycho gemeinsam musiziert hat, sind in Norwegen heimisch, wo man sich erfahrungsgem\u00e4\u00df auskennt mit der Kunst, Gutes hervorzubringen.\n\u201eEating Music\u201c, \u201eeine klare Empfehlung f\u00fcr Liebhaber eines Alternative-orientierten Prog mit Ecken und Kanten\u201c (Jochen Rindfrey), sortiere ich musikalisch zwischen Umphrey\u2019s McGee, Ulver und (schon wieder) King Crimson ein, aber ich habe auch weder Geschmack noch Ahnung, wie mir gelegentlich mitgeteilt wird, weshalb das erst mal als Richtschnur untauglich ist. Man erlaube mir zwei der neun St\u00fccke beispielhaft herauszugreifen:\n\u201eThe Tomb of the Unknown Ontonaut\u201c ist eines der drei St\u00fccke, in denen die vier Gastbl\u00e4ser an Waldhorn, Posaune, Euphonium und Trompete ebenso auftreten wie Trond Gjellum an Perkussion und Synthesizer. Diese f\u00fcr Rockmusik eher ungew\u00f6hnliche Besetzung sorgt nicht nur f\u00fcr sch\u00f6ne Melodien, sondern auch daf\u00fcr, dass man noch genauer hinh\u00f6rt als ohnehin schon. So kann man das prima Zusammenspiel von mehrstimmigem Gesang, Progressive Rock und Bl\u00e4sern noch aufmerksamer genie\u00dfen. Dem entgegen steht das abschlie\u00dfende \u201eSpace &amp; Our Hearts\u201c: Zum wiederholten, aber letzten Mal wird die musikalische Atmosph\u00e4re mit immer mehr Schichten verdichtet, freiformatig wuseln allerlei Instrumente, wohl \u00fcberwiegend aus Synthesizern und/oder Keyboards gewonnen, unter einer Rockklimax. Das Album klingt sanft aus wie eine Welle bei Ebbe und man w\u00fcrde es gern sofort noch mal h\u00f6ren, aber es gibt noch so viele andere Alben. Mache ich also sp\u00e4ter.\nSo lange k\u00f6nnt ihr das ja f\u00fcr mich \u00fcbernehmen.\nReinh\u00f6ren: Ich h\u00e4tte Amazon.de, Bandcamp und TIDAL im Angebot. Greift zu!\nSleater-Kinney \u2013 The Center Won\u2019t Hold\nBei Sleater-Kinney handelt es sich um eine dieser Gruppen, die mir zum ersten Mal medial aufgefallen sind, als die Schlagzeugerin ihren Ausstieg bekanntgab, was von einem hier nicht weiter erw\u00e4hnenswerten Musikmagazin unn\u00f6tig umst\u00e4ndlich weitergetragen wurde. Auf \u201eThe Center Won\u2019t Hold\u201c ist sie aber noch dabei, so dass es sich hier um ein Damentrio mit zwei Gitarren und einem Schlagzeug handelt.\nDas hier Geh\u00f6rte klingt britisch, kommt aber zusammen mit der Band aus Olympia, Washington. Man kennt ja diese Musik, bei der man zun\u00e4chst denkt: Ah, britischer Punk! Ist das hier aber nicht. Wobei: Eigentlich ist es nicht mal wirklich Punk, sondern nur etwas \u00e4hnliches. Etwas besseres, wie ich meine.\nEs dauert etwas \u00fcber zwei Minuten, bevor Sleater-Kinney im er\u00f6ffnenden Titelst\u00fcck die interessant schleppende Elektronik, mit der sie das Album einleiten, durch krachenden, elektronisch verzierten Indierock mit deutlicher Punkschlagseite ersetzen, den sie erfreulich konsequent durchhalten, was nicht mal das balladesque \u201eRestless\u201c zunichte machen kann. Dass das stilbedingt einen etwas einfallslosen Schlagzeugrhythmus mit sich bringt, f\u00e4llt nur auf, wenn man darauf achtet, und selbst dann nur in wenigen Momenten. \u00dcberwiegend ist aber nichts zu h\u00f6ren au\u00dfer nach vorn preschender Spa\u00df machender Musik von \u00fcberzeugt Spielfreude vermittelnden Musikerinnen. Ich hei\u00dfe das gut.\nMit dem ruhigen Klavierst\u00fcck \u201eBroken\u201c, dessen zerbrechlicher Gesang selbst einem abgeh\u00e4rteten alten Sack wie mir eine angenehme G\u00e4nsehaut verpasst, klingt \u201eThe Center Won\u2019t Hold\u201c schlie\u00dflich aus. Ein Narr, wen das kalt l\u00e4sst.\nReinh\u00f6ren: TIDAL, (zurzeit auszugsweise, Stand: 29. Dezember 2019) Bandcamp, h\u00e4ppchenhaft auch Amazon.de.\nYellow Eyes \u2013 Rare Field Ceiling\nNoch mehr auf die Pauke hauen Yellow Eyes aus New York, deren f\u00fcnftes Album \u201eRare Field Ceiling\u201c, erschienen im Juni 2019, gem\u00e4\u00df dem Pressetext ihr bislang k\u00e4ltestes sei. Ich hatte Black Metal bisher nicht mit emotionaler Hitze in Verbindung gebracht, insofern kann das durchaus sein.\nDas Album klingt nun auch genau so, wie wir Banausen uns Black Metal eben so vorstellen: Rohe Herren wirbeln, kloppen und scheppern sich durch die Musik, dazu br\u00fcllt jemand heiser eigentlich v\u00f6llig bekloppte, aber kaum verst\u00e4ndliche und darum nicht so schlimme Texte; \u201eThe glint above the swollen tree / The shrimp inside the pillowcase\u201c (\u201eNo Dust\u201c) \u2013 na dann!\nUnd das \u00c4rgerlichste an diesem Album: Es gef\u00e4llt mir. Es tut genau das, was diese Musikrichtung tun soll: Es geht gut ab. Dass das Internet behauptet, Yellow Eyes seien auch handwerklich \u00fcberdurchschnittlich gut, sei dem Internet verg\u00f6nnt. Sicher: Ein paar Finessen nehme ich in der Klangwucht selbst wahr, etwa den durchaus gelungenen \u00dcbergang zwischen \u201eWarmth Trance Reversal\u201c und \u201eNo Dust\u201c und den Spannungsaufbau in den Momenten, in denen man die gar nicht immer belanglosen Gitarrenmelodien selbst wahrnehmen darf. F\u00fcnf der sechs St\u00fccke, das den Stil brechende, weil z\u00e4h dahinflie\u00dfende outro \u201eMaritime Flare\u201c ausgenommen, sind \u00fcber sieben Minuten lang, es bleibt somit hinreichend viel Zeit zum Genuss.\nAber muss man Musik denn immer mit einem Monokel im Gesicht und einem Cognac im Glas genie\u00dfen? \u201eRare Field Ceiling\u201c schreit nach Sitztanz mit Dosenbier. Mal sehen, was sich machen l\u00e4sst.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp, TIDAL, Amazon.de.\nWe Lost The Sea \u2013 Triumph &amp; Disaster\nWas dieser Liste noch dringend fehlt, ist eine ordentliche Dosis instrumentalen Postrocks. Da kommen We Lost The Sea gerade recht, die in meinen Ausf\u00fchrungen bisher, sofern ich das richtig archiviert habe, nur als Montagsmusik eine auffallende Rolle spielten.\nEs handelt sich um ein australisches Sextett mit drei Gitarren, das ich 2017 auch schon mal \u2013 damals gemeinsam mit seinen Landsleuten von Dumbsaint und Meniscus \u2013 live gesehen habe, das aber von der brachialen Wucht letzterer Gruppe schlicht weggeblasen wurde. Da ich Meniscus aber mal wieder aus den Augen verloren habe, kommen We Lost The Sea mir dieses Jahr durchaus gelegen.\nPr\u00e4sentiert werden weitgehend kantenarme Gitarrenlandschaften, wobei die aufget\u00fcrmten walls of sound im stil\u00fcblichen Spiel von Laut und Leise hier kaum eine Rolle spielen. We Lost The Sea versuchen es stattdessen mit ausgedehnten Melodieverschrankungen \u2013 das l\u00e4ngste St\u00fcck \u201eTowers\u201c ist eine Viertelstunde lang \u2013 und nur selten (\u201eDust\u201c) elektronischer Effektw\u00fcrze. Etwas aus dem Rahmen f\u00e4llt das abschlie\u00dfende \u201eMother\u2019s Hymn\u201c, getextet und gesungen von Louise Nutting (Wartime Sweethearts), dessen Emotionalit\u00e4t mit der dichten Instrumentierung, Trompete eingeschlossen, vorz\u00fcglich harmoniert. \u201eAre we really too late?\u201c Nein, seid ihr nicht \u2013 ihr seid im perfekten Moment genau am richtigen Ort.\nDanke daf\u00fcr.\nReinh\u00f6ren: Noch mal Bandcamp, noch mal TIDAL, noch mal Amazon.de.\nkokomo \u2013 Totem Youth\nIch weigere mich, dieser Art von Musik ein schlichtes Etikett zu verpassen. Am Ende k\u00e4me da wieder nur so ein langweiliges Wort wie \u201ePostrock\u201c heraus und das hatten wir ja gerade erst.\nNein, dem Duisburger Quintett kokomo \u2013 auf gar keinen Fall zu verwechseln mit der britischen Soulgruppe gleichen Namens \u2013 wohnt eine Energie inne, die zu beschreiben mir schwer f\u00e4llt. Im Schatten gigantischer Gitarrenw\u00e4nde bauen sie bereits im er\u00f6ffnenden \u201eSterben am Fluss\u201c ein polterndes Belagerungsinstrumentarium auf, das jedes Bauwerk mit W\u00e4nden beliebiger Dicke erschauern lie\u00dfe, wenn Bauwerke erschauern k\u00f6nnten. Texte gibt es abseits von \u201eMelodic Rock Night\u201c nicht, aber Texte schreibe ich selbst schon genug. Obwohl: Sind das Schreie, die in \u201eNarcosis\u201c in der Ferne zu h\u00f6ren sind, oder haben sie einen Text? Ich wei\u00df es nicht und es k\u00fcmmert mich auch nicht. Schade, dass ausgerechnet das St\u00fcck \u201eDer Vogelmann\u201c auch keinen Text hat. Wie auch immer: Ich lasse mich vom Gitarrenarpeggio tragen und wei\u00df noch nicht, wo ich landen werde. G\u00e4nsehaut bis nach Paris. Soll sch\u00f6n sein dort.\nDass die f\u00fcnf Herren es trotz mancher Erfahrung mit Vergleichbarem immer wieder schaffen, dem Rezensenten eine kurze Entspannung zu g\u00f6nnen, indem sie sich an sanften Melodien versuchen, bevor die perfekte Welle krachend die noch junge Landschaft unter sich begr\u00e4bt, \u00fcberrascht positiv. \u201eTotem Youth\u201c ist bereits das f\u00fcnfte eigene Studioalbum der Gruppe und es hat trotzdem immer noch Feuer. Ein Jammer, so sp\u00e4t erst auf sie aufmerksam geworden zu sein!\nEin Auge bleibt darum auf sie geworfen. Bis dahin sind sie auch hier etwas f\u00fcrs Ohr.\nReinh\u00f6ren: Na? Richtig: Bandcamp, TIDAL, Amazon.de!\nNAP \u2013 Ausgeklingt\n\u201eWas kommt nun?\u201c (Ausgeklingt)\nMachen wir noch was lustiges, h\u00f6ren wir Musik aus Oldenburg!\nDort haust das Trio NAP, dessen zweites Album \u201eAusgeklingt\u201c ein Wortspiel im Namen tr\u00e4gt und mir schon darum gef\u00e4llt. Es klingt aber nicht aus, sondern an, und zwar stilvoll. Das er\u00f6ffnende \u201eAstrojelly\u201c etwa, mit nicht mal vier Minuten L\u00e4nge nach meinem Daf\u00fcrhalten etwas zu kurz geraten, ist ein sch\u00f6nes St\u00fcck Weltraumpsychedelic (instrumental). Wer den Fehler macht, das f\u00fcr den vorherrschenden Stil auf diesem Album zu halten, der ist selbst schuld.\nDas folgende \u201eVoigo\u201c enth\u00e4lt landes\u00fcblich belanglos vorgetragenen Gesang, dazu ert\u00f6nt ein immer noch recht psychedelisch dargebotener Hardrock der alten Schule, bretternde Riffs inklusive. Bei diesem Stil wiederum bleibt die Band mal mit, mal ohne Gesang noch f\u00fcr einige St\u00fccke. Beim Sitzen wird unterdessen eines der beiden Tanzbeine geschwungen, so verlangt es der Rhythmus.\n\u201eAmygdala\u201c, das vorletzte St\u00fcck, bringt etwas Bluesrock (der mich, zugegeben, gegen Ende an die Titelmusik von \u201eALF\u201c erinnert) in das inzwischen deutlich stonernde Album, bevor dieses mit \u201eTreibsand\u201c angemessen riffend, nun ja, ausklingt. Interessante Scheibe also.\nReinh\u00f6ren: Warum nicht mal Bandcamp, TIDAL oder Amazon.de?\n65daysofstatic \u2013 replicr, 2019\nEs gab zuvor kein Album namens \u201ereplicr\u201c von 65daysofstatic und vielleicht wird es auch sp\u00e4ter kein Album namens \u201ereplicr\u201c von 65daysofstatic geben. Tats\u00e4chlich hei\u00dft dieses Album \u2013 ihr siebtes Studioalbum \u2013 von 65daysofstatic trotzdem \u201ereplicr, 2019\u201c. Vielleicht beschreibt das das englische Quartett bereits ganz gut.\nF\u00fcr den Rest meiner Leser verliere ich noch ein paar weitere Worte: \u201ereplicr, 2019\u201c enth\u00e4lt St\u00fccke namens \u201estillstellung\u201c, \u201einterference_1\u201c, aber auch \u201e[]lid\u201c und \u201egr[]v\u2011_s\u201c. Wer jetzt aufgrund der merkw\u00fcrdigen Titelschreibung an die neulich vor\u00fcbergegangene, aber meiner Meinung nach auch k\u00fcnftig schwer zu \u00fcbertreffende Serie \u201eMr. Robot\u201c denkt, irrt, denn das ist Zufall.\nEin wenig Interesse an Elektronik setzen 65daysofstatic bei ihren H\u00f6rern aber trotzdem voraus, denn auf \u201ereplicr, 2019\u201c servieren sie fast eine Dreiviertelstunde lang mal stampfendes (\u201eBad Age\u201c), mal sanft malendes (\u201esister\u201c), mal den Kl\u00e4ngen einer Fabrik huldigendes (\u201egr[]v\u2011_s\u201c), aber immer die Grenze zum Postrock ber\u00fchrendes oder auch \u00fcberschreitendes Instrumentalspiel, womit sie sich seit 2009 genau richtig ge\u00e4ndert haben, n\u00e4mlich: kaum. Postrock ist immer auch ein Spiel dessen, was bleibt. 65daysofstatic bleiben, ihr Stil bleibt, darum bleibe auch ich.\nMan begleite mich.\nReinh\u00f6ren: Kein Bandcamp, daf\u00fcr TIDAL und Amazon.de.\nHuch, so sp\u00e4t schon? Jetzt aber schnell!\nRussian Circles \u2013 Blood Year\nWie immer bringen Russian Circles ihre ganz eigene Melange aus Postrock und Industrial hervor \u2013 und immer ist das Ergebnis gro\u00dfartig. Amazon.de.\nEarth Moves \u2013 Human Intricacy\nNoch ein bisschen Schreimusik gef\u00e4llig? Hier, bittesch\u00f6n! Amazon.de.\nEnablers \u2013 Zones\nMit Ausnahme des gut abgehenden \u201eSquint\u201c haben Enablers hier etwas aufgenommen, was eine Art Slint-Postrock mit Nick-Cave-esquen vocals ist und mich restlos \u00fcberzeugt. Bandcamp.\nRide \u2013 This Is Not A Safe Place\nNew Wave trifft auf Postpunk trifft voll auf meinen Geschmack \u2013 herrlich. Amazon.de.\nCosmic Ground \u2013 cosmic ground 5\n\u201ecosmic ground 5\u201c klingt, als spielten die mittleren Pink Floyd in einer futuristischen W\u00fcstenlandschaft einen von Kraftwerk beeinflussten, instrumentalen Nachfolger von \u201eMeddle\u201c ein; einen sehr guten, ohne Zweifel. Bandcamp.\nSoulsplitter \u2013 Salutogenesis\nNach einer an Jazz angelehnten Einf\u00fchrung (\u201eThe Prophecy\u201c) erfreut das deutsche Quartett mit vielen Gastmusikern meine sonst gelegentlich gequ\u00e4lten Ohren mit sinfonischem Retro-Prog/-Metal, der das weite Feld zwischen echolyn und Dream Theater nicht unbestellt l\u00e4sst, wobei S\u00e4ngerin Ophelia T. Sullivan mich in ihrem kontrastbildenden Vortrag mal wieder Toc.Sin vermissen l\u00e4sst \u2013 aber der Lauf der Dinge ist bekanntlich ein zynischer. Bandcamp.\nCHORD \u2013 CHORD II\nDie beiden Gitarristen Nick Didkovsky (unter anderem Doctor Nerve) und Tom Marsan bringen auf dem zweiten gemeinsamen Album live, also ohne Nachbearbeitungen, aufgenommene Instrumentalgewitter hervor, die jeder erkennbaren Struktur \u2013 von wegen Takte! \u2013 stolz trotzen und fast eine Dreiviertelstunde lang mit ordentlich Feedback ein aurales Feuerwerk nach dem n\u00e4chsten z\u00fcnden. Bandcamp.\nLingua Nada \u2013 Djinn\n\u201eDjinn\u201c klingt, als w\u00fcrden Primus versuchen, ein Jazzrockalbum aufzunehmen \u2013 herrlich durcheinander, gro\u00dfartig verspielt, erschreckend tanzbar, einfach gut. Bandcamp.\nBad Breeding \u2013 Exiled\nVielerorts sind die Siebziger mitsamt ihrem Schrammelpunkrock l\u00e4ngst vor\u00fcber, nicht so aber in ihrem Ursprungsland Gro\u00dfbritannien, von wo aus die Anarchopunkband Bad Breeding 2019 mit \u201eExiled\u201c eine beruhigende Note in die Sorge setzte, es fehle der Musik heutzutage an Rebellion und Wut. Bandcamp.\n\n2. Was war\n\nVor vierzig Jahren lief in Deutschland neben Punk und Disco auch noch die elektronische (\u201ekosmische\u201c) Musik, wenn auch: langsam aus. Es war daher viel Platz in Studios und vor allem Terminkalendern, um auch ausl\u00e4ndische K\u00fcnstler einzuladen. Die US-amerikanische Gruppe Earthstar nutzte diese Gelegenheit und lie\u00df sich von Klaus Schulze mit French Skyline das erste von drei Alben im hiesigen Inland produzieren, das gar nicht klingt, als h\u00e4tte man mit dem Krautrock schon \u00f6rtlich bedingt gar nichts zu tun. Wenige Jahre sp\u00e4ter und wieder zur\u00fcck in den Vereinigten Staaten l\u00f6ste sich die Band wieder auf. Einen Zusammenhang k\u00f6nnte man herbeidenken, aber das lasse ich ausnahmsweise bleiben. Zur\u00fcck bleiben eines der ungew\u00f6hnlicheren Alben aus der Welt der krautigen Klanglandschaften und eine viel zu sp\u00e4te Empfehlung meinerseits.\nVor drei\u00dfig Jahren widmete Lou Reed seinen Alben \u00fcber langweilige St\u00e4dte (Berlin), langweilige Frauen (Sally Can\u2019t Dance) und langweilige Ger\u00e4uschverursacher (The Bells) mit New York endlich der einen Stadt ein Album, mit der man ihn so eng verband wie Die \u00c4rzte mit Berlin oder graue Betonkl\u00f6tze mit Hannover. Es wurde sp\u00e4ter als \u201eeines der besten Alben der 80er\u201c bewertet, was f\u00fcr sich genommen noch keine ungef\u00e4hre Qualit\u00e4tsangabe darstellt, enth\u00e4lt aber mit \u201eDirty Blvd.\u201c und \u201eRomeo Had Juliette\u201c zwei derjenigen Lieder im Solowerk des K\u00fcnstlers, deren ungef\u00e4hren Klang man nicht gleich wieder vergisst. M\u00fcsste ich nur ein Album von Lou Reed empfehlen, so schl\u00f6sse ich nicht aus, dass ich dieses hier als eine Empfehlung in Erw\u00e4gung z\u00f6ge. Moe Tucker ist in zwei St\u00fccken als Perkussionistin zu h\u00f6ren. Aus dem Erfolg dieses Albums speiste sich dem Vernehmen nach die Reunion der Velvet Underground in den Neunzigern, und mindestens daf\u00fcr geb\u00fchrt ihm meine W\u00fcrdigung.\nVor zwanzig Jahren endete eine \u00c4ra: Das letzte Album von Popol Vuh, Messa di Orfeo, erschien. Zwei Jahre sp\u00e4ter starb ihr Gr\u00fcnder Florian Fricke und die Band l\u00f6ste sich auf. Bis dahin, so auch auf diesem letzten Album, war unter ihrem Namen oft esoterische, mitunter religi\u00f6se, immer entspannte Musik erschienen, die den LSD-Konsum ihrer fr\u00fchen musikalischen Wegbegleiter noch jahrzehntelang erahnen lie\u00df. Dass es trotzdem immer den richtigen Moment geben wird, um diese Art von Musik zu genie\u00dfen, m\u00f6ge bitte niemals ein Zustand sein, der zu hinterfragen ist.\nVor zehn Jahren \u2013 und hier m\u00f6chte ich den Kreis schlie\u00dfen \u2013 hatte ich gerade seit einem Jahr angefangen, Listen dieser Art zu f\u00fchren \u2013 und meine Ausf\u00fchrungen von Juni und Dezember 2009 sind, wie ich an dieser Stelle schreiben zu d\u00fcrfen meine, im Jahr 2019 noch immer aktuell. Von Olli Schulz kenne ich \u00fcbrigens noch immer nichts. Wahrscheinlich ist das auch gut so.\n\n3. Schlussworte\nIch schlie\u00dfe nicht aus, dass dies das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich der Jahresr\u00fcckschau einen Ritt durch die Geschichte angef\u00fcgt habe. Mir ist aufgefallen, dass man \u00fcber musikalische Jahrzehnte nur bedingt viele verschiedene Aussagen treffen kann. Die Quelle der Ideen, aus der ich sch\u00f6pfen kann, versiegt diesbez\u00fcglich in merklicher Geschwindigkeit. Insofern werde ich k\u00fcnftig immerhin noch mehr Zeit finden, um viel zu sp\u00e4t mit dem Schreiben dieser Listen zu beginnen.\nWie meist hoffe ich, meine Ausf\u00fchrungen waren auch diesmal wieder wenigstens f\u00fcr einige der hier Eingetroffenen erhellend. Erg\u00e4nzungen bitte ich wie \u00fcblich per Kommentarfunktion zu hinterlassen. Ich bedanke mich f\u00fcr die Aufmerksamkeit und gr\u00fc\u00dfe energisch.\nIn etwa einem halben Jahr geht es an gewohnter Stelle weiter. Es m\u00f6ge ein beachtliches Musikjahr 2020 werden!\nQuelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 22 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Lange nichts mehr \u00fcber Musik geschrieben.</p>\n<p>Das erste halbe Jahr 2019 ist vorbei \u2013 schon jetzt bietet sich daher eine Gelegenheit, ein paar Worte \u00fcber die <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">passabelsten Musikalben des Jahres</span> zu verlieren. Wie \u00fcblich erhebe ich keinen Anspruch darauf, eine vollst\u00e4ndige Liste vorzulegen, zumal noch \u2013 zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Absatzes \u2013 ein halbes Jahr vor uns liegt. <em>Nat\u00fcrlich</em> war ich wie meist ungeduldig und habe bereits die diesj\u00e4hrigen Studioalben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/02/kurzkritik-mono-nowhere-now-here/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Mono</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/03/kurzkritik-the-claypool-lennon-delirium-south-of-reality/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">The Claypool Lennon Delirium</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/05/kurzkritik-sunn-o-life-metal/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Sunn O)))</span></a> kurz bewertet, weshalb sie hier nicht mehr auftauchen.</p>\n<p>Die anderen Musikwerke dieses ersten halben Jahres sind aber auch nicht unbedingt schlecht. <span id=\"more-15717\"></span>Das w\u00e4ren diese hier:</p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/ithaca-the-language-of-injury.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_ithaca-the-language-of-injury.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Ithaca \u2013 The Language of Injury</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI\u2019m not here to make friends.\u201c</span> (Youth vs. Wisdom)\n<p>Zur Einstimmung auf das, was folgt, beginne ich diesmal mit etwas Metal- und Mathcoremusik. Das aus London stammende Quintett <span class=\"musik-review-bandname\">Ithaca</span>, dem <em>Brexit</em> trotzend, \u00fcberzog Europa 2019 mit ihrem ersten <em>eigentlichen</em> Studioalbum \u201eThe Language of Injury\u201c, nachdem sie mit einigen k\u00fcrzeren Ver\u00f6ffentlichungen schon mal einen Vorgeschmack gew\u00e4hrt hatten. Die hier enthaltenen St\u00fccke sind recht kurz, aber das ist nicht schlimm.</p>\n<p>\u201eThe Language of Injury\u201c erreichte die M\u00e4rkte im Februar, also bei eher unsch\u00f6nen Temperaturen, aber die enthaltene Musik h\u00e4lt hinreichend warm. <span class=\"musik-review-bandname\">Djamila Azzouz</span>, die eine Frau ist, aber gar nicht so klingt, schraubt ihre Schreistimme in aberwitzige Intensit\u00e4t hinein, w\u00e4hrend Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">James Lewis</span> seine Bandkollegen (zweimal Gitarre, einmal Bass) maschinengewehrartig zur H\u00f6chstleistung an. Nach der Aufnahme von \u201eThe Language of Injury\u201c wurde Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Drew Haycock</span> allerdings ersetzt, was ich bedaure, denn sein Spiel auf diesem Album sagt mir zu. \u201eThe Language of Injury\u201c wird <em>im Internet</em> als \u201echaotisch und aggressiv\u201c beschrieben, was nur die halbe Wahrheit ist.</p>\n<p>Den taktversetzten, gitarrenbretternden Growlingattacken n\u00e4mlich stehen Momente wie das instrumentale \u201e(No Translation)\u201c oder auch Teile des Titelst\u00fccks entgegen, in denen es geradezu sph\u00e4risch und <em>sanft</em> zugeht. Das verdeckt allerdings \u2013 zum Gl\u00fcck \u2013 nicht, dass die herausgeschriene Einsamkeit die Essenz ist, die dieses Album bildet. Jedem, dem auch manchmal zum Schreien zumute ist, ist es sicherlich ein Genuss; mir zum Beispiel.</p>\n<p>Ein Banause ist, wer noch sitzen bleibt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Stream und Kauf gibt es auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Language-Injury-Ithaca/dp/B07FTWBWKZ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://ithacauk.bandcamp.com/album/the-language-of-injury\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/juleah-desert-skies.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_juleah-desert-skies.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Juleah \u2013 Desert Skies</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eHigh on junk, that\u2019s what we are.\u201c</span> (Analogue)\n<p>Den Regelm\u00e4\u00dfigen meiner Leser ist die oft sonnenbebrillte \u00d6sterreicherin <span class=\"musik-review-bandname\">Juleah</span> eine alte Bekannte: Nicht nur war \u201eStrawberry Shake\u201c von ihrem aktuellen Album \u201eDesert Skies\u201c im Februar 2019 wie schon 2015 ihr <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/06/juleah-beautiful-for-you/\&quot;" data-wpel-link="internal">Lied \u201eBeautiful for you\u201c</a> zur <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/02/juleah-strawberry-shake/\&quot;" data-wpel-link="internal">Montagsmusik</a> avanciert, auch ihr Album \u201eMelt Inside The Sun\u201c endete bereits auf einer <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">meiner Jahreslisten.</a></p>\n<p>Vielleicht kann man etwas daraus folgern, dass auch \u201eDesert Skies\u201c hier in dieser Liste auftaucht, mindestens jedoch, dass es Musiker zu geben scheint, die einen Qualit\u00e4tsverlust ablehnen. Alles, was <span class=\"musik-review-bandname\">Juleah</span> daf\u00fcr tun musste, war es, so zu bleiben, wie sie war. \u201eDesert Skies\u201c ist ein Album voller Psychedelic Rock. Der \u201eFalter\u201c nannte es \u201eDreampop\u201c und ich mag immer noch keine Genrenamen. Das Album ist ungef\u00e4hr 39 Minuten lang, kommt mir aber k\u00fcrzer vor.</p>\n<p><em>Nat\u00fcrlich</em> dominiert die Gitarre dieses Album, wie sich das f\u00fcr <em>anst\u00e4ndige</em> Rockmusik eben geh\u00f6rt, aber die Multiinstrumentalistin streut auch gern mal andere T\u00f6ne, etwa die einer Orgel (\u201eCatch-22\u201c), ein, was zu einem Gesamt<em>sound</em> f\u00fchrt, der zeitgen\u00f6ssische Rezensenten zu der Bemerkung veranlasste, <span class=\"musik-review-bandname\">The Brian Jonestown Massacre</span> habe hier offenbar seine Spuren hinterlassen. Auch Bluesrock, insbesondere \u00fcber den herrlichen Bass, und Folk werden gekonnt eingeflochten. Auch die Stimme, vielschichtig hallend gemischt und ein bisschen frech klingend, entt\u00e4uscht noch immer nicht. Sie habe Gesangsunterricht genommen, erz\u00e4hlte sie in einem Interview anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung von \u201eDesert Skies\u201c. Zum Gl\u00fcck singt <span class=\"musik-review-bandname\">Juleah</span> weiterhin auf Englisch. \u00d6sterreichisch w\u00e4re doch wirklich eine Verschwendung.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Man k\u00f6nnte sich das <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=3ChmLcXJbAk\&quot;" data-wpel-link="internal">Video</a> zu \u201eStrawberry Shake\u201c reinziehen; und sich dann, <em>nat\u00fcrlich</em> das ganze Album g\u00f6nnen, etwa auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Desert-Skies-Juleah/dp/B07MSFX?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> oder <a href="\&quot;https://juleah.bandcamp.com/album/desert-skies\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/cabinets-of-curiosity-the-chaos-game.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_cabinets-of-curiosity-the-chaos-game.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Cabinets of Curiosity \u2013 The Chaos Game</span>\n<p>Bei <span class=\"musik-review-bandname\">Cabinets of Curiosity</span> handle es sich, las ich soeben, um die \u201ebekannteste Progband in Bordentown, New Jersey\u201c. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage kann ich nicht objektiv beurteilen, subjektiv ist es zumindest zutreffend, dass mir gerade keine andere Progressive-Rock-Band bekannt ist, die sich in Bordentown, New Jersey, befindet. F\u00fcr die Beurteilung als \u201eProgband\u201c gibt es aber Anhaltspunkte: S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Nat Hornyak</span> nahm um den Jahreswechsel von 2018 auf 2019 herum an einem dieser Wettbewerbe <a href="\&quot;https://twitter.com/NattySciSings\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Twitter</a> teil, indem sie ein paar Musikalben nannte, die ihr etwas bedeuten. Darunter konnte der interessierte Leser auch etwas von <a href="\&quot;https://twitter.com/NattySciSings/status/1072850338208759808\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span></a>, <a href="\&quot;https://twitter.com/NattySciSings/status/1076074830225727489\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Jethro Tull</span></a> und <a href="\&quot;https://twitter.com/NattySciSings/status/1072148908728639489\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span></a> \u2013 und keineswegs die schlechtesten ihrer Alben \u2013 finden. S\u00e4ngerinnen setzen sich oft durch, ich verbuche das also als gutes Zeichen.</p>\n<p>\u201eThe Chaos Game\u201c ist dabei das Deb\u00fct-Vollzeitalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Cabinets of Curiosity</span>. <em>Dem Internet</em> ist ein/eine unbetitelte EP von Mai 2016 bekannt, seitdem wurde in der siebenk\u00f6pfigen Besetzung lediglich der Keyboarder ausgetauscht. Eine gewisse Reife im Zusammenspiel der Band ist also anzunehmen.</p>\n<p>Und die ist tats\u00e4chlich gegeben: Nach \u201eDeath, She Walks On\u201c, einer Art A\u2011Cappella-Gesang der S\u00e4ngerin mit sich selbst (bekannt geworden durch den \u201eProphet\u2019s Song\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Queen</span>) exerziert die Band den Canterbury durch. Dabei ist \u201eAngular Sterility\u201c <em>eigentlich</em> blo\u00df Jazzrock mit abgedrehtem Gesang, der allerdings in einen gut gef\u00fcllten Eimer <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span> und, der Fl\u00f6te von <span class=\"musik-review-bandname\">Kristina Bacich</span> sei\u2019s gedankt, <span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span> getaucht wurde. Beim Gesang kommen mir zumeist die <span class=\"musik-review-bandname\">Stolen Babies</span> in den Sinn, was auch eine Art Qualit\u00e4tsmerkmal ist. \u201eFractals &amp; Coastlines\u201c, \u00fcber 12 Minuten lang, ist eine Art Suite, deren einzelne Teile jedoch nicht ineinander \u00fcbergehen, sondern <em>nur</em> \u2013 etwas einfallslos \u2013 hintereinander h\u00e4ngen. Zu h\u00f6ren sind <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Hatfield &amp; the North</span> und, vermutlich vor allem dank der mir mit jeder Minute etwas besser gefallenden S\u00e4ngerin, <span class=\"musik-review-bandname\">Thinking Plague</span>, bevor das St\u00fcck abermals mit gemalten <span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span>-Landschaften ausklingt. Etwas aus dem Rahmen des \u00fcbrigen Albums f\u00e4llt \u201eIn A Day\u201c, das ein Solost\u00fcck von <span class=\"musik-review-bandname\">Nat Hornyak</span> an Klavier und Mikrofon zu sein scheint, obwohl es mehrere Gesangsspuren gibt. Ich denke an <span class=\"musik-review-bandname\">Tina Turner</span> und bin nicht unzufrieden damit.</p>\n<p>Es gibt einen <a href="\&quot;https://cabinets-of-curiosity.com/the-chaos-game/The-Chaos-Game-Album-Companion.html\&quot;" data-wpel-link="internal"><em>companion</em></a> zu \u201eThe Chaos Game\u201c, in dem Texte und eine Art Konzept drinstehen. Auf schnellen Erfolg haben sie es nicht unbedingt abgesehen. Das Album lebt von der Kombination aus der eindrucksvollen Stimme von <span class=\"musik-review-bandname\">Nat Hornyak</span> und dem verspielten Jazzrock ihrer Mitmusiker, ungeachtet des Umstandes, dass das Wort \u201eMitmusiker\u201c niemals verwendet werden sollte.</p>\n<p>Das Ziel von <span class=\"musik-review-bandname\">Cabinets of Curiosity</span>, las ich, sei es, das Zeitalter des klassischen <em>Progs</em> wieder zum Leben zu erwecken. <em>(Wie t\u00f6tet man eigentlich Zeitalter?)</em> Das Ziel haben sie nicht verfehlt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://cabinetsofcuriosity.bandcamp.com/album/the-chaos-game\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> scheint die bevorzugte Anlaufstelle zu sein, auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Chaos-Game-Cabinets-Curiosity/dp/B07N1VTLXB/ref?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es wenigstens einen Download und die \u00fcblichen H\u00f6rschnipsel.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/ni-pantophobie.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_ni-pantophobie.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">ni \u2013 Pantophobie</span>\n<p>Im Dezember 2018 <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse\&quot;" data-wpel-link="internal">befand ich</a> \u201eBran Coucou\u201c, das anscheinend bisher einzige Album von <span class=\"musik-review-bandname\">PinioL</span>, f\u00fcr <em>angenehm verr\u00fcckt</em>. <span class=\"musik-review-bandname\">PinioL</span> ist ein Zusammenschluss von <span class=\"musik-review-bandname\">PoiL</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">ni</span>, von letzterer Band gab es bisher nur ein einziges eigenes Studioalbum.</p>\n<p>Dies ist ihr zweites.</p>\n<p>Es wird unter anderem als RIO und Jazzcore beworben, was nach \u201eBran Coucou\u201c recht nahe liegt und Assoziationen mit <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> weckt. In der Tat beginnt das erste der neun Titel, \u201eH\u00e9liophobie\u201c, so instrumental und zerrissen, wie es auch die <span class=\"musik-review-bandname\">ProjeKcts</span> aufzunehmen imstande waren. Pantophobie ist die Angst vor allen Dingen, dass alle neun bis elf \u2013  der erste (\u201ePhonophobie\u201c) und der letzte (\u201eAp\u00e9irophobie\u201c) Titel scheinen in der Bandcampvariante nicht vorhanden zu sein \u2013 St\u00fccke eine Phobie benennen, ist daher nur konsequent. Nach etwa vier Minuten gibt es erstmals geschriene Vokaleinw\u00fcrfe und das Album bleibt anschlie\u00dfend kantig irre.</p>\n<p>Das Quartett flackert zwischen Metal und Jazzigem umher, zerreibt Strukturen im Chaos. Nach meinen Erfahrungen beim Zusammenstellen dieser fast regelm\u00e4\u00dfigen Listen ist es nicht verfehlt, von <em>typisch franz\u00f6sischer</em> Avantgardemusik zu sprechen; eben \u201eRIO/Avant\u201c im besten Sinne. Michael Bohli <a href="\&quot;https://artnoir.ch/ni-pantophobie/\&quot;" data-wpel-link="internal">zieht das Fazit:</a></p>\n<blockquote><p>\u201cPantophobie\u201d passiert, und zwar zu jeder Sekunde.</p></blockquote>\n<p>Und wer braucht Takte und Ordnung, wenn er stattdessen ein Geschehen haben kann?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Vinyl, Downloads, CDs und H\u00f6rproben bietet <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Pantophobie-Vinyl-LP?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> feil, ansonsten g\u00e4be es noch <a href="\&quot;https://niiii.bandcamp.com/album/pantophobie\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/david-torn-tim-berne-ches-smith-sun-of-goldfinger.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_david-torn-tim-berne-ches-smith-sun-of-goldfinger.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">David Torn/Tim Berne/Ches Smith \u2013 Sun of Goldfinger</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">David Torn</span> ist ein US-amerikanischer Jazzgitarrist, der bereits mit <span class=\"musik-review-bandname\">David Bowie</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Bill Bruford</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Tony Levin</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Don Cherry</span> zusammengearbeitet hat. Gemeinsam mit dem Saxophonisten <span class=\"musik-review-bandname\">Tim Berne</span> sowie dem unter anderem von <span class=\"musik-review-bandname\">Secret Chiefs 3</span> bekannten Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Ches Smith</span> hat er ein Album namens \u201eSun of Goldfinger\u201c aufgenommen. Alle drei Musiker sind einander nicht unbekannt und halfen einander auch in der Vergangenheit bereits aus. Man verzeihe mir, dass ich als gelegentlich erfreuter Experimentaljazzh\u00f6rer diesem Album manche Vorschusslorbeere in den Hals stopfte.</p>\n<p>Es hat sie alle geschluckt.</p>\n<p>Wie zu erwarten war, handelt es sich bei \u201eSun of Goldfinger\u201c um ein rein instrumentales Album. \u201eJazzTrail\u201c sprach von einem Pflichtalbum f\u00fcr Anh\u00e4nger neuer Musik, derer einer ich fraglos bin. Es gibt drei St\u00fccke mit einer L\u00e4nge zwischen 22 und 24 Minuten, was \u201eSun of Goldfinger\u201c nicht nur relativ lang (aber keineswegs l\u00e4ngenhaltig) macht, sondern auch ahnen l\u00e4sst, wohin die Reise geht: Ich h\u00f6re vor allem Freiform-Jazz, in dem das Improvisieren hoch gehalten wird, aber auch eine in keiner Sekunde kitschige Spielart der Weltmusik, vor allem in der zweiten H\u00e4lfte von \u201eSpartan, Before It Hit\u201c. Sicher: Wer dem ungef\u00e4hren beschriebenen Stil noch nie viel abgewinnen konnte, der kann dieses Album \u00fcberspringen, ohne bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, viel verpasst zu haben. Wer aber <em>grunds\u00e4tzlich</em> f\u00fcr Jazz offen ist, dem scheint keine Minute dieses Albums eine Verschwendung von Zeit zu sein \u2013 auch und gerade nicht mir.</p>\n<p>Als \u201eDeb\u00fctalbum\u201c wird es weithin benannt, was in dieser Konstellation vermutlich nicht falsch ist. Zwar ist im Jazz wechselnde Zusammenarbeit nicht ungew\u00f6hnlich, ich hoffe dennoch, \u201eSun of Goldfinger\u201c bleibe nicht das erste und letzte gemeinsame Album der drei Herren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Goldfinger-David-Torn-Berne-Smith/dp/B07MWG8BFV/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (kurz), <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/104702030\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (lang).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/de-staat-bubble-gum.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_de-staat-bubble-gum.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">De Staat \u2013 Bubble Gum</span>\n<p>Von <span class=\"musik-review-bandname\">De Staat</span>, einer niederl\u00e4ndischen Popgruppe, berichtete ich zuletzt <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2016</a>, als ihr angenehmes Album \u201eO\u201c ver\u00f6ffentlicht worden war:</p>\n<blockquote><p>(\u2026) channeln <span class=\"musik-review-bandname\">De Staat</span> mal <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span> (\u2026), mal die <span class=\"musik-review-bandname\">Pet Shop Boys</span>, schwingen im Kosmos von Tanzpop (\u2026), New Wave und Groove herum, ohne sich dabei in irgendwelche Grenzen zw\u00e4ngen zu lassen.</p></blockquote>\n<p>Muss denn auf jedem Album ein ganz neuer Stil her? Ich finde: Nein. Und so ist auch \u201eBubble Gum\u201c trotz seines Titels zwar ein Album mit Popmusik geworden, aber Kaugummipop sucht man weiterhin vergebens. Gew\u00fcrzt wird \u201eBubble Gum\u201c mit Fr\u00fch-90er-Elektronik (\u201ePikachu\u201c) und einer beeindruckenden Eing\u00e4ngigkeit, ansonsten nehmen sie weiterhin die besten <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span>-Alben auf, die nicht von <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span> selbst stammen. \u201eBubble Gum\u201c ist ein sehr lebendiges Album, das auch mal in Text und Stil Boybands (\u201eFake It Till You Make It\u201c) persifliert. Man sollte den Humor dieser Band m\u00f6gen, ansonsten kann man <span class=\"musik-review-bandname\">De Staat</span> nicht g\u00e4nzlich genie\u00dfen. Ich mag ihn und genie\u00dfe, <em>Tanzpop</em> hin oder her. Mein Bedarf an Kurzweil bedankt sich artig f\u00fcr die Reverenz.</p>\n<p>Auf dem Niveau k\u00f6nnen\u2019se gerne noch etwas bleiben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Es gibt ein gewohnt seltsames <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=MWM9DC-31Xo\&quot;" data-wpel-link="internal">Video</a> zum er\u00f6ffnenden \u201eKITTY KITTY\u201c, im \u00dcbrigen helfen <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Bubble-Gum-2lp-Vinyl-LP/dp/B07JGKCSDD/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/102245250\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> wom\u00f6glich weiter.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/kuhn-fu-chain-the-snake.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_kuhn-fu-chain-the-snake.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Kuhn Fu \u2013 Chain The Snake</span>\n<p>Wir bleiben in den Niederlanden.</p>\n<p>Von dort, aus Groningen n\u00e4mlich, kommen au\u00dfer <span class=\"musik-review-bandname\">De Staat</span> auch <span class=\"musik-review-bandname\">Kuhn Fu</span>. Weil im deutschen Sprachraum der Name \u201eKuhn\u201c vielleicht Vergleiche weckt, die nicht unbedingt angemessen sind, sei hier darauf hingewiesen, dass der Name eigentlich falsch ist, denn der Gitarrist und S\u00e4nger dieses Quartetts hei\u00dft <span class=\"musik-review-bandname\">Christian K\u00fchn</span>. Nach zwei Alben, die ebenfalls irgendwas mit \u201eKuhn\u201c hie\u00dfen, ist \u201eChain the Snake\u201c nun das dritte Studiowerk der seit dem letzten Album \u201eKUHNSPIRACY\u201c (2017) lediglich am Schlagzeug umbesetzten Gruppe.</p>\n<p>In \u201eTraktus\u201c wird auf Deutsch geflucht, ansonsten ist der mal kom\u00f6diantische (\u201eWolf\u2019s Muckenkogel\u201c), meist aber wenigstens <em>irgendwie schr\u00e4ge</em> (\u201eMarco Messy Millionaire\u201c) Gesang auf Englisch gehalten. Weil das einfallslos ist, spielt die Band dazu um so bemerkenswertere Musik: Es wird, kr\u00e4ftig unterst\u00fctzt von <span class=\"musik-review-bandname\">Ziv Taubenfeld</span> an der Bassklarinette, bl\u00e4serorientierter Jazzrock hervorgebracht, der wieder einmal in guter, alter RIO-Tradition steht. Versetzte Rhythmen (\u201eGargamel\u201c) treffen auf <span class=\"musik-review-bandname\">crimsonesque</span> St\u00fccke (\u201eGustav Grinch\u201c)</p>\n<p>Auf den \u201eBabyblauen Seiten\u201c <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_17962.html#27839\&quot;" data-wpel-link="internal">befand</a> Siggy Zielinski im M\u00e4rz 2019, <span class=\"musik-review-bandname\">Kuhn Fu</span> seien \u201eein hei\u00dfer Tipp f\u00fcr die Freunde von Avant-Jazz-Punk-Prog\u201c. Ich f\u00fchle mich angesprochen und bin nicht entt\u00e4uscht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Das komplette Album gibt es als Stream bei <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/105195160\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und <a href="\&quot;https://kuhnfumusic.bandcamp.com/album/chain-the-snake\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a>, bei letzterer Anlaufstelle sowie bei <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Chain-Snake-KUHN-FU/dp/B07PCV7WWR/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> auch auf physischem Tontr\u00e4ger zum Verkauf.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/inter-arma-sulphur-english.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_inter-arma-sulphur-english.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Inter Arma \u2013 Sulphur English</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Inter Arma</span> ist zwar Latein, bezeichnet jedoch ein recht haariges Quartett aus Richmond. Diesem sei bescheinigt, dass es auf seinem seltsam benannten Studioalbum \u201eSulphur English\u201c Sludge Metal spielt, der so gut ist, dass sogar ich ihn mag.</p>\n<p>Schrilles Pfeifen, dumpfe Schl\u00e4ge von fern: Mit \u201eBumgardner\u201c beginnt \u201eSulphur English\u201c r\u00e4tselhaft, bevor nach einer Minute schleppender Doom Metal einsetzt. <em>Lyrics</em> gibt es noch nicht, wohl aber im folgenden \u201eA Waxen Sea\u201c, in das \u201eBumgardner\u201c \u00fcbergeht, wenngleich man sie akustisch kaum versteht: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eI raise my hands to the sea beyond, intoxicated by the winds that whip up from her fair shores\u201c</span>, genau so klingt das hier Geh\u00f6rte auch. Sch\u00f6nklang? Pah, Gebr\u00fcll \u2013 inmitten des St\u00fccks gar: Gekreisch \u2013 zu Instrumentalrudelbums! Man hat ja hier einen Ruf zu verlieren (einen schlechten).</p>\n<p>Wer jetzt noch nicht tot aus dem Sessel gefallen oder panisch aus dem Fenster gesprungen ist, dem sei versichert, dass das Album dieses Niveau bis zum Ende durchh\u00e4lt, mitunter bereichert von Zwischenspielen wie einem unerwarteten, ausgedehnten Psychedelic-Hardrock-Gitarrensolo (\u201eCitadel\u201c), Doom- (\u201eBlood on the Lupines\u201c) und Shoegazemomenten (\u201eHowling Lands\u201c). Dabei schweifen sie auch schon mal aus \u2013 das l\u00e4ngste St\u00fcck \u201eThe Atavist\u2019s Meridian\u201c ist mitsamt Spannungsaufbau und Klimax \u00fcber zw\u00f6lfeinhalb Minuten lang -, keinesfalls aber lassen sie es dabei langsam angehen. <span class=\"musik-review-bandname\">Inter Arma</span> halten sich nicht mit Bitten auf, sie verteilen \u201ereinigende Kopfn\u00fcsse\u201c (Jake Walters) und das zu Recht.</p>\n<p>Dass das warme \u201eStillness\u201c, getragen von Schlagzeug und Akustikgitarre, in seiner ersten H\u00e4lfte neben den Sp\u00e4talben von <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> nur aufgrund seiner seltsamen Unruhe besonders auffallen w\u00fcrde, widerspricht dieser Erkenntnis nicht, denn die zweite H\u00e4lfte erinnert wieder daran, womit wir es hier zu tun haben. Mich am\u00fcsiert der geschriene Titel des St\u00fccks. Anscheinend gibt es auch eine Text-Klang-Schere.</p>\n<p>\u201eSulphur English\u201c ist ein lautes, brutales Album. Es hat seinen Platz in dieser Liste redlich verdient. Bitte nicht schie\u00dfen!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Zu \u201eHowling Lands\u201c gibt es ein <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=HabdnpT9chA\&quot;" data-wpel-link="internal">Musikvideo</a>, ansonsten k\u00f6nnten <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Sulphur-English-Inter-Arma/dp/B07MCWHXXQ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/102409000\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und <a href="\&quot;https://interarma.bandcamp.com/album/sulphur-english\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> weiterhelfen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/drahla-useless-coordinates.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_drahla-useless-coordinates.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Drahla \u2013 Useless Coordinates</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eHave you ever seen a neon globe flicker?\u201c</span> (Stimulus for Living)\n<p>Weniger brutal geht <span class=\"musik-review-bandname\">Drahla</span>, eine britische Postpunkband, zu Werke. Nach einigen k\u00fcrzeren Ver\u00f6ffentlichungen hat sie es 2019 endlich geschafft, ihr Deb\u00fctalbum \u201eUseless Coordinates\u201c einer \u00fcberraschten \u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren. Ihre Herkunft hat unter anderem den Vorteil, dass S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Luciel Brown</span> die sch\u00f6nere Form des Englischen von sich gibt, n\u00e4mlich das Britische mit herrlich gedehnten Vokalen. Selbst schuld, wer den US-amerikanischen Dialekt wertsch\u00e4tzt, denn hier entgeht ihm was. Die Dame ist nie laut und aufgeregt, immer eher locker-luftig. Fein.</p>\n<p>Und die Musik selbst taugt auch was. \u201eGilded Cloud\u201c etwa weist ein langes, immer wieder unterbrochenes <em>intro</em> auf. \u201eSerenity\u201c f\u00fchrt den stiltypischen Sprechgesang ein, erstmals sind hier auch die Saxophoneinw\u00fcrfe von Gastmusiker <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Duffin</span> zu h\u00f6ren, die sp\u00e4ter immer wieder vorkommen. Mitunter (\u201eSerotonin Level\u201c) denke ich an diejenige Besetzung von <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span>, in der noch <span class=\"musik-review-bandname\">David Jackson</span> mitspielen wollte, obwohl wir uns hier in einem <em>ganz</em> anderen Genre bewegen. Auch im folgenden \u201ePyramid Estate\u201c spielt das Saxophon neben dem dominanten Bass \u2013 den ich bei Postpunkplatten sehr sch\u00e4tze \u2013 eine gewichtige Rolle und bekommt sogar eine Solopassage. Anderswo (\u201eStimulus for Living\u201c, \u201ePrimitive Rhythm\u201c) versucht sich die Band an Grunge. Fast bin ich der Ansicht, <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span> zu h\u00f6ren. Ich mag <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span>.</p>\n<p>Das <em>im Internet</em> als zentrales St\u00fcck der Platte beschriebene \u201eReact/Revolt\u201c ist ein aus anderen Gr\u00fcnden erfreuliches: Saxophon und Bass leiten mit instrumentalem Free Jazz ein, bevor nach zweieinhalb Minuten gitarrengetriebener Postpunk \u00fcbernimmt, wie er auch sp\u00e4ter (\u201eSerotonin Level\u201c) wieder zu h\u00f6ren sein wird. Das ansonsten recht <em>normal</em> postpunkende \u201eTwelve Divisions of the Day\u201c \u00fcberrascht mittig mit einem erstaunlich <em>lauten</em> und druckvollen Teil mit angenehm schr\u00e4gen Zwischent\u00f6nen. Keine Sorge, eingeschlafen w\u00e4re ich auch sonst nicht. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Drahla</span> aus der <em>eher linken</em> \u201eSzene\u201c stammen, ruft das letzte Lied \u201eInvisible Sex\u201c nochmals in Erinnerung, in dem es mit bedr\u00fcckender Stimmung um erfundene Geschlechter geht. In Berlin k\u00f6nnte man damit auch erfolgreich werden.</p>\n<p>Insgesamt dominieren hier allerdings vergleichsweise lange Instrumentalpassagen, die f\u00fcr die gelegentlich sehr <em>gr\u00fcnen</em> Texte mehr als entsch\u00e4digen. Platten wie diese h\u00f6re ich selten wegen ihres lyrischen Anspruchs, aber die Melodien, die Melodien! Da sieht man (also: sehe ich) auch dar\u00fcber hinweg, dass Lieder und Album vergleichsweise kurz ausfallen. Bonuspunkte gibt es im \u00dcbrigen f\u00fcr das <em>sch\u00f6n schlechte</em> Coverbild, das darauf hinweist, was drin ist. So was wird heutzutage ja viel zu selten gemacht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Das Album gibt es auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Useless-Coordinates-Drahla/dp/B07P18CTX2?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://drahla.bandcamp.com/album/useless-coordinates\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/106535601\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/boltzmann-brain-spacesquid-brain.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_boltzmann-brain-spacesquid-brain.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Boltzmann Brain \u2013 Spacesquid Brain</span>\n<p>Ein Boltzmann-Gehirn, dar\u00fcber informieren verschiedene Publikationen, bezeichnet das menschliche Gehirn, das in einem beliebig gro\u00dfen Universum in einem beliebigen Zeitraum irgendwann durch quantenphysikalische Zusammenh\u00e4nge unweigerlich entstehen wird. <span class=\"musik-review-bandname\">Boltzmann Brain</span> kommen trotzdem aus Ilmenau. Das Universum erlaubt sich eigenartige Scherze.</p>\n<p>Dem Namen des Albums entsprechend haben wir es hier mit Spacerock zu tun, allerdings nicht in seiner unverf\u00e4lschten Form, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Boltzmann Brain</span> m\u00f6gen das Spiel mit den Stilen und lassen sich vom Krautrock ebenso inspirieren wie vom 70er-Fusion. Schon \u201eGoodbye, Mr. Clooney\u201c (neuneinhalb Minuten lang), das erste der <em>nur</em> vier St\u00fccke, beginnt mit einem langen experimentellen Instrumentalintro und gew\u00e4hrt erst nach \u00fcber viereinhalb Minuten Laufzeit etwas Entspannung. Eine stark verzerrte Stimme spricht energiegeladen Texte, die ich erst mal nachlesen m\u00fcsste, aber nicht will. Das erinnert mich an <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> und ich bin bereits entz\u00fcckt. Eher an der Fr\u00fchphase von <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> ist das folgende \u201eInfinity\u201c orientiert, das auf eine Jazzgrundlage aufgebaut ist. Der S\u00e4nger dreht allm\u00e4hlich durch, bellt und br\u00fcllt mal punkig, mal grungig, mal bluesig unver\u00e4ndert verzerrt ins Mikrofon. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eI tried to see / what you showed to me\u201c</span>, ach so, naja.</p>\n<p>Punkig ist auch \u201eSucqmah\u201c, das anfangs aus zu Punkrock durchgef\u00fchrten Elektronikexperimenten besteht, sich aber anschlie\u00dfend dem Jazzrock zuwendet. Das St\u00fcck ist instrumental. <em>Das Internet</em> behauptet, der Text zum Lied laute \u201eoh\u201c, aber das ist <em>nat\u00fcrlich</em> kein Text und <em>das Internet</em> sollte sich sch\u00e4men. Falls jemand nicht so viel Zeit hat, wissen <span class=\"musik-review-bandname\">Boltzmann Brain</span> Rat: \u201eUntil\u201c ist , musikalisch betrachtet, eigentlich eine Zusammenfassung der ersten drei St\u00fccke mit ein bisschen Text drin. Lang sind die Texte auf \u201eSpacesquid Brain\u201c allerdings allesamt nicht. Das macht nichts, daf\u00fcr ist Spacerock auch nicht so gut geeignet.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Spacesquid-Brain-Boltzmann/dp/B07Q9QH8FG/ref?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat Schnipsel und Bezahlstream, M\u00f6glichkeiten zu Kauf und Komplettstream gibt es ansonsten auf <a href="\&quot;https://boltzmannbrain.bandcamp.com/album/spacesquid-brain\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/big-brave-a-gaze-among-them.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_big-brave-a-gaze-among-them.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">BIG|BRAVE \u2013 A Gaze Among Them</span>\n<p>Die Stadt Montr\u00e9al kennen wir Musikliebhaber vor allem daher, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Godspeed You! Black Emperor</span> sowie ein halbes Dutzend personell verwandter Gruppen, zumeist mit Postrockhintergrund, sich dort beheimatet sehen. Bei mehreren von ihnen spielt unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Thierry Amar</span> (Bass und Kontrabass) mit.</p>\n<p>Selbiger gastiert auch auf \u201eA Gaze Among Them\u201c, dem vierten Vollalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">BIG|BRAVE</span> aus derselben Stadt, zurzeit anscheinend bestehend aus <span class=\"musik-review-bandname\">Robin Wattie</span> (Gitarre, Bass, Gesang), <span class=\"musik-review-bandname\">Mathieu Ball</span> (Gitarre) und <span class=\"musik-review-bandname\">Loel Campbell</span> (Schlagzeug). Das Album besteht aus f\u00fcnf St\u00fccken, grunds\u00e4tzlich ein gutes Zeichen.</p>\n<p>Dass <span class=\"musik-review-bandname\">BIG|BRAVE</span> trotzdem keinen schwerm\u00fctigen Postrock aufnehmen, sondern sich etwas abseits tummeln, tut der Abwechslung ja durchaus gut. Mehr als einmal werde ich trotz des extrovertiert-aufgedrehten Gesangs an <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s\u2018</span> \u201eBrennisteinn\u201c erinnert. Ich h\u00f6re Noiserock, Postmetal und Psychedelic Rock, umwoben von und verflochten mit Gitarrendrones. Das zweite und zweitl\u00e4ngste St\u00fcck \u201eHolding Pattern\u201c f\u00e4llt dabei fast ein wenig aus der Reihe: Es beginnt ambient, geht dann aber wieder in beklemmend elektronische Psychedelic mit einem ungew\u00f6hnlichen, aber nicht st\u00f6renden Stampfbeat \u00fcber. Wenn ich etwas kritisieren m\u00fcsste, dann, dass die Abmischung von \u201eA Gaze Among Them\u201c f\u00fcr einen etwas verwaschenen Klang sorgt, der die <em>gedachte</em> Punktzahl aber auch nicht deutlich senkt. Erfreulich ist es jedoch, dass ich das gar nicht muss und es deswegen auch sein lasse.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Gaze-Among-Them-Big-Brave/dp/B07PZ2R84T?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/106338178\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und <a href="\&quot;https://bigbravesl.bandcamp.com/album/a-gaze-among-them\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> sind von mir empfohlene Reinh\u00f6r- und zum Teil auch Kaufgelegenheiten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/the-warlocks-mean-machine-music.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_the-warlocks-mean-machine-music.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Warlocks \u2013 Mean Machine Music</span>\n<p>Von einer Band, die so hei\u00dft, wie sie hei\u00dft, weil <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> irgendwann auch mal so hie\u00dfen, wird schon vor dem H\u00f6ren einiges erwartet, jedenfalls von mir. Dass sie ein Album herausbringt, das \u201eMean Machine Music\u201c hei\u00dft, verst\u00e4rkt diesen Effekt.</p>\n<p>Dass \u201eMean Machine Music\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">The Warlocks</span> trotzdem keine Kopie von <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reeds</span> \u201eMetal Machine Music\u201c ist, verzeihe ich ihr gern, denn ihrer Vorbilder ist sie sich trotzdem bewusst. Die gemeinsame Liebe zu Rock &amp; Roll habe sie zusammengef\u00fchrt, behauptet die Biografie auf der Bandcampseite, aber dahinter steckt mehr als <span class=\"musik-review-bandname\">Elvis Presley</span>. \u201eRock &amp; Roll\u201c legt die Band auch gro\u00dfz\u00fcgig aus, denn w\u00e4hrend ich die wohl bekannteste Rock-and-Roll-Band, die nur ein Album lang wirklich \u201eRock &amp; Roll\u201c \u2013 eines der Lieder hie\u00df sogar so \u2013 zu spielen versucht hat, im Nuschelgesang ebenso wiedererkenne wie in den monotonen Rhythmen, die den Fuzz- und Dronesch\u00fcben zugrunde liegen, ist vieles auf \u201eMean Machine Music\u201c doch eher dem Postpunk zuzuordnen, woran der grollende Bass, der mal von S\u00e4nger und Frontmann <span class=\"musik-review-bandname\">Bobby Hecksher</span>, meist aber von <span class=\"musik-review-bandname\">Christopher DiPino</span> bedient wird, seinen angemessenen Anteil einzufordern wohl berechtigt w\u00e4re.</p>\n<p>Genau genommen ist \u201eMean Machine Music\u201c sogar zwei Alben, denn das Album ist sowohl in seiner <em>normalen</em> als auch in einer reduzierten, instrumentalen Version (also ohne Gesang) zu h\u00f6ren; nach \u201eTribute to <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span>\u201c, das auch genau so klingt, wie es hei\u00dft, beginnen die <em>reprises</em> jedes der f\u00fcnf St\u00fccke. In der Beschreibung ist dazu, frei \u00fcbersetzt, zu lesen:</p>\n<blockquote><p>Inspiriert von allem zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Stereolab</span>, Krautrock und Death-Rock pr\u00e4sentiert dieses Album f\u00fcnf neue Kompositionen und sucht diese Lieder dann f\u00fcr instrumentale Wiederaufnahmen erneut auf, die tiefe Schichten voller Melodie und Atmosph\u00e4re offenbaren!</p></blockquote>\n<p>Das mit der \u201eMelodie und Atmosph\u00e4re\u201c klappt tats\u00e4chlich sehr gut. Der erste Teil des Albums begeistert mit dem R\u00fcckgriff auf den besseren Teil der Rockmusik der 1960er Jahre, der zweite Teil wiegt sich <em>groovend</em> ins Geh\u00f6r und ins Innere. Ein Album zum Schwelgen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Wie inzwischen gewohnt stehen <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Mean-Machine-Music-Warlocks/dp/B07Q2FHDBY/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/108707308\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und <a href="\&quot;https://thewarlocks.bandcamp.com/album/mean-machine-music\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> bereits bereit. Offenbar ist die Instrumentalversion von \u201eTribute to <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span>\u201c jedoch nicht \u00fcberall enthalten, ich empfehle darauf zu achten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/die-goldenen-zitronen-more-than-a-feeling.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_die-goldenen-zitronen-more-than-a-feeling.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Die Goldenen Zitronen \u2013 More Than a Feeling</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eIhr d\u00fcrft hier bald gar nichts mehr d\u00fcrfen!\u201c</span> (20x20)\n<p>Dass die <span class=\"musik-review-bandname\">Goldenen Zitronen</span>, vor vielen Jahren Spa\u00dfpunkband, wenig sp\u00e4ter Punksatiriker, seitdem Elektrotanzwaswei\u00dfich, immer noch neue S\u00e4tze finden, die sie noch nicht vertont haben, \u00fcberrascht mich auf jedem Album wieder. Dem sei beigef\u00fcgt, dass auch \u00dcberraschungen vorhersehbar sein k\u00f6nnen. Die letzten paar Studiowerke haben mich tats\u00e4chlich etwas erm\u00fcdet zur\u00fcckgelassen: Zu festgefahren schienen die Hamburger Sch\u00fcler in ihrer Achtziger\u00e4sthetik.</p>\n<p>Auf \u201eMore Than a Feeling\u201c, Album Nummer 13, gelingt ihnen jedoch der textliche und melodische Br\u00fcckenschlag zwischen ihren j\u00fcngeren Werken und Glanztaten wie \u201eSchafott zum Fahrstuhl\u201c. Dichte Sp\u00e4t-80er-Elektronik gibt es auch weiterhin, ansonsten hat die Gruppe ihre musikalischen Grenzen in dem eigenartigen Dreieck zwischen Trip-Hop, Indie-Pop (\u201eN\u00fctzliche Katastrophen\u201c) und dem, was textlich klischeehaft albern und musikalisch den Punkrock verspottend jedem Genre trotzt und was ich daher <em>Zitronenstil</em> nennen m\u00f6chte (\u201eKatakombe\u201c), anscheinend noch l\u00e4ngst nicht abschlie\u00dfend abgesteckt. Textlich sind sie unbeirrt in Hochform, wie man nicht erst in \u201eMauern bauen (testweise)\u201c belustigt feststellen darf: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eWas meinen sie mit \u201aVolk\u2018? (\u2026) Meinen sie damit, dass sie (\u2026) um die Schweine, die sie essen wollen, die Schritte, die sie marschieren wollen, etwas herum bauen wollen?\u201c</span> Dazu wundervolle Neologismen wie \u201eMitdemschwanzwedelung\u201c (\u201eIn der Schleife\u201c) und der einstmals entt\u00e4uschte H\u00f6rer (ich) kehrt freudig zur\u00fcck.</p>\n<p>Ihre deutliche politische <em>Haltung</em> \u2013 heutzutage ist ja alles eine <em>Haltung</em> \u2013 flie\u00dft freilich aus jedem Moment auf diesem Album, beginnend bei \u201eEs nervt\u201c, vorgetragen von \u201e<span class=\"musik-review-bandname\">LaToya Manly-Spain</span> von der Schwarzen Feministischen Bewegung\u201c (\u201emusikexpress\u201c), die die Vereinnahmung ihrer Positionen seitens <em>der Guten</em> kritisiert, gipfelnd im Abschlussst\u00fcck \u201eDie alte Kaufmannsstadt, Juli 2017\u201c, in dem die ausgeuferten G20-Demonstrationen vor zwei Jahren zusammengefasst werden: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eWer vom Fach war, der wusste, was passieren w\u00fcrde.\u201c</span> <span class=\"musik-review-bandname\">Die Goldenen Zitronen</span> m\u00fcssen es wissen, sie waren als musikalischer <em>act</em> mittendrin. Fraglich ist, ob die Demonstranten die hier vorgetragene Kritik an ihrer Berechenbarkeit als eine solche verstehen w\u00fcrden.</p>\n<p>\u201eMore Than a Feeling\u201c bl\u00e4st dem immerhin nur scheinbar m\u00fcde gewordenen Zitronenschiff also wieder Wind in die Segel. Ihm sei allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel zuteil.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Zu \u201eEs nervt\u201c gibt es ein <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=ekusWGS2wtQ\&quot;" data-wpel-link="internal">gewohnt seltsames Video</a>. Des Weiteren sind <a href="\&quot;https://www.amazon.de/More-Than-Feeling-Goldenen-Zitronen/dp/B07KH2ZW7S/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/99253235\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> sehr freundlich zu interessierten Konsumenten, andere Streamingdienste bitte ich bei Bedarf selbst zu konsultieren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/per-wiberg-head-without-eyes.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_per-wiberg-head-without-eyes.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Per Wiberg \u2013 Head Without Eyes</span>\n<p>Bei Durchsicht meiner bisherigen Bestenlisten habe ich \u00fcberrascht festgestellt, dass unter denjenigen Bands, von denen ich annahm, sie w\u00e4ren bereits darin vorgekommen, womit ich jedoch falsch lag, auch die schwedische Progmetalgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Opeth</span> ist. Aus naheliegenden Gr\u00fcnden \u00e4ndere ich das auch heute nicht, denn das diesj\u00e4hrige Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Opeth</span> \u2013 \u201eIn Cauda Venenum\u201c \u2013 ist noch gar nicht erschienen. Stattdessen m\u00f6chte ich ein wenig in ihrer Geschichte herumw\u00fchlen.</p>\n<p>Diese ist gepr\u00e4gt von stetigem Wandel: Bereits drei Jahre vor Ver\u00f6ffentlichung ihres Deb\u00fctalbums \u201eOrchid\u201c (1995) war das letzte Gr\u00fcndungsmitglied <span class=\"musik-review-bandname\">David Isberg</span> nicht mehr dabei, seitdem f\u00fchrt Gitarrist und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Mikael \u00c5kerfeldt</span> die Band an. 2005 stie\u00df Keyboarder <span class=\"musik-review-bandname\">Per Wiberg</span> dazu, der drei Live- und zwei Studioalben lang dabei blieb. Neben seiner Aushilfe bei anderen K\u00fcnstlern und seiner Mitgliedschaft bei den <span class=\"musik-review-bandname\">Spiritual Beggars</span> hatte er jetzt sogar noch Zeit, ein erstes Soloalbum aufzunehmen. Es hei\u00dft \u201eHead Without Eyes\u201c und ist nicht schlecht.</p>\n<p><em>Im Internet</em> wird es f\u00fcr seinen Abwechslungsreichtum gew\u00fcrdigt und das nicht unberechtigt. In sechs St\u00fccken, teilweise (\u201eAnywhere the Blood Flows\u201c) \u00fcber 11 Minuten lang, h\u00f6re ich vor allem atmosph\u00e4risch dichten Hard-/Spacerock. Wer <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> mag, dem sollte \u201eHead Without Eyes\u201c gleichfalls gefallen. Anderswo gibt es mal Doom (\u201ePile of Nothing\u201c), mal <span class=\"musik-review-bandname\">Nick-Cave</span>-taugliche Musik mit dazu passenden <em>lyrics</em> zu genie\u00dfen: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eI don\u2019t trust the light anymore\u201c</span> (\u201eFader\u201c) \u2013 so muss das sein. Der Pressetext zum Album schwafelt was von <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span>, aber Presseschreiber interessieren sich auch meist nicht besonders f\u00fcr Musik.</p>\n<p>Wer einen Kopf hat, der h\u00f6re. Gucken muss er ja nicht, das Coverbild ist ohnehin keines der sch\u00f6neren dieses Jahres.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://tidal.com/browse/album/105836458\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> hat \u2013 wie oft \u2013 einen Komplettstream im Sortiment, f\u00fcr Kauf und Reinh\u00f6ren scheint <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Head-Without-Eyes-Wiberg/dp/B07PQVJC8Q?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> geeignet zu sein.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/magma-zess.jpg\&quot;" class="\&quot;fancybox" image\&quot;="" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_magma-zess.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Magma \u2013 Z\u00ebss</span>\n<p>Hurra! <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> sind im f\u00fcnfzigsten Jahr ihres wenigstens ideellen Bestehens zur\u00fcck und f\u00fchren ein Werk mit sich, an dem seit wenigstens 1977 gearbeitet wurde.</p>\n<p>Das jahrzehntelange Perfektionieren bereits live aufgef\u00fchrter Rohfassungen hat dem erfreuten Rezensenten bereits einige sehr sch\u00f6ne Musikalben dieser Gruppe zu Geh\u00f6r gebracht. Sollte es jetzt wom\u00f6glich das letzte Mal sein? Vor inzwischen zehn Jahren hatte Bandchef und \u2011gr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Christian Vander</span> in einem Interview mitgeteilt, \u201eZ\u00ebss\u201c werde das letzte St\u00fcck sein, das er jemals aufnehmen werde. Inzwischen hat er diese Einsch\u00e4tzung zwar revidiert, aber ihn daran zu messen erscheint mir trotzdem nicht verkehrt. <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> haben sich selbst von Anfang an \u2013 mit einer kurzen Unterbrechung (\u201eMerci\u201c, 1984) \u2013 immer wieder zu \u00fcbertreffen versucht und sind damit selten gescheitert.</p>\n<p>\u201eZ\u00ebss\u201c ist, vielleicht gibt es auch deshalb erst im September eine nachgeschobene Vinylausgabe, ein einziges St\u00fcck von 37:57 Minuten L\u00e4nge. Inhaltlich gehe es, das l\u00e4sst sich herausfinden, um griechische Mythologie und um den letzten Tag vor dem gro\u00dfen Nichts. Zumeist l\u00e4sst die Gestaltung der Alben von <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> ja Schl\u00fcsse auf die ihnen zugrundeliegende Mythologie zu und auch diesmal ist der Schriftzug \u201eZ\u00ebss\u201c <em>ungef\u00e4hr</em> so gestaltet, wie man Texte eben so gestaltet, wenn man einen Bezug zu Griechenland herstellen will. Der Untertitel von \u201eZ\u00ebss\u201c, sogar auf dem Album selbst zu lesen, ist \u201ele jour du n\u00e9ant\u201c, also \u201eder Tag des Nichts\u201c. <span class=\"musik-review-bandname\">Christian Vander</span>, sonst vor allem am Schlagzeug sitzend, zieht es in \u201eZ\u00ebss\u201c seit \u00fcber vierzig Jahren vor zu singen, seine Vertretung \u00fcbernimmt <span class=\"musik-review-bandname\">Morgan \u00c5gren</span> von <span class=\"musik-review-bandname\">Mats/Morgan</span>. Neben sieben weiteren Vokalisten, darunter die anscheinend unverw\u00fcstliche <span class=\"musik-review-bandname\">Isabelle Feuillebois</span>, sowie den zurzeit nur noch sechs <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span>musikern selbst nahm auch das <span class=\"musik-review-bandname\">Prager Philharmonieorchester</span> an der Aufnahme teil. Theatralik stand <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> schon immer gut.</p>\n<p>Apropos Untertitel: Das St\u00fcck besteht aus sieben Teilen, die ausnahmsweise neben einem koba\u00efanischen auch einen franz\u00f6sischen Titel tragen. Das letzte dieser sieben Teile hei\u00dft \u201eD\u00fcmg\u00ebhl Bla\u00f6 (Glas Ultime)\u201c, was, wie zuvor schon \u201e\u0160la\u011f Tanz\u201c (2015), wahrscheinlich nur im Deutschen witzig klingt. Ich bin unvermindert froh dar\u00fcber, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> mit wenigen Ausnahmen darauf verzichten, die Sprache ihres Heimatlandes Frankreich zu der ihren zu machen. Sch\u00f6n ist es auch, dass auf \u201eZ\u00ebss\u201c anfangs die St\u00e4rken der <em>klassischen</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span>-Phase, n\u00e4mlich das D\u00fcstere und Hymnische, wieder \u00fcber das allzu Beschwingte (\u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c, 2012) siegen. Popmusik ist nicht von Dauer.</p>\n<p>\u201e\u1e80\u00f6hm d\u00ebhm Zeuhl stadium\u201c, untertitelt als die \u201eHymne des Nichts\u201c, l\u00e4utet das Album insofern sehr willkommen ein, n\u00e4mlich getragen mit Klavier und tonlosem Chorgesang. Nach zweieinhalb Minuten setzt der Chef pers\u00f6nlich mit warm vorgetragenem Koba\u00efanisch ein, jedoch nur kurz, denn der Chor \u00fcbernimmt schnell wieder. \u201eDa Zeuhl \u1e80ortz d\u00ebhm \u1e80r\u00ebhntt\u201c \u00fcberrascht dann doch: Zu einem monotonen Klavierrhythmus und treibendem Jazzschlagzeug wird ein franz\u00f6sischer Monolog gehalten. Ich bin verwirrt, zumal es nicht mal scheu\u00dflich, sondern sogar sehr stimmig klingt. <span class=\"musik-review-bandname\">Christian Vander</span> fehlt vielleicht das Kratzig-K\u00fchle, das ich bislang f\u00fcr eine Voraussetzung gehalten hatte, um franz\u00f6sischer S\u00e4nger sein zu d\u00fcrfen. Der nahtlose \u00dcbergang in \u201eD\u00ef \u1e80\u00f6\u00f6hr Spra\u0161er\u201c, \u201ela voix qui parle\u201c (\u201edie sprechende Stimme\u201c), f\u00e4llt auch nur durch den Wechsel der Sprache auf, denn ohne Stilbruch f\u00e4hrt der S\u00e4nger, immer orchestraler begleitet, auf Koba\u00efanisch fort, das immer wieder, vielleicht <a href="\&quot;https://kohntarkosz.blogspot.com/2009/11/some-words-about-recent-controversy.html\&quot;" data-wpel-link="internal">nicht zuf\u00e4llig</a>, wie eine wenigstens gelungene Parodie des Deutschen klingt: \u201eUnd wir am werden St\u00fcrmen sein\u201c, was man trotz des gerollten Rs wahrscheinlich aber ganz anders schreibt. Die zweite H\u00e4lfte dieses Teils wird im Wesentlichen bei gehaltenem Klavierrhythmus mit Scatgesang bestritten. Niemand soll behaupten, <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> h\u00e4tten ihre Jazzwurzeln verdr\u00e4ngt.</p>\n<p>Nach einem kurzen hymnischen Zwischenspiel mit erneutem textlosem Chorgesang schlie\u00dft \u201e\u0160tre\u00fcm \u00dcndets \u1e80\u00ebh\u00ebm\u201c an, in dem das Orchester, wohl \u00fcberwiegend streichend, endlich einmal <em>aufdrehen</em> darf. Dem Klavierrhythmus wird hier ein vor\u00fcbergehendes Ende gesetzt, Blasinstrumente \u00fcbernehmen. \u201eZ\u00ebss Mahnt\u00ebhr Kant\u00f6hm\u201c ist eine Fortsetzung von \u201eD\u00ef \u1e80\u00f6\u00f6hr Spra\u0161er\u201c mit einem noch dichteren Orchester und dominantem Chor. Einen Stilwechsel kann erst \u201eZ\u00ef \u00cfss \u1e80\u00f6ss \u0160t\u00ebh\u00ebm\u201c, in dem der Chor Jesus Christus \u2013 <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">Sanctus! Sanctus!</span> \u2013 besingt, wieder aufweisen, was nicht nur textlich auff\u00e4llt, denn man kennt <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> nicht unbedingt als besonders <em>christliche</em> Band. Tats\u00e4chlich scheint \u201eZ\u00ebss\u201c andauernd jubelnder und fr\u00f6hlicher zu werden. Und das Bl\u00f6de ist: Mir gef\u00e4llt das sogar.</p>\n<p>Aber Moment: Pl\u00f6tzlich verstummen die Instrumente. Wenig Orchester und ein zur\u00fcckhaltendes Klavier bestimmen das abschlie\u00dfende \u201eD\u00fcmg\u00ebhl Bla\u00f6\u201c, das beinahe als Schlager durchginge, wenngleich als au\u00dfergew\u00f6hnlich beschw\u00f6render und \u00fcberdies auf Koba\u00efanisch gesungener. Zwar wird so der Bogen zum Beginn des Albums geschlagen, aber dieses Herausrei\u00dfen aus dem Beschwingten erfolgte doch etwas unversehens.</p>\n<p>Mein Fazit? Nun, \u201eZ\u00ebss\u201c ist selbst im sowieso nicht gerade <em>gew\u00f6hnlichen</em> Gesamtwerk von <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> ein auff\u00e4lliges Album, das konsequent auf dem auf den letzten paar Alben eingeschlagenen Weg fortschreitet, ohne den Ursprung aus den Augen zu verlieren. Als Einstieg in den Zeuhl mag es ungeeignet sein, aber Spa\u00df macht\u2019s dann eben doch. Sollte es das letzte Studioalbum <span class=\"musik-review-bandname\">Magmas</span> bleiben, so war es wenigstens ein w\u00fcrdiger Abschied.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> \u00dcberrascht stelle ich fest, dass sowohl Stream als auch Amazonschnipsel sich zurzeit noch rar machen beziehungsweise gemacht werden. Auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/playlist?list=PLp58zvyi0EgyQu63PU3cDBUdiiIwHbTa7\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> gibt es jedoch eine Wiedergabeliste mit einer etwas \u00e4lteren, aber bereits sehr guten Auff\u00fchrung von \u201eZ\u00ebss\u201c.</p>\n<p>Was sagt der Kalender? Ah, sp\u00e4t dran. Dann machen wir den Rest im Schnelldurchlauf:</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Pelican \u2013 Nighttime Stories</span>\n<p>Diejenigen, die sich an energiegeladenem instrumentalem Postmetal erfreuen k\u00f6nnen, verleitet die Ank\u00fcndigung eines neuen Albums der vier Herren von <span class=\"musik-review-bandname\">Pelican</span> gelegentlich zu Ausdr\u00fccken der Freude, die auch an \u201eNighttime Stories\u201c, ihr angriffslustig riffendes, doomendes und dr\u00f6hnendes sechstes Studioalbum, nicht verschwendet sind. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Nighttime-Stories-Pelican/dp/B07QN3DC2B?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a>\n</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Lost in Kiev \u2013 Persona</span>\n<p>\u201ePersona\u201c ist effektverzierter, gitarrengetriebener Konzept-Postrock aus Frankreich mit <em>genau richtig</em> eingesetzten gesprochenen Texten, f\u00fcr den tief in den Archiven von <span class=\"musik-review-bandname\">Russian Circles</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Explosions in the Sky</span> gew\u00fchlt wurde und der 2019 zu den bisher besten der Dekade gez\u00e4hlt werden kann. <a href="\&quot;https://lostinkiev.bandcamp.com/album/persona\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Spotlights \u2013 Love &amp; Decay</span>\n<p>Hinter diesem unauff\u00e4lligen Titel verbirgt das Trio aus New York sch\u00f6n <em>dichten</em> Doom/Shoegaze, der es sich, verfeinert mit bemerkenswert sanftem Gesang, auf dem optimalen Platz zwischen Schwere und Melodie gem\u00fctlich gemacht hat. <a href="\&quot;https://spotlights.bandcamp.com/album/love-decay\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Lost World Band \u2013 Spheres Aligned</span>\n<p>Nach Aufnahmen in Moskau und New York erfreut diese russische Band den Freund klassischen Progressive Rocks sowie \u00f6stlicher Folklore mit einer gelungenen Kombination aus beidem, dargeboten mit Fl\u00f6te, Geige, brummendem Bass, schneidender Gitarre und einer angemessenen Menge an sch\u00f6n zur\u00fcckhaltenden Vokaleinlagen. <a href="\&quot;https://lostworldband.bandcamp.com/album/spheres-aligned\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Karakorum \u2013 Fables and Fairytales</span>\n<p>Fast bleiben wir im Genre: <span class=\"musik-review-bandname\">Karakorum</span> kredenzen eine vortreffliche Creme aus Retroprog, Canterbury und Classic Rock in einer Darbietung, die mit perlendem Bass und rauchigem Gesang besticht. <a href="\&quot;https://karakorum.bandcamp.com/album/fables-and-fairytales\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Labirinto \u2013 Divino Afflante Spiritu</span>\n<p>Hei\u00dft italienisch, kommt aber aus Brasilien: Das im Februar ver\u00f6ffentlichte \u201eDivino Afflante Spiritu\u201c, aus unklaren Gr\u00fcnden mit Gro\u00dfbuchstaben vor jedem Wort, vereint bretternden Postmetal mit endlich mal passendem Gesang, n\u00e4mlich heiserem Growling, obwohl das Album weitgehend instrumental <em>stattfindet</em>. <a href="\&quot;https://labirinto.bandcamp.com/album/divino-afflante-spiritu\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Moth Gatherer \u2013 Esoteric Oppression</span>\n<p>Was dieser Liste ja auch noch gefehlt hat, war ein wenig Postmetal, und <span class=\"musik-review-bandname\">The Moth Gatherer</span> servieren ihn auf einer reichhaltig gef\u00fcllten Platte mit Hauptg\u00e4ngen in den Geschmacksrichtungen Drone, Ambient und Blackmetal mit gebr\u00fcllten <em>lyrics</em> (\u201eThe Drone Kingdom\u201c); da verzeiht man auch das \u00dcbernehmen der schrecklichen Unsitte, ein Album mittels <em>fadeout</em> einfach auszublenden (\u201ePhosphorescent Blight\u201c), statt sich ein gutes Ende zu \u00fcberlegen. <a href="\&quot;https://agoniarecords.bandcamp.com/album/esoteric-oppression\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Cities of Mars \u2013 The Horologist</span>\n<p>Einen noch f\u00fcr den Weg: Das schwedische Trio <span class=\"musik-review-bandname\">Cities of Mars</span> ver\u00f6ffentlichte im April 2019 ihr zweites Volll\u00e4ngenstudioalbum \u201eThe Horologist\u201c, beworben als eine Art Konzeptalbum \u00fcber die mythische Geschichte des Planeten Mars, auf dem sie \u2013 manchmal ein bisschen zu ausschweifend und monoton (\u201eThe Last Electric Dream\u201c), aber dennoch beachtenswert \u2013 dem H\u00f6rer einen hervorragenden <em>smoothie</em> aus Stoner Rock und Sludge pr\u00e4sentieren, wenngleich mein Lieblingsst\u00fcck auf dem Album \u2013 \u201eWork Song\u201c, das sich auf ein mehrstimmiges Folk-<em>intro</em> st\u00fctzt und allm\u00e4hlich ausufert \u2013 <em>eigentlich</em> gar nicht ins Konzept passt. <a href="\&quot;https://citiesofmars.bandcamp.com/album/the-horologist-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n</ol>\n<p>Mehr \u2013 und die R\u00fcckschau auf die letzten paar Jahrzehnte in der Musik \u2013 gibt es wie gewohnt in etwa einem halben Jahr an gewohnter Stelle zu lesen.</p>\n<p>Man bleibe einander gewogen.</p>\n<hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/07/musik-06-2019-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/b094af38ed9b4e36975e65af4b6db7a1\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 22 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickLange nichts mehr \u00fcber Musik geschrieben.\nDas erste halbe Jahr 2019 ist vorbei \u2013 schon jetzt bietet sich daher eine Gelegenheit, ein paar Worte \u00fcber die passabelsten Musikalben des Jahres zu verlieren. Wie \u00fcblich erhebe ich keinen Anspruch darauf, eine vollst\u00e4ndige Liste vorzulegen, zumal noch \u2013 zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Absatzes \u2013 ein halbes Jahr vor uns liegt. Nat\u00fcrlich war ich wie meist ungeduldig und habe bereits die diesj\u00e4hrigen Studioalben von Mono, The Claypool Lennon Delirium und Sunn O))) kurz bewertet, weshalb sie hier nicht mehr auftauchen.\nDie anderen Musikwerke dieses ersten halben Jahres sind aber auch nicht unbedingt schlecht. Das w\u00e4ren diese hier:\n\nIthaca \u2013 The Language of Injury\n\u201eI\u2019m not here to make friends.\u201c (Youth vs. Wisdom)\nZur Einstimmung auf das, was folgt, beginne ich diesmal mit etwas Metal- und Mathcoremusik. Das aus London stammende Quintett Ithaca, dem Brexit trotzend, \u00fcberzog Europa 2019 mit ihrem ersten eigentlichen Studioalbum \u201eThe Language of Injury\u201c, nachdem sie mit einigen k\u00fcrzeren Ver\u00f6ffentlichungen schon mal einen Vorgeschmack gew\u00e4hrt hatten. Die hier enthaltenen St\u00fccke sind recht kurz, aber das ist nicht schlimm.\n\u201eThe Language of Injury\u201c erreichte die M\u00e4rkte im Februar, also bei eher unsch\u00f6nen Temperaturen, aber die enthaltene Musik h\u00e4lt hinreichend warm. Djamila Azzouz, die eine Frau ist, aber gar nicht so klingt, schraubt ihre Schreistimme in aberwitzige Intensit\u00e4t hinein, w\u00e4hrend Schlagzeuger James Lewis seine Bandkollegen (zweimal Gitarre, einmal Bass) maschinengewehrartig zur H\u00f6chstleistung an. Nach der Aufnahme von \u201eThe Language of Injury\u201c wurde Bassist Drew Haycock allerdings ersetzt, was ich bedaure, denn sein Spiel auf diesem Album sagt mir zu. \u201eThe Language of Injury\u201c wird im Internet als \u201echaotisch und aggressiv\u201c beschrieben, was nur die halbe Wahrheit ist.\nDen taktversetzten, gitarrenbretternden Growlingattacken n\u00e4mlich stehen Momente wie das instrumentale \u201e(No Translation)\u201c oder auch Teile des Titelst\u00fccks entgegen, in denen es geradezu sph\u00e4risch und sanft zugeht. Das verdeckt allerdings \u2013 zum Gl\u00fcck \u2013 nicht, dass die herausgeschriene Einsamkeit die Essenz ist, die dieses Album bildet. Jedem, dem auch manchmal zum Schreien zumute ist, ist es sicherlich ein Genuss; mir zum Beispiel.\nEin Banause ist, wer noch sitzen bleibt.\nReinh\u00f6ren: Stream und Kauf gibt es auf Amazon.de und Bandcamp.\nJuleah \u2013 Desert Skies\n\u201eHigh on junk, that\u2019s what we are.\u201c (Analogue)\nDen Regelm\u00e4\u00dfigen meiner Leser ist die oft sonnenbebrillte \u00d6sterreicherin Juleah eine alte Bekannte: Nicht nur war \u201eStrawberry Shake\u201c von ihrem aktuellen Album \u201eDesert Skies\u201c im Februar 2019 wie schon 2015 ihr Lied \u201eBeautiful for you\u201c zur Montagsmusik avanciert, auch ihr Album \u201eMelt Inside The Sun\u201c endete bereits auf einer meiner Jahreslisten.\nVielleicht kann man etwas daraus folgern, dass auch \u201eDesert Skies\u201c hier in dieser Liste auftaucht, mindestens jedoch, dass es Musiker zu geben scheint, die einen Qualit\u00e4tsverlust ablehnen. Alles, was Juleah daf\u00fcr tun musste, war es, so zu bleiben, wie sie war. \u201eDesert Skies\u201c ist ein Album voller Psychedelic Rock. Der \u201eFalter\u201c nannte es \u201eDreampop\u201c und ich mag immer noch keine Genrenamen. Das Album ist ungef\u00e4hr 39 Minuten lang, kommt mir aber k\u00fcrzer vor.\nNat\u00fcrlich dominiert die Gitarre dieses Album, wie sich das f\u00fcr anst\u00e4ndige Rockmusik eben geh\u00f6rt, aber die Multiinstrumentalistin streut auch gern mal andere T\u00f6ne, etwa die einer Orgel (\u201eCatch-22\u201c), ein, was zu einem Gesamtsound f\u00fchrt, der zeitgen\u00f6ssische Rezensenten zu der Bemerkung veranlasste, The Brian Jonestown Massacre habe hier offenbar seine Spuren hinterlassen. Auch Bluesrock, insbesondere \u00fcber den herrlichen Bass, und Folk werden gekonnt eingeflochten. Auch die Stimme, vielschichtig hallend gemischt und ein bisschen frech klingend, entt\u00e4uscht noch immer nicht. Sie habe Gesangsunterricht genommen, erz\u00e4hlte sie in einem Interview anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung von \u201eDesert Skies\u201c. Zum Gl\u00fcck singt Juleah weiterhin auf Englisch. \u00d6sterreichisch w\u00e4re doch wirklich eine Verschwendung.\nReinh\u00f6ren: Man k\u00f6nnte sich das Video zu \u201eStrawberry Shake\u201c reinziehen; und sich dann, nat\u00fcrlich das ganze Album g\u00f6nnen, etwa auf Amazon.de oder Bandcamp.\nCabinets of Curiosity \u2013 The Chaos Game\nBei Cabinets of Curiosity handle es sich, las ich soeben, um die \u201ebekannteste Progband in Bordentown, New Jersey\u201c. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage kann ich nicht objektiv beurteilen, subjektiv ist es zumindest zutreffend, dass mir gerade keine andere Progressive-Rock-Band bekannt ist, die sich in Bordentown, New Jersey, befindet. F\u00fcr die Beurteilung als \u201eProgband\u201c gibt es aber Anhaltspunkte: S\u00e4ngerin Nat Hornyak nahm um den Jahreswechsel von 2018 auf 2019 herum an einem dieser Wettbewerbe auf Twitter teil, indem sie ein paar Musikalben nannte, die ihr etwas bedeuten. Darunter konnte der interessierte Leser auch etwas von Genesis, Jethro Tull und Yes \u2013 und keineswegs die schlechtesten ihrer Alben \u2013 finden. S\u00e4ngerinnen setzen sich oft durch, ich verbuche das also als gutes Zeichen.\n\u201eThe Chaos Game\u201c ist dabei das Deb\u00fct-Vollzeitalbum von Cabinets of Curiosity. Dem Internet ist ein/eine unbetitelte EP von Mai 2016 bekannt, seitdem wurde in der siebenk\u00f6pfigen Besetzung lediglich der Keyboarder ausgetauscht. Eine gewisse Reife im Zusammenspiel der Band ist also anzunehmen.\nUnd die ist tats\u00e4chlich gegeben: Nach \u201eDeath, She Walks On\u201c, einer Art A\u2011Cappella-Gesang der S\u00e4ngerin mit sich selbst (bekannt geworden durch den \u201eProphet\u2019s Song\u201c von Queen) exerziert die Band den Canterbury durch. Dabei ist \u201eAngular Sterility\u201c eigentlich blo\u00df Jazzrock mit abgedrehtem Gesang, der allerdings in einen gut gef\u00fcllten Eimer Beardfish und, der Fl\u00f6te von Kristina Bacich sei\u2019s gedankt, Camel getaucht wurde. Beim Gesang kommen mir zumeist die Stolen Babies in den Sinn, was auch eine Art Qualit\u00e4tsmerkmal ist. \u201eFractals &amp; Coastlines\u201c, \u00fcber 12 Minuten lang, ist eine Art Suite, deren einzelne Teile jedoch nicht ineinander \u00fcbergehen, sondern nur \u2013 etwas einfallslos \u2013 hintereinander h\u00e4ngen. Zu h\u00f6ren sind Gentle Giant, Hatfield &amp; the North und, vermutlich vor allem dank der mir mit jeder Minute etwas besser gefallenden S\u00e4ngerin, Thinking Plague, bevor das St\u00fcck abermals mit gemalten Camel-Landschaften ausklingt. Etwas aus dem Rahmen des \u00fcbrigen Albums f\u00e4llt \u201eIn A Day\u201c, das ein Solost\u00fcck von Nat Hornyak an Klavier und Mikrofon zu sein scheint, obwohl es mehrere Gesangsspuren gibt. Ich denke an Tina Turner und bin nicht unzufrieden damit.\nEs gibt einen companion zu \u201eThe Chaos Game\u201c, in dem Texte und eine Art Konzept drinstehen. Auf schnellen Erfolg haben sie es nicht unbedingt abgesehen. Das Album lebt von der Kombination aus der eindrucksvollen Stimme von Nat Hornyak und dem verspielten Jazzrock ihrer Mitmusiker, ungeachtet des Umstandes, dass das Wort \u201eMitmusiker\u201c niemals verwendet werden sollte.\nDas Ziel von Cabinets of Curiosity, las ich, sei es, das Zeitalter des klassischen Progs wieder zum Leben zu erwecken. (Wie t\u00f6tet man eigentlich Zeitalter?) Das Ziel haben sie nicht verfehlt.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com scheint die bevorzugte Anlaufstelle zu sein, auf Amazon.de gibt es wenigstens einen Download und die \u00fcblichen H\u00f6rschnipsel.\nni \u2013 Pantophobie\nIm Dezember 2018 befand ich \u201eBran Coucou\u201c, das anscheinend bisher einzige Album von PinioL, f\u00fcr angenehm verr\u00fcckt. PinioL ist ein Zusammenschluss von PoiL und ni, von letzterer Band gab es bisher nur ein einziges eigenes Studioalbum.\nDies ist ihr zweites.\nEs wird unter anderem als RIO und Jazzcore beworben, was nach \u201eBran Coucou\u201c recht nahe liegt und Assoziationen mit King Crimson weckt. In der Tat beginnt das erste der neun Titel, \u201eH\u00e9liophobie\u201c, so instrumental und zerrissen, wie es auch die ProjeKcts aufzunehmen imstande waren. Pantophobie ist die Angst vor allen Dingen, dass alle neun bis elf \u2013  der erste (\u201ePhonophobie\u201c) und der letzte (\u201eAp\u00e9irophobie\u201c) Titel scheinen in der Bandcampvariante nicht vorhanden zu sein \u2013 St\u00fccke eine Phobie benennen, ist daher nur konsequent. Nach etwa vier Minuten gibt es erstmals geschriene Vokaleinw\u00fcrfe und das Album bleibt anschlie\u00dfend kantig irre.\nDas Quartett flackert zwischen Metal und Jazzigem umher, zerreibt Strukturen im Chaos. Nach meinen Erfahrungen beim Zusammenstellen dieser fast regelm\u00e4\u00dfigen Listen ist es nicht verfehlt, von typisch franz\u00f6sischer Avantgardemusik zu sprechen; eben \u201eRIO/Avant\u201c im besten Sinne. Michael Bohli zieht das Fazit:\n\u201cPantophobie\u201d passiert, und zwar zu jeder Sekunde.\nUnd wer braucht Takte und Ordnung, wenn er stattdessen ein Geschehen haben kann?\nReinh\u00f6ren: Vinyl, Downloads, CDs und H\u00f6rproben bietet Amazon.de feil, ansonsten g\u00e4be es noch Bandcamp.\nDavid Torn/Tim Berne/Ches Smith \u2013 Sun of Goldfinger\nDavid Torn ist ein US-amerikanischer Jazzgitarrist, der bereits mit David Bowie, Bill Bruford, Tony Levin und Don Cherry zusammengearbeitet hat. Gemeinsam mit dem Saxophonisten Tim Berne sowie dem unter anderem von Secret Chiefs 3 bekannten Schlagzeuger Ches Smith hat er ein Album namens \u201eSun of Goldfinger\u201c aufgenommen. Alle drei Musiker sind einander nicht unbekannt und halfen einander auch in der Vergangenheit bereits aus. Man verzeihe mir, dass ich als gelegentlich erfreuter Experimentaljazzh\u00f6rer diesem Album manche Vorschusslorbeere in den Hals stopfte.\nEs hat sie alle geschluckt.\nWie zu erwarten war, handelt es sich bei \u201eSun of Goldfinger\u201c um ein rein instrumentales Album. \u201eJazzTrail\u201c sprach von einem Pflichtalbum f\u00fcr Anh\u00e4nger neuer Musik, derer einer ich fraglos bin. Es gibt drei St\u00fccke mit einer L\u00e4nge zwischen 22 und 24 Minuten, was \u201eSun of Goldfinger\u201c nicht nur relativ lang (aber keineswegs l\u00e4ngenhaltig) macht, sondern auch ahnen l\u00e4sst, wohin die Reise geht: Ich h\u00f6re vor allem Freiform-Jazz, in dem das Improvisieren hoch gehalten wird, aber auch eine in keiner Sekunde kitschige Spielart der Weltmusik, vor allem in der zweiten H\u00e4lfte von \u201eSpartan, Before It Hit\u201c. Sicher: Wer dem ungef\u00e4hren beschriebenen Stil noch nie viel abgewinnen konnte, der kann dieses Album \u00fcberspringen, ohne bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, viel verpasst zu haben. Wer aber grunds\u00e4tzlich f\u00fcr Jazz offen ist, dem scheint keine Minute dieses Albums eine Verschwendung von Zeit zu sein \u2013 auch und gerade nicht mir.\nAls \u201eDeb\u00fctalbum\u201c wird es weithin benannt, was in dieser Konstellation vermutlich nicht falsch ist. Zwar ist im Jazz wechselnde Zusammenarbeit nicht ungew\u00f6hnlich, ich hoffe dennoch, \u201eSun of Goldfinger\u201c bleibe nicht das erste und letzte gemeinsame Album der drei Herren.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de (kurz), TIDAL (lang).\nDe Staat \u2013 Bubble Gum\nVon De Staat, einer niederl\u00e4ndischen Popgruppe, berichtete ich zuletzt 2016, als ihr angenehmes Album \u201eO\u201c ver\u00f6ffentlicht worden war:\n(\u2026) channeln De Staat mal Primus (\u2026), mal die Pet Shop Boys, schwingen im Kosmos von Tanzpop (\u2026), New Wave und Groove herum, ohne sich dabei in irgendwelche Grenzen zw\u00e4ngen zu lassen.\nMuss denn auf jedem Album ein ganz neuer Stil her? Ich finde: Nein. Und so ist auch \u201eBubble Gum\u201c trotz seines Titels zwar ein Album mit Popmusik geworden, aber Kaugummipop sucht man weiterhin vergebens. Gew\u00fcrzt wird \u201eBubble Gum\u201c mit Fr\u00fch-90er-Elektronik (\u201ePikachu\u201c) und einer beeindruckenden Eing\u00e4ngigkeit, ansonsten nehmen sie weiterhin die besten Primus-Alben auf, die nicht von Primus selbst stammen. \u201eBubble Gum\u201c ist ein sehr lebendiges Album, das auch mal in Text und Stil Boybands (\u201eFake It Till You Make It\u201c) persifliert. Man sollte den Humor dieser Band m\u00f6gen, ansonsten kann man De Staat nicht g\u00e4nzlich genie\u00dfen. Ich mag ihn und genie\u00dfe, Tanzpop hin oder her. Mein Bedarf an Kurzweil bedankt sich artig f\u00fcr die Reverenz.\nAuf dem Niveau k\u00f6nnen\u2019se gerne noch etwas bleiben.\nReinh\u00f6ren: Es gibt ein gewohnt seltsames Video zum er\u00f6ffnenden \u201eKITTY KITTY\u201c, im \u00dcbrigen helfen Amazon.de und TIDAL wom\u00f6glich weiter.\nKuhn Fu \u2013 Chain The Snake\nWir bleiben in den Niederlanden.\nVon dort, aus Groningen n\u00e4mlich, kommen au\u00dfer De Staat auch Kuhn Fu. Weil im deutschen Sprachraum der Name \u201eKuhn\u201c vielleicht Vergleiche weckt, die nicht unbedingt angemessen sind, sei hier darauf hingewiesen, dass der Name eigentlich falsch ist, denn der Gitarrist und S\u00e4nger dieses Quartetts hei\u00dft Christian K\u00fchn. Nach zwei Alben, die ebenfalls irgendwas mit \u201eKuhn\u201c hie\u00dfen, ist \u201eChain the Snake\u201c nun das dritte Studiowerk der seit dem letzten Album \u201eKUHNSPIRACY\u201c (2017) lediglich am Schlagzeug umbesetzten Gruppe.\nIn \u201eTraktus\u201c wird auf Deutsch geflucht, ansonsten ist der mal kom\u00f6diantische (\u201eWolf\u2019s Muckenkogel\u201c), meist aber wenigstens irgendwie schr\u00e4ge (\u201eMarco Messy Millionaire\u201c) Gesang auf Englisch gehalten. Weil das einfallslos ist, spielt die Band dazu um so bemerkenswertere Musik: Es wird, kr\u00e4ftig unterst\u00fctzt von Ziv Taubenfeld an der Bassklarinette, bl\u00e4serorientierter Jazzrock hervorgebracht, der wieder einmal in guter, alter RIO-Tradition steht. Versetzte Rhythmen (\u201eGargamel\u201c) treffen auf crimsonesque St\u00fccke (\u201eGustav Grinch\u201c)\nAuf den \u201eBabyblauen Seiten\u201c befand Siggy Zielinski im M\u00e4rz 2019, Kuhn Fu seien \u201eein hei\u00dfer Tipp f\u00fcr die Freunde von Avant-Jazz-Punk-Prog\u201c. Ich f\u00fchle mich angesprochen und bin nicht entt\u00e4uscht.\nReinh\u00f6ren: Das komplette Album gibt es als Stream bei TIDAL und Bandcamp, bei letzterer Anlaufstelle sowie bei Amazon.de auch auf physischem Tontr\u00e4ger zum Verkauf.\nInter Arma \u2013 Sulphur English\nInter Arma ist zwar Latein, bezeichnet jedoch ein recht haariges Quartett aus Richmond. Diesem sei bescheinigt, dass es auf seinem seltsam benannten Studioalbum \u201eSulphur English\u201c Sludge Metal spielt, der so gut ist, dass sogar ich ihn mag.\nSchrilles Pfeifen, dumpfe Schl\u00e4ge von fern: Mit \u201eBumgardner\u201c beginnt \u201eSulphur English\u201c r\u00e4tselhaft, bevor nach einer Minute schleppender Doom Metal einsetzt. Lyrics gibt es noch nicht, wohl aber im folgenden \u201eA Waxen Sea\u201c, in das \u201eBumgardner\u201c \u00fcbergeht, wenngleich man sie akustisch kaum versteht: \u201eI raise my hands to the sea beyond, intoxicated by the winds that whip up from her fair shores\u201c, genau so klingt das hier Geh\u00f6rte auch. Sch\u00f6nklang? Pah, Gebr\u00fcll \u2013 inmitten des St\u00fccks gar: Gekreisch \u2013 zu Instrumentalrudelbums! Man hat ja hier einen Ruf zu verlieren (einen schlechten).\nWer jetzt noch nicht tot aus dem Sessel gefallen oder panisch aus dem Fenster gesprungen ist, dem sei versichert, dass das Album dieses Niveau bis zum Ende durchh\u00e4lt, mitunter bereichert von Zwischenspielen wie einem unerwarteten, ausgedehnten Psychedelic-Hardrock-Gitarrensolo (\u201eCitadel\u201c), Doom- (\u201eBlood on the Lupines\u201c) und Shoegazemomenten (\u201eHowling Lands\u201c). Dabei schweifen sie auch schon mal aus \u2013 das l\u00e4ngste St\u00fcck \u201eThe Atavist\u2019s Meridian\u201c ist mitsamt Spannungsaufbau und Klimax \u00fcber zw\u00f6lfeinhalb Minuten lang -, keinesfalls aber lassen sie es dabei langsam angehen. Inter Arma halten sich nicht mit Bitten auf, sie verteilen \u201ereinigende Kopfn\u00fcsse\u201c (Jake Walters) und das zu Recht.\nDass das warme \u201eStillness\u201c, getragen von Schlagzeug und Akustikgitarre, in seiner ersten H\u00e4lfte neben den Sp\u00e4talben von Pink Floyd nur aufgrund seiner seltsamen Unruhe besonders auffallen w\u00fcrde, widerspricht dieser Erkenntnis nicht, denn die zweite H\u00e4lfte erinnert wieder daran, womit wir es hier zu tun haben. Mich am\u00fcsiert der geschriene Titel des St\u00fccks. Anscheinend gibt es auch eine Text-Klang-Schere.\n\u201eSulphur English\u201c ist ein lautes, brutales Album. Es hat seinen Platz in dieser Liste redlich verdient. Bitte nicht schie\u00dfen!\nReinh\u00f6ren: Zu \u201eHowling Lands\u201c gibt es ein Musikvideo, ansonsten k\u00f6nnten Amazon.de, TIDAL und Bandcamp.com weiterhelfen.\nDrahla \u2013 Useless Coordinates\n\u201eHave you ever seen a neon globe flicker?\u201c (Stimulus for Living)\nWeniger brutal geht Drahla, eine britische Postpunkband, zu Werke. Nach einigen k\u00fcrzeren Ver\u00f6ffentlichungen hat sie es 2019 endlich geschafft, ihr Deb\u00fctalbum \u201eUseless Coordinates\u201c einer \u00fcberraschten \u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren. Ihre Herkunft hat unter anderem den Vorteil, dass S\u00e4ngerin Luciel Brown die sch\u00f6nere Form des Englischen von sich gibt, n\u00e4mlich das Britische mit herrlich gedehnten Vokalen. Selbst schuld, wer den US-amerikanischen Dialekt wertsch\u00e4tzt, denn hier entgeht ihm was. Die Dame ist nie laut und aufgeregt, immer eher locker-luftig. Fein.\nUnd die Musik selbst taugt auch was. \u201eGilded Cloud\u201c etwa weist ein langes, immer wieder unterbrochenes intro auf. \u201eSerenity\u201c f\u00fchrt den stiltypischen Sprechgesang ein, erstmals sind hier auch die Saxophoneinw\u00fcrfe von Gastmusiker Chris Duffin zu h\u00f6ren, die sp\u00e4ter immer wieder vorkommen. Mitunter (\u201eSerotonin Level\u201c) denke ich an diejenige Besetzung von Van der Graaf Generator, in der noch David Jackson mitspielen wollte, obwohl wir uns hier in einem ganz anderen Genre bewegen. Auch im folgenden \u201ePyramid Estate\u201c spielt das Saxophon neben dem dominanten Bass \u2013 den ich bei Postpunkplatten sehr sch\u00e4tze \u2013 eine gewichtige Rolle und bekommt sogar eine Solopassage. Anderswo (\u201eStimulus for Living\u201c, \u201ePrimitive Rhythm\u201c) versucht sich die Band an Grunge. Fast bin ich der Ansicht, Sonic Youth zu h\u00f6ren. Ich mag Sonic Youth.\nDas im Internet als zentrales St\u00fcck der Platte beschriebene \u201eReact/Revolt\u201c ist ein aus anderen Gr\u00fcnden erfreuliches: Saxophon und Bass leiten mit instrumentalem Free Jazz ein, bevor nach zweieinhalb Minuten gitarrengetriebener Postpunk \u00fcbernimmt, wie er auch sp\u00e4ter (\u201eSerotonin Level\u201c) wieder zu h\u00f6ren sein wird. Das ansonsten recht normal postpunkende \u201eTwelve Divisions of the Day\u201c \u00fcberrascht mittig mit einem erstaunlich lauten und druckvollen Teil mit angenehm schr\u00e4gen Zwischent\u00f6nen. Keine Sorge, eingeschlafen w\u00e4re ich auch sonst nicht. Dass Drahla aus der eher linken \u201eSzene\u201c stammen, ruft das letzte Lied \u201eInvisible Sex\u201c nochmals in Erinnerung, in dem es mit bedr\u00fcckender Stimmung um erfundene Geschlechter geht. In Berlin k\u00f6nnte man damit auch erfolgreich werden.\nInsgesamt dominieren hier allerdings vergleichsweise lange Instrumentalpassagen, die f\u00fcr die gelegentlich sehr gr\u00fcnen Texte mehr als entsch\u00e4digen. Platten wie diese h\u00f6re ich selten wegen ihres lyrischen Anspruchs, aber die Melodien, die Melodien! Da sieht man (also: sehe ich) auch dar\u00fcber hinweg, dass Lieder und Album vergleichsweise kurz ausfallen. Bonuspunkte gibt es im \u00dcbrigen f\u00fcr das sch\u00f6n schlechte Coverbild, das darauf hinweist, was drin ist. So was wird heutzutage ja viel zu selten gemacht.\nReinh\u00f6ren: Das Album gibt es auf Amazon.de, Bandcamp.com und TIDAL.\nBoltzmann Brain \u2013 Spacesquid Brain\nEin Boltzmann-Gehirn, dar\u00fcber informieren verschiedene Publikationen, bezeichnet das menschliche Gehirn, das in einem beliebig gro\u00dfen Universum in einem beliebigen Zeitraum irgendwann durch quantenphysikalische Zusammenh\u00e4nge unweigerlich entstehen wird. Boltzmann Brain kommen trotzdem aus Ilmenau. Das Universum erlaubt sich eigenartige Scherze.\nDem Namen des Albums entsprechend haben wir es hier mit Spacerock zu tun, allerdings nicht in seiner unverf\u00e4lschten Form, denn Boltzmann Brain m\u00f6gen das Spiel mit den Stilen und lassen sich vom Krautrock ebenso inspirieren wie vom 70er-Fusion. Schon \u201eGoodbye, Mr. Clooney\u201c (neuneinhalb Minuten lang), das erste der nur vier St\u00fccke, beginnt mit einem langen experimentellen Instrumentalintro und gew\u00e4hrt erst nach \u00fcber viereinhalb Minuten Laufzeit etwas Entspannung. Eine stark verzerrte Stimme spricht energiegeladen Texte, die ich erst mal nachlesen m\u00fcsste, aber nicht will. Das erinnert mich an Faust und ich bin bereits entz\u00fcckt. Eher an der Fr\u00fchphase von Can ist das folgende \u201eInfinity\u201c orientiert, das auf eine Jazzgrundlage aufgebaut ist. Der S\u00e4nger dreht allm\u00e4hlich durch, bellt und br\u00fcllt mal punkig, mal grungig, mal bluesig unver\u00e4ndert verzerrt ins Mikrofon. \u201eI tried to see / what you showed to me\u201c, ach so, naja.\nPunkig ist auch \u201eSucqmah\u201c, das anfangs aus zu Punkrock durchgef\u00fchrten Elektronikexperimenten besteht, sich aber anschlie\u00dfend dem Jazzrock zuwendet. Das St\u00fcck ist instrumental. Das Internet behauptet, der Text zum Lied laute \u201eoh\u201c, aber das ist nat\u00fcrlich kein Text und das Internet sollte sich sch\u00e4men. Falls jemand nicht so viel Zeit hat, wissen Boltzmann Brain Rat: \u201eUntil\u201c ist , musikalisch betrachtet, eigentlich eine Zusammenfassung der ersten drei St\u00fccke mit ein bisschen Text drin. Lang sind die Texte auf \u201eSpacesquid Brain\u201c allerdings allesamt nicht. Das macht nichts, daf\u00fcr ist Spacerock auch nicht so gut geeignet.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de hat Schnipsel und Bezahlstream, M\u00f6glichkeiten zu Kauf und Komplettstream gibt es ansonsten auf Bandcamp.com.\nBIG|BRAVE \u2013 A Gaze Among Them\nDie Stadt Montr\u00e9al kennen wir Musikliebhaber vor allem daher, dass Godspeed You! Black Emperor sowie ein halbes Dutzend personell verwandter Gruppen, zumeist mit Postrockhintergrund, sich dort beheimatet sehen. Bei mehreren von ihnen spielt unter anderem Thierry Amar (Bass und Kontrabass) mit.\nSelbiger gastiert auch auf \u201eA Gaze Among Them\u201c, dem vierten Vollalbum von BIG|BRAVE aus derselben Stadt, zurzeit anscheinend bestehend aus Robin Wattie (Gitarre, Bass, Gesang), Mathieu Ball (Gitarre) und Loel Campbell (Schlagzeug). Das Album besteht aus f\u00fcnf St\u00fccken, grunds\u00e4tzlich ein gutes Zeichen.\nDass BIG|BRAVE trotzdem keinen schwerm\u00fctigen Postrock aufnehmen, sondern sich etwas abseits tummeln, tut der Abwechslung ja durchaus gut. Mehr als einmal werde ich trotz des extrovertiert-aufgedrehten Gesangs an Sigur R\u00f3s\u2018 \u201eBrennisteinn\u201c erinnert. Ich h\u00f6re Noiserock, Postmetal und Psychedelic Rock, umwoben von und verflochten mit Gitarrendrones. Das zweite und zweitl\u00e4ngste St\u00fcck \u201eHolding Pattern\u201c f\u00e4llt dabei fast ein wenig aus der Reihe: Es beginnt ambient, geht dann aber wieder in beklemmend elektronische Psychedelic mit einem ungew\u00f6hnlichen, aber nicht st\u00f6renden Stampfbeat \u00fcber. Wenn ich etwas kritisieren m\u00fcsste, dann, dass die Abmischung von \u201eA Gaze Among Them\u201c f\u00fcr einen etwas verwaschenen Klang sorgt, der die gedachte Punktzahl aber auch nicht deutlich senkt. Erfreulich ist es jedoch, dass ich das gar nicht muss und es deswegen auch sein lasse.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de, TIDAL und Bandcamp.com sind von mir empfohlene Reinh\u00f6r- und zum Teil auch Kaufgelegenheiten.\nThe Warlocks \u2013 Mean Machine Music\nVon einer Band, die so hei\u00dft, wie sie hei\u00dft, weil The Velvet Underground irgendwann auch mal so hie\u00dfen, wird schon vor dem H\u00f6ren einiges erwartet, jedenfalls von mir. Dass sie ein Album herausbringt, das \u201eMean Machine Music\u201c hei\u00dft, verst\u00e4rkt diesen Effekt.\nDass \u201eMean Machine Music\u201c von The Warlocks trotzdem keine Kopie von Lou Reeds \u201eMetal Machine Music\u201c ist, verzeihe ich ihr gern, denn ihrer Vorbilder ist sie sich trotzdem bewusst. Die gemeinsame Liebe zu Rock &amp; Roll habe sie zusammengef\u00fchrt, behauptet die Biografie auf der Bandcampseite, aber dahinter steckt mehr als Elvis Presley. \u201eRock &amp; Roll\u201c legt die Band auch gro\u00dfz\u00fcgig aus, denn w\u00e4hrend ich die wohl bekannteste Rock-and-Roll-Band, die nur ein Album lang wirklich \u201eRock &amp; Roll\u201c \u2013 eines der Lieder hie\u00df sogar so \u2013 zu spielen versucht hat, im Nuschelgesang ebenso wiedererkenne wie in den monotonen Rhythmen, die den Fuzz- und Dronesch\u00fcben zugrunde liegen, ist vieles auf \u201eMean Machine Music\u201c doch eher dem Postpunk zuzuordnen, woran der grollende Bass, der mal von S\u00e4nger und Frontmann Bobby Hecksher, meist aber von Christopher DiPino bedient wird, seinen angemessenen Anteil einzufordern wohl berechtigt w\u00e4re.\nGenau genommen ist \u201eMean Machine Music\u201c sogar zwei Alben, denn das Album ist sowohl in seiner normalen als auch in einer reduzierten, instrumentalen Version (also ohne Gesang) zu h\u00f6ren; nach \u201eTribute to Hawkwind\u201c, das auch genau so klingt, wie es hei\u00dft, beginnen die reprises jedes der f\u00fcnf St\u00fccke. In der Beschreibung ist dazu, frei \u00fcbersetzt, zu lesen:\nInspiriert von allem zwischen Stereolab, Krautrock und Death-Rock pr\u00e4sentiert dieses Album f\u00fcnf neue Kompositionen und sucht diese Lieder dann f\u00fcr instrumentale Wiederaufnahmen erneut auf, die tiefe Schichten voller Melodie und Atmosph\u00e4re offenbaren!\nDas mit der \u201eMelodie und Atmosph\u00e4re\u201c klappt tats\u00e4chlich sehr gut. Der erste Teil des Albums begeistert mit dem R\u00fcckgriff auf den besseren Teil der Rockmusik der 1960er Jahre, der zweite Teil wiegt sich groovend ins Geh\u00f6r und ins Innere. Ein Album zum Schwelgen.\nReinh\u00f6ren: Wie inzwischen gewohnt stehen Amazon.de, TIDAL und Bandcamp.com bereits bereit. Offenbar ist die Instrumentalversion von \u201eTribute to Hawkwind\u201c jedoch nicht \u00fcberall enthalten, ich empfehle darauf zu achten.\nDie Goldenen Zitronen \u2013 More Than a Feeling\n\u201eIhr d\u00fcrft hier bald gar nichts mehr d\u00fcrfen!\u201c (20x20)\nDass die Goldenen Zitronen, vor vielen Jahren Spa\u00dfpunkband, wenig sp\u00e4ter Punksatiriker, seitdem Elektrotanzwaswei\u00dfich, immer noch neue S\u00e4tze finden, die sie noch nicht vertont haben, \u00fcberrascht mich auf jedem Album wieder. Dem sei beigef\u00fcgt, dass auch \u00dcberraschungen vorhersehbar sein k\u00f6nnen. Die letzten paar Studiowerke haben mich tats\u00e4chlich etwas erm\u00fcdet zur\u00fcckgelassen: Zu festgefahren schienen die Hamburger Sch\u00fcler in ihrer Achtziger\u00e4sthetik.\nAuf \u201eMore Than a Feeling\u201c, Album Nummer 13, gelingt ihnen jedoch der textliche und melodische Br\u00fcckenschlag zwischen ihren j\u00fcngeren Werken und Glanztaten wie \u201eSchafott zum Fahrstuhl\u201c. Dichte Sp\u00e4t-80er-Elektronik gibt es auch weiterhin, ansonsten hat die Gruppe ihre musikalischen Grenzen in dem eigenartigen Dreieck zwischen Trip-Hop, Indie-Pop (\u201eN\u00fctzliche Katastrophen\u201c) und dem, was textlich klischeehaft albern und musikalisch den Punkrock verspottend jedem Genre trotzt und was ich daher Zitronenstil nennen m\u00f6chte (\u201eKatakombe\u201c), anscheinend noch l\u00e4ngst nicht abschlie\u00dfend abgesteckt. Textlich sind sie unbeirrt in Hochform, wie man nicht erst in \u201eMauern bauen (testweise)\u201c belustigt feststellen darf: \u201eWas meinen sie mit \u201aVolk\u2018? (\u2026) Meinen sie damit, dass sie (\u2026) um die Schweine, die sie essen wollen, die Schritte, die sie marschieren wollen, etwas herum bauen wollen?\u201c Dazu wundervolle Neologismen wie \u201eMitdemschwanzwedelung\u201c (\u201eIn der Schleife\u201c) und der einstmals entt\u00e4uschte H\u00f6rer (ich) kehrt freudig zur\u00fcck.\nIhre deutliche politische Haltung \u2013 heutzutage ist ja alles eine Haltung \u2013 flie\u00dft freilich aus jedem Moment auf diesem Album, beginnend bei \u201eEs nervt\u201c, vorgetragen von \u201eLaToya Manly-Spain von der Schwarzen Feministischen Bewegung\u201c (\u201emusikexpress\u201c), die die Vereinnahmung ihrer Positionen seitens der Guten kritisiert, gipfelnd im Abschlussst\u00fcck \u201eDie alte Kaufmannsstadt, Juli 2017\u201c, in dem die ausgeuferten G20-Demonstrationen vor zwei Jahren zusammengefasst werden: \u201eWer vom Fach war, der wusste, was passieren w\u00fcrde.\u201c Die Goldenen Zitronen m\u00fcssen es wissen, sie waren als musikalischer act mittendrin. Fraglich ist, ob die Demonstranten die hier vorgetragene Kritik an ihrer Berechenbarkeit als eine solche verstehen w\u00fcrden.\n\u201eMore Than a Feeling\u201c bl\u00e4st dem immerhin nur scheinbar m\u00fcde gewordenen Zitronenschiff also wieder Wind in die Segel. Ihm sei allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel zuteil.\nReinh\u00f6ren: Zu \u201eEs nervt\u201c gibt es ein gewohnt seltsames Video. Des Weiteren sind Amazon.de und TIDAL sehr freundlich zu interessierten Konsumenten, andere Streamingdienste bitte ich bei Bedarf selbst zu konsultieren.\nPer Wiberg \u2013 Head Without Eyes\nBei Durchsicht meiner bisherigen Bestenlisten habe ich \u00fcberrascht festgestellt, dass unter denjenigen Bands, von denen ich annahm, sie w\u00e4ren bereits darin vorgekommen, womit ich jedoch falsch lag, auch die schwedische Progmetalgruppe Opeth ist. Aus naheliegenden Gr\u00fcnden \u00e4ndere ich das auch heute nicht, denn das diesj\u00e4hrige Album von Opeth \u2013 \u201eIn Cauda Venenum\u201c \u2013 ist noch gar nicht erschienen. Stattdessen m\u00f6chte ich ein wenig in ihrer Geschichte herumw\u00fchlen.\nDiese ist gepr\u00e4gt von stetigem Wandel: Bereits drei Jahre vor Ver\u00f6ffentlichung ihres Deb\u00fctalbums \u201eOrchid\u201c (1995) war das letzte Gr\u00fcndungsmitglied David Isberg nicht mehr dabei, seitdem f\u00fchrt Gitarrist und S\u00e4nger Mikael \u00c5kerfeldt die Band an. 2005 stie\u00df Keyboarder Per Wiberg dazu, der drei Live- und zwei Studioalben lang dabei blieb. Neben seiner Aushilfe bei anderen K\u00fcnstlern und seiner Mitgliedschaft bei den Spiritual Beggars hatte er jetzt sogar noch Zeit, ein erstes Soloalbum aufzunehmen. Es hei\u00dft \u201eHead Without Eyes\u201c und ist nicht schlecht.\nIm Internet wird es f\u00fcr seinen Abwechslungsreichtum gew\u00fcrdigt und das nicht unberechtigt. In sechs St\u00fccken, teilweise (\u201eAnywhere the Blood Flows\u201c) \u00fcber 11 Minuten lang, h\u00f6re ich vor allem atmosph\u00e4risch dichten Hard-/Spacerock. Wer Hawkwind mag, dem sollte \u201eHead Without Eyes\u201c gleichfalls gefallen. Anderswo gibt es mal Doom (\u201ePile of Nothing\u201c), mal Nick-Cave-taugliche Musik mit dazu passenden lyrics zu genie\u00dfen: \u201eI don\u2019t trust the light anymore\u201c (\u201eFader\u201c) \u2013 so muss das sein. Der Pressetext zum Album schwafelt was von Van der Graaf Generator und Talk Talk, aber Presseschreiber interessieren sich auch meist nicht besonders f\u00fcr Musik.\nWer einen Kopf hat, der h\u00f6re. Gucken muss er ja nicht, das Coverbild ist ohnehin keines der sch\u00f6neren dieses Jahres.\nReinh\u00f6ren: TIDAL hat \u2013 wie oft \u2013 einen Komplettstream im Sortiment, f\u00fcr Kauf und Reinh\u00f6ren scheint Amazon.de geeignet zu sein.\nMagma \u2013 Z\u00ebss\nHurra! Magma sind im f\u00fcnfzigsten Jahr ihres wenigstens ideellen Bestehens zur\u00fcck und f\u00fchren ein Werk mit sich, an dem seit wenigstens 1977 gearbeitet wurde.\nDas jahrzehntelange Perfektionieren bereits live aufgef\u00fchrter Rohfassungen hat dem erfreuten Rezensenten bereits einige sehr sch\u00f6ne Musikalben dieser Gruppe zu Geh\u00f6r gebracht. Sollte es jetzt wom\u00f6glich das letzte Mal sein? Vor inzwischen zehn Jahren hatte Bandchef und \u2011gr\u00fcnder Christian Vander in einem Interview mitgeteilt, \u201eZ\u00ebss\u201c werde das letzte St\u00fcck sein, das er jemals aufnehmen werde. Inzwischen hat er diese Einsch\u00e4tzung zwar revidiert, aber ihn daran zu messen erscheint mir trotzdem nicht verkehrt. Magma haben sich selbst von Anfang an \u2013 mit einer kurzen Unterbrechung (\u201eMerci\u201c, 1984) \u2013 immer wieder zu \u00fcbertreffen versucht und sind damit selten gescheitert.\n\u201eZ\u00ebss\u201c ist, vielleicht gibt es auch deshalb erst im September eine nachgeschobene Vinylausgabe, ein einziges St\u00fcck von 37:57 Minuten L\u00e4nge. Inhaltlich gehe es, das l\u00e4sst sich herausfinden, um griechische Mythologie und um den letzten Tag vor dem gro\u00dfen Nichts. Zumeist l\u00e4sst die Gestaltung der Alben von Magma ja Schl\u00fcsse auf die ihnen zugrundeliegende Mythologie zu und auch diesmal ist der Schriftzug \u201eZ\u00ebss\u201c ungef\u00e4hr so gestaltet, wie man Texte eben so gestaltet, wenn man einen Bezug zu Griechenland herstellen will. Der Untertitel von \u201eZ\u00ebss\u201c, sogar auf dem Album selbst zu lesen, ist \u201ele jour du n\u00e9ant\u201c, also \u201eder Tag des Nichts\u201c. Christian Vander, sonst vor allem am Schlagzeug sitzend, zieht es in \u201eZ\u00ebss\u201c seit \u00fcber vierzig Jahren vor zu singen, seine Vertretung \u00fcbernimmt Morgan \u00c5gren von Mats/Morgan. Neben sieben weiteren Vokalisten, darunter die anscheinend unverw\u00fcstliche Isabelle Feuillebois, sowie den zurzeit nur noch sechs Magmamusikern selbst nahm auch das Prager Philharmonieorchester an der Aufnahme teil. Theatralik stand Magma schon immer gut.\nApropos Untertitel: Das St\u00fcck besteht aus sieben Teilen, die ausnahmsweise neben einem koba\u00efanischen auch einen franz\u00f6sischen Titel tragen. Das letzte dieser sieben Teile hei\u00dft \u201eD\u00fcmg\u00ebhl Bla\u00f6 (Glas Ultime)\u201c, was, wie zuvor schon \u201e\u0160la\u011f Tanz\u201c (2015), wahrscheinlich nur im Deutschen witzig klingt. Ich bin unvermindert froh dar\u00fcber, dass Magma mit wenigen Ausnahmen darauf verzichten, die Sprache ihres Heimatlandes Frankreich zu der ihren zu machen. Sch\u00f6n ist es auch, dass auf \u201eZ\u00ebss\u201c anfangs die St\u00e4rken der klassischen Magma-Phase, n\u00e4mlich das D\u00fcstere und Hymnische, wieder \u00fcber das allzu Beschwingte (\u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c, 2012) siegen. Popmusik ist nicht von Dauer.\n\u201e\u1e80\u00f6hm d\u00ebhm Zeuhl stadium\u201c, untertitelt als die \u201eHymne des Nichts\u201c, l\u00e4utet das Album insofern sehr willkommen ein, n\u00e4mlich getragen mit Klavier und tonlosem Chorgesang. Nach zweieinhalb Minuten setzt der Chef pers\u00f6nlich mit warm vorgetragenem Koba\u00efanisch ein, jedoch nur kurz, denn der Chor \u00fcbernimmt schnell wieder. \u201eDa Zeuhl \u1e80ortz d\u00ebhm \u1e80r\u00ebhntt\u201c \u00fcberrascht dann doch: Zu einem monotonen Klavierrhythmus und treibendem Jazzschlagzeug wird ein franz\u00f6sischer Monolog gehalten. Ich bin verwirrt, zumal es nicht mal scheu\u00dflich, sondern sogar sehr stimmig klingt. Christian Vander fehlt vielleicht das Kratzig-K\u00fchle, das ich bislang f\u00fcr eine Voraussetzung gehalten hatte, um franz\u00f6sischer S\u00e4nger sein zu d\u00fcrfen. Der nahtlose \u00dcbergang in \u201eD\u00ef \u1e80\u00f6\u00f6hr Spra\u0161er\u201c, \u201ela voix qui parle\u201c (\u201edie sprechende Stimme\u201c), f\u00e4llt auch nur durch den Wechsel der Sprache auf, denn ohne Stilbruch f\u00e4hrt der S\u00e4nger, immer orchestraler begleitet, auf Koba\u00efanisch fort, das immer wieder, vielleicht nicht zuf\u00e4llig, wie eine wenigstens gelungene Parodie des Deutschen klingt: \u201eUnd wir am werden St\u00fcrmen sein\u201c, was man trotz des gerollten Rs wahrscheinlich aber ganz anders schreibt. Die zweite H\u00e4lfte dieses Teils wird im Wesentlichen bei gehaltenem Klavierrhythmus mit Scatgesang bestritten. Niemand soll behaupten, Magma h\u00e4tten ihre Jazzwurzeln verdr\u00e4ngt.\nNach einem kurzen hymnischen Zwischenspiel mit erneutem textlosem Chorgesang schlie\u00dft \u201e\u0160tre\u00fcm \u00dcndets \u1e80\u00ebh\u00ebm\u201c an, in dem das Orchester, wohl \u00fcberwiegend streichend, endlich einmal aufdrehen darf. Dem Klavierrhythmus wird hier ein vor\u00fcbergehendes Ende gesetzt, Blasinstrumente \u00fcbernehmen. \u201eZ\u00ebss Mahnt\u00ebhr Kant\u00f6hm\u201c ist eine Fortsetzung von \u201eD\u00ef \u1e80\u00f6\u00f6hr Spra\u0161er\u201c mit einem noch dichteren Orchester und dominantem Chor. Einen Stilwechsel kann erst \u201eZ\u00ef \u00cfss \u1e80\u00f6ss \u0160t\u00ebh\u00ebm\u201c, in dem der Chor Jesus Christus \u2013 Sanctus! Sanctus! \u2013 besingt, wieder aufweisen, was nicht nur textlich auff\u00e4llt, denn man kennt Magma nicht unbedingt als besonders christliche Band. Tats\u00e4chlich scheint \u201eZ\u00ebss\u201c andauernd jubelnder und fr\u00f6hlicher zu werden. Und das Bl\u00f6de ist: Mir gef\u00e4llt das sogar.\nAber Moment: Pl\u00f6tzlich verstummen die Instrumente. Wenig Orchester und ein zur\u00fcckhaltendes Klavier bestimmen das abschlie\u00dfende \u201eD\u00fcmg\u00ebhl Bla\u00f6\u201c, das beinahe als Schlager durchginge, wenngleich als au\u00dfergew\u00f6hnlich beschw\u00f6render und \u00fcberdies auf Koba\u00efanisch gesungener. Zwar wird so der Bogen zum Beginn des Albums geschlagen, aber dieses Herausrei\u00dfen aus dem Beschwingten erfolgte doch etwas unversehens.\nMein Fazit? Nun, \u201eZ\u00ebss\u201c ist selbst im sowieso nicht gerade gew\u00f6hnlichen Gesamtwerk von Magma ein auff\u00e4lliges Album, das konsequent auf dem auf den letzten paar Alben eingeschlagenen Weg fortschreitet, ohne den Ursprung aus den Augen zu verlieren. Als Einstieg in den Zeuhl mag es ungeeignet sein, aber Spa\u00df macht\u2019s dann eben doch. Sollte es das letzte Studioalbum Magmas bleiben, so war es wenigstens ein w\u00fcrdiger Abschied.\nReinh\u00f6ren: \u00dcberrascht stelle ich fest, dass sowohl Stream als auch Amazonschnipsel sich zurzeit noch rar machen beziehungsweise gemacht werden. Auf YouTube gibt es jedoch eine Wiedergabeliste mit einer etwas \u00e4lteren, aber bereits sehr guten Auff\u00fchrung von \u201eZ\u00ebss\u201c.\nWas sagt der Kalender? Ah, sp\u00e4t dran. Dann machen wir den Rest im Schnelldurchlauf:\nPelican \u2013 Nighttime Stories\nDiejenigen, die sich an energiegeladenem instrumentalem Postmetal erfreuen k\u00f6nnen, verleitet die Ank\u00fcndigung eines neuen Albums der vier Herren von Pelican gelegentlich zu Ausdr\u00fccken der Freude, die auch an \u201eNighttime Stories\u201c, ihr angriffslustig riffendes, doomendes und dr\u00f6hnendes sechstes Studioalbum, nicht verschwendet sind. Amazon.de.\n\nLost in Kiev \u2013 Persona\n\u201ePersona\u201c ist effektverzierter, gitarrengetriebener Konzept-Postrock aus Frankreich mit genau richtig eingesetzten gesprochenen Texten, f\u00fcr den tief in den Archiven von Russian Circles und Explosions in the Sky gew\u00fchlt wurde und der 2019 zu den bisher besten der Dekade gez\u00e4hlt werden kann. Bandcamp.\nSpotlights \u2013 Love &amp; Decay\nHinter diesem unauff\u00e4lligen Titel verbirgt das Trio aus New York sch\u00f6n dichten Doom/Shoegaze, der es sich, verfeinert mit bemerkenswert sanftem Gesang, auf dem optimalen Platz zwischen Schwere und Melodie gem\u00fctlich gemacht hat. Bandcamp.\nLost World Band \u2013 Spheres Aligned\nNach Aufnahmen in Moskau und New York erfreut diese russische Band den Freund klassischen Progressive Rocks sowie \u00f6stlicher Folklore mit einer gelungenen Kombination aus beidem, dargeboten mit Fl\u00f6te, Geige, brummendem Bass, schneidender Gitarre und einer angemessenen Menge an sch\u00f6n zur\u00fcckhaltenden Vokaleinlagen. Bandcamp.\nKarakorum \u2013 Fables and Fairytales\nFast bleiben wir im Genre: Karakorum kredenzen eine vortreffliche Creme aus Retroprog, Canterbury und Classic Rock in einer Darbietung, die mit perlendem Bass und rauchigem Gesang besticht. Bandcamp.\nLabirinto \u2013 Divino Afflante Spiritu\nHei\u00dft italienisch, kommt aber aus Brasilien: Das im Februar ver\u00f6ffentlichte \u201eDivino Afflante Spiritu\u201c, aus unklaren Gr\u00fcnden mit Gro\u00dfbuchstaben vor jedem Wort, vereint bretternden Postmetal mit endlich mal passendem Gesang, n\u00e4mlich heiserem Growling, obwohl das Album weitgehend instrumental stattfindet. Bandcamp.\nThe Moth Gatherer \u2013 Esoteric Oppression\nWas dieser Liste ja auch noch gefehlt hat, war ein wenig Postmetal, und The Moth Gatherer servieren ihn auf einer reichhaltig gef\u00fcllten Platte mit Hauptg\u00e4ngen in den Geschmacksrichtungen Drone, Ambient und Blackmetal mit gebr\u00fcllten lyrics (\u201eThe Drone Kingdom\u201c); da verzeiht man auch das \u00dcbernehmen der schrecklichen Unsitte, ein Album mittels fadeout einfach auszublenden (\u201ePhosphorescent Blight\u201c), statt sich ein gutes Ende zu \u00fcberlegen. Bandcamp.\nCities of Mars \u2013 The Horologist\nEinen noch f\u00fcr den Weg: Das schwedische Trio Cities of Mars ver\u00f6ffentlichte im April 2019 ihr zweites Volll\u00e4ngenstudioalbum \u201eThe Horologist\u201c, beworben als eine Art Konzeptalbum \u00fcber die mythische Geschichte des Planeten Mars, auf dem sie \u2013 manchmal ein bisschen zu ausschweifend und monoton (\u201eThe Last Electric Dream\u201c), aber dennoch beachtenswert \u2013 dem H\u00f6rer einen hervorragenden smoothie aus Stoner Rock und Sludge pr\u00e4sentieren, wenngleich mein Lieblingsst\u00fcck auf dem Album \u2013 \u201eWork Song\u201c, das sich auf ein mehrstimmiges Folk-intro st\u00fctzt und allm\u00e4hlich ausufert \u2013 eigentlich gar nicht ins Konzept passt. Bandcamp.\n\nMehr \u2013 und die R\u00fcckschau auf die letzten paar Jahrzehnte in der Musik \u2013 gibt es wie gewohnt in etwa einem halben Jahr an gewohnter Stelle zu lesen.\nMan bleibe einander gewogen.\nQuelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 21 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Ach je, schon wieder haben wir es mit einem Jahresende zu tun! In einer Zeit schwindender Gewissheiten bleibt jedenfalls die, dass dies eine gute Gelegenheit ist, um zum zweiten Mal in diesem Jahr auf die <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">empfehlenswertesten Musikalben 2018</span> zur\u00fcckzublicken. W\u00e4hrend <em>die Jugend</em> immer noch Podcasts h\u00f6rt, die doch heutzutage eigentlich <em>Phonecasts</em> hei\u00dfen m\u00fcssten, gebe ich mich lieber der wahren Kultur hin. \u201eNicht jedes Gequiek\u201c, befand einmal Ulrich Erckenbrecht, \u201eist Musik\u201c. So halte ich es selbstverst\u00e4ndlich ebenfalls.</p>\n<p>Der Kalender hinderte mich erneut nicht daran, im vergehenden Halbjahr ungeduldig und darum vorzeitig auf die aktuellen Studioalben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/07/kurzkritik-abraham-look-here-comes-the-dark/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Abraham</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/08/kurzkritik-arstidir-nivalis/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">\u00c1rst\u00ed\u00f0ir</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/09/kurzkritik-monophonist-ueber-die-freiheit-der-praktischen-unvernunft/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Monophonist</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/10/kurzkritik-vak-budo/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">VAK</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/11/kurzkritik-traeden/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Tr\u00e4den</span></a> hinzuweisen. <em>Kunden, die das kauften, kauften auch\u2026</em></p>\n<p><span id=\"more-14831\"></span>Zum Gl\u00fcck sind noch genug andere Musikalben \u00fcbrig geblieben, n\u00e4mlich die folgenden. Fangen wir an.</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Neues von heute.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/spurv-myra.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_spurv-myra.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Spurv \u2013 Myra</span>\n<p>Wenn wir es hier schon mit solchen Temperaturen zu tun haben, dann wollen wir wenigstens auch die richtige Musik dazu h\u00f6ren. <span class=\"musik-review-bandname\">Spurv</span> \u2013 das bedeutet \u201eSpatz\u201c auf Norwegisch \u2013 ist daher eine durchaus ansprechende Formation aus Oslo, deren j\u00fcngstes Studioalbum \u201eMyra\u201c allerdings bereits im Mai 2018 erscheinen durfte. Als Gastmusiker sind auf \u201eMyra\u201c unter anderem Mitglieder von <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span> zu h\u00f6ren. Nicht immer sind solche Hilfsarbeiten ein Versuch des <em>namedroppings</em>, das haben <span class=\"musik-review-bandname\">Spurv</span> nicht n\u00f6tig. Auf dem Coverbild knuddelt eine Frau ein Rentier. Ich w\u00e4re sehr albern, leitete ich daraus etwas \u00fcber Norwegen ab.</p>\n<p>Trotzdem erf\u00fcllen <span class=\"musik-review-bandname\">Spurv</span> wenigstens das Klischee, dass Musikgruppen aus der Gegend bittesch\u00f6n vor allem so was wie Postrock zu spielen haben, denn in Norwegen ist es bekanntlich immer dunkel. So auch hier: Zwar nennen sich die Musiker selbst eine Postmetalband, ich aber weigere mich, mich dieser Selbstbezeichnung anzuschlie\u00dfen, und verorte sie stur im Shoegaze, Abteilung Instrumentalmusik. Tja! Zu h\u00f6ren gibt es fl\u00e4chige Gitarren mit Cello und Geige. Aus solchen einfachen Zutaten sind sehr gute Alben gemacht und auch \u201eMyra\u201c ist ein sehr gutes Album.</p>\n<p>Fl\u00e4chig geht es gelegentlich nicht nur in die Breite, sondern auch in die H\u00f6he, so etwa im beinahe doomtauglichen \u201eFra Myrtempelet\u201c und im fantastischen \u201eFra dypet under stenen\u201c, das, obwohl es auf ein Vergl\u00fchen hincrescendiert, mit entspanntem Klavier ausklingt. Huch! In \u201eAllting f\u00e5r sin ende, ogs\u00e5 natten\u201c lassen die Musiker Heidegger zu Klavierbegleitung \u00fcber die Sterblichkeit des Menschen dozieren, anschlie\u00dfend bricht Postrockgewitter (\u201ePost-Metal\u201c) los.</p>\n<p>Eigentlich schade, dass normale Spatzen nur so bl\u00f6de Piepger\u00e4usche machen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://spurv.bandcamp.com/album/myra\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> gibt es einen Komplettstream, auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Myra-Vinyl-LP-Spurv/dp/B07BQRTYYD?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> H\u00f6rproben und Kauf.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/koenji-hyakkei-dhorimviskha.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_koenji-hyakkei-dhorimviskha.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">K\u014denji Hyakkei \u2013 Dhorimviskha</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eVeedem quidhas twlliees immidavally\u201c</span> (Phlessttighas)\n<p>Nachdem die franz\u00f6sische Ausnahmeerscheinung <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> das <span class=\"musik-review-bandname\">John-Coltrane</span>-Ged\u00e4chtnisgenre Zeuhl \u2013 wohl ungef\u00e4hr \u201eS\u00f6hl\u201c ausgesprochen; verr\u00fcckte Franzosen immer! \u2013 erfunden und eine Zeitlang allein ausgef\u00fcllt haben, entstanden irgendwann auch au\u00dferhalb Frankreichs erste Musikprojekte, die diesem Stil etwas abgewinnen konnten, etwa <span class=\"musik-review-bandname\">Univers Z\u00e9ro</span> aus Belgien. Nicht alle \u00fcbernahmen die Kunstsprache Koba\u00efanisch oder den vielstimmigen Chorgesang, ihnen allen sind aber die dominante, jazznahe Rhythmik und das Spiel mit der hypnotischen Wiederholung gemein. Bis heute bleibt Frankreich der Mittelpunkt der internationalen Zeuhlszene, als starker Konkurrent hat sich aber inzwischen Japan herausgestellt.</p>\n<p>In Japan, regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner R\u00fcckschauen sowieso l\u00e4ngst als Land der positiv bekloppten Musik bekannt, gr\u00fcndete Schlagzeuger und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Tatsuya Yoshida</span> bereits 1985 das Duo <span class=\"musik-review-bandname\">Ruins</span>, dessen Musik mit Text zu beschreiben nicht ganz einfach ist, <em>Zeuhl auf Koks in der Achterbahn</em> tr\u00e4fe es aber ganz gut. Weil so ein Duo einen japanischen Musiker aber nicht auslastet, ist <span class=\"musik-review-bandname\">Tatsuya Yoshida</span> nebenbei auch noch anderweitig besch\u00e4ftigt, unter anderem in Projekten mit Mitgliedern der gleichfalls bisher nicht durch wenig Aktivit\u00e4t aufgefallenen <span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Temple</span>. Au\u00dferdem gr\u00fcndete er 1991 die Band <span class=\"musik-review-bandname\">K\u014denji Hyakkei</span>, von deren Gr\u00fcndungsmitgliedern nur noch er selbst mitmacht, obwohl sie auf \u201eDhorimviskha\u201c, ihrem ersten Studioalbum seit 2005, schon wieder zu sechst ist.</p>\n<p>Weil man zu sechst auch <em>andere</em> Musik machen kann als zu zweit, unterscheidet sich dieselbe auf \u201eDhorimvishka\u201c, was bestimmt irgendwas hei\u00dft, recht deutlich von dem, was von <span class=\"musik-review-bandname\">Ruins</span> normalerweise zu h\u00f6ren ist. Neben diesen und <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> h\u00f6re ich hier jedenfalls, vor allem in den textlosen Gesangspassagen, auch <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>. <em>Nat\u00fcrlich</em> gibt es hier weitgehend, bis in das abschlie\u00dfende Titelst\u00fcck hinein, auch Zeuhlrhythmik und meist komisch \u00fcberdrehten repetitiven Gesang mit und ohne Text, zumeist von S\u00e4ngerin \u201eAh\u201c, zu h\u00f6ren, aber Funk und Jazz k\u00e4mpfen hart um die Aufmerksamkeit des H\u00f6rers. In \u201eLevhorm\u201c meine ich gar Latinmusik auszumachen. Das f\u00fcr Bandverh\u00e4ltnisse ungew\u00f6hnlich ruhig groovend beginnende \u201ePalbeth Tissilaq\u201c woanders als im reinen Jazzrock zu verorten schiene mir auch falsch.</p>\n<p>Klar: Wer <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> nicht mag, der wird mit \u201eDhorimviskha\u201c voraussichtlich auch nicht zufrieden sein. Wer aber gelegentlich eine Dosis Zeuhl vertragen kann, den werden <span class=\"musik-review-bandname\">K\u014denji Hyakkei</span> kaum entt\u00e4uschen. Den Versuch ist es wert.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Dhorimviskha-Koenjihyakkei/dp/B07G35FC69?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat Download und H\u00f6rproben im Sortiment.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/body-head-the-switch.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_body-head-the-switch.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Body/Head \u2013 The Switch</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eScream to the wind\u201c</span> (Last Time)\n<p>Wir wechseln elegant das Land: <span class=\"musik-review-bandname\">Body/Head</span> sind ein US-amerikanisches Gitarrenduo. Wer der K\u00f6rper und wer der Kopf ist, wei\u00df ich nicht. Das ist angesichts der Herkunft der beiden Musiker aber auch v\u00f6llig unerheblich, denn wenigstens einen Namen kennt man: <span class=\"musik-review-bandname\">Kim Gordon</span> war von 1981 bis 2011 Teil der erfreulichen Band <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span>, die mit ihrer Trennung von <span class=\"musik-review-bandname\">Thurston Moore</span> zu existieren aufgeh\u00f6rt hat, seit 2012 ist sie mit <span class=\"musik-review-bandname\">Bill Nace</span> zusammen auf musikalischen Pfaden unterwegs. <span class=\"musik-review-bandname\">Bill Nace</span> wiederum kennt man bisher nur vom 2013er Deb\u00fctalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Body/Head</span>, \u201eComing Apart\u201c, aber man sollte ihn sich vermutlich endlich mal merken.</p>\n<p>Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Body/Head</span> trotz dieses Neuanfangs und der minimalen Besetzung \u2013 offiziell sind nur Gesang (<span class=\"musik-review-bandname\">Kim Gordon</span>) und zwei Gitarren (beide) als Beteiligte genannt \u2013 <em>eigentlich</em> wie eine Fortsetzung von <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span> klingen, \u00fcberrascht kaum. \u201eThe Switch\u201c ist ein minimalistisch-experimentelles Album voller \u201eNo Wave\u201c. Das hat man ja auch schon l\u00e4nger nicht mehr geh\u00f6rt. Enthalten sind f\u00fcnf St\u00fccke, aber die haben es in sich.</p>\n<p>Die Gitarre schwingt und schweigt im er\u00f6ffnenden \u201eLast Time\u201c, nach drei Minuten ert\u00f6nt gedehnter Gesang. Es klingt wie die fr\u00fchen Kraut-Psychedelic-Experimente und ich w\u00fcrde mir einen Experimentalfilm mit dieser Untermalung vermutlich aus Prinzip gern ansehen. Wieso gerate ich eigentlich in letzter Zeit immer wieder an dieses Avantgarde-Zeug? Mir soll\u2019s ja auch recht sein. Unbeachtet schwellen die Instrumente zu Kammermusik mit Streicherstakkato an. Unwillk\u00fcrlich denkt man dar\u00fcber nach, was die <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> aus der heutigen Studiotechnik gemacht h\u00e4tten, wenn sie noch intakt w\u00e4ren. In \u201eYou Don\u2019t Need\u201c wird die <em>Kammermusik</em> fortgesetzt. Es baut sich eine bedrohliche, dichte, beinahe industrielle, wie von einem alten Tonband abgespielt klingende Atmosph\u00e4re mit d\u00fcnnem, fast untergehendem, aber wieder <em>krautigen</em> Gesang auf. Damals war Gesang ja auch selten gut. Das St\u00fcck endet pl\u00f6tzlich.</p>\n<p>Es folgt \u201eIn The Dark Room\u201c: Der Beginn klingt wie der Verbindungsaufbau eines alten Modems, geht dann aber \u00fcber in eine vergleichbar sterile <em>Umgebung</em>. Genau so w\u00fcrde ich einen dunklen Raum auch vertonen, wenn ich ein bisschen Ahnung von Stimmung und Musikmachen h\u00e4tte. Elektronisch erzeugte Klangeffekte, darunter ein unklares Kratzen, lassen mich abermals aufhorchen, wie es eigentlich immer passiert, wenn ich mich an das noch immer ziemlich <em>geile</em> \u201easia\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">boris</span> (<a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">hier entlang</a>) erinnert f\u00fchle. Hier gibt es keinen Gesang, hier gibt es nur Stimmung. Hui! \u201eChange My Brain\u201c ist anfangs eigentlich fast das gleiche St\u00fcck, aber mit <em>noisiger</em> Gitarre statt blo\u00dfer Effekte. Nach zwei Minuten setzt abermals der melodiefreie Gesang <span class=\"musik-review-bandname\">Kim Gordons</span> ein. Gegen 4:30 Minuten intensiviert sich dieser aber erstmals auf dem Album in einer Art Refrain, bevor der Instrumentalteil wieder einsetzt. Irgendwas ist mit meinem Hirn bereits jetzt passiert. \u201eChange My Brain\u201c ist 10:41 Minuten lang und damit eigentlich immer noch zu kurz.</p>\n<p>Zum Schluss \u2013 \u201eReverse Hard\u201c \u2013 haut das Duo dem H\u00f6rer noch einmal Dronegewitter, dann wieder industrielle Elektronik um die Ohren. Nach fast f\u00fcnf Minuten ert\u00f6nt Gesang, der wie durch ein Wasserglas gesungen klingt, dazu schneidende Gitarren. Nach sechs Minuten ist es vorb- nein, doch nicht, ein neuer Teil beginnt: Eine verzerrte Gitarre breitet eine W\u00fcste vor dem geistigen Auge aus. Kakteen entstehen, hin und wieder ein bedrohliches Lebewesen, hier gespielt von einem Bass, der wahrscheinlich auch wieder so ein Gitarreneffekt ist. Erneut undeutlicher \u201eWasser\u201c-Gesang. Das St\u00fcck wird zum Ende hin schneller, die Stimme bellt nun eher als sie singt. Das St\u00fcck verklingt instrumental mit verzerrter Elektronik.</p>\n<p>Was war das? \u201eThe Switch\u201c braucht unbedingt einen zweiten, wenn nicht gar einen dritten H\u00f6rdurchlauf, bevor es sich erschlie\u00dft. Ich wei\u00df es zu w\u00fcrdigen, dass hier oberfl\u00e4chlich nur wenig passiert, w\u00e4hrend sich das Album kaum merklich ins Nervensystem bohrt. Es muss ja nicht immer scheppern.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> \u201eThe Switch\u201c gibt es auf <a href="\&quot;https://bodyhead.bandcamp.com/album/the-switch\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/album/91209066\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> als Komplettstream, auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Switch-Vinyl-LP-Body/dp/B07D4ZLGC6?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> auszugsweise und zum Kauf.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/hex-hex.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_hex-hex.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">H E X \u2013 H E X</span>\n<p>Apropos Scheppern.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">H E X</span>, die anscheinend mit Leerzeichen geschrieben werden m\u00f6chten, sind eine Schweizer Band und hei\u00dfen wie ein Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Bark Psychosis</span>, aber das kann Zufall sein. Musikalisch und auch sonst ist wenig Gemeinsamkeit festzustellen, sieht man davon ab, dass ich beide Bands zu kennen nicht f\u00fcr Zeitverschwendung halte.</p>\n<p>Die Band selbst nennt ihre Musik \u201ePsychedelic Industrial\u201c, was sich eigenartig genug vorstellen l\u00e4sst. Dominiert wird das Album, das anscheinend wie die Band hei\u00dft und sogar nur aus vier (wenn auch vergleichsweise langen) St\u00fccken zusammengesetzt ist, allerdings von einem mitunter monotonen <em>groove</em>, der vor allem (uns) von <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> Begeisterte verz\u00fcckt. Die Musik ist ziemlich <em>dicht</em> und klingt manchmal wie eine \u00fcberwiegend instrumentale Variante von <span class=\"musik-review-bandname\">Laibach</span> mit weniger <em>gothic</em>. Jau.</p>\n<p>\u00dcberwiegend instrumental? Naja: In \u201eCollider\u201c taucht erstmals kaum verst\u00e4ndlicher Gesang auf, viel zu leise, um verstanden zu werden, was Absicht sein k\u00f6nnte. \u201eHighrise\u201c ist wieder ein Gesangsst\u00fcck, jedoch wird auch hier der Gesang von der Industrial-Wucht schier erdr\u00fcckt und dient daher vielmehr als melodischer Gegenpunkt. Apropos \u201eCollider\u201c: L\u00e4sst sich dieses Liedlein noch als Postpunk kategorisieren und gr\u00e4bt \u201eProcess\u201c tief im Industrial, so vermeidet der dronegeladene Postrock, den man sonst auch von <span class=\"musik-review-bandname\">Isis</span> so oder so \u00e4hnlich schon mal geh\u00f6rt hat, ein Schwarzwei\u00dfbild, was das Kategorisieren betrifft. Ich g\u00e4be f\u00fcr so etwas grunds\u00e4tzlich Bonuspunkte, wenn ich hier \u00fcberhaupt irgendwelche Punkte verteilte.</p>\n<p>Da ich darauf aber gern verzichte, bleibt mir in Reintext die Erkenntnis, dass \u201eH E X\u201c eine willkommene Abwechslung in der sonst doch sehr gitarrenrockorientierten Liste dieses Semesters ist. Man sollte aber in der richtigen <em>Stimmung</em> sein \u2013 f\u00fcr Fr\u00fchling oder gar Sommer ist das hier nichts, auch wenn\u2019s bereits im Mai dieses Jahres <em>erschien</em>. Zu heute passt es allerdings ausgezeichnet.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Stream und Kauf stellen <span class=\"musik-review-bandname\">H E X</span> via <a href="\&quot;https://h-e-x.bandcamp.com/album/hex\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> bereit, ansonsten mag\u2019s <a href="\&quot;https://www.amazon.de/H-X/dp/B07BFNKR8X?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> tun.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/prairie-after-the-flash-flood.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_prairie-after-the-flash-flood.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Prairie \u2013 After the Flash Flood</span>\n<p>Wir bleiben bei Drones. Bei <span class=\"musik-review-bandname\">Prairie</span>, so ist <em>im Internet</em> zu lesen, handelt es sich um \u201edas Projekt\u201c des aus Br\u00fcssel stammenden, aber in den Niederlanden wurzelnden Multiinstrumentalisten und Produzenten <span class=\"musik-review-bandname\">Marc Jacobs</span>, der live noch mehr Musiker um sich schart und zuvor bereits Musik beim Berliner Verlag Shitkatapult, der zwar sch\u00f6n hei\u00dft, mir aber bisher namentlich unbekannt war, unterbringen konnte. Wenn das hier jedoch Schei\u00dfe ist, dann kann <span class=\"musik-review-bandname\">Marc Jacobs</span> daraus Gold machen und geh\u00f6rt erst recht erw\u00e4hnt.</p>\n<p>Eine Eisw\u00fcste t\u00fcrmt sich auf, von fern donnert <span class=\"musik-review-bandname\">floydesque</span> Perkussion auf und verklingt: Mit \u201eFlash Flood\u201c beginnt das Album \u201eAfter the Flash Flood\u201c ungef\u00e4hr wie angenommen, hat man erst einmal einen Blick auf das Coverbild geworfen. Das Thema \u201eEisw\u00fcste\u201c wird sp\u00e4ter auch mit Ger\u00e4uschen berstenden Eises (\u201eHard Water:Cracked Ice\u201c) nochmals in Erinnerung gerufen. Der geneigte Rezensent kommt nicht umhin, ein wenig zu frieren, was derzeit \u2013 Mitte September \u2013 keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, daf\u00fcr jedoch sehr angenehm ist.</p>\n<p>Der Rest des Albums, der <em>nach \u201eFlash Flood\u201c</em> ert\u00f6nt, steht diesem hinsichtlich der Intensit\u00e4t und Dichte nicht nach; mal wird mit Sprachfetzen und St\u00f6rger\u00e4uschen eine beklemmende Atmosph\u00e4re geschaffen (\u201eRaindeaf\u201c), mal breiten <span class=\"musik-review-bandname\">Prairie</span> mit vielschichtigen <em>drones</em> abermals eine, nun ja, akustische <em>Pr\u00e4rie</em> vor dem H\u00f6rer aus. Auch leise, mitunter indisch angehauchte Momente finden sich auf dem Album (\u201eA Permanent War Economy\u201c, \u201eElephants Will Rise Again\u201c). Was jedoch nicht auftaucht, ist Gesang. <em>Brauch\u2019mer des?</em> Nein, in diese Stimmung reinzusingen w\u00e4re geh\u00e4ssig.</p>\n<p>\u201eAfter The Flash Flood\u201c belohnt Geduld mit Tiefe. Wer keine solche (also Geduld, nicht Tiefe) mitbringt, der m\u00f6ge dieses Album beim unvermeidlichen Kauf all meiner Empfehlungen  auslassen. Allen anderen m\u00f6ge es ein Genuss sein wie mir.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://prairie.bandcamp.com/album/after-the-flash-flood\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> gibt es \u2013 ungew\u00f6hnlicherweise \u2013 <em>nur</em> Ausz\u00fcge aus \u201eAfter the Flash Flood\u201c zu h\u00f6ren, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/After-Flash-Flood-Prairie/dp/B07BFDMG9Q?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/album/85876690\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> besorgen den Rest.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/oh-sees-smote-reverser.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_oh-sees-smote-reverser.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Oh Sees \u2013 Smote Reverser</span>\n<p>Endlich mal wieder eine Band mit Geschichte \u2013 obwohl die gar nicht besonders lang ist.</p>\n<p>Von 1997 bis 2003 existierte das kalifornische Punkrockduo <span class=\"musik-review-bandname\">Pink and Brown</span>, bestehend aus den beiden schon zuvor aufeinander getroffenen Musikern <span class=\"musik-review-bandname\">John Dwyer</span> (Gesang, Gitarre) und <span class=\"musik-review-bandname\">Jeffrey Rosenberg</span> (Schlagzeug). Ersterer war ebenfalls ab 1997 als Solomusiker unter dem Projektnamen <span class=\"musik-review-bandname\">Orinoka Crash Suite</span> (kurz <span class=\"musik-review-bandname\">OCS</span>) t\u00e4tig, von 2001 bis 2005 au\u00dferdem mit der Garagenrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Coachwhips</span> besch\u00e4ftigt. 2002 gr\u00fcndete er zudem <span class=\"musik-review-bandname\">Zeigenbock Kopf</span>, eine vorgeblich deutsche Partyband mit Schwulenimage, die vermutlich bis heute existiert.</p>\n<p>Nach der Aufl\u00f6sung von <span class=\"musik-review-bandname\">Pink and Brown</span> trat <span class=\"musik-review-bandname\">Jeffrey Rosenberg</span> vor\u00fcbergehend <span class=\"musik-review-bandname\">OCS</span> bei, das offizielle Deb\u00fctalbum \u201e1\u201c wurde 2003 ver\u00f6ffentlicht. <span class=\"musik-review-bandname\">John Dwyer</span> machte danach erst allein, dann mit Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Patrick Mullins</span> weiter und nahm so bis 2005 drei weitere Alben auf. Anschlie\u00dfend wurde S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Brigid Dawson</span> Bandmitglied, von 2006 bis 2007 hie\u00df die Band erst <span class=\"musik-review-bandname\">The Ohsees</span>, was eine m\u00f6gliche Aussprache von \u201eOCS\u201c zu sein scheint, dann <span class=\"musik-review-bandname\">The Oh Sees</span>, schlie\u00dflich bis 2016 <span class=\"musik-review-bandname\">Thee Oh Sees</span>. Das \u201eThee\u201c wurde 2017 fallen gelassen, es erschien erst \u201eOrc\u201c als <span class=\"musik-review-bandname\">Oh Sees</span>, dann \u201eMemory of a Cut Off Head\u201c als <span class=\"musik-review-bandname\">OCS</span>. Wie die Band aktuell hei\u00dft, wage ich gar nicht nachzuschlagen, als <span class=\"musik-review-bandname\">The Oh Sees</span> wurde im Mai 2018 jedenfalls das noch aktuelle Album \u201eSmote Reverser\u201c ver\u00f6ffentlicht, das, z\u00e4hlt man nur die Studioalben und nicht auch die EPs, das 21. dieser Gruppe seit 2003 ist, was recht sportlich ist. Ich mag aber keinen Sport.</p>\n<p>Womit ich hingegen eine Menge anfangen kann, ist \u2013 das sollte bekannt sein \u2013 gute Musik. Und \u201eSmote Reverser\u201c ist durchaus nicht schlecht darin, solche zu bieten. In meinen Notizen zum Album steht \u201eordentlich Groove\u201c. Ordentlich! Im Oktober dieses Jahres wurde \u201eMoon Bog\u201c, vom \u201eRolling Stone\u201c als Weltraumballade beschimpft, von mir als <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/10/oh-sees-moon-bog/\&quot;" data-wpel-link="internal">Montagsmusik</a> ausgew\u00e4hlt, aber obwohl sich auf \u201eSmote Reverser\u201c mit \u201eLast Peace\u201c noch mehr Stilverwandtes finden l\u00e4sst, greifen <span class=\"musik-review-bandname\">Oh Sees</span> auf jede Menge Erfahrung und damit auch Vielfalt zur\u00fcck: Dank der zurzeit beiden Schlagzeuger rhythmisch aufgeladener Progressive Metal (\u201eSentient Oona\u201c), Elektronik, die mitunter verspielt sein darf (\u201eAnthemic Aggressor\u201c), Stoner/Hardrock (\u201eEnrique El Cobrador\u201c, \u201eAbysmal Urn\u201c) und der seit \u00fcber zwanzig Alben <em>irgendwie vorhandene</em> Garagenrock funktionieren hier gro\u00dfartig zusammen. Andere Bands \u2013 gern aus Gro\u00dfbritannien \u2013 kriegen nicht mal zwanzig <em>Jahre</em> lang mehr als einen Stil hin.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://tidal.com/album/89284882\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> und <a href="\&quot;https://ohsees.bandcamp.com/album/smote-reverser\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> ist neben anderen Alben von <span class=\"musik-review-bandname\">Oh Sees</span> auch dieses zu finden.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/fire-down-below-hymn-of-the-cosmic-man.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_fire-down-below-hymn-of-the-cosmic-man.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Fire Down Below \u2013 Hymn of the Cosmic Man</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">Everything I\u2019ve ever known means nothing\u201c</span> (Ignition/Space Cruiser)\n<p>Im Jahr 2016 ver\u00f6ffentlichte die belgische Stoner-/Psychedelic-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Fire Down Below</span> ihr Deb\u00fctalbum \u201eViper Vixen Goddess Saint\u201c, das von <em>Kritikern</em> als nicht schlecht wahrgenommen wurde. 2018 folgte das Folgealbum \u201eHymn of the Cosmic Man\u201c, in dem der Stil weitgehend beibehalten, aber um Spacerock erweitert wurde. Wie sollte es bei diesem Titel auch anders sein?</p>\n<p>Die hier geh\u00f6rte Musik erinnert mich anfangs ein wenig an das <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">klar untersch\u00e4tzte</a> \u201eLulu\u201c, allerdings ohne Gesangsbeitrag. Wie dieses ist auch \u201eHymn of the Cosmic Man\u201c ein Konzeptalbum, es geht textlich im Wesentlichen um einen recht traurigen Herrn, der sich im Weltall, vermutlich von der nackten Dame auf dem Coverbild, gefangen f\u00fchlt. Musikalisch dominiert grollender Space/Thrash Metal mit kr\u00e4ftig verzerrter Gitarre, also so, wie ich ihn mag. Gelegentlich (\u201eAscension\u201c) darf es aber auch mal <em>einfacher</em> Hardrock sein.</p>\n<p>Ab dem zweiten St\u00fcck \u201eIgnition/Space Cruiser\u201c ert\u00f6nt auch Gesang, der zwar recht <em>gew\u00f6hnlich</em> (also beinahe stadiontauglich) daherkommt, aber trotzdem nicht den Eindruck erweckt, sich besonders an Radioh\u00f6rer zu richten. Daf\u00fcr spricht auch das abschlie\u00dfende \u201eAdrift in a Sea of Stars\u201c, das mit seiner L\u00e4nge von \u00fcber elf Minuten im derzeitigen <em>Formatradio</em> nicht mal zwischen zwei Werbepausen passen w\u00fcrde. <em>Das Internet</em> findet stilistische \u00dcbereinstimmungen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Kyuss</span>. Ich kann das verstehen.</p>\n<p>Beim \u201eAngry Metal Guy\u201c <a href="\&quot;https://www.angrymetalguy.com/fire-down-below-hymn-of-the-cosmic-man-review/\&quot;" data-wpel-link="internal">hei\u00dft es:</a></p>\n<blockquote><p>If you like your prog psyched up, and your stoner rock proggy, this is your album.</p></blockquote>\n<p>Passt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://firedownbelow.bandcamp.com/album/hymn-of-the-cosmic-man\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> ist eine gute erste Anlaufstelle, ansonsten k\u00f6nnten <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Hymn-Cosmic-Explicit-Fire-Below/dp/B07DCFPDHD?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/album/87980566\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> n\u00fctzlich sein.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/rolo-tomassi-time-will-die-and-love-will-bury-it.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_rolo-tomassi-time-will-die-and-love-will-bury-it.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Rolo Tomassi \u2013 Time Will Die And Love Will Bury It</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Rolo Tomassi</span>, benannt nach einer Figur aus dem Film L.A. Confidential, ist ein englisches Mathrockquintett, das seit seiner Gr\u00fcndung im Jahr 2005 mehr Alben, Singles und EPs ver\u00f6ffentlicht hat als manch \u00e4ltere Band in drei Jahrzehnten und mit \u201eTime Will Die And Love Will Bury It\u201c ein fantastisches Shoegaze-nahes Studioalbum <em>unter die Leute</em> zu bringen versucht. Die Genrekollegen <span class=\"musik-review-bandname\">65daysofstatic</span>, mit denen <span class=\"musik-review-bandname\">Rolo Tomassi</span> auch schon mal zusammen (bzw. nacheinander) aufgetreten sind, haben vor einigen Jahren eines ihrer St\u00fccke <em>remixt</em>. Die Welt ist klein.</p>\n<p>Wobei \u201eShoegaze\u201c auch zu einfach gedacht ist: Nachdem der instrumentale <em>opener</em> \u201eTowards Dawn\u201c ebenso wie das leichtg\u00e4ngige Lied \u201eAftermath\u201c mich nachsehen lie\u00dfen, was <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/11/toc-sin/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Toc.Sin</span></a> eigentlich gerade machen (leider <a href="\&quot;http://lallalabor.de/lallalabor-preistraeger-tiktaalik/\&quot;" data-wpel-link="internal">nichts mehr</a>), und ich mich also gerade in einer entspannten Stimmung befinde, br\u00fcllt mich die Band in \u201eRituals\u201c mit Gitarrengeschepper und Growlgeschrei an. Huch!</p>\n<p>\u201eThe Hollow Hour\u201c macht nach einem gef\u00e4lligen (wenn auch hektischen) Postrockintro genau so weiter. <em>Zeit wird sterben</em> und so klingt das auch. Selbst schuld, wer seine Rezensionen nach gerade mal zwei St\u00fccken f\u00fcr einfach h\u00e4lt. Das Gesangsduo aus <span class=\"musik-review-bandname\">James</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Eva Spence</span> (vermutlich verwandt) schaltet im Weiteren zwischen \u201ezuckers\u00fc\u00dfen\u201c (Quelle: Internet) <em>vocals</em> und Screamo-Aggression wie selbstverst\u00e4ndlich um, Sch\u00f6nklang pr\u00e4gt \u201eTime Will Die and Love Will Bury It\u201c nur als Alibi. So w\u00fctend muss man erst mal sein.</p>\n<p>Eine Verschnaufpause gew\u00e4hrt erstmals das siebte St\u00fcck \u201eA Flood of Light\u201c, das f\u00fcr wenige Takte am Anfang und am Ende eine <em>ambient</em>-Landschaft errichtet, bevor erneut der Zorn (\u201eWhispers Among Us\u201c) durchbricht. \u201eRisen\u201c beendet das Album mit Gesang und Klavierkl\u00e4ngen dann beinahe vers\u00f6hnlich.</p>\n<p>Hui!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Wenig \u00fcberraschend ist, dass auch dieses Album auf <a href="\&quot;https://rolotomassi.bandcamp.com/album/time-will-die-and-love-will-bury-it\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (leider nur noch als CD und Download) zu haben ist, zum Reinh\u00f6ren eignen sich aber auch <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Time-Will-Die-Love-Bury/dp/B07791SYBH?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/album/80914890\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/the-stock-humanize.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_the-stock-humanize.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The STOCK \u2013 Humanize</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe white light is dancing like a morse code\u201c</span> (Kronos)\n<p>Komischer Name, komisches Coverbild.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The STOCK</span> ist, wie man herausfinden kann, ein Trio aus Bad Camberg, das in Hessen liegt und trotzdem auf Fotos ganz gut aussieht. Anscheinend hat es seit seiner Gr\u00fcndung im Jahr 2010 bisher erst ein einziges Album aufgenommen, n\u00e4mlich dieses. Auf \u201eHumanize\u201c, als \u201eLangzeitprojekt\u201c nach dreij\u00e4hriger Produktionszeit Anfang 2018 erschienen, werden drei St\u00fccke von elfeinhalb bis etwas \u00fcber 20 Minuten geboten. Schon wieder nichts f\u00fcrs Radio.</p>\n<p>Dessen ungeachtet versuchen die drei Musiker es mit solidem Alternative Rock mit mehr gesprochenen als gesungenen <em>lyrics</em>. Dass sie musikhistorisch einigerma\u00dfen bewandert sind, l\u00e4sst sich allerdings nicht leugnen, vor allem in der s\u00fcd- und westdeutschen Musik der 1970er Jahre scheint man zu Hause zu sein. Das, was anderswo <em>Krautrock</em> geschm\u00e4ht wird, klingt auf \u201eHumanize\u201c gar nicht so furchtbar. Gut: \u00fcber den nach meinem Empfinden zu sehr in den Vordergrund gemischten Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Rainer Ludwig</span> lie\u00dfe sich trefflich streiten, aber so ist das im <em>klassischen Krautrock</em> ja auch.</p>\n<p>Dass staubtrockener Stoner Rock (\u201eKronos\u201c) das Album er\u00f6ffnet, soll dar\u00fcber nicht hinwegt\u00e4uschen. Das zweite St\u00fcck, \u201eProletarian Suicide\u201c (wundervoller Titel auch), klingt streckenweise nach einer Countryversion von <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span>, ist insbesondere also schlagzeug- und rhythmusgetrieben. Auch das abschlie\u00dfende \u201ePuzzles\u201c beginnt mit <em>krautig</em>-elektronischen Klangexperimenten, die immer wieder aufgegriffen werden, kokettiert aber durchaus auch mit <span class=\"musik-review-bandname\">bowiesquem</span> Artpop. Dem gesamten Album \u201eHumanize\u201c ist dennoch eine Ungeschliffenheit zu eigen, die f\u00fcr alle F\u00e4lle eine Br\u00fccke zur Garagenmusik offen h\u00e4lt. Man wei\u00df ja nie. Menschlich klingen <span class=\"musik-review-bandname\">The STOCK</span> jedenfalls auch ohne Hilfe. Kann man auch mal h\u00f6ren, so was.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auch <span class=\"musik-review-bandname\">The STOCK</span> ver\u00f6ffentlichen Musik auf <a href="\&quot;https://thestock2010.bandcamp.com/album/humanize\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-king-of-cowards.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-king-of-cowards.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs \u2013 King of Cowards</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI talk a lot.\u201c</span> (Gloamer)\n<p>Apropos \u201ekomischer Name\u201c: <span class=\"musik-review-bandname\">Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs</span> haben auch einen, den sogar die Band selbst gelegentlich als \u201ePigsx7\u201c abk\u00fcrzt, etwa bei der Auswahl <a href="\&quot;https://www.pigsx7.co.uk\&quot;" data-wpel-link="internal">ihrer Webdomain</a>. Beim Schreiben ihres 2018er Albums \u201eKing of Cowards\u201c in einer umgebauten Scheune auf dem Land seien, behauptet die Band, tats\u00e4chlich auch Schweine anwesend gewesen.</p>\n<p>Anders als auf dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eFeed the Rats\u201c gehen <span class=\"musik-review-bandname\">Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs</span> hier nicht mehr vor allem auf L\u00e4nge, keines der sechs St\u00fccke ist \u00fcber neun Minuten lang. Erstmals in der Band ist Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Morley</span>, der zuvor unter anderem f\u00fcr <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Gnod</span></a> trommeln, hihatten usw. durfte. Beim \u201eGuardian\u201c sprach man mit Bezug auf \u201eKing of Cowards\u201c von \u201ezug\u00e4nglichem Metal\u201c, aber das ist ja noch keine qualifizierte Aussage. Geht es nach S\u00e4nger, Keyboarder und \u201ekreativem Schwamm\u201c (Andreas Schiffmann) <span class=\"musik-review-bandname\">Matt Baty</span>, so ist \u201eKing of Cowards\u201c ein Konzeptalbum \u00fcber die sieben Tods\u00fcnden, die auch als Piktogramme auf dem Coverbild zu sehen sind, was zahlenm\u00e4\u00dfig doch erstaunt. Da h\u00e4tte es gern ein St\u00fcck mehr sein d\u00fcrfen.</p>\n<p>Was anderswo mal Sludge, mal \u201ezug\u00e4nglicher Metal\u201c hei\u00dft, hei\u00dft bei mir dann doch eher Psychedelic/Hardrock. Hinter schweren, schleppenden Rhythmen und gelegentlich einer schreienden Gitarre spielen <span class=\"musik-review-bandname\">Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs</span> zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Mot\u00f6rhead</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span>, der heisere Gesang beziehungsweise \u2013 in \u201eGloamer\u201c \u2013 das heisere Gesprech darf sich \u00fcber viel Hall freuen oder, je nach Vorliebe, \u00e4rgern. Ich \u00e4rgere mich nicht, ich h\u00f6re und empfehle weiter.</p>\n<p>Schwein gehabt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Stream und Kauf haben <a href="\&quot;https://pigspigspigspigspigspigspigs.bandcamp.com/album/king-of-cowards\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> und <a href="\&quot;https://www.amazon.de/King-Cowards-Vinyl-LP-Pigs/dp/B07GJ395ZV?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> anzubieten, Kunden von TIDAL bekommen <a href="\&quot;https://tidal.com/album/91015170\&quot;" data-wpel-link="internal">ebenfalls</a> einen Stream.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/sanguine-hum-now-we-have-power.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_sanguine-hum-now-we-have-power.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sanguine Hum \u2013 Now We Have Power</span>\n<p>Vor elf Jahren, im Juli 2007, ver\u00f6ffentlichte die <span class=\"musik-review-bandname\">Joff Winks Band</span>, gegr\u00fcndet von dem auch im Jazz nicht unbekannten Musiker <span class=\"musik-review-bandname\">Joff Winks</span>, das einzige Album in voller L\u00e4nge unter diesem Namen, nannte sich anschlie\u00dfend ein paarmal um und ist inzwischen ein Trio namens <span class=\"musik-review-bandname\">Sanguine Hum</span>. Das diesj\u00e4hrige Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Sanguine Hum</span> hei\u00dft \u201eNow We Have Power\u201c (\u201eJetzt haben wir Kraft\u201c), ist das Nachfolgealbum von \u201eNow We Have Light\u201c (\u201eJetzt haben wir Licht\u201c, 2015) und l\u00e4sst neugierig werden, was die drei Herren k\u00fcnftig noch alles haben werden.</p>\n<p>Derzeit haben sie vor allem die F\u00e4higkeit, gute Melodien mit ausreichender F\u00e4higkeit zur Instrumentenbedienung zu verbinden. Gelegentlich denke ich an <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> aus der Zeit, bevor <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> sich f\u00fcr einen akzeptablen S\u00e4nger hielt, aber wirklich qualitativ hochwertig klingt das ja nun auch nicht, also nehme ich das zur\u00fcck. <span class=\"musik-review-bandname\">Joff Winks</span> ist hingegen ein S\u00e4nger, der sich ein bisschen nach zeitgen\u00f6ssischen Pops\u00e4ngern, also nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig interessant, anh\u00f6rt, sich aber <em>ganz gut</em> in den Bandkontext einf\u00fcgt. Musikalisch pr\u00e4sentiert selbiger vor allem dichte Klaviermelodien (gespielt von <span class=\"musik-review-bandname\">Matt Baber</span>), entspannend und angenehm zum Genie\u00dfen. Ein wenig Jazz schwingt immer mit, auch wenn die Handlung hinter den Texten \u2013 ein Mann ist von einer riesigen schwebenden Blase runtergefallen \u2013 vergleichsweise haneb\u00fcchen ist. Aber <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_17647.html\&quot;" data-wpel-link="internal">ist das wichtig?</a></p>\n<blockquote><p>Die beschwingte stilistische Mischung, in der ich die Einfl\u00fcsse von atmosph\u00e4rischem Artrock, sanftem Canterbury-Prog, dem \u201eklassischen\u201c Prog und Jazz zu entdecken glaube, l\u00e4sst alle textlichen Konzepte zweitrangig erscheinen. Stellenweise scheinen die geschmackvollen Piano\u2011, Synthesizer- oder E\u2011Piano-Beitr\u00e4ge die f\u00fchrende Rolle zu \u00fcbernehmen. Sobald die Gitarre hinzukommt, herrscht wieder das perfekte Gleichgewicht in den Arrangements, das in seltenen F\u00e4llen sogar zu rockigeren Momenten f\u00fchren kann. Gelegentlich (wie in \u201eSkydive\u201c) sind zudem Vibraphonkl\u00e4nge zu vernehmen, die nat\u00fcrlich den Leichtigkeitsfaktor des Gebotenen bedeutend erh\u00f6hen. In zwei St\u00fccken sorgt zudem ein Gasttrompeter f\u00fcr jazzige und kammermusikalische (\u201eFlight of the Uberloon\u201c) Akzente.</p></blockquote>\n<p>Eben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Mit <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Now-Have-Power-Sanguine-Hum/dp/B07H5VW3SQ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://sanguinehum.bandcamp.com/album/now-we-have-power-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/album/94763383\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> gibt es hierzu hinreichend viele Gelegenheiten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/self-defense-family-have-you-considered-punk-music.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_self-defense-family-have-you-considered-punk-music.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Self Defense Family \u2013 Have You Considered Punk Music</span>\n<p>Schon mal \u00fcber Punkmusik nachgedacht?</p>\n<p>Das ist sch\u00f6n, aber hier nicht ganz so wichtig, denn mit rohem Gekloppe hat \u201eHave You Considered Punk Music\u201c, das diesj\u00e4hrige Studioalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Self Defense Family</span>, h\u00f6chstens thematisch etwas zu tun: S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Patrick Kindlon</span>, der beim Singen immer ein bisschen verzweifelt klingt, sprach andernorts, das Album handle davon, \u201esich mit einer Sache intensiv zu besch\u00e4ftigen\u201c, wobei man bemerkte, \u201edass sich der Rest der Welt einen Schei\u00dfdreck daf\u00fcr interessiert\u201c. Punk, yo.</p>\n<p>Nee, das hier ist <em>Indie</em> (was immer das schon wieder ist). Vergleiche sind diesmal recht einfach zu ziehen, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Self Defense Family</span> sind stolz auf ihre Vorbilder; so hei\u00dft es etwa in \u201eHave you considered anything else\u201c:</p>\n<blockquote><p>You\u2019re big on wordplay<br>\nInto the arms of <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave</span> (\u2026)<br>\nYou want new thoughts<br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Kate Bush</span> on ready</p></blockquote>\n<p>Das sind nur zwei der Namen, die genannt werden, und sie beide passen zur relativ melancholischen Grundstimmung. Man solle das Album \u201eals Verb im Pr\u00e4teritum begreifen\u201c, schwafelte ein Banause f\u00fcr die \u201eVISIONS\u201c und hat damit <em>nat\u00fcrlich</em> v\u00f6llig Unrecht, denn \u201eHave You Considered Punk Music\u201c findet <em>jetzt</em> statt, immer <em>jetzt</em>, so post der Punk und so psychedelic der Rock auch sein mag. Nach \u00fcber drei\u00dfig gemeinsamen <em>Ver\u00f6ffentlichungen</em> kennt man seine Richtung und/oder Pappenheimer. Es ist, so viel sei noch geschrieben, ungef\u00e4hr die meine.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Es gibt zurzeit (Mitte Dezember 2018) noch Stream und Kauf von LP und/oder \u201edigitalem Album\u201c (also <em>so Dateien</em>) via <a href="\&quot;https://selfdefensefamily.bandcamp.com/album/have-you-considered-punk-music\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, ansonsten wie \u00fcblich <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Have-Considered-Punk-Music-Explicit/dp/B07C6Y889V?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> bzw. <a href="\&quot;https://tidal.com/album/90673302\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> konsultieren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/tangled-thoughts-of-leaving-no-tether.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_tangled-thoughts-of-leaving-no-tether.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Tangled Thoughts of Leaving \u2013 No Tether</span>\n<p>Wir bleiben im Genre, wechseln aber den Kontinent: Das in Australien heimische Quartett <span class=\"musik-review-bandname\">Tangled Thoughts of Leaving</span> (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier) ver\u00f6ffentlichte im Juli 2018 nach fast drei Jahren ohne neues Album ihr neuestes namens \u201eNo Tether\u201c.</p>\n<p>In den bisher zehn Jahren ihres Bestehens haben <span class=\"musik-review-bandname\">Tangled Thoughts of Leaving</span> sich in einer Szene eingerichtet, in der es schwer scheint, noch positiv herauszustechen, aber die gemeinsamen Touren und Aufnahmen mit Kollegen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Russian Circles</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">sleepmakeswaves</span> haben gezeigt, dass es auch im gelegentlich von au\u00dfen <em>ausgelutscht</em> wirkenden Psychedelic/Postrock noch m\u00f6glich ist, aufzufallen. \u201eDoom Jazz\u201c, \u201ePost-Jazz\u201c gar, wird die hier zu h\u00f6rende Musik <em>im Internet</em> auch genannt, aber Doom klingt anders.</p>\n<p>Den Jazzanteil kann aber selbst ich nicht leugnen, gelegentlich ausgedehnte Klavierpassagen (\u201eInner Dissonance\u201c, \u201eBinary Collapse\u201c) lassen das mit ihrer Intensit\u00e4t kaum zu. Dazwischen bleibt die Musik dicht und effektgeladen (\u201eThe Alarmist\u201c) und voller \u00fcberraschender Wechsel zwischen Fl\u00e4chigkeit und ordentlich Wumms. Wem das <em>alte Laut-Leise-Spiel</em> jemals zu langweilig wird, der hat keine Seele mehr. Vor einigen Tagen sprach <span class=\"musik-review-bandname\">Bela B.</span> im Interview mit der \u201eZEIT\u201c dar\u00fcber, dass die allgemeine Verf\u00fcgbarkeit von Musikstreaming der Musik dieselbe genommen habe, aber zum Gl\u00fcck haben <span class=\"musik-review-bandname\">Tangled Thoughts of Leaving</span> das noch nicht gelesen.</p>\n<p>\u201eCavern Ritual\u201c beeindruckt mich mit <em>genau richtig</em> eingesetzten L\u00e4ngen, die Spannung wird bis zum Ende des St\u00fcckes an der Berstgrenze gehalten. Gelegentlich denke ich hier an die letzten Siebzigeralben von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> und gerate ein wenig ins Tr\u00e4umen. \u2013 Apropos Ende: Auch das zw\u00f6lfeinhalbmin\u00fctige Titelst\u00fcck (\u201eNo Tether\u201c), mit dem \u201eNo Tether\u201c endet, schafft es noch einmal, eine beklemmende Atmosph\u00e4re nicht nur aufzubauen, sondern auch zu halten. Postrock ist Musik zum Film im Kopf. Dieser hier ist in Schwarz-Wei\u00df gedreht und ein wahres Kunstwerk.</p>\n<p>\u201eIn diesen H\u00f6hlen\u201c, schrieb jemand auf \u201ea closer listen\u201c, k\u00f6nne man sich \u201eleicht verirren\u201c. Es bleibt aber immer das Licht am Ende des Tunnels. Nur Mut!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://music.tangledthoughtsofleaving.com/album/no-tether\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/No-Tether-Tangled-Thoughts-Leaving/dp/B07F365WFX?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/91163403\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL.</a> Weiter im Text.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/wang-wen-invisible-city.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_wang-wen-invisible-city.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Wang Wen \u2013 Invisible City</span>\n<p>Postrock zum Dritten? Aber gern!</p>\n<p>Woher eine Band, die sich <span class=\"musik-review-bandname\">Wang Wen</span> (eigentlich <span class=\"musik-review-bandname\">\u60d8\u95fb</span>) nennt, kommen mag, bedarf keiner gro\u00dfen Erkl\u00e4rung, welche Art von Musik sie macht, wom\u00f6glich aber doch. Sie sei die \u201ef\u00fchrende Postrockband\u201c ihres Landes, spekulieren Medien, aber das ist ja auch wieder zu kurz formuliert.</p>\n<p>Das Sextett hat unter anderem schon gemeinsam mit <span class=\"musik-review-bandname\">pg.lost</span> Musik aufgenommen und ver\u00f6ffentlicht, was ja auch ein Qualit\u00e4tskriterium sein kann. Aus dem Tonausgabeger\u00e4t schwillt jedenfalls fl\u00e4chiger Psychedelic/Postrock, bei dem sich mir Vergleiche mit <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> anbieten, zu denen ich nicht Nein sage, obwohl ich <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> hin und wieder als <em>z\u00e4hes Gewaber</em> wahrnehme. Immerhin singt <span class=\"musik-review-bandname\">Roger Waters</span> hier nicht.</p>\n<p>\u00dcberhaupt wird wenig gesungen, denn \u201eInvisible City\u201c ist ein weitgehend instrumentales Album, sieht man vom stark verzerrten und somit f\u00fcr uns alte Leute nicht mehr verst\u00e4ndlichen Gesang in \u201eStone Scissors\u201c ab. Im osteurop\u00e4isch anklingenden \u201eLost in Train Station\u201c wird auch ein wenig gesprochen. Als Instrument kommt unter anderem das Horn zum Einsatz, gemeinsam mit einem Klavier oder etwas, das klingt wie ein Klavier, lebt unter anderem \u201eSilenced Dalian\u201c von Tiefe statt von Instrumentalw\u00e4nden. Von wegen, Postrock geht nur mit Brachialgitarren! \u2013 Ich meine am Ende von \u201eStone Scissors\u201c auch ein wenig <em>typisch asiatische</em> Kl\u00e4nge (vgl. <span class=\"musik-review-bandname\">Jambinai</span>) auszumachen. Bei \u201eSputnikmusic\u201c wurde \u201eInvisible City\u201c als <em>exzellent</em> bewertet. Ich schlie\u00dfe mich vorbehaltlos an.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <em>Ist ja 2018</em>, also sind <span class=\"musik-review-bandname\">Wang Wen</span> mitsamt ihrer Musik auch auf <a href="\&quot;https://wangwen.bandcamp.com/album/invisible-city\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> zu finden. Amazon.de scheint derzeit leider keine H\u00f6rproben zu haben, Kunden von <a href="\&quot;https://tidal.com/album/93161828\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> hingegen werden ebenfalls f\u00fcndig.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/toby-driver-they-are-the-shield.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_toby-driver-they-are-the-shield.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Toby Driver \u2013 They Are the Shield</span>\n<p>Den Herrn hatte ich ja auch ganz vergessen. Obwohl ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/06/musik-06-2009-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">vor neun Jahren</a> das damals neue Album seiner Band <span class=\"musik-review-bandname\">maudlin of the Well</span> empfahl und deren Nachfolgeformation <span class=\"musik-review-bandname\">Kayo Dot</span> <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">ab und zu mal</a> in meiner Wahrnehmung auftauchte, blieb <span class=\"musik-review-bandname\">Toby Driver</span> weitgehend unauff\u00e4llig. Das scheint schade zu sein, denn wenn das, was er in der Zwischenzeit so angestellt hat, die Qualit\u00e4t von \u201eThey Are the Shield\u201c \u2013 wovon ich ausgehe \u2013 wenigstens teilweise erreicht, muss ich demn\u00e4chst wohl etwas nachholen.</p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich treibt sich der Musiker, der hier von f\u00fcnf G\u00e4sten (davon zwei Violinisten) unterst\u00fctzt wird, nach wie vor in eher ruhigen musikalischen Gew\u00e4ssern herum. Ich h\u00f6re weitgehend Ambientmusik, der durchaus nicht \u00fcble Gesang sucht die N\u00e4he zu Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">a\u2011ha</span> einer\u2011, <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Gabriel</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Ian Curtis</span> andererseits. Das ist alles gar nicht so seicht und die Musik ist es noch weniger: Mit dank lang gehaltener Noten ausgebreiteten Klangfl\u00e4chen beginnt \u201eThey Are the Shield\u201c mit dem imposanten \u201eAnamnesis Park\u201c, dem l\u00e4ngsten St\u00fcck auf dem Album. Wer die sp\u00e4ten <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span> oder die wenigstens mittleren <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> mag, der wird sich hier bereits pudelwohl f\u00fchlen. Wie dieses St\u00fcck zeichnet sich auch das folgende, \u201eGlyph\u201c, durch allerlei Streicherkl\u00e4nge aus. Erstmals macht sich eine enorme Melancholie bemerkbar. Auch \u201e470 Nanometers\u201c findet eher im Artrock statt, wenn auch weiterhin in einer angenehm unaufgeregten Art. Das Solowerk von <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> \u2013 nur deutlich besser \u2013 erscheint mir als geeigneter Vergleich.</p>\n<p>\u201eScaffold of Digital Snow\u201c ist wieder etwas ruhiger, setzt sich selbst aber mit dem leichten Spiel mit Misst\u00f6nen beinahe in RIO-Gegenden. Das h\u00e4tte ich nicht erwartet, hei\u00dfe es aber herzlich willkommen. <span class=\"musik-review-bandname\">Bridget Bellavia</span>, mir sonst bisher unbekannt, steuert unpeinlichen Gesang bei, <span class=\"musik-review-bandname\">Toby Driver</span> h\u00e4lt sich diesmal etwas zur\u00fcck. Wieder anders ist \u201eSmoke-Scented Mycelium\u201c: Das Schlagzeug stolpert vorw\u00e4rts, im Hintergrund verzerren Geigen. Es gibt keinen offensichtlichen Refrain, das Warten darauf sch\u00fcrt in beachtlichem Ma\u00dfe die Spannung. Mit \u00e4hnlicher Technik, wir erinnern uns, arbeiteten <em>fr\u00fcher</em> auch <span class=\"musik-review-bandname\">maudlin of the Well</span>. Apropos \u201efr\u00fcher\u201c: Ich h\u00f6re hier auch Ankl\u00e4nge an <span class=\"musik-review-bandname\">Nico</span>. Ein tiefes Danke demjenigen, der mir erkl\u00e4ren kann, warum.</p>\n<p>Mit dem <span class=\"musik-review-bandname\">nickcaveesquen</span> \u201eThe Knot\u201c, mit gerade mal 4:12 Minuten Laufzeit dem k\u00fcrzesten St\u00fcck auf \u201eThey Are the Shield\u201c, klingt das Album aus und fast wieder an. Das einzig Willkommene an digitalen Darreichungsformen ist bekanntlich, dass man nicht so lange warten muss, um wieder von vorn anzufangen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Leider nur als CD und Stream gibt es \u201eThey Are the Shield\u201c <a href="\&quot;https://blood-music.bandcamp.com/album/they-are-the-shield\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Bandcamp.com</a> zu kaufen, Vinyl gibt <a href="\&quot;https://www.amazon.de/They-Are-Shield-Vinyl-LP/dp/B07FVFKLKZ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> her. Kunden von <a href="\&quot;https://tidal.com/album/93282897\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> werden auch bedient.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/julia-holter-aviary.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_julia-holter-aviary.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Julia Holter \u2013 Aviary</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Julia Holter</span>, ungef\u00e4hr in meinem Alter, ist eine US-amerikanische Musikerin mit theoretischer Ahnung von (\u201eSie selbst machte ihren Abschluss in Elektronischer Musik am California Institute of the Arts\u201c, Wikipedia) und praktischer Erfahrung mit Musik: \u201eAviary\u201c ist ihr inzwischen achtes Studioalbum.</p>\n<p>Es war auch wirklich h\u00f6chste Zeit, das Album (das es immerhin auch als Doppel-LP gibt) ist mit fast 90 Minuten an Musik sozusagen randvoll; und keine Minute ist verschwendet. Von einer Autorin des \u201eGuardian\u201c wurde das hier Geh\u00f6rte in die N\u00e4he der sowieso unerreichten <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> ger\u00fcckt, weil es mitunter <em>dr\u00f6hne</em>, aber das ist selbst im Vergleich zu meinen eigenen Vergleichen, die ich manchmal ziehe, zu wenig hilfreich. <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> haben ja nie Musik gemacht, die man guten Gewissens <em>widerspenstigen Kammerpop</em> nennen k\u00f6nnte.</p>\n<p>\u201eAviary\u201c hingegen klingt genau so, wie man sich <em>widerspenstigen Kammerpop</em> vorstellen sollte: Schon vom ersten Moment an (\u201eTurn the Light On\u201c) durchsetzt eine ordentliche <em>Portion</em> an RIO/Avant die <em>eigentlich</em> sanfte Musik. Das ausgelutschte, abgeklapperte, durchgenudelte <em>(kann fortgesetzt werden)</em> Imagin\u00e4rgenre \u201eSinger/Songwriter\u201c, obwohl\u2019s ja nur eine T\u00e4tigkeitsbeschreibung ist, lernt hier endlich eine neue Nuance kennen. Nicht schlecht. \u201eI Shall Love 2\u201c, das \u00fcberraschend in der Albumsabfolge vor \u201eI Shall Love 1\u201c steht, und \u201eWords I Heard\u201c waren, wie herauszufinden ist, Singles zu diesem Album. Schade, dass die meisten Radiosender so verschnarcht sind. Die Lieder aber wirken unruhig, als f\u00fcrchteten sie einen heraufziehenden Sturm. Gelegentlich (\u201eChaitius\u201c) rufen Orgelkl\u00e4nge eine sakrale Stimmung hervor, dann klingt \u201eAviary\u201c fast wie eine rauschfreundlichere Variante von <span class=\"musik-review-bandname\">Anna von Hausswolff</span>. Ihre sechs Mitmusiker (\u00fcberwiegend Streicher und Bl\u00e4ser) leisten gute Arbeit, das sind hier keine Instrumente zum blo\u00dfen Selbsterhalt, das ist feine Kunst. Die deutsche Bezeichnung f\u00fcr ein <em>aviary</em> ist \u201eVogelhaus\u201c. Der Rabe ist hier aber n\u00e4her als der Papagei. <em>Nimmermehr.</em></p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Au\u00dfer auf <a href="\&quot;https://juliaholter.bandcamp.com/album/aviary\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> \u2013 allm\u00e4hlich mache ich mir Sorgen darum, was passiert, wenn Bandcamp mal die Tore schlie\u00dft \u2013 ist \u201eAviary\u201c auch auf <a href="\&quot;https://tidal.com/album/97398667\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> zu h\u00f6ren und auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Aviary-Heavyweight-2lp-Mp3-Vinyl/dp/B07GVX9BSX?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> zu kaufen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/me-el-ma-bowing-crosses.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_me-el-ma-bowing-crosses.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Me El-Ma \u2013 Bowing Crosses</span>\n<p>In den 1970-er Jahren, so viel erf\u00e4hrt man aus halbwegs sicheren Quellen, war <span class=\"musik-review-bandname\">Me El-Ma</span>, ein israelischer Schlagzeuger, in der Progressive-Rock-Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Atmosphera</span>, die <em>legend\u00e4r</em> gewesen sei, von der ich aber trotzdem bisher nichts kenne, aktiv. Anschlie\u00dfend verschlug es ihn zun\u00e4chst zu anderen Musikern, dann nach Deutschland und 2002 schlie\u00dflich wieder zur\u00fcck nach Israel, wo er immer noch aktiv ist. \u201eBowing Crosses\u201c d\u00fcrfte also ein Soloalbum \u2013 mit Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Virja</span>, was ein Frauenname zu sein scheint \u2013 sein.</p>\n<p>Im Onlineforum \u201eProgressive Ears\u201c wurde dar\u00fcber spekuliert, dass \u201eVirja\u201c stattdessen auch \u201eVirJA\u201c, virtueller <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Anderson</span> also, hei\u00dfen k\u00f6nnte. Die gesangliche N\u00e4he zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Virja</span> und besagtem fr\u00fcherem S\u00e4nger von <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> m\u00f6chte ich auch gar nicht abstreiten, obwohl ich nicht so weit wie einige Diskussionsteilnehmer gehen w\u00fcrde, die hier eine Personalidentit\u00e4t annehmen. Gerade das f\u00fcnfmin\u00fctige \u201ePlease do as You please\u201c \u2013 Gro\u00dfschreibung anscheinend beabsichtigt \u2013 w\u00e4re auf \u201eRelayer\u201c <em>seinerzeit</em> kaum aufgefallen, obwohl <span class=\"musik-review-bandname\">Me El-Ma</span> rhythmisch noch \u00fcber die Experimente der offensichtlichen Vorbilder hinausgeht; und immer nur so weit, dass es noch nicht zu viel des Guten wird. Das muss man heutzutage ja auch mal positiv anmerken.</p>\n<p>Bei den Vorbildern f\u00fcr seine Polyrhythmik scheint sich der Musiker vielmehr bei den 90er-\u201eProjeKcts\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> (\u201ePerception Perfection Satisfaction\u201c, Titelst\u00fcck \u201eBowing Crosses\u201c) zu bedienen. Vieles ist recht technisch, k\u00fchl und <em>geradezu Kopf verdrehend</em> verworren \u2013 nicht ohne sich selbst wieder aufzul\u00f6sen. Daf\u00fcr braucht man mehr als blo\u00df einen Kopfh\u00f6rer, daf\u00fcr braucht man <em>Talent</em>; und gerade in Kombination mit dem Gesang, den <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> selbst nur auf dem Album \u201eLizard\u201c, auf dem <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Anderson</span> selbst gastierte, in dieser Weise in ihre damals noch weniger ausgereiften Arrangements einflie\u00dfen lassen konnte, ist das trotz der Wiedererkennungen ein \u00fcberraschend originelles Werk geworden, von denen es klar zu wenige gibt.</p>\n<p>F\u00fcr \u201emehr vom selben\u201c ist er sich selbst in Albenl\u00e4nge zu schade: Wenn er nicht gerade avantgardesque Rockspektakel veranstaltet, spielt <span class=\"musik-review-bandname\">Me El-Ma</span> in den ruhigeren Momenten (\u201eEternity Heart\u201c) auch mal Artpop \u2013 und auch das gro\u00dfartig: Es guckt mal <span class=\"musik-review-bandname\">David Bowie</span>, mal <span class=\"musik-review-bandname\">Kate Bush</span> um die Ecke. Anderen Bands nachzueifern ist unkreativ? Theoretisch ja, praktisch kann es begeistern. Wenn schon \u201eklingt wie\u2026\u201c, dann wie \u201eBowing Crosses\u201c!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://meelma.bandcamp.com/album/bowing-crosses\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> scheint zurzeit die alleinige Vertriebsplattform f\u00fcr \u201eBowing Crosses\u201c zu sein (und bietet leider nur die \u201edigitale\u201c Version ohne Tontr\u00e4ger an).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/earth-ship-resonant-sun.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_earth-ship-resonant-sun.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Earth Ship \u2013 Resonant Sun</span>\n<p>Kommen wir nun zu etwas v\u00f6llig anderem.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Earth Ship</span> waren auch schon mal in Deutschland und sind es wahrscheinlich auch immer noch, denn es handelt sich um ein Berliner Trio (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass). \u201eResonant Sun\u201c ist ihr inzwischen f\u00fcnftes Album und sicherlich kein schlechtes, sofern man mit stark verzerrten Gitarrenriffs und ungest\u00fcmem \u201eGebr\u00fcll\u201c, wie man es fr\u00fcher nannte, kein gro\u00dfes Problem hat: <span class=\"musik-review-bandname\">Earth Ship</span> sind eine technisch versierte Sludgeband und haben nicht vor, das zu verstecken. Auf dem Coverbild macht ein Wolf im Kapuzenpulli ein <em>selfie</em> von sich. Versteh\u2018 ich nicht.</p>\n<p>Dass das Album mit \u201eA Handful of Flies\u201c, einem, um es zur\u00fcckhaltend auszudr\u00fccken, schwer zu schlagenden St\u00fcck, beginnt, ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, denn die anderen sieben (bis neun) St\u00fccke erreichen dessen Qualit\u00e4t nicht ganz, aber der musikalische Kern bleibt erhalten: Wahnwitzige Gitarrensoli und selten <em>cleaner</em>, meist heiser geschriener Gesang liegen \u00fcber basslastigem Stoner-Metal mit wenig Doomeinsatz. Die Zahl der enthaltenen Liedlein ist abh\u00e4ngig vom Format, in der \u201edigitalen Version\u201c ist unter anderem auch eine (wenig bereichernde) Coverversion von \u201eChildren of the Revolution\u201c enthalten, die ich nach Konsum (nicht: Genuss) f\u00fcr verzichtbar halte. Konzentrieren wir uns aber auf das Gute, n\u00e4mlich auf die <em>Grundausstattung</em> von \u201eResonant Sun\u201c, so bleibt genug \u00fcbrig, was es <a href="\&quot;https://www.xxl-rock.com/index.php/reviews/5977-earth-ship-resonant-sun.html\&quot;" data-wpel-link="internal">zu w\u00fcrdigen gilt:</a></p>\n<blockquote><p>(\u2026) wummernder E\u2011Bass trifft auf dynamisches Schlagzeugspiel trifft auf s\u00e4gende Gitarren trifft auf beinharte Reibeisenstimme.</p></blockquote>\n<p>Wohl dem, der jetzt trotzdem nicht an <span class=\"musik-review-bandname\">Torfrock</span> denkt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Resonant-Sun-Earth-Ship/dp/B07H5GH8SF?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es H\u00f6rproben, wie auch auf <a href="\&quot;https://tidal.com/album/94834367\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> sind die zuvor erw\u00e4hnten Bonustitel hier verf\u00fcgbar. Nur <a href="\&quot;https://earthship.bandcamp.com/album/resonant-sun\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> l\u00e4sst sie weg. Ich enthalte mich einer Wertung.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/piniol-bran-coucou.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_piniol-bran-coucou.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">PinioL \u2013 Bran Coucou</span>\n<p>Apropos Metal \u2013 oder doch nicht? Ich bin jedenfalls ein bisschen entt\u00e4uscht von mir: Ich hatte angenommen, ich h\u00e4tte zu <span class=\"musik-review-bandname\">PoiL</span> in der Vergangenheit schon etwas geschrieben, dem scheint aber nicht so zu sein.</p>\n<p>Dann hole ich das kurz nach: <span class=\"musik-review-bandname\">PoiL</span> ist ein franz\u00f6sisches Trio, das bis 2014 drei an <em>schr\u00e4gem</em> Avant-Zeuhl reiche Studioalben, danach die ersten beiden Studioalben noch mal zusammen (\u201eL\u2019ire des papes / Dins o cuol\u201c) ver\u00f6ffentlicht hatte. Anschlie\u00dfend taten sich die drei Herren mit dem einheimischen Quartett <span class=\"musik-review-bandname\">ni</span>, das bisher nur ein einziges \u201evolles\u201c Album (\u201eLes insurg\u00e9s de Romilly\u201c, 2015) mit <a href="\&quot;https://niiii.bandcamp.com/album/les-insurg-s-de-romilly-2\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00e4hnlich verr\u00fcckter</a> Musik ver\u00f6ffentlicht hatte, zusammen und nennen sich in dieser Formation <span class=\"musik-review-bandname\">PinioL</span>, was zwar unvern\u00fcnftig ist, weil die Reihenfolge der Buchstaben nicht mehr stimmt, aber wenigstens <em>ganz gut</em> klingt. In dieser Formation nennen sich die Musiker ein \u201eabscheuliches Monster, das vor nichts Angst hat\u201c. Puh!</p>\n<p>Unvern\u00fcnftig, aber <em>ganz gut</em> klingend ist das hier Geh\u00f6rte insgesamt und sowieso, was so weit geht, dass selbst der franz\u00f6sische (das ist doch Franz\u00f6sisch, oder?) Gesang sich hier nicht mal in der Scatform schei\u00dfe anh\u00f6rt. Das er\u00f6ffnende \u201ePilon Bran Coucou\u201c, das anscheinend also als \u201eTitelst\u00fcck\u201c durchgehen k\u00f6nnte, wiegt den Rezensenten zwar erst mal in Sicherheit, indem <span class=\"musik-review-bandname\">PinioL</span> eine sich steigende Krautrocksalve im Stil einer leider so nie passierten Allianz von <span class=\"musik-review-bandname\">Neu!</span> mit <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> abfeuern, bevor sie einen abrupten Wechsel in eine Art 80er-Avantdisco vollziehen, die auch sp\u00e4ter (\u201eMimolle\u201c) noch mal aufgegriffen wird. Ganz sch\u00f6n viel \u201eAvant\u201c f\u00fcr ein Album? Ja, eben! \u2013 Wer bei dieser Beschreibung an vergleichbar <em>irre</em> franz\u00f6sische Musikgruppen denkt, dem kann ich versichern, dass er damit nicht allein ist. Mir kommen sowohl <span class=\"musik-review-bandname\">Pryapisme</span> als auch <span class=\"musik-review-bandname\">Sebkha-Chott</span> in den Sinn, allerdings zeigen sich <span class=\"musik-review-bandname\">PinioL</span> weniger an Brachialit\u00e4t interessiert als Letztgenannte. An Gitarren ist \u201eBran Coucou\u201c dennoch nicht arm, in St\u00fccken wie das vierzehnmin\u00fctige Mathcore-Brett \u201eSh\u00f4 Shin\u201c oder dem nur zum Schein erfreulich <em>jazzrockigen</em> \u201eFran\u00e7ois 1er\u201c bekommt die doppelte Rockbandbesetzung (zwei Gitarren, zwei B\u00e4sse, zwei Schlagzeuge, sechs Mikrofone, ein Keyboard) hinreichend viel Gelegenheit, die unvergessenen <span class=\"musik-review-bandname\">The Dillinger Escape Plan</span> nicht mehr ganz so schmerzlich vermissen zu lassen, was sogar vor\u00fcbergehend gelingt. Direkt vorm Einschlafen sollte man es aber wahrscheinlich trotzdem nicht h\u00f6ren. <em>Meine Nerven!</em></p>\n<p>Ob das <em>Projekt</em> <span class=\"musik-review-bandname\">PinioL</span> von Dauer sein wird, ob es also zu weiteren Alben kommen wird, wird sich zeigen m\u00fcssen. F\u00fcr kommenden M\u00e4rz wollen <span class=\"musik-review-bandname\">ni</span> erst einmal wieder allein eines <em>rausbringen</em>. Mindestens das empfehle ich jedenfalls genauestens zu beobachten; und \u201eBran Coucou\u201c nat\u00fcrlich auch. Im kommenden April treten die zweieinhalb Bands in Berlin sozusagen <a href="\&quot;https://www.songkick.com/festivals/2805509-das-hintertreffen/id/36437709-das-hintertreffen-2019\&quot;" data-wpel-link="internal">zusammen auf</a>. Das k\u00f6nnte interessant werden.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Bran-Coucou-PinioL/dp/B07BWS18S1?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> (nat\u00fcrlich), <a href="\&quot;https://tidal.com/album/86842414\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> (nat\u00fcrlich), <a href="\&quot;https://piniol.bandcamp.com/album/bran-coucou\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (nat\u00fcrlich).</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/soft-machine-hidden-details.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_soft-machine-hidden-details.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Soft Machine \u2013 Hidden Details</span>\n<p>Vor f\u00fcnfzig Jahren, 1968 also, ver\u00f6ffentlichten die nach dem visumsbezogenen Ausstieg <span class=\"musik-review-bandname\">Daevid Allens</span> vor\u00fcbergehend zum Trio gewordenen <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span>, neben <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span> eine der beiden Nachfolgebands der <span class=\"musik-review-bandname\">Wilde Flowers</span>, ihr Deb\u00fctalbum, das sich musikalisch im Psychedelic Rock verorten lie\u00df und damit <em>damals</em> ganz dem Zeitgeist entsprach. Aufgrund vertraglicher Verpflichtungen fanden sie sich anschlie\u00dfend f\u00fcr weitere Alben zusammen, wechselten aber mehrfach die Besetzung. Der hierbei gr\u00f6\u00dfte Einschnitt war vermutlich die Trennung von <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Wyatt</span>, der nach dem vierten Album <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> verlie\u00df, deren zusehends jazzorientiertere Ausrichtung (ohne Gesang) er als sangesfreudiger Schlagzeuger nicht mehr unterst\u00fctzen wollte, und <span class=\"musik-review-bandname\">Matching Mole</span> gr\u00fcndete, was ein Wortspiel mit \u201emachine molle\u201c und gar nicht mal so bl\u00f6d ist. Im Juni 1973 fiel er aus einem Fenster und seitdem gibt es <span class=\"musik-review-bandname\">Matching Mole</span> nicht mehr.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> haben aber bis heute weiter gemacht, wenn auch unter wechselnden Namen, die allesamt mit \u201eSoft\u201c begannen. Obwohl das letzte Gr\u00fcndungsmitglied <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Ratledge</span> bereits w\u00e4hrend der Aufnahmen zu \u201eSofts\u201c (1976) die Band verlassen hatte, nannte man sich irgendwann <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine Legacy</span> und seit 2015 schlie\u00dflich wieder <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span>. Das <em>dienst\u00e4lteste</em> Mitglied <span class=\"musik-review-bandname\">John Marshall</span> sa\u00df immerhin seit 1971 f\u00fcr mehrere <em>Versionen</em> der Gruppe an Schlagzeug und Perkussion, was ja im Jahr 2018 doch schon erw\u00e4hnenswert ist. \u201eHidden Details\u201c ist also das erste Studioalbum unter dem Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> seit dem mauen \u201eLand of Cockayne\u201c von 1981; damals bestand die Band aus <span class=\"musik-review-bandname\">John Marshall</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Karl Jenkins</span>, die beide vor ihrem Beitritt bei den leider inzwischen aufgel\u00f6sten <span class=\"musik-review-bandname\">Nucleus</span> spielten.</p>\n<p>Wer die Bandgeschichte hinreichend aufmerksam verfolgt hat, der ahnt inzwischen vermutlich, wie \u201eHidden Details\u201c wohl klingt: Seit sp\u00e4testens 1971 steht den <em>Jazzern</em> bei <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> kein Gegengewicht mehr entgegen, sie k\u00f6nnen sich also nach Herzenslust austoben. \u201eHidden Details\u201c ist ein <em>solides</em> instrumentales Jazzrockalbum mit \u2013 dem auch schon seit Jahrzehnten aktiven Bassisten <span class=\"musik-review-bandname\">Roy Babbington</span> sei Dank \u2013 viel <em>groove</em>, das die Wurzeln der Band in Ehren h\u00e4lt. Ob in der mal quirligen, mal (\u201eGround Lift\u201c) flehenden Gitarre, ob in den gelegentlich avantgardistischen \u201eexperimentellen\u201c Ausbr\u00fcchen (\u201eLife on Bridges\u201c), an denen Saxophonist/Fl\u00f6tist/Pianist <span class=\"musik-review-bandname\">Theo Travis</span> (zuvor unter anderem bei <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> und diversen Projekten von <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span>, derzeit auch bei <span class=\"musik-review-bandname\">The Tangent</span> aktiv) wom\u00f6glich nicht <em>unschuldig</em> ist: der <em>canterbury sound</em> begleitet \u201eHidden Details\u201c ohne Unterlass. Die Br\u00fccke zum Altwerk schlagen Neueinspielungen von \u201eThe Man who Waved at Trains\u201c, urspr\u00fcnglich auf \u201eBundles\u201c von 1975 erschienen, und \u201eOut-Bloody-Rageous\u201c vom fantastischen \u201eThird\u201c (1970). Abgerundet wird das Album nicht zuletzt von dem von <span class=\"musik-review-bandname\">Theo Travis</span> und dem dritten Altmitglied <span class=\"musik-review-bandname\">John Etheridge</span>, immerhin seit 1975 <em>an Bord</em>, geschriebenen Bonusst\u00fcck \u201eNight Sky\u201c, das, sanft und ausladend Sonnenaufgangslandschaften malend, das (wenigstens \u201edigitale\u201c) Album abschlie\u00dft.</p>\n<p>Was wir hier haben, ist also sicherlich nicht das schlechteste aller Alterswerke. Besondere \u00dcberraschungen im Jazzrock zu erwarten w\u00e4re inzwischen kaum noch von Erfolg gekr\u00f6nt, aber wer mit dieser Spielart der Musik etwas anfangen kann, der ist bei <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> im Jahr 2018 so gut aufgehoben wie seit langer Zeit nicht mehr. Das ist doch auch mal sch\u00f6n.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Man ist nie zu alt f\u00fcr <a href="\&quot;https://softmachine-moonjune.bandcamp.com/album/hidden-details-hd\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>; und f\u00fcr <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Hidden-Details-Soft-Machine/dp/B07FRLXYPF?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/album/92364494\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> sowieso nicht.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Domadora \u2013 Lacuna</span>\n<p>Auf dem diesj\u00e4hrigen Studioalbum der Franzosen gibt es funkelnden <em>heavy psych</em> in ausladender Jamform mit angriffslustiger Gitarre zu h\u00f6ren, dessen einziger Negativpunkt zu sein scheint, dass ich ihn noch nicht live erleben konnte; aber Konserve ist ja auch mal sch\u00f6n. <a href="\&quot;https://domadora.bandcamp.com/album/lacuna\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Yuka &amp; Chronoship \u2013 Ship</span>\n<p>Eines der besten Symphonic-Prog-Alben des ausklingenden Jahres 2018 legt <em>ausgerechnet</em> die japanische Gruppe um S\u00e4ngerin und Keyboarderin <span class=\"musik-review-bandname\">Yuka Funakoshi</span> vor, die auf dem Konzeptalbum \u00fcber die Argonautensage alle Register zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Rush</span> zu ziehen imstande ist. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Ship-Yuka-Chronoship/dp/B07BF248C1?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Car Crash Weather \u2013 Secondary Drowning</span>\n<p>Weitgehend instrumentaler Progressive Metal mit mal bretternden, mal sinfonischen, in \u201eThe End\u201c sogar stark von New Wave beeinflussten Eindr\u00fccken, die bleiben. <a href="\&quot;https://carcrashweather.bandcamp.com/album/secondary-drowning-album\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Umphrey\u2019s McGee \u2013 It\u2019s Not Us</span>\n<p>Wer (wie ich) <em>tanzbarer</em> Indie-Rock-Musik aus kulturell sonst eher abgeh\u00e4ngten Staaten etwas abgewinnen kann und ganzj\u00e4hrig nichts gegen die mittels ihrer entstandene gute Laune einzuwenden hat, der ist auch im Winter mit \u201eIt\u2019s Not Us\u201c mit Sicherheit gl\u00fccklich zu machen. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/its-not-us-Umphreys-McGee/dp/B076J6S2XL?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Automatism \u2013  From The Lake</span>\n<p>Auf \u201eFrom The Lake\u201c, dem aktuellen Musikalbum des Stockholmer Quartetts <span class=\"musik-review-bandname\">Automatism</span>, ist im Studio improvisierter, jedoch leider nachbearbeiteter, stellenweise recht <em>dreckiger</em> und rundum gelungener Psychedelic Rock ohne jeden Gesang, daf\u00fcr mit drei Gastmusikern, zu h\u00f6ren. <a href="\&quot;https://automatismband.bandcamp.com/album/from-the-lake\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Argos \u2013 Unidentified Dying Objects</span>\n<p>Dass der Canterbury noch nie f\u00fcr \u00fcberragende S\u00e4nger bekannt war, kommt den deutschen Ausnahmetalenten <span class=\"musik-review-bandname\">Argos</span> nur gelegen, die auf ihrem f\u00fcnften Studioalbum \u201eUnidentified Dying Objects\u201c <em>eigentlich</em> auch nur das machen, was sonst auch machen (n\u00e4mlich guten Canterbury Style mit dem szenetypischen Humor hervorbringen), das aber in noch immer steigender Qualit\u00e4t und gleichbleibender Freude am Spiel. <a href="\&quot;https://argos.bandcamp.com/album/unidentified-dying-objects\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Homunculus Res \u2013 Della stessa sostanza dei sogni</span>\n<p>Ebenfalls Canterbury, diesmal jedoch mit nicht mal furchtbarem, sondern sehr angenehm melodischem, teilweise sogar mehrstimmigem Gesang in der Landessprache, bringen <span class=\"musik-review-bandname\">Homunculus Res</span> aus Italien mit, wobei sie zweifelsohne auch das Gesamtwerk von <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span> mindestens schon mal geh\u00f6rt haben. <a href="\&quot;https://homunculusres.bandcamp.com/album/della-stessa-sostanza-dei-sogni\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">a broken sail</span>\n<p>Die allsemestrige Dosis Postrock vervollst\u00e4ndigt am Ende des Jahres 2018 das Deb\u00fctalbum des australischen Instrumentalquartetts <span class=\"musik-review-bandname\">a broken sail</span>, das die Welt in f\u00fcnf St\u00fccken zwischen zwei und zw\u00f6lf Minuten L\u00e4nge \u2013 leider momentan nicht als physischer Tontr\u00e4ger zu haben -, die Titel wie \u201etall buildings collide\u201c (2018 geht das endlich wieder) tragen, um langsam dahintreibenden Shoegaze mit w\u00e4rmend flie\u00dfendem Bass bereichert. <a href="\&quot;https://abrokensail.bandcamp.com/album/a-broken-sail\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Interpol \u2013 Marauder</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Interpol</span>, eine dieser erst vor wenigen Jahren popul\u00e4ren Indie-Rock-Bands mit schneidenden Gitarrenmelodien, geh\u00f6rt zu den weniger verw\u00fcstlichen ihrer Gattung und beeindruckt 2018 mit ihrem immerhin sechsten Studioalbum \u201eMarauder\u201c, auf dem selbst einem Holzohr wie mir sich schwer entzieht, warum <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span> ein h\u00e4ufig gew\u00e4hlter Vergleich bei denen sind, die beruflich gern Bands miteinander vergleichen. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Marauder-Vinyl-LP-Interpol/dp/B07DL8GHJK?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Art Brut \u2013 Wham! Bang! Pow! Let\u2019s Rock Out!</span>\n<p>In gewohnt exaltierter Manier singt <span class=\"musik-review-bandname\">Eddie Argos</span> gelegentlich beziehungs\u2011, oft \u2013 zum Teil <em>sogar</em> auf Deutsch \u2013 berlinbezogene Lieder voller Selbstreferenzen (\u201eShe Kissed Me (And It Felt Like a Hit)\u201c), begleitet von einer wieder einmal umbesetzten Band, die mit unverminderter Spielfreude die bandeigene Vorstellung von <em>Indie-Rock</em> nicht blo\u00df spielen, sondern <em>leben</em>: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eEveryone\u2019s lookin\u2018 at the ticket machine / like it\u2019s the most complicated thing that they\u2019ve ever seen\u201c</span>, hihi. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Wham-Bang-LetS-Rock-Vinyl/dp/B07HGJJD39?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n</ol>\n<p>So viel zu diesem Jahr. Und fr\u00fcher?</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Gutes von gestern.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor vierzig Jahren</span> erschien neben dem Deb\u00fctalbum der damals noch enorm produktiven S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Kate Bush</span> auch das <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/09/kurzkritik-babylon/\&quot;" data-wpel-link="internal">einzige Album</a> der Band <span class=\"musik-review-bandname\">Babylon</span>, die in einer Zeit des vor\u00fcbergehend sterbenden Progressive Rocks vielleicht einfach nur zu sp\u00e4t dran waren; andererseits blieb ihnen so ein Schicksal als schreckliche 80er-Popband erspart, wie es anderen zeitgen\u00f6ssischen Gruppen, darunter <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, deren schlimm benanntes <span class=\"musik-review-album-titel\">Tormato</span> schon den folgenden \u00c4rger erahnen lie\u00df, leider widerfahren ist. Die franz\u00f6sische Zeuhl-Institution <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> war mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Attahk</span> immerhin auch schon auf dem Weg dorthin, kam einem endg\u00fcltigen Versumpfen aber mit ihrer Aufl\u00f6sung zuvor.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor drei\u00dfig Jahren</span>, die \u201eneue deutsche Welle\u201c bl\u00fchte fr\u00f6hlich vor sich hin, sang der sp\u00e4ter als (gro\u00dfartiger) Schriftsteller bekannt gewordene <span class=\"musik-review-bandname\">Max Goldt</span> als Teil des Duos <span class=\"musik-review-bandname\">Foyer des Arts</span> auf dem Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Ein Kuss in der Irrtumstaverne</span> unter anderem von dem Zusammenspiel von Penis und Vagina, was manche (hier: mich) bis heute am\u00fcsiert. Seri\u00f6ser ging es bei <span class=\"musik-review-bandname\">Terminal Cheesecake</span> zu, deren EP <span class=\"musik-review-album-titel\">Bladdersack</span> nicht nur den Grundstein f\u00fcr ihre Karriere, sondern auch den f\u00fcr Wiiija Records legte, die danach unter anderem auch <span class=\"musik-review-bandname\">Therapy?</span> bekannt machten und heute trotzdem nicht mehr existieren. So schnell kann\u2019s gehen.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor zwanzig Jahren</span> war <em>der Prog</em> zwar schon beerdigt, erfreute sich im Untergrund aber noch bester Gesundheit: <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Frith</span> etwa, einer der Gr\u00fcnder von <span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span>, lie\u00df sich nach deren Trennung in New York nieder und nahm an ungez\u00e4hlten musikalischen Projekten teil, darunter an der von ihm gegr\u00fcndeten Experimentalgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Massacre</span> (nicht mit der gleichnamigen Death-Metal-Band zu verwechseln), die 1998 schlie\u00dflich ihr zweites Studioalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Funny Valentine</span> ver\u00f6ffentlichte. Sein Landsmann und zeitweiser Mitmusikant <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Wyatt</span> \u2013 der mit dem Fenster \u2013 blieb in Europa, sang und blechblies gelegentlich f\u00fcr andere Kollegen und \u00fcberraschte <em>den Markt</em> mit einer Neuabmischung seines Albums <span class=\"musik-review-album-titel\">Dondestan</span> von 1991 namens <span class=\"musik-review-album-titel\">Dondestan (revisited)</span>. W\u00e4hrend Musik aus Deutschland 1998 <span class=\"musik-review-album-titel\">Kraut &amp; R\u00fcben</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">WIZO</span>) blieb, brachten auch die Finnen es auf beachtliche Leistungen: Mit ihrem eigentlichen Deb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Pingvin</span> machten <span class=\"musik-review-bandname\">Ektroverde</span>, wie erstaunlich viele andere finnische Bands auch ein Nebenprojekt von <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span>, mit ihrem jazzgef\u00e4rbten Postrock von sich reden. Dass seit 2003 kein neues Album mehr von ihnen erschienen ist, l\u00e4sst aber leider nicht auf weitere Aufnahmen hoffen.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor zehn Jahren</span> \u2013 apropos Postrock \u2013 stand selbiger in voller Bl\u00fcte: Nicht nur die famosen <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span> bereiteten mir, wie schon <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2008/12/musik-122008-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">damals erl\u00e4utert</a>, mit ihrem ungew\u00f6hnlichen <span class=\"musik-review-album-titel\">Me\u00f0 su\u00f0 \u00ed\u00ad eyrum vi\u00f0 spilum endalaust</span> Vergn\u00fcgen, auch <span class=\"musik-review-bandname\">Misuse</span> (inzwischen anscheinend inaktiv), <span class=\"musik-review-bandname\">Maybeshewill</span> (inzwischen leider aufgel\u00f6st) und <span class=\"musik-review-bandname\">Russian Circles</span> (immerhin noch existent) spielten mit neuen Alben auf. Am anderen Ende der Skala deb\u00fctierte die Post-Hardcore-Band <span class=\"musik-review-bandname\">La Dispute</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Somewhere at the Bottom of the River Between Vega and Altair</span>, mittendrin bahnte sich das, was regelm\u00e4\u00dfig \u201eIndie\u201c genannt wird, als sei das eine Stilbeschreibung, seinen Weg: <span class=\"musik-review-bandname\">Konstantin Gropper</span> setzte als <span class=\"musik-review-bandname\">Get Well Soon</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon</span> Nuancen, <span class=\"musik-review-bandname\">Stephen Malkmus</span> (vorher bei <span class=\"musik-review-bandname\">Pavement</span>) nahm gleich zwei Alben auf, n\u00e4mlich <span class=\"musik-review-album-titel\">Real Emotional Trash</span> mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Jicks</span> und <span class=\"musik-review-album-titel\">Lookout Mountain, Lookout Sea</span> mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Silver Jews</span>. Auf ein Album, n\u00e4mlich <span class=\"musik-review-album-titel\">Narrow Stairs</span>, beschr\u00e4nkten sich <span class=\"musik-review-bandname\">Death Cab for Cutie</span>. Der Autor dieser Zeilen nutzte das Jahr weniger sinnvoll und fing bereits <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2008/06/musik-2008-favoriten-und-analyse-1/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Juni</a> mit diesen Jahresr\u00fcckschauen an. Das haben wir jetzt alle davon.</li>\n</ul>\n<p>Das soll erst mal reichen. Ich bitte wie \u00fcblich um weitere Empfehlungen und w\u00fcnsche ansonsten eine gute Reise \u2013 ich warte hier.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/07/musik-06-2019-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2019 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">11. Juli 2019</a> dies: [\u2026] Dezember 2018 befand ich \u201eBran Coucou\u201c, das anscheinend bisher einzige Album von PinioL, f\u00fcr angenehm [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/239ee49f351c456d9428d7331290586e\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 21 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickAch je, schon wieder haben wir es mit einem Jahresende zu tun! In einer Zeit schwindender Gewissheiten bleibt jedenfalls die, dass dies eine gute Gelegenheit ist, um zum zweiten Mal in diesem Jahr auf die empfehlenswertesten Musikalben 2018 zur\u00fcckzublicken. W\u00e4hrend die Jugend immer noch Podcasts h\u00f6rt, die doch heutzutage eigentlich Phonecasts hei\u00dfen m\u00fcssten, gebe ich mich lieber der wahren Kultur hin. \u201eNicht jedes Gequiek\u201c, befand einmal Ulrich Erckenbrecht, \u201eist Musik\u201c. So halte ich es selbstverst\u00e4ndlich ebenfalls.\nDer Kalender hinderte mich erneut nicht daran, im vergehenden Halbjahr ungeduldig und darum vorzeitig auf die aktuellen Studioalben von Abraham, \u00c1rst\u00ed\u00f0ir, Monophonist, VAK und Tr\u00e4den hinzuweisen. Kunden, die das kauften, kauften auch\u2026\nZum Gl\u00fcck sind noch genug andere Musikalben \u00fcbrig geblieben, n\u00e4mlich die folgenden. Fangen wir an.\n1. Neues von heute.\n\nSpurv \u2013 Myra\nWenn wir es hier schon mit solchen Temperaturen zu tun haben, dann wollen wir wenigstens auch die richtige Musik dazu h\u00f6ren. Spurv \u2013 das bedeutet \u201eSpatz\u201c auf Norwegisch \u2013 ist daher eine durchaus ansprechende Formation aus Oslo, deren j\u00fcngstes Studioalbum \u201eMyra\u201c allerdings bereits im Mai 2018 erscheinen durfte. Als Gastmusiker sind auf \u201eMyra\u201c unter anderem Mitglieder von Ulver zu h\u00f6ren. Nicht immer sind solche Hilfsarbeiten ein Versuch des namedroppings, das haben Spurv nicht n\u00f6tig. Auf dem Coverbild knuddelt eine Frau ein Rentier. Ich w\u00e4re sehr albern, leitete ich daraus etwas \u00fcber Norwegen ab.\nTrotzdem erf\u00fcllen Spurv wenigstens das Klischee, dass Musikgruppen aus der Gegend bittesch\u00f6n vor allem so was wie Postrock zu spielen haben, denn in Norwegen ist es bekanntlich immer dunkel. So auch hier: Zwar nennen sich die Musiker selbst eine Postmetalband, ich aber weigere mich, mich dieser Selbstbezeichnung anzuschlie\u00dfen, und verorte sie stur im Shoegaze, Abteilung Instrumentalmusik. Tja! Zu h\u00f6ren gibt es fl\u00e4chige Gitarren mit Cello und Geige. Aus solchen einfachen Zutaten sind sehr gute Alben gemacht und auch \u201eMyra\u201c ist ein sehr gutes Album.\nFl\u00e4chig geht es gelegentlich nicht nur in die Breite, sondern auch in die H\u00f6he, so etwa im beinahe doomtauglichen \u201eFra Myrtempelet\u201c und im fantastischen \u201eFra dypet under stenen\u201c, das, obwohl es auf ein Vergl\u00fchen hincrescendiert, mit entspanntem Klavier ausklingt. Huch! In \u201eAllting f\u00e5r sin ende, ogs\u00e5 natten\u201c lassen die Musiker Heidegger zu Klavierbegleitung \u00fcber die Sterblichkeit des Menschen dozieren, anschlie\u00dfend bricht Postrockgewitter (\u201ePost-Metal\u201c) los.\nEigentlich schade, dass normale Spatzen nur so bl\u00f6de Piepger\u00e4usche machen.\nReinh\u00f6ren: Auf Bandcamp.com gibt es einen Komplettstream, auf Amazon.de H\u00f6rproben und Kauf.\nK\u014denji Hyakkei \u2013 Dhorimviskha\n\u201eVeedem quidhas twlliees immidavally\u201c (Phlessttighas)\nNachdem die franz\u00f6sische Ausnahmeerscheinung Magma das John-Coltrane-Ged\u00e4chtnisgenre Zeuhl \u2013 wohl ungef\u00e4hr \u201eS\u00f6hl\u201c ausgesprochen; verr\u00fcckte Franzosen immer! \u2013 erfunden und eine Zeitlang allein ausgef\u00fcllt haben, entstanden irgendwann auch au\u00dferhalb Frankreichs erste Musikprojekte, die diesem Stil etwas abgewinnen konnten, etwa Univers Z\u00e9ro aus Belgien. Nicht alle \u00fcbernahmen die Kunstsprache Koba\u00efanisch oder den vielstimmigen Chorgesang, ihnen allen sind aber die dominante, jazznahe Rhythmik und das Spiel mit der hypnotischen Wiederholung gemein. Bis heute bleibt Frankreich der Mittelpunkt der internationalen Zeuhlszene, als starker Konkurrent hat sich aber inzwischen Japan herausgestellt.\nIn Japan, regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner R\u00fcckschauen sowieso l\u00e4ngst als Land der positiv bekloppten Musik bekannt, gr\u00fcndete Schlagzeuger und S\u00e4nger Tatsuya Yoshida bereits 1985 das Duo Ruins, dessen Musik mit Text zu beschreiben nicht ganz einfach ist, Zeuhl auf Koks in der Achterbahn tr\u00e4fe es aber ganz gut. Weil so ein Duo einen japanischen Musiker aber nicht auslastet, ist Tatsuya Yoshida nebenbei auch noch anderweitig besch\u00e4ftigt, unter anderem in Projekten mit Mitgliedern der gleichfalls bisher nicht durch wenig Aktivit\u00e4t aufgefallenen Acid Mothers Temple. Au\u00dferdem gr\u00fcndete er 1991 die Band K\u014denji Hyakkei, von deren Gr\u00fcndungsmitgliedern nur noch er selbst mitmacht, obwohl sie auf \u201eDhorimviskha\u201c, ihrem ersten Studioalbum seit 2005, schon wieder zu sechst ist.\nWeil man zu sechst auch andere Musik machen kann als zu zweit, unterscheidet sich dieselbe auf \u201eDhorimvishka\u201c, was bestimmt irgendwas hei\u00dft, recht deutlich von dem, was von Ruins normalerweise zu h\u00f6ren ist. Neben diesen und Magma h\u00f6re ich hier jedenfalls, vor allem in den textlosen Gesangspassagen, auch Yes. Nat\u00fcrlich gibt es hier weitgehend, bis in das abschlie\u00dfende Titelst\u00fcck hinein, auch Zeuhlrhythmik und meist komisch \u00fcberdrehten repetitiven Gesang mit und ohne Text, zumeist von S\u00e4ngerin \u201eAh\u201c, zu h\u00f6ren, aber Funk und Jazz k\u00e4mpfen hart um die Aufmerksamkeit des H\u00f6rers. In \u201eLevhorm\u201c meine ich gar Latinmusik auszumachen. Das f\u00fcr Bandverh\u00e4ltnisse ungew\u00f6hnlich ruhig groovend beginnende \u201ePalbeth Tissilaq\u201c woanders als im reinen Jazzrock zu verorten schiene mir auch falsch.\nKlar: Wer Magma nicht mag, der wird mit \u201eDhorimviskha\u201c voraussichtlich auch nicht zufrieden sein. Wer aber gelegentlich eine Dosis Zeuhl vertragen kann, den werden K\u014denji Hyakkei kaum entt\u00e4uschen. Den Versuch ist es wert.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de hat Download und H\u00f6rproben im Sortiment.\nBody/Head \u2013 The Switch\n\u201eScream to the wind\u201c (Last Time)\nWir wechseln elegant das Land: Body/Head sind ein US-amerikanisches Gitarrenduo. Wer der K\u00f6rper und wer der Kopf ist, wei\u00df ich nicht. Das ist angesichts der Herkunft der beiden Musiker aber auch v\u00f6llig unerheblich, denn wenigstens einen Namen kennt man: Kim Gordon war von 1981 bis 2011 Teil der erfreulichen Band Sonic Youth, die mit ihrer Trennung von Thurston Moore zu existieren aufgeh\u00f6rt hat, seit 2012 ist sie mit Bill Nace zusammen auf musikalischen Pfaden unterwegs. Bill Nace wiederum kennt man bisher nur vom 2013er Deb\u00fctalbum von Body/Head, \u201eComing Apart\u201c, aber man sollte ihn sich vermutlich endlich mal merken.\nDass Body/Head trotz dieses Neuanfangs und der minimalen Besetzung \u2013 offiziell sind nur Gesang (Kim Gordon) und zwei Gitarren (beide) als Beteiligte genannt \u2013 eigentlich wie eine Fortsetzung von Sonic Youth klingen, \u00fcberrascht kaum. \u201eThe Switch\u201c ist ein minimalistisch-experimentelles Album voller \u201eNo Wave\u201c. Das hat man ja auch schon l\u00e4nger nicht mehr geh\u00f6rt. Enthalten sind f\u00fcnf St\u00fccke, aber die haben es in sich.\nDie Gitarre schwingt und schweigt im er\u00f6ffnenden \u201eLast Time\u201c, nach drei Minuten ert\u00f6nt gedehnter Gesang. Es klingt wie die fr\u00fchen Kraut-Psychedelic-Experimente und ich w\u00fcrde mir einen Experimentalfilm mit dieser Untermalung vermutlich aus Prinzip gern ansehen. Wieso gerate ich eigentlich in letzter Zeit immer wieder an dieses Avantgarde-Zeug? Mir soll\u2019s ja auch recht sein. Unbeachtet schwellen die Instrumente zu Kammermusik mit Streicherstakkato an. Unwillk\u00fcrlich denkt man dar\u00fcber nach, was die Beatles aus der heutigen Studiotechnik gemacht h\u00e4tten, wenn sie noch intakt w\u00e4ren. In \u201eYou Don\u2019t Need\u201c wird die Kammermusik fortgesetzt. Es baut sich eine bedrohliche, dichte, beinahe industrielle, wie von einem alten Tonband abgespielt klingende Atmosph\u00e4re mit d\u00fcnnem, fast untergehendem, aber wieder krautigen Gesang auf. Damals war Gesang ja auch selten gut. Das St\u00fcck endet pl\u00f6tzlich.\nEs folgt \u201eIn The Dark Room\u201c: Der Beginn klingt wie der Verbindungsaufbau eines alten Modems, geht dann aber \u00fcber in eine vergleichbar sterile Umgebung. Genau so w\u00fcrde ich einen dunklen Raum auch vertonen, wenn ich ein bisschen Ahnung von Stimmung und Musikmachen h\u00e4tte. Elektronisch erzeugte Klangeffekte, darunter ein unklares Kratzen, lassen mich abermals aufhorchen, wie es eigentlich immer passiert, wenn ich mich an das noch immer ziemlich geile \u201easia\u201c von boris (hier entlang) erinnert f\u00fchle. Hier gibt es keinen Gesang, hier gibt es nur Stimmung. Hui! \u201eChange My Brain\u201c ist anfangs eigentlich fast das gleiche St\u00fcck, aber mit noisiger Gitarre statt blo\u00dfer Effekte. Nach zwei Minuten setzt abermals der melodiefreie Gesang Kim Gordons ein. Gegen 4:30 Minuten intensiviert sich dieser aber erstmals auf dem Album in einer Art Refrain, bevor der Instrumentalteil wieder einsetzt. Irgendwas ist mit meinem Hirn bereits jetzt passiert. \u201eChange My Brain\u201c ist 10:41 Minuten lang und damit eigentlich immer noch zu kurz.\nZum Schluss \u2013 \u201eReverse Hard\u201c \u2013 haut das Duo dem H\u00f6rer noch einmal Dronegewitter, dann wieder industrielle Elektronik um die Ohren. Nach fast f\u00fcnf Minuten ert\u00f6nt Gesang, der wie durch ein Wasserglas gesungen klingt, dazu schneidende Gitarren. Nach sechs Minuten ist es vorb- nein, doch nicht, ein neuer Teil beginnt: Eine verzerrte Gitarre breitet eine W\u00fcste vor dem geistigen Auge aus. Kakteen entstehen, hin und wieder ein bedrohliches Lebewesen, hier gespielt von einem Bass, der wahrscheinlich auch wieder so ein Gitarreneffekt ist. Erneut undeutlicher \u201eWasser\u201c-Gesang. Das St\u00fcck wird zum Ende hin schneller, die Stimme bellt nun eher als sie singt. Das St\u00fcck verklingt instrumental mit verzerrter Elektronik.\nWas war das? \u201eThe Switch\u201c braucht unbedingt einen zweiten, wenn nicht gar einen dritten H\u00f6rdurchlauf, bevor es sich erschlie\u00dft. Ich wei\u00df es zu w\u00fcrdigen, dass hier oberfl\u00e4chlich nur wenig passiert, w\u00e4hrend sich das Album kaum merklich ins Nervensystem bohrt. Es muss ja nicht immer scheppern.\nReinh\u00f6ren: \u201eThe Switch\u201c gibt es auf Bandcamp.com und TIDAL als Komplettstream, auf Amazon.de auszugsweise und zum Kauf.\nH E X \u2013 H E X\nApropos Scheppern.\nH E X, die anscheinend mit Leerzeichen geschrieben werden m\u00f6chten, sind eine Schweizer Band und hei\u00dfen wie ein Album von Bark Psychosis, aber das kann Zufall sein. Musikalisch und auch sonst ist wenig Gemeinsamkeit festzustellen, sieht man davon ab, dass ich beide Bands zu kennen nicht f\u00fcr Zeitverschwendung halte.\nDie Band selbst nennt ihre Musik \u201ePsychedelic Industrial\u201c, was sich eigenartig genug vorstellen l\u00e4sst. Dominiert wird das Album, das anscheinend wie die Band hei\u00dft und sogar nur aus vier (wenn auch vergleichsweise langen) St\u00fccken zusammengesetzt ist, allerdings von einem mitunter monotonen groove, der vor allem (uns) von Faust und Can Begeisterte verz\u00fcckt. Die Musik ist ziemlich dicht und klingt manchmal wie eine \u00fcberwiegend instrumentale Variante von Laibach mit weniger gothic. Jau.\n\u00dcberwiegend instrumental? Naja: In \u201eCollider\u201c taucht erstmals kaum verst\u00e4ndlicher Gesang auf, viel zu leise, um verstanden zu werden, was Absicht sein k\u00f6nnte. \u201eHighrise\u201c ist wieder ein Gesangsst\u00fcck, jedoch wird auch hier der Gesang von der Industrial-Wucht schier erdr\u00fcckt und dient daher vielmehr als melodischer Gegenpunkt. Apropos \u201eCollider\u201c: L\u00e4sst sich dieses Liedlein noch als Postpunk kategorisieren und gr\u00e4bt \u201eProcess\u201c tief im Industrial, so vermeidet der dronegeladene Postrock, den man sonst auch von Isis so oder so \u00e4hnlich schon mal geh\u00f6rt hat, ein Schwarzwei\u00dfbild, was das Kategorisieren betrifft. Ich g\u00e4be f\u00fcr so etwas grunds\u00e4tzlich Bonuspunkte, wenn ich hier \u00fcberhaupt irgendwelche Punkte verteilte.\nDa ich darauf aber gern verzichte, bleibt mir in Reintext die Erkenntnis, dass \u201eH E X\u201c eine willkommene Abwechslung in der sonst doch sehr gitarrenrockorientierten Liste dieses Semesters ist. Man sollte aber in der richtigen Stimmung sein \u2013 f\u00fcr Fr\u00fchling oder gar Sommer ist das hier nichts, auch wenn\u2019s bereits im Mai dieses Jahres erschien. Zu heute passt es allerdings ausgezeichnet.\nReinh\u00f6ren: Stream und Kauf stellen H E X via Bandcamp.com bereit, ansonsten mag\u2019s Amazon.de tun.\nPrairie \u2013 After the Flash Flood\nWir bleiben bei Drones. Bei Prairie, so ist im Internet zu lesen, handelt es sich um \u201edas Projekt\u201c des aus Br\u00fcssel stammenden, aber in den Niederlanden wurzelnden Multiinstrumentalisten und Produzenten Marc Jacobs, der live noch mehr Musiker um sich schart und zuvor bereits Musik beim Berliner Verlag Shitkatapult, der zwar sch\u00f6n hei\u00dft, mir aber bisher namentlich unbekannt war, unterbringen konnte. Wenn das hier jedoch Schei\u00dfe ist, dann kann Marc Jacobs daraus Gold machen und geh\u00f6rt erst recht erw\u00e4hnt.\nEine Eisw\u00fcste t\u00fcrmt sich auf, von fern donnert floydesque Perkussion auf und verklingt: Mit \u201eFlash Flood\u201c beginnt das Album \u201eAfter the Flash Flood\u201c ungef\u00e4hr wie angenommen, hat man erst einmal einen Blick auf das Coverbild geworfen. Das Thema \u201eEisw\u00fcste\u201c wird sp\u00e4ter auch mit Ger\u00e4uschen berstenden Eises (\u201eHard Water:Cracked Ice\u201c) nochmals in Erinnerung gerufen. Der geneigte Rezensent kommt nicht umhin, ein wenig zu frieren, was derzeit \u2013 Mitte September \u2013 keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, daf\u00fcr jedoch sehr angenehm ist.\nDer Rest des Albums, der nach \u201eFlash Flood\u201c ert\u00f6nt, steht diesem hinsichtlich der Intensit\u00e4t und Dichte nicht nach; mal wird mit Sprachfetzen und St\u00f6rger\u00e4uschen eine beklemmende Atmosph\u00e4re geschaffen (\u201eRaindeaf\u201c), mal breiten Prairie mit vielschichtigen drones abermals eine, nun ja, akustische Pr\u00e4rie vor dem H\u00f6rer aus. Auch leise, mitunter indisch angehauchte Momente finden sich auf dem Album (\u201eA Permanent War Economy\u201c, \u201eElephants Will Rise Again\u201c). Was jedoch nicht auftaucht, ist Gesang. Brauch\u2019mer des? Nein, in diese Stimmung reinzusingen w\u00e4re geh\u00e4ssig.\n\u201eAfter The Flash Flood\u201c belohnt Geduld mit Tiefe. Wer keine solche (also Geduld, nicht Tiefe) mitbringt, der m\u00f6ge dieses Album beim unvermeidlichen Kauf all meiner Empfehlungen  auslassen. Allen anderen m\u00f6ge es ein Genuss sein wie mir.\nReinh\u00f6ren: Auf Bandcamp.com gibt es \u2013 ungew\u00f6hnlicherweise \u2013 nur Ausz\u00fcge aus \u201eAfter the Flash Flood\u201c zu h\u00f6ren, Amazon.de und TIDAL besorgen den Rest.\nOh Sees \u2013 Smote Reverser\nEndlich mal wieder eine Band mit Geschichte \u2013 obwohl die gar nicht besonders lang ist.\nVon 1997 bis 2003 existierte das kalifornische Punkrockduo Pink and Brown, bestehend aus den beiden schon zuvor aufeinander getroffenen Musikern John Dwyer (Gesang, Gitarre) und Jeffrey Rosenberg (Schlagzeug). Ersterer war ebenfalls ab 1997 als Solomusiker unter dem Projektnamen Orinoka Crash Suite (kurz OCS) t\u00e4tig, von 2001 bis 2005 au\u00dferdem mit der Garagenrockband Coachwhips besch\u00e4ftigt. 2002 gr\u00fcndete er zudem Zeigenbock Kopf, eine vorgeblich deutsche Partyband mit Schwulenimage, die vermutlich bis heute existiert.\nNach der Aufl\u00f6sung von Pink and Brown trat Jeffrey Rosenberg vor\u00fcbergehend OCS bei, das offizielle Deb\u00fctalbum \u201e1\u201c wurde 2003 ver\u00f6ffentlicht. John Dwyer machte danach erst allein, dann mit Schlagzeuger Patrick Mullins weiter und nahm so bis 2005 drei weitere Alben auf. Anschlie\u00dfend wurde S\u00e4ngerin Brigid Dawson Bandmitglied, von 2006 bis 2007 hie\u00df die Band erst The Ohsees, was eine m\u00f6gliche Aussprache von \u201eOCS\u201c zu sein scheint, dann The Oh Sees, schlie\u00dflich bis 2016 Thee Oh Sees. Das \u201eThee\u201c wurde 2017 fallen gelassen, es erschien erst \u201eOrc\u201c als Oh Sees, dann \u201eMemory of a Cut Off Head\u201c als OCS. Wie die Band aktuell hei\u00dft, wage ich gar nicht nachzuschlagen, als The Oh Sees wurde im Mai 2018 jedenfalls das noch aktuelle Album \u201eSmote Reverser\u201c ver\u00f6ffentlicht, das, z\u00e4hlt man nur die Studioalben und nicht auch die EPs, das 21. dieser Gruppe seit 2003 ist, was recht sportlich ist. Ich mag aber keinen Sport.\nWomit ich hingegen eine Menge anfangen kann, ist \u2013 das sollte bekannt sein \u2013 gute Musik. Und \u201eSmote Reverser\u201c ist durchaus nicht schlecht darin, solche zu bieten. In meinen Notizen zum Album steht \u201eordentlich Groove\u201c. Ordentlich! Im Oktober dieses Jahres wurde \u201eMoon Bog\u201c, vom \u201eRolling Stone\u201c als Weltraumballade beschimpft, von mir als Montagsmusik ausgew\u00e4hlt, aber obwohl sich auf \u201eSmote Reverser\u201c mit \u201eLast Peace\u201c noch mehr Stilverwandtes finden l\u00e4sst, greifen Oh Sees auf jede Menge Erfahrung und damit auch Vielfalt zur\u00fcck: Dank der zurzeit beiden Schlagzeuger rhythmisch aufgeladener Progressive Metal (\u201eSentient Oona\u201c), Elektronik, die mitunter verspielt sein darf (\u201eAnthemic Aggressor\u201c), Stoner/Hardrock (\u201eEnrique El Cobrador\u201c, \u201eAbysmal Urn\u201c) und der seit \u00fcber zwanzig Alben irgendwie vorhandene Garagenrock funktionieren hier gro\u00dfartig zusammen. Andere Bands \u2013 gern aus Gro\u00dfbritannien \u2013 kriegen nicht mal zwanzig Jahre lang mehr als einen Stil hin.\nReinh\u00f6ren: Auf TIDAL und Bandcamp.com ist neben anderen Alben von Oh Sees auch dieses zu finden.\nFire Down Below \u2013 Hymn of the Cosmic Man\nEverything I\u2019ve ever known means nothing\u201c (Ignition/Space Cruiser)\nIm Jahr 2016 ver\u00f6ffentlichte die belgische Stoner-/Psychedelic-Rock-Band Fire Down Below ihr Deb\u00fctalbum \u201eViper Vixen Goddess Saint\u201c, das von Kritikern als nicht schlecht wahrgenommen wurde. 2018 folgte das Folgealbum \u201eHymn of the Cosmic Man\u201c, in dem der Stil weitgehend beibehalten, aber um Spacerock erweitert wurde. Wie sollte es bei diesem Titel auch anders sein?\nDie hier geh\u00f6rte Musik erinnert mich anfangs ein wenig an das klar untersch\u00e4tzte \u201eLulu\u201c, allerdings ohne Gesangsbeitrag. Wie dieses ist auch \u201eHymn of the Cosmic Man\u201c ein Konzeptalbum, es geht textlich im Wesentlichen um einen recht traurigen Herrn, der sich im Weltall, vermutlich von der nackten Dame auf dem Coverbild, gefangen f\u00fchlt. Musikalisch dominiert grollender Space/Thrash Metal mit kr\u00e4ftig verzerrter Gitarre, also so, wie ich ihn mag. Gelegentlich (\u201eAscension\u201c) darf es aber auch mal einfacher Hardrock sein.\nAb dem zweiten St\u00fcck \u201eIgnition/Space Cruiser\u201c ert\u00f6nt auch Gesang, der zwar recht gew\u00f6hnlich (also beinahe stadiontauglich) daherkommt, aber trotzdem nicht den Eindruck erweckt, sich besonders an Radioh\u00f6rer zu richten. Daf\u00fcr spricht auch das abschlie\u00dfende \u201eAdrift in a Sea of Stars\u201c, das mit seiner L\u00e4nge von \u00fcber elf Minuten im derzeitigen Formatradio nicht mal zwischen zwei Werbepausen passen w\u00fcrde. Das Internet findet stilistische \u00dcbereinstimmungen mit Tool und Kyuss. Ich kann das verstehen.\nBeim \u201eAngry Metal Guy\u201c hei\u00dft es:\nIf you like your prog psyched up, and your stoner rock proggy, this is your album.\nPasst.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com ist eine gute erste Anlaufstelle, ansonsten k\u00f6nnten Amazon.de und TIDAL n\u00fctzlich sein.\nRolo Tomassi \u2013 Time Will Die And Love Will Bury It\nRolo Tomassi, benannt nach einer Figur aus dem Film L.A. Confidential, ist ein englisches Mathrockquintett, das seit seiner Gr\u00fcndung im Jahr 2005 mehr Alben, Singles und EPs ver\u00f6ffentlicht hat als manch \u00e4ltere Band in drei Jahrzehnten und mit \u201eTime Will Die And Love Will Bury It\u201c ein fantastisches Shoegaze-nahes Studioalbum unter die Leute zu bringen versucht. Die Genrekollegen 65daysofstatic, mit denen Rolo Tomassi auch schon mal zusammen (bzw. nacheinander) aufgetreten sind, haben vor einigen Jahren eines ihrer St\u00fccke remixt. Die Welt ist klein.\nWobei \u201eShoegaze\u201c auch zu einfach gedacht ist: Nachdem der instrumentale opener \u201eTowards Dawn\u201c ebenso wie das leichtg\u00e4ngige Lied \u201eAftermath\u201c mich nachsehen lie\u00dfen, was Toc.Sin eigentlich gerade machen (leider nichts mehr), und ich mich also gerade in einer entspannten Stimmung befinde, br\u00fcllt mich die Band in \u201eRituals\u201c mit Gitarrengeschepper und Growlgeschrei an. Huch!\n\u201eThe Hollow Hour\u201c macht nach einem gef\u00e4lligen (wenn auch hektischen) Postrockintro genau so weiter. Zeit wird sterben und so klingt das auch. Selbst schuld, wer seine Rezensionen nach gerade mal zwei St\u00fccken f\u00fcr einfach h\u00e4lt. Das Gesangsduo aus James und Eva Spence (vermutlich verwandt) schaltet im Weiteren zwischen \u201ezuckers\u00fc\u00dfen\u201c (Quelle: Internet) vocals und Screamo-Aggression wie selbstverst\u00e4ndlich um, Sch\u00f6nklang pr\u00e4gt \u201eTime Will Die and Love Will Bury It\u201c nur als Alibi. So w\u00fctend muss man erst mal sein.\nEine Verschnaufpause gew\u00e4hrt erstmals das siebte St\u00fcck \u201eA Flood of Light\u201c, das f\u00fcr wenige Takte am Anfang und am Ende eine ambient-Landschaft errichtet, bevor erneut der Zorn (\u201eWhispers Among Us\u201c) durchbricht. \u201eRisen\u201c beendet das Album mit Gesang und Klavierkl\u00e4ngen dann beinahe vers\u00f6hnlich.\nHui!\nReinh\u00f6ren: Wenig \u00fcberraschend ist, dass auch dieses Album auf Bandcamp.com (leider nur noch als CD und Download) zu haben ist, zum Reinh\u00f6ren eignen sich aber auch Amazon.de und TIDAL.\nThe STOCK \u2013 Humanize\n\u201eThe white light is dancing like a morse code\u201c (Kronos)\nKomischer Name, komisches Coverbild.\nThe STOCK ist, wie man herausfinden kann, ein Trio aus Bad Camberg, das in Hessen liegt und trotzdem auf Fotos ganz gut aussieht. Anscheinend hat es seit seiner Gr\u00fcndung im Jahr 2010 bisher erst ein einziges Album aufgenommen, n\u00e4mlich dieses. Auf \u201eHumanize\u201c, als \u201eLangzeitprojekt\u201c nach dreij\u00e4hriger Produktionszeit Anfang 2018 erschienen, werden drei St\u00fccke von elfeinhalb bis etwas \u00fcber 20 Minuten geboten. Schon wieder nichts f\u00fcrs Radio.\nDessen ungeachtet versuchen die drei Musiker es mit solidem Alternative Rock mit mehr gesprochenen als gesungenen lyrics. Dass sie musikhistorisch einigerma\u00dfen bewandert sind, l\u00e4sst sich allerdings nicht leugnen, vor allem in der s\u00fcd- und westdeutschen Musik der 1970er Jahre scheint man zu Hause zu sein. Das, was anderswo Krautrock geschm\u00e4ht wird, klingt auf \u201eHumanize\u201c gar nicht so furchtbar. Gut: \u00fcber den nach meinem Empfinden zu sehr in den Vordergrund gemischten Gesang von Rainer Ludwig lie\u00dfe sich trefflich streiten, aber so ist das im klassischen Krautrock ja auch.\nDass staubtrockener Stoner Rock (\u201eKronos\u201c) das Album er\u00f6ffnet, soll dar\u00fcber nicht hinwegt\u00e4uschen. Das zweite St\u00fcck, \u201eProletarian Suicide\u201c (wundervoller Titel auch), klingt streckenweise nach einer Countryversion von Faust, ist insbesondere also schlagzeug- und rhythmusgetrieben. Auch das abschlie\u00dfende \u201ePuzzles\u201c beginnt mit krautig-elektronischen Klangexperimenten, die immer wieder aufgegriffen werden, kokettiert aber durchaus auch mit bowiesquem Artpop. Dem gesamten Album \u201eHumanize\u201c ist dennoch eine Ungeschliffenheit zu eigen, die f\u00fcr alle F\u00e4lle eine Br\u00fccke zur Garagenmusik offen h\u00e4lt. Man wei\u00df ja nie. Menschlich klingen The STOCK jedenfalls auch ohne Hilfe. Kann man auch mal h\u00f6ren, so was.\nReinh\u00f6ren: Auch The STOCK ver\u00f6ffentlichen Musik auf Bandcamp.com.\nPigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs \u2013 King of Cowards\n\u201eI talk a lot.\u201c (Gloamer)\nApropos \u201ekomischer Name\u201c: Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs haben auch einen, den sogar die Band selbst gelegentlich als \u201ePigsx7\u201c abk\u00fcrzt, etwa bei der Auswahl ihrer Webdomain. Beim Schreiben ihres 2018er Albums \u201eKing of Cowards\u201c in einer umgebauten Scheune auf dem Land seien, behauptet die Band, tats\u00e4chlich auch Schweine anwesend gewesen.\nAnders als auf dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eFeed the Rats\u201c gehen Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs hier nicht mehr vor allem auf L\u00e4nge, keines der sechs St\u00fccke ist \u00fcber neun Minuten lang. Erstmals in der Band ist Schlagzeuger Chris Morley, der zuvor unter anderem f\u00fcr Gnod trommeln, hihatten usw. durfte. Beim \u201eGuardian\u201c sprach man mit Bezug auf \u201eKing of Cowards\u201c von \u201ezug\u00e4nglichem Metal\u201c, aber das ist ja noch keine qualifizierte Aussage. Geht es nach S\u00e4nger, Keyboarder und \u201ekreativem Schwamm\u201c (Andreas Schiffmann) Matt Baty, so ist \u201eKing of Cowards\u201c ein Konzeptalbum \u00fcber die sieben Tods\u00fcnden, die auch als Piktogramme auf dem Coverbild zu sehen sind, was zahlenm\u00e4\u00dfig doch erstaunt. Da h\u00e4tte es gern ein St\u00fcck mehr sein d\u00fcrfen.\nWas anderswo mal Sludge, mal \u201ezug\u00e4nglicher Metal\u201c hei\u00dft, hei\u00dft bei mir dann doch eher Psychedelic/Hardrock. Hinter schweren, schleppenden Rhythmen und gelegentlich einer schreienden Gitarre spielen Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs zwischen Mot\u00f6rhead und Hawkwind, der heisere Gesang beziehungsweise \u2013 in \u201eGloamer\u201c \u2013 das heisere Gesprech darf sich \u00fcber viel Hall freuen oder, je nach Vorliebe, \u00e4rgern. Ich \u00e4rgere mich nicht, ich h\u00f6re und empfehle weiter.\nSchwein gehabt.\nReinh\u00f6ren: Stream und Kauf haben Bandcamp.com und Amazon.de anzubieten, Kunden von TIDAL bekommen ebenfalls einen Stream.\nSanguine Hum \u2013 Now We Have Power\nVor elf Jahren, im Juli 2007, ver\u00f6ffentlichte die Joff Winks Band, gegr\u00fcndet von dem auch im Jazz nicht unbekannten Musiker Joff Winks, das einzige Album in voller L\u00e4nge unter diesem Namen, nannte sich anschlie\u00dfend ein paarmal um und ist inzwischen ein Trio namens Sanguine Hum. Das diesj\u00e4hrige Album von Sanguine Hum hei\u00dft \u201eNow We Have Power\u201c (\u201eJetzt haben wir Kraft\u201c), ist das Nachfolgealbum von \u201eNow We Have Light\u201c (\u201eJetzt haben wir Licht\u201c, 2015) und l\u00e4sst neugierig werden, was die drei Herren k\u00fcnftig noch alles haben werden.\nDerzeit haben sie vor allem die F\u00e4higkeit, gute Melodien mit ausreichender F\u00e4higkeit zur Instrumentenbedienung zu verbinden. Gelegentlich denke ich an Genesis aus der Zeit, bevor Phil Collins sich f\u00fcr einen akzeptablen S\u00e4nger hielt, aber wirklich qualitativ hochwertig klingt das ja nun auch nicht, also nehme ich das zur\u00fcck. Joff Winks ist hingegen ein S\u00e4nger, der sich ein bisschen nach zeitgen\u00f6ssischen Pops\u00e4ngern, also nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig interessant, anh\u00f6rt, sich aber ganz gut in den Bandkontext einf\u00fcgt. Musikalisch pr\u00e4sentiert selbiger vor allem dichte Klaviermelodien (gespielt von Matt Baber), entspannend und angenehm zum Genie\u00dfen. Ein wenig Jazz schwingt immer mit, auch wenn die Handlung hinter den Texten \u2013 ein Mann ist von einer riesigen schwebenden Blase runtergefallen \u2013 vergleichsweise haneb\u00fcchen ist. Aber ist das wichtig?\nDie beschwingte stilistische Mischung, in der ich die Einfl\u00fcsse von atmosph\u00e4rischem Artrock, sanftem Canterbury-Prog, dem \u201eklassischen\u201c Prog und Jazz zu entdecken glaube, l\u00e4sst alle textlichen Konzepte zweitrangig erscheinen. Stellenweise scheinen die geschmackvollen Piano\u2011, Synthesizer- oder E\u2011Piano-Beitr\u00e4ge die f\u00fchrende Rolle zu \u00fcbernehmen. Sobald die Gitarre hinzukommt, herrscht wieder das perfekte Gleichgewicht in den Arrangements, das in seltenen F\u00e4llen sogar zu rockigeren Momenten f\u00fchren kann. Gelegentlich (wie in \u201eSkydive\u201c) sind zudem Vibraphonkl\u00e4nge zu vernehmen, die nat\u00fcrlich den Leichtigkeitsfaktor des Gebotenen bedeutend erh\u00f6hen. In zwei St\u00fccken sorgt zudem ein Gasttrompeter f\u00fcr jazzige und kammermusikalische (\u201eFlight of the Uberloon\u201c) Akzente.\nEben.\nReinh\u00f6ren: Mit Amazon.de, Bandcamp.com und TIDAL gibt es hierzu hinreichend viele Gelegenheiten.\nSelf Defense Family \u2013 Have You Considered Punk Music\nSchon mal \u00fcber Punkmusik nachgedacht?\nDas ist sch\u00f6n, aber hier nicht ganz so wichtig, denn mit rohem Gekloppe hat \u201eHave You Considered Punk Music\u201c, das diesj\u00e4hrige Studioalbum von Self Defense Family, h\u00f6chstens thematisch etwas zu tun: S\u00e4nger Patrick Kindlon, der beim Singen immer ein bisschen verzweifelt klingt, sprach andernorts, das Album handle davon, \u201esich mit einer Sache intensiv zu besch\u00e4ftigen\u201c, wobei man bemerkte, \u201edass sich der Rest der Welt einen Schei\u00dfdreck daf\u00fcr interessiert\u201c. Punk, yo.\nNee, das hier ist Indie (was immer das schon wieder ist). Vergleiche sind diesmal recht einfach zu ziehen, denn Self Defense Family sind stolz auf ihre Vorbilder; so hei\u00dft es etwa in \u201eHave you considered anything else\u201c:\nYou\u2019re big on wordplay\nInto the arms of Nick Cave (\u2026)\nYou want new thoughts\nKate Bush on ready\nDas sind nur zwei der Namen, die genannt werden, und sie beide passen zur relativ melancholischen Grundstimmung. Man solle das Album \u201eals Verb im Pr\u00e4teritum begreifen\u201c, schwafelte ein Banause f\u00fcr die \u201eVISIONS\u201c und hat damit nat\u00fcrlich v\u00f6llig Unrecht, denn \u201eHave You Considered Punk Music\u201c findet jetzt statt, immer jetzt, so post der Punk und so psychedelic der Rock auch sein mag. Nach \u00fcber drei\u00dfig gemeinsamen Ver\u00f6ffentlichungen kennt man seine Richtung und/oder Pappenheimer. Es ist, so viel sei noch geschrieben, ungef\u00e4hr die meine.\nReinh\u00f6ren: Es gibt zurzeit (Mitte Dezember 2018) noch Stream und Kauf von LP und/oder \u201edigitalem Album\u201c (also so Dateien) via Bandcamp.com, ansonsten wie \u00fcblich Amazon.de bzw. TIDAL konsultieren.\nTangled Thoughts of Leaving \u2013 No Tether\nWir bleiben im Genre, wechseln aber den Kontinent: Das in Australien heimische Quartett Tangled Thoughts of Leaving (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier) ver\u00f6ffentlichte im Juli 2018 nach fast drei Jahren ohne neues Album ihr neuestes namens \u201eNo Tether\u201c.\nIn den bisher zehn Jahren ihres Bestehens haben Tangled Thoughts of Leaving sich in einer Szene eingerichtet, in der es schwer scheint, noch positiv herauszustechen, aber die gemeinsamen Touren und Aufnahmen mit Kollegen wie Russian Circles und sleepmakeswaves haben gezeigt, dass es auch im gelegentlich von au\u00dfen ausgelutscht wirkenden Psychedelic/Postrock noch m\u00f6glich ist, aufzufallen. \u201eDoom Jazz\u201c, \u201ePost-Jazz\u201c gar, wird die hier zu h\u00f6rende Musik im Internet auch genannt, aber Doom klingt anders.\nDen Jazzanteil kann aber selbst ich nicht leugnen, gelegentlich ausgedehnte Klavierpassagen (\u201eInner Dissonance\u201c, \u201eBinary Collapse\u201c) lassen das mit ihrer Intensit\u00e4t kaum zu. Dazwischen bleibt die Musik dicht und effektgeladen (\u201eThe Alarmist\u201c) und voller \u00fcberraschender Wechsel zwischen Fl\u00e4chigkeit und ordentlich Wumms. Wem das alte Laut-Leise-Spiel jemals zu langweilig wird, der hat keine Seele mehr. Vor einigen Tagen sprach Bela B. im Interview mit der \u201eZEIT\u201c dar\u00fcber, dass die allgemeine Verf\u00fcgbarkeit von Musikstreaming der Musik dieselbe genommen habe, aber zum Gl\u00fcck haben Tangled Thoughts of Leaving das noch nicht gelesen.\n\u201eCavern Ritual\u201c beeindruckt mich mit genau richtig eingesetzten L\u00e4ngen, die Spannung wird bis zum Ende des St\u00fcckes an der Berstgrenze gehalten. Gelegentlich denke ich hier an die letzten Siebzigeralben von King Crimson und gerate ein wenig ins Tr\u00e4umen. \u2013 Apropos Ende: Auch das zw\u00f6lfeinhalbmin\u00fctige Titelst\u00fcck (\u201eNo Tether\u201c), mit dem \u201eNo Tether\u201c endet, schafft es noch einmal, eine beklemmende Atmosph\u00e4re nicht nur aufzubauen, sondern auch zu halten. Postrock ist Musik zum Film im Kopf. Dieser hier ist in Schwarz-Wei\u00df gedreht und ein wahres Kunstwerk.\n\u201eIn diesen H\u00f6hlen\u201c, schrieb jemand auf \u201ea closer listen\u201c, k\u00f6nne man sich \u201eleicht verirren\u201c. Es bleibt aber immer das Licht am Ende des Tunnels. Nur Mut!\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com, Amazon.de, TIDAL. Weiter im Text.\nWang Wen \u2013 Invisible City\nPostrock zum Dritten? Aber gern!\nWoher eine Band, die sich Wang Wen (eigentlich \u60d8\u95fb) nennt, kommen mag, bedarf keiner gro\u00dfen Erkl\u00e4rung, welche Art von Musik sie macht, wom\u00f6glich aber doch. Sie sei die \u201ef\u00fchrende Postrockband\u201c ihres Landes, spekulieren Medien, aber das ist ja auch wieder zu kurz formuliert.\nDas Sextett hat unter anderem schon gemeinsam mit pg.lost Musik aufgenommen und ver\u00f6ffentlicht, was ja auch ein Qualit\u00e4tskriterium sein kann. Aus dem Tonausgabeger\u00e4t schwillt jedenfalls fl\u00e4chiger Psychedelic/Postrock, bei dem sich mir Vergleiche mit Pink Floyd anbieten, zu denen ich nicht Nein sage, obwohl ich Pink Floyd hin und wieder als z\u00e4hes Gewaber wahrnehme. Immerhin singt Roger Waters hier nicht.\n\u00dcberhaupt wird wenig gesungen, denn \u201eInvisible City\u201c ist ein weitgehend instrumentales Album, sieht man vom stark verzerrten und somit f\u00fcr uns alte Leute nicht mehr verst\u00e4ndlichen Gesang in \u201eStone Scissors\u201c ab. Im osteurop\u00e4isch anklingenden \u201eLost in Train Station\u201c wird auch ein wenig gesprochen. Als Instrument kommt unter anderem das Horn zum Einsatz, gemeinsam mit einem Klavier oder etwas, das klingt wie ein Klavier, lebt unter anderem \u201eSilenced Dalian\u201c von Tiefe statt von Instrumentalw\u00e4nden. Von wegen, Postrock geht nur mit Brachialgitarren! \u2013 Ich meine am Ende von \u201eStone Scissors\u201c auch ein wenig typisch asiatische Kl\u00e4nge (vgl. Jambinai) auszumachen. Bei \u201eSputnikmusic\u201c wurde \u201eInvisible City\u201c als exzellent bewertet. Ich schlie\u00dfe mich vorbehaltlos an.\nReinh\u00f6ren: Ist ja 2018, also sind Wang Wen mitsamt ihrer Musik auch auf Bandcamp.com zu finden. Amazon.de scheint derzeit leider keine H\u00f6rproben zu haben, Kunden von TIDAL hingegen werden ebenfalls f\u00fcndig.\nToby Driver \u2013 They Are the Shield\nDen Herrn hatte ich ja auch ganz vergessen. Obwohl ich vor neun Jahren das damals neue Album seiner Band maudlin of the Well empfahl und deren Nachfolgeformation Kayo Dot ab und zu mal in meiner Wahrnehmung auftauchte, blieb Toby Driver weitgehend unauff\u00e4llig. Das scheint schade zu sein, denn wenn das, was er in der Zwischenzeit so angestellt hat, die Qualit\u00e4t von \u201eThey Are the Shield\u201c \u2013 wovon ich ausgehe \u2013 wenigstens teilweise erreicht, muss ich demn\u00e4chst wohl etwas nachholen.\nGrunds\u00e4tzlich treibt sich der Musiker, der hier von f\u00fcnf G\u00e4sten (davon zwei Violinisten) unterst\u00fctzt wird, nach wie vor in eher ruhigen musikalischen Gew\u00e4ssern herum. Ich h\u00f6re weitgehend Ambientmusik, der durchaus nicht \u00fcble Gesang sucht die N\u00e4he zu Bands wie a\u2011ha einer\u2011, Peter Gabriel und Ian Curtis andererseits. Das ist alles gar nicht so seicht und die Musik ist es noch weniger: Mit dank lang gehaltener Noten ausgebreiteten Klangfl\u00e4chen beginnt \u201eThey Are the Shield\u201c mit dem imposanten \u201eAnamnesis Park\u201c, dem l\u00e4ngsten St\u00fcck auf dem Album. Wer die sp\u00e4ten Talk Talk oder die wenigstens mittleren Pink Floyd mag, der wird sich hier bereits pudelwohl f\u00fchlen. Wie dieses St\u00fcck zeichnet sich auch das folgende, \u201eGlyph\u201c, durch allerlei Streicherkl\u00e4nge aus. Erstmals macht sich eine enorme Melancholie bemerkbar. Auch \u201e470 Nanometers\u201c findet eher im Artrock statt, wenn auch weiterhin in einer angenehm unaufgeregten Art. Das Solowerk von Steven Wilson \u2013 nur deutlich besser \u2013 erscheint mir als geeigneter Vergleich.\n\u201eScaffold of Digital Snow\u201c ist wieder etwas ruhiger, setzt sich selbst aber mit dem leichten Spiel mit Misst\u00f6nen beinahe in RIO-Gegenden. Das h\u00e4tte ich nicht erwartet, hei\u00dfe es aber herzlich willkommen. Bridget Bellavia, mir sonst bisher unbekannt, steuert unpeinlichen Gesang bei, Toby Driver h\u00e4lt sich diesmal etwas zur\u00fcck. Wieder anders ist \u201eSmoke-Scented Mycelium\u201c: Das Schlagzeug stolpert vorw\u00e4rts, im Hintergrund verzerren Geigen. Es gibt keinen offensichtlichen Refrain, das Warten darauf sch\u00fcrt in beachtlichem Ma\u00dfe die Spannung. Mit \u00e4hnlicher Technik, wir erinnern uns, arbeiteten fr\u00fcher auch maudlin of the Well. Apropos \u201efr\u00fcher\u201c: Ich h\u00f6re hier auch Ankl\u00e4nge an Nico. Ein tiefes Danke demjenigen, der mir erkl\u00e4ren kann, warum.\nMit dem nickcaveesquen \u201eThe Knot\u201c, mit gerade mal 4:12 Minuten Laufzeit dem k\u00fcrzesten St\u00fcck auf \u201eThey Are the Shield\u201c, klingt das Album aus und fast wieder an. Das einzig Willkommene an digitalen Darreichungsformen ist bekanntlich, dass man nicht so lange warten muss, um wieder von vorn anzufangen.\nReinh\u00f6ren: Leider nur als CD und Stream gibt es \u201eThey Are the Shield\u201c auf Bandcamp.com zu kaufen, Vinyl gibt Amazon.de her. Kunden von TIDAL werden auch bedient.\nJulia Holter \u2013 Aviary\nJulia Holter, ungef\u00e4hr in meinem Alter, ist eine US-amerikanische Musikerin mit theoretischer Ahnung von (\u201eSie selbst machte ihren Abschluss in Elektronischer Musik am California Institute of the Arts\u201c, Wikipedia) und praktischer Erfahrung mit Musik: \u201eAviary\u201c ist ihr inzwischen achtes Studioalbum.\nEs war auch wirklich h\u00f6chste Zeit, das Album (das es immerhin auch als Doppel-LP gibt) ist mit fast 90 Minuten an Musik sozusagen randvoll; und keine Minute ist verschwendet. Von einer Autorin des \u201eGuardian\u201c wurde das hier Geh\u00f6rte in die N\u00e4he der sowieso unerreichten The Velvet Underground ger\u00fcckt, weil es mitunter dr\u00f6hne, aber das ist selbst im Vergleich zu meinen eigenen Vergleichen, die ich manchmal ziehe, zu wenig hilfreich. The Velvet Underground haben ja nie Musik gemacht, die man guten Gewissens widerspenstigen Kammerpop nennen k\u00f6nnte.\n\u201eAviary\u201c hingegen klingt genau so, wie man sich widerspenstigen Kammerpop vorstellen sollte: Schon vom ersten Moment an (\u201eTurn the Light On\u201c) durchsetzt eine ordentliche Portion an RIO/Avant die eigentlich sanfte Musik. Das ausgelutschte, abgeklapperte, durchgenudelte (kann fortgesetzt werden) Imagin\u00e4rgenre \u201eSinger/Songwriter\u201c, obwohl\u2019s ja nur eine T\u00e4tigkeitsbeschreibung ist, lernt hier endlich eine neue Nuance kennen. Nicht schlecht. \u201eI Shall Love 2\u201c, das \u00fcberraschend in der Albumsabfolge vor \u201eI Shall Love 1\u201c steht, und \u201eWords I Heard\u201c waren, wie herauszufinden ist, Singles zu diesem Album. Schade, dass die meisten Radiosender so verschnarcht sind. Die Lieder aber wirken unruhig, als f\u00fcrchteten sie einen heraufziehenden Sturm. Gelegentlich (\u201eChaitius\u201c) rufen Orgelkl\u00e4nge eine sakrale Stimmung hervor, dann klingt \u201eAviary\u201c fast wie eine rauschfreundlichere Variante von Anna von Hausswolff. Ihre sechs Mitmusiker (\u00fcberwiegend Streicher und Bl\u00e4ser) leisten gute Arbeit, das sind hier keine Instrumente zum blo\u00dfen Selbsterhalt, das ist feine Kunst. Die deutsche Bezeichnung f\u00fcr ein aviary ist \u201eVogelhaus\u201c. Der Rabe ist hier aber n\u00e4her als der Papagei. Nimmermehr.\nReinh\u00f6ren: Au\u00dfer auf Bandcamp.com \u2013 allm\u00e4hlich mache ich mir Sorgen darum, was passiert, wenn Bandcamp mal die Tore schlie\u00dft \u2013 ist \u201eAviary\u201c auch auf TIDAL zu h\u00f6ren und auf Amazon.de zu kaufen.\nMe El-Ma \u2013 Bowing Crosses\nIn den 1970-er Jahren, so viel erf\u00e4hrt man aus halbwegs sicheren Quellen, war Me El-Ma, ein israelischer Schlagzeuger, in der Progressive-Rock-Gruppe Atmosphera, die legend\u00e4r gewesen sei, von der ich aber trotzdem bisher nichts kenne, aktiv. Anschlie\u00dfend verschlug es ihn zun\u00e4chst zu anderen Musikern, dann nach Deutschland und 2002 schlie\u00dflich wieder zur\u00fcck nach Israel, wo er immer noch aktiv ist. \u201eBowing Crosses\u201c d\u00fcrfte also ein Soloalbum \u2013 mit Gesang von Virja, was ein Frauenname zu sein scheint \u2013 sein.\nIm Onlineforum \u201eProgressive Ears\u201c wurde dar\u00fcber spekuliert, dass \u201eVirja\u201c stattdessen auch \u201eVirJA\u201c, virtueller Jon Anderson also, hei\u00dfen k\u00f6nnte. Die gesangliche N\u00e4he zwischen Virja und besagtem fr\u00fcherem S\u00e4nger von Yes m\u00f6chte ich auch gar nicht abstreiten, obwohl ich nicht so weit wie einige Diskussionsteilnehmer gehen w\u00fcrde, die hier eine Personalidentit\u00e4t annehmen. Gerade das f\u00fcnfmin\u00fctige \u201ePlease do as You please\u201c \u2013 Gro\u00dfschreibung anscheinend beabsichtigt \u2013 w\u00e4re auf \u201eRelayer\u201c seinerzeit kaum aufgefallen, obwohl Me El-Ma rhythmisch noch \u00fcber die Experimente der offensichtlichen Vorbilder hinausgeht; und immer nur so weit, dass es noch nicht zu viel des Guten wird. Das muss man heutzutage ja auch mal positiv anmerken.\nBei den Vorbildern f\u00fcr seine Polyrhythmik scheint sich der Musiker vielmehr bei den 90er-\u201eProjeKcts\u201c von King Crimson (\u201ePerception Perfection Satisfaction\u201c, Titelst\u00fcck \u201eBowing Crosses\u201c) zu bedienen. Vieles ist recht technisch, k\u00fchl und geradezu Kopf verdrehend verworren \u2013 nicht ohne sich selbst wieder aufzul\u00f6sen. Daf\u00fcr braucht man mehr als blo\u00df einen Kopfh\u00f6rer, daf\u00fcr braucht man Talent; und gerade in Kombination mit dem Gesang, den King Crimson selbst nur auf dem Album \u201eLizard\u201c, auf dem Jon Anderson selbst gastierte, in dieser Weise in ihre damals noch weniger ausgereiften Arrangements einflie\u00dfen lassen konnte, ist das trotz der Wiedererkennungen ein \u00fcberraschend originelles Werk geworden, von denen es klar zu wenige gibt.\nF\u00fcr \u201emehr vom selben\u201c ist er sich selbst in Albenl\u00e4nge zu schade: Wenn er nicht gerade avantgardesque Rockspektakel veranstaltet, spielt Me El-Ma in den ruhigeren Momenten (\u201eEternity Heart\u201c) auch mal Artpop \u2013 und auch das gro\u00dfartig: Es guckt mal David Bowie, mal Kate Bush um die Ecke. Anderen Bands nachzueifern ist unkreativ? Theoretisch ja, praktisch kann es begeistern. Wenn schon \u201eklingt wie\u2026\u201c, dann wie \u201eBowing Crosses\u201c!\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com scheint zurzeit die alleinige Vertriebsplattform f\u00fcr \u201eBowing Crosses\u201c zu sein (und bietet leider nur die \u201edigitale\u201c Version ohne Tontr\u00e4ger an).\nEarth Ship \u2013 Resonant Sun\nKommen wir nun zu etwas v\u00f6llig anderem.\nEarth Ship waren auch schon mal in Deutschland und sind es wahrscheinlich auch immer noch, denn es handelt sich um ein Berliner Trio (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass). \u201eResonant Sun\u201c ist ihr inzwischen f\u00fcnftes Album und sicherlich kein schlechtes, sofern man mit stark verzerrten Gitarrenriffs und ungest\u00fcmem \u201eGebr\u00fcll\u201c, wie man es fr\u00fcher nannte, kein gro\u00dfes Problem hat: Earth Ship sind eine technisch versierte Sludgeband und haben nicht vor, das zu verstecken. Auf dem Coverbild macht ein Wolf im Kapuzenpulli ein selfie von sich. Versteh\u2018 ich nicht.\nDass das Album mit \u201eA Handful of Flies\u201c, einem, um es zur\u00fcckhaltend auszudr\u00fccken, schwer zu schlagenden St\u00fcck, beginnt, ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, denn die anderen sieben (bis neun) St\u00fccke erreichen dessen Qualit\u00e4t nicht ganz, aber der musikalische Kern bleibt erhalten: Wahnwitzige Gitarrensoli und selten cleaner, meist heiser geschriener Gesang liegen \u00fcber basslastigem Stoner-Metal mit wenig Doomeinsatz. Die Zahl der enthaltenen Liedlein ist abh\u00e4ngig vom Format, in der \u201edigitalen Version\u201c ist unter anderem auch eine (wenig bereichernde) Coverversion von \u201eChildren of the Revolution\u201c enthalten, die ich nach Konsum (nicht: Genuss) f\u00fcr verzichtbar halte. Konzentrieren wir uns aber auf das Gute, n\u00e4mlich auf die Grundausstattung von \u201eResonant Sun\u201c, so bleibt genug \u00fcbrig, was es zu w\u00fcrdigen gilt:\n(\u2026) wummernder E\u2011Bass trifft auf dynamisches Schlagzeugspiel trifft auf s\u00e4gende Gitarren trifft auf beinharte Reibeisenstimme.\nWohl dem, der jetzt trotzdem nicht an Torfrock denkt.\nReinh\u00f6ren: Auf Amazon.de gibt es H\u00f6rproben, wie auch auf TIDAL sind die zuvor erw\u00e4hnten Bonustitel hier verf\u00fcgbar. Nur Bandcamp.com l\u00e4sst sie weg. Ich enthalte mich einer Wertung.\nPinioL \u2013 Bran Coucou\nApropos Metal \u2013 oder doch nicht? Ich bin jedenfalls ein bisschen entt\u00e4uscht von mir: Ich hatte angenommen, ich h\u00e4tte zu PoiL in der Vergangenheit schon etwas geschrieben, dem scheint aber nicht so zu sein.\nDann hole ich das kurz nach: PoiL ist ein franz\u00f6sisches Trio, das bis 2014 drei an schr\u00e4gem Avant-Zeuhl reiche Studioalben, danach die ersten beiden Studioalben noch mal zusammen (\u201eL\u2019ire des papes / Dins o cuol\u201c) ver\u00f6ffentlicht hatte. Anschlie\u00dfend taten sich die drei Herren mit dem einheimischen Quartett ni, das bisher nur ein einziges \u201evolles\u201c Album (\u201eLes insurg\u00e9s de Romilly\u201c, 2015) mit \u00e4hnlich verr\u00fcckter Musik ver\u00f6ffentlicht hatte, zusammen und nennen sich in dieser Formation PinioL, was zwar unvern\u00fcnftig ist, weil die Reihenfolge der Buchstaben nicht mehr stimmt, aber wenigstens ganz gut klingt. In dieser Formation nennen sich die Musiker ein \u201eabscheuliches Monster, das vor nichts Angst hat\u201c. Puh!\nUnvern\u00fcnftig, aber ganz gut klingend ist das hier Geh\u00f6rte insgesamt und sowieso, was so weit geht, dass selbst der franz\u00f6sische (das ist doch Franz\u00f6sisch, oder?) Gesang sich hier nicht mal in der Scatform schei\u00dfe anh\u00f6rt. Das er\u00f6ffnende \u201ePilon Bran Coucou\u201c, das anscheinend also als \u201eTitelst\u00fcck\u201c durchgehen k\u00f6nnte, wiegt den Rezensenten zwar erst mal in Sicherheit, indem PinioL eine sich steigende Krautrocksalve im Stil einer leider so nie passierten Allianz von Neu! mit Faust abfeuern, bevor sie einen abrupten Wechsel in eine Art 80er-Avantdisco vollziehen, die auch sp\u00e4ter (\u201eMimolle\u201c) noch mal aufgegriffen wird. Ganz sch\u00f6n viel \u201eAvant\u201c f\u00fcr ein Album? Ja, eben! \u2013 Wer bei dieser Beschreibung an vergleichbar irre franz\u00f6sische Musikgruppen denkt, dem kann ich versichern, dass er damit nicht allein ist. Mir kommen sowohl Pryapisme als auch Sebkha-Chott in den Sinn, allerdings zeigen sich PinioL weniger an Brachialit\u00e4t interessiert als Letztgenannte. An Gitarren ist \u201eBran Coucou\u201c dennoch nicht arm, in St\u00fccken wie das vierzehnmin\u00fctige Mathcore-Brett \u201eSh\u00f4 Shin\u201c oder dem nur zum Schein erfreulich jazzrockigen \u201eFran\u00e7ois 1er\u201c bekommt die doppelte Rockbandbesetzung (zwei Gitarren, zwei B\u00e4sse, zwei Schlagzeuge, sechs Mikrofone, ein Keyboard) hinreichend viel Gelegenheit, die unvergessenen The Dillinger Escape Plan nicht mehr ganz so schmerzlich vermissen zu lassen, was sogar vor\u00fcbergehend gelingt. Direkt vorm Einschlafen sollte man es aber wahrscheinlich trotzdem nicht h\u00f6ren. Meine Nerven!\nOb das Projekt PinioL von Dauer sein wird, ob es also zu weiteren Alben kommen wird, wird sich zeigen m\u00fcssen. F\u00fcr kommenden M\u00e4rz wollen ni erst einmal wieder allein eines rausbringen. Mindestens das empfehle ich jedenfalls genauestens zu beobachten; und \u201eBran Coucou\u201c nat\u00fcrlich auch. Im kommenden April treten die zweieinhalb Bands in Berlin sozusagen zusammen auf. Das k\u00f6nnte interessant werden.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de (nat\u00fcrlich), TIDAL (nat\u00fcrlich), Bandcamp.com (nat\u00fcrlich).\nSoft Machine \u2013 Hidden Details\nVor f\u00fcnfzig Jahren, 1968 also, ver\u00f6ffentlichten die nach dem visumsbezogenen Ausstieg Daevid Allens vor\u00fcbergehend zum Trio gewordenen Soft Machine, neben Caravan eine der beiden Nachfolgebands der Wilde Flowers, ihr Deb\u00fctalbum, das sich musikalisch im Psychedelic Rock verorten lie\u00df und damit damals ganz dem Zeitgeist entsprach. Aufgrund vertraglicher Verpflichtungen fanden sie sich anschlie\u00dfend f\u00fcr weitere Alben zusammen, wechselten aber mehrfach die Besetzung. Der hierbei gr\u00f6\u00dfte Einschnitt war vermutlich die Trennung von Robert Wyatt, der nach dem vierten Album Soft Machine verlie\u00df, deren zusehends jazzorientiertere Ausrichtung (ohne Gesang) er als sangesfreudiger Schlagzeuger nicht mehr unterst\u00fctzen wollte, und Matching Mole gr\u00fcndete, was ein Wortspiel mit \u201emachine molle\u201c und gar nicht mal so bl\u00f6d ist. Im Juni 1973 fiel er aus einem Fenster und seitdem gibt es Matching Mole nicht mehr.\nSoft Machine haben aber bis heute weiter gemacht, wenn auch unter wechselnden Namen, die allesamt mit \u201eSoft\u201c begannen. Obwohl das letzte Gr\u00fcndungsmitglied Mike Ratledge bereits w\u00e4hrend der Aufnahmen zu \u201eSofts\u201c (1976) die Band verlassen hatte, nannte man sich irgendwann Soft Machine Legacy und seit 2015 schlie\u00dflich wieder Soft Machine. Das dienst\u00e4lteste Mitglied John Marshall sa\u00df immerhin seit 1971 f\u00fcr mehrere Versionen der Gruppe an Schlagzeug und Perkussion, was ja im Jahr 2018 doch schon erw\u00e4hnenswert ist. \u201eHidden Details\u201c ist also das erste Studioalbum unter dem Namen Soft Machine seit dem mauen \u201eLand of Cockayne\u201c von 1981; damals bestand die Band aus John Marshall und Karl Jenkins, die beide vor ihrem Beitritt bei den leider inzwischen aufgel\u00f6sten Nucleus spielten.\nWer die Bandgeschichte hinreichend aufmerksam verfolgt hat, der ahnt inzwischen vermutlich, wie \u201eHidden Details\u201c wohl klingt: Seit sp\u00e4testens 1971 steht den Jazzern bei Soft Machine kein Gegengewicht mehr entgegen, sie k\u00f6nnen sich also nach Herzenslust austoben. \u201eHidden Details\u201c ist ein solides instrumentales Jazzrockalbum mit \u2013 dem auch schon seit Jahrzehnten aktiven Bassisten Roy Babbington sei Dank \u2013 viel groove, das die Wurzeln der Band in Ehren h\u00e4lt. Ob in der mal quirligen, mal (\u201eGround Lift\u201c) flehenden Gitarre, ob in den gelegentlich avantgardistischen \u201eexperimentellen\u201c Ausbr\u00fcchen (\u201eLife on Bridges\u201c), an denen Saxophonist/Fl\u00f6tist/Pianist Theo Travis (zuvor unter anderem bei Gong und diversen Projekten von Steven Wilson, derzeit auch bei The Tangent aktiv) wom\u00f6glich nicht unschuldig ist: der canterbury sound begleitet \u201eHidden Details\u201c ohne Unterlass. Die Br\u00fccke zum Altwerk schlagen Neueinspielungen von \u201eThe Man who Waved at Trains\u201c, urspr\u00fcnglich auf \u201eBundles\u201c von 1975 erschienen, und \u201eOut-Bloody-Rageous\u201c vom fantastischen \u201eThird\u201c (1970). Abgerundet wird das Album nicht zuletzt von dem von Theo Travis und dem dritten Altmitglied John Etheridge, immerhin seit 1975 an Bord, geschriebenen Bonusst\u00fcck \u201eNight Sky\u201c, das, sanft und ausladend Sonnenaufgangslandschaften malend, das (wenigstens \u201edigitale\u201c) Album abschlie\u00dft.\nWas wir hier haben, ist also sicherlich nicht das schlechteste aller Alterswerke. Besondere \u00dcberraschungen im Jazzrock zu erwarten w\u00e4re inzwischen kaum noch von Erfolg gekr\u00f6nt, aber wer mit dieser Spielart der Musik etwas anfangen kann, der ist bei Soft Machine im Jahr 2018 so gut aufgehoben wie seit langer Zeit nicht mehr. Das ist doch auch mal sch\u00f6n.\nReinh\u00f6ren: Man ist nie zu alt f\u00fcr Bandcamp.com; und f\u00fcr Amazon.de und TIDAL sowieso nicht.\nDomadora \u2013 Lacuna\nAuf dem diesj\u00e4hrigen Studioalbum der Franzosen gibt es funkelnden heavy psych in ausladender Jamform mit angriffslustiger Gitarre zu h\u00f6ren, dessen einziger Negativpunkt zu sein scheint, dass ich ihn noch nicht live erleben konnte; aber Konserve ist ja auch mal sch\u00f6n. Bandcamp.\nYuka &amp; Chronoship \u2013 Ship\nEines der besten Symphonic-Prog-Alben des ausklingenden Jahres 2018 legt ausgerechnet die japanische Gruppe um S\u00e4ngerin und Keyboarderin Yuka Funakoshi vor, die auf dem Konzeptalbum \u00fcber die Argonautensage alle Register zwischen Camel und Rush zu ziehen imstande ist. Amazon.de.\nCar Crash Weather \u2013 Secondary Drowning\nWeitgehend instrumentaler Progressive Metal mit mal bretternden, mal sinfonischen, in \u201eThe End\u201c sogar stark von New Wave beeinflussten Eindr\u00fccken, die bleiben. Bandcamp.com.\nUmphrey\u2019s McGee \u2013 It\u2019s Not Us\nWer (wie ich) tanzbarer Indie-Rock-Musik aus kulturell sonst eher abgeh\u00e4ngten Staaten etwas abgewinnen kann und ganzj\u00e4hrig nichts gegen die mittels ihrer entstandene gute Laune einzuwenden hat, der ist auch im Winter mit \u201eIt\u2019s Not Us\u201c mit Sicherheit gl\u00fccklich zu machen. Amazon.de.\nAutomatism \u2013  From The Lake\nAuf \u201eFrom The Lake\u201c, dem aktuellen Musikalbum des Stockholmer Quartetts Automatism, ist im Studio improvisierter, jedoch leider nachbearbeiteter, stellenweise recht dreckiger und rundum gelungener Psychedelic Rock ohne jeden Gesang, daf\u00fcr mit drei Gastmusikern, zu h\u00f6ren. Bandcamp.com.\nArgos \u2013 Unidentified Dying Objects\nDass der Canterbury noch nie f\u00fcr \u00fcberragende S\u00e4nger bekannt war, kommt den deutschen Ausnahmetalenten Argos nur gelegen, die auf ihrem f\u00fcnften Studioalbum \u201eUnidentified Dying Objects\u201c eigentlich auch nur das machen, was sonst auch machen (n\u00e4mlich guten Canterbury Style mit dem szenetypischen Humor hervorbringen), das aber in noch immer steigender Qualit\u00e4t und gleichbleibender Freude am Spiel. Bandcamp.com.\nHomunculus Res \u2013 Della stessa sostanza dei sogni\nEbenfalls Canterbury, diesmal jedoch mit nicht mal furchtbarem, sondern sehr angenehm melodischem, teilweise sogar mehrstimmigem Gesang in der Landessprache, bringen Homunculus Res aus Italien mit, wobei sie zweifelsohne auch das Gesamtwerk von Gentle Giant und Caravan mindestens schon mal geh\u00f6rt haben. Bandcamp.com.\na broken sail\nDie allsemestrige Dosis Postrock vervollst\u00e4ndigt am Ende des Jahres 2018 das Deb\u00fctalbum des australischen Instrumentalquartetts a broken sail, das die Welt in f\u00fcnf St\u00fccken zwischen zwei und zw\u00f6lf Minuten L\u00e4nge \u2013 leider momentan nicht als physischer Tontr\u00e4ger zu haben -, die Titel wie \u201etall buildings collide\u201c (2018 geht das endlich wieder) tragen, um langsam dahintreibenden Shoegaze mit w\u00e4rmend flie\u00dfendem Bass bereichert. Bandcamp.com.\nInterpol \u2013 Marauder\nInterpol, eine dieser erst vor wenigen Jahren popul\u00e4ren Indie-Rock-Bands mit schneidenden Gitarrenmelodien, geh\u00f6rt zu den weniger verw\u00fcstlichen ihrer Gattung und beeindruckt 2018 mit ihrem immerhin sechsten Studioalbum \u201eMarauder\u201c, auf dem selbst einem Holzohr wie mir sich schwer entzieht, warum Joy Division ein h\u00e4ufig gew\u00e4hlter Vergleich bei denen sind, die beruflich gern Bands miteinander vergleichen. Amazon.de.\nArt Brut \u2013 Wham! Bang! Pow! Let\u2019s Rock Out!\nIn gewohnt exaltierter Manier singt Eddie Argos gelegentlich beziehungs\u2011, oft \u2013 zum Teil sogar auf Deutsch \u2013 berlinbezogene Lieder voller Selbstreferenzen (\u201eShe Kissed Me (And It Felt Like a Hit)\u201c), begleitet von einer wieder einmal umbesetzten Band, die mit unverminderter Spielfreude die bandeigene Vorstellung von Indie-Rock nicht blo\u00df spielen, sondern leben: \u201eEveryone\u2019s lookin\u2018 at the ticket machine / like it\u2019s the most complicated thing that they\u2019ve ever seen\u201c, hihi. Amazon.de.\n\nSo viel zu diesem Jahr. Und fr\u00fcher?\n2. Gutes von gestern.\n\nVor vierzig Jahren erschien neben dem Deb\u00fctalbum der damals noch enorm produktiven S\u00e4ngerin Kate Bush auch das einzige Album der Band Babylon, die in einer Zeit des vor\u00fcbergehend sterbenden Progressive Rocks vielleicht einfach nur zu sp\u00e4t dran waren; andererseits blieb ihnen so ein Schicksal als schreckliche 80er-Popband erspart, wie es anderen zeitgen\u00f6ssischen Gruppen, darunter Yes, deren schlimm benanntes Tormato schon den folgenden \u00c4rger erahnen lie\u00df, leider widerfahren ist. Die franz\u00f6sische Zeuhl-Institution Magma war mit Attahk immerhin auch schon auf dem Weg dorthin, kam einem endg\u00fcltigen Versumpfen aber mit ihrer Aufl\u00f6sung zuvor.\nVor drei\u00dfig Jahren, die \u201eneue deutsche Welle\u201c bl\u00fchte fr\u00f6hlich vor sich hin, sang der sp\u00e4ter als (gro\u00dfartiger) Schriftsteller bekannt gewordene Max Goldt als Teil des Duos Foyer des Arts auf dem Album Ein Kuss in der Irrtumstaverne unter anderem von dem Zusammenspiel von Penis und Vagina, was manche (hier: mich) bis heute am\u00fcsiert. Seri\u00f6ser ging es bei Terminal Cheesecake zu, deren EP Bladdersack nicht nur den Grundstein f\u00fcr ihre Karriere, sondern auch den f\u00fcr Wiiija Records legte, die danach unter anderem auch Therapy? bekannt machten und heute trotzdem nicht mehr existieren. So schnell kann\u2019s gehen.\nVor zwanzig Jahren war der Prog zwar schon beerdigt, erfreute sich im Untergrund aber noch bester Gesundheit: Fred Frith etwa, einer der Gr\u00fcnder von Henry Cow, lie\u00df sich nach deren Trennung in New York nieder und nahm an ungez\u00e4hlten musikalischen Projekten teil, darunter an der von ihm gegr\u00fcndeten Experimentalgruppe Massacre (nicht mit der gleichnamigen Death-Metal-Band zu verwechseln), die 1998 schlie\u00dflich ihr zweites Studioalbum Funny Valentine ver\u00f6ffentlichte. Sein Landsmann und zeitweiser Mitmusikant Robert Wyatt \u2013 der mit dem Fenster \u2013 blieb in Europa, sang und blechblies gelegentlich f\u00fcr andere Kollegen und \u00fcberraschte den Markt mit einer Neuabmischung seines Albums Dondestan von 1991 namens Dondestan (revisited). W\u00e4hrend Musik aus Deutschland 1998 Kraut &amp; R\u00fcben (WIZO) blieb, brachten auch die Finnen es auf beachtliche Leistungen: Mit ihrem eigentlichen Deb\u00fctalbum Pingvin machten Ektroverde, wie erstaunlich viele andere finnische Bands auch ein Nebenprojekt von Circle, mit ihrem jazzgef\u00e4rbten Postrock von sich reden. Dass seit 2003 kein neues Album mehr von ihnen erschienen ist, l\u00e4sst aber leider nicht auf weitere Aufnahmen hoffen.\nVor zehn Jahren \u2013 apropos Postrock \u2013 stand selbiger in voller Bl\u00fcte: Nicht nur die famosen Sigur R\u00f3s bereiteten mir, wie schon damals erl\u00e4utert, mit ihrem ungew\u00f6hnlichen Me\u00f0 su\u00f0 \u00ed\u00ad eyrum vi\u00f0 spilum endalaust Vergn\u00fcgen, auch Misuse (inzwischen anscheinend inaktiv), Maybeshewill (inzwischen leider aufgel\u00f6st) und Russian Circles (immerhin noch existent) spielten mit neuen Alben auf. Am anderen Ende der Skala deb\u00fctierte die Post-Hardcore-Band La Dispute mit Somewhere at the Bottom of the River Between Vega and Altair, mittendrin bahnte sich das, was regelm\u00e4\u00dfig \u201eIndie\u201c genannt wird, als sei das eine Stilbeschreibung, seinen Weg: Konstantin Gropper setzte als Get Well Soon mit Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon Nuancen, Stephen Malkmus (vorher bei Pavement) nahm gleich zwei Alben auf, n\u00e4mlich Real Emotional Trash mit den Jicks und Lookout Mountain, Lookout Sea mit den Silver Jews. Auf ein Album, n\u00e4mlich Narrow Stairs, beschr\u00e4nkten sich Death Cab for Cutie. Der Autor dieser Zeilen nutzte das Jahr weniger sinnvoll und fing bereits im Juni mit diesen Jahresr\u00fcckschauen an. Das haben wir jetzt alle davon.\n\nDas soll erst mal reichen. Ich bitte wie \u00fcblich um weitere Empfehlungen und w\u00fcnsche ansonsten eine gute Reise \u2013 ich warte hier.\nKommentareHirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2019 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 11. Juli 2019 dies: [\u2026] Dezember 2018 befand ich \u201eBran Coucou\u201c, das anscheinend bisher einzige Album von PinioL, f\u00fcr angenehm [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 20 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Kaum ist es mal schier unertr\u00e4glich warm geworden, schon ist wieder ein halbes Jahr vorbei. Das kann nur eines bedeuten: Es ist wieder Zeit f\u00fcr die <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">besten Musikalben des ersten Halbjahres</span> 2018. Dass seit der letzten R\u00fcckschau sowohl <span class=\"musik-review-bandname\">Mark E. Smith</span> und mit ihm wohl auch <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span> als auch <span class=\"musik-review-bandname\">Dennis Edwards</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">The Temptations</span>) und <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Hiseman</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Colosseum</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Colosseum II</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">JCM</span>) sich f\u00fcr immer aus der Musik und voraussichtlich auch aus der Welt der Lebenden verabschiedet haben, mahnt zur Eile. Wer wei\u00df, wie viele K\u00fcnstler sterben, w\u00e4hrend ich dies hier schreibe?</p>\n<p>Sicherheitshalber griff ich der Liste bereits vor: Die aktuellen Studioalben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/03/kurzkritik-awakebutstillinbed-what-people-call-low-self%e2%80%8b-%e2%80%8besteem-is-really-just-seeing-yourself-the-way-that-other-people-see-you/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">awakebutstillinbed</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/05/kurzkritik-messa-feast-for-water/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Messa</span></a> und den beiden <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/05/kurzkritik-david-cross-david-jackson-another-day/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Davids Cross und Jackson</span></a> bleiben Teil der diesj\u00e4hrigen Empfehlungen, auch das Deb\u00fctalbum \u201eDanger Dance\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Noseholes</span>, deren titellose EP mich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/01/kurzkritik-noseholes-ep/\&quot;" data-wpel-link="internal">Anfang Januar</a> zu einer Rezension veranlasste, ist erwartungsgem\u00e4\u00df gut geworden.</p>\n<p>Was sonst noch los war, folgt sofort.</p>\n<p><span id=\"more-14112\"></span><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">H\u00f6ren, was gut ist.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/mol-jord.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_mol-jord.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">m\u00f8l \u2013 JORD</span>\n<p>Zu Beginn gilt es, erst mal die Geh\u00f6rg\u00e4nge freizublasen. Hierf\u00fcr bieten sich <span class=\"musik-review-bandname\">m\u00f8l</span> aus D\u00e4nemark eigentlich an.</p>\n<p>Auf ihrem ersten Vollzeit-Studioalbum \u201eJORD\u201c \u2013 voraus gingen zwei EPs \u2013 ignoriert das Quintett gekonnt die vermeintliche Genregrenze zwischen Postrock und Black Metal, was mich als Genreignoranten in mehrfacher Hinsicht erfreut. <em>Im Internet</em> ist von \u201eBlackgaze\u201c als Genre die Rede und sp\u00e4testens hier sollten auch Verfechter einfachster Schubladisierung erkennen, dass ihr Treiben mitunter grotesk wirkt.</p>\n<p>Zu Beginn (\u201eStorm\u201c) h\u00f6re ich auch tats\u00e4chlich erst einmal Postrock, bevor unversehens das Gewitter losbricht. Im sp\u00e4teren Verlauf des Albums (\u201eLigament\u201c) wird es immer mal wieder beachtliche Postrockmomente geben, dominant ist aber die Selbstbeschreibung der Band als \u201eein zerschmetterndes Nichts\u201c. \u201eJord\u201c ist das d\u00e4nische Wort f\u00fcr Erde, als erdig w\u00e4re das Album aber nur unzureichend beschrieben. Anderswo schrieb jemand, es handele sich um \u201erasendes Geschrammel mit dank Keyboard (\u2026) orchestraler Note\u201c und das ist <em>verdammt richtig</em>.</p>\n<p>Ich solle erwarten, am Jahresende \u201eJORD\u201c auf vielen Album-des-Jahres-Listen zu finden, k\u00fcndigte das britische Musikmagazin \u201enoizze\u201c an. Ich greife dem hiermit um mehrere Monate vor, ich Punk.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Freundlicherweise (naja, eigentlich: wie beinahe schon \u00fcblich) stellen <span class=\"musik-review-bandname\">m\u00f8l</span> \u201eJORD\u201c via <a href="\&quot;https://moeldk.bandcamp.com/album/jord-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> f\u00fcr Kauf und Stream zur Verf\u00fcgung.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/black-space-riders-amoretum-vol-1.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_black-space-riders-amoretum-vol-1.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Black Space Riders \u2013 Amoretum Vol. 1</span>\n<p>Wir bleiben erst mal beim Krach. Die M\u00fcnsteraner Hardrockcombo <span class=\"musik-review-bandname\">Black Space Riders</span> ist langj\u00e4hrigen Lesern meiner Musikkritiken nicht unbekannt, schon <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2015</a> befand ich, dass es bei dieser Band mitunter vieles zu entdecken gebe. Auch ihr f\u00fcnftes Album \u201eAmoretum Vol. 1\u201c \u2013 ich erkenne immerhin ein Muster in der Benennung ihrer Alben \u2013 ist von Flachheit weit entfernt. \u201eAmoretum\u201c ist dabei ein Kofferwort aus den lateinischen W\u00f6rtern f\u00fcr die Liebe und den Garten. Soll es \u201eLiebesgarten\u201c bedeuten? Auszuschlie\u00dfen ist es nicht.</p>\n<p>Beim H\u00f6ren von \u201eAmoretum Vol. 1\u201c denke ich in \u00dcbereinstimmung mit den gelegentlich zu lesenden Vergleichen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> an <span class=\"musik-review-bandname\">Mot\u00f6rhead</span>: Die beiden weiterhin in der Band besch\u00e4ftigten S\u00e4nger (ich konnte bisher nicht ermitteln, wer am Mikrofon nun wer ist), die beide auch die Keyboards bedienen, tragen hier heiseren Gesang, gelegentlich (\u201eLovely lovelie\u201c, \u201eFire! Fire! Death of a giant\u201c) auch Growling bei. Auch sonst hat sich bis auf einen Wechsel am Bass nicht viel ge\u00e4ndert: Unver\u00e4ndert gehen die Musiker einer T\u00e4tigkeit nach, die Freunde von Spacerock, Hardrock und Psychedelic Rock gleicherma\u00dfen erfreuen mag. Dass \u201eAmoretum Vol. 1\u201c au\u00dferdem \u201etanzbar\u201c sei, ein Wort, das ich als Musiker als Beleidigung empf\u00e4nde, ist dabei eine dennoch zutreffende Feststellung.</p>\n<p>Zumal sie, wenn sie nicht gerade hardrocken, newwaven: Aus der Vorbereitung f\u00fcr diese R\u00fcckschau entnehme ich eine Notiz meinerseits, dass ich au\u00dfer an <span class=\"musik-review-bandname\">Mot\u00f6rhead</span> auch an die <span class=\"musik-review-bandname\">Smiths</span> gedacht habe, als ich \u201eAmoretum Vol. 1\u201c h\u00f6rte, und da ich sonst eigentlich nie an die <span class=\"musik-review-bandname\">Smiths</span> denke, k\u00f6nnte das an diesem Album liegen.</p>\n<p>Marek Protzak <a href="\&quot;https://www.metal.de/reviews/black-space-riders-amoretum-vol-1-307272/\&quot;" data-wpel-link="internal">schrieb:</a></p>\n<blockquote><p>Wer sich von der Musik der <span class=\"musik-review-bandname\">BLACK SPACE RIDERS</span> irgendwas mit kathartischer Transzendenz und einen Fluchtweg in den Schlaghosen-Orbit erhofft, geht auch 2018 leer aus.</p></blockquote>\n<p>Und das, um an ungeeigneter Stelle ein Politikerzitat anzubringen, ist auch gut so. \u201eAmoretum Vol. 2\u201c soll jedenfalls noch 2018 erscheinen. Ich vermute, es wird gro\u00dfartig sein.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://blackspaceriders.bandcamp.com/album/amoretum-vol-1\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, versteht sich.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/anna-von-hausswolff-dead-magic.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_anna-von-hausswolff-dead-magic.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Anna von Hausswolff \u2013 Dead Magic</span>\n<p><span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWho is she / to say goodbye?\u201c</span> (\u201eThe Mysterious Vanishing Of Electra\u201c)</p>\n<p>Vorl\u00e4ufig ist\u2019s genug des Krachs, denn wenn man immer nur Krach h\u00f6rt, verliert man den Sinn f\u00fcr das Sch\u00f6ne. Dabei gibt es so viel mehr als Gitarrenriffs und Geschrei, zum Beispiel Pfeifenorgeln.</p>\n<p>Eine solche, aufgrund ihrer Verwendung in Kirchen oft als sakral klingend wahrgenommen und hier tats\u00e4chlich in der Kopenhagener Marmorkirken herumstehend, ist das bevorzugte Instrument von <span class=\"musik-review-bandname\">Anna von Hausswolff</span>, schwedische S\u00e4ngerin, Pianistin und K\u00fcnstlertochter, die seit 2010 ab und zu Alben ver\u00f6ffentlicht, die Namen wie \u201eCeremony\u201c, \u201eSinging from the Grave\u201c oder \u201eDead Magic\u201c tragen. Alles deutet auf Gothic Rock hin, aber bei Gothic Rock denke ich an <span class=\"musik-review-bandname\">The Cure</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">HIM</span> und werde ein bisschen ungehalten.</p>\n<p>Allerdings ist das auf \u201eDead Magic\u201c, auf dem au\u00dfer ihr neun weitere Musiker, darunter ihr Produzent <span class=\"musik-review-bandname\">Randall Dunn</span>, \u00fcberwiegend an Saiten\u2011, sonst an Tasteninstrumenten zu h\u00f6ren sind, Aufgenommene zur Beruhigung auch nur bedingt geeignet. Wie wiederkehrende Leser vielleicht inzwischen wissen, mag ich ja herausragende Stimmen, dabei ist das Genre beinahe zweitrangig. Selbst <span class=\"musik-review-bandname\">Sarah Lesch</span>, einer, n\u00fcchtern betrachtet, auch nur wenig anstrengenden Schlagers\u00e4ngerin, kann ich aufgrund ihrer Stimme etwas abgewinnen. Und <em>verdammt</em>, <span class=\"musik-review-bandname\">Anna von Hausswolff</span> ist wirklich gut darin, eine herausragende Stimme zu haben. Wer einen Vergleich haben m\u00f6chte, der nehme <span class=\"musik-review-bandname\">Kate Bush</span> ohne das \u00fcberdrehte Quietschen ihrer fr\u00fchen Alben, <span class=\"musik-review-bandname\">Bj\u00f6rk</span> ohne die f\u00fcrchterliche Exaltiertheit ihrer s\u00e4mtlichen Alben oder finde sich einfach damit ab, dass manche Stimmen einmalig scheinen.</p>\n<p>In f\u00fcnf Liedern, von denen zwei \u00fcber zw\u00f6lf Minuten lang sind, l\u00e4sst die Inhaberin dieser Stimme ihr Talent brillieren; von sanft beruhigend \u00fcber beschwingten Poprock (\u201eUgly and Vengeful\u201c) bis hin zur stimmlichen Begleitung <span class=\"musik-review-bandname\">A Silver Mt. Zion</span> nicht unw\u00fcrdigen Drone-Postrocks (\u201eThe Truth, The Glow, The Fall\u201c) ist auf \u201eDead Magic\u201c alles zu finden, immer begleitet von der Orgel, die das stimmlose \u201eThe Marble Eye\u201c sogar als einziges Instrument bestreiten darf. Dass das, was sie selbst \u201eBegr\u00e4bnispop\u201c nennt, von fr\u00f6hlicher Popmusik weit entfernt sei, obwohl die K\u00fcnstlerin in Interviews mitunter mitteilte, Aufnahmen lie\u00dfen sie stets fr\u00f6hlich zur\u00fcck, m\u00f6chte ich nicht bestreiten, wohl aber, dass das Album doch aufgrund der Instrumentierung und der Titel bestimmt ziemlich deprimierend klinge. Fast ist das Gegenteil der Fall. Gerade die erste Single \u201eThe Mysterious Vanishing Of Electra\u201c, eigentlich ein Gedicht ihres l\u00e4ngst verstorbenen Landsmannes Walter Ljungquist, sprudelt vor eigener Energie derma\u00dfen \u00fcber, dass sie auf den H\u00f6rer \u00fcberspringt. Der ungemein extrovertierte Gesang, nicht nur f\u00fcr Verehrer <span class=\"musik-review-bandname\">Courtney Swains</span> einen zweiten und dritten H\u00f6rdurchlauf wert, tut sein \u00dcbriges. <em>Boah!</em> Waren die Vorg\u00e4ngeralben noch merklich zur\u00fcckhaltender, greift <span class=\"musik-review-bandname\">Anna von Hausswolff</span> hier in die Vollen und legt die sprichw\u00f6rtliche Latte um etliche Meter h\u00f6her.</p>\n<p>Ich wage zu schreiben: \u201eDead Magic\u201c wird jedenfalls dort, wo es sich einfindet, ein einmaliges Album im noch jungen Jahr 2018 bleiben. Wer sonst wird es nicht nur wagen, sondern auch schaffen, aus einem <em>uncoolen</em> Instrument so ein prachtvolles und dabei noch konstantes Werk zu schaffen? Ich bin bewegt, man sehe es mir nach.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Zur erw\u00e4hnten Single gibt es <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=Nre0hcDz5TI\&quot;" data-wpel-link="internal">ein Video</a>, ansonsten wissen <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Dead-Magic-Vinyl-Anna-Hausswolff/dp/B077Y6RBTH?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://annavonhausswolffmusic.bandcamp.com/album/dead-magic\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/album/84187477\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> zu helfen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/pipapo-kristov-in-der-allee-der-kosmonauten.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_pipapo-kristov-in-der-allee-der-kosmonauten.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Pipapo \u2013 Kristov in der Allee der Kosmonauten</span>\n<p>Als ich mich auf der Bandcampseite von <span class=\"musik-review-bandname\">Turbine Stollprona</span> herumtrieb, um aufgrund ihrer Liedtitel (\u201eJens M\u00fcller wollte unbedingt ihren Vater anrufen\u201c, auf so was muss man ja auch erst mal kommen) das <a href="\&quot;https://turbinestollprona.bandcamp.com/album/effekthascherei\&quot;" data-wpel-link="internal">Album \u201eEffekthascherei\u201c</a> genauer zur Kenntnis zu nehmen als zuvor, stie\u00df ich dort auf weitere Namen von Musikgruppen \u00e4hnlichen Typs und anscheinend auch \u00e4hnlichen Humors. Unter diesen Gruppen sah ich <span class=\"musik-review-bandname\">Pipapo</span> und war spontan am\u00fcsiert.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Pipapo</span> ist ein Leipziger Duo, bestehend aus einem Schlagzeuger und einem Gitarristen, und seine Musik ist rein instrumental. Ich w\u00fcrde trotz meines Holzohrs neben der genannten Besetzung au\u00dferdem einen Bass erkennen, jedoch ist dar\u00fcber nichts \u00fcberliefert. Ob die Besetzungsliste sonst \u00fcberhaupt zutreffend ist, ist unklar, denn die Liste der Musiker, die die Lieder <em>gerecordet</em> haben, unterscheidet sich hinsichtlich der dort notierten Initialien sehr. Mit Liedtiteln wie \u201eRamo Zepol at Tankstelle Bockwurst\u201c und \u201eGoofy is not a Metalband, ok?\u201c bin ich nichtsdestotrotz versucht, dem Duo kom\u00f6diantisches Interesse nachzusagen, Texte zum Nachweis gibt es jedoch nicht. Woher der Titel des Albums stammt, ist mir unklar, das Berliner Studio, in dem es aufgenommen wurde, hei\u00dft jedoch \u201eAllee der Kosmonauten\u201c. Nur ein Kristov ist nicht auszumachen.</p>\n<p>Auf die Ohren bekomme ich hier eine gelungene, von der Band \u201eMathrock\u201c genannte Melange aus Psychedelic Rock und Jazzrock, weitgehend instrumental dargeboten, obwohl gelegentlich undeutliche Rufe oder auch Lachen <em>(was is\u2019n der Plural eines Lachens?)</em> ert\u00f6nen, wobei die Musiker angeblich von einem sonst nicht weiter erw\u00e4hnten <span class=\"musik-review-bandname\">Juri K.</span> unterst\u00fctzt werden. Das macht sich bestimmt gut im Lebenslauf. Es sind \u201emath pop prog post chemistry\u201c <em>im Internet</em> herumliegende Stichw\u00f6rter f\u00fcr \u201eKristov in der Allee der Kosmonauten\u201c. Es folgere daraus, wer will, was er will.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Via <a href="\&quot;https://pipapo.bandcamp.com/album/kristov-in-der-allee-der-kosmonauten\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> gibt es Kauf, Stream und T\u2011Shirts.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/plurals-tri-tone.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_plurals-tri-tone.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Plurals \u2013 Tri Tone</span>\n<p>Zum Jahresende 2015 war ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">ungeahnt begeistert</a> von <span class=\"musik-review-bandname\">Boris\u2018</span> \u00fcberragendem Album \u201easia\u201c. Ich hatte nicht angenommen, dass mich so bald noch mal ein Album so sehr fesseln w\u00fcrde. \u201eTri Tone\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Plurals</span> aus S\u00fcdengland gibt sich trotzdem gro\u00dfe M\u00fche, es zu schaffen.</p>\n<p>Auf ihrer (nach liberaler Sch\u00e4tzung) siebzehnten Ver\u00f6ffentlichung \u201eTri Tone\u201c, ver\u00f6ffentlicht erst im M\u00e4rz 2018, sind <span class=\"musik-review-bandname\">Plurals</span> \u2013 daher wom\u00f6glich der Titel des Albums \u2013 erstmals zu dritt, eines ihrer Mitglieder scheint ihnen abhandengekommen zu sein. Wie sie es so lange geschafft haben, von mir nicht bemerkt zu werden, verstehe ich selbst nicht. Da habe ich was nachzuholen.</p>\n<p>Aber erst einmal gilt es, den beim Musikgenuss eher l\u00e4stigen Verstand abzuschalten, so gut es eben geht. Wie schon auf vorigen Alben sind auf \u201eTri Tone\u201c zwei St\u00fccke, angeblich das Ergebnis dreist\u00fcndiger aufgenommener Ideenfindung, zu h\u00f6ren, die jeweils \u00fcber 23 Minuten lang sind und so beide LP-Seiten <em>ganz gut</em> f\u00fcllen. Es gibt nur Vinyl oder Download. CD-Spie\u00dfer sind hier nicht willkommen. Wer aber die Geduld f\u00fcr Vinyl hat, der wird belohnt. \u00dcberhaupt ist \u201eTri Tone\u201c sehr entschleunigend, wobei innig das wohl noch bessere Adjektiv ist. Die gespielten Drones lassen nicht viel <em>action</em> au\u00dfer gelegentlichen Misst\u00f6nen zu. \u201eBas Fond\u201c, was auf Franz\u00f6sisch <em>laut Internet</em> \u201eunten\u201c hei\u00dft, baut sich langsam auf, begleitet von einem kammermusikalisch klingenden, grummelnd kratzenden Fundament werden den restlichen Instrumenten wenige T\u00f6ne, diese daf\u00fcr lange anhaltend, entlockt. Kein Schlagzeug, wof\u00fcr auch? Dass <em>\u00fcberhaupt nichts</em> passiere, ist allerdings eine Fehlannahme; die anschwellenden und abebbenden T\u00f6ne, gerade auch gepaart mit dem durchdringenden Brummen, hinterlassen schon nach wenigen Minuten (bei mir waren es etwa acht) eine erstaunliche G\u00e4nsehaut, die die sich immer weiter verdichtende Musik tats\u00e4chlich nicht nur halten, sondern sogar mehren kann. Hui! Ich mag das.</p>\n<p>Dass \u201eBas Fond\u201c zwischendrin auch mal nach futuristischer Fabrikhalle klingt, f\u00e4llt daher auch nur auf, wenn man mittendrin reinschaltet. Wer macht denn auch so was? In der zweiten H\u00e4lfte wird die Reibefl\u00e4che schrittweise erh\u00f6ht, aus der Wolkenreise \u00fcber einer gl\u00e4nzenden Fabrik wird ein heraufziehendes Gewitter \u00fcber verrosteten Schornsteinen. Man bleibt gespannt, wie es wohl ausgehen wird. Die Band selbst bleibt unentschlossen: Als \u201eBas Fond\u201c (etwas langweilig mit <em>fade-out</em>) verklingt, ist das Gewitter zwar \u00fcberstanden, die Fabrik aber ist nicht mehr dieselbe, sie scheint in Flammen zu stehen. Hoffentlich ist niemandem etwas passiert.</p>\n<p>Im direkten Vergleich damit wirkte \u201eSun Lock\u201c, das auch nicht <em>ganz</em> so klingt, wie es hei\u00dft, beinahe sakral, wenn nicht in den ersten Minuten immer wieder ein Paukendonner ersch\u00f6lle. Man meint die Sonne \u00fcber einer Kapelle w\u00e4hrend einer Messe aufgehen zu sehen. Musik, die wie Naturgewalten klingt, bleibt eine Rarit\u00e4t, was ich bedaure. Bei blo\u00dfem Sch\u00f6nklang belassen es <span class=\"musik-review-bandname\">Plurals</span> aber nicht, sondern auch diesmal, beginnend ab etwa sechs Minuten, errichten sie zun\u00e4chst fast unbemerkt, aber zusehends deutlicher eine disharmonische Dystopie mit einem verzweifelten Geiger mit verstimmtem Instrument in einer zerst\u00f6rten Stadt. Ich wei\u00df nicht, ob die Band sich das so gedacht hat, aber ein guter K\u00fcnstler erkl\u00e4rt sein Werk nun mal nicht. Nicht zum ersten Mal auf \u201eTri Tone\u201c f\u00fchle ich mich zur H\u00e4lfte von \u201eSun Lock\u201c an besagtes \u201easia\u201c erinnert, der \u201eTalkative Lord\u201c scheint nicht weit entfernt, seine blecherne Stimme ist im Sturm zu vernehmen. Was er sagt, ist unverst\u00e4ndlich, aber es klingt beinahe menschlich; oder bilde ich mir das ein? Mit seiner Rede klingt auch er selbst ab, als w\u00fcrde er sich aufl\u00f6sen oder, wie es die religi\u00f6se Mythologie vorschl\u00e4gt, <em>erleuchtet</em>. Zum Abschied spendieren <span class=\"musik-review-bandname\">Plurals</span> mir noch einmal eine G\u00e4nsehaut.</p>\n<p>Ein bisschen <em>erleuchtet</em> f\u00fchle ich mich nach den fast 49 Minuten, die das Album dauert, jetzt allerdings auch selbst \u2013 erleuchtet und unglaublich ersch\u00f6pft. Ich bin gl\u00fccklich. Doch, das trifft es.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Wer sich den Spa\u00df unbedingt selbst verderben m\u00f6chte, der kann vor dem Kaufen via <a href="\&quot;https://plurals-drone.bandcamp.com/album/tri-tone\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> dort auch das Album in ganzer L\u00e4nge anh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/bardo-pond-volume-8.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_bardo-pond-volume-8.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Bardo Pond \u2013 Volume 8</span>\n<p>Noch eine Reise? Noch eine Reise!</p>\n<p>Auch <span class=\"musik-review-bandname\">Bardo Pond</span> z\u00e4hlen hier nicht zu den v\u00f6llig Unbekannten, erst im Januar dieses Jahres feierte ich das Ergebnis ihrer <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/01/kurzkritik-bardo-pond-acidgurupond/\&quot;" data-wpel-link="internal">Zusammenarbeit mit <span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Temple</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Guru Guru</span></a>, um es mal angemessen seltsam auszudr\u00fccken, <em>voll ab</em>. Ihr neuestes Studioalbum, diesmal wieder im Alleingang eingespielt, klingt zwar beinahe selbstverst\u00e4ndlich weniger durchgeknallt, aber auf keinen Fall eint\u00f6niger.</p>\n<p>Weitgehend instrumental arbeiten die f\u00fcnf US-Amerikaner auf \u201eVolume 8\u201c, F\u00fcnf ist auch die Anzahl der enthaltenen St\u00fccke, die es zusammen auf etwa vierzig Minuten bringen. Ausschweifungen halten sich hier also bis kurz vor dem Ende in Grenzen. Hippieesque mit fern\u00f6stlichen Ankl\u00e4ngen ist \u201eVolume 8\u201c bereits ab den ersten Takten von \u201eKailash\u201c. Genres verbieten sich weiterhin. Wer Schubladen will, der mag keine Musik. Ich mag \u201eVolume 8\u201c.</p>\n<p>\u201eFlayed Wish\u201c flie\u00dft z\u00e4h aus den Boxen wie ein entspannender Trip, was das Album sowieso <em>ganz gut</em> beschreibt. \u201ePower Children\u201c ist eine instrumentale Hippieballade, die der Wahrnehmung von <span class=\"musik-review-bandname\">Bardo Pond</span> als (im weitesten Sinne) Psychedelic-Drone-Band eine sonst fast vergessene Nuance anf\u00fcgt. Ihm folgt mit \u201eCud\u201c ein \u00e4hnliches St\u00fcck, in dem eine unverzerrte E\u2011Gitarre als einziges zu h\u00f6rendes Instrument die Stimmung auf entspannendem Niveau halten darf.</p>\n<p>Der H\u00f6hepunkt und gleichzeitig der perfekte Kontrast zu \u201eCud\u201c aber steht am Ende: Das fast siebzehnmin\u00fctige \u201eAnd I Will\u201c frisst sich <em>krautig</em> mit heftig <em>fuzzender</em> Gitarre ins Ohr, Fl\u00f6te und entr\u00fcckter Gesang tragen selbst noch etwas dazu bei, dass man die musikalischen sp\u00e4ten 60-er Jahre noch nicht vergangen glaubt. <em>Die nehmen doch alle Drogen.</em> Wie machen die das? Man sollte meinen, 17 Minuten seien lange, aber ich merke gar nicht, wie das St\u00fcck voranschreitet. Als es verklingt, kommt das jedenfalls \u00fcberraschend und <em>viel zu fr\u00fch</em>. Aber wof\u00fcr gibt es denn die Wiederholen-Taste?</p>\n<p>Das Album, steht <em>im Internet</em>, versetze den H\u00f6rer in einen anderen Bewusstseinszustand. Das halte ich f\u00fcr untertrieben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auch <span class=\"musik-review-bandname\">Bardo Pond</span> sind nicht nur auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/8-Bardo-Pond/dp/B077ZPQS9D/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, sondern auch auf <a href="\&quot;https://bardopondmusic.bandcamp.com/album/volume-8\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> zu finden.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/sopor-aeternus-the-ensemble-of-shadows-the-spiral-sacrifice.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_sopor-aeternus-the-ensemble-of-shadows-the-spiral-sacrifice.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows \u2013 The Spiral Sacrifice</span>\n<p><span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eIch brauch ein neues Aug\u2018, einen neuen Sinn\u201c</span> (Everything is an Illusion)</p>\n<p>Die Band (\u201eMusikprojekt\u201c, <em>Wikipedia</em>) nennt sich selbst den <em>ewigen Schlaf mitsamt dem </em><em>Ensemble der Schatten</em>. Wer err\u00e4t das Genre?</p>\n<p>Wenn ein Musiker erst einmal in der deutschsprachigen Wikipedia auftaucht und der Artikel nicht von mir erstellt wurde, dann ist er entweder schon sehr lange im Gesch\u00e4ft, macht furchtbare Musik oder will sich selbst im vermeintlich richtigen Licht darstellen. Auf <span class=\"musik-review-bandname\">Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows</span> trifft im hektischen 21. Jahrhundert, relativ gesehen, erstere Annahme zu: Seit der Gr\u00fcndung im Jahr 1989 erschienen zwischen keinem und drei offizielle <em>Ver\u00f6ffentlichungen</em> beliebiger L\u00e4nge und Qualit\u00e4t. 1994 wurde ein Album namens \u201e\u2026Ich t\u00f6te mich jedesmal aufs Neue, doch ich bin unsterblich, und ich erstehe wieder auf: in einer Vision des Untergangs\u2026\u201c auf die \u00d6ffentlichkeit losgelassen, die enthaltenen Lieder tragen Titel wie \u201eTanz der Grausamkeit\u201c und \u201eIm Garten des Nichts\u201c. Nicht sehr fr\u00f6hlich, die Combo.</p>\n<p>Aber man muss ja auch nicht immer nur fr\u00f6hlich herumspringen. \u00dcber den Gr\u00fcnder von <span class=\"musik-review-bandname\">Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows</span> wei\u00df man in der deutschsprachigen Wikipedia, dass er heute \u201eallgemein als Frau\u201c lebe, wie auch immer man sich das vorzustellen hat. Ich wusste nicht mal, dass Frauen \u201eallgemein\u201c anders leben als ich, vom gelegentlichen Aufsuchen eines Pissoirs abgesehen.</p>\n<p>Einem insgesamt eher anstrengend zu lesenden <a href="\&quot;https://www.siegessaeule.de/no_cache/newscomments/article/3837-sopor-aeternus-im-interview-ich-verkoerpere-gleich-zwei-gesellschaftliche-tabus.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Interview</a> mit Frontperson <span class=\"musik-review-bandname\">Anna-Varney Cantodea</span>, was <em>nat\u00fcrlich</em> ein K\u00fcnstlername ist, entnehme ich, dass die genaue Besetzung auf diesem Album eigentlich keine gro\u00dfe Rolle spielt, denn Kreativit\u00e4t und somit k\u00fcnstlerische Identit\u00e4t von <span class=\"musik-review-bandname\">Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows</span> ist ein Ein-Personen-Spiel.</p>\n<p>Gemessen daran ist das hier zu H\u00f6rende aber fantastisch, und das nicht nur im textlichen Sinne. \u201eThe Spiral Sacrifice\u201c ist, trotz des Coverbildes, erfreulich <em>action</em>-armer Kammerprog mit Streichern, wie ich ihn so zuletzt nur von den nicht minder fantastischen <span class=\"musik-review-bandname\">Eclipse Sol-Air</span> geh\u00f6rt hatte. Zu dem ebenfalls ungew\u00f6hnlichen, aber zur vorliegenden Musik gut passenden Gesang, der in zehn der insgesamt 19 St\u00fccke zu h\u00f6ren ist, gesellt sich zus\u00e4tzlich ein sch\u00f6n grummelnder Bass, was insbesondere Kopfh\u00f6rerbenutzern das zus\u00e4tzliche <em>Etwas</em> geben k\u00f6nnte. Mit <span class=\"musik-review-bandname\">Eclipse Sol-Air</span> verbindet die Band auch eine andere Gemeinsamkeit, n\u00e4mlich die h\u00e4ufiger mal wechselnde Sprache. \u00dcberraschenderweise haben hier manchmal Lieder mit einem deutschen Titel englischsprachige <em>lyrics</em> und andersherum. Thematisch geht es um Tod, Abschied und dergleichen, was sich durch die Bandgeschichte wie ein roter Faden, der sich irgendwo durchzieht, zieht, wenn auch deutlich weniger theatralisch als zum Beispiel die auf andere Art h\u00f6renswerten <span class=\"musik-review-bandname\">Untoten</span>. Das klingt wom\u00f6glich jetzt nach einem Verriss, ist aber gar nicht so gemeint.</p>\n<p>\u201eThe Spiral Sacrifice\u201c sei \u201em\u00f6glicherweise\u201c das letzte Album, ist im oben verlinkten Interview zu lesen. Falls das zutreffen sollte, ist es zumindest kein \u00fcbler Abgang; falls nicht, bleibt es doch ein Album, das nicht geh\u00f6rt zu haben ein bisschen bedauerlich w\u00e4re.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Das ist momentan auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Spiral-Sacrifice-Aeternus-Ensemble-Shadows/dp/B07882NV1N?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;https://tidal.com/album/82459708\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> m\u00f6glich.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/man-mountain-infinity-mirror.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_man-mountain-infinity-mirror.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Man Mountain \u2013 Infinity Mirror</span>\n<p>Die allsemestrige Dosis instrumentalen Postrocks wird weiter vergr\u00f6\u00dfert von <span class=\"musik-review-bandname\">Man Mountain</span>. \u00dcber Postrock hei\u00dft es aus Kreisen, deren Banausentum hier allenfalls absch\u00e4tzige W\u00fcrdigung verdient haben soll, dass er immer gleich klinge. Ich teile diese Auffassung nicht, denn selbst in jenen Postr\u00f6cken, die mit zwei bis vier Gitarren, Schlagzeug und Bass W\u00e4nde aufbauen und wieder einrei\u00dfen, kann von Gleichform keine Spur sein. Diese Musik h\u00f6rt man nicht, man f\u00fchlt sie.</p>\n<p>Womit ich zu \u201eInfinity Mirror\u201c komme. <span class=\"musik-review-bandname\">Man Mountain</span> aus <em>ausgerechnet</em> den USA (Michigan, hei\u00dft es) ist ein Quartett mit zwei Gitarren, einem Schlagzeug und einem Bass. Es gilt das alte Laut-Leise-Spiel, kaum besonders anders dargeboten als \u00fcblich, aber vielleicht gerade deshalb eine Erw\u00e4hnung hier wert. Dauert ja auch nicht lange: Die sechs St\u00fccke sind in 38 Minuten vorbei. Das passt noch rein. <em>Mehr vom selben</em> also? <a href="\&quot;http://willnotfade.com/2018/03/15/man-mountain-infinity-mirror-review/\&quot;" data-wpel-link="internal">Nat\u00fcrlich!</a></p>\n<p>Trotzdem (oder: deswegen) wird auch \u201eInfinity Mirror\u201c nach einem langen Tag mit <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Meniscus</span> nicht so schnell langweilig. Wer hier keinen Unterschied h\u00f6rt, dem kann ich nicht helfen, zu beschreiben jedenfalls ist und bleibt er schwer. Allein der Bass k\u00f6nnte vielleicht etwas lauter sein. Irgendwas ist ja immer. Kopfh\u00f6rer sind jedenfalls Pflicht. Zuwiderhandlung wird mit Tzk-tzk-Ger\u00e4uschen bestraft.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Man schaue hierzu bei <a href="\&quot;https://manmountain.bandcamp.com/album/infinity-mirror\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> vorbei.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/vvlva-path-of-virtue.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_vvlva-path-of-virtue.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Vvlva \u2013 Path of Virtue</span>\n<p><span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eHistory has shown: many good ones were killed.\u201c</span> (Cryptic Faith)</p>\n<p>Was wei\u00df man schon \u00fcber Aschaffenburg? Oft nicht viel, aber zumindest die dortige Musikszene scheint etwas Aufmerksamkeit zu verdienen. Aus ihr n\u00e4mlich entsprang das Quintett <span class=\"musik-review-bandname\">Vvlva</span>, das man <em>trotzdem</em> hoffentlich wie \u201eVulva\u201c und nicht wie \u201eWlwa\u201c aussprechen soll, denn das kl\u00e4nge irgendwie bescheuert. Am Bass steht <span class=\"musik-review-bandname\">Dr. Michael Hock</span>, also jemand mit aktiv genutztem Doktortitel, wei\u00df <em>das Internet</em>. Von wegen Fachkr\u00e4ftemangel!</p>\n<p>Das k\u00f6nnte man allerdings selbst dann von der Musik nicht behaupten, jedenfalls \u00fcberwiegend nicht. Die n\u00e4mlich ist genau so 70er-beseelt wie man sich das vorstellt, wenn man diese Wortsch\u00f6pfung zum ersten Mal liest: Auf \u201ePath of Virtue\u201c spielen <span class=\"musik-review-bandname\">Vvlva</span> einen angenehm unmodernen Blues-/Hardrock mit nach Orgel klingenden Keyboards und <em>nat\u00fcrlich</em> Fuzzgitarre. <em>So spiel\u2019n die Deutschen \u2013 die Deutschen, die spiel\u2019n so.</em> Dass sich in meinen Rezensionen diese Stile vermehrt wiederfinden, werte ich als Zeichen, dass gerade eine Retrorock-Welle durch die Musikwelt schwappt. Irgendwo muss das ja herkommen. Man w\u00fcrde <span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Uriah Heep</span> Unrecht tun, behauptete man, \u201ePath of Virtue\u201c klinge wie <span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span> mit ganz <em>anderem</em> Gesang oder wie <span class=\"musik-review-bandname\">Uriah Heep</span> \u00fcberhaupt, sonst w\u00fcrde ich genau das jetzt tun.</p>\n<p>Nein, mit Schubladen und \u201eklingt wie\u201c haben <span class=\"musik-review-bandname\">Vvlva</span> h\u00f6chstens aus Versehen was zu tun. In \u201eDieb der Seelen\u201c wird (leider zum einzigen Mal auf \u201ePath of Virtue\u201c) auf Deutsch gesungen, anderswo gibt es musikalische \u00dcberraschungen: Dominieren in der ersten H\u00e4lfte des Albums noch alte Meister, so wagt sich die Band sp\u00e4ter in verspielte Ecken. Das Titelst\u00fcck \u201ePath of Virtue\u201c etwa, das ich aufgrund seiner Qualit\u00e4t f\u00fcr so etwas wie den Anspieltipp des Albums halte, wird mit einer Art Kirmeswalzermelodie eingeleitet, bevor die Band nach einer halben Minute kraftvoll alles zu geben scheint, was sie hat. S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Tobias Ritter</span> tr\u00e4gt im inbr\u00fcnstigen Postpunkstil einen Refrain vor, der dem sonst eher bewegungsarmen Rezensenten ein wenig Mitgewackel auf dem Stuhl entlockt, dazwischen brillieren die Instrumentalisten mit energiereicher Siebzigerei. Dass zum Abschluss des Albums mit \u201eSecond Voice\u201c ein lahmes Classic-Rock-Liedlein ert\u00f6nt, dessen wenigstens erste H\u00e4lfte ich zu \u00fcberspringen empfehle, tr\u00fcbt den Eindruck kaum. Die anderen sieben St\u00fccke kann einem ja niemand mehr nehmen.</p>\n<p>\u201ePath of Virtue\u201c sei, hei\u00dft es, das Deb\u00fctalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Vvlva</span>. Davon bitte gern mehr!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <span class=\"musik-review-bandname\">Vvlva</span> sind, man ahnt es, au\u00dfer auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Path-Virtue-Vvlva/dp/B07BK82TW7?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> auch auf <a href="\&quot;https://vvlva.bandcamp.com/album/path-of-virtue\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> zu finden.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/shob-karma-obscur.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_shob-karma-obscur.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Shob \u2013 Karma Obscur</span>\n<p>Seit einiger Zeit beginne ich Wochen gern damit, meine Leser mit Musik zu bereichern, auf dass der Montag etwas von seinem Schrecken verliere. Im April dieses Jahres <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/04/shob-except-im-65-eine-partei-wie-ein-unfall/\&quot;" data-wpel-link="internal">traf es <span class=\"musik-review-bandname\">Shob</span></a>, was laut Online\u00fcbersetzer ein russisches, wahrscheinlich aber ein v\u00f6llig frei erfundenes Wort sowie der K\u00fcnstlername eines franz\u00f6sischen Bassgitarristen ist.</p>\n<p>F\u00fcr \u201eKarma Obscur\u201c, nach \u201ePragmatism\u201c (2015) das erst zweite ver\u00f6ffentlichte Album des Herrn <span class=\"musik-review-bandname\">Shob</span>, hat er sich prinzipbedingt eine Vielzahl an G\u00e4sten ins Studio bestellt oder sie sonstwie auf das Album bekommen. Ich z\u00e4hle insgesamt 17 beteiligte Musiker, wobei diese <em>nat\u00fcrlich</em> nicht gleichzeitig \u00fcberall zu h\u00f6ren sind. S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Laur\u00e8ne Pierre Magnani</span> aus eingangs verlinktem St\u00fcck scheint etwa nur dort zu h\u00f6ren zu sein, der Rest der St\u00fccke ist gesanglos, obgleich in der Besetzungsliste zumindest auch <span class=\"musik-review-bandname\">Monkey D\u2019Beasty</span> (die Schreibweise scheint Absicht zu sein) als Beatboxer zu lesen ist. \u00dcber die einzelnen G\u00e4ste ist nur wenig zu finden, die Ausnahmen scheinen aber vor allem im Jazzrock aktiv zu sein.</p>\n<p>Das spiegelt sich auch auf \u201eKarma Obscur\u201c, anscheinend ein Wortspiel mit \u201eCamera obscura\u201c, wider, in dessen musikalischem Inhalt, man h\u00f6re insbesondere \u201eThe right move\u201c, weitgehend Instrumentalfunk mit deutlichem Jazzeinschlag gespielt wird, was die Anwesenheit zweier Trompeter, eines Saxophonisten und eines Posaunisten sicherlich beg\u00fcnstigt. Dass die Musiker dazwischen (etwa gegen Ende von \u201eStraight Ahead\u201c) auch mal hart rocken oder dem Mathrock (\u201eExcept I\u2019m 65\u201c) fr\u00f6nen, im Titelst\u00fcck \u201eKarma Obscur\u201c gar <span class=\"musik-review-bandname\">crimsonesque</span> ans Werk gehen, ist dabei so beachtens- wie h\u00f6renswert.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_17282.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Andere Rezensenten</a> beschreiben \u201eKarma Obscur\u201c im unerkl\u00e4rten Konjunktiv als \u201eFunk-Prog f\u00fcr die anspruchsvolle H\u00f6rerschaft mit einem unerm\u00fcdlich komplex groovenden Bassgitarristen\u201c zusammen. Das kann man so gelten lassen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Schwierig \u2013 warum nicht mal \u00fcber <a href="\&quot;https://shob.bandcamp.com/album/karma-obscur\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp?</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/hinds-i-dont-run.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_hinds-i-dont-run.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Hinds \u2013 I Don\u2019t Run</span>\n<p><span class=\"musik-review-lyrics\">And all these random melodies sound again\u201c</span> (Finally Floating)</p>\n<p>Spanien ist nicht nur f\u00fcr seine Lebensmittel, seine Siestas und seine bedauerliche Innenpolitik bekannt, sondern ist auch in meinen halbj\u00e4hrlichen R\u00fcckblicken bisher ein wenig zu kurz gekommen. Das soll sich mit <span class=\"musik-review-bandname\">Hinds</span> nun \u00e4ndern. <span class=\"musik-review-bandname\">Hinds</span> (\u201eHirschk\u00fche\u201c) hie\u00dfen bis 2014, wei\u00df <em>das Internet</em>, <span class=\"musik-review-bandname\">Deers</span> (\u201eHirsche\u201c), aber die ungeahnt unh\u00f6fliche und mir unbekannterweise bereits jetzt unsympathische kanadische Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">The Dears</span> hielt das f\u00fcr keinen so guten Namen.</p>\n<p>Die Umbenennung hatte aber nicht nur negative Folgen (wahrscheinlich war in der Folge etwas organisatorischer Aufwand vonn\u00f6ten), sondern auch positive: Die <span class=\"musik-review-bandname\">Hinds</span> sind seit ihrem Bestehen \u2013 anfangs als Duo, inzwischen als Quartett \u2013 eine ausschlie\u00dflich von Frauen gef\u00fchrte Gruppe. Dass diese ihr aktuelles Album <em>ausgerechnet</em> \u201eI Don\u2019t Run\u201c nannte, was s\u00e4mtliche Vorurteile \u00fcber Frauensport\u2026 aber ich schweife ab.</p>\n<p>Der Titel des Albums verr\u00e4t es bereits: Trotz teilweise landessprachlicher Anf\u00e4nge ist die hier dominante Sprache Englisch. Das finde ich gut, denn gesungenes Spanisch steht in meiner absteigend nach R\u00fcmpfigkeit sortierten Naser\u00fcmpfliste nur aufgrund des Italienischen nicht an erster Stelle. Aber auch musikalisch ist das, was auf \u201eI Don\u2019t Run\u201c zu h\u00f6ren ist, nicht zu verachten: Was von der Band selbst (oder wenigstens ihrer Vermarktungsabteilung) \u201eGaragenpop\u201c genannt wird, h\u00f6rt sich wie eine sehr sommertaugliche Surfrockvariante mit einer geh\u00f6rigen Portion von heutigen Jugendlichen schon wieder fast vergessener Indiegaragenmusik (<span class=\"musik-review-bandname\">The Hives</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Strokes</span> und so weiter).</p>\n<p>Dass die <span class=\"musik-review-bandname\">Hinds</span> wenigstens gesanglich noch ein wenig Riot-Grrrl-Pathos hinzuf\u00fcgen, indem sie den mal ein- (\u201eNew For You\u201c), mal mehrstimmigen (\u201eFinally Floating\u201c) Gesang nicht popstarhaft in das ansonsten Geh\u00f6rte einflechten, sondern ihn als schrillen Kontrapunkt pr\u00e4sentieren, rundet \u201eI Don\u2019t Run\u201c, wie ich meine, erst ab. Wer zu lange nichts von <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> geh\u00f6rt hat, dem d\u00fcrften <span class=\"musik-review-bandname\">Hinds</span> ebenso gro\u00dfe Befriedigung verschaffen wie all jenen, die deren sp\u00e4te Nachfolger im Geiste leider verpasst haben. Es lebe Spanien, sozusagen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Wie auch die Vorg\u00e4ngeralben gibt es \u201eI Don\u2019t Run\u201c auf <a href="\&quot;https://hinds.bandcamp.com/album/i-dont-run\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> zum Stream und Kauf in vielerlei Formaten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/brother-grimm-home-today-gone-tomorrow.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_brother-grimm-home-today-gone-tomorrow.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Brother Grimm \u2013 Home Today, Gone Tomorrow</span>\n<p><span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWho put \u201aSax\u2018 in \u201aSaxony\u2018?\u201c</span> (Still Afraid of Germany)</p>\n<p>\u201eHome Today, Gone Tomorrow\u201c ist beileibe kein M\u00e4rchen. Der Interpret <span class=\"musik-review-bandname\">Brother Grimm</span>, der zwar wirklich Grimm, nicht jedoch wirklich Brother hei\u00dft, kommt <em>ausgerechnet</em> aus Berlin, macht aber Musik, die gar nicht klingt wie Musik aus Berlin. Im bl\u00f6de herumgenrenden Web kann man (hier: jemand von seiner Plattenfirma \u201eNOISOLUTION\u201c aus ebenfalls Berlin) sich zwischen \u201eGeisterhausblues\u201c und \u201eAlbtr\u00e4ume[n] in Fuckmoll\u201c gar nicht so recht entscheiden. Will man es? Ich will es nicht.</p>\n<p>Stattdessen h\u00f6re ich so unvoreingenommen wie m\u00f6glich, was <span class=\"musik-review-bandname\">Brother Grimm</span> mir zu erz\u00e4hlen hat. Das ist leichter, wenn man sich <em>erst</em> Notizen zum Album macht und <em>dann</em> ein wenig Hintergrundgeschichte recherchiert. Zum Gl\u00fcck bin ich Profi; wenngleich sich meine Professionalit\u00e4t zu meinem eigenen Bedauern auf das blo\u00dfe H\u00f6ren beschr\u00e4nkt, <span class=\"musik-review-bandname\">Brother Grimm</span> aber ist Macher.</p>\n<p>Was es ist, das er macht, in wenige einfache Begriffe zu fassen ist aber auch f\u00fcr mich nicht leicht, denn auch \u201eHome Today, Gone Tomorrow\u201c ist ein Album der Vielfalt. <span class=\"musik-review-bandname\">Brother Grimms</span> gebrochener und dennoch intensiv-warmer Gesang verleiht jedem Lied eine beachtliche Intimit\u00e4t, gewiss ist sonst nichts, nicht mal die Richtung, die im n\u00e4chsten Moment eingeschlagen werden wird. Irgendwo im musikalischen Geflecht zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Scott Walker</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">David Bowie</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave</span> suchte man nicht allzu verkehrt, beg\u00e4be man sich denn \u00fcberhaupt auf eine Suche.</p>\n<p>Das er\u00f6ffnende \u201eA Letter to Bob\u201c bin ich als <em>Akustikdoom</em> zu beschreiben versucht, \u201eSharp\u2019s the Word\u201c hingegen als Noiserock mit mehr als nur ein bisschen Bluesbeif\u00fcgung. Moll und Blues: H\u00e4kchen dran. Das gilt f\u00fcr die beiden erstgenannten ebenso wie die folgenden St\u00fccke. Mit \u201eThe Black Lodge\u201c folgt aber erst einmal ein Instrumentalst\u00fcck, d\u00fcstere (\u201eGeisterhaus-\u201c?)Elektronik mit gelegentlichen Ausbr\u00fcchen. Fr\u00f6hlich wird es auf \u201eHome Today, Gone Tomorrow\u201c auch nicht mehr, da k\u00f6nnen noch so viele Titel wie \u201eAloha\u201c auftauchen. Wie auch \u201eEchoes\u201c ist dieses eher betr\u00fcblich. Wer dazu tanzt, ist selbst schuld. Unbedingt h\u00f6renswert ist der Freistilteil in der Mitte von \u201eAloha\u201c aber trotzdem, begleitet von unheilvollen Akkorden. <em>Aloha!</em></p>\n<p>Die musikalische Weltreise von <span class=\"musik-review-bandname\">Brother Grimm</span> setzt das Weltmusiklied \u201eBorn Under Punches\u201c fort, mit dem angejazzten \u201eStill Afraid of Germany\u201c wird es beinahe ein wenig radiotauglich, obwohl ich annehme, dass g\u00e4ngige Radiosender Lieder ohne Mitklatsch\u20114/4\u2011Takt gar nicht erst anh\u00f6ren wollen. Das Titelst\u00fcck, eine erschreckend gef\u00e4llige Ballade mit Gitarre und klopfendem Bass, geht schlie\u00dflich \u00fcber in einen \u201eHidden Track\u201c, eine recht <em>noise</em>-umklammernde Coverversion von <em>ausgerechnet</em> <span class=\"musik-review-bandname\">David Bowies</span> \u201eHeroes\u201c, deren Darbietung aufgrund des herausgenommenen Tempos und der Instrumentaleskalation beinahe bedrohlich wirkt und <em>deswegen</em> ein stimmiger Abschluss f\u00fcr ein Album ist, das genau auf dieses <em>versteckte St\u00fcck</em> hingearbeitet zu haben scheint. Passt!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://brothergrimm1.bandcamp.com/album/home-today-gone-tomorrow-3\&quot;" data-wpel-link="internal">Ratet mal!</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/vantomme-vegir.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_vantomme-vegir.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Vantomme \u2013 Vegir</span>\n<p>Kommen wir von einem Einzelk\u00e4mpfer zu einer Zusammenarbeit.</p>\n<p>Der belgische Pianist, Komponist, Produzent, Mellotronist (u.a.) <span class=\"musik-review-bandname\">Dominique Vantomme</span> hat f\u00fcr sein diesj\u00e4hriges Album \u201eVegir\u201c, auf dem kein Gesang stattfindet, mindestens gleichwertig prominente Unterst\u00fctzung gefunden. W\u00e4hrend am Schlagzeug der vergleichsweise unbekannte Jazzschlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Maxime Lenssens</span> sitzt, steht <span class=\"musik-review-bandname\">Michel Delville</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">The Wrong Object</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">douBt</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Machine Mass</span>) an der Gitarre, gleichfalls meist im Jazz und dessen Spielarten aktiv. Nicht aus Belgien, eigentlich nicht einmal aus dem Jazz stammt hingegen der Mann am E\u2011Bass und am Chapman Stick, n\u00e4mlich der umtriebige <span class=\"musik-review-bandname\">Tony Levin</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Liquid Tension Experiment</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Stick Men</span>).</p>\n<p>Mit dessen dominantem, melodischem Bass ist konsequent w\u00e4hrend des gesamten Albums zu rechnen, was im Jazzrock \u2013 und darum handelt es sich bei \u201eVegir\u201c \u2013 grunds\u00e4tzlich ein gutes Zeichen ist. Die Grundstimmung ist entspannt, gar <em>smooth</em>, auch wenn <span class=\"musik-review-bandname\">Michel Delville</span> von vornherein (\u201eDouble Down\u201c) den Groove mit mancher verspielter, mitunter temporeicher Freiform bereichert. Gelegentlich f\u00fchlt man sich so an die 80er- und Mitt-90er-Aufnahmen von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> und deren <span class=\"musik-review-bandname\">ProjeKcts</span> erinnert. Au\u00dfer Jazz- und gelegentlich (\u201eAgent Orange\u201c) auch Postrock darf sich der Schubladenfreund auch auf RIO/Avant (\u201eSizzurp\u201c) freuen, dargeboten mit Professionalit\u00e4t einer- und Freude am Experimentieren andererseits. Immer blo\u00df Jazz, so sch\u00f6n er auch ist, w\u00e4re unter dem Niveau der vier Musiker, sie m\u00fcssen niemandem mehr beweisen, dass sie Regeln beherrschen. Sie zu \u00fcberwinden ist die wahre Kunst.</p>\n<p>\u201eVegir\u201c sei, schrieb Thoralf Ko\u00df <a href="\&quot;http://www.musikreviews.de/reviews/2018/Vantomme/Vegir-feat-TONY-LEVIN/\&quot;" data-wpel-link="internal">anderswo</a>, ein \u201eprogressives Jazz-Rock-Album voller Harmonie und Experimente\u201c und das ist fast noch ein bisschen untertrieben. Eines jedenfalls ist es unbedingt: Nicht schlecht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=hf_5M5vMZwg\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> gibt es diverse Videos, unter anderem eines, auf dem die Musiker beim Spielen von \u201eThe Self Licking Ice-cream Cone\u201c zu sehen sind. Das gesamte Album in voller L\u00e4nge gibt es via <a href="\&quot;https://dominiquevantomme.bandcamp.com/album/vegir-hd-24bit-882khz\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> und <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Vegir-feat-Delville-Levin-Lenssens/dp/B078ZD8QCJ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> als Stream und Kauf, leider aber nicht auf Vinyl.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/sammal-suuliekki.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_sammal-suuliekki.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sammal \u2013 Suuliekki</span>\n<p>\u201eSuuliekki\u201c hei\u00dft auf Finnisch \u201eM\u00fcndungsfeuer\u201c. Trotzdem hat sich das finnische Quintett <span class=\"musik-review-bandname\">Sammal</span> f\u00fcr sein drittes Album ein wenig Zeit gelassen, der Vorg\u00e4nger \u201eMyrskyvaroitus\u201c wurde immerhin schon 2015 ver\u00f6ffentlicht. Bemerkt habe ich die Band jedoch selbst erst 2018, das auf \u201eSuuliekki\u201c enthaltene \u201eYlistys ja kumarrus\u201c l\u00e4utete im April <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/04/sammal-ylistys-ja-kumarrus/\&quot;" data-wpel-link="internal">eine Woche</a> ein.</p>\n<p>Von einer \u201ekauzigen\u201c und \u201epittoresk schrulligen\u201c Gruppe ist <em>im Web</em> die Rede, wenn versucht wird, <span class=\"musik-review-bandname\">Sammal</span> zu beschreiben, was meinem ersten Eindruck durchaus entspricht. Das k\u00f6nnte mit dem Gesang zu tun haben, der nach dem Intro im Titelst\u00fcck einsetzt und in der Landessprache stattfindet, was eigentlich sehr gut, aber doch ungew\u00f6hnlich klingt und \u201eSuuliekki\u201c einen beinahe folkigen <em>touch</em> verleiht. Auf mindestens einem Pressefoto zum Album stehen die f\u00fcnf mehrheitlich haarigen Herren folgerichtig in einem Wald herum. Warum sich auf dem Coverbild zwei Pinguine anscheinend pr\u00fcgeln, wei\u00df ich aber nicht.</p>\n<p>Die Musik selbst allerdings ist weit von Volksmusik entfernt, stattdessen h\u00f6re ich Neoprog mit viel Keyboard (wer auch die leider aufgel\u00f6sten <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span> mag, der m\u00f6ge sich hier eingeladen f\u00fchlen), manchmal (\u201eVitituksen valtameri\u201c, was f\u00fcr eine faszinierende Sprache!) auch mit etwas mehr Gitarre. \u201eNeoprog\u201c ist aber vielleicht auch etwas hoch gegriffen, denn, wie sich das f\u00fcr skandinavische Bands geh\u00f6rt, bringen <span class=\"musik-review-bandname\">Sammal</span> eine geh\u00f6rige Portion <em>retro</em> mit. Hatten wir schon einen Vergleich mit <span class=\"musik-review-bandname\">Uriah Heep</span>? Hier haben wir noch einen.</p>\n<p>\u201eAm Ende\u201c, schrieb \u201eMario\u201c f\u00fcr das \u201eHandwrittenMag\u201c, seien <span class=\"musik-review-bandname\">Sammal</span> aber \u201eeinfach nur <span class=\"musik-review-bandname\">Sammal</span>\u201c, f\u00fcr einen Geheimtipp seien sie jedenfalls zu schade. Dem kann ich beipflichten und hoffe, hiermit meinen Beitrag zur Verbesserung geleistet zu haben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://sammal.bandcamp.com/album/suuliekki\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> kann man das Album zwar h\u00f6ren und kaufen, aber leider zurzeit nur als \u201edigitales Album\u201c, also als fl\u00fcchtige Kopie. F\u00fcr Anspielen und handfeste Tontr\u00e4ger rate ich zu <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Suuliekki-Sammal/dp/B07BDNYB5Z?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/chromium-hawk-machine-annunaki.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_chromium-hawk-machine-annunaki.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Chromium Hawk Machine \u2013 Annunaki</span>\n<p>Keine Sorge: Mit Enten hat \u201eAnnunaki\u201c nichts zu tun. Die <em>eigentlich</em> anders geschriebenen Anunnaki waren, glaubt man ausnahmsweise den Inhalten <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Anunnaki\&quot;" data-wpel-link="internal">der Wikipedia</a>, vielmehr die mesopotamischen G\u00f6tter der Unterwelt.</p>\n<p>Um so erstaunlicher ist es, dass <em>ausgerechnet</em> eine Space-Rock-Gruppe ein Album dieses Titels aufnimmt, denn mit dem Weltall hat die Unterwelt ja nur bedingt etwas zu tun. <span class=\"musik-review-bandname\">Chromium Hawk Machine</span> aus den USA sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit von <span class=\"musik-review-bandname\">Helios Creed</span>, Gitarrist von <span class=\"musik-review-bandname\">Chrome</span>, und <span class=\"musik-review-bandname\">Nik Turner</span>, mit einer Unterbrechung bis 1984 bei <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> an Saxophon und Fl\u00f6te t\u00e4tig. Das k\u00f6nnte den Bandnamen erkl\u00e4ren. Mit ihnen in der Band ist <span class=\"musik-review-bandname\">Jay Tausig</span> an Schlagzeug, Synthesizern und Bass, der aber, so weit ich das herausgefunden habe, nie in einer Gruppe gespielt hat, die irgendwas mit \u201eMachine\u201c hie\u00df. Vorn auf dem genre\u00fcblich schrecklichen Coverbild prangt jedoch vor allem der Name <span class=\"musik-review-bandname\">Nik Turners</span> in genre\u00fcblich schrecklicher Schrift, der dort als einziger der drei Musiker komplett in Gro\u00dfbuchstaben zu lesen ist. Ehre, wem Ehre geb\u00fchrt. <em>Laut Internet</em> ist \u201eAnnunaki\u201c bereits seit 2017 zu haben, die <a href="\&quot;https://chromiumhawkmachine.bandcamp.com/album/annunaki\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcampseite</a> zum Album behauptet aber, die Ver\u00f6ffentlichung sei erst am 28. Februar 2018 erfolgt. Ich bin mal mutig und nehme es in diese Liste auf.</p>\n<p>Das Album beginnt mit hektischem RIO/spacigem Jazzrock unter bestm\u00f6glicher Ausnutzung der Stereotechnik, nicht un\u00e4hnlich der Hochphase von <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span>, vermengt mit Sprachfetzen: \u201eCosmic Explosion\u201c, bereits eine Viertelstunde lang, ist genau das, was sein Titel behauptet. Erstmals erscheint (verzerrter) Sprechgesang, den sich auf dem Album <span class=\"musik-review-bandname\">Nik Turner</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Helios Creed</span> teilen, wie anderswo zu lesen ist. Ich wage keine Zuordnung, stelle aber fest, dass Spacerock und Sangeskunst miteinander tendenziell eher mittelgut harmonieren.</p>\n<p>\u201eTime and Terraforming\u201c und \u201eButtercups and Poppeyfields\u201c sind nerv\u00f6ser Industrial/Noise/Stoner Rock mit Fl\u00f6te, Saxophon und Klimax, vermutlich war hier eher der <span class=\"musik-review-bandname\">Chrome</span>-Teil federf\u00fchrend. Im \u201eTitelst\u00fcck\u201c \u2013 naja, \u201eAnnunaki Come\u201c \u2013 wird wieder mehr gesprochen als gesungen, was gut ist, denn der S\u00e4nger orientiert sich auch hier an den <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> der 1970-er Jahre. <span class=\"musik-review-bandname\">Daevid Allen</span> war nie ein besonders \u00fcberragender Darbieter von Melodien. Bei \u201eAnother System (The Adam is Born)\u201c handelt es sich um eine Art melodischen Spacefolk, mein Hirn assoziiert sofort <span class=\"musik-review-bandname\">Circulus</span>, aber auch <span class=\"musik-review-bandname\">The Moody Blues</span>; es folgt ein ausgedehnter Instrumental-Industrial-Teil mit zusehends st\u00e4rkerem Jazzfundament.</p>\n<p>\u00dcberraschungen? Aber gern! \u201eCrying Moon, Dying Sun\u201c ist der schwer schleppende Gegensatz zum vorherigen St\u00fcck. Es ist 32:26 Minuten lang. Andere machen mit dieser Zeit ein ganzes Album voll. Es gibt groovenden Bass und schneidende Gitarre, etwa zur H\u00e4lfte auch ein wenig <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> in ihrer besonders <em>rohen</em> Fr\u00fchphase und vergleichbar krautig-elektronische Zeitgenossen. \u201eThey\u2019re Buying Time\u201c und \u201eMy Fuzzy Fantasy\u201c sind schlie\u00dflich zwei sch\u00f6n groovende, luftige Spacerock-Kleinode mit (wiederum) Fl\u00f6teneinsatz zum Abschluss des Albums. Auch \u201eMy Fuzzy Fantasy\u201c kommt nochmals auf beinahe 20 Minuten Dauer, insgesamt bekommen <span class=\"musik-review-bandname\">Chromium Hawk Machine</span> hier eine Stunde und 46 Minuten und damit zwei CDs voll, ohne dabei irgendwelche L\u00e4ngen zu erzeugen, die man lieber schnell \u00fcberspringen m\u00f6chte.</p>\n<p>Da w\u00e4re jedes <span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren</span> beinahe verschwendet. Wer es denn unbedingt trotzdem tun m\u00f6chte: <a href="\&quot;https://chromiumhawkmachine.bandcamp.com/album/annunaki\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> steht zur Seite.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/neurosenbluete-disziplin-akut.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_neurosenbluete-disziplin-akut.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Neurosenbl\u00fcte \u2013 Disziplin AKUT</span>\n<p>Im <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse\&quot;" data-wpel-link="internal">Sommer 2016</a> tauchte erstmals die bizarre Hamburger Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Neurosenbl\u00fcte</span> in meinem Wahrnehmungsfeld auf. Ich freute mich damals \u00fcber eine \u201eRezension, die sich sozusagen von allein schreibt\u201c, indem ich einfach den Werbetext zum Album \u00fcbernahm.</p>\n<p>Auch diesmal haben sie selbst einen geschrieben. Auch diesmal ist er besser als alles, was ich dazu schreiben k\u00f6nnte:</p>\n<blockquote><p>Auf DISPLIZIN AKUT verzichten wir auf jeglichen Gesang und liefern ein etwa einst\u00fcndiges Instrumentalbum, das sich wieder mal unsittlich quer durch die Musik fummelt.</p>\n<p>Neben Reihentechniken und freier Atonalit\u00e4t gibt es nat\u00fcrlich wieder reichlich krumme Dinger, Polymetrik aus dem <span class=\"musik-review-bandname\">stevesten Reich</span>, eine klassische <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eSweet\u201c</span>, die sich nicht gewaschen hat und ein wenig improvisierten Schabernack, als nervenerodierende Intermezzi.</p></blockquote>\n<p>Auf der <a href="\&quot;https://neurosenbluete.bandcamp.com/album/displizin-akut\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcampseite</a> zum Album ist au\u00dferdem zu lesen:</p>\n<blockquote><p>Comes in a nice \u201eKartonstecktasche\u201c.</p></blockquote>\n<p>Welches andere Album kann das schon von sich behaupten?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Na gut, <a href="\&quot;https://neurosenbluete.bandcamp.com/album/displizin-akut\&quot;" data-wpel-link="internal">einmal Bandcamp</a> geht noch.</p>\n<p>War es das schon? Fast! Weitere Alben im Schnelldurchlauf:</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Cabbage \u2013 Nihilistic Glamour Shots</span>\n<p>Trotz textlicher <em>\u00c4rgernisse</em> \u2013 so scheint \u201eMolotov Alcopop\u201c etwa ein Loblied auf Molotowcocktails zu sein \u2013 ist \u201eNihilistic Glamour Shots\u201c wenigstens musikalisch undoofer Postpunk (beziehungsweise Country, \u201eExhibit A\u201c) mit 70er-Charme. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Nihilistic-Glamour-Shots-Vinyl-LP/dp/B0794QVY4B/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Malady \u2013 Toinen toista</span>\n<p>\u201eToinen toista\u201c ist epischer (allein \u201eNurja puoli\u201c ist bereits 23 Minuten lang!), mitunter <span class=\"musik-review-bandname\">crimsonesquer</span> Psychedelic Rock aus Finnland mit Fl\u00f6te, Streichern und unpeinlichem Gesang in der Landessprache. <a href="\&quot;https://soundcloud.com/svart-records/malady-toinen-toista\&quot;" data-wpel-link="internal">SoundCloud</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/86158898\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Toinen-Toista-Vinyl-LP-Malady/dp/B078X941V6/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">le_mol \u2013 Heads Heads Heads</span>\n<p>Hier gibt es instrumentalen, um Soundscapes herum entwickelten Postrock aus Wien mit gro\u00dfen Vorbildern zu h\u00f6ren: Das dritte St\u00fcck, auf dem es dann endlich auch einmal etwas lauter wird, hei\u00dft \u201ele_mol fear <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span>\u201c, aber die beiden \u00d6sterreicher arbeiten daran, selbst eine Furcht einfl\u00f6\u00dfende Gitarrenband zu werden. <a href="\&quot;https://lemol.bandcamp.com/album/heads-heads-heads\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">BlackWater HolyLight</span>\n<p>Die US-amerikanische Damencombo <span class=\"musik-review-bandname\">BlackWater HolyLight</span> spielt auf ihrem Deb\u00fctalbum einen erstaunlich dunklen Bluesrock mit Postpunkanleihen, der trotz des Bandnamens doch erfreulich unchristlich heraufdonnert. <a href="\&quot;https://blackwaterholylight.bandcamp.com/album/blackwater-holylight\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Hot Snakes \u2013 Jericho Sirens</span>\n<p>Kalifornische, energetische Rockmusik, der man ihre sommerliche Herkunft begeistert anh\u00f6rt. <a href="\&quot;https://hotsnakes.bandcamp.com/album/jericho-sirens\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Demob Happy \u2013 Holy Doom</span>\n<p>Was aussieht wie Doom und hei\u00dft wie Doom, ist manchmal gar kein Doom, sondern <span class=\"musik-review-bandname\">beatlesquer</span> Sommerrock \u2013 und damit jetzt gerade genau das Richtige. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Holy-Doom-Demob-Happy/dp/B077PH7H45/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/84367105\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">DDENT \u2013 Toro</span>\n<p><em>Ausgerechnet</em> Franzosen errichten unter Zuhilfenahme instrumentalen, fantastisch dr\u00f6hnenden Post-Metals mit flirrenden Gitarren bunte Klangwelten, die gelegentlich den Ausbr\u00fcchen <span class=\"musik-review-bandname\">Meniscus\u2018</span> wenigstens \u00e4hneln. <a href="\&quot;https://ddentmusic.bandcamp.com/album/toro-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Black Moon Circle \u2013 Psychedelic Spacelord</span>\n<p>In einem einzigen fast 47-min\u00fctigen St\u00fcck exerzieren die mir zuvor unbekannten Norweger <span class=\"musik-review-bandname\">Black Moon Circle</span> gemeinsam mit den Synthesizern des <span class=\"musik-review-bandname\">\u00d8resund Space Collectives</span> den im Hardrock der 1970er Jahre verwurzelten, psychedelisch gejammten Spacerock mit Gesang, Orgel und Geige (Geige!) vortrefflich durch. <a href="\&quot;https://blackmooncircle.bandcamp.com/album/psychedelic-spacelord\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com.</a></p></li>\n</ol>\n<p>Und sonst so? 2018 erst mal nichts, in den letzten Jahrzehnten daf\u00fcr eine Menge!</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Alt und sch\u00f6n.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span>\n<p>1978, nach dem Hardrock und vor dem New Wave, befand sich die Musikwelt in einer Kreativit\u00e4t f\u00f6rdernden, weil instabilen Phase. Der in gro\u00dfen Sch\u00fcben erfolgende Umbruch in der Musik r\u00fcckte einstige Konstanten aus dem Blickfeld, <span class=\"musik-review-bandname\">Cans</span> zehntes Studioalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Out of Reach</span> hie\u00df insofern schon ganz richtig. <em>Ausgerechnet</em> die <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span> zollten auf <span class=\"musik-review-album-titel\">Some Girls</span> sowohl dem Punk (\u201eShattered\u201c) als auch der Discomusik (\u201eMiss You\u201c) Tribut. Die im Vorjahr gegr\u00fcndete italienische Punk- und sp\u00e4tere New-Wave-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Decibel</span> ver\u00f6ffentlichte unter dem Namen <span class=\"musik-review-album-titel\">Punk</span> ihr Deb\u00fctalbum, lie\u00df aber sp\u00e4ter leider kein Album namens \u201eNew Wave\u201c folgen. W\u00e4hrend sich wenigstens <span class=\"musik-review-bandname\">Jethro Tull</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Heavy Horses</span> noch bedingungslos treu blieben, ob nun im Guten oder im Schlechten, war das Ende der Ver\u00e4nderungen noch l\u00e4ngst nicht erreicht: In England nahm die Punkband <span class=\"musik-review-bandname\">Warsaw</span> ihr erst 1994 ver\u00f6ffentlichtes Deb\u00fctalbum auf, beschloss aber noch w\u00e4hrend der Aufnahmen eine Namens\u00e4nderung. Sie sollte fortan als <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span> bekannt werden.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span>\n<p>Zehn Jahre sp\u00e4ter war au\u00dferhalb des <em>undergrounds</em> nicht mehr viel Bewegung zu verzeichnen: W\u00e4hrend dort <span class=\"musik-review-bandname\">Skinny Puppy</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">VIVIsectVI</span> <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/08/kurzkritik-skinny-puppy-vivisectvi/\&quot;" data-wpel-link="internal">verst\u00f6rten</a>, die kurzlebige Thrash-Metal-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Realm</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Endless War</span> deb\u00fctierte und die arbeitsw\u00fctige Post-Punk-Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span> ganze zwei Alben (<span class=\"musik-review-album-titel\">The Frenz Experiment</span> und <span class=\"musik-review-album-titel\">I Am Kurious Oranj</span>) ver\u00f6ffentlichte, implodierte das, was oft als \u201eDeutschrock\u201c verallgemeinert wird: Die noch nicht g\u00e4nzlich zu einer lauteren Schlagerband verkommenen <span class=\"musik-review-bandname\">Toten Hosen</span> vertonten auf <span class=\"musik-review-album-titel\">Ein kleines bisschen Horrorschau</span> die ungef\u00e4hre Handlung von \u201eUhrwerk Orange\u201c, die Droogs von den <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> \u2013 das \u201eDie\u201c sei, hei\u00dft es, Teil des Bandnamens und damit nicht zu deklinieren \u2013 hingegen lie\u00dfen ihre Karriere im gleichen Jahr mit einem mittelgro\u00dfen Knall (<span class=\"musik-review-album-titel\">Das ist nicht die ganze Wahrheit \u2026</span>, <span class=\"musik-review-album-titel\">Nach uns die Sintflut</span>, anschlie\u00dfend Aufl\u00f6sung) ein vorl\u00e4ufiges Ende nehmen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span>\n<p>Die inzwischen, geringf\u00fcgig umbesetzt, wieder vereinten <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> ver\u00f6ffentlichten 1998 auf <span class=\"musik-review-album-titel\">13</span> das bis heute einzige Lied ihrer Karriere, das ihnen bis heute peinlich ist. Es w\u00e4re falsch, sie daf\u00fcr anzuprangern, denn auch der Autor dieser Zeilen durchlebte im selben Jahr eine im Nachhinein recht peinliche Phase, prall gef\u00fcllt mit den gerade aktuellen Werken von <span class=\"musik-review-bandname\">Madonna</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">WestBam</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Space Frog</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Fatboy Slim</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Music Instructor</span> und dergleichen. Dass 1998 au\u00dferdem <span class=\"musik-review-bandname\">Tortoise</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">TNT</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Ruins</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Vrresto</span> unbedingt h\u00f6renswerte Alben ver\u00f6ffentlichten, konnte ich nicht ahnen. Zum Gl\u00fcck hat sich das sp\u00e4ter gelegt.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span>\n<p>2008 begann der Aufstieg der anscheinend bis heute bestehenden Rockband <span class=\"musik-review-bandname\">1000 Robota</span>, die im selben Jahr eine EP (<span class=\"musik-review-album-titel\">Hamburg brennt</span>) und das Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Du nicht er nicht sie nicht</span> auf den Markt werfen lie\u00dfen. Seit 2010 gab es jedoch kein weiteres Album von ihnen. Auch <span class=\"musik-review-bandname\">Cogs</span> herrliches <span class=\"musik-review-album-titel\">Sharing Space</span> blieb das letzte Album vor deren Aufl\u00f6sung. Gerade erst angefangen haben auch die deutschen Postrockwunder <span class=\"musik-review-bandname\">Dear John Letter</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Between Leaves | Forestal</span>, dem ich \u201ezeitnah\u201c, wie es auf Neudeutsch hei\u00dft, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2008/06/dear-john-letter-between-leaves-forestal/\&quot;" data-wpel-link="internal">eine Rezension</a> gewidmet hatte. Ob sie noch existieren, wei\u00df ich leider nicht, einige der Mitglieder machen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Carpet</span> jetzt jedenfalls nicht mehr ganz so gute Musik. Weiterhin existieren ihre Landsleute von <span class=\"musik-review-bandname\">Blackmail</span>, die 2008 das Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Tempo Tempo</span> ver\u00f6ffentlicht haben, und auch die Macher des Albums <span class=\"musik-review-album-titel\">Violently Delicate</span>, die israelischen Musiker von <span class=\"musik-review-bandname\">Eatliz</span>, sind bis heute zusammen, wenn auch nach mancher Umbesetzung l\u00e4ngst nicht mehr so berauschend wie noch vor einem Jahrzehnt. Man wird sehen, wie ich in zehn Jahren dar\u00fcber urteile.</p></li>\n</ul>\n<p>F\u00fcr heute jedenfalls ist hier Schluss \u2013 meinen Dank an alle ausdauernden Leser.</p>\n<p>Wie \u00fcblich gilt: Habe ich ein Album \u00fcbersehen, freue ich mich unter Umst\u00e4nden \u2013 so lange <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> nicht mitspielt \u2013 \u00fcber einen Hinweis. Der zweite Teil wird, ebenfalls wie \u00fcblich, voraussichtlich am Jahresende folgen. Hoffentlich macht das Jahr in dieser Qualit\u00e4t weiter!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2019/04/kurzkritik-merzbow-keiji-haino-balazs-pandi-an-untroublesome-defencelessness/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: Merzbow, Keiji Haino, Balazs Pandi \u2013 An Untroublesome Defencelessness</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">20. April 2019</a> dies: [\u2026] einer Redepause intensiviert sich ein Fabrikhallen-industrial, wie ich ihn unter anderem bei Plurals schon zu h\u00f6ren das Vergn\u00fcgen [\u2026]</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2020/05/kurzkritik-le_mol-white-noise-everywhere/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: le_mol \u2013 White Noise Everywhere</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">31. Mai 2020</a> dies: [\u2026] Furcht einfl\u00f6\u00dfende Gitarrenband ist das Wiener Shoegazeduo le_mol entgegen meiner Vermutung bisher nicht geworden, obwohl es auf seinem vierten Album mitunter doch recht bedrohlich zugeht: [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/042a96184b394767b8e921bf2fccaac1\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 20 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickKaum ist es mal schier unertr\u00e4glich warm geworden, schon ist wieder ein halbes Jahr vorbei. Das kann nur eines bedeuten: Es ist wieder Zeit f\u00fcr die besten Musikalben des ersten Halbjahres 2018. Dass seit der letzten R\u00fcckschau sowohl Mark E. Smith und mit ihm wohl auch The Fall als auch Dennis Edwards (The Temptations) und Jon Hiseman (Colosseum, Colosseum II, JCM) sich f\u00fcr immer aus der Musik und voraussichtlich auch aus der Welt der Lebenden verabschiedet haben, mahnt zur Eile. Wer wei\u00df, wie viele K\u00fcnstler sterben, w\u00e4hrend ich dies hier schreibe?\nSicherheitshalber griff ich der Liste bereits vor: Die aktuellen Studioalben von awakebutstillinbed, Messa und den beiden Davids Cross und Jackson bleiben Teil der diesj\u00e4hrigen Empfehlungen, auch das Deb\u00fctalbum \u201eDanger Dance\u201c von Noseholes, deren titellose EP mich Anfang Januar zu einer Rezension veranlasste, ist erwartungsgem\u00e4\u00df gut geworden.\nWas sonst noch los war, folgt sofort.\n1. H\u00f6ren, was gut ist.\n\nm\u00f8l \u2013 JORD\nZu Beginn gilt es, erst mal die Geh\u00f6rg\u00e4nge freizublasen. Hierf\u00fcr bieten sich m\u00f8l aus D\u00e4nemark eigentlich an.\nAuf ihrem ersten Vollzeit-Studioalbum \u201eJORD\u201c \u2013 voraus gingen zwei EPs \u2013 ignoriert das Quintett gekonnt die vermeintliche Genregrenze zwischen Postrock und Black Metal, was mich als Genreignoranten in mehrfacher Hinsicht erfreut. Im Internet ist von \u201eBlackgaze\u201c als Genre die Rede und sp\u00e4testens hier sollten auch Verfechter einfachster Schubladisierung erkennen, dass ihr Treiben mitunter grotesk wirkt.\nZu Beginn (\u201eStorm\u201c) h\u00f6re ich auch tats\u00e4chlich erst einmal Postrock, bevor unversehens das Gewitter losbricht. Im sp\u00e4teren Verlauf des Albums (\u201eLigament\u201c) wird es immer mal wieder beachtliche Postrockmomente geben, dominant ist aber die Selbstbeschreibung der Band als \u201eein zerschmetterndes Nichts\u201c. \u201eJord\u201c ist das d\u00e4nische Wort f\u00fcr Erde, als erdig w\u00e4re das Album aber nur unzureichend beschrieben. Anderswo schrieb jemand, es handele sich um \u201erasendes Geschrammel mit dank Keyboard (\u2026) orchestraler Note\u201c und das ist verdammt richtig.\nIch solle erwarten, am Jahresende \u201eJORD\u201c auf vielen Album-des-Jahres-Listen zu finden, k\u00fcndigte das britische Musikmagazin \u201enoizze\u201c an. Ich greife dem hiermit um mehrere Monate vor, ich Punk.\nReinh\u00f6ren: Freundlicherweise (naja, eigentlich: wie beinahe schon \u00fcblich) stellen m\u00f8l \u201eJORD\u201c via Bandcamp.com f\u00fcr Kauf und Stream zur Verf\u00fcgung.\nBlack Space Riders \u2013 Amoretum Vol. 1\nWir bleiben erst mal beim Krach. Die M\u00fcnsteraner Hardrockcombo Black Space Riders ist langj\u00e4hrigen Lesern meiner Musikkritiken nicht unbekannt, schon 2015 befand ich, dass es bei dieser Band mitunter vieles zu entdecken gebe. Auch ihr f\u00fcnftes Album \u201eAmoretum Vol. 1\u201c \u2013 ich erkenne immerhin ein Muster in der Benennung ihrer Alben \u2013 ist von Flachheit weit entfernt. \u201eAmoretum\u201c ist dabei ein Kofferwort aus den lateinischen W\u00f6rtern f\u00fcr die Liebe und den Garten. Soll es \u201eLiebesgarten\u201c bedeuten? Auszuschlie\u00dfen ist es nicht.\nBeim H\u00f6ren von \u201eAmoretum Vol. 1\u201c denke ich in \u00dcbereinstimmung mit den gelegentlich zu lesenden Vergleichen mit Hawkwind an Mot\u00f6rhead: Die beiden weiterhin in der Band besch\u00e4ftigten S\u00e4nger (ich konnte bisher nicht ermitteln, wer am Mikrofon nun wer ist), die beide auch die Keyboards bedienen, tragen hier heiseren Gesang, gelegentlich (\u201eLovely lovelie\u201c, \u201eFire! Fire! Death of a giant\u201c) auch Growling bei. Auch sonst hat sich bis auf einen Wechsel am Bass nicht viel ge\u00e4ndert: Unver\u00e4ndert gehen die Musiker einer T\u00e4tigkeit nach, die Freunde von Spacerock, Hardrock und Psychedelic Rock gleicherma\u00dfen erfreuen mag. Dass \u201eAmoretum Vol. 1\u201c au\u00dferdem \u201etanzbar\u201c sei, ein Wort, das ich als Musiker als Beleidigung empf\u00e4nde, ist dabei eine dennoch zutreffende Feststellung.\nZumal sie, wenn sie nicht gerade hardrocken, newwaven: Aus der Vorbereitung f\u00fcr diese R\u00fcckschau entnehme ich eine Notiz meinerseits, dass ich au\u00dfer an Mot\u00f6rhead auch an die Smiths gedacht habe, als ich \u201eAmoretum Vol. 1\u201c h\u00f6rte, und da ich sonst eigentlich nie an die Smiths denke, k\u00f6nnte das an diesem Album liegen.\nMarek Protzak schrieb:\nWer sich von der Musik der BLACK SPACE RIDERS irgendwas mit kathartischer Transzendenz und einen Fluchtweg in den Schlaghosen-Orbit erhofft, geht auch 2018 leer aus.\nUnd das, um an ungeeigneter Stelle ein Politikerzitat anzubringen, ist auch gut so. \u201eAmoretum Vol. 2\u201c soll jedenfalls noch 2018 erscheinen. Ich vermute, es wird gro\u00dfartig sein.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com, versteht sich.\nAnna von Hausswolff \u2013 Dead Magic\n\u201eWho is she / to say goodbye?\u201c (\u201eThe Mysterious Vanishing Of Electra\u201c)\nVorl\u00e4ufig ist\u2019s genug des Krachs, denn wenn man immer nur Krach h\u00f6rt, verliert man den Sinn f\u00fcr das Sch\u00f6ne. Dabei gibt es so viel mehr als Gitarrenriffs und Geschrei, zum Beispiel Pfeifenorgeln.\nEine solche, aufgrund ihrer Verwendung in Kirchen oft als sakral klingend wahrgenommen und hier tats\u00e4chlich in der Kopenhagener Marmorkirken herumstehend, ist das bevorzugte Instrument von Anna von Hausswolff, schwedische S\u00e4ngerin, Pianistin und K\u00fcnstlertochter, die seit 2010 ab und zu Alben ver\u00f6ffentlicht, die Namen wie \u201eCeremony\u201c, \u201eSinging from the Grave\u201c oder \u201eDead Magic\u201c tragen. Alles deutet auf Gothic Rock hin, aber bei Gothic Rock denke ich an The Cure und HIM und werde ein bisschen ungehalten.\nAllerdings ist das auf \u201eDead Magic\u201c, auf dem au\u00dfer ihr neun weitere Musiker, darunter ihr Produzent Randall Dunn, \u00fcberwiegend an Saiten\u2011, sonst an Tasteninstrumenten zu h\u00f6ren sind, Aufgenommene zur Beruhigung auch nur bedingt geeignet. Wie wiederkehrende Leser vielleicht inzwischen wissen, mag ich ja herausragende Stimmen, dabei ist das Genre beinahe zweitrangig. Selbst Sarah Lesch, einer, n\u00fcchtern betrachtet, auch nur wenig anstrengenden Schlagers\u00e4ngerin, kann ich aufgrund ihrer Stimme etwas abgewinnen. Und verdammt, Anna von Hausswolff ist wirklich gut darin, eine herausragende Stimme zu haben. Wer einen Vergleich haben m\u00f6chte, der nehme Kate Bush ohne das \u00fcberdrehte Quietschen ihrer fr\u00fchen Alben, Bj\u00f6rk ohne die f\u00fcrchterliche Exaltiertheit ihrer s\u00e4mtlichen Alben oder finde sich einfach damit ab, dass manche Stimmen einmalig scheinen.\nIn f\u00fcnf Liedern, von denen zwei \u00fcber zw\u00f6lf Minuten lang sind, l\u00e4sst die Inhaberin dieser Stimme ihr Talent brillieren; von sanft beruhigend \u00fcber beschwingten Poprock (\u201eUgly and Vengeful\u201c) bis hin zur stimmlichen Begleitung A Silver Mt. Zion nicht unw\u00fcrdigen Drone-Postrocks (\u201eThe Truth, The Glow, The Fall\u201c) ist auf \u201eDead Magic\u201c alles zu finden, immer begleitet von der Orgel, die das stimmlose \u201eThe Marble Eye\u201c sogar als einziges Instrument bestreiten darf. Dass das, was sie selbst \u201eBegr\u00e4bnispop\u201c nennt, von fr\u00f6hlicher Popmusik weit entfernt sei, obwohl die K\u00fcnstlerin in Interviews mitunter mitteilte, Aufnahmen lie\u00dfen sie stets fr\u00f6hlich zur\u00fcck, m\u00f6chte ich nicht bestreiten, wohl aber, dass das Album doch aufgrund der Instrumentierung und der Titel bestimmt ziemlich deprimierend klinge. Fast ist das Gegenteil der Fall. Gerade die erste Single \u201eThe Mysterious Vanishing Of Electra\u201c, eigentlich ein Gedicht ihres l\u00e4ngst verstorbenen Landsmannes Walter Ljungquist, sprudelt vor eigener Energie derma\u00dfen \u00fcber, dass sie auf den H\u00f6rer \u00fcberspringt. Der ungemein extrovertierte Gesang, nicht nur f\u00fcr Verehrer Courtney Swains einen zweiten und dritten H\u00f6rdurchlauf wert, tut sein \u00dcbriges. Boah! Waren die Vorg\u00e4ngeralben noch merklich zur\u00fcckhaltender, greift Anna von Hausswolff hier in die Vollen und legt die sprichw\u00f6rtliche Latte um etliche Meter h\u00f6her.\nIch wage zu schreiben: \u201eDead Magic\u201c wird jedenfalls dort, wo es sich einfindet, ein einmaliges Album im noch jungen Jahr 2018 bleiben. Wer sonst wird es nicht nur wagen, sondern auch schaffen, aus einem uncoolen Instrument so ein prachtvolles und dabei noch konstantes Werk zu schaffen? Ich bin bewegt, man sehe es mir nach.\nReinh\u00f6ren: Zur erw\u00e4hnten Single gibt es ein Video, ansonsten wissen Amazon.de, Bandcamp.com und TIDAL zu helfen.\nPipapo \u2013 Kristov in der Allee der Kosmonauten\nAls ich mich auf der Bandcampseite von Turbine Stollprona herumtrieb, um aufgrund ihrer Liedtitel (\u201eJens M\u00fcller wollte unbedingt ihren Vater anrufen\u201c, auf so was muss man ja auch erst mal kommen) das Album \u201eEffekthascherei\u201c genauer zur Kenntnis zu nehmen als zuvor, stie\u00df ich dort auf weitere Namen von Musikgruppen \u00e4hnlichen Typs und anscheinend auch \u00e4hnlichen Humors. Unter diesen Gruppen sah ich Pipapo und war spontan am\u00fcsiert.\nPipapo ist ein Leipziger Duo, bestehend aus einem Schlagzeuger und einem Gitarristen, und seine Musik ist rein instrumental. Ich w\u00fcrde trotz meines Holzohrs neben der genannten Besetzung au\u00dferdem einen Bass erkennen, jedoch ist dar\u00fcber nichts \u00fcberliefert. Ob die Besetzungsliste sonst \u00fcberhaupt zutreffend ist, ist unklar, denn die Liste der Musiker, die die Lieder gerecordet haben, unterscheidet sich hinsichtlich der dort notierten Initialien sehr. Mit Liedtiteln wie \u201eRamo Zepol at Tankstelle Bockwurst\u201c und \u201eGoofy is not a Metalband, ok?\u201c bin ich nichtsdestotrotz versucht, dem Duo kom\u00f6diantisches Interesse nachzusagen, Texte zum Nachweis gibt es jedoch nicht. Woher der Titel des Albums stammt, ist mir unklar, das Berliner Studio, in dem es aufgenommen wurde, hei\u00dft jedoch \u201eAllee der Kosmonauten\u201c. Nur ein Kristov ist nicht auszumachen.\nAuf die Ohren bekomme ich hier eine gelungene, von der Band \u201eMathrock\u201c genannte Melange aus Psychedelic Rock und Jazzrock, weitgehend instrumental dargeboten, obwohl gelegentlich undeutliche Rufe oder auch Lachen (was is\u2019n der Plural eines Lachens?) ert\u00f6nen, wobei die Musiker angeblich von einem sonst nicht weiter erw\u00e4hnten Juri K. unterst\u00fctzt werden. Das macht sich bestimmt gut im Lebenslauf. Es sind \u201emath pop prog post chemistry\u201c im Internet herumliegende Stichw\u00f6rter f\u00fcr \u201eKristov in der Allee der Kosmonauten\u201c. Es folgere daraus, wer will, was er will.\nReinh\u00f6ren: Via Bandcamp gibt es Kauf, Stream und T\u2011Shirts.\nPlurals \u2013 Tri Tone\nZum Jahresende 2015 war ich ungeahnt begeistert von Boris\u2018 \u00fcberragendem Album \u201easia\u201c. Ich hatte nicht angenommen, dass mich so bald noch mal ein Album so sehr fesseln w\u00fcrde. \u201eTri Tone\u201c von Plurals aus S\u00fcdengland gibt sich trotzdem gro\u00dfe M\u00fche, es zu schaffen.\nAuf ihrer (nach liberaler Sch\u00e4tzung) siebzehnten Ver\u00f6ffentlichung \u201eTri Tone\u201c, ver\u00f6ffentlicht erst im M\u00e4rz 2018, sind Plurals \u2013 daher wom\u00f6glich der Titel des Albums \u2013 erstmals zu dritt, eines ihrer Mitglieder scheint ihnen abhandengekommen zu sein. Wie sie es so lange geschafft haben, von mir nicht bemerkt zu werden, verstehe ich selbst nicht. Da habe ich was nachzuholen.\nAber erst einmal gilt es, den beim Musikgenuss eher l\u00e4stigen Verstand abzuschalten, so gut es eben geht. Wie schon auf vorigen Alben sind auf \u201eTri Tone\u201c zwei St\u00fccke, angeblich das Ergebnis dreist\u00fcndiger aufgenommener Ideenfindung, zu h\u00f6ren, die jeweils \u00fcber 23 Minuten lang sind und so beide LP-Seiten ganz gut f\u00fcllen. Es gibt nur Vinyl oder Download. CD-Spie\u00dfer sind hier nicht willkommen. Wer aber die Geduld f\u00fcr Vinyl hat, der wird belohnt. \u00dcberhaupt ist \u201eTri Tone\u201c sehr entschleunigend, wobei innig das wohl noch bessere Adjektiv ist. Die gespielten Drones lassen nicht viel action au\u00dfer gelegentlichen Misst\u00f6nen zu. \u201eBas Fond\u201c, was auf Franz\u00f6sisch laut Internet \u201eunten\u201c hei\u00dft, baut sich langsam auf, begleitet von einem kammermusikalisch klingenden, grummelnd kratzenden Fundament werden den restlichen Instrumenten wenige T\u00f6ne, diese daf\u00fcr lange anhaltend, entlockt. Kein Schlagzeug, wof\u00fcr auch? Dass \u00fcberhaupt nichts passiere, ist allerdings eine Fehlannahme; die anschwellenden und abebbenden T\u00f6ne, gerade auch gepaart mit dem durchdringenden Brummen, hinterlassen schon nach wenigen Minuten (bei mir waren es etwa acht) eine erstaunliche G\u00e4nsehaut, die die sich immer weiter verdichtende Musik tats\u00e4chlich nicht nur halten, sondern sogar mehren kann. Hui! Ich mag das.\nDass \u201eBas Fond\u201c zwischendrin auch mal nach futuristischer Fabrikhalle klingt, f\u00e4llt daher auch nur auf, wenn man mittendrin reinschaltet. Wer macht denn auch so was? In der zweiten H\u00e4lfte wird die Reibefl\u00e4che schrittweise erh\u00f6ht, aus der Wolkenreise \u00fcber einer gl\u00e4nzenden Fabrik wird ein heraufziehendes Gewitter \u00fcber verrosteten Schornsteinen. Man bleibt gespannt, wie es wohl ausgehen wird. Die Band selbst bleibt unentschlossen: Als \u201eBas Fond\u201c (etwas langweilig mit fade-out) verklingt, ist das Gewitter zwar \u00fcberstanden, die Fabrik aber ist nicht mehr dieselbe, sie scheint in Flammen zu stehen. Hoffentlich ist niemandem etwas passiert.\nIm direkten Vergleich damit wirkte \u201eSun Lock\u201c, das auch nicht ganz so klingt, wie es hei\u00dft, beinahe sakral, wenn nicht in den ersten Minuten immer wieder ein Paukendonner ersch\u00f6lle. Man meint die Sonne \u00fcber einer Kapelle w\u00e4hrend einer Messe aufgehen zu sehen. Musik, die wie Naturgewalten klingt, bleibt eine Rarit\u00e4t, was ich bedaure. Bei blo\u00dfem Sch\u00f6nklang belassen es Plurals aber nicht, sondern auch diesmal, beginnend ab etwa sechs Minuten, errichten sie zun\u00e4chst fast unbemerkt, aber zusehends deutlicher eine disharmonische Dystopie mit einem verzweifelten Geiger mit verstimmtem Instrument in einer zerst\u00f6rten Stadt. Ich wei\u00df nicht, ob die Band sich das so gedacht hat, aber ein guter K\u00fcnstler erkl\u00e4rt sein Werk nun mal nicht. Nicht zum ersten Mal auf \u201eTri Tone\u201c f\u00fchle ich mich zur H\u00e4lfte von \u201eSun Lock\u201c an besagtes \u201easia\u201c erinnert, der \u201eTalkative Lord\u201c scheint nicht weit entfernt, seine blecherne Stimme ist im Sturm zu vernehmen. Was er sagt, ist unverst\u00e4ndlich, aber es klingt beinahe menschlich; oder bilde ich mir das ein? Mit seiner Rede klingt auch er selbst ab, als w\u00fcrde er sich aufl\u00f6sen oder, wie es die religi\u00f6se Mythologie vorschl\u00e4gt, erleuchtet. Zum Abschied spendieren Plurals mir noch einmal eine G\u00e4nsehaut.\nEin bisschen erleuchtet f\u00fchle ich mich nach den fast 49 Minuten, die das Album dauert, jetzt allerdings auch selbst \u2013 erleuchtet und unglaublich ersch\u00f6pft. Ich bin gl\u00fccklich. Doch, das trifft es.\nReinh\u00f6ren: Wer sich den Spa\u00df unbedingt selbst verderben m\u00f6chte, der kann vor dem Kaufen via Bandcamp.com dort auch das Album in ganzer L\u00e4nge anh\u00f6ren.\nBardo Pond \u2013 Volume 8\nNoch eine Reise? Noch eine Reise!\nAuch Bardo Pond z\u00e4hlen hier nicht zu den v\u00f6llig Unbekannten, erst im Januar dieses Jahres feierte ich das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit mit Acid Mothers Temple und Guru Guru, um es mal angemessen seltsam auszudr\u00fccken, voll ab. Ihr neuestes Studioalbum, diesmal wieder im Alleingang eingespielt, klingt zwar beinahe selbstverst\u00e4ndlich weniger durchgeknallt, aber auf keinen Fall eint\u00f6niger.\nWeitgehend instrumental arbeiten die f\u00fcnf US-Amerikaner auf \u201eVolume 8\u201c, F\u00fcnf ist auch die Anzahl der enthaltenen St\u00fccke, die es zusammen auf etwa vierzig Minuten bringen. Ausschweifungen halten sich hier also bis kurz vor dem Ende in Grenzen. Hippieesque mit fern\u00f6stlichen Ankl\u00e4ngen ist \u201eVolume 8\u201c bereits ab den ersten Takten von \u201eKailash\u201c. Genres verbieten sich weiterhin. Wer Schubladen will, der mag keine Musik. Ich mag \u201eVolume 8\u201c.\n\u201eFlayed Wish\u201c flie\u00dft z\u00e4h aus den Boxen wie ein entspannender Trip, was das Album sowieso ganz gut beschreibt. \u201ePower Children\u201c ist eine instrumentale Hippieballade, die der Wahrnehmung von Bardo Pond als (im weitesten Sinne) Psychedelic-Drone-Band eine sonst fast vergessene Nuance anf\u00fcgt. Ihm folgt mit \u201eCud\u201c ein \u00e4hnliches St\u00fcck, in dem eine unverzerrte E\u2011Gitarre als einziges zu h\u00f6rendes Instrument die Stimmung auf entspannendem Niveau halten darf.\nDer H\u00f6hepunkt und gleichzeitig der perfekte Kontrast zu \u201eCud\u201c aber steht am Ende: Das fast siebzehnmin\u00fctige \u201eAnd I Will\u201c frisst sich krautig mit heftig fuzzender Gitarre ins Ohr, Fl\u00f6te und entr\u00fcckter Gesang tragen selbst noch etwas dazu bei, dass man die musikalischen sp\u00e4ten 60-er Jahre noch nicht vergangen glaubt. Die nehmen doch alle Drogen. Wie machen die das? Man sollte meinen, 17 Minuten seien lange, aber ich merke gar nicht, wie das St\u00fcck voranschreitet. Als es verklingt, kommt das jedenfalls \u00fcberraschend und viel zu fr\u00fch. Aber wof\u00fcr gibt es denn die Wiederholen-Taste?\nDas Album, steht im Internet, versetze den H\u00f6rer in einen anderen Bewusstseinszustand. Das halte ich f\u00fcr untertrieben.\nReinh\u00f6ren: Auch Bardo Pond sind nicht nur auf Amazon.de, sondern auch auf Bandcamp.com zu finden.\nSopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows \u2013 The Spiral Sacrifice\n\u201eIch brauch ein neues Aug\u2018, einen neuen Sinn\u201c (Everything is an Illusion)\nDie Band (\u201eMusikprojekt\u201c, Wikipedia) nennt sich selbst den ewigen Schlaf mitsamt dem Ensemble der Schatten. Wer err\u00e4t das Genre?\nWenn ein Musiker erst einmal in der deutschsprachigen Wikipedia auftaucht und der Artikel nicht von mir erstellt wurde, dann ist er entweder schon sehr lange im Gesch\u00e4ft, macht furchtbare Musik oder will sich selbst im vermeintlich richtigen Licht darstellen. Auf Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows trifft im hektischen 21. Jahrhundert, relativ gesehen, erstere Annahme zu: Seit der Gr\u00fcndung im Jahr 1989 erschienen zwischen keinem und drei offizielle Ver\u00f6ffentlichungen beliebiger L\u00e4nge und Qualit\u00e4t. 1994 wurde ein Album namens \u201e\u2026Ich t\u00f6te mich jedesmal aufs Neue, doch ich bin unsterblich, und ich erstehe wieder auf: in einer Vision des Untergangs\u2026\u201c auf die \u00d6ffentlichkeit losgelassen, die enthaltenen Lieder tragen Titel wie \u201eTanz der Grausamkeit\u201c und \u201eIm Garten des Nichts\u201c. Nicht sehr fr\u00f6hlich, die Combo.\nAber man muss ja auch nicht immer nur fr\u00f6hlich herumspringen. \u00dcber den Gr\u00fcnder von Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows wei\u00df man in der deutschsprachigen Wikipedia, dass er heute \u201eallgemein als Frau\u201c lebe, wie auch immer man sich das vorzustellen hat. Ich wusste nicht mal, dass Frauen \u201eallgemein\u201c anders leben als ich, vom gelegentlichen Aufsuchen eines Pissoirs abgesehen.\nEinem insgesamt eher anstrengend zu lesenden Interview mit Frontperson Anna-Varney Cantodea, was nat\u00fcrlich ein K\u00fcnstlername ist, entnehme ich, dass die genaue Besetzung auf diesem Album eigentlich keine gro\u00dfe Rolle spielt, denn Kreativit\u00e4t und somit k\u00fcnstlerische Identit\u00e4t von Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows ist ein Ein-Personen-Spiel.\nGemessen daran ist das hier zu H\u00f6rende aber fantastisch, und das nicht nur im textlichen Sinne. \u201eThe Spiral Sacrifice\u201c ist, trotz des Coverbildes, erfreulich action-armer Kammerprog mit Streichern, wie ich ihn so zuletzt nur von den nicht minder fantastischen Eclipse Sol-Air geh\u00f6rt hatte. Zu dem ebenfalls ungew\u00f6hnlichen, aber zur vorliegenden Musik gut passenden Gesang, der in zehn der insgesamt 19 St\u00fccke zu h\u00f6ren ist, gesellt sich zus\u00e4tzlich ein sch\u00f6n grummelnder Bass, was insbesondere Kopfh\u00f6rerbenutzern das zus\u00e4tzliche Etwas geben k\u00f6nnte. Mit Eclipse Sol-Air verbindet die Band auch eine andere Gemeinsamkeit, n\u00e4mlich die h\u00e4ufiger mal wechselnde Sprache. \u00dcberraschenderweise haben hier manchmal Lieder mit einem deutschen Titel englischsprachige lyrics und andersherum. Thematisch geht es um Tod, Abschied und dergleichen, was sich durch die Bandgeschichte wie ein roter Faden, der sich irgendwo durchzieht, zieht, wenn auch deutlich weniger theatralisch als zum Beispiel die auf andere Art h\u00f6renswerten Untoten. Das klingt wom\u00f6glich jetzt nach einem Verriss, ist aber gar nicht so gemeint.\n\u201eThe Spiral Sacrifice\u201c sei \u201em\u00f6glicherweise\u201c das letzte Album, ist im oben verlinkten Interview zu lesen. Falls das zutreffen sollte, ist es zumindest kein \u00fcbler Abgang; falls nicht, bleibt es doch ein Album, das nicht geh\u00f6rt zu haben ein bisschen bedauerlich w\u00e4re.\nReinh\u00f6ren: Das ist momentan auf Amazon.de und TIDAL m\u00f6glich.\nMan Mountain \u2013 Infinity Mirror\nDie allsemestrige Dosis instrumentalen Postrocks wird weiter vergr\u00f6\u00dfert von Man Mountain. \u00dcber Postrock hei\u00dft es aus Kreisen, deren Banausentum hier allenfalls absch\u00e4tzige W\u00fcrdigung verdient haben soll, dass er immer gleich klinge. Ich teile diese Auffassung nicht, denn selbst in jenen Postr\u00f6cken, die mit zwei bis vier Gitarren, Schlagzeug und Bass W\u00e4nde aufbauen und wieder einrei\u00dfen, kann von Gleichform keine Spur sein. Diese Musik h\u00f6rt man nicht, man f\u00fchlt sie.\nWomit ich zu \u201eInfinity Mirror\u201c komme. Man Mountain aus ausgerechnet den USA (Michigan, hei\u00dft es) ist ein Quartett mit zwei Gitarren, einem Schlagzeug und einem Bass. Es gilt das alte Laut-Leise-Spiel, kaum besonders anders dargeboten als \u00fcblich, aber vielleicht gerade deshalb eine Erw\u00e4hnung hier wert. Dauert ja auch nicht lange: Die sechs St\u00fccke sind in 38 Minuten vorbei. Das passt noch rein. Mehr vom selben also? Nat\u00fcrlich!\nTrotzdem (oder: deswegen) wird auch \u201eInfinity Mirror\u201c nach einem langen Tag mit Mogwai und Meniscus nicht so schnell langweilig. Wer hier keinen Unterschied h\u00f6rt, dem kann ich nicht helfen, zu beschreiben jedenfalls ist und bleibt er schwer. Allein der Bass k\u00f6nnte vielleicht etwas lauter sein. Irgendwas ist ja immer. Kopfh\u00f6rer sind jedenfalls Pflicht. Zuwiderhandlung wird mit Tzk-tzk-Ger\u00e4uschen bestraft.\nReinh\u00f6ren: Man schaue hierzu bei Bandcamp vorbei.\nVvlva \u2013 Path of Virtue\n\u201eHistory has shown: many good ones were killed.\u201c (Cryptic Faith)\nWas wei\u00df man schon \u00fcber Aschaffenburg? Oft nicht viel, aber zumindest die dortige Musikszene scheint etwas Aufmerksamkeit zu verdienen. Aus ihr n\u00e4mlich entsprang das Quintett Vvlva, das man trotzdem hoffentlich wie \u201eVulva\u201c und nicht wie \u201eWlwa\u201c aussprechen soll, denn das kl\u00e4nge irgendwie bescheuert. Am Bass steht Dr. Michael Hock, also jemand mit aktiv genutztem Doktortitel, wei\u00df das Internet. Von wegen Fachkr\u00e4ftemangel!\nDas k\u00f6nnte man allerdings selbst dann von der Musik nicht behaupten, jedenfalls \u00fcberwiegend nicht. Die n\u00e4mlich ist genau so 70er-beseelt wie man sich das vorstellt, wenn man diese Wortsch\u00f6pfung zum ersten Mal liest: Auf \u201ePath of Virtue\u201c spielen Vvlva einen angenehm unmodernen Blues-/Hardrock mit nach Orgel klingenden Keyboards und nat\u00fcrlich Fuzzgitarre. So spiel\u2019n die Deutschen \u2013 die Deutschen, die spiel\u2019n so. Dass sich in meinen Rezensionen diese Stile vermehrt wiederfinden, werte ich als Zeichen, dass gerade eine Retrorock-Welle durch die Musikwelt schwappt. Irgendwo muss das ja herkommen. Man w\u00fcrde Deep Purple und Uriah Heep Unrecht tun, behauptete man, \u201ePath of Virtue\u201c klinge wie Deep Purple mit ganz anderem Gesang oder wie Uriah Heep \u00fcberhaupt, sonst w\u00fcrde ich genau das jetzt tun.\nNein, mit Schubladen und \u201eklingt wie\u201c haben Vvlva h\u00f6chstens aus Versehen was zu tun. In \u201eDieb der Seelen\u201c wird (leider zum einzigen Mal auf \u201ePath of Virtue\u201c) auf Deutsch gesungen, anderswo gibt es musikalische \u00dcberraschungen: Dominieren in der ersten H\u00e4lfte des Albums noch alte Meister, so wagt sich die Band sp\u00e4ter in verspielte Ecken. Das Titelst\u00fcck \u201ePath of Virtue\u201c etwa, das ich aufgrund seiner Qualit\u00e4t f\u00fcr so etwas wie den Anspieltipp des Albums halte, wird mit einer Art Kirmeswalzermelodie eingeleitet, bevor die Band nach einer halben Minute kraftvoll alles zu geben scheint, was sie hat. S\u00e4nger Tobias Ritter tr\u00e4gt im inbr\u00fcnstigen Postpunkstil einen Refrain vor, der dem sonst eher bewegungsarmen Rezensenten ein wenig Mitgewackel auf dem Stuhl entlockt, dazwischen brillieren die Instrumentalisten mit energiereicher Siebzigerei. Dass zum Abschluss des Albums mit \u201eSecond Voice\u201c ein lahmes Classic-Rock-Liedlein ert\u00f6nt, dessen wenigstens erste H\u00e4lfte ich zu \u00fcberspringen empfehle, tr\u00fcbt den Eindruck kaum. Die anderen sieben St\u00fccke kann einem ja niemand mehr nehmen.\n\u201ePath of Virtue\u201c sei, hei\u00dft es, das Deb\u00fctalbum von Vvlva. Davon bitte gern mehr!\nReinh\u00f6ren: Vvlva sind, man ahnt es, au\u00dfer auf Amazon.de auch auf Bandcamp.com zu finden.\nShob \u2013 Karma Obscur\nSeit einiger Zeit beginne ich Wochen gern damit, meine Leser mit Musik zu bereichern, auf dass der Montag etwas von seinem Schrecken verliere. Im April dieses Jahres traf es Shob, was laut Online\u00fcbersetzer ein russisches, wahrscheinlich aber ein v\u00f6llig frei erfundenes Wort sowie der K\u00fcnstlername eines franz\u00f6sischen Bassgitarristen ist.\nF\u00fcr \u201eKarma Obscur\u201c, nach \u201ePragmatism\u201c (2015) das erst zweite ver\u00f6ffentlichte Album des Herrn Shob, hat er sich prinzipbedingt eine Vielzahl an G\u00e4sten ins Studio bestellt oder sie sonstwie auf das Album bekommen. Ich z\u00e4hle insgesamt 17 beteiligte Musiker, wobei diese nat\u00fcrlich nicht gleichzeitig \u00fcberall zu h\u00f6ren sind. S\u00e4ngerin Laur\u00e8ne Pierre Magnani aus eingangs verlinktem St\u00fcck scheint etwa nur dort zu h\u00f6ren zu sein, der Rest der St\u00fccke ist gesanglos, obgleich in der Besetzungsliste zumindest auch Monkey D\u2019Beasty (die Schreibweise scheint Absicht zu sein) als Beatboxer zu lesen ist. \u00dcber die einzelnen G\u00e4ste ist nur wenig zu finden, die Ausnahmen scheinen aber vor allem im Jazzrock aktiv zu sein.\nDas spiegelt sich auch auf \u201eKarma Obscur\u201c, anscheinend ein Wortspiel mit \u201eCamera obscura\u201c, wider, in dessen musikalischem Inhalt, man h\u00f6re insbesondere \u201eThe right move\u201c, weitgehend Instrumentalfunk mit deutlichem Jazzeinschlag gespielt wird, was die Anwesenheit zweier Trompeter, eines Saxophonisten und eines Posaunisten sicherlich beg\u00fcnstigt. Dass die Musiker dazwischen (etwa gegen Ende von \u201eStraight Ahead\u201c) auch mal hart rocken oder dem Mathrock (\u201eExcept I\u2019m 65\u201c) fr\u00f6nen, im Titelst\u00fcck \u201eKarma Obscur\u201c gar crimsonesque ans Werk gehen, ist dabei so beachtens- wie h\u00f6renswert.\nAndere Rezensenten beschreiben \u201eKarma Obscur\u201c im unerkl\u00e4rten Konjunktiv als \u201eFunk-Prog f\u00fcr die anspruchsvolle H\u00f6rerschaft mit einem unerm\u00fcdlich komplex groovenden Bassgitarristen\u201c zusammen. Das kann man so gelten lassen.\nReinh\u00f6ren: Schwierig \u2013 warum nicht mal \u00fcber Bandcamp?\nHinds \u2013 I Don\u2019t Run\nAnd all these random melodies sound again\u201c (Finally Floating)\nSpanien ist nicht nur f\u00fcr seine Lebensmittel, seine Siestas und seine bedauerliche Innenpolitik bekannt, sondern ist auch in meinen halbj\u00e4hrlichen R\u00fcckblicken bisher ein wenig zu kurz gekommen. Das soll sich mit Hinds nun \u00e4ndern. Hinds (\u201eHirschk\u00fche\u201c) hie\u00dfen bis 2014, wei\u00df das Internet, Deers (\u201eHirsche\u201c), aber die ungeahnt unh\u00f6fliche und mir unbekannterweise bereits jetzt unsympathische kanadische Musikgruppe The Dears hielt das f\u00fcr keinen so guten Namen.\nDie Umbenennung hatte aber nicht nur negative Folgen (wahrscheinlich war in der Folge etwas organisatorischer Aufwand vonn\u00f6ten), sondern auch positive: Die Hinds sind seit ihrem Bestehen \u2013 anfangs als Duo, inzwischen als Quartett \u2013 eine ausschlie\u00dflich von Frauen gef\u00fchrte Gruppe. Dass diese ihr aktuelles Album ausgerechnet \u201eI Don\u2019t Run\u201c nannte, was s\u00e4mtliche Vorurteile \u00fcber Frauensport\u2026 aber ich schweife ab.\nDer Titel des Albums verr\u00e4t es bereits: Trotz teilweise landessprachlicher Anf\u00e4nge ist die hier dominante Sprache Englisch. Das finde ich gut, denn gesungenes Spanisch steht in meiner absteigend nach R\u00fcmpfigkeit sortierten Naser\u00fcmpfliste nur aufgrund des Italienischen nicht an erster Stelle. Aber auch musikalisch ist das, was auf \u201eI Don\u2019t Run\u201c zu h\u00f6ren ist, nicht zu verachten: Was von der Band selbst (oder wenigstens ihrer Vermarktungsabteilung) \u201eGaragenpop\u201c genannt wird, h\u00f6rt sich wie eine sehr sommertaugliche Surfrockvariante mit einer geh\u00f6rigen Portion von heutigen Jugendlichen schon wieder fast vergessener Indiegaragenmusik (The Hives, The Strokes und so weiter).\nDass die Hinds wenigstens gesanglich noch ein wenig Riot-Grrrl-Pathos hinzuf\u00fcgen, indem sie den mal ein- (\u201eNew For You\u201c), mal mehrstimmigen (\u201eFinally Floating\u201c) Gesang nicht popstarhaft in das ansonsten Geh\u00f6rte einflechten, sondern ihn als schrillen Kontrapunkt pr\u00e4sentieren, rundet \u201eI Don\u2019t Run\u201c, wie ich meine, erst ab. Wer zu lange nichts von The Velvet Underground geh\u00f6rt hat, dem d\u00fcrften Hinds ebenso gro\u00dfe Befriedigung verschaffen wie all jenen, die deren sp\u00e4te Nachfolger im Geiste leider verpasst haben. Es lebe Spanien, sozusagen.\nReinh\u00f6ren: Wie auch die Vorg\u00e4ngeralben gibt es \u201eI Don\u2019t Run\u201c auf Bandcamp.com zum Stream und Kauf in vielerlei Formaten.\nBrother Grimm \u2013 Home Today, Gone Tomorrow\n\u201eWho put \u201aSax\u2018 in \u201aSaxony\u2018?\u201c (Still Afraid of Germany)\n\u201eHome Today, Gone Tomorrow\u201c ist beileibe kein M\u00e4rchen. Der Interpret Brother Grimm, der zwar wirklich Grimm, nicht jedoch wirklich Brother hei\u00dft, kommt ausgerechnet aus Berlin, macht aber Musik, die gar nicht klingt wie Musik aus Berlin. Im bl\u00f6de herumgenrenden Web kann man (hier: jemand von seiner Plattenfirma \u201eNOISOLUTION\u201c aus ebenfalls Berlin) sich zwischen \u201eGeisterhausblues\u201c und \u201eAlbtr\u00e4ume[n] in Fuckmoll\u201c gar nicht so recht entscheiden. Will man es? Ich will es nicht.\nStattdessen h\u00f6re ich so unvoreingenommen wie m\u00f6glich, was Brother Grimm mir zu erz\u00e4hlen hat. Das ist leichter, wenn man sich erst Notizen zum Album macht und dann ein wenig Hintergrundgeschichte recherchiert. Zum Gl\u00fcck bin ich Profi; wenngleich sich meine Professionalit\u00e4t zu meinem eigenen Bedauern auf das blo\u00dfe H\u00f6ren beschr\u00e4nkt, Brother Grimm aber ist Macher.\nWas es ist, das er macht, in wenige einfache Begriffe zu fassen ist aber auch f\u00fcr mich nicht leicht, denn auch \u201eHome Today, Gone Tomorrow\u201c ist ein Album der Vielfalt. Brother Grimms gebrochener und dennoch intensiv-warmer Gesang verleiht jedem Lied eine beachtliche Intimit\u00e4t, gewiss ist sonst nichts, nicht mal die Richtung, die im n\u00e4chsten Moment eingeschlagen werden wird. Irgendwo im musikalischen Geflecht zwischen Scott Walker, David Bowie und Nick Cave suchte man nicht allzu verkehrt, beg\u00e4be man sich denn \u00fcberhaupt auf eine Suche.\nDas er\u00f6ffnende \u201eA Letter to Bob\u201c bin ich als Akustikdoom zu beschreiben versucht, \u201eSharp\u2019s the Word\u201c hingegen als Noiserock mit mehr als nur ein bisschen Bluesbeif\u00fcgung. Moll und Blues: H\u00e4kchen dran. Das gilt f\u00fcr die beiden erstgenannten ebenso wie die folgenden St\u00fccke. Mit \u201eThe Black Lodge\u201c folgt aber erst einmal ein Instrumentalst\u00fcck, d\u00fcstere (\u201eGeisterhaus-\u201c?)Elektronik mit gelegentlichen Ausbr\u00fcchen. Fr\u00f6hlich wird es auf \u201eHome Today, Gone Tomorrow\u201c auch nicht mehr, da k\u00f6nnen noch so viele Titel wie \u201eAloha\u201c auftauchen. Wie auch \u201eEchoes\u201c ist dieses eher betr\u00fcblich. Wer dazu tanzt, ist selbst schuld. Unbedingt h\u00f6renswert ist der Freistilteil in der Mitte von \u201eAloha\u201c aber trotzdem, begleitet von unheilvollen Akkorden. Aloha!\nDie musikalische Weltreise von Brother Grimm setzt das Weltmusiklied \u201eBorn Under Punches\u201c fort, mit dem angejazzten \u201eStill Afraid of Germany\u201c wird es beinahe ein wenig radiotauglich, obwohl ich annehme, dass g\u00e4ngige Radiosender Lieder ohne Mitklatsch\u20114/4\u2011Takt gar nicht erst anh\u00f6ren wollen. Das Titelst\u00fcck, eine erschreckend gef\u00e4llige Ballade mit Gitarre und klopfendem Bass, geht schlie\u00dflich \u00fcber in einen \u201eHidden Track\u201c, eine recht noise-umklammernde Coverversion von ausgerechnet David Bowies \u201eHeroes\u201c, deren Darbietung aufgrund des herausgenommenen Tempos und der Instrumentaleskalation beinahe bedrohlich wirkt und deswegen ein stimmiger Abschluss f\u00fcr ein Album ist, das genau auf dieses versteckte St\u00fcck hingearbeitet zu haben scheint. Passt!\nReinh\u00f6ren: Ratet mal!\nVantomme \u2013 Vegir\nKommen wir von einem Einzelk\u00e4mpfer zu einer Zusammenarbeit.\nDer belgische Pianist, Komponist, Produzent, Mellotronist (u.a.) Dominique Vantomme hat f\u00fcr sein diesj\u00e4hriges Album \u201eVegir\u201c, auf dem kein Gesang stattfindet, mindestens gleichwertig prominente Unterst\u00fctzung gefunden. W\u00e4hrend am Schlagzeug der vergleichsweise unbekannte Jazzschlagzeuger Maxime Lenssens sitzt, steht Michel Delville (The Wrong Object, douBt, Machine Mass) an der Gitarre, gleichfalls meist im Jazz und dessen Spielarten aktiv. Nicht aus Belgien, eigentlich nicht einmal aus dem Jazz stammt hingegen der Mann am E\u2011Bass und am Chapman Stick, n\u00e4mlich der umtriebige Tony Levin (King Crimson, Liquid Tension Experiment, Stick Men).\nMit dessen dominantem, melodischem Bass ist konsequent w\u00e4hrend des gesamten Albums zu rechnen, was im Jazzrock \u2013 und darum handelt es sich bei \u201eVegir\u201c \u2013 grunds\u00e4tzlich ein gutes Zeichen ist. Die Grundstimmung ist entspannt, gar smooth, auch wenn Michel Delville von vornherein (\u201eDouble Down\u201c) den Groove mit mancher verspielter, mitunter temporeicher Freiform bereichert. Gelegentlich f\u00fchlt man sich so an die 80er- und Mitt-90er-Aufnahmen von King Crimson und deren ProjeKcts erinnert. Au\u00dfer Jazz- und gelegentlich (\u201eAgent Orange\u201c) auch Postrock darf sich der Schubladenfreund auch auf RIO/Avant (\u201eSizzurp\u201c) freuen, dargeboten mit Professionalit\u00e4t einer- und Freude am Experimentieren andererseits. Immer blo\u00df Jazz, so sch\u00f6n er auch ist, w\u00e4re unter dem Niveau der vier Musiker, sie m\u00fcssen niemandem mehr beweisen, dass sie Regeln beherrschen. Sie zu \u00fcberwinden ist die wahre Kunst.\n\u201eVegir\u201c sei, schrieb Thoralf Ko\u00df anderswo, ein \u201eprogressives Jazz-Rock-Album voller Harmonie und Experimente\u201c und das ist fast noch ein bisschen untertrieben. Eines jedenfalls ist es unbedingt: Nicht schlecht.\nReinh\u00f6ren: Auf YouTube gibt es diverse Videos, unter anderem eines, auf dem die Musiker beim Spielen von \u201eThe Self Licking Ice-cream Cone\u201c zu sehen sind. Das gesamte Album in voller L\u00e4nge gibt es via Bandcamp.com und Amazon.de als Stream und Kauf, leider aber nicht auf Vinyl.\nSammal \u2013 Suuliekki\n\u201eSuuliekki\u201c hei\u00dft auf Finnisch \u201eM\u00fcndungsfeuer\u201c. Trotzdem hat sich das finnische Quintett Sammal f\u00fcr sein drittes Album ein wenig Zeit gelassen, der Vorg\u00e4nger \u201eMyrskyvaroitus\u201c wurde immerhin schon 2015 ver\u00f6ffentlicht. Bemerkt habe ich die Band jedoch selbst erst 2018, das auf \u201eSuuliekki\u201c enthaltene \u201eYlistys ja kumarrus\u201c l\u00e4utete im April eine Woche ein.\nVon einer \u201ekauzigen\u201c und \u201epittoresk schrulligen\u201c Gruppe ist im Web die Rede, wenn versucht wird, Sammal zu beschreiben, was meinem ersten Eindruck durchaus entspricht. Das k\u00f6nnte mit dem Gesang zu tun haben, der nach dem Intro im Titelst\u00fcck einsetzt und in der Landessprache stattfindet, was eigentlich sehr gut, aber doch ungew\u00f6hnlich klingt und \u201eSuuliekki\u201c einen beinahe folkigen touch verleiht. Auf mindestens einem Pressefoto zum Album stehen die f\u00fcnf mehrheitlich haarigen Herren folgerichtig in einem Wald herum. Warum sich auf dem Coverbild zwei Pinguine anscheinend pr\u00fcgeln, wei\u00df ich aber nicht.\nDie Musik selbst allerdings ist weit von Volksmusik entfernt, stattdessen h\u00f6re ich Neoprog mit viel Keyboard (wer auch die leider aufgel\u00f6sten Beardfish mag, der m\u00f6ge sich hier eingeladen f\u00fchlen), manchmal (\u201eVitituksen valtameri\u201c, was f\u00fcr eine faszinierende Sprache!) auch mit etwas mehr Gitarre. \u201eNeoprog\u201c ist aber vielleicht auch etwas hoch gegriffen, denn, wie sich das f\u00fcr skandinavische Bands geh\u00f6rt, bringen Sammal eine geh\u00f6rige Portion retro mit. Hatten wir schon einen Vergleich mit Uriah Heep? Hier haben wir noch einen.\n\u201eAm Ende\u201c, schrieb \u201eMario\u201c f\u00fcr das \u201eHandwrittenMag\u201c, seien Sammal aber \u201eeinfach nur Sammal\u201c, f\u00fcr einen Geheimtipp seien sie jedenfalls zu schade. Dem kann ich beipflichten und hoffe, hiermit meinen Beitrag zur Verbesserung geleistet zu haben.\nReinh\u00f6ren: Auf Bandcamp.com kann man das Album zwar h\u00f6ren und kaufen, aber leider zurzeit nur als \u201edigitales Album\u201c, also als fl\u00fcchtige Kopie. F\u00fcr Anspielen und handfeste Tontr\u00e4ger rate ich zu Amazon.de.\nChromium Hawk Machine \u2013 Annunaki\nKeine Sorge: Mit Enten hat \u201eAnnunaki\u201c nichts zu tun. Die eigentlich anders geschriebenen Anunnaki waren, glaubt man ausnahmsweise den Inhalten der Wikipedia, vielmehr die mesopotamischen G\u00f6tter der Unterwelt.\nUm so erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet eine Space-Rock-Gruppe ein Album dieses Titels aufnimmt, denn mit dem Weltall hat die Unterwelt ja nur bedingt etwas zu tun. Chromium Hawk Machine aus den USA sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Helios Creed, Gitarrist von Chrome, und Nik Turner, mit einer Unterbrechung bis 1984 bei Hawkwind an Saxophon und Fl\u00f6te t\u00e4tig. Das k\u00f6nnte den Bandnamen erkl\u00e4ren. Mit ihnen in der Band ist Jay Tausig an Schlagzeug, Synthesizern und Bass, der aber, so weit ich das herausgefunden habe, nie in einer Gruppe gespielt hat, die irgendwas mit \u201eMachine\u201c hie\u00df. Vorn auf dem genre\u00fcblich schrecklichen Coverbild prangt jedoch vor allem der Name Nik Turners in genre\u00fcblich schrecklicher Schrift, der dort als einziger der drei Musiker komplett in Gro\u00dfbuchstaben zu lesen ist. Ehre, wem Ehre geb\u00fchrt. Laut Internet ist \u201eAnnunaki\u201c bereits seit 2017 zu haben, die Bandcampseite zum Album behauptet aber, die Ver\u00f6ffentlichung sei erst am 28. Februar 2018 erfolgt. Ich bin mal mutig und nehme es in diese Liste auf.\nDas Album beginnt mit hektischem RIO/spacigem Jazzrock unter bestm\u00f6glicher Ausnutzung der Stereotechnik, nicht un\u00e4hnlich der Hochphase von Gong, vermengt mit Sprachfetzen: \u201eCosmic Explosion\u201c, bereits eine Viertelstunde lang, ist genau das, was sein Titel behauptet. Erstmals erscheint (verzerrter) Sprechgesang, den sich auf dem Album Nik Turner und Helios Creed teilen, wie anderswo zu lesen ist. Ich wage keine Zuordnung, stelle aber fest, dass Spacerock und Sangeskunst miteinander tendenziell eher mittelgut harmonieren.\n\u201eTime and Terraforming\u201c und \u201eButtercups and Poppeyfields\u201c sind nerv\u00f6ser Industrial/Noise/Stoner Rock mit Fl\u00f6te, Saxophon und Klimax, vermutlich war hier eher der Chrome-Teil federf\u00fchrend. Im \u201eTitelst\u00fcck\u201c \u2013 naja, \u201eAnnunaki Come\u201c \u2013 wird wieder mehr gesprochen als gesungen, was gut ist, denn der S\u00e4nger orientiert sich auch hier an den Gong der 1970-er Jahre. Daevid Allen war nie ein besonders \u00fcberragender Darbieter von Melodien. Bei \u201eAnother System (The Adam is Born)\u201c handelt es sich um eine Art melodischen Spacefolk, mein Hirn assoziiert sofort Circulus, aber auch The Moody Blues; es folgt ein ausgedehnter Instrumental-Industrial-Teil mit zusehends st\u00e4rkerem Jazzfundament.\n\u00dcberraschungen? Aber gern! \u201eCrying Moon, Dying Sun\u201c ist der schwer schleppende Gegensatz zum vorherigen St\u00fcck. Es ist 32:26 Minuten lang. Andere machen mit dieser Zeit ein ganzes Album voll. Es gibt groovenden Bass und schneidende Gitarre, etwa zur H\u00e4lfte auch ein wenig Can in ihrer besonders rohen Fr\u00fchphase und vergleichbar krautig-elektronische Zeitgenossen. \u201eThey\u2019re Buying Time\u201c und \u201eMy Fuzzy Fantasy\u201c sind schlie\u00dflich zwei sch\u00f6n groovende, luftige Spacerock-Kleinode mit (wiederum) Fl\u00f6teneinsatz zum Abschluss des Albums. Auch \u201eMy Fuzzy Fantasy\u201c kommt nochmals auf beinahe 20 Minuten Dauer, insgesamt bekommen Chromium Hawk Machine hier eine Stunde und 46 Minuten und damit zwei CDs voll, ohne dabei irgendwelche L\u00e4ngen zu erzeugen, die man lieber schnell \u00fcberspringen m\u00f6chte.\nDa w\u00e4re jedes Reinh\u00f6ren beinahe verschwendet. Wer es denn unbedingt trotzdem tun m\u00f6chte: Bandcamp.com steht zur Seite.\nNeurosenbl\u00fcte \u2013 Disziplin AKUT\nIm Sommer 2016 tauchte erstmals die bizarre Hamburger Musikgruppe Neurosenbl\u00fcte in meinem Wahrnehmungsfeld auf. Ich freute mich damals \u00fcber eine \u201eRezension, die sich sozusagen von allein schreibt\u201c, indem ich einfach den Werbetext zum Album \u00fcbernahm.\nAuch diesmal haben sie selbst einen geschrieben. Auch diesmal ist er besser als alles, was ich dazu schreiben k\u00f6nnte:\nAuf DISPLIZIN AKUT verzichten wir auf jeglichen Gesang und liefern ein etwa einst\u00fcndiges Instrumentalbum, das sich wieder mal unsittlich quer durch die Musik fummelt.\nNeben Reihentechniken und freier Atonalit\u00e4t gibt es nat\u00fcrlich wieder reichlich krumme Dinger, Polymetrik aus dem stevesten Reich, eine klassische \u201eSweet\u201c, die sich nicht gewaschen hat und ein wenig improvisierten Schabernack, als nervenerodierende Intermezzi.\nAuf der Bandcampseite zum Album ist au\u00dferdem zu lesen:\nComes in a nice \u201eKartonstecktasche\u201c.\nWelches andere Album kann das schon von sich behaupten?\nReinh\u00f6ren: Na gut, einmal Bandcamp geht noch.\nWar es das schon? Fast! Weitere Alben im Schnelldurchlauf:\nCabbage \u2013 Nihilistic Glamour Shots\nTrotz textlicher \u00c4rgernisse \u2013 so scheint \u201eMolotov Alcopop\u201c etwa ein Loblied auf Molotowcocktails zu sein \u2013 ist \u201eNihilistic Glamour Shots\u201c wenigstens musikalisch undoofer Postpunk (beziehungsweise Country, \u201eExhibit A\u201c) mit 70er-Charme. Amazon.de.\nMalady \u2013 Toinen toista\n\u201eToinen toista\u201c ist epischer (allein \u201eNurja puoli\u201c ist bereits 23 Minuten lang!), mitunter crimsonesquer Psychedelic Rock aus Finnland mit Fl\u00f6te, Streichern und unpeinlichem Gesang in der Landessprache. SoundCloud, TIDAL, Amazon.de.\nle_mol \u2013 Heads Heads Heads\nHier gibt es instrumentalen, um Soundscapes herum entwickelten Postrock aus Wien mit gro\u00dfen Vorbildern zu h\u00f6ren: Das dritte St\u00fcck, auf dem es dann endlich auch einmal etwas lauter wird, hei\u00dft \u201ele_mol fear Mogwai\u201c, aber die beiden \u00d6sterreicher arbeiten daran, selbst eine Furcht einfl\u00f6\u00dfende Gitarrenband zu werden. Bandcamp.com.\nBlackWater HolyLight\nDie US-amerikanische Damencombo BlackWater HolyLight spielt auf ihrem Deb\u00fctalbum einen erstaunlich dunklen Bluesrock mit Postpunkanleihen, der trotz des Bandnamens doch erfreulich unchristlich heraufdonnert. Bandcamp.com.\nHot Snakes \u2013 Jericho Sirens\nKalifornische, energetische Rockmusik, der man ihre sommerliche Herkunft begeistert anh\u00f6rt. Bandcamp.com.\nDemob Happy \u2013 Holy Doom\nWas aussieht wie Doom und hei\u00dft wie Doom, ist manchmal gar kein Doom, sondern beatlesquer Sommerrock \u2013 und damit jetzt gerade genau das Richtige. Amazon.de, TIDAL.\nDDENT \u2013 Toro\nAusgerechnet Franzosen errichten unter Zuhilfenahme instrumentalen, fantastisch dr\u00f6hnenden Post-Metals mit flirrenden Gitarren bunte Klangwelten, die gelegentlich den Ausbr\u00fcchen Meniscus\u2018 wenigstens \u00e4hneln. Bandcamp.com.\nBlack Moon Circle \u2013 Psychedelic Spacelord\nIn einem einzigen fast 47-min\u00fctigen St\u00fcck exerzieren die mir zuvor unbekannten Norweger Black Moon Circle gemeinsam mit den Synthesizern des \u00d8resund Space Collectives den im Hardrock der 1970er Jahre verwurzelten, psychedelisch gejammten Spacerock mit Gesang, Orgel und Geige (Geige!) vortrefflich durch. Bandcamp.com.\n\nUnd sonst so? 2018 erst mal nichts, in den letzten Jahrzehnten daf\u00fcr eine Menge!\n2. Alt und sch\u00f6n.\n\nVor 40 Jahren:\n1978, nach dem Hardrock und vor dem New Wave, befand sich die Musikwelt in einer Kreativit\u00e4t f\u00f6rdernden, weil instabilen Phase. Der in gro\u00dfen Sch\u00fcben erfolgende Umbruch in der Musik r\u00fcckte einstige Konstanten aus dem Blickfeld, Cans zehntes Studioalbum Out of Reach hie\u00df insofern schon ganz richtig. Ausgerechnet die Rolling Stones zollten auf Some Girls sowohl dem Punk (\u201eShattered\u201c) als auch der Discomusik (\u201eMiss You\u201c) Tribut. Die im Vorjahr gegr\u00fcndete italienische Punk- und sp\u00e4tere New-Wave-Band Decibel ver\u00f6ffentlichte unter dem Namen Punk ihr Deb\u00fctalbum, lie\u00df aber sp\u00e4ter leider kein Album namens \u201eNew Wave\u201c folgen. W\u00e4hrend sich wenigstens Jethro Tull mit Heavy Horses noch bedingungslos treu blieben, ob nun im Guten oder im Schlechten, war das Ende der Ver\u00e4nderungen noch l\u00e4ngst nicht erreicht: In England nahm die Punkband Warsaw ihr erst 1994 ver\u00f6ffentlichtes Deb\u00fctalbum auf, beschloss aber noch w\u00e4hrend der Aufnahmen eine Namens\u00e4nderung. Sie sollte fortan als Joy Division bekannt werden.\nVor 30 Jahren:\nZehn Jahre sp\u00e4ter war au\u00dferhalb des undergrounds nicht mehr viel Bewegung zu verzeichnen: W\u00e4hrend dort Skinny Puppy mit VIVIsectVI verst\u00f6rten, die kurzlebige Thrash-Metal-Band Realm mit Endless War deb\u00fctierte und die arbeitsw\u00fctige Post-Punk-Gruppe The Fall ganze zwei Alben (The Frenz Experiment und I Am Kurious Oranj) ver\u00f6ffentlichte, implodierte das, was oft als \u201eDeutschrock\u201c verallgemeinert wird: Die noch nicht g\u00e4nzlich zu einer lauteren Schlagerband verkommenen Toten Hosen vertonten auf Ein kleines bisschen Horrorschau die ungef\u00e4hre Handlung von \u201eUhrwerk Orange\u201c, die Droogs von den Die \u00c4rzte \u2013 das \u201eDie\u201c sei, hei\u00dft es, Teil des Bandnamens und damit nicht zu deklinieren \u2013 hingegen lie\u00dfen ihre Karriere im gleichen Jahr mit einem mittelgro\u00dfen Knall (Das ist nicht die ganze Wahrheit \u2026, Nach uns die Sintflut, anschlie\u00dfend Aufl\u00f6sung) ein vorl\u00e4ufiges Ende nehmen.\nVor 20 Jahren:\nDie inzwischen, geringf\u00fcgig umbesetzt, wieder vereinten Die \u00c4rzte ver\u00f6ffentlichten 1998 auf 13 das bis heute einzige Lied ihrer Karriere, das ihnen bis heute peinlich ist. Es w\u00e4re falsch, sie daf\u00fcr anzuprangern, denn auch der Autor dieser Zeilen durchlebte im selben Jahr eine im Nachhinein recht peinliche Phase, prall gef\u00fcllt mit den gerade aktuellen Werken von Madonna, WestBam, Space Frog, Fatboy Slim, Music Instructor und dergleichen. Dass 1998 au\u00dferdem Tortoise mit TNT und Ruins mit Vrresto unbedingt h\u00f6renswerte Alben ver\u00f6ffentlichten, konnte ich nicht ahnen. Zum Gl\u00fcck hat sich das sp\u00e4ter gelegt.\nVor 10 Jahren:\n2008 begann der Aufstieg der anscheinend bis heute bestehenden Rockband 1000 Robota, die im selben Jahr eine EP (Hamburg brennt) und das Album Du nicht er nicht sie nicht auf den Markt werfen lie\u00dfen. Seit 2010 gab es jedoch kein weiteres Album von ihnen. Auch Cogs herrliches Sharing Space blieb das letzte Album vor deren Aufl\u00f6sung. Gerade erst angefangen haben auch die deutschen Postrockwunder Dear John Letter mit Between Leaves | Forestal, dem ich \u201ezeitnah\u201c, wie es auf Neudeutsch hei\u00dft, eine Rezension gewidmet hatte. Ob sie noch existieren, wei\u00df ich leider nicht, einige der Mitglieder machen mit Carpet jetzt jedenfalls nicht mehr ganz so gute Musik. Weiterhin existieren ihre Landsleute von Blackmail, die 2008 das Album Tempo Tempo ver\u00f6ffentlicht haben, und auch die Macher des Albums Violently Delicate, die israelischen Musiker von Eatliz, sind bis heute zusammen, wenn auch nach mancher Umbesetzung l\u00e4ngst nicht mehr so berauschend wie noch vor einem Jahrzehnt. Man wird sehen, wie ich in zehn Jahren dar\u00fcber urteile.\n\nF\u00fcr heute jedenfalls ist hier Schluss \u2013 meinen Dank an alle ausdauernden Leser.\nWie \u00fcblich gilt: Habe ich ein Album \u00fcbersehen, freue ich mich unter Umst\u00e4nden \u2013 so lange Phil Collins nicht mitspielt \u2013 \u00fcber einen Hinweis. Der zweite Teil wird, ebenfalls wie \u00fcblich, voraussichtlich am Jahresende folgen. Hoffentlich macht das Jahr in dieser Qualit\u00e4t weiter!\nKommentareHirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: Merzbow, Keiji Haino, Balazs Pandi \u2013 An Untroublesome Defencelessness schrob am 20. April 2019 dies: [\u2026] einer Redepause intensiviert sich ein Fabrikhallen-industrial, wie ich ihn unter anderem bei Plurals schon zu h\u00f6ren das Vergn\u00fcgen [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: le_mol \u2013 White Noise Everywhere schrob am 31. Mai 2020 dies: [\u2026] Furcht einfl\u00f6\u00dfende Gitarrenband ist das Wiener Shoegazeduo le_mol entgegen meiner Vermutung bisher nicht geworden, obwohl es auf seinem vierten Album mitunter doch recht bedrohlich zugeht: [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 19 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Ein seltsames Jahr 2017 ist fast zu Ende und hat in seiner zweiten Jahresh\u00e4lfte noch schnell ein paar einflussreiche Musiker, darunter die H\u00e4lfte von <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Jaki Liebezeit</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Holger Czukay</span>), <span class=\"musik-review-bandname\">John Abercrombie</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Walter Becker</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Charles Manson</span>, den jeweils n\u00e4chsten Tag nicht mehr erleben lassen. Zum Gl\u00fcck wachsen immer wieder neue Musiker nach, die sich auf alte Tugenden besinnen. Von einigen von ihnen soll heute anl\u00e4sslich des zweiten Teils der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">besten Musikalben 2017</span> die Rede sein.</p>\n<p>Da der <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">erste Teil</a> merklich k\u00fcrzer als \u00fcblich geraten war, blieb f\u00fcr den zweiten nat\u00fcrlich eine Menge Musik \u00fcbrig. Vorzeitig befasst hatte ich mich seit Juli bereits mit den aktuellen Alben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/07/kurzkritik-ex-eye/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Ex Eye</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/08/kurzkritik-ohhms-the-fool/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">OHHMS</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/08/kurzkritik-hundredth-rare/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Hundredth</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/09/kurzkritik-reflections-in-cosmo/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Reflections in Cosmo</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/09/kurzkritik-igorrr-savage-sinusoid/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Igorrr</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/10/kurzkritik-leffondras-les-flavescences/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">L\u2019Effondras</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/10/kurzkritik-the-narcotic-daffodils-summer-love/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">The Narcotic Daffodils</span></a>. Dennoch war das Jahr noch produktiv genug f\u00fcr eine lange Liste an noch unausgesprochenen Empfehlungen.</p>\n<p><span id=\"more-13302\"></span>N\u00e4mlich f\u00fcr diese:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Lang und breit.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/broeselmaschine-indian-camel.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_broeselmaschine-indian-camel.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Br\u00f6selmaschine \u2013 Indian Camel</span>\n<p>Bevor <span class=\"musik-review-bandname\">Helge Schneider</span> sich dem Klamauk, wie man heute so sch\u00f6n sagt, <em>opferte</em>, war die Profession, mit dem ihn die Menschen wohl am meisten verbanden, die einigerma\u00dfen seri\u00f6se Musik, f\u00fcr die er heute zu Unrecht vergleichsweise wenig bekannt ist. In den 1970-er Jahren etwa spielte er in der schon namentlich ziemlich cannabisumw\u00f6lkten \u2013 im Wortsinne \u2013 Krautrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Br\u00f6selmaschine</span>, zu der er sp\u00e4ter, zuletzt im Jahr 2005, gelegentlich wieder zur\u00fcckkehrte.</p>\n<p>Die Band <span class=\"musik-review-bandname\">Br\u00f6selmaschine</span> aus <em>ausgerechnet</em> Duisburg, aus deren Mitte vor allem der Gitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Bursch</span>, dessen Lehrb\u00fccher zwecks Erlernens des Gitarrenspiels wohl eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, sich immer mal wieder auf allerlei B\u00fchnen zu sehen ist, hatte ihr viertes und bis dato letztes Studioalbum \u201eGraublau\u201c 1985 ver\u00f6ffentlicht, seitdem gab es zwar noch manche Konzerte, jedoch keine neuen, allgemein erh\u00e4ltlichen St\u00fccke mehr. Mit \u201eIndian Camel\u201c wurde dieser Umstand nun korrigiert: 32 Jahre nach dem Vorg\u00e4ngeralbum hat sich eine siebenk\u00f6pfige Besetzung, darunter die erst 2014 eingestiegene S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Liz Blue</span>, mit drei G\u00e4sten, zu denen auch <span class=\"musik-review-bandname\">Helge Schneider</span> am Saxophon statt, wie einst, als Organist geh\u00f6rt, zusammengefunden, um einen vertonten Haschtag \u2013 nicht: <em>hashtag</em> \u2013 aufzunehmen, der diese R\u00fcckschau angenehm entspannt einleiten darf.</p>\n<p>Dass mit \u201eChildren of the Revolution\u201c ein Lied von <span class=\"musik-review-bandname\">T.Rex</span>, mit denen <span class=\"musik-review-bandname\">Br\u00f6selmaschine</span> vor Jahrzehnten bereits gemeinsam aufgetreten waren, als Coverversion auf \u201eIndian Camel\u201c zu finden ist und bei der Gelegenheit als prima Rockmusikst\u00fcck auch beredt Zeugnis \u00fcber die Wandlungsf\u00e4higkeit der Gruppe ablegt, \u00e4ndert nichts an der Eigent\u00fcmlichkeit, die \u201eIndian Camel\u201c umgibt. Im Titelst\u00fcck wird wie auch an anderer Stelle \u2013 passend zum Namen \u2013 Indisches mit Weltmusik und Blues mit akustischer Gitarre verbunden. Irgendwo im Web ist von einem \u201ehypnotischen Trip\u201c die Rede, von einer \u201eNummer f\u00fcr die Geschichtsb\u00fccher\u201c gar, und ich mag angesichts mancher klanglicher Grausamkeit des Jahres 2017 da auch gar nicht widersprechen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Schnipsel gibt es auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Indian-Camel-Colored-Vinyl-LP/dp/B06ZXX5JGB/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, den Rest auf <a href="\&quot;https://tidal.com/album/74177198\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/ulver-the-assassination-of-julius-caesar.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_ulver-the-assassination-of-julius-caesar.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Ulver \u2013 The Assassination of Julius Caesar</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSigh, my heart, but do not break\u201c</span> (Coming Home)\n<p>\u00dcber den altr\u00f6mischen Feld- und Kriegsherrn Julius C\u00e4sar, anfangs bestechender, schlie\u00dflich erstochener Herrscher des R\u00f6mischen Reiches kurz vor der sog. \u201eZeitenwende\u201c, ist manches gesichert bekannt, manches jedoch romantisierte Erfindung. Der Romantisierung selten verd\u00e4chtigt wird das norwegische Sextett <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span>, das seinen anf\u00e4nglichen <em>typisch skandinavischen</em> Black Metal schon bald nach seiner Gr\u00fcndung diversifizierte. Sein diesj\u00e4hriges Studioalbum \u201eThe Assassination of Julius Caesar\u201c, anderswo als das \u201eeinzige relevante <span class=\"musik-review-bandname\">Depeche-Mode</span>-Album\u201c des Jahres bezeichnet, schafft das Kunstst\u00fcck, gleichzeitig f\u00fcr Metal- und Pop-Blogs von Interesse zu sein, wof\u00fcr die Musik nicht einmal unbedingt etwas kann.</p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird hier klanglich tief in die New-/Dark-Wave-Kiste gegriffen. Den gezogenen Vergleich teile ich pers\u00f6nlich nicht, denn wo <span class=\"musik-review-bandname\">Depeche Mode</span> z\u00e4h wabern, haben es <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span> mehr mit d\u00fcsterem Dr\u00f6hnen. In einer einfacheren Welt w\u00e4re dies hier vermutlich schlicht \u201eelektronische Tanzmusik\u201c, aber dieses Etikett ist seit der Discowelle untauglich geworden. Ich h\u00f6re die j\u00fcngste, d\u00fcsterste Inkarnation von <span class=\"musik-review-bandname\">Crippled Black Phoenix</span> (\u201eSo Falls The World\u201c) ebenso wie \u2013 in den freif\u00f6rmigeren Momenten \u2013 <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Neu!</span> (\u201eRolling Stone\u201c). <a href="\&quot;http://www.darklyrics.com/lyrics/ulver/theassassinationofjuliuscaesar.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Textlich</a> ist die Zeit der C\u00e4saren nur ein Teil des Umfassten, es geht um mancherlei prominenten Tod der vergangenen Jahrzehnte und Jahrtausende, darunter auch die Morde der \u201eFamily\u201c des vor kurzem verstorbenen <span class=\"musik-review-bandname\">Charles Manson</span> (\u201e1969\u201c). Anspruch darf es ja immer auch noch sein.</p>\n<p><em>Nat\u00fcrlich</em> t\u00e4uscht das nicht dar\u00fcber hinweg, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span> hier eine Kiste entstauben, die man meist <a href="\&quot;http://static.nichtlustig.de/toondb/010530.html\&quot;" data-wpel-link="internal">lieber geschlossen</a> l\u00e4sst, n\u00e4mlich die der musikalischen 80-er Jahre, aber sie tun es mit Stil und ohne K\u00e4sekeyboards, was allein schon eine Erw\u00e4hnung wert w\u00e4re; dass <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span> es <em>insgesamt</em> schaffen, dass mir ein Album, dessen Inhalt anderswo schlicht als \u201eSynthie-Pop\u201c beschrieben wird, gut gef\u00e4llt, tut ein \u00dcbriges. Das Beste allerdings bleibt, dass nicht abzusehen ist, wie das Nachfolgealbum klingen wird, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span> bleiben ungern stehen. Ich jedenfalls empfehle ein kurzes Innehalten zwecks Genusses dieses Albums.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <span class=\"musik-review-bandname\">Ulver</span>  streamen auf <a href="\&quot;https://ulver.bandcamp.com/album/the-assassination-of-julius-caesar\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, aber auch <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Assassination-Julius-Caesar-Black-Vinyl/dp/B06XC4X61Z/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> erm\u00f6glicht kurzes Anh\u00f6ren und Kauf.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/gnod-just-say-no-to-the-psycho-right-wing-capitalist-fascist-industrial-death-machine.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_gnod-just-say-no-to-the-psycho-right-wing-capitalist-fascist-industrial-death-machine.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Gnod \u2013 Just Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine</span>\n<p>Gelegentlich schlendere ich durch Gesch\u00e4fte, die tats\u00e4chlich Filialen besitzen, also \u201eoffline\u201c existieren, und schaue dort die einschl\u00e4gigen Vinylangebote an. Manchmal begegne ich interessanten Neuauflagen sehr gesch\u00e4tzter Altwerke, selten aber auch mir bis dahin v\u00f6llig unbekannte Alben, deren Aufmachung allein mich neugierig macht. So ging es mir auch bei \u201eJust Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Gnod</span>: W\u00fcrde das Enthaltene wirklich so liebensw\u00fcrdig schlecht sein wie es den Anschein hat?</p>\n<p>\u00dcberraschend stellt sich heraus: Das ist tats\u00e4chlich der Fall. <span class=\"musik-review-bandname\">Gnod</span> \u2013 Deb\u00fctalbum: \u201eIngnodwetrust\u201c, Spa\u00df an der Sache bringen die Musiker also mit \u2013 ist eine britische Band, der trotz ihrer Selbstbeschreibung als \u201ePsych-Electronic-Combo\u201c und ihrer Herkunft von manchen Rezensenten das Etikett \u201eKrautrock\u201c angeheftet wird, was \u00fcber das Prinzip der Etikettierung selbst manches aussagt. Musikalisch stecken au\u00dfer <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> hier n\u00e4mlich durchaus andere \u00dcberraschungen drin: Trotz beachtlichen Wortreichtums ist das Gebotene im Prinzip prima Postpunk.</p>\n<p>Man m\u00f6ge sich von dieser schlichten Beschreibung nicht irreleiten lassen, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Gnod</span>, eine \u201eBand unheiliger Kakophonie\u201c (Benjamin Bland, \u201eDrowned in Sound\u201c) geben in der Tat mehr Musik preis als die Genrekollegen <span class=\"musik-review-bandname\">Sleaford Mods</span>, deren karges Tun regelm\u00e4\u00dfigen Lesern bereits <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Juli</a> begegnet sein k\u00f6nnte, und machen auch vor einem Genre\u00fcbergriff in den Industrialbereich nicht Halt. Thematisch wie musikalisch ist \u201eJust Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine\u201c ein Album der totalen Verweigerung, griffige Mitbr\u00fcll-Protestmusik ist hier nicht zu erwarten. <span class=\"musik-review-bandname\">Gnod</span> begegnen ihrer feindlichen Umwelt stattdessen mit f\u00fcnf teils langen St\u00fccken (\u201eStick In the Wheel\u201c ist \u00fcber 12 Minuten lang) in recht unterschiedlicher Manier: \u201eBodies For Money\u201c beginnt mit jaulender Gitarre und klassischem Garagen-Punk, geht dann \u00fcber in einen beinahe <em>jazzigen</em> Mittelteil, in dem der Refrain ungeduldig klingend gesprochen wird, eskaliert schlie\u00dflich aber anschwellend in ein fabelhaftes Instrumentenspektakel. W\u00e4hrend das zehnmin\u00fctige \u201ePeople\u201c auch mit seinem erneut <em>total durchdrehenden</em> Endteil eher im New Artrock zu Hause ist, bewegen sich \u201ePaper Error\u201c und \u201eReal Man\u201c augenscheinlich im schlichten Punkrock, fallen aber auf den zweiten Blick beziehungsweise H\u00f6r dadurch auf, dass die Band neben dem, was vielleicht anderswo Geschrammel hie\u00dfe, eher einen psychedelisch-repetitiven Hardrock spielt, der in der Klischeepunkkneipe nicht verstanden w\u00fcrde. S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Neil Francis</span> dr\u00e4ngt sich niemals in den Vordergrund, was eine angenehme Abwechslung zu manch anderer Br\u00fcllpunkband, etwa aus D\u00fcsseldorf, darstellt.</p>\n<p>\u201eStick In the Wheel\u201c schlie\u00dflich vermengt vor allem in den ersten drei Minuten Postpunk mit Industrial, um dann pl\u00f6tzlich einen instrumentalen, \u201ekrautigen\u201c RIO/Avant-Teil einzul\u00e4uten, der so schnell verschwunden wie gekommen ist, um Platz f\u00fcr acht Minuten ausgedehnten Elektrojazzes zu machen, der (vielleicht unbewusst) rhythmisch <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talks</span> einmaliges \u201eDesire\u201c ebenso zitiert wie lateinamerikanische T\u00e4nze. Ein Stock im Rad der Genrefetischisten? M\u00f6glich w\u00e4r\u2019s. Einfach \u201eNein\u201c sagen? Ich sage \u201eJa\u201c \u2013 jedenfalls zu <span class=\"musik-review-bandname\">Gnod</span>.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Stream und Kauf stellt die Band auf <a href="\&quot;https://gnod.bandcamp.com/album/just-say-no-to-the-psycho-right-wing-capitalist-fascist-industrial-death-machine\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> zur Verf\u00fcgung, auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=PsY3MhSpHvg\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> kann man einen Auszug aus einem ihrer Liveauftritte ansehen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/circle-terminal.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_circle-terminal.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Circle \u2013 Terminal</span>\n<p>Die wuselige Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span> ist jedenfalls mir zuerst <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Ende 2011</a> begegnet. Die umtriebige finnische Band \u00fcberrascht nach wie vor mit einer enormen Ver\u00f6ffentlichungsfrequenz: Seit der Gr\u00fcndung im Jahr 1991 erschien eine Vielzahl an EPs, Live- und Studioalben, man benannte sich f\u00fcr die Dauer eines Albums (n\u00e4mlich \u201eFrontier\u201c von 2013) in <span class=\"musik-review-bandname\">Falcon</span> um und wieder zur\u00fcck. \u201eTerminal\u201c ist der erstaunlich lange erwartete Nachfolger des 2015 ver\u00f6ffentlichten Albums \u201ePharaoh Overlord\u201c und nach konservativer Sch\u00e4tzung \u2013 also abz\u00fcglich des teilweise aus \u00e4lteren Singles zusammengesetzten \u201eKollekt\u201c \u2013 das 31. Studioalbum der Band.</p>\n<p>Momentan hat sie sieben Mitglieder, nach wie vor an Bord ist Gr\u00fcnder, Bassist und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Jussi Lehtisalo</span>, der sich neben <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span> als Mitglied oder wenigstens Gast noch verschiedene andere Bands (darunter die beachtlichen <span class=\"musik-review-bandname\">Kirvasto</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Grumbling Fur</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Ektroverde</span>) hielt oder noch h\u00e4lt. Andere zeitgen\u00f6ssische Musiker bringen es nicht einmal auf eine einzige, sind aber bekannter und beliebter. Kreativit\u00e4t wird nicht mehr belohnt. Das ist schade f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span>, denn so entgeht ihnen eine Menge verdienter Aufmerksamkeit.</p>\n<p><em>Nat\u00fcrlich</em> gibt es auf \u201eTerminal\u201c, man m\u00f6ge nicht von pl\u00f6tzlichem Identit\u00e4tsverlust ausgehen, gewohnte <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span>-Kost, n\u00e4mlich vorz\u00fcglichen Stoner- und Spacerock, der auch diesmal wieder nicht klingt wie etwas, was man schon hundertmal geh\u00f6rt hat. Intensive, hypnotisch-repetitive Rhythmen mit ebenso intensivem Gesang (und Geschrei) des unver\u00e4ndert gro\u00dfartigen <span class=\"musik-review-bandname\">Mika R\u00e4tt\u00f6</span> dominieren die knappe Dreiviertelstunde Laufzeit, durchsetzt mit spannenden Einf\u00e4llen; in \u201eRakkautta al dente\u201c etwa scheint auch mal folkiger Mittelaltermetal durch.</p>\n<p>Eigentlich ist auf \u201eTerminal\u201c also alles wie immer \u2013 und es ist wie immer prima.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Terminal-Vinyl-LP-Circle/dp/B06Y5ZMR51?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> kann man in \u201eTerminal\u201c hinein- und es auf <a href="\&quot;https://tidal.com/album/73027501\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> vollst\u00e4ndig h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/bask-ramble-beyond.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_bask-ramble-beyond.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Bask \u2013 Ramble Beyond</span>\n<p>Wir wechseln nun wieder das Land und mit ihm den Kontinent: Aus Nordamerika, n\u00e4mlich North Carolina, stammt das Quartett <span class=\"musik-review-bandname\">Bask</span>, was auf Deutsch entweder \u201eSonnen\u201c und \u201eAalen\u201c oder gar nichts bedeutet, weil das \u00dcbersetzen von Eigennamen ja immer <em>so eine Sache</em> ist. Erfahrene Sprachbenutzer wissen, dass mit <em>so Sachen</em> besser nicht leichtfertig verfahren werden sollte.</p>\n<p>Auf \u201eRamble Beyond\u201c gibt es in sechs St\u00fccken, naturgem\u00e4\u00df allesamt nicht gerade in Supermarktradioformat, donnernde Musik zu h\u00f6ren, die weitgehend als einigerma\u00dfen psychedelischer Hard-/Stoner-Rock (\u201eunverf\u00e4lschter Rock\u201c schreibt Nadine Schmidt auf \u201eMetal.de\u201c) zu identifizieren ist, wenngleich \u201eThe Lonesome Sound\u201c passenderweise eher als allerdings recht energiereicher Bluesrock durchgehen mag. Ab Beginn (\u201eAsleep in the Orchard\u201c) vernehme ich erfreut, dass der Gesang hier nicht unn\u00f6tig dominant gemischt ist, sondern sich stattdessen sozusagen als stimmliche Leadgitarre in das Gesamtkonzept einf\u00fcgt. Es herrschen melodiefreudige Gitarrenspiele und Rhythmus, als seien Post- und Hardrock eine Allianz eingegangen, die jedenfalls ich so reif und kantenlos auch noch nie wahrgenommen habe. Ich mag das.</p>\n<p>Andreas Schiffmann <a href="\&quot;http://www.musikreviews.de/reviews/2017/Bask/Ramble-Beyond/\&quot;" data-wpel-link="internal">notierte</a> zu \u201eRamble Beyond\u201c:</p>\n<blockquote><p>\u201eRamble Beyond\u201c ist (\u2026) ein in sich stimmiges, nachhaltiges und episches, vor allem aber sehr eigenst\u00e4ndiges Werk im Kontext des andauernden Vintage-Rock-Treibens, irgendwo zwischen Prog, Post und Weltraum, falls das Sinn ergibt.</p></blockquote>\n<p>Das kann ich so stehen lassen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://basknc.bandcamp.com/album/ramble-beyond\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> stellt Stream und Kauf zur Verf\u00fcgung.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/the-electric-family-terra-circus.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_the-electric-family-terra-circus.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">The Electric Family \u2013 Terra Circus</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The Electric Family</span> ist ein 1996 von <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Redecker</span> gegr\u00fcndetes kommunen\u00e4hnliches \u2013 daher wohl der Name \u2013 Musikprojekt, an dem sich immer mal wieder verschiedene Musiker aus unterschiedlichstem Umfeld, darunter die mittlerweile verstorbenen <span class=\"musik-review-bandname\">Volker \u201eMist\u201c Kahrs</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Grobschnitt</span>) und <span class=\"musik-review-bandname\">Hagen Liebing</span> (unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span>), beteiligt haben. \u201eTerra Circus\u201c ist nach einer Ver\u00f6ffentlichungspause von etwa zehn Jahren das f\u00fcnfte Studioalbum der Band, die neben ihren Eigenkompositionen auch gelegentlich Lieder anderer K\u00fcnstler neu einspielen. Auf \u201eTerra Circus\u201c sind es zwei \u2013 aber fangen wir vorn an.</p>\n<p>\u201eVorn\u201c, das ist in diesem Fall das er\u00f6ffnende \u201eMovin\u2018&nbsp;\u201c, das eing\u00e4ngiger, aber sehr gef\u00e4lliger Mitwippbluesrock ist. Fast w\u00e4re es radiotauglich, w\u00e4re das St\u00fcck nicht doppelt so lang wie Radiosender es heutzutage zulassen. Der Gesang wirkt auf mich etwas \u00fcberpathetisch, aber daran soll es nicht scheitern. Es folgt die erste Coverversion: \u201eLucrecia, My Reflection\u201c ist genau das, wovon der musikalisch erfahrene Leser sofort beim Lesen ausgeht, wenn auch mehr an <span class=\"musik-review-bandname\">Elvis Presley</span> oder dem Blues-/Country-Rock von <span class=\"musik-review-bandname\">Bela B</span> als an den <span class=\"musik-review-bandname\">Sisters of Mercy</span> orientiert. <span class=\"musik-review-bandname\">Anders Becker</span> entlockt der Elektronik manches <em>Space</em>-Zirpen, ein ausgedehntes Gitarrensolo bestimmt die zweite H\u00e4lfte des St\u00fccks.</p>\n<p>Auch \u201eWhen Dizzyness Comes Around\u201c l\u00e4sst sich die Vorliebe der Musiker f\u00fcr Artverwandtes deutlich anmerken: <span class=\"musik-review-bandname\">Velvet Undergrounds</span>  oft vergessenes \u201eSqueeze\u201c, die Soloalben von <span class=\"musik-review-bandname\">Bela B</span> und die ersten zwei Alben von <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy Music</span> existieren hier pr\u00e4chtig nebeneinander. Das folgende \u201eMary, Mary, so Contrary\u201c ist ebenfalls eine Coverversion eines Klassikers, allerdings eines noch \u00e4lteren, denn das Original erschien auf dem offiziellen Deb\u00fctalbum \u201eMonster Movie\u201c der Krautrockpioniere <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>. Die verr\u00fcckte Psychedelik dieses Originals weicht in der Version von <span class=\"musik-review-bandname\">The Electric Family</span> einer sommerlich-leichten Stimmung, was zum \u00fcbrigen Album fraglos gut passt. Eigenst\u00e4ndigkeit geht eben auch mit Coverversionen.</p>\n<p>\u201eLandmark Visions II\u201c ist sozusagen die Fortsetzung von \u201eLandmark Visions\u201c vom 2002 aufgenommenen \u201eIce Cream Phoenix\u201c, diesmal jedoch nicht ganz so lang. Die bei <span class=\"musik-review-bandname\">The Electric Family</span> allgegenw\u00e4rtige Gitarre soliert, leider nur sehr kurz, hier angenehm disharmonisch. Apropos \u201esehr kurz\u201c: \u201eSantuario\u201c ist ein nicht einmal drei Minuten langes elektronisches Zwischenspiel, das ungef\u00e4hr so klingt, wie man sich indische Housemusik vorstellen w\u00fcrde, wenn man \u2013 wie der Schreiber dieser Zeilen \u2013 Housemusik nicht so gut kennt. \u201eTerra Circus\u201c endet schlie\u00dflich mit \u201eName the Dreamboat\u201c, das abermals sch\u00f6n ungeduldiger Gitarrenbluesrock ist, aber sich eines Postpunkeinschlags nicht erwehren kann. Statt Gesangs wird hier gesprochen \u2013 nicht die einzige Gemeinsamkeit mit den unvergleichlichen <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span> und allein schon ein Grund, in \u201eTerra Circus\u201c einmal bewusst hineinzuh\u00f6ren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Und zwar entweder auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Terra-Circus-Lim-Ed-Vinyl-LP/dp/B06XPXDKHB?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> oder auf <a href="\&quot;https://tidal.com/album/73946237\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/the-hirsch-effekt-eskapist.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_the-hirsch-effekt-eskapist.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">The Hirsch Effekt \u2013 Eskapist</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eLustlos, achtlos / f\u00e4llt ihm denn nicht mal was Neues ein?\u201c</span> (Xenophotopia)\n<p>Das bedauerlicherweise aus Hannover stammende Trio <span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span>, f\u00fcr das sich bezahlte Schreibschergen irgendwann einmal das Nonsensgenre \u201eArtcore\u201c \u00fcberlegt haben, hat mich mit jedem seiner ersten drei Alben in doppeltem Sinne <em>vom Stuhl gehauen</em>. Feinsinn ist langweilig.</p>\n<p>Nach dem Abschluss der \u201eHolon\u201c-Trilogie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/05/the-hirsch-effekt-holon-agnosie-die-devolution-der-popmusik/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Jahr 2015</a> weigerte sich die umbesetzte Gruppe, sich v\u00f6llig neu aufzustellen. Warum auch? \u201eEskapist\u201c, der Titel deutet es an, ist eine <em>Flucht nach vorn</em>, eine Verbindung zwischen den orchestralen Teilen der ersten und dem wilden Brett der letzten \u201eHolon\u201c-Platte. Die Titel sind so gewohnt kryptisch wie die Melodien, surreale Grafik ist zu sehen und zu h\u00f6ren.</p>\n<p>Es wird also dem Djent, dem technischen Metal, dem Math-Wasauchimmer gefr\u00f6nt. Gesang, Geschrei, Growls wechseln einander ab, ohne unabsichtlich peinlich zu sein. Die St\u00fccke \u2013 auch das kennt man von <em>fr\u00fcher</em> gehen zum Teil ineinander \u00fcber. Von den zw\u00f6lf enthaltenen Kleinoden greife ich einfach mal quasi willk\u00fcrlich sechs heraus, die trotzdem beispielhaft f\u00fcr <em>die ganze Band</em> stehen: Da w\u00e4re \u201eXenophotopia\u201c, das textlich und eben auch melodisch immer noch an \u201eHolon\u201c ankn\u00fcpft; das 42 Sekunden lange Artpop-Instrumental \u201eCoda\u201c, das \u201eNatans\u201c und \u201eBerceuse\u201c verbindet; das fast zweimin\u00fctige \u201eTardigrada\u201c, das gegen Ende vermutlich absichtlich wie eine leiernde Schallplatte klingt; das Streicherst\u00fcck \u201eNocturne\u201c, das als Einleitung \u201eAldebaran\u201c voransteht; das Artrocklied \u201eInukshuk\u201c mit dann doch wieder typisch <em>bretterndem</em> Bandsound zum Ende; endlich \u201eLysios\u201c, das 14:14 Minuten feinsten Metals bietet, von den Musikern allerdings mit steigender Laufzeit zu einem wahren RIO-Feuerwerk hochgepeitscht wird. Die Lust am L\u00e4rm ist eine reiche, soll aber keineswegs verbergen, dass das \u201eEskapist\u201c beherrschende Thema die Fassungslosigkeit \u00fcber eine Gesellschaft, die nur mehr existiert statt lebt, ist: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eWarum kommt es mir so vor, als ob die halbe Welt einfach Schafe z\u00e4hlt?\u201c</span> (\u201eBerceuse\u201c), was die richtige Frage zum immerw\u00e4hrend richtigen Zeitpunkt ist und bleibt.</p>\n<p>Zum Abschluss von \u201eEskapist\u201c verbl\u00fcffen <span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span> nochmals mit einer ihrer <em>trotzdem</em> typisch dystopischen Wunderlichkeiten, mit denen ihre Studioalben, stets als Gesamtwerk konzipiert, meist enden: \u201eAcharej\u201c ist eher im New Age als in der wilden Gitarrenmusik zu Hause, der sauber, also ungebr\u00fcllt, intonierte Text ist genau das Erwartete, was auch immer man erwartet, wenn man \u201eAcharej\u201c liest, von <span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span> aber bisher nichts kannte: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eKein Zur\u00fcck mehr (\u2026) ich bin der Einzige hier.\u201c</span> Ob der Nachfolger von \u201eEskapist\u201c wohl daran ankn\u00fcpfen wird?</p>\n<p>Die Vinylversion von \u201eEskapist\u201c kommt mit einer CD-Beilage und aufgedruckten Texten, was gleich zweimal praktisch ist: Man muss die LP nicht selbst digitalisieren und kann, sofern man nicht gerade in feiner Gesellschaft ist, auch ungestraft mitbr\u00fcllen. Immer nur filigran zu sein ist nicht befreiend.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Angemessen deprimierende Videos zu <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=fqRPBtXZSsE\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eLifnej\u201c</a>, <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=3xsBA7UNW0E\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eBerceuse</a> und <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=UJ_OI40SJJI\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eInukshuk\u201c</a> hat die Band selbst auf YouTube zur Verf\u00fcgung gestellt oder stellen lassen <em>oder so</em>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/katie-von-schleicher-shitty-hits.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_katie-von-schleicher-shitty-hits.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Katie Von Schleicher \u2013 Shitty Hits</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Katie Von Schleicher</span> \u2013 mit Schmidtchen Schleicher, bekannt aus der Folklore, vermutlich weder verwandt noch verschw\u00e4gert \u2013 ist eine junge US-amerikanische K\u00fcnstlerin, die seit 2015 \u2013 ihr eigenproduziertes <em>eigentliches</em> Deb\u00fct \u201eSilent Days\u201c von 2012 einmal au\u00dfer Acht gelassen \u2013 allj\u00e4hrlich einen Tontr\u00e4ger bef\u00fcllt mit dunkelster Popmusik, von der \u201eSpex\u201c etwas \u00fcbertrieben \u201eRumpelkammerpop\u201c genannt, ver\u00f6ffentlicht beziehungsweise ver\u00f6ffentlichen l\u00e4sst. Es mag die <em>Echtheit</em> von \u201eShitty Hits\u201c augenscheinlich besch\u00e4digen, dass es, anders als seine beiden Vorg\u00e4nger, nicht (oder noch nicht) auf Audiokassette erh\u00e4ltlich ist, denn <em>eigentlich</em> ist so eine Kassette f\u00fcr ein Album wie \u201eShitty Hits\u201c die ideale Darreichungsform.</p>\n<p>Auf \u201eShitty Hits\u201c ist entgegen des Titels weder etwas schei\u00dfe noch ein wirklich radiotauglicher <em>Hit</em>, stattdessen wird \u00fcber die Dauer von elf St\u00fccken eine dr\u00fcckende, aber doch intime Atmosph\u00e4re aufgebaut, mal bedrohlich knarzend (\u201eNothing\u201c), mal verletzlich (\u201eMary\u201c); selbst das tats\u00e4chlich <span class=\"musik-review-bandname\">beatlesque</span> \u201eLife\u2019s a Lie\u201c \u2013 \u201e<span class=\"musik-review-bandname\">Portishead</span> treffen auf die <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>\u201c untertitelte man beim \u201eGuardian\u201c dieses Album und wurde damit eigentlich niemandem gerecht \u2013 besitzt eine klangliche <em>Sperrigkeit</em>, die mit Worten zu beschreiben nicht eben eine einfach zu l\u00f6sende Aufgabe ist. <span class=\"musik-review-bandname\">Zola Jesus</span> \u2013 die <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/08/zola-jesus-vessel/\&quot;" data-wpel-link="internal">hatte ich hier</a> schon mal \u2013 w\u00fcrde sich in meinem Kopf gern als Vergleich bewerben, also verweise ich erst einmal auf sie.</p>\n<p>Die K\u00fcnstlerin fasst auf ihrer <a href="\&quot;https://katievonschleicher.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp-Seite</a> die enthaltene Musik derzeit so zusammen:</p>\n<blockquote><p>Die Lieder sind schrecklich und m\u00fcssen partout so laut sein.</p></blockquote>\n<p>Man kann sie aber auch leise h\u00f6ren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Naja, <a href="\&quot;https://katievonschleicher.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> halt.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/nick-prol-and-the-proletarians-loon-attic.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_nick-prol-and-the-proletarians-loon-attic.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Nick Prol &amp; The Proletarians \u2013 Loon Attic</span>\n<p>Bei <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Prol</span> schreiben sich die Namenswitze sozusagen von allein, deswegen macht er gleich selbst einen: Als selbstbenannter \u201eL\u00e4rmmacher\u201c steht er dem Quartett <span class=\"musik-review-bandname\">The Proletarians</span> vor, das neben ihm aus zwei Dritteln des Experimental-Rock-Trios <span class=\"musik-review-bandname\">The Mercury Tree</span> (das dritte Drittel, <span class=\"musik-review-bandname\">Oliver Campbell</span>, ist auf \u201eLoon Attic\u201c allerdings als Gast zu h\u00f6ren) sowie <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Newhouse</span> von den <span class=\"musik-review-bandname\">Muffins</span> besteht. Er selbst, <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Prol</span>, hat wohl kein reiches Bandportfolio vorzuweisen, das aber auch nicht n\u00f6tig: \u201eLoon Attic\u201c wurde von ihm urspr\u00fcnglich allein aufgenommen, die <span class=\"musik-review-bandname\">Proletarians</span> wurden erst f\u00fcr die Neuaufnahme zwecks Ver\u00f6ffentlichung ins Leben gerufen.</p>\n<p>Als Musik, die denen gef\u00e4llt, die \u201eLoon Attic\u201c m\u00f6gen, empfiehlt Bandcamp.com au\u00dfer den vermutlich wenig \u00fcberraschenden <span class=\"musik-review-bandname\">The Mercury Tree</span> auch <span class=\"musik-review-bandname\">Bent Knee</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Aquaserge</span>. Ich selbst \u2013 beim Versuch, die unglaublich vielseitige Musik auf \u201eLoon Attic\u201c zu ordnen \u2013 entdecke <span class=\"musik-review-bandname\">Cheer-Accident</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Utopianisti</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span>; will sagen: schlicht ist nicht. Jazz-Artrock, Canterbury (\u201e8th Wonder\u201c), Hardrock (\u201eNameless\u201c) und nicht auf blo\u00dfes <em>Ufftata</em> zu reduzierende Zirkusmusik \u00fcberraschen in jedem Takt. Zu den weiteren Gastmusikern auf \u201eLoon Attic\u201c z\u00e4hlen unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Willey</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Hamster Theatre</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Thinking Plague</span>), der in \u201e8th Wonder\u201c diverse Instrumente bedient, und <span class=\"musik-review-bandname\">Thymme Jones</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Cheer-Accident</span>; Schlagzeug, Trompete und Moog in \u201eShiny and Round\u201c), was dann auch wieder gro\u00dfartig passt.</p>\n<p>Was man an \u201eLoon Attic\u201c offensichtlicherweise kritisieren k\u00f6nnte, wenn man das denn m\u00f6chte, ist, dass statt weniger umfangreicher lieber viele kurze St\u00fccke enthalten sind: Die insgesamt 23 Lieder sind mit nur zwei Ausnahmen jeweils (oft deutlich) unter vier Minuten lang. Umso erfrischender ist es zu h\u00f6ren, was die Musiker aus der kurzen Spielzeit herausholen k\u00f6nnen. Das Verst\u00e4ndnis von Musik als Komik ist in den letzten Jahrzehnten der Professionalisierung vieler Genres leider ein wenig abhandengekommen. <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Prol</span> tr\u00e4gt seinen Teil dazu bei, dass der Canterbury-Stil (cf. <span class=\"musik-review-bandname\">Matching Mole</span>) mehr ist als eine blo\u00dfe klangliche Einsortierung: \u201eLoon Attic\u201c ist \u2013 im einfachen Wortsinne \u2013 ein komisches Album. Prima!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Anscheinend werden Interessierte derzeit nur auf <a href="\&quot;https://proletarians.bandcamp.com/album/loon-attic\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> f\u00fcndig.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/black-country-communion-bcciv.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_black-country-communion-bcciv.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Black Country Communion \u2013 BCCIV</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSometimes quick and sometimes slow\u201c</span> (The Crow)\n<p>Zur\u00fcck zu etwas erdigerer Musik.</p>\n<p>Von 2009 bis Anfang 2013 existierte eine Hardrockband namens <span class=\"musik-review-bandname\">Black Country Communion</span>, die mit <span class=\"musik-review-bandname\">Glenn Hughes</span> (vorher bei <span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Black Sabbath</span>), <span class=\"musik-review-bandname\">Jason Bonham</span> (unter anderem bei <span class=\"musik-review-bandname\">UFO</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Foreigner</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span>), <span class=\"musik-review-bandname\">Derek Sherinian</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Dream Theater</span>) und dem Bluesrock-Solisten <span class=\"musik-review-bandname\">Joe Bonamassa</span> das abgenutzte Etikett \u201eSupergroup\u201c <em>trotzdem</em> nicht zu Unrecht trug. Nachdem <span class=\"musik-review-bandname\">Black Country Communion</span> sich infolge des Soloerfolges von <span class=\"musik-review-bandname\">Joe Bonamassa</span> nach ihrem dritten Studioalbum \u201eAfterglow\u201c vor\u00fcbergehend getrennt hatten, das Nachfolgeprojekt <span class=\"musik-review-bandname\">California Breed</span> jedoch schnell ein Ende gefunden hatte, dauerte es nur wenige Monate, bevor eine erneute Zusammenarbeit der vier Musiker f\u00fcr das Jahr 2017 bekannt gegeben wurde. Das Ergebnis hei\u00dft schlicht \u201eBCCIV\u201c (\u00fcber den Namen m\u00fcssen hier keine weiteren Worte fallen) und ist ein H\u00f6ren durchaus wert.</p>\n<p>Dass die Beteiligten sich das <em>Recht</em> auf eine Inszenierung als das, was man im Schnodderrock \u201ePoser\u201c nennt, l\u00e4ngst verdient haben, wissen sie und lassen dieser Inszenierung mit gro\u00dfen, ausladenden musikalischen Gesten (\u201eThe Cove\u201c) freien Lauf. Der Blues- und Folk-Anteil ist gering, krachender Hardrock (\u201eSway\u201c) \u00fcberwiegt. Das soll <em>nat\u00fcrlich</em> nicht hei\u00dfen, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Joe Bonamassa</span> nicht an den Liedern mitgewirkt h\u00e4tte: In seinem passend betitelten \u201eThe Last Song for My Resting Place\u201c, das so klingt, wie es hei\u00dft, ist sogar eine Fiddle zu h\u00f6ren. Der Mann versteht sein Handwerk und bleibt pr\u00e4gnant: \u201eBCCIV\u201c ist mehr <span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span> als <span class=\"musik-review-bandname\">AC/DC</span> und das ist, wie ich einfach mal annehmen m\u00f6chte, auch sein Verdienst.</p>\n<p>\u201eBCCIV\u201c ist ein erfreuliches Album, die Wiederkehr von <span class=\"musik-review-bandname\">Black Country Communion</span> erfolgte ohne erkennbaren Qualit\u00e4tsverlust. Warum andere zeitgen\u00f6ssische Musikgruppen das nicht auch schaffen, wei\u00df ich nicht. Ich k\u00f6nnte mich dar\u00fcber gesondert aufregen, aber ich habe mir fest vorgenommen, \u00fcber Musikalben, die nicht gut sind, im hier gegebenen Rahmen keine weiteren Zeilen zu verschwenden, weshalb ich das jetzt auch einfach lasse. Keineswegs lassen sollte jedoch jeder Leser ein Reinh\u00f6ren in \u201eBCCIV\u201c.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Wer TIDAL-Abonnent ist, der wird <a href="\&quot;https://tidal.com/album/76626966\&quot;" data-wpel-link="internal">dort</a> f\u00fcndig, ansonsten gibt es <a href="\&quot;https://www.amazon.de/BCCIV-Black-Country-Communion/dp/B0747PGLWG?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/boris-dear.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_boris-dear.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Boris \u2013 Dear</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eNobody wants to pick up that nostalgia\u201c</span> (Memento Mori)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Boris</span> sind zur\u00fcck und tragen ihre Drones aus limitierten Kleinstauflagen (siehe <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201easia\u201c</a>) mit ihrem <em>erst</em> 22. Studioalbum \u201eDear\u201c wieder in die Masse, sofern man bei der Zielgruppe, die hier bedient wird, \u00fcberhaupt von \u201eMasse\u201c sprechen sollte und nicht von Klasse.</p>\n<p>Von Zug\u00e4nglichkeit kann weiterhin keine Rede sein, das \u00fcberlassen die drei Japaner dann doch ihren Alter Egos, die gelegentlich zumindest <em>gef\u00e4llige</em> Standard-Rockalben ver\u00f6ffentlichen. Beim H\u00f6ren von \u201eDear\u201c derweil f\u00fchle ich mich immer wieder an das <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">h\u00f6renswerte</a> \u201eSoused\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Sunn O)))</span> erinnert, denn hier treffen Gitarrenerdw\u00e4lle auf entr\u00fcckten, wenn auch merklich weniger exaltierten Gesang als ihn <span class=\"musik-review-bandname\">Scott Walker</span> auf vorgenannter <em>Scheibe</em> zum Besten gab: mal gefl\u00fcstert, mal gerufen, aber immer hallend, denn Hall ist gut.</p>\n<p>Keine Zeit zum Ausruhen: Es brodelt, poltert und dr\u00f6hnt, von irgendwo zerrei\u00dft ein Schlagzeug die Augenblicke. Rockmusik? Unsinn: \u201eDEADSONG\u201c ist ein Lied, aber was f\u00fcr eines! Wie ein auf halber Geschwindigkeit abgespieltes, leierndes Tonband, das absichtlich neu eingespielt wurde, ist dieses St\u00fcck angenehm verwirrend. Mit dem unvermittelt einsetzenden \u201eAbsolutego\u201c wird das Ohr desjenigen, der weniger Experimente gewohnt ist, mit einer doch recht gut <em>abgehenden</em> Fassung einer <span class=\"musik-review-bandname\">Lenny-Kravitz</span>-trifft-<span class=\"musik-review-bandname\">Rammstein</span>-Fiktion (<em>im Internet</em> werden <span class=\"musik-review-bandname\">Alice in Chains</span> genannt und damit hat <em>das Internet</em> v\u00f6llig recht) vor\u00fcbergehend zur\u00fcckgewonnen, bis es schlie\u00dflich merklich an Geschwindigkeit verliert und in Schreien \u00fcber schleppendem Rhythmus ausklingt. Die Abwechslung zwischen Brummen mit Gesang (gro\u00dfartig auch: \u201eKagero\u201c), Art- (\u201eBiotope\u201c) und avantgardesquem Noiserock wirkt dabei nicht einmal zerrissen, sondern um so stimmiger.</p>\n<p>\u201eEasy Listening\u201c? Bei Liedl\u00e4ngen zwischen vierdreiviertel (\u201eMemento Mori\u201c) und fast 12 (\u201eDystopia \u2013 Vanishing Point\u201c) Minuten ist davon nicht auszugehen. Wo <span class=\"musik-review-bandname\">Boris</span> draufsteht, ist, pardon!, <span class=\"musik-review-bandname\">Boris</span> meist auch drin \u2013 auch 2017 wirkt das noch besser als jedes Qualit\u00e4tssiegel; jedenfalls, so lange es das Qualit\u00e4tssiegel \u201eohne <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span>\u201c noch nicht gibt. Ein durchweg schlechtes Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Boris</span> existiert nicht. <em>Isso.</em></p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Wer bis hierhin durchgehalten hat, der ahnt, was kommt \u2013 ein <a href="\&quot;https://tidal.com/album/73498247\&quot;" data-wpel-link="internal">Link zu TIDAL</a> und ein <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Dear-Vinyl-LP-Boris/dp/B071Z28J72?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Link zu Amazon.de</a> n\u00e4mlich.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/lunatic-soul-fractured.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_lunatic-soul-fractured.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Lunatic Soul \u2013 Fractured</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eAnd the broken hearts will not break through my mind\u201c</span> (Battlefield)\n<p>Wenn schlechte Musiker nicht ausgelastet sind, weihen sie M\u00f6belh\u00e4user ein oder fangen die Schauspielerei an. Wenn hingegen gute Musiker nicht ausgelastet sind, rufen sie neue Musikprojekte ins Leben. <span class=\"musik-review-bandname\">Mariusz Duda</span>, S\u00e4nger und Bassist der polnischen Progressive-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Riverside</span>, die erst 2016 das seltsame Album \u201eEye of the Soundscape\u201c ver\u00f6ffentlicht hat, geh\u00f6rt zweifellos letzterer Gruppe an. Sein haupts\u00e4chliches Nebenprojekt hei\u00dft <span class=\"musik-review-bandname\">Lunatic Soul</span>.</p>\n<p>Falls man annimmt, dass nicht alles, was <em>so Musiker</em> tun, in einer frei erfundenen Gedankenwelt stattfindet, so ist <span class=\"musik-review-bandname\">Lunatic Soul</span> ein wesentlich intimeres <em>Projekt</em> als <span class=\"musik-review-bandname\">Riverside</span>. Dass letzterer Band 2016 der Gitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Piotr Grudzi\u0144ski</span> ebenso wie in den Jahren zuvor diverse Menschen aus <span class=\"musik-review-bandname\">Mariusz Dudas</span> Umfeld mittels Sterbens abhandengekommen war, ist laut verschiedenen Interviews einer der Gr\u00fcnde, warum das Konzeptalbum \u201eFractured\u201c, das, passend zum Titel, gr\u00f6\u00dftenteils ziemlich zerbrechlich (\u201eAnymore\u201c) klingt, so eine nachdenkliche Stimmung verbreitet.</p>\n<p>Die Ohren \u2013 die Seele sowieso \u2013 werden auf \u201eFractured\u201c mit einem merkw\u00fcrdigen Jazz-Elektro-Dance-Rock, der Musikh\u00f6rer, die schon etwas l\u00e4nger <em>dabei</em> sind, an die fr\u00fchen 1990er Jahre erinnert, konfrontiert, der oft nach <span class=\"musik-review-bandname\">The Notwist</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Depeche Mode</span>, manchmal (etwa im Titelst\u00fcck) auch nach <span class=\"musik-review-bandname\">Eloy</span> klingt. Als Quintessenz des Albums aber mache ich \u201eA Thousand Shards of Heaven\u201c aus, das nicht nur mit traurigen Streichern, sondern auch mit einem Text \u00fcberzeugt, der schon beim Lesen Fragiles zeigt:</p>\n<blockquote><p>You can say that I am yearning<br>\nfor something that\u2019s already gone<br>\nbut I am not a prisoner</p></blockquote>\n<p>Uff.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Warum nicht mal <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Fractured-Vinyl-LP-Lunatic-Soul/dp/B074KY9HXR?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> oder <a href="\&quot;https://tidal.com/album/77195830\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>? Zum <em>ganz guten</em> \u201eAnymore\u201c (<a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=uGGe_B44DTU\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a>), zum <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=WibnqJj3OTc\&quot;" data-wpel-link="internal">Titelst\u00fcck</a> und zu \u201eMoving On\u201c (<a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=iQAXz81WZGk\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a>) gibt es im \u00dcbrigen auch offiziell scheinende Musikvideos.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/the-dream-syndicate-how-did-i-find-myself-here.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_the-dream-syndicate-how-did-i-find-myself-here.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">The Dream Syndicate \u2013 How Did I Find Myself Here?</span>\n<p>Im Jahr 1963 gr\u00fcndete der US-amerikanische Komponist und Musiker <span class=\"musik-review-bandname\">La Monte Young</span> das <span class=\"musik-review-bandname\">Theatre of Eternal Music</span>, ein Kollektiv zur Umsetzung minimalistischer Kompositionen, in deren Fokus Drones standen. Zu den fr\u00fchen Mitgliedern des Ensembles geh\u00f6rten die sp\u00e4teren <span class=\"musik-review-bandname\">Velvet-Underground</span>-Musiker <span class=\"musik-review-bandname\">John Cale</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Angus MacLise</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Sterling Morrison</span> ebenso wie <span class=\"musik-review-bandname\">Terry Riley</span>. Das <span class=\"musik-review-bandname\">Theatre of Eternal Music</span> l\u00f6ste sich erst 2003 auf, war bis dahin aber l\u00e4ngst auch unter dem Namen <span class=\"musik-review-bandname\">The Dream Syndicate</span> bekannt geworden, was vermutlich mit der Serie von fr\u00fchen Musikaufnahmen namens \u201eInside the Dream Syndicate\u201c zu tun hat.</p>\n<p>1981 stellte der aufstrebende Gitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Wynn</span> gemeinsam mit seiner damaligen musikalischen Weggef\u00e4hrtin <span class=\"musik-review-bandname\">Kendra Smith</span> eine Band zusammen, die sich infolge einer Anregung des Schlagzeugers <span class=\"musik-review-bandname\">Dennis Duck</span> eben <span class=\"musik-review-bandname\">The Dream Syndicate</span> nannte. Das ist in <em>so Tauschb\u00f6rsen</em> manchmal etwas verwirrend: <span class=\"musik-review-bandname\">John Cale</span> spielt hier nicht mit. Bassistin <span class=\"musik-review-bandname\">Kendra Smith</span> sang auf dem h\u00f6rbar von <span class=\"musik-review-bandname\">Neil Young</span> und <em>nat\u00fcrlich</em> <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> beeinflussten Deb\u00fctalbum, mit dem <span class=\"musik-review-bandname\">The Dream Syndicate</span> den \u201ePaisley Underground\u201c, eine Art musikalischer Szene in Los Angeles, die den Psychedelic Rock, den Pop und vor allem die <span class=\"musik-review-bandname\">Velvet Underground</span> der 1960er Jahre kultisch verehrte, sozusagen unabsichtlich aus der Taufe hoben, das famose \u201eToo Little, Too Late\u201c und verlie\u00df die Band bereits 1983, der Rest der Gruppe blieb nach Personalwechsel bis 1989 aktiv, um dann 2012 von <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Wynn</span> wieder ins Leben gerufen zu werden. Aus der letzten Besetzung von 1989 \u00fcbrig geblieben sind neben ihm <span class=\"musik-review-bandname\">Dennis Duck</span> und der 1984 eingestiegene Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Walton</span>, neu hinzugekommen ist Gitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Jason Victor</span>.</p>\n<p>Im Februar 2017 wurde das erste neue Studioalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">The Dream Syndicate</span> seit 1988 angek\u00fcndigt, es erschien schlie\u00dflich im September unter dem Namen \u201eHow Did I Find Myself Here?\u201c. Verlernt haben sie nichts, das Quartett schafft es noch immer, die Musik von <em>damals</em> nicht nur zu konservieren, sondern aufzubereiten: Die sp\u00e4ten <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span>, sp\u00e4ter bekanntlich vorz\u00fcglich imitiert von den <span class=\"musik-review-bandname\">Dandy Warhols</span>, standen hier h\u00f6rbar Pate, im Titelst\u00fcck klingt auch mal <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> an. Im Oktober k\u00fcrte ich das Lied \u201e80 West\u201c <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/10/the-dream-syndicate-80-west/\&quot;" data-wpel-link="internal">zur Montagsmusik</a> und hatte mir dabei schon etwas gedacht, denn dessen Kontrast zwischen bassgetrieben schepperndem Indierock und den guten, alten Drones bringt \u201eHow Did I Find Myself Here?\u201c komprimiert auf den Punkt. \u201eLike Mary\u201c ist tats\u00e4chlich noch \u00e4lter, es entsprang fr\u00fchen Bandproben und wurde erst nach \u00fcber 30 Jahren f\u00fcr dieses Album erstmals offiziell aufgenommen.</p>\n<p>Heimlich ist auch <span class=\"musik-review-bandname\">Kendra Smith</span> wieder zur\u00fcck: Das letzte Lied \u201eKendra\u2019s Dream\u201c wurde nicht nur von ihr (laut <em>Internet</em> als Bewusstseinsstrom) verfasst, sondern wird auch von ihr vorgetragen. Dass mich das Lied in der ersten H\u00e4lfte auffallend an \u201eAll Tomorrow\u2019s Parties\u201c erinnert, mag zum Teil an <span class=\"musik-review-bandname\">Kendra Smiths</span> tiefer gewordener Stimme liegen, vor allem aber wahrscheinlich an der musikalischen Darbietung selbst, die nach einem ziemlich <em>rockigen</em> Album noch <em>trippiger</em>, noch mehr am Funk orientiert ist.</p>\n<p>Ich habe \u201eHow Did I Find Myself Here?\u201c einem H\u00e4rtetest unterzogen, indem ich es <em>ausgerechnet</em> auf dem Weg nach Hannover erstmals h\u00f6rte. Ich hatte beim Aussteigen immer noch gute Laune, das Album hat den Test also bestanden. Endlich mal wieder ein w\u00fcrdiger Vertreter f\u00fcr mein bevorzugtes Topalbenattribut \u201eGeile Scheibe\u201c und eventuell durchaus mein Album des Jahres 2017.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Die Plattenfirma selbst hat s\u00e4mtliche St\u00fccke des Albums <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=AgavsxHsKNk&amp;list=PLJ7QPuvv91JslEUJqqCTrrVSCSSiHk3UA\&quot;" data-wpel-link="internal">auf YouTube</a> hochgeladen, woraus ich folgere, dass es dort komplett zu h\u00f6ren empfohlen ist.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/pingvinorkestern-look-no-hands.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_pingvinorkestern-look-no-hands.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Pingvinorkestern \u2013 Look \u2013 no hands!</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eClose / close / close the door!\u201c</span> (Happy)\n<p>Auch beim <span class=\"musik-review-bandname\">Pingvinorkestern</span> haben wir es \u2013 das ist tats\u00e4chlich nur Zufall, schschw\u00f6r \u2013 mit einer Band zu tun, die sich zumindest geringf\u00fcgig mit der Modernisierung alter Meister befasst: Das <em>im Internet</em> als \u201eexzentrisch\u201c bekannte <span class=\"musik-review-bandname\">Penguin Cafe Orchestra</span>, das urspr\u00fcnglich von 1972 bis 1997 existierte und sich nach dem Tod ihres Gr\u00fcnders <span class=\"musik-review-bandname\">Simon Jeffes</span> in verschiedenen Besetzungen verschiedene Namen gab, inspirierte das personell unabh\u00e4ngige schwedische Quintett zu seinem Namen.</p>\n<p>An der <a href="\&quot;https://www.pingvinorkestern.se/contact\&quot;" data-wpel-link="internal">Besetzung</a> f\u00e4llt auf, dass alle f\u00fcnf Musiker sowohl <em>slagverk</em> als auch <em>ukulele</em> spielen. Popmusik sieht zum Gl\u00fcck ganz anders aus. Laut Selbstbeschreibung spielt das <span class=\"musik-review-bandname\">Pingvinorkestern</span> \u201epoporientierte postmoderne Kammermusik mit humoristischen Untert\u00f6nen\u201c, was sich <em>irgendwie</em> nach dem Original anh\u00f6rt, aber diese Band hier ist <em>anders</em>, erinnert sie mich doch viel mehr an die gloriose Kammerrockband <span class=\"musik-review-bandname\">broken.heart.collector</span>. Man m\u00f6ge allerdings auch hier darauf verzichten, mit dem Genreetikettendrucker unvorsichtig zu hantieren: Abwechslung muss sein!</p>\n<p>Dem <span class=\"musik-review-bandname\">Penguin Cafe Orchestra</span> nicht un\u00e4hnlich sind immerhin das Titelst\u00fcck und \u201eStora moerdarbacken\u201c, was immer das hei\u00dfen mag: RIO und instrumentale Klezmermusik finden hier wie selbstverst\u00e4ndlich zueinander. Bei \u201eStay\u201c, \u201eFree Fall\u201c und \u201eSave Me\u201c handelt es sich um beachtlichen Artpop mit Gesang, wobei insbesondere letzteres St\u00fcck mit nach meinem unma\u00dfgeblichen Geschmack wundersch\u00f6nem Chorgesang \u00fcberzeugt. Am kraftvollen und stilistisch \u00fcberraschenden Rockst\u00fcck \u201eHappy\u201c kann ich nur kritisieren, dass es mit unter zwei Minuten deutlich zu kurz ist.</p>\n<p>Folk- und Countryfreunde werden wom\u00f6glich mit \u201eWalk Slowly\u201c und \u201eHonk\u201c h\u00f6chst zufrieden sein, unsereins kommt zu einem anderen Zeitpunkt wieder herein: \u201eIf You\u2019re a Dreamer, Come In\u201c klingt <em>mal wieder</em> so, wie es hei\u00dft: Die Band baut mit reichlich Perkussion eine psychedelische, nahezu <span class=\"musik-review-bandname\">pinkfloydesque</span> Wunderwelt auf, aus der man am Ende mit einem T\u00fcrklingeln aufgeschreckt wird. Humor? Oh ja.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Stream und Kauf gibt es via <a href="\&quot;https://pingvinorkestern.bandcamp.com/album/pingvinorkestern-look-no-hands\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/cobra-family-picnic-magnetic-anomaly.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_cobra-family-picnic-magnetic-anomaly.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Cobra Family Picnic \u2013 Magnetic Anomaly</span>\n<p>Ein Album wie eine Mondlandung, das sich in die Reihe der Musikalben, die so hei\u00dfen, wie sie klingen, <em>ganz gut</em> einreiht, haben die f\u00fcnfeinhalb US-Amerikaner von <span class=\"musik-review-bandname\">Cobra Family Picnic</span> im Mai 2017 hervorgebracht. Groovender, in den 1960er Jahren wurzelnder Spacerock mit elektronischem Flirren, schwebendem Gesang und hypnotischem Bass, irgendwo nahe <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> einer- und <span class=\"musik-review-bandname\">Baby Woodrose</span> andererseits angesiedelt, bestimmt die 38 beziehungsweise (in der aus unklarem Grund etwas l\u00e4ngeren CD-Fassung) 47 Minuten.</p>\n<p>\u201eMagnetic Anomaly\u201c ist allerdings auch ein Album der Gegens\u00e4tze, was den drei Zwischenspielen namens \u201eInterplanetary Travel\u201c, die wohl eine Art Rahmenhandlung darstellen sollen, geschuldet ist, die, wie der versierte Mathematiker und/oder Informatiker wei\u00df, f\u00e4lschlich als \u201e001\u201c, \u201e011\u201c und \u201e111\u201c nummeriert sind und verschieden schwere Klanglandschaften abbilden. In \u201eInterplanetary Travel 011\u201c ert\u00f6nt sogar Vogelgezwitscher, was im Weltraum gleich mehrfach merkw\u00fcrdig ist. Der Gesamtqualit\u00e4t von \u201eMagnetic Anomaly\u201c schadet diese r\u00fcde Unterbrechung jedoch nur geringf\u00fcgig.</p>\n<p>Der Schreiber dieser Zeilen jedenfalls verbrachte die 47 Minuten Spielzeit von \u201eMagnetic Anomaly\u201c <em>v\u00f6llig losgel\u00f6st von der Erde</em> und empfiehlt, den nun entstandenen Ohrwurm schnellstm\u00f6glich wieder zu vergessen und sich stattdessen auf die Verstandesreise zu begeben, die \u201eMagnetic Anomaly\u201c ist.</p>\n<p>Ganz famos.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Ich schlage abermals <a href="\&quot;https://cobrafamilypicnic.bandcamp.com/album/magnetic-anomaly\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> vor, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Magnetic-Anomaly-Cobra-Family-Picnic/dp/B075DS18JL?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> ist aber auch in Ordnung.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/hibushibire-freak-out-orgasm.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_hibushibire-freak-out-orgasm.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Hibushibire \u2013 Freak Out Orgasm!</span>\n<p>\u201eAlter!\u201c</p>\n<p>Das war die erste Notiz, die ich beim Anspielen der vorliegenden Musik verschriftlicht habe, und wiederholte Leser meiner Texte nehmen vermutlich zu Recht an, dass ich nicht ohne einen guten Grund dazu neige, meine Sprache altersm\u00e4\u00dfig derma\u00dfen weit zur\u00fcckzudrehen, aber es gibt tats\u00e4chlich musikalische Werke, denen eine sonstwie <em>erwachsene</em> Sprache nicht gerecht w\u00fcrde.</p>\n<p>Wenn ein Tontr\u00e4ger schon \u201eFreak Out Orgasm!\u201c hei\u00dft, dann erwartet man meist entweder eine <span class=\"musik-review-bandname\">Frank-Zappa</span>-Reverenz oder andersartig <em>total durchgeknallten</em> H\u00f6rgenuss. Hier haben wir es mit Letzterem zu tun, was ich gut finde, weil ich <em>total durchgeknallte</em> H\u00f6rgen\u00fcsse mag und <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span> nicht.</p>\n<p>\u201eHibushibire\u201c hei\u00dft laut Quellen, deren Japanisch zumindest besser ist als meines, <em>ungef\u00e4hr</em> \u201eGeheimnis der Taubheit\u201c, was ich nicht verstehe, weil ich bislang annahm, Geheimnisse seien nur dann als Geheimnisse qualifiziert, wenn man sie nicht per Lautsprecherwagen durch rege wuselnde Gro\u00dfst\u00e4dte transportiert und sie \u00fcberdies mit \u201eAchtung, hier kommt ein Geheimnis!\u201c anmoderiert, wobei das Japanische <em>nat\u00fcrlich</em> eine derma\u00dfen hintersinnige Sprache ist, dass \u201eHibushibire\u201c in einem, glaubt man dem virtuellen <em>Waschzettel</em> zu \u201eFreak Out Orgasm!\u201c, alten japanischen Pornodialekt \u2013 ich finde es etwas schade, dass mir gerade kein alter deutscher Pornodialekt einf\u00e4llt, von S\u00e4chsisch einmal abgesehen \u2013 auch \u201eAusrastorgasmus\u201c, \u201efreak out orgasm\u201c also, hei\u00dfen kann. Japaner sind merkw\u00fcrdig. Die drei hier beteiligten Musiker \u201ehei\u00dfen\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Chang Chang</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Ryu Matsumoto</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">821</span>, was ein so sch\u00f6ner Name ist, dass ich ernsthaft hoffe, niemals eine Frau zu finden, die m\u00f6chte, dass ich ihrem Kind einen Namen gebe, denn sonst wird das Kind mich sp\u00e4ter hassen, und bei \u201eFreak Out Orgasm!\u201c, f\u00fcnf Jahre nach der Gr\u00fcndung des Trios ver\u00f6ffentlicht, handelt es sich laut verschiedenen Quellen entweder um das Deb\u00fctalbum oder um den/die/das Deb\u00fct-EP der Gruppe, also noch nicht einmal ein <em>richtiges</em> Album, aber in einer Zeit, in der Musikalben ohnehin kaum noch mehr als eine halbe Stunde lang sein m\u00fcssen, insbesondere dann nicht, wenn es um irgendwelche Geldesel geht, die es zu melken gilt, weshalb wenig \u201eMusik\u201c auf so viele separate Verkaufseinheiten verteilt wird wie es irgendwie m\u00f6glich ist, ohne dass die Schar der Anh\u00e4nger allzu schnell ver\u00e4rgert ist und ihr Taschengeld nicht mehr herausr\u00fcckt, sind EPs von 39:18 Minuten L\u00e4nge schon aus wirtschaftlicher Sicht bemerkenswert. Wie lang das erste Vollzeitalbum wohl sein wird? Wie lang ist so eine japanische Vollzeit?</p>\n<p>Die vier enthaltenen St\u00fccke, <em>angeblich</em> an nur einem Tag aufgenommen, hei\u00dfen \u201eLucifer\u2019s My Friend\u201c (die Krautrockband \u00e4hnlichen Namens ist an dieser Stelle v\u00f6llig egal), \u201eHallucination Valley Blues \u2013 Flying Shiva Attack \u2013 Hallucination Valley Blues (Reprise)\u201c, \u201eTrepanation Breakdown\u201c und \u201eDeep Throat River Holy Mountain High\u201c, wobei letzteres St\u00fcck mit fast 20 Minuten L\u00e4nge <em>eigentlich</em> zusammengefasst schon v\u00f6llig reichen w\u00fcrde, um jedem Leser dieses Absatzes, der einen mit dem meinen vergleichbaren musikalischen Vogel hat, sozusagen die Ohren w\u00e4ssrig zu machen (oder wie hei\u00dft das, wenn man eifrige Lust auf etwas zum H\u00f6ren statt etwas zum Essen bekommt?), weshalb ich es jetzt nochmals h\u00f6re und davon erz\u00e4hle, warum mir dabei, um juvenil zu bleiben, <em>voll einer abgeht</em>: Weil es n\u00e4mlich den mit aufgedrehtem Lautst\u00e4rkeregler gespielten Stilmix aus psychedelisch fuzzgetr\u00e4nktem Bluesrock, japanischer Folkmusik und ungez\u00fcgeltem RIO/Avant, der <span class=\"musik-review-bandname\">Hibushibires</span> Deb\u00fctwerk ausmacht, nicht blo\u00df wiederholt, sondern auf die Spitze treibt, indem n\u00e4mlich <em>zun\u00e4chst</em> wie einst bei den <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> fern\u00f6stliche Kl\u00e4nge ert\u00f6nen, den ein textloser Chor begleitet, <em>dann</em> eine nerv\u00f6se Gitarre \u00fcber Bass und Schlagzeug soliert, bevor Gitarrist und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Chang Chang</span> in einer mir unbekannten Sprache so etwas wie Strophen zu den zuvor geh\u00f6rten fern\u00f6stlichen Kl\u00e4ngen singt. Die effektgeladene Gitarre walzt nach Abschluss dieses Gesangsteils das sich aufb\u00e4umende und hektisch um sich schlagende Schlagzeug mit schlichter Lautst\u00e4rke sozusagen einfach platt. Sieben Minuten sind vor\u00fcber: Nach einem kurzen Intermezzo wettstreiten die entfesselten Instrumente, per Studionachbearbeitung abermals um hierzulande eher selten anzutreffende Instrumente wie Zurna und Santur erweitert, bis zur Klimax (<em>Ohrgasmus</em> eben) darum, welches wohl das dominante bleiben mag. Es folgt die Ruhe vor dem erneuten Sturm, ein Klangteppich mit Perkussion, von dem eine unbestimmte Gefahr ebenso auszugehen scheint wie eine unbestimmte Hoffnung, zu dem sich nach einiger Zeit wieder der textlose Chor gesellt. \u2013 Schnitt! Unbekannte Instrumente spielen eine beruhigend-hypnotische Melodie, deren Rhythmus man gerade zu finden glaubt, als das gesamte Instrumentalinventar ohne lange Vorrede wieder <em>v\u00f6llig durchdreht</em> und jeden Gedanken an eine Orientierung vergessen l\u00e4sst. Wer braucht Takte, wenn er stattdessen auch den Verstand verlieren kann? Es <em>bratzt</em> und hupt und brettert und knattert herrlichst und scheinbar ohne jeden Halt, bis pl\u00f6tzlich das Schlagzeugmotiv v\u00f6llig unbemerkt wieder eine Regelm\u00e4\u00dfigkeit entwickelt hat und die letzte Strophe aufgrund der \u00fcberhaupt nicht an etwas Zur\u00fcckhaltung zu <em>denken</em> scheinenden Instrumente mehr gerufen als gesungen wird. Dem an schlie\u00dft sich ein energiegeladenes Hardrocksolo, das nur so lange an <span class=\"musik-review-bandname\">Black Sabbath</span> erinnert, bis einem der Name dieser Band wieder eingefallen ist, denn sofort zerstreut die Sprengung der Hardrockklischees mittels instrumentaler Eskalation die Irritation. \u201eDeep Throat River Holy Mountain High\u201c endet mit einem Ausblenden der Melodie vom Anfang und ist laut Plattenfirma ein \u201erepr\u00e4sentatives Lied\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Hibushibire</span>, das oft auf Konzerten gespielt werde. Ich empfinde pl\u00f6tzlich das unbedingte Verlangen, mich davon eines Tages selbst zu \u00fcberzeugen, falls ich bis dahin meine Sprache wiedergefunden habe. <em>Alter!</em></p>\n<p>Als Einfl\u00fcsse nennen die Musiker unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Temple</span> und deren Nebenprojekte, <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Tr\u00e4d, Gr\u00e4s och Stenar</span>. Wem das \u2013 wie mir \u2013 weder fremd noch unheimlich ist, der wird mit \u201eFreak Out Orgasm!\u201c auf eine fantastische Weise voll auf seine Kosten kommen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Videos, Stream und Kauf empfehlen sich \u00fcber <a href="\&quot;https://riotseasonrecords.bandcamp.com/album/freak-out-orgasm\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/buffy-sainte-marie-medicine-songs.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_buffy-sainte-marie-medicine-songs.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Buffy Sainte-Marie \u2013 Medicine Songs</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eAnd now our history gets written in a liar\u2019s scrawl\u201c</span> (Bury My Heart at Wounded Knee)\n<p>Zur Abwechslung haben wir es hier mit Musik zu tun, die \u00e4lter ist als sie klingt: <span class=\"musik-review-bandname\">Buffy Sainte-Marie</span> wurde im Februar 1941 in einem kanadischen Reservat f\u00fcr Cree-Indianer geboren und ist seit ihrer Kindheit musikalisch aktiv. In den 1960er Jahren hing sie, so will es die Legende, mit anderen jungen kanadischen K\u00fcnstlern herum, darunter <span class=\"musik-review-bandname\">Leonard Cohen</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Neil Young</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Joni Mitchell</span>, die sie vermutlich nicht unbeeindruckt lie\u00dfen. In den folgenden Jahrzehnten schrieb <span class=\"musik-review-bandname\">Buffy Sainte-Marie</span> manches Lied und ver\u00f6ffentlichte \u2013 mit einer sechzehnj\u00e4hrigen Pause bis 1992 \u2013 manches Album. 2017 gesellte sich \u201eMedicine Songs\u201c hinzu, auf dem sich auch Lieder befinden, die von ihr schon vor Jahrzehnten erstmals gespielt wurden. Von einem blo\u00dfen kommerzorientierten \u201eBest-of\u201c-Album zu reden liegt mir aber fern.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Buffy Sainte-Marie</span> klingt wie eine indianische Rockversion von <span class=\"musik-review-bandname\">Joni Mitchell</span> und/oder <span class=\"musik-review-bandname\">Joan Baez</span>: Es gibt sitztanztaugliche Folkmusik mit <em>typisch indianischen</em> Ges\u00e4ngen, mal elektronischer (\u201eThe War Racket\u201c, \u201ePower in the Blood\u201c), mal akustischer, <span class=\"musik-review-bandname\">dylanesque</span> gar (etwa \u201eUniversal Soldier\u201c und \u201eMy Country \u201atis Of Thy People You\u2019re Dying\u201c, eine Art kanadisches Volkslied, das <span class=\"musik-review-bandname\">Buffy Sainte-Marie</span> bereits <a href="\&quot;http://www.folkarchive.de/mycount.html\&quot;" data-wpel-link="internal">1966</a> aufgenommen hatte); es gibt Schlager (\u201eFallen Angels\u201c oder das f\u00fcr Menschen, die Amerika mit den USA gleichsetzen, ungew\u00f6hnliche \u201eAmerica The Beautiful\u201c), aber auch mal Gitarrenrock (\u201eBury My Heart at Wounded Knee\u201c, \u201eGeneration\u201c). Mitunter \u00e4hnelt das der Musik, die in Deutschland in den 70ern und fr\u00fchen 80ern (\u201eStarwalker\u201c) oder ein halbes Jahrzehnt sp\u00e4ter (\u201eThe Priests of the Golden Bull\u201c) in die Hitparaden geschossen wurde (\u201ePop\u201c), aber f\u00fcr Radio klingt das viel zu prima.</p>\n<p>Zweifellos sind dem Radio Liedtexte in fremden Sprachen auch egal (immerhin spielt man dort auch gleichg\u00fcltig \u201eWalk On The Wild Side\u201c), sonst w\u00e4re <span class=\"musik-review-bandname\">Buffy Sainte-Marie</span> f\u00fcr die \u00f6ffentliche Wahrnehmung vermutlich auch zu kritisch: Textlich befassen sich die \u201eMedicine Songs\u201c wie auch der \u00fcberwiegende \u00fcbrige Teil des Gesamtwerks der S\u00e4ngerin mit der Verst\u00e4ndigung zwischen Indianern und dem <em>wei\u00dfen Mann</em>. Protestmusik eben \u2013 nur aus einer anderen Perspektive als <em>der Westen</em> das m\u00f6glicherweise gewohnt ist. Jaja: Wer h\u00f6rt schon den Texten zu? Texte sind nur spannend, wenn sie gegen <em>den Richtigen</em> gerichtet sind. Trump. \u201eNazis\u201c und so. Aber doch nicht gegen <em>uns</em>!</p>\n<p>Ach, ach.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Wie w\u00e4r\u2019s mit <a href="\&quot;https://tidal.com/album/80208866\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>?</p>\n<p>Keine Sorge, wir sind bald fertig. Ich fasse mich jetzt ein wenig k\u00fcrzer, so viel Zeit haben wir ja alle nicht mehr.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Yowie \u2013 Synchromysticism</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Yowie</span> (allein der Name schon!) spielen instrumentalen Frickel-Shoegaze mit schwei\u00dftreibendem Schlagzeugspiel, wovon es fraglos so manchen Vertreter geben mag, weshalb kleine Perlen wie diese immer wieder ein Leuchten hervorbringen, was ja gerade im Winter nicht unwillkommen ist. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Synchromysticism-Yowie/dp/B06XGVMT83?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Godspeed You! Black Emperor \u2013 Luciferian Towers</span><br>\nDie vielk\u00f6pfige kanadische Postrockinstitution begr\u00fcndet mit Musik gewordenem franz\u00f6sischem Kino zwischen Drama und Tierdokumentation auch in diesem Jahr wieder, warum auf sie an langen Winterabenden nicht verzichtet werden sollte. <a href="\&quot;https://tidal.com/album/77731862\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Mediabanda \u2013 Bombas en el aire</span><br>\nEndlich mal Latinomusik, die zu gut ist, um blo\u00df Telenovelas zu untermalen, weil sie nicht nur ziemlich gut <em>abgeht</em>, sondern \u00fcberdies f\u00fcr Radiotauglichkeit deutlich zu ambitioniert ist, was sich nicht nur aus Prinzip, sondern auch und gerade beim H\u00f6ren sehr angenehm auswirkt. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Bombas-en-el-Aire-Mediabanda/dp/B06Y3Z19WP?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Kaiser Franz Josef \u2013 Make Rock Great Again</span><br>\nHardrock aus <em>nat\u00fcrlich</em> \u00d6sterreich, der sich bei <span class=\"musik-review-bandname\">AC/DC</span>, den <span class=\"musik-review-bandname\">White Stripes</span> und den <span class=\"musik-review-bandname\">Strokes</span> ebenso bedient wie bei den einschl\u00e4gigen Vertretern der absurden Britpopwelle vor ein paar Jahren; was, freilich, eher wie 2007 als wie 2017 klingt, aber von <em>diesem</em> 2007 kann es noch nicht genug geben. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Great-Again-Kaiser-Franz-Josef/dp/B06XK46NYQ?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Monolord \u2013 Rust</span><br>\nAus Schweden, Gegend der dunklen Metalbands, stammt auch die dunkle Doom-Metal-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Monolord</span>, deren aktuelles Album \u201eRust\u201c erst im September erschien und sich mit schleppenden Rhythmen und vielfacher Verzerrung exemplarisch f\u00fcr eine Vorf\u00fchrung als Antwort auf die gelegentlich zu stellende Frage, was man an solcher Musik eigentlich so gut finde, eignet, denn die Mitwippwahrscheinlichkeit ist hier genretypisch bemerkenswert hoch. <a href="\&quot;https://monolord.bandcamp.com/album/rust\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Kettlespider \u2013 Kettlespider</span><br>\nAuf ihrem zweiten, trotzdem nach sich selbst benannten Studioalbum brilliert das australische Instrumentalquintett <span class=\"musik-review-bandname\">Kettlespider</span> mit jazzkompatiblem, dennoch gitarrenfokussiertem Progressive Rock, der in den ruhigen Momenten <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, in den energetischeren <span class=\"musik-review-bandname\">Rush</span> nicht einfach kopiert, sondern im Fluss aus bravour\u00f6sen Rhythmen mitziehen l\u00e4sst. <a href="\&quot;https://kettlespider.bandcamp.com/album/kettlespider\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">In Search Of Sun \u2013 Virgin Funk Mother</span><br>\nDass ich Spa\u00df an dem habe, was <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/02/jeavestone-11ok/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Jeavestone</span></a> einmal recht treffend als \u201eProg\u2019n\u2019Roll\u201c beschrieben, bei Quatschjournalisten vermutlich \u201eAlternative Rock\u201c hie\u00dfe und ungef\u00e4hr klingt wie h\u00fcpfende, krummtaktige <em>Sommerhits</em> von Leuten, die ihr bevorzugtes Instrument noch selbst spielen und nicht am Computer simulieren, best\u00e4tigen 2017 die Briten von <span class=\"musik-review-bandname\">In Search Of Sun</span>, die mit ihrem \u201eungest\u00fcmen Genre-Cocktail\u201c (Marco G\u00f6tz, \u201eMETAL HAMMER\u201c) auch an k\u00e4lter werdenden Abenden eine gewisse Freude an Bewegung aufkommen lassen. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Virgin-Funk-Mother-Search-Sun/dp/B07543K3LD?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">I Am the Manic Whale \u2013 Gathering the Waters</span><br>\nWer glaubte, dass das Thema Retroprog in <span class=\"musik-review-bandname\">Yes\u2019scher</span> Tradition 2017 keine gro\u00dfe Rolle mehr spiele, der untersch\u00e4tzte die Begeisterung immer neuer Musiker f\u00fcr die alten Meister, wie auch die vier Herren von <span class=\"musik-review-bandname\">I Am the Manic Whale</span>, einer sehr sch\u00f6n hei\u00dfenden britischen Band mit ausgewiesener Freude an der Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Big Big Train</span>, (den alten) <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Rush</span> und Artverwandten, auf ihrem erfreulichen Zweitling \u201eGathering the Waters\u201c, der bei aller Siebzigerei frisch und knackig aus dem Kopfh\u00f6rer schallt, bereichernd belegen. <a href="\&quot;https://iamthemanicwhale.bandcamp.com/album/gathering-the-waters\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Pere Ubu \u2013 20 Years in a Montana Missile Silo</span><br>\nAuch nach 42 Jahren wei\u00df die musikalische Konstante \u2013 inzwischen zum Nonett angewachsen \u2013 die bew\u00e4hrte, aber niemals langweilige Verbindung aus Bluesrock, Rock\u2019n\u2019Roll und Avantgardesquem, die von <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> bis <span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span> <em>eigentlich</em> beinahe alles, was einigerma\u00dfen, aber noch nicht \u00fcbertrieben <em>schr\u00e4g</em> ist, als h\u00f6rbaren Einfluss vereint, zu einem Genuss zu machen, was wohl auch an der wandlungsf\u00e4higen Stimme des letzten verbliebenen Bandgr\u00fcnders <span class=\"musik-review-bandname\">David Thomas</span> liegen mag, dessen Vokalk\u00fcnste allein schon eine Kenntnisnahme empfehlen. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/20-Years-Montana-Missile-Silo/dp/B074KZZP3P?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Lesser Men \u2013 Biding Time</span><br>\nDie Musik auf \u201eBiding Time\u201c ist im Kern melodischer Br\u00fcllmetal zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Dream Theater</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">A Silver Mt. Zion</span> (\u201e2305\u201c), der die innere Verzweiflung des H\u00f6rers (lies: Verfassers dieser kurzen Rezension) ausreichend anregen, dass er sich zum Mitbr\u00fcllen animiert f\u00fchlt, leider kenne ich aber den Text (und die Melodie) noch nicht gut genug, habe mir aber vorgenommen, das in n\u00e4chster Zeit bei sich bietender Gelegenheit zu korrigieren. <a href="\&quot;https://sundaydriverecords.bandcamp.com/album/biding-time\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Ufomammut \u2013 8</span><br>\nDas ziemlich italienische, ziemlich b\u00e4rtige Stoner-Doom-Metal-Trio mit dem wohlklingenden Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Ufomammut</span> wei\u00df auch nach achtzehn Jahren Bandgeschichte auf ihrem aus acht St\u00fccken bestehenden achten Studioalbum, der Einfachheit zugunsten schlicht \u201e8\u201c (\u201eAcht\u201c) benannt, noch positive \u00dcberraschungen bereitzuhalten. <a href="\&quot;https://ufomammut.bandcamp.com/album/8-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Flying Eyes \u2013 Burning Of The Season</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">The Flying Eyes</span> pr\u00e4sentieren soliden, modernen Rock\u2019n\u2019Roll mit angenehm bretternder Gitarre, galoppierendem Schlagzeug und genreuntypisch unpeinlichem Gesang und sind eine wertvolle Erg\u00e4nzung f\u00fcr den Plattenschrank jedes Musikfreundes, der findet, dass diese Gitarrenbands heutzutage insgesamt viel zu viel Popmusik machen. <a href="\&quot;https://theflyingeyes.bandcamp.com/album/burning-of-the-season\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Orpheus Nine \u2013 Transcendental Circus</span><br>\nDas beste <span class=\"musik-review-bandname\">Transatlantic</span>-Album des Jahres 2017 haben <span class=\"musik-review-bandname\">Orpheus Nine</span> ver\u00f6ffentlicht: Retro-Prog mit deutlicher Canterburynote kann auch frisch und unpeinlich klingen \u2013 gern mehr davon. <a href="\&quot;https://orpheusnine.bandcamp.com/album/transcendental-circus\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></li>\n</ol>\n<p>So! Was machen wir jetzt? Ah, richtig: Eine R\u00fcckschau auf fuffzich Jahre Musikgeschichte. Das f\u00e4llt mir jedes Mal ein bisschen schwerer, weil der Abstand zwischen heute und vor 50 Jahren mir immer k\u00fcrzer vorkommt. Alt zu werden ist anstrengend, man m\u00f6ge es mir nicht nachmachen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Alt und stark.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 50 Jahren:</span>\n<p>\u00dcber 1967 muss man musikalisch nicht mehr viele Worte verlieren, denn das meiste (<span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Velvet Underground</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Beach Boys</span>) ist zur Gen\u00fcge bekannt. Ansonsten geschah unter anderem dies: Im Fernsehen lief \u201eDaktari\u201c, die Musik zur Serie wurde so beliebt wie die Serie selbst. <span class=\"musik-review-bandname\">Marvin Gaye</span> erholte sich noch von dem Erfolg seiner Coverversion von \u201eI Heard It Through the Grapevine\u201c und lie\u00df erst einmal das zusammen mit der jungen, allerdings nicht mehr allzu lange lebenden S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Tammi Terrell</span> aufgenommene Album <span class=\"musik-review-album-titel\">United</span> ver\u00f6ffentlichen. Der Schnulzens\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Neil Diamond</span> nannte sein zweites, nicht <em>allzu</em> \u00fcbles Vollzeitalbum, auf dem die meisten Lieder, die man von ihm <em>halt so kennt</em>, drauf sind, \u201eJust For You\u201c, die <span class=\"musik-review-bandname\">Bee Gees</span> ihr drittes irritierenderweise <span class=\"musik-review-album-titel\">Bee Gees\u2018 1st</span>. Auch die S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Nico</span>, die 1966 im Film \u201eChelsea Girls\u201c mitgespielt hatte, begann im gleichen Jahr mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Chelsea Girl</span> ihre, wie ich finde, zu kurze Solokarriere, w\u00e4hrend <span class=\"musik-review-bandname\">Leonard Cohen</span> offenbar gar nicht wusste, dass er noch bis 2016 eine Menge Musik machen w\u00fcrde, und sein ebenfalls 1967 erschienenes Deb\u00fctalbum schlicht <span class=\"musik-review-album-titel\">Songs of Leonard Cohen</span> nannte. Lustig w\u00e4re es gewesen, h\u00e4tte er einfach jedes Album so genannt, denn es waren ja in der Regel allesamt seine Lieder. Dann eben nicht.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span>\n<p>1977, das Jahr des untergehenden Progressive Rock, zerrieben von Punk- und Discomusik? Fast! Die <em>nat\u00fcrlich</em> britische Band <span class=\"musik-review-bandname\">England</span>, die es seit wenigen Jahren gab, zeigte mit ihrem ersten und letzten regul\u00e4ren Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Garden Shed</span> noch einmal, dass es ein Fehler sein w\u00fcrde, Drei-Akkorde-Musik dem elegischen \u201eProg\u201c der sp\u00e4ten Sechziger vorzuziehen, ist damit jedoch leider nicht besonders weit gekommen. <span class=\"musik-review-bandname\">Univers Zero</span> deb\u00fctierten mit <span class=\"musik-review-album-titel\">1313</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span> kaschierten den Weggang von <span class=\"musik-review-bandname\">David Jackson</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Hugh Banton</span>, indem sie den Generator aus ihrem Namen strichen und mit dem Neumitglied <span class=\"musik-review-bandname\">Graham Smith</span> an der Violine und dem Altbassisten <span class=\"musik-review-bandname\">Nic Potter</span> das stimmige <span class=\"musik-review-album-titel\">The Quiet Zone / The Pleasure Dome</span> pr\u00e4sentierten. <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Gabriel</span> verarbeitete seinen Ausstieg bei der nervigen Inselband <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> inzwischen, indem er mit dem langweilig benannten Album <span class=\"musik-review-album-titel\">I</span> seine Solom\u00f6glichkeiten zu erforschen begann. Mit dem f\u00fcnften Album namens <span class=\"musik-review-album-titel\">So</span> (1986) h\u00f6rte er dann auch endlich auf, seine Alben einfach nur durchzunummerieren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span>\n<p>Wer hat zwei Daumen und m\u00f6chte nicht mehr \u00fcber die Unmusik der 1980er reden? \u2013 1987 war selbst dort, wo einst Gro\u00dfes geschaffen worden war, so scheu\u00dflich wie erwartet: <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> widerten die Welt mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Big Generator</span> an, <span class=\"musik-review-bandname\">Michael Jackson</span> vertonte sein <span class=\"musik-review-album-titel\">Bad</span>, selbst <span class=\"musik-review-bandname\">Marillions</span> letztem Album mit dem fantastischen S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Fish</span> namens <span class=\"musik-review-album-titel\">Clutching at Straws</span> wohnte kein Zauber mehr inne. Aus der Deckung traute sich <span class=\"musik-review-bandname\">Enya</span>, deren Deb\u00fct leider genau so hie\u00df, jedoch machten <span class=\"musik-review-bandname\">Pop Will Eat Itself</span> (<span class=\"musik-review-album-titel\">Box Frenzy</span>) und <span class=\"musik-review-bandname\">V\u00e4rttin\u00e4</span> (Deb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">V\u00e4rttin\u00e4</span>) Hoffnung, dass das nicht alles gewesen sein w\u00fcrde.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span>\n<p>Na also, es ging doch: Die verr\u00fcckten Japaner <span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Temple &amp; the Melting Paraiso U.F.O.</span> entfernten 1997 den Genitivapostroph aus ihrem Bandnamen und ver\u00f6ffentlichten drei Alben, <span class=\"musik-review-bandname\">Morphine</span> \u00fcberzeugten auf dem erfolgreichen <span class=\"musik-review-album-titel\">Like Swimming</span> noch einmal mit ihrem unvergleichlichen <em>jazz noir</em>, die <em>irgendwie \u00e4hnlichen</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Tindersticks</span> legten das feine <span class=\"musik-review-album-titel\">Curtains</span> vor. In Kanada entfalteten sich <span class=\"musik-review-bandname\">Godspeed You! Black Emperor</span> mit ihrem ersten Album <span class=\"musik-review-album-titel\">F\u266f A\u266f \u221e</span>, das von zeitgen\u00f6ssischer Kritik f\u00fcr seine, verglichen mit dem Rest der 1990er, bemerkenswerte Sch\u00f6nheit gew\u00fcrdigt wurde, die schottischen \u2013 mehr oder weniger \u2013 Genrekollegen <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> deb\u00fctierten mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Mogwai Young Team</span>. Sch\u00f6nheit ist ja immer auch eine Frage der Relation: Die einstigen Anarchopunks <span class=\"musik-review-bandname\">Chumbawamba</span> landeten mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Tubthumper</span> und dem Quasi-Titellied \u201eTubthumping\u201c einen \u00e4rgerlichen Welthit, hinter dem ihre \u00fcbrigen Werke zu Unrecht fast verschwanden und heute so gut wie vergessen sind. Konsequent ver\u00f6ffentlichte ebenfalls 1997 die englische Band <span class=\"musik-review-bandname\">Blur</span>, die so hei\u00dft wie das Ger\u00e4usch, das man macht, wenn man sie h\u00f6rt, ihr f\u00fcnftes Album, das so hei\u00dft wie das Ger\u00e4usch, das man macht, wenn man es h\u00f6rt, n\u00e4mlich <span class=\"musik-review-album-titel\">Blur</span>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span>\n<p>Ein neues Jahrtausend, eine neue Musik. \u201eNeu\u201c? Nun ja, es wurde vieles schon gesagt, nur noch nicht von jedem: <span class=\"musik-review-bandname\">Starcastle</span> waren mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Song of Times</span> wieder zur\u00fcck und machten \u2013 wenn auch auf beachtlich hohem Niveau \u2013 immer noch den Progressive Rock  der 1970er nach, <span class=\"musik-review-bandname\">Rush</span> spielten auf <span class=\"musik-review-album-titel\">Snakes &amp; Arrows</span> Musik, die nach <span class=\"musik-review-bandname\">Rush</span> klingt, und <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span>, deren Frontmann <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> ich die Behauptung, es sei jede Musik schon gemacht worden, eigentlich entliehen habe, setzten auf <span class=\"musik-review-album-titel\">Nil Recurring</span> ihren damals aktuellen Stil einfach fort. Mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Fornika</span> stagnierten auch <span class=\"musik-review-bandname\">Die Fantastischen Vier</span>, auf den folgenden Alben ging es erschreckend schnell bergab. Wagemutiger zeigte sich <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave</span>, dessen gewaltige Noiserockband <span class=\"musik-review-bandname\">Grinderman</span> 2007 eindrucksvoll im Studio deb\u00fctierte, ebenso wie das Augsburger Postrockwunder <span class=\"musik-review-bandname\">Dear John Letter</span>, dessen handgeklebte <span class=\"musik-review-album-titel\">EP2007</span> auch heute noch, obwohl die Band l\u00e4ngst <span class=\"musik-review-bandname\">Carpet</span> hei\u00dft und mich langweilt, einen Ehrenplatz in meinem ausged\u00fcnnten CD-Regal hat.</p></li>\n</ul>\n<p>Durch? Durch! Die n\u00e4chste R\u00fcckschau wird es, falls nichts dazwischenkommt, etwa zur Halbzeit 2018 an dieser Stelle geben. Ich hoffe, 2018 wird in musikalischer Hinsicht mindestens genau so interessant wie 2017 werden.</p>\n<p>Nun bleibt es mir eigentlich nur, mich bei allen Lesern f\u00fcr die Geduld, bis hierhin gelesen zu haben, zu bedanken und ihnen eine ertragreiche Reise durch das hier Vorgestellte zu w\u00fcnschen. Wie immer bitte ich um Erg\u00e4nzung, sollte ich ein interessantes Album vergessen haben \u2013 ich reiche es dann gegebenenfalls sp\u00e4ter nach.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/06/kurzkritik-tony-conrad-faust-outside-the-dream-syndicate/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: Tony Conrad &amp; Faust \u2013 Outside the Dream Syndicate</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">30. Juni 2018</a> dies: [\u2026] Jahr 1963 entstand, wie aufmerksame Leser l\u00e4ngst wissen, in den USA das von La Monte Young gef\u00fchrte Theatre of Eternal Music, ein Kollektiv von Musikern, [\u2026]</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2018 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">26. Dezember 2018</a> dies: [\u2026] neun Minuten lang. Erstmals in der Band ist Schlagzeuger Chris Morley, der zuvor unter anderem f\u00fcr Gnod trommeln, hihatten usw. durfte. Beim \u201eGuardian\u201d sprach man mit Bezug auf \u201eKing of Cowards\u201d [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/c61ed4fbdb414f668fe57a39619c89bf\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 19 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickEin seltsames Jahr 2017 ist fast zu Ende und hat in seiner zweiten Jahresh\u00e4lfte noch schnell ein paar einflussreiche Musiker, darunter die H\u00e4lfte von Can (Jaki Liebezeit und Holger Czukay), John Abercrombie, Walter Becker und Charles Manson, den jeweils n\u00e4chsten Tag nicht mehr erleben lassen. Zum Gl\u00fcck wachsen immer wieder neue Musiker nach, die sich auf alte Tugenden besinnen. Von einigen von ihnen soll heute anl\u00e4sslich des zweiten Teils der besten Musikalben 2017 die Rede sein.\nDa der erste Teil merklich k\u00fcrzer als \u00fcblich geraten war, blieb f\u00fcr den zweiten nat\u00fcrlich eine Menge Musik \u00fcbrig. Vorzeitig befasst hatte ich mich seit Juli bereits mit den aktuellen Alben von Ex Eye, OHHMS, Hundredth, Reflections in Cosmo, Igorrr, L\u2019Effondras und The Narcotic Daffodils. Dennoch war das Jahr noch produktiv genug f\u00fcr eine lange Liste an noch unausgesprochenen Empfehlungen.\nN\u00e4mlich f\u00fcr diese:\n1. Lang und breit.\n\n Br\u00f6selmaschine \u2013 Indian Camel\nBevor Helge Schneider sich dem Klamauk, wie man heute so sch\u00f6n sagt, opferte, war die Profession, mit dem ihn die Menschen wohl am meisten verbanden, die einigerma\u00dfen seri\u00f6se Musik, f\u00fcr die er heute zu Unrecht vergleichsweise wenig bekannt ist. In den 1970-er Jahren etwa spielte er in der schon namentlich ziemlich cannabisumw\u00f6lkten \u2013 im Wortsinne \u2013 Krautrockband Br\u00f6selmaschine, zu der er sp\u00e4ter, zuletzt im Jahr 2005, gelegentlich wieder zur\u00fcckkehrte.\nDie Band Br\u00f6selmaschine aus ausgerechnet Duisburg, aus deren Mitte vor allem der Gitarrist Peter Bursch, dessen Lehrb\u00fccher zwecks Erlernens des Gitarrenspiels wohl eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, sich immer mal wieder auf allerlei B\u00fchnen zu sehen ist, hatte ihr viertes und bis dato letztes Studioalbum \u201eGraublau\u201c 1985 ver\u00f6ffentlicht, seitdem gab es zwar noch manche Konzerte, jedoch keine neuen, allgemein erh\u00e4ltlichen St\u00fccke mehr. Mit \u201eIndian Camel\u201c wurde dieser Umstand nun korrigiert: 32 Jahre nach dem Vorg\u00e4ngeralbum hat sich eine siebenk\u00f6pfige Besetzung, darunter die erst 2014 eingestiegene S\u00e4ngerin Liz Blue, mit drei G\u00e4sten, zu denen auch Helge Schneider am Saxophon statt, wie einst, als Organist geh\u00f6rt, zusammengefunden, um einen vertonten Haschtag \u2013 nicht: hashtag \u2013 aufzunehmen, der diese R\u00fcckschau angenehm entspannt einleiten darf.\nDass mit \u201eChildren of the Revolution\u201c ein Lied von T.Rex, mit denen Br\u00f6selmaschine vor Jahrzehnten bereits gemeinsam aufgetreten waren, als Coverversion auf \u201eIndian Camel\u201c zu finden ist und bei der Gelegenheit als prima Rockmusikst\u00fcck auch beredt Zeugnis \u00fcber die Wandlungsf\u00e4higkeit der Gruppe ablegt, \u00e4ndert nichts an der Eigent\u00fcmlichkeit, die \u201eIndian Camel\u201c umgibt. Im Titelst\u00fcck wird wie auch an anderer Stelle \u2013 passend zum Namen \u2013 Indisches mit Weltmusik und Blues mit akustischer Gitarre verbunden. Irgendwo im Web ist von einem \u201ehypnotischen Trip\u201c die Rede, von einer \u201eNummer f\u00fcr die Geschichtsb\u00fccher\u201c gar, und ich mag angesichts mancher klanglicher Grausamkeit des Jahres 2017 da auch gar nicht widersprechen.\nReinh\u00f6ren: Schnipsel gibt es auf Amazon.de, den Rest auf TIDAL.\n Ulver \u2013 The Assassination of Julius Caesar\n\u201eSigh, my heart, but do not break\u201c (Coming Home)\n\u00dcber den altr\u00f6mischen Feld- und Kriegsherrn Julius C\u00e4sar, anfangs bestechender, schlie\u00dflich erstochener Herrscher des R\u00f6mischen Reiches kurz vor der sog. \u201eZeitenwende\u201c, ist manches gesichert bekannt, manches jedoch romantisierte Erfindung. Der Romantisierung selten verd\u00e4chtigt wird das norwegische Sextett Ulver, das seinen anf\u00e4nglichen typisch skandinavischen Black Metal schon bald nach seiner Gr\u00fcndung diversifizierte. Sein diesj\u00e4hriges Studioalbum \u201eThe Assassination of Julius Caesar\u201c, anderswo als das \u201eeinzige relevante Depeche-Mode-Album\u201c des Jahres bezeichnet, schafft das Kunstst\u00fcck, gleichzeitig f\u00fcr Metal- und Pop-Blogs von Interesse zu sein, wof\u00fcr die Musik nicht einmal unbedingt etwas kann.\nTats\u00e4chlich wird hier klanglich tief in die New-/Dark-Wave-Kiste gegriffen. Den gezogenen Vergleich teile ich pers\u00f6nlich nicht, denn wo Depeche Mode z\u00e4h wabern, haben es Ulver mehr mit d\u00fcsterem Dr\u00f6hnen. In einer einfacheren Welt w\u00e4re dies hier vermutlich schlicht \u201eelektronische Tanzmusik\u201c, aber dieses Etikett ist seit der Discowelle untauglich geworden. Ich h\u00f6re die j\u00fcngste, d\u00fcsterste Inkarnation von Crippled Black Phoenix (\u201eSo Falls The World\u201c) ebenso wie \u2013 in den freif\u00f6rmigeren Momenten \u2013 Faust und Neu! (\u201eRolling Stone\u201c). Textlich ist die Zeit der C\u00e4saren nur ein Teil des Umfassten, es geht um mancherlei prominenten Tod der vergangenen Jahrzehnte und Jahrtausende, darunter auch die Morde der \u201eFamily\u201c des vor kurzem verstorbenen Charles Manson (\u201e1969\u201c). Anspruch darf es ja immer auch noch sein.\nNat\u00fcrlich t\u00e4uscht das nicht dar\u00fcber hinweg, dass Ulver hier eine Kiste entstauben, die man meist lieber geschlossen l\u00e4sst, n\u00e4mlich die der musikalischen 80-er Jahre, aber sie tun es mit Stil und ohne K\u00e4sekeyboards, was allein schon eine Erw\u00e4hnung wert w\u00e4re; dass Ulver es insgesamt schaffen, dass mir ein Album, dessen Inhalt anderswo schlicht als \u201eSynthie-Pop\u201c beschrieben wird, gut gef\u00e4llt, tut ein \u00dcbriges. Das Beste allerdings bleibt, dass nicht abzusehen ist, wie das Nachfolgealbum klingen wird, denn Ulver bleiben ungern stehen. Ich jedenfalls empfehle ein kurzes Innehalten zwecks Genusses dieses Albums.\nReinh\u00f6ren: Ulver  streamen auf Bandcamp.com, aber auch Amazon.de erm\u00f6glicht kurzes Anh\u00f6ren und Kauf.\n Gnod \u2013 Just Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine\nGelegentlich schlendere ich durch Gesch\u00e4fte, die tats\u00e4chlich Filialen besitzen, also \u201eoffline\u201c existieren, und schaue dort die einschl\u00e4gigen Vinylangebote an. Manchmal begegne ich interessanten Neuauflagen sehr gesch\u00e4tzter Altwerke, selten aber auch mir bis dahin v\u00f6llig unbekannte Alben, deren Aufmachung allein mich neugierig macht. So ging es mir auch bei \u201eJust Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine\u201c von Gnod: W\u00fcrde das Enthaltene wirklich so liebensw\u00fcrdig schlecht sein wie es den Anschein hat?\n\u00dcberraschend stellt sich heraus: Das ist tats\u00e4chlich der Fall. Gnod \u2013 Deb\u00fctalbum: \u201eIngnodwetrust\u201c, Spa\u00df an der Sache bringen die Musiker also mit \u2013 ist eine britische Band, der trotz ihrer Selbstbeschreibung als \u201ePsych-Electronic-Combo\u201c und ihrer Herkunft von manchen Rezensenten das Etikett \u201eKrautrock\u201c angeheftet wird, was \u00fcber das Prinzip der Etikettierung selbst manches aussagt. Musikalisch stecken au\u00dfer Faust und Can hier n\u00e4mlich durchaus andere \u00dcberraschungen drin: Trotz beachtlichen Wortreichtums ist das Gebotene im Prinzip prima Postpunk.\nMan m\u00f6ge sich von dieser schlichten Beschreibung nicht irreleiten lassen, denn Gnod, eine \u201eBand unheiliger Kakophonie\u201c (Benjamin Bland, \u201eDrowned in Sound\u201c) geben in der Tat mehr Musik preis als die Genrekollegen Sleaford Mods, deren karges Tun regelm\u00e4\u00dfigen Lesern bereits im Juli begegnet sein k\u00f6nnte, und machen auch vor einem Genre\u00fcbergriff in den Industrialbereich nicht Halt. Thematisch wie musikalisch ist \u201eJust Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine\u201c ein Album der totalen Verweigerung, griffige Mitbr\u00fcll-Protestmusik ist hier nicht zu erwarten. Gnod begegnen ihrer feindlichen Umwelt stattdessen mit f\u00fcnf teils langen St\u00fccken (\u201eStick In the Wheel\u201c ist \u00fcber 12 Minuten lang) in recht unterschiedlicher Manier: \u201eBodies For Money\u201c beginnt mit jaulender Gitarre und klassischem Garagen-Punk, geht dann \u00fcber in einen beinahe jazzigen Mittelteil, in dem der Refrain ungeduldig klingend gesprochen wird, eskaliert schlie\u00dflich aber anschwellend in ein fabelhaftes Instrumentenspektakel. W\u00e4hrend das zehnmin\u00fctige \u201ePeople\u201c auch mit seinem erneut total durchdrehenden Endteil eher im New Artrock zu Hause ist, bewegen sich \u201ePaper Error\u201c und \u201eReal Man\u201c augenscheinlich im schlichten Punkrock, fallen aber auf den zweiten Blick beziehungsweise H\u00f6r dadurch auf, dass die Band neben dem, was vielleicht anderswo Geschrammel hie\u00dfe, eher einen psychedelisch-repetitiven Hardrock spielt, der in der Klischeepunkkneipe nicht verstanden w\u00fcrde. S\u00e4nger Neil Francis dr\u00e4ngt sich niemals in den Vordergrund, was eine angenehme Abwechslung zu manch anderer Br\u00fcllpunkband, etwa aus D\u00fcsseldorf, darstellt.\n\u201eStick In the Wheel\u201c schlie\u00dflich vermengt vor allem in den ersten drei Minuten Postpunk mit Industrial, um dann pl\u00f6tzlich einen instrumentalen, \u201ekrautigen\u201c RIO/Avant-Teil einzul\u00e4uten, der so schnell verschwunden wie gekommen ist, um Platz f\u00fcr acht Minuten ausgedehnten Elektrojazzes zu machen, der (vielleicht unbewusst) rhythmisch Talk Talks einmaliges \u201eDesire\u201c ebenso zitiert wie lateinamerikanische T\u00e4nze. Ein Stock im Rad der Genrefetischisten? M\u00f6glich w\u00e4r\u2019s. Einfach \u201eNein\u201c sagen? Ich sage \u201eJa\u201c \u2013 jedenfalls zu Gnod.\nReinh\u00f6ren: Stream und Kauf stellt die Band auf Bandcamp.com zur Verf\u00fcgung, auf YouTube kann man einen Auszug aus einem ihrer Liveauftritte ansehen.\n Circle \u2013 Terminal\nDie wuselige Gruppe Circle ist jedenfalls mir zuerst Ende 2011 begegnet. Die umtriebige finnische Band \u00fcberrascht nach wie vor mit einer enormen Ver\u00f6ffentlichungsfrequenz: Seit der Gr\u00fcndung im Jahr 1991 erschien eine Vielzahl an EPs, Live- und Studioalben, man benannte sich f\u00fcr die Dauer eines Albums (n\u00e4mlich \u201eFrontier\u201c von 2013) in Falcon um und wieder zur\u00fcck. \u201eTerminal\u201c ist der erstaunlich lange erwartete Nachfolger des 2015 ver\u00f6ffentlichten Albums \u201ePharaoh Overlord\u201c und nach konservativer Sch\u00e4tzung \u2013 also abz\u00fcglich des teilweise aus \u00e4lteren Singles zusammengesetzten \u201eKollekt\u201c \u2013 das 31. Studioalbum der Band.\nMomentan hat sie sieben Mitglieder, nach wie vor an Bord ist Gr\u00fcnder, Bassist und S\u00e4nger Jussi Lehtisalo, der sich neben Circle als Mitglied oder wenigstens Gast noch verschiedene andere Bands (darunter die beachtlichen Kirvasto, Grumbling Fur und Ektroverde) hielt oder noch h\u00e4lt. Andere zeitgen\u00f6ssische Musiker bringen es nicht einmal auf eine einzige, sind aber bekannter und beliebter. Kreativit\u00e4t wird nicht mehr belohnt. Das ist schade f\u00fcr Circle, denn so entgeht ihnen eine Menge verdienter Aufmerksamkeit.\nNat\u00fcrlich gibt es auf \u201eTerminal\u201c, man m\u00f6ge nicht von pl\u00f6tzlichem Identit\u00e4tsverlust ausgehen, gewohnte Circle-Kost, n\u00e4mlich vorz\u00fcglichen Stoner- und Spacerock, der auch diesmal wieder nicht klingt wie etwas, was man schon hundertmal geh\u00f6rt hat. Intensive, hypnotisch-repetitive Rhythmen mit ebenso intensivem Gesang (und Geschrei) des unver\u00e4ndert gro\u00dfartigen Mika R\u00e4tt\u00f6 dominieren die knappe Dreiviertelstunde Laufzeit, durchsetzt mit spannenden Einf\u00e4llen; in \u201eRakkautta al dente\u201c etwa scheint auch mal folkiger Mittelaltermetal durch.\nEigentlich ist auf \u201eTerminal\u201c also alles wie immer \u2013 und es ist wie immer prima.\nReinh\u00f6ren: Auf Amazon.de kann man in \u201eTerminal\u201c hinein- und es auf TIDAL vollst\u00e4ndig h\u00f6ren.\n Bask \u2013 Ramble Beyond\nWir wechseln nun wieder das Land und mit ihm den Kontinent: Aus Nordamerika, n\u00e4mlich North Carolina, stammt das Quartett Bask, was auf Deutsch entweder \u201eSonnen\u201c und \u201eAalen\u201c oder gar nichts bedeutet, weil das \u00dcbersetzen von Eigennamen ja immer so eine Sache ist. Erfahrene Sprachbenutzer wissen, dass mit so Sachen besser nicht leichtfertig verfahren werden sollte.\nAuf \u201eRamble Beyond\u201c gibt es in sechs St\u00fccken, naturgem\u00e4\u00df allesamt nicht gerade in Supermarktradioformat, donnernde Musik zu h\u00f6ren, die weitgehend als einigerma\u00dfen psychedelischer Hard-/Stoner-Rock (\u201eunverf\u00e4lschter Rock\u201c schreibt Nadine Schmidt auf \u201eMetal.de\u201c) zu identifizieren ist, wenngleich \u201eThe Lonesome Sound\u201c passenderweise eher als allerdings recht energiereicher Bluesrock durchgehen mag. Ab Beginn (\u201eAsleep in the Orchard\u201c) vernehme ich erfreut, dass der Gesang hier nicht unn\u00f6tig dominant gemischt ist, sondern sich stattdessen sozusagen als stimmliche Leadgitarre in das Gesamtkonzept einf\u00fcgt. Es herrschen melodiefreudige Gitarrenspiele und Rhythmus, als seien Post- und Hardrock eine Allianz eingegangen, die jedenfalls ich so reif und kantenlos auch noch nie wahrgenommen habe. Ich mag das.\nAndreas Schiffmann notierte zu \u201eRamble Beyond\u201c:\n\u201eRamble Beyond\u201c ist (\u2026) ein in sich stimmiges, nachhaltiges und episches, vor allem aber sehr eigenst\u00e4ndiges Werk im Kontext des andauernden Vintage-Rock-Treibens, irgendwo zwischen Prog, Post und Weltraum, falls das Sinn ergibt.\nDas kann ich so stehen lassen.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com stellt Stream und Kauf zur Verf\u00fcgung.\n The Electric Family \u2013 Terra Circus\nThe Electric Family ist ein 1996 von Tom Redecker gegr\u00fcndetes kommunen\u00e4hnliches \u2013 daher wohl der Name \u2013 Musikprojekt, an dem sich immer mal wieder verschiedene Musiker aus unterschiedlichstem Umfeld, darunter die mittlerweile verstorbenen Volker \u201eMist\u201c Kahrs (Grobschnitt) und Hagen Liebing (unter anderem Die \u00c4rzte), beteiligt haben. \u201eTerra Circus\u201c ist nach einer Ver\u00f6ffentlichungspause von etwa zehn Jahren das f\u00fcnfte Studioalbum der Band, die neben ihren Eigenkompositionen auch gelegentlich Lieder anderer K\u00fcnstler neu einspielen. Auf \u201eTerra Circus\u201c sind es zwei \u2013 aber fangen wir vorn an.\n\u201eVorn\u201c, das ist in diesem Fall das er\u00f6ffnende \u201eMovin\u2018&nbsp;\u201c, das eing\u00e4ngiger, aber sehr gef\u00e4lliger Mitwippbluesrock ist. Fast w\u00e4re es radiotauglich, w\u00e4re das St\u00fcck nicht doppelt so lang wie Radiosender es heutzutage zulassen. Der Gesang wirkt auf mich etwas \u00fcberpathetisch, aber daran soll es nicht scheitern. Es folgt die erste Coverversion: \u201eLucrecia, My Reflection\u201c ist genau das, wovon der musikalisch erfahrene Leser sofort beim Lesen ausgeht, wenn auch mehr an Elvis Presley oder dem Blues-/Country-Rock von Bela B als an den Sisters of Mercy orientiert. Anders Becker entlockt der Elektronik manches Space-Zirpen, ein ausgedehntes Gitarrensolo bestimmt die zweite H\u00e4lfte des St\u00fccks.\nAuch \u201eWhen Dizzyness Comes Around\u201c l\u00e4sst sich die Vorliebe der Musiker f\u00fcr Artverwandtes deutlich anmerken: Velvet Undergrounds  oft vergessenes \u201eSqueeze\u201c, die Soloalben von Bela B und die ersten zwei Alben von Roxy Music existieren hier pr\u00e4chtig nebeneinander. Das folgende \u201eMary, Mary, so Contrary\u201c ist ebenfalls eine Coverversion eines Klassikers, allerdings eines noch \u00e4lteren, denn das Original erschien auf dem offiziellen Deb\u00fctalbum \u201eMonster Movie\u201c der Krautrockpioniere Can. Die verr\u00fcckte Psychedelik dieses Originals weicht in der Version von The Electric Family einer sommerlich-leichten Stimmung, was zum \u00fcbrigen Album fraglos gut passt. Eigenst\u00e4ndigkeit geht eben auch mit Coverversionen.\n\u201eLandmark Visions II\u201c ist sozusagen die Fortsetzung von \u201eLandmark Visions\u201c vom 2002 aufgenommenen \u201eIce Cream Phoenix\u201c, diesmal jedoch nicht ganz so lang. Die bei The Electric Family allgegenw\u00e4rtige Gitarre soliert, leider nur sehr kurz, hier angenehm disharmonisch. Apropos \u201esehr kurz\u201c: \u201eSantuario\u201c ist ein nicht einmal drei Minuten langes elektronisches Zwischenspiel, das ungef\u00e4hr so klingt, wie man sich indische Housemusik vorstellen w\u00fcrde, wenn man \u2013 wie der Schreiber dieser Zeilen \u2013 Housemusik nicht so gut kennt. \u201eTerra Circus\u201c endet schlie\u00dflich mit \u201eName the Dreamboat\u201c, das abermals sch\u00f6n ungeduldiger Gitarrenbluesrock ist, aber sich eines Postpunkeinschlags nicht erwehren kann. Statt Gesangs wird hier gesprochen \u2013 nicht die einzige Gemeinsamkeit mit den unvergleichlichen The Fall und allein schon ein Grund, in \u201eTerra Circus\u201c einmal bewusst hineinzuh\u00f6ren.\nReinh\u00f6ren: Und zwar entweder auf Amazon.de oder auf TIDAL.\n The Hirsch Effekt \u2013 Eskapist\n\u201eLustlos, achtlos / f\u00e4llt ihm denn nicht mal was Neues ein?\u201c (Xenophotopia)\nDas bedauerlicherweise aus Hannover stammende Trio The Hirsch Effekt, f\u00fcr das sich bezahlte Schreibschergen irgendwann einmal das Nonsensgenre \u201eArtcore\u201c \u00fcberlegt haben, hat mich mit jedem seiner ersten drei Alben in doppeltem Sinne vom Stuhl gehauen. Feinsinn ist langweilig.\nNach dem Abschluss der \u201eHolon\u201c-Trilogie im Jahr 2015 weigerte sich die umbesetzte Gruppe, sich v\u00f6llig neu aufzustellen. Warum auch? \u201eEskapist\u201c, der Titel deutet es an, ist eine Flucht nach vorn, eine Verbindung zwischen den orchestralen Teilen der ersten und dem wilden Brett der letzten \u201eHolon\u201c-Platte. Die Titel sind so gewohnt kryptisch wie die Melodien, surreale Grafik ist zu sehen und zu h\u00f6ren.\nEs wird also dem Djent, dem technischen Metal, dem Math-Wasauchimmer gefr\u00f6nt. Gesang, Geschrei, Growls wechseln einander ab, ohne unabsichtlich peinlich zu sein. Die St\u00fccke \u2013 auch das kennt man von fr\u00fcher gehen zum Teil ineinander \u00fcber. Von den zw\u00f6lf enthaltenen Kleinoden greife ich einfach mal quasi willk\u00fcrlich sechs heraus, die trotzdem beispielhaft f\u00fcr die ganze Band stehen: Da w\u00e4re \u201eXenophotopia\u201c, das textlich und eben auch melodisch immer noch an \u201eHolon\u201c ankn\u00fcpft; das 42 Sekunden lange Artpop-Instrumental \u201eCoda\u201c, das \u201eNatans\u201c und \u201eBerceuse\u201c verbindet; das fast zweimin\u00fctige \u201eTardigrada\u201c, das gegen Ende vermutlich absichtlich wie eine leiernde Schallplatte klingt; das Streicherst\u00fcck \u201eNocturne\u201c, das als Einleitung \u201eAldebaran\u201c voransteht; das Artrocklied \u201eInukshuk\u201c mit dann doch wieder typisch bretterndem Bandsound zum Ende; endlich \u201eLysios\u201c, das 14:14 Minuten feinsten Metals bietet, von den Musikern allerdings mit steigender Laufzeit zu einem wahren RIO-Feuerwerk hochgepeitscht wird. Die Lust am L\u00e4rm ist eine reiche, soll aber keineswegs verbergen, dass das \u201eEskapist\u201c beherrschende Thema die Fassungslosigkeit \u00fcber eine Gesellschaft, die nur mehr existiert statt lebt, ist: \u201eWarum kommt es mir so vor, als ob die halbe Welt einfach Schafe z\u00e4hlt?\u201c (\u201eBerceuse\u201c), was die richtige Frage zum immerw\u00e4hrend richtigen Zeitpunkt ist und bleibt.\nZum Abschluss von \u201eEskapist\u201c verbl\u00fcffen The Hirsch Effekt nochmals mit einer ihrer trotzdem typisch dystopischen Wunderlichkeiten, mit denen ihre Studioalben, stets als Gesamtwerk konzipiert, meist enden: \u201eAcharej\u201c ist eher im New Age als in der wilden Gitarrenmusik zu Hause, der sauber, also ungebr\u00fcllt, intonierte Text ist genau das Erwartete, was auch immer man erwartet, wenn man \u201eAcharej\u201c liest, von The Hirsch Effekt aber bisher nichts kannte: \u201eKein Zur\u00fcck mehr (\u2026) ich bin der Einzige hier.\u201c Ob der Nachfolger von \u201eEskapist\u201c wohl daran ankn\u00fcpfen wird?\nDie Vinylversion von \u201eEskapist\u201c kommt mit einer CD-Beilage und aufgedruckten Texten, was gleich zweimal praktisch ist: Man muss die LP nicht selbst digitalisieren und kann, sofern man nicht gerade in feiner Gesellschaft ist, auch ungestraft mitbr\u00fcllen. Immer nur filigran zu sein ist nicht befreiend.\nReinh\u00f6ren: Angemessen deprimierende Videos zu \u201eLifnej\u201c, \u201eBerceuse und \u201eInukshuk\u201c hat die Band selbst auf YouTube zur Verf\u00fcgung gestellt oder stellen lassen oder so.\n Katie Von Schleicher \u2013 Shitty Hits\nKatie Von Schleicher \u2013 mit Schmidtchen Schleicher, bekannt aus der Folklore, vermutlich weder verwandt noch verschw\u00e4gert \u2013 ist eine junge US-amerikanische K\u00fcnstlerin, die seit 2015 \u2013 ihr eigenproduziertes eigentliches Deb\u00fct \u201eSilent Days\u201c von 2012 einmal au\u00dfer Acht gelassen \u2013 allj\u00e4hrlich einen Tontr\u00e4ger bef\u00fcllt mit dunkelster Popmusik, von der \u201eSpex\u201c etwas \u00fcbertrieben \u201eRumpelkammerpop\u201c genannt, ver\u00f6ffentlicht beziehungsweise ver\u00f6ffentlichen l\u00e4sst. Es mag die Echtheit von \u201eShitty Hits\u201c augenscheinlich besch\u00e4digen, dass es, anders als seine beiden Vorg\u00e4nger, nicht (oder noch nicht) auf Audiokassette erh\u00e4ltlich ist, denn eigentlich ist so eine Kassette f\u00fcr ein Album wie \u201eShitty Hits\u201c die ideale Darreichungsform.\nAuf \u201eShitty Hits\u201c ist entgegen des Titels weder etwas schei\u00dfe noch ein wirklich radiotauglicher Hit, stattdessen wird \u00fcber die Dauer von elf St\u00fccken eine dr\u00fcckende, aber doch intime Atmosph\u00e4re aufgebaut, mal bedrohlich knarzend (\u201eNothing\u201c), mal verletzlich (\u201eMary\u201c); selbst das tats\u00e4chlich beatlesque \u201eLife\u2019s a Lie\u201c \u2013 \u201ePortishead treffen auf die Beatles\u201c untertitelte man beim \u201eGuardian\u201c dieses Album und wurde damit eigentlich niemandem gerecht \u2013 besitzt eine klangliche Sperrigkeit, die mit Worten zu beschreiben nicht eben eine einfach zu l\u00f6sende Aufgabe ist. Zola Jesus \u2013 die hatte ich hier schon mal \u2013 w\u00fcrde sich in meinem Kopf gern als Vergleich bewerben, also verweise ich erst einmal auf sie.\nDie K\u00fcnstlerin fasst auf ihrer Bandcamp-Seite die enthaltene Musik derzeit so zusammen:\nDie Lieder sind schrecklich und m\u00fcssen partout so laut sein.\nMan kann sie aber auch leise h\u00f6ren.\nReinh\u00f6ren: Naja, Bandcamp halt.\n Nick Prol &amp; The Proletarians \u2013 Loon Attic\nBei Nick Prol schreiben sich die Namenswitze sozusagen von allein, deswegen macht er gleich selbst einen: Als selbstbenannter \u201eL\u00e4rmmacher\u201c steht er dem Quartett The Proletarians vor, das neben ihm aus zwei Dritteln des Experimental-Rock-Trios The Mercury Tree (das dritte Drittel, Oliver Campbell, ist auf \u201eLoon Attic\u201c allerdings als Gast zu h\u00f6ren) sowie Dave Newhouse von den Muffins besteht. Er selbst, Nick Prol, hat wohl kein reiches Bandportfolio vorzuweisen, das aber auch nicht n\u00f6tig: \u201eLoon Attic\u201c wurde von ihm urspr\u00fcnglich allein aufgenommen, die Proletarians wurden erst f\u00fcr die Neuaufnahme zwecks Ver\u00f6ffentlichung ins Leben gerufen.\nAls Musik, die denen gef\u00e4llt, die \u201eLoon Attic\u201c m\u00f6gen, empfiehlt Bandcamp.com au\u00dfer den vermutlich wenig \u00fcberraschenden The Mercury Tree auch Bent Knee und Aquaserge. Ich selbst \u2013 beim Versuch, die unglaublich vielseitige Musik auf \u201eLoon Attic\u201c zu ordnen \u2013 entdecke Cheer-Accident, Utopianisti, Primus, Henry Cow und Caravan; will sagen: schlicht ist nicht. Jazz-Artrock, Canterbury (\u201e8th Wonder\u201c), Hardrock (\u201eNameless\u201c) und nicht auf blo\u00dfes Ufftata zu reduzierende Zirkusmusik \u00fcberraschen in jedem Takt. Zu den weiteren Gastmusikern auf \u201eLoon Attic\u201c z\u00e4hlen unter anderem Dave Willey (Hamster Theatre, Thinking Plague), der in \u201e8th Wonder\u201c diverse Instrumente bedient, und Thymme Jones (Cheer-Accident; Schlagzeug, Trompete und Moog in \u201eShiny and Round\u201c), was dann auch wieder gro\u00dfartig passt.\nWas man an \u201eLoon Attic\u201c offensichtlicherweise kritisieren k\u00f6nnte, wenn man das denn m\u00f6chte, ist, dass statt weniger umfangreicher lieber viele kurze St\u00fccke enthalten sind: Die insgesamt 23 Lieder sind mit nur zwei Ausnahmen jeweils (oft deutlich) unter vier Minuten lang. Umso erfrischender ist es zu h\u00f6ren, was die Musiker aus der kurzen Spielzeit herausholen k\u00f6nnen. Das Verst\u00e4ndnis von Musik als Komik ist in den letzten Jahrzehnten der Professionalisierung vieler Genres leider ein wenig abhandengekommen. Nick Prol tr\u00e4gt seinen Teil dazu bei, dass der Canterbury-Stil (cf. Matching Mole) mehr ist als eine blo\u00dfe klangliche Einsortierung: \u201eLoon Attic\u201c ist \u2013 im einfachen Wortsinne \u2013 ein komisches Album. Prima!\nReinh\u00f6ren: Anscheinend werden Interessierte derzeit nur auf Bandcamp.com f\u00fcndig.\n Black Country Communion \u2013 BCCIV\n\u201eSometimes quick and sometimes slow\u201c (The Crow)\nZur\u00fcck zu etwas erdigerer Musik.\nVon 2009 bis Anfang 2013 existierte eine Hardrockband namens Black Country Communion, die mit Glenn Hughes (vorher bei Deep Purple und Black Sabbath), Jason Bonham (unter anderem bei UFO, Foreigner und Led Zeppelin), Derek Sherinian (Dream Theater) und dem Bluesrock-Solisten Joe Bonamassa das abgenutzte Etikett \u201eSupergroup\u201c trotzdem nicht zu Unrecht trug. Nachdem Black Country Communion sich infolge des Soloerfolges von Joe Bonamassa nach ihrem dritten Studioalbum \u201eAfterglow\u201c vor\u00fcbergehend getrennt hatten, das Nachfolgeprojekt California Breed jedoch schnell ein Ende gefunden hatte, dauerte es nur wenige Monate, bevor eine erneute Zusammenarbeit der vier Musiker f\u00fcr das Jahr 2017 bekannt gegeben wurde. Das Ergebnis hei\u00dft schlicht \u201eBCCIV\u201c (\u00fcber den Namen m\u00fcssen hier keine weiteren Worte fallen) und ist ein H\u00f6ren durchaus wert.\nDass die Beteiligten sich das Recht auf eine Inszenierung als das, was man im Schnodderrock \u201ePoser\u201c nennt, l\u00e4ngst verdient haben, wissen sie und lassen dieser Inszenierung mit gro\u00dfen, ausladenden musikalischen Gesten (\u201eThe Cove\u201c) freien Lauf. Der Blues- und Folk-Anteil ist gering, krachender Hardrock (\u201eSway\u201c) \u00fcberwiegt. Das soll nat\u00fcrlich nicht hei\u00dfen, dass Joe Bonamassa nicht an den Liedern mitgewirkt h\u00e4tte: In seinem passend betitelten \u201eThe Last Song for My Resting Place\u201c, das so klingt, wie es hei\u00dft, ist sogar eine Fiddle zu h\u00f6ren. Der Mann versteht sein Handwerk und bleibt pr\u00e4gnant: \u201eBCCIV\u201c ist mehr Deep Purple als AC/DC und das ist, wie ich einfach mal annehmen m\u00f6chte, auch sein Verdienst.\n\u201eBCCIV\u201c ist ein erfreuliches Album, die Wiederkehr von Black Country Communion erfolgte ohne erkennbaren Qualit\u00e4tsverlust. Warum andere zeitgen\u00f6ssische Musikgruppen das nicht auch schaffen, wei\u00df ich nicht. Ich k\u00f6nnte mich dar\u00fcber gesondert aufregen, aber ich habe mir fest vorgenommen, \u00fcber Musikalben, die nicht gut sind, im hier gegebenen Rahmen keine weiteren Zeilen zu verschwenden, weshalb ich das jetzt auch einfach lasse. Keineswegs lassen sollte jedoch jeder Leser ein Reinh\u00f6ren in \u201eBCCIV\u201c.\nReinh\u00f6ren: Wer TIDAL-Abonnent ist, der wird dort f\u00fcndig, ansonsten gibt es Amazon.de.\n Boris \u2013 Dear\n\u201eNobody wants to pick up that nostalgia\u201c (Memento Mori)\nBoris sind zur\u00fcck und tragen ihre Drones aus limitierten Kleinstauflagen (siehe \u201easia\u201c) mit ihrem erst 22. Studioalbum \u201eDear\u201c wieder in die Masse, sofern man bei der Zielgruppe, die hier bedient wird, \u00fcberhaupt von \u201eMasse\u201c sprechen sollte und nicht von Klasse.\nVon Zug\u00e4nglichkeit kann weiterhin keine Rede sein, das \u00fcberlassen die drei Japaner dann doch ihren Alter Egos, die gelegentlich zumindest gef\u00e4llige Standard-Rockalben ver\u00f6ffentlichen. Beim H\u00f6ren von \u201eDear\u201c derweil f\u00fchle ich mich immer wieder an das h\u00f6renswerte \u201eSoused\u201c von Sunn O))) erinnert, denn hier treffen Gitarrenerdw\u00e4lle auf entr\u00fcckten, wenn auch merklich weniger exaltierten Gesang als ihn Scott Walker auf vorgenannter Scheibe zum Besten gab: mal gefl\u00fcstert, mal gerufen, aber immer hallend, denn Hall ist gut.\nKeine Zeit zum Ausruhen: Es brodelt, poltert und dr\u00f6hnt, von irgendwo zerrei\u00dft ein Schlagzeug die Augenblicke. Rockmusik? Unsinn: \u201eDEADSONG\u201c ist ein Lied, aber was f\u00fcr eines! Wie ein auf halber Geschwindigkeit abgespieltes, leierndes Tonband, das absichtlich neu eingespielt wurde, ist dieses St\u00fcck angenehm verwirrend. Mit dem unvermittelt einsetzenden \u201eAbsolutego\u201c wird das Ohr desjenigen, der weniger Experimente gewohnt ist, mit einer doch recht gut abgehenden Fassung einer Lenny-Kravitz-trifft-Rammstein-Fiktion (im Internet werden Alice in Chains genannt und damit hat das Internet v\u00f6llig recht) vor\u00fcbergehend zur\u00fcckgewonnen, bis es schlie\u00dflich merklich an Geschwindigkeit verliert und in Schreien \u00fcber schleppendem Rhythmus ausklingt. Die Abwechslung zwischen Brummen mit Gesang (gro\u00dfartig auch: \u201eKagero\u201c), Art- (\u201eBiotope\u201c) und avantgardesquem Noiserock wirkt dabei nicht einmal zerrissen, sondern um so stimmiger.\n\u201eEasy Listening\u201c? Bei Liedl\u00e4ngen zwischen vierdreiviertel (\u201eMemento Mori\u201c) und fast 12 (\u201eDystopia \u2013 Vanishing Point\u201c) Minuten ist davon nicht auszugehen. Wo Boris draufsteht, ist, pardon!, Boris meist auch drin \u2013 auch 2017 wirkt das noch besser als jedes Qualit\u00e4tssiegel; jedenfalls, so lange es das Qualit\u00e4tssiegel \u201eohne Phil Collins\u201c noch nicht gibt. Ein durchweg schlechtes Album von Boris existiert nicht. Isso.\nReinh\u00f6ren: Wer bis hierhin durchgehalten hat, der ahnt, was kommt \u2013 ein Link zu TIDAL und ein Link zu Amazon.de n\u00e4mlich.\n Lunatic Soul \u2013 Fractured\n\u201eAnd the broken hearts will not break through my mind\u201c (Battlefield)\nWenn schlechte Musiker nicht ausgelastet sind, weihen sie M\u00f6belh\u00e4user ein oder fangen die Schauspielerei an. Wenn hingegen gute Musiker nicht ausgelastet sind, rufen sie neue Musikprojekte ins Leben. Mariusz Duda, S\u00e4nger und Bassist der polnischen Progressive-Rock-Band Riverside, die erst 2016 das seltsame Album \u201eEye of the Soundscape\u201c ver\u00f6ffentlicht hat, geh\u00f6rt zweifellos letzterer Gruppe an. Sein haupts\u00e4chliches Nebenprojekt hei\u00dft Lunatic Soul.\nFalls man annimmt, dass nicht alles, was so Musiker tun, in einer frei erfundenen Gedankenwelt stattfindet, so ist Lunatic Soul ein wesentlich intimeres Projekt als Riverside. Dass letzterer Band 2016 der Gitarrist Piotr Grudzi\u0144ski ebenso wie in den Jahren zuvor diverse Menschen aus Mariusz Dudas Umfeld mittels Sterbens abhandengekommen war, ist laut verschiedenen Interviews einer der Gr\u00fcnde, warum das Konzeptalbum \u201eFractured\u201c, das, passend zum Titel, gr\u00f6\u00dftenteils ziemlich zerbrechlich (\u201eAnymore\u201c) klingt, so eine nachdenkliche Stimmung verbreitet.\nDie Ohren \u2013 die Seele sowieso \u2013 werden auf \u201eFractured\u201c mit einem merkw\u00fcrdigen Jazz-Elektro-Dance-Rock, der Musikh\u00f6rer, die schon etwas l\u00e4nger dabei sind, an die fr\u00fchen 1990er Jahre erinnert, konfrontiert, der oft nach The Notwist und Depeche Mode, manchmal (etwa im Titelst\u00fcck) auch nach Eloy klingt. Als Quintessenz des Albums aber mache ich \u201eA Thousand Shards of Heaven\u201c aus, das nicht nur mit traurigen Streichern, sondern auch mit einem Text \u00fcberzeugt, der schon beim Lesen Fragiles zeigt:\nYou can say that I am yearning\nfor something that\u2019s already gone\nbut I am not a prisoner\nUff.\nReinh\u00f6ren: Warum nicht mal Amazon.de oder TIDAL? Zum ganz guten \u201eAnymore\u201c (YouTube), zum Titelst\u00fcck und zu \u201eMoving On\u201c (YouTube) gibt es im \u00dcbrigen auch offiziell scheinende Musikvideos.\n The Dream Syndicate \u2013 How Did I Find Myself Here?\nIm Jahr 1963 gr\u00fcndete der US-amerikanische Komponist und Musiker La Monte Young das Theatre of Eternal Music, ein Kollektiv zur Umsetzung minimalistischer Kompositionen, in deren Fokus Drones standen. Zu den fr\u00fchen Mitgliedern des Ensembles geh\u00f6rten die sp\u00e4teren Velvet-Underground-Musiker John Cale, Angus MacLise und Sterling Morrison ebenso wie Terry Riley. Das Theatre of Eternal Music l\u00f6ste sich erst 2003 auf, war bis dahin aber l\u00e4ngst auch unter dem Namen The Dream Syndicate bekannt geworden, was vermutlich mit der Serie von fr\u00fchen Musikaufnahmen namens \u201eInside the Dream Syndicate\u201c zu tun hat.\n1981 stellte der aufstrebende Gitarrist Steve Wynn gemeinsam mit seiner damaligen musikalischen Weggef\u00e4hrtin Kendra Smith eine Band zusammen, die sich infolge einer Anregung des Schlagzeugers Dennis Duck eben The Dream Syndicate nannte. Das ist in so Tauschb\u00f6rsen manchmal etwas verwirrend: John Cale spielt hier nicht mit. Bassistin Kendra Smith sang auf dem h\u00f6rbar von Neil Young und nat\u00fcrlich The Velvet Underground beeinflussten Deb\u00fctalbum, mit dem The Dream Syndicate den \u201ePaisley Underground\u201c, eine Art musikalischer Szene in Los Angeles, die den Psychedelic Rock, den Pop und vor allem die Velvet Underground der 1960er Jahre kultisch verehrte, sozusagen unabsichtlich aus der Taufe hoben, das famose \u201eToo Little, Too Late\u201c und verlie\u00df die Band bereits 1983, der Rest der Gruppe blieb nach Personalwechsel bis 1989 aktiv, um dann 2012 von Steve Wynn wieder ins Leben gerufen zu werden. Aus der letzten Besetzung von 1989 \u00fcbrig geblieben sind neben ihm Dennis Duck und der 1984 eingestiegene Bassist Mark Walton, neu hinzugekommen ist Gitarrist Jason Victor.\nIm Februar 2017 wurde das erste neue Studioalbum von The Dream Syndicate seit 1988 angek\u00fcndigt, es erschien schlie\u00dflich im September unter dem Namen \u201eHow Did I Find Myself Here?\u201c. Verlernt haben sie nichts, das Quartett schafft es noch immer, die Musik von damals nicht nur zu konservieren, sondern aufzubereiten: Die sp\u00e4ten The Velvet Underground, sp\u00e4ter bekanntlich vorz\u00fcglich imitiert von den Dandy Warhols, standen hier h\u00f6rbar Pate, im Titelst\u00fcck klingt auch mal Pink Floyd an. Im Oktober k\u00fcrte ich das Lied \u201e80 West\u201c zur Montagsmusik und hatte mir dabei schon etwas gedacht, denn dessen Kontrast zwischen bassgetrieben schepperndem Indierock und den guten, alten Drones bringt \u201eHow Did I Find Myself Here?\u201c komprimiert auf den Punkt. \u201eLike Mary\u201c ist tats\u00e4chlich noch \u00e4lter, es entsprang fr\u00fchen Bandproben und wurde erst nach \u00fcber 30 Jahren f\u00fcr dieses Album erstmals offiziell aufgenommen.\nHeimlich ist auch Kendra Smith wieder zur\u00fcck: Das letzte Lied \u201eKendra\u2019s Dream\u201c wurde nicht nur von ihr (laut Internet als Bewusstseinsstrom) verfasst, sondern wird auch von ihr vorgetragen. Dass mich das Lied in der ersten H\u00e4lfte auffallend an \u201eAll Tomorrow\u2019s Parties\u201c erinnert, mag zum Teil an Kendra Smiths tiefer gewordener Stimme liegen, vor allem aber wahrscheinlich an der musikalischen Darbietung selbst, die nach einem ziemlich rockigen Album noch trippiger, noch mehr am Funk orientiert ist.\nIch habe \u201eHow Did I Find Myself Here?\u201c einem H\u00e4rtetest unterzogen, indem ich es ausgerechnet auf dem Weg nach Hannover erstmals h\u00f6rte. Ich hatte beim Aussteigen immer noch gute Laune, das Album hat den Test also bestanden. Endlich mal wieder ein w\u00fcrdiger Vertreter f\u00fcr mein bevorzugtes Topalbenattribut \u201eGeile Scheibe\u201c und eventuell durchaus mein Album des Jahres 2017.\nReinh\u00f6ren: Die Plattenfirma selbst hat s\u00e4mtliche St\u00fccke des Albums auf YouTube hochgeladen, woraus ich folgere, dass es dort komplett zu h\u00f6ren empfohlen ist.\n Pingvinorkestern \u2013 Look \u2013 no hands!\n\u201eClose / close / close the door!\u201c (Happy)\nAuch beim Pingvinorkestern haben wir es \u2013 das ist tats\u00e4chlich nur Zufall, schschw\u00f6r \u2013 mit einer Band zu tun, die sich zumindest geringf\u00fcgig mit der Modernisierung alter Meister befasst: Das im Internet als \u201eexzentrisch\u201c bekannte Penguin Cafe Orchestra, das urspr\u00fcnglich von 1972 bis 1997 existierte und sich nach dem Tod ihres Gr\u00fcnders Simon Jeffes in verschiedenen Besetzungen verschiedene Namen gab, inspirierte das personell unabh\u00e4ngige schwedische Quintett zu seinem Namen.\nAn der Besetzung f\u00e4llt auf, dass alle f\u00fcnf Musiker sowohl slagverk als auch ukulele spielen. Popmusik sieht zum Gl\u00fcck ganz anders aus. Laut Selbstbeschreibung spielt das Pingvinorkestern \u201epoporientierte postmoderne Kammermusik mit humoristischen Untert\u00f6nen\u201c, was sich irgendwie nach dem Original anh\u00f6rt, aber diese Band hier ist anders, erinnert sie mich doch viel mehr an die gloriose Kammerrockband broken.heart.collector. Man m\u00f6ge allerdings auch hier darauf verzichten, mit dem Genreetikettendrucker unvorsichtig zu hantieren: Abwechslung muss sein!\nDem Penguin Cafe Orchestra nicht un\u00e4hnlich sind immerhin das Titelst\u00fcck und \u201eStora moerdarbacken\u201c, was immer das hei\u00dfen mag: RIO und instrumentale Klezmermusik finden hier wie selbstverst\u00e4ndlich zueinander. Bei \u201eStay\u201c, \u201eFree Fall\u201c und \u201eSave Me\u201c handelt es sich um beachtlichen Artpop mit Gesang, wobei insbesondere letzteres St\u00fcck mit nach meinem unma\u00dfgeblichen Geschmack wundersch\u00f6nem Chorgesang \u00fcberzeugt. Am kraftvollen und stilistisch \u00fcberraschenden Rockst\u00fcck \u201eHappy\u201c kann ich nur kritisieren, dass es mit unter zwei Minuten deutlich zu kurz ist.\nFolk- und Countryfreunde werden wom\u00f6glich mit \u201eWalk Slowly\u201c und \u201eHonk\u201c h\u00f6chst zufrieden sein, unsereins kommt zu einem anderen Zeitpunkt wieder herein: \u201eIf You\u2019re a Dreamer, Come In\u201c klingt mal wieder so, wie es hei\u00dft: Die Band baut mit reichlich Perkussion eine psychedelische, nahezu pinkfloydesque Wunderwelt auf, aus der man am Ende mit einem T\u00fcrklingeln aufgeschreckt wird. Humor? Oh ja.\nReinh\u00f6ren: Stream und Kauf gibt es via Bandcamp.com.\n Cobra Family Picnic \u2013 Magnetic Anomaly\nEin Album wie eine Mondlandung, das sich in die Reihe der Musikalben, die so hei\u00dfen, wie sie klingen, ganz gut einreiht, haben die f\u00fcnfeinhalb US-Amerikaner von Cobra Family Picnic im Mai 2017 hervorgebracht. Groovender, in den 1960er Jahren wurzelnder Spacerock mit elektronischem Flirren, schwebendem Gesang und hypnotischem Bass, irgendwo nahe Hawkwind einer- und Baby Woodrose andererseits angesiedelt, bestimmt die 38 beziehungsweise (in der aus unklarem Grund etwas l\u00e4ngeren CD-Fassung) 47 Minuten.\n\u201eMagnetic Anomaly\u201c ist allerdings auch ein Album der Gegens\u00e4tze, was den drei Zwischenspielen namens \u201eInterplanetary Travel\u201c, die wohl eine Art Rahmenhandlung darstellen sollen, geschuldet ist, die, wie der versierte Mathematiker und/oder Informatiker wei\u00df, f\u00e4lschlich als \u201e001\u201c, \u201e011\u201c und \u201e111\u201c nummeriert sind und verschieden schwere Klanglandschaften abbilden. In \u201eInterplanetary Travel 011\u201c ert\u00f6nt sogar Vogelgezwitscher, was im Weltraum gleich mehrfach merkw\u00fcrdig ist. Der Gesamtqualit\u00e4t von \u201eMagnetic Anomaly\u201c schadet diese r\u00fcde Unterbrechung jedoch nur geringf\u00fcgig.\nDer Schreiber dieser Zeilen jedenfalls verbrachte die 47 Minuten Spielzeit von \u201eMagnetic Anomaly\u201c v\u00f6llig losgel\u00f6st von der Erde und empfiehlt, den nun entstandenen Ohrwurm schnellstm\u00f6glich wieder zu vergessen und sich stattdessen auf die Verstandesreise zu begeben, die \u201eMagnetic Anomaly\u201c ist.\nGanz famos.\nReinh\u00f6ren: Ich schlage abermals Bandcamp.com vor, Amazon.de ist aber auch in Ordnung.\n Hibushibire \u2013 Freak Out Orgasm!\n\u201eAlter!\u201c\nDas war die erste Notiz, die ich beim Anspielen der vorliegenden Musik verschriftlicht habe, und wiederholte Leser meiner Texte nehmen vermutlich zu Recht an, dass ich nicht ohne einen guten Grund dazu neige, meine Sprache altersm\u00e4\u00dfig derma\u00dfen weit zur\u00fcckzudrehen, aber es gibt tats\u00e4chlich musikalische Werke, denen eine sonstwie erwachsene Sprache nicht gerecht w\u00fcrde.\nWenn ein Tontr\u00e4ger schon \u201eFreak Out Orgasm!\u201c hei\u00dft, dann erwartet man meist entweder eine Frank-Zappa-Reverenz oder andersartig total durchgeknallten H\u00f6rgenuss. Hier haben wir es mit Letzterem zu tun, was ich gut finde, weil ich total durchgeknallte H\u00f6rgen\u00fcsse mag und Frank Zappa nicht.\n\u201eHibushibire\u201c hei\u00dft laut Quellen, deren Japanisch zumindest besser ist als meines, ungef\u00e4hr \u201eGeheimnis der Taubheit\u201c, was ich nicht verstehe, weil ich bislang annahm, Geheimnisse seien nur dann als Geheimnisse qualifiziert, wenn man sie nicht per Lautsprecherwagen durch rege wuselnde Gro\u00dfst\u00e4dte transportiert und sie \u00fcberdies mit \u201eAchtung, hier kommt ein Geheimnis!\u201c anmoderiert, wobei das Japanische nat\u00fcrlich eine derma\u00dfen hintersinnige Sprache ist, dass \u201eHibushibire\u201c in einem, glaubt man dem virtuellen Waschzettel zu \u201eFreak Out Orgasm!\u201c, alten japanischen Pornodialekt \u2013 ich finde es etwas schade, dass mir gerade kein alter deutscher Pornodialekt einf\u00e4llt, von S\u00e4chsisch einmal abgesehen \u2013 auch \u201eAusrastorgasmus\u201c, \u201efreak out orgasm\u201c also, hei\u00dfen kann. Japaner sind merkw\u00fcrdig. Die drei hier beteiligten Musiker \u201ehei\u00dfen\u201c Chang Chang, Ryu Matsumoto und 821, was ein so sch\u00f6ner Name ist, dass ich ernsthaft hoffe, niemals eine Frau zu finden, die m\u00f6chte, dass ich ihrem Kind einen Namen gebe, denn sonst wird das Kind mich sp\u00e4ter hassen, und bei \u201eFreak Out Orgasm!\u201c, f\u00fcnf Jahre nach der Gr\u00fcndung des Trios ver\u00f6ffentlicht, handelt es sich laut verschiedenen Quellen entweder um das Deb\u00fctalbum oder um den/die/das Deb\u00fct-EP der Gruppe, also noch nicht einmal ein richtiges Album, aber in einer Zeit, in der Musikalben ohnehin kaum noch mehr als eine halbe Stunde lang sein m\u00fcssen, insbesondere dann nicht, wenn es um irgendwelche Geldesel geht, die es zu melken gilt, weshalb wenig \u201eMusik\u201c auf so viele separate Verkaufseinheiten verteilt wird wie es irgendwie m\u00f6glich ist, ohne dass die Schar der Anh\u00e4nger allzu schnell ver\u00e4rgert ist und ihr Taschengeld nicht mehr herausr\u00fcckt, sind EPs von 39:18 Minuten L\u00e4nge schon aus wirtschaftlicher Sicht bemerkenswert. Wie lang das erste Vollzeitalbum wohl sein wird? Wie lang ist so eine japanische Vollzeit?\nDie vier enthaltenen St\u00fccke, angeblich an nur einem Tag aufgenommen, hei\u00dfen \u201eLucifer\u2019s My Friend\u201c (die Krautrockband \u00e4hnlichen Namens ist an dieser Stelle v\u00f6llig egal), \u201eHallucination Valley Blues \u2013 Flying Shiva Attack \u2013 Hallucination Valley Blues (Reprise)\u201c, \u201eTrepanation Breakdown\u201c und \u201eDeep Throat River Holy Mountain High\u201c, wobei letzteres St\u00fcck mit fast 20 Minuten L\u00e4nge eigentlich zusammengefasst schon v\u00f6llig reichen w\u00fcrde, um jedem Leser dieses Absatzes, der einen mit dem meinen vergleichbaren musikalischen Vogel hat, sozusagen die Ohren w\u00e4ssrig zu machen (oder wie hei\u00dft das, wenn man eifrige Lust auf etwas zum H\u00f6ren statt etwas zum Essen bekommt?), weshalb ich es jetzt nochmals h\u00f6re und davon erz\u00e4hle, warum mir dabei, um juvenil zu bleiben, voll einer abgeht: Weil es n\u00e4mlich den mit aufgedrehtem Lautst\u00e4rkeregler gespielten Stilmix aus psychedelisch fuzzgetr\u00e4nktem Bluesrock, japanischer Folkmusik und ungez\u00fcgeltem RIO/Avant, der Hibushibires Deb\u00fctwerk ausmacht, nicht blo\u00df wiederholt, sondern auf die Spitze treibt, indem n\u00e4mlich zun\u00e4chst wie einst bei den Beatles fern\u00f6stliche Kl\u00e4nge ert\u00f6nen, den ein textloser Chor begleitet, dann eine nerv\u00f6se Gitarre \u00fcber Bass und Schlagzeug soliert, bevor Gitarrist und S\u00e4nger Chang Chang in einer mir unbekannten Sprache so etwas wie Strophen zu den zuvor geh\u00f6rten fern\u00f6stlichen Kl\u00e4ngen singt. Die effektgeladene Gitarre walzt nach Abschluss dieses Gesangsteils das sich aufb\u00e4umende und hektisch um sich schlagende Schlagzeug mit schlichter Lautst\u00e4rke sozusagen einfach platt. Sieben Minuten sind vor\u00fcber: Nach einem kurzen Intermezzo wettstreiten die entfesselten Instrumente, per Studionachbearbeitung abermals um hierzulande eher selten anzutreffende Instrumente wie Zurna und Santur erweitert, bis zur Klimax (Ohrgasmus eben) darum, welches wohl das dominante bleiben mag. Es folgt die Ruhe vor dem erneuten Sturm, ein Klangteppich mit Perkussion, von dem eine unbestimmte Gefahr ebenso auszugehen scheint wie eine unbestimmte Hoffnung, zu dem sich nach einiger Zeit wieder der textlose Chor gesellt. \u2013 Schnitt! Unbekannte Instrumente spielen eine beruhigend-hypnotische Melodie, deren Rhythmus man gerade zu finden glaubt, als das gesamte Instrumentalinventar ohne lange Vorrede wieder v\u00f6llig durchdreht und jeden Gedanken an eine Orientierung vergessen l\u00e4sst. Wer braucht Takte, wenn er stattdessen auch den Verstand verlieren kann? Es bratzt und hupt und brettert und knattert herrlichst und scheinbar ohne jeden Halt, bis pl\u00f6tzlich das Schlagzeugmotiv v\u00f6llig unbemerkt wieder eine Regelm\u00e4\u00dfigkeit entwickelt hat und die letzte Strophe aufgrund der \u00fcberhaupt nicht an etwas Zur\u00fcckhaltung zu denken scheinenden Instrumente mehr gerufen als gesungen wird. Dem an schlie\u00dft sich ein energiegeladenes Hardrocksolo, das nur so lange an Black Sabbath erinnert, bis einem der Name dieser Band wieder eingefallen ist, denn sofort zerstreut die Sprengung der Hardrockklischees mittels instrumentaler Eskalation die Irritation. \u201eDeep Throat River Holy Mountain High\u201c endet mit einem Ausblenden der Melodie vom Anfang und ist laut Plattenfirma ein \u201erepr\u00e4sentatives Lied\u201c von Hibushibire, das oft auf Konzerten gespielt werde. Ich empfinde pl\u00f6tzlich das unbedingte Verlangen, mich davon eines Tages selbst zu \u00fcberzeugen, falls ich bis dahin meine Sprache wiedergefunden habe. Alter!\nAls Einfl\u00fcsse nennen die Musiker unter anderem Can, Acid Mothers Temple und deren Nebenprojekte, King Crimson, Hawkwind und Tr\u00e4d, Gr\u00e4s och Stenar. Wem das \u2013 wie mir \u2013 weder fremd noch unheimlich ist, der wird mit \u201eFreak Out Orgasm!\u201c auf eine fantastische Weise voll auf seine Kosten kommen.\nReinh\u00f6ren: Videos, Stream und Kauf empfehlen sich \u00fcber Bandcamp.com.\n Buffy Sainte-Marie \u2013 Medicine Songs\n\u201eAnd now our history gets written in a liar\u2019s scrawl\u201c (Bury My Heart at Wounded Knee)\nZur Abwechslung haben wir es hier mit Musik zu tun, die \u00e4lter ist als sie klingt: Buffy Sainte-Marie wurde im Februar 1941 in einem kanadischen Reservat f\u00fcr Cree-Indianer geboren und ist seit ihrer Kindheit musikalisch aktiv. In den 1960er Jahren hing sie, so will es die Legende, mit anderen jungen kanadischen K\u00fcnstlern herum, darunter Leonard Cohen, Neil Young und Joni Mitchell, die sie vermutlich nicht unbeeindruckt lie\u00dfen. In den folgenden Jahrzehnten schrieb Buffy Sainte-Marie manches Lied und ver\u00f6ffentlichte \u2013 mit einer sechzehnj\u00e4hrigen Pause bis 1992 \u2013 manches Album. 2017 gesellte sich \u201eMedicine Songs\u201c hinzu, auf dem sich auch Lieder befinden, die von ihr schon vor Jahrzehnten erstmals gespielt wurden. Von einem blo\u00dfen kommerzorientierten \u201eBest-of\u201c-Album zu reden liegt mir aber fern.\nBuffy Sainte-Marie klingt wie eine indianische Rockversion von Joni Mitchell und/oder Joan Baez: Es gibt sitztanztaugliche Folkmusik mit typisch indianischen Ges\u00e4ngen, mal elektronischer (\u201eThe War Racket\u201c, \u201ePower in the Blood\u201c), mal akustischer, dylanesque gar (etwa \u201eUniversal Soldier\u201c und \u201eMy Country \u201atis Of Thy People You\u2019re Dying\u201c, eine Art kanadisches Volkslied, das Buffy Sainte-Marie bereits 1966 aufgenommen hatte); es gibt Schlager (\u201eFallen Angels\u201c oder das f\u00fcr Menschen, die Amerika mit den USA gleichsetzen, ungew\u00f6hnliche \u201eAmerica The Beautiful\u201c), aber auch mal Gitarrenrock (\u201eBury My Heart at Wounded Knee\u201c, \u201eGeneration\u201c). Mitunter \u00e4hnelt das der Musik, die in Deutschland in den 70ern und fr\u00fchen 80ern (\u201eStarwalker\u201c) oder ein halbes Jahrzehnt sp\u00e4ter (\u201eThe Priests of the Golden Bull\u201c) in die Hitparaden geschossen wurde (\u201ePop\u201c), aber f\u00fcr Radio klingt das viel zu prima.\nZweifellos sind dem Radio Liedtexte in fremden Sprachen auch egal (immerhin spielt man dort auch gleichg\u00fcltig \u201eWalk On The Wild Side\u201c), sonst w\u00e4re Buffy Sainte-Marie f\u00fcr die \u00f6ffentliche Wahrnehmung vermutlich auch zu kritisch: Textlich befassen sich die \u201eMedicine Songs\u201c wie auch der \u00fcberwiegende \u00fcbrige Teil des Gesamtwerks der S\u00e4ngerin mit der Verst\u00e4ndigung zwischen Indianern und dem wei\u00dfen Mann. Protestmusik eben \u2013 nur aus einer anderen Perspektive als der Westen das m\u00f6glicherweise gewohnt ist. Jaja: Wer h\u00f6rt schon den Texten zu? Texte sind nur spannend, wenn sie gegen den Richtigen gerichtet sind. Trump. \u201eNazis\u201c und so. Aber doch nicht gegen uns!\nAch, ach.\nReinh\u00f6ren: Wie w\u00e4r\u2019s mit TIDAL?\nKeine Sorge, wir sind bald fertig. Ich fasse mich jetzt ein wenig k\u00fcrzer, so viel Zeit haben wir ja alle nicht mehr.\nYowie \u2013 Synchromysticism\nYowie (allein der Name schon!) spielen instrumentalen Frickel-Shoegaze mit schwei\u00dftreibendem Schlagzeugspiel, wovon es fraglos so manchen Vertreter geben mag, weshalb kleine Perlen wie diese immer wieder ein Leuchten hervorbringen, was ja gerade im Winter nicht unwillkommen ist. Amazon.\nGodspeed You! Black Emperor \u2013 Luciferian Towers\nDie vielk\u00f6pfige kanadische Postrockinstitution begr\u00fcndet mit Musik gewordenem franz\u00f6sischem Kino zwischen Drama und Tierdokumentation auch in diesem Jahr wieder, warum auf sie an langen Winterabenden nicht verzichtet werden sollte. TIDAL.\nMediabanda \u2013 Bombas en el aire\nEndlich mal Latinomusik, die zu gut ist, um blo\u00df Telenovelas zu untermalen, weil sie nicht nur ziemlich gut abgeht, sondern \u00fcberdies f\u00fcr Radiotauglichkeit deutlich zu ambitioniert ist, was sich nicht nur aus Prinzip, sondern auch und gerade beim H\u00f6ren sehr angenehm auswirkt. Amazon.\nKaiser Franz Josef \u2013 Make Rock Great Again\nHardrock aus nat\u00fcrlich \u00d6sterreich, der sich bei AC/DC, den White Stripes und den Strokes ebenso bedient wie bei den einschl\u00e4gigen Vertretern der absurden Britpopwelle vor ein paar Jahren; was, freilich, eher wie 2007 als wie 2017 klingt, aber von diesem 2007 kann es noch nicht genug geben. Amazon.\nMonolord \u2013 Rust\nAus Schweden, Gegend der dunklen Metalbands, stammt auch die dunkle Doom-Metal-Band Monolord, deren aktuelles Album \u201eRust\u201c erst im September erschien und sich mit schleppenden Rhythmen und vielfacher Verzerrung exemplarisch f\u00fcr eine Vorf\u00fchrung als Antwort auf die gelegentlich zu stellende Frage, was man an solcher Musik eigentlich so gut finde, eignet, denn die Mitwippwahrscheinlichkeit ist hier genretypisch bemerkenswert hoch. Bandcamp.\nKettlespider \u2013 Kettlespider\nAuf ihrem zweiten, trotzdem nach sich selbst benannten Studioalbum brilliert das australische Instrumentalquintett Kettlespider mit jazzkompatiblem, dennoch gitarrenfokussiertem Progressive Rock, der in den ruhigen Momenten King Crimson, in den energetischeren Rush nicht einfach kopiert, sondern im Fluss aus bravour\u00f6sen Rhythmen mitziehen l\u00e4sst. Bandcamp.\nIn Search Of Sun \u2013 Virgin Funk Mother\nDass ich Spa\u00df an dem habe, was Jeavestone einmal recht treffend als \u201eProg\u2019n\u2019Roll\u201c beschrieben, bei Quatschjournalisten vermutlich \u201eAlternative Rock\u201c hie\u00dfe und ungef\u00e4hr klingt wie h\u00fcpfende, krummtaktige Sommerhits von Leuten, die ihr bevorzugtes Instrument noch selbst spielen und nicht am Computer simulieren, best\u00e4tigen 2017 die Briten von In Search Of Sun, die mit ihrem \u201eungest\u00fcmen Genre-Cocktail\u201c (Marco G\u00f6tz, \u201eMETAL HAMMER\u201c) auch an k\u00e4lter werdenden Abenden eine gewisse Freude an Bewegung aufkommen lassen. Amazon.\nI Am the Manic Whale \u2013 Gathering the Waters\nWer glaubte, dass das Thema Retroprog in Yes\u2019scher Tradition 2017 keine gro\u00dfe Rolle mehr spiele, der untersch\u00e4tzte die Begeisterung immer neuer Musiker f\u00fcr die alten Meister, wie auch die vier Herren von I Am the Manic Whale, einer sehr sch\u00f6n hei\u00dfenden britischen Band mit ausgewiesener Freude an der Musik von Big Big Train, (den alten) Yes, Rush und Artverwandten, auf ihrem erfreulichen Zweitling \u201eGathering the Waters\u201c, der bei aller Siebzigerei frisch und knackig aus dem Kopfh\u00f6rer schallt, bereichernd belegen. Bandcamp.\nPere Ubu \u2013 20 Years in a Montana Missile Silo\nAuch nach 42 Jahren wei\u00df die musikalische Konstante \u2013 inzwischen zum Nonett angewachsen \u2013 die bew\u00e4hrte, aber niemals langweilige Verbindung aus Bluesrock, Rock\u2019n\u2019Roll und Avantgardesquem, die von Tom Waits bis Henry Cow eigentlich beinahe alles, was einigerma\u00dfen, aber noch nicht \u00fcbertrieben schr\u00e4g ist, als h\u00f6rbaren Einfluss vereint, zu einem Genuss zu machen, was wohl auch an der wandlungsf\u00e4higen Stimme des letzten verbliebenen Bandgr\u00fcnders David Thomas liegen mag, dessen Vokalk\u00fcnste allein schon eine Kenntnisnahme empfehlen. Amazon.\nLesser Men \u2013 Biding Time\nDie Musik auf \u201eBiding Time\u201c ist im Kern melodischer Br\u00fcllmetal zwischen Dream Theater, Tool und A Silver Mt. Zion (\u201e2305\u201c), der die innere Verzweiflung des H\u00f6rers (lies: Verfassers dieser kurzen Rezension) ausreichend anregen, dass er sich zum Mitbr\u00fcllen animiert f\u00fchlt, leider kenne ich aber den Text (und die Melodie) noch nicht gut genug, habe mir aber vorgenommen, das in n\u00e4chster Zeit bei sich bietender Gelegenheit zu korrigieren. Bandcamp.\nUfomammut \u2013 8\nDas ziemlich italienische, ziemlich b\u00e4rtige Stoner-Doom-Metal-Trio mit dem wohlklingenden Namen Ufomammut wei\u00df auch nach achtzehn Jahren Bandgeschichte auf ihrem aus acht St\u00fccken bestehenden achten Studioalbum, der Einfachheit zugunsten schlicht \u201e8\u201c (\u201eAcht\u201c) benannt, noch positive \u00dcberraschungen bereitzuhalten. Bandcamp.\nThe Flying Eyes \u2013 Burning Of The Season\nThe Flying Eyes pr\u00e4sentieren soliden, modernen Rock\u2019n\u2019Roll mit angenehm bretternder Gitarre, galoppierendem Schlagzeug und genreuntypisch unpeinlichem Gesang und sind eine wertvolle Erg\u00e4nzung f\u00fcr den Plattenschrank jedes Musikfreundes, der findet, dass diese Gitarrenbands heutzutage insgesamt viel zu viel Popmusik machen. Bandcamp.\nOrpheus Nine \u2013 Transcendental Circus\nDas beste Transatlantic-Album des Jahres 2017 haben Orpheus Nine ver\u00f6ffentlicht: Retro-Prog mit deutlicher Canterburynote kann auch frisch und unpeinlich klingen \u2013 gern mehr davon. Bandcamp.\n\nSo! Was machen wir jetzt? Ah, richtig: Eine R\u00fcckschau auf fuffzich Jahre Musikgeschichte. Das f\u00e4llt mir jedes Mal ein bisschen schwerer, weil der Abstand zwischen heute und vor 50 Jahren mir immer k\u00fcrzer vorkommt. Alt zu werden ist anstrengend, man m\u00f6ge es mir nicht nachmachen.\n2. Alt und stark.\n\nVor 50 Jahren:\n\u00dcber 1967 muss man musikalisch nicht mehr viele Worte verlieren, denn das meiste (Beatles, Velvet Underground, Beach Boys) ist zur Gen\u00fcge bekannt. Ansonsten geschah unter anderem dies: Im Fernsehen lief \u201eDaktari\u201c, die Musik zur Serie wurde so beliebt wie die Serie selbst. Marvin Gaye erholte sich noch von dem Erfolg seiner Coverversion von \u201eI Heard It Through the Grapevine\u201c und lie\u00df erst einmal das zusammen mit der jungen, allerdings nicht mehr allzu lange lebenden S\u00e4ngerin Tammi Terrell aufgenommene Album United ver\u00f6ffentlichen. Der Schnulzens\u00e4nger Neil Diamond nannte sein zweites, nicht allzu \u00fcbles Vollzeitalbum, auf dem die meisten Lieder, die man von ihm halt so kennt, drauf sind, \u201eJust For You\u201c, die Bee Gees ihr drittes irritierenderweise Bee Gees\u2018 1st. Auch die S\u00e4ngerin Nico, die 1966 im Film \u201eChelsea Girls\u201c mitgespielt hatte, begann im gleichen Jahr mit Chelsea Girl ihre, wie ich finde, zu kurze Solokarriere, w\u00e4hrend Leonard Cohen offenbar gar nicht wusste, dass er noch bis 2016 eine Menge Musik machen w\u00fcrde, und sein ebenfalls 1967 erschienenes Deb\u00fctalbum schlicht Songs of Leonard Cohen nannte. Lustig w\u00e4re es gewesen, h\u00e4tte er einfach jedes Album so genannt, denn es waren ja in der Regel allesamt seine Lieder. Dann eben nicht.\nVor 40 Jahren:\n1977, das Jahr des untergehenden Progressive Rock, zerrieben von Punk- und Discomusik? Fast! Die nat\u00fcrlich britische Band England, die es seit wenigen Jahren gab, zeigte mit ihrem ersten und letzten regul\u00e4ren Album Garden Shed noch einmal, dass es ein Fehler sein w\u00fcrde, Drei-Akkorde-Musik dem elegischen \u201eProg\u201c der sp\u00e4ten Sechziger vorzuziehen, ist damit jedoch leider nicht besonders weit gekommen. Univers Zero deb\u00fctierten mit 1313, Van der Graaf Generator kaschierten den Weggang von David Jackson und Hugh Banton, indem sie den Generator aus ihrem Namen strichen und mit dem Neumitglied Graham Smith an der Violine und dem Altbassisten Nic Potter das stimmige The Quiet Zone / The Pleasure Dome pr\u00e4sentierten. Peter Gabriel verarbeitete seinen Ausstieg bei der nervigen Inselband Genesis inzwischen, indem er mit dem langweilig benannten Album I seine Solom\u00f6glichkeiten zu erforschen begann. Mit dem f\u00fcnften Album namens So (1986) h\u00f6rte er dann auch endlich auf, seine Alben einfach nur durchzunummerieren.\nVor 30 Jahren:\nWer hat zwei Daumen und m\u00f6chte nicht mehr \u00fcber die Unmusik der 1980er reden? \u2013 1987 war selbst dort, wo einst Gro\u00dfes geschaffen worden war, so scheu\u00dflich wie erwartet: Yes widerten die Welt mit Big Generator an, Michael Jackson vertonte sein Bad, selbst Marillions letztem Album mit dem fantastischen S\u00e4nger Fish namens Clutching at Straws wohnte kein Zauber mehr inne. Aus der Deckung traute sich Enya, deren Deb\u00fct leider genau so hie\u00df, jedoch machten Pop Will Eat Itself (Box Frenzy) und V\u00e4rttin\u00e4 (Deb\u00fctalbum V\u00e4rttin\u00e4) Hoffnung, dass das nicht alles gewesen sein w\u00fcrde.\nVor 20 Jahren:\nNa also, es ging doch: Die verr\u00fcckten Japaner Acid Mothers Temple &amp; the Melting Paraiso U.F.O. entfernten 1997 den Genitivapostroph aus ihrem Bandnamen und ver\u00f6ffentlichten drei Alben, Morphine \u00fcberzeugten auf dem erfolgreichen Like Swimming noch einmal mit ihrem unvergleichlichen jazz noir, die irgendwie \u00e4hnlichen Tindersticks legten das feine Curtains vor. In Kanada entfalteten sich Godspeed You! Black Emperor mit ihrem ersten Album F\u266f A\u266f \u221e, das von zeitgen\u00f6ssischer Kritik f\u00fcr seine, verglichen mit dem Rest der 1990er, bemerkenswerte Sch\u00f6nheit gew\u00fcrdigt wurde, die schottischen \u2013 mehr oder weniger \u2013 Genrekollegen Mogwai deb\u00fctierten mit Mogwai Young Team. Sch\u00f6nheit ist ja immer auch eine Frage der Relation: Die einstigen Anarchopunks Chumbawamba landeten mit Tubthumper und dem Quasi-Titellied \u201eTubthumping\u201c einen \u00e4rgerlichen Welthit, hinter dem ihre \u00fcbrigen Werke zu Unrecht fast verschwanden und heute so gut wie vergessen sind. Konsequent ver\u00f6ffentlichte ebenfalls 1997 die englische Band Blur, die so hei\u00dft wie das Ger\u00e4usch, das man macht, wenn man sie h\u00f6rt, ihr f\u00fcnftes Album, das so hei\u00dft wie das Ger\u00e4usch, das man macht, wenn man es h\u00f6rt, n\u00e4mlich Blur.\nVor 10 Jahren:\nEin neues Jahrtausend, eine neue Musik. \u201eNeu\u201c? Nun ja, es wurde vieles schon gesagt, nur noch nicht von jedem: Starcastle waren mit Song of Times wieder zur\u00fcck und machten \u2013 wenn auch auf beachtlich hohem Niveau \u2013 immer noch den Progressive Rock  der 1970er nach, Rush spielten auf Snakes &amp; Arrows Musik, die nach Rush klingt, und Porcupine Tree, deren Frontmann Steven Wilson ich die Behauptung, es sei jede Musik schon gemacht worden, eigentlich entliehen habe, setzten auf Nil Recurring ihren damals aktuellen Stil einfach fort. Mit Fornika stagnierten auch Die Fantastischen Vier, auf den folgenden Alben ging es erschreckend schnell bergab. Wagemutiger zeigte sich Nick Cave, dessen gewaltige Noiserockband Grinderman 2007 eindrucksvoll im Studio deb\u00fctierte, ebenso wie das Augsburger Postrockwunder Dear John Letter, dessen handgeklebte EP2007 auch heute noch, obwohl die Band l\u00e4ngst Carpet hei\u00dft und mich langweilt, einen Ehrenplatz in meinem ausged\u00fcnnten CD-Regal hat.\n\nDurch? Durch! Die n\u00e4chste R\u00fcckschau wird es, falls nichts dazwischenkommt, etwa zur Halbzeit 2018 an dieser Stelle geben. Ich hoffe, 2018 wird in musikalischer Hinsicht mindestens genau so interessant wie 2017 werden.\nNun bleibt es mir eigentlich nur, mich bei allen Lesern f\u00fcr die Geduld, bis hierhin gelesen zu haben, zu bedanken und ihnen eine ertragreiche Reise durch das hier Vorgestellte zu w\u00fcnschen. Wie immer bitte ich um Erg\u00e4nzung, sollte ich ein interessantes Album vergessen haben \u2013 ich reiche es dann gegebenenfalls sp\u00e4ter nach.\nKommentareHirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: Tony Conrad &amp; Faust \u2013 Outside the Dream Syndicate schrob am 30. Juni 2018 dies: [\u2026] Jahr 1963 entstand, wie aufmerksame Leser l\u00e4ngst wissen, in den USA das von La Monte Young gef\u00fchrte Theatre of Eternal Music, ein Kollektiv von Musikern, [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2018 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 26. Dezember 2018 dies: [\u2026] neun Minuten lang. Erstmals in der Band ist Schlagzeuger Chris Morley, der zuvor unter anderem f\u00fcr Gnod trommeln, hihatten usw. durfte. Beim \u201eGuardian\u201d sprach man mit Bezug auf \u201eKing of Cowards\u201d [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2017-12-27T02:01:02+01:00",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 18 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Ach, wie haben sich <em>die Leute</em> doch gefreut, als das f\u00fcr Musiker erstaunlich t\u00f6dliche Jahr 2016 ein Ende nahm. Ich wartete mit der musikalischen <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/01/musik-122016-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckschau 2016</a> also sicherheitshalber bis Januar \u2013 und am Tag darauf wurde der Tod <span class=\"musik-review-bandname\">John Wettons</span> vermeldet. Ebenso hat dieses Jahr bisher <span class=\"musik-review-bandname\">Chuck Berry</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Allan Holdsworth</span> und sicher noch ein paar bemerkenswerte Musiker sozusagen <em>auf dem Gewissen</em>. Das macht doch alles keinen Spa\u00df mehr.</p>\n<p>Und wie immer, wenn ich den Spa\u00df zu verlieren meine, hilft \u2013 der Ironie bin ich mir bewusst \u2013 Musik, den rechten Pfad wiederzufinden. Es folgen konsequent die <span class=\"musik-review-intro-hervorhebung\">primasten Musikalben des ersten halben Jahres 2017</span> abz\u00fcglich der bereits zuvor thematisierten neuen Alben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/05/kurzkritik-buckethead-pike-244-out-orbit/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Buckethead</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/06/kurzkritik-pontiak-dialectic-of-ignorance/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Pontiak</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/03/kurzkritik-all-them-witches-sleeping-through-the-war/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">All Them Witches</span></a>. Ich empfehle alles Weitere den jeweiligen Artikeln zu entnehmen.</p>\n<p><span id=\"more-12544\"></span>Es gibt diesmal ein paar Besonderheiten zu vermelden: Verzichtet wird diesmal aus Motivationsgr\u00fcnden auf die R\u00fcckschau auf die letzten 40 Jahre sowie ab sofort auf die \u201eSchrott\u201c-Rubrik, denn das Leben ist zu kurz, um sich mit schlechter Musik zu besch\u00e4ftigen. Man verzeihe mir die ausnahmsweise K\u00fcrze der Hauptliste \u2013 am Ende des Jahres gibt es um so mehr nachzuholen. Die Rezession macht vor niemandem Halt.</p>\n<p>Gerade deshalb: Einen Kopfsprung gewagt!</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">H\u00f6rstu!</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/endless-floods-ii.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_endless-floods-ii.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Endless Floods \u2013 II</span>\n<p>Im November 2014 erschien mit \u201eThe Endless River\u201c das letzte und mit gro\u00dfem Abstand langweiligste Studioalbum der sicherlich nicht ganz unbekannten Artrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>. Mit diesem Album haben <span class=\"musik-review-bandname\">Endless Floods</span> nichts gemeinsam.</p>\n<p>Vielmehr handelt es sich bei diesen um einen Abk\u00f6mmling der franz\u00f6sischen Drone-Metal-Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Monarch</span> (auch: <span class=\"musik-review-bandname\">Monarch!</span>), mit der sie zwei Mitglieder, aber auch stilistische Besonderheiten teilen. Dem unbestreitbaren Fakt, dass franz\u00f6sischer Gesang in guter Musik h\u00f6chstens ironisch etwas zu suchen hat, steht beruhigend entgegen, dass auf \u201eII\u201c, dem zweiten Vollzeitalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Endless Floods</span>, nicht besonders viel gesungen wird, was das Album selbst um so intensiver macht.</p>\n<p>In den drei \u2013 na gut, zweieinhalb \u2013 St\u00fccken auf \u201eII\u201c, von denen das erste (\u201eImpasse\u201c) allein \u00fcber 24 Minuten lang ist, geht es n\u00e4mlich recht dicht zu. Kolossale Drones, die sich langsam aus dem Lautsprecher schieben, werden von einem geisterhaften Schlagzeug und verzerrten, G\u00e4nsehaut erzeugend verzweifelten Schreien, zu denen es bestimmt auch irgendwo einen nachlesbaren Text gibt, begleitet. Gegen Ende des St\u00fccks, das zwischendurch <em>so langsam wird</em>, dass es beinahe zum Stillstand kommt (zum ersten Mal recht fr\u00fch nach etwa vier Minuten), nimmt die Gitarre doch ein wenig Fahrt auf, was vom seltsamen zweimin\u00fctigen Interludium \u201ePassage\u201c (im Wesentlichen g\u00e4nzlich unaufgeregtes Fingerpicking) nur kurz unterbrochen wird.</p>\n<p>\u201eProcession\u201c, mit 19:30 Minuten Laufzeit abermals recht lang, macht musikalisch da weiter, wo \u201eImpasse\u201c aufgeh\u00f6rt hat: Unterlegt von einem Grollen, diesmal jedoch ohne weitere Stimmbeteiligung, errichtet die Rhythmusabteilung von <span class=\"musik-review-bandname\">Endless Floods</span> ein drohendes Fundament, \u00fcber dem die Gitarre sich <em>endlich</em> auch einmal auf kurze Noise-Ausfl\u00fcge \u2013 soll hei\u00dfen: ordentlich verzerrter Krach \u2013 begeben darf. Insgesamt jedoch sind diese sicherlich nicht die Essenz von \u201eII\u201c, sondern es ist die schiere Emotionalit\u00e4t, die Drone-Metal wie dieser sie nun einmal besitzt. Intimit\u00e4t ohne Ges\u00e4usel. Ich mag das.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> \u201eII\u201c gibt es zurzeit als Download und auf Vinyl-LP sowie Kassette zu kaufen, auf <a href="\&quot;https://endlessfloods.bandcamp.com/album/ii\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> gibt es weitere Informationen sowie einen vollst\u00e4ndigen Stream vom Album.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/the-tiger-lillies-cold-night-in-soho.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_the-tiger-lillies-cold-night-in-soho.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Tiger Lillies \u2013 Cold Night in Soho</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eIf you want to win, take heroin!\u201c</span> (Heroin)\n<p>Das britische Dark-Cabaret-Trio <span class=\"musik-review-bandname\">The Tiger Lillies</span> ist mittlerweile seit 28 Jahren nicht nur existent, sondern auch recht produktiv: \u201eCold Night in Soho\u201c ist ihr mittlerweile 30. Studioalbum und das erste seit vielen Jahren, das keine Vertonung bekannter Literatur ist. Nun sind die drei Herren bei Weitem keine Gute-Laune-Combo und haben sich daher auch diesmal ein Thema ausgesucht, das nicht eben einen Anlass zum Feiern l\u00e4sst: S\u00e4nger und Texter <span class=\"musik-review-bandname\">Martyn Jacques</span> schrieb, so wird behauptet, Erinnerungen an das Soho der 1980-er Jahre, als die Tiger Lillies ihre ersten gemeinsamen Auftritte absolvierten, auf, bevor auch dort die Gentrifizierung einsetzte.</p>\n<p>Dieses noch nicht \u201eklinisch gereinigte\u201c (Andy Gill) Soho scheint <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reeds</span> New York nicht un\u00e4hnlich gewesen zu sein: Schwerm\u00fctig beginnt das Album mit Bluesgesang zu nachdenklicher Klavierbegleitung, \u201eSalvation Army\u201c beschreibt die Zust\u00e4nde in Soho als von Drogendealern, Prostituierten und Gottlosigkeit bestimmt. Auf den Stra\u00dfen tummeln sich Alkoholiker (\u201eLet\u2019s Drink\u201c), Erfrorene (\u201eIn The Winter\u201c, \u201eJust Another Day\u201c), Ziellose (\u201eTicking of the Hours\u201c), an und trotz ihrer Religion Verzweifelte (\u201eThe First Day\u201c, \u201eGo\u201c), Diebe (\u201eSoho Clipper Blues\u201c) und Drogens\u00fcchtige (\u201eScrewed Blues\u201c, \u201eHeroin\u201c). In diesem Stadtbezirk, das steht au\u00dfer Frage, m\u00f6chte man nicht wohnen m\u00fcssen.</p>\n<p>Transportiert wird die Erz\u00e4hlung in tiefem Blues, melancholischem Walzer (\u201eYou Wouldn\u2019t Know\u201c) und der bandtypischen Zirkusmusik (\u201eHeroin\u201c) mit Falsettgesang, der auf \u201eCold Night in Soho\u201c auch schon mal \u00fcberraschend aggressiv (\u201eDance Floor\u201c) daherkommt. Im bisherigen Schaffen der Tiger Lillies ist dieses Album nicht besonders ungew\u00f6hnlich, weshalb \u201eCold Night in Soho\u201c als \u00fcberm\u00e4\u00dfig herausragendes Album zu bezeichnen sicherlich aus rein musikalischer Sicht unpassend w\u00e4re, jedoch ist und bleibt der Anspruch, den ich an ein Album stelle, um <em>bedeutsam genug</em> zu sein, dass es mir <em>besonders gut gef\u00e4llt</em>, und \u201eCold Night in Soho\u201c, eine musikalische Geschichte auf durchaus immer noch hohem Niveau, erf\u00fcllt dieses Kriterium mit Bravour. In den schweren Momenten im Leben kommt diese Musik gerade recht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> F\u00fcr einen Komplettstream m\u00f6ge sich <a href="\&quot;https://tidal.com/album/70125975\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> anbieten, f\u00fcr Stream und Kauf selbst steht auch das Angebot von <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Cold-Night-Soho-Tiger-Lillies/dp/B01N3CCSB4/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> zur Verf\u00fcgung.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/pryapisme-diabolicus-felinae-pandemonium.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_pryapisme-diabolicus-felinae-pandemonium.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Pryapisme \u2013 Diabolicus Felinae Pandemonium</span>\n<p>Ein Priapismus ist, latinisiert benannt, eine schmerzhafte Dauererektion. <em>Nat\u00fcrlich</em> stammt eine Band dieses Namens \u2013 hier <span class=\"musik-review-bandname\">Pryapisme</span> geschrieben \u2013 aus Frankreich.</p>\n<p>Die f\u00fcnf Musiker, eine der <a href="\&quot;https://weirdestbandintheworld.com/2013/03/13/weird-band-of-the-week-pryapisme/\&quot;" data-wpel-link="internal">verr\u00fccktesten Bands der Welt</a>, nennen sich auf ihrer <a href="\&quot;http://www.pryapisme.net/\&quot;" data-wpel-link="internal">wundersch\u00f6nen</a> Website, die voller Katzenbilder und schlimmer Farben ist, eine Rokokocore-Band und haben im Februar dieses Jahres ein derzeit (Stand: 4. Juni 2017) noch nicht auf ihrer <a href="\&quot;https://pryapisme.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp-Seite</a> verf\u00fcgbares neues Studioalbum namens \u201eDiabolicus Felinae Pandemonium\u201c, was auf Deutsch nach Grammatikkorrektur ungef\u00e4hr \u201edas teuflische Pand\u00e4monium der Katze\u201c bedeutet. Korrekterweise ist das derzeitige Bandlogo anscheinend auch eine 8\u2011Bit-Regenbogenkatze mit einem umgedrehten Kreuz auf der Stirn, was zu einer Band wie dieser, die mit vermeintlichen Tabus umgeht wie kaum eine zweite, hie\u00df das Deb\u00fctalbum doch \u201eRococo Holocaust\u201c, gro\u00dfartig passt.</p>\n<p>Musikalisch haben wir es hier, wie der Banause sofort erkennt, mit einem schrecklichen L\u00e4rm zu tun. \u00dcber zehn St\u00fccke hinweg wird \u00fcberwiegend instrumental (in \u201eLa Boetie Stochastic Process\u201c ist vor\u00fcbergehend sexualisiertes St\u00f6hnen zu h\u00f6ren) so etwas wie Genres nicht blo\u00df ignoriert, sondern r\u00fccksichtslos in Scherben schl\u00e4gt, immer wieder unterbrochen von Miauen und Schnurren der beiden Bandkatzen <span class=\"musik-review-bandname\">La Belette</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Styx</span>. Vergleichbare Bands? Ha! <span class=\"musik-review-bandname\">Pryapisme</span> p\u00fcrieren Digital Hardcore, Spacerock, Mathrock, Jazzrock und Progressive Metal \u2013 und das oft (\u201eA La Zheuleuleu\u201c) schon binnen anderthalb Minuten \u2013 und gie\u00dfen das Gebr\u00e4u in einen dampfenden Kessel, der von des <span class=\"musik-review-bandname\">Trans-Siberian Orchestras</span> l\u00e4ngst legend\u00e4rem \u201eWizards in Winter\u201c \u00fcber <span class=\"musik-review-bandname\">Atari Teenage Riot</span> bis zum <span class=\"musik-review-bandname\">Penguin Cafe Orchestra</span> alles, was es w\u00e4hrend seiner Herstellung ber\u00fchrt hat, in Flammen setzt. Dass das St\u00fcck \u201eC++\u201c mit der gleichnamigen Programmiersprache nicht mehr zu tun hat als mit eigentlich allem anderen, \u00fcberrascht den Rezensenten da auch nicht mehr im Geringsten.</p>\n<p>Was die Band dem irritierten Genie\u00dfer damit (und mit den Katzen) eigentlich sagen m\u00f6chte, bleibt unerkl\u00e4rt und auch deshalb Teil der Faszination. Genres, Schubladen, Kategorien \u2013 alles Quatsch. Eine schmerzhafte Erektion bekommt man davon nicht, nur vor\u00fcbergehend f\u00fchlt sich der Kopf ein wenig wattig an. Das legt sich vielleicht irgendwann.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B01MS71BLB/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es die \u00fcblichen Ausschnitte zu h\u00f6ren, auf <a href="\&quot;https://pryapisme.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> einen Einblick in das bisherige Schaffen der Gruppe. Das komplette Album k\u00f6nnen zurzeit unter anderem <a href="\&quot;https://tidal.com/album/69231613\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>-Kunden streamen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/kairon-irse-ruination.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_kairon-irse-ruination.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Kairon; IRSE! \u2013 Ruination</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Kairon; IRSE!</span> ist eine junge finnische Band, deren Name zwar sehr sch\u00f6n sperrig ist, aber angeblich, glaubt man den Musikern selbst, keinerlei relevante Bedeutung hat, sondern lediglich so nervig aussehen soll wie m\u00f6glich. Skandinavischer Humor trifft den meinen mitunter durchaus.</p>\n<p>Mit dem im Februar 2017 erschienenen \u201eRuination\u201c ver\u00f6ffentlichte Svart Records nun ihr zweites Studioalbum, das zumindest leichter auszusprechen ist als der Erstling \u201eUjubasajuba\u201c, im Gegensatz zu diesem verzichtete das Quartett f\u00fcr \u201eRuination\u201c auch weitgehend auf Improvisationen, sondern verbrachte laut eigener Aussage zwei Jahre mit Komposition und Abmischung. Leichte Kost aber bleibt hier fern; es ist, als w\u00e4re diese Band auch dann gut, wenn sie sich professionalisiert. Verr\u00fcckt!</p>\n<p>Auf die Ohren gibt es eine feine Mischung aus Shoegaze (\u201eSinister Waters I\u201c), Hardrock inklusive jaulend riffender Gitarre (\u201eStarik\u201c) und dem <em>guten alten</em> progressiven Jazzrock der 1970-er Jahre mit recht k\u00fchlem Gesang, den man aus Hallgr\u00fcnden bedauerlicherweise nur schwer versteht. Gastmusiker <span class=\"musik-review-bandname\">Andreas Heino</span> setzt mit Saxophon und Klarinette stiluntypische Akzente, selten begleitet von Violineneinsatz des S\u00e4ngers <span class=\"musik-review-bandname\">Dmitry Melet</span>.</p>\n<p>Die <a href="\&quot;https://www.theguardian.com/music/2017/jan/31/new-band-of-the-week-kairon-irse-no-137-nordic-funk-freakout-jazz-and-shoegaze\&quot;" data-wpel-link="internal">im \u201eGuardian\u201c</a> gew\u00e4hlten Vergleiche \u2013 <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Ornette Coleman</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Fairport Convention</span> \u2013 entfachen des Musikfreunds Begeisterung keineswegs zu Unrecht, und oft ist \u201eRuination\u201c <em>das alles</em> gleichzeitig und klingt trotzdem so frisch und modern wie nur wenige andere jazzrockbeeinflusste Alben dieses noch recht jungen Jahres. Kairon! Irse!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rnse rein:</span> Das komplette Album liegt derzeit (8. Juni 2017) f\u00fcr Stream und Download auf <a href="\&quot;https://kaironirse.bandcamp.com/album/ruination\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> herum, f\u00fcr CD und Vinyl ist <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Ruination-Brown-Vinyl-Kairon-Irse/dp/B01N2WE1HQ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> nicht ungeeignet.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/sleaford-mods-english-tapas.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_sleaford-mods-english-tapas.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sleaford Mods \u2013 English Tapas</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eBrexit loves that fucking Ringo\u201c</span> (Dull)\n<p>Gleiches Jahrzehnt, andere Szene.</p>\n<p>Das englische Duo <span class=\"musik-review-bandname\">Sleaford Mods</span> stammt aus Nottingham (ha, reingefallen!) und macht minimalistischen Postpunk mit Anspruch. Das diesj\u00e4hrige Studioalbum \u201eEnglish Tapas\u201c landete in der britischen Hitparade, seit jeher ein etwas weniger schlechter Indikator f\u00fcr gute Musik als es die hiesige ist, immerhin auf Platz 12. Der Bandname hat zwar mit der Modbewegung (vgl. <span class=\"musik-review-bandname\">The Who</span>) durchaus etwas zu tun, die Musik jedoch nur ein bisschen.</p>\n<p>Vokalist <span class=\"musik-review-bandname\">Jason Williamson</span> und Klangerzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Andrew Robert Lindsay Fearn</span> (wie man als Engl\u00e4nder halt so hei\u00dft) n\u00e4mlich haben es mit Gitarrenmusik nicht so, weite Teile des Albums bestehen stattdessen aus geringer Rhythmusuntermalung, also Bass und etwas Schlagzeug, zur gewaltigen Stimme <span class=\"musik-review-bandname\">Jason Williamsons</span>, was trotzdem noch so klingt, dass es ohne zu z\u00f6gern Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Art Brut</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span> und tats\u00e4chlich, in den etwas weniger zur\u00fcckhaltenden Momenten (\u201eArmy Nights\u201c), auch die <span class=\"musik-review-bandname\">Smiths</span> ins Ged\u00e4chtnis ruft.</p>\n<p><em>Ganz Punk</em> sind <span class=\"musik-review-bandname\">Sleaford Mods</span> in ihren mit starkem nordenglischem Dialekt vorgetragenen (zumeist gerappten) zeit- und szenekritischen Texten, deren Themenspanne vom \u201eBrexit\u201c und seinen Protagonisten (\u201eDull\u201c, \u201eMoptop\u201c) \u00fcber die Pleite der Kaufhauskette BHS (\u201eB.H.S.\u201c) bis hin zu nostalgisch verkl\u00e4rten Fr\u00fcher-war-alles-besser-Musikh\u00f6rern (\u201eJust Like We Do\u201c) reicht; was mich einerseits zwar trifft, andererseits aber auch nicht gerade abst\u00f6\u00dft. Ich werde wunderlich, vermute ich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Zu meiner \u00dcberraschung gibt es Videos zu <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=BtMs-_VEeyE\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eMoptop\u201c</a> und <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=GQZN01Cqzek\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eB.H.S.\u201c</a> mit einander recht \u00e4hnlicher Handlung, ansonsten m\u00f6ge <a href="\&quot;https://www.amazon.de/English-Tapas-Explicit-Sleaford-Mods/dp/B01N2TLLK8/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> oder <a href="\&quot;https://tidal.com/album/70590839\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> herhalten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/thinking-plague-hoping-against-hope.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_thinking-plague-hoping-against-hope.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Thinking Plague \u2013 Hoping Against Hope</span>\n<p>Das trotz ausbleibender personeller \u00dcberschneidungen gelegentlich als zumindest stilistischer Nachfolger von <span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span> benannte Musikprojekt <span class=\"musik-review-bandname\">Thinking Plague</span> ist nun auch schon seit \u00fcber drei Jahrzehnten in wechselnder Besetzung aktiv. Wenngleich die Abst\u00e4nde zwischen zwei Alben \u2013 das Vorg\u00e4ngeralbum \u201eDecline and Fall\u201c fand hier <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Juni 2012</a> meine nicht ganz ungeteilte Aufmerksamkeit \u2013 nicht mehr die K\u00fcrze von einst haben, so bleibt die Musik doch packend.</p>\n<p>Das k\u00f6nnte auch daran liegen, dass die schon angesprochene Besetzung sich ausnahmsweise nicht nennenswert ge\u00e4ndert hat. Neben Gr\u00fcndungsgitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Johnson</span> <em>und so weiter</em> ist auch die bemerkenswerte S\u00e4ngerin und Akkordeonistin <span class=\"musik-review-bandname\">Elaine Di Falco</span>, die schon auf dem Vorg\u00e4ngeralbum mit ihrem schr\u00e4ge Kontrapunkte einf\u00fchrenden statt blo\u00df die Melodie begleitenden Gesang die sowieso schon prima RIO-Kompositionen letztlich veredelt hat, noch an Bord. Der inzwischen ebenfalls langj\u00e4hrige Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Willey</span>, der auch unter eigenem Namen bereits sehr \u00e4hnliche Musik ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, setzt mit donnernd grollendem Bass schlie\u00dflich genau die richtigen Akzente in einem Album, das streckenweise (\u201eThus Have We Made the World\u201c) den Genreursprung im Jazz nicht zu \u00fcbert\u00f6nen, sondern zu betonen versucht.</p>\n<p>Die renommierte Plattenfirma Cuneiform, die auch \u201eHoping Against Hope\u201c vertreibt, <a href="\&quot;https://cuneiformrecords.bandcamp.com/album/hoping-against-hope\&quot;" data-wpel-link="internal">erkl\u00e4rt</a> das Album ungef\u00e4hr so:</p>\n<blockquote><p>Wolken schaukeln \u00fcber einen sturmverh\u00fcllten Himmel, aber w\u00e4hrend sie kurzzeitig seltene Scherben aus Blauem freigeben, lauern meist noch schw\u00e4rzere, d\u00fcsterere Graus hinter den Nebeln. (\u2026) So viel diese Musik auch abverlangen mag, so ist sie doch gemacht worden, um einfach und, noch wichtiger, wundersch\u00f6n zu klingen.</p></blockquote>\n<p>Und genau das tut sie.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://cuneiformrecords.bandcamp.com/album/hoping-against-hope\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> oder <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Hoping-Against-Hope-Thinking-Plague/dp/B01N4F0TJ6/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/orchestra-of-the-upper-atmosphere-03.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_orchestra-of-the-upper-atmosphere-03.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Orchestra Of The Upper Atmosphere \u2013 \u03f43</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eTime opens the mind, time opens the door.\u201c</span> (Synaptic)\n<p>Von einer Musikgruppe, die sich <span class=\"musik-review-bandname\">Orchestra Of The Upper Atmosphere</span> nennt, Bemerkenswertes zu erwarten ist sicherlich kein besonders gewagtes Unterfangen. Dass mir die mehrk\u00f6pfige britische Combo um den Multiinstrumentalisten <span class=\"musik-review-bandname\">Martin Archer</span> trotz umjubelter Liveauftritte mit <span class=\"musik-review-bandname\">Damo Suzuki</span> erst mit ihrem dritten Studioalbum \u201e\u03f43\u201c, also \u201eTheta 3\u201c (ein gro\u00dfes Theta sieht, das halte ich dem Benenner zugute, ja fast wie eine Null aus) \u2013 der Vorg\u00e4nger von 2014 hie\u00df selbstverst\u00e4ndlich \u201e\u03f42\u201c \u2013 ins Netz geraten sind, ist insofern so schade wie erstaunlich.</p>\n<p>Wie schon die beiden Alben davor kommt auch \u201e\u03f43\u201c auf zwei CDs daher, von denen eine vermutlich aus typografischen Gr\u00fcnden \u201ekleines Alpha\u201c und eine \u201egro\u00dfes Omega\u201c hei\u00dft. Eine Vinylversion scheint es nicht zu geben. Enthalten sind jeweils zehn St\u00fccke, deren Titel meist irgendetwas mit Astronomie zu tun haben. Klar: Wer als <span class=\"musik-review-bandname\">Orchestra Of The Upper Atmosphere</span> gemeinsam musiziert, der schwebt nicht nur musikalisch in h\u00f6heren Sph\u00e4ren. Zu sph\u00e4rischer Musik passt <em>nat\u00fcrlich</em> auch eine ausladende Besetzung, und so ist das <span class=\"musik-review-bandname\">Orchestra Of The Upper Atmosphere</span> hier ein Septett, unterst\u00fctzt von drei Streichern und einem Posaunisten.</p>\n<p>Von Klassik ist hier, ungeachtet der Posaune, nichts zu h\u00f6ren, stattdessen treibt man sich auf dem weiten Feld zwischen Kammer\u2011, Kraut- und <span class=\"musik-review-bandname\">gongesquem</span> Spacerock sowie elektronisch gepr\u00e4gtem Jazz herum, nicht ohne auch mal einen Abstecher in den Blues (\u201eSolar Prominences\u201c) oder den Freejazz (das erfrischend freif\u00f6rmige Ende von \u201ePororoca\u201c) zu machen. Zweifellos f\u00e4llt \u201e\u03f43\u201c in die genrelose Kategorie jener Alben, f\u00fcr deren Genuss einander eine gute Reise zu w\u00fcnschen nicht falsch w\u00e4re, auch, wenn es mitunter gilt, auf dem Flug klanglichen Asteroiden (\u201eCircumzenithal\u201c, \u201ePororoca\u201c) auszuweichen. Die Musik schwirrt derart einnehmend am wohlgesonnenen H\u00f6rer vorbei, dass ihm nur wie durch einen Schleier \u00fcberhaupt wahrnimmt, dass \u2013 auch hier lassen <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> gr\u00fc\u00dfen \u2013 erst nach der H\u00e4lfte der ersten CD in \u201eAnisotropic Shapes\u201c so etwas wie Gesang, es ist eher ein fernes Fl\u00fcstern, einsetzt. Frau <span class=\"musik-review-bandname\">frostlake</span>, trotz des interessanten K\u00fcnstlernamens au\u00dferhalb des Bandkontexts bisher kaum musikalisch in Erscheinung getreten, macht ihre Sache wirklich gut.</p>\n<p>\u201e\u03f43\u201c geh\u00f6rt zu den bisher wenigen Alben des Jahres 2017, die ihre eigene Stimmung nicht nur selbst mitbringen, sondern die des geneigten Rezensenten dabei v\u00f6llig ignorieren. Schlechte Laune? \u201e\u03f43\u201c h\u00f6ren! Bestens drauf? \u201e\u03f43\u201c h\u00f6ren! Melancholisch? Richtig: \u201e\u03f43\u201c h\u00f6ren! \u00dcbrig bleibt ein einziges Gef\u00fchl: Man ist irgendwie zufrieden mit der Welt. Das ist ja auch nicht schlecht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf der <a href="\&quot;http://discus-music.co.uk/catalogue-mobile/dis63cd-detail\&quot;" data-wpel-link="internal">Website zum Album</a> gibt es zurzeit (25. Juni 2017) neben einer Kaufm\u00f6glichkeit auch einen zw\u00f6lfeinhalbmin\u00fctigen Auszug aus der hier enthaltenen Musik zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/faust-fresh-air.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_faust-fresh-air.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Faust \u2013 fresh air</span>\n<p>Von den zwei konkurrierenden <span class=\"musik-review-bandname\">Fausts</span> ist diese (Eigenschreibweise derzeit: <span class=\"musik-review-bandname\">faUSt</span>) die offenbar derzeit im Studio aktivere. Seit sich die Wege von <span class=\"musik-review-bandname\">Hans-Joachim Irmler</span>, der seitdem mit einer eigenen Formation von <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> aktiv ist oder war, und den beiden anderen noch aktiven <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span>-Gr\u00fcndungsmitgliedern nach \u00fcber drei\u00dfig Jahren der musikalischen Zusammenarbeit um das Jahr 2002 herum wohl endg\u00fcltig getrennt haben, sorgt zumindest letztere Formation weiterhin regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr frischen Wind.</p>\n<p>2011 befasste ich mich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">mit \u201esomething dirty\u201c</a>, dem damals aktuellen Studioalbum dieser Formation, den Nachfolger \u201ej US t\u201c hingegen habe ich leider weitgehend verpasst. Sicher ist jedenfalls, dass mit Alter und Besetzungsreduktion keine Milde eintritt, was nicht nur von Anh\u00e4ngern der Krautrockikonen, sondern auch von Verantwortlichen offenbar gesch\u00e4tzt wird: Die Hamburger Plattenfirma Bureau B, das auch andere Gr\u00f6\u00dfen der deutschen elektronischen Musik vertrieb und vertreibt, ist auch f\u00fcr dieses Album zust\u00e4ndig.</p>\n<p>Anders als die vorherigen Alben wurde \u201efresh air\u201c in Teilen jedoch nicht in den Bandstudios in Los Angeles und Austin \u2013 man kommt auch als Krautrockikone offenbar durchaus in der Welt herum \u2013 aufgenommen, das Titelst\u00fcck und das letzte St\u00fcck \u201eFish\u201c n\u00e4mlich entstammen im WFMU (ein nichtkommerzieller H\u00f6rfunksender in New Jersey) entstandenen Aufnahmen.</p>\n<p>Komponiert wurde aber auch im Studio wohl eher nebenbei. Bandfranzose <span class=\"musik-review-bandname\">Jean-Herv\u00e9 P\u00e9ron</span> erw\u00e4hnte einmal, auf \u201efresh air\u201c habe die Band sich an <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Cadavre_Exquis\&quot;" data-wpel-link="internal">Cadavre Exquis</a> versucht, einer im Surrealismus beheimateten Methode zum Erreichen kreativer H\u00f6hepunkte, indem die einzelnen K\u00fcnstler von den Ergebnissen ihrer Mitstreiter nichts wissen. Wer annimmt, dass das zu schwer ertr\u00e4glicher Musik f\u00fchrte, der untersch\u00e4tzt <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> sehr, denn \u201efresh air\u201c klingt zwar erwartungsgem\u00e4\u00df nicht weniger sperrig als vorherige Alben der Band, dabei aber keineswegs unzug\u00e4nglicher als zum Beispiel <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span>, deren \u201eThe Black Angel\u2019s Death Song\u201c ich in der Klangsammlung auch wiederzufinden meine, oder die fr\u00fcheren Genrekollegen <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>.</p>\n<p>Als G\u00e4ste sind aus \u201efresh air\u201c unter anderem die S\u00e4ngerin  (hier vielmehr: Erz\u00e4hlerin) <span class=\"musik-review-bandname\">Barbara Manning</span> und der mit ganz anderer Musik (<span class=\"musik-review-bandname\">Die Krupps</span>) bekannt gewordene <span class=\"musik-review-bandname\">J\u00fcrgen Engler</span> zu h\u00f6ren, es werden mal ein polnisches Gedicht, mal franz\u00f6sische oder englische Texte rezitiert, w\u00e4hrend die Instrumentalisten mit reichlich Perkussion hypnotisch-repetitiv (\u201eBirds of Texas\u201c) bis dissonant-aggressiv (\u201eLights Flicker\u201c) draufloskrauten. Alt und verbraucht wird es bei <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> wohl niemals geben, man prescht auch 46 Jahre nach dem Deb\u00fctalbum noch in eine einzige Richtung, n\u00e4mlich voll durch die Wand. \u201efresh air\u201c ist kein Album mit Ecken und Kanten, es ist ein Album <em>aus</em> Ecken und Kanten. Wer braucht schon Popmusik?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://soundcloud.com/bureau-1/faust-fresh-air-preview\&quot;" data-wpel-link="internal">Soundcloud</a> gibt es momentan eine Vorschau auf das Album, auf <a href="\&quot;https://tidal.com/album/71699407\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> einen Komplettstream zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/samsara-blues-experiment-one-with-the-universe.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_samsara-blues-experiment-one-with-the-universe.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Samsara Blues Experiment \u2013 One with the Universe</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThink about the promises we made!\u201c</span> (One with the Universe)\n<p>Von wegen \u201eBlues\u201c!</p>\n<p>Das Berliner Trio <span class=\"musik-review-bandname\">Samsara Blues Experiment</span> feiert im Jahr 2017 sein zehnj\u00e4hriges Bestehen und ver\u00f6ffentlichte passend dazu, wenn auch wohl unabh\u00e4ngig davon sein viertes Studioalbum \u201eOne with the Universe\u201c, das erste mit dem 2014 eingef\u00fchrten Bassisten <span class=\"musik-review-bandname\">Hans Eiselt</span>. Die Selbstbeschreibung besagt, die Gruppe spiele \u201eeine Mischung aus Stoner Rock, Psychedelic Blues, indischem Raga und Folkmusik\u201c und liegt damit gar nicht mal v\u00f6llig daneben.</p>\n<p>Aufgebaut sind die f\u00fcnf St\u00fccke auf \u201eOne with the Universe\u201c, wie Pseudonymus \u201eMr. Omen\u201c <a href="\&quot;https://morefuzz.net/reviews/samsara-blues-experiment-one-with-the-universe/\&quot;" data-wpel-link="internal">richtig feststellte</a>, wie schon das Coverbild quasi wie ein Liebesspiel: Je l\u00e4nger die Spielzeit andauert, desto intensiver wird das Geh\u00f6rte. Beginnt \u201eVipassana\u201c noch mit Meeresrauschen und anschwellenden Psychedelia, so wird schon zwei Minuten sp\u00e4ter fr\u00fcher Hardrock wie ein Teppich ausgebreitet, rauen Gesang eingeschlossen. Von einem Quickie l\u00e4sst sich bei immerhin zehn vollen Minuten Dauer allein des ersten St\u00fccks freilich nicht sprechen. Um bei der Metapher zu bleiben: Zum H\u00f6hepunkt kommt die Band trotzdem immer wieder; und wenn wie in \u201eGlorious Daze\u201c (ein hervorragend drogenumw\u00f6lkter Titel auch) die Energie bis zum Bersten anschwillt, um sich in einem Crescendo von beachtlicher Dichte zu entladen, dann ist das auf mehr als eine Art sch\u00f6n.</p>\n<p>Den ollen Wortwitz vom <em>Ohrgasmus</em> m\u00f6chte ich schon aus Stilgr\u00fcnden hier nicht noch weiter abnutzen, aber worauf ich hinaus will, sollte sich aus meinen Schilderungen auch quasi von allein ergeben: <span class=\"musik-review-bandname\">Colour Haze</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Elvis Presley</span> und die sp\u00e4ten <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>, mehr muss es gar nicht sein.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://samsarabluesexperiment.bandcamp.com/album/one-with-the-universe\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> darf zurzeit nach Herzenslust gestreamt werden.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/the-universe-by-ear.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_the-universe-by-ear.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Universe by Ear</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eMake it look like an accident!\u201c</span> (Make It Look Like An Accident)\n<p>Schon wieder eines dieser Musikalben ohne einen anst\u00e4ndigen Titel! Aber f\u00fcr das Deb\u00fct-Vollzeitalbum \u2013 nach dem vorab ver\u00f6ffentlichten und dieses Album er\u00f6ffnenden St\u00fcck \u201eSeven Pounds\u201c vom Juli 2016 \u2013 mag es noch angehen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The Universe by Ear</span> ist ein Schweizer Trio, das <a href="\&quot;http://www.20min.ch/schweiz/basel/story/Das-ganze-Album-von-Universe-By-Ear-im-Stream-13869347\&quot;" data-wpel-link="internal">von \u201e20 Minuten\u201c</a> als \u201eder n\u00e4chste Urknall\u201c oder wenigstens als \u201eProg-Supergroup\u201c bezeichnet wird, was einigerma\u00dfen \u00fcbertrieben ist, denn vorherige Erfahrungen aus einer lokalen <span class=\"musik-review-bandname\">Frank-Zappa</span>-Coverband etablieren noch keinen Starstatus. Nichtsdestotrotz schwappte sich die Welle, die <span class=\"musik-review-bandname\">The Universe by Ear</span> in Basel zum Schwingen brachten, augenscheinlich bereits bis nach Australien.</p>\n<p>In einer ihrer Selbstbeschreibungen \u00fcben die Musiker sich nicht in Zur\u00fcckhaltung:</p>\n<blockquote><p>Drei wagemutige Basler Musiker haben sich zusammengefunden, um den Rock dorthin zu f\u00fchren, wo bislang keiner einen Fuss auf den Boden gesetzt hat: in eine komplexe, farbenfrohe, \u00fcberraschende, harte, melodi\u00f6se Landschaft und in einen Kosmos, in dem improvisierter Freifall neben durchstrukturierter Form existiert.</p></blockquote>\n<p>Und sie haben damit sogar Recht. Das Klanguniversum bereisen sie tats\u00e4chlich h\u00f6rbar weit: Aus <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimsons</span> \u201eLarks\u2018 Tongues in Aspic\u201c (s\u00e4mtliche Teile), Stoner- und Spacerock, aber auch den sp\u00e4ten <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> (\u201eRepeat Until Muscle Failure\u201c, \u201eDead End Town\u201c), Jazzrock und Canterbury sowie Desert Rock (noch mal \u201eDead End Town\u201c), veredelt mit irrwitzigen Instrumentaleskapaden (\u201eOcean/Clouds/Prism\u201c), kreieren die Schweizer ihr ganz eigenes erstes musikalisches Ausrufezeichen. Der Gesang ist freilich nicht der besonderen Rede wert, stilistisch passend orientiert man sich hier \u00fcberwiegend an den einschl\u00e4gigen Krautrockbands, aber es wird ja nicht immer nur gesungen; von Anfang an, schon in der zweiten H\u00e4lfte von \u201eSeven Pounds\u201c, erfreuen ausgedehnte bass- und schlagzeuglastige Instrumentalpassagen des H\u00f6rers Ohren. Mein Album des Jahres scheint gefunden, aber ich lasse mich ja gern \u00fcberraschen.</p>\n<p>Pseudonyma \u201eEva Maria\u201c kommentierte auf \u201e20 Minuten\u201c:</p>\n<blockquote><p>Unh\u00f6rbar  sorry. Ist wahrscheinlich therapeutisch f\u00fcr die Musiker und ein Taxitiket zur Einlieferung in die Psychi f\u00fcr alle die es sich antun das h\u00f6ren zu wollen</p></blockquote>\n<p>Ach, \u201eEva Maria\u201c: dir entgeht was.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Einen Komplettstream gibt es auf <a href="\&quot;https://theuniversebyear.bandcamp.com/album/the-universe-by-ear\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>, Videos zu einigen St\u00fccken auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/channel/UCIKq37ZJ0ey7SOnggYPr-WA\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a>.</p></li>\n</ol>\n<p>Habe ich was vergessen? Nat\u00fcrlich habe ich was vergessen!</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Kurz und w\u00fcrzig.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Jesus and Mary Chain \u2013 Damage and Joy</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The Jesus and Mary Chain</span> pr\u00e4sentieren zehn Jahre nach ihrer Reformation ein gro\u00dfartiges Garagenrockalbum, das Anh\u00e4ngern von <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Unterground</span>, den <span class=\"musik-review-bandname\">Strokes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span> ein breites Grinsen auf\u2019s Gesicht dr\u00fcckt. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B01N5C6PXH/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Disperse \u2013 Foreword</span>\n<p>Hinter dem unauff\u00e4lligsten Gesang des Jahres versteckt sich \u00fcberraschend vertracktester Progressive Metal, f\u00fcr den ein einziger H\u00f6rdurchlauf geradezu l\u00e4cherlich wenig ist. <a href="\&quot;https://disperseband.bandcamp.com/album/foreword\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">At the Drive-In \u2013 in\u2022ter a\u2022li\u2022a</span>\n<p>Die Nachfolgeprojekte, darunter die unvergesslichen <span class=\"musik-review-bandname\">The Mars Volta</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Antemasque</span>, sind offenbar allesamt gescheitert, also machen die Musiker von <span class=\"musik-review-bandname\">At the Drive-In</span> weiter mit dem, was sie am besten k\u00f6nnen: Energiegeladene Rockmusik mit Punk- und Indiecharme, gefeiert von der Fachpresse und auch von mir trotz einschl\u00e4giger Werkkenntnisse f\u00fcr \u00fcberraschend gut befunden. <a href="\&quot;https://www.amazon.de/dp/B06W5V4ZNK/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Nova Collective \u2013 The Further Side</span>\n<p>Instrumentaler Symphonic-Prog wie in der <em>guten alten</em> Zeit. <a href="\&quot;https://novacollectivefusion.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Les Discrets \u2013 Predateurs</span>\n<p>Sph\u00e4rische Film-Noir-Musik zweier Franzosen mit Indie-Rock- und Trip-Hop-Hintergrund. <a href="\&quot;https://les-discrets.bandcamp.com/album/pr-dateurs\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.</a></p></li>\n</ol>\n<p>Das war es schon? Vorerst ja \u2013 aber das Jahresende steht ja schon wieder bald bevor und mit ihm die Jahresr\u00fcckschau, n\u00e4chstes Mal wieder in alter Pracht. Ich freue mich darauf und ihr solltet das auch.</p>\n<p>Bis bald!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2017 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2017</a> dies: [\u2026] der erste Teil merklich k\u00fcrzer als \u00fcblich geraten war, blieb f\u00fcr den zweiten nat\u00fcrlich eine Menge Musik [\u2026]</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/02/kurzkritik-sonar-black-light/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: Sonar \u2013 Black Light</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Februar 2018</a> dies: [\u2026] Records kennen regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Musikbesprechungen m\u00f6glicherweise als die Plattenfirma von Thinking Plague. Wer \u2013 wie ich \u2013 auf diese Angabe \u00fcblicherweise kaum achtet, falls nicht eine [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/a4f4d7ef025e465c8d904aab13cbe4ff\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 18 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickAch, wie haben sich die Leute doch gefreut, als das f\u00fcr Musiker erstaunlich t\u00f6dliche Jahr 2016 ein Ende nahm. Ich wartete mit der musikalischen Jahresr\u00fcckschau 2016 also sicherheitshalber bis Januar \u2013 und am Tag darauf wurde der Tod John Wettons vermeldet. Ebenso hat dieses Jahr bisher Chuck Berry, Allan Holdsworth und sicher noch ein paar bemerkenswerte Musiker sozusagen auf dem Gewissen. Das macht doch alles keinen Spa\u00df mehr.\nUnd wie immer, wenn ich den Spa\u00df zu verlieren meine, hilft \u2013 der Ironie bin ich mir bewusst \u2013 Musik, den rechten Pfad wiederzufinden. Es folgen konsequent die primasten Musikalben des ersten halben Jahres 2017 abz\u00fcglich der bereits zuvor thematisierten neuen Alben von Buckethead, Pontiak und All Them Witches. Ich empfehle alles Weitere den jeweiligen Artikeln zu entnehmen.\nEs gibt diesmal ein paar Besonderheiten zu vermelden: Verzichtet wird diesmal aus Motivationsgr\u00fcnden auf die R\u00fcckschau auf die letzten 40 Jahre sowie ab sofort auf die \u201eSchrott\u201c-Rubrik, denn das Leben ist zu kurz, um sich mit schlechter Musik zu besch\u00e4ftigen. Man verzeihe mir die ausnahmsweise K\u00fcrze der Hauptliste \u2013 am Ende des Jahres gibt es um so mehr nachzuholen. Die Rezession macht vor niemandem Halt.\nGerade deshalb: Einen Kopfsprung gewagt!\n1. H\u00f6rstu!\n\nEndless Floods \u2013 II\nIm November 2014 erschien mit \u201eThe Endless River\u201c das letzte und mit gro\u00dfem Abstand langweiligste Studioalbum der sicherlich nicht ganz unbekannten Artrockband Pink Floyd. Mit diesem Album haben Endless Floods nichts gemeinsam.\nVielmehr handelt es sich bei diesen um einen Abk\u00f6mmling der franz\u00f6sischen Drone-Metal-Gruppe Monarch (auch: Monarch!), mit der sie zwei Mitglieder, aber auch stilistische Besonderheiten teilen. Dem unbestreitbaren Fakt, dass franz\u00f6sischer Gesang in guter Musik h\u00f6chstens ironisch etwas zu suchen hat, steht beruhigend entgegen, dass auf \u201eII\u201c, dem zweiten Vollzeitalbum von Endless Floods, nicht besonders viel gesungen wird, was das Album selbst um so intensiver macht.\nIn den drei \u2013 na gut, zweieinhalb \u2013 St\u00fccken auf \u201eII\u201c, von denen das erste (\u201eImpasse\u201c) allein \u00fcber 24 Minuten lang ist, geht es n\u00e4mlich recht dicht zu. Kolossale Drones, die sich langsam aus dem Lautsprecher schieben, werden von einem geisterhaften Schlagzeug und verzerrten, G\u00e4nsehaut erzeugend verzweifelten Schreien, zu denen es bestimmt auch irgendwo einen nachlesbaren Text gibt, begleitet. Gegen Ende des St\u00fccks, das zwischendurch so langsam wird, dass es beinahe zum Stillstand kommt (zum ersten Mal recht fr\u00fch nach etwa vier Minuten), nimmt die Gitarre doch ein wenig Fahrt auf, was vom seltsamen zweimin\u00fctigen Interludium \u201ePassage\u201c (im Wesentlichen g\u00e4nzlich unaufgeregtes Fingerpicking) nur kurz unterbrochen wird.\n\u201eProcession\u201c, mit 19:30 Minuten Laufzeit abermals recht lang, macht musikalisch da weiter, wo \u201eImpasse\u201c aufgeh\u00f6rt hat: Unterlegt von einem Grollen, diesmal jedoch ohne weitere Stimmbeteiligung, errichtet die Rhythmusabteilung von Endless Floods ein drohendes Fundament, \u00fcber dem die Gitarre sich endlich auch einmal auf kurze Noise-Ausfl\u00fcge \u2013 soll hei\u00dfen: ordentlich verzerrter Krach \u2013 begeben darf. Insgesamt jedoch sind diese sicherlich nicht die Essenz von \u201eII\u201c, sondern es ist die schiere Emotionalit\u00e4t, die Drone-Metal wie dieser sie nun einmal besitzt. Intimit\u00e4t ohne Ges\u00e4usel. Ich mag das.\nReinh\u00f6ren: \u201eII\u201c gibt es zurzeit als Download und auf Vinyl-LP sowie Kassette zu kaufen, auf Bandcamp.com gibt es weitere Informationen sowie einen vollst\u00e4ndigen Stream vom Album.\nThe Tiger Lillies \u2013 Cold Night in Soho\n\u201eIf you want to win, take heroin!\u201c (Heroin)\nDas britische Dark-Cabaret-Trio The Tiger Lillies ist mittlerweile seit 28 Jahren nicht nur existent, sondern auch recht produktiv: \u201eCold Night in Soho\u201c ist ihr mittlerweile 30. Studioalbum und das erste seit vielen Jahren, das keine Vertonung bekannter Literatur ist. Nun sind die drei Herren bei Weitem keine Gute-Laune-Combo und haben sich daher auch diesmal ein Thema ausgesucht, das nicht eben einen Anlass zum Feiern l\u00e4sst: S\u00e4nger und Texter Martyn Jacques schrieb, so wird behauptet, Erinnerungen an das Soho der 1980-er Jahre, als die Tiger Lillies ihre ersten gemeinsamen Auftritte absolvierten, auf, bevor auch dort die Gentrifizierung einsetzte.\nDieses noch nicht \u201eklinisch gereinigte\u201c (Andy Gill) Soho scheint Lou Reeds New York nicht un\u00e4hnlich gewesen zu sein: Schwerm\u00fctig beginnt das Album mit Bluesgesang zu nachdenklicher Klavierbegleitung, \u201eSalvation Army\u201c beschreibt die Zust\u00e4nde in Soho als von Drogendealern, Prostituierten und Gottlosigkeit bestimmt. Auf den Stra\u00dfen tummeln sich Alkoholiker (\u201eLet\u2019s Drink\u201c), Erfrorene (\u201eIn The Winter\u201c, \u201eJust Another Day\u201c), Ziellose (\u201eTicking of the Hours\u201c), an und trotz ihrer Religion Verzweifelte (\u201eThe First Day\u201c, \u201eGo\u201c), Diebe (\u201eSoho Clipper Blues\u201c) und Drogens\u00fcchtige (\u201eScrewed Blues\u201c, \u201eHeroin\u201c). In diesem Stadtbezirk, das steht au\u00dfer Frage, m\u00f6chte man nicht wohnen m\u00fcssen.\nTransportiert wird die Erz\u00e4hlung in tiefem Blues, melancholischem Walzer (\u201eYou Wouldn\u2019t Know\u201c) und der bandtypischen Zirkusmusik (\u201eHeroin\u201c) mit Falsettgesang, der auf \u201eCold Night in Soho\u201c auch schon mal \u00fcberraschend aggressiv (\u201eDance Floor\u201c) daherkommt. Im bisherigen Schaffen der Tiger Lillies ist dieses Album nicht besonders ungew\u00f6hnlich, weshalb \u201eCold Night in Soho\u201c als \u00fcberm\u00e4\u00dfig herausragendes Album zu bezeichnen sicherlich aus rein musikalischer Sicht unpassend w\u00e4re, jedoch ist und bleibt der Anspruch, den ich an ein Album stelle, um bedeutsam genug zu sein, dass es mir besonders gut gef\u00e4llt, und \u201eCold Night in Soho\u201c, eine musikalische Geschichte auf durchaus immer noch hohem Niveau, erf\u00fcllt dieses Kriterium mit Bravour. In den schweren Momenten im Leben kommt diese Musik gerade recht.\nReinh\u00f6ren: F\u00fcr einen Komplettstream m\u00f6ge sich TIDAL anbieten, f\u00fcr Stream und Kauf selbst steht auch das Angebot von Amazon.de zur Verf\u00fcgung.\nPryapisme \u2013 Diabolicus Felinae Pandemonium\nEin Priapismus ist, latinisiert benannt, eine schmerzhafte Dauererektion. Nat\u00fcrlich stammt eine Band dieses Namens \u2013 hier Pryapisme geschrieben \u2013 aus Frankreich.\nDie f\u00fcnf Musiker, eine der verr\u00fccktesten Bands der Welt, nennen sich auf ihrer wundersch\u00f6nen Website, die voller Katzenbilder und schlimmer Farben ist, eine Rokokocore-Band und haben im Februar dieses Jahres ein derzeit (Stand: 4. Juni 2017) noch nicht auf ihrer Bandcamp-Seite verf\u00fcgbares neues Studioalbum namens \u201eDiabolicus Felinae Pandemonium\u201c, was auf Deutsch nach Grammatikkorrektur ungef\u00e4hr \u201edas teuflische Pand\u00e4monium der Katze\u201c bedeutet. Korrekterweise ist das derzeitige Bandlogo anscheinend auch eine 8\u2011Bit-Regenbogenkatze mit einem umgedrehten Kreuz auf der Stirn, was zu einer Band wie dieser, die mit vermeintlichen Tabus umgeht wie kaum eine zweite, hie\u00df das Deb\u00fctalbum doch \u201eRococo Holocaust\u201c, gro\u00dfartig passt.\nMusikalisch haben wir es hier, wie der Banause sofort erkennt, mit einem schrecklichen L\u00e4rm zu tun. \u00dcber zehn St\u00fccke hinweg wird \u00fcberwiegend instrumental (in \u201eLa Boetie Stochastic Process\u201c ist vor\u00fcbergehend sexualisiertes St\u00f6hnen zu h\u00f6ren) so etwas wie Genres nicht blo\u00df ignoriert, sondern r\u00fccksichtslos in Scherben schl\u00e4gt, immer wieder unterbrochen von Miauen und Schnurren der beiden Bandkatzen La Belette und Styx. Vergleichbare Bands? Ha! Pryapisme p\u00fcrieren Digital Hardcore, Spacerock, Mathrock, Jazzrock und Progressive Metal \u2013 und das oft (\u201eA La Zheuleuleu\u201c) schon binnen anderthalb Minuten \u2013 und gie\u00dfen das Gebr\u00e4u in einen dampfenden Kessel, der von des Trans-Siberian Orchestras l\u00e4ngst legend\u00e4rem \u201eWizards in Winter\u201c \u00fcber Atari Teenage Riot bis zum Penguin Cafe Orchestra alles, was es w\u00e4hrend seiner Herstellung ber\u00fchrt hat, in Flammen setzt. Dass das St\u00fcck \u201eC++\u201c mit der gleichnamigen Programmiersprache nicht mehr zu tun hat als mit eigentlich allem anderen, \u00fcberrascht den Rezensenten da auch nicht mehr im Geringsten.\nWas die Band dem irritierten Genie\u00dfer damit (und mit den Katzen) eigentlich sagen m\u00f6chte, bleibt unerkl\u00e4rt und auch deshalb Teil der Faszination. Genres, Schubladen, Kategorien \u2013 alles Quatsch. Eine schmerzhafte Erektion bekommt man davon nicht, nur vor\u00fcbergehend f\u00fchlt sich der Kopf ein wenig wattig an. Das legt sich vielleicht irgendwann.\nReinh\u00f6ren: Auf Amazon.de gibt es die \u00fcblichen Ausschnitte zu h\u00f6ren, auf Bandcamp.com einen Einblick in das bisherige Schaffen der Gruppe. Das komplette Album k\u00f6nnen zurzeit unter anderem TIDAL-Kunden streamen.\nKairon; IRSE! \u2013 Ruination\nKairon; IRSE! ist eine junge finnische Band, deren Name zwar sehr sch\u00f6n sperrig ist, aber angeblich, glaubt man den Musikern selbst, keinerlei relevante Bedeutung hat, sondern lediglich so nervig aussehen soll wie m\u00f6glich. Skandinavischer Humor trifft den meinen mitunter durchaus.\nMit dem im Februar 2017 erschienenen \u201eRuination\u201c ver\u00f6ffentlichte Svart Records nun ihr zweites Studioalbum, das zumindest leichter auszusprechen ist als der Erstling \u201eUjubasajuba\u201c, im Gegensatz zu diesem verzichtete das Quartett f\u00fcr \u201eRuination\u201c auch weitgehend auf Improvisationen, sondern verbrachte laut eigener Aussage zwei Jahre mit Komposition und Abmischung. Leichte Kost aber bleibt hier fern; es ist, als w\u00e4re diese Band auch dann gut, wenn sie sich professionalisiert. Verr\u00fcckt!\nAuf die Ohren gibt es eine feine Mischung aus Shoegaze (\u201eSinister Waters I\u201c), Hardrock inklusive jaulend riffender Gitarre (\u201eStarik\u201c) und dem guten alten progressiven Jazzrock der 1970-er Jahre mit recht k\u00fchlem Gesang, den man aus Hallgr\u00fcnden bedauerlicherweise nur schwer versteht. Gastmusiker Andreas Heino setzt mit Saxophon und Klarinette stiluntypische Akzente, selten begleitet von Violineneinsatz des S\u00e4ngers Dmitry Melet.\nDie im \u201eGuardian\u201c gew\u00e4hlten Vergleiche \u2013 Yes, King Crimson, Gentle Giant, Ornette Coleman, Fairport Convention \u2013 entfachen des Musikfreunds Begeisterung keineswegs zu Unrecht, und oft ist \u201eRuination\u201c das alles gleichzeitig und klingt trotzdem so frisch und modern wie nur wenige andere jazzrockbeeinflusste Alben dieses noch recht jungen Jahres. Kairon! Irse!\nH\u00f6rnse rein: Das komplette Album liegt derzeit (8. Juni 2017) f\u00fcr Stream und Download auf Bandcamp.com herum, f\u00fcr CD und Vinyl ist Amazon.de nicht ungeeignet.\nSleaford Mods \u2013 English Tapas\n\u201eBrexit loves that fucking Ringo\u201c (Dull)\nGleiches Jahrzehnt, andere Szene.\nDas englische Duo Sleaford Mods stammt aus Nottingham (ha, reingefallen!) und macht minimalistischen Postpunk mit Anspruch. Das diesj\u00e4hrige Studioalbum \u201eEnglish Tapas\u201c landete in der britischen Hitparade, seit jeher ein etwas weniger schlechter Indikator f\u00fcr gute Musik als es die hiesige ist, immerhin auf Platz 12. Der Bandname hat zwar mit der Modbewegung (vgl. The Who) durchaus etwas zu tun, die Musik jedoch nur ein bisschen.\nVokalist Jason Williamson und Klangerzeuger Andrew Robert Lindsay Fearn (wie man als Engl\u00e4nder halt so hei\u00dft) n\u00e4mlich haben es mit Gitarrenmusik nicht so, weite Teile des Albums bestehen stattdessen aus geringer Rhythmusuntermalung, also Bass und etwas Schlagzeug, zur gewaltigen Stimme Jason Williamsons, was trotzdem noch so klingt, dass es ohne zu z\u00f6gern Bands wie Art Brut, The Fall und tats\u00e4chlich, in den etwas weniger zur\u00fcckhaltenden Momenten (\u201eArmy Nights\u201c), auch die Smiths ins Ged\u00e4chtnis ruft.\nGanz Punk sind Sleaford Mods in ihren mit starkem nordenglischem Dialekt vorgetragenen (zumeist gerappten) zeit- und szenekritischen Texten, deren Themenspanne vom \u201eBrexit\u201c und seinen Protagonisten (\u201eDull\u201c, \u201eMoptop\u201c) \u00fcber die Pleite der Kaufhauskette BHS (\u201eB.H.S.\u201c) bis hin zu nostalgisch verkl\u00e4rten Fr\u00fcher-war-alles-besser-Musikh\u00f6rern (\u201eJust Like We Do\u201c) reicht; was mich einerseits zwar trifft, andererseits aber auch nicht gerade abst\u00f6\u00dft. Ich werde wunderlich, vermute ich.\nReinh\u00f6ren: Zu meiner \u00dcberraschung gibt es Videos zu \u201eMoptop\u201c und \u201eB.H.S.\u201c mit einander recht \u00e4hnlicher Handlung, ansonsten m\u00f6ge Amazon.de oder TIDAL herhalten.\nThinking Plague \u2013 Hoping Against Hope\nDas trotz ausbleibender personeller \u00dcberschneidungen gelegentlich als zumindest stilistischer Nachfolger von Henry Cow benannte Musikprojekt Thinking Plague ist nun auch schon seit \u00fcber drei Jahrzehnten in wechselnder Besetzung aktiv. Wenngleich die Abst\u00e4nde zwischen zwei Alben \u2013 das Vorg\u00e4ngeralbum \u201eDecline and Fall\u201c fand hier im Juni 2012 meine nicht ganz ungeteilte Aufmerksamkeit \u2013 nicht mehr die K\u00fcrze von einst haben, so bleibt die Musik doch packend.\nDas k\u00f6nnte auch daran liegen, dass die schon angesprochene Besetzung sich ausnahmsweise nicht nennenswert ge\u00e4ndert hat. Neben Gr\u00fcndungsgitarrist Mike Johnson und so weiter ist auch die bemerkenswerte S\u00e4ngerin und Akkordeonistin Elaine Di Falco, die schon auf dem Vorg\u00e4ngeralbum mit ihrem schr\u00e4ge Kontrapunkte einf\u00fchrenden statt blo\u00df die Melodie begleitenden Gesang die sowieso schon prima RIO-Kompositionen letztlich veredelt hat, noch an Bord. Der inzwischen ebenfalls langj\u00e4hrige Bassist Dave Willey, der auch unter eigenem Namen bereits sehr \u00e4hnliche Musik ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, setzt mit donnernd grollendem Bass schlie\u00dflich genau die richtigen Akzente in einem Album, das streckenweise (\u201eThus Have We Made the World\u201c) den Genreursprung im Jazz nicht zu \u00fcbert\u00f6nen, sondern zu betonen versucht.\nDie renommierte Plattenfirma Cuneiform, die auch \u201eHoping Against Hope\u201c vertreibt, erkl\u00e4rt das Album ungef\u00e4hr so:\nWolken schaukeln \u00fcber einen sturmverh\u00fcllten Himmel, aber w\u00e4hrend sie kurzzeitig seltene Scherben aus Blauem freigeben, lauern meist noch schw\u00e4rzere, d\u00fcsterere Graus hinter den Nebeln. (\u2026) So viel diese Musik auch abverlangen mag, so ist sie doch gemacht worden, um einfach und, noch wichtiger, wundersch\u00f6n zu klingen.\nUnd genau das tut sie.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com oder Amazon.de.\nOrchestra Of The Upper Atmosphere \u2013 \u03f43\n\u201eTime opens the mind, time opens the door.\u201c (Synaptic)\nVon einer Musikgruppe, die sich Orchestra Of The Upper Atmosphere nennt, Bemerkenswertes zu erwarten ist sicherlich kein besonders gewagtes Unterfangen. Dass mir die mehrk\u00f6pfige britische Combo um den Multiinstrumentalisten Martin Archer trotz umjubelter Liveauftritte mit Damo Suzuki erst mit ihrem dritten Studioalbum \u201e\u03f43\u201c, also \u201eTheta 3\u201c (ein gro\u00dfes Theta sieht, das halte ich dem Benenner zugute, ja fast wie eine Null aus) \u2013 der Vorg\u00e4nger von 2014 hie\u00df selbstverst\u00e4ndlich \u201e\u03f42\u201c \u2013 ins Netz geraten sind, ist insofern so schade wie erstaunlich.\nWie schon die beiden Alben davor kommt auch \u201e\u03f43\u201c auf zwei CDs daher, von denen eine vermutlich aus typografischen Gr\u00fcnden \u201ekleines Alpha\u201c und eine \u201egro\u00dfes Omega\u201c hei\u00dft. Eine Vinylversion scheint es nicht zu geben. Enthalten sind jeweils zehn St\u00fccke, deren Titel meist irgendetwas mit Astronomie zu tun haben. Klar: Wer als Orchestra Of The Upper Atmosphere gemeinsam musiziert, der schwebt nicht nur musikalisch in h\u00f6heren Sph\u00e4ren. Zu sph\u00e4rischer Musik passt nat\u00fcrlich auch eine ausladende Besetzung, und so ist das Orchestra Of The Upper Atmosphere hier ein Septett, unterst\u00fctzt von drei Streichern und einem Posaunisten.\nVon Klassik ist hier, ungeachtet der Posaune, nichts zu h\u00f6ren, stattdessen treibt man sich auf dem weiten Feld zwischen Kammer\u2011, Kraut- und gongesquem Spacerock sowie elektronisch gepr\u00e4gtem Jazz herum, nicht ohne auch mal einen Abstecher in den Blues (\u201eSolar Prominences\u201c) oder den Freejazz (das erfrischend freif\u00f6rmige Ende von \u201ePororoca\u201c) zu machen. Zweifellos f\u00e4llt \u201e\u03f43\u201c in die genrelose Kategorie jener Alben, f\u00fcr deren Genuss einander eine gute Reise zu w\u00fcnschen nicht falsch w\u00e4re, auch, wenn es mitunter gilt, auf dem Flug klanglichen Asteroiden (\u201eCircumzenithal\u201c, \u201ePororoca\u201c) auszuweichen. Die Musik schwirrt derart einnehmend am wohlgesonnenen H\u00f6rer vorbei, dass ihm nur wie durch einen Schleier \u00fcberhaupt wahrnimmt, dass \u2013 auch hier lassen Gong gr\u00fc\u00dfen \u2013 erst nach der H\u00e4lfte der ersten CD in \u201eAnisotropic Shapes\u201c so etwas wie Gesang, es ist eher ein fernes Fl\u00fcstern, einsetzt. Frau frostlake, trotz des interessanten K\u00fcnstlernamens au\u00dferhalb des Bandkontexts bisher kaum musikalisch in Erscheinung getreten, macht ihre Sache wirklich gut.\n\u201e\u03f43\u201c geh\u00f6rt zu den bisher wenigen Alben des Jahres 2017, die ihre eigene Stimmung nicht nur selbst mitbringen, sondern die des geneigten Rezensenten dabei v\u00f6llig ignorieren. Schlechte Laune? \u201e\u03f43\u201c h\u00f6ren! Bestens drauf? \u201e\u03f43\u201c h\u00f6ren! Melancholisch? Richtig: \u201e\u03f43\u201c h\u00f6ren! \u00dcbrig bleibt ein einziges Gef\u00fchl: Man ist irgendwie zufrieden mit der Welt. Das ist ja auch nicht schlecht.\nReinh\u00f6ren: Auf der Website zum Album gibt es zurzeit (25. Juni 2017) neben einer Kaufm\u00f6glichkeit auch einen zw\u00f6lfeinhalbmin\u00fctigen Auszug aus der hier enthaltenen Musik zu h\u00f6ren.\nFaust \u2013 fresh air\nVon den zwei konkurrierenden Fausts ist diese (Eigenschreibweise derzeit: faUSt) die offenbar derzeit im Studio aktivere. Seit sich die Wege von Hans-Joachim Irmler, der seitdem mit einer eigenen Formation von Faust aktiv ist oder war, und den beiden anderen noch aktiven Faust-Gr\u00fcndungsmitgliedern nach \u00fcber drei\u00dfig Jahren der musikalischen Zusammenarbeit um das Jahr 2002 herum wohl endg\u00fcltig getrennt haben, sorgt zumindest letztere Formation weiterhin regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr frischen Wind.\n2011 befasste ich mich mit \u201esomething dirty\u201c, dem damals aktuellen Studioalbum dieser Formation, den Nachfolger \u201ej US t\u201c hingegen habe ich leider weitgehend verpasst. Sicher ist jedenfalls, dass mit Alter und Besetzungsreduktion keine Milde eintritt, was nicht nur von Anh\u00e4ngern der Krautrockikonen, sondern auch von Verantwortlichen offenbar gesch\u00e4tzt wird: Die Hamburger Plattenfirma Bureau B, das auch andere Gr\u00f6\u00dfen der deutschen elektronischen Musik vertrieb und vertreibt, ist auch f\u00fcr dieses Album zust\u00e4ndig.\nAnders als die vorherigen Alben wurde \u201efresh air\u201c in Teilen jedoch nicht in den Bandstudios in Los Angeles und Austin \u2013 man kommt auch als Krautrockikone offenbar durchaus in der Welt herum \u2013 aufgenommen, das Titelst\u00fcck und das letzte St\u00fcck \u201eFish\u201c n\u00e4mlich entstammen im WFMU (ein nichtkommerzieller H\u00f6rfunksender in New Jersey) entstandenen Aufnahmen.\nKomponiert wurde aber auch im Studio wohl eher nebenbei. Bandfranzose Jean-Herv\u00e9 P\u00e9ron erw\u00e4hnte einmal, auf \u201efresh air\u201c habe die Band sich an Cadavre Exquis versucht, einer im Surrealismus beheimateten Methode zum Erreichen kreativer H\u00f6hepunkte, indem die einzelnen K\u00fcnstler von den Ergebnissen ihrer Mitstreiter nichts wissen. Wer annimmt, dass das zu schwer ertr\u00e4glicher Musik f\u00fchrte, der untersch\u00e4tzt Faust sehr, denn \u201efresh air\u201c klingt zwar erwartungsgem\u00e4\u00df nicht weniger sperrig als vorherige Alben der Band, dabei aber keineswegs unzug\u00e4nglicher als zum Beispiel The Velvet Underground, deren \u201eThe Black Angel\u2019s Death Song\u201c ich in der Klangsammlung auch wiederzufinden meine, oder die fr\u00fcheren Genrekollegen Can.\nAls G\u00e4ste sind aus \u201efresh air\u201c unter anderem die S\u00e4ngerin  (hier vielmehr: Erz\u00e4hlerin) Barbara Manning und der mit ganz anderer Musik (Die Krupps) bekannt gewordene J\u00fcrgen Engler zu h\u00f6ren, es werden mal ein polnisches Gedicht, mal franz\u00f6sische oder englische Texte rezitiert, w\u00e4hrend die Instrumentalisten mit reichlich Perkussion hypnotisch-repetitiv (\u201eBirds of Texas\u201c) bis dissonant-aggressiv (\u201eLights Flicker\u201c) draufloskrauten. Alt und verbraucht wird es bei Faust wohl niemals geben, man prescht auch 46 Jahre nach dem Deb\u00fctalbum noch in eine einzige Richtung, n\u00e4mlich voll durch die Wand. \u201efresh air\u201c ist kein Album mit Ecken und Kanten, es ist ein Album aus Ecken und Kanten. Wer braucht schon Popmusik?\nReinh\u00f6ren: Auf Soundcloud gibt es momentan eine Vorschau auf das Album, auf TIDAL einen Komplettstream zu h\u00f6ren.\nSamsara Blues Experiment \u2013 One with the Universe\n\u201eThink about the promises we made!\u201c (One with the Universe)\nVon wegen \u201eBlues\u201c!\nDas Berliner Trio Samsara Blues Experiment feiert im Jahr 2017 sein zehnj\u00e4hriges Bestehen und ver\u00f6ffentlichte passend dazu, wenn auch wohl unabh\u00e4ngig davon sein viertes Studioalbum \u201eOne with the Universe\u201c, das erste mit dem 2014 eingef\u00fchrten Bassisten Hans Eiselt. Die Selbstbeschreibung besagt, die Gruppe spiele \u201eeine Mischung aus Stoner Rock, Psychedelic Blues, indischem Raga und Folkmusik\u201c und liegt damit gar nicht mal v\u00f6llig daneben.\nAufgebaut sind die f\u00fcnf St\u00fccke auf \u201eOne with the Universe\u201c, wie Pseudonymus \u201eMr. Omen\u201c richtig feststellte, wie schon das Coverbild quasi wie ein Liebesspiel: Je l\u00e4nger die Spielzeit andauert, desto intensiver wird das Geh\u00f6rte. Beginnt \u201eVipassana\u201c noch mit Meeresrauschen und anschwellenden Psychedelia, so wird schon zwei Minuten sp\u00e4ter fr\u00fcher Hardrock wie ein Teppich ausgebreitet, rauen Gesang eingeschlossen. Von einem Quickie l\u00e4sst sich bei immerhin zehn vollen Minuten Dauer allein des ersten St\u00fccks freilich nicht sprechen. Um bei der Metapher zu bleiben: Zum H\u00f6hepunkt kommt die Band trotzdem immer wieder; und wenn wie in \u201eGlorious Daze\u201c (ein hervorragend drogenumw\u00f6lkter Titel auch) die Energie bis zum Bersten anschwillt, um sich in einem Crescendo von beachtlicher Dichte zu entladen, dann ist das auf mehr als eine Art sch\u00f6n.\nDen ollen Wortwitz vom Ohrgasmus m\u00f6chte ich schon aus Stilgr\u00fcnden hier nicht noch weiter abnutzen, aber worauf ich hinaus will, sollte sich aus meinen Schilderungen auch quasi von allein ergeben: Colour Haze, Led Zeppelin, Elvis Presley und die sp\u00e4ten Beatles, mehr muss es gar nicht sein.\nReinh\u00f6ren: Auf Bandcamp.com darf zurzeit nach Herzenslust gestreamt werden.\nThe Universe by Ear\n\u201eMake it look like an accident!\u201c (Make It Look Like An Accident)\nSchon wieder eines dieser Musikalben ohne einen anst\u00e4ndigen Titel! Aber f\u00fcr das Deb\u00fct-Vollzeitalbum \u2013 nach dem vorab ver\u00f6ffentlichten und dieses Album er\u00f6ffnenden St\u00fcck \u201eSeven Pounds\u201c vom Juli 2016 \u2013 mag es noch angehen.\nThe Universe by Ear ist ein Schweizer Trio, das von \u201e20 Minuten\u201c als \u201eder n\u00e4chste Urknall\u201c oder wenigstens als \u201eProg-Supergroup\u201c bezeichnet wird, was einigerma\u00dfen \u00fcbertrieben ist, denn vorherige Erfahrungen aus einer lokalen Frank-Zappa-Coverband etablieren noch keinen Starstatus. Nichtsdestotrotz schwappte sich die Welle, die The Universe by Ear in Basel zum Schwingen brachten, augenscheinlich bereits bis nach Australien.\nIn einer ihrer Selbstbeschreibungen \u00fcben die Musiker sich nicht in Zur\u00fcckhaltung:\nDrei wagemutige Basler Musiker haben sich zusammengefunden, um den Rock dorthin zu f\u00fchren, wo bislang keiner einen Fuss auf den Boden gesetzt hat: in eine komplexe, farbenfrohe, \u00fcberraschende, harte, melodi\u00f6se Landschaft und in einen Kosmos, in dem improvisierter Freifall neben durchstrukturierter Form existiert.\nUnd sie haben damit sogar Recht. Das Klanguniversum bereisen sie tats\u00e4chlich h\u00f6rbar weit: Aus King Crimsons \u201eLarks\u2018 Tongues in Aspic\u201c (s\u00e4mtliche Teile), Stoner- und Spacerock, aber auch den sp\u00e4ten Beatles (\u201eRepeat Until Muscle Failure\u201c, \u201eDead End Town\u201c), Jazzrock und Canterbury sowie Desert Rock (noch mal \u201eDead End Town\u201c), veredelt mit irrwitzigen Instrumentaleskapaden (\u201eOcean/Clouds/Prism\u201c), kreieren die Schweizer ihr ganz eigenes erstes musikalisches Ausrufezeichen. Der Gesang ist freilich nicht der besonderen Rede wert, stilistisch passend orientiert man sich hier \u00fcberwiegend an den einschl\u00e4gigen Krautrockbands, aber es wird ja nicht immer nur gesungen; von Anfang an, schon in der zweiten H\u00e4lfte von \u201eSeven Pounds\u201c, erfreuen ausgedehnte bass- und schlagzeuglastige Instrumentalpassagen des H\u00f6rers Ohren. Mein Album des Jahres scheint gefunden, aber ich lasse mich ja gern \u00fcberraschen.\nPseudonyma \u201eEva Maria\u201c kommentierte auf \u201e20 Minuten\u201c:\nUnh\u00f6rbar  sorry. Ist wahrscheinlich therapeutisch f\u00fcr die Musiker und ein Taxitiket zur Einlieferung in die Psychi f\u00fcr alle die es sich antun das h\u00f6ren zu wollen\nAch, \u201eEva Maria\u201c: dir entgeht was.\nReinh\u00f6ren: Einen Komplettstream gibt es auf Bandcamp.com, Videos zu einigen St\u00fccken auf YouTube.\n\nHabe ich was vergessen? Nat\u00fcrlich habe ich was vergessen!\n2. Kurz und w\u00fcrzig.\n\nThe Jesus and Mary Chain \u2013 Damage and Joy\nThe Jesus and Mary Chain pr\u00e4sentieren zehn Jahre nach ihrer Reformation ein gro\u00dfartiges Garagenrockalbum, das Anh\u00e4ngern von The Velvet Unterground, den Strokes und Sonic Youth ein breites Grinsen auf\u2019s Gesicht dr\u00fcckt. Amazon.\nDisperse \u2013 Foreword\nHinter dem unauff\u00e4lligsten Gesang des Jahres versteckt sich \u00fcberraschend vertracktester Progressive Metal, f\u00fcr den ein einziger H\u00f6rdurchlauf geradezu l\u00e4cherlich wenig ist. Bandcamp.\nAt the Drive-In \u2013 in\u2022ter a\u2022li\u2022a\nDie Nachfolgeprojekte, darunter die unvergesslichen The Mars Volta und Antemasque, sind offenbar allesamt gescheitert, also machen die Musiker von At the Drive-In weiter mit dem, was sie am besten k\u00f6nnen: Energiegeladene Rockmusik mit Punk- und Indiecharme, gefeiert von der Fachpresse und auch von mir trotz einschl\u00e4giger Werkkenntnisse f\u00fcr \u00fcberraschend gut befunden. Amazon.\nNova Collective \u2013 The Further Side\nInstrumentaler Symphonic-Prog wie in der guten alten Zeit. Bandcamp.\nLes Discrets \u2013 Predateurs\nSph\u00e4rische Film-Noir-Musik zweier Franzosen mit Indie-Rock- und Trip-Hop-Hintergrund. Bandcamp.\n\nDas war es schon? Vorerst ja \u2013 aber das Jahresende steht ja schon wieder bald bevor und mit ihm die Jahresr\u00fcckschau, n\u00e4chstes Mal wieder in alter Pracht. Ich freue mich darauf und ihr solltet das auch.\nBis bald!\nKommentareHirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2017 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 27. Dezember 2017 dies: [\u2026] der erste Teil merklich k\u00fcrzer als \u00fcblich geraten war, blieb f\u00fcr den zweiten nat\u00fcrlich eine Menge Musik [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: Sonar \u2013 Black Light schrob am 3. Februar 2018 dies: [\u2026] Records kennen regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Musikbesprechungen m\u00f6glicherweise als die Plattenfirma von Thinking Plague. Wer \u2013 wie ich \u2013 auf diese Angabe \u00fcblicherweise kaum achtet, falls nicht eine [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2017-07-01T21:41:02+02:00",
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Nach <span class=\"musik-review-bandname\">Wolfgang Rohde</span> (fr\u00fcher mal <span class=\"musik-review-bandname\">Die Toten Hosen</span>), <span class=\"musik-review-bandname\">Hagen Liebing</span> (fr\u00fcher mal <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span>) und <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Squire</span>, dem letzten in der Band verbliebenen Gr\u00fcndungsmitglied von <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, sowie vielen anderen hat es vor einigen Wochen schlie\u00dflich auch den gro\u00dfartigen <span class=\"musik-review-bandname\">Greg Lake</span> erwischt, und auch f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Leonard Cohen</span> w\u00e4re es zu sp\u00e4t, seinem letzten Album \u201eYou Want It Darker\u201c einen geb\u00fchrenden Preis zu verleihen, \u00fcber das andererseits jedes geschriebene Wort sowieso und ohnehin Blasphemie gliche.</p>\n<p>Schon fr\u00fcher im abgelaufenen Jahr allerdings schien es mir nicht verfehlt, lobende Worte \u00fcber einige der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">gro\u00dfartigsten Musikalben des Jahres</span> zu finden, darunter <span class=\"musik-review-bandname\">katie deys</span> <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/08/katie-dey-flood-network/\&quot;" data-wpel-link="internal">flood network</a>, <span class=\"musik-review-bandname\">MaidaVales</span> <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/09/kurzkritik-maidavale-tales-of-the-wicked-west/\&quot;" data-wpel-link="internal">Tales of the Wicked West</a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/12/kurzkritik-electric-orange-misophonia/\&quot;" data-wpel-link="internal">misophonia</a> von <span class=\"musik-review-bandname\">Electric Orange sowie das <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/10/kurzkritik-moon-circle-moon-circle/\&quot;" data-wpel-link="internal">Deb\u00fctalbum</a> von <span class=\"musik-review-bandname\">Moon Circle</span>.</span></p>\n<p>Im Folgenden findet ihr, was bis jetzt noch fehlte, n\u00e4mlich die bislang noch unrezensierten <em>Alben des Jahres</em>. Vielleicht ist ja was f\u00fcr euch dabei?</p>\n<p><span id=\"more-12125\"></span><span class=\"musik-review-header-nr\">1a.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Starker Stoff</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/arbor-labor-union-i-hear-you.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_arbor-labor-union-i-hear-you.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Arbor Labor Union \u2013 I Hear You</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI live in a song / I dance when it\u2019s played.\u201c</span> (Volume Peaks)\n<p>Das f\u00e4ngt ja gut an.</p>\n<p>Die <em>Gartenarbeitervereinigung</em> \u2013 prima Bandname auch \u2013 aus Atlanta bereicherte die Welt im Mai 2016 mit ihrem Zweitling \u201eI Hear You\u201c und damit <em>mal eben</em> mit einem <em>dieser</em> Alben, die mich meine Wahl zum <em>Album des Jahres</em> noch mal ernsthaft \u00fcberdenken lassen. Vermutlich ist es mit \u201ecool\u201c, sofern der Begriff zusagt, nicht v\u00f6llig unzureichend beschrieben, Spa\u00df macht es auf jeden Fall, und das ab der ersten Sekunde: \u201eMr. Birdsong\u201c beginnt stimmig mit instrumentaler Vogelimitation, bevor es ordentlich <em>zur Sache</em> geht.</p>\n<p>Stilistisch bewegen sich <span class=\"musik-review-bandname\">Arbor Labor Union</span> im dreckigsten der Garagenrocks <em>(meinten Sie: R\u00f6cke?)</em>, irgendwo zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Pearl Jam</span> und den <span class=\"musik-review-bandname\">Dandy Warhols</span> bis hin zu einer erstaunlichen \u00c4hnlichkeit zu den ersten zwei monoton-hypnotischen Platten von <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> (\u201eI Am You\u201c), wenn nicht gerade der hier ebenfalls <em>vollkommen \u00fcberdrehte</em> \u2013 also fast <em>wie fr\u00fcher</em> \u2013 Postpunk (\u201eRadiant Mountain Road\u201c) die F\u00fchrung \u00fcbernimmt, der gleichfalls das Monoton-Hypnotische gar nicht erst zu verbergen versucht. Macht euch auf treibende Gedanken gefasst. Der hektisch-verwirrte Gesangsstil des Frontmanns <span class=\"musik-review-bandname\">Here Orr</span> (ich w\u00fcrde annehmen wollen, hier handelt es sich um einen K\u00fcnstlernamen) passt gro\u00dfartig zu der pulsierenden Instrumentalarbeit. Vergleiche, wenn\u2019s denn n\u00f6tig scheint: <span class=\"musik-review-bandname\">Mark E. Smith</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Julian Casablancas</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Doug Yule</span> (und das ist positiv gemeint). Bingo.</p>\n<p>Die Plattenfirma der <span class=\"musik-review-bandname\">Arbor Labor Union</span> hei\u00dft \u201eSub Pop\u201c und ich habe wirklich schon mal weniger passende Namen von Plattenfirmen gesehen. <span class=\"musik-review-bandname\">Arbor Labor Union</span>, ich h\u00f6re euch. Und das wirklich gern.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://arborlaborunion.bandcamp.com/album/i-hear-you\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> gibt es \u201eI Hear You\u201c nicht nur als schickes rosa Vinyl (\u201eLoser Edition\u201c, ohne Punkattit\u00fcde geht es nicht), CD und blaue Kassette zu kaufen, sondern auch als kostenlosen Komplettstream. Ich kann dazu durchaus raten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/ziguri-onetwothreefour.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_ziguri-onetwothreefour.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Ziguri \u2013 onetwothreefour</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDie Explosion in deinem Kopf l\u00e4sst Paradies und H\u00f6lle bersten.\u201c</span> (Apricot Brandy III)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">G\u00fcnter Schickert</span> ist wohl ein Vertreter dessen, was gemeinhin ein Urgestein genannt wird: Seit der ersten H\u00e4lfte der 1970er Jahre spielte und spielt er mal zusammen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Klaus Schulze</span>, mal solo (zuerst 1974 mit \u201eSamtvogel\u201c), mal mit eigenen Gruppen weitgehend instrumentalen Krautrock im Stil der Berliner Schule. Als \u201ehandgemachten Dancefloor\u201c bezeichnet den Stil zumindest die Plattenfirma Sireena Records, was irgendwie auch stimmiger scheint.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Ziguri</span>, laut Internetinformationen <em>(sagt man das noch so?)</em> in der Sprache der Tarahumara der Name des halluzinogenen Peyote-Kaktusses, ist eine dieser eigenen Gruppen, deren Geschichte bis in die auslaufenden 1980-er Jahre zur\u00fcckreicht. Das Trio aus <span class=\"musik-review-bandname\">G\u00fcnter Schickert</span> (Gitarre, Blasinstrumente, Gesang), <span class=\"musik-review-bandname\">Udo Erdenreich</span> (Bass, Gesang) und <span class=\"musik-review-bandname\">Dieter K\u00f6lsch</span> (Schlagzeug, Gesang) spielt bis heute anscheinend in der Ursprungsbesetzung miteinander, was zumindest eine fruchtbare kreative Zusammenarbeit suggeriert.</p>\n<p>Wobei der Kraut<em>rock</em> ja schon immer unter seinem Etikett zu leiden hatte; <em>Kraut</em> ist oft im Wortsinne drin, Rock hingegen bleibt aus. So <em>nat\u00fcrlich</em> auch hier: Das Geschehen wird bestimmt von <em>tranciger</em> Instrumentalmusik im besten Sinne, mal dem Postrock nahe (\u201eRadio Bilsga\u201c), mal eher dem, was die Welt der Psychedelia so hergibt (\u201eSkykiss\u201c). Dass die drei Herren sich selbst nicht furchtbar ernst nehmen, schl\u00e4gt mindestens ein <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=x6y70koe44g\&quot;" data-wpel-link="internal">auf YouTube zu findendes Video</a> zum St\u00fcck \u201eSunSonsSans\u201c (manchmal auch mit Leerzeichen geschrieben) vor, und das merkt man \u00fcber die gesamte L\u00e4nge des Albums hinweg.</p>\n<p>Wobei das Album ja eigentlich wiederum zwei Alben in einem ist bzw. sind: Die drei <em>Bonusst\u00fccke</em> \u201eHotel Babel\u201c, \u201eDiaLekT\u201c und \u201eApricot Brandy III\u201c sind <em>Reste</em> von alten Aufnahmen von 1993 und 1996, wobei das gleiche St\u00fcck unter dem Namen \u201eApricot Brandy\u201c bereits auf dem Deb\u00fctalbum zu h\u00f6ren war und offensichtlich eine \u00dcberarbeitung von \u201eApricot Brandy\u201c von \u201eSamtvogel\u201c ist; \u201eApricot Brandy III\u201c ist auch das einzige der drei St\u00fccke, an denen <span class=\"musik-review-bandname\">G\u00fcnter Schickert</span> wieder beteiligt ist, die anderen beiden sind stattdessen in v\u00f6llig anderer Besetzung und mit S\u00e4ngerinnen aufgenommen worden. Nichtsdestotrotz sind sie als musikalische Zusammenfassung von \u201eonetwothreefour\u201c nicht v\u00f6llig deplatziert, bilden sie doch dessen stilistische Bandbreite <em>ganz gut</em> ab. \u201eHotel Babel\u201c ist eine Vertonung eines Gedichts des mir bislang unbekannten Dichters <span class=\"musik-review-bandname\">Guillaume Apollinaire</span> als <em>groovender</em> Jazzrock mit reichlich Trompete, \u201eDiaLekT\u201c mag man mit seinem afrikaartigen Trommelrhythmus und dem seltsamen Hintergrundgesang wohl eher unter Weltmusik einsortieren, wenn auch als solche, deren Erschaffer vom Spacerock zumindest schon mal was geh\u00f6rt haben. \u201eApricot Candy III\u201c schlie\u00dflich k\u00f6nnte mit seinem b\u00fchnensketchartigen Aufbau einerseits und der Elektronikverliebtheit andererseits \u2013 \u00fcberall flirrt, klirrt und zwitschert es \u2013 auch von <span class=\"musik-review-bandname\">Grobschnitt</span> oder <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> stammen, mit deren Interimss\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Damo Suzuki</span> die drei Musiker bereits eine B\u00fchne teilten.</p>\n<p>Die drogenschwangeren 1970er denken gar nicht daran, aufzuh\u00f6ren. Das ist ein gutes Zeichen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Neben besagtem Video gibt es auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/channel/UCzC_krkSNQqOmTgI9irTiBA/videos\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Dieter K\u00f6lschs</span> YouTube-Kanal</a> noch manch weiteren Ausschnitt aus \u201eonetwothreefour\u201c, auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Onetwothreefour-Ziguri/dp/B01H1VUYTM/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> kann man ebenfalls \u00fcberall <em>mal reinh\u00f6ren</em>. Viel Vergn\u00fcgen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/ahkmed-the-inland-sea.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_ahkmed-the-inland-sea.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Ahkmed \u2013 The Inland Sea</span>\n<p>Kommen wir von <em>ein bisschen Postrock</em> zu <em>richtigem</em> Postrock, n\u00e4mlich zu \u201eThe Inland Sea\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Ahkmed</span>, die trotz des Namens ein australisches Trio sind und deren Deb\u00fct \u201eDistance\u201c Anlass zur Freude gab. Dass die Plattenfirma Elektrohasch (<span class=\"musik-review-bandname\">Colour Haze</span> u.a.) durchaus nicht f\u00fcr besonders schlechte Musik bekannt ist, sollte sich bereits herumgesprochen haben, ansonsten hilft \u201eThe Inland Sea\u201c bei der Ruffestigung sicherlich erneut.</p>\n<p>Mit f\u00fcnf St\u00fccken von zwischen zehn und zwanzig vollen Minuten L\u00e4nge gef\u00e4llt \u201eThe Inland Sea\u201c schon oberfl\u00e4chlich, und der Schein tr\u00fcgt diesmal nicht: Ich h\u00f6re Stoner Rock, aufgelockert durch Drones und das Ganze in einen brodelnden Postrockkessel gekippt. Weitgehend instrumental findet \u201eThe Inland Sea\u201c statt; ein Teil der Platte hat durchaus Gesang, aber der geht nicht nur unter, weil\u2019s erstens mit ordentlich Hall versehen ist und zweitens der Rest den Geist entf\u00fchrt, sondern dabei auch noch <em>ziemlich gut ab</em>, und das schon ab dem ersten Takt: \u201eKaleidoscope\u201c beginnt mit reichlich <em>fuzz</em> vom Gitarristen <span class=\"musik-review-bandname\">Carlo Iacovino</span>, der schon bald von einem sehr <em>eigenartigen</em> Perkussionsrhythmus und einem kaum <em>h\u00f6rbaren</em>, wohl aber sp\u00fcrbaren Bassfundament unterst\u00fctzt wird, dessen Erzeuger, der neue Bandbassist <span class=\"musik-review-bandname\">Finn Rockwell</span>, nach etwa der H\u00e4lfte der Zeit einen getrageneren Zwischenteil solistisch einleiten darf, bevor seine beiden Mitmusiker erneut einsteigen, dem Bass jedoch einigen Freiraum lassen, um sich zu entfalten, was hier keineswegs irgendwelche wilden Eskapaden bedeuten soll. Die Band l\u00e4sst sich nicht beirren, hier werden Melodien eben auch mal zehn (oder mehr) Minuten lang wiederholt. Langweilig? Nein, nein, \u201eKaleidoscope\u201c ist schon ein treffender Name. \u201eDreamland\u201c h\u00e4tte es aber auch getroffen.</p>\n<p>Das folgende Titelst\u00fcck mag sich zum Reisen wohl eignen: Die pl\u00f6tzlich schneidende Gitarre und der treibende <em>beat</em> leiten allm\u00e4hlich \u00fcber in eine neue Traumsequenz, bevor das St\u00fcck erneut anschwillt. Einzelne Wortbeitr\u00e4ge von Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">John-Paul Caligiuri</span> schallen unwirklich aus der Farbenwelt. Auch in \u201eLast Hour of Light\u201c sind vier Minuten dem <em>Spacerock</em> mit Gesang (<span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> geh\u00f6ren \u00fcberhaupt viel h\u00e4ufiger mal derart unaufdringlich gew\u00fcrdigt) gewidmet, bevor ein ungew\u00f6hnlich <em>cleanes</em> (also erfrischend unverzerrtes) Gitarrenriff, das mit seiner Eing\u00e4ngigkeit diesen <em>elenden Suchtfaktor</em> nochmals potenziert, sich unbeirrt in den Verstand des unbewaffneten H\u00f6rers ergie\u00dft, w\u00e4hrend es mal im Vordergrund, mal im Hintergrund trommelt, blubbert und vor allem flie\u00dft. Nach wiederum etwa der H\u00e4lfte des St\u00fccks soliert erneut der Bass; Zeit zum Ausruhen? Die n\u00e4chsten Minuten verbringt man jedenfalls im Schwebezustand, bevor die Ger\u00e4uschkulisse quietschend eine Notbremsung einlegt. Keine Angst, es geht gleich weiter: \u201ePattern of Atolls\u201c spendiert der Gitarre, die den H\u00f6rer mit einer anderen, aber wieder grandiosen Melodie auf eine weitere Reise zu schicken beabsichtigt, eine Extraportion Effekte. <span class=\"musik-review-bandname\">John-Paul Caligiuri</span> tr\u00e4gt erneut f\u00fcr wenige Augenblicke unwirklich scheinenden Gesang bei, ach was: Sprechgesang, bevor es erneut in h\u00f6here Sph\u00e4ren geht. Moment, war da was? Die kurze Ablenkung durch\u2019s Dr\u00fcbernachdenken wird bestraft: Das St\u00fcck rei\u00dft pl\u00f6tzlich ab und macht einem w\u00fctend klingenden Intermezzo Platz, in dem Schlagzeug und Bass geradezu Kriegsl\u00e4rm zu simulieren scheinen, w\u00e4hrend <span class=\"musik-review-bandname\">John-Paul Caligiuri</span> Verse deklamiert. M\u00fcsste ich unbedingt etwas an \u201eThe Inland Sea\u201c auszusetzen haben, ich w\u00e4hlte die unverst\u00e4ndlichen Texte und w\u00fcrde das sofort wieder zur\u00fccknehmen wollen, denn wenn man auf eines hier auf keinen Fall achten sollte, dann sind es die Texte. Mit \u201eThe Empty Quarter\u201c schlie\u00dflich beenden <span class=\"musik-review-bandname\">Ahkmed</span> \u201eThe Inland Sea\u201c stilvoll, mit einer Viertelstunde feinsten Postrocks ohne besondere Vorkommnisse, mit einem sehr angenehmen letzten <em>trip</em> also.</p>\n<p>\u201eThe Inland Sea\u201c ist unbegreiflich intensiv. Geile Scheibe.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://ahkmed.bandcamp.com/album/the-inland-sea\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> gibt es Stream und Kauf.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/t-e-morris-newfoundland.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_t-e-morris-newfoundland.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">T E Morris \u2013 Newfoundland (And Of That Second Kingdom Will I Sing)</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDo you feel like you\u2019re at home?\u201c</span> (A Year In The Wilderness)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Her name is Calla</span> sind hier l\u00e4ngst Stammg\u00e4ste, erst Ende 2015 fanden sie an dieser Stelle <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">lobende Erw\u00e4hnung</a> und auch ihr aktuelles Album \u201eNewfoundland (And Of That Second Kingdom Will I Sing)\u201c \u2013 <em>dieser Name!</em> \u2013 ist erneut eines, das in gewohnter Qualit\u00e4t Gewohntes, bezaubernd und zerbrechlich wie es eben nur die sechs Musiker aus Leeds hinbekommen, bietet.</p>\n<p>Moment \u2013 steht da nicht ein anderer Name auf dem Titelbild? Doch: Ver\u00f6ffentlicht wurde \u201eNewfoundland\u201c zwar \u00fcber die gewohnten Vertriebskan\u00e4le von <span class=\"musik-review-bandname\">Her name is Calla</span>, seinen Namen auf\u2019s Album lie\u00df jedoch <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Elliot \u201eT E\u201c Morris</span>, S\u00e4nger und Gitarrist und Pianist und Synthesizer- und Banjospieler von <span class=\"musik-review-bandname\">Her name is Calla</span>, schreiben. Dass trotzdem die gleiche Besetzung zu h\u00f6ren ist und augenscheinlich <span class=\"musik-review-bandname\">T E Morris</span> nur innerhalb des Bandkontextes Musik ver\u00f6ffentlicht, l\u00e4sst den Rezensenten zwar einigerma\u00dfen verwundert zur\u00fcck, schm\u00e4lert aber die weitere Bewertung der zu h\u00f6renden Musik keinesfalls. Gehen wir also davon aus, dass da, wo <span class=\"musik-review-bandname\">T E Morris</span> draufsteht, grunds\u00e4tzlich <span class=\"musik-review-bandname\">Her name is Calla</span> drin ist, so gibt es allerdings einen bitteren Beigeschmack: W\u00e4hrend die Band selbst laut <em>sozialen Medien</em> flei\u00dfig an neuem <em>Material</em> (also: Musik) arbeitet, wird \u201eNewfoundland\u201c zumindest das letzte, wie auch immer man das definieren m\u00f6chte, Soloalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">T E Morris</span> sein, der <a href="\&quot;http://temorris.co.uk/thanks-and-goodbye/\&quot;" data-wpel-link="internal">im November</a> das Ende seiner Solokarriere bekanntgab. M\u00f6ge es ihm wohl ergehen.</p>\n<p>Die Annahme, dass traurige Menschen bessere Musik machen, findet auf diese Weise allerdings zumindest eine bedr\u00fcckende Best\u00e4tigung. Zu einem Jahr wie 2016 passt dieses Album wie kaum ein zweites; <a href="\&quot;http://echoesanddust.com/2016/07/t-e-morris-newfoundland/\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00fcberhaupt:</a></p>\n<blockquote><p>It\u2019s a sad and beautiful world.</p></blockquote>\n<p>Dies, was sonst?, ist die Begleitmusik dazu.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Wie bislang ist auch diesmal <a href="\&quot;http://hernameiscalla.bandcamp.com/album/newfoundland\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> eine exzellente Anlaufstelle f\u00fcr\u2019s Streamen und Kaufen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/autumnal-blossom-spellbound.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_autumnal-blossom-spellbound.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Autumnal Blossom \u2013 Spellbound</span>\n<p>Bleiben wir im Genre, bleiben wir beim Wundersch\u00f6nen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Autumnal Blossom</span> kommen aus Rheinland-Pfalz und bestehen im Wesentlichen aus <span class=\"musik-review-bandname\">Pia Darmst\u00e4dter</span> (Fl\u00f6te, Gesang, Tasteninstrumente), die mit <span class=\"musik-review-bandname\">Poor Genetic Material</span> auch <em>ganz anders kann</em>, nebst f\u00fcnfk\u00f6pfiger Herrenband. <em>Das Internet</em> vergleicht die auf \u201eSpellbound\u201c zu h\u00f6rende Musik mit der <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/02/iamthemorning/\&quot;" data-wpel-link="internal">grandiosen</a> russischen Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">iamthemorning</span>. Das ist nicht die schlechteste Referenz.</p>\n<p>Von Anfang an wird eine intime Stimmung aufgebaut: \u201eBecause I Could Not Stop For Death\u201c ist <span class=\"musik-review-bandname\">Pia Darmst\u00e4dters</span> Stimme \u00fcber sanft wolkigen Kl\u00e4ngen, was sich ungef\u00e4hr anh\u00f6rt, als h\u00e4tte <span class=\"musik-review-bandname\">Nico</span> zur Abwechslung mal keine Drogen vor\u2019m Musizieren genommen oder als h\u00e4tten die <span class=\"musik-review-bandname\">Raveonettes</span> versehentlich den Verzerrer zu Hause gelassen. \u201eMemories Of A Child\u201c leitet anschlie\u00dfend den zweiten und l\u00e4ngsten von insgesamt drei Teilen \u2013 hier: \u201eDiaries Of An Estranged Voyager\u201c \u2013 ein. \u201eSpellbound\u201c ist immerhin auch ein Konzeptalbum. Passend zum Titel h\u00f6rt man hier eine Spieluhr, au\u00dferdem Fl\u00f6te, Gesang und Klavier. Ich bin versucht, den Genreaufkleber \u201eFolk\u201c aus der Schublade zu holen.</p>\n<p>\u00dcberhaupt w\u00fcrde sich der Folk auf \u201eSpellbound\u201c wie zu Hause f\u00fchlen, und er k\u00f6nnte den Folkrock gleich mitbringen, wenn es etwa gegen Ende von \u201eMemories Of A Child\u201c kaum \u00fcberraschen w\u00fcrde, spr\u00e4nge gleich <span class=\"musik-review-bandname\">Ian Anderson</span> wie ein Derwisch vor das Mikrofon und s\u00e4nge den gleichen Text; es fiele nicht einmal auf. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eOne day seemed as long as a lifetime / in this never-ending dream\u201c</span>, jawohl.</p>\n<p>\u201eParadise\u201c, der letzte Teil (und auch das letzte St\u00fcck) von \u201eSpellbound\u201c, setzt abermals einen Kontrast: Im Gegensatz zum Liedtitel wirkt die Musik hier eher bedrohlich, gar postapokalyptisch. Dr\u00f6hnen, Brummen, kalte Mechanik dominiert das Geschehen (habe ich schon <span class=\"musik-review-bandname\">Nico</span> erw\u00e4hnt?). Allein: Es gibt Hoffnung. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eParadise is not so far away / paradise is here every day\u201c</span>, trotzdem und vor allem. Die wenigen Popmomente auf \u201eSpellbound\u201c (vgl. \u201eMy Blood\u201c) geraten immer noch \u00fcberdurchschnittlich gut, auch, wenn der schwebende Gesang hier oft ein wenig deplatziert wirkt \u2013 und gerade das macht seinen Reiz aus. Zusammengefasst mag die Eigenbeschreibung von der <a href="\&quot;http://www.autumnal-blossom.de/spellbound/\&quot;" data-wpel-link="internal">Website zum Album</a> aber auch gen\u00fcgen:</p>\n<blockquote><p>\u201eSpellbound\u201c ist eine Mischung aus Geschichte, Fiktion und Realit\u00e4t \u2013 nie vergessene Episoden eines Lebens \u2013 durch Erinnerung unsterblich \u2013 ein Tagebuch, in dem sich der Zuh\u00f6rer wiederfinden kann \u2013 ein Buch der Hoffnung \u2013 ein Ja zum Leben.</p></blockquote>\n<p>Kann man so stehen lassen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Es kann neben <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Spellbound-Autumnal-Blossom/dp/B01CYO2OKS/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> auch, unter anderem, <a href="\&quot;https://tidal.com/album/58252518\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> als H\u00f6rprobenursprung genutzt werden.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/king-gizzard-and-the-lizard-wizard-nonagon-infinity.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_king-gizzard-and-the-lizard-wizard-nonagon-infinity.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">King Gizzard &amp; The Lizard Wizard \u2013 Nonagon Infinity</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eLoosen up, tighten up, fuck shit up, don\u2019t forget about it\u201c</span> (Robot Stop)\n<p>Genug des Schwelgens, es darf wieder gepfeffert werden. <span class=\"musik-review-bandname\">King Gizzard &amp; the Lizard Wizard</span> stammen aus Australien und erlauben sich mit \u201eNonagon Infinity\u201c, ihrem achten Studioalbum und dem einzigen aus dem Jahr 2016, eine kurze Pause, bevor sie sich daran machen, ihre Ank\u00fcndigung, 2017 ganze f\u00fcnf Alben zu ver\u00f6ffentlichen, in die Tat umzusetzen. Eilig gilt es also dieses Album zu besprechen, bevor es zu sp\u00e4t ist.</p>\n<p>Dabei gibt es allerdings ordentlich <em>zu tun</em>, denn <span class=\"musik-review-bandname\">King Gizzard &amp; the Lizard Wizard</span> geben sich mit Schubladen lieber nicht ab. <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span>, die <span class=\"musik-review-bandname\">Melvins</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span>, Indierock, Punkrock und sogar Zeuhl (\u201eInvisible Face\u201c) dr\u00e4ngen sich hier so dicht aneinander, dass man sich beinahe bem\u00fc\u00dfigt sieht, ein wenig mit den einschl\u00e4gigen Gliedma\u00dfen zu wackeln, w\u00e4hrend man immer noch nicht ganz versteht, was da eigentlich gerade auf einen niederprasselt.</p>\n<p>Dies im \u00dcbrigen schon ab dem ersten Moment: \u201eRobot Stop\u201c prescht voran, als w\u00fcrden sich <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> am Punkrock versuchen. Ein kurzer orientalisch klingender Einschub setzt schon hier einen Kontrapunkt. \u201eRobot Stop\u201c geht direkt \u00fcber in \u201eBig Fig Wasp\u201c, das ein wenig das Tempo drosselt, bevor mit \u201eGamma Knife\u201c abermals das Thema von \u201eRobot Stop\u201c aufgegriffen wird. Wer jetzt annimmt, dass \u201eNonagon Infinity\u201c seinen Namen doppelb\u00f6dig tr\u00e4gt, der hat vollkommen Recht: Die neun <em>Lieder</em> bilden nicht nur ein einziges zusammenh\u00e4ngendes, sondern der Schluss des letzten Liedes \u201eRoad Train\u201c passt auch noch <em>ganz gut</em> zum Beginn von \u201eRobot Stop\u201c, man k\u00f6nnte \u201eNonagon Infinity\u201c also durchaus ohne merkliche Unterbrechung in Wiederholung h\u00f6ren.</p>\n<p>Die Gefahr, dass man es irgendwann <em>nicht mehr h\u00f6ren kann</em>, ist dabei zwar m\u00f6glich, aber <span class=\"musik-review-bandname\">King Gizzard &amp; the Lizard Wizard</span> versuchen Langeweile durch immer neue Ideen zu vermeiden: Das vierte St\u00fcck \u201ePeople-Vultures\u201c variiert das Ursprungsthema bereits ausreichend ins <em>Spacige</em>, um den \u00dcbergang in das <em>v\u00f6llig andere</em> \u201eMr. Beat\u201c, das sozusagen den Geist des psychedelischen Hardrocks der 1970er Jahre atmet, Klischee-Synthieorgel selbstverst\u00e4ndlich eingeschlossen. <span class=\"musik-review-bandname\">Stu Mackenzies</span> Gesang f\u00fcgt sich hier <em>nat\u00fcrlich</em> nahe den <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> ein, einzig der hektische Refrain setzt einen Kontrast. Mit \u201eEvil Death Roll\u201c, das wiederum das Thema aus \u201eRobot Stop\u201c variiert, wird dieser Ausflug aber auch schon wieder beendet, erstmals gesellt sich hier zum Ende hin Jazzrock zur Genremischung hinzu, auf die Spitze getrieben im folgenden Liedduo aus \u201eInvisible Face\u201c und \u201eWah Wah\u201c, das h\u00fcpfenden Fusion nahtlos integriert. \u201eWah Wah\u201c zitiert melodisch aus <span class=\"musik-review-bandname\">KISS\u2018</span> \u201eI Was Made For Loving You\u201c, eine Absicht mag Versehen sein, und tats\u00e4chlich zieht das Tempo hier wieder merklich an, bevor das Album mit \u201eRoad Train\u201c zu \u201eEnde\u201c geht und mich einigerma\u00dfen ratlos zur\u00fcckl\u00e4sst.</p>\n<p>Zum Gl\u00fcck muss ich hier keine Punkte vergeben. Fest steht: \u201eNonagon Infinity\u201c ist wirklich beeindruckend. Wie beeindruckend? Nun, das bleibt dem geneigten Leser \u00fcberlassen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Stream und Kauf gibt es <em>mal wieder</em> auf <a href="\&quot;https://kinggizzard.bandcamp.com/album/nonagon-infinity-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> \u2013 immer wieder.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/crobot-welcome-to-fat-city.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_crobot-welcome-to-fat-city.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Crobot \u2013 Welcome To Fat City</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWho paid your debt to be here?\u201c</span> (Not For Sale)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Crobot</span>, ihrem Namen zum Trotz, haben zu meiner gro\u00dfen Freude mit dem Pandarapper <span class=\"musik-review-bandname\">Cro</span> nichts Weiteres gemein. Ihre Hintergr\u00fcnde liegen ein wenig im Dunklen, die Legende will es, dass ihre Gr\u00fcnder einst in einer <em>anderen Musikgruppe</em> zusammen spielten, sich aber vor wenigen Jahren entschlossen, als <span class=\"musik-review-bandname\">Crobot</span> zusammen zu spielen. Inspiration f\u00fcr das neue Album \u201eWelcome To Fat City\u201c, so behaupten die derzeit vier Herren, sei <span class=\"musik-review-bandname\">Hunter S. Thompson</span> gewesen, was mal eine angenehme Abwechslung zu dem \u00fcblichen <em>namedropping</em> mit irgendwelchen Allerweltsbands ist.</p>\n<p>Musikalisch ist \u201eWelcome To Fat City\u201c <em>eigentlich</em> ein prima Sommeralbum. Mein <em>timing</em> war auch schon mal besser. <em>Desert Rock</em> in der dreckig-bluesigen Variante wird gespielt, Mundharmonika (\u201eEasy Money\u201c) eingeschlossen. <span class=\"musik-review-bandname\">Wolfmother</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span> sind willkommene Vergleiche f\u00fcr Leute wie mich, die auf <em>so Musik</em> immer nur eher zuf\u00e4llig aufmerksam werden. Das ist dann oft ziemlich erfreulich.</p>\n<p>\u201eWelcome To Fat City\u201c nimmt keine Gefangenen. <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Bishops</span> Gitarre geht auf Frontalkurs, w\u00e4hrend die Rhythmusabteilung aus <span class=\"musik-review-bandname\">Paul</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Jake Figueroa</span> alles niederwalzt, was sich ihr in den Weg stellt, um final Platz zu schaffen f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Brandon Yeagleys</span> extrovertiert-aufgeputschtes Rockorgan. <em>Springt, ihr Narren</em>, und wahrlich, zum Stillsitzen animiert \u201eWelcome To Fat City\u201c keineswegs, vielmehr findet man sich schon nach wenigen Minuten wild luftgitarrend unter dem Kopfh\u00f6rer wieder, statt hier <em>endlich</em> mal was zu schreiben. Verzeihung, aber: Boah, geht das gut ab.</p>\n<p>Ich bin versucht anzunehmen, \u201eCrobot\u201c sei in irgendeiner von mir nicht aktiv verstandenen Sprache ein Synonym f\u00fcr das, was in anderen Sprachen schlicht <em>coolness</em> hei\u00dft. (Ohne zu unterstellen, dass das Referenzst\u00fcck f\u00fcr <em>coolness</em>, <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reeds</span> un\u00fcbertroffenes \u201eKicks\u201c n\u00e4mlich, auch nur ansatzweise so \u00e4hnlich klingt, versteht sich.)</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Warum nicht mal auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Welcome-Fat-City-Crobot/dp/B01IQO81DE/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> oder <a href="\&quot;https://tidal.com/album/64772704\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>?</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/friends-of-gas-fatal-schwach.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_friends-of-gas-fatal-schwach.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Friends of Gas \u2013 Fatal Schwach</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDefiniert / durch keinen Kern\u201c</span> (Einknick)\n<p>Irgendwann im Laufe des noch jungen Jahres 2017 bem\u00fchte sich ein unklar Bekannter um meine Teilnahme an einem Konzert der grundbekloppten Dadaband <span class=\"musik-review-bandname\">HGich.T</span>. Es war sehr, sehr furchtbar, vor allem musikalisch. Mit furchtbaren Texten hingegen habe ich schon deutlich weniger Probleme, ein minimalistisch-elektronisches Klanggewand ist auch nicht immer zu verachten, wie jene Leser, die hier trotzdem immer wieder einmal reinschauen, sicherlich bereits wissen.</p>\n<p>An ungewohnter Stelle, n\u00e4mlich bei <a href="\&quot;http://www.neolyd.com/audio-video/friends-of-gas-fatal-schwach/\&quot;" data-wpel-link="internal">NE\u00d8LYD</a>, wurden mir die <span class=\"musik-review-bandname\">Friends of Gas</span>, eine junge f\u00fcnfk\u00f6pfige Gruppe aus M\u00fcnchen, \u00fcber deren Namen Nadine Lange vom elenden \u201eTagesspiegel\u201c sich im Oktober 2016 bereits entsetzt auslie\u00df (Gas gehe doch mal so \u00fcberhaupt nicht!), ins Bewusstsein katapultiert, die vieles macht, was ich mag, n\u00e4mlich zum Beispiel Postpunk mit deutschen Texten.</p>\n<p>Es sind die <span class=\"musik-review-bandname\">Fehlfarben</span> eine sich aufdr\u00e4ngende Assoziation, weil auch S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Nina Walser</span> mit einer \u00e4hnlichen Gesangstechnik (n\u00e4mlich: keiner) aufzuwarten wei\u00df wie <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Hein</span> und stattdessen dem nicht abgeneigten H\u00f6rer mit ihrer markanten heiser-rauchigen Stimme und mitunter steigender Intensit\u00e4t (\u201eTemplate\u201c, \u201eEinknick\u201c) emotionsgeladenen Nihilismus entgegenschleudert, als m\u00fcsste sie ihr Leben mit ihm verteidigen; konsequent wird deren \u201eEs geht voran\u201c in \u201eKollektives Tr\u00e4umen\u201c nicht nur zitiert, sondern mit der harten Realit\u00e4t konfrontiert: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eEs geht nach vorne, es geht voran; Geschichte wird gemacht, doch nicht von mir und nicht von dir\u201c</span>, weil es ja immer auch so ein Problem mit doppelten Textb\u00f6den gibt.</p>\n<p>Die Klangbasis f\u00fcr diese Vokalaggression bildet ein krautrockiges \u2013 m\u00f6ge die inflation\u00e4re Genreverwendung das Genre als Begriff bald er\u00fcbrigen! -, hartes Fundament aus pochendem Bass und schneidender Gitarre, <em>so 80er</em> zwar, aber doch ohne einen Anflug von Alterung, worum man es nebenbei ein wenig beneidet. Aufgew\u00fchlt hinterl\u00e4sst \u201eFatal schwach\u201c den F\u00fchlenden bedingungslos, ein Frustabbau in sieben Liedern. Famos!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Von offizieller Seite gibt es <a href="\&quot;https://www.youtube.com/channel/UCQX5wBiE6jZVqEbdmUKmdvg\&quot;" data-wpel-link="internal">ein paar Videos</a>, das ganze Album liegt <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Fatal-Schwach-Friends-Gas/dp/B01M3SS3MZ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> sowie <a href="\&quot;https://tidal.com/album/66265568\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> herum.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/crippled-black-phoenix-bronze.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_crippled-black-phoenix-bronze.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Crippled Black Phoenix \u2013 Bronze</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eNow we set fire to the sky, sick of war and sick of fighting\u201c</span> (Champions of Disturbance)\n<p>2012 machte ich den Fehler, ein Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Crippled Black Phoenix</span> schlicht <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">erm\u00fcdend</a> zu nennen, denn das bleibt beim Publikum haften. Ich wei\u00df doch, dass sie es besser k\u00f6nnen, ist \u201eWe Forgotten Who We Are\u201c von, allerdings, einem anderen ihrer Alben doch auch nach Jahren eines dieser St\u00fccke, an dem ich mich irgendwie nicht satth\u00f6ren kann.</p>\n<p>2016 erschien mit \u201eBronze\u201c nunmehr ein neues Album der gewohnt reformierten haarigen Gruppe um <span class=\"musik-review-bandname\">Justin Greaves</span>, der au\u00dferhalb der B\u00fchne, wie man so liest, den Gro\u00dfteil der Bandwerke quasi allein einspielt; vom letzten Album \u201eWhite Light Generator\u201c (2014) ist ungewohnterweise auch der Posten des S\u00e4ngers mit <span class=\"musik-review-bandname\">Daniel \u00c4nghede</span> besetzt geblieben, was in dieser Combo durchaus bemerkenswert ist. Auch sonst ist \u201eBronze\u201c ein eher ungew\u00f6hnliches Album, ein ziemlich dunkles, d\u00fcsteres n\u00e4mlich, selbst im nicht gerade von jauchzendem Frohsinn gepr\u00e4gten <span class=\"musik-review-bandname\">Crippled-Black-Phoenix</span>-Universum.</p>\n<p>Der gewohnt druckvolle Alternative Rock der Band findet in \u201eBronze\u201c ein Postmetalgegenst\u00fcck. Getragene Melodien sind ihrer Sache diesmal nicht, dies allerdings sozusagen mit Ansage: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eIn the beginning there was darkness\u201c</span>; wie ein Weltraumepos beginnt \u201eDead Imperial Bastard\u201c mit einer gesprochenen Einleitung, die Schlimmes erahnen l\u00e4sst. Tats\u00e4chlich entwickelt sich \u00fcber die n\u00e4chsten f\u00fcnf Minuten ein Instrumentalst\u00fcck, das <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyds</span> \u2013 Ping! \u2013 \u201eEchoes\u201c nicht nur erahnen l\u00e4sst, wenn auch wie auf einem kargen, verlassenen W\u00fcstenplaneten aufgenommen. Das hysterische Gel\u00e4chter am Ende (auch dies wohl eine Anleihe an deren \u201eMeddle\u201c-Album) leitet \u00fcber in das erste <em>richtige</em> Lied mit dem nicht minder unfr\u00f6hlichen Titel \u201eDeviant Burials\u201c, in dem alle acht gegenw\u00e4rtigen Bandmitglieder mal so richtig losriffen d\u00fcrfen, bevor bassdr\u00f6hnende Psychedelic mit Countryunterton die Wilden vor\u00fcbergehend z\u00e4hmt. <span class=\"musik-review-bandname\">Daniel \u00c4nghede</span> gibt hierbei den etwas jammerigen, nuschelnden Indie-Rock-Frontmann, als h\u00e4tte <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Molko</span> versehentlich Singen gelernt und/oder als sei\u2019s <span class=\"musik-review-bandname\">Josh Homme</span>, dessen Bands mir andererseits auch recht egal sind. Nicht spa\u00dfig? \u201eNo fun\u201c, das n\u00e4chste St\u00fcck, beginnt abermals mit Sprach-<em>samples</em>, der anschlie\u00dfende Gesang ist hingegen recht angenehm in den Hintergrund gemischt, so dass der Mark ersch\u00fctternde Bass die Kontrolle behalten kann. Ist Progressive Metal ohne Quietschkeyboards noch Progressive Metal? Ach, Genres, drauf geschissen, im n\u00e4chsten Lied \u201eRotten Memories\u201c haben wir sowieso schon wieder was anderes im Ohr (ich w\u00fcrde beinahe <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span> oder <span class=\"musik-review-bandname\">Kid Rock</span> anf\u00fchren wollen, aber das w\u00fcrde <span class=\"musik-review-bandname\">Crippled Black Phoenix</span> wiederum Unrecht tun).</p>\n<p>Kleinkram, Gro\u00dfkram. \u201eChampions of Disturbance (pt. 1 &amp; 2)\u201c, nebenbei ein Mittelfinger f\u00fcr Liedl\u00e4ngenanalysten, ist mit 9:02 Minuten das zweitl\u00e4ngste St\u00fcck auf \u201eBronze\u201c und h\u00fcllt den <em>trotz allem</em> erstaunten H\u00f6rer in eine perlende Synthie-Groove-Decke mit wahnwitziger Perkussion ein, bis es nach vier Minuten zur ersten Eruption kommt, nur um direkt \u00fcberzuleiten in <em>Teil 2</em>, dessen galoppierender Rhythmus ihm derma\u00dfen das Hirn verknotet, dass er den l\u00e4ngst eingepr\u00e4gten Gesang fast wie hinter Schleier wahrnimmt. Grandios und eigentlich allein schon den Kauf <em>so was von wert</em>. \u2013 Aber es geht ja noch weiter, erst einmal etwas ruhiger (\u201eGoodbye then\u201c), bevor es mal wieder eine \u00dcberraschung gibt: \u201eTurn to Stone\u201c ist ein <span class=\"musik-review-bandname\">Joe-Walsh</span>-Cover im zumindest angemessenen Classic-Rock-Gewand. Mit \u201eScared and alone\u201c (gesungen, fast ges\u00e4uselt, von <span class=\"musik-review-bandname\">Belinda Kordic</span>) finden <span class=\"musik-review-bandname\">Crippled Black Phoenix</span> auf ihre Spur zur\u00fcck, noch etwas zerbrechlich, aber schnell wieder Kraft tankend, um in \u201eWinning a Losing Battle\u201c (9:14 Minuten) abermals dem dunklen Indie-Rock zu huldigen. Abschlie\u00dfend gibt es mit \u201eWe Are The Darkeners\u201c ein Lied auf bzw. in die Ohren, das seinen Namen zu Recht tr\u00e4gt, denn heller wird es mit weinender Gitarre und Postpunkattit\u00fcde nicht mehr. Ein weiteres Sprach-<em>sample</em> beschlie\u00dft die musikalische Bronzezeit. Was bleibt, sind Melancholie und D\u00fcsternis.</p>\n<p>Ist ja auch mal sch\u00f6n.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://crippledblackphoenixsom.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> stellt \u2013 mit Ausnahme zweier Bonuslieder \u2013 einen Komplettstream zur Verf\u00fcgung.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/giraffe-tongue-orchestra-broken-lines.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_giraffe-tongue-orchestra-broken-lines.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Giraffe Tongue Orchestra \u2013 Broken Lines</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eNow you have a choice to suck up what they give you\u201c</span> (Back to the Light)\n<p>Alles furchtbar traurig 2016? Nein, nicht alles, auch der Spa\u00dfrock hat sich keine Pause geg\u00f6nnt; zum Beispiel erschien mit \u201eBroken Lines\u201c das Deb\u00fctalbum der Supergroup <span class=\"musik-review-bandname\">Giraffe Tongue Orchestra</span>.</p>\n<p>Das <span class=\"musik-review-bandname\">Giraffe Tongue Orchestra</span> besteht zurzeit aus derzeitigen und fr\u00fcheren Mitgliedern von <span class=\"musik-review-bandname\">Alice In Chains</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">William DuVall</span>, Gesang), <span class=\"musik-review-bandname\">Mastodon</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Brent Hinds</span>, Gitarre), <span class=\"musik-review-bandname\">Ben Weinman</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">The Dillinger Escape Plan</span>, ebenfalls Gitarre), <span class=\"musik-review-bandname\">Pete Griffin</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Dethklok</span>, Bass) und <span class=\"musik-review-bandname\">Thomas Pridgen</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">The Mars Volta</span>, Schlagzeug). Daraus sollte keinesfalls gefolgert werden, was da am Ende f\u00fcr Musik <em>rauskommt</em> \u2013 meine erste Assoziation beim Anspielen von \u201eBroken Lines\u201c n\u00e4mlich hie\u00df, Anglophonie zum Trotz, <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span>, die musikalisch jedenfalls auf ihren neueren Alben tats\u00e4chlich <em>so Momente</em> haben.</p>\n<p>Na, noch alle Leser da? Gut, denn meinen ersten Eindruck revidierte ich schon schnell, als aus dem Anspielen ein Anh\u00f6ren wurde und sich das, was <span class=\"musik-review-bandname\">Giraffe Tongue Orchestra</span> dem Genie\u00dfer eigentlich mitteilen wollen, in einer fast verst\u00f6rend sich einbrennenden Melange aus <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Faith No More</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Bad Religion</span> sowie dann und wann etwas <span class=\"musik-review-bandname\">Meshuggah</span> und mancherlei Mathrock in den Kopfh\u00f6rer respektive Lautsprecher ergoss. Bei quasi massentauglichen Liedl\u00e4ngen von stets unter sechs Minuten bleibt die Frage, ob die Zeit zur Entfaltung denn wohl reiche.</p>\n<p>Und das tut sie tats\u00e4chlich: Polyrhythmische Rockkracher (\u201eCrucifixion\u201c, \u201eNo One Is Innocent\u201c u.a.) beherrschen \u201eBroken Lines\u201c, gef\u00fcttert von wenigen ruhigen Momenten (\u201eAll We Have Is Now\u201c), in denen <span class=\"musik-review-bandname\">William DuVall</span> mich vor\u00fcbergehend fast ein bisschen langweilt (ist eben einfach nicht <em>meine Musik</em>), aber eben auch nur fast, denn nach wie vor \u00fcberwiegt das Rockige. \u201eBroken Lines\u201c ist kein Album zum Nachdenken, keines, das sich erst beim aberdutzendsten Durchlauf erschlie\u00dft, wer Musik also unbedingt als Kopfsache begreifen m\u00f6chte, der ist hier falsch. (Es ist ja nun nicht so, dass mir solches nicht gelegentlich auch als Vorwurf begegnet.) Solide und ausreichend spannend f\u00fcr einen kleinen Fingerzeig ist \u201eBroken Lines\u201c aber allemal. Ich zeige dann mal drauf.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Broken-Lines-Giraffe-Tongue-Orchestra/dp/B01M69GG64/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>. <a href="\&quot;https://tidal.com/album/66541286\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>. Weiter im Text.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/axon-neuron-metamorphosis.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_axon-neuron-metamorphosis.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Axon-Neuron \u2013 Metamorphosis</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe future is confused through the fragments of the past\u201c</span> (Shattered)\n<p>Was sind das eigentlich f\u00fcr Liedtitel? \u201eShattered\u201c, \u201eErasure\u201c, \u201eSilence\u201c, immerhin auch \u201eKafka\u201c; wollen <span class=\"musik-review-bandname\">Axon-Neuron</span> hier \u00dcbles heraufbeschw\u00f6ren? Nein, im Gegenteil!</p>\n<p>\u201eMetamorphosis\u201c ist ein Progressive-Rock-Album aus <em>ausgerechnet</em> den USA, das trotz aller Verneigung vor <em>den Klassikern</em> nie anbiedernd oder gar angestaubt klingt, obwohl es gleichzeitig die meisten Klischees schon vor dem ersten H\u00f6ren erf\u00fcllt: \u201eMetamorphosis\u201c ist ein Doppelalbum aus zweimal acht St\u00fccken, wobei jedes der beiden Teilalben, das zweite etwas ausdauernder als das erste, mit einem Pr\u00e4ludium (\u201ePrelude\u201c) beginnt und einem Postludium (\u201ePostlude\u201c) endet. Das klingt nach Klassik? Oh, ja, und zwar in einem Ausma\u00df, das mir das \u201eDeath Defying Unicorn\u201c, eines dieser anderen klassikorientierten Progressive-Rock-Alben, fast konkurrenzlos zum <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Album des Jahres 2012</a> machte, denn auch \u201eMetamorphosis\u201c erh\u00e4lt seine St\u00e4rke durch etwas, was l\u00e4ngst als abgeschrieben galt; durch den Jazzrock n\u00e4mlich.</p>\n<p>Wobei das erste \u201ePrelude\u201c kompositorisch zun\u00e4chst einmal an das zu Unrecht fast vergessene <span class=\"musik-review-bandname\">Penguin Cafe Orchestra</span> erinnert, bevor es sich im Stile alter Sinfoniewerke (als, Verzeihung!, Klassikbanause w\u00fcrde ich <span class=\"musik-review-bandname\">Smetana</span> als ungef\u00e4hre erste Verbindungsstelle setzen wollen) ausbreitet. Es dominieren Saiteninstrumente. Dass das nur die Einleitung ist, wird in \u201eEuclid\u201c, in das das Pr\u00e4ludium \u00fcbergeht, deutlich, in dem Bandgr\u00fcnder und Multiinstrumentalist <span class=\"musik-review-bandname\">Jeremey Poparad</span> seine Gitarre Arpeggien \u00fcber einem soliden Bandfundament singen l\u00e4sst, bevor S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Amanda Rankin</span> zu Schlagzeug\u2011, Bass- und Glockenspielbegleitung irgendwas \u00fcber parallele Linien singt, die niemals einander schneiden, was leider schon vor mir jemanden zu der Feststellung verleitete, dass wir es hier wohl mit <em>Mathrock</em> zu tun haben. Vergleiche so weit: <span class=\"musik-review-bandname\">Stolen Babies</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Bent Knee</span> (allerdings weit weniger verr\u00fcckt) und <span class=\"musik-review-bandname\">Thinking Plague</span>. RIO/Avant ist bei <span class=\"musik-review-bandname\">Axon-Neuron</span> jedenfalls offenkundig willkommen. Im folgenden St\u00fcck \u201eSuspicions\u201c wiederum haben wir es mit etwas Jazz zu tun, der sich mit verschlepptem Rhythmus langsam zu einem veritablen Progressive-Metal-St\u00fcck entwickelt, das noch dazu <em>immer schneidender wird</em>, nur um dann \u00fcberzugehen in die anfangs balladeske Grundstimmung von \u201eShattered\u201c, das, wie sollte es anders sein?, sich in einen ziemlich verspielten Progressive Metal ergie\u00dft. \u201eKoan\u201c ist ein leider recht kurzes, um so \u00fcberzeugenderes Jazzst\u00fcck mit Canterbury-Ankl\u00e4ngen; wie der Canterbury Sound auf \u201eMetamorphosis\u201c sowieso immer mal wieder unklar hervorblitzt, ebenso vielleicht auch der Jazzmetal von <span class=\"musik-review-bandname\">Weltpinguintag</span> oder <span class=\"musik-review-bandname\">Panzerballett</span> (\u201eEyes\u201c, \u201eSummit\u201c).</p>\n<p>Auch auf Teilalbum Nummer zwei geht es vielf\u00e4ltig zu, ohne dabei bem\u00fcht zu klingen. Das Zusammenspiel zwischen Band und Orchester sorgt f\u00fcr fantastische Augenblicke und noch fantastischere Stimmungen. Wo sonst findet man Klassik und Avantrock so gekonnt verwoben wie in \u201eKronos\u201c, das klingt, als w\u00fcrde man mit gebrochenem Herzen ausgelassen tanzen gehen? Wo sonst wird man so verzwirbelt <em>weggeblasen</em> wie in \u201eKafka\u201c?</p>\n<p>\u201eMetamorphosis\u201c ist zweifellos gro\u00dfartig. Ich bin sehr gespannt, was in den folgenden Jahren noch von dieser Band zu erwarten ist.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Ach was, Komplettstream, und zwar <a href="\&quot;https://axonneuron.bandcamp.com/album/metamorphosis-2\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Bandcamp.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/jambinai-a-hermitage.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_jambinai-a-hermitage.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Jambinai \u2013 A Hermitage</span>\n<p>Was w\u00e4re ein Jahresr\u00fcckblick ohne einen anst\u00e4ndigen \u201eWTF!\u201c-Moment? Unvollst\u00e4ndig w\u00e4re er. Zum Gl\u00fcck kommt Abhilfe aus S\u00fcdkorea.</p>\n<p>Das asiatische Land war 2016 vor allem wegen explodierender Taschentelefone, nicht jedoch wegen seiner musikalischen Exportprodukte in den Nachrichten zu sehen. Das ist zwar durchaus verst\u00e4ndlich, denn der letzte namhafte s\u00fcdkoreanische Musiker, der reichlich Beachtung und Zuspruch bis in die hintersten Ecken <em>des Internets</em> fand, war vor einigen Jahren <span class=\"musik-review-bandname\">Psy</span>, dessen \u00e4rgerliches \u201eGangnam Style\u201c eigentlich manchen Anlass zur pauschalen Schlechtfindung koreanischen Pops g\u00e4be. Nun ist <span class=\"musik-review-bandname\">Jambinai</span> allerdings erfreulicherweise auch keine Popband.</p>\n<p>Im Kern handelt es sich um ein Trio, das sich vage im musikalischen Terrain von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/09/tesa-g-h-o-s-t/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">tesa</span></a> einer- und <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> andererseits aufh\u00e4lt, f\u00fcr \u201eA Hermitage\u201c noch unterst\u00fctzt durch <span class=\"musik-review-bandname\">Hyeseok Oh</span> (Schlagzeug) und <span class=\"musik-review-bandname\">Ignito</span> (Rap; dazu gleich noch etwas mehr). Die drei wesentlichen Bandmitglieder spielen nicht etwa nur Gitarre und Bass, sondern au\u00dferdem <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Haegeum\&quot;" data-wpel-link="internal">Haegeum</a>, <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Piri_%28Musikinstrument%29\&quot;" data-wpel-link="internal">Piri</a> und Geomungo, das eine Art tieft\u00f6nende Zither und eines der Leadinstrumente in den meisten St\u00fccken ist. Wir lernen beim H\u00f6ren von \u201eA Hermitage\u201c also quasi nebenbei ein wenig \u00fcber koreanische Musikkultur statt der immergleichen Neuinterpretation westeurop\u00e4ischer Einf\u00e4lle. Das ist ja auch sch\u00f6n, Musik sollte ja immer mehr bleiben als blo\u00dfes Ger\u00e4usch.</p>\n<p>Dabei ist \u201eA Hermitage\u201c selbst an Ger\u00e4uschen nicht arm. Schon das er\u00f6ffnende \u201eWardrobe\u201c ist ein Klangspektakel mit stampfendem Rhythmus zu metallischen Schreien (gro\u00dfartig: <span class=\"musik-review-bandname\">Ilwoo Lee</span>) und mit 3:07 Minuten <em>eigentlich</em> viel zu kurz. Sp\u00e4testens im folgenden \u201eEcho of Creation\u201c gibt es kein Halten mehr: Das <em>ungewohnte</em>, aber \u00fcberragend gute Zusammenspiel aus fordernder Zither und jaulender Geige, hinter dem die dagegen ank\u00e4mpfende Gitarre <em>v\u00f6llig untergeht</em>, endet abrupt nach nur einer Minute, um ein wenig sch\u00f6ne, gar: psychedelische Atmosph\u00e4re zum bed\u00e4chtigen Mitschwingen zu schaffen, bis die Lust am Krach in Gestalt von <span class=\"musik-review-bandname\">Hyeseok Oh</span> wieder alles in Scherben trommelt. Die f\u00fcnf Koreaner haben, wenn ich\u2019s mal so schreiben darf, Hummeln im Hintern. Ich mag Hummeln.</p>\n<p>Es ist ja nicht so, dass sie nicht auch <em>ganz anders k\u00f6nnten</em>: Das siebenmin\u00fctige, instrumentale \u201eFor Everything That You Lost\u201c k\u00f6nnte, w\u00e4re da nicht der offenkundige Einschlag von asiatischer Folklore, auch von einem der zahlreichen Nebenprojekte der Mitglieder von <span class=\"musik-review-bandname\">Godspeed You! Black Emperor</span> stammen, Laut-Leise-Spiel inbegriffen. \u00dcberwiegend ist einfacher Postrock ihre Sache aber nicht, wie bereits das folgende \u201eAbyss\u201c, abermals getragen von der unverwechselbaren Geomungo, beweist, das die ziemlich einmalige Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Jambinai</span> mit dem Sprechgesang des koreanischen Rappers <span class=\"musik-review-bandname\">Ignito</span>, <em>nat\u00fcrlich</em> in der Landessprache, verbindet \u2013 und das klingt sogar f\u00fcr den verwunderten Rezensenten, der andererseits auch schon <em>wirklich furchtbaren</em> Rap geh\u00f6rt hat, als w\u00e4re es die offensichtlichste aller m\u00f6glichen Kombinationen.</p>\n<p>\u201eAbyss\u201c bleibt aber eine Ausnahme auf \u201eA Hermitage\u201c, denn im Weiteren sind den Koreanern ihre Instrumente wieder wichtiger als ein gutes Gespr\u00e4ch. \u201eDeus Benedicat Tibi\u201c klingt ziemlich unchristlich, es springt vom Duett aus Schlagzeug und Haegeum, das <em>an sich</em> schon klingt, alsw\u00fcrde gleich etwas explodieren, ohne weitere Vorwarnung \u00fcber in ein Free-Jazz-Durcheinander, dem nur die Rhythmusabteilung eine lose Form zu geben vermag. <em>So, jetzt drehen wir mal kurz durch.</em> Danach darf sich auch kurz ausgeruht werden: \u201eThe Mountain\u201c g\u00f6nnt anfangs ein wenig Entspannung, findet aber schon nach wenigen Minuten den <em>beat</em> wieder und schlie\u00dft herrlich <em>noisig</em> dr\u00f6hnend, was mich an manche japanische Postrockband erinnert. Asien, du bist wirklich seltsam. \u2013 Die musikalisch begleitete Ger\u00e4uschcollage \u201eNaburak\u201c sticht selbst auf \u201eA Hermitage\u201c noch als reichlich seltsam hervor, das letzte Wort auf \u201eA Hermitage\u201c hat aber \u201eThey Keep Silence\u201c, das einzige <em>Lied</em> im Wortsinne, in dem die Musiker den Untergang der F\u00e4hre Sewol im April 2014 verarbeiten; nicht etwa klagend, sondern aggressiv, was dem Gef\u00fchl der meisten S\u00fcdkoreaner, geht es um das Ungl\u00fcck, zumindest <a href="\&quot;http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-04/suedkorea-faehre-schiff-unglueck-angehoerige-aerger/komplettansicht\&quot;" data-wpel-link="internal">deutlich n\u00e4her sein</a> d\u00fcrfte.</p>\n<p>\u201eA Hermitage\u201c ist, Gesellschaftskritik eingeschlossen, gro\u00dfe Kunst im besten Sinne. Es lohnt sich, sich ihr mit Neugier zu n\u00e4hern.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=PB1k7CDVWVk\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> gibt es ein Video zu \u201eThey Keep Silence\u201c, auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Hermitage-Jambinai/dp/B01BODDG6G/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> sind die gewohnt <em>zu kurzen</em> Tonschnipsel zu h\u00f6ren. Das ganze Album, wie gewohnt, mag man nach Belieben per <a href="\&quot;https://tidal.com/album/61979423\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> streamen.</p></li>\n</ol>\n<p>K\u00f6nnt ihr noch? Gut, ich beeile mich:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1b.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Kurz und knackig</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Gong \u2013 Rejoice! I\u2019m Dead!</span>\n<p>Eine im Durchschnitt verj\u00fcngte Combo tritt \u2013 wenn auch weniger <em>durchgeknallt</em> \u2013 auf dessen Gehei\u00df das Erbe <span class=\"musik-review-bandname\">Daevid Allens</span> auf gewohnt hohem Niveau an und deb\u00fctiert mit einem starken Album mit ungewohnt deutlichem Canterbury- und Symphonic-Prog-Einschlag.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Neurosis \u2013 Fires Within Fires</span>\n<p>Endlich mal ein Album von einer Band, die spielt, wie sie hei\u00dft, das hei\u00dft, wie es klingt.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Gandalf\u2019s Fist \u2013 The Clockwork Fable</span>\n<p>Eine bemerkenswerte weitgehend britische Musikcombo mit albernem Namen und Progressive-Rock-Hintergrund vertont gemeinsam mit Leuten, die das beruflich machen, eine fantastische Retro-Prog-Dystopie \u00fcber eine postapokalyptische Welt als H\u00f6rspiel in drei Akten alias CDs.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Oranssi Pazuzu \u2013 Varahtelija</span>\n<p>Wenn die oben empfohlenen <span class=\"musik-review-bandname\">Neurosis</span> euch noch zu wenig Druck aufbauen, k\u00f6nnten <span class=\"musik-review-bandname\">Oranssi Pazuzu</span> aus der Heimat des <em>b\u00f6sen Metals</em>, Finnland n\u00e4mlich, euren Anspr\u00fcchen kraftvoll gen\u00fcgen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Asteroid \u2013 III</span>\n<p>In einem enorm vielschichtigen Stoner-Rock-Album machen <span class=\"musik-review-bandname\">Asteroid</span> aus \u00d6rebro vieles richtig, was andere in die Beliebigkeit treibt, indem sie nicht blo\u00df nach <em>Schema F</em> den <em>heavy psych</em> abspulen, sondern dem H\u00f6rer mit dem Auft\u00fcrmen immer neuer Schichten einige Aufmerksamkeit abverlangen, f\u00fcr die er dann allerdings auch reich belohnt wird.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">pg.lost \u2013 Versus</span>\n<p>Dieses Album besteht aus h\u00f6chst angenehmem instrumentalem und obendrein schwedischem Postrock in der Breitwandversion, der seine sozusagen geistige Verwandtschaft mit Artrock (\u201eAlong the Edges\u201c) und Metal (\u201eVersus\u201c) nicht zu verbergen versucht, sondern stolz als Jagdtroph\u00e4en \u00fcber dem Kamin pr\u00e4sentiert.</p></li>\n</ul>\n<p>So weit zu den guten Nachrichten. Gibt es auch schlechte? Nat\u00fcrlich: Wir blieben auch 2016 nicht von scheu\u00dflichem Schund verschont. Fr\u00fcher haben <em>die Leute</em> sich aus Selbsthass irgendwas aufgeschnitten, heute rate ich ihnen stattdessen zu einem dieser Produkte:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">W\u00fcrg!</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">The Claypool Lennon Delirium \u2013 Monolith of Phobos</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Claypool</span>! <span class=\"musik-review-bandname\">Lennon</span>! Leider aber auch nur: Delirium!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Fire! Orchestra \u2013 Ritual</span>\n<p>Dieses Ritual ist h\u00f6chstens ein m\u00fcder Funke.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Hattler \u2013 Warhol Holidays</span><br>\nWarhol w\u00fcrde vor Langeweile gleich ein zweites Mal sterben.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Archive \u2013 The False Foundation</span><br>\nAls Sammlung von Kinderliedern vielleicht gerade noch ertr\u00e4glich, leider mag ich keine Kinderlieder.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Donny McCaslin \u2013 Beyond Now</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">David Bowies</span> Z\u00f6glinge f\u00fchren seine Tradition der \u00f6den Popmusik gnadenlos fort.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Dungen \u2013 H\u00e4xan</span><br>\nBei allem geschichtlichen Firlefanz, der hinter diesem Album steht, haben sich <span class=\"musik-review-bandname\">Dungen</span> dennoch wahrlich keinen Gefallen mit ihrem ersten Instrumentalalbum getan.</li>\n</ul>\n<p>Wie immer beenden wir den R\u00fcckblick des Jahres mit ein wenig Geschichte:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Es war ja nicht alles schlecht.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span>\n<p>Im Jahr 1976 wurde das erst seit f\u00fcnf Jahren bestehende <span class=\"musik-review-bandname\">Mahavishnu Orchestra</span> f\u00fcr ein paar Jahre <em>auf Eis</em> gelegt, Gitarrist und Gr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">John McLaughlin</span> widmete sich in den kommenden Jahren anderen musikalischen Projekten. Als das <span class=\"musik-review-bandname\">Mahavishnu Orchestra</span> 1984 neu formiert wurde, gab es eine andere Band, die ebenfalls 1976 gegr\u00fcndet wurde, schon gar nicht mehr, n\u00e4mlich <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span>, deren Nachfolger <span class=\"musik-review-bandname\">New Order</span> v\u00f6llig andere Musik hervorbringen. Bis heute die immer gleiche Musik kommt indes von <span class=\"musik-review-bandname\">BAP</span>, gleichfalls seit 1976 <em>im Gesch\u00e4ft</em>; was nicht unbedingt sein m\u00fcsste. Vielleicht war die Zeit f\u00fcr einen musikalischen Umbruch aber auch einfach reif, denn sowohl die neuen Alben von <span class=\"musik-review-bandname\">Bob Dylan</span> (<span class=\"musik-review-album-titel\">Desire</span>) als auch <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> (<span class=\"musik-review-album-titel\">Softs</span>) blieben mau. Einzig das von <span class=\"musik-review-bandname\">John Cale</span> produzierte Deb\u00fct- und gleichzeitig letzte Studioalbum der jungen Artrockband <span class=\"musik-review-bandname\">The Modern Lovers</span>, die zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr existierte, das vier Jahre nach seiner Entstehung <em>endlich</em> eine Plattenfirma fand, lie\u00df aufhorchen, bot es doch eine erstaunlich eigenst\u00e4ndige Rockmusik zwischen den <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span> und <em>nat\u00fcrlich</em> <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span>, wenig gef\u00e4lligen Gesang eingeschlossen. So was wird heute ja gar nicht mehr produziert.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span>\n<p>1986 waren <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> allerdings trotzdem noch nicht vergessen; mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Another View</span> ver\u00f6ffentlichte Verve Records, deren Mutterkonzern MGM 1969 den Fehler machte, die wenig Umsatz erzeugende Band aus ihrem Vertrag zu entlassen, eine Sammlung von \u00fcbrig gebliebenen Liedern, die es zum Teil auf <span class=\"musik-review-album-titel\">Loaded</span> (1970), zum Teil in <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reeds</span> Solowerk schafften. <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span> hielten die Fahne des dissonanten Noiserocks 1986 selbst noch hoch, das dritte Album <span class=\"musik-review-album-titel\">EVOL</span> geh\u00f6rt nicht zu ihren schlechtesten. Die Luft f\u00fcr die <em>Alten</em> wurde allerdings zusehends d\u00fcnner: Dem letzten Auftritt der <span class=\"musik-review-bandname\">Smiths</span> und der Aufl\u00f6sung von <span class=\"musik-review-bandname\">Asia</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Neu!</span> stand die jeweilige Gr\u00fcndung von Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Roxette</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">No Doubt</span> entgegen. Die gleichfalls 1986 gegr\u00fcndeten <span class=\"musik-review-bandname\">Pixies</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Slint</span> versteckten sich scheu hinter den neuen Musikalben von <span class=\"musik-review-bandname\">Nazareth</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">AC/DC</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Judas Priest</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span>. Es waren merkw\u00fcrdige Zeiten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span>\n<p>Zehn Jahre sp\u00e4ter war die Situation keineswegs \u00fcbersichtlicher geworden. <span class=\"musik-review-bandname\">Take That</span> l\u00f6sten sich auf, die keineswegs irgendwie besseren <span class=\"musik-review-bandname\">Backstreet Boys</span> ver\u00f6ffentlichten derweil ihr Deb\u00fctalbum. Die M\u00e4dchenschwarmmusik war zeitweise wie eine Hydra \u2013 und ihre K\u00f6pfe wurden immer gr\u00f6\u00dfer. Klein fing 1996 <span class=\"musik-review-bandname\">Eminem</span> an, dessen <span class=\"musik-review-album-titel\">Infinite</span> den Grundstein f\u00fcr eine damals noch kaum abzusehende Karriere sein sollte. In der Vergangenheit w\u00fchlten <span class=\"musik-review-bandname\">Neutral Milk Hotel</span>, deren Deb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">On Avery Island</span> die Br\u00fccke vom Garagenrock zum Indie-Rock nicht nur schlug, sondern gleich noch einzementierte. Noch offensichtlicher nahmen <span class=\"musik-review-bandname\">The Brian Jonestown Massacre</span> die <em>Siebziger</em> auf\u2019s Korn; <span class=\"musik-review-album-titel\">Their Satanic Majesties\u2018 Second Request</span> war nicht nur namentlich mehr als nur eine blo\u00dfe Verneigung vor dem v\u00f6llig untersch\u00e4tzten <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling-Stones</span>-Album \u00e4hnlichen Namens. Inzwischen hatten drei der Mitglieder der angenehm verr\u00fcckten Alternative-Metal-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> sich unter dem Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Secret Chiefs 3</span> zusammengetan und mit <span class=\"musik-review-album-titel\">First Grand Constitution and Bylaws</span> wiederum ihr Weg weisendes Deb\u00fctalbum ver\u00f6ffentlicht; auch 2017 kann von einer Aufl\u00f6sung noch immer nicht die Rede sein, mindestens ein neues Album ist f\u00fcr 2017 geplant. Das ist recht willkommen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span>\n<p>2006 erlebte der Postrock eine neue Hochzeit: <span class=\"musik-review-bandname\">Long Distance Calling</span> wurden gegr\u00fcndet und <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> ver\u00f6ffentlichten mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Mr. Beast</span> einen Genreklassiker. Wer lieber <em>laute</em> und <em>b\u00f6se</em> Musik h\u00f6ren wollte, der musste auf das Deb\u00fctalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Caves</span> neuer Band <span class=\"musik-review-bandname\">Grinderman</span> noch bis 2007 warten, konnte sich bis dahin aber immerhin mit dem Thrash-Metal-Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Ever-Arch-I-Tech-Ture</span> der belgischen Band <span class=\"musik-review-bandname\">Axamenta</span> behelfen, dessen Schubladeneinsortierung empfehlenswerterweise niemanden vorurteilsbedingt vom Reinh\u00f6ren abhalten sollte. Wer keine \u00dcberraschungen mag, dem kredenzten 2006 wenigstens <span class=\"musik-review-bandname\">The Strokes</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">First Impressions of Earth</span> Bew\u00e4hrtes, n\u00e4mlich \u2013 guten Hitparadenplatzierungen zum Trotz \u2013 gewohnt Gutes, mithin erstmals als \u201eParental Advisory\u201c Gekennzeichnetes, was in den pr\u00fcden, aber erschreckend schie\u00dfw\u00fctigen USA sicherlich irgendwas bedeutet, hierzulande aber schon fast einer Auszeichnung gleichkommt. Wer hier ankommt, der hat es geschafft. <span class=\"musik-review-bandname\">The Strokes</span> jedenfalls haben es.</p></li>\n</ul>\n<p>Damit ist das musikalische Jahr 2016 \u2013 zumindest von meiner Seite aus \u2013 endlich abgeschlossen. Erg\u00e4nzungen werden, wie gewohnt, gern gesehen, ansonsten hoffe ich, dass auch diesmal etwas f\u00fcr euch dabei war. Die n\u00e4chste R\u00fcckschau kommt bestimmt, 2017 wirkt diesbez\u00fcglich vielversprechend.</p>\n<p>Freuen wir uns darauf!</p>\n<hr>\n<p><em>Nachtrag:</em> Wenige Stunden nach der Ver\u00f6ffentlichung dieses Artikels wurde bekannt, dass <span class=\"musik-review-bandname\">John Wetton</span> <a href="\&quot;http://teamrock.com/news/2017-01-31/john-wetton-dies-aged-67\&quot;" data-wpel-link="internal">verstorben ist</a>. Ich m\u00f6chte meine vorherige Einsch\u00e4tzung diesbez\u00fcglich korrigieren.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2017 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/01/musik-122016-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">1. Juli 2017</a> dies: [\u2026] das f\u00fcr Musiker erstaunlich t\u00f6dliche Jahr 2016 ein Ende nahm. Ich wartete mit der musikalischen Jahresr\u00fcckschau 2016 also sicherheitshalber bis Januar \u2013 und am Tag darauf wurde der Tod John Wettons vermeldet. [\u2026]</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/03/kurzkritik-awakebutstillinbed-what-people-call-low-self%e2%80%8b-%e2%80%8besteem-is-really-just-seeing-yourself-the-way-that-other-people-see-you/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: awakebutstillinbed \u2013 what people call low self\u200b\u2013\u200besteem is really just seeing yourself the way that other people see you</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/01/musik-122016-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">19. M\u00e4rz 2018</a> dies: [\u2026] trotz gr\u00f6\u00dferer Unterschiede nicht v\u00f6llig anderswo zu verortenden Friends of Gas habe ich vor einem Jahr bereits entsprechend gew\u00fcrdigt. Interessant ist das hier Geh\u00f6rte daher durchaus und zumindest ein [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/01/musik-122016-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/e2df68f36b6e492ab83e62198ecbf2bb\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 17 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickWie, was, 2016 ist schon lange vor\u00fcber? Zum Gl\u00fcck habe ich gewartet. Das k\u00f6nnte man f\u00fcr schlecht halten, aber statistisch gesehen ist es gut, denn 2016 hat nicht nur die Ank\u00fcndigung der baldigen Aufl\u00f6sung von The Dillinger Escape Plan, sondern auch eine ganze Reihe an Toden auf der Rechnung, darunter nicht nur diverse ehemalige Politiker der F.D.P., sondern vor allem auch Musiker. Nach Wolfgang Rohde (fr\u00fcher mal Die Toten Hosen), Hagen Liebing (fr\u00fcher mal Die \u00c4rzte) und Chris Squire, dem letzten in der Band verbliebenen Gr\u00fcndungsmitglied von Yes, sowie vielen anderen hat es vor einigen Wochen schlie\u00dflich auch den gro\u00dfartigen Greg Lake erwischt, und auch f\u00fcr Leonard Cohen w\u00e4re es zu sp\u00e4t, seinem letzten Album \u201eYou Want It Darker\u201c einen geb\u00fchrenden Preis zu verleihen, \u00fcber das andererseits jedes geschriebene Wort sowieso und ohnehin Blasphemie gliche.\nSchon fr\u00fcher im abgelaufenen Jahr allerdings schien es mir nicht verfehlt, lobende Worte \u00fcber einige der gro\u00dfartigsten Musikalben des Jahres zu finden, darunter katie deys flood network, MaidaVales Tales of the Wicked West, misophonia von Electric Orange sowie das Deb\u00fctalbum von Moon Circle.\nIm Folgenden findet ihr, was bis jetzt noch fehlte, n\u00e4mlich die bislang noch unrezensierten Alben des Jahres. Vielleicht ist ja was f\u00fcr euch dabei?\n1a. Starker Stoff\n\nArbor Labor Union \u2013 I Hear You\n\u201eI live in a song / I dance when it\u2019s played.\u201c (Volume Peaks)\nDas f\u00e4ngt ja gut an.\nDie Gartenarbeitervereinigung \u2013 prima Bandname auch \u2013 aus Atlanta bereicherte die Welt im Mai 2016 mit ihrem Zweitling \u201eI Hear You\u201c und damit mal eben mit einem dieser Alben, die mich meine Wahl zum Album des Jahres noch mal ernsthaft \u00fcberdenken lassen. Vermutlich ist es mit \u201ecool\u201c, sofern der Begriff zusagt, nicht v\u00f6llig unzureichend beschrieben, Spa\u00df macht es auf jeden Fall, und das ab der ersten Sekunde: \u201eMr. Birdsong\u201c beginnt stimmig mit instrumentaler Vogelimitation, bevor es ordentlich zur Sache geht.\nStilistisch bewegen sich Arbor Labor Union im dreckigsten der Garagenrocks (meinten Sie: R\u00f6cke?), irgendwo zwischen Pearl Jam und den Dandy Warhols bis hin zu einer erstaunlichen \u00c4hnlichkeit zu den ersten zwei monoton-hypnotischen Platten von The Velvet Underground (\u201eI Am You\u201c), wenn nicht gerade der hier ebenfalls vollkommen \u00fcberdrehte \u2013 also fast wie fr\u00fcher \u2013 Postpunk (\u201eRadiant Mountain Road\u201c) die F\u00fchrung \u00fcbernimmt, der gleichfalls das Monoton-Hypnotische gar nicht erst zu verbergen versucht. Macht euch auf treibende Gedanken gefasst. Der hektisch-verwirrte Gesangsstil des Frontmanns Here Orr (ich w\u00fcrde annehmen wollen, hier handelt es sich um einen K\u00fcnstlernamen) passt gro\u00dfartig zu der pulsierenden Instrumentalarbeit. Vergleiche, wenn\u2019s denn n\u00f6tig scheint: Mark E. Smith, Julian Casablancas, Doug Yule (und das ist positiv gemeint). Bingo.\nDie Plattenfirma der Arbor Labor Union hei\u00dft \u201eSub Pop\u201c und ich habe wirklich schon mal weniger passende Namen von Plattenfirmen gesehen. Arbor Labor Union, ich h\u00f6re euch. Und das wirklich gern.\nReinh\u00f6ren: Auf Bandcamp.com gibt es \u201eI Hear You\u201c nicht nur als schickes rosa Vinyl (\u201eLoser Edition\u201c, ohne Punkattit\u00fcde geht es nicht), CD und blaue Kassette zu kaufen, sondern auch als kostenlosen Komplettstream. Ich kann dazu durchaus raten.\nZiguri \u2013 onetwothreefour\n\u201eDie Explosion in deinem Kopf l\u00e4sst Paradies und H\u00f6lle bersten.\u201c (Apricot Brandy III)\nG\u00fcnter Schickert ist wohl ein Vertreter dessen, was gemeinhin ein Urgestein genannt wird: Seit der ersten H\u00e4lfte der 1970er Jahre spielte und spielt er mal zusammen mit Klaus Schulze, mal solo (zuerst 1974 mit \u201eSamtvogel\u201c), mal mit eigenen Gruppen weitgehend instrumentalen Krautrock im Stil der Berliner Schule. Als \u201ehandgemachten Dancefloor\u201c bezeichnet den Stil zumindest die Plattenfirma Sireena Records, was irgendwie auch stimmiger scheint.\nZiguri, laut Internetinformationen (sagt man das noch so?) in der Sprache der Tarahumara der Name des halluzinogenen Peyote-Kaktusses, ist eine dieser eigenen Gruppen, deren Geschichte bis in die auslaufenden 1980-er Jahre zur\u00fcckreicht. Das Trio aus G\u00fcnter Schickert (Gitarre, Blasinstrumente, Gesang), Udo Erdenreich (Bass, Gesang) und Dieter K\u00f6lsch (Schlagzeug, Gesang) spielt bis heute anscheinend in der Ursprungsbesetzung miteinander, was zumindest eine fruchtbare kreative Zusammenarbeit suggeriert.\nWobei der Krautrock ja schon immer unter seinem Etikett zu leiden hatte; Kraut ist oft im Wortsinne drin, Rock hingegen bleibt aus. So nat\u00fcrlich auch hier: Das Geschehen wird bestimmt von tranciger Instrumentalmusik im besten Sinne, mal dem Postrock nahe (\u201eRadio Bilsga\u201c), mal eher dem, was die Welt der Psychedelia so hergibt (\u201eSkykiss\u201c). Dass die drei Herren sich selbst nicht furchtbar ernst nehmen, schl\u00e4gt mindestens ein auf YouTube zu findendes Video zum St\u00fcck \u201eSunSonsSans\u201c (manchmal auch mit Leerzeichen geschrieben) vor, und das merkt man \u00fcber die gesamte L\u00e4nge des Albums hinweg.\nWobei das Album ja eigentlich wiederum zwei Alben in einem ist bzw. sind: Die drei Bonusst\u00fccke \u201eHotel Babel\u201c, \u201eDiaLekT\u201c und \u201eApricot Brandy III\u201c sind Reste von alten Aufnahmen von 1993 und 1996, wobei das gleiche St\u00fcck unter dem Namen \u201eApricot Brandy\u201c bereits auf dem Deb\u00fctalbum zu h\u00f6ren war und offensichtlich eine \u00dcberarbeitung von \u201eApricot Brandy\u201c von \u201eSamtvogel\u201c ist; \u201eApricot Brandy III\u201c ist auch das einzige der drei St\u00fccke, an denen G\u00fcnter Schickert wieder beteiligt ist, die anderen beiden sind stattdessen in v\u00f6llig anderer Besetzung und mit S\u00e4ngerinnen aufgenommen worden. Nichtsdestotrotz sind sie als musikalische Zusammenfassung von \u201eonetwothreefour\u201c nicht v\u00f6llig deplatziert, bilden sie doch dessen stilistische Bandbreite ganz gut ab. \u201eHotel Babel\u201c ist eine Vertonung eines Gedichts des mir bislang unbekannten Dichters Guillaume Apollinaire als groovender Jazzrock mit reichlich Trompete, \u201eDiaLekT\u201c mag man mit seinem afrikaartigen Trommelrhythmus und dem seltsamen Hintergrundgesang wohl eher unter Weltmusik einsortieren, wenn auch als solche, deren Erschaffer vom Spacerock zumindest schon mal was geh\u00f6rt haben. \u201eApricot Candy III\u201c schlie\u00dflich k\u00f6nnte mit seinem b\u00fchnensketchartigen Aufbau einerseits und der Elektronikverliebtheit andererseits \u2013 \u00fcberall flirrt, klirrt und zwitschert es \u2013 auch von Grobschnitt oder Can stammen, mit deren Interimss\u00e4nger Damo Suzuki die drei Musiker bereits eine B\u00fchne teilten.\nDie drogenschwangeren 1970er denken gar nicht daran, aufzuh\u00f6ren. Das ist ein gutes Zeichen.\nReinh\u00f6ren: Neben besagtem Video gibt es auf Dieter K\u00f6lschs YouTube-Kanal noch manch weiteren Ausschnitt aus \u201eonetwothreefour\u201c, auf Amazon.de kann man ebenfalls \u00fcberall mal reinh\u00f6ren. Viel Vergn\u00fcgen.\nAhkmed \u2013 The Inland Sea\nKommen wir von ein bisschen Postrock zu richtigem Postrock, n\u00e4mlich zu \u201eThe Inland Sea\u201c von Ahkmed, die trotz des Namens ein australisches Trio sind und deren Deb\u00fct \u201eDistance\u201c Anlass zur Freude gab. Dass die Plattenfirma Elektrohasch (Colour Haze u.a.) durchaus nicht f\u00fcr besonders schlechte Musik bekannt ist, sollte sich bereits herumgesprochen haben, ansonsten hilft \u201eThe Inland Sea\u201c bei der Ruffestigung sicherlich erneut.\nMit f\u00fcnf St\u00fccken von zwischen zehn und zwanzig vollen Minuten L\u00e4nge gef\u00e4llt \u201eThe Inland Sea\u201c schon oberfl\u00e4chlich, und der Schein tr\u00fcgt diesmal nicht: Ich h\u00f6re Stoner Rock, aufgelockert durch Drones und das Ganze in einen brodelnden Postrockkessel gekippt. Weitgehend instrumental findet \u201eThe Inland Sea\u201c statt; ein Teil der Platte hat durchaus Gesang, aber der geht nicht nur unter, weil\u2019s erstens mit ordentlich Hall versehen ist und zweitens der Rest den Geist entf\u00fchrt, sondern dabei auch noch ziemlich gut ab, und das schon ab dem ersten Takt: \u201eKaleidoscope\u201c beginnt mit reichlich fuzz vom Gitarristen Carlo Iacovino, der schon bald von einem sehr eigenartigen Perkussionsrhythmus und einem kaum h\u00f6rbaren, wohl aber sp\u00fcrbaren Bassfundament unterst\u00fctzt wird, dessen Erzeuger, der neue Bandbassist Finn Rockwell, nach etwa der H\u00e4lfte der Zeit einen getrageneren Zwischenteil solistisch einleiten darf, bevor seine beiden Mitmusiker erneut einsteigen, dem Bass jedoch einigen Freiraum lassen, um sich zu entfalten, was hier keineswegs irgendwelche wilden Eskapaden bedeuten soll. Die Band l\u00e4sst sich nicht beirren, hier werden Melodien eben auch mal zehn (oder mehr) Minuten lang wiederholt. Langweilig? Nein, nein, \u201eKaleidoscope\u201c ist schon ein treffender Name. \u201eDreamland\u201c h\u00e4tte es aber auch getroffen.\nDas folgende Titelst\u00fcck mag sich zum Reisen wohl eignen: Die pl\u00f6tzlich schneidende Gitarre und der treibende beat leiten allm\u00e4hlich \u00fcber in eine neue Traumsequenz, bevor das St\u00fcck erneut anschwillt. Einzelne Wortbeitr\u00e4ge von Schlagzeuger John-Paul Caligiuri schallen unwirklich aus der Farbenwelt. Auch in \u201eLast Hour of Light\u201c sind vier Minuten dem Spacerock mit Gesang (Pink Floyd geh\u00f6ren \u00fcberhaupt viel h\u00e4ufiger mal derart unaufdringlich gew\u00fcrdigt) gewidmet, bevor ein ungew\u00f6hnlich cleanes (also erfrischend unverzerrtes) Gitarrenriff, das mit seiner Eing\u00e4ngigkeit diesen elenden Suchtfaktor nochmals potenziert, sich unbeirrt in den Verstand des unbewaffneten H\u00f6rers ergie\u00dft, w\u00e4hrend es mal im Vordergrund, mal im Hintergrund trommelt, blubbert und vor allem flie\u00dft. Nach wiederum etwa der H\u00e4lfte des St\u00fccks soliert erneut der Bass; Zeit zum Ausruhen? Die n\u00e4chsten Minuten verbringt man jedenfalls im Schwebezustand, bevor die Ger\u00e4uschkulisse quietschend eine Notbremsung einlegt. Keine Angst, es geht gleich weiter: \u201ePattern of Atolls\u201c spendiert der Gitarre, die den H\u00f6rer mit einer anderen, aber wieder grandiosen Melodie auf eine weitere Reise zu schicken beabsichtigt, eine Extraportion Effekte. John-Paul Caligiuri tr\u00e4gt erneut f\u00fcr wenige Augenblicke unwirklich scheinenden Gesang bei, ach was: Sprechgesang, bevor es erneut in h\u00f6here Sph\u00e4ren geht. Moment, war da was? Die kurze Ablenkung durch\u2019s Dr\u00fcbernachdenken wird bestraft: Das St\u00fcck rei\u00dft pl\u00f6tzlich ab und macht einem w\u00fctend klingenden Intermezzo Platz, in dem Schlagzeug und Bass geradezu Kriegsl\u00e4rm zu simulieren scheinen, w\u00e4hrend John-Paul Caligiuri Verse deklamiert. M\u00fcsste ich unbedingt etwas an \u201eThe Inland Sea\u201c auszusetzen haben, ich w\u00e4hlte die unverst\u00e4ndlichen Texte und w\u00fcrde das sofort wieder zur\u00fccknehmen wollen, denn wenn man auf eines hier auf keinen Fall achten sollte, dann sind es die Texte. Mit \u201eThe Empty Quarter\u201c schlie\u00dflich beenden Ahkmed \u201eThe Inland Sea\u201c stilvoll, mit einer Viertelstunde feinsten Postrocks ohne besondere Vorkommnisse, mit einem sehr angenehmen letzten trip also.\n\u201eThe Inland Sea\u201c ist unbegreiflich intensiv. Geile Scheibe.\nReinh\u00f6ren: Auf Bandcamp.com gibt es Stream und Kauf.\nT E Morris \u2013 Newfoundland (And Of That Second Kingdom Will I Sing)\n\u201eDo you feel like you\u2019re at home?\u201c (A Year In The Wilderness)\nHer name is Calla sind hier l\u00e4ngst Stammg\u00e4ste, erst Ende 2015 fanden sie an dieser Stelle lobende Erw\u00e4hnung und auch ihr aktuelles Album \u201eNewfoundland (And Of That Second Kingdom Will I Sing)\u201c \u2013 dieser Name! \u2013 ist erneut eines, das in gewohnter Qualit\u00e4t Gewohntes, bezaubernd und zerbrechlich wie es eben nur die sechs Musiker aus Leeds hinbekommen, bietet.\nMoment \u2013 steht da nicht ein anderer Name auf dem Titelbild? Doch: Ver\u00f6ffentlicht wurde \u201eNewfoundland\u201c zwar \u00fcber die gewohnten Vertriebskan\u00e4le von Her name is Calla, seinen Namen auf\u2019s Album lie\u00df jedoch Tom Elliot \u201eT E\u201c Morris, S\u00e4nger und Gitarrist und Pianist und Synthesizer- und Banjospieler von Her name is Calla, schreiben. Dass trotzdem die gleiche Besetzung zu h\u00f6ren ist und augenscheinlich T E Morris nur innerhalb des Bandkontextes Musik ver\u00f6ffentlicht, l\u00e4sst den Rezensenten zwar einigerma\u00dfen verwundert zur\u00fcck, schm\u00e4lert aber die weitere Bewertung der zu h\u00f6renden Musik keinesfalls. Gehen wir also davon aus, dass da, wo T E Morris draufsteht, grunds\u00e4tzlich Her name is Calla drin ist, so gibt es allerdings einen bitteren Beigeschmack: W\u00e4hrend die Band selbst laut sozialen Medien flei\u00dfig an neuem Material (also: Musik) arbeitet, wird \u201eNewfoundland\u201c zumindest das letzte, wie auch immer man das definieren m\u00f6chte, Soloalbum von T E Morris sein, der im November das Ende seiner Solokarriere bekanntgab. M\u00f6ge es ihm wohl ergehen.\nDie Annahme, dass traurige Menschen bessere Musik machen, findet auf diese Weise allerdings zumindest eine bedr\u00fcckende Best\u00e4tigung. Zu einem Jahr wie 2016 passt dieses Album wie kaum ein zweites; \u00fcberhaupt:\nIt\u2019s a sad and beautiful world.\nDies, was sonst?, ist die Begleitmusik dazu.\nReinh\u00f6ren: Wie bislang ist auch diesmal Bandcamp.com eine exzellente Anlaufstelle f\u00fcr\u2019s Streamen und Kaufen.\nAutumnal Blossom \u2013 Spellbound\nBleiben wir im Genre, bleiben wir beim Wundersch\u00f6nen.\nAutumnal Blossom kommen aus Rheinland-Pfalz und bestehen im Wesentlichen aus Pia Darmst\u00e4dter (Fl\u00f6te, Gesang, Tasteninstrumente), die mit Poor Genetic Material auch ganz anders kann, nebst f\u00fcnfk\u00f6pfiger Herrenband. Das Internet vergleicht die auf \u201eSpellbound\u201c zu h\u00f6rende Musik mit der grandiosen russischen Musikgruppe iamthemorning. Das ist nicht die schlechteste Referenz.\nVon Anfang an wird eine intime Stimmung aufgebaut: \u201eBecause I Could Not Stop For Death\u201c ist Pia Darmst\u00e4dters Stimme \u00fcber sanft wolkigen Kl\u00e4ngen, was sich ungef\u00e4hr anh\u00f6rt, als h\u00e4tte Nico zur Abwechslung mal keine Drogen vor\u2019m Musizieren genommen oder als h\u00e4tten die Raveonettes versehentlich den Verzerrer zu Hause gelassen. \u201eMemories Of A Child\u201c leitet anschlie\u00dfend den zweiten und l\u00e4ngsten von insgesamt drei Teilen \u2013 hier: \u201eDiaries Of An Estranged Voyager\u201c \u2013 ein. \u201eSpellbound\u201c ist immerhin auch ein Konzeptalbum. Passend zum Titel h\u00f6rt man hier eine Spieluhr, au\u00dferdem Fl\u00f6te, Gesang und Klavier. Ich bin versucht, den Genreaufkleber \u201eFolk\u201c aus der Schublade zu holen.\n\u00dcberhaupt w\u00fcrde sich der Folk auf \u201eSpellbound\u201c wie zu Hause f\u00fchlen, und er k\u00f6nnte den Folkrock gleich mitbringen, wenn es etwa gegen Ende von \u201eMemories Of A Child\u201c kaum \u00fcberraschen w\u00fcrde, spr\u00e4nge gleich Ian Anderson wie ein Derwisch vor das Mikrofon und s\u00e4nge den gleichen Text; es fiele nicht einmal auf. \u201eOne day seemed as long as a lifetime / in this never-ending dream\u201c, jawohl.\n\u201eParadise\u201c, der letzte Teil (und auch das letzte St\u00fcck) von \u201eSpellbound\u201c, setzt abermals einen Kontrast: Im Gegensatz zum Liedtitel wirkt die Musik hier eher bedrohlich, gar postapokalyptisch. Dr\u00f6hnen, Brummen, kalte Mechanik dominiert das Geschehen (habe ich schon Nico erw\u00e4hnt?). Allein: Es gibt Hoffnung. \u201eParadise is not so far away / paradise is here every day\u201c, trotzdem und vor allem. Die wenigen Popmomente auf \u201eSpellbound\u201c (vgl. \u201eMy Blood\u201c) geraten immer noch \u00fcberdurchschnittlich gut, auch, wenn der schwebende Gesang hier oft ein wenig deplatziert wirkt \u2013 und gerade das macht seinen Reiz aus. Zusammengefasst mag die Eigenbeschreibung von der Website zum Album aber auch gen\u00fcgen:\n\u201eSpellbound\u201c ist eine Mischung aus Geschichte, Fiktion und Realit\u00e4t \u2013 nie vergessene Episoden eines Lebens \u2013 durch Erinnerung unsterblich \u2013 ein Tagebuch, in dem sich der Zuh\u00f6rer wiederfinden kann \u2013 ein Buch der Hoffnung \u2013 ein Ja zum Leben.\nKann man so stehen lassen.\nReinh\u00f6ren: Es kann neben Amazon.de auch, unter anderem, TIDAL als H\u00f6rprobenursprung genutzt werden.\nKing Gizzard &amp; The Lizard Wizard \u2013 Nonagon Infinity\n\u201eLoosen up, tighten up, fuck shit up, don\u2019t forget about it\u201c (Robot Stop)\nGenug des Schwelgens, es darf wieder gepfeffert werden. King Gizzard &amp; the Lizard Wizard stammen aus Australien und erlauben sich mit \u201eNonagon Infinity\u201c, ihrem achten Studioalbum und dem einzigen aus dem Jahr 2016, eine kurze Pause, bevor sie sich daran machen, ihre Ank\u00fcndigung, 2017 ganze f\u00fcnf Alben zu ver\u00f6ffentlichen, in die Tat umzusetzen. Eilig gilt es also dieses Album zu besprechen, bevor es zu sp\u00e4t ist.\nDabei gibt es allerdings ordentlich zu tun, denn King Gizzard &amp; the Lizard Wizard geben sich mit Schubladen lieber nicht ab. Mr. Bungle, die Melvins, Primus, Indierock, Punkrock und sogar Zeuhl (\u201eInvisible Face\u201c) dr\u00e4ngen sich hier so dicht aneinander, dass man sich beinahe bem\u00fc\u00dfigt sieht, ein wenig mit den einschl\u00e4gigen Gliedma\u00dfen zu wackeln, w\u00e4hrend man immer noch nicht ganz versteht, was da eigentlich gerade auf einen niederprasselt.\nDies im \u00dcbrigen schon ab dem ersten Moment: \u201eRobot Stop\u201c prescht voran, als w\u00fcrden sich Hawkwind am Punkrock versuchen. Ein kurzer orientalisch klingender Einschub setzt schon hier einen Kontrapunkt. \u201eRobot Stop\u201c geht direkt \u00fcber in \u201eBig Fig Wasp\u201c, das ein wenig das Tempo drosselt, bevor mit \u201eGamma Knife\u201c abermals das Thema von \u201eRobot Stop\u201c aufgegriffen wird. Wer jetzt annimmt, dass \u201eNonagon Infinity\u201c seinen Namen doppelb\u00f6dig tr\u00e4gt, der hat vollkommen Recht: Die neun Lieder bilden nicht nur ein einziges zusammenh\u00e4ngendes, sondern der Schluss des letzten Liedes \u201eRoad Train\u201c passt auch noch ganz gut zum Beginn von \u201eRobot Stop\u201c, man k\u00f6nnte \u201eNonagon Infinity\u201c also durchaus ohne merkliche Unterbrechung in Wiederholung h\u00f6ren.\nDie Gefahr, dass man es irgendwann nicht mehr h\u00f6ren kann, ist dabei zwar m\u00f6glich, aber King Gizzard &amp; the Lizard Wizard versuchen Langeweile durch immer neue Ideen zu vermeiden: Das vierte St\u00fcck \u201ePeople-Vultures\u201c variiert das Ursprungsthema bereits ausreichend ins Spacige, um den \u00dcbergang in das v\u00f6llig andere \u201eMr. Beat\u201c, das sozusagen den Geist des psychedelischen Hardrocks der 1970er Jahre atmet, Klischee-Synthieorgel selbstverst\u00e4ndlich eingeschlossen. Stu Mackenzies Gesang f\u00fcgt sich hier nat\u00fcrlich nahe den Beatles ein, einzig der hektische Refrain setzt einen Kontrast. Mit \u201eEvil Death Roll\u201c, das wiederum das Thema aus \u201eRobot Stop\u201c variiert, wird dieser Ausflug aber auch schon wieder beendet, erstmals gesellt sich hier zum Ende hin Jazzrock zur Genremischung hinzu, auf die Spitze getrieben im folgenden Liedduo aus \u201eInvisible Face\u201c und \u201eWah Wah\u201c, das h\u00fcpfenden Fusion nahtlos integriert. \u201eWah Wah\u201c zitiert melodisch aus KISS\u2018 \u201eI Was Made For Loving You\u201c, eine Absicht mag Versehen sein, und tats\u00e4chlich zieht das Tempo hier wieder merklich an, bevor das Album mit \u201eRoad Train\u201c zu \u201eEnde\u201c geht und mich einigerma\u00dfen ratlos zur\u00fcckl\u00e4sst.\nZum Gl\u00fcck muss ich hier keine Punkte vergeben. Fest steht: \u201eNonagon Infinity\u201c ist wirklich beeindruckend. Wie beeindruckend? Nun, das bleibt dem geneigten Leser \u00fcberlassen.\nReinh\u00f6ren: Stream und Kauf gibt es mal wieder auf Bandcamp.com \u2013 immer wieder.\nCrobot \u2013 Welcome To Fat City\n\u201eWho paid your debt to be here?\u201c (Not For Sale)\nCrobot, ihrem Namen zum Trotz, haben zu meiner gro\u00dfen Freude mit dem Pandarapper Cro nichts Weiteres gemein. Ihre Hintergr\u00fcnde liegen ein wenig im Dunklen, die Legende will es, dass ihre Gr\u00fcnder einst in einer anderen Musikgruppe zusammen spielten, sich aber vor wenigen Jahren entschlossen, als Crobot zusammen zu spielen. Inspiration f\u00fcr das neue Album \u201eWelcome To Fat City\u201c, so behaupten die derzeit vier Herren, sei Hunter S. Thompson gewesen, was mal eine angenehme Abwechslung zu dem \u00fcblichen namedropping mit irgendwelchen Allerweltsbands ist.\nMusikalisch ist \u201eWelcome To Fat City\u201c eigentlich ein prima Sommeralbum. Mein timing war auch schon mal besser. Desert Rock in der dreckig-bluesigen Variante wird gespielt, Mundharmonika (\u201eEasy Money\u201c) eingeschlossen. Wolfmother und Led Zeppelin sind willkommene Vergleiche f\u00fcr Leute wie mich, die auf so Musik immer nur eher zuf\u00e4llig aufmerksam werden. Das ist dann oft ziemlich erfreulich.\n\u201eWelcome To Fat City\u201c nimmt keine Gefangenen. Chris Bishops Gitarre geht auf Frontalkurs, w\u00e4hrend die Rhythmusabteilung aus Paul und Jake Figueroa alles niederwalzt, was sich ihr in den Weg stellt, um final Platz zu schaffen f\u00fcr Brandon Yeagleys extrovertiert-aufgeputschtes Rockorgan. Springt, ihr Narren, und wahrlich, zum Stillsitzen animiert \u201eWelcome To Fat City\u201c keineswegs, vielmehr findet man sich schon nach wenigen Minuten wild luftgitarrend unter dem Kopfh\u00f6rer wieder, statt hier endlich mal was zu schreiben. Verzeihung, aber: Boah, geht das gut ab.\nIch bin versucht anzunehmen, \u201eCrobot\u201c sei in irgendeiner von mir nicht aktiv verstandenen Sprache ein Synonym f\u00fcr das, was in anderen Sprachen schlicht coolness hei\u00dft. (Ohne zu unterstellen, dass das Referenzst\u00fcck f\u00fcr coolness, Lou Reeds un\u00fcbertroffenes \u201eKicks\u201c n\u00e4mlich, auch nur ansatzweise so \u00e4hnlich klingt, versteht sich.)\nReinh\u00f6ren: Warum nicht mal auf Amazon.de oder TIDAL?\nFriends of Gas \u2013 Fatal Schwach\n\u201eDefiniert / durch keinen Kern\u201c (Einknick)\nIrgendwann im Laufe des noch jungen Jahres 2017 bem\u00fchte sich ein unklar Bekannter um meine Teilnahme an einem Konzert der grundbekloppten Dadaband HGich.T. Es war sehr, sehr furchtbar, vor allem musikalisch. Mit furchtbaren Texten hingegen habe ich schon deutlich weniger Probleme, ein minimalistisch-elektronisches Klanggewand ist auch nicht immer zu verachten, wie jene Leser, die hier trotzdem immer wieder einmal reinschauen, sicherlich bereits wissen.\nAn ungewohnter Stelle, n\u00e4mlich bei NE\u00d8LYD, wurden mir die Friends of Gas, eine junge f\u00fcnfk\u00f6pfige Gruppe aus M\u00fcnchen, \u00fcber deren Namen Nadine Lange vom elenden \u201eTagesspiegel\u201c sich im Oktober 2016 bereits entsetzt auslie\u00df (Gas gehe doch mal so \u00fcberhaupt nicht!), ins Bewusstsein katapultiert, die vieles macht, was ich mag, n\u00e4mlich zum Beispiel Postpunk mit deutschen Texten.\nEs sind die Fehlfarben eine sich aufdr\u00e4ngende Assoziation, weil auch S\u00e4ngerin Nina Walser mit einer \u00e4hnlichen Gesangstechnik (n\u00e4mlich: keiner) aufzuwarten wei\u00df wie Peter Hein und stattdessen dem nicht abgeneigten H\u00f6rer mit ihrer markanten heiser-rauchigen Stimme und mitunter steigender Intensit\u00e4t (\u201eTemplate\u201c, \u201eEinknick\u201c) emotionsgeladenen Nihilismus entgegenschleudert, als m\u00fcsste sie ihr Leben mit ihm verteidigen; konsequent wird deren \u201eEs geht voran\u201c in \u201eKollektives Tr\u00e4umen\u201c nicht nur zitiert, sondern mit der harten Realit\u00e4t konfrontiert: \u201eEs geht nach vorne, es geht voran; Geschichte wird gemacht, doch nicht von mir und nicht von dir\u201c, weil es ja immer auch so ein Problem mit doppelten Textb\u00f6den gibt.\nDie Klangbasis f\u00fcr diese Vokalaggression bildet ein krautrockiges \u2013 m\u00f6ge die inflation\u00e4re Genreverwendung das Genre als Begriff bald er\u00fcbrigen! -, hartes Fundament aus pochendem Bass und schneidender Gitarre, so 80er zwar, aber doch ohne einen Anflug von Alterung, worum man es nebenbei ein wenig beneidet. Aufgew\u00fchlt hinterl\u00e4sst \u201eFatal schwach\u201c den F\u00fchlenden bedingungslos, ein Frustabbau in sieben Liedern. Famos!\nReinh\u00f6ren: Von offizieller Seite gibt es ein paar Videos, das ganze Album liegt auf Amazon.de sowie TIDAL herum.\nCrippled Black Phoenix \u2013 Bronze\n\u201eNow we set fire to the sky, sick of war and sick of fighting\u201c (Champions of Disturbance)\n2012 machte ich den Fehler, ein Album von Crippled Black Phoenix schlicht erm\u00fcdend zu nennen, denn das bleibt beim Publikum haften. Ich wei\u00df doch, dass sie es besser k\u00f6nnen, ist \u201eWe Forgotten Who We Are\u201c von, allerdings, einem anderen ihrer Alben doch auch nach Jahren eines dieser St\u00fccke, an dem ich mich irgendwie nicht satth\u00f6ren kann.\n2016 erschien mit \u201eBronze\u201c nunmehr ein neues Album der gewohnt reformierten haarigen Gruppe um Justin Greaves, der au\u00dferhalb der B\u00fchne, wie man so liest, den Gro\u00dfteil der Bandwerke quasi allein einspielt; vom letzten Album \u201eWhite Light Generator\u201c (2014) ist ungewohnterweise auch der Posten des S\u00e4ngers mit Daniel \u00c4nghede besetzt geblieben, was in dieser Combo durchaus bemerkenswert ist. Auch sonst ist \u201eBronze\u201c ein eher ungew\u00f6hnliches Album, ein ziemlich dunkles, d\u00fcsteres n\u00e4mlich, selbst im nicht gerade von jauchzendem Frohsinn gepr\u00e4gten Crippled-Black-Phoenix-Universum.\nDer gewohnt druckvolle Alternative Rock der Band findet in \u201eBronze\u201c ein Postmetalgegenst\u00fcck. Getragene Melodien sind ihrer Sache diesmal nicht, dies allerdings sozusagen mit Ansage: \u201eIn the beginning there was darkness\u201c; wie ein Weltraumepos beginnt \u201eDead Imperial Bastard\u201c mit einer gesprochenen Einleitung, die Schlimmes erahnen l\u00e4sst. Tats\u00e4chlich entwickelt sich \u00fcber die n\u00e4chsten f\u00fcnf Minuten ein Instrumentalst\u00fcck, das Pink Floyds \u2013 Ping! \u2013 \u201eEchoes\u201c nicht nur erahnen l\u00e4sst, wenn auch wie auf einem kargen, verlassenen W\u00fcstenplaneten aufgenommen. Das hysterische Gel\u00e4chter am Ende (auch dies wohl eine Anleihe an deren \u201eMeddle\u201c-Album) leitet \u00fcber in das erste richtige Lied mit dem nicht minder unfr\u00f6hlichen Titel \u201eDeviant Burials\u201c, in dem alle acht gegenw\u00e4rtigen Bandmitglieder mal so richtig losriffen d\u00fcrfen, bevor bassdr\u00f6hnende Psychedelic mit Countryunterton die Wilden vor\u00fcbergehend z\u00e4hmt. Daniel \u00c4nghede gibt hierbei den etwas jammerigen, nuschelnden Indie-Rock-Frontmann, als h\u00e4tte Brian Molko versehentlich Singen gelernt und/oder als sei\u2019s Josh Homme, dessen Bands mir andererseits auch recht egal sind. Nicht spa\u00dfig? \u201eNo fun\u201c, das n\u00e4chste St\u00fcck, beginnt abermals mit Sprach-samples, der anschlie\u00dfende Gesang ist hingegen recht angenehm in den Hintergrund gemischt, so dass der Mark ersch\u00fctternde Bass die Kontrolle behalten kann. Ist Progressive Metal ohne Quietschkeyboards noch Progressive Metal? Ach, Genres, drauf geschissen, im n\u00e4chsten Lied \u201eRotten Memories\u201c haben wir sowieso schon wieder was anderes im Ohr (ich w\u00fcrde beinahe Metallica oder Kid Rock anf\u00fchren wollen, aber das w\u00fcrde Crippled Black Phoenix wiederum Unrecht tun).\nKleinkram, Gro\u00dfkram. \u201eChampions of Disturbance (pt. 1 &amp; 2)\u201c, nebenbei ein Mittelfinger f\u00fcr Liedl\u00e4ngenanalysten, ist mit 9:02 Minuten das zweitl\u00e4ngste St\u00fcck auf \u201eBronze\u201c und h\u00fcllt den trotz allem erstaunten H\u00f6rer in eine perlende Synthie-Groove-Decke mit wahnwitziger Perkussion ein, bis es nach vier Minuten zur ersten Eruption kommt, nur um direkt \u00fcberzuleiten in Teil 2, dessen galoppierender Rhythmus ihm derma\u00dfen das Hirn verknotet, dass er den l\u00e4ngst eingepr\u00e4gten Gesang fast wie hinter Schleier wahrnimmt. Grandios und eigentlich allein schon den Kauf so was von wert. \u2013 Aber es geht ja noch weiter, erst einmal etwas ruhiger (\u201eGoodbye then\u201c), bevor es mal wieder eine \u00dcberraschung gibt: \u201eTurn to Stone\u201c ist ein Joe-Walsh-Cover im zumindest angemessenen Classic-Rock-Gewand. Mit \u201eScared and alone\u201c (gesungen, fast ges\u00e4uselt, von Belinda Kordic) finden Crippled Black Phoenix auf ihre Spur zur\u00fcck, noch etwas zerbrechlich, aber schnell wieder Kraft tankend, um in \u201eWinning a Losing Battle\u201c (9:14 Minuten) abermals dem dunklen Indie-Rock zu huldigen. Abschlie\u00dfend gibt es mit \u201eWe Are The Darkeners\u201c ein Lied auf bzw. in die Ohren, das seinen Namen zu Recht tr\u00e4gt, denn heller wird es mit weinender Gitarre und Postpunkattit\u00fcde nicht mehr. Ein weiteres Sprach-sample beschlie\u00dft die musikalische Bronzezeit. Was bleibt, sind Melancholie und D\u00fcsternis.\nIst ja auch mal sch\u00f6n.\nReinh\u00f6ren: Bandcamp.com stellt \u2013 mit Ausnahme zweier Bonuslieder \u2013 einen Komplettstream zur Verf\u00fcgung.\nGiraffe Tongue Orchestra \u2013 Broken Lines\n\u201eNow you have a choice to suck up what they give you\u201c (Back to the Light)\nAlles furchtbar traurig 2016? Nein, nicht alles, auch der Spa\u00dfrock hat sich keine Pause geg\u00f6nnt; zum Beispiel erschien mit \u201eBroken Lines\u201c das Deb\u00fctalbum der Supergroup Giraffe Tongue Orchestra.\nDas Giraffe Tongue Orchestra besteht zurzeit aus derzeitigen und fr\u00fcheren Mitgliedern von Alice In Chains (William DuVall, Gesang), Mastodon (Brent Hinds, Gitarre), Ben Weinman (The Dillinger Escape Plan, ebenfalls Gitarre), Pete Griffin (Dethklok, Bass) und Thomas Pridgen (The Mars Volta, Schlagzeug). Daraus sollte keinesfalls gefolgert werden, was da am Ende f\u00fcr Musik rauskommt \u2013 meine erste Assoziation beim Anspielen von \u201eBroken Lines\u201c n\u00e4mlich hie\u00df, Anglophonie zum Trotz, Die \u00c4rzte, die musikalisch jedenfalls auf ihren neueren Alben tats\u00e4chlich so Momente haben.\nNa, noch alle Leser da? Gut, denn meinen ersten Eindruck revidierte ich schon schnell, als aus dem Anspielen ein Anh\u00f6ren wurde und sich das, was Giraffe Tongue Orchestra dem Genie\u00dfer eigentlich mitteilen wollen, in einer fast verst\u00f6rend sich einbrennenden Melange aus Mr. Bungle, Faith No More, Bad Religion sowie dann und wann etwas Meshuggah und mancherlei Mathrock in den Kopfh\u00f6rer respektive Lautsprecher ergoss. Bei quasi massentauglichen Liedl\u00e4ngen von stets unter sechs Minuten bleibt die Frage, ob die Zeit zur Entfaltung denn wohl reiche.\nUnd das tut sie tats\u00e4chlich: Polyrhythmische Rockkracher (\u201eCrucifixion\u201c, \u201eNo One Is Innocent\u201c u.a.) beherrschen \u201eBroken Lines\u201c, gef\u00fcttert von wenigen ruhigen Momenten (\u201eAll We Have Is Now\u201c), in denen William DuVall mich vor\u00fcbergehend fast ein bisschen langweilt (ist eben einfach nicht meine Musik), aber eben auch nur fast, denn nach wie vor \u00fcberwiegt das Rockige. \u201eBroken Lines\u201c ist kein Album zum Nachdenken, keines, das sich erst beim aberdutzendsten Durchlauf erschlie\u00dft, wer Musik also unbedingt als Kopfsache begreifen m\u00f6chte, der ist hier falsch. (Es ist ja nun nicht so, dass mir solches nicht gelegentlich auch als Vorwurf begegnet.) Solide und ausreichend spannend f\u00fcr einen kleinen Fingerzeig ist \u201eBroken Lines\u201c aber allemal. Ich zeige dann mal drauf.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de. TIDAL. Weiter im Text.\nAxon-Neuron \u2013 Metamorphosis\n\u201eThe future is confused through the fragments of the past\u201c (Shattered)\nWas sind das eigentlich f\u00fcr Liedtitel? \u201eShattered\u201c, \u201eErasure\u201c, \u201eSilence\u201c, immerhin auch \u201eKafka\u201c; wollen Axon-Neuron hier \u00dcbles heraufbeschw\u00f6ren? Nein, im Gegenteil!\n\u201eMetamorphosis\u201c ist ein Progressive-Rock-Album aus ausgerechnet den USA, das trotz aller Verneigung vor den Klassikern nie anbiedernd oder gar angestaubt klingt, obwohl es gleichzeitig die meisten Klischees schon vor dem ersten H\u00f6ren erf\u00fcllt: \u201eMetamorphosis\u201c ist ein Doppelalbum aus zweimal acht St\u00fccken, wobei jedes der beiden Teilalben, das zweite etwas ausdauernder als das erste, mit einem Pr\u00e4ludium (\u201ePrelude\u201c) beginnt und einem Postludium (\u201ePostlude\u201c) endet. Das klingt nach Klassik? Oh, ja, und zwar in einem Ausma\u00df, das mir das \u201eDeath Defying Unicorn\u201c, eines dieser anderen klassikorientierten Progressive-Rock-Alben, fast konkurrenzlos zum Album des Jahres 2012 machte, denn auch \u201eMetamorphosis\u201c erh\u00e4lt seine St\u00e4rke durch etwas, was l\u00e4ngst als abgeschrieben galt; durch den Jazzrock n\u00e4mlich.\nWobei das erste \u201ePrelude\u201c kompositorisch zun\u00e4chst einmal an das zu Unrecht fast vergessene Penguin Cafe Orchestra erinnert, bevor es sich im Stile alter Sinfoniewerke (als, Verzeihung!, Klassikbanause w\u00fcrde ich Smetana als ungef\u00e4hre erste Verbindungsstelle setzen wollen) ausbreitet. Es dominieren Saiteninstrumente. Dass das nur die Einleitung ist, wird in \u201eEuclid\u201c, in das das Pr\u00e4ludium \u00fcbergeht, deutlich, in dem Bandgr\u00fcnder und Multiinstrumentalist Jeremey Poparad seine Gitarre Arpeggien \u00fcber einem soliden Bandfundament singen l\u00e4sst, bevor S\u00e4ngerin Amanda Rankin zu Schlagzeug\u2011, Bass- und Glockenspielbegleitung irgendwas \u00fcber parallele Linien singt, die niemals einander schneiden, was leider schon vor mir jemanden zu der Feststellung verleitete, dass wir es hier wohl mit Mathrock zu tun haben. Vergleiche so weit: Stolen Babies, Bent Knee (allerdings weit weniger verr\u00fcckt) und Thinking Plague. RIO/Avant ist bei Axon-Neuron jedenfalls offenkundig willkommen. Im folgenden St\u00fcck \u201eSuspicions\u201c wiederum haben wir es mit etwas Jazz zu tun, der sich mit verschlepptem Rhythmus langsam zu einem veritablen Progressive-Metal-St\u00fcck entwickelt, das noch dazu immer schneidender wird, nur um dann \u00fcberzugehen in die anfangs balladeske Grundstimmung von \u201eShattered\u201c, das, wie sollte es anders sein?, sich in einen ziemlich verspielten Progressive Metal ergie\u00dft. \u201eKoan\u201c ist ein leider recht kurzes, um so \u00fcberzeugenderes Jazzst\u00fcck mit Canterbury-Ankl\u00e4ngen; wie der Canterbury Sound auf \u201eMetamorphosis\u201c sowieso immer mal wieder unklar hervorblitzt, ebenso vielleicht auch der Jazzmetal von Weltpinguintag oder Panzerballett (\u201eEyes\u201c, \u201eSummit\u201c).\nAuch auf Teilalbum Nummer zwei geht es vielf\u00e4ltig zu, ohne dabei bem\u00fcht zu klingen. Das Zusammenspiel zwischen Band und Orchester sorgt f\u00fcr fantastische Augenblicke und noch fantastischere Stimmungen. Wo sonst findet man Klassik und Avantrock so gekonnt verwoben wie in \u201eKronos\u201c, das klingt, als w\u00fcrde man mit gebrochenem Herzen ausgelassen tanzen gehen? Wo sonst wird man so verzwirbelt weggeblasen wie in \u201eKafka\u201c?\n\u201eMetamorphosis\u201c ist zweifellos gro\u00dfartig. Ich bin sehr gespannt, was in den folgenden Jahren noch von dieser Band zu erwarten ist.\nReinh\u00f6ren: Ach was, Komplettstream, und zwar auf Bandcamp.com.\nJambinai \u2013 A Hermitage\nWas w\u00e4re ein Jahresr\u00fcckblick ohne einen anst\u00e4ndigen \u201eWTF!\u201c-Moment? Unvollst\u00e4ndig w\u00e4re er. Zum Gl\u00fcck kommt Abhilfe aus S\u00fcdkorea.\nDas asiatische Land war 2016 vor allem wegen explodierender Taschentelefone, nicht jedoch wegen seiner musikalischen Exportprodukte in den Nachrichten zu sehen. Das ist zwar durchaus verst\u00e4ndlich, denn der letzte namhafte s\u00fcdkoreanische Musiker, der reichlich Beachtung und Zuspruch bis in die hintersten Ecken des Internets fand, war vor einigen Jahren Psy, dessen \u00e4rgerliches \u201eGangnam Style\u201c eigentlich manchen Anlass zur pauschalen Schlechtfindung koreanischen Pops g\u00e4be. Nun ist Jambinai allerdings erfreulicherweise auch keine Popband.\nIm Kern handelt es sich um ein Trio, das sich vage im musikalischen Terrain von tesa einer- und Tool andererseits aufh\u00e4lt, f\u00fcr \u201eA Hermitage\u201c noch unterst\u00fctzt durch Hyeseok Oh (Schlagzeug) und Ignito (Rap; dazu gleich noch etwas mehr). Die drei wesentlichen Bandmitglieder spielen nicht etwa nur Gitarre und Bass, sondern au\u00dferdem Haegeum, Piri und Geomungo, das eine Art tieft\u00f6nende Zither und eines der Leadinstrumente in den meisten St\u00fccken ist. Wir lernen beim H\u00f6ren von \u201eA Hermitage\u201c also quasi nebenbei ein wenig \u00fcber koreanische Musikkultur statt der immergleichen Neuinterpretation westeurop\u00e4ischer Einf\u00e4lle. Das ist ja auch sch\u00f6n, Musik sollte ja immer mehr bleiben als blo\u00dfes Ger\u00e4usch.\nDabei ist \u201eA Hermitage\u201c selbst an Ger\u00e4uschen nicht arm. Schon das er\u00f6ffnende \u201eWardrobe\u201c ist ein Klangspektakel mit stampfendem Rhythmus zu metallischen Schreien (gro\u00dfartig: Ilwoo Lee) und mit 3:07 Minuten eigentlich viel zu kurz. Sp\u00e4testens im folgenden \u201eEcho of Creation\u201c gibt es kein Halten mehr: Das ungewohnte, aber \u00fcberragend gute Zusammenspiel aus fordernder Zither und jaulender Geige, hinter dem die dagegen ank\u00e4mpfende Gitarre v\u00f6llig untergeht, endet abrupt nach nur einer Minute, um ein wenig sch\u00f6ne, gar: psychedelische Atmosph\u00e4re zum bed\u00e4chtigen Mitschwingen zu schaffen, bis die Lust am Krach in Gestalt von Hyeseok Oh wieder alles in Scherben trommelt. Die f\u00fcnf Koreaner haben, wenn ich\u2019s mal so schreiben darf, Hummeln im Hintern. Ich mag Hummeln.\nEs ist ja nicht so, dass sie nicht auch ganz anders k\u00f6nnten: Das siebenmin\u00fctige, instrumentale \u201eFor Everything That You Lost\u201c k\u00f6nnte, w\u00e4re da nicht der offenkundige Einschlag von asiatischer Folklore, auch von einem der zahlreichen Nebenprojekte der Mitglieder von Godspeed You! Black Emperor stammen, Laut-Leise-Spiel inbegriffen. \u00dcberwiegend ist einfacher Postrock ihre Sache aber nicht, wie bereits das folgende \u201eAbyss\u201c, abermals getragen von der unverwechselbaren Geomungo, beweist, das die ziemlich einmalige Musik von Jambinai mit dem Sprechgesang des koreanischen Rappers Ignito, nat\u00fcrlich in der Landessprache, verbindet \u2013 und das klingt sogar f\u00fcr den verwunderten Rezensenten, der andererseits auch schon wirklich furchtbaren Rap geh\u00f6rt hat, als w\u00e4re es die offensichtlichste aller m\u00f6glichen Kombinationen.\n\u201eAbyss\u201c bleibt aber eine Ausnahme auf \u201eA Hermitage\u201c, denn im Weiteren sind den Koreanern ihre Instrumente wieder wichtiger als ein gutes Gespr\u00e4ch. \u201eDeus Benedicat Tibi\u201c klingt ziemlich unchristlich, es springt vom Duett aus Schlagzeug und Haegeum, das an sich schon klingt, alsw\u00fcrde gleich etwas explodieren, ohne weitere Vorwarnung \u00fcber in ein Free-Jazz-Durcheinander, dem nur die Rhythmusabteilung eine lose Form zu geben vermag. So, jetzt drehen wir mal kurz durch. Danach darf sich auch kurz ausgeruht werden: \u201eThe Mountain\u201c g\u00f6nnt anfangs ein wenig Entspannung, findet aber schon nach wenigen Minuten den beat wieder und schlie\u00dft herrlich noisig dr\u00f6hnend, was mich an manche japanische Postrockband erinnert. Asien, du bist wirklich seltsam. \u2013 Die musikalisch begleitete Ger\u00e4uschcollage \u201eNaburak\u201c sticht selbst auf \u201eA Hermitage\u201c noch als reichlich seltsam hervor, das letzte Wort auf \u201eA Hermitage\u201c hat aber \u201eThey Keep Silence\u201c, das einzige Lied im Wortsinne, in dem die Musiker den Untergang der F\u00e4hre Sewol im April 2014 verarbeiten; nicht etwa klagend, sondern aggressiv, was dem Gef\u00fchl der meisten S\u00fcdkoreaner, geht es um das Ungl\u00fcck, zumindest deutlich n\u00e4her sein d\u00fcrfte.\n\u201eA Hermitage\u201c ist, Gesellschaftskritik eingeschlossen, gro\u00dfe Kunst im besten Sinne. Es lohnt sich, sich ihr mit Neugier zu n\u00e4hern.\nReinh\u00f6ren: Auf YouTube gibt es ein Video zu \u201eThey Keep Silence\u201c, auf Amazon.de sind die gewohnt zu kurzen Tonschnipsel zu h\u00f6ren. Das ganze Album, wie gewohnt, mag man nach Belieben per TIDAL streamen.\n\nK\u00f6nnt ihr noch? Gut, ich beeile mich:\n1b. Kurz und knackig\n\nGong \u2013 Rejoice! I\u2019m Dead!\nEine im Durchschnitt verj\u00fcngte Combo tritt \u2013 wenn auch weniger durchgeknallt \u2013 auf dessen Gehei\u00df das Erbe Daevid Allens auf gewohnt hohem Niveau an und deb\u00fctiert mit einem starken Album mit ungewohnt deutlichem Canterbury- und Symphonic-Prog-Einschlag.\nNeurosis \u2013 Fires Within Fires\nEndlich mal ein Album von einer Band, die spielt, wie sie hei\u00dft, das hei\u00dft, wie es klingt.\nGandalf\u2019s Fist \u2013 The Clockwork Fable\nEine bemerkenswerte weitgehend britische Musikcombo mit albernem Namen und Progressive-Rock-Hintergrund vertont gemeinsam mit Leuten, die das beruflich machen, eine fantastische Retro-Prog-Dystopie \u00fcber eine postapokalyptische Welt als H\u00f6rspiel in drei Akten alias CDs.\nOranssi Pazuzu \u2013 Varahtelija\nWenn die oben empfohlenen Neurosis euch noch zu wenig Druck aufbauen, k\u00f6nnten Oranssi Pazuzu aus der Heimat des b\u00f6sen Metals, Finnland n\u00e4mlich, euren Anspr\u00fcchen kraftvoll gen\u00fcgen.\nAsteroid \u2013 III\nIn einem enorm vielschichtigen Stoner-Rock-Album machen Asteroid aus \u00d6rebro vieles richtig, was andere in die Beliebigkeit treibt, indem sie nicht blo\u00df nach Schema F den heavy psych abspulen, sondern dem H\u00f6rer mit dem Auft\u00fcrmen immer neuer Schichten einige Aufmerksamkeit abverlangen, f\u00fcr die er dann allerdings auch reich belohnt wird.\npg.lost \u2013 Versus\nDieses Album besteht aus h\u00f6chst angenehmem instrumentalem und obendrein schwedischem Postrock in der Breitwandversion, der seine sozusagen geistige Verwandtschaft mit Artrock (\u201eAlong the Edges\u201c) und Metal (\u201eVersus\u201c) nicht zu verbergen versucht, sondern stolz als Jagdtroph\u00e4en \u00fcber dem Kamin pr\u00e4sentiert.\n\nSo weit zu den guten Nachrichten. Gibt es auch schlechte? Nat\u00fcrlich: Wir blieben auch 2016 nicht von scheu\u00dflichem Schund verschont. Fr\u00fcher haben die Leute sich aus Selbsthass irgendwas aufgeschnitten, heute rate ich ihnen stattdessen zu einem dieser Produkte:\n2. W\u00fcrg!\n\nThe Claypool Lennon Delirium \u2013 Monolith of Phobos\nClaypool! Lennon! Leider aber auch nur: Delirium!\nFire! Orchestra \u2013 Ritual\nDieses Ritual ist h\u00f6chstens ein m\u00fcder Funke.\nHattler \u2013 Warhol Holidays\nWarhol w\u00fcrde vor Langeweile gleich ein zweites Mal sterben.\nArchive \u2013 The False Foundation\nAls Sammlung von Kinderliedern vielleicht gerade noch ertr\u00e4glich, leider mag ich keine Kinderlieder.\nDonny McCaslin \u2013 Beyond Now\nDavid Bowies Z\u00f6glinge f\u00fchren seine Tradition der \u00f6den Popmusik gnadenlos fort.\nDungen \u2013 H\u00e4xan\nBei allem geschichtlichen Firlefanz, der hinter diesem Album steht, haben sich Dungen dennoch wahrlich keinen Gefallen mit ihrem ersten Instrumentalalbum getan.\n\nWie immer beenden wir den R\u00fcckblick des Jahres mit ein wenig Geschichte:\n3. Es war ja nicht alles schlecht.\n\nVor 40 Jahren:\nIm Jahr 1976 wurde das erst seit f\u00fcnf Jahren bestehende Mahavishnu Orchestra f\u00fcr ein paar Jahre auf Eis gelegt, Gitarrist und Gr\u00fcnder John McLaughlin widmete sich in den kommenden Jahren anderen musikalischen Projekten. Als das Mahavishnu Orchestra 1984 neu formiert wurde, gab es eine andere Band, die ebenfalls 1976 gegr\u00fcndet wurde, schon gar nicht mehr, n\u00e4mlich Joy Division, deren Nachfolger New Order v\u00f6llig andere Musik hervorbringen. Bis heute die immer gleiche Musik kommt indes von BAP, gleichfalls seit 1976 im Gesch\u00e4ft; was nicht unbedingt sein m\u00fcsste. Vielleicht war die Zeit f\u00fcr einen musikalischen Umbruch aber auch einfach reif, denn sowohl die neuen Alben von Bob Dylan (Desire) als auch Soft Machine (Softs) blieben mau. Einzig das von John Cale produzierte Deb\u00fct- und gleichzeitig letzte Studioalbum der jungen Artrockband The Modern Lovers, die zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr existierte, das vier Jahre nach seiner Entstehung endlich eine Plattenfirma fand, lie\u00df aufhorchen, bot es doch eine erstaunlich eigenst\u00e4ndige Rockmusik zwischen den Rolling Stones und nat\u00fcrlich The Velvet Underground, wenig gef\u00e4lligen Gesang eingeschlossen. So was wird heute ja gar nicht mehr produziert.\nVor 30 Jahren:\n1986 waren The Velvet Underground allerdings trotzdem noch nicht vergessen; mit Another View ver\u00f6ffentlichte Verve Records, deren Mutterkonzern MGM 1969 den Fehler machte, die wenig Umsatz erzeugende Band aus ihrem Vertrag zu entlassen, eine Sammlung von \u00fcbrig gebliebenen Liedern, die es zum Teil auf Loaded (1970), zum Teil in Lou Reeds Solowerk schafften. Sonic Youth hielten die Fahne des dissonanten Noiserocks 1986 selbst noch hoch, das dritte Album EVOL geh\u00f6rt nicht zu ihren schlechtesten. Die Luft f\u00fcr die Alten wurde allerdings zusehends d\u00fcnner: Dem letzten Auftritt der Smiths und der Aufl\u00f6sung von Asia und Neu! stand die jeweilige Gr\u00fcndung von Bands wie Roxette und No Doubt entgegen. Die gleichfalls 1986 gegr\u00fcndeten Pixies und Slint versteckten sich scheu hinter den neuen Musikalben von Nazareth, AC/DC, Judas Priest und Metallica. Es waren merkw\u00fcrdige Zeiten.\nVor 20 Jahren:\nZehn Jahre sp\u00e4ter war die Situation keineswegs \u00fcbersichtlicher geworden. Take That l\u00f6sten sich auf, die keineswegs irgendwie besseren Backstreet Boys ver\u00f6ffentlichten derweil ihr Deb\u00fctalbum. Die M\u00e4dchenschwarmmusik war zeitweise wie eine Hydra \u2013 und ihre K\u00f6pfe wurden immer gr\u00f6\u00dfer. Klein fing 1996 Eminem an, dessen Infinite den Grundstein f\u00fcr eine damals noch kaum abzusehende Karriere sein sollte. In der Vergangenheit w\u00fchlten Neutral Milk Hotel, deren Deb\u00fctalbum On Avery Island die Br\u00fccke vom Garagenrock zum Indie-Rock nicht nur schlug, sondern gleich noch einzementierte. Noch offensichtlicher nahmen The Brian Jonestown Massacre die Siebziger auf\u2019s Korn; Their Satanic Majesties\u2018 Second Request war nicht nur namentlich mehr als nur eine blo\u00dfe Verneigung vor dem v\u00f6llig untersch\u00e4tzten Rolling-Stones-Album \u00e4hnlichen Namens. Inzwischen hatten drei der Mitglieder der angenehm verr\u00fcckten Alternative-Metal-Band Mr. Bungle sich unter dem Namen Secret Chiefs 3 zusammengetan und mit First Grand Constitution and Bylaws wiederum ihr Weg weisendes Deb\u00fctalbum ver\u00f6ffentlicht; auch 2017 kann von einer Aufl\u00f6sung noch immer nicht die Rede sein, mindestens ein neues Album ist f\u00fcr 2017 geplant. Das ist recht willkommen.\nVor 10 Jahren:\n2006 erlebte der Postrock eine neue Hochzeit: Long Distance Calling wurden gegr\u00fcndet und Mogwai ver\u00f6ffentlichten mit Mr. Beast einen Genreklassiker. Wer lieber laute und b\u00f6se Musik h\u00f6ren wollte, der musste auf das Deb\u00fctalbum von Nick Caves neuer Band Grinderman noch bis 2007 warten, konnte sich bis dahin aber immerhin mit dem Thrash-Metal-Album Ever-Arch-I-Tech-Ture der belgischen Band Axamenta behelfen, dessen Schubladeneinsortierung empfehlenswerterweise niemanden vorurteilsbedingt vom Reinh\u00f6ren abhalten sollte. Wer keine \u00dcberraschungen mag, dem kredenzten 2006 wenigstens The Strokes mit First Impressions of Earth Bew\u00e4hrtes, n\u00e4mlich \u2013 guten Hitparadenplatzierungen zum Trotz \u2013 gewohnt Gutes, mithin erstmals als \u201eParental Advisory\u201c Gekennzeichnetes, was in den pr\u00fcden, aber erschreckend schie\u00dfw\u00fctigen USA sicherlich irgendwas bedeutet, hierzulande aber schon fast einer Auszeichnung gleichkommt. Wer hier ankommt, der hat es geschafft. The Strokes jedenfalls haben es.\n\nDamit ist das musikalische Jahr 2016 \u2013 zumindest von meiner Seite aus \u2013 endlich abgeschlossen. Erg\u00e4nzungen werden, wie gewohnt, gern gesehen, ansonsten hoffe ich, dass auch diesmal etwas f\u00fcr euch dabei war. Die n\u00e4chste R\u00fcckschau kommt bestimmt, 2017 wirkt diesbez\u00fcglich vielversprechend.\nFreuen wir uns darauf!\n\nNachtrag: Wenige Stunden nach der Ver\u00f6ffentlichung dieses Artikels wurde bekannt, dass John Wetton verstorben ist. Ich m\u00f6chte meine vorherige Einsch\u00e4tzung diesbez\u00fcglich korrigieren.\nKommentareHirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2017 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 1. Juli 2017 dies: [\u2026] das f\u00fcr Musiker erstaunlich t\u00f6dliche Jahr 2016 ein Ende nahm. Ich wartete mit der musikalischen Jahresr\u00fcckschau 2016 also sicherheitshalber bis Januar \u2013 und am Tag darauf wurde der Tod John Wettons vermeldet. [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: awakebutstillinbed \u2013 what people call low self\u200b\u2013\u200besteem is really just seeing yourself the way that other people see you schrob am 19. M\u00e4rz 2018 dies: [\u2026] trotz gr\u00f6\u00dferer Unterschiede nicht v\u00f6llig anderswo zu verortenden Friends of Gas habe ich vor einem Jahr bereits entsprechend gew\u00fcrdigt. Interessant ist das hier Geh\u00f6rte daher durchaus und zumindest ein [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2017-01-31T00:00:13+01:00",
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Das zwischendurch erschienene Album \u201eCouple in a Hole\u201c, im Wesentlichen eine Skizzensammlung und deshalb hier nicht interessant, ist jedenfalls noch im alten Miteinander aufgenommen worden. Keinesfalls gesonderte Erw\u00e4hnung finden hier auch die bereits anderweitig empfohlenen neuen Alben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/02/kurzkritik-kula-shaker-k-2-0/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Kula Shaker</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/03/karokh-needle-thread-nail-polish/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Karokh</span></a>, die allerdings weiterhin uneingeschr\u00e4nkt h\u00f6renswert sind.</p>\n<p>Im Juni zweifelte Dirk Peitz <a href="\&quot;http://www.zeit.de/kultur/musik/2016-06/popkonzerte-smartphone-filmen-fotos-social-media-erlebnis-selbstdarstellung/komplettansicht\&quot;" data-wpel-link="internal">auf \u201eZEIT ONLINE\u201c</a> daran, dass es eine gute Idee sei, Konzertbesucher per Beschluss davon abzuhalten, das Konzert nur durch ihre Smartphonebildschirme wahrzunehmen. M\u00f6ge Dirk Peitz sich weiterhin mit seichter Popmusik herumschlagen, die ein fragw\u00fcrdiges Klientel anlockt! Euch ist derweil viel Spa\u00df mit folgenden Glanzst\u00fccken zu w\u00fcnschen:</p>\n<p><span id=\"more-11602\"></span><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Super-Scheiben.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/neurosenbluete-ganz-frisch.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_neurosenbluete-ganz-frisch.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Neurosenbl\u00fcte \u2013 ganz frisch</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eEs ist und ist und ist einfach / und ist und ist.\u201c</span> (Immer dieses Jetzt)\n<p>Endlich mal eine Rezension, die sich sozusagen von allein schreibt!</p>\n<p>Auf der Mailingliste \u201eprogrock-dt\u201c k\u00fcndigte die Hamburger Band <span class=\"musik-review-bandname\">Neurosenbl\u00fcte</span> \u2013 allein der Name schon! \u2013 ihr diesj\u00e4hriges Minialbum \u201eganz frisch\u201c wie folgt an:</p>\n<blockquote><p>Was drin ist:<br>\n\u2011Acht Titel mit einer Gesamtspielzeit von ca. 30 Minuten<br>\n\u2011Front- und Backcover zum Selberbasteln (oder \u2011backen)<br>\n\u2011Texte mit Verstand<br>\n\u2011Texte ohne Verstand<br>\n\u2011Takte zum Kopfrechnen<br>\n\u2011Ganzton\u2011, Zw\u00f6lftonzeug<br>\n\u2011langweiliges, normales Dur/Moll-Zeug<br>\n\u2011Dinge, die klingen wie Verspieler<br>\n\u2011echte Verspieler</p></blockquote>\n<p>Das kann ich ruhigen Gewissens so stehen lassen. Ich h\u00f6re Krautrock und vor allem viel <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>. Die Herren haben noch Gro\u00dfes vor sich, wie mir scheint. Ich w\u00fcnsche viel Erfolg.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://neurosenbluete.bandcamp.com/releases\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> l\u00e4sst sich \u201eganz frisch\u201c anh\u00f6ren und \u2013 leider nur als Download \u2013 kaufen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/dewolff-roux-ga-roux.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_dewolff-roux-ga-roux.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">DeWolff \u2013 Roux-Ga-Roux</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">DeWolff</span> \u2013 der Leser m\u00f6ge <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">sich erinnern</a> \u2013 ist ein immer noch junges Trio, dessen Mitglieder gegenw\u00e4rtig noch immer weit von ihren 30ern entfernt sind und dem man ein fehlendes Profil schon jetzt nicht attestieren kann:</p>\n<blockquote><p>Die Musiker selbst bezeichnen ihren Stil als \u201epsychedelischen, elektrifizierten, fuzzgetr\u00e4nkten, ekstatischen, hart groovenden Space-Rock\u2011n\u2019-Roll\u201d.</p></blockquote>\n<p>Nun also gibt es nicht nur ein neues Livealbum namens \u201eLive &amp; Outta Sight\u201c, sondern auch ein neues Studioalbum: \u201eRoux-Ga-Roux\u201c.</p>\n<p>Ein <em>roux-ga-roux</em> oder <em>rougarou</em> ist, so teilt\u2019s <a href="\&quot;https://en.wikipedia.org/wiki/Rougarou\&quot;" data-wpel-link="internal">die Wikipedia</a> mit, ist ein Blut saugendes Fabelwesen aus indianischer Folklore, das irgendwie mit dem Werwolf zusammenh\u00e4ngt, womit man bei <span class=\"musik-review-bandname\">DeWolff</span> ja eigentlich auch h\u00e4tte rechnen k\u00f6nnen. Die \u201eVISIONS\u201c nennt Teile des Albums <a href="\&quot;http://www.visions.de/news/24340/VISIONS-Premiere-DeWolff-streamen-neues-Album-Roux-Ga-Roux\&quot;" data-wpel-link="internal">versumpft</a> und meint das wahrscheinlich positiv.</p>\n<p>Zu tun haben wir\u2019s hier allerdings nicht mit Sumpfmusik, sondern mit feinstem Bluesrock, <a href="\&quot;http://www.avalost.de/15863/musik/dewolff-roux-ga-roux/\&quot;" data-wpel-link="internal">die Rede</a> ist von <span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span> als Anhaltspunkte und das ist nicht mal besonders falsch. Die psychedelische Spielrichtung des Bluesrocks, wie sie in den 1970ern popul\u00e4r war, findet in <span class=\"musik-review-bandname\">DeWolff</span> nach wie vor einen willkommenen F\u00fcrsprecher. Ich bin willens, hier und da auch etwas von <span class=\"musik-review-bandname\">Hendrix</span> und ein bisschen von den <span class=\"musik-review-bandname\">Doors</span> anklingen zu h\u00f6ren, und bin restlos begeistert. Starke Scheibe, wie man auf Neudeutsch sagt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=qmfcPoO34bU\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> gibt es ein thematisch passendes Video zu \u201eSugar Moon\u201c, <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Roux-Ga-Roux-Dewolff/dp/B018SIQZE0/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat halbmin\u00fctige Schnipsel zum Rest des Albums im Portfolio.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/jupiter-jones-bruellende-fahnen.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_jupiter-jones-bruellende-fahnen.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Jupiter Jones \u2013 Br\u00fcllende Fahnen</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eFlimmernde Pupillen werfen Chaos zur\u00fcck\u201c</span> (Lauf.Forrest.Lauf!)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Jupiter Jones</span>? Hier? Aber ja! Glaubt mir: ich bin mindestens so entsetzt wie ihr.</p>\n<p>Dabei ist <em>die meiste Musik</em> solcher Deutschrockbands vor allem wegen des S\u00e4ngers schaurig, ein ungeeigneter S\u00e4nger (zum Beispiel <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span>) kann selbst die theoretisch beste Band zu einem j\u00e4mmerlichen H\u00e4uflein Popmusikanten degenerieren. <span class=\"musik-review-bandname\">Jupiter Jones</span> sind mir insofern vielleicht auch deshalb zum ersten Mal positiv aufgefallen, weil sie f\u00fcr \u201eBr\u00fcllende Fahnen\u201c mit ihrem neuen S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Sven Lauer</span> zusammengearbeitet haben, der hier selbst f\u00fcr meine gequ\u00e4lten Ohren ungemein passend klingt.</p>\n<p>Was wird hier musikalisch dargeboten? Nun, neben dem wohl genrebedingten Liebeslied \u201e70 Siegel\u201c h\u00f6rt man eine interessante Mischung aus moderner Elektronik und erdigem Deutsch- und Indierock, als h\u00e4tten die Musiker neben, dies teilten sie dem Publikum jedenfalls mit, den <span class=\"musik-review-bandname\">Arctic Monkeys</span> auch <span class=\"musik-review-bandname\">Die Goldenen Zitronen</span> sowie <span class=\"musik-review-bandname\">The National</span> zu ihren Musen erkoren. (Ich habe zumindest das jetzt nicht \u00fcberpr\u00fcft.)</p>\n<p>Die \u201eVISIONS\u201c spekulierte sichtlich befremdet, alte Fans h\u00e4tten an den Dissonanzen im Titelst\u00fcck vermutlich schwer zu knabbern, das Radiobegleitmagazin \u201emusikexpress\u201c ist naturgem\u00e4\u00df <a href="\&quot;http://www.musikexpress.de/reviews/jupiter-jones-bruellende-fahnen/\&quot;" data-wpel-link="internal">geradezu schockiert</a> \u00fcber die Abkehr von der Art Musik, die einstmals \u201eFr\u00fchst\u00fccksfernsehzuschauern\u201c (ebd.) bekannt zu werden vermochte, mich indes begeistern die <em>krummen</em> Akzente. Dabei \u00fcbertreiben <span class=\"musik-review-bandname\">Jupiter Jones</span> es nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig, zur Avantgarde mag\u2019s nicht reichen; allein: Wenn bew\u00e4hrter Gitarrenrock (noch so eine Assoziation: <span class=\"musik-review-bandname\">Die Toten Hosen</span>, erfreulicherweise nicht textlich) auf nach vorn preschendes Schlagzeug trifft, nicht begleitet, sondern <em>\u00fcbert\u00f6nt</em> von einem geradezu absichtlich introvertiert wirkend singenden S\u00e4nger, und <em>all das</em> h\u00e4ufig so, dass man sich dann doch mal ans Mitz\u00e4hlen der Takte macht, weil etwas <em>merkw\u00fcrdig</em> erscheint, dann funktioniert hier irgendwas richtiger als da, wo der \u201emusikexpress\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Jupiter Jones</span> offensichtlich gern sehen w\u00fcrde.</p>\n<p>\u201eGrausam\u201c sei \u201eBr\u00fcllende Fahnen\u201c, da sich \u201ekein einziger Song mit Hitpotenzial\u201c darauf befinde, befand ein \u00fcberm\u00e4\u00dfig ungehaltener H\u00f6rer auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Br\u00fcllende-Fahnen-Jupiter-Jones/dp/B01AB7BFGO?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, und wenn wir uns nun alle einmal gemeinsam vor Augen f\u00fchren, wie Alben, auf denen \u201eSongs\u201c mit \u201eHitpotenzial\u201c zu h\u00f6ren sind, insgesamt so klingen (<span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span>!), dann ist allein das f\u00fcnf Sterne wert.</p>\n<p>Ich kaufe ja gern mal das Gegenteil.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Warum nicht mal auf <a href="\&quot;http://tidal.com/album/58199358\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>?</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/de-staat-o.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_de-staat-o.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">De Staat \u2013 O</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI\u2019ve got 99 solutions but the blues got none.\u201c</span> (Blues Is Dead)\n<p>Oh! <span class=\"musik-review-bandname\">De Staat</span>, eine hocherfreuliche Combo aus einem hocherfreulichen Land, sind nach wie vor aktiv.</p>\n<p>Es beginnt wie einst ein grauenhaftes Album von <em>ausgerechnet</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Muse</span> mit seltsamen Instrumentalfanfaren, wird dann aber deutlich besser. \u201ePeptalk\u201c ist Selbstironie in Musikform. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eWe\u2019re gonna have some fun tonight, tonight\u201c</span>, dargeboten in einer offensichtlich <em>absichtlich schr\u00e4gen</em> Gruppengesangsnummer. Seit \u201eSweatshop\u201c (\u201eMachinery\u201c, 2011) haben sie nichts verlernt.</p>\n<p>Ansonsten <em>channeln</em> <span class=\"musik-review-bandname\">De Staat</span> mal <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span> (\u201eMake The Call, Leave It All\u201c), mal die <span class=\"musik-review-bandname\">Pet Shop Boys</span>, schwingen im Kosmos von Tanzpop (\u201eBaby\u201c), New Wave und Groove herum, ohne sich dabei in irgendwelche Grenzen zw\u00e4ngen zu lassen. \u201eBlues Is Dead\u201c ist eine Bluesrocknummer, die die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen (<span class=\"musik-review-bandname\">Gary Moore</span> und so weiter) als bekannt voraussetzt, aber den besungenen Stil als endlich begraben deklariert: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eHip-hip hooray, the blues is dead\u201c</span>. Hatte noch jemand angenommen, dass \u201eO\u201c eins der \u00fcblichen bierernsten Indie-Rock-Alben ist, so wei\u00df er es sp\u00e4testens jetzt besser; <a href="\&quot;http://www.eclat-mag.de/rezensionen/de-staat/o.html\&quot;" data-wpel-link="internal">beziehungsweise:</a></p>\n<blockquote><p>Unter den Dingen, die sich im <span class=\"musik-review-bandname\">De-Staat</span>-Kosmos nicht ge\u00e4ndert haben, ist auch, dass die Holl\u00e4nder mit ihrer Mischung aus Pop-Appeal, Kunstanspruch, Ironie und hemmungsloser Beklopptheit nach wie vor v\u00f6llig unverwechselbar und eigenst\u00e4ndig sind.</p></blockquote>\n<p>Den Witz mit der \u201erunden Sache\u201c haben schon zu viele Leute vor mir gemacht, was mir <em>nat\u00fcrlich</em> jetzt die Pointe ruiniert; und aber jedenfalls: \u201eO\u201c? O ja!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/O-Staat/dp/B017YDL29I/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon</a> hat Halbmin\u00fcter, zu \u201eMake The Call, Leave It All\u201c gibt es ein <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=THhL8VVtQAU\&quot;" data-wpel-link="internal">beknacktes Studio-</a> und zu \u201eGet On Screen\u201c ein minder weniger <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=ZcOrrLBNm20\&quot;" data-wpel-link="internal">beknacktes Livevideo.</a> Viel Vergn\u00fcgen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/daevid-allen-weird-quartet-elevenses.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_daevid-allen-weird-quartet-elevenses.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Daevid Allen Weird Quartet \u2013 Elevenses </span>\n<p>Die, so behauptet es ein Hinweis auf der CD-Umh\u00fcllung, \u201eletzten Aufnahmen\u201c des verstorbenen <span class=\"musik-review-bandname\">Daevid Allen</span>, einst Mitgr\u00fcnder von <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span>, die erfreulicherweise <a href="\&quot;http://www.planetgong.co.uk/bazaar/cd/gong-rejoice.shtml\&quot;" data-wpel-link="internal">weiterhin existieren</a>, und <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> sowie letztes Urmitglied der Erstgenannten, fanden nicht zusammen mit dem Rest einer dieser beiden Bands statt, sondern in einem Quartett, das sich immerhin standesgem\u00e4\u00df das <span class=\"musik-review-bandname\">Daevid Allen Weird Quartet</span> nennt.</p>\n<p>Nun ist die Vermutung, es handele sich tats\u00e4chlich um Herrn <span class=\"musik-review-bandname\">Allens</span> \u201eletzte\u201c Aufnahmen, nicht nur geringf\u00fcgig falsch, sondern trotz der vermutlich starken Vermarktungswirkung fernab der Tatsachen, sind doch seine Beitr\u00e4ge zum Album, wie <em>das Internet</em> wei\u00df, zwischen 2006 und 2008 und somit mindestens drei Jahre vor seinem tats\u00e4chlich letzten Album, \u201esoundbites 4 tha reVelation 2012\u201c, entstanden. Auch das Quartett selbst ist eigentlich nicht neu, es nahm noch vor 2006 unter dem Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Weird Biscuit Teatime</span> \u2013 auch hier eine Anspielung auf das 70-er-Werk von <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> \u2013 bereits \u201eDJDDAY\u201c, ein krautiges Space-Rock-Album, auf und \u00e4nderte seinen Namen erst f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung dieses Albums, nachdem <span class=\"musik-review-bandname\">Daevid Allen</span>, der zuvor dem <em>fast fertigen</em> Album seine Zustimmung gegeben hatte, gestorben war, weil die Plattenfirma das gern so haben wollte. Klar: <span class=\"musik-review-bandname\">Daevid Allen</span> kennt man, aber wer war noch mal <span class=\"musik-review-bandname\">Don Falcone</span>? Wenn es nicht gerade merkw\u00fcrdige Namen tr\u00e4gt, nennt sich das \u201eKollektiv\u201c allerdings <span class=\"musik-review-bandname\">Spirits Burning</span>, umfasst auch <a href="\&quot;http://home.earthlink.net/~falcone/SBMasterCrewList.pdf\&quot;" data-wpel-link="internal">schon mal</a> Mitglieder von <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> und l\u00e4dt <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Nic Potter</span> und weitere Gr\u00f6\u00dfen des Progressive Rocks zum Spielen ein. <em>Weird.</em></p>\n<p>So weit zum Schlechten, denn das alles allerdings ist Schall und Rauch, insbesondere des Wortspiels wegen: \u201eElevenses\u201c ist pure Kraut- und Drogenmusik, psychedelisch im besten Sinne und obendrein derma\u00dfen gespickt mit der guten alten Hippieorgel, dass man sich beim H\u00f6ren beinahe wieder jung (und bekifft) f\u00fchlt. Musikalisch hat <span class=\"musik-review-bandname\">Daevid Allen</span> 1970 seit seiner Ankunft nie verlassen.</p>\n<p>Bereits das zweite St\u00fcck \u201eImagicknation\u201c wirkt wie direkt einem der fr\u00fchen Space-/Krautrockalben entnommen, der Geist von <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Amon D\u00fc\u00fcl (II)</span> und eben <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> weht durch jede der fast vier Minuten, \u201eGrasshopping\u201c ist ein instrumentaler Trip durch eine <em>sehr</em> bunte Tropenwelt \u2013 oder vielleicht doch Gras? \u2013 und auch \u201eGod\u2019s New Deal\u201c, bis dato nur als eins der vielen Gedichte Daevid Allens bekannt, atmet in seiner bemerkenswerten Zusammensetzung aus Zirkusmusik, Folk und <span class=\"musik-review-bandname\">beatlesquem</span> Psychedelic Rock die Aura der <em>Blumenkinder</em> ein.</p>\n<p>L\u00e4sst man einmal die zumindest <em>ungl\u00fcckliche</em> Vermarktung au\u00dfer Acht, ist \u201eElevenses\u201c, was Alben von und mit <span class=\"musik-review-bandname\">Daevid Allen</span> schon immer ausgezeichnet hat: <em>Freakig</em> im besten Sinne, drogenschwanger, farbenfroh und nie auch nur nahe dem Ernst; wohl auch, weil 2008 sein Krebstod noch nicht absehbar war. \u201eElevenses\u201c als sein Verm\u00e4chtnis zu bezeichnen w\u00e4re sicherlich nicht in seinem Sinne gewesen. Ich schlage daher vor, es als das zu betrachten, was es eigentlich ist: Ein durchaus beachtliches Psychedelic-Rock-Album aus dem \u2013 wie treffend \u2013 <span class=\"musik-review-bandname\">Allen\u2019schen</span> Klangkosmos f\u00fcr jeden, der <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> und alles aus deren musikalischem Umfeld zu sch\u00e4tzen wei\u00df.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Es m\u00f6ge ein Verweis auf <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Elevenses-Vinyl-LP-Allen-Daevid/dp/B01949EE04/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazons</a> H\u00f6rproben vor\u00fcbergehend gen\u00fcgen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/hawkwind-the-machine-stops,jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_hawkwind-the-machine-stops.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Hawkwind \u2013 The Machine Stops</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe secret lies within us / deep inside the human mind\u201c</span> (King of the World)\n<p>Apropos <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span>.</p>\n<p>Im Dezember 2015 starb <span class=\"musik-review-bandname\">Lemmy Kilmister</span>, seines Zeichens nicht nur Gr\u00fcnder und Frontmann von <span class=\"musik-review-bandname\">Mot\u00f6rhead</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Phil-Collins</span>-Bewunderer und Bourbontrinker, sondern zur positiven Abwechslung zudem insgesamt vierter Bassist der Hardrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> von 1972 bis 1975, die mit nur einer Pause von wenigen Monaten Dauer seit 1969 sozusagen durchgehend aktiv ist und somit neben <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> und \u00e4hnlichen Gruppen aus jener Zeit zu den Pionieren des Spacerocks gez\u00e4hlt werden kann, wenn man das unbedingt m\u00f6chte.</p>\n<p>Dass von der Urbesetzung von Hawkwind nur mehr Gitarrist/S\u00e4nger/Keyboarder <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Brock</span> \u00fcbrig ist, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird, macht \u201eThe Machine Stops\u201c trotz des klischeehaft schaurigen Coverbildes um so interessanter. Die Band selbst ist 2016 zu sechst, wobei Neuzugang <span class=\"musik-review-bandname\">Haz Wheaton</span> lediglich in den letzten beiden St\u00fccken am Bass zu h\u00f6ren ist. Ansonsten servieren <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> hier weitgehend bew\u00e4hrte Kost, allerdings auch mit bew\u00e4hrt hohem Standard und mit einem erw\u00e4hnenswerten Hintergrund: Es stand die gleichnamige Kurzgeschichte des Erz\u00e4hlers <span class=\"musik-review-bandname\">Edward Morgan Forster</span> von 1909 Pate, in der die Menschheit, deren s\u00e4mtliche Bed\u00fcrfnisse von einer riesigen Maschine befriedigt werden und deren Kommunikation bevorzugt \u00fcber \u201eSofortnachrichten\u201c stattfindet, nach ein paar unangenehmen Zwischenf\u00e4llen unterirdisch leben muss; diejenigen Menschen, die Zweifel an der Quasig\u00f6ttlichkeit der Maschine haben, gelten als Ausgesto\u00dfene und werden von ihren Mitmenschen entsprechend geringgesch\u00e4tzt. Inwiefern <span class=\"musik-review-bandname\">Edward Morgan Foster</span> das Smartphonezeitalter damit vorhergesehen hat, f\u00fcllt sicherlich so manchen wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Aufsatz, soll allerdings auch gar nicht das Thema dieser Rezension sein. Vielleicht nur dieser Gedanke: Vieles, was wir als Fiktion kennen, ist eigentlich gar keine.</p>\n<p>So. Zur Musik.</p>\n<p>Mit \u201eAll Hail the Machine\u201c geht es bereits stilecht los: Blubbernde Synthesizer leiten \u00fcber in einen <em>technischen</em>, hektisch flimmernden Rhythmus aus allerlei Verzerrtem, es spricht ein Erz\u00e4hler exaltiert von der Gro\u00dfartigkeit der Maschine \u2013 <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eBlessed is the machine! Blessed is the machine!\u201c</span> -, bis schlie\u00dflich viele Stimmen durcheinander rufen: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eAll hail the machine!\u201c</span> Der H\u00f6rer wei\u00df so auch ohne Kenntnis von der Kurzgeschichte, worum es wohl geht. Fein.</p>\n<p>Wie es sich f\u00fcr ein anst\u00e4ndiges Konzeptalbum geh\u00f6rt, wird diese Einleitung mit dem ersten <em>richtigen</em> Lied, das den Namen \u201eThe Machine\u201c tr\u00e4gt, \u00fcberblendet. Neben dem knackigen Bass, hier von <span class=\"musik-review-bandname\">Jonathan Darbyshire</span>, der sich gelegentlich <span class=\"musik-review-bandname\">Mr Dibs</span> nennt, gespielt, f\u00e4llt mir ein musikalischer R\u00fcckgriff in den Postpunk der 1980-er Jahre auf, wenn auch etwas <em>frischer</em> klingend, dominiert vom Gitarrenspiel und Gesang <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Brocks</span>. Das <em>Punkige</em> legt die Band auf \u201eThe Machine Stops\u201c nie v\u00f6llig ab, selbst in \u201eSynchronized Blue\u201c, das die Wurzeln der Band in der psychedelischen Musik der sp\u00e4ten 1960-er Jahre noch einmal deutlich werden l\u00e4sst; auch das gro\u00dfartige \u201eKing of the World\u201c schl\u00e4gt in eine \u00e4hnliche Kerbe, angereichert mit den genre- und band\u00fcblichen elektronischen Effekten, die dem Lied eine entr\u00fcckte Atmosph\u00e4re verleihen. Zwei weitere Lieder sind eigentlich Soloaufnahmen zweier Bandmitglieder: \u201eHexagone\u201c, eher eine Spaceballade als ein Spacerockst\u00fcck, wird allein von <span class=\"musik-review-bandname\">Phillip Reeves</span> alias <span class=\"musik-review-bandname\">Dead Fred</span>, nebenberuflich Keyboarder bei <span class=\"musik-review-bandname\">Inner City Unit</span>, intoniert und instrumentiert, das orientalisch anmutende \u201eThe Harmonic Hall\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Niall Hone</span> (sonst Gesang, Keyboards und Synthesizer).</p>\n<p>Ihr merkt es vielleicht schon: \u201eThe Machine Stops\u201c macht Spa\u00df, weil es nur selten in Spacerockklischees versinkt, dann aber immer so, dass man es f\u00fcr Selbstironie halten k\u00f6nnte. Es sind die kleinen Details, die es zu einem sehr angenehmen Erlebnis machen. <em>Nat\u00fcrlich</em> agieren <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> hier weit von dem Spacerock entfernt, den zum Beispiel <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> (hatten wir ja gerade) oder <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> in ihren besten Zeiten gemacht haben, aber genau das ist es, was diesem Jahr noch gefehlt hat.</p>\n<p>Es m\u00f6ge die Maschine <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> noch lange nicht angehalten werden!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Wie w\u00e4re es mit <a href="\&quot;http://tidal.com/album/57656914\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>? Ansonsten hilft <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Machine-Stops-Hawkwind/dp/B01BY1XM8K/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gern weiter.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/tonbruket-forevergreens.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_tonbruket-forevergreens.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Tonbruket \u2013 Forevergreens</span>\n<p>Einfach mal ein bisschen Instrumentaljazz zwischendurch. Wobei: Ist das noch Jazz?</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Tonbruket</span>, ein Quartett aus der Peripherie des auf bedauerliche Weise untergegangenen <span class=\"musik-review-bandname\">Esbj\u00f6rn Svensson Trios</span> und der nicht \u00fcblen, aber ebenso aufgel\u00f6sten Indierockband <span class=\"musik-review-bandname\">The Soundtrack of Our Lives</span>, allesamt aus dem herrlichen Schweden, spielen hier jedenfalls alles andere als blo\u00dfe Klassiker. Ignoriert das potth\u00e4ssliche Coverbild, es lenkt nur unn\u00f6tig ab.</p>\n<p>Nach der gesprochenen spanischen Einleitung (\u201eIntro\u201c) wird zun\u00e4chst einmal die Erinnerung an den Flat Beat \u2013 wenn ihr den gerade nicht im Kopf habt, holt das blo\u00df nicht nach \u2013 geweckt. <span class=\"musik-review-bandname\">Tortoise</span> und <em>vergleichbare</em> Bands lassen hier gr\u00fc\u00dfen: Ein merkw\u00fcrdig schleppender, verzerrter <em>beat</em> fr\u00e4st sich ins Ohr, um sogleich wieder zu verschwinden und Platz zu machen f\u00fcr Perkussion und Klavier, deren Spiel von bemerkenswerter Melancholie gepr\u00e4gt ist und die bis zum Ende von \u201eMano Sinistra\u201c, allm\u00e4hlich fordernder werdend, das Fundament f\u00fcr die Eskapaden der \u00fcbrigen Instrumente. Etwas ruhiger geht es im folkigen \u201eSinkadus\u201c, mit dem die norwegische Liedermacherin <span class=\"musik-review-bandname\">Ane Brun</span> als Gast auf \u201eForevergreens\u201c ihren Einstand hat, zu. Mit \u201eTarantella\u201c, \u201eLinton\u201c und \u201eFirst Flight of a Newbird\u201c finden <span class=\"musik-review-bandname\">Tonbruket</span> immer wieder zur elektronischen Tanzmusik, immer wieder klingt Artverwandtes wie von <span class=\"musik-review-bandname\">Jaga Jazzist</span> und eben <span class=\"musik-review-bandname\">Tortoise</span> an, ma\u00dfgeblich eigenst\u00e4ndig durch die dominante Klavierarbeit von <span class=\"musik-review-bandname\">Johan Lindstr\u00f6m</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Martin Hederos</span>, der ab und zu auch zu Akkordeon, zum ersten Mal h\u00f6rbar in \u201eSinkadus\u201c, und Geige greift.</p>\n<p>\u201eForevergreens\u201c ist eines dieser Alben, die offensichtlich unscheinbarer wirken als sie tats\u00e4chlich sind. Wenn ihr gegen ein wenig Jazz nichts einzuwenden habt, gebt ihm eine Chance.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Bei Amazon.de geht\u2019s <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Forevergreens-Tonbruket/dp/B01AYPMSR8/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">hier</a> ein paar Ausz\u00fcge, <a href="\&quot;http://tidal.com/album/60872383\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> hat den Rest.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/joe-bonamassa-blues-of-desperation.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_joe-bonamassa-blues-of-desperation.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Joe Bonamassa \u2013 Blues of Desperation</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI keep searching this world / for someone to hold me\u201c</span> (No good place for the lonely)\n<p>Wahrscheinlich ist es ein Zeichen meiner allm\u00e4hlichen Vergreisung, aber ich gebe zu: Dieses \u2013 <em>schon wieder</em> \u2013 Bluesrockalbum beeindruckt mich. Das k\u00f6nnte am K\u00fcnstler liegen. Nun f\u00e4llt diese Rezension ein wenig aus der gewohnten Reihe, denn ich mag eigentlich keinen Bluesrock, deshalb verzeihe man mir die Freude an vielleicht Gew\u00f6hnlichem. Die offensichtlich auf blo\u00dfen Tr\u00fcbsinn geschriebenen Texte, deren S\u00e4nger trotzdem Voraussetzung f\u00fcr ein angenehmes <em>Klangerlebnis</em> ist, sind oft zu wenig tiefsinnig, zu uninteressant. Irgendetwas hat dieses Album aber an sich, das bei mir das sprichw\u00f6rtliche <em>Klick</em> ausl\u00f6st.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Joe Bonamassa</span> entstammt einer aussterbenden Spezies, namentlich derjenigen der Gitarristen, die als Einzelmusiker schon positiv aufgenommen worden waren, bevor sie sich einer Band angeschlossen hatten, obwohl er zumindest mir erst mit den zwischenzeitlich aufgel\u00f6sten <span class=\"musik-review-bandname\">Black Country Communion</span> zum ersten Mal <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/12/black-country-communion/\&quot;" data-wpel-link="internal">aufgefallen ist</a>. Gelegentlich ist zu lesen, sein Spiel erinnere oft an <span class=\"musik-review-bandname\">Eric Clapton</span>, was trotz des subtilen Subtextes, dass es ihm demnach wohl an Originalit\u00e4t mangele, durchaus nicht die schlechteste Referenz ist. In seiner Solodiskografie findet man mehrfach eine Zusammenarbeit mit <span class=\"musik-review-bandname\">Beth Hart</span>, die trotz ihrer Entdeckung in der Castingsendung \u201eStar Search\u201c sp\u00e4ter ernsthafte Musikerin wurde und, wie sich das f\u00fcr anst\u00e4ndige Musiker geh\u00f6rt, nach ihrem Drogenentzug in den letzten zehn Jahren unter anderem zusammen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Jeff Beck</span> aufgetreten war, und seit 2008 ganze zehn Livealben beziehungsweise \u2011videos. Der Mann ist gern unterwegs, wie mir scheint.</p>\n<p>Jetzt also \u201eBlues of Desperation\u201c, \u201eBlues der Verzweiflung\u201c. Gibt es denn auch anderen Blues? Von Verzweiflung ist freilich jedenfalls musikalisch nicht viel zu h\u00f6ren, daf\u00fcr feiner Bluesrock, dessen Rhythmusabteilung man vermutlich besser ausweichen sollte, denn sie gibt <em>voll auf die Fresse</em>. Vielleicht ist das im Bluesrock immer so. Die erste Verschnaufpause, das in der Tat <span class=\"musik-review-bandname\">claptonesque</span> \u201eDrive\u201c, folgt direkt auf den ersten H\u00f6hepunkt, das kraftvolle \u201eMountain Climbing\u201c, das allein es wert w\u00e4re, dieses Album mal geh\u00f6rt zu haben. Ein \u00fcberragender Auftakt, der die Freude bis hin zum Ende des Albums festigt. Dass die Texte zu den erfreulichen Melodien nicht gerade zum Feiern einladen (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eBlood on my hands and there\u2019s holes in my jeans / you scrub all day but you never get them clean\u201c</span>), ist eines dieser Dinge, die ich am Bluesrock wohl nie verstehen werde. Ich habe beschlossen, die Liedtexte von \u201eBlues of Desperation\u201c einfach einmal als schm\u00fcckendes Beiwerk und nicht als essenzielle Komponente zu betrachten, und trotzdem <em>funktioniert</em> es immer noch f\u00fcr mich.</p>\n<p>Zugegeben: Bluesrock lebt stilistisch nicht gerade von Vielfalt und Abwechslung. Aber das muss er auch gar nicht. Der Etikettenschwindel sei verziehen: \u201eBlues of Desperation\u201c l\u00e4sst den H\u00f6rer nicht etwa verzweifelt, sondern <em>v\u00f6llig aus dem H\u00e4uschen</em> zur\u00fcck. Ich sollte offensichtlich mehr \u00fcber dieses Genre in Erfahrung bringen. Euch lege ich dieses Album bis dahin nahe. Es ist gut \u2013 und ich wei\u00df nicht, warum.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=3qJ8bT3W1D0\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eMountain Climbing\u201c auf YouTube</a>. Mag ich.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/jeremy-flower-the-real-me.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_jeremy-flower-the-real-me.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Jeremy Flower \u2013 The Real Me</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe curtains start to close / and everybody knows\u201c</span> (Longing in the Tooth)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Jeremy Flower</span> (hei\u00dft wohl wirklich so) war bisher ein vergleichsweise unbeschriebenes Blatt auf dem weiten Feld der anspruchsvollen Musik mit Rockbezug und tobte sich eher im Klassik- und Jazzbereich aus. Mit \u201eThe Real Me\u201c f\u00fchrt er dem geneigten H\u00f6rer vor, wie schade das eigentlich ist.</p>\n<p>In 14 St\u00fccken und etwa 70 Minuten, womit sich die Lieder \u201eeigentlich\u201c auf Radiol\u00e4nge halten, aber keinesfalls eine Chance haben, jemals im seichten Einheitsbrei aufzutauchen, brilliert Herr <span class=\"musik-review-bandname\">Flower</span> (hei\u00dft wohl wirklich so) hier an Gitarre, Keyboards und Mikrofon, und das nicht einmal allein; an seiner Seite geigt und singt neben elf weiteren Musikern auch <span class=\"musik-review-bandname\">Carla Kihlstedt</span>, die der geneigte H\u00f6rer von ihrer Zusammenarbeit mit respektive Mitgliedschaft in Bands wie den <span class=\"musik-review-bandname\">Stolen Babies</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Sleepytime Gorilla Museum</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Book of Knots</span> und so weiter und so fort kennt. Die Frau hat Referenzen und \u2013 dies steht au\u00dfer jeglichem Zweifel \u2013 singen kann sie richtig gut. Davon macht sie \u2013 abgesehen von \u201eLonging In The Tooth\u201c \u2013 hier auch reichlich Gebrauch. Ist das \u201ewahre Ich\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Jeremy Flowers</span> (hei\u00dft wohl wirklich so) also eigentlich <span class=\"musik-review-bandname\">Carla Kihlstedt</span>? Und: Ist das eigentlich von Belang?</p>\n<p>\u201eThe Real Me\u201c ist auf jeden Fall ein stimmungsvolles Album, es herrschen Melancholie und Schwermut. Das beginnt bereits im w\u00fctend-traurigen Titelst\u00fcck, das den H\u00f6rer mit entschlossenem Rhythmus heranzieht und gleichsam gefangen nimmt. Die dunkle Ballade \u201eTake\u201c, in denen sich <span class=\"musik-review-bandname\">Carla Kihlstedts</span> Stimme in beeindruckende H\u00f6hen schraubt, f\u00fchrt interessante Dissonanzen mit sich, was zum Text passt: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eWhen endings come we fall to pieces\u201c</span>, ach. Wie anders doch das vordergr\u00fcndig beschwingt h\u00fcpfende \u201eThe Loneliest Number\u201c, das mit einer \u00fcberraschend guten Mischung aus RIO/Avant und Pop wie eine Reinkarnation von <span class=\"musik-review-bandname\">Thinking Plague</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Eatliz</span> zugleich klingt, w\u00e4hrend sich die Melodie immer weiter verknotet und schlie\u00dflich in einem Streichersolo ausklingt. \u201eKeep The Lights On\u201c lebt schlie\u00dflich von seinem seltsam schleppenden Schlagzeugspiel.</p>\n<p>Auch Folkrock (\u201eAlong The Banks\u201c) und New Artrock (\u201eThis Paradise\u201c) sind den Musikern offenkundig nicht fremd. Was ist das hier also f\u00fcr eine Schublade, in die man das Album gern stecken m\u00f6chte? Wie so oft: Keine. Allenfalls Vergleiche (ich h\u00f6re unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Evangelista</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Zola Jesus</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">broken.heart.collector</span> und alles, was traurig macht) bieten sich an und tun <span class=\"musik-review-bandname\">Jeremy Flower</span> dennoch Unrecht.</p>\n<p>\u201eThe Real Me\u201c \u2013 nichts f\u00fcr die fr\u00f6hliche Autofahrt. Das ist durchaus etwas Gutes.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> \u201eThe Real Me\u201c gibt es auf <a href="\&quot;http://jeremyflower.bandcamp.com/album/the-real-me\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> zum Stream und Kauf.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/shamblemaths.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_shamblemaths.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Shamblemaths</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eUproarious rumpus! Bloody racket!\u201c</span> (Conglomeration (or: The Grand Pathetic Suite))\n<p>Vor zehn Jahren, um das Jahr 2006 herum, ver\u00f6ffentlichte das kurzlebige Duo <span class=\"musik-review-bandname\">Fallen Fowl</span>, bestehend aus den norwegischen Musikern <span class=\"musik-review-bandname\">Simen \u00c5dn\u00f8y Ellingsen</span> (Gitarren, Saxophon, Gesang) und <span class=\"musik-review-bandname\">Eirik Mathias Husum</span> (Bass), unterst\u00fctzt von vier Gastmusikern ein paar Demoaufnahmen sowie den/die/das EP \u201eDo They Love You Now?\u201c. Ersterer beschloss anschlie\u00dfend, stattdessen in London einen richtigen Beruf zu erlernen, und hat inzwischen in Quantenphysik und Politikwissenschaften (Fachgebiet: Terrorismus mit Kernwaffen) promoviert, was erst mal wahlweise erschreckend oder unglaublich lustig klingt, w\u00e4hrend sein Kollege in diversen Bands spielte.</p>\n<p>Offensichtlich hatten sie aber noch etwas zu sagen. Erfreulicherweise haben sich die beiden nun wieder zusammengetan, um gemeinsam mit neun Gastmusikern, zus\u00e4tzlichen Instrumenten und unter neuem Namen, der zumindest eine Wissenschaftsreferenz beinhaltet, das Vers\u00e4umte nachzuholen; leider mit einem grauenhaften Cover im Stil alter Sowjetkampfplakate, auf dem ein Lastkraftwagen zu sehen ist, der ein sowjetisches Flugzeugwrack (das ist doch ein Flugzeugwrack?) transportiert. Was auch immer die beiden Herren uns damit sagen wollen \u2013 nicht jedes R\u00e4tsel hat eine schnelle L\u00f6sung.</p>\n<p>Enthalten sind drei St\u00fccke in 54 Minuten, was, um die Band selbst zu zitieren, schon stark auf Prog hindeutet. Den Anfang macht \u201eConglomeration (or: The Grand Pathetic Suite)\u201c, das tats\u00e4chlich pathetisch ist. Zu Beginn gibt es jauchzenden Keyboard-Zeuhl mit Canterbury- und <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle-Giant</span>-Einfl\u00fcssen auf die Ohren. Der namenlose Ersteller der <a href="\&quot;http://www.shamblemaths.com/newCD.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandwebsite</a> merkt dazu an:</p>\n<blockquote><p>Z\u00fcgellose Anglophilie zeigt sich in den skurrilen Texten, die, vielleicht schlecht beraten, nicht \u00fcber ein oder zwei Wortspiele hinausgehen.</p></blockquote>\n<p>H\u00f6h\u00f6; und weiter, der zweite Teil des St\u00fccks, \u201eYour Silly Stare\u201c, beginnt: <span class=\"musik-review-bandname\">Faith No More</span>, dann etwas krummtaktiger RIO/Avant, \u00fcbergehend in von viel Gebl\u00e4se befeuerten Jazzrock (\u201eA Mockery in the Making\u201c), dazu eine irrlichternde Gitarre, dann wieder die gute, alte Orgel \u2013 und das waren nur die ersten sieben Minuten. Zwischendurch bedient man sich schamlos, aber nicht ohne offensichtlichen Hinweis, bei Jethro Tull und Ian Anderson: \u201eSaucy Tiara Woman!\u201c. Immer noch im gleichen St\u00fcck kommt auch experimentierfreudiger Spacerock zu Wort, pl\u00f6tzlich etwas <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span>, dann wieder Orgel-Canterbury wie einst bei <span class=\"musik-review-bandname\">Egg</span>. Das ist nichts f\u00fcr Leute, die ihre Musik gern \u00fcbersichtlich und schlicht m\u00f6gen. Zum Gl\u00fcck bin ich heute in der richtigen Stimmung daf\u00fcr.</p>\n<p>Es ist noch nicht vorbei! \u201eA Failing Ember\u201c: Mit <em>nur</em> fast neuneinhalb Minuten L\u00e4nge ist das fast radiotauglich; nein, <em>nicht ganz</em>, zu unterschiedlich sind die Stimmungen. Nach einer Einleitung mit Akustikgitarre im Stile <span class=\"musik-review-bandname\">Jethro Tulls</span> \u00fcbernimmt ein eigenartig entr\u00fcckter sinfonischer Folkrock mit leichtem schottischem Akzent, mittig aufgelockert durch elektronisches Fiepen, das einen Progressive-Metal-Zwischenteil einleitet, der nicht lange genug dauert, um anstrengend zu sein, gefolgt von griechischer Folklore und abermals <span class=\"musik-review-bandname\">Jethro Tull</span>, die diesmal ein bisschen zu viel vom Kraut genascht zu haben scheinen. Ein ruhiger Moment \u2013 es spricht ein S\u00e4ugling zu getragenen, aber <em>sehr schr\u00e4gen</em> Kl\u00e4ngen, woraufhin die Band sich an AOR versucht und selbst das erfreulich gut hinbekommt.</p>\n<p>F\u00fcr das letzte, wiederum fast zwanzigmin\u00fctige St\u00fcck \u201eStalker\u201c schlie\u00dflich, dessen Entstehung noch auf <span class=\"musik-review-bandname\">TiaC</span> (offenbar eine Abk\u00fcrzung f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">There is a Crowd</span>), das Quintett, aus dem <span class=\"musik-review-bandname\">Fallen Fowl</span> einst hervorgegangen waren und das zwischen 2002 und 2005 bestand, zur\u00fcckgeht, das jedoch zuvor nie aufgenommen worden war, ist mit dem Gitarristen <span class=\"musik-review-bandname\">Jan R\u00f8e</span> ein ehemaliger Bandkollege aus der Verschollenheit zur\u00fcckgekehrt. Was gibt\u2019s zu h\u00f6ren? \u201eDie hei\u00df ersehnte Stille\u201c, verspricht die Bandwebsite, aber vorher ein wenig Liedermachertum, das beinahe in den Pop hineinreicht, aber rechtzeitig von h\u00fcbsch dissonantem Indie-Rock unterbrochen wird (<span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> werden schmerzlich vermisst), den Hardrock mit Saxophon (Saxophon!) abl\u00f6st, der sich langsam wieder etwas beruhigt, um wieder Platz zu machen f\u00fcr breitformatige Klangfl\u00e4chen, die nur die Ruhe vor dem Sturm sind, denn wiederum sp\u00e4ter gibt es auch ein Wiederh\u00f6ren mit den wilden Canterbury-Eskapaden und bl\u00e4sergetragenem RIO/Avant, mit dem das St\u00fcck und damit das Album schlie\u00dflich ausklingt.</p>\n<p>Boah.</p>\n<p>Mindestens aus des Frickelfreundes Sicht ist \u201eShamblemaths\u201c schon jetzt ein Anw\u00e4rter auf das Album des Jahres 2016. So 70er war der Progressive Rock schon lange nicht mehr.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Die Quellen sind rar ges\u00e4t, aber Streaminganbieter wie <a href="\&quot;http://listen.tidal.com/artist/7647933\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> wissen Rat.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/april-fishes-carpe-d-or.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_april-fishes-carpe-d-or.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">april fishes \u2013 Carpe d\u2019Or</span>\n<p>Wer nennt sich denn bitte \u201eAprilfische\u201c? Das k\u00f6nnen ja nur Franzosen sein!</p>\n<p>Dabei klingen die vier Herren von Anfang an eher asiatisch; sofort bemerke ich das m\u00e4chtige Brummen, wie es mich schon bei <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">boris</span></a> begeisterte, das dann in einen dr\u00f6hnenden treibenden Rhythmus mit allerlei Knattern und Donnern \u00fcbergeht. Kein Gesang? Kein Gesang! Ich bin wahrlich kein Freund franz\u00f6sischer Sangeskunst, insofern ist das durchaus gut so. Gelegentliche Saxophonausbr\u00fcche schlagen die Br\u00fccke zu den guten alten <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span>, was <em>nebenbei</em> mit einer entsprechenden Stimmung einhergeht. Es geht thematisch wohl um die See, aber Seemannslieder sind das nun wirklich nicht. Seemannslieder sind auch erschreckend schei\u00dfe.</p>\n<p>Womit haben wir es also zu tun? Puh. Sind Journalisten anwesend? Sie w\u00fcrden es vermutlich Slowcore-Dronejazz nennen, vielleicht Postrock, vielleicht Avantgarde, und alles davon ist wahr. Das ist anstrengend, das braucht Zeit, aber es ist wundervoll. Doch, wirklich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> <a href="\&quot;https://www.amazon.de/Carpe-dor/dp/B01CZ9VWAU/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>. <a href="\&quot;http://tidal.com/album/58312926\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>. Wohl bekomm\u2019s.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/holy-esque-at-hopes-ravine.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_holy-esque-at-hopes-ravine.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Holy Esque \u2013 At Hope\u2019s Ravine</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Holy Esque</span> aus Glasgow machten schon einmal <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/06/holy-esque-strange/\&quot;" data-wpel-link="internal">meine Musik zum Wochenbeginn</a>, das dazu geh\u00f6rende Deb\u00fctalbum \u201eAt Hope\u2019s Ravine\u201c, erschienen im Februar dieses Jahres, habe ich euch aber bisher verschwiegen. Interessant verzerrte Gitarren, als h\u00e4tten <span class=\"musik-review-bandname\">Placebo</span> endlich mal ein Instrumentalalbum aufgenommen, treffen auf die einmalige Stimme von <span class=\"musik-review-bandname\">Pat Hynes</span> und <a href="\&quot;http://www.nicorola.de/holy-esque-a-hopes-ravine-review/\&quot;" data-wpel-link="internal">ergeben zusammen</a> \u2026</p>\n<blockquote><p>(\u2026) einen mitrei\u00dfenden Mix, der sich in etwa aus dem rauen Sound von <span class=\"musik-review-bandname\">The Pains Of Being Pure At Heart</span>, den verspielten Melodien von <span class=\"musik-review-bandname\">Bloc Party</span> und dem Pathos der <span class=\"musik-review-bandname\">Editors</span> zusammensetzt.</p></blockquote>\n<p><em>Nat\u00fcrlich</em> ist das im Wesentlichen <em>nur</em> gut gemachter Indie-Rock, aber mit einer derart besonderen und insbesondere gro\u00dfartigen eigenen Note, dass es wirklich schade w\u00e4re, \u201eAt Hope\u2019s Ravine\u201c nicht zumindest einmal geh\u00f6rt zu haben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Dr\u00fcben auf Nicorola gibt\u2019s eine Soundcloud-Liste mit dem kompletten Album, Ungeduldige k\u00f6nnen auch <a href="\&quot;https://www.amazon.de/At-Hopes-Ravine-Holy-Esque/dp/B01735NC4A/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> reinh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/combichrist-this-is-where-death-begins.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_combichrist-this-is-where-death-begins.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Combichrist \u2013 This is Where Death Begins</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eGive me a break / you give what you take\u201c</span> (Skullcrusher)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Combichrist</span> sah ich zum ersten und bisher einzigen Mal in meinem Leben im Jahr 2011 auf einem Festival, auf dem sie beinahe den einzigen musikalischen Lichtblick gegen\u00fcber den ebenfalls auftretenden <span class=\"musik-review-bandname\">Staubkind</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Mina Harker</span> und sonstiger M\u00e4dchenmusik darstellten. Fragt mich bitte nicht, was ich \u00fcberhaupt dort verloren hatte. Aus verschiedenen Gr\u00fcnden hatten sie danach bis heute meinen Blicken entzogen.</p>\n<p>Die vier Norweger sind keine typische Rockband; die Besetzung mit Gesang, Schlagzeug, Perkussion und Keyboards, zu denen sich nur live regelm\u00e4\u00dfig eine <em>richtige</em> Gitarre gesellt, zeigt, dass hier noch mehr Elektronik am Werk ist. <span class=\"musik-review-bandname\">Combichrist</span> haben wiederholte Erfahrungen als Vorgruppe von <span class=\"musik-review-bandname\">Rammstein</span> gesammelt und dort passen sie auch hin. Aggressiver Industrial beherrscht letztlich auch dieses Album.</p>\n<p>Dass die Texte und Musikvideos von <span class=\"musik-review-bandname\">Combichrist</span> noch immer mit Klischees spielen, es geht ja doch immer nur um den Sinn des Lebens und des Daseins, sei ihnen geg\u00f6nnt. Ernst nehmen sollte man solches nach der Pubert\u00e4t keinesfalls, denn sonst kauft man eine Waffe und bringt jemanden um. Nein, <span class=\"musik-review-bandname\">Combichrist</span> machen Musik zum Abreagieren, nicht zur allzu aufmerksamen Wahrnehmung. Es wird auf Felle gedroschen und zornesrot geschrien, selbst die Keyboards sind w\u00fctend. Aus der Perspektive des Genie\u00dfers ist das alles eine schreckliche Zumutung, aus der Perspektive eines einfachen, unvoreingenommenen H\u00f6rers jedoch ist \u201eThis is Where Death Begins\u201c nicht weniger als bemerkenswert, zumal es in den meisten St\u00fccken durchaus <em>ohrwurmtauglich</em> ist \u2013 ob man will oder nicht. Es muss ja nicht gleich die 3\u2011CD-Version sein.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Auf YouTube gibt es unter anderem Videos zu <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=FWCw0blnhN8\&quot;" data-wpel-link="internal">Skullcrusher</a> und <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=0tEUP7vDMbo\&quot;" data-wpel-link="internal">My Life My Rules</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/vaults-of-zin-kadath.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_vaults-of-zin-kadath.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span> <span class=\"musik-review-album-titel\">Vaults of Zin \u2013 Kadath</span>\n<p>Einen noch f\u00fcr\u2019n Weg.</p>\n<p>Im Jahr 2014 machte sich das texanische Quartett <span class=\"musik-review-bandname\">Vaults of Zin</span> daran, den Nachfolger zu ihrem 2011er Deb\u00fctalbum aufzunehmen. Warum es noch bis M\u00e4rz 2016 dauerte, bis die \u00d6ffentlichkeit daran teilhaben durfte, wei\u00df ich nicht, wenngleich das Absicht sein k\u00f6nnte, behauptet die Band doch selbst von sich, sie sei willens, die Grenzen der Improvisation in langen Phasen der Komposition zu erforschen. Das klingt mehr nach Phrasendrescherei als angebracht w\u00e4re, denn \u201eKadath\u201c l\u00f6st dieses Versprechen tats\u00e4chlich ein.</p>\n<p>Auch \u201eKadath\u201c hat mit f\u00fcnf St\u00fccken zwischen dreieinhalb und 22:03 Minuten Laufzeit das Progressive schon strukturell erfasst. Los geht\u2019s mit ausuferndem Gitarrenzeuhl (\u201eAmduat\u201c). Dass auch <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> (vgl. deren \u201eRed\u201c) und Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Ruins</span> den Musikern nicht unbekannt sind, l\u00e4sst sich nicht nur in \u201eMons Atanua\u201c, dessen Gitarrenriff ich schon mal <em>irgendwo geh\u00f6rt habe</em>, erkennen, aber da ist dann doch diese besondere Note, dieses Schwingen zwischen Jazzrock, Drones und Metal, die dem Ganzen quasi die Krone aufsetzt. Sch\u00f6ner flirrten in diesem Jahr noch keine B\u00e4sse. Das abschlie\u00dfende \u201eMoongate / Heart Girt with a Serpent\u201c, mithin das l\u00e4ngste St\u00fcck auf dem Album, ist zugleich auch das lauteste, nach einem sch\u00f6n <em>frickeligen</em>, spacerockigen Beginn schlie\u00dflich kippend in schleppenden Doom-Metal, der selbst einem alten Sch\u00f6ngeist wie mir ein Wohlgef\u00fchl anbietet, alles Growling zum Trotz. Das hier macht <em>G\u00e4nsehaut</em>, Leute, und das wahrlich nicht zum Schlechten.</p>\n<p>Dieses Album ist verr\u00fcckt. Ich mag Verr\u00fccktes.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Komplettstream und \u2011kauf gibt\u2019s auf <a href="\&quot;http://vaultsofzin.bandcamp.com/album/kadath\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n</ol>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Schlimmer Schrott.</span></p>\n<p>Die Guten ins T\u00f6pfchen, die Schlechten hierher. Ton aus und los.</p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">David Bowie \u2013 Blackstar</span><br>\nAngeh\u00f6rs dieses Albums ist <span class=\"musik-review-bandname\">David Bowie</span> wahrscheinlich nicht einfach gestorben, sondern <em>f\u00fcr immer eingeschlafen</em>. Was f\u00fcr eine schnarchlangweilige Popgr\u00fctze.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Hypno5e \u2013 Shores Of The Abstract Line</span><br>\nLaut <a href="\&quot;http://www.laut.de/Hypno5e/Alben/Shores-Of-The-Abstract-Line-98963\&quot;" data-wpel-link="internal">laut.de</a> der \u201eharsche Zwilling von <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span>\u201c, dessen Langeweile wird hier allerdings geradezu vorbildlich adaptiert.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Long Distance Calling \u2013 Trips</span><br>\nStadion-Hardrock trifft auf 80er-Keyboards. So \u201esch\u00f6n\u201c.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Heron Oblivion \u2013 Heron Oblivion</span><br>\nDie musikalische Begleitung zu einem langen, ausgedehnten Spaziergang durch Hannover.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Santana \u2013 Santana IV</span><br>\nIch wei\u00df nicht genau, wie Herr <span class=\"musik-review-bandname\">Santana</span> es schafft, auch <em>rockige</em> Teile seiner St\u00fccke zu B\u00fcgelbegleitmusik zu machen, aber er hat es tats\u00e4chlich auch diesmal wieder hinbekommen.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">LNZNDRF \u2013 LNZNDRF</span><br>\nMitglieder von <span class=\"musik-review-bandname\">The National</span> (sonst eigentlich ganz gut) und <span class=\"musik-review-bandname\">Beirut</span> (mir sonst unbekannt) versuchen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span> zu klingen, schaffen es aber doch nur zu einem m\u00fcden Aufguss von <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Everett</span>.</li>\n</ul>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Schnee von gestern.</span></p>\n<p>Zum Abschluss gibt es einen R\u00fcckblick in die letzten vierzig Jahre Musik und Gesellschaft. Vor vierzig Jahren hatten wir\u2019s erst 1976. F\u00fchlt ihr euch auch gerade so unangenehm gealtert wie ich? \u2013 Musik, Maestro:</p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span>\n<p>Mao stirbt, Schmidt wird wiedergew\u00e4hlt, die Todesstrafe in den USA wird wieder eingef\u00fchrt. Der Vogel des Jahres ist der Wiedehopf. Auch musikalisch erleben wir <span class=\"musik-review-hoerproben\">1976</span> als ein Jahr der Tode und der Neugeburten:</p>\n<p>Die US-amerikanische Symphonic-Prog-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Fireballet</span> beendet bereits mit ihrem zweiten Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Two, Too \u2026</span>, das gleichzeitig den wahrscheinlich bl\u00f6desten Namen und das garantiert bescheuertste Coverbild des Jahres trug, ihre eigene Karriere, was den bis dahin involvierten Musikern, im Vorjahr immerhin auch noch <span class=\"musik-review-bandname\">Ian McDonald</span>, allerdings keinen dauerhaften Schaden zuf\u00fcgt. Ihre britischen Kollegen von <span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span> drehen indes gerade erst so richtig auf, mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Moonmadness</span> erscheint im vierten Jahr in Folge ein beeindruckendes, atmosph\u00e4risches Album, das <em>im Internet</em> gern und vollkommen zu Recht \u201ewundersch\u00f6n\u201c genannt wird. Geschw\u00e4chelt wird erst in den Folgejahren, das maue <span class=\"musik-review-album-titel\">Breathless</span> von 1978 zeigt die Zeichen der Zeit. Allein: <span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span> halten bis heute durch. Ebenfalls auch heute aktiv sind die zwischendurch immer mal wieder aufgel\u00f6sten <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span>, die sich mit den beiden \u00fcberragenden Alben <span class=\"musik-review-album-titel\">Still Life</span> und <span class=\"musik-review-album-titel\">World Record</span> \u2013 man war kreativ in jenen Tagen \u2013 ein letztes Mal aufb\u00e4umten, bevor die Gruppe erst den \u201eGenerator\u201c aus ihrem Namen strich und dann, nach einem letzten Studioalbum in neuer Besetzung (<span class=\"musik-review-album-titel\">The Quiet Zone / The Pleasure Dome</span>, 1977) und dem Livealbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Vital</span> (schon wieder 1978), nicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte vor\u00fcbergehend zerfiel.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span>\n<p>Jahre, die mit 6 enden, sind offensichtlich ungesund. Im Januar <span class=\"musik-review-hoerproben\">1986</span> f\u00e4llt die Challenger kaputt vom Himmel, drei Monate sp\u00e4ter l\u00e4sst ein Schichtleiter in der USSR ein Atomkraftwerk \u00fcberlasten, was bis heute den Ruf der Kernkraft nicht zum Besseren beeinflusst.</p>\n<p>Mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Balance of Power</span> zerst\u00f6ren im gleichen Jahr <span class=\"musik-review-bandname\">Electric Light Orchestra</span> ihren Ruf mit klebriger Popmusik, bevor auch sie f\u00fcnfzehn Jahre lang von der B\u00fchne verschwinden. Ebenso ist f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> bald Schluss mit lustig: Nach <span class=\"musik-review-album-titel\">Invisible Touch</span>, das man bittesch\u00f6n nie wieder auch nur auszugsweise \u00f6ffentlich auff\u00fchren soll, macht <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> erst mal ein paar Jahre lang bl\u00f6de Dudelmusik unter seinem eigenen Namen. <em>Ist der Ruf erst ruiniert\u2026</em> Die anschlie\u00dfende Reunion f\u00fcr das ebenso scheu\u00dfliche <span class=\"musik-review-album-titel\">We Can\u2019t Dance</span> (1991) h\u00e4tte es wirklich nicht gebraucht. Was es allerdings durchaus gebraucht hat, war, dass einer ganz anderen Band der Radiopop allm\u00e4hlich schnurzpiepegal wurde: <span class=\"musik-review-album-titel\">The Colour of Spring</span> markiert 1986 den Wendepunkt in der Karriere der einstigen Popkapelle <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span>, deren Musik immer sperriger, immer ausladender und zugleich immer intimer wurde, bis die ganze Band eines Tages zu existieren aufh\u00f6rte. Ihr S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Hollis</span> l\u00e4sst seitdem nur gelegentlich von sich h\u00f6ren, zuletzt immerhin <a href="\&quot;http://pitchfork.com/news/47680-talk-talks-mark-hollis-resurfaces-with-new-music-for-the-kelsey-grammer-tv-show-boss/\&quot;" data-wpel-link="internal">2012</a>. Auch ein anderer S\u00e4nger meldet sich zur gleichen Zeit mit Ungewohntem zur\u00fcck: <span class=\"musik-review-bandname\">Rio Reiser</span> versucht sich nach der finanziell wohl notwendigen Aufl\u00f6sung von <span class=\"musik-review-bandname\">Ton Steine Scherben</span> im Vorjahr auf <span class=\"musik-review-album-titel\">Rio I.</span> als Solok\u00fcnstler, wobei St\u00fccke wie \u201eK\u00f6nig von Deutschland\u201c und \u201eJunimond\u201c, die ja irgendwie auch <em>niemand</em> mehr so richtig gut ertragen kann, eigentlich im Bandkontext h\u00e4tten ver\u00f6ffentlicht werden sollen; Ersteres war bereits 1976 Teil des <span class=\"musik-review-bandname\">Scherben</span>-Repertoires. Ebenfalls etwas Neues probiert die fr\u00fchere Punkband <span class=\"musik-review-bandname\">Beastie Boys</span> aus, die mit ihrem Deb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Licensed to Ill</span> einen Hip-Hop-Klassiker ver\u00f6ffentlicht, der nicht folgenlos (Ruhm, Reichtum, Coverversionen noch und n\u00f6cher) bleiben sollte.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">1996</span> wird Deutschland zum dritten und bisher letzten Mal Europameister im Herrenfu\u00dfball. Ich sah damals zum ersten Mal ein Fu\u00dfballspiel auf einer <em>richtigen</em> Leinwand in einer Scheune und verstand schon damals nicht, wor\u00fcber sich alle so freuen.</p>\n<p>Zur Freude gibt 1996 auch musikalisch kaum einen Anlass: <span class=\"musik-review-bandname\">Tic Tac Toe</span> gehen diesem armen gebeutelten Land mit ihrem Deb\u00fctalbum (kackdoofer Titel: <span class=\"musik-review-album-titel\">Tic Tac Toe</span>) auf die Nerven, <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. President</span> sind mit der Single \u201eCoco Jamboo\u201c und dem dazu bedr\u00fcckend gut passenden Album <span class=\"musik-review-album-titel\">We See the Same Sun</span> im Weg. Zwischen Retro- und Neoprog ver\u00f6ffentlichen gleichfalls diverse Bands ihre Deb\u00fctalben ohne anst\u00e4ndigen Titel, darunter <span class=\"musik-review-bandname\">Quidam</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Somnambulist</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Spektakel</span>, deren gleichnamiges Album allerdings bereits 1974 aufgenommen worden war. Plattenfirmen waren damals wohl einfach nicht so schnell. Auch der bereits 1993 verstorbene <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span> \u2013 der Tag, an dem ich <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span> verstehe, wird sicherlich kommen \u2013 \u201ever\u00f6ffentlicht\u201c mit dem bereits zwei Dekaden zuvor <em>eigentlich</em> fertigen <span class=\"musik-review-album-titel\">L\u00e4ther</span> eines seiner wohl unwidersprochen besten Alben, konnte sich dar\u00fcber aber nicht mehr so richtig freuen. Ob <span class=\"musik-review-bandname\">Tortoise</span>, die f\u00fcr ihr zweites Studioalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Millions now living will never die</span> den damals ehemaligen <span class=\"musik-review-bandname\">Slint</span>-Gitarristen <span class=\"musik-review-bandname\">David Pajo</span> als Ersatz f\u00fcr den ausgestiegenen <span class=\"musik-review-bandname\">Bundy K. Brown</span> verpflichten konnten, mit dem Titel des Albums Recht behalten sollten, wird sich m\u00f6glicherweise allerdings noch erweisen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span>\n<p>Als unsterblich gelten heute allerdings ganz andere Herren: <span class=\"musik-review-hoerproben\">2006</span> fanden zugleich der sehr lange 250. Geburtstag von <span class=\"musik-review-bandname\">Wolfgang Amadeus Mozart</span> und der 150. Todestag von <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Schumann</span> statt. Wahrlich, wie <em>man</em> so sagt, <em>gro\u00dfe Fu\u00dfstapfen</em>.</p>\n<p>In die <span class=\"musik-review-bandname\">Amy Winehouse</span> nie so ganz hineinpasste: <span class=\"musik-review-album-titel\">Back to Black</span> sollte ihr letztes Album bleiben, es folgten aufbrandender Erfolg, Alkohol und Tod. Bis heute das letzte Album ver\u00f6ffentlichen im gleichen Jahr auch <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">10,000 Days</span>, ein erst 2015 f\u00fcr \u00fcberstanden erkl\u00e4rter Rechtsstreit verhindert bis heute die Ver\u00f6ffentlichung des l\u00e4ngst angek\u00fcndigten Nachfolgealbums, obwohl, wie man so h\u00f6rt, es jetzt tats\u00e4chlich nicht mehr allzu lange dauern soll. <span class=\"musik-review-bandname\">The Mars Volta</span> hingegen existieren inzwischen gar nicht mehr, was ich bedaure, denn mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Amputechture</span>, dem Nachfolgealbum des von mir gesch\u00e4tzten, \u00e4hnlich \u00fcberdrehten <span class=\"musik-review-album-titel\">Frances the Mute</span>, erscheint auch 2006 wieder eines ihrer Alben, die ich Jahre sp\u00e4ter langsam zu m\u00f6gen begann. Ganz woanders zu verorten sind <span class=\"musik-review-bandname\">Katatonia</span>, deren <span class=\"musik-review-album-titel\">The Great Cold Distance</span>, gef\u00fcllt mit einer zumindest bemerkenswerten Mischung aus Gothic und Progressive Metal, einen f\u00fcr dieses Jahr recht passenden Namen tr\u00e4gt.</p></li>\n</ul>\n<p>Damit ist das Halbjahr auch musikalisch endlich vorbei; aber verzagt nicht, die Liste f\u00fcr das zweite Halbjahr f\u00fcllt sich unaufh\u00f6rlich und es sind bereits jetzt einige feine Perlen dabei. Das wird noch ein wundervolles restliches Jahr f\u00fcr uns Musikfreunde. N\u00e4heres zu gegebener Zeit.</p>\n<p>Danke f\u00fcr die Aufmerksamkeit!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2018 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">28. Juni 2018</a> dies: [\u2026] Sommer 2016 tauchte erstmals die bizarre Hamburger Musikgruppe Neurosenbl\u00fcte in meinem Wahrnehmungsfeld auf. [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/7c6eea4834674ee8931794bca32d6a4a\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 16 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickEs ist ein halbes Jahr vorbei, und schon der Disziplin (eine sonst \u00fcbersch\u00e4tzte Tugend) wegen wird es daher Zeit, einmal die ersten sechs Monate der musikalischen Neuerscheinungen \u2013 all jene also, derer ich bis Ende Juni habhaft werden konnte \u2013 Revue passieren zu lassen, wohl wissend, dass all das von vornherein von vielen Toden und mittlerweile auch der Aufl\u00f6sung von Beardfish \u00fcberschattet wird.\nIn diesem f\u00fcr die Musik doch eher merkw\u00fcrdigen Jahr gibt es auch gute Neuigkeiten: Beak&gt; drohte es nicht mehr zu geben, aber Ende M\u00e4rz wurde eine Neubesetzung angek\u00fcndigt. Das zwischendurch erschienene Album \u201eCouple in a Hole\u201c, im Wesentlichen eine Skizzensammlung und deshalb hier nicht interessant, ist jedenfalls noch im alten Miteinander aufgenommen worden. Keinesfalls gesonderte Erw\u00e4hnung finden hier auch die bereits anderweitig empfohlenen neuen Alben von Kula Shaker und Karokh, die allerdings weiterhin uneingeschr\u00e4nkt h\u00f6renswert sind.\nIm Juni zweifelte Dirk Peitz auf \u201eZEIT ONLINE\u201c daran, dass es eine gute Idee sei, Konzertbesucher per Beschluss davon abzuhalten, das Konzert nur durch ihre Smartphonebildschirme wahrzunehmen. M\u00f6ge Dirk Peitz sich weiterhin mit seichter Popmusik herumschlagen, die ein fragw\u00fcrdiges Klientel anlockt! Euch ist derweil viel Spa\u00df mit folgenden Glanzst\u00fccken zu w\u00fcnschen:\n1. Super-Scheiben.\n\n Neurosenbl\u00fcte \u2013 ganz frisch\n\u201eEs ist und ist und ist einfach / und ist und ist.\u201c (Immer dieses Jetzt)\nEndlich mal eine Rezension, die sich sozusagen von allein schreibt!\nAuf der Mailingliste \u201eprogrock-dt\u201c k\u00fcndigte die Hamburger Band Neurosenbl\u00fcte \u2013 allein der Name schon! \u2013 ihr diesj\u00e4hriges Minialbum \u201eganz frisch\u201c wie folgt an:\nWas drin ist:\n\u2011Acht Titel mit einer Gesamtspielzeit von ca. 30 Minuten\n\u2011Front- und Backcover zum Selberbasteln (oder \u2011backen)\n\u2011Texte mit Verstand\n\u2011Texte ohne Verstand\n\u2011Takte zum Kopfrechnen\n\u2011Ganzton\u2011, Zw\u00f6lftonzeug\n\u2011langweiliges, normales Dur/Moll-Zeug\n\u2011Dinge, die klingen wie Verspieler\n\u2011echte Verspieler\nDas kann ich ruhigen Gewissens so stehen lassen. Ich h\u00f6re Krautrock und vor allem viel King Crimson. Die Herren haben noch Gro\u00dfes vor sich, wie mir scheint. Ich w\u00fcnsche viel Erfolg.\nReinh\u00f6ren: Auf Bandcamp.com l\u00e4sst sich \u201eganz frisch\u201c anh\u00f6ren und \u2013 leider nur als Download \u2013 kaufen.\n DeWolff \u2013 Roux-Ga-Roux\nDeWolff \u2013 der Leser m\u00f6ge sich erinnern \u2013 ist ein immer noch junges Trio, dessen Mitglieder gegenw\u00e4rtig noch immer weit von ihren 30ern entfernt sind und dem man ein fehlendes Profil schon jetzt nicht attestieren kann:\nDie Musiker selbst bezeichnen ihren Stil als \u201epsychedelischen, elektrifizierten, fuzzgetr\u00e4nkten, ekstatischen, hart groovenden Space-Rock\u2011n\u2019-Roll\u201d.\nNun also gibt es nicht nur ein neues Livealbum namens \u201eLive &amp; Outta Sight\u201c, sondern auch ein neues Studioalbum: \u201eRoux-Ga-Roux\u201c.\nEin roux-ga-roux oder rougarou ist, so teilt\u2019s die Wikipedia mit, ist ein Blut saugendes Fabelwesen aus indianischer Folklore, das irgendwie mit dem Werwolf zusammenh\u00e4ngt, womit man bei DeWolff ja eigentlich auch h\u00e4tte rechnen k\u00f6nnen. Die \u201eVISIONS\u201c nennt Teile des Albums versumpft und meint das wahrscheinlich positiv.\nZu tun haben wir\u2019s hier allerdings nicht mit Sumpfmusik, sondern mit feinstem Bluesrock, die Rede ist von Deep Purple und Led Zeppelin als Anhaltspunkte und das ist nicht mal besonders falsch. Die psychedelische Spielrichtung des Bluesrocks, wie sie in den 1970ern popul\u00e4r war, findet in DeWolff nach wie vor einen willkommenen F\u00fcrsprecher. Ich bin willens, hier und da auch etwas von Hendrix und ein bisschen von den Doors anklingen zu h\u00f6ren, und bin restlos begeistert. Starke Scheibe, wie man auf Neudeutsch sagt.\nReinh\u00f6ren: Auf YouTube gibt es ein thematisch passendes Video zu \u201eSugar Moon\u201c, Amazon.de hat halbmin\u00fctige Schnipsel zum Rest des Albums im Portfolio.\n Jupiter Jones \u2013 Br\u00fcllende Fahnen\n\u201eFlimmernde Pupillen werfen Chaos zur\u00fcck\u201c (Lauf.Forrest.Lauf!)\nJupiter Jones? Hier? Aber ja! Glaubt mir: ich bin mindestens so entsetzt wie ihr.\nDabei ist die meiste Musik solcher Deutschrockbands vor allem wegen des S\u00e4ngers schaurig, ein ungeeigneter S\u00e4nger (zum Beispiel Phil Collins) kann selbst die theoretisch beste Band zu einem j\u00e4mmerlichen H\u00e4uflein Popmusikanten degenerieren. Jupiter Jones sind mir insofern vielleicht auch deshalb zum ersten Mal positiv aufgefallen, weil sie f\u00fcr \u201eBr\u00fcllende Fahnen\u201c mit ihrem neuen S\u00e4nger Sven Lauer zusammengearbeitet haben, der hier selbst f\u00fcr meine gequ\u00e4lten Ohren ungemein passend klingt.\nWas wird hier musikalisch dargeboten? Nun, neben dem wohl genrebedingten Liebeslied \u201e70 Siegel\u201c h\u00f6rt man eine interessante Mischung aus moderner Elektronik und erdigem Deutsch- und Indierock, als h\u00e4tten die Musiker neben, dies teilten sie dem Publikum jedenfalls mit, den Arctic Monkeys auch Die Goldenen Zitronen sowie The National zu ihren Musen erkoren. (Ich habe zumindest das jetzt nicht \u00fcberpr\u00fcft.)\nDie \u201eVISIONS\u201c spekulierte sichtlich befremdet, alte Fans h\u00e4tten an den Dissonanzen im Titelst\u00fcck vermutlich schwer zu knabbern, das Radiobegleitmagazin \u201emusikexpress\u201c ist naturgem\u00e4\u00df geradezu schockiert \u00fcber die Abkehr von der Art Musik, die einstmals \u201eFr\u00fchst\u00fccksfernsehzuschauern\u201c (ebd.) bekannt zu werden vermochte, mich indes begeistern die krummen Akzente. Dabei \u00fcbertreiben Jupiter Jones es nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig, zur Avantgarde mag\u2019s nicht reichen; allein: Wenn bew\u00e4hrter Gitarrenrock (noch so eine Assoziation: Die Toten Hosen, erfreulicherweise nicht textlich) auf nach vorn preschendes Schlagzeug trifft, nicht begleitet, sondern \u00fcbert\u00f6nt von einem geradezu absichtlich introvertiert wirkend singenden S\u00e4nger, und all das h\u00e4ufig so, dass man sich dann doch mal ans Mitz\u00e4hlen der Takte macht, weil etwas merkw\u00fcrdig erscheint, dann funktioniert hier irgendwas richtiger als da, wo der \u201emusikexpress\u201c Jupiter Jones offensichtlich gern sehen w\u00fcrde.\n\u201eGrausam\u201c sei \u201eBr\u00fcllende Fahnen\u201c, da sich \u201ekein einziger Song mit Hitpotenzial\u201c darauf befinde, befand ein \u00fcberm\u00e4\u00dfig ungehaltener H\u00f6rer auf Amazon.de, und wenn wir uns nun alle einmal gemeinsam vor Augen f\u00fchren, wie Alben, auf denen \u201eSongs\u201c mit \u201eHitpotenzial\u201c zu h\u00f6ren sind, insgesamt so klingen (Phil Collins!), dann ist allein das f\u00fcnf Sterne wert.\nIch kaufe ja gern mal das Gegenteil.\nReinh\u00f6ren: Warum nicht mal auf TIDAL?\n De Staat \u2013 O\n\u201eI\u2019ve got 99 solutions but the blues got none.\u201c (Blues Is Dead)\nOh! De Staat, eine hocherfreuliche Combo aus einem hocherfreulichen Land, sind nach wie vor aktiv.\nEs beginnt wie einst ein grauenhaftes Album von ausgerechnet Muse mit seltsamen Instrumentalfanfaren, wird dann aber deutlich besser. \u201ePeptalk\u201c ist Selbstironie in Musikform. \u201eWe\u2019re gonna have some fun tonight, tonight\u201c, dargeboten in einer offensichtlich absichtlich schr\u00e4gen Gruppengesangsnummer. Seit \u201eSweatshop\u201c (\u201eMachinery\u201c, 2011) haben sie nichts verlernt.\nAnsonsten channeln De Staat mal Primus (\u201eMake The Call, Leave It All\u201c), mal die Pet Shop Boys, schwingen im Kosmos von Tanzpop (\u201eBaby\u201c), New Wave und Groove herum, ohne sich dabei in irgendwelche Grenzen zw\u00e4ngen zu lassen. \u201eBlues Is Dead\u201c ist eine Bluesrocknummer, die die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen (Gary Moore und so weiter) als bekannt voraussetzt, aber den besungenen Stil als endlich begraben deklariert: \u201eHip-hip hooray, the blues is dead\u201c. Hatte noch jemand angenommen, dass \u201eO\u201c eins der \u00fcblichen bierernsten Indie-Rock-Alben ist, so wei\u00df er es sp\u00e4testens jetzt besser; beziehungsweise:\nUnter den Dingen, die sich im De-Staat-Kosmos nicht ge\u00e4ndert haben, ist auch, dass die Holl\u00e4nder mit ihrer Mischung aus Pop-Appeal, Kunstanspruch, Ironie und hemmungsloser Beklopptheit nach wie vor v\u00f6llig unverwechselbar und eigenst\u00e4ndig sind.\nDen Witz mit der \u201erunden Sache\u201c haben schon zu viele Leute vor mir gemacht, was mir nat\u00fcrlich jetzt die Pointe ruiniert; und aber jedenfalls: \u201eO\u201c? O ja!\nReinh\u00f6ren: Amazon hat Halbmin\u00fcter, zu \u201eMake The Call, Leave It All\u201c gibt es ein beknacktes Studio- und zu \u201eGet On Screen\u201c ein minder weniger beknacktes Livevideo. Viel Vergn\u00fcgen.\n Daevid Allen Weird Quartet \u2013 Elevenses \nDie, so behauptet es ein Hinweis auf der CD-Umh\u00fcllung, \u201eletzten Aufnahmen\u201c des verstorbenen Daevid Allen, einst Mitgr\u00fcnder von Gong, die erfreulicherweise weiterhin existieren, und Soft Machine sowie letztes Urmitglied der Erstgenannten, fanden nicht zusammen mit dem Rest einer dieser beiden Bands statt, sondern in einem Quartett, das sich immerhin standesgem\u00e4\u00df das Daevid Allen Weird Quartet nennt.\nNun ist die Vermutung, es handele sich tats\u00e4chlich um Herrn Allens \u201eletzte\u201c Aufnahmen, nicht nur geringf\u00fcgig falsch, sondern trotz der vermutlich starken Vermarktungswirkung fernab der Tatsachen, sind doch seine Beitr\u00e4ge zum Album, wie das Internet wei\u00df, zwischen 2006 und 2008 und somit mindestens drei Jahre vor seinem tats\u00e4chlich letzten Album, \u201esoundbites 4 tha reVelation 2012\u201c, entstanden. Auch das Quartett selbst ist eigentlich nicht neu, es nahm noch vor 2006 unter dem Namen Weird Biscuit Teatime \u2013 auch hier eine Anspielung auf das 70-er-Werk von Gong \u2013 bereits \u201eDJDDAY\u201c, ein krautiges Space-Rock-Album, auf und \u00e4nderte seinen Namen erst f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung dieses Albums, nachdem Daevid Allen, der zuvor dem fast fertigen Album seine Zustimmung gegeben hatte, gestorben war, weil die Plattenfirma das gern so haben wollte. Klar: Daevid Allen kennt man, aber wer war noch mal Don Falcone? Wenn es nicht gerade merkw\u00fcrdige Namen tr\u00e4gt, nennt sich das \u201eKollektiv\u201c allerdings Spirits Burning, umfasst auch schon mal Mitglieder von Hawkwind und l\u00e4dt Steven Wilson, Nic Potter und weitere Gr\u00f6\u00dfen des Progressive Rocks zum Spielen ein. Weird.\nSo weit zum Schlechten, denn das alles allerdings ist Schall und Rauch, insbesondere des Wortspiels wegen: \u201eElevenses\u201c ist pure Kraut- und Drogenmusik, psychedelisch im besten Sinne und obendrein derma\u00dfen gespickt mit der guten alten Hippieorgel, dass man sich beim H\u00f6ren beinahe wieder jung (und bekifft) f\u00fchlt. Musikalisch hat Daevid Allen 1970 seit seiner Ankunft nie verlassen.\nBereits das zweite St\u00fcck \u201eImagicknation\u201c wirkt wie direkt einem der fr\u00fchen Space-/Krautrockalben entnommen, der Geist von Can, Amon D\u00fc\u00fcl (II) und eben Gong weht durch jede der fast vier Minuten, \u201eGrasshopping\u201c ist ein instrumentaler Trip durch eine sehr bunte Tropenwelt \u2013 oder vielleicht doch Gras? \u2013 und auch \u201eGod\u2019s New Deal\u201c, bis dato nur als eins der vielen Gedichte Daevid Allens bekannt, atmet in seiner bemerkenswerten Zusammensetzung aus Zirkusmusik, Folk und beatlesquem Psychedelic Rock die Aura der Blumenkinder ein.\nL\u00e4sst man einmal die zumindest ungl\u00fcckliche Vermarktung au\u00dfer Acht, ist \u201eElevenses\u201c, was Alben von und mit Daevid Allen schon immer ausgezeichnet hat: Freakig im besten Sinne, drogenschwanger, farbenfroh und nie auch nur nahe dem Ernst; wohl auch, weil 2008 sein Krebstod noch nicht absehbar war. \u201eElevenses\u201c als sein Verm\u00e4chtnis zu bezeichnen w\u00e4re sicherlich nicht in seinem Sinne gewesen. Ich schlage daher vor, es als das zu betrachten, was es eigentlich ist: Ein durchaus beachtliches Psychedelic-Rock-Album aus dem \u2013 wie treffend \u2013 Allen\u2019schen Klangkosmos f\u00fcr jeden, der Gong und alles aus deren musikalischem Umfeld zu sch\u00e4tzen wei\u00df.\nReinh\u00f6ren: Es m\u00f6ge ein Verweis auf Amazons H\u00f6rproben vor\u00fcbergehend gen\u00fcgen.\n Hawkwind \u2013 The Machine Stops\n\u201eThe secret lies within us / deep inside the human mind\u201c (King of the World)\nApropos Hawkwind.\nIm Dezember 2015 starb Lemmy Kilmister, seines Zeichens nicht nur Gr\u00fcnder und Frontmann von Mot\u00f6rhead, Phil-Collins-Bewunderer und Bourbontrinker, sondern zur positiven Abwechslung zudem insgesamt vierter Bassist der Hardrockband Hawkwind von 1972 bis 1975, die mit nur einer Pause von wenigen Monaten Dauer seit 1969 sozusagen durchgehend aktiv ist und somit neben Pink Floyd und \u00e4hnlichen Gruppen aus jener Zeit zu den Pionieren des Spacerocks gez\u00e4hlt werden kann, wenn man das unbedingt m\u00f6chte.\nDass von der Urbesetzung von Hawkwind nur mehr Gitarrist/S\u00e4nger/Keyboarder Dave Brock \u00fcbrig ist, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird, macht \u201eThe Machine Stops\u201c trotz des klischeehaft schaurigen Coverbildes um so interessanter. Die Band selbst ist 2016 zu sechst, wobei Neuzugang Haz Wheaton lediglich in den letzten beiden St\u00fccken am Bass zu h\u00f6ren ist. Ansonsten servieren Hawkwind hier weitgehend bew\u00e4hrte Kost, allerdings auch mit bew\u00e4hrt hohem Standard und mit einem erw\u00e4hnenswerten Hintergrund: Es stand die gleichnamige Kurzgeschichte des Erz\u00e4hlers Edward Morgan Forster von 1909 Pate, in der die Menschheit, deren s\u00e4mtliche Bed\u00fcrfnisse von einer riesigen Maschine befriedigt werden und deren Kommunikation bevorzugt \u00fcber \u201eSofortnachrichten\u201c stattfindet, nach ein paar unangenehmen Zwischenf\u00e4llen unterirdisch leben muss; diejenigen Menschen, die Zweifel an der Quasig\u00f6ttlichkeit der Maschine haben, gelten als Ausgesto\u00dfene und werden von ihren Mitmenschen entsprechend geringgesch\u00e4tzt. Inwiefern Edward Morgan Foster das Smartphonezeitalter damit vorhergesehen hat, f\u00fcllt sicherlich so manchen wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Aufsatz, soll allerdings auch gar nicht das Thema dieser Rezension sein. Vielleicht nur dieser Gedanke: Vieles, was wir als Fiktion kennen, ist eigentlich gar keine.\nSo. Zur Musik.\nMit \u201eAll Hail the Machine\u201c geht es bereits stilecht los: Blubbernde Synthesizer leiten \u00fcber in einen technischen, hektisch flimmernden Rhythmus aus allerlei Verzerrtem, es spricht ein Erz\u00e4hler exaltiert von der Gro\u00dfartigkeit der Maschine \u2013 \u201eBlessed is the machine! Blessed is the machine!\u201c -, bis schlie\u00dflich viele Stimmen durcheinander rufen: \u201eAll hail the machine!\u201c Der H\u00f6rer wei\u00df so auch ohne Kenntnis von der Kurzgeschichte, worum es wohl geht. Fein.\nWie es sich f\u00fcr ein anst\u00e4ndiges Konzeptalbum geh\u00f6rt, wird diese Einleitung mit dem ersten richtigen Lied, das den Namen \u201eThe Machine\u201c tr\u00e4gt, \u00fcberblendet. Neben dem knackigen Bass, hier von Jonathan Darbyshire, der sich gelegentlich Mr Dibs nennt, gespielt, f\u00e4llt mir ein musikalischer R\u00fcckgriff in den Postpunk der 1980-er Jahre auf, wenn auch etwas frischer klingend, dominiert vom Gitarrenspiel und Gesang Dave Brocks. Das Punkige legt die Band auf \u201eThe Machine Stops\u201c nie v\u00f6llig ab, selbst in \u201eSynchronized Blue\u201c, das die Wurzeln der Band in der psychedelischen Musik der sp\u00e4ten 1960-er Jahre noch einmal deutlich werden l\u00e4sst; auch das gro\u00dfartige \u201eKing of the World\u201c schl\u00e4gt in eine \u00e4hnliche Kerbe, angereichert mit den genre- und band\u00fcblichen elektronischen Effekten, die dem Lied eine entr\u00fcckte Atmosph\u00e4re verleihen. Zwei weitere Lieder sind eigentlich Soloaufnahmen zweier Bandmitglieder: \u201eHexagone\u201c, eher eine Spaceballade als ein Spacerockst\u00fcck, wird allein von Phillip Reeves alias Dead Fred, nebenberuflich Keyboarder bei Inner City Unit, intoniert und instrumentiert, das orientalisch anmutende \u201eThe Harmonic Hall\u201c von Niall Hone (sonst Gesang, Keyboards und Synthesizer).\nIhr merkt es vielleicht schon: \u201eThe Machine Stops\u201c macht Spa\u00df, weil es nur selten in Spacerockklischees versinkt, dann aber immer so, dass man es f\u00fcr Selbstironie halten k\u00f6nnte. Es sind die kleinen Details, die es zu einem sehr angenehmen Erlebnis machen. Nat\u00fcrlich agieren Hawkwind hier weit von dem Spacerock entfernt, den zum Beispiel Gong (hatten wir ja gerade) oder Pink Floyd in ihren besten Zeiten gemacht haben, aber genau das ist es, was diesem Jahr noch gefehlt hat.\nEs m\u00f6ge die Maschine Hawkwind noch lange nicht angehalten werden!\nReinh\u00f6ren: Wie w\u00e4re es mit TIDAL? Ansonsten hilft Amazon.de gern weiter.\n Tonbruket \u2013 Forevergreens\nEinfach mal ein bisschen Instrumentaljazz zwischendurch. Wobei: Ist das noch Jazz?\nTonbruket, ein Quartett aus der Peripherie des auf bedauerliche Weise untergegangenen Esbj\u00f6rn Svensson Trios und der nicht \u00fcblen, aber ebenso aufgel\u00f6sten Indierockband The Soundtrack of Our Lives, allesamt aus dem herrlichen Schweden, spielen hier jedenfalls alles andere als blo\u00dfe Klassiker. Ignoriert das potth\u00e4ssliche Coverbild, es lenkt nur unn\u00f6tig ab.\nNach der gesprochenen spanischen Einleitung (\u201eIntro\u201c) wird zun\u00e4chst einmal die Erinnerung an den Flat Beat \u2013 wenn ihr den gerade nicht im Kopf habt, holt das blo\u00df nicht nach \u2013 geweckt. Tortoise und vergleichbare Bands lassen hier gr\u00fc\u00dfen: Ein merkw\u00fcrdig schleppender, verzerrter beat fr\u00e4st sich ins Ohr, um sogleich wieder zu verschwinden und Platz zu machen f\u00fcr Perkussion und Klavier, deren Spiel von bemerkenswerter Melancholie gepr\u00e4gt ist und die bis zum Ende von \u201eMano Sinistra\u201c, allm\u00e4hlich fordernder werdend, das Fundament f\u00fcr die Eskapaden der \u00fcbrigen Instrumente. Etwas ruhiger geht es im folkigen \u201eSinkadus\u201c, mit dem die norwegische Liedermacherin Ane Brun als Gast auf \u201eForevergreens\u201c ihren Einstand hat, zu. Mit \u201eTarantella\u201c, \u201eLinton\u201c und \u201eFirst Flight of a Newbird\u201c finden Tonbruket immer wieder zur elektronischen Tanzmusik, immer wieder klingt Artverwandtes wie von Jaga Jazzist und eben Tortoise an, ma\u00dfgeblich eigenst\u00e4ndig durch die dominante Klavierarbeit von Johan Lindstr\u00f6m und Martin Hederos, der ab und zu auch zu Akkordeon, zum ersten Mal h\u00f6rbar in \u201eSinkadus\u201c, und Geige greift.\n\u201eForevergreens\u201c ist eines dieser Alben, die offensichtlich unscheinbarer wirken als sie tats\u00e4chlich sind. Wenn ihr gegen ein wenig Jazz nichts einzuwenden habt, gebt ihm eine Chance.\nReinh\u00f6ren: Bei Amazon.de geht\u2019s hier ein paar Ausz\u00fcge, TIDAL hat den Rest.\n Joe Bonamassa \u2013 Blues of Desperation\n\u201eI keep searching this world / for someone to hold me\u201c (No good place for the lonely)\nWahrscheinlich ist es ein Zeichen meiner allm\u00e4hlichen Vergreisung, aber ich gebe zu: Dieses \u2013 schon wieder \u2013 Bluesrockalbum beeindruckt mich. Das k\u00f6nnte am K\u00fcnstler liegen. Nun f\u00e4llt diese Rezension ein wenig aus der gewohnten Reihe, denn ich mag eigentlich keinen Bluesrock, deshalb verzeihe man mir die Freude an vielleicht Gew\u00f6hnlichem. Die offensichtlich auf blo\u00dfen Tr\u00fcbsinn geschriebenen Texte, deren S\u00e4nger trotzdem Voraussetzung f\u00fcr ein angenehmes Klangerlebnis ist, sind oft zu wenig tiefsinnig, zu uninteressant. Irgendetwas hat dieses Album aber an sich, das bei mir das sprichw\u00f6rtliche Klick ausl\u00f6st.\nJoe Bonamassa entstammt einer aussterbenden Spezies, namentlich derjenigen der Gitarristen, die als Einzelmusiker schon positiv aufgenommen worden waren, bevor sie sich einer Band angeschlossen hatten, obwohl er zumindest mir erst mit den zwischenzeitlich aufgel\u00f6sten Black Country Communion zum ersten Mal aufgefallen ist. Gelegentlich ist zu lesen, sein Spiel erinnere oft an Eric Clapton, was trotz des subtilen Subtextes, dass es ihm demnach wohl an Originalit\u00e4t mangele, durchaus nicht die schlechteste Referenz ist. In seiner Solodiskografie findet man mehrfach eine Zusammenarbeit mit Beth Hart, die trotz ihrer Entdeckung in der Castingsendung \u201eStar Search\u201c sp\u00e4ter ernsthafte Musikerin wurde und, wie sich das f\u00fcr anst\u00e4ndige Musiker geh\u00f6rt, nach ihrem Drogenentzug in den letzten zehn Jahren unter anderem zusammen mit Jeff Beck aufgetreten war, und seit 2008 ganze zehn Livealben beziehungsweise \u2011videos. Der Mann ist gern unterwegs, wie mir scheint.\nJetzt also \u201eBlues of Desperation\u201c, \u201eBlues der Verzweiflung\u201c. Gibt es denn auch anderen Blues? Von Verzweiflung ist freilich jedenfalls musikalisch nicht viel zu h\u00f6ren, daf\u00fcr feiner Bluesrock, dessen Rhythmusabteilung man vermutlich besser ausweichen sollte, denn sie gibt voll auf die Fresse. Vielleicht ist das im Bluesrock immer so. Die erste Verschnaufpause, das in der Tat claptonesque \u201eDrive\u201c, folgt direkt auf den ersten H\u00f6hepunkt, das kraftvolle \u201eMountain Climbing\u201c, das allein es wert w\u00e4re, dieses Album mal geh\u00f6rt zu haben. Ein \u00fcberragender Auftakt, der die Freude bis hin zum Ende des Albums festigt. Dass die Texte zu den erfreulichen Melodien nicht gerade zum Feiern einladen (\u201eBlood on my hands and there\u2019s holes in my jeans / you scrub all day but you never get them clean\u201c), ist eines dieser Dinge, die ich am Bluesrock wohl nie verstehen werde. Ich habe beschlossen, die Liedtexte von \u201eBlues of Desperation\u201c einfach einmal als schm\u00fcckendes Beiwerk und nicht als essenzielle Komponente zu betrachten, und trotzdem funktioniert es immer noch f\u00fcr mich.\nZugegeben: Bluesrock lebt stilistisch nicht gerade von Vielfalt und Abwechslung. Aber das muss er auch gar nicht. Der Etikettenschwindel sei verziehen: \u201eBlues of Desperation\u201c l\u00e4sst den H\u00f6rer nicht etwa verzweifelt, sondern v\u00f6llig aus dem H\u00e4uschen zur\u00fcck. Ich sollte offensichtlich mehr \u00fcber dieses Genre in Erfahrung bringen. Euch lege ich dieses Album bis dahin nahe. Es ist gut \u2013 und ich wei\u00df nicht, warum.\nReinh\u00f6ren: \u201eMountain Climbing\u201c auf YouTube. Mag ich.\n Jeremy Flower \u2013 The Real Me\n\u201eThe curtains start to close / and everybody knows\u201c (Longing in the Tooth)\nJeremy Flower (hei\u00dft wohl wirklich so) war bisher ein vergleichsweise unbeschriebenes Blatt auf dem weiten Feld der anspruchsvollen Musik mit Rockbezug und tobte sich eher im Klassik- und Jazzbereich aus. Mit \u201eThe Real Me\u201c f\u00fchrt er dem geneigten H\u00f6rer vor, wie schade das eigentlich ist.\nIn 14 St\u00fccken und etwa 70 Minuten, womit sich die Lieder \u201eeigentlich\u201c auf Radiol\u00e4nge halten, aber keinesfalls eine Chance haben, jemals im seichten Einheitsbrei aufzutauchen, brilliert Herr Flower (hei\u00dft wohl wirklich so) hier an Gitarre, Keyboards und Mikrofon, und das nicht einmal allein; an seiner Seite geigt und singt neben elf weiteren Musikern auch Carla Kihlstedt, die der geneigte H\u00f6rer von ihrer Zusammenarbeit mit respektive Mitgliedschaft in Bands wie den Stolen Babies, Sleepytime Gorilla Museum, The Book of Knots und so weiter und so fort kennt. Die Frau hat Referenzen und \u2013 dies steht au\u00dfer jeglichem Zweifel \u2013 singen kann sie richtig gut. Davon macht sie \u2013 abgesehen von \u201eLonging In The Tooth\u201c \u2013 hier auch reichlich Gebrauch. Ist das \u201ewahre Ich\u201c Jeremy Flowers (hei\u00dft wohl wirklich so) also eigentlich Carla Kihlstedt? Und: Ist das eigentlich von Belang?\n\u201eThe Real Me\u201c ist auf jeden Fall ein stimmungsvolles Album, es herrschen Melancholie und Schwermut. Das beginnt bereits im w\u00fctend-traurigen Titelst\u00fcck, das den H\u00f6rer mit entschlossenem Rhythmus heranzieht und gleichsam gefangen nimmt. Die dunkle Ballade \u201eTake\u201c, in denen sich Carla Kihlstedts Stimme in beeindruckende H\u00f6hen schraubt, f\u00fchrt interessante Dissonanzen mit sich, was zum Text passt: \u201eWhen endings come we fall to pieces\u201c, ach. Wie anders doch das vordergr\u00fcndig beschwingt h\u00fcpfende \u201eThe Loneliest Number\u201c, das mit einer \u00fcberraschend guten Mischung aus RIO/Avant und Pop wie eine Reinkarnation von Thinking Plague und Eatliz zugleich klingt, w\u00e4hrend sich die Melodie immer weiter verknotet und schlie\u00dflich in einem Streichersolo ausklingt. \u201eKeep The Lights On\u201c lebt schlie\u00dflich von seinem seltsam schleppenden Schlagzeugspiel.\nAuch Folkrock (\u201eAlong The Banks\u201c) und New Artrock (\u201eThis Paradise\u201c) sind den Musikern offenkundig nicht fremd. Was ist das hier also f\u00fcr eine Schublade, in die man das Album gern stecken m\u00f6chte? Wie so oft: Keine. Allenfalls Vergleiche (ich h\u00f6re unter anderem Evangelista, Nick Cave, Zola Jesus, broken.heart.collector und alles, was traurig macht) bieten sich an und tun Jeremy Flower dennoch Unrecht.\n\u201eThe Real Me\u201c \u2013 nichts f\u00fcr die fr\u00f6hliche Autofahrt. Das ist durchaus etwas Gutes.\nReinh\u00f6ren: \u201eThe Real Me\u201c gibt es auf Bandcamp.com zum Stream und Kauf.\n Shamblemaths\n\u201eUproarious rumpus! Bloody racket!\u201c (Conglomeration (or: The Grand Pathetic Suite))\nVor zehn Jahren, um das Jahr 2006 herum, ver\u00f6ffentlichte das kurzlebige Duo Fallen Fowl, bestehend aus den norwegischen Musikern Simen \u00c5dn\u00f8y Ellingsen (Gitarren, Saxophon, Gesang) und Eirik Mathias Husum (Bass), unterst\u00fctzt von vier Gastmusikern ein paar Demoaufnahmen sowie den/die/das EP \u201eDo They Love You Now?\u201c. Ersterer beschloss anschlie\u00dfend, stattdessen in London einen richtigen Beruf zu erlernen, und hat inzwischen in Quantenphysik und Politikwissenschaften (Fachgebiet: Terrorismus mit Kernwaffen) promoviert, was erst mal wahlweise erschreckend oder unglaublich lustig klingt, w\u00e4hrend sein Kollege in diversen Bands spielte.\nOffensichtlich hatten sie aber noch etwas zu sagen. Erfreulicherweise haben sich die beiden nun wieder zusammengetan, um gemeinsam mit neun Gastmusikern, zus\u00e4tzlichen Instrumenten und unter neuem Namen, der zumindest eine Wissenschaftsreferenz beinhaltet, das Vers\u00e4umte nachzuholen; leider mit einem grauenhaften Cover im Stil alter Sowjetkampfplakate, auf dem ein Lastkraftwagen zu sehen ist, der ein sowjetisches Flugzeugwrack (das ist doch ein Flugzeugwrack?) transportiert. Was auch immer die beiden Herren uns damit sagen wollen \u2013 nicht jedes R\u00e4tsel hat eine schnelle L\u00f6sung.\nEnthalten sind drei St\u00fccke in 54 Minuten, was, um die Band selbst zu zitieren, schon stark auf Prog hindeutet. Den Anfang macht \u201eConglomeration (or: The Grand Pathetic Suite)\u201c, das tats\u00e4chlich pathetisch ist. Zu Beginn gibt es jauchzenden Keyboard-Zeuhl mit Canterbury- und Gentle-Giant-Einfl\u00fcssen auf die Ohren. Der namenlose Ersteller der Bandwebsite merkt dazu an:\nZ\u00fcgellose Anglophilie zeigt sich in den skurrilen Texten, die, vielleicht schlecht beraten, nicht \u00fcber ein oder zwei Wortspiele hinausgehen.\nH\u00f6h\u00f6; und weiter, der zweite Teil des St\u00fccks, \u201eYour Silly Stare\u201c, beginnt: Faith No More, dann etwas krummtaktiger RIO/Avant, \u00fcbergehend in von viel Gebl\u00e4se befeuerten Jazzrock (\u201eA Mockery in the Making\u201c), dazu eine irrlichternde Gitarre, dann wieder die gute, alte Orgel \u2013 und das waren nur die ersten sieben Minuten. Zwischendurch bedient man sich schamlos, aber nicht ohne offensichtlichen Hinweis, bei Jethro Tull und Ian Anderson: \u201eSaucy Tiara Woman!\u201c. Immer noch im gleichen St\u00fcck kommt auch experimentierfreudiger Spacerock zu Wort, pl\u00f6tzlich etwas Primus, dann wieder Orgel-Canterbury wie einst bei Egg. Das ist nichts f\u00fcr Leute, die ihre Musik gern \u00fcbersichtlich und schlicht m\u00f6gen. Zum Gl\u00fcck bin ich heute in der richtigen Stimmung daf\u00fcr.\nEs ist noch nicht vorbei! \u201eA Failing Ember\u201c: Mit nur fast neuneinhalb Minuten L\u00e4nge ist das fast radiotauglich; nein, nicht ganz, zu unterschiedlich sind die Stimmungen. Nach einer Einleitung mit Akustikgitarre im Stile Jethro Tulls \u00fcbernimmt ein eigenartig entr\u00fcckter sinfonischer Folkrock mit leichtem schottischem Akzent, mittig aufgelockert durch elektronisches Fiepen, das einen Progressive-Metal-Zwischenteil einleitet, der nicht lange genug dauert, um anstrengend zu sein, gefolgt von griechischer Folklore und abermals Jethro Tull, die diesmal ein bisschen zu viel vom Kraut genascht zu haben scheinen. Ein ruhiger Moment \u2013 es spricht ein S\u00e4ugling zu getragenen, aber sehr schr\u00e4gen Kl\u00e4ngen, woraufhin die Band sich an AOR versucht und selbst das erfreulich gut hinbekommt.\nF\u00fcr das letzte, wiederum fast zwanzigmin\u00fctige St\u00fcck \u201eStalker\u201c schlie\u00dflich, dessen Entstehung noch auf TiaC (offenbar eine Abk\u00fcrzung f\u00fcr There is a Crowd), das Quintett, aus dem Fallen Fowl einst hervorgegangen waren und das zwischen 2002 und 2005 bestand, zur\u00fcckgeht, das jedoch zuvor nie aufgenommen worden war, ist mit dem Gitarristen Jan R\u00f8e ein ehemaliger Bandkollege aus der Verschollenheit zur\u00fcckgekehrt. Was gibt\u2019s zu h\u00f6ren? \u201eDie hei\u00df ersehnte Stille\u201c, verspricht die Bandwebsite, aber vorher ein wenig Liedermachertum, das beinahe in den Pop hineinreicht, aber rechtzeitig von h\u00fcbsch dissonantem Indie-Rock unterbrochen wird (Mr. Bungle werden schmerzlich vermisst), den Hardrock mit Saxophon (Saxophon!) abl\u00f6st, der sich langsam wieder etwas beruhigt, um wieder Platz zu machen f\u00fcr breitformatige Klangfl\u00e4chen, die nur die Ruhe vor dem Sturm sind, denn wiederum sp\u00e4ter gibt es auch ein Wiederh\u00f6ren mit den wilden Canterbury-Eskapaden und bl\u00e4sergetragenem RIO/Avant, mit dem das St\u00fcck und damit das Album schlie\u00dflich ausklingt.\nBoah.\nMindestens aus des Frickelfreundes Sicht ist \u201eShamblemaths\u201c schon jetzt ein Anw\u00e4rter auf das Album des Jahres 2016. So 70er war der Progressive Rock schon lange nicht mehr.\nReinh\u00f6ren: Die Quellen sind rar ges\u00e4t, aber Streaminganbieter wie TIDAL wissen Rat.\n april fishes \u2013 Carpe d\u2019Or\nWer nennt sich denn bitte \u201eAprilfische\u201c? Das k\u00f6nnen ja nur Franzosen sein!\nDabei klingen die vier Herren von Anfang an eher asiatisch; sofort bemerke ich das m\u00e4chtige Brummen, wie es mich schon bei boris begeisterte, das dann in einen dr\u00f6hnenden treibenden Rhythmus mit allerlei Knattern und Donnern \u00fcbergeht. Kein Gesang? Kein Gesang! Ich bin wahrlich kein Freund franz\u00f6sischer Sangeskunst, insofern ist das durchaus gut so. Gelegentliche Saxophonausbr\u00fcche schlagen die Br\u00fccke zu den guten alten Van der Graaf Generator, was nebenbei mit einer entsprechenden Stimmung einhergeht. Es geht thematisch wohl um die See, aber Seemannslieder sind das nun wirklich nicht. Seemannslieder sind auch erschreckend schei\u00dfe.\nWomit haben wir es also zu tun? Puh. Sind Journalisten anwesend? Sie w\u00fcrden es vermutlich Slowcore-Dronejazz nennen, vielleicht Postrock, vielleicht Avantgarde, und alles davon ist wahr. Das ist anstrengend, das braucht Zeit, aber es ist wundervoll. Doch, wirklich.\nReinh\u00f6ren: Amazon.de. TIDAL. Wohl bekomm\u2019s.\n Holy Esque \u2013 At Hope\u2019s Ravine\nHoly Esque aus Glasgow machten schon einmal meine Musik zum Wochenbeginn, das dazu geh\u00f6rende Deb\u00fctalbum \u201eAt Hope\u2019s Ravine\u201c, erschienen im Februar dieses Jahres, habe ich euch aber bisher verschwiegen. Interessant verzerrte Gitarren, als h\u00e4tten Placebo endlich mal ein Instrumentalalbum aufgenommen, treffen auf die einmalige Stimme von Pat Hynes und ergeben zusammen \u2026\n(\u2026) einen mitrei\u00dfenden Mix, der sich in etwa aus dem rauen Sound von The Pains Of Being Pure At Heart, den verspielten Melodien von Bloc Party und dem Pathos der Editors zusammensetzt.\nNat\u00fcrlich ist das im Wesentlichen nur gut gemachter Indie-Rock, aber mit einer derart besonderen und insbesondere gro\u00dfartigen eigenen Note, dass es wirklich schade w\u00e4re, \u201eAt Hope\u2019s Ravine\u201c nicht zumindest einmal geh\u00f6rt zu haben.\nReinh\u00f6ren: Dr\u00fcben auf Nicorola gibt\u2019s eine Soundcloud-Liste mit dem kompletten Album, Ungeduldige k\u00f6nnen auch auf Amazon.de reinh\u00f6ren.\n Combichrist \u2013 This is Where Death Begins\n\u201eGive me a break / you give what you take\u201c (Skullcrusher)\nCombichrist sah ich zum ersten und bisher einzigen Mal in meinem Leben im Jahr 2011 auf einem Festival, auf dem sie beinahe den einzigen musikalischen Lichtblick gegen\u00fcber den ebenfalls auftretenden Staubkind, Mina Harker und sonstiger M\u00e4dchenmusik darstellten. Fragt mich bitte nicht, was ich \u00fcberhaupt dort verloren hatte. Aus verschiedenen Gr\u00fcnden hatten sie danach bis heute meinen Blicken entzogen.\nDie vier Norweger sind keine typische Rockband; die Besetzung mit Gesang, Schlagzeug, Perkussion und Keyboards, zu denen sich nur live regelm\u00e4\u00dfig eine richtige Gitarre gesellt, zeigt, dass hier noch mehr Elektronik am Werk ist. Combichrist haben wiederholte Erfahrungen als Vorgruppe von Rammstein gesammelt und dort passen sie auch hin. Aggressiver Industrial beherrscht letztlich auch dieses Album.\nDass die Texte und Musikvideos von Combichrist noch immer mit Klischees spielen, es geht ja doch immer nur um den Sinn des Lebens und des Daseins, sei ihnen geg\u00f6nnt. Ernst nehmen sollte man solches nach der Pubert\u00e4t keinesfalls, denn sonst kauft man eine Waffe und bringt jemanden um. Nein, Combichrist machen Musik zum Abreagieren, nicht zur allzu aufmerksamen Wahrnehmung. Es wird auf Felle gedroschen und zornesrot geschrien, selbst die Keyboards sind w\u00fctend. Aus der Perspektive des Genie\u00dfers ist das alles eine schreckliche Zumutung, aus der Perspektive eines einfachen, unvoreingenommenen H\u00f6rers jedoch ist \u201eThis is Where Death Begins\u201c nicht weniger als bemerkenswert, zumal es in den meisten St\u00fccken durchaus ohrwurmtauglich ist \u2013 ob man will oder nicht. Es muss ja nicht gleich die 3\u2011CD-Version sein.\nReinh\u00f6ren: Auf YouTube gibt es unter anderem Videos zu Skullcrusher und My Life My Rules.\n Vaults of Zin \u2013 Kadath\nEinen noch f\u00fcr\u2019n Weg.\nIm Jahr 2014 machte sich das texanische Quartett Vaults of Zin daran, den Nachfolger zu ihrem 2011er Deb\u00fctalbum aufzunehmen. Warum es noch bis M\u00e4rz 2016 dauerte, bis die \u00d6ffentlichkeit daran teilhaben durfte, wei\u00df ich nicht, wenngleich das Absicht sein k\u00f6nnte, behauptet die Band doch selbst von sich, sie sei willens, die Grenzen der Improvisation in langen Phasen der Komposition zu erforschen. Das klingt mehr nach Phrasendrescherei als angebracht w\u00e4re, denn \u201eKadath\u201c l\u00f6st dieses Versprechen tats\u00e4chlich ein.\nAuch \u201eKadath\u201c hat mit f\u00fcnf St\u00fccken zwischen dreieinhalb und 22:03 Minuten Laufzeit das Progressive schon strukturell erfasst. Los geht\u2019s mit ausuferndem Gitarrenzeuhl (\u201eAmduat\u201c). Dass auch King Crimson (vgl. deren \u201eRed\u201c) und Bands wie Ruins den Musikern nicht unbekannt sind, l\u00e4sst sich nicht nur in \u201eMons Atanua\u201c, dessen Gitarrenriff ich schon mal irgendwo geh\u00f6rt habe, erkennen, aber da ist dann doch diese besondere Note, dieses Schwingen zwischen Jazzrock, Drones und Metal, die dem Ganzen quasi die Krone aufsetzt. Sch\u00f6ner flirrten in diesem Jahr noch keine B\u00e4sse. Das abschlie\u00dfende \u201eMoongate / Heart Girt with a Serpent\u201c, mithin das l\u00e4ngste St\u00fcck auf dem Album, ist zugleich auch das lauteste, nach einem sch\u00f6n frickeligen, spacerockigen Beginn schlie\u00dflich kippend in schleppenden Doom-Metal, der selbst einem alten Sch\u00f6ngeist wie mir ein Wohlgef\u00fchl anbietet, alles Growling zum Trotz. Das hier macht G\u00e4nsehaut, Leute, und das wahrlich nicht zum Schlechten.\nDieses Album ist verr\u00fcckt. Ich mag Verr\u00fccktes.\nReinh\u00f6ren: Komplettstream und \u2011kauf gibt\u2019s auf Bandcamp.com.\n\n2. Schlimmer Schrott.\nDie Guten ins T\u00f6pfchen, die Schlechten hierher. Ton aus und los.\n\nDavid Bowie \u2013 Blackstar\nAngeh\u00f6rs dieses Albums ist David Bowie wahrscheinlich nicht einfach gestorben, sondern f\u00fcr immer eingeschlafen. Was f\u00fcr eine schnarchlangweilige Popgr\u00fctze.\nHypno5e \u2013 Shores Of The Abstract Line\nLaut laut.de der \u201eharsche Zwilling von Steven Wilson\u201c, dessen Langeweile wird hier allerdings geradezu vorbildlich adaptiert.\nLong Distance Calling \u2013 Trips\nStadion-Hardrock trifft auf 80er-Keyboards. So \u201esch\u00f6n\u201c.\nHeron Oblivion \u2013 Heron Oblivion\nDie musikalische Begleitung zu einem langen, ausgedehnten Spaziergang durch Hannover.\nSantana \u2013 Santana IV\nIch wei\u00df nicht genau, wie Herr Santana es schafft, auch rockige Teile seiner St\u00fccke zu B\u00fcgelbegleitmusik zu machen, aber er hat es tats\u00e4chlich auch diesmal wieder hinbekommen.\nLNZNDRF \u2013 LNZNDRF\nMitglieder von The National (sonst eigentlich ganz gut) und Beirut (mir sonst unbekannt) versuchen wie Joy Division zu klingen, schaffen es aber doch nur zu einem m\u00fcden Aufguss von Mark Everett.\n\n3. Schnee von gestern.\nZum Abschluss gibt es einen R\u00fcckblick in die letzten vierzig Jahre Musik und Gesellschaft. Vor vierzig Jahren hatten wir\u2019s erst 1976. F\u00fchlt ihr euch auch gerade so unangenehm gealtert wie ich? \u2013 Musik, Maestro:\n\nVor 40 Jahren:\nMao stirbt, Schmidt wird wiedergew\u00e4hlt, die Todesstrafe in den USA wird wieder eingef\u00fchrt. Der Vogel des Jahres ist der Wiedehopf. Auch musikalisch erleben wir 1976 als ein Jahr der Tode und der Neugeburten:\nDie US-amerikanische Symphonic-Prog-Band Fireballet beendet bereits mit ihrem zweiten Album Two, Too \u2026, das gleichzeitig den wahrscheinlich bl\u00f6desten Namen und das garantiert bescheuertste Coverbild des Jahres trug, ihre eigene Karriere, was den bis dahin involvierten Musikern, im Vorjahr immerhin auch noch Ian McDonald, allerdings keinen dauerhaften Schaden zuf\u00fcgt. Ihre britischen Kollegen von Camel drehen indes gerade erst so richtig auf, mit Moonmadness erscheint im vierten Jahr in Folge ein beeindruckendes, atmosph\u00e4risches Album, das im Internet gern und vollkommen zu Recht \u201ewundersch\u00f6n\u201c genannt wird. Geschw\u00e4chelt wird erst in den Folgejahren, das maue Breathless von 1978 zeigt die Zeichen der Zeit. Allein: Camel halten bis heute durch. Ebenfalls auch heute aktiv sind die zwischendurch immer mal wieder aufgel\u00f6sten Van der Graaf Generator, die sich mit den beiden \u00fcberragenden Alben Still Life und World Record \u2013 man war kreativ in jenen Tagen \u2013 ein letztes Mal aufb\u00e4umten, bevor die Gruppe erst den \u201eGenerator\u201c aus ihrem Namen strich und dann, nach einem letzten Studioalbum in neuer Besetzung (The Quiet Zone / The Pleasure Dome, 1977) und dem Livealbum Vital (schon wieder 1978), nicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte vor\u00fcbergehend zerfiel.\nVor 30 Jahren:\nJahre, die mit 6 enden, sind offensichtlich ungesund. Im Januar 1986 f\u00e4llt die Challenger kaputt vom Himmel, drei Monate sp\u00e4ter l\u00e4sst ein Schichtleiter in der USSR ein Atomkraftwerk \u00fcberlasten, was bis heute den Ruf der Kernkraft nicht zum Besseren beeinflusst.\nMit Balance of Power zerst\u00f6ren im gleichen Jahr Electric Light Orchestra ihren Ruf mit klebriger Popmusik, bevor auch sie f\u00fcnfzehn Jahre lang von der B\u00fchne verschwinden. Ebenso ist f\u00fcr Genesis bald Schluss mit lustig: Nach Invisible Touch, das man bittesch\u00f6n nie wieder auch nur auszugsweise \u00f6ffentlich auff\u00fchren soll, macht Phil Collins erst mal ein paar Jahre lang bl\u00f6de Dudelmusik unter seinem eigenen Namen. Ist der Ruf erst ruiniert\u2026 Die anschlie\u00dfende Reunion f\u00fcr das ebenso scheu\u00dfliche We Can\u2019t Dance (1991) h\u00e4tte es wirklich nicht gebraucht. Was es allerdings durchaus gebraucht hat, war, dass einer ganz anderen Band der Radiopop allm\u00e4hlich schnurzpiepegal wurde: The Colour of Spring markiert 1986 den Wendepunkt in der Karriere der einstigen Popkapelle Talk Talk, deren Musik immer sperriger, immer ausladender und zugleich immer intimer wurde, bis die ganze Band eines Tages zu existieren aufh\u00f6rte. Ihr S\u00e4nger Mark Hollis l\u00e4sst seitdem nur gelegentlich von sich h\u00f6ren, zuletzt immerhin 2012. Auch ein anderer S\u00e4nger meldet sich zur gleichen Zeit mit Ungewohntem zur\u00fcck: Rio Reiser versucht sich nach der finanziell wohl notwendigen Aufl\u00f6sung von Ton Steine Scherben im Vorjahr auf Rio I. als Solok\u00fcnstler, wobei St\u00fccke wie \u201eK\u00f6nig von Deutschland\u201c und \u201eJunimond\u201c, die ja irgendwie auch niemand mehr so richtig gut ertragen kann, eigentlich im Bandkontext h\u00e4tten ver\u00f6ffentlicht werden sollen; Ersteres war bereits 1976 Teil des Scherben-Repertoires. Ebenfalls etwas Neues probiert die fr\u00fchere Punkband Beastie Boys aus, die mit ihrem Deb\u00fctalbum Licensed to Ill einen Hip-Hop-Klassiker ver\u00f6ffentlicht, der nicht folgenlos (Ruhm, Reichtum, Coverversionen noch und n\u00f6cher) bleiben sollte.\nVor 20 Jahren:\n1996 wird Deutschland zum dritten und bisher letzten Mal Europameister im Herrenfu\u00dfball. Ich sah damals zum ersten Mal ein Fu\u00dfballspiel auf einer richtigen Leinwand in einer Scheune und verstand schon damals nicht, wor\u00fcber sich alle so freuen.\nZur Freude gibt 1996 auch musikalisch kaum einen Anlass: Tic Tac Toe gehen diesem armen gebeutelten Land mit ihrem Deb\u00fctalbum (kackdoofer Titel: Tic Tac Toe) auf die Nerven, Mr. President sind mit der Single \u201eCoco Jamboo\u201c und dem dazu bedr\u00fcckend gut passenden Album We See the Same Sun im Weg. Zwischen Retro- und Neoprog ver\u00f6ffentlichen gleichfalls diverse Bands ihre Deb\u00fctalben ohne anst\u00e4ndigen Titel, darunter Quidam, Somnambulist und Spektakel, deren gleichnamiges Album allerdings bereits 1974 aufgenommen worden war. Plattenfirmen waren damals wohl einfach nicht so schnell. Auch der bereits 1993 verstorbene Frank Zappa \u2013 der Tag, an dem ich Frank Zappa verstehe, wird sicherlich kommen \u2013 \u201ever\u00f6ffentlicht\u201c mit dem bereits zwei Dekaden zuvor eigentlich fertigen L\u00e4ther eines seiner wohl unwidersprochen besten Alben, konnte sich dar\u00fcber aber nicht mehr so richtig freuen. Ob Tortoise, die f\u00fcr ihr zweites Studioalbum Millions now living will never die den damals ehemaligen Slint-Gitarristen David Pajo als Ersatz f\u00fcr den ausgestiegenen Bundy K. Brown verpflichten konnten, mit dem Titel des Albums Recht behalten sollten, wird sich m\u00f6glicherweise allerdings noch erweisen.\nVor 10 Jahren:\nAls unsterblich gelten heute allerdings ganz andere Herren: 2006 fanden zugleich der sehr lange 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart und der 150. Todestag von Robert Schumann statt. Wahrlich, wie man so sagt, gro\u00dfe Fu\u00dfstapfen.\nIn die Amy Winehouse nie so ganz hineinpasste: Back to Black sollte ihr letztes Album bleiben, es folgten aufbrandender Erfolg, Alkohol und Tod. Bis heute das letzte Album ver\u00f6ffentlichen im gleichen Jahr auch Tool mit 10,000 Days, ein erst 2015 f\u00fcr \u00fcberstanden erkl\u00e4rter Rechtsstreit verhindert bis heute die Ver\u00f6ffentlichung des l\u00e4ngst angek\u00fcndigten Nachfolgealbums, obwohl, wie man so h\u00f6rt, es jetzt tats\u00e4chlich nicht mehr allzu lange dauern soll. The Mars Volta hingegen existieren inzwischen gar nicht mehr, was ich bedaure, denn mit Amputechture, dem Nachfolgealbum des von mir gesch\u00e4tzten, \u00e4hnlich \u00fcberdrehten Frances the Mute, erscheint auch 2006 wieder eines ihrer Alben, die ich Jahre sp\u00e4ter langsam zu m\u00f6gen begann. Ganz woanders zu verorten sind Katatonia, deren The Great Cold Distance, gef\u00fcllt mit einer zumindest bemerkenswerten Mischung aus Gothic und Progressive Metal, einen f\u00fcr dieses Jahr recht passenden Namen tr\u00e4gt.\n\nDamit ist das Halbjahr auch musikalisch endlich vorbei; aber verzagt nicht, die Liste f\u00fcr das zweite Halbjahr f\u00fcllt sich unaufh\u00f6rlich und es sind bereits jetzt einige feine Perlen dabei. Das wird noch ein wundervolles restliches Jahr f\u00fcr uns Musikfreunde. N\u00e4heres zu gegebener Zeit.\nDanke f\u00fcr die Aufmerksamkeit!\nKommentareHirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2018 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 28. Juni 2018 dies: [\u2026] Sommer 2016 tauchte erstmals die bizarre Hamburger Musikgruppe Neurosenbl\u00fcte in meinem Wahrnehmungsfeld auf. [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 15 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Die bisher sch\u00f6nste Nachricht des Jahres 2015 war es, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> nie wieder ein Lied komponieren m\u00f6chte. Das ist vielleicht in der gewaltigen Nachrichtenmenge v\u00f6llig untergegangen; vor nicht allzu langer Zeit berichtete <span class=\"musik-review-bandname\">Stefan Niggemeier</span> in der \u201eFrankfurter Allgemeinen Zeitung\u201c davon, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Claus Kleber</span> anl\u00e4sslich seiner Honorarprofessur beklagte, dass <em>die Jugend</em> zu einem bedeutenden Teil Nachrichten nur noch h\u00e4ppchenweise statt in vollst\u00e4ndiger Darbietungsform zur Kenntnis nehme; im selben Artikel war davon die Rede, dass es Nachrichten also so gehe wie Musik. Offensichtlich ist <em>die Jugend</em> \u00fcber die Sch\u00f6nheit aktueller musikalischer Kleinode gar nicht mehr informiert (das liegt bestimmt an den zu kurz zusammengefassten Nachrichten). H\u00f6chste Zeit also, dass wir uns wieder einmal mit der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">primasten Musik</span> des Jahres 2015 befassen.</p>\n<p><span id=\"more-10982\"></span>Wie gewohnt haben auch diesmal manche Alben einen zeitlichen Vorsprung, n\u00e4mlich die bereits zuvor empfohlenen neuen Werke von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/03/godspeed-you-black-emperor-asunder-sweet-and-other-distress/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Godspeed You! Black Emperor</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/06/katie-dey-asdfasdf/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Katie Dey</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/11/kurzkritik-gruenlich-grau-niederstes-gewaenz\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Gr\u00fcnlich Grau</span></a> sowie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/05/the-hirsch-effekt-holon-agnosie-die-devolution-der-popmusik/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span></a>; aus dramaturgischen Gr\u00fcnden bleiben sie als Empfehlungen bestehen, werden aber kein zweites Mal rezensiert.</p>\n<p>Apropos Drama:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1a.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Musikalische Kleinode</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Magma-Slag-Tanz.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Magma-Slag-Tanz.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Magma \u2013 \u0160la\u011f Tanz</span>\n<p>\u201eSchlagtanz\u201c? Nein, keine Sorge, mit Folk m\u00f6chte ich euch noch nicht schockieren. <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> haben nach ihrem bislang letzten Opus Magnum \u201e\u00cbm\u00ebhnt\u00ebhtt-R\u00e9\u201c aus dem Jahr 2009 eine turbulente Ver\u00f6ffentlichungspolitik gef\u00fchrt: Mit \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c kam 2012 ein (f\u00fcr Bandverh\u00e4ltnisse) ziemlich fr\u00f6hliches Quasipopalbum heraus, 2013 und 2014 jeweils ein Livealbum aus unterschiedlichen Bandepochen, zuletzt 2014 mit \u201eR\u00efah Sah\u00efltaahk\u201c eine EP, die das gleichnamige St\u00fcck von 1971 als neues Arrangement enthielt. Jetzt also \u201e\u0160la\u011f Tanz\u201c.</p>\n<p>Mit nicht einmal 21 Minuten Laufzeit w\u00e4re es vielleicht vermessen, hier wieder von einem \u201eAlbum\u201c zu sprechen; aber so lange die Qualit\u00e4t stimmt, wollen wir uns mal nicht beschweren. Au\u00dferdem haben wir es hier immerhin mit dem ersten mehr oder weniger neuen <em>output</em> im guten, alten hymnisch-repetitiven Zeuhl-Stil seit 2009 zu tun.</p>\n<p>Die Besetzung hat sich nicht ge\u00e4ndert, das Oktett von \u201eR\u00efah Sah\u00efltaahk\u201c, dessen Kern (<span class=\"musik-review-bandname\">Christian Vander</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Stella Vander</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Isabelle Feuillebois</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">James Mac Gaw</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Phillipe Bussonnet</span>) seit der Studioreunion von 1998 (\u201eFlo\u00eb \u00cbssi / \u00cbktah\u201c) gemeinsam spielt, trat also auch hier wieder zusammen.</p>\n<p>Von \u201eJazz Metal\u201c <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_14771.html\&quot;" data-wpel-link="internal">spricht</a> ein Aufkleber, aber mit Metal haben wir es hier zum Gl\u00fcck auch weiterhin nicht zu tun, sondern mit dem musikalischen Gegenst\u00fcck zu \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c, das bereits vor vier Jahren auf Konzerten den Kontrast zum damals ebenfalls neuen \u201e\u0160la\u011f Tanz\u201c bildete, dessen Dissonanz und harsche Rhythmik dem alten <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span>-H\u00f6rer wohl zu gefallen verm\u00f6gen. Wie <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> haben es indes auch <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> nie geschafft, ihren ersten S\u00e4nger (seinerzeit <span class=\"musik-review-bandname\">Klaus Blasquiz</span>) im Laufe der Jahre ad\u00e4quat zu ersetzen, <span class=\"musik-review-bandname\">Herv\u00e9 Aknin</span> intoniert ungew\u00f6hnlich exaltiert und l\u00e4sst <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> in schw\u00e4cheren Momenten eher italienisch klingen, was, wie regelm\u00e4\u00dfige Leser wissen, in der Progressive-Rock-<em>Szene</em> sangestechnisch von minderer G\u00fcte scheint; in den st\u00e4rkeren aber freuen wir uns, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> mit dem herausragenden Bassisten <span class=\"musik-review-bandname\">Phillipe Bussonnet</span> und eben auch <span class=\"musik-review-bandname\">Herv\u00e9 Aknin</span> eine Erneuerung erfahren haben, die erfreulich ist. <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> bleiben sich musikalisch vielleicht auch wegen der neuen K\u00f6pfe noch im 46. Jahr ihres Bestehens treu, ohne sich zu wiederholen. Mir gef\u00e4llt\u2019s.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=bmb2HEpBbes\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> l\u00e4sst sich in \u201e\u0160la\u011f Tanz\u201c hineinh\u00f6ren, auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Slag-Tanz-Magma/dp/B00LALVRBO/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es Kauf- und H\u00f6rschnipselm\u00f6glichkeiten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/-isq-Too.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_-isq-Too.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">\u2013isq \u2013 Too</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSo the darkest of places has room for a light\u201c</span> (Tears of a Clown)\n<p>Oh, ist das sch\u00f6n. Wirklich, wirklich sch\u00f6n.</p>\n<p>Das Londoner Quartett mit dem eigenartigen Namen <span class=\"musik-review-bandname\">\u2013isq</span>, das in launiger Stimmung auch schon mal <span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span> <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=cT54zbemnY4\&quot;" data-wpel-link="internal">covert</a>, l\u00e4sst mich mit seinem zweiten (haben wir hier etwa ein Wortspiel versteckt?) Album \u201eToo\u201c vergebens nach geeigneten Synonymen suchen, was man einer Jazzcombo, deren Pianist, wie man vielerorts liest, bereits mit <em>ausgerechnet</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Bj\u00f6rk</span> zusammengearbeitet hatte, eigentlich nicht zugetraut h\u00e4tte, aber was w\u00e4re Musik ohne \u00dcberraschungen?</p>\n<p>Melancholie fasst \u201eToo\u201c m\u00f6glicherweise gut zusammen, gebrochene Herzen stehen Pate f\u00fcr Texte und Musik. Die mir bedauerlicherweise zuvor v\u00f6llig unbekannte S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Irene Serra</span>, geboren in Italien, aufgewachsen in D\u00e4nemark und re\u00fcssiert in den Jazzclubs Gro\u00dfbritanniens, tr\u00e4gt ihren Teil dazu bei, sie singt mit einem Weltschmerz, dass es einem beinahe fr\u00f6steln w\u00fcrde, aber die G\u00e4nsehaut ist eine w\u00e4rmere, angenehmere; will sagen: Fesselspielchen f\u00fcr die Ohren.</p>\n<p>Dabei unterscheiden sich die St\u00fccke eigentlich nur in der Intensit\u00e4t; behutsam und zur\u00fcckhaltend wie das beinahe minimalistische \u201eThe Bird Has Flown\u201c, soulschwanger wie das bedr\u00fcckende \u201eFalling Stars\u201c oder ergreifend wie das l\u00e4ngst ohrwurmtaugliche bis \u2011grenz\u00fcberschreitende \u201eZion\u201c, jedes St\u00fcck tr\u00e4gt seine eigene Signatur und bleibt dennoch ein Stein im Mosaik.</p>\n<p>\u201eToo\u201c ist wie ein Musik gewordener Abend im Ohrensessel mit einem Glas besten Single Malts.</p>\n<p>Habe ich schon erw\u00e4hnt, wie sch\u00f6n es ist?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Auf YouTube gibt es zum Beispiel ein <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=jYPxfJvkEmQ\&quot;" data-wpel-link="internal">Video</a> zu \u201eZion\u201c sowie eine <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=BBQHSiOKy64\&quot;" data-wpel-link="internal">Livedarbietung</a> von \u201eFalling Stars\u201c anzusehen. Wer es ohnehin nicht so mit Handfestem hat, der kann auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Too--isq/dp/B00TADKWL0/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> das Album im MP3-Format kaufen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/The-Brian-Jonestown-Massacre-Musique-de-Film-Imagine.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_The-Brian-Jonestown-Massacre-Musique-de-Film-Imagine.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Brian Jonestown Massacre \u2013 Musique de Film Imagin\u00e9</span>\n<p>Nicht, dass ihr mir hier noch einschlaft vor lauter Ruhe: <span class=\"musik-review-bandname\">The Brian Jonestown Massacre</span> haben gerade mal ein Jahr nach dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eRevelation\u201c wieder nachgelegt und pr\u00e4sentieren nunmehr \u201eMusik f\u00fcr einen eingebildeten Film\u201c, wobei das ja nur zum Teil so stimmt.</p>\n<p>Zum Einen n\u00e4mlich hat, wie es hei\u00dft, <span class=\"musik-review-bandname\">Anton Newcombe</span> das Album nur mit den Gastmusikerinnen <span class=\"musik-review-bandname\">St\u00e9phanie \u201eSoko\u201c Sokolinski</span> (einer wohl nicht ganz unbekannten Goth-Pop-Musikerin) und einer gewissen Italienerin namens <span class=\"musik-review-bandname\">Asia Argento</span> zusammen aufgenommen, womit es unter dem Bandnamen <span class=\"musik-review-bandname\">The Brian Jonestown Massacre</span> <em>eigentlich</em> formell falsch aufgehoben ist, zum Anderen gibt es mit der Pariser Filmkultur der 1950-er Jahre offenbar ein reales Vorbild. Das n\u00e4mlich hat die \u201eMusique de Film Imagin\u00e9\u201c mit mancherlei Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> gemein: Das ganze Werk ist <em>eigentlich</em> vertontes Kino. Sein Sch\u00f6pfer gab hierzu zu Protokoll:</p>\n<blockquote><p>Das Album, das Sie gleich h\u00f6ren werden, ist eine Tonspur, meine eigene Kreation, ein Tribut den gro\u00dfartigen Regisseuren und Filmmachern aus einer \u00c4ra, die nun hinter uns zu liegen scheint. Es ist den Klugen \u00fcberlassen, sich vorzustellen, dass diese Kunst nunmehr im Schatten seiner fr\u00fcheren Glorie liegen k\u00f6nnte. Das Interessante an diesem Projekt ist allerdings, dass auch der Film nicht existiert. Trotzdem habe ich mir seine Tonspur ausgedacht und sie umgesetzt\u2026 Nun sind Sie an der Reihe, Sie als Zuh\u00f6rer m\u00fcssen sich den Film vorstellen.</p></blockquote>\n<p>Was auch erkl\u00e4rt, wieso selten und dann auch noch <em>ausgerechnet</em> auf Franz\u00f6sisch gesungen wird. Analog zum <em>film noir</em> steht mir der Sinn danach, hier von <em>musique noire</em> (nicht aber von der gleichnamigen Band) zu reden. Am Ende, so schreibt\u2019s <em>das Internet</em>, sei alles Oboe und Fagott; ein expressionistisches Meisterwerk in Noten oder ein vertontes Drama des gro\u00dfen franz\u00f6sischen Films. Nach sechzig Jahren war eine solche Hommage, andererseits, wohl \u00fcberf\u00e4llig.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/dp/B00T85O2TI?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es halbmin\u00fctige H\u00f6rproben zu, nun, h\u00f6ren.\n</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Arcane-Known-Learned.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Arcane-Known-Learned.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Arcane \u2013 Known/Learned</span>\n<p>Von franz\u00f6sischer D\u00fcsterheit ist es ein immer noch weiter Weg zu australischem Progressive Metal, aber da\u2019s drau\u00dfen gerade Wanderwetter ist, nehmen wir das mal auf uns.</p>\n<p>Mit \u201eKnown/Learned\u201c haben <span class=\"musik-review-bandname\">Arcane</span> ein Doppelalbum ver\u00f6ffentlicht, dessen erste Seite (\u201eKnown\u201c) die h\u00e4rtere darstellt. M\u00f6glicherweise ist der Titel so zu interpretieren, dass man den Progressive Metal von der Band schon kannte und nun auch noch die zweite Seite (\u201eLearned\u201c) in Form von ziemlich \u00fcberzeugendem Progressive und/oder Alternative Rock kennen lernt. Nun sind 2015 schon fast zwei Stunden Laufzeit ziemlich viel, das Publikum verliert ja mit den Jahren an Aufmerksamkeit, also muss man es spannend halten. <span class=\"musik-review-bandname\">Arcane</span> schaffen das \u00fcbrigens.</p>\n<p>Aber fangen wir mal vorn an: \u201eKnown\u201c ist tats\u00e4chlich nichts Neues, Progressive Metal mit ordentlich Gitarre, Schlagzeug und Klavierkl\u00e4ngen. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich keinesfalls Langeweile, langweiligen Progressive Metal gibt es wahrlich zur Gen\u00fcge. <span class=\"musik-review-bandname\">Arcane</span> machen vieles anders, angefangen beim angenehm unanstrengenden Gesang bis hin zur merkw\u00fcrdigen Verschr\u00e4nkung der beiden Teile ineinander; so gibt es auf \u201eKnown\u201c einen 23-min\u00fctigen Progressive-Metal-<em>longtrack</em> namens \u201eLearned\u201c und auf \u201eLearned\u201c ein fast dreimin\u00fctiges Schmacht-Popst\u00fcck namens \u201eKnown\u201c. Das letzte St\u00fcck auf \u201eLearned\u201c hei\u00dft \u201ePromise (Part 1)\u201c und das erste auf \u201eKnown\u201c \u201ePromise (Part 2)\u201c. Wo ist hier der Anfang, wo ist hier das Ende? Vielleicht ist \u201eKnown/Learned\u201c auch ein Endlosalbum, das w\u00e4re mal erfrischend. Trotzdem wird es Zeit f\u00fcr einen Scheibenwechsel.</p>\n<p>\u201eLearned\u201c erinnert mich, so weit es meine Notizen hergeben, an die f\u00fcrchterlichen <span class=\"musik-review-bandname\">Placebo</span>, allerdings ohne den Jaulgesang, der die F\u00fcrchternis erst hervorruft. Mitunter scheinen <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> durch, der jazzige Bass der meisten St\u00fccke f\u00fcgt eine weitere interessante Nuance hinzu.</p>\n<p>Wo <span class=\"musik-review-bandname\">Pain of Salvation</span>qualitativ noch geh\u00f6rig scheiterten, beim Umschwenken von Metal auf Artrock n\u00e4mlich, machen <span class=\"musik-review-bandname\">Arcane</span> vieles einfach richtig. Eine h\u00f6rbar gereifte Band lotet ihre Grenzen aus, ohne sie zu \u00fcberschreiten, und wei\u00df mit ungewohnten Kl\u00e4ngen positiv zu \u00fcberraschen. Wie wohl der Nachfolger klingen mag? Dieses Album jedenfalls ist bereits ein feines.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Known-Learned-Arcane/dp/B00PLH09FS/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat halbmin\u00fctige Schnipsel auf Lager, einen Komplettstream gibt es auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/playlist?list=PLecNru27P43PizWvRj_cOWucyhojSn6L4\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> und zum Beispiel <a href="\&quot;http://tidal.com/album/41066016\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a>. Viel Vergn\u00fcgen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Paisley-Tree-Paisley-Tree.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Paisley-Tree-Paisley-Tree.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Paisley Tree \u2013 Paisley Tree</span>\n<p>Zur\u00fcck nach Deutschland: \u00dcber Weinheim in Baden-W\u00fcrttemberg ist nicht viel bekannt, dennoch gibt es dort offensichtlich eine als kulturell zu verstehende <em>Szene</em>, die in j\u00fcngerer Vergangenheit offensichtlich ein wenig auszuufern begonnen hat.</p>\n<p>Die Krautrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Space Debris</span> zum Beispiel, die erst 2014 ihr aktuelles Studioalbum \u201ePhonomorphosis\u201c ver\u00f6ffentlicht hat, behauptet von dort zu stammen. Andere Bands brauchen viel Zeit zwischen zwei Studioalben, <span class=\"musik-review-bandname\">Space Debris</span> aber scheinen die Kreativit\u00e4t geradezu auszustrahlen. Nur nicht rasten, nur nicht ruhen. Kurzerhand wurde \u2013 sozusagen als <em>Nebenprojekt</em> \u2013 vom Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Christian J\u00e4ger</span> gemeinsam mit der gelegentlichen S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Magic Petra</span> (was f\u00fcr ein obskurer Name!) die Band <span class=\"musik-review-bandname\">Paisley Tree</span> gegr\u00fcndet.</p>\n<p>Musikalisch ist <span class=\"musik-review-bandname\">Paisley Tree</span> wie auch die Stammband tief in den musikalischen 70-ern verwurzelt, bedient allerdings eher die Hardrock- als die Hippieklientel. Auf Keyboards wird allerdings verzichtet, <span class=\"musik-review-bandname\">Magic Petra</span> spielt, wenn sie gerade nicht singt, stattdessen Mundharmonika. Moment, Mundharmonika?</p>\n<p>Nein, dies ist kein Folk, wie ihn <span class=\"musik-review-bandname\">Bob Dylan</span> einst spielte, dies ist Posthardstonerrock mit dem <em>gewissen Extra</em>, als w\u00fcrden die alten Herren von <span class=\"musik-review-bandname\">Cream</span> noch mal LSD einwerfen und los<em>jammen</em>. Fast am Ende und doch irgendwie im Zentrum steht das zehnmin\u00fctige \u201eDoppelst\u00fcck\u201c \u201eFar Away &amp; Colour Trip\u201c, dessen Name allein bereits Charme verspr\u00fcht und das ich hier einfach einmal als Beispiel anf\u00fchren m\u00f6chte. Wer aber aufgrund des Titels blo\u00dfe uninspirierte Blumenkraft-Hymnen erwartet, der liegt doch etwas daneben. Es beginnt mit einer <em>guten alten</em> Bluesrock-Gitarre, erinnernd an fr\u00fche Glanztaten der <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span>, bis <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eMagic Petra\u201c</span> druckvoll, aber hippieesk ihre Stimme ert\u00f6nen l\u00e4sst \u2013 halt: Duettgesang (leider ist nicht ersichtlich, welchem der drei Herren die zweite Stimme innewohnt) kann sie auch \u2013 und nach gerade einmal zweieinhalb Minuten eine <em>bridge</em> auf der Mundharmonika erklingen l\u00e4sst. Mit St\u00fccken wie diesem k\u00f6nnte man einen Film \u00fcber die Jugend der sp\u00e4ten 1960-er Jahre eigentlich recht gut untermalen. Und Gitarrensoli, immer wieder feine Gitarrensoli, begleitet von einem angenehm zu h\u00f6renden, druckvollen Bass und einem Schlagzeug, dessen Besetzer <span class=\"musik-review-bandname\">Christian J\u00e4ger</span> auf einen 4/4\u2011Takt erfrischend wenig Wert legt.</p>\n<p>In den von den Musikern selbst gew\u00e4hlten <em>tags</em> f\u00fcr \u201ePaisley Tree\u201c sind <span class=\"musik-review-bandname\">Jefferson Airplane</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span>, <em>garage rock</em> und Weinheim. Ich wage keine Einw\u00e4nde.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Das ganze Album l\u00e4sst sich auf <a href="\&quot;http://spacedebris.bandcamp.com/album/paisley-tree-same\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> vollst\u00e4ndig anh\u00f6ren, auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Paisley-Tree/dp/B00UW8PJAQ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es Vinyl und CD dazu.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Juleah-Melt-Inside-The-Sun.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Juleah-Melt-Inside-The-Sun.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Juleah \u2013 Melt Inside The Sun</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eJoyful weariness is my reward, and the wild machine I turn into\u201c</span> (Wild Machine)\n<p>Ein Gutes, immerhin, hat es, dass Bandcamp wiederkehrende Nutzer gelegentlich per E\u2011Mail \u00fcber interessante neue Musikalben informiert \u2013 auf diese oder eine \u00e4hnliche Art wurde ich auf das diesj\u00e4hrige Album \u201eMelt Inside The Sun\u201c der \u00d6sterreicherin <span class=\"musik-review-bandname\">Julia Hummer</span> alias <span class=\"musik-review-bandname\">Juleah</span> \u2013 regelm\u00e4\u00dfige Leser haben schon mal was <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/06/juleah-beautiful-for-you/\&quot;" data-wpel-link="internal">von ihr geh\u00f6rt</a> \u2013 aufmerksam.</p>\n<p>Wie passend doch zur diesj\u00e4hrigen <em>Hitzewelle</em> dieses Album benannt ist, ist zum Zeitpunkt dieser Niederschrift zwar wahrscheinlich nur noch eine schw\u00e4cher werdende Erinnerung, aber die Psychedelik des Bildes vom <em>Zerflie\u00dfen</em> bleibt Programm. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Raveonettes</span> sind hier so pr\u00e4sent wie die sp\u00e4ten <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span>, der Gesang selbst ist allerdings so vielschichtig wie ich es selten geh\u00f6rt habe. Wer eine angenehme Singstimme bei Solomusikerinnen heutzutage oft vermisst: Hier habt ihr euer Gegenbeispiel.</p>\n<p>Trotzdem ein Fokus auf die Musik, denn die ist keineswegs nicht der Rede wert. Von einem \u201eKaleidoskop f\u00fcr [die] Ohren\u201c spricht die Plattenfirma, der \u201eNew Musical Express\u201c siedelt <span class=\"musik-review-bandname\">Juleah</span> dort an, wo <span class=\"musik-review-bandname\">Mazzy Star</span> und die britischen Shoegazer von <span class=\"musik-review-bandname\">Ride</span> einander treffen. <a href="\&quot;http://fourculture.com/melt-inside-the-sun-with-juleah/\&quot;" data-wpel-link="internal">Mark Simpson</a> entdeckt dar\u00fcber hinaus \u00c4hnlichkeiten mit <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">T. Rex</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Tinariwen</span>, wobei ich mit letzteren beiden Bands nicht ausreichend vertraut bin. Klar ist: Hier obsiegt, was die K\u00fcnstlerin selbst als Dreampop bezeichnet und unsereins als Stoner-Rock zu kennen meint.</p>\n<p>Augen zu und nicht durch, sondern mitten rein. Ein musikalischer Sommer auch im Winter.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Erfreulicherweise ist das komplette Album <a href="\&quot;https://juleah.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Bandcamp.com</a> zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Ra-Scandinavia.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Ra-Scandinavia.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Ra \u2013 Scandinavia</span>\n<p>Apropos psychedelisch.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Ra</span>, einer der Namen des alt\u00e4gyptischen Sonnengotts, hat in der Musik einige Spuren hinterlassen, die bekanntesten Vertreter sind m\u00f6glicherweise die belgische Band <span class=\"musik-review-bandname\">Amenra</span> und die Jazzlegende <span class=\"musik-review-bandname\">Sun Ra</span>. Im eher k\u00fchlen Malm\u00f6 hat man indes darauf verzichtet, die Verbindung zur Sonne allzu deutlich hervorzuheben; das Quartett, das in diesem Jahr nach langem Warten ihr <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Scandinavia-Vinyl-LP-Ra/dp/B00TENWKMU/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Deb\u00fctalbum</a> namens \u201eScandinavia\u201c ver\u00f6ffentlichte, nennt sich schlicht <span class=\"musik-review-bandname\">Ra</span>.</p>\n<p>Nebenbei straft die Band all jene L\u00fcgen, die bislang dachten, aus Schweden k\u00e4men ausschlie\u00dflich Metalbands, wie <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/duestere-klaenge-aus-malmoe-ra-scandinavia/\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter</a> mit seinem gewohnt guten Gesp\u00fcr bereits feststellte:</p>\n<blockquote><p>Zu h\u00f6ren gibt es Musik in Schwarz, druckvollen, l\u00e4rmenden Post-Punk und psychedelischen Shoegaze, schrammelnde Gitarre, Feedbackorgien, rabiaten Gesang und ein paar wirklich eing\u00e4ngige Hymnen.</p></blockquote>\n<p>Vergleichen m\u00f6chte ich <span class=\"musik-review-bandname\">Ra</span> mit <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span> und den <span class=\"musik-review-bandname\">Smiths</span> und tu\u2018 damit wenigstens allen Genannten gleicherma\u00dfen Unrecht, weil hier die melancholische Note erfreulicherweise v\u00f6llig fehlt. <span class=\"musik-review-bandname\">Ra</span>, das ist bretternder Postpunk mit viel Hall und, weil\u2019s so selten zutrifft, mit <em>Eiern</em>. Sehr lobenswert.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Bei <a href="\&quot;http://tidal.com/album/39834902\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> gibt es das Album zum Kompletth\u00f6ren, einzelne St\u00fccke gibt es auch <a href="\&quot;https://soundcloud.com/ramalmo\&quot;" data-wpel-link="internal">bei SoundCloud</a>. Fan<em>ra</em>stisch. (Entschuldigung.)</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Black-Space-Riders-Refugeeum.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Black-Space-Riders-Refugeeum.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Black Space Riders \u2013 Refugeeum</span>\n<p>Die <span class=\"musik-review-bandname\">Black Space Riders</span> sind eine mittlerweile f\u00fcnfk\u00f6pfige Space-Rock-Band aus M\u00fcnster, die nach dem Eintritt von S\u00e4nger und Texter <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eSeb\u201c</span> 2014 ihr <a href="\&quot;http://www.amazon.de/D-Rei-Black-Space-Riders/dp/B00HE0OOZQ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">drittes Album \u201eD:REI\u201c</a> ver\u00f6ffentlicht hatte, das \u00fcberwiegend auf positive Kritik stie\u00df.</p>\n<p>Hier also liegt ihr aktuelles Werk vor. Wenige Titel k\u00f6nnten 2015 aktueller sein als \u201eRefugeeum\u201c, offensichtlich ein Kofferwort aus \u201eRefugee\u201c (\u201eFl\u00fcchtling\u201c) und \u201eRefugium\u201c (\u201eZuflucht\u201c).</p>\n<p>Das sei kein Zufall, behauptet die Band:</p>\n<blockquote><p>REFUGEEUM, wie in \u201erefugees\u201c wie auch in \u201eRefugium\u201c. Tief bewegt davon, was derzeit auf diesem Planeten geschieht, hat die Band ihre Wanderungen durch den Weltraum zumindest thematisch verlassen und sich stattdessen einem irdischen, ewigen Problem zugewandt; einem Problem, das traurigerweise wieder aktuell ist: Flucht und Vertreibung \u2013 Verlust der Heimat \u2013 abgrundtiefes Leid \u2013 der Wille zu \u00fcberleben \u2013 Hoffnung f\u00fcr das, was kommen mag \u2013 Gejagter und J\u00e4ger \u2013 Opfer und T\u00e4ter \u2013 Akzeptanz und Zur\u00fcckweisung.</p></blockquote>\n<p>(Frei \u00fcbersetzt von mir.) Von einer <em>vertonten Fl\u00fcchtlingskrise</em> zu sprechen w\u00e4re allerdings hier durchaus verfehlt, daf\u00fcr ist es zu angenehm.</p>\n<p>Obwohl man ja zun\u00e4chst einmal gar nicht so genau wei\u00df, wohin man hier fl\u00fcchten soll, lauert doch gleichsam an jeder Ecke eine neue (meist positive) \u00dcberraschung. Und die Texte, die Texte. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eMy dear, what happened to us when the madness began?\u201c</span> (\u201eUniversal Bloodlines\u201c). Wisst ihr noch, wo ihr wart? Man traut sich ja fast nicht, hier mit leicht verdaulichen Etiketten um sich zu werfen, weil es zwischen psychedelischem Metal (\u201eVortex Sun\u201c), <span class=\"musik-review-bandname\">Tindersticks</span>-Stimmung und <span class=\"musik-review-bandname\">Talk-Talk</span>-Postrock, wie einst bei <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> vorgetragen von einer Doppelspitze (<span class=\"musik-review-bandname\">\u201eSeb\u201c</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eJe\u201c</span>), hier eine Menge zu entdecken gibt.</p>\n<p>Das \u00fcberlasse ich dann einfach mal euch.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Einen Stream des Albums h\u00e4lt <a href="\&quot;https://blackspaceriders.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> vorr\u00e4tig. Nat\u00fcrlich mit Texten. Reinh\u00f6ren und Mitlesen sind empfohlen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Boris-asia.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Boris-asia.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Boris \u2013 asia</span>\n<p>Vorhin noch waren wir in <em>Scandinavia</em>, nun wechseln wir den Kontinent. Eine musikalische Weltreise bringt manchmal \u00fcberraschend schnellen Fortschritt.</p>\n<p>Die Genreignoranten <span class=\"musik-review-bandname\">Boris</span> sind regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner Texte <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/08/genres-sind-soo-90er-boris-noise/\&quot;" data-wpel-link="internal">wahrscheinlich bekannt</a>. 2015 legten die Japaner wieder einmal nach, diesmal mit ihrem immerhin schon zweiundzwanzigsten Studioalbum, das aus <em>nur</em> drei St\u00fccken besteht und, limitiert auf 1.000 physische Exemplare, gemeinsam mit den am selben Tag ver\u00f6ffentlichten 20. und 21. Studioalben \u201ewarpath\u201c und \u201eurban dance\u201c ausschlie\u00dflich auf Konzerten und im Onlineladen der Plattenfirma Inoxia zu haben ist. Gro\u00dfbuchstaben sind <em>so 90er</em> beziehungsweise auch nicht; in der \u201eDesignsprache\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Boris</span> stehen Gro\u00dfbuchstaben f\u00fcr Rockmusik und Kleinbuchstaben f\u00fcr Experimentelles. Das klingt doch viel versprechend. Wer aus folgender Rezension heraus ein Interesse an \u201easia\u201c entwickelt, dem seien insofern auch die anderen beiden Alben angeraten.</p>\n<p>Allerdings beginnt es erst mal bed\u00e4chtig. Die Zusammenarbeit mit <span class=\"musik-review-bandname\">Sunn O)))</span> hat offenbar Spuren hinterlassen. \u201eTerracotta Warrior\u201c beginnt mit anschwellendem elektronischem Brummen, es gesellen sich Effekte hinzu. Irgendwie bedrohlich. Minutenlang passiert also einerseits eine Menge und andererseits eigentlich nicht viel, bis die summende H\u00f6llenmaschine allm\u00e4hlich die Fahrt durch eine Geisterbahn aufnimmt. Eigenartiges instrumentales Flehen rei\u00dft den H\u00f6rer aus der Verwirrung oder macht sie vollst\u00e4ndig. Eine schneidende E\u2011Gitarre legt sich langgezogen \u00fcber die sich vor dem geistigen Auge langsam ausbreitende futuristische W\u00fcsten- und Geisterstadt. Von beiden Seiten heulen eigenartige Winde.</p>\n<p>Pl\u00f6tzlich: Merkw\u00fcrdig verzerrtes Wasserrauschen. Die Geisterbahn hat Wildwasser erreicht. Unruhig schwappen die Wellen an den R\u00e4ndern hoch, man ahnt, dass ein Wasserfall nicht fern ist. Das Wasser wird schneller, immer schneller und \u2013 Stille, durchschnitten von Klagelauten. Das Schlagzeug spielt einen sanften Rhythmus wie zur Rettung, aber man kann sich nicht festhalten, wird erdr\u00fcckt von der unheimlichen, bebenden Welt, die sich um einen herum auft\u00fcrmt. Man verliert die Orientierung und schlie\u00dflich das Bewusstsein. Wieder: Stille.</p>\n<p>Das folgende \u201eAnt Hill\u201c rei\u00dft aus der Trance. Die 80-er sind da, sie wollen ihre Elektronik zur\u00fcckhaben? Nein, nein \u2013 dies ist, tats\u00e4chlich, ein vertonter Ameisenh\u00fcgel. Es zirpt in h\u00f6chsten T\u00f6nen, die Elektronik knattert, und irgendwo ist wieder dieser bedrohlich-futuristische Grundton. Man ist unversehens umgeben von riesigen Ameisenrobotern; die allerdings immerhin im Gleichschritt zu marschieren imstande sind. Was ist dieses Brummen? Instinktiv blickt man sich um, ob nicht noch eine gro\u00dfe Fliege lauert, aber es sind Ameisen, nur Ameisen. Die halten einen allerdings nicht gefangen, man ist vielmehr zu Gast: In \u201eTalkative Lord vs Silent Master\u201c bekommt man schlie\u00dflich sogar die Gelegenheit, einem eigenartig metallischen, elektronischen Zwiegespr\u00e4ch ihres Herrn auf einer st\u00fcrmischen Anh\u00f6he nahe der Geisterstadt zu lauschen. Das Album endet abrupt nach einem Monolog des \u201eSilent Masters\u201c. Der H\u00f6rer bleibt in dieser Welt, obwohl ihre Geschichte l\u00e4ngst vor\u00fcber ist.</p>\n<p>Keineswegs ist \u201easia\u201c irgendwie als <em>easy listening</em> zu etikettieren. Klaustrophobie und Depression sind Nebenwirkungen, die ich f\u00fcr nicht vollkommen ausgeschlossen halte. Es ist nichtsdestoweniger sehr wahrscheinlich ein hervorragendes Album im richtigen Moment. Ich brauche jetzt aber erst mal einen Schnaps.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> \u201eVoo-Vah\u201c vom Album \u201ewarpath\u201c k\u00f6nnte <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=hB87f0Qz4e8\&quot;" data-wpel-link="internal">einen Eindruck vermitteln</a>, \u201easia\u201c jedoch ist sein Superlativ. Seid vorsichtig.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Agent-Fresco-Destrier.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Agent-Fresco-Destrier.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Agent Fresco \u2013 Destrier</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI see your ghost / it finds no rest / leaning close / from crest of bed\u201c</span> (Pyre)\n<p>Zu den Publikumslieblingen des Jahres 2015 geh\u00f6rten in mancherlei Kreisen die finnische Band <span class=\"musik-review-bandname\">Agent Fresco</span>,  die mit <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Destrier-Agent-Fresco/dp/B00ZT0H31K/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Destrier</a> in diesem Jahr ihr zweites Studioalbum ver\u00f6ffentlicht hat. Die Entstehungsgeschichte ist wie schon die zum Deb\u00fctalbum, in dem S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Arn\u00f3r Dan</span> den Tod seines Vaters verarbeitete, gro\u00df: Er erz\u00e4hlt hierzu, er sei vor einigen Jahren, nachdem er dem Vernehmen nach Opfer von Gewalt geworden war, in Zorn und Panik verfallen, w\u00e4hrend er Lieder f\u00fcr dieses Album schrieb, und habe die Gelegenheit genutzt, die aufgestauten Gef\u00fchle in die Musik zu kanalisieren. Das ist ja auch nicht immer verkehrt.</p>\n<p>Der Anfang von \u201eDestrier\u201c erinnert mich an <span class=\"musik-review-bandname\">Slint</span> und auch an eine optimistische Variante der Geschichte von <span class=\"musik-review-bandname\">Boris</span>: Wieder w\u00e4chst die Musik mit langgezogenen T\u00f6nen langsam an, explodiert jedoch nicht in einer gewaltigen Eruption, sondern in etwas, was ich als <span class=\"musik-review-bandname\">Lis Er Stille</span> mit New-Wave-Gesang beschreiben w\u00fcrde, also dem der 1980-er Jahre. Postrock trifft Hardrock, wenn man es einmal auf Genrisch ausdr\u00fccken m\u00f6chte.</p>\n<p>Nehmen wir als Beispiel einmal das gerade mal anderthalbmin\u00fctige St\u00fcck \u201eAngst\u201c, angesichts der Entstehungsgeschichte des Albums wom\u00f6glich sowieso schon namentlich interessant: Auf einem seltsamen Takt, gespielt von einem irrlichternden Schlagzeug, dreht ein <span class=\"musik-review-bandname\">marsvoltaesquer</span> Gitarren<em>sound</em> vollkommen durch. Jetzt wei\u00df ich auch wieder, woran mich <span class=\"musik-review-bandname\">Arn\u00f3r Dan</span> erinnert: Jene bedauerlicherweise aufgel\u00f6ste Band hatte mit <span class=\"musik-review-bandname\">Cedric Bixler-Zavala</span> einen stimmlich nicht un\u00e4hnlichen S\u00e4nger in den eigenen Reihen.</p>\n<p>Das Magazin \u201eNew Noise\u201c attestiert \u201eDestrier\u201c einen \u201eWow-Faktor\u201c (ebd.), 10 von 10 Punkten gibt\u2019s auch auf <a href="\&quot;http://www.metal.de/post-metal/review/agent-fresco/61948-destrier/\&quot;" data-wpel-link="internal">metal.de:</a></p>\n<blockquote><p>Das Fundament bilden erneut experimentelle, sph\u00e4rische Rockkl\u00e4nge, welche <span class=\"musik-review-bandname\">Agent Fresco</span> um Nuancen aus den Bereichen Metal, Jazz und Ambient erweitern. So gesellen sich zu kernigen, eindringlichen Riffs (\u201eHowls\u201c, \u201eSee Hell\u201c) immer wieder perlende Pianol\u00e4ufe wie im herausragenden \u201eDark Water\u201c, vertrackte Rhythmen und Mathcore-Rebellentum (\u201eAngst\u201c \u2013 so hart klangen <span class=\"musik-review-bandname\">Agent Fresco</span> noch nie) sowie unwiderstehlich isl\u00e4ndische Soundtrack-Eruptionen wie im packend-epischen Opener \u201eLet Them See Us\u201c und dem vertr\u00e4umten \u201eDeath Rattle\u201c. Das akkurat groovende und vieschichtige \u201eWait For Me\u201c sowie das mit bet\u00f6rend eing\u00e4ngigem Refrain ausgestattete \u201eThe Autumn Red\u201c sind weitere H\u00f6hepunkte der Tracklist. Im Titelst\u00fcck wiederum \u00fcberrascht der Vierer zwischen getragenen Passagen mit Noise-Anleihen und wuchtig-vertracktem Gel\u00e4rme.</p></blockquote>\n<p>Ich h\u00e4tt\u2019s kaum besser ausdr\u00fccken k\u00f6nnen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Ein \u201eoffizielles Video\u201c zu \u201eSee Hell\u201c gibt es <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=PgArsBIbiFg\&quot;" data-wpel-link="internal">auf YouTube.com</a>, Nutzer von TIDAL k\u00f6nnen <a href="\&quot;http://tidal.com/album/47609676\&quot;" data-wpel-link="internal">das ganze Album</a> streamen. F\u00fcr kurze H\u00f6rproben indes mag <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Destrier-Agent-Fresco/dp/B00ZT0H31K/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gen\u00fcgen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Her-Name-is-Calla-A-Wave-of-Endorphins.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Her-Name-is-Calla-A-Wave-of-Endorphins.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Her Name Is Calla \u2013 A Wave of Endorphins OST</span>\n<p>Kommen wir nun zu etwas v\u00f6llig Anderem.</p>\n<p>Die britische Ausnahmeformation <span class=\"musik-review-bandname\">Her Name is Calla</span> ist regelm\u00e4\u00dfigen Lesern seit einigen Jahren nicht mehr v\u00f6llig unbekannt. <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/her-name-is-calla-kann-traurige-musik-gluecklich-machen/\&quot;" data-wpel-link="internal">Kann traurige Musik gl\u00fccklich machen?</a> Nun, sie kann. Offensichtlich empfinden ziemlich viele Menschen \u00c4hnliches, so dass die Band bis heute nicht nur Bestand hat, was ja heutzutage nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich ist, sondern in diesem Jahr obendrein das Jubil\u00e4um zehn Jahren gemeinsamen Musizierens begehen kann.</p>\n<p>Manche lassen solche Regelm\u00e4\u00dfigkeiten ungeh\u00f6rt verstreichen, <span class=\"musik-review-bandname\">Her Name is Calla</span> hauen auf die Kacke: Es gab <a href="\&quot;http://www.pledgemusic.com/projects/a-wave-of-endorphins\&quot;" data-wpel-link="internal">eine Dokumentation, drei Sonderkonzerte, ein Album zur Dokumentation und noch ein paar Dinge</a>. Die Dokumentation nennt sich treffend \u201eA Wave of Endorphins\u201c, \u201eEine Welle von Endorphinen\u201c also, und das dazu passende Album nennt sich ebenso. Passt ja auch irgendwie.</p>\n<p>Nicht, dass da nun irgendwelche <em>\u00dcberraschungen</em> zu erwarten w\u00e4ren. <span class=\"musik-review-bandname\">Her Name is Calla</span> machen einfach das, was ihre gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke ist: Neun instrumentale St\u00fccke zwischen etwas unter zweieinhalb und etwas \u00fcber sechs Minuten. Viel Klavier, meist an Kammermusik, manchmal an die sp\u00e4ten <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span> erinnernde Einw\u00fcrfe von Bass, Streich- oder anderen Instrumenten, manchmal ein treibender Rhythmus mit Schlagzeug und Gitarrenkl\u00e4ngen, aber nie, nicht einmal im abschlie\u00dfenden und hier erstaunlich gut passenden Postrock-Ausrufezeichen \u201eThe Hour Of The Gloam\u201c, auch nur dem Verdacht nahe, jetzt pl\u00f6tzlich ordin\u00e4re Rockmusik machen zu wollen. Das hier ist <em>mehr</em>.</p>\n<p>Habe ich da \u201einstrumental\u201c geschrieben? Das stimmt ja eigentlich nicht; in \u201eTransmute\u201c zum Beispiel wird gesungen: Zu fast unsicheren gezupften Saiten singt eine Frau \u2013 vermutlich Sophie, ihres Zeichens Frontviolinistin und Twitterzust\u00e4ndige des Quartetts \u2013 zerbrechlich sanfte Worte, im folgenden \u201eSparring Partner\u201c, dem (trotz der merkw\u00fcrdigen Stimmeffekte im Refrain) besten Britpop-Lied, das mir gerade einfallen m\u00f6chte, darf einer ihrer drei Bandkollegen sich als wesentlich besserer <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Molko</span> versuchen. Der Text? Wen k\u00fcmmert der Text? \u201eA Wave of Endorphins\u201c ist instrumental, daran \u00e4ndert keine Zeile Text etwas.</p>\n<p>Jetzt, just in diesem Moment, l\u00e4uft das St\u00fcck \u201eI Chose Wrong\u201c im Kopfh\u00f6rer und der Autor dieser Zeilen hat seit etwas mehr als zwei Minuten G\u00e4nsehaut und das dringende Verlangen zu reisen; nicht weg von diesem Album, sondern <em>mit</em> diesem Album irgendwo hin. Kurz meint man t\u00fcrkische Folklore zu h\u00f6ren, dann verschwindet dieser Augenblick auch schon wieder und weicht einer seltsamen Bed\u00e4chtigkeit. Vielleicht ist \u201evertonte Augenblicke\u201c sowieso eine ziemlich gute Beschreibung dieses Albums.</p>\n<p>Nach gerade einmal 35 Minuten \u2013 <em>gef\u00fchlt</em> nicht einmal zehn \u2013 ist die <em>Welle</em>, kaum dass sie mit \u201eThe Hour Of The Gloam\u201c an Druck gewonnen hat, schon wieder abgeebbt. Zeit, sich zu sammeln. \u201eA Wave of Endorphins\u201c ist ein hervorragendes Postrockalbum, ein hervorragendes Schwermutalbum und ein hervorragendes Album, um dringend zu verreisen. Haltet also gepackte Koffer bereit.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Das ganze Album l\u00e4sst sich \u2013 ihr kennt das \u2013 auf <a href="\&quot;" https://hernameiscalla.bandcamp.com/album/a-wave-of-endorphins-ost-2\&quot;="" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> vollst\u00e4ndig anh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/The-Grand-Astoria-The-Mighty-Few.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_The-Grand-Astoria-The-Mighty-Few.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Grand Astoria \u2013 The Mighty Few</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI never heard of you, and what the hell are you talkin\u2018 \u201about?\u201c</span> (Curse of the Ninth)\n<p>Woran denkt ihr, wenn ihr den Bandnamen <span class=\"musik-review-bandname\">The Grand Astoria</span> h\u00f6rt? An Luxushotels, das Vereinigte K\u00f6nigreich, vielleicht auch Fu\u00dfballvereine oder Kabarettisten? Wie klingt wohl die dazu passende Musik?</p>\n<p>Nein, auf \u201eThe Mighty Few\u201c ert\u00f6nen keine Fu\u00dfballch\u00f6re; die klingen bekanntlich nicht mal bei <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> fein. Da, wo <span class=\"musik-review-bandname\">The Grand Astoria</span> herkommen, ist der Fu\u00dfball auch nicht unbedingt zu Hause: Der Gitarrist, Monotronist (ein Korg Monotron scheint eine Art Synthesizer zu sein) und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Kamille Sharapodinov</span> ist anscheinend in St. Petersburg zu Hause und diese Band ist sozusagen, trotz der hier immerhin neun Mitmusiker, sein Soloprojekt. Wir befolgen die alte Regel \u201ekeine Witze \u00fcber Namen\u201c und lassen nahe liegende Wortspiele beiseite, so bleibt mehr Zeit, uns auf die Musik zu konzentrieren.</p>\n<p>Und die hat es in sich.</p>\n<p>Auf \u201eThe Mighty Few\u201c \u2013 \u201edie m\u00e4chtigen Wenigen\u201c \u2013 befinden sich zwei St\u00fccke von jeweils \u00fcber 20 Minuten L\u00e4nge, zusammen haben wir hier fast 50 Minuten Laufzeit. Das macht Hoffnung. Und <em>nat\u00fcrlich</em> ist das Dargebotene schwer zu vergleichen, ich h\u00f6re allein <span class=\"musik-review-bandname\">Rush</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Opeth</span> ebenso wie <span class=\"musik-review-bandname\">The Mars Volta</span>. Die Band selbst nennt neben <span class=\"musik-review-bandname\">The Mars Volta</span> auch <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> (also doch Fu\u00dfballch\u00f6re!) als Einfl\u00fcsse, aber \u201eThe Mighty Few\u201c ist von der Schnarchigkeit der letzten gef\u00fchlt 32 Alben letztgenannter Band erfreulich weit entfernt.</p>\n<p>Schon der Anfang l\u00e4sst ein Progressive-Metal-Album erahnen, aber die erwartete Explosion l\u00e4sst auf sich warten: \u201eCurse of the Ninth\u201c beginnt mit Jazzrock, gelegentliche Bl\u00e4sereinw\u00fcrfe lassen die Spannung steigen, bis eine seltsam <em>bluesige</em> Stoner-Rock-Version von <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span> die F\u00fchrung zu ergreifen scheint: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eAnd if you trust me, baby\u2026\u201c</span> Den exaltierten Gesang teilt sich <span class=\"musik-review-bandname\">Kamille Sharapodinov</span> mit <span class=\"musik-review-bandname\">Danila Danilov</span>, der seit Anfang 2014 immer mal wieder im Umfeld der Band aktiv ist und mal eines ihrer Alben produziert, mal Fl\u00f6te, Kazoo und/oder Gesang \u00fcbernimmt. Eine solche H\u00e4ufigkeit an Produktionen kennt man ansonsten eher von japanische Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Temple</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Boris</span> (hierzu siehe oben). M\u00e4chtig, diese Wenigen. \u2013 Nach sechseinhalb Minuten ert\u00f6nt erst asiatische Folklore, dann ein Jazzjam mit Rockfundament. Ich bin verwundert, aber mag das. Der Gesang wird anschlie\u00dfend etwas zur\u00fcckgeschraubt, etwas Hall; nach kurzer Gesangspassage folgt ein sehr interessanter Wechsel aus RIO/Avant (mit Klavier- und Bl\u00e4serekstase) und dem Hardrock vom Anfang, abrupt unterbrochen durch ein boybandesques A\u2011Cappella-Zwischenspiel, bei dem nach und nach mehr Stimmen und elektronische Effekte einsetzen, bis das St\u00fcck schlie\u00dflich in ein wahres Gewitter aus Jazzrock mit perlendem Klavier, psychedelischem Hardrock und dem Gesang vom Anfang ausbricht. Dass Melodiefragmente \u00fcber die gesamte Dauer des St\u00fccks immer wieder aufgegriffen werden, geht bei all den Wechseln beinahe unter.</p>\n<p>\u201eThe Siege\u201c geht direkt in die Vollen und beginnt mit einer guten, basslastigen Portion instrumentalen Hardrocks mit Gitarrensolo und Synthesizerflirren, wechselt aber recht bald zum Bluesrock; von da ist es dann auch nicht mehr weit zu, ah, da sind sie!, <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> und damit eigentlich auch dem Solowerk von <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span>, das hier melodisch wie gesanglich durchaus eine Referenz sein k\u00f6nnte. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eI trust my intuition / na na na hey / my intuition.\u201c</span> Gut, dass ich das auch getan habe. Gegen Ende d\u00fcrfen die Synthesizer nochmals zeigen, was sie k\u00f6nnen, ein wenig Spacerock zum Abschied quasi. Das St\u00fcck wird leider etwas einfallslos ausgeblendet, wie auch <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_15432.html#24229\&quot;" data-wpel-link="internal">anderswo</a> bereits beklagt wurde. Meiner Gesamtwertung kann\u2019s egal sein.</p>\n<p>Seit dem Erscheinen von \u201eThe Mighty Few\u201c im Mai dieses Jahres haben <span class=\"musik-review-bandname\">The Grand Astoria</span> \u00fcbrigens bereits eine neue EP und ein einzelnes neues St\u00fcck via Bandcamp ver\u00f6ffentlicht. Ich weissage, von dieser Band werde man wohl noch manch Gutes zu h\u00f6ren bekommen. Hoffen wir das Beste.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Abermals ist <a href="\&quot;http://thegrandastoria.bandcamp.com/album/the-mighty-few\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> eine hervorragende Anlaufstelle zum H\u00f6ren und Kaufen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/t-fragmentropy.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_t-fragmentropy.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">t \u2013 fragmentropy</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSo I take my revolver and put it in my mouth / to get used to it for the day I need it\u201c</span> (The Black of White)\n<p>Nach der bedauerlicherweise offensichtlich dauerhaften Trennung seiner ehemaligen Band <span class=\"musik-review-bandname\">Scythe</span> ver\u00f6ffentlichte der schwerm\u00fctige Multiinstrumentalist mit \u201efragmentropy\u201c nunmehr sein f\u00fcnftes Studioalbum. Die \u201eeclipsed\u201c vergleicht es mit <span class=\"musik-review-bandname\">Radiohead</span>, aber jeder wei\u00df, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Radiohead</span> schei\u00dfe sind. Versuchen wir es also mal mit einer eigenen Herangehensweise.</p>\n<p>\u201eFragmentropy\u201c ist ein Kofferwort aus \u201eFragment\u201c und \u201eEntropie\u201c, vielleicht ist eine Zerbrechungsstreuung gemeint, aber was <em>das</em> nun wieder sein mag \u2026 \u2013 <span class=\"musik-review-bandname\">Thomas Thielen</span> alias <span class=\"musik-review-bandname\">t</span> ist offensichtlich nicht nur ein Freund von Kleinbuchstaben, sondern sch\u00e4tzt auch Sprachspielereien. Dabei l\u00e4sst er sich bisweilen viel Zeit bei der Ausarbeitung: Die <a href="\&quot;http://www.t-homeland.de/fragm.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Website zum Album</a> behauptet, die Texte seien von 1994 bis 2015 entstanden. Was lange w\u00e4hrt, wird endlich gut. Und <em>wie</em> gut!</p>\n<p>Das Album ist in insgesamt drei \u201eKapitel\u201c aufgeteilt, die thematisch <em>irgendwie</em> zusammenh\u00e4ngen. Thematisch fr\u00f6hlich wirkt keines davon, aber man sollte ja auch mal innehalten; dies ungeachtet von grandiosen \u201eSeiten\u201c in diesen Kapiteln wie zum Beispiel dem Dreizehnmin\u00fcter \u201eBrand New Mornings\u201c aus dem ersten Kapitel, das den Namen \u201eAnisotropic Dances\u201c, \u201eanisotrope T\u00e4nze\u201c also, tr\u00e4gt und bereits in den ersten zwei Minuten moderne Varianten des Canterbury Style (<span class=\"musik-review-bandname\">Argos</span> u.a.), <span class=\"musik-review-bandname\">Spock\u2019s Beard</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> und Zirkusmusik leichtf\u00fc\u00dfig aneinanderreiht.</p>\n<p>Was bei einer Einmannband, die sich selbst begleitet, nicht gerade leicht ist. Aber <span class=\"musik-review-bandname\">t</span> hat sich professionalisiert, von dem doch recht <em>computerisierten</em> Klang mancher Entw\u00fcrfe ist hier nichts zu h\u00f6ren. Sind das etwa echte Instrumente? Stile jedenfalls beherrscht er mindestens ebenso viele; Postrockgitarren und eindringliches Fl\u00fcstern zu Klavierbegleitung m\u00fcssen einander eben nicht ausschlie\u00dfen. \u00dcberhaupt ist \u201efragmentropy\u201c mit \u201eatmosph\u00e4risch\u201c wohl ziemlich treffend zu beschreiben. Viele Worte verderben den Brei.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_15249.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Dies vielleicht noch:</a></p>\n<blockquote><p>Sp\u00e4testens seit seinem zweiten Album scheint <span class=\"musik-review-bandname\">t</span> auf einer Reise zu sein, auf einer Reise immer tiefer in eine ganz eigene Klangwelt. So entsteht wohl aus einer Mischung von realen und programmierten Instrumenten ein dichtes Geflecht aus dramatischen Passagen, sinfonischen Ausbr\u00fcchen, aggressiven Eruptionen und filigran-melancholischen Ausfl\u00fcgen in d\u00fcstere Gefilde. Flirrende Gitarren- und Keyboard-Kl\u00e4nge illuminieren diese Klangwelt, die zwischen Dramatik, D\u00fcsternis, Melancholie und Wucht munter oszilliert. Gerade die langen St\u00fccke sind wie Ozeane, die mal bewegt, mal ruhig, mit einer ungeheuren Dynamik den H\u00f6rer umsp\u00fclen. Aufw\u00fchlend, mitrei\u00dfend, beeindruckend und erf\u00fcllend ist diese Musik.</p></blockquote>\n<p>Wie wahr.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Fragmentropy-T/dp/B013Z38DLG/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> h\u00e4lt halbmin\u00fctige Ausschnitte vorr\u00e4tig, TIDAL-Nutzer k\u00f6nnen das Album <a href="\&quot;http://tidal.com/album/51603596\&quot;" data-wpel-link="internal">komplett anh\u00f6ren.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/echolyn-I-Heard-You-Listening.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_echolyn-I-Heard-You-Listening.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">echolyn \u2013 I Heard You Listening</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSoon the water will rise / and soon it carries them home\u201c</span> (Carried Home)\n<p>\u201eIch h\u00f6rte euch zuh\u00f6ren\u201c \u2013 von wem, wenn nicht von <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span>, ist so ein Titel zu erwarten?</p>\n<p>Fangen wir ausnahmsweise einmal mit dem Unsch\u00f6nen an: \u201eI Heard You Listening\u201c ist nicht \u201emei\u201c. Es ist h\u00f6chst unwahrscheinlich, dass <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> jemals ein noch besseres Album machen werden als \u201emei\u201c, und das gilt auch f\u00fcr \u201eI Heard You Listening\u201c.</p>\n<p>So viel zur Kritik, der Rest ist n\u00e4mlich \u2013 wie so oft \u2013 ziemlich klasse. Weite Strecken des Albums sind <em>typisch <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span></em>: Auf ihrem achten Studioalbum kombiniert das Herrenquintett aus Philadelphia erneut tastenlastigen Retroprog mit modernen Zutaten, ohne sich dabei nur zu wiederholen. Das w\u00e4re doch auch langweilig.</p>\n<p>\u201eWarJazz\u201c zum Beispiel, Lied Nummer 2, beginnt wie eines der alten Klavierrocklieder von <span class=\"musik-review-bandname\">Elton John</span>, wird dann aber schnell interessanter: Ein hektisches Schlagzeug und ein kurzer Keyboardteppich leiten \u00fcber in eine Art Hardrockstrophe mit flirrender Gitarre und dem wie gewohnt \u00fcberragenden Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Ray Weston</span>, der Refrain wiederum k\u00f6nnte schon wieder von  <span class=\"musik-review-bandname\">Elton John</span> stammen (und das ist an dieser Stelle nicht mal negativ gemeint), wenn der Gesang nicht so klasse w\u00e4re. Was ist das? Es ist spannend.</p>\n<p>Andere St\u00fccke wie \u201eDifferent Days\u201c k\u00f6nnten ebenso von <span class=\"musik-review-bandname\">Spock\u2019s Beard</span> stammen, w\u00e4re da nicht die raffinierte Dissonanz im Refrain, was sich die meisten dieser Neo-Retro-Irgendwas-Bands ja heutzutage nicht mehr trauen. Fr\u00fcher war vieles besser, nur <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> halten ihr Niveau. \u201eOnce I Get Mine\u201c ist gleichsam eine <em>durchgedrehte</em> Variante in \u00e4hnlichem Stil, wenn auch n\u00e4her an Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span> als alles, was ich bislang mit <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> verbunden h\u00e4tte.</p>\n<p>Keine Ruhe, keine Balladen. Neun St\u00fccke, allesamt zwischen f\u00fcnf und zehn Minuten lang, vergehen wie im Flug. Das letzte St\u00fcck, \u201eVanished Sun\u201c, ist ebenso wenig ein L\u00fcckenf\u00fcller wie der Rest des Albums und mit der sich beinahe \u00fcberschlagenden Stimme von <span class=\"musik-review-bandname\">Ray Weston</span> und dem merkw\u00fcrdigen Mitklatschrefrain so einmalig wie einpr\u00e4gsam. Es geh\u00f6rte schon immer zu den St\u00e4rken dieser Band, komplexe \u201ePopmusik\u201c zu machen, ohne einen einzigen Takt mit tats\u00e4chlicher Popmusik zu verschwenden. Ohrw\u00fcrmer? Aber selbstverst\u00e4ndlich! Gute Laune? Aber hallo!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Ach, warum nicht mal wieder <a href="\&quot;http://echolyn.bandcamp.com/album/i-heard-you-listening-full-res-24-bit-96-khz\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> (Komplettstream)?</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Herr-Geisha-The-Boobs-Book-of-Mutations.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Herr-Geisha-The-Boobs-Book-of-Mutations.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Herr Geisha &amp; The Boobs \u2013 Book of Mutations</span>\n<p>Hehehe. <em>Boobs</em>. Das Beste zum Schluss, wie ihr seht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Herr Geisha &amp; The Boobs</span>, bestehend aus den drei Musikern <span class=\"musik-review-bandname\">Sir Bottom</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Lady Body</span> und <em>nat\u00fcrlich</em> dem Gitarristen und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Herr Geisha</span>, stammen trotz des Namens aus Lyon, Frankreich, und haben seit 2012 bislang jedes Jahr ein Album ver\u00f6ffentlicht. Das nunmehr vierte Album \u201eBook of Mutations\u201c klingt trotzdem kein bisschen m\u00fcde. Es handele sich, so wird der H\u00f6rer instruiert, trotz der Aufteilung in neun \u201eTitel\u201c (wobei \u201eChapter VIIII\u201c eigentlich \u201eChapter IX\u201c hei\u00dfen m\u00fcsste, andererseits k\u00f6nnte das Absicht sein) um ein einzelnes St\u00fcck, das man doch bittesch\u00f6n vollst\u00e4ndig und LAUT h\u00f6ren m\u00f6ge (Gro\u00dfbuchstaben wie in der Quelle). Wird gemacht.</p>\n<p>Homogen ist das \u201eBuch der Mutationen\u201c keinesfalls; von zwei \u201eKapiteln\u201c (\u201eChapter II\u201c und \u201eChapter VII\u201c), die im Postrock und/oder \u2011metal anzusiedeln sind, wobei besonders \u201eChapter VII\u201c an die guten, alten, sehr vermissten <span class=\"musik-review-bandname\">Aereogramme</span> erinnert, abgesehen h\u00f6rt der Schreiber dieser Zeilen hier eine bunte Mischung aus den experimentelleren Projekten von <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Fant\u00f4mas</span>), <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span>, Grunge, Mathrock, RIO/Avant und nicht zuletzt Noiserock. Das liest sich anstrengender als es klingt.</p>\n<p>Zumal kein falscher Eindruck vermittelt werden <em>soll</em>. Das \u201eKapitel 1\u201c greift nach einem seltsamen Beginn (es ert\u00f6nt etwas, das wohl Glocken nachahmen soll) schon frontal an: Ein krummtaktiges Gitarrenfundament begleitet <span class=\"musik-review-bandname\">Herrn Geishas</span> Punkgeschrei. Avantgarde-Punk? Sch\u00f6nklang jedenfalls ist feige. Das beinahe vierzehnmin\u00fctige, \u00fcberwiegend instrumentale \u201eKapitel 2\u201c legt noch eine Schippe hinsichtlich der H\u00e4rte drauf. Wer schon immer mal wissen wollte, wie es klingen w\u00fcrde, wenn eine Band wie <span class=\"musik-review-bandname\">System of a Down</span> eine Band wie <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> <em>covern</em> w\u00fcrde, der bekommt hier vielleicht einen ersten Eindruck.</p>\n<p>Ach, Sch\u00f6nklang. \u201eKapitel 6\u201c kommt diesem Wort vielleicht noch am n\u00e4chsten, wenn man auch <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Undergrounds</span> \u201eSunday Morning\u201c als Sch\u00f6nklang bezeichnen w\u00fcrde. Allerdings ist dieser <em>Spuk</em> nach nicht einmal zwei Minuten wieder vor\u00fcber und es wird wieder gebrettert. Herrlich.</p>\n<p>Das \u201eBook of Mutations\u201c ist ein weiterer Anlass, dem Wort \u201eGenre\u201c grunds\u00e4tzlich zu misstrauen. Progressive Punkavantmetal klingt ja auch wirklich d\u00e4mlich. Was wir hier haben, ist trotz gleichbleibender Menge an \u201eZutaten\u201c ein h\u00f6chst kreatives, anregendes Gericht. Lasst es euch schmecken.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> <a href="\&quot;http://herrgeishaandtheboobs.bandcamp.com/album/book-of-mutations\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> hat Stream und Kauf.</p></li>\n</ol>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1b.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Schnell empfohlen</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Demon-Head-Ride-The-Wilderness.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Demon-Head-Ride-The-Wilderness.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Demon Head \u2013 Ride the Wilderness</span>\n<p>Drogenschwanger geht es bei <span class=\"musik-review-bandname\">Demon Head</span> zu, einer d\u00e4nischen Kapelle, die <em>dr\u00fcben</em> auf dem Blog mit dem sch\u00f6nen Namen <a href="\&quot;http://33rpmpvc.blogspot.de/2015/05/es-doomt-machtig-deamon-head-mit.html\&quot;" data-wpel-link="internal">33rpmPVC</a> schon mal Thema war. Dort hei\u00dft\u2019s:</p>\n<blockquote><p>Doom Metal mit einem guten Schu\u00df Psychedelia.</p></blockquote>\n<p>Ich erhebe zaghaft eine meiner H\u00e4nde zum Einwand, dass hier der <em>Doom Metal</em> \u2013 was soll das eigentlich sein? \u2013 eher durch Abwesenheit auff\u00e4llt, was aber auch nicht unbedingt schlecht ist. Einverst\u00e4ndnis allerdings \u00e4u\u00dfere ich hier mit den <em>Psychedelia</em>, denn hier wird tats\u00e4chlich der Stoner-Rock (wie \u00fcblich mit Betonung auf \u201eStoner\u201c) zelebriert.</p>\n<p>Wobei ich mich frage, ob das noch Rock <em>ist</em>, immerhin spricht die Verspieltheit eine andere Sprache. Mag ja sein, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Demon Head</span> gemeinhin als Metalband gef\u00fchrt werden, wenngleich sie selbst sich unter \u201eHeavy Rock\u201c einsortieren. Genrepampe. Es gibt ein paar hervorragende Soli, die ich mir so auch von einer guten Hard-Rock-Band w\u00fcnschen w\u00fcrde, und dann aber gibt es auch Momente wie das vorletzte St\u00fcck \u201eThe Greatest Lie\u201c, das von Stoner-/Krautrock allm\u00e4hlich doch in etwas \u00fcbergeht, dem unsereins das Metalsein nur schwerlich absprechen k\u00f6nnen m\u00f6chte.</p>\n<p>Ein Adjektiv gef\u00e4llig? Erfrischend. Ja, doch \u2013 ein sehr sch\u00f6n erfrischendes Album. Auch jetzt, lange nach der <em>schrecklichen Hitzewelle</em>.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Man h\u00f6re <a href="\&quot;https://demonhead.bandcamp.com/album/ride-the-wilderness\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Bandcamp.com</a> hinein.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Ikarus-Echo.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Ikarus-Echo.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Ikarus \u2013 Echo</span>\n<p>Den Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Ikarus</span> verbindet der geneigte Musikfreund vielleicht mit einem gefl\u00fcgelten J\u00fcngling aus den griechischen Sagen des Altertums, vielleicht auch mit der Hamburger Krautrockband dieses Namens, die in den fr\u00fchen 1970-er Jahren ein bisschen vor sich hinexistierte und irgendwann damit aufh\u00f6rte.</p>\n<p>2015 allerdings fanden sich in Z\u00fcrich (Schweiz) wiederum andere Musiker unter dem Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Ikarus</span> zusammen und ver\u00f6ffentlichten mit \u201eEcho\u201c ihr Deb\u00fctalbum. Genres? Ach, Genres. Minimaljazz, nehme ich an, um nicht ulkige Satzverbrechen wie \u201eProg-Jazz-Groove-Quintett\u201c (cf. <a href="\&quot;http://www.mockthebird.com/ikarus-echo-review/\&quot;" data-wpel-link="internal">Mock The Bird</a>) kopieren zu m\u00fcssen. Ja, f\u00fcnf sind\u2019s an der Zahl, und jeder von ihnen hat eine Aufgabe. Gelegentlich erinnere ich mich beim H\u00f6ren an <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/01/utopianisti-utopianisti-ii-utopianisti-meets-black-motor-jon-ballantyne/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Utopianisti</span></a>, obwohl\u2019s weniger <em>rockt</em>.</p>\n<p>\u201eEcho\u201c ist trotz seines Namens weitgehend als Instrumentalalbum zu betrachten, das Vokalistenduo aus Stefanie Suhner und Andreas Lareida tr\u00e4gt eher Lautmalerei als <em>Gesang</em> bei; zwei Stimmen also als weiteres Instrument, als <em>soundscapes</em> eben, <em>a\u2011cappella</em> beziehungsweise indianischen Ges\u00e4ngen nicht un\u00e4hnlich. Schwelgerisch w\u00e4re hier vielleicht ein angebrachtes Adjektiv, selbst w\u00e4hrend der kurzen Ausfl\u00fcge in den Freiformjazz (etwa in \u201eSakura\u201c) bleibt alles im Fluss. Referenzen zum Bandnamen, naja, vielleicht fliegen die Stimmen so hoch oder so. Zum Gl\u00fcck aber verbrennen sie nicht und m\u00f6glicherweise tut ein Vergleich mit <span class=\"musik-review-bandname\">V\u00e4rttin\u00e4</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Iki</span> niemandem ein Unrecht an. Ziemlich zauberhaft, das Ganze.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=nFMcMRyFpZ0\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube.</a> <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=RMyC6_GKFf0\&quot;" data-wpel-link="internal">Erneut YouTube.</a> Schlie\u00dflich <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Echo-Ikarus/dp/B00V98DCPW/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Late-Night-Venture-Tychonians.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Late-Night-Venture-Tychonians.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Late Night Venture \u2013 Tychonians</span>\n<p>Die diesj\u00e4hrige Dosis Postrock machen <span class=\"musik-review-bandname\">Late Night Venture</span> komplett.</p>\n<p>Das tychonische Weltsystem wurde im 16. Jahrhundert von dem d\u00e4nischen Mathematiker <span class=\"musik-review-bandname\">Tycho Brahe</span> ersonnen und besagte, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums stehe und alle anderen Planeten um die Sonne kreisten. Aus heutiger Sicht ist das zumindest weniger bl\u00f6d als manch andere Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze.</p>\n<p>Inwiefern das eine Grundlage f\u00fcr das Album \u201eTychonians\u201c ist, ist beinahe ohne Texte schwer auszumachen. Fest steht, dass die f\u00fcnf Musiker von <span class=\"musik-review-bandname\">Late Night Venture</span> ebenfalls aus D\u00e4nemark stammen und sich offenbar bevorzugt mit Astrologie besch\u00e4ftigen; das Vorg\u00e4ngeralbum zum Beispiel trug den Titel \u201ePioneers of Spaceflight\u201c, das erste St\u00fcck auf \u201eTychonians\u201c beginnt zudem mit etwas, das ich als die Abflugger\u00e4usche eines Raumschiffs interpretieren w\u00fcrde.</p>\n<p>Die Band mischt das alte Laut-Leise-Spiel mit allerlei Doom\u2011, Spacerock- und Psychedelic-Zutaten, sie bleibt dabei \u00fcberwiegend in instrumentalen Gefilden. Einzig in \u201eMoon Shone on White Rock\u201c findet sich ein wenig verzerrter Gesang. <em>Das Internet</em> zieht Vergleiche mit <span class=\"musik-review-bandname\">Anathema</span> und (mehrfach) <span class=\"musik-review-bandname\">Long Distance Calling</span>, ich finde solche Vergleiche eher albern, obwohl ich <span class=\"musik-review-bandname\">Long Distance Calling</span> hier streckenweise auch selbst wiederfinde.</p>\n<p>Ein Rezensent auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/tychonians-late-night-venture/dp/B016E9KDHU/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> merkt an, \u201eTychonians\u201c mache Spa\u00df. Ich behaupte: Das stimmt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Neben den Schnipseln auf Amazon.de gibt es einen Komplettstream auf <a href="\&quot;http://latenightventure.bandcamp.com/album/tychonians\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n</ul>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1c.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Live und umsonst</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Umphreys-McGee-The-London-Session.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Umphreys-McGee-The-London-Session.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Umphrey\u2019s McGee \u2013 The London Session</span>\n<p>Wer ein Album \u201eThe London Session\u201c nennt, der weckt damit zumindest Assoziationen an viele gute und weniger gute Livealben vergangener Epochen. <span class=\"musik-review-bandname\">Umphrey\u2019s McGee</span> meinten das aber noch ironischer als es scheint, als sie im Juni 2014, \u00fcber vier Jahrzehnte nach den <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>, in den Abbey-Road-Studios (denen mit dem Zebrastreifen) in dem Raum \u2013 angeblich sogar in derselben Ecke -, in dem von 1962 bis 1970 ebenjene Popmusikgruppe ihre Alben einspielte, einige ihrer St\u00fccke neu aufnahm.</p>\n<p>Zwar ist mit \u201eBad Friday\u201c auch ein g\u00e4nzlich neues St\u00fcck auf dem Album zu h\u00f6ren, aber <em>eigentlich</em> geht es ja um v\u00f6llig andere Dinge. Die Band aus Chicago macht daf\u00fcr, dass sie aus den musikalisch sonst eher langweiligen USA kommt, erfreulich spa\u00dfige Musik zwischen allen musikalischen St\u00fchlen und wei\u00df diese auch auf \u201eThe London Session\u201c angemessen in Szene zu setzen. <a href="\&quot;http://www.popmatters.com/review/191930-umphreys-mcgee-the-london-session-a-day-at-abbey-road-studios/\&quot;" data-wpel-link="internal">Anders gesagt:</a></p>\n<blockquote><p>Langzeitbewunderer von Umphrey\u2019s McGee sollten mit diesem Album weitere Bewunderung und Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Wagnis und Entschlossenheit der Band entwickeln. (\u2026) Umphrey\u2019s McGee fahren damit fort, das zu tun, was sie immer schon am besten konnten \u2013 n\u00e4mlich, jeder Beschreibung auszuweichen und jeden Versuch, sie in eine Schublade zu stecken, in eine \u00dcbung in reiner Zwecklosigkeit zu verwandeln. Wenige andere Formationen k\u00f6nnen von sich behaupten, Ambition, Mehrdeutigkeit und Integrit\u00e4t in einer solch ausgeglichenen Weise zu bieten.</p></blockquote>\n<p><em>(Grausame \u00dcbersetzung von mir.)</em></p>\n<p>Dass mit \u201eI Want You (She\u2019s So Heavy)\u201c auch ein von <span class=\"musik-review-bandname\">Umphrey\u2019s McGee</span> seit Jahren live gespieltes Lied der <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>, \u00fcberdies von deren Album \u201eAbbey Road\u201c (dem mit dem Zebrastreifen) stammend, seinen Weg auf \u201eThe London Session\u201c gefunden hat, ist da eigentlich nur noch das Sahneh\u00e4ubchen dieser Ver\u00f6ffentlichung.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Man h\u00f6re auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/London-Session-UmphreyS-Mcgee/dp/B00TSOOSOI/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> oder <a href="\&quot;http://tidal.com/album/41890717\&quot;" data-wpel-link="internal">TIDAL</a> hinein.\n</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Guilty-Ghosts-The-Witness.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Guilty-Ghosts-The-Witness.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Guilty Ghosts \u2013 The Witness</span>\n<p>2015 war hinsichtlich der \u201eName your price\u201c-Alben erschreckend entt\u00e4uschend. Haben inzwischen alle Musiker ihren Gesch\u00e4ftssinn entdeckt?</p>\n<p>Nein, auf eines ist Verlass, auf die <span class=\"musik-review-bandname\">Guilty Ghosts</span> n\u00e4mlich, die als Soloprojekt von <span class=\"musik-review-bandname\">Tristan O\u2019Donnell</span> gar nicht so viele sind, wie man glauben k\u00f6nnte. Mit \u201eThe Witness\u201c \u2013 \u201eDer Zeuge\u201c \u2013 erschien im Juni nach \u00fcber zwei Jahren Pause ein neues Album des Herrn, diesmal ausschlie\u00dflich in digitaler Darreichungsform, aber auch weiterhin nicht an einen festen Preis gebunden.</p>\n<p>Ist das denn schon ein Album? Die Laufzeit betr\u00e4gt nicht einmal 23 Minuten. Ich bin geneigt, von einem \u201eMinialbum\u201c zu sprechen. Und andere Leute sind schon \u00fcberfordert, wenn es um Lappalien wie \u201eGenres\u201c geht!</p>\n<p>Die stilistische Zuordnung ist bei <span class=\"musik-review-bandname\">Guilty Ghosts</span> indes wie gewohnt nicht schwer zu erraten. Weite Klanglandschaften breiten sich im Kopf aus und erreichen von dort jeden Ort im K\u00f6rper des H\u00f6rers, der ihnen Zutritt gew\u00e4hrt. (Ergibt das \u00fcberhaupt Sinn? Und ist das wichtig?) Ich h\u00f6re feinste Instrumentalmelancholie, eine tr\u00e4umerische Remineszenz an <span class=\"musik-review-bandname\">Long Distance Calling</span> und hier und da auch Balladesques. Dass manche Klimax durch\u2019s gelegentliche Ein- und Ausblenden nicht zum Zug kommt: Geschenkt! Wenig empfehlenswert ist das hier Geh\u00f6rte trotzdem noch lange nicht, sonst st\u00fcnde es nicht hier.</p>\n<p>Wahr bleibt auch die Selbstbeschreibung des Musikers: \u201eSongs fit for rainy days, everlasting evenings, and melancholy moments in solitude.\u201c <span class=\"musik-review-hoerproben\">Holt es euch</span> auf <a href="\&quot;https://guiltyghosts.bandcamp.com/album/the-witness\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> oder via <a href="\&quot;http://emulefuture.de/viewtopic.php?f=112&amp;t=6100\&quot;" data-wpel-link="internal">eMule</a>, vergesst die anderen Alben des Herrn <span class=\"musik-review-bandname\">O\u2019Donnell</span> nicht und schaut mal in den Wolken vorbei. Es ist wirklich angenehm dort.</p></li>\n</ul>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Schrottwichtel des Jahres</span></p>\n<p>Es soll ja niemand behaupten, ich w\u00e4re pl\u00f6tzlich allzu beliebig geworden, weil bislang <em>erschreckend</em> wenig furchtbar Schr\u00e4ges aufgef\u00fchrt war. Auch ein erweiterter Horizont kennt Grenzen. Beispiele gef\u00e4llig? 2015 war da durchaus nicht geizig:</p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Panda Bear \u2013 Panda Bear Meets The Grim Reaper</span>: Weder flauschig-pelzig noch grimmig. Wenn ich ein Panda w\u00e4re, w\u00fcrde ich die Produzenten dieses Langweilers wegen Rufmords verklagen wollen.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Katzenjammer \u2013 Rockland</span>: Zu viele Ideen auf zu wenig Platz. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eOh, sweet lord.\u201c</span></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Mollmaskin \u2013 Heartbreak In ((Stereo))</span>: Herzzerrei\u00dfendes, lahmes Geklimper.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Progoctopus \u2013 Transcendence EP</span>: Ein Album, das klingt, als h\u00e4tte jemand ein gutes Progressive-Rock-Album in Fetzen geschnitten und dann halbherzig mit irgendeinem F\u00fcnf-Euro-Programm wieder zusammengew\u00fcrfelt. <span class=\"musik-review-bandname\">Jane Gillards</span> guter Gesang wirkt leider v\u00f6llig verloren. So wird das nichts.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Portico \u2013 Living Fields</span>: Von bezauberndem Jazz auf fr\u00fcheren Alben zu einschl\u00e4ferndem Elektropop auf diesem Erzeugnis. So schnell kann\u2019s gehen mit dem Fall.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Shining \u2013 International Blackjazz Society</span>: Wie die x\u2019te Neuauflage der \u201eTubular Bells\u201c, so ist auch die \u201eInternational Blackjazz Society\u201c ein blut- und ideenarmer Versuch, aus dem Namen eines wirklich guten Albums noch etwas Profit zu gewinnen. Oder ist Blackjazz doch das \u201eGenre\u201c? Wenn ja: wann und warum hat dieses Genre aufgeh\u00f6rt, spannend zu sein?</li>\n</ul>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Neunzig Jahre Horrorschau</span></p>\n<p>Wie \u00fcblich m\u00f6ge eine R\u00fcckschau auf die letzten Jahrzehnte Musikgeschichte diesen Text beschlie\u00dfen; diesmal beginne ich mit einem ganz besonderen Jubil\u00e4um:</p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 90 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Gid Tanner \u2013 Boll weevil blues</span>\n<p>1925, mitten in der Weimarer Republik, war kein besonders gutes Jahr f\u00fcr Deutschland. <span class=\"musik-review-bandname\">Friedrich Ebert</span>, Vorsitzender der bereits damals kriegsfreundlich eingestellten und auch vor Mord am politischen Gegner \u2013 seinerzeit <span class=\"musik-review-bandname\">Rosa Luxemburg</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Karl Liebknecht</span> \u2013 nicht zur\u00fcckschreckenden SPD war bis Ende Februar 1925 Reichspr\u00e4sident des merklich von der Politik der SPD gezeichneten Landes, ein \u00f6sterreichischer K\u00fcnstler und Kriegsveteran publizierte derweil den ersten Band einer ziemlich langweiligen Geschichte namens \u201eMein Kampf\u201c, der 2015 wieder erh\u00f6hte Aufmerksamkeit, diesmal aus Urheberrechtsgr\u00fcnden, zuteil wurde. Auch musikalisch gab es nicht viel, wor\u00fcber man sich freuen konnte, und vieles ist mittlerweile zu Recht vergessen worden. In Georgia (USA) allerdings machte das Duo aus dem Fiddler <span class=\"musik-review-bandname\">Gid Tanner</span> und dem blinden Gitarristen <span class=\"musik-review-bandname\">Riley Puckett</span> von sich reden, das f\u00fcr die damalige Zeit einigerma\u00dfen moderne Folkmusik spielte und f\u00fcr die Plattenfirma Columbia bereits manche Schallplatte aufgenommen hatte. Der Bitte Columbias, eine Stringband zu gr\u00fcnden, kamen beide bald nach; <span class=\"musik-review-bandname\">Gid Tanner\u2019s Skillet Lickers</span> erwarben einen solch guten Ruf, dass seine Enkel und Urenkel noch heute unter dem Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Skillet Lickers</span> mit etwas, was wohl mittlerweile \u201eOld-Time-Musik\u201c hei\u00dft, auf Festivals auftreten. Das sollen die <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span> erst mal hinbekommen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator \u2013 Godbluff</span>\n<p>1975 sah die Welt schon viel besser und friedlicher aus: Der spanische Diktator <span class=\"musik-review-bandname\">Franco</span> starb und der erb\u00e4rmliche Vietnamkrieg endete mit viel zu wenig toten Soldaten und viel zu viel Leid. Es war also ein ideales Jahr f\u00fcr etwas Beschaulichkeit. <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Greenslade</span> trug zu dieser Beschaulichkeit zum vorerst letzten Mal mit <span class=\"musik-review-bandname\">Greenslades</span> Album \u201eTime and Tide\u201c bei, auf dem abermals sehr empfehlenswerter Progressive Folk gespielt wurde. <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> versuchte derweil seinen Plattenvertrag loszuwerden, der nach seinem bis heute in seiner Heimat erfolgreichsten Album \u201eSally Can\u2019t Dance\u201c von 1974 die ungeliebte Erwartungshaltung von Publikum und Finanziers vervielfacht haben d\u00fcrfte: \u201eMetal Machine Music\u201c wurde ein gewaltiger Koloss aus Gitarrenl\u00e4rm, der kommerziell der gew\u00fcnschte Reinfall wurde, k\u00fcnstlerisch allerdings ein langes Nachspiel hatte, das schlie\u00dflich erst 2002 in einer Neuinterpretation zusammen mit dem deutschen Ensemble <span class=\"musik-review-bandname\">Zeitkratzer</span>, dann 2008 in der Gr\u00fcndung des bis zu seinem Tod im Jahr 2013 bestehenden <span class=\"musik-review-bandname\">Metal Machine Trios</span> seinen Abschluss fand. Einen weiteren Neuanfang wagte 1975 die zuvor vor\u00fcbergehend aufgel\u00f6ste Progressive-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span>, deren Mitglieder ohnehin f\u00fcr verschiedene Soloaktivit\u00e4ten zusammengearbeitet hatten, und ver\u00f6ffentlichte vier Jahre nach \u201ePawn Hearts\u201c das bis heute als eines ihrer besten bewertete \u201eComeback\u201c-Album \u201eGodbluff\u201c, das mit <em>nur</em> vier St\u00fccken, darunter das grandiose \u201eThe Sleepwalkers\u201c, den Auftakt zu einer in schneller Folge ver\u00f6ffentlichten Reihe von hervorragenden Werken f\u00fchrte. 1978 zerfiel die Band nach einigen Umbesetzungen wieder und fand sich erst 2005 wieder zusammen; eigentlich w\u00e4re (\u201eALT\u201c ist von 2012) ja auch mal wieder ein neues Album f\u00e4llig. Warten wir es ab.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Marillion \u2013 Misplaced Childhood</span>\n<p>Viel besser abwarten \u2013 nicht nur in musikalischer Hinsicht \u2013 h\u00e4tte man die 1980-er Jahre gekonnt. Zwar gab sich 1985 mit der Gro\u00dfveranstaltung \u201eLive Aid\u201c menschenfreundlich, gleichzeitig aber wurde dieses Jahr zum \u201eJahr der Vereinten Nationen\u201c erkl\u00e4rt. Die Vereinten Nationen sind nun nicht f\u00fcr eine besondere Friedfertigkeit bekannt, immerhin unterhalten sie sogar eine eigene Armee. Dazu passt eigentlich der Titel des in diesem Jahr erschienenen Albums der Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Dire Straits</span>, n\u00e4mlich \u201eBrothers in Arms\u201c, also \u201eWaffenbr\u00fcder\u201c, ebenso gut wie das anscheinend komisch gemeinte \u201eGeld oder Leben!\u201c der \u00f6sterreichischen Popband <span class=\"musik-review-bandname\">Erste Allgemeine Verunsicherung</span>, wobei bei Dingen, die die Vereinten Nationen betrafen, oft weniger Geld als Leben floss. Mitten in diese wirre Zeit wurde der Autor dieser Zeilen in eine <em>deplatzierte Kindheit</em> hinein geboren, und auch <span class=\"musik-review-bandname\">Marillions</span> 1985 ver\u00f6ffentlichtes \u201eMisplaced Childhood\u201c wirkte mit dem Radiohit \u201eKayleigh\u201c einerseits und St\u00fccken wie \u201eLavender\u201c andererseits zerrissen zwischen Gef\u00e4lligkeit und Anspruch. Der Abschied vom k\u00fchlen, technischen Stil der Vorg\u00e4ngeralben jedenfalls l\u00e4utete auch den allm\u00e4hlichen Abschied vom angeblich zusehends mehr von sich eingenommenen S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Fish</span> ein; nach einem weiteren Album verlie\u00df er die Band nur kurze Zeit sp\u00e4ter, seine ehemalige Band macht bis zum heutigen Tage mit dem damals neuen S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Hogarth</span> und einem zusehends mehr am Artrock als an <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> orientierten Stil weiter. Manchmal will auch die Musik mit der Zeit gehen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Neu! \u2013 Neu! 4</span>\n<p>Was f\u00e4llt euch ein, wenn ihr \u201e1995\u201c lest? Richtig: 50 Jahre Kapitulation der deutschen Wehrmacht, 5 Jahre deutsche Einheit und nicht zuletzt der Siegeszug eines zu diesem Zeitpunkt schon vierzehn Jahre alten Liedes, n\u00e4mlich \u201eStart Me Up\u201c von den <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span>. Windows 95 brauchte eine einpr\u00e4gsame Hymne, und was lag da n\u00e4her als ein vermeintliches Lied \u00fcber den seinerzeit neuen \u201eStartknopf\u201c? Die <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span> waren allerdings selbst l\u00e4ngst weitergezogen, im November 1995 erschien mit \u201eStripped\u201c eine Art Studio-Live-Album ohne eigenes neues Material; auf das n\u00e4chste \u201evollst\u00e4ndige\u201c Studioalbum \u201eBridges to Babylon\u201c musste das geneigte Publikum noch bis 1997 warten. Es war ein vielf\u00e4ltiges Jahr, in das auch <span class=\"musik-review-bandname\">Purs</span> erstes <em>Nummer-1-Album</em> \u201eAbenteuerland\u201c gut hineinpasste. Pop und Radiorock, wohin man zun\u00e4chst blickte. Aber was, wenn man einen zweiten Blick wagte? Vielleicht hat man dann das selbstbetitelte Deb\u00fctalbum der schwedischen Progressive-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Ritual</span> entdeckt, die bereits auf ihm einen eigenst\u00e4ndigen Stil zwischen Folk, AOR und Hardrock gezeigt hatten, den sie in den kommenden Jahren immer weiter zu einem beeindruckenden Folkrock weiterentwickeln sollten. In Deutschland b\u00e4umte sich derweil ein letztes Mal der Krautrock auf: Die von <span class=\"musik-review-bandname\">Conny Plank</span>, der mittlerweile verstorben war, in den Jahren 1985 und 1986 produzierten letzten, allerdings unvollendeten Aufnahmen des D\u00fcsseldorfer Duos <span class=\"musik-review-bandname\">Neu!</span> wurden nach der streitbedingten Trennung der beiden Musiker <span class=\"musik-review-bandname\">Klaus Dinger</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Michael Rother</span> erst nach neun Jahren zur Ver\u00f6ffentlichung als \u201eNeu! 4\u201c freigegeben. Dass sich selbst die nicht auf kommerziellen Erfolg bedachte Band <span class=\"musik-review-bandname\">Neu!</span> hier mit allerlei Elektronik an den schlimmen \u201emusikalischen\u201c Zeitgeist des Jahrzehnts anzupassen versuchte, ist dank der ansonsten weiterhin experimentellen Spielweise beinahe unauff\u00e4llig geblieben. Nichtsdestotrotz erschien 2010 eine \u00fcberarbeitete Neuauflage unter dem Namen \u201eNeu! \u201a86\u201c. Mit weiteren Aufnahmen ist nach dem Tod <span class=\"musik-review-bandname\">Klaus Dingers</span> aber leider nicht mehr zu rechnen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Nil \u2013 Nil Novo Sub Sole</span>\n<p>Zehn Jahre ist es nun her, dass ich anfing, mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig <em>richtige Texte</em> ins Web reinzuschreiben. Gleichzeitig erbebte die deutschsprachige Musikwelt allerdings aus ganz anderen Gr\u00fcnden, n\u00e4mlich aufgrund des Albums \u201eSchrei\u201c der absurden Combo <span class=\"musik-review-bandname\">Tokio Hotel</span>, \u00fcber die allzu kindische Witze zu machen selbst mir damals nicht zu unpassend erschien. Wer allerdings damals schon nicht viel Wert auf die Besch\u00e4ftigung mit solch belanglosem Quark gelegt hatte, der ist zu beneiden, denn er hatte um so mehr Zeit f\u00fcr wirklich gute Lieder. <span class=\"musik-review-bandname\">\u2026And You Will Know Us by the Trail of Dead</span> zum Beispiel lie\u00dfen den potenziellen K\u00e4ufern viel Zeit f\u00fcr Vorfreude, indem die Ver\u00f6ffentlichung ihres Albums \u201eWorlds Apart\u201c von 2004 auf 2005 verschoben wurde, damit die Verkaufszahlen sich nicht an denen von <span class=\"musik-review-bandname\">Eminem</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Destiny\u2019s Child</span> (einer anst\u00e4ndigen Plattenfirma ist kein Vergleich zu doof) messen lassen mussten. Nichts Neues also unter der Sonne? Dies jedenfalls behauptete das franz\u00f6sische Symphonic-Prog-Quintett <span class=\"musik-review-bandname\">Nil</span>, dessen Album \u201eNil Novo Sub Sole\u201c seit dem Jahr 2005 ebenfalls erh\u00e4ltlich ist, allerdings unter offensichtlich anderen Voraussetzungen, denn Zugest\u00e4ndnisse sind hier nicht erkennbar. Den gro\u00dfen Fehler vieler anderer Musikgruppen, die englische Sprache zu der eigenen zu machen, wiederholen <span class=\"musik-review-bandname\">Nil</span> nicht, hier ist und bleibt alles auf Franz\u00f6sisch, das ich zwar nicht verstehe, das aber authentisch und nah wirkt. Umgeben von einer atmosph\u00e4risch dichten Wolke aus teils psychedelischem, teils verzwirbelt-hartem Progressive Rock, der mal an <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> erinnert, meist aber eine ganz eigene Note tr\u00e4gt, schwebt S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Roselyne Benthet</span> gleichsam \u00fcber den Dingen und verursacht ganz nebenbei selbst bei den ung\u00e4nsigsten H\u00f6rern eine G\u00e4nsehaut, die man eigentlich gern eine Weile behalten w\u00fcrde. Manche Alben f\u00fchlen sich einfach <em>richtig</em> an; dies ist eins davon.</p></li>\n</ul>\n<p>Was wohl noch kommen mag? Wer wei\u00df! <span class=\"musik-review-bandname\">Sebkha-Chott</span> allerdings haben zum Jahreswechsel ihre Aufl\u00f6sung angek\u00fcndigt. 2016 soll ein letztes Album erscheinen. Da bleibt zumindest etwas, worauf wir uns noch einmal freuen k\u00f6nnen.</p>\n<p>Bis zum n\u00e4chsten Mal!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;https://www.facebook.com/Paisleytreeband/?ref=settings\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Magic Petra</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Februar 2016</a> dies: Hi Sven, \nich bin Petra von Paisley Tree und wollte mich im Namen der Band f\u00fcr Deinen sch\u00f6nen Review bedanken. \nWir haben ihn auf unsere facebook Seite gestellt \u2013&gt; https://www.facebook.com/Paisleytreeband/?ref=settings\nLiebe Gr\u00fc\u00dfe, Petra\n\nP.S. Die Zweittstimme habe ich selbst gesungen  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":-)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\">   \nDemn\u00e4chst kommt noch eine Single in Kooperation mit Space Debris. Vielleicht hast Du ja Lust, auch die zu \u201ereviewen\u201c. \nDann gib mir einfach per E\u2011Mail Bescheid. http://green-brain-krautrock.de/32cf191a5b396b39b03506d58647ad56,german,SPACE-DEBRIS-PAISLEY-TREE-New-Rag-Spiral-Cage-7-inch-Split-single-Green_23179.html</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Februar 2016</a> dies: Heyho, magische Petra,\n\nso als Facebookmeider (jetzt werft doch nicht so extensiv mit Daten aus meinem Impressum um euch, wenn ich hier schon unter Pseudonym parliere, Mensch) hab\u2018 ich mich schon gewundert, woher die vielen Zugriffe kommen. Sch\u00f6n, wenn es euch gef\u00e4llt. (Aber die vier Alben dar\u00fcber einfach ignorieren? Dz, dz! So war das ja nicht gedacht.)\n\nVon Singles halte ich aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden nicht viel, aber ich hab\u2018 euch im Auge.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif\" alt=\";)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> </li><li>Petra schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Februar 2016</a> dies: Hi Tux, \nhab es in fb ge\u00e4ndert (sorry :-))</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Februar 2016</a> dies: Dankesch\u00f6n!</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2016 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">26. Juli 2016</a> dies: [\u2026] von Anfang an eher asiatisch; sofort bemerke ich das m\u00e4chtige Brummen, wie es mich schon bei boris begeisterte, das dann in einen dr\u00f6hnenden treibenden Rhythmus mit allerlei Knattern und Donnern [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/0654373f59334d56a000ce9e4a03f793\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 15 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickDie bisher sch\u00f6nste Nachricht des Jahres 2015 war es, dass Phil Collins nie wieder ein Lied komponieren m\u00f6chte. Das ist vielleicht in der gewaltigen Nachrichtenmenge v\u00f6llig untergegangen; vor nicht allzu langer Zeit berichtete Stefan Niggemeier in der \u201eFrankfurter Allgemeinen Zeitung\u201c davon, dass Claus Kleber anl\u00e4sslich seiner Honorarprofessur beklagte, dass die Jugend zu einem bedeutenden Teil Nachrichten nur noch h\u00e4ppchenweise statt in vollst\u00e4ndiger Darbietungsform zur Kenntnis nehme; im selben Artikel war davon die Rede, dass es Nachrichten also so gehe wie Musik. Offensichtlich ist die Jugend \u00fcber die Sch\u00f6nheit aktueller musikalischer Kleinode gar nicht mehr informiert (das liegt bestimmt an den zu kurz zusammengefassten Nachrichten). H\u00f6chste Zeit also, dass wir uns wieder einmal mit der primasten Musik des Jahres 2015 befassen.\nWie gewohnt haben auch diesmal manche Alben einen zeitlichen Vorsprung, n\u00e4mlich die bereits zuvor empfohlenen neuen Werke von Godspeed You! Black Emperor, Katie Dey, Gr\u00fcnlich Grau sowie The Hirsch Effekt; aus dramaturgischen Gr\u00fcnden bleiben sie als Empfehlungen bestehen, werden aber kein zweites Mal rezensiert.\nApropos Drama:\n1a. Musikalische Kleinode\n\nMagma \u2013 \u0160la\u011f Tanz\n\u201eSchlagtanz\u201c? Nein, keine Sorge, mit Folk m\u00f6chte ich euch noch nicht schockieren. Magma haben nach ihrem bislang letzten Opus Magnum \u201e\u00cbm\u00ebhnt\u00ebhtt-R\u00e9\u201c aus dem Jahr 2009 eine turbulente Ver\u00f6ffentlichungspolitik gef\u00fchrt: Mit \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c kam 2012 ein (f\u00fcr Bandverh\u00e4ltnisse) ziemlich fr\u00f6hliches Quasipopalbum heraus, 2013 und 2014 jeweils ein Livealbum aus unterschiedlichen Bandepochen, zuletzt 2014 mit \u201eR\u00efah Sah\u00efltaahk\u201c eine EP, die das gleichnamige St\u00fcck von 1971 als neues Arrangement enthielt. Jetzt also \u201e\u0160la\u011f Tanz\u201c.\nMit nicht einmal 21 Minuten Laufzeit w\u00e4re es vielleicht vermessen, hier wieder von einem \u201eAlbum\u201c zu sprechen; aber so lange die Qualit\u00e4t stimmt, wollen wir uns mal nicht beschweren. Au\u00dferdem haben wir es hier immerhin mit dem ersten mehr oder weniger neuen output im guten, alten hymnisch-repetitiven Zeuhl-Stil seit 2009 zu tun.\nDie Besetzung hat sich nicht ge\u00e4ndert, das Oktett von \u201eR\u00efah Sah\u00efltaahk\u201c, dessen Kern (Christian Vander, Stella Vander, Isabelle Feuillebois, James Mac Gaw, Phillipe Bussonnet) seit der Studioreunion von 1998 (\u201eFlo\u00eb \u00cbssi / \u00cbktah\u201c) gemeinsam spielt, trat also auch hier wieder zusammen.\nVon \u201eJazz Metal\u201c spricht ein Aufkleber, aber mit Metal haben wir es hier zum Gl\u00fcck auch weiterhin nicht zu tun, sondern mit dem musikalischen Gegenst\u00fcck zu \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c, das bereits vor vier Jahren auf Konzerten den Kontrast zum damals ebenfalls neuen \u201e\u0160la\u011f Tanz\u201c bildete, dessen Dissonanz und harsche Rhythmik dem alten Magma-H\u00f6rer wohl zu gefallen verm\u00f6gen. Wie King Crimson haben es indes auch Magma nie geschafft, ihren ersten S\u00e4nger (seinerzeit Klaus Blasquiz) im Laufe der Jahre ad\u00e4quat zu ersetzen, Herv\u00e9 Aknin intoniert ungew\u00f6hnlich exaltiert und l\u00e4sst Magma in schw\u00e4cheren Momenten eher italienisch klingen, was, wie regelm\u00e4\u00dfige Leser wissen, in der Progressive-Rock-Szene sangestechnisch von minderer G\u00fcte scheint; in den st\u00e4rkeren aber freuen wir uns, dass Magma mit dem herausragenden Bassisten Phillipe Bussonnet und eben auch Herv\u00e9 Aknin eine Erneuerung erfahren haben, die erfreulich ist. Magma bleiben sich musikalisch vielleicht auch wegen der neuen K\u00f6pfe noch im 46. Jahr ihres Bestehens treu, ohne sich zu wiederholen. Mir gef\u00e4llt\u2019s.\nH\u00f6rproben: Auf YouTube l\u00e4sst sich in \u201e\u0160la\u011f Tanz\u201c hineinh\u00f6ren, auf Amazon.de gibt es Kauf- und H\u00f6rschnipselm\u00f6glichkeiten.\n\u2013isq \u2013 Too\n\u201eSo the darkest of places has room for a light\u201c (Tears of a Clown)\nOh, ist das sch\u00f6n. Wirklich, wirklich sch\u00f6n.\nDas Londoner Quartett mit dem eigenartigen Namen \u2013isq, das in launiger Stimmung auch schon mal Nirvana covert, l\u00e4sst mich mit seinem zweiten (haben wir hier etwa ein Wortspiel versteckt?) Album \u201eToo\u201c vergebens nach geeigneten Synonymen suchen, was man einer Jazzcombo, deren Pianist, wie man vielerorts liest, bereits mit ausgerechnet Bj\u00f6rk zusammengearbeitet hatte, eigentlich nicht zugetraut h\u00e4tte, aber was w\u00e4re Musik ohne \u00dcberraschungen?\nMelancholie fasst \u201eToo\u201c m\u00f6glicherweise gut zusammen, gebrochene Herzen stehen Pate f\u00fcr Texte und Musik. Die mir bedauerlicherweise zuvor v\u00f6llig unbekannte S\u00e4ngerin Irene Serra, geboren in Italien, aufgewachsen in D\u00e4nemark und re\u00fcssiert in den Jazzclubs Gro\u00dfbritanniens, tr\u00e4gt ihren Teil dazu bei, sie singt mit einem Weltschmerz, dass es einem beinahe fr\u00f6steln w\u00fcrde, aber die G\u00e4nsehaut ist eine w\u00e4rmere, angenehmere; will sagen: Fesselspielchen f\u00fcr die Ohren.\nDabei unterscheiden sich die St\u00fccke eigentlich nur in der Intensit\u00e4t; behutsam und zur\u00fcckhaltend wie das beinahe minimalistische \u201eThe Bird Has Flown\u201c, soulschwanger wie das bedr\u00fcckende \u201eFalling Stars\u201c oder ergreifend wie das l\u00e4ngst ohrwurmtaugliche bis \u2011grenz\u00fcberschreitende \u201eZion\u201c, jedes St\u00fcck tr\u00e4gt seine eigene Signatur und bleibt dennoch ein Stein im Mosaik.\n\u201eToo\u201c ist wie ein Musik gewordener Abend im Ohrensessel mit einem Glas besten Single Malts.\nHabe ich schon erw\u00e4hnt, wie sch\u00f6n es ist?\nH\u00f6rproben: Auf YouTube gibt es zum Beispiel ein Video zu \u201eZion\u201c sowie eine Livedarbietung von \u201eFalling Stars\u201c anzusehen. Wer es ohnehin nicht so mit Handfestem hat, der kann auf Amazon.de das Album im MP3-Format kaufen.\nThe Brian Jonestown Massacre \u2013 Musique de Film Imagin\u00e9\nNicht, dass ihr mir hier noch einschlaft vor lauter Ruhe: The Brian Jonestown Massacre haben gerade mal ein Jahr nach dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eRevelation\u201c wieder nachgelegt und pr\u00e4sentieren nunmehr \u201eMusik f\u00fcr einen eingebildeten Film\u201c, wobei das ja nur zum Teil so stimmt.\nZum Einen n\u00e4mlich hat, wie es hei\u00dft, Anton Newcombe das Album nur mit den Gastmusikerinnen St\u00e9phanie \u201eSoko\u201c Sokolinski (einer wohl nicht ganz unbekannten Goth-Pop-Musikerin) und einer gewissen Italienerin namens Asia Argento zusammen aufgenommen, womit es unter dem Bandnamen The Brian Jonestown Massacre eigentlich formell falsch aufgehoben ist, zum Anderen gibt es mit der Pariser Filmkultur der 1950-er Jahre offenbar ein reales Vorbild. Das n\u00e4mlich hat die \u201eMusique de Film Imagin\u00e9\u201c mit mancherlei Album von Mogwai gemein: Das ganze Werk ist eigentlich vertontes Kino. Sein Sch\u00f6pfer gab hierzu zu Protokoll:\nDas Album, das Sie gleich h\u00f6ren werden, ist eine Tonspur, meine eigene Kreation, ein Tribut den gro\u00dfartigen Regisseuren und Filmmachern aus einer \u00c4ra, die nun hinter uns zu liegen scheint. Es ist den Klugen \u00fcberlassen, sich vorzustellen, dass diese Kunst nunmehr im Schatten seiner fr\u00fcheren Glorie liegen k\u00f6nnte. Das Interessante an diesem Projekt ist allerdings, dass auch der Film nicht existiert. Trotzdem habe ich mir seine Tonspur ausgedacht und sie umgesetzt\u2026 Nun sind Sie an der Reihe, Sie als Zuh\u00f6rer m\u00fcssen sich den Film vorstellen.\nWas auch erkl\u00e4rt, wieso selten und dann auch noch ausgerechnet auf Franz\u00f6sisch gesungen wird. Analog zum film noir steht mir der Sinn danach, hier von musique noire (nicht aber von der gleichnamigen Band) zu reden. Am Ende, so schreibt\u2019s das Internet, sei alles Oboe und Fagott; ein expressionistisches Meisterwerk in Noten oder ein vertontes Drama des gro\u00dfen franz\u00f6sischen Films. Nach sechzig Jahren war eine solche Hommage, andererseits, wohl \u00fcberf\u00e4llig.\nH\u00f6rproben: Auf Amazon.de gibt es halbmin\u00fctige H\u00f6rproben zu, nun, h\u00f6ren.\n\nArcane \u2013 Known/Learned\nVon franz\u00f6sischer D\u00fcsterheit ist es ein immer noch weiter Weg zu australischem Progressive Metal, aber da\u2019s drau\u00dfen gerade Wanderwetter ist, nehmen wir das mal auf uns.\nMit \u201eKnown/Learned\u201c haben Arcane ein Doppelalbum ver\u00f6ffentlicht, dessen erste Seite (\u201eKnown\u201c) die h\u00e4rtere darstellt. M\u00f6glicherweise ist der Titel so zu interpretieren, dass man den Progressive Metal von der Band schon kannte und nun auch noch die zweite Seite (\u201eLearned\u201c) in Form von ziemlich \u00fcberzeugendem Progressive und/oder Alternative Rock kennen lernt. Nun sind 2015 schon fast zwei Stunden Laufzeit ziemlich viel, das Publikum verliert ja mit den Jahren an Aufmerksamkeit, also muss man es spannend halten. Arcane schaffen das \u00fcbrigens.\nAber fangen wir mal vorn an: \u201eKnown\u201c ist tats\u00e4chlich nichts Neues, Progressive Metal mit ordentlich Gitarre, Schlagzeug und Klavierkl\u00e4ngen. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich keinesfalls Langeweile, langweiligen Progressive Metal gibt es wahrlich zur Gen\u00fcge. Arcane machen vieles anders, angefangen beim angenehm unanstrengenden Gesang bis hin zur merkw\u00fcrdigen Verschr\u00e4nkung der beiden Teile ineinander; so gibt es auf \u201eKnown\u201c einen 23-min\u00fctigen Progressive-Metal-longtrack namens \u201eLearned\u201c und auf \u201eLearned\u201c ein fast dreimin\u00fctiges Schmacht-Popst\u00fcck namens \u201eKnown\u201c. Das letzte St\u00fcck auf \u201eLearned\u201c hei\u00dft \u201ePromise (Part 1)\u201c und das erste auf \u201eKnown\u201c \u201ePromise (Part 2)\u201c. Wo ist hier der Anfang, wo ist hier das Ende? Vielleicht ist \u201eKnown/Learned\u201c auch ein Endlosalbum, das w\u00e4re mal erfrischend. Trotzdem wird es Zeit f\u00fcr einen Scheibenwechsel.\n\u201eLearned\u201c erinnert mich, so weit es meine Notizen hergeben, an die f\u00fcrchterlichen Placebo, allerdings ohne den Jaulgesang, der die F\u00fcrchternis erst hervorruft. Mitunter scheinen echolyn durch, der jazzige Bass der meisten St\u00fccke f\u00fcgt eine weitere interessante Nuance hinzu.\nWo Pain of Salvationqualitativ noch geh\u00f6rig scheiterten, beim Umschwenken von Metal auf Artrock n\u00e4mlich, machen Arcane vieles einfach richtig. Eine h\u00f6rbar gereifte Band lotet ihre Grenzen aus, ohne sie zu \u00fcberschreiten, und wei\u00df mit ungewohnten Kl\u00e4ngen positiv zu \u00fcberraschen. Wie wohl der Nachfolger klingen mag? Dieses Album jedenfalls ist bereits ein feines.\nH\u00f6rproben: Amazon.de hat halbmin\u00fctige Schnipsel auf Lager, einen Komplettstream gibt es auf YouTube und zum Beispiel TIDAL. Viel Vergn\u00fcgen.\nPaisley Tree \u2013 Paisley Tree\nZur\u00fcck nach Deutschland: \u00dcber Weinheim in Baden-W\u00fcrttemberg ist nicht viel bekannt, dennoch gibt es dort offensichtlich eine als kulturell zu verstehende Szene, die in j\u00fcngerer Vergangenheit offensichtlich ein wenig auszuufern begonnen hat.\nDie Krautrockband Space Debris zum Beispiel, die erst 2014 ihr aktuelles Studioalbum \u201ePhonomorphosis\u201c ver\u00f6ffentlicht hat, behauptet von dort zu stammen. Andere Bands brauchen viel Zeit zwischen zwei Studioalben, Space Debris aber scheinen die Kreativit\u00e4t geradezu auszustrahlen. Nur nicht rasten, nur nicht ruhen. Kurzerhand wurde \u2013 sozusagen als Nebenprojekt \u2013 vom Schlagzeuger Christian J\u00e4ger gemeinsam mit der gelegentlichen S\u00e4ngerin Magic Petra (was f\u00fcr ein obskurer Name!) die Band Paisley Tree gegr\u00fcndet.\nMusikalisch ist Paisley Tree wie auch die Stammband tief in den musikalischen 70-ern verwurzelt, bedient allerdings eher die Hardrock- als die Hippieklientel. Auf Keyboards wird allerdings verzichtet, Magic Petra spielt, wenn sie gerade nicht singt, stattdessen Mundharmonika. Moment, Mundharmonika?\nNein, dies ist kein Folk, wie ihn Bob Dylan einst spielte, dies ist Posthardstonerrock mit dem gewissen Extra, als w\u00fcrden die alten Herren von Cream noch mal LSD einwerfen und losjammen. Fast am Ende und doch irgendwie im Zentrum steht das zehnmin\u00fctige \u201eDoppelst\u00fcck\u201c \u201eFar Away &amp; Colour Trip\u201c, dessen Name allein bereits Charme verspr\u00fcht und das ich hier einfach einmal als Beispiel anf\u00fchren m\u00f6chte. Wer aber aufgrund des Titels blo\u00dfe uninspirierte Blumenkraft-Hymnen erwartet, der liegt doch etwas daneben. Es beginnt mit einer guten alten Bluesrock-Gitarre, erinnernd an fr\u00fche Glanztaten der Rolling Stones, bis \u201eMagic Petra\u201c druckvoll, aber hippieesk ihre Stimme ert\u00f6nen l\u00e4sst \u2013 halt: Duettgesang (leider ist nicht ersichtlich, welchem der drei Herren die zweite Stimme innewohnt) kann sie auch \u2013 und nach gerade einmal zweieinhalb Minuten eine bridge auf der Mundharmonika erklingen l\u00e4sst. Mit St\u00fccken wie diesem k\u00f6nnte man einen Film \u00fcber die Jugend der sp\u00e4ten 1960-er Jahre eigentlich recht gut untermalen. Und Gitarrensoli, immer wieder feine Gitarrensoli, begleitet von einem angenehm zu h\u00f6renden, druckvollen Bass und einem Schlagzeug, dessen Besetzer Christian J\u00e4ger auf einen 4/4\u2011Takt erfrischend wenig Wert legt.\nIn den von den Musikern selbst gew\u00e4hlten tags f\u00fcr \u201ePaisley Tree\u201c sind Jefferson Airplane, Led Zeppelin, garage rock und Weinheim. Ich wage keine Einw\u00e4nde.\nH\u00f6rproben: Das ganze Album l\u00e4sst sich auf Bandcamp.com vollst\u00e4ndig anh\u00f6ren, auf Amazon.de gibt es Vinyl und CD dazu.\nJuleah \u2013 Melt Inside The Sun\n\u201eJoyful weariness is my reward, and the wild machine I turn into\u201c (Wild Machine)\nEin Gutes, immerhin, hat es, dass Bandcamp wiederkehrende Nutzer gelegentlich per E\u2011Mail \u00fcber interessante neue Musikalben informiert \u2013 auf diese oder eine \u00e4hnliche Art wurde ich auf das diesj\u00e4hrige Album \u201eMelt Inside The Sun\u201c der \u00d6sterreicherin Julia Hummer alias Juleah \u2013 regelm\u00e4\u00dfige Leser haben schon mal was von ihr geh\u00f6rt \u2013 aufmerksam.\nWie passend doch zur diesj\u00e4hrigen Hitzewelle dieses Album benannt ist, ist zum Zeitpunkt dieser Niederschrift zwar wahrscheinlich nur noch eine schw\u00e4cher werdende Erinnerung, aber die Psychedelik des Bildes vom Zerflie\u00dfen bleibt Programm. Die Raveonettes sind hier so pr\u00e4sent wie die sp\u00e4ten Talk Talk, der Gesang selbst ist allerdings so vielschichtig wie ich es selten geh\u00f6rt habe. Wer eine angenehme Singstimme bei Solomusikerinnen heutzutage oft vermisst: Hier habt ihr euer Gegenbeispiel.\nTrotzdem ein Fokus auf die Musik, denn die ist keineswegs nicht der Rede wert. Von einem \u201eKaleidoskop f\u00fcr [die] Ohren\u201c spricht die Plattenfirma, der \u201eNew Musical Express\u201c siedelt Juleah dort an, wo Mazzy Star und die britischen Shoegazer von Ride einander treffen. Mark Simpson entdeckt dar\u00fcber hinaus \u00c4hnlichkeiten mit Led Zeppelin, T. Rex und Tinariwen, wobei ich mit letzteren beiden Bands nicht ausreichend vertraut bin. Klar ist: Hier obsiegt, was die K\u00fcnstlerin selbst als Dreampop bezeichnet und unsereins als Stoner-Rock zu kennen meint.\nAugen zu und nicht durch, sondern mitten rein. Ein musikalischer Sommer auch im Winter.\nH\u00f6rproben: Erfreulicherweise ist das komplette Album auf Bandcamp.com zu h\u00f6ren.\nRa \u2013 Scandinavia\nApropos psychedelisch.\nRa, einer der Namen des alt\u00e4gyptischen Sonnengotts, hat in der Musik einige Spuren hinterlassen, die bekanntesten Vertreter sind m\u00f6glicherweise die belgische Band Amenra und die Jazzlegende Sun Ra. Im eher k\u00fchlen Malm\u00f6 hat man indes darauf verzichtet, die Verbindung zur Sonne allzu deutlich hervorzuheben; das Quartett, das in diesem Jahr nach langem Warten ihr Deb\u00fctalbum namens \u201eScandinavia\u201c ver\u00f6ffentlichte, nennt sich schlicht Ra.\nNebenbei straft die Band all jene L\u00fcgen, die bislang dachten, aus Schweden k\u00e4men ausschlie\u00dflich Metalbands, wie Peter mit seinem gewohnt guten Gesp\u00fcr bereits feststellte:\nZu h\u00f6ren gibt es Musik in Schwarz, druckvollen, l\u00e4rmenden Post-Punk und psychedelischen Shoegaze, schrammelnde Gitarre, Feedbackorgien, rabiaten Gesang und ein paar wirklich eing\u00e4ngige Hymnen.\nVergleichen m\u00f6chte ich Ra mit Joy Division und den Smiths und tu\u2018 damit wenigstens allen Genannten gleicherma\u00dfen Unrecht, weil hier die melancholische Note erfreulicherweise v\u00f6llig fehlt. Ra, das ist bretternder Postpunk mit viel Hall und, weil\u2019s so selten zutrifft, mit Eiern. Sehr lobenswert.\nH\u00f6rproben: Bei TIDAL gibt es das Album zum Kompletth\u00f6ren, einzelne St\u00fccke gibt es auch bei SoundCloud. Fanrastisch. (Entschuldigung.)\nBlack Space Riders \u2013 Refugeeum\nDie Black Space Riders sind eine mittlerweile f\u00fcnfk\u00f6pfige Space-Rock-Band aus M\u00fcnster, die nach dem Eintritt von S\u00e4nger und Texter \u201eSeb\u201c 2014 ihr drittes Album \u201eD:REI\u201c ver\u00f6ffentlicht hatte, das \u00fcberwiegend auf positive Kritik stie\u00df.\nHier also liegt ihr aktuelles Werk vor. Wenige Titel k\u00f6nnten 2015 aktueller sein als \u201eRefugeeum\u201c, offensichtlich ein Kofferwort aus \u201eRefugee\u201c (\u201eFl\u00fcchtling\u201c) und \u201eRefugium\u201c (\u201eZuflucht\u201c).\nDas sei kein Zufall, behauptet die Band:\nREFUGEEUM, wie in \u201erefugees\u201c wie auch in \u201eRefugium\u201c. Tief bewegt davon, was derzeit auf diesem Planeten geschieht, hat die Band ihre Wanderungen durch den Weltraum zumindest thematisch verlassen und sich stattdessen einem irdischen, ewigen Problem zugewandt; einem Problem, das traurigerweise wieder aktuell ist: Flucht und Vertreibung \u2013 Verlust der Heimat \u2013 abgrundtiefes Leid \u2013 der Wille zu \u00fcberleben \u2013 Hoffnung f\u00fcr das, was kommen mag \u2013 Gejagter und J\u00e4ger \u2013 Opfer und T\u00e4ter \u2013 Akzeptanz und Zur\u00fcckweisung.\n(Frei \u00fcbersetzt von mir.) Von einer vertonten Fl\u00fcchtlingskrise zu sprechen w\u00e4re allerdings hier durchaus verfehlt, daf\u00fcr ist es zu angenehm.\nObwohl man ja zun\u00e4chst einmal gar nicht so genau wei\u00df, wohin man hier fl\u00fcchten soll, lauert doch gleichsam an jeder Ecke eine neue (meist positive) \u00dcberraschung. Und die Texte, die Texte. \u201eMy dear, what happened to us when the madness began?\u201c (\u201eUniversal Bloodlines\u201c). Wisst ihr noch, wo ihr wart? Man traut sich ja fast nicht, hier mit leicht verdaulichen Etiketten um sich zu werfen, weil es zwischen psychedelischem Metal (\u201eVortex Sun\u201c), Tindersticks-Stimmung und Talk-Talk-Postrock, wie einst bei Yes vorgetragen von einer Doppelspitze (\u201eSeb\u201c und \u201eJe\u201c), hier eine Menge zu entdecken gibt.\nDas \u00fcberlasse ich dann einfach mal euch.\nH\u00f6rproben: Einen Stream des Albums h\u00e4lt Bandcamp.com vorr\u00e4tig. Nat\u00fcrlich mit Texten. Reinh\u00f6ren und Mitlesen sind empfohlen.\nBoris \u2013 asia\nVorhin noch waren wir in Scandinavia, nun wechseln wir den Kontinent. Eine musikalische Weltreise bringt manchmal \u00fcberraschend schnellen Fortschritt.\nDie Genreignoranten Boris sind regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner Texte wahrscheinlich bekannt. 2015 legten die Japaner wieder einmal nach, diesmal mit ihrem immerhin schon zweiundzwanzigsten Studioalbum, das aus nur drei St\u00fccken besteht und, limitiert auf 1.000 physische Exemplare, gemeinsam mit den am selben Tag ver\u00f6ffentlichten 20. und 21. Studioalben \u201ewarpath\u201c und \u201eurban dance\u201c ausschlie\u00dflich auf Konzerten und im Onlineladen der Plattenfirma Inoxia zu haben ist. Gro\u00dfbuchstaben sind so 90er beziehungsweise auch nicht; in der \u201eDesignsprache\u201c von Boris stehen Gro\u00dfbuchstaben f\u00fcr Rockmusik und Kleinbuchstaben f\u00fcr Experimentelles. Das klingt doch viel versprechend. Wer aus folgender Rezension heraus ein Interesse an \u201easia\u201c entwickelt, dem seien insofern auch die anderen beiden Alben angeraten.\nAllerdings beginnt es erst mal bed\u00e4chtig. Die Zusammenarbeit mit Sunn O))) hat offenbar Spuren hinterlassen. \u201eTerracotta Warrior\u201c beginnt mit anschwellendem elektronischem Brummen, es gesellen sich Effekte hinzu. Irgendwie bedrohlich. Minutenlang passiert also einerseits eine Menge und andererseits eigentlich nicht viel, bis die summende H\u00f6llenmaschine allm\u00e4hlich die Fahrt durch eine Geisterbahn aufnimmt. Eigenartiges instrumentales Flehen rei\u00dft den H\u00f6rer aus der Verwirrung oder macht sie vollst\u00e4ndig. Eine schneidende E\u2011Gitarre legt sich langgezogen \u00fcber die sich vor dem geistigen Auge langsam ausbreitende futuristische W\u00fcsten- und Geisterstadt. Von beiden Seiten heulen eigenartige Winde.\nPl\u00f6tzlich: Merkw\u00fcrdig verzerrtes Wasserrauschen. Die Geisterbahn hat Wildwasser erreicht. Unruhig schwappen die Wellen an den R\u00e4ndern hoch, man ahnt, dass ein Wasserfall nicht fern ist. Das Wasser wird schneller, immer schneller und \u2013 Stille, durchschnitten von Klagelauten. Das Schlagzeug spielt einen sanften Rhythmus wie zur Rettung, aber man kann sich nicht festhalten, wird erdr\u00fcckt von der unheimlichen, bebenden Welt, die sich um einen herum auft\u00fcrmt. Man verliert die Orientierung und schlie\u00dflich das Bewusstsein. Wieder: Stille.\nDas folgende \u201eAnt Hill\u201c rei\u00dft aus der Trance. Die 80-er sind da, sie wollen ihre Elektronik zur\u00fcckhaben? Nein, nein \u2013 dies ist, tats\u00e4chlich, ein vertonter Ameisenh\u00fcgel. Es zirpt in h\u00f6chsten T\u00f6nen, die Elektronik knattert, und irgendwo ist wieder dieser bedrohlich-futuristische Grundton. Man ist unversehens umgeben von riesigen Ameisenrobotern; die allerdings immerhin im Gleichschritt zu marschieren imstande sind. Was ist dieses Brummen? Instinktiv blickt man sich um, ob nicht noch eine gro\u00dfe Fliege lauert, aber es sind Ameisen, nur Ameisen. Die halten einen allerdings nicht gefangen, man ist vielmehr zu Gast: In \u201eTalkative Lord vs Silent Master\u201c bekommt man schlie\u00dflich sogar die Gelegenheit, einem eigenartig metallischen, elektronischen Zwiegespr\u00e4ch ihres Herrn auf einer st\u00fcrmischen Anh\u00f6he nahe der Geisterstadt zu lauschen. Das Album endet abrupt nach einem Monolog des \u201eSilent Masters\u201c. Der H\u00f6rer bleibt in dieser Welt, obwohl ihre Geschichte l\u00e4ngst vor\u00fcber ist.\nKeineswegs ist \u201easia\u201c irgendwie als easy listening zu etikettieren. Klaustrophobie und Depression sind Nebenwirkungen, die ich f\u00fcr nicht vollkommen ausgeschlossen halte. Es ist nichtsdestoweniger sehr wahrscheinlich ein hervorragendes Album im richtigen Moment. Ich brauche jetzt aber erst mal einen Schnaps.\nH\u00f6rproben: \u201eVoo-Vah\u201c vom Album \u201ewarpath\u201c k\u00f6nnte einen Eindruck vermitteln, \u201easia\u201c jedoch ist sein Superlativ. Seid vorsichtig.\nAgent Fresco \u2013 Destrier\n\u201eI see your ghost / it finds no rest / leaning close / from crest of bed\u201c (Pyre)\nZu den Publikumslieblingen des Jahres 2015 geh\u00f6rten in mancherlei Kreisen die finnische Band Agent Fresco,  die mit Destrier in diesem Jahr ihr zweites Studioalbum ver\u00f6ffentlicht hat. Die Entstehungsgeschichte ist wie schon die zum Deb\u00fctalbum, in dem S\u00e4nger Arn\u00f3r Dan den Tod seines Vaters verarbeitete, gro\u00df: Er erz\u00e4hlt hierzu, er sei vor einigen Jahren, nachdem er dem Vernehmen nach Opfer von Gewalt geworden war, in Zorn und Panik verfallen, w\u00e4hrend er Lieder f\u00fcr dieses Album schrieb, und habe die Gelegenheit genutzt, die aufgestauten Gef\u00fchle in die Musik zu kanalisieren. Das ist ja auch nicht immer verkehrt.\nDer Anfang von \u201eDestrier\u201c erinnert mich an Slint und auch an eine optimistische Variante der Geschichte von Boris: Wieder w\u00e4chst die Musik mit langgezogenen T\u00f6nen langsam an, explodiert jedoch nicht in einer gewaltigen Eruption, sondern in etwas, was ich als Lis Er Stille mit New-Wave-Gesang beschreiben w\u00fcrde, also dem der 1980-er Jahre. Postrock trifft Hardrock, wenn man es einmal auf Genrisch ausdr\u00fccken m\u00f6chte.\nNehmen wir als Beispiel einmal das gerade mal anderthalbmin\u00fctige St\u00fcck \u201eAngst\u201c, angesichts der Entstehungsgeschichte des Albums wom\u00f6glich sowieso schon namentlich interessant: Auf einem seltsamen Takt, gespielt von einem irrlichternden Schlagzeug, dreht ein marsvoltaesquer Gitarrensound vollkommen durch. Jetzt wei\u00df ich auch wieder, woran mich Arn\u00f3r Dan erinnert: Jene bedauerlicherweise aufgel\u00f6ste Band hatte mit Cedric Bixler-Zavala einen stimmlich nicht un\u00e4hnlichen S\u00e4nger in den eigenen Reihen.\nDas Magazin \u201eNew Noise\u201c attestiert \u201eDestrier\u201c einen \u201eWow-Faktor\u201c (ebd.), 10 von 10 Punkten gibt\u2019s auch auf metal.de:\nDas Fundament bilden erneut experimentelle, sph\u00e4rische Rockkl\u00e4nge, welche Agent Fresco um Nuancen aus den Bereichen Metal, Jazz und Ambient erweitern. So gesellen sich zu kernigen, eindringlichen Riffs (\u201eHowls\u201c, \u201eSee Hell\u201c) immer wieder perlende Pianol\u00e4ufe wie im herausragenden \u201eDark Water\u201c, vertrackte Rhythmen und Mathcore-Rebellentum (\u201eAngst\u201c \u2013 so hart klangen Agent Fresco noch nie) sowie unwiderstehlich isl\u00e4ndische Soundtrack-Eruptionen wie im packend-epischen Opener \u201eLet Them See Us\u201c und dem vertr\u00e4umten \u201eDeath Rattle\u201c. Das akkurat groovende und vieschichtige \u201eWait For Me\u201c sowie das mit bet\u00f6rend eing\u00e4ngigem Refrain ausgestattete \u201eThe Autumn Red\u201c sind weitere H\u00f6hepunkte der Tracklist. Im Titelst\u00fcck wiederum \u00fcberrascht der Vierer zwischen getragenen Passagen mit Noise-Anleihen und wuchtig-vertracktem Gel\u00e4rme.\nIch h\u00e4tt\u2019s kaum besser ausdr\u00fccken k\u00f6nnen.\nH\u00f6rproben: Ein \u201eoffizielles Video\u201c zu \u201eSee Hell\u201c gibt es auf YouTube.com, Nutzer von TIDAL k\u00f6nnen das ganze Album streamen. F\u00fcr kurze H\u00f6rproben indes mag Amazon.de gen\u00fcgen.\nHer Name Is Calla \u2013 A Wave of Endorphins OST\nKommen wir nun zu etwas v\u00f6llig Anderem.\nDie britische Ausnahmeformation Her Name is Calla ist regelm\u00e4\u00dfigen Lesern seit einigen Jahren nicht mehr v\u00f6llig unbekannt. Kann traurige Musik gl\u00fccklich machen? Nun, sie kann. Offensichtlich empfinden ziemlich viele Menschen \u00c4hnliches, so dass die Band bis heute nicht nur Bestand hat, was ja heutzutage nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich ist, sondern in diesem Jahr obendrein das Jubil\u00e4um zehn Jahren gemeinsamen Musizierens begehen kann.\nManche lassen solche Regelm\u00e4\u00dfigkeiten ungeh\u00f6rt verstreichen, Her Name is Calla hauen auf die Kacke: Es gab eine Dokumentation, drei Sonderkonzerte, ein Album zur Dokumentation und noch ein paar Dinge. Die Dokumentation nennt sich treffend \u201eA Wave of Endorphins\u201c, \u201eEine Welle von Endorphinen\u201c also, und das dazu passende Album nennt sich ebenso. Passt ja auch irgendwie.\nNicht, dass da nun irgendwelche \u00dcberraschungen zu erwarten w\u00e4ren. Her Name is Calla machen einfach das, was ihre gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke ist: Neun instrumentale St\u00fccke zwischen etwas unter zweieinhalb und etwas \u00fcber sechs Minuten. Viel Klavier, meist an Kammermusik, manchmal an die sp\u00e4ten Talk Talk erinnernde Einw\u00fcrfe von Bass, Streich- oder anderen Instrumenten, manchmal ein treibender Rhythmus mit Schlagzeug und Gitarrenkl\u00e4ngen, aber nie, nicht einmal im abschlie\u00dfenden und hier erstaunlich gut passenden Postrock-Ausrufezeichen \u201eThe Hour Of The Gloam\u201c, auch nur dem Verdacht nahe, jetzt pl\u00f6tzlich ordin\u00e4re Rockmusik machen zu wollen. Das hier ist mehr.\nHabe ich da \u201einstrumental\u201c geschrieben? Das stimmt ja eigentlich nicht; in \u201eTransmute\u201c zum Beispiel wird gesungen: Zu fast unsicheren gezupften Saiten singt eine Frau \u2013 vermutlich Sophie, ihres Zeichens Frontviolinistin und Twitterzust\u00e4ndige des Quartetts \u2013 zerbrechlich sanfte Worte, im folgenden \u201eSparring Partner\u201c, dem (trotz der merkw\u00fcrdigen Stimmeffekte im Refrain) besten Britpop-Lied, das mir gerade einfallen m\u00f6chte, darf einer ihrer drei Bandkollegen sich als wesentlich besserer Brian Molko versuchen. Der Text? Wen k\u00fcmmert der Text? \u201eA Wave of Endorphins\u201c ist instrumental, daran \u00e4ndert keine Zeile Text etwas.\nJetzt, just in diesem Moment, l\u00e4uft das St\u00fcck \u201eI Chose Wrong\u201c im Kopfh\u00f6rer und der Autor dieser Zeilen hat seit etwas mehr als zwei Minuten G\u00e4nsehaut und das dringende Verlangen zu reisen; nicht weg von diesem Album, sondern mit diesem Album irgendwo hin. Kurz meint man t\u00fcrkische Folklore zu h\u00f6ren, dann verschwindet dieser Augenblick auch schon wieder und weicht einer seltsamen Bed\u00e4chtigkeit. Vielleicht ist \u201evertonte Augenblicke\u201c sowieso eine ziemlich gute Beschreibung dieses Albums.\nNach gerade einmal 35 Minuten \u2013 gef\u00fchlt nicht einmal zehn \u2013 ist die Welle, kaum dass sie mit \u201eThe Hour Of The Gloam\u201c an Druck gewonnen hat, schon wieder abgeebbt. Zeit, sich zu sammeln. \u201eA Wave of Endorphins\u201c ist ein hervorragendes Postrockalbum, ein hervorragendes Schwermutalbum und ein hervorragendes Album, um dringend zu verreisen. Haltet also gepackte Koffer bereit.\nH\u00f6rproben: Das ganze Album l\u00e4sst sich \u2013 ihr kennt das \u2013 auf Bandcamp.com vollst\u00e4ndig anh\u00f6ren.\nThe Grand Astoria \u2013 The Mighty Few\n\u201eI never heard of you, and what the hell are you talkin\u2018 \u201about?\u201c (Curse of the Ninth)\nWoran denkt ihr, wenn ihr den Bandnamen The Grand Astoria h\u00f6rt? An Luxushotels, das Vereinigte K\u00f6nigreich, vielleicht auch Fu\u00dfballvereine oder Kabarettisten? Wie klingt wohl die dazu passende Musik?\nNein, auf \u201eThe Mighty Few\u201c ert\u00f6nen keine Fu\u00dfballch\u00f6re; die klingen bekanntlich nicht mal bei Pink Floyd fein. Da, wo The Grand Astoria herkommen, ist der Fu\u00dfball auch nicht unbedingt zu Hause: Der Gitarrist, Monotronist (ein Korg Monotron scheint eine Art Synthesizer zu sein) und S\u00e4nger Kamille Sharapodinov ist anscheinend in St. Petersburg zu Hause und diese Band ist sozusagen, trotz der hier immerhin neun Mitmusiker, sein Soloprojekt. Wir befolgen die alte Regel \u201ekeine Witze \u00fcber Namen\u201c und lassen nahe liegende Wortspiele beiseite, so bleibt mehr Zeit, uns auf die Musik zu konzentrieren.\nUnd die hat es in sich.\nAuf \u201eThe Mighty Few\u201c \u2013 \u201edie m\u00e4chtigen Wenigen\u201c \u2013 befinden sich zwei St\u00fccke von jeweils \u00fcber 20 Minuten L\u00e4nge, zusammen haben wir hier fast 50 Minuten Laufzeit. Das macht Hoffnung. Und nat\u00fcrlich ist das Dargebotene schwer zu vergleichen, ich h\u00f6re allein Rush, Soft Machine und Opeth ebenso wie The Mars Volta. Die Band selbst nennt neben The Mars Volta auch Pink Floyd (also doch Fu\u00dfballch\u00f6re!) als Einfl\u00fcsse, aber \u201eThe Mighty Few\u201c ist von der Schnarchigkeit der letzten gef\u00fchlt 32 Alben letztgenannter Band erfreulich weit entfernt.\nSchon der Anfang l\u00e4sst ein Progressive-Metal-Album erahnen, aber die erwartete Explosion l\u00e4sst auf sich warten: \u201eCurse of the Ninth\u201c beginnt mit Jazzrock, gelegentliche Bl\u00e4sereinw\u00fcrfe lassen die Spannung steigen, bis eine seltsam bluesige Stoner-Rock-Version von Led Zeppelin die F\u00fchrung zu ergreifen scheint: \u201eAnd if you trust me, baby\u2026\u201c Den exaltierten Gesang teilt sich Kamille Sharapodinov mit Danila Danilov, der seit Anfang 2014 immer mal wieder im Umfeld der Band aktiv ist und mal eines ihrer Alben produziert, mal Fl\u00f6te, Kazoo und/oder Gesang \u00fcbernimmt. Eine solche H\u00e4ufigkeit an Produktionen kennt man ansonsten eher von japanische Bands wie Acid Mothers Temple und Boris (hierzu siehe oben). M\u00e4chtig, diese Wenigen. \u2013 Nach sechseinhalb Minuten ert\u00f6nt erst asiatische Folklore, dann ein Jazzjam mit Rockfundament. Ich bin verwundert, aber mag das. Der Gesang wird anschlie\u00dfend etwas zur\u00fcckgeschraubt, etwas Hall; nach kurzer Gesangspassage folgt ein sehr interessanter Wechsel aus RIO/Avant (mit Klavier- und Bl\u00e4serekstase) und dem Hardrock vom Anfang, abrupt unterbrochen durch ein boybandesques A\u2011Cappella-Zwischenspiel, bei dem nach und nach mehr Stimmen und elektronische Effekte einsetzen, bis das St\u00fcck schlie\u00dflich in ein wahres Gewitter aus Jazzrock mit perlendem Klavier, psychedelischem Hardrock und dem Gesang vom Anfang ausbricht. Dass Melodiefragmente \u00fcber die gesamte Dauer des St\u00fccks immer wieder aufgegriffen werden, geht bei all den Wechseln beinahe unter.\n\u201eThe Siege\u201c geht direkt in die Vollen und beginnt mit einer guten, basslastigen Portion instrumentalen Hardrocks mit Gitarrensolo und Synthesizerflirren, wechselt aber recht bald zum Bluesrock; von da ist es dann auch nicht mehr weit zu, ah, da sind sie!, Pink Floyd und damit eigentlich auch dem Solowerk von Steven Wilson, das hier melodisch wie gesanglich durchaus eine Referenz sein k\u00f6nnte. \u201eI trust my intuition / na na na hey / my intuition.\u201c Gut, dass ich das auch getan habe. Gegen Ende d\u00fcrfen die Synthesizer nochmals zeigen, was sie k\u00f6nnen, ein wenig Spacerock zum Abschied quasi. Das St\u00fcck wird leider etwas einfallslos ausgeblendet, wie auch anderswo bereits beklagt wurde. Meiner Gesamtwertung kann\u2019s egal sein.\nSeit dem Erscheinen von \u201eThe Mighty Few\u201c im Mai dieses Jahres haben The Grand Astoria \u00fcbrigens bereits eine neue EP und ein einzelnes neues St\u00fcck via Bandcamp ver\u00f6ffentlicht. Ich weissage, von dieser Band werde man wohl noch manch Gutes zu h\u00f6ren bekommen. Hoffen wir das Beste.\nH\u00f6rproben: Abermals ist Bandcamp.com eine hervorragende Anlaufstelle zum H\u00f6ren und Kaufen.\nt \u2013 fragmentropy\n\u201eSo I take my revolver and put it in my mouth / to get used to it for the day I need it\u201c (The Black of White)\nNach der bedauerlicherweise offensichtlich dauerhaften Trennung seiner ehemaligen Band Scythe ver\u00f6ffentlichte der schwerm\u00fctige Multiinstrumentalist mit \u201efragmentropy\u201c nunmehr sein f\u00fcnftes Studioalbum. Die \u201eeclipsed\u201c vergleicht es mit Radiohead, aber jeder wei\u00df, dass Radiohead schei\u00dfe sind. Versuchen wir es also mal mit einer eigenen Herangehensweise.\n\u201eFragmentropy\u201c ist ein Kofferwort aus \u201eFragment\u201c und \u201eEntropie\u201c, vielleicht ist eine Zerbrechungsstreuung gemeint, aber was das nun wieder sein mag \u2026 \u2013 Thomas Thielen alias t ist offensichtlich nicht nur ein Freund von Kleinbuchstaben, sondern sch\u00e4tzt auch Sprachspielereien. Dabei l\u00e4sst er sich bisweilen viel Zeit bei der Ausarbeitung: Die Website zum Album behauptet, die Texte seien von 1994 bis 2015 entstanden. Was lange w\u00e4hrt, wird endlich gut. Und wie gut!\nDas Album ist in insgesamt drei \u201eKapitel\u201c aufgeteilt, die thematisch irgendwie zusammenh\u00e4ngen. Thematisch fr\u00f6hlich wirkt keines davon, aber man sollte ja auch mal innehalten; dies ungeachtet von grandiosen \u201eSeiten\u201c in diesen Kapiteln wie zum Beispiel dem Dreizehnmin\u00fcter \u201eBrand New Mornings\u201c aus dem ersten Kapitel, das den Namen \u201eAnisotropic Dances\u201c, \u201eanisotrope T\u00e4nze\u201c also, tr\u00e4gt und bereits in den ersten zwei Minuten moderne Varianten des Canterbury Style (Argos u.a.), Spock\u2019s Beard, Gentle Giant und Zirkusmusik leichtf\u00fc\u00dfig aneinanderreiht.\nWas bei einer Einmannband, die sich selbst begleitet, nicht gerade leicht ist. Aber t hat sich professionalisiert, von dem doch recht computerisierten Klang mancher Entw\u00fcrfe ist hier nichts zu h\u00f6ren. Sind das etwa echte Instrumente? Stile jedenfalls beherrscht er mindestens ebenso viele; Postrockgitarren und eindringliches Fl\u00fcstern zu Klavierbegleitung m\u00fcssen einander eben nicht ausschlie\u00dfen. \u00dcberhaupt ist \u201efragmentropy\u201c mit \u201eatmosph\u00e4risch\u201c wohl ziemlich treffend zu beschreiben. Viele Worte verderben den Brei.\nDies vielleicht noch:\nSp\u00e4testens seit seinem zweiten Album scheint t auf einer Reise zu sein, auf einer Reise immer tiefer in eine ganz eigene Klangwelt. So entsteht wohl aus einer Mischung von realen und programmierten Instrumenten ein dichtes Geflecht aus dramatischen Passagen, sinfonischen Ausbr\u00fcchen, aggressiven Eruptionen und filigran-melancholischen Ausfl\u00fcgen in d\u00fcstere Gefilde. Flirrende Gitarren- und Keyboard-Kl\u00e4nge illuminieren diese Klangwelt, die zwischen Dramatik, D\u00fcsternis, Melancholie und Wucht munter oszilliert. Gerade die langen St\u00fccke sind wie Ozeane, die mal bewegt, mal ruhig, mit einer ungeheuren Dynamik den H\u00f6rer umsp\u00fclen. Aufw\u00fchlend, mitrei\u00dfend, beeindruckend und erf\u00fcllend ist diese Musik.\nWie wahr.\nH\u00f6rproben: Amazon.de h\u00e4lt halbmin\u00fctige Ausschnitte vorr\u00e4tig, TIDAL-Nutzer k\u00f6nnen das Album komplett anh\u00f6ren.\necholyn \u2013 I Heard You Listening\n\u201eSoon the water will rise / and soon it carries them home\u201c (Carried Home)\n\u201eIch h\u00f6rte euch zuh\u00f6ren\u201c \u2013 von wem, wenn nicht von echolyn, ist so ein Titel zu erwarten?\nFangen wir ausnahmsweise einmal mit dem Unsch\u00f6nen an: \u201eI Heard You Listening\u201c ist nicht \u201emei\u201c. Es ist h\u00f6chst unwahrscheinlich, dass echolyn jemals ein noch besseres Album machen werden als \u201emei\u201c, und das gilt auch f\u00fcr \u201eI Heard You Listening\u201c.\nSo viel zur Kritik, der Rest ist n\u00e4mlich \u2013 wie so oft \u2013 ziemlich klasse. Weite Strecken des Albums sind typisch echolyn: Auf ihrem achten Studioalbum kombiniert das Herrenquintett aus Philadelphia erneut tastenlastigen Retroprog mit modernen Zutaten, ohne sich dabei nur zu wiederholen. Das w\u00e4re doch auch langweilig.\n\u201eWarJazz\u201c zum Beispiel, Lied Nummer 2, beginnt wie eines der alten Klavierrocklieder von Elton John, wird dann aber schnell interessanter: Ein hektisches Schlagzeug und ein kurzer Keyboardteppich leiten \u00fcber in eine Art Hardrockstrophe mit flirrender Gitarre und dem wie gewohnt \u00fcberragenden Gesang von Ray Weston, der Refrain wiederum k\u00f6nnte schon wieder von  Elton John stammen (und das ist an dieser Stelle nicht mal negativ gemeint), wenn der Gesang nicht so klasse w\u00e4re. Was ist das? Es ist spannend.\nAndere St\u00fccke wie \u201eDifferent Days\u201c k\u00f6nnten ebenso von Spock\u2019s Beard stammen, w\u00e4re da nicht die raffinierte Dissonanz im Refrain, was sich die meisten dieser Neo-Retro-Irgendwas-Bands ja heutzutage nicht mehr trauen. Fr\u00fcher war vieles besser, nur echolyn halten ihr Niveau. \u201eOnce I Get Mine\u201c ist gleichsam eine durchgedrehte Variante in \u00e4hnlichem Stil, wenn auch n\u00e4her an Bands wie Mr. Bungle und Primus als alles, was ich bislang mit echolyn verbunden h\u00e4tte.\nKeine Ruhe, keine Balladen. Neun St\u00fccke, allesamt zwischen f\u00fcnf und zehn Minuten lang, vergehen wie im Flug. Das letzte St\u00fcck, \u201eVanished Sun\u201c, ist ebenso wenig ein L\u00fcckenf\u00fcller wie der Rest des Albums und mit der sich beinahe \u00fcberschlagenden Stimme von Ray Weston und dem merkw\u00fcrdigen Mitklatschrefrain so einmalig wie einpr\u00e4gsam. Es geh\u00f6rte schon immer zu den St\u00e4rken dieser Band, komplexe \u201ePopmusik\u201c zu machen, ohne einen einzigen Takt mit tats\u00e4chlicher Popmusik zu verschwenden. Ohrw\u00fcrmer? Aber selbstverst\u00e4ndlich! Gute Laune? Aber hallo!\nH\u00f6rproben: Ach, warum nicht mal wieder Bandcamp.com (Komplettstream)?\nHerr Geisha &amp; The Boobs \u2013 Book of Mutations\nHehehe. Boobs. Das Beste zum Schluss, wie ihr seht.\nHerr Geisha &amp; The Boobs, bestehend aus den drei Musikern Sir Bottom, Lady Body und nat\u00fcrlich dem Gitarristen und S\u00e4nger Herr Geisha, stammen trotz des Namens aus Lyon, Frankreich, und haben seit 2012 bislang jedes Jahr ein Album ver\u00f6ffentlicht. Das nunmehr vierte Album \u201eBook of Mutations\u201c klingt trotzdem kein bisschen m\u00fcde. Es handele sich, so wird der H\u00f6rer instruiert, trotz der Aufteilung in neun \u201eTitel\u201c (wobei \u201eChapter VIIII\u201c eigentlich \u201eChapter IX\u201c hei\u00dfen m\u00fcsste, andererseits k\u00f6nnte das Absicht sein) um ein einzelnes St\u00fcck, das man doch bittesch\u00f6n vollst\u00e4ndig und LAUT h\u00f6ren m\u00f6ge (Gro\u00dfbuchstaben wie in der Quelle). Wird gemacht.\nHomogen ist das \u201eBuch der Mutationen\u201c keinesfalls; von zwei \u201eKapiteln\u201c (\u201eChapter II\u201c und \u201eChapter VII\u201c), die im Postrock und/oder \u2011metal anzusiedeln sind, wobei besonders \u201eChapter VII\u201c an die guten, alten, sehr vermissten Aereogramme erinnert, abgesehen h\u00f6rt der Schreiber dieser Zeilen hier eine bunte Mischung aus den experimentelleren Projekten von Mike Patton (Fant\u00f4mas), Frank Zappa, Grunge, Mathrock, RIO/Avant und nicht zuletzt Noiserock. Das liest sich anstrengender als es klingt.\nZumal kein falscher Eindruck vermittelt werden soll. Das \u201eKapitel 1\u201c greift nach einem seltsamen Beginn (es ert\u00f6nt etwas, das wohl Glocken nachahmen soll) schon frontal an: Ein krummtaktiges Gitarrenfundament begleitet Herrn Geishas Punkgeschrei. Avantgarde-Punk? Sch\u00f6nklang jedenfalls ist feige. Das beinahe vierzehnmin\u00fctige, \u00fcberwiegend instrumentale \u201eKapitel 2\u201c legt noch eine Schippe hinsichtlich der H\u00e4rte drauf. Wer schon immer mal wissen wollte, wie es klingen w\u00fcrde, wenn eine Band wie System of a Down eine Band wie Mogwai covern w\u00fcrde, der bekommt hier vielleicht einen ersten Eindruck.\nAch, Sch\u00f6nklang. \u201eKapitel 6\u201c kommt diesem Wort vielleicht noch am n\u00e4chsten, wenn man auch The Velvet Undergrounds \u201eSunday Morning\u201c als Sch\u00f6nklang bezeichnen w\u00fcrde. Allerdings ist dieser Spuk nach nicht einmal zwei Minuten wieder vor\u00fcber und es wird wieder gebrettert. Herrlich.\nDas \u201eBook of Mutations\u201c ist ein weiterer Anlass, dem Wort \u201eGenre\u201c grunds\u00e4tzlich zu misstrauen. Progressive Punkavantmetal klingt ja auch wirklich d\u00e4mlich. Was wir hier haben, ist trotz gleichbleibender Menge an \u201eZutaten\u201c ein h\u00f6chst kreatives, anregendes Gericht. Lasst es euch schmecken.\nH\u00f6rproben: Bandcamp hat Stream und Kauf.\n\n1b. Schnell empfohlen\n\nDemon Head \u2013 Ride the Wilderness\nDrogenschwanger geht es bei Demon Head zu, einer d\u00e4nischen Kapelle, die dr\u00fcben auf dem Blog mit dem sch\u00f6nen Namen 33rpmPVC schon mal Thema war. Dort hei\u00dft\u2019s:\nDoom Metal mit einem guten Schu\u00df Psychedelia.\nIch erhebe zaghaft eine meiner H\u00e4nde zum Einwand, dass hier der Doom Metal \u2013 was soll das eigentlich sein? \u2013 eher durch Abwesenheit auff\u00e4llt, was aber auch nicht unbedingt schlecht ist. Einverst\u00e4ndnis allerdings \u00e4u\u00dfere ich hier mit den Psychedelia, denn hier wird tats\u00e4chlich der Stoner-Rock (wie \u00fcblich mit Betonung auf \u201eStoner\u201c) zelebriert.\nWobei ich mich frage, ob das noch Rock ist, immerhin spricht die Verspieltheit eine andere Sprache. Mag ja sein, dass Demon Head gemeinhin als Metalband gef\u00fchrt werden, wenngleich sie selbst sich unter \u201eHeavy Rock\u201c einsortieren. Genrepampe. Es gibt ein paar hervorragende Soli, die ich mir so auch von einer guten Hard-Rock-Band w\u00fcnschen w\u00fcrde, und dann aber gibt es auch Momente wie das vorletzte St\u00fcck \u201eThe Greatest Lie\u201c, das von Stoner-/Krautrock allm\u00e4hlich doch in etwas \u00fcbergeht, dem unsereins das Metalsein nur schwerlich absprechen k\u00f6nnen m\u00f6chte.\nEin Adjektiv gef\u00e4llig? Erfrischend. Ja, doch \u2013 ein sehr sch\u00f6n erfrischendes Album. Auch jetzt, lange nach der schrecklichen Hitzewelle.\nH\u00f6rproben: Man h\u00f6re auf Bandcamp.com hinein.\nIkarus \u2013 Echo\nDen Namen Ikarus verbindet der geneigte Musikfreund vielleicht mit einem gefl\u00fcgelten J\u00fcngling aus den griechischen Sagen des Altertums, vielleicht auch mit der Hamburger Krautrockband dieses Namens, die in den fr\u00fchen 1970-er Jahren ein bisschen vor sich hinexistierte und irgendwann damit aufh\u00f6rte.\n2015 allerdings fanden sich in Z\u00fcrich (Schweiz) wiederum andere Musiker unter dem Namen Ikarus zusammen und ver\u00f6ffentlichten mit \u201eEcho\u201c ihr Deb\u00fctalbum. Genres? Ach, Genres. Minimaljazz, nehme ich an, um nicht ulkige Satzverbrechen wie \u201eProg-Jazz-Groove-Quintett\u201c (cf. Mock The Bird) kopieren zu m\u00fcssen. Ja, f\u00fcnf sind\u2019s an der Zahl, und jeder von ihnen hat eine Aufgabe. Gelegentlich erinnere ich mich beim H\u00f6ren an Utopianisti, obwohl\u2019s weniger rockt.\n\u201eEcho\u201c ist trotz seines Namens weitgehend als Instrumentalalbum zu betrachten, das Vokalistenduo aus Stefanie Suhner und Andreas Lareida tr\u00e4gt eher Lautmalerei als Gesang bei; zwei Stimmen also als weiteres Instrument, als soundscapes eben, a\u2011cappella beziehungsweise indianischen Ges\u00e4ngen nicht un\u00e4hnlich. Schwelgerisch w\u00e4re hier vielleicht ein angebrachtes Adjektiv, selbst w\u00e4hrend der kurzen Ausfl\u00fcge in den Freiformjazz (etwa in \u201eSakura\u201c) bleibt alles im Fluss. Referenzen zum Bandnamen, naja, vielleicht fliegen die Stimmen so hoch oder so. Zum Gl\u00fcck aber verbrennen sie nicht und m\u00f6glicherweise tut ein Vergleich mit V\u00e4rttin\u00e4 und Iki niemandem ein Unrecht an. Ziemlich zauberhaft, das Ganze.\nH\u00f6rproben: YouTube. Erneut YouTube. Schlie\u00dflich Amazon.de.\nLate Night Venture \u2013 Tychonians\nDie diesj\u00e4hrige Dosis Postrock machen Late Night Venture komplett.\nDas tychonische Weltsystem wurde im 16. Jahrhundert von dem d\u00e4nischen Mathematiker Tycho Brahe ersonnen und besagte, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums stehe und alle anderen Planeten um die Sonne kreisten. Aus heutiger Sicht ist das zumindest weniger bl\u00f6d als manch andere Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze.\nInwiefern das eine Grundlage f\u00fcr das Album \u201eTychonians\u201c ist, ist beinahe ohne Texte schwer auszumachen. Fest steht, dass die f\u00fcnf Musiker von Late Night Venture ebenfalls aus D\u00e4nemark stammen und sich offenbar bevorzugt mit Astrologie besch\u00e4ftigen; das Vorg\u00e4ngeralbum zum Beispiel trug den Titel \u201ePioneers of Spaceflight\u201c, das erste St\u00fcck auf \u201eTychonians\u201c beginnt zudem mit etwas, das ich als die Abflugger\u00e4usche eines Raumschiffs interpretieren w\u00fcrde.\nDie Band mischt das alte Laut-Leise-Spiel mit allerlei Doom\u2011, Spacerock- und Psychedelic-Zutaten, sie bleibt dabei \u00fcberwiegend in instrumentalen Gefilden. Einzig in \u201eMoon Shone on White Rock\u201c findet sich ein wenig verzerrter Gesang. Das Internet zieht Vergleiche mit Anathema und (mehrfach) Long Distance Calling, ich finde solche Vergleiche eher albern, obwohl ich Long Distance Calling hier streckenweise auch selbst wiederfinde.\nEin Rezensent auf Amazon.de merkt an, \u201eTychonians\u201c mache Spa\u00df. Ich behaupte: Das stimmt.\nH\u00f6rproben: Neben den Schnipseln auf Amazon.de gibt es einen Komplettstream auf Bandcamp.com.\n\n1c. Live und umsonst\n\nUmphrey\u2019s McGee \u2013 The London Session\nWer ein Album \u201eThe London Session\u201c nennt, der weckt damit zumindest Assoziationen an viele gute und weniger gute Livealben vergangener Epochen. Umphrey\u2019s McGee meinten das aber noch ironischer als es scheint, als sie im Juni 2014, \u00fcber vier Jahrzehnte nach den Beatles, in den Abbey-Road-Studios (denen mit dem Zebrastreifen) in dem Raum \u2013 angeblich sogar in derselben Ecke -, in dem von 1962 bis 1970 ebenjene Popmusikgruppe ihre Alben einspielte, einige ihrer St\u00fccke neu aufnahm.\nZwar ist mit \u201eBad Friday\u201c auch ein g\u00e4nzlich neues St\u00fcck auf dem Album zu h\u00f6ren, aber eigentlich geht es ja um v\u00f6llig andere Dinge. Die Band aus Chicago macht daf\u00fcr, dass sie aus den musikalisch sonst eher langweiligen USA kommt, erfreulich spa\u00dfige Musik zwischen allen musikalischen St\u00fchlen und wei\u00df diese auch auf \u201eThe London Session\u201c angemessen in Szene zu setzen. Anders gesagt:\nLangzeitbewunderer von Umphrey\u2019s McGee sollten mit diesem Album weitere Bewunderung und Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Wagnis und Entschlossenheit der Band entwickeln. (\u2026) Umphrey\u2019s McGee fahren damit fort, das zu tun, was sie immer schon am besten konnten \u2013 n\u00e4mlich, jeder Beschreibung auszuweichen und jeden Versuch, sie in eine Schublade zu stecken, in eine \u00dcbung in reiner Zwecklosigkeit zu verwandeln. Wenige andere Formationen k\u00f6nnen von sich behaupten, Ambition, Mehrdeutigkeit und Integrit\u00e4t in einer solch ausgeglichenen Weise zu bieten.\n(Grausame \u00dcbersetzung von mir.)\nDass mit \u201eI Want You (She\u2019s So Heavy)\u201c auch ein von Umphrey\u2019s McGee seit Jahren live gespieltes Lied der Beatles, \u00fcberdies von deren Album \u201eAbbey Road\u201c (dem mit dem Zebrastreifen) stammend, seinen Weg auf \u201eThe London Session\u201c gefunden hat, ist da eigentlich nur noch das Sahneh\u00e4ubchen dieser Ver\u00f6ffentlichung.\nH\u00f6rproben: Man h\u00f6re auf Amazon.de oder TIDAL hinein.\n\nGuilty Ghosts \u2013 The Witness\n2015 war hinsichtlich der \u201eName your price\u201c-Alben erschreckend entt\u00e4uschend. Haben inzwischen alle Musiker ihren Gesch\u00e4ftssinn entdeckt?\nNein, auf eines ist Verlass, auf die Guilty Ghosts n\u00e4mlich, die als Soloprojekt von Tristan O\u2019Donnell gar nicht so viele sind, wie man glauben k\u00f6nnte. Mit \u201eThe Witness\u201c \u2013 \u201eDer Zeuge\u201c \u2013 erschien im Juni nach \u00fcber zwei Jahren Pause ein neues Album des Herrn, diesmal ausschlie\u00dflich in digitaler Darreichungsform, aber auch weiterhin nicht an einen festen Preis gebunden.\nIst das denn schon ein Album? Die Laufzeit betr\u00e4gt nicht einmal 23 Minuten. Ich bin geneigt, von einem \u201eMinialbum\u201c zu sprechen. Und andere Leute sind schon \u00fcberfordert, wenn es um Lappalien wie \u201eGenres\u201c geht!\nDie stilistische Zuordnung ist bei Guilty Ghosts indes wie gewohnt nicht schwer zu erraten. Weite Klanglandschaften breiten sich im Kopf aus und erreichen von dort jeden Ort im K\u00f6rper des H\u00f6rers, der ihnen Zutritt gew\u00e4hrt. (Ergibt das \u00fcberhaupt Sinn? Und ist das wichtig?) Ich h\u00f6re feinste Instrumentalmelancholie, eine tr\u00e4umerische Remineszenz an Long Distance Calling und hier und da auch Balladesques. Dass manche Klimax durch\u2019s gelegentliche Ein- und Ausblenden nicht zum Zug kommt: Geschenkt! Wenig empfehlenswert ist das hier Geh\u00f6rte trotzdem noch lange nicht, sonst st\u00fcnde es nicht hier.\nWahr bleibt auch die Selbstbeschreibung des Musikers: \u201eSongs fit for rainy days, everlasting evenings, and melancholy moments in solitude.\u201c Holt es euch auf Bandcamp.com oder via eMule, vergesst die anderen Alben des Herrn O\u2019Donnell nicht und schaut mal in den Wolken vorbei. Es ist wirklich angenehm dort.\n\n2. Schrottwichtel des Jahres\nEs soll ja niemand behaupten, ich w\u00e4re pl\u00f6tzlich allzu beliebig geworden, weil bislang erschreckend wenig furchtbar Schr\u00e4ges aufgef\u00fchrt war. Auch ein erweiterter Horizont kennt Grenzen. Beispiele gef\u00e4llig? 2015 war da durchaus nicht geizig:\n\nPanda Bear \u2013 Panda Bear Meets The Grim Reaper: Weder flauschig-pelzig noch grimmig. Wenn ich ein Panda w\u00e4re, w\u00fcrde ich die Produzenten dieses Langweilers wegen Rufmords verklagen wollen.\nKatzenjammer \u2013 Rockland: Zu viele Ideen auf zu wenig Platz. \u201eOh, sweet lord.\u201c\nMollmaskin \u2013 Heartbreak In ((Stereo)): Herzzerrei\u00dfendes, lahmes Geklimper.\nProgoctopus \u2013 Transcendence EP: Ein Album, das klingt, als h\u00e4tte jemand ein gutes Progressive-Rock-Album in Fetzen geschnitten und dann halbherzig mit irgendeinem F\u00fcnf-Euro-Programm wieder zusammengew\u00fcrfelt. Jane Gillards guter Gesang wirkt leider v\u00f6llig verloren. So wird das nichts.\nPortico \u2013 Living Fields: Von bezauberndem Jazz auf fr\u00fcheren Alben zu einschl\u00e4ferndem Elektropop auf diesem Erzeugnis. So schnell kann\u2019s gehen mit dem Fall.\nShining \u2013 International Blackjazz Society: Wie die x\u2019te Neuauflage der \u201eTubular Bells\u201c, so ist auch die \u201eInternational Blackjazz Society\u201c ein blut- und ideenarmer Versuch, aus dem Namen eines wirklich guten Albums noch etwas Profit zu gewinnen. Oder ist Blackjazz doch das \u201eGenre\u201c? Wenn ja: wann und warum hat dieses Genre aufgeh\u00f6rt, spannend zu sein?\n\n3. Neunzig Jahre Horrorschau\nWie \u00fcblich m\u00f6ge eine R\u00fcckschau auf die letzten Jahrzehnte Musikgeschichte diesen Text beschlie\u00dfen; diesmal beginne ich mit einem ganz besonderen Jubil\u00e4um:\n\nVor 90 Jahren:\nGid Tanner \u2013 Boll weevil blues\n1925, mitten in der Weimarer Republik, war kein besonders gutes Jahr f\u00fcr Deutschland. Friedrich Ebert, Vorsitzender der bereits damals kriegsfreundlich eingestellten und auch vor Mord am politischen Gegner \u2013 seinerzeit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht \u2013 nicht zur\u00fcckschreckenden SPD war bis Ende Februar 1925 Reichspr\u00e4sident des merklich von der Politik der SPD gezeichneten Landes, ein \u00f6sterreichischer K\u00fcnstler und Kriegsveteran publizierte derweil den ersten Band einer ziemlich langweiligen Geschichte namens \u201eMein Kampf\u201c, der 2015 wieder erh\u00f6hte Aufmerksamkeit, diesmal aus Urheberrechtsgr\u00fcnden, zuteil wurde. Auch musikalisch gab es nicht viel, wor\u00fcber man sich freuen konnte, und vieles ist mittlerweile zu Recht vergessen worden. In Georgia (USA) allerdings machte das Duo aus dem Fiddler Gid Tanner und dem blinden Gitarristen Riley Puckett von sich reden, das f\u00fcr die damalige Zeit einigerma\u00dfen moderne Folkmusik spielte und f\u00fcr die Plattenfirma Columbia bereits manche Schallplatte aufgenommen hatte. Der Bitte Columbias, eine Stringband zu gr\u00fcnden, kamen beide bald nach; Gid Tanner\u2019s Skillet Lickers erwarben einen solch guten Ruf, dass seine Enkel und Urenkel noch heute unter dem Namen Skillet Lickers mit etwas, was wohl mittlerweile \u201eOld-Time-Musik\u201c hei\u00dft, auf Festivals auftreten. Das sollen die Rolling Stones erst mal hinbekommen.\nVor 40 Jahren:\nVan der Graaf Generator \u2013 Godbluff\n1975 sah die Welt schon viel besser und friedlicher aus: Der spanische Diktator Franco starb und der erb\u00e4rmliche Vietnamkrieg endete mit viel zu wenig toten Soldaten und viel zu viel Leid. Es war also ein ideales Jahr f\u00fcr etwas Beschaulichkeit. Dave Greenslade trug zu dieser Beschaulichkeit zum vorerst letzten Mal mit Greenslades Album \u201eTime and Tide\u201c bei, auf dem abermals sehr empfehlenswerter Progressive Folk gespielt wurde. Lou Reed versuchte derweil seinen Plattenvertrag loszuwerden, der nach seinem bis heute in seiner Heimat erfolgreichsten Album \u201eSally Can\u2019t Dance\u201c von 1974 die ungeliebte Erwartungshaltung von Publikum und Finanziers vervielfacht haben d\u00fcrfte: \u201eMetal Machine Music\u201c wurde ein gewaltiger Koloss aus Gitarrenl\u00e4rm, der kommerziell der gew\u00fcnschte Reinfall wurde, k\u00fcnstlerisch allerdings ein langes Nachspiel hatte, das schlie\u00dflich erst 2002 in einer Neuinterpretation zusammen mit dem deutschen Ensemble Zeitkratzer, dann 2008 in der Gr\u00fcndung des bis zu seinem Tod im Jahr 2013 bestehenden Metal Machine Trios seinen Abschluss fand. Einen weiteren Neuanfang wagte 1975 die zuvor vor\u00fcbergehend aufgel\u00f6ste Progressive-Rock-Band Van der Graaf Generator, deren Mitglieder ohnehin f\u00fcr verschiedene Soloaktivit\u00e4ten zusammengearbeitet hatten, und ver\u00f6ffentlichte vier Jahre nach \u201ePawn Hearts\u201c das bis heute als eines ihrer besten bewertete \u201eComeback\u201c-Album \u201eGodbluff\u201c, das mit nur vier St\u00fccken, darunter das grandiose \u201eThe Sleepwalkers\u201c, den Auftakt zu einer in schneller Folge ver\u00f6ffentlichten Reihe von hervorragenden Werken f\u00fchrte. 1978 zerfiel die Band nach einigen Umbesetzungen wieder und fand sich erst 2005 wieder zusammen; eigentlich w\u00e4re (\u201eALT\u201c ist von 2012) ja auch mal wieder ein neues Album f\u00e4llig. Warten wir es ab.\nVor 30 Jahren:\nMarillion \u2013 Misplaced Childhood\nViel besser abwarten \u2013 nicht nur in musikalischer Hinsicht \u2013 h\u00e4tte man die 1980-er Jahre gekonnt. Zwar gab sich 1985 mit der Gro\u00dfveranstaltung \u201eLive Aid\u201c menschenfreundlich, gleichzeitig aber wurde dieses Jahr zum \u201eJahr der Vereinten Nationen\u201c erkl\u00e4rt. Die Vereinten Nationen sind nun nicht f\u00fcr eine besondere Friedfertigkeit bekannt, immerhin unterhalten sie sogar eine eigene Armee. Dazu passt eigentlich der Titel des in diesem Jahr erschienenen Albums der Gruppe Dire Straits, n\u00e4mlich \u201eBrothers in Arms\u201c, also \u201eWaffenbr\u00fcder\u201c, ebenso gut wie das anscheinend komisch gemeinte \u201eGeld oder Leben!\u201c der \u00f6sterreichischen Popband Erste Allgemeine Verunsicherung, wobei bei Dingen, die die Vereinten Nationen betrafen, oft weniger Geld als Leben floss. Mitten in diese wirre Zeit wurde der Autor dieser Zeilen in eine deplatzierte Kindheit hinein geboren, und auch Marillions 1985 ver\u00f6ffentlichtes \u201eMisplaced Childhood\u201c wirkte mit dem Radiohit \u201eKayleigh\u201c einerseits und St\u00fccken wie \u201eLavender\u201c andererseits zerrissen zwischen Gef\u00e4lligkeit und Anspruch. Der Abschied vom k\u00fchlen, technischen Stil der Vorg\u00e4ngeralben jedenfalls l\u00e4utete auch den allm\u00e4hlichen Abschied vom angeblich zusehends mehr von sich eingenommenen S\u00e4nger Fish ein; nach einem weiteren Album verlie\u00df er die Band nur kurze Zeit sp\u00e4ter, seine ehemalige Band macht bis zum heutigen Tage mit dem damals neuen S\u00e4nger Steve Hogarth und einem zusehends mehr am Artrock als an Genesis orientierten Stil weiter. Manchmal will auch die Musik mit der Zeit gehen.\nVor 20 Jahren:\nNeu! \u2013 Neu! 4\nWas f\u00e4llt euch ein, wenn ihr \u201e1995\u201c lest? Richtig: 50 Jahre Kapitulation der deutschen Wehrmacht, 5 Jahre deutsche Einheit und nicht zuletzt der Siegeszug eines zu diesem Zeitpunkt schon vierzehn Jahre alten Liedes, n\u00e4mlich \u201eStart Me Up\u201c von den Rolling Stones. Windows 95 brauchte eine einpr\u00e4gsame Hymne, und was lag da n\u00e4her als ein vermeintliches Lied \u00fcber den seinerzeit neuen \u201eStartknopf\u201c? Die Rolling Stones waren allerdings selbst l\u00e4ngst weitergezogen, im November 1995 erschien mit \u201eStripped\u201c eine Art Studio-Live-Album ohne eigenes neues Material; auf das n\u00e4chste \u201evollst\u00e4ndige\u201c Studioalbum \u201eBridges to Babylon\u201c musste das geneigte Publikum noch bis 1997 warten. Es war ein vielf\u00e4ltiges Jahr, in das auch Purs erstes Nummer-1-Album \u201eAbenteuerland\u201c gut hineinpasste. Pop und Radiorock, wohin man zun\u00e4chst blickte. Aber was, wenn man einen zweiten Blick wagte? Vielleicht hat man dann das selbstbetitelte Deb\u00fctalbum der schwedischen Progressive-Rock-Band Ritual entdeckt, die bereits auf ihm einen eigenst\u00e4ndigen Stil zwischen Folk, AOR und Hardrock gezeigt hatten, den sie in den kommenden Jahren immer weiter zu einem beeindruckenden Folkrock weiterentwickeln sollten. In Deutschland b\u00e4umte sich derweil ein letztes Mal der Krautrock auf: Die von Conny Plank, der mittlerweile verstorben war, in den Jahren 1985 und 1986 produzierten letzten, allerdings unvollendeten Aufnahmen des D\u00fcsseldorfer Duos Neu! wurden nach der streitbedingten Trennung der beiden Musiker Klaus Dinger und Michael Rother erst nach neun Jahren zur Ver\u00f6ffentlichung als \u201eNeu! 4\u201c freigegeben. Dass sich selbst die nicht auf kommerziellen Erfolg bedachte Band Neu! hier mit allerlei Elektronik an den schlimmen \u201emusikalischen\u201c Zeitgeist des Jahrzehnts anzupassen versuchte, ist dank der ansonsten weiterhin experimentellen Spielweise beinahe unauff\u00e4llig geblieben. Nichtsdestotrotz erschien 2010 eine \u00fcberarbeitete Neuauflage unter dem Namen \u201eNeu! \u201a86\u201c. Mit weiteren Aufnahmen ist nach dem Tod Klaus Dingers aber leider nicht mehr zu rechnen.\nVor 10 Jahren:\nNil \u2013 Nil Novo Sub Sole\nZehn Jahre ist es nun her, dass ich anfing, mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig richtige Texte ins Web reinzuschreiben. Gleichzeitig erbebte die deutschsprachige Musikwelt allerdings aus ganz anderen Gr\u00fcnden, n\u00e4mlich aufgrund des Albums \u201eSchrei\u201c der absurden Combo Tokio Hotel, \u00fcber die allzu kindische Witze zu machen selbst mir damals nicht zu unpassend erschien. Wer allerdings damals schon nicht viel Wert auf die Besch\u00e4ftigung mit solch belanglosem Quark gelegt hatte, der ist zu beneiden, denn er hatte um so mehr Zeit f\u00fcr wirklich gute Lieder. \u2026And You Will Know Us by the Trail of Dead zum Beispiel lie\u00dfen den potenziellen K\u00e4ufern viel Zeit f\u00fcr Vorfreude, indem die Ver\u00f6ffentlichung ihres Albums \u201eWorlds Apart\u201c von 2004 auf 2005 verschoben wurde, damit die Verkaufszahlen sich nicht an denen von Eminem und Destiny\u2019s Child (einer anst\u00e4ndigen Plattenfirma ist kein Vergleich zu doof) messen lassen mussten. Nichts Neues also unter der Sonne? Dies jedenfalls behauptete das franz\u00f6sische Symphonic-Prog-Quintett Nil, dessen Album \u201eNil Novo Sub Sole\u201c seit dem Jahr 2005 ebenfalls erh\u00e4ltlich ist, allerdings unter offensichtlich anderen Voraussetzungen, denn Zugest\u00e4ndnisse sind hier nicht erkennbar. Den gro\u00dfen Fehler vieler anderer Musikgruppen, die englische Sprache zu der eigenen zu machen, wiederholen Nil nicht, hier ist und bleibt alles auf Franz\u00f6sisch, das ich zwar nicht verstehe, das aber authentisch und nah wirkt. Umgeben von einer atmosph\u00e4risch dichten Wolke aus teils psychedelischem, teils verzwirbelt-hartem Progressive Rock, der mal an King Crimson erinnert, meist aber eine ganz eigene Note tr\u00e4gt, schwebt S\u00e4ngerin Roselyne Benthet gleichsam \u00fcber den Dingen und verursacht ganz nebenbei selbst bei den ung\u00e4nsigsten H\u00f6rern eine G\u00e4nsehaut, die man eigentlich gern eine Weile behalten w\u00fcrde. Manche Alben f\u00fchlen sich einfach richtig an; dies ist eins davon.\n\nWas wohl noch kommen mag? Wer wei\u00df! Sebkha-Chott allerdings haben zum Jahreswechsel ihre Aufl\u00f6sung angek\u00fcndigt. 2016 soll ein letztes Album erscheinen. Da bleibt zumindest etwas, worauf wir uns noch einmal freuen k\u00f6nnen.\nBis zum n\u00e4chsten Mal!\nKommentareMagic Petra schrob am 25. Februar 2016 dies: Hi Sven, \nich bin Petra von Paisley Tree und wollte mich im Namen der Band f\u00fcr Deinen sch\u00f6nen Review bedanken. \nWir haben ihn auf unsere facebook Seite gestellt \u2013&gt; https://www.facebook.com/Paisleytreeband/?ref=settings\nLiebe Gr\u00fc\u00dfe, Petra\n\nP.S. Die Zweittstimme habe ich selbst gesungen     \nDemn\u00e4chst kommt noch eine Single in Kooperation mit Space Debris. Vielleicht hast Du ja Lust, auch die zu \u201ereviewen\u201c. \nDann gib mir einfach per E\u2011Mail Bescheid. http://green-brain-krautrock.de/32cf191a5b396b39b03506d58647ad56,german,SPACE-DEBRIS-PAISLEY-TREE-New-Rag-Spiral-Cage-7-inch-Split-single-Green_23179.htmltux0r schrob am 25. Februar 2016 dies: Heyho, magische Petra,\n\nso als Facebookmeider (jetzt werft doch nicht so extensiv mit Daten aus meinem Impressum um euch, wenn ich hier schon unter Pseudonym parliere, Mensch) hab\u2018 ich mich schon gewundert, woher die vielen Zugriffe kommen. Sch\u00f6n, wenn es euch gef\u00e4llt. (Aber die vier Alben dar\u00fcber einfach ignorieren? Dz, dz! So war das ja nicht gedacht.)\n\nVon Singles halte ich aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden nicht viel, aber ich hab\u2018 euch im Auge.   Petra schrob am 25. Februar 2016 dies: Hi Tux, \nhab es in fb ge\u00e4ndert (sorry :-))tux0r schrob am 25. Februar 2016 dies: Dankesch\u00f6n!Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2016 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 26. Juli 2016 dies: [\u2026] von Anfang an eher asiatisch; sofort bemerke ich das m\u00e4chtige Brummen, wie es mich schon bei boris begeisterte, das dann in einen dr\u00f6hnenden treibenden Rhythmus mit allerlei Knattern und Donnern [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2015-12-24T17:00:37+01:00",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 14 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>2015? Da war doch was? Mir war, als h\u00e4tte ich etwas vergessen. Nein, vergessen wohl nicht, aber es gibt tats\u00e4chlich noch etwas aus dem Vorjahr zu vermelden, n\u00e4mlich den zweiten Teil der Liste der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">wundervollsten Musikalben von 2014</span>. Auch, wenn diesmal nicht noch in letzter Minute neue Alben dazugekommen sind, da ich mir genug Zeit genommen hatte, erhebt nat\u00fcrlich auch diese Liste nicht den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit; schon weil mit <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Bent Knee</span>s Deb\u00fctalbum ein frenetisch gefeiertes Album fehlt, was nicht daran l\u00e4ge, dass es schlecht ist (es ist gut), sondern schlicht daran, dass die Band studioseitig weit unter ihren M\u00f6glichkeiten agiert. Eine Konzert-DVD w\u00e4re willkommen.</p>\n<p>Drau\u00dfen bleiben mussten \u00fcberdies <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Heino</span> (\u201eSchwarz bl\u00fcht der Enzian\u201c) und <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Unheilig</span> aus Qualit\u00e4tsgr\u00fcnden, im Gegenzug verzichtete ich auf die Mehrfachnennung der bereits anderswo von mir gew\u00fcrdigten neuen Alben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/08/genres-sind-soo-90er-boris-noise/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Boris</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/08/erst-mal-nen-tee-margin-psychedelic-teatime/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Margin</span></a> und den <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/12/die-fantastischen-vier-rekord/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Fantastischen Vieren</span></a>. Das ziemlich gute \u201eGoodnight Civilization\u201c von <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Zu</span> muss leider ebenfalls fehlen \u2013 als EP gelingt ihm das Hineinmogeln in diese Liste diesmal nicht.</p>\n<p>Nichtsdestoweniger schlie\u00dfe ich nicht aus, auch schlicht etwas vergessen zu haben. Euch fehlt ein relevantes Album? Kommentiert\u2019s hier gern unten drunter!</p>\n<p><span id=\"more-10331\"></span>Auf die Pl\u00e4tze, fertig, \u2026</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Los!</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Cosmograf-Capacitor.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Cosmograf-Capacitor.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Cosmograf \u2013 Capacitor</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWhen I go through this door / I can\u2019t take any more\u201c</span> (The Reaper\u2019s Song)\n<p>Den Anfang macht bedrohliches Grollen. <span class=\"musik-review-bandname\">Cosmograf</span> \u2013 das sind keine <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Asterix_und_die_Normannen\&quot;" data-wpel-link="internal">Normannen</a> \u2013 lassen sich Zeit.</p>\n<p>Der nach Spacerock klingende Bandname ist kein Zufall, aber Multiinstrumentalist <span class=\"musik-review-bandname\">Robin Armstrong</span> hat f\u00fcr das aktuelle Album seines Soloprojekts <span class=\"musik-review-bandname\">Cosmograf</span> neben seinen bew\u00e4hrten Weggef\u00e4hrten <span class=\"musik-review-bandname\">Nick D\u2019Virgilio</span> (Schlagzeug, sonst bei <span class=\"musik-review-bandname\">Big Big Train</span> und zuvor auch <span class=\"musik-review-bandname\">Spock\u2019s Beard</span>) und <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Dunn</span> (Bass, <span class=\"musik-review-bandname\">Also Eden</span>) auch Unterst\u00fctzung von <span class=\"musik-review-bandname\">Colin Edwin</span> (Bass, <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span>), <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Beggs</span> (Bass, <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Lifesigns</span>) sowie <span class=\"musik-review-bandname\">Matt Stevens</span> (Gitarre, <span class=\"musik-review-bandname\">The Fierce And The Dead</span>) erhalten; zudem ist <span class=\"musik-review-bandname\">Andy Tillison</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">The Tangent</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Parallel or 90 Degrees</span>) in \u201eThe Drover\u201c an den Keyboards zu h\u00f6ren; dieses Personal wirkt sich <em>nat\u00fcrlich</em> darauf aus, wohin die musikalische Reise geht.</p>\n<p>Laut Eigenbeschreibung der Band ist sie \u201everwurzelt im Classic Rock der 1970er mit einem zeitgem\u00e4\u00dfen und progressiven <em>twist</em>, jedoch ist auch hier nicht vom aberdutzendsten <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>-Klon auszugehen, daf\u00fcr ist es dann doch zu <em>modern</em>. Vielmehr deutet alles in Richtung der eher elektronischen Seite des New Artrocks. <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Spock\u2019s Beard</span> klingen stets mit.</p>\n<p>Apropos <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>: Vor <span class=\"musik-review-bandname\">Phil-Collins</span>-Gesang muss man sich hier nicht f\u00fcrchten, vielmehr \u00fcberwiegt das gesprochene Wort; auch dann, wenn ein St\u00fcck einen Titel wie \u201eThe Reaper\u2019s Song\u201c tr\u00e4gt, dessen <em>lyrics</em> nebenbei das gute alte \u201eI Am The Walrus\u201c der <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">Waiting for the train to come</span>) in Erinnerung rufen. Von wegen <span class=\"musik-review-bandname\">Unheilig</span> \u2013 der <span class=\"musik-review-bandname\">Cosmograf</span> ist besser.</p>\n<p>Damit w\u00e4re die Messlatte f\u00fcr Wortspiele im \u00dcbrigen dann auch mal gesetzt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Per <a href="\&quot;http://cosmograf.bandcamp.com/album/capacitor\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> gibt\u2019s Stream und Kaufdownload, eine CD- oder Vinylversion indes scheint momentan nicht zu existieren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Chromb-II.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Chromb-II.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">CHROMB! \u2013 \u201eII\u201c</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">CHROMB!</span> Gesundheit! Franzosen, nat\u00fcrlich. Das Wort scheint nur als Eigenname zu existieren und ist damit erfreulicherweise un\u00fcbersetzbar. <span class=\"musik-review-bandname\">CHROMB!</span> haben sich bereits Abende mit Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">James Chance &amp; The Contortions</span> und den Landsleuten von <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> geteilt. Das sind gute Voraussetzungen.</p>\n<p>Mit \u201eII\u201c \u2013 die Anf\u00fchrungszeichen geh\u00f6ren offenbar zum Titel \u2013 liegt nun das zweite Album der Combo vor. <em>(F\u00fcr eifrige Leser: Ratet mal, wie das erste hie\u00df.)</em> Dass es gar nicht nach <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> klingt und die Zeuhl-Anleihen sich trotz des kammermusikalischen Beginns auf allenfalls kurze Momente (\u201eLa Saulce\u201c enth\u00e4lt solche Momente) beschr\u00e4nken, st\u00f6rt nur wenig.</p>\n<p>Die Keyboards von <span class=\"musik-review-bandname\">Camille Durieux</span> sind hier dominant. Gitarre? Gibt es nicht, brauchen wir nicht. Das klingt bunt, das klingt <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_14414.html\&quot;" data-wpel-link="internal">so:</a></p>\n<blockquote><p>Da werden munter Klassik-Rock-Einlagen mit Jazz, RIO und sogar Pop (gelegentlich sind Disco-Rhythmen zu h\u00f6ren) vermengt, alles freilich in einer komplett \u00fcberdrehten Variante und praktisch durchweg auf Speed. H\u00e4mmerndes Klavier, quietschige Synthies, rumpelnder Bass, furioses Schlagzeug und tr\u00f6tiges Saxophon (keine Gitarre!) pr\u00e4gen die Musik, die best\u00e4ndige Kapriolen schl\u00e4gt, munter von einem Stil zum anderen springt.</p></blockquote>\n<p>Franzosen. Schon seltsam manchmal.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Das Quartett ist auf <a href="\&quot;https://chromb.bandcamp.com/album/ii-2014\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> pr\u00e4sent; diesmal gibt es auch CD und Vinyl zu kaufen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/iamthemorning-Belighted.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_iamthemorning-Belighted.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">iamthemorning \u2013 Belighted</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eHow come that I still breathe?\u201c</span> (The Howler)\n<p>Auch seltsam manchmal: Russen. <span class=\"musik-review-bandname\">iamthemorning</span> sind f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Leser inzwischen alte Bekannte, erst <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Juli 2014</a> war \u201eMiscellany\u201c als Kurzzeitalbum eine Empfehlung wert. Ich k\u00fcndigte zu diesem Anlass an:</p>\n<blockquote><p>P\u00fcnktlich am 1. Januar 2014 erschien diese EP von etwas \u00fcber 23 Minuten Spieldauer in Vorbereitung auf das zweite Vollzeitalbum, das ich dann mal in meinem schier grenzenlosen Optimismus noch in diesem Jahr erwarte.</p></blockquote>\n<p>Seitdem haben sich in <em>unserem</em> Verh\u00e4ltnis zu Russland einige \u00c4nderungen ergeben, was als Rache f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">t.A.T.u.</span> nicht mehr ganz so grotesk \u00fcberzogen scheint.</p>\n<p>Aber hier soll\u2019s nicht um schrecklichen Pop, sondern um prima sph\u00e4rischen Artrock gehen. <span class=\"musik-review-bandname\">iamthemorning</span> legen nun immerhin seit \u00fcber einem Jahr Musik von gleichbleibend hoher Qualit\u00e4t vor, was andere nicht mal f\u00fcr die Dauer eines einzigen Albums schaffen. Nun also \u201eBelighted\u201c. Soll noch einer sagen, das klinge <em>alles gleich</em>; mehr denn je zuvor greifen <span class=\"musik-review-bandname\">iamthemorning</span> zum Wechsel zwischen sanftem Winds\u00e4useln und kernigem Rock. Manchmal allerdings kommt es einem doch spanisch vor, wenn <span class=\"musik-review-bandname\">iamthemorning</span> etwa an Flamenco erinnernde Rhythmen in ihre eigene Klangwelt einweben wie in einen viel zu wertvollen Teppich. Man greift nach neuen Welten und doch auf seinem Pfad.</p>\n<p>Die \u201eeclipsed\u201c wusste im Oktober zu mutma\u00dfen:</p>\n<blockquote><p>Mit \u201eBelighted\u201c gehen die russischen Artrocker <span class=\"musik-review-bandname\">iamthemorning</span> einer strahlenden Zukunft entgegen</p></blockquote>\n<p>Das, freilich, nur, wenn der Zeitgeist begeistert bleibt. Daran indes zweifle ich nicht im Geringsten.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> H\u00f6ren und sich h\u00fcbsch verpackt nach Hause liefern lassen kann man \u201eBelighted\u201c zum Beispiel <a href="\&quot;http://iamthemorningband.bandcamp.com/album/belighted\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Bandcamp</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Acid-Mothers-Temple-Astrorgasm-From-The-Inner-Space.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Acid-Mothers-Temple-Astrorgasm-From-The-Inner-Space.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Acid Mothers Temple &amp; The Melting Paraiso U.F.O. \u2013 Astrorgasm From The Inner Space</span>\n<p>Wiederum beschwingter geht es beim japanischen <span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Temple</span> zur Sache. <span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Temple</span> haben in den demn\u00e4chst zwanzig Jahren ihres Bestehens in verschiedenen Besetzungen bislang insgesamt 72 Studio- und 34 Livealben sowie diverse EPs und sonstige Ver\u00f6ffentlichungen eingespielt, machen das hier also nicht zum ersten Mal. Dass ich sie trotzdem bisher v\u00f6llig ignoriert habe, ist allein mein Verschulden. Offensichtlich habe ich dabei sowieso etwas Gro\u00dfes verpasst.</p>\n<p>\u00dcberwiegend ist die Band um den Gitarristen und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Kawabata Makoto</span> dabei unter dem Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Temple &amp; the Melting Paraiso U.F.O.</span> aktiv, arbeitet aber auch mit Krautrockbands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Guru Guru</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Guru Guru</span>) und Artverwandten wie <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Gong</span>) zusammen. Im Allgemeinen spielt sie dabei Space- und Psychedelic Rock mit gelegentlichem \u201eHeavy\u201c-Einschlag. Die Studioalben tragen mitunter die Popkultur referenzierende Titel wie \u201e41st Century Splendid Man\u201c (2002), \u201eSon of a Bitches Brew\u201c (2012) und \u201eAbsolutely Freak Out (Zap Your Mind!!)\u201c (2001), die so gut wie nie auch nur ann\u00e4hernd nach den referenzierten Alben klingen. Dies nur als Einf\u00fchrung. Seid ihr schon verwirrt? Dann h\u00f6rt lieber gar nicht erst rein.</p>\n<p>Diesmal tr\u00e4gt <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Astrorgasm-Mothers-Temple-Melting-Paraiso/dp/B00JBGEZ5A/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">das Album</a> zumindest einen Titel, der andeutet, wohin die \u2013 tats\u00e4chlich \u2013 Reise f\u00fchrt. Krautrock, Kammerprog und Spacerock sind auszumachen, mitunter, etwa am Ende von \u201ePleasure Mantra of Sorrows\u201c, wird es auch ambientartig. Von welchem der vielen Alben titels \u201e<em>irgendwas</em> from Outer Space\u201c der \u201eAstrorgasmus\u201c abgeleitet ist, konnte ich allerdings nicht herausfinden.</p>\n<p>Erfreulicherweise werden die Texte von einer gewissen Frau <span class=\"musik-review-bandname\">Cotton Casino</span> nicht st\u00f6hnend deklamiert, sondern tats\u00e4chlich genre\u00fcblich gefl\u00fcstert oder wie <em>damals innen Sechzigern</em> zu Gitarrenbegleitung sauber eingesungen (\u201eDark Star Blues\u201c). \u00dcbrigens ist auch so ein Liedtitel nicht aussagekr\u00e4ftig, der \u201eDark Star Blues\u201c ist n\u00e4mlich eigentlich gar keiner, sondern vielmehr ein Psychedelic-/Spacerock-Lied mit frei drehendem Ende (Vibravoid-Fans: aufgemerkt!). \u00c4hnliches gilt indes auch f\u00fcr die \u00fcbrigen drei St\u00fccke, wenngleich der Gesang oft v\u00f6llig in den Hintergrund tritt. Zwischen etwa 16 und fast 20 Minuten liegen die jeweiligen Spieldauern, die mit vielerlei elektronischem Zirpen angereichert werden, und das nicht nur in \u201eKiss in the Tangerine Dream House\u201c.</p>\n<p>Gute \u00dcberleitung eigentlich: Anfang 2015 verstarb \u00fcberraschend <span class=\"musik-review-bandname\">Edgar Froese</span>, mit <span class=\"musik-review-bandname\">Tangerine Dream</span> einer der Pioniere der deutschen Krautrock-<em>Szene</em>. Vielleicht w\u00fcrde er, wenn er ein verr\u00fcckter Japaner gewesen w\u00e4re, heute so \u00e4hnlich klingen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig, denn in jedem Fall ist das, was die Musiker hier ert\u00f6nen lassen, ein Fest f\u00fcr die Ohren.</p>\n<p>Sozusagen ein Ohrgasmus.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Der \u201eDark Star Blues\u201c auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=QUm1-klSP04\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> ist ein empfehlenswerter Einstieg in dieses Album.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Camera-Remember-I-Was-Carbon-Dioxide.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Camera-Remember-I-Was-Carbon-Dioxide.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Camera \u2013 Remember I Was Carbon Dioxide</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWe collected the white stones and split them into boxes\u201c</span> (To the Inside)\n<p>Apropos Spacerock.</p>\n<p>Als ich dieses Album zum ersten Mal geh\u00f6rt hatte und davon erz\u00e4hlte, wurde ich mit der \u00fcberraschten wie \u00fcberraschenden Entgegnung konfrontiert, ich h\u00f6re dann wohl Hipstermusik. Mit Hipstermusik hatte ich bis dahin nur Loungejazz und irgendwelchen Indie-Bl\u00f6dsinn in Verbindung gebracht, nicht aber Musik wie die von <span class=\"musik-review-bandname\">Camera</span>. Als ich erleichtert festgestellt hatte, dass mir weder Schal noch Jutebeutel gewachsen waren, beschloss ich dieses Album in diese Liste aufzunehmen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Camera</span> klingt ja zun\u00e4chst wie ein Bandname aus den verrockten 70-ern, verbirgt aber ein junges Berliner Trio, das 2014 mit \u201eRemember I Was Carbon Dioxide\u201c erst sein zweites Album vorgelegt hat. <span class=\"musik-review-bandname\">Michael Rother</span> (ehemals <span class=\"musik-review-bandname\">Kraftwerk</span>), so hei\u00dft es, war positiv \u00fcberrascht und dr\u00e4ngte nach dem Deb\u00fct von 2012 auf Zusammenarbeit, aber so sehr nach Autobahn und Model klingt es gar nicht. Die drei Herren \u2013 nebst Gastmusikern, darunter eine S\u00e4ngerin \u2013 pr\u00e4sentieren vielmehr einen schn\u00f6rkellosen, daf\u00fcr herausragenden Krautrock der Marke <span class=\"musik-review-bandname\">Neu!</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Amon D\u00fc\u00fcl II</span>, angereichert mit noch weiter reichender <em>kosmischer Musik</em> sowie einer Dosis The Fall.</p>\n<p>\u00dcber weite Strecken instrumental, aber immer fesselnd kommt diese h\u00f6chst h\u00f6renswerte Mischung aus dem Kopfh\u00f6rer. Man setzt auf Entspannung, ist sich aber auch f\u00fcr eine gelegentliche Portion Gitarrenfeedback (\u201eVortices\u201c) nicht zu schade. Das vermag zu gefallen.</p>\n<p>Das letzte St\u00fcck (\u201eHallraum\u201c) und damit das Album endet \u00fcbrigens mit Pl\u00e4tschern. Nicht, dass noch jemand in den Klangwelten ertrinkt: Dieses Album ist ein Rettungsboot. Frauen und Kinder d\u00fcrfen auch mitfahren. Volle Kraft voraus.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Schnipsel gibt es <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Remember-I-Was-Carbon-Dioxide/dp/B00KXHG5XG/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a>, das ganze Album zum Beispiel <a href="\&quot;http://wimp.de/album/33867827\&quot;" data-wpel-link="internal">per WiMP</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Cast-Arsis.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Cast-Arsis.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Cast \u2013 Arsis</span>\n<p>Nach so viel Weltraum dann doch mal wieder etwas Erdiges zur Reinigung, zur <em>Katharsis</em> gleicherma\u00dfen.</p>\n<p>Religi\u00f6s wollen wir nun aber nicht mehr werden, stattdessen geht\u2019s zum Mexikaner. Es gibt eine US-amerikanische Band namens <span class=\"musik-review-bandname\">Arsis</span>, die vermeintlich melodischen Metal spielt. Damit haben <span class=\"musik-review-bandname\">Cast</span> \u2013 der <a href="\&quot;http://www.weltenschummler.com/politik-gesellschaft/warum-ich-jetzt-wieder-satanist-bin/\&quot;" data-wpel-link="internal">Ziege</a> sei\u2019s gedankt \u2013 indes nichts am Hut.</p>\n<p>Das Klaviersolo, das das Album er\u00f6ffnet, mag den Metalfan allerdings noch hoffen lassen, instrumentales <em>understatement</em> ist ein beliebtes Stilmittel in einschl\u00e4gigen Kreisen. Die nacheinander einsetzenden Musiker an Schlagzeug und Bass sowie die hardrockende Gitarre machen eine Genredistanzierung nicht leicht, wenn man was auf Genres gibt. <em>Das Internet</em> spricht von \u201eRetro-Prog\u201c und vergleicht \u201eArsis\u201c mit Musik der <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span>, aber so langweilig ist es nun wahrlich nicht.</p>\n<p>Wir haben es mit einem Dreiteiler (\u201eLa Iliada\u201c, 30:13 Minuten; \u201eThe Old Travel Book\u201c, 9:10 Minuten; \u201eEl Puente\u201c, 18:32 Minuten) zu tun, wie <em>\u00fcblich</em> aufgeteilt in einzelne \u201eKapitel\u201c. Man neigt zun\u00e4chst dazu, sich an eine folkbeeinflusste Variante von <span class=\"musik-review-bandname\">Rush</span> erinnert zu f\u00fchlen, die ja ihrerseits ihren feinen Hardrock oft als \u201eProg\u201c etikettiert sehen m\u00fcssen. Gesungen wird anfangs nicht viel, was dem Kenner gef\u00e4llt, denn wie auch Italienisch ist die spanische Sprache keine sanfte, Gesang in ihr ist oft ein eher negativer Faktor beim Musikgenuss. Erst in \u201eOld Travel Book\u201c wird S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Bobby Vidales</span> aktiv, zun\u00e4chst auf Englisch, in \u201eEl Puente\u201c schlie\u00dflich doch noch auf Spanisch. Zwar klingt es etwas gepresst, aber auf irgendeine Weise doch in positiver Weise einmalig.</p>\n<p>Hervorzuheben sei exemplarisch insbesondere das letzte <em>Kapitel</em> \u201eValle de los Sue\u00f1os\u201c, das von einem von textlosem Gesang (<span class=\"musik-review-bandname\">Lupita Acuna</span> k\u00f6nnte man sich auch mal merken) begleiteten New-Artrock-Teil in \u2013 oh doch \u2013 gitarrenfixierten Progressive Metal \u00fcbergeht, der \u00fcberdies derart <em>abgeht</em>, dass man ihn gar nicht mitbekommt und pl\u00f6tzlich \u2013 das Album dauert ja nach Einsetzen dieses St\u00fccks nicht mehr lange \u2013 \u00fcberraschend vermisst; ein \u00fcberraschendes, aber w\u00fcrdiges Ende f\u00fcr ein gutes Album.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Zu \u201eEl Puente\u201c gibt es einen <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=tMxelUJFtm4\&quot;" data-wpel-link="internal">Live-Videoclip</a> auf YouTube. Er ist gut.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Heisskalt-Vom-Stehen-und-Fallen.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Heisskalt-Vom-Stehen-und-Fallen.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Heisskalt \u2013 Vom Stehen und Fallen</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eIhr habt es nicht anders gewollt\u201c</span> (\u201eNicht anders gewollt\u201c)\n<p>Mir wird hei\u00df und kalt: <span class=\"musik-review-bandname\">Heisskalt</span> ist ein Bandname wie aus der d\u00fcsteren M\u00e4dchengothicszene (<span class=\"musik-review-bandname\">Eisbrecher</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Eisblume</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Unheilig</span>), dahinter verbirgt sich indes eine reizvolle Mischung aus <span class=\"musik-review-bandname\">Surrogat\u2019schem</span> Deutschrock und der Nachdenklichkeit von <span class=\"musik-review-bandname\">Sport</span>, gesanglich dargeboten mit einer Intensit\u00e4t, die wahlweise von <span class=\"musik-review-bandname\">Ira!</span> oder (oder?) <span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span> ausgeliehen sein k\u00f6nnte; <a href="\&quot;http://www.laut.de/Heisskalt/Alben/Vom-Stehen-Und-Fallen-92800\&quot;" data-wpel-link="internal">beziehungsweise:</a></p>\n<blockquote><p>Mal laut, mal leise stochern wahlweise cleane oder noisig angecrunchte Gitarren auf br\u00fcchigem Terrain. Entsteht ein Loch, bricht die H\u00f6lle los. Pl\u00f6tzlich wird geschrien, statt geredet, w\u00e4hrend sich scheppernd produziertes Lo-Fi-Chaos ausbreitet, das jedem Freund harmonischer Kl\u00e4nge den Angstschwei\u00df auf die Stirn treibt. (\u2026) <span class=\"musik-review-bandname\">Heisskalt</span> machen ihrem Bandnamen alle Ehre. Hier gibt es kaum Grauzonen. Entweder es brennt lichterloh oder es zw\u00e4ngt sich eine Schicht aus Eis durch die Boxen.</p></blockquote>\n<p>Ich mag Wermut, deswegen benutze ich das Wort \u201eWermutstropfen\u201c nicht besonders h\u00e4ufig, aber einen solchen (im wie auch immer negativen Sinne) gibt es schon: <span class=\"musik-review-bandname\">Heisskalt</span> geh\u00f6ren zu Sony. B\u00f6se Plattenfirma, Kunden verachtende Schei\u00dfkerle, aber das Album ist es dann doch beinahe wert. Die vier Stuttgarter, wenngleich nicht vollends fantastisch, liefern zumindest ein fantastisches Deb\u00fctalbum ab, das deutsche Bands derart klasse schon viel zu lange nicht mehr hinbekommen haben.</p>\n<p>Zumal: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eSo lange der Club nicht voller ist als wir\u201c</span> (\u201eAlles gut\u201c), also Feiern. Kopf in Nick- und Beine in Zappelstellung und los geht\u2019s. Paady, Bitsch. Alles gut?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Stehen-Fallen-Limitierte-Deluxe-Buch-/dp/B00I4F5U4E/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> ist halbmin\u00fctig hilfreich, bei <a href="\&quot;http://wimp.de/album/26828632\&quot;" data-wpel-link="internal">WiMP</a> gibt\u2019s einen Komplettstream.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Alternative-4-The-Obscurants.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Alternative-4-The-Obscurants.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Alternative 4 \u2013 The Obscurants</span>\n<p>Etwas Entspannung nach so viel Rockmusik kann nicht schaden. \u201eThe Obscurants\u201c, das \u2013 wie so oft in diesem Jahr \u2013 zweite Studioalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Alternative 4</span>, eignet sich daf\u00fcr ziemlich gut.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Alternative 4</span>, wohl ohne jeden Bezug zur AfD, ist ein britisches Trio, deren Gr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Duncan Patterson</span> sich vorher bei <span class=\"musik-review-bandname\">Anathema</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Antimatter</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">\u00cdon</span> einen Namen gemacht hatte, entsprechend klingt \u201eThe Obscurants\u201c nach einer entschleunigten Version von <span class=\"musik-review-bandname\">Anathema</span>, was wiederum passt, denn Letztere haben 1998, in dem Jahr der Trennung von <span class=\"musik-review-bandname\">Duncan Patterson</span>, ein Album namens \u201eAlternative 4\u201c ver\u00f6ffentlichen lassen, womit sich der Kreis schlie\u00dft.</p>\n<p>S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Simon Flatley</span> erinnert mich stimmlich an <em>ausgerechnet</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Campino</span> in den schrecklichen Balladen der <span class=\"musik-review-bandname\">Toten Hosen</span>, was hier erstaunlich gut passt und klingt, dar\u00fcberhinaus wird aber feinste klavierlastige Musik zwischen Ambient und Alternative pr\u00e4sentiert. Mit Rauheit wird gegeizt. <a href="\&quot;http://www.medienkonverter.de/reviews-alternative-4_the-obscurants-5640.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Geil.</a></p>\n<blockquote><p><span class=\"musik-review-bandname\">Alternative 4</span> zaubern (\u2026) ein wundervolles Album, das (\u2026) in seiner Gesamtheit dem gewillten H\u00f6rer wundersch\u00f6ne Momente bereiten kann.</p></blockquote>\n<p>Wer die Gutelaunemusik der weiter oben genannten Projekte mag und auch auf \u201eThe Obscurants\u201c erwartet, der wird beim Genuss vermutlich entt\u00e4uscht werden. Den unvoreingenommenen H\u00f6rer erwartet eine angenehme \u00dcberraschung.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Amazon.de h\u00e4lt sich leider ein wenig zur\u00fcck, <a href="\&quot;http://wimp.de/album/33545034\&quot;" data-wpel-link="internal">WiMP</a> jedoch bietet das komplette Album als Stream an.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Aranis-Made-in-Belgium-II.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Aranis-Made-in-Belgium-II.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Aranis \u2013 Made in Belgium II</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDas Einzige, was ich mir noch w\u00fcnsche / ist, so frei zu sein wie ein tolles [Wiehern]\u201c</span> (Tolles pferd)\n<p>V\u00f6llig anders klingen wiederum <span class=\"musik-review-bandname\">Aranis</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Aranis</span> aus \u2013 ihr ahnt es \u2013 Belgien nehmen seit einigen Jahren Musik auf, die ein bisschen nach Jazz klingt, aber eigentlich gar kein Jazz ist. \u00dcblicherweise wird das, was auf diesem zweiten <em>installment</em> von \u201eMade in Belgium\u201c zu h\u00f6ren ist, als \u201eKammerrock\u201c etikettiert, aber so genau nehmen wir es hier ja sowieso nicht mit den Genres.</p>\n<p>Ich h\u00f6re jedenfalls diverse Streicher, ein Klavier, wenig Gesang. Klassik-Rock ganz ohne Geschepper. Freunde von <span class=\"musik-review-bandname\">Univers Z\u00e9ro</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Eclipse Sol-Air</span> kommen hier gleicherma\u00dfen auf ihre Kosten. Wer dar\u00fcber hinaus auf die Texte achtet, dem begegnet hier sogar klassisches <em>deutsches Liedgut</em>:</p>\n<blockquote><p>Nein, ich m\u00f6chte kein Eisb\u00e4r sein!</p></blockquote>\n<p>\u201eTolles pferd\u201c hei\u00dft das St\u00fcck und klingt mit deutlichem belgischem Akzent noch ulkiger als sowieso. Nicht, dass sie nicht auch ernsthaft k\u00f6nnten! Gesang wird au\u00dferhalb dieses St\u00fccks n\u00e4mlich tats\u00e4chlich rar gemacht und nicht vermisst. Er versperrt bei aller Komik doch nur den Blick auf\u2019s Wesentliche, n\u00e4mlich die Arrangements; die man dann auch f\u00fcr sich sprechen lassen m\u00f6ge. Ein Album f\u00fcr den Ohrensessel, mit Kennerblick und einem feinen Whiskey genossen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Per <a href="\&quot;http://aranis.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> gibt\u2019s \u201eMade in Belgium II\u201c zum H\u00f6ren und Kaufen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Aviator-Head-in-the-Clouds-Hands-in-the-Dirt.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Aviator-Head-in-the-Clouds-Hands-in-the-Dirt.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Aviator \u2013 Head in the Clouds, Hands in the Dirt</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThis isn\u2019t what we signed up for.\u201c</span> (Dig Your Own Grave (and Save))\n<p>So sehr ich \u2013 regelm\u00e4\u00dfige Leser wissen das \u2013 auch auf Sch\u00f6nklang bedacht bin: Manchmal \u00fcberkommt auch den Freund gediegener Kl\u00e4nge der dringende Wunsch nach dem Rausschreien des Weltschmerzes; oder des Rausschreienlassens, denn das l\u00e4sst die Stimmb\u00e4nder entspannt. \u201eHead in the Clouds, HandsiIn the Dirt\u201c der Band <span class=\"musik-review-bandname\">Aviator</span> scheint pr\u00e4destiniert, diese Rolle zu \u00fcbernehmen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Aviator</span> (weder die Pop- noch die Progressive-Rock-Band gleichen Namens) ist laut Eigenbeschreibung eine \u201eemotional hardcore band\u201c aus Boston, Massachusetts, also <em>irgendwas mit Emocore</em>. Mag ja sein. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">A year\u2019s worth of memories poisoning every dream</span> (\u201eHead Noise\u201c). Vertonter  Aber: Genres sind Wischiwaschi.</p>\n<p>Wie\u2019s mir eben auch gerade jetzt nicht darum geht, dieses Album theoretisch zu beschreiben. Die Gef\u00fchle zur Musik kennen kein Aber. Axtmusik, Herzmusik, Zerschmettermusik, wie\u2019s beliebt.</p>\n<p><a href="\&quot;http://awholeorchestra-blog.blogspot.de/2014/08/aviator-head-in-clouds-hands-in-dirt.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Always thought <span class=\"musik-review-bandname\">Aviator</span> should get more attention.</a> Das w\u00e4re dann erledigt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=A1N37AuXnHE\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> musizieren die Herren sogar sichtbar; Audiostream und \u2011kauf gibt\u2019s per <a href="\&quot;http://aviatorma.bandcamp.com/album/head-in-the-clouds-hands-in-the-dirt\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>.</p></li>\n</ol>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Fast ohne Worte.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Univers-Zero-Phosphorescent-Dreams.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Univers-Zero-Phosphorescent-Dreams.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Univers Z\u00e9ro \u2013 Phosphorescent Dreams</span>\n<p>Die Belgier von <span class=\"musik-review-bandname\">Univers Z\u00e9ro</span> sind auch im brutto 40. Jahr ihres Bestehens, wohl nicht zuletzt beg\u00fcnstigt vom sich drehenden Personalkarussell, noch immer nicht m\u00fcde, hochklassigen instrumentalen Kammerprog (manche m\u00f6gen\u2019s RIO nennen) aufzunehmen; sehr sch\u00f6n, sehr rhythmisch, sehr h\u00f6renswert.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Pavees-Dance-Theres-Always-the-Night.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Pavees-Dance-Theres-Always-the-Night.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Pavees Dance \u2013 There\u2019s Always the Night</span>\n<p>Auf diesem halbst\u00fcndigen Album, auf dem auch <span class=\"musik-review-bandname\">Malcolm Mooney</span> (ehemals <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>) endlich wieder einmal singend zu h\u00f6ren ist, vermengt das Projekt <span class=\"musik-review-bandname\">Pavees Dance</span> um den Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Sean Noonan</span> allerlei Stile von Weltmusik bis Psychedelic Rock zu einem famosen Jazzfunk-Werk, wie es 2014 leider nur viel zu selten zu finden war.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Electric-Orange-Volume-10.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Electric-Orange-Volume-10.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Electric Orange \u2013 Volume 10</span>\n<p>Wie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">bereits 2003</a> erfreuen <span class=\"musik-review-bandname\">Electric Orange</span> den H\u00f6rer mit krautigem Psychedelic Rock. Ge\u00e4ndert hat sich seitdem nur der Schlagzeuger, der jetzt <span class=\"musik-review-bandname\">Georg Monheim</span> hei\u00dft, ansonsten ist dieses (tats\u00e4chlich) zehnte Studioalbum gewohnte Kost \u2013 und das ist positiv gemeint. Augen zu und eingetaucht.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Scott-Walker-Sunn-O-Soused.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Scott-Walker-Sunn-O-Soused.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Scott Walker + Sunn O))) \u2013 Soused</span>\n<p>Vor einiger Zeit trafen <span class=\"musik-review-bandname\">Sunn O)))</span>, ihres Zeichens US-amerikanische Drone-Doom-Musiker von Weltruhm, sich mit dem \u00e4hnlich bekannten, aber mit einem g\u00e4nzlich anderen musikalischen Hintergrund versehenen Solisten <span class=\"musik-review-bandname\">Scott Walker</span> (fr\u00fcher Mitglied der <span class=\"musik-review-bandname\">Walker Brothers</span>) in einem Studio, um mit \u201eSoused\u201c eins der <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/10/aller-kuerze-wenigstens-kein-kommunist/\&quot;" data-wpel-link="internal">durchgeknalltesten</a> Alben des Jahres 2014 aufzunehmen; nicht im schrillen Popsinne zwar, wohl aber bedingt durch die Verschiedenartigkeit der ungleichen Partner. Das beinahe <span class=\"musik-review-bandname\">kingcrimsonesque</span> Ergebnis (affektierter Gesang zu sich kaum von der Stelle bewegendem Brummen, nur gelegentlich von Gitarrenriffen unterbrochen) ist <a href="\&quot;http://thequietus.com/articles/16411-scott-walker-interview-sunn-o-soused\&quot;" data-wpel-link="internal">schockierend</a> und \u2013 wie alles von <span class=\"musik-review-bandname\">Sunn O)))</span> \u2013 laut noch besser. <em>Maximum volume yields maximum results.</em> Ein guter Rat.</p></li>\n</ol>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Kost\u2018 ja nix.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Echelon Effect \u2013 Pacific / Sierra</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The Echelon Effect</span>, mir zuerst 2011 aufgefallenes Soloprojekt von <span class=\"musik-review-bandname\">David Walters</span>, bleibt hochaktiv: 2014 erschien neben der EP \u201eSierra\u201c auch das Album \u201ePacific\u201c, letzteres in Dreierbesetzung (<span class=\"musik-review-bandname\">Steve Tanton</span> half an Schlagzeug und Perkussion aus, <span class=\"musik-review-bandname\">Noah Champoux</span> steuerte <em>spoken words</em> bei).</p>\n<p>Eine W\u00fcste, ein Meer: Sprechend sind die Titel tats\u00e4chlich. <span class=\"musik-review-bandname\">The Echelon Effect</span> steht weiterhin f\u00fcr atmosph\u00e4rischen, teils hypnotischen musikalischen Genuss zwischen den Genres; und auch weiterhin will <span class=\"musik-review-bandname\">David Walters</span> daf\u00fcr kein Pflichtgeld sehen.</p>\n<p>\u201eSierra\u201c und \u201ePacific\u201c gibt\u2019s daher <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/search.php?s=the+echelon+effect&amp;cat=all&amp;rel=1&amp;search_option=simple&amp;network=edonkey&amp;go=Search\&quot;" data-wpel-link="internal">auf eMule</a> sowie <a href="\&quot;https://theecheloneffect.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">per Bandcamp.com</a> ab 0 Euro. Das trifft sich gut, denn gute Musik ist stets eigentlich unbezahlbar. Wer kann, sollte dennoch spenden. Wert ist\u2019s das schon l\u00e4ngst.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Antethic \u2013 Origin</span>\n<p>Fast w\u00e4re der Postrock in diesem Jahr untergegangen. Gerade noch bemerkt! <span class=\"musik-review-bandname\">Antethic</span> kommen aus Russland und haben mit \u201eOrigin\u201c 2014 ihr aktuelles Album <a href="\&quot;http://antethic.bandcamp.com/album/origin\&quot;" data-wpel-link="internal">f\u00fcr lau</a> dem d\u00fcrstenden, darbenden Publikum vorgestellt. Laut Eigenbeschreibung handelt es sich wahlweise um \u201eCinematic Rock\u201c, Math Rock, Postrock, Shoegaze oder Ambient-Musik und somit um eine schlechte Eigenbeschreibung.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">North Atlantic Oscillation</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> dienen <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_14559.html\&quot;" data-wpel-link="internal">anderswo</a> als Vergleich. Ich meinerseits f\u00fcge vielleicht noch etwas <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Oldfield</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Explosions In The Sky</span> hinzu. Der unbekannte Bassist spielt sich mitunter souver\u00e4n in den Vordergrund, ohne aufdringlich zu werden, w\u00e4hrend Schlagzeug und Gitarre(n?) duettieren, vermag aber auch den Rhythmus zu st\u00e4rken, derweil der Rest der Band <em>hart abrockt</em>. St\u00fccke wie \u201eThis Game Has No Name\u201c versetzen den H\u00f6rer so schon nach wenigen Minuten in eine Trance, in der es nur noch die Melodien gibt und alles um sie herum unwirklich erscheint.</p>\n<p>\u201eCinematic Rock\u201c, ein Kino im Kopf. Ein tolles Album mit Suchtpotenzial und Tripgefahr. Guten Flug!</p></li>\n</ul>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">4.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Deep Shit.</span></p>\n<p>Es ist nicht alles Gold, was t\u00f6nt. Auch 2014 war da keine Ausnahme:</p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Pink Floyd \u2013 The Endless River</span><br>\nEndloses Pl\u00e4tschern. <a href="\&quot;http://www.amazon.de/review/R4WIXSQXECKWS?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Man schl\u00e4ft ganz gut zu \u201eThe Endless River\u201c.</a></li>\n<li><span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Eatliz \u2013 All Of It</span><br>\nBelangloser Sch\u00f6npop ohne Kanten, <a href="\&quot;https://eatliz.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> rettet\u2019s auch nicht. Die neue S\u00e4ngerin ist schei\u00dfe.</li>\n<li><span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Gazpacho \u2013 Demon</span><br>\nDer D\u00e4mon des Schlafs \u00fcberw\u00e4ltichhhhhrrrr\u2026</li>\n<li><span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Transatlantic \u2013 Kaleidoscope</span><br>\nOffenbar gibt es Kaleidoskope auch ganz ohne Muster und Farben. Toll!</li>\n<li><span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Archive \u2013 Axiom</span><br>\nSpannend wie der Mathematikunterricht.</li>\n<li><span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Flaming Row \u2013 Mirage \u2013 A Portrayal Of Figures</span><br>\nSo klingt es also, wenn man unmotiviert versucht Retroprog zu spielen. Nicht zur Nachahmung empfohlen.</li>\n</ul>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">5.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Aaaaaaaaaalt!</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed \u2013 Sally Can\u2019t Dance</span>\n<p>Denk\u2018 ich an 1974, denk\u2018 ich an Richard Nixon (R\u00fccktritt), Helmut Schmidt (Antritt) und Rockmusik.  Zwar machten <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span> in diesem Jahr eine Ver\u00f6ffentlichungspause, daf\u00fcr trauten sich <span class=\"musik-review-bandname\">Kiss</span> mit ihrem Deb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Kiss</span> in die L\u00e4den. Die damals bereits etablierten <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span> wiegelten ab: <span class=\"musik-review-album-titel\">It\u2019s Only Rock\u2019n\u2019Roll</span>. Kein Rock\u2019n\u2019Roll hingegen kam von <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, deren S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Anderson</span> in einer Fu\u00dfnote der \u201eAutobiografie eines Yogi\u201c einen Hinweis auf die heiligen Schriften des Hinduismus\u2018 gefunden hatte und dazu inspiriert wurde, ein Album thematisch auf ihnen basieren zu lassen. <span class=\"musik-review-album-titel\">Tales from Topographic Oceans</span>, vor\u00fcbergehend das letzte Album mit dem Keyboarder <span class=\"musik-review-bandname\">Rick Wakeman</span>, ist ein Doppelalbum mit vier St\u00fccken, was also 4 LP-Seiten entspricht; selbst f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Yes\u2018</span> damalige Verh\u00e4ltnisse ein derart ambitioniertes Werk, dass die Musikpresse sich mit Lob deutlich zur\u00fcckhielt. Letztere hatte mit <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> ohnehin einen ungeahnten neuen Favoriten: <span class=\"musik-review-album-titel\">Sally Can\u2019t Dance</span> erreichte die \u201eTop 10\u201c der Hitparade, was nach dem d\u00fcsteren <span class=\"musik-review-album-titel\">Berlin</span> im Vorjahr wiederum \u00fcberraschte. Dass die Plattenfirma RCA diesen Karriereschub ausnutzen wollte und ein baldiges Nachfolgealbum forderte, war aus heutiger Sicht eine kommerziell bl\u00f6de Idee: Mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Metal Machine Music</span> folgte 1975 ein ausgestreckter musikalischer Mittelfinger; doch dazu sp\u00e4ter mehr.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Dalbello \u2013 whomanfoursays</span>\n<p>1984 war nicht blo\u00df eine Anleitung oder wenigstens ein Buch, sondern in der Musikwelt vielmehr auch ein Jahr des Schreckens. Von <span class=\"musik-review-bandname\">Barclay James Harvest</span> gab es das grauenvolle <span class=\"musik-review-album-titel\">Victims of Circumstance</span>, das seine M\u00e4\u00dfigkeit schon als Titel tr\u00e4gt, <span class=\"musik-review-bandname\">Grobschnitt</span> machten sich mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Kinder und Narren</span> zu Letzteren. <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span> befanden sich mit <span class=\"musik-review-album-titel\">It\u2019s My Life</span> auf dem kommerziellen H\u00f6hepunkt ihrer Karriere, hatten au\u00dfer Mainstream-Pop aber noch nicht viel beizutragen. Und dann war da noch <span class=\"musik-review-bandname\">Dalbello</span>, eine junge Frau mit einer famosen Stimme und einer ebensolchen Frisur. Das <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/11/dalbello-whomanfoursays/\&quot;" data-wpel-link="internal">schon mal erw\u00e4hnte</a> Album <span class=\"musik-review-album-titel\">whomanfoursays</span> war zugleich ihre R\u00fcckkehr ins Musikgesch\u00e4ft und ihre Erneuerung, denn vom Discopop wandte sie sich nunmehr ab und dem Alternative Rock zu, was das Plastikjahrzehnt dann doch noch ein bisschen zu retten half.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Subway to Sally \u2013 Album 1994</span>\n<p>Weder mit <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> (<span class=\"musik-review-album-titel\">Talk</span>) noch mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span> (<span class=\"musik-review-album-titel\">Voodoo Lounge</span>) war <em>zwanzig Jahre danach</em> noch viel zu gewinnen. Das f\u00fcr lange Zeit letzte Studioalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>, <span class=\"musik-review-album-titel\">The Division Bell</span>, zeugte noch von der einstigen Gr\u00f6\u00dfe von Bands, deren Mitglieder ihre Instrumente nicht nur einigerma\u00dfen gerade in die Kamera halten, sondern auch noch bedienen k\u00f6nnen; andere Musikstile waren jedoch bereits auf dem Vormarsch: <span class=\"musik-review-album-titel\">Hyper Hyper</span>, die zweite Single von <span class=\"musik-review-bandname\">Scooter</span>, mag dabei eine geschichtlich relevante Rolle gespielt haben, jedoch wurde auch der Metal als Abk\u00f6mmling des Hardrocks gr\u00f6\u00dfer: <span class=\"musik-review-bandname\">Dimmu Borgirs</span> Deb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">For all tid</span> wurde zum Eckpfeiler der skandinavischen Black-Metal-Szene, genre\u00fcblich mit Verweisen auf Satans Reich (\u201eDet nye riket\u201c), etwas weiter s\u00fcdlich ver\u00f6ffentlichte eine Band, die wohl noch nichts davon ahnte, einmal f\u00fcr ein Genre zu stehen, das der Volksmund als \u201eMittelalter-Metal\u201c kennt, ebenfalls ihr Deb\u00fctalbum: <span class=\"musik-review-bandname\">Subway to Sallys</span> Erstlingswerk <span class=\"musik-review-album-titel\">Album 1994</span>, auf dem <span class=\"musik-review-bandname\">Eric Fish</span> noch nicht die Rolle des Frontmanns und S\u00e4ngers innehat, verbindet mit seinen \u00fcberwiegend englischsprachigen Texten noch nicht viel mit sp\u00e4teren Klassikern wie <span class=\"musik-review-album-titel\">MCMXCV</span> oder <span class=\"musik-review-album-titel\">Herzblut</span>, wohl aber legte es den Grundstein f\u00fcr ihre sp\u00e4tere Karriere und wohl auch die jener Bands, die ma\u00dfgeblich von ihnen beeinflusst wurden. Es h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Yezda Urfa \u2013 Boris</span>\n<p>Es kam tats\u00e4chlich schlimmer: Die Jammerpopband <span class=\"musik-review-bandname\">Placebo</span> versuchte es <em>noch einmal mit Gef\u00fchl</em> und warf die schreckliche Resteverwertung <span class=\"musik-review-album-titel\">Once More with Feeling</span> auf den Markt, die \u00fcbrigen Massen wurden wahlweise mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Franz Ferdinand</span>, <span class=\"musik-review-album-titel\">Tyrannosaurus Hives</span>, dem Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Louden Up Now</span> der von ihren Anh\u00e4ngern oft f\u00fcr wei\u00dfwie untergr\u00fcndig gehaltenen Band <span class=\"musik-review-bandname\">!!!</span> oder dem untersch\u00e4tzten <span class=\"musik-review-album-titel\">D12 World</span> begl\u00fcckt. Zumindest <span class=\"musik-review-bandname\">Haggard</span> hielten mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Eppur Si Muove</span> den Metal noch hoch. Diejenigen, die nicht nach immer schlichteren und schlechteren T\u00f6nen suchten, suchten stattdessen ihre Zukunft in der Vergangenheit: <span class=\"musik-review-bandname\">Yezda Urfa</span>, eine einst verschm\u00e4hte US-amerikanische Progressive-Rock-Band der mittleren 1970-er Jahre, traten 2004 auf dem NEARfest auf (seit 2010 gibt es mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Yezdaurfalive</span> einen Beleg daf\u00fcr zu kaufen), <em>zuf\u00e4llig</em> ist seit jenem Jahr auch <span class=\"musik-review-album-titel\">Boris</span>, das von Plattenfirmen einst verschm\u00e4hte Deb\u00fctalbum von 1975, das in seinen Grundz\u00fcgen 1976 als <span class=\"musik-review-album-titel\">Sacred Baboon</span> einer zweiten (Nicht-)Ver\u00f6ffentlichung harrte, f\u00fcr den Plattenk\u00e4ufer frei erh\u00e4ltlich. <em>Honi soit.</em> Trotz der Wirren um die Ver\u00f6ffentlichung und das etwas schlechte <em>timing</em>, immerhin schien 1975 der Progressive Rock bereits angez\u00e4hlt, platzte dieses Album 2004 \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstig in die Retrowelle hinein. <em>Im Internet</em> beschreibt man <span class=\"musik-review-bandname\">Yezda Urfa</span> als \u201e<span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> meets <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> mit Hummeln im Hintern\u201c. Trocken ist diese Musik sicherlich nicht, die Augen bleiben es auch nur schwerlich.  Ernsthafter hat der Progressive Rock sich selbst nie wieder persifliert. S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Rick Rodenbaugh</span>, der auf dem NEARfeat bereits nicht mehr dabei war, verstarb 2008, seitdem hat man von <span class=\"musik-review-bandname\">Yezda Urfa</span> nur noch wenig wahrgenommen. Daran h\u00e4tten sich andere Bands dieses Jahres zumindest ein Beispiel nehmen k\u00f6nnen.</p></li>\n</ul>\n<p>So \u2013 haben wir\u2019s.</p>\n<p>Habe ich ein relevantes Album \u00fcbersehen oder eines zu Unrecht verrissen? Kommentare und Erg\u00e4nzungen sind gern gesehen. Ansonsten stehen dieses Jahr ja bereits einige neue bedeutsame Musikalben in den Regalen. Ich freue mich schon auf die n\u00e4chste R\u00fcckschau.</p>\n<p>Danke f\u00fcr die Aufmerksamkeit.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;http://hinterwaldwelt.blogspot.de/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">hardy</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. M\u00e4rz 2015</a> dies: ha!\n\nhttp://hinterwaldwelt.blogspot.de/2014/09/seit-ein-paar-tagen-in-den-zittrigen.html\n\neine band, die gigs auf dem herrenklo beim bambi spielt, bis die bullen sie abr\u00e4umen? die klingt wie neu! in den besten tagen? definitiv mein fall!</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. M\u00e4rz 2015</a> dies: Hipster!</li><li><a href="\&quot;http://hinterwaldwelt.blogspot.com/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">hardy</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">4. M\u00e4rz 2015</a> dies: since 1976.\n\noder, besser noch: seit dem moment als \u201ethe spoon\u201c in einem durbridge lief \u2026 ;-P\n\nernsthaft: ich war gerade versucht einen artikel von 76 aus einer alten <a href="\&quot;http://hinterwaldwelt.blogspot.com/2012/11/urks-local-blogging-late-70ies-style.html\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" data-wpel-link="internal">urks</a> zu posten, aber er ist noch nicht gescannt, in der ich einen fuchsteufelwilden rant \u00fcber leute reite, die anderen die s\u00e4cke damit vollmachen, wie cool sie zappa finden. den hipster gab\u2019s schon immer und ich denke mal, das ist dieses typisch pubert\u00e4re verhalten, mit dem man seine position in der peergroup zu definieren sucht. das ist nur \u201euseful\u201c, wenn man eine solche braucht ;-)\n\nwie auch immer: ist ja alles auch eine frage, was man mag oder nicht. oder eine von geschmack, weil es eben sachen gibt, die jenseits von \u201emag ich oder nicht\u201c bemerkenswert sind \u2026 und camera ist eben bemerkenswert, weshalb ich mir ja die erste genauso umgehend gekauft habe wie ich \u201eputa\u2019s fever\u201c von manu negra 1989 (damals noch als import) kaufen musste, weil es am samstag ene sendung in swf2 \u00fcber die band lief. man h\u00f6rt es, man liebt es ab dem ersten moment eben liebt. so ging\u2019s mir halt auch seinerzeit auch mit yello und camera. ist das hip? ist mir egal \u2026 sind alle in meinen 1001 records gelandet, nehme ich mit auf ne insel\n\nach ja, vor zwei monaten bin ich \u00fcbrigens \u00fcber hanni el kathib gestolpert, klingt nach was orientalischem, ist aber eine coole pal\u00e4stinensisch-st\u00e4mmige gitarrensau aus la. die g*ttlich-kurze &amp; vor allem schr\u00e4ge  soli spielt.\n\nkonzert: https://www.youtube.com/watch?v=uANYiHx4Vgs (konzert ist immer das wichtigste \u2026)\nmelt me: https://www.youtube.com/watch?v=hsdh4-jHs4o\nmoonlight: https://www.youtube.com/watch?v=e00xgN3ER_I\n\nvielleichthast du ja auch spa\u00df an so was</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">6. M\u00e4rz 2015</a> dies: Orientalisch nervt. Mit Yello konnte ich auch noch nie was anfangen, da finde ich Devo deutlich interessanter.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif\" alt=\";)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> </li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/4a73bab57b0d4ba881733683d5704ad5\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 14 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblick2015? Da war doch was? Mir war, als h\u00e4tte ich etwas vergessen. Nein, vergessen wohl nicht, aber es gibt tats\u00e4chlich noch etwas aus dem Vorjahr zu vermelden, n\u00e4mlich den zweiten Teil der Liste der wundervollsten Musikalben von 2014. Auch, wenn diesmal nicht noch in letzter Minute neue Alben dazugekommen sind, da ich mir genug Zeit genommen hatte, erhebt nat\u00fcrlich auch diese Liste nicht den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit; schon weil mit Bent Knees Deb\u00fctalbum ein frenetisch gefeiertes Album fehlt, was nicht daran l\u00e4ge, dass es schlecht ist (es ist gut), sondern schlicht daran, dass die Band studioseitig weit unter ihren M\u00f6glichkeiten agiert. Eine Konzert-DVD w\u00e4re willkommen.\nDrau\u00dfen bleiben mussten \u00fcberdies Heino (\u201eSchwarz bl\u00fcht der Enzian\u201c) und Unheilig aus Qualit\u00e4tsgr\u00fcnden, im Gegenzug verzichtete ich auf die Mehrfachnennung der bereits anderswo von mir gew\u00fcrdigten neuen Alben von Boris, Margin und den Fantastischen Vieren. Das ziemlich gute \u201eGoodnight Civilization\u201c von Zu muss leider ebenfalls fehlen \u2013 als EP gelingt ihm das Hineinmogeln in diese Liste diesmal nicht.\nNichtsdestoweniger schlie\u00dfe ich nicht aus, auch schlicht etwas vergessen zu haben. Euch fehlt ein relevantes Album? Kommentiert\u2019s hier gern unten drunter!\nAuf die Pl\u00e4tze, fertig, \u2026\n1. Los!\n\nCosmograf \u2013 Capacitor\n\u201eWhen I go through this door / I can\u2019t take any more\u201c (The Reaper\u2019s Song)\nDen Anfang macht bedrohliches Grollen. Cosmograf \u2013 das sind keine Normannen \u2013 lassen sich Zeit.\nDer nach Spacerock klingende Bandname ist kein Zufall, aber Multiinstrumentalist Robin Armstrong hat f\u00fcr das aktuelle Album seines Soloprojekts Cosmograf neben seinen bew\u00e4hrten Weggef\u00e4hrten Nick D\u2019Virgilio (Schlagzeug, sonst bei Big Big Train und zuvor auch Spock\u2019s Beard) und Steve Dunn (Bass, Also Eden) auch Unterst\u00fctzung von Colin Edwin (Bass, Porcupine Tree), Nick Beggs (Bass, Steven Wilson und Lifesigns) sowie Matt Stevens (Gitarre, The Fierce And The Dead) erhalten; zudem ist Andy Tillison (The Tangent, Parallel or 90 Degrees) in \u201eThe Drover\u201c an den Keyboards zu h\u00f6ren; dieses Personal wirkt sich nat\u00fcrlich darauf aus, wohin die musikalische Reise geht.\nLaut Eigenbeschreibung der Band ist sie \u201everwurzelt im Classic Rock der 1970er mit einem zeitgem\u00e4\u00dfen und progressiven twist, jedoch ist auch hier nicht vom aberdutzendsten Genesis-Klon auszugehen, daf\u00fcr ist es dann doch zu modern. Vielmehr deutet alles in Richtung der eher elektronischen Seite des New Artrocks. Porcupine Tree und Spock\u2019s Beard klingen stets mit.\nApropos Genesis: Vor Phil-Collins-Gesang muss man sich hier nicht f\u00fcrchten, vielmehr \u00fcberwiegt das gesprochene Wort; auch dann, wenn ein St\u00fcck einen Titel wie \u201eThe Reaper\u2019s Song\u201c tr\u00e4gt, dessen lyrics nebenbei das gute alte \u201eI Am The Walrus\u201c der Beatles (Waiting for the train to come) in Erinnerung rufen. Von wegen Unheilig \u2013 der Cosmograf ist besser.\nDamit w\u00e4re die Messlatte f\u00fcr Wortspiele im \u00dcbrigen dann auch mal gesetzt.\nH\u00f6rproben: Per Bandcamp.com gibt\u2019s Stream und Kaufdownload, eine CD- oder Vinylversion indes scheint momentan nicht zu existieren.\nCHROMB! \u2013 \u201eII\u201c\nCHROMB! Gesundheit! Franzosen, nat\u00fcrlich. Das Wort scheint nur als Eigenname zu existieren und ist damit erfreulicherweise un\u00fcbersetzbar. CHROMB! haben sich bereits Abende mit Bands wie James Chance &amp; The Contortions und den Landsleuten von Magma geteilt. Das sind gute Voraussetzungen.\nMit \u201eII\u201c \u2013 die Anf\u00fchrungszeichen geh\u00f6ren offenbar zum Titel \u2013 liegt nun das zweite Album der Combo vor. (F\u00fcr eifrige Leser: Ratet mal, wie das erste hie\u00df.) Dass es gar nicht nach Magma klingt und die Zeuhl-Anleihen sich trotz des kammermusikalischen Beginns auf allenfalls kurze Momente (\u201eLa Saulce\u201c enth\u00e4lt solche Momente) beschr\u00e4nken, st\u00f6rt nur wenig.\nDie Keyboards von Camille Durieux sind hier dominant. Gitarre? Gibt es nicht, brauchen wir nicht. Das klingt bunt, das klingt so:\nDa werden munter Klassik-Rock-Einlagen mit Jazz, RIO und sogar Pop (gelegentlich sind Disco-Rhythmen zu h\u00f6ren) vermengt, alles freilich in einer komplett \u00fcberdrehten Variante und praktisch durchweg auf Speed. H\u00e4mmerndes Klavier, quietschige Synthies, rumpelnder Bass, furioses Schlagzeug und tr\u00f6tiges Saxophon (keine Gitarre!) pr\u00e4gen die Musik, die best\u00e4ndige Kapriolen schl\u00e4gt, munter von einem Stil zum anderen springt.\nFranzosen. Schon seltsam manchmal.\nH\u00f6rproben: Das Quartett ist auf Bandcamp pr\u00e4sent; diesmal gibt es auch CD und Vinyl zu kaufen.\niamthemorning \u2013 Belighted\n\u201eHow come that I still breathe?\u201c (The Howler)\nAuch seltsam manchmal: Russen. iamthemorning sind f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Leser inzwischen alte Bekannte, erst im Juli 2014 war \u201eMiscellany\u201c als Kurzzeitalbum eine Empfehlung wert. Ich k\u00fcndigte zu diesem Anlass an:\nP\u00fcnktlich am 1. Januar 2014 erschien diese EP von etwas \u00fcber 23 Minuten Spieldauer in Vorbereitung auf das zweite Vollzeitalbum, das ich dann mal in meinem schier grenzenlosen Optimismus noch in diesem Jahr erwarte.\nSeitdem haben sich in unserem Verh\u00e4ltnis zu Russland einige \u00c4nderungen ergeben, was als Rache f\u00fcr t.A.T.u. nicht mehr ganz so grotesk \u00fcberzogen scheint.\nAber hier soll\u2019s nicht um schrecklichen Pop, sondern um prima sph\u00e4rischen Artrock gehen. iamthemorning legen nun immerhin seit \u00fcber einem Jahr Musik von gleichbleibend hoher Qualit\u00e4t vor, was andere nicht mal f\u00fcr die Dauer eines einzigen Albums schaffen. Nun also \u201eBelighted\u201c. Soll noch einer sagen, das klinge alles gleich; mehr denn je zuvor greifen iamthemorning zum Wechsel zwischen sanftem Winds\u00e4useln und kernigem Rock. Manchmal allerdings kommt es einem doch spanisch vor, wenn iamthemorning etwa an Flamenco erinnernde Rhythmen in ihre eigene Klangwelt einweben wie in einen viel zu wertvollen Teppich. Man greift nach neuen Welten und doch auf seinem Pfad.\nDie \u201eeclipsed\u201c wusste im Oktober zu mutma\u00dfen:\nMit \u201eBelighted\u201c gehen die russischen Artrocker iamthemorning einer strahlenden Zukunft entgegen\nDas, freilich, nur, wenn der Zeitgeist begeistert bleibt. Daran indes zweifle ich nicht im Geringsten.\nH\u00f6rproben: H\u00f6ren und sich h\u00fcbsch verpackt nach Hause liefern lassen kann man \u201eBelighted\u201c zum Beispiel auf Bandcamp.\nAcid Mothers Temple &amp; The Melting Paraiso U.F.O. \u2013 Astrorgasm From The Inner Space\nWiederum beschwingter geht es beim japanischen Acid Mothers Temple zur Sache. Acid Mothers Temple haben in den demn\u00e4chst zwanzig Jahren ihres Bestehens in verschiedenen Besetzungen bislang insgesamt 72 Studio- und 34 Livealben sowie diverse EPs und sonstige Ver\u00f6ffentlichungen eingespielt, machen das hier also nicht zum ersten Mal. Dass ich sie trotzdem bisher v\u00f6llig ignoriert habe, ist allein mein Verschulden. Offensichtlich habe ich dabei sowieso etwas Gro\u00dfes verpasst.\n\u00dcberwiegend ist die Band um den Gitarristen und S\u00e4nger Kawabata Makoto dabei unter dem Namen Acid Mothers Temple &amp; the Melting Paraiso U.F.O. aktiv, arbeitet aber auch mit Krautrockbands wie Guru Guru (Acid Mothers Guru Guru) und Artverwandten wie Gong (Acid Mothers Gong) zusammen. Im Allgemeinen spielt sie dabei Space- und Psychedelic Rock mit gelegentlichem \u201eHeavy\u201c-Einschlag. Die Studioalben tragen mitunter die Popkultur referenzierende Titel wie \u201e41st Century Splendid Man\u201c (2002), \u201eSon of a Bitches Brew\u201c (2012) und \u201eAbsolutely Freak Out (Zap Your Mind!!)\u201c (2001), die so gut wie nie auch nur ann\u00e4hernd nach den referenzierten Alben klingen. Dies nur als Einf\u00fchrung. Seid ihr schon verwirrt? Dann h\u00f6rt lieber gar nicht erst rein.\nDiesmal tr\u00e4gt das Album zumindest einen Titel, der andeutet, wohin die \u2013 tats\u00e4chlich \u2013 Reise f\u00fchrt. Krautrock, Kammerprog und Spacerock sind auszumachen, mitunter, etwa am Ende von \u201ePleasure Mantra of Sorrows\u201c, wird es auch ambientartig. Von welchem der vielen Alben titels \u201eirgendwas from Outer Space\u201c der \u201eAstrorgasmus\u201c abgeleitet ist, konnte ich allerdings nicht herausfinden.\nErfreulicherweise werden die Texte von einer gewissen Frau Cotton Casino nicht st\u00f6hnend deklamiert, sondern tats\u00e4chlich genre\u00fcblich gefl\u00fcstert oder wie damals innen Sechzigern zu Gitarrenbegleitung sauber eingesungen (\u201eDark Star Blues\u201c). \u00dcbrigens ist auch so ein Liedtitel nicht aussagekr\u00e4ftig, der \u201eDark Star Blues\u201c ist n\u00e4mlich eigentlich gar keiner, sondern vielmehr ein Psychedelic-/Spacerock-Lied mit frei drehendem Ende (Vibravoid-Fans: aufgemerkt!). \u00c4hnliches gilt indes auch f\u00fcr die \u00fcbrigen drei St\u00fccke, wenngleich der Gesang oft v\u00f6llig in den Hintergrund tritt. Zwischen etwa 16 und fast 20 Minuten liegen die jeweiligen Spieldauern, die mit vielerlei elektronischem Zirpen angereichert werden, und das nicht nur in \u201eKiss in the Tangerine Dream House\u201c.\nGute \u00dcberleitung eigentlich: Anfang 2015 verstarb \u00fcberraschend Edgar Froese, mit Tangerine Dream einer der Pioniere der deutschen Krautrock-Szene. Vielleicht w\u00fcrde er, wenn er ein verr\u00fcckter Japaner gewesen w\u00e4re, heute so \u00e4hnlich klingen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig, denn in jedem Fall ist das, was die Musiker hier ert\u00f6nen lassen, ein Fest f\u00fcr die Ohren.\nSozusagen ein Ohrgasmus.\nH\u00f6rproben: Der \u201eDark Star Blues\u201c auf YouTube ist ein empfehlenswerter Einstieg in dieses Album.\nCamera \u2013 Remember I Was Carbon Dioxide\n\u201eWe collected the white stones and split them into boxes\u201c (To the Inside)\nApropos Spacerock.\nAls ich dieses Album zum ersten Mal geh\u00f6rt hatte und davon erz\u00e4hlte, wurde ich mit der \u00fcberraschten wie \u00fcberraschenden Entgegnung konfrontiert, ich h\u00f6re dann wohl Hipstermusik. Mit Hipstermusik hatte ich bis dahin nur Loungejazz und irgendwelchen Indie-Bl\u00f6dsinn in Verbindung gebracht, nicht aber Musik wie die von Camera. Als ich erleichtert festgestellt hatte, dass mir weder Schal noch Jutebeutel gewachsen waren, beschloss ich dieses Album in diese Liste aufzunehmen.\nCamera klingt ja zun\u00e4chst wie ein Bandname aus den verrockten 70-ern, verbirgt aber ein junges Berliner Trio, das 2014 mit \u201eRemember I Was Carbon Dioxide\u201c erst sein zweites Album vorgelegt hat. Michael Rother (ehemals Kraftwerk), so hei\u00dft es, war positiv \u00fcberrascht und dr\u00e4ngte nach dem Deb\u00fct von 2012 auf Zusammenarbeit, aber so sehr nach Autobahn und Model klingt es gar nicht. Die drei Herren \u2013 nebst Gastmusikern, darunter eine S\u00e4ngerin \u2013 pr\u00e4sentieren vielmehr einen schn\u00f6rkellosen, daf\u00fcr herausragenden Krautrock der Marke Neu! und Amon D\u00fc\u00fcl II, angereichert mit noch weiter reichender kosmischer Musik sowie einer Dosis The Fall.\n\u00dcber weite Strecken instrumental, aber immer fesselnd kommt diese h\u00f6chst h\u00f6renswerte Mischung aus dem Kopfh\u00f6rer. Man setzt auf Entspannung, ist sich aber auch f\u00fcr eine gelegentliche Portion Gitarrenfeedback (\u201eVortices\u201c) nicht zu schade. Das vermag zu gefallen.\nDas letzte St\u00fcck (\u201eHallraum\u201c) und damit das Album endet \u00fcbrigens mit Pl\u00e4tschern. Nicht, dass noch jemand in den Klangwelten ertrinkt: Dieses Album ist ein Rettungsboot. Frauen und Kinder d\u00fcrfen auch mitfahren. Volle Kraft voraus.\nH\u00f6rproben: Schnipsel gibt es auf Amazon.de, das ganze Album zum Beispiel per WiMP.\nCast \u2013 Arsis\nNach so viel Weltraum dann doch mal wieder etwas Erdiges zur Reinigung, zur Katharsis gleicherma\u00dfen.\nReligi\u00f6s wollen wir nun aber nicht mehr werden, stattdessen geht\u2019s zum Mexikaner. Es gibt eine US-amerikanische Band namens Arsis, die vermeintlich melodischen Metal spielt. Damit haben Cast \u2013 der Ziege sei\u2019s gedankt \u2013 indes nichts am Hut.\nDas Klaviersolo, das das Album er\u00f6ffnet, mag den Metalfan allerdings noch hoffen lassen, instrumentales understatement ist ein beliebtes Stilmittel in einschl\u00e4gigen Kreisen. Die nacheinander einsetzenden Musiker an Schlagzeug und Bass sowie die hardrockende Gitarre machen eine Genredistanzierung nicht leicht, wenn man was auf Genres gibt. Das Internet spricht von \u201eRetro-Prog\u201c und vergleicht \u201eArsis\u201c mit Musik der Flower Kings, aber so langweilig ist es nun wahrlich nicht.\nWir haben es mit einem Dreiteiler (\u201eLa Iliada\u201c, 30:13 Minuten; \u201eThe Old Travel Book\u201c, 9:10 Minuten; \u201eEl Puente\u201c, 18:32 Minuten) zu tun, wie \u00fcblich aufgeteilt in einzelne \u201eKapitel\u201c. Man neigt zun\u00e4chst dazu, sich an eine folkbeeinflusste Variante von Rush erinnert zu f\u00fchlen, die ja ihrerseits ihren feinen Hardrock oft als \u201eProg\u201c etikettiert sehen m\u00fcssen. Gesungen wird anfangs nicht viel, was dem Kenner gef\u00e4llt, denn wie auch Italienisch ist die spanische Sprache keine sanfte, Gesang in ihr ist oft ein eher negativer Faktor beim Musikgenuss. Erst in \u201eOld Travel Book\u201c wird S\u00e4nger Bobby Vidales aktiv, zun\u00e4chst auf Englisch, in \u201eEl Puente\u201c schlie\u00dflich doch noch auf Spanisch. Zwar klingt es etwas gepresst, aber auf irgendeine Weise doch in positiver Weise einmalig.\nHervorzuheben sei exemplarisch insbesondere das letzte Kapitel \u201eValle de los Sue\u00f1os\u201c, das von einem von textlosem Gesang (Lupita Acuna k\u00f6nnte man sich auch mal merken) begleiteten New-Artrock-Teil in \u2013 oh doch \u2013 gitarrenfixierten Progressive Metal \u00fcbergeht, der \u00fcberdies derart abgeht, dass man ihn gar nicht mitbekommt und pl\u00f6tzlich \u2013 das Album dauert ja nach Einsetzen dieses St\u00fccks nicht mehr lange \u2013 \u00fcberraschend vermisst; ein \u00fcberraschendes, aber w\u00fcrdiges Ende f\u00fcr ein gutes Album.\nH\u00f6rproben: Zu \u201eEl Puente\u201c gibt es einen Live-Videoclip auf YouTube. Er ist gut.\nHeisskalt \u2013 Vom Stehen und Fallen\n\u201eIhr habt es nicht anders gewollt\u201c (\u201eNicht anders gewollt\u201c)\nMir wird hei\u00df und kalt: Heisskalt ist ein Bandname wie aus der d\u00fcsteren M\u00e4dchengothicszene (Eisbrecher, Eisblume, Unheilig), dahinter verbirgt sich indes eine reizvolle Mischung aus Surrogat\u2019schem Deutschrock und der Nachdenklichkeit von Sport, gesanglich dargeboten mit einer Intensit\u00e4t, die wahlweise von Ira! oder (oder?) The Hirsch Effekt ausgeliehen sein k\u00f6nnte; beziehungsweise:\nMal laut, mal leise stochern wahlweise cleane oder noisig angecrunchte Gitarren auf br\u00fcchigem Terrain. Entsteht ein Loch, bricht die H\u00f6lle los. Pl\u00f6tzlich wird geschrien, statt geredet, w\u00e4hrend sich scheppernd produziertes Lo-Fi-Chaos ausbreitet, das jedem Freund harmonischer Kl\u00e4nge den Angstschwei\u00df auf die Stirn treibt. (\u2026) Heisskalt machen ihrem Bandnamen alle Ehre. Hier gibt es kaum Grauzonen. Entweder es brennt lichterloh oder es zw\u00e4ngt sich eine Schicht aus Eis durch die Boxen.\nIch mag Wermut, deswegen benutze ich das Wort \u201eWermutstropfen\u201c nicht besonders h\u00e4ufig, aber einen solchen (im wie auch immer negativen Sinne) gibt es schon: Heisskalt geh\u00f6ren zu Sony. B\u00f6se Plattenfirma, Kunden verachtende Schei\u00dfkerle, aber das Album ist es dann doch beinahe wert. Die vier Stuttgarter, wenngleich nicht vollends fantastisch, liefern zumindest ein fantastisches Deb\u00fctalbum ab, das deutsche Bands derart klasse schon viel zu lange nicht mehr hinbekommen haben.\nZumal: \u201eSo lange der Club nicht voller ist als wir\u201c (\u201eAlles gut\u201c), also Feiern. Kopf in Nick- und Beine in Zappelstellung und los geht\u2019s. Paady, Bitsch. Alles gut?\nH\u00f6rproben: Amazon.de ist halbmin\u00fctig hilfreich, bei WiMP gibt\u2019s einen Komplettstream.\nAlternative 4 \u2013 The Obscurants\nEtwas Entspannung nach so viel Rockmusik kann nicht schaden. \u201eThe Obscurants\u201c, das \u2013 wie so oft in diesem Jahr \u2013 zweite Studioalbum von Alternative 4, eignet sich daf\u00fcr ziemlich gut.\nAlternative 4, wohl ohne jeden Bezug zur AfD, ist ein britisches Trio, deren Gr\u00fcnder Duncan Patterson sich vorher bei Anathema, Antimatter und \u00cdon einen Namen gemacht hatte, entsprechend klingt \u201eThe Obscurants\u201c nach einer entschleunigten Version von Anathema, was wiederum passt, denn Letztere haben 1998, in dem Jahr der Trennung von Duncan Patterson, ein Album namens \u201eAlternative 4\u201c ver\u00f6ffentlichen lassen, womit sich der Kreis schlie\u00dft.\nS\u00e4nger Simon Flatley erinnert mich stimmlich an ausgerechnet Campino in den schrecklichen Balladen der Toten Hosen, was hier erstaunlich gut passt und klingt, dar\u00fcberhinaus wird aber feinste klavierlastige Musik zwischen Ambient und Alternative pr\u00e4sentiert. Mit Rauheit wird gegeizt. Geil.\nAlternative 4 zaubern (\u2026) ein wundervolles Album, das (\u2026) in seiner Gesamtheit dem gewillten H\u00f6rer wundersch\u00f6ne Momente bereiten kann.\nWer die Gutelaunemusik der weiter oben genannten Projekte mag und auch auf \u201eThe Obscurants\u201c erwartet, der wird beim Genuss vermutlich entt\u00e4uscht werden. Den unvoreingenommenen H\u00f6rer erwartet eine angenehme \u00dcberraschung.\nH\u00f6rproben: Amazon.de h\u00e4lt sich leider ein wenig zur\u00fcck, WiMP jedoch bietet das komplette Album als Stream an.\nAranis \u2013 Made in Belgium II\n\u201eDas Einzige, was ich mir noch w\u00fcnsche / ist, so frei zu sein wie ein tolles [Wiehern]\u201c (Tolles pferd)\nV\u00f6llig anders klingen wiederum Aranis. Aranis aus \u2013 ihr ahnt es \u2013 Belgien nehmen seit einigen Jahren Musik auf, die ein bisschen nach Jazz klingt, aber eigentlich gar kein Jazz ist. \u00dcblicherweise wird das, was auf diesem zweiten installment von \u201eMade in Belgium\u201c zu h\u00f6ren ist, als \u201eKammerrock\u201c etikettiert, aber so genau nehmen wir es hier ja sowieso nicht mit den Genres.\nIch h\u00f6re jedenfalls diverse Streicher, ein Klavier, wenig Gesang. Klassik-Rock ganz ohne Geschepper. Freunde von Univers Z\u00e9ro und Eclipse Sol-Air kommen hier gleicherma\u00dfen auf ihre Kosten. Wer dar\u00fcber hinaus auf die Texte achtet, dem begegnet hier sogar klassisches deutsches Liedgut:\nNein, ich m\u00f6chte kein Eisb\u00e4r sein!\n\u201eTolles pferd\u201c hei\u00dft das St\u00fcck und klingt mit deutlichem belgischem Akzent noch ulkiger als sowieso. Nicht, dass sie nicht auch ernsthaft k\u00f6nnten! Gesang wird au\u00dferhalb dieses St\u00fccks n\u00e4mlich tats\u00e4chlich rar gemacht und nicht vermisst. Er versperrt bei aller Komik doch nur den Blick auf\u2019s Wesentliche, n\u00e4mlich die Arrangements; die man dann auch f\u00fcr sich sprechen lassen m\u00f6ge. Ein Album f\u00fcr den Ohrensessel, mit Kennerblick und einem feinen Whiskey genossen.\nH\u00f6rproben: Per Bandcamp.com gibt\u2019s \u201eMade in Belgium II\u201c zum H\u00f6ren und Kaufen.\nAviator \u2013 Head in the Clouds, Hands in the Dirt\n\u201eThis isn\u2019t what we signed up for.\u201c (Dig Your Own Grave (and Save))\nSo sehr ich \u2013 regelm\u00e4\u00dfige Leser wissen das \u2013 auch auf Sch\u00f6nklang bedacht bin: Manchmal \u00fcberkommt auch den Freund gediegener Kl\u00e4nge der dringende Wunsch nach dem Rausschreien des Weltschmerzes; oder des Rausschreienlassens, denn das l\u00e4sst die Stimmb\u00e4nder entspannt. \u201eHead in the Clouds, HandsiIn the Dirt\u201c der Band Aviator scheint pr\u00e4destiniert, diese Rolle zu \u00fcbernehmen.\nAviator (weder die Pop- noch die Progressive-Rock-Band gleichen Namens) ist laut Eigenbeschreibung eine \u201eemotional hardcore band\u201c aus Boston, Massachusetts, also irgendwas mit Emocore. Mag ja sein. A year\u2019s worth of memories poisoning every dream (\u201eHead Noise\u201c). Vertonter  Aber: Genres sind Wischiwaschi.\nWie\u2019s mir eben auch gerade jetzt nicht darum geht, dieses Album theoretisch zu beschreiben. Die Gef\u00fchle zur Musik kennen kein Aber. Axtmusik, Herzmusik, Zerschmettermusik, wie\u2019s beliebt.\nAlways thought Aviator should get more attention. Das w\u00e4re dann erledigt.\nH\u00f6rproben: Auf YouTube musizieren die Herren sogar sichtbar; Audiostream und \u2011kauf gibt\u2019s per Bandcamp.com.\n\n2. Fast ohne Worte.\n\nUnivers Z\u00e9ro \u2013 Phosphorescent Dreams\nDie Belgier von Univers Z\u00e9ro sind auch im brutto 40. Jahr ihres Bestehens, wohl nicht zuletzt beg\u00fcnstigt vom sich drehenden Personalkarussell, noch immer nicht m\u00fcde, hochklassigen instrumentalen Kammerprog (manche m\u00f6gen\u2019s RIO nennen) aufzunehmen; sehr sch\u00f6n, sehr rhythmisch, sehr h\u00f6renswert.\nPavees Dance \u2013 There\u2019s Always the Night\nAuf diesem halbst\u00fcndigen Album, auf dem auch Malcolm Mooney (ehemals Can) endlich wieder einmal singend zu h\u00f6ren ist, vermengt das Projekt Pavees Dance um den Schlagzeuger Sean Noonan allerlei Stile von Weltmusik bis Psychedelic Rock zu einem famosen Jazzfunk-Werk, wie es 2014 leider nur viel zu selten zu finden war.\nElectric Orange \u2013 Volume 10\nWie bereits 2003 erfreuen Electric Orange den H\u00f6rer mit krautigem Psychedelic Rock. Ge\u00e4ndert hat sich seitdem nur der Schlagzeuger, der jetzt Georg Monheim hei\u00dft, ansonsten ist dieses (tats\u00e4chlich) zehnte Studioalbum gewohnte Kost \u2013 und das ist positiv gemeint. Augen zu und eingetaucht.\nScott Walker + Sunn O))) \u2013 Soused\nVor einiger Zeit trafen Sunn O))), ihres Zeichens US-amerikanische Drone-Doom-Musiker von Weltruhm, sich mit dem \u00e4hnlich bekannten, aber mit einem g\u00e4nzlich anderen musikalischen Hintergrund versehenen Solisten Scott Walker (fr\u00fcher Mitglied der Walker Brothers) in einem Studio, um mit \u201eSoused\u201c eins der durchgeknalltesten Alben des Jahres 2014 aufzunehmen; nicht im schrillen Popsinne zwar, wohl aber bedingt durch die Verschiedenartigkeit der ungleichen Partner. Das beinahe kingcrimsonesque Ergebnis (affektierter Gesang zu sich kaum von der Stelle bewegendem Brummen, nur gelegentlich von Gitarrenriffen unterbrochen) ist schockierend und \u2013 wie alles von Sunn O))) \u2013 laut noch besser. Maximum volume yields maximum results. Ein guter Rat.\n\n3. Kost\u2018 ja nix.\n\nThe Echelon Effect \u2013 Pacific / Sierra\nThe Echelon Effect, mir zuerst 2011 aufgefallenes Soloprojekt von David Walters, bleibt hochaktiv: 2014 erschien neben der EP \u201eSierra\u201c auch das Album \u201ePacific\u201c, letzteres in Dreierbesetzung (Steve Tanton half an Schlagzeug und Perkussion aus, Noah Champoux steuerte spoken words bei).\nEine W\u00fcste, ein Meer: Sprechend sind die Titel tats\u00e4chlich. The Echelon Effect steht weiterhin f\u00fcr atmosph\u00e4rischen, teils hypnotischen musikalischen Genuss zwischen den Genres; und auch weiterhin will David Walters daf\u00fcr kein Pflichtgeld sehen.\n\u201eSierra\u201c und \u201ePacific\u201c gibt\u2019s daher auf eMule sowie per Bandcamp.com ab 0 Euro. Das trifft sich gut, denn gute Musik ist stets eigentlich unbezahlbar. Wer kann, sollte dennoch spenden. Wert ist\u2019s das schon l\u00e4ngst.\nAntethic \u2013 Origin\nFast w\u00e4re der Postrock in diesem Jahr untergegangen. Gerade noch bemerkt! Antethic kommen aus Russland und haben mit \u201eOrigin\u201c 2014 ihr aktuelles Album f\u00fcr lau dem d\u00fcrstenden, darbenden Publikum vorgestellt. Laut Eigenbeschreibung handelt es sich wahlweise um \u201eCinematic Rock\u201c, Math Rock, Postrock, Shoegaze oder Ambient-Musik und somit um eine schlechte Eigenbeschreibung.\nNorth Atlantic Oscillation und Pink Floyd dienen anderswo als Vergleich. Ich meinerseits f\u00fcge vielleicht noch etwas Mike Oldfield und Explosions In The Sky hinzu. Der unbekannte Bassist spielt sich mitunter souver\u00e4n in den Vordergrund, ohne aufdringlich zu werden, w\u00e4hrend Schlagzeug und Gitarre(n?) duettieren, vermag aber auch den Rhythmus zu st\u00e4rken, derweil der Rest der Band hart abrockt. St\u00fccke wie \u201eThis Game Has No Name\u201c versetzen den H\u00f6rer so schon nach wenigen Minuten in eine Trance, in der es nur noch die Melodien gibt und alles um sie herum unwirklich erscheint.\n\u201eCinematic Rock\u201c, ein Kino im Kopf. Ein tolles Album mit Suchtpotenzial und Tripgefahr. Guten Flug!\n\n4. Deep Shit.\nEs ist nicht alles Gold, was t\u00f6nt. Auch 2014 war da keine Ausnahme:\n\nPink Floyd \u2013 The Endless River\nEndloses Pl\u00e4tschern. Man schl\u00e4ft ganz gut zu \u201eThe Endless River\u201c.\nEatliz \u2013 All Of It\nBelangloser Sch\u00f6npop ohne Kanten, Bandcamp rettet\u2019s auch nicht. Die neue S\u00e4ngerin ist schei\u00dfe.\nGazpacho \u2013 Demon\nDer D\u00e4mon des Schlafs \u00fcberw\u00e4ltichhhhhrrrr\u2026\nTransatlantic \u2013 Kaleidoscope\nOffenbar gibt es Kaleidoskope auch ganz ohne Muster und Farben. Toll!\nArchive \u2013 Axiom\nSpannend wie der Mathematikunterricht.\nFlaming Row \u2013 Mirage \u2013 A Portrayal Of Figures\nSo klingt es also, wenn man unmotiviert versucht Retroprog zu spielen. Nicht zur Nachahmung empfohlen.\n\n5. Aaaaaaaaaalt!\n\nVor 40 Jahren:\nLou Reed \u2013 Sally Can\u2019t Dance\nDenk\u2018 ich an 1974, denk\u2018 ich an Richard Nixon (R\u00fccktritt), Helmut Schmidt (Antritt) und Rockmusik.  Zwar machten Led Zeppelin in diesem Jahr eine Ver\u00f6ffentlichungspause, daf\u00fcr trauten sich Kiss mit ihrem Deb\u00fctalbum Kiss in die L\u00e4den. Die damals bereits etablierten Rolling Stones wiegelten ab: It\u2019s Only Rock\u2019n\u2019Roll. Kein Rock\u2019n\u2019Roll hingegen kam von Yes, deren S\u00e4nger Jon Anderson in einer Fu\u00dfnote der \u201eAutobiografie eines Yogi\u201c einen Hinweis auf die heiligen Schriften des Hinduismus\u2018 gefunden hatte und dazu inspiriert wurde, ein Album thematisch auf ihnen basieren zu lassen. Tales from Topographic Oceans, vor\u00fcbergehend das letzte Album mit dem Keyboarder Rick Wakeman, ist ein Doppelalbum mit vier St\u00fccken, was also 4 LP-Seiten entspricht; selbst f\u00fcr Yes\u2018 damalige Verh\u00e4ltnisse ein derart ambitioniertes Werk, dass die Musikpresse sich mit Lob deutlich zur\u00fcckhielt. Letztere hatte mit Lou Reed ohnehin einen ungeahnten neuen Favoriten: Sally Can\u2019t Dance erreichte die \u201eTop 10\u201c der Hitparade, was nach dem d\u00fcsteren Berlin im Vorjahr wiederum \u00fcberraschte. Dass die Plattenfirma RCA diesen Karriereschub ausnutzen wollte und ein baldiges Nachfolgealbum forderte, war aus heutiger Sicht eine kommerziell bl\u00f6de Idee: Mit Metal Machine Music folgte 1975 ein ausgestreckter musikalischer Mittelfinger; doch dazu sp\u00e4ter mehr.\nVor 30 Jahren:\nDalbello \u2013 whomanfoursays\n1984 war nicht blo\u00df eine Anleitung oder wenigstens ein Buch, sondern in der Musikwelt vielmehr auch ein Jahr des Schreckens. Von Barclay James Harvest gab es das grauenvolle Victims of Circumstance, das seine M\u00e4\u00dfigkeit schon als Titel tr\u00e4gt, Grobschnitt machten sich mit Kinder und Narren zu Letzteren. Talk Talk befanden sich mit It\u2019s My Life auf dem kommerziellen H\u00f6hepunkt ihrer Karriere, hatten au\u00dfer Mainstream-Pop aber noch nicht viel beizutragen. Und dann war da noch Dalbello, eine junge Frau mit einer famosen Stimme und einer ebensolchen Frisur. Das schon mal erw\u00e4hnte Album whomanfoursays war zugleich ihre R\u00fcckkehr ins Musikgesch\u00e4ft und ihre Erneuerung, denn vom Discopop wandte sie sich nunmehr ab und dem Alternative Rock zu, was das Plastikjahrzehnt dann doch noch ein bisschen zu retten half.\nVor 20 Jahren:\nSubway to Sally \u2013 Album 1994\nWeder mit Yes (Talk) noch mit den Rolling Stones (Voodoo Lounge) war zwanzig Jahre danach noch viel zu gewinnen. Das f\u00fcr lange Zeit letzte Studioalbum von Pink Floyd, The Division Bell, zeugte noch von der einstigen Gr\u00f6\u00dfe von Bands, deren Mitglieder ihre Instrumente nicht nur einigerma\u00dfen gerade in die Kamera halten, sondern auch noch bedienen k\u00f6nnen; andere Musikstile waren jedoch bereits auf dem Vormarsch: Hyper Hyper, die zweite Single von Scooter, mag dabei eine geschichtlich relevante Rolle gespielt haben, jedoch wurde auch der Metal als Abk\u00f6mmling des Hardrocks gr\u00f6\u00dfer: Dimmu Borgirs Deb\u00fctalbum For all tid wurde zum Eckpfeiler der skandinavischen Black-Metal-Szene, genre\u00fcblich mit Verweisen auf Satans Reich (\u201eDet nye riket\u201c), etwas weiter s\u00fcdlich ver\u00f6ffentlichte eine Band, die wohl noch nichts davon ahnte, einmal f\u00fcr ein Genre zu stehen, das der Volksmund als \u201eMittelalter-Metal\u201c kennt, ebenfalls ihr Deb\u00fctalbum: Subway to Sallys Erstlingswerk Album 1994, auf dem Eric Fish noch nicht die Rolle des Frontmanns und S\u00e4ngers innehat, verbindet mit seinen \u00fcberwiegend englischsprachigen Texten noch nicht viel mit sp\u00e4teren Klassikern wie MCMXCV oder Herzblut, wohl aber legte es den Grundstein f\u00fcr ihre sp\u00e4tere Karriere und wohl auch die jener Bands, die ma\u00dfgeblich von ihnen beeinflusst wurden. Es h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnen.\nVor 10 Jahren:\nYezda Urfa \u2013 Boris\nEs kam tats\u00e4chlich schlimmer: Die Jammerpopband Placebo versuchte es noch einmal mit Gef\u00fchl und warf die schreckliche Resteverwertung Once More with Feeling auf den Markt, die \u00fcbrigen Massen wurden wahlweise mit Franz Ferdinand, Tyrannosaurus Hives, dem Album Louden Up Now der von ihren Anh\u00e4ngern oft f\u00fcr wei\u00dfwie untergr\u00fcndig gehaltenen Band !!! oder dem untersch\u00e4tzten D12 World begl\u00fcckt. Zumindest Haggard hielten mit Eppur Si Muove den Metal noch hoch. Diejenigen, die nicht nach immer schlichteren und schlechteren T\u00f6nen suchten, suchten stattdessen ihre Zukunft in der Vergangenheit: Yezda Urfa, eine einst verschm\u00e4hte US-amerikanische Progressive-Rock-Band der mittleren 1970-er Jahre, traten 2004 auf dem NEARfest auf (seit 2010 gibt es mit Yezdaurfalive einen Beleg daf\u00fcr zu kaufen), zuf\u00e4llig ist seit jenem Jahr auch Boris, das von Plattenfirmen einst verschm\u00e4hte Deb\u00fctalbum von 1975, das in seinen Grundz\u00fcgen 1976 als Sacred Baboon einer zweiten (Nicht-)Ver\u00f6ffentlichung harrte, f\u00fcr den Plattenk\u00e4ufer frei erh\u00e4ltlich. Honi soit. Trotz der Wirren um die Ver\u00f6ffentlichung und das etwas schlechte timing, immerhin schien 1975 der Progressive Rock bereits angez\u00e4hlt, platzte dieses Album 2004 \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstig in die Retrowelle hinein. Im Internet beschreibt man Yezda Urfa als \u201eYes meets Gentle Giant mit Hummeln im Hintern\u201c. Trocken ist diese Musik sicherlich nicht, die Augen bleiben es auch nur schwerlich.  Ernsthafter hat der Progressive Rock sich selbst nie wieder persifliert. S\u00e4nger Rick Rodenbaugh, der auf dem NEARfeat bereits nicht mehr dabei war, verstarb 2008, seitdem hat man von Yezda Urfa nur noch wenig wahrgenommen. Daran h\u00e4tten sich andere Bands dieses Jahres zumindest ein Beispiel nehmen k\u00f6nnen.\n\nSo \u2013 haben wir\u2019s.\nHabe ich ein relevantes Album \u00fcbersehen oder eines zu Unrecht verrissen? Kommentare und Erg\u00e4nzungen sind gern gesehen. Ansonsten stehen dieses Jahr ja bereits einige neue bedeutsame Musikalben in den Regalen. Ich freue mich schon auf die n\u00e4chste R\u00fcckschau.\nDanke f\u00fcr die Aufmerksamkeit.\nKommentarehardy schrob am 3. M\u00e4rz 2015 dies: ha!\n\nhttp://hinterwaldwelt.blogspot.de/2014/09/seit-ein-paar-tagen-in-den-zittrigen.html\n\neine band, die gigs auf dem herrenklo beim bambi spielt, bis die bullen sie abr\u00e4umen? die klingt wie neu! in den besten tagen? definitiv mein fall!tux0r schrob am 3. M\u00e4rz 2015 dies: Hipster!hardy schrob am 4. M\u00e4rz 2015 dies: since 1976.\n\noder, besser noch: seit dem moment als \u201ethe spoon\u201c in einem durbridge lief \u2026 ;-P\n\nernsthaft: ich war gerade versucht einen artikel von 76 aus einer alten urks zu posten, aber er ist noch nicht gescannt, in der ich einen fuchsteufelwilden rant \u00fcber leute reite, die anderen die s\u00e4cke damit vollmachen, wie cool sie zappa finden. den hipster gab\u2019s schon immer und ich denke mal, das ist dieses typisch pubert\u00e4re verhalten, mit dem man seine position in der peergroup zu definieren sucht. das ist nur \u201euseful\u201c, wenn man eine solche braucht ;-)\n\nwie auch immer: ist ja alles auch eine frage, was man mag oder nicht. oder eine von geschmack, weil es eben sachen gibt, die jenseits von \u201emag ich oder nicht\u201c bemerkenswert sind \u2026 und camera ist eben bemerkenswert, weshalb ich mir ja die erste genauso umgehend gekauft habe wie ich \u201eputa\u2019s fever\u201c von manu negra 1989 (damals noch als import) kaufen musste, weil es am samstag ene sendung in swf2 \u00fcber die band lief. man h\u00f6rt es, man liebt es ab dem ersten moment eben liebt. so ging\u2019s mir halt auch seinerzeit auch mit yello und camera. ist das hip? ist mir egal \u2026 sind alle in meinen 1001 records gelandet, nehme ich mit auf ne insel\n\nach ja, vor zwei monaten bin ich \u00fcbrigens \u00fcber hanni el kathib gestolpert, klingt nach was orientalischem, ist aber eine coole pal\u00e4stinensisch-st\u00e4mmige gitarrensau aus la. die g*ttlich-kurze &amp; vor allem schr\u00e4ge  soli spielt.\n\nkonzert: https://www.youtube.com/watch?v=uANYiHx4Vgs (konzert ist immer das wichtigste \u2026)\nmelt me: https://www.youtube.com/watch?v=hsdh4-jHs4o\nmoonlight: https://www.youtube.com/watch?v=e00xgN3ER_I\n\nvielleichthast du ja auch spa\u00df an so wastux0r schrob am 6. M\u00e4rz 2015 dies: Orientalisch nervt. Mit Yello konnte ich auch noch nie was anfangen, da finde ich Devo deutlich interessanter.   Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 13 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Huch, schon Mitte Juli! H\u00e4ttet ihr mir nicht was sagen k\u00f6nnen?</p>\n<p>Ein halbes Jahr ist l\u00e4ngst vorbei, und ihr wisst, was das bedeutet: Hier gibt\u2019s <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Musik satt</span> \u2013 alles, was bis Ende Juni so in meiner Bestenliste gelandet ist \u2013 zu lesen. Entgegen der <a href="\&quot;http://kaparecords.com/artists/the-canyon-observer/\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00f6ffentlichen Meinung</a> ist die Nummerierung allerdings willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt. Ranglisten sind Firlefanz.</p>\n<p><span id=\"more-9723\"></span>Auch diesmal sind mehrere Musikalben, die eine Erw\u00e4hnung verdient haben, bereits an anderer Stelle gew\u00fcrdigt worden, so dass ich mich darauf beschr\u00e4nken m\u00f6chte, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/05/thee-silver-mt-zion-memorial-orchestra-fuck-get-free-pour-light-everything/\&quot;" data-wpel-link="internal">Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything</a> von <span class=\"musik-review-bandname\">Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra</span> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/05/kurzkritik-last-remaining-pinnacle-64/\&quot;" data-wpel-link="internal">64</a> von <span class=\"musik-review-bandname\">Last Remaining Pinnacle</span> an dieser Stelle unbedingt auch noch mal empfohlen zu haben. Aus der Wertung f\u00e4llt im \u00dcbrigen auch der als solcher allerdings hervorragende <a href="\&quot;https://hernameiscalla.bandcamp.com/album/2014-sampler\&quot;" data-wpel-link="internal">Sampler 2014</a> der h\u00f6renswerten <span class=\"musik-review-bandname\">Her Name Is Calla</span>. Ein nennenswertes Jubil\u00e4um folgt erst 2015, dann ist die Hillbilly-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Skillet Lickers</span>, momentan mit Enkel und Urenkel ihres Gr\u00fcnders <span class=\"musik-review-bandname\">Gid Tanner</span>, seit 90 Jahren im Gesch\u00e4ft.</p>\n<p>Wie \u00fcblich besteht diese R\u00fcckschau aus mehreren Teilen, nach einer \u00dcbersicht \u00fcber die Kaufbefehle f\u00fcr den Herbst wird es auch wieder ein paar Reinf\u00e4lle, aber auch einen Griff in die Musikgeschichte geben. Ich freue mich jetzt schon darauf.</p>\n<p>Viel Vergn\u00fcgen!</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Ins T\u00f6pfchen</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Mogwai-Rave-Tapes.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Mogwai-Rave-Tapes.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Mogwai \u2013 Rave Tapes</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eAnd thanks for all this / Trying to listen / Remembering a kill.\u201c</span> (Blues Hour)\n<p>Nach dem Soundtrack zu \u201eLes Revenants\u201c im Vorjahr legen <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> 2014 mit \u201eRave Tapes\u201c schon wieder ein neues Studioalbum \u2013 ihr siebtes \u2013 vor. Diese Schotten geizen nicht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> erfinden sich immer wieder neu, ohne dabei wie viele ihrer Mitstreiter irgendwann ihren Markenkern aufzugeben. Dabei lassen sie sich immer wieder etwas Neues einfallen. Nein, keine Sorge; trotz des Namens wird hier kein Love-Parade-Unfug <em>gecovert</em>.</p>\n<p>Gespielt wird stattdessen weiterhin hochqualitativer Postrock vorwiegend instrumentaler Natur, lediglich in \u201eRepelish\u201c und \u201eBlues Hour\u201c sind Texte zu h\u00f6ren, mal gesprochen, mal gar gesungen; \u201eBlues Hour\u201c erinnert den geneigten Rezensenten nicht nur deswegen an die viel zu fr\u00fch zerstreuten <span class=\"musik-review-bandname\">Aereogramme</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> waren schon immer gro\u00df darin, ihr stilistisches Repertoire subtil zu erweitern.</p>\n<p>Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwais</span> Kompositionen immer k\u00fcrzer zu werden scheinen und auch auf \u201eRave Tapes\u201c kein neues \u201eMogwai Fear Satan\u201c oder \u201eStereodee\u201c zu h\u00f6ren ist, sei hier auch mal geschenkt. Die Kunst, in kurzer Zeit ohne Worte viel zu erz\u00e4hlen, beherrschen <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> immer noch vorz\u00fcglich, obwohl die angeschlagenen T\u00f6ne doch leiser geworden sind. W\u00e4hrend die Genrekollegen von <span class=\"musik-review-bandname\">A Silver Mt. Zion</span> immer ausschweifender werden, breiten <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> ihre Klangfl\u00e4chen stattdessen einfach auf immer gr\u00f6\u00dferen Leinw\u00e4nden aus. Das wirkt im Kopf und verschwendet keine Zeit. Wie sch\u00f6n.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAuf YouTube gibt es unter Anderem gute Liveversionen von <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=9GT7TyzkPEc\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eRemurdered\u201c</a> und <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=fubU-oOfsic\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eBlues Hour\u201c</a> (letztere allerdings mit unangenehm wackeligem Kamerabild), Freunde von Streamingdiensten werden bei <a href="\&quot;http://wimp.de/album/25450350\&quot;" data-wpel-link="internal">WiMP</a>, <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Rave+Tapes/9326018\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> sowie auszugsweise <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Rave-Tapes-Mogwai/dp/B00G9Q3NBM/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> f\u00fcndig.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Karokh-Karokh.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Karokh-Karokh.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Karokh \u2013 Karokh</span>\n<p>Ich sch\u00e4tze Musikgruppen, die direkt mit denen, die ihren <em>output</em> konsumieren, kommunizieren, sehr.</p>\n<p>Neben <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> geh\u00f6ren auch <span class=\"musik-review-bandname\">Karokh</span> \u2013 nicht mit der afghanischen Stadt Karukh zu verwechseln \u2013 aus Oslo zu denen, die offenbar gelegentlich Twitter nach Relevantem durchsuchen; meine <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/02/karokh-flowers-every-day/\&quot;" data-wpel-link="internal">Empfehlung</a> des Liedes \u201eFlowers Every Day\u201c entging ihnen <a href="\&quot;https://twitter.com/KarokhOslo/status/435470457677283328\&quot;" data-wpel-link="internal">jedenfalls nicht</a>.</p>\n<p>Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Karokh</span> erst seit 2010 existieren, verschafft ihnen die angenehme Freiheit, noch keine Erwartungen erf\u00fcllen zu m\u00fcssen. Vielleicht auch deshalb \u00fcberraschen sie mich positiv: Neue Bands, die <em>irgendwas mit Jazz</em> machen, schaffen es selten, ein durchweg starkes Album zu pr\u00e4sentieren. Dass ein St\u00fcck auf dem Album \u201eSurf Decadence (Ooh Ooh)\u201c hei\u00dft, sollte niemanden abschrecken (oder vielleicht absichtlich doch); auf \u201eKarokh\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Karokh</span> gibt es andererseits immerhin auch ein St\u00fcck namens \u201eKarokh\u201c.</p>\n<p>\u201eIrgendwas mit Jazz\u201c ist wahrscheinlich eine ziemlich pr\u00e4zise Genreschubladisierung f\u00fcr \u201eKarokh\u201c. Ich finde Schubladen ja prinzipiell zu unpr\u00e4zise. <a href="\&quot;http://kulturterrorismus.de/rezensionen/karokh-karokh.html\&quot;" data-wpel-link="internal">So auch diesmal:</a></p>\n<blockquote><p>(\u2026) <span class=\"musik-review-bandname\">Karokh</span> bieten vielschichtige und intelligente Kompositionen, die auch bei anf\u00e4nglicher Abneigung mehrere Anl\u00e4ufe verdienen. (\u2026) Obwohl <span class=\"musik-review-bandname\">Karokh</span>, von der Trompete abgesehen, generell mit Rock-typischer Instrumentierung agieren, die neben Gesang aus Gitarre, Bass und Schlagzeug besteht, sind auch zwei Synthesizer Teil des Line-Ups. Diese gl\u00e4nzen ebenfalls mit subtilem Einfluss \u2013 es gibt zum Gl\u00fcck keine kitschigen Horror-Synth-Linien. Vielmehr st\u00fctzen die Synthesizer die Stimmung der Songs, steuern untypische Kl\u00e4nge bei, oder tragen auch mal mit einem Retro-Solo (Surf Decadence) zum Repertoire bei.</p></blockquote>\n<p>Untypisch ist auch <span class=\"musik-review-bandname\">Ina Sagstuens</span> Gesang, der mal im Vordergrund steht, mal (\u201eOnce More No Bear\u201c) sich wie ein weiteres Instrument im Geflecht einf\u00fcgt. Frau <span class=\"musik-review-bandname\">Sagstuen</span> s\u00e4uselt (\u201eInto The Wild\u201c), singt und st\u00f6hnt sich durch die bisweilen geradezu abgefahrene Musik, die ihre sechs Bandkollegen ihr kredenzen, dass es eine wahre Wonne ist.</p>\n<p>\u201eGenre: /alternative/rock/\u201c ist auf einer der Internetpr\u00e4senzen von <span class=\"musik-review-bandname\">Karokh</span> zu lesen, und wenn das Rock ist, so will ich fortan Kevin hei\u00dfen. Nein, <span class=\"musik-review-bandname\">Karokh</span> steuern treffsicher an jeder Stilschublade vorbei, und auch, wenn eine Trompete allein noch keine gro\u00dfe Kunst erschafft (auch die seltsamen <span class=\"musik-review-bandname\">Touch and Go</span> hatten ihren bislang gr\u00f6\u00dften Erfolg ja mit einer solchen), bleibt unbestritten, dass man hier guten Gewissens die Theorie begraben und sich ganz auf das Geh\u00f6rte einlassen sollte. <a href="\&quot;http://www.allaboutjazz.com/php/article.php?id=46379\&quot;" data-wpel-link="internal">Eyal Hareuveni</a> nannte \u201eKarokh\u201c ein \u201eh\u00f6chst beeindruckendes Deb\u00fctalbum mit einer bemerkenswerten S\u00e4ngerin\u201c. Ich finde das untertrieben. Ganz, ganz gro\u00df.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\n\u201eFlowers Every Day\u201c ist <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=ltIR1kvTH74\&quot;" data-wpel-link="internal">ebenso</a> auf YouTube zu finden <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=Ivj0hn6bg6Y\&quot;" data-wpel-link="internal">wie</a> \u201eInto The Wild\u201c. Auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Karokh/dp/B00HVSX704/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es \u201eKarokh\u201c leider nur in der MP3-Fassung, der Streamingdienst <a href="\&quot;http://wimp.de/album/25591450\&quot;" data-wpel-link="internal">WiMP</a> zumindest auch in HiFi-Qualit\u00e4t.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Dawn-Darker.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Dawn-Darker.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Dawn \u2013 Darker</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI\u2019m cool.\u201c</span> (Cold)\n<p>Nichts passiert. Oder doch?</p>\n<p>Das aktuelle Album \u201eDarker\u201c des Schweizer Quartetts <span class=\"musik-review-bandname\">Dawn</span> beginnt mit leisen Orgelt\u00f6nen. \u201eYesterday\u2019s Sorry\u201c, das Er\u00f6ffnungsst\u00fcck, l\u00e4sst sich Zeit zur Entfaltung. Nach etwa einer Minute setzt <span class=\"musik-review-bandname\">kingcrimsonesques</span> Spiel (entweder haben sich die vier Herren ein Mellotron zugelegt oder <span class=\"musik-review-bandname\">Nicolas Gerber</span> ist ein wahrer Keyboardvirtuose) im Stil derer ersten beiden Alben, erg\u00e4nzt durch <span class=\"musik-review-bandname\">Starcastle</span>-Keyboards, ein.</p>\n<p>Zugegeben: Neu ist das alles nicht. <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span>-Fans mag der lockere Retro-Prog von Dawn bekannt vorkommen, wir Freunde des Progressive Rocks wissen auch den gelegentlich (etwa in \u201eCold\u201c) hohen Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Ren\u00e9 Degoumois</span> zu sch\u00e4tzen.</p>\n<p>Aber an Abwechslung soll es nicht mangeln \u2013 von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> (insbesondere \u201eCold\u201c) aus geht die Reise noch weiter. F\u00e4llt mir im Instrumentalst\u00fcck \u201eLullabies for Gutterflies\u201c noch das <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/08/music-from-the-penguin-cafe-music-for-a-found-harmonium/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Penguin Cafe Orchestra</span></a> ein, so sind im mehrteiligen Neunzehnmin\u00fcter \u201e8945\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyds</span> \u201eEchoes\u201c nicht weit: Auf einen <span class=\"musik-review-bandname\">pinkfloydesquen</span> Anfangsteil mit affektiertem Gesang folgt ein tr\u00e4umerischer Gitarrensolopart, in den nach einer Weile die anderen Instrumente einstimmen, unterbrochen durch den Refrain. Nach einem viel zu kurzen postrockigen Zwischenspiel nach etwa zehn Minuten wird vom Keyboard wiederum das Thema vom Anfang aufgegriffen.</p>\n<p>\u201e8945\u201c endet schlie\u00dflich in einem furiosen Finale mit Climax, die im Progressive Rock ja durchaus \u00fcblich ist, aber hier besonders gut passt: Am 9. August 1945 wurde die Atombombe \u201eFat Boy\u201c \u00fcber Nagasaki gez\u00fcndet, wovon in \u201e8945\u201c gelegentlich ein Sprecher erz\u00e4hlt; wie man <a href="\&quot;http://www.johntuckeronline.co.uk/dawn-darker.html\&quot;" data-wpel-link="internal">so liest</a>, wurde das St\u00fcck nach diesem Ereignis benannt. Zum Gl\u00fcck gibt es keine Toten.</p>\n<p>Das Album \u201eDarker\u201c hingegen ist eine Bombe. Ihr solltet euch das nicht entgehen lassen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAnspielen und kaufen l\u00e4sst sich \u201eDarker\u201c <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Darker-Dawn/dp/B00HZ7JWUA/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a>, die einschl\u00e4gigen Streamingdienste sind zurzeit (Stand: 8. Juli 2014), wie so oft, eher ratlos.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Descend-Wither.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Descend-Wither.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Descend \u2013 Wither</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI am fear, wielder of the black darkness.\u201c</span> (Confined by Evil)\n<p>Kommen wir zu fr\u00f6hlicheren Dingen: Metal. \\m/</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Descend</span> stammen aus Schweden und haben im Januar 2014 mit \u201eWither\u201c ihr zweites Studioalbum <em>rausgebracht</em>, auf dem sie dem Progressive Metal mit allerlei Mathrockspielereien fr\u00f6nen. Das ist zwar alles <em>schon mal dagewesen</em>, aber selten wirklich beachtlich gut; auf \u201eWither\u201c allerdings schon.</p>\n<p>F\u00fcr das Album haben sie sich ein bisschen Zeit gelassen, aufgenommen wurde es bereits 2012. Progressive Death Metal (<a href="\&quot;http://www.metalstorm.net/pub/review.php?review_id=12393\&quot;" data-wpel-link="internal">Quelle: Internet</a>) ist eben kein Zuckerschlecken.</p>\n<p>Vergleiche gef\u00e4llig? <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=13989\&quot;" data-wpel-link="internal">Bittesehr:</a></p>\n<blockquote><p>So gibt es in \u201eThe Rancorous Paradigm\u201c erst heftigste Polyrhythmik zu h\u00f6ren, und anschlie\u00dfend werden die Strophe[n] und die Zwischenspiele mit geradezu hypnotischen Rhythmen und tr\u00e4umerischen Harmonien unterlegt. Letzteres Stilmittel wird auch in \u201eDiabolic\u201c bedient, wohingegen, \u201eSeverance\u201c l\u00e4dt zwischenzeitlich, wenn nicht gerade mal wieder Raserei (\u2026) angesagt ist, immer wieder mal zum gen\u00fcsslichen Abz\u00e4hlen der Taktzahlen ein[.] Drauf gekommen? Richtig, auf \u201eWither\u201c halten auch Djent und Math Einzug in den Stil von <span class=\"musik-review-bandname\">Descend</span>. Und tats\u00e4chlich f\u00fcgen sich diese Komponenten bestens ins bisherige Bild ein \u2013 was zwar nicht \u00fcberraschen sollte, aber eine konkrete Verbindung aus <span class=\"musik-review-bandname\">Opeth</span> und kreativen <span class=\"musik-review-bandname\">Meshuggah</span>-Epigonen ist mir bislang noch nicht untergekommen.</p></blockquote>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Meshuggah</span> <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">beschrieb ich</a> 2012 als eine Musikgruppe, die wenig dezent agiert, verglichen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Descend</span> allerdings sind sie geradezu filigran.</p>\n<p>Anders gesagt: <span class=\"musik-review-bandname\">Descend</span> hauen <em>auf die Kacke</em>. Klotzen statt Kleckern. Von Stakkatorhythmen \u00fcber Liedtitel wie \u201eFrom Grace to Grave\u201c bis hin zu genretypischem <em>growling</em> ist alles dabei. Aber die Achterbahn steigt nicht nur hinab, sondern f\u00e4hrt auch mal bergauf, und w\u00e4hrend <a href="\&quot;http://www.metal.de/death-metal/review/descend/57039-wither/\&quot;" data-wpel-link="internal">Christoph Meul</a> dem \u201eSanft-heftig-sanft-heftig-Schema\u201c (ebd.) nicht viel abgewinnen kann, bereiten sie mir als einem Liebhaber gepflegten, auch mal h\u00e4rteren Postrocks hingegen Freude, geben sie dem ansonsten dunklen \u201eWither\u201c doch ein paar sch\u00f6ne Farbtupfer. Oder ist Hellschwarz gar keine Farbe?</p>\n<p>Musik zum Abreagieren. Gar nicht mal schlecht!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nW\u00e4hrend <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Wither-Descend/dp/B00H03T1TG/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> 30-sek\u00fcndig herumschnipselt, ist zumindest <a href="\&quot;http://wimp.de/album/24599513\&quot;" data-wpel-link="internal">WiMP</a> zu einer Komplettvorschau f\u00e4hig. Ein vollst\u00e4ndiges Konzert von 2012, auf dem auch \u201eConfined by Evil\u201c gespielt wurde, hat <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=F-OkUntIiZY\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> im Repertoire.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Holy-Mountain-Ancient-Astronauts.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Holy-Mountain-Ancient-Astronauts.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Holy Mountain \u2013 Ancient Astronauts</span>\n<p>Heilig\u2019s Blechle (beziehungsweise: heiliger Berg), ausgerechnet die \u201eIntro\u201c hat mir da <a href="\&quot;http://www.intro.de/news/newsticker/23074430/holy-mountain-gewinnt-das-neue-album-auf-vinyl\&quot;" data-wpel-link="internal">was Sch\u00f6nes vorgespielt:</a></p>\n<blockquote><p><span class=\"musik-review-bandname\">Holy Mountain</span> reisen mit Psychedelic Rock durchs All. Der Klang der Band aus Glasgow l\u00e4sst sich grob im \u00e4u\u00dferen Grenzbereich von <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> oder <span class=\"musik-review-bandname\">Black Sabbath</span> verorten, lieb\u00e4ugelt jedoch auch mit Art Rock und Jazz.</p></blockquote>\n<p>Jazz? Mein Stichwort! Aufmerksame Leser haben m\u00f6glicherweise bemerkt, dass sich mein musikalischer Schwerpunkt in den letzten Jahren ein wenig verschoben hat. Eine sporadische Leserin meiner Texte lie\u00df sich unl\u00e4ngst zu der Bemerkung hinrei\u00dfen, sie <em>hasse</em> Jazz, und vielleicht ist \u201eAncient Astronauts\u201c das ideale Album f\u00fcr sie, denn so jazzig ist\u2019s eigentlich gar nicht; ich h\u00f6re discodrogentauglichen Space-/Stoner-Rock mit klasse Rhythmik und einer Gitarrenarbeit, die <a href="\&quot;http://www.veooz.com/news/5H3vkTQ.html\&quot;" data-wpel-link="internal">auch andere Rezensenten beeindruckt:</a></p>\n<blockquote><p><span class=\"musik-review-bandname\">Holy Mountain</span> have a rough-hewn but artisan\u2019s skill in one enduring musical product: fashioning thunking great slabs of riffage.</p></blockquote>\n<p>Seitens des Trios wird gerifft, dass es eine wahre Freude ist, von <span class=\"musik-review-bandname\">Colour Haze</span> \u00fcber <span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span> bis zu, ja, <span class=\"musik-review-bandname\">Black Sabbath</span> reichen die Assoziationen des begeisterten H\u00f6rers. Gesang gibt es auch, der aber mit seiner Verzerrtheit wahrscheinlich <em>gar nicht so wichtig</em> ist, weil\u2019s auf \u201eAncient Astronauts\u201c inklusive dem Titelst\u00fcck um den Kopfnickeffekt und nicht nur um tiefgr\u00fcndige Lyrik geht.</p>\n<p>Nein, \u201eAncient Astronauts\u201c hat einen anderen Schwerpunkt. <a href="\&quot;http://www.cackblabbath.com/2014/03/24/holy-mountain-ancient-astronauts/\&quot;" data-wpel-link="internal">Feiermusik f\u00fcr Stoner.</a> Und, liebe Leser und H\u00f6rer, darin sind sie wirklich gut. Gute Reise!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nW\u00e4hrend <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Ancient-Astronauts-Holy-Mountain/dp/B00HWJ2FDC/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> wieder einmal 30 Sekunden f\u00fcr aussagekr\u00e4ftig h\u00e4lt, h\u00e4lt immerhin <a href="\&quot;http://wimp.de/album/28274701\&quot;" data-wpel-link="internal">WiMP</a> die Langversion des Albums vorr\u00e4tig.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Lena-Bloch-Quartet-Feathery.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Lena-Bloch-Quartet-Feathery.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Lena Bloch Quartet \u2013 Feathery</span>\n<p>Damit ihr nicht aus der \u00dcbung kommt, noch mal etwas Jazz.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Lena Bloch</span> ist eine russische Saxophonistin, die nach ihrer Auswanderung 1990 durch Europa und Amerika reiste, um den Jazz zu lernen, und das nicht ohne Erfolg.</p>\n<p>Schon 1994 gewann sie den \u201eOutstanding Performance Award\u201c (also den \u201eHervorstechender-Auftritt-Preis\u201c), 1999 erwarb sie als Proteg\u00e9 von <span class=\"musik-review-bandname\">Keith Copeland</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">John Marshall</span> an der Hochschule f\u00fcr Musik und Tanz in K\u00f6ln das K\u00fcnstlerdiplom \u201emit Lob\u201c (cum laude). Bis 2006 lernte sie ihr Handwerk noch bei vielen weiteren bekannten Jazzmusikern. Die Theorie also ist ihr keinesfalls fremd.</p>\n<p>Und die Praxis? So mancher Festivalbesucher sollte Frau <span class=\"musik-review-bandname\">Blochs</span> Schaffen bereits selbst geh\u00f6rt haben, sei es w\u00e4hrend der  Leverkusener oder Ingolst\u00e4dter Jazztage 2001, sei es w\u00e4hrend der \u201eTemple Of The Arts Jazz Festivals\u201c der letzten paar Jahre. <a href="\&quot;http://www.lenabloch.com/about/\&quot;" data-wpel-link="internal">So weit die Eckdaten.</a></p>\n<p>Auf ihrem diesj\u00e4hrigen Album \u201eFeathery\u201c hat sie sich neben ihrem Tenorsaxophon auch weitere Musiker zugelegt, namentlich <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Miller</span> (Gitarre), <span class=\"musik-review-bandname\">Cameron Brown</span> (Bass) und <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Mintz</span> (Schlagzeug). Letztere beiden er\u00f6ffnen das erste St\u00fcck \u201eHi-Lee\u201c (am Ende des Albums als \u201eHi-Lee (reprise)\u201c fortgesetzt) mit einem sehr angenehmen Duett, bevor Saxophon und einzelne Gitarrent\u00f6ne in den Rhythmus einsteigen und ein ziemlich luftiges Jazzst\u00fcck formen. \u201eHi-Lee\u201c ist <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Lee_Konitz\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Lee Konitz</span></a>, Freund und Mentor von <span class=\"musik-review-bandname\">Lena Bloch</span>, gewidmet, und w\u00e4re ich <span class=\"musik-review-bandname\">Lee Konitz</span>, so err\u00f6tete ich angeh\u00f6rs des St\u00fccks.</p>\n<p>Am <em>songwriting</em> (ein f\u00fcrchterlicher Begriff, denn gesungen wird hier ebenso wenig wie es sich um leichte Liedchen handelt) waren alle vier Musiker beteiligt: Die \u00fcber elfmin\u00fctige \u201eBaby Suite\u201c stammt von <span class=\"musik-review-bandname\">Cameron Brown</span>, dessen Bass die Einleitung des St\u00fccks dominiert, das allm\u00e4hlich an Fahrt gewinnt und schlie\u00dflich mal freif\u00f6rmig, mal strukturiert schon durch das Schlagzeug einen <em>groove</em> entwickelt, den man im \u201emodernen Jazz\u201c abseits der Jazzrock- und Zeuhlpfade so immer noch viel zu selten zu h\u00f6ren bekommt. In \u201eRubato\u201c ist sein Komponist <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Miller</span> h\u00e4ufiger zu h\u00f6ren, im musikalischen Liebesbrief \u201eBeautiful You\u201c jedoch nicht <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Mintz</span>, der mit diesem Titel bereits 2004 <a href="\&quot;http://www.allaboutjazz.com/beautiful-you-john-gross-review-by-dan-mcclenaghan.php\&quot;" data-wpel-link="internal">von sich reden machte</a>; Schlagzeug und <em>nat\u00fcrlich</em> Saxophon sind auf \u201eFeathery\u201c ohnehin allgegenw\u00e4rtig.</p>\n<p>Dass es sich bei \u201eFeathery\u201c eigentlich um ein Deb\u00fctalbum handelt, was <span class=\"musik-review-bandname\">Lena Bloch</span> doch bislang nur als Mitmusikerin in Erscheinung getreten, schm\u00e4lert die Qualit\u00e4t nicht. Alle vier Instrumentalisten wissen, was sie tun, sie verzichten auf Effekthascherei oder Anbiederung. \u201eFeathery\u201c macht Spa\u00df und entspannt. Wohlf\u00fchljazz ohne auff\u00e4lligen Makel. Toll!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nWer sich nicht mit den halbmin\u00fctigen Ausschnitten auf <a href="\&quot;http://www.amazon.com/Feathery-Lena-Bloch/dp/B00IQUZ524/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.com</a> zufriedengeben m\u00f6chte, der kann \u201eFeathery\u201c momentan (Stand: 12. Juli 2014) auf <a href="\&quot;http://thirteenthnoterecords.com/lena-bloch-quartet-feathery/\&quot;" data-wpel-link="internal">ThirteenthNoteRecords.com</a> in voller L\u00e4nge h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Kamchatka-The-Search-Goes-On.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Kamchatka-The-Search-Goes-On.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Kamchatka \u2013 The Search Goes On</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eNo more lost, tired and lonely / no more begging please\u201c</span> (Tango Decadence)\n<p>Apropos <span class=\"musik-review-bandname\">Opeth</span>, \u00fcbrigens.</p>\n<p>In den sp\u00e4ten 1990-er Jahren war auch ich \u2013 wie viele Menschen meines Alters \u2013 dem <em>Punk</em> von Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Bad Religion</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">The Offspring</span> gegen\u00fcber noch aufgeschlossener als heute. Irgendwann verlor diese <em>Szene</em> f\u00fcr mich allerdings deutlich an Reiz und ich wandte mich anderen Besch\u00e4ftigungen als dem Versuch, beim Rauchen cool auszusehen und die passende Musik zu h\u00f6ren, zu, wirklich gefallen hatte es mir ja <em>sowieso nie</em>.</p>\n<p>Was ich am Punk allerdings zu sch\u00e4tzen wusste, war die Angewohnheit, die Gitarre zu misshandeln. Das Laute, Schnelle, Hektische ist es auch, das ich bis heute interessant finde; und so begann meine Entdeckungsreise in die Welt der singenden Gitarren weitgehend unauff\u00e4llig, f\u00fchrte mich aber inzwischen zum Stoner Rock, Bluesrock und Postrock und wieder zur\u00fcck.</p>\n<p>Insofern versetzt mich \u201eThe Search Goes On\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Kamchatka</span> in Entz\u00fccken. Das schwedische Trio <span class=\"musik-review-bandname\">Kamchatka</span> \u2013 wie <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Kamtschatka\&quot;" data-wpel-link="internal">die Insel</a> \u2013 spielt auch auf seinem f\u00fcnften Studioalbum \u201eThe Search Goes On\u201c einen ziemlich erdigen, ziemlich guten Bluesrock. Und, tats\u00e4chlich, die Gitarre singt im Duett mit ihrem Besitzer <span class=\"musik-review-bandname\">Thomas Andersson</span> vortreffliche Liedlein.</p>\n<p>Die Suche geht weiter. Wonach wird gesucht? Vielleicht nach den Wurzeln, gr\u00e4bt man doch tief in den sp\u00e4ten 1960-er und fr\u00fchen 1970-er Jahren nach seinen Quellen. Dazu w\u00fcrde zumindest das <em>cover</em> passen, das einige sinkende Taucher zeigt. Gelegentliche Anleihen am Stoner Rock (\u201eThank You For Your Time\u201c) sind f\u00fcr das hier Dargebotene jedenfalls eine Bereicherung, Vergleichen mit <a href="\&quot;http://powermetal.de/review/review-Kamchatka/The_Search_Goes_On,23707.html\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span></a> halten die drei haarigen Herren \u2013 <span class=\"musik-review-bandname\">Per Wiberg</span>, ehemals unter Anderem bei <span class=\"musik-review-bandname\">Opeth</span>, hat inzwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Roger \u00d6jersson</span> am Bass abgel\u00f6st \u2013 problemlos stand.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.musikinstinkt.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=10290:kamchatka-the-search-goes-on&amp;catid=768&amp;Itemid=105\&quot;" data-wpel-link="internal">Anders gesagt:</a></p>\n<blockquote><p>Ein echtes 70ies-Groove\u2019n\u2019Roll-Monster was das Trio <span class=\"musik-review-bandname\">Kamchatka</span> da auf CD haben pressen lassen!</p></blockquote>\n<p>Entfesselt das Monster! Keine Angst, es wartet nicht unter eurem Bett, es will nur spielen; n\u00e4mlich h\u00f6renswerte Rockmusik mit Pfeffer. Guten Appetit!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nZu \u201eTango Decadence\u201c gibt es <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=pTZbWI3L3T8\&quot;" data-wpel-link="internal">ein Musikvideo</a>. Wem ein kurzer Ausschnitt reicht, der m\u00f6ge die anderen St\u00fccke <a href="\&quot;http://www.amazon.de/The-Search-Goes-Kamchatka/dp/B00HVF52MI/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> probeh\u00f6ren, andersartige Interessenten k\u00f6nnen zum Beispiel zu <a href="\&quot;http://wimp.de/album/26344874\&quot;" data-wpel-link="internal">WiMP</a> greifen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/END-People-of-the-Streams-Mouth.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_END-People-of-the-Streams-Mouth.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">END \u2013 People of the Stream\u2019s Mouth</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDon\u2019t waste your days and focus now, then the future should be bright\u201c</span> (Tightrope Walkers on the Run)\n<p><a href="\&quot;http://www.nicorola.de/end-people-of-the-streams-mouth/\&quot;" data-wpel-link="internal">Nico</a> findet\u2019s gut, und auch <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/bitte-keine-vorurteile-end-people-of-the-streams-mouth/\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter</a> lobpries die Schweizer <span class=\"musik-review-bandname\">END</span> bereits im M\u00e4rz:</p>\n<blockquote><p>Cooler Breitwand-Pop, geschmackvoller Alternative-Rock, \u201cPeople of the Stream\u2019s Mouth\u201d ist eine Wundert\u00fcte prickelnder Ideen, handwerklich hervorragend umgesetzt und von hohen Unterhaltungswert. (\u2026) <span class=\"musik-review-bandname\">End</span>, das sind flirrende Gitarren, Melodien satt, mehrstimmiger Gesang und Ideen f\u00fcr eine ganze Handvoll respektabler Deb\u00fcts. Gutes Album, meine Herren, weitermachen.</p></blockquote>\n<p>Da kann nat\u00fcrlich auch ich nicht widerstehen und h\u00f6re mal rein; und mein str\u00f6mender Mund steht staunend offen: Was da nicht alles drinsteckt! Die unvermeidlichen <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>, klar, aber auch: <span class=\"musik-review-bandname\">Oasis</span> und allerlei \u201eIndie-Rock\u201c, was auch immer man darunter im Einzelfall verstehen m\u00f6chte.</p>\n<p>Auf \u201ePeople of the Stream\u2019s Mouth\u201c passiert zumindest eine Menge, was man von anderen Vertretern dieser Sparte nicht unbedingt behaupten sollte. Allein schon das St\u00fcck \u201eAlaska\u201c ist atmosph\u00e4risch unglaublich <em>dicht</em>, gleichzeitig beklemmend und befreiend wie auch das zugeh\u00f6rige <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=JncnfGSZFV0\&quot;" data-wpel-link="internal">Video</a>. Sonst so? <span class=\"musik-review-bandname\">Placebo</span>-Poprock (\u201eAdrift\u201c), Folkrock (\u201eDisconnected\u201c), fetziges Gitarrendurcheinander (\u201eTightrope Walkers on the Run\u201c), sch\u00f6ne Bassrhythmen (\u201eIn Amber\u201c), Weltraumkeyboards (\u201eLevitate\u201c, wie passend!).</p>\n<p>Mankos? Schwierig. Ich \u00e4u\u00dferte an anderer Stelle, der Gesang sei <em>etwas nervig</em>, aber <span class=\"musik-review-bandname\">Luca Daniels</span> (Mikrofon und Gitarre) Einsatz ist eigentlich gar nicht mal schlecht. Gelegentlich erinnert mich <em>das alles</em> an <span class=\"musik-review-bandname\">Placebo</span>, m\u00f6glicherweise hat das Abwehrreflexe hervorgerufen. <span class=\"musik-review-bandname\">END</span>, das sind <span class=\"musik-review-bandname\">Placebo</span> ohne Kopfschmerzen und aus der Schweiz. Ein pr\u00e4chtiges Land.</p>\n<p>Wof\u00fcr der Bandname <span class=\"musik-review-bandname\">END</span> steht, wei\u00df ich \u00fcbrigens nicht. Am Ende ist das aber wahrscheinlich auch nicht wichtig.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nDas Album ist momentan (13. Juli 2014) per <a href="\&quot;https://soundcloud.com/end-band/sets/end-people-of-the-streams\&quot;" data-wpel-link="internal">SoundCloud</a> in ganzer L\u00e4nge h\u00f6rbar, auf YouTube gibt es schicke Videos <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=guNfC8nYuPI\&quot;" data-wpel-link="internal">zu \u201eAdrift\u201c</a> und weiteren Liedern.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Pixies-Indie-Cindy.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Pixies-Indie-Cindy.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Pixies \u2013 Indie Cindy</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eGive me the pow-wow, give me the hexe!\u201c</span> (Blue Eyed Hexe)\n<p>Wer \u00fcbrigens auch immer noch da ist, sind die <span class=\"musik-review-bandname\">Pixies</span>, die schon in den 1980-er Jahren ziemlich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/09/pixies-tame/\&quot;" data-wpel-link="internal">aufgedreht</a> haben.</p>\n<p>Seit ihrer j\u00fcngsten Reformation im Jahr 2004 hat die beeindruckende Bassistin und S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Kim Deal</span> die <span class=\"musik-review-bandname\">Pixies</span> leider verlassen, ihr Ersatz <span class=\"musik-review-bandname\">Kim Shattuck</span> von den <span class=\"musik-review-bandname\">Muffs</span> sprang nur vor\u00fcbergehend ein (sie ist auf \u201eIndie Cindy\u201c zu h\u00f6ren) und wurde noch im gleichen Jahr wieder gefeuert; seit Ende 2013 ist die Argentinierin <span class=\"musik-review-bandname\">Paz Lenchantin</span> die Frau am Bass.</p>\n<p>Und eigentlich fehlt auch nichts, die <span class=\"musik-review-bandname\">Pixies</span> klingen immer noch frisch wie <em>damals</em>, <span class=\"musik-review-bandname\">Charles Thompsons</span> Alter Ego <span class=\"musik-review-bandname\">Black Francis</span> hat von seiner Energie nur wenig eingeb\u00fc\u00dft. Mit \u201eWhat Goes Boom\u201c beginnt \u201eIndie Cindy\u201c standesgem\u00e4\u00df mit kr\u00e4ftiger Gitarre, die Rhythmusgruppe tritt mit Schmackes voll in die Eisen, w\u00e4hrend ihr Frontmann gewohnt mehrdeutige Texte rezitiert. Der Refrain \u2013 wie einst \u201eDebaser\u201c oder \u201eHey\u201c \u2013 ist einpr\u00e4gsam:</p>\n<blockquote><p>Make<br>\nSome<br>\nRoom<br>\nWhat<br>\nGoes<br>\nBoom</p></blockquote>\n<p>Kann man sich merken, kann man auch zu fortgeschrittener Stunde noch mitbr\u00fcllen. H\u00f6chst erfreulich f\u00fcr uns, die wir es bisweilen ja doch auf die frontale Breitseite der <span class=\"musik-review-bandname\">Pixies</span> abgesehen haben und leise T\u00f6ne gar nicht erst erwarten.</p>\n<p>Dabei k\u00f6nnen sie auch anders: <span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave &amp; The Bad Seeds</span> kommen \u2013 w\u00e4re da nicht der schlimme <span class=\"musik-review-bandname\">Weezer</span>-Ged\u00e4chtnisrefrain \u2013 im Titelst\u00fcck in den Sinn, an wen mich das superbe \u201eBagboy\u201c, das zun\u00e4chst auf der \u201eEP1\u201c als erstes St\u00fcck nach <span class=\"musik-review-bandname\">Kim Deals</span> Weggang ver\u00f6ffentlicht wurde, mit seinem Wechselgesang (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">cover your breath, polish your speech!</span>) erinnert, wei\u00df ich nicht; vielleicht am Ehesten noch an die <span class=\"musik-review-bandname\">Pixies</span> selbst. Sie zu <em>covern</em> sei schwierig, hei\u00dft es, und auch im Jahr 2014 stellen die <span class=\"musik-review-bandname\">Pixies</span> wieder unter Beweis, was (neben obskuren Liedtiteln wie \u201eBlue-Eyed Hexe\u201c) wir eigentlich an ihnen haben.</p>\n<p>Das ist vor allem eine Menge Spa\u00df.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nEin annehmbares Livevideo zu \u201eWhat Goes Boom\u201c gibt es auf <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=LjT3V78oG7g\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a>, ein Musikvideo zu \u201eBagboy\u201c auf <a href="\&quot;http://vimeo.com/69293130\&quot;" data-wpel-link="internal">Vimeo</a> zu sehen. Auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Indie-Cindy-2lp-CD-Vinyl/dp/B00J4SP9V4/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> k\u00f6nnt ihr \u201eIndie Cindy\u201c als Doppelvinyl mit CD kaufen und <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Indie-Cindy-Pixies/dp/B00J4SP83S/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">drei\u00dfigsek\u00fcndig reinh\u00f6ren</a>, per <a href="\&quot;http://wimp.de/album/29072109\&quot;" data-wpel-link="internal">WiMP</a> und <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Indie+Cindy/9612815\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> auch in voller L\u00e4nge.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Carla-Bozulich-Boy.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Carla-Bozulich-Boy.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Carla Bozulich \u2013 Boy</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWhy do you think that I sing about these things that I do?\u201c</span> (Ain\u2019t No Grave)\n<p>In Progressive-Rock-Kreisen sind zwei Carlas mittlerweile weltbekannt: Die US-amerikanische Violinistin <span class=\"musik-review-bandname\">Carla Kihlstedt</span> arbeitete schon mit <span class=\"musik-review-bandname\">John Zorn</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Frith</span> zusammen, regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Rezensionen kennen auch ihr Projekt <span class=\"musik-review-bandname\">The Book of Knots</span>, deren Album \u201eTraineater\u201c ich 2011 <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/08/the-book-of-knots-traineater/\&quot;" data-wpel-link="internal">lobend hervorhob</a>.</p>\n<p>Auf \u201eTraineater\u201c ist <em>die andere</em> Carla am Mikrofon zu h\u00f6ren: <span class=\"musik-review-bandname\">Carla Bozulich</span>, erstmals im Umfeld von <span class=\"musik-review-bandname\">Sleepytime Gorilla Museum</span> aufgetaucht und seitdem mit diversen Musikgruppen wie etwa ihrer eigenen Band <span class=\"musik-review-bandname\">Evangelista</span> zugange, hat mit \u201eBoy\u201c nach einigen Jahren wieder einmal ein Soloalbum unter ihrem eigenen Namen aufgenommen. Solo? Nun ja, zu h\u00f6ren sind neben Frau <span class=\"musik-review-bandname\">Bozulich</span> ein Schlagzeuger, ein Keyboarder und ein Hintergrundchor, aber alle Beteiligten waren offenbar damit einverstanden, ihren Namen nicht prominent auf das Album drucken zu lassen.</p>\n<p>Die Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Evangelista</span> wagte schon immer den Spagat zwischen Zerbrechlichkeit und Aggression, sie ist sanft und zugleich rau. Mit \u201eBoy\u201c pflegt <span class=\"musik-review-bandname\">Carla Bozulich</span> ihren gewohnten Stil weiter. M\u00fcsste ich Vergleiche bem\u00fchen, ich w\u00e4hlte \u201e<span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> in weiblich\u201c, was beiden K\u00fcnstlern gegen\u00fcber zutiefst unfair w\u00e4re, weshalb ich dankbar bin, dass das gar nicht n\u00f6tig ist.</p>\n<p>Zumal Frau <span class=\"musik-review-bandname\">Bozulich</span> auch wesentlich zur\u00fcckhaltender musiziert, die Aggression, die in <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits\u2018</span> Schaffen immer wieder hervorscheint, fehlt hier. Das er\u00f6ffnende \u201eAin\u2019t No Grave\u201c, das die dezente Avantgarde von <span class=\"musik-review-bandname\">Evangelista</span> erahnen l\u00e4sst, ist noch eins der <em>h\u00e4rteren</em> St\u00fccke, aber es bleibt still. In der Ruhe liegt die Kraft; die dann auch \u201eDeeper Than The Well\u201c und \u201eOne Hard Man\u201c ausstrahlen, w\u00e4hrend eine Gitarre und allerlei Elektronisches begleitend scheppern. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Bad Seeds</span> treffen auf <span class=\"musik-review-bandname\">broken.heart.collector</span> und lassen <span class=\"musik-review-bandname\">Gwen Stefani</span> auch mal singen. Kammerprog, Jazzpop. Genres sind f\u00fcr\u2019n Arsch.</p>\n<p>Egal, wie m\u00f6rderisch die Texte sind (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eI\u2019m gonna stop killing today, make better use of my hands\u201c</span>, in: \u201eGonna Stop Killing\u201c), <span class=\"musik-review-bandname\">Carla Bozulich</span> bleibt gelassen. Be\u00e4ngstigend und deshalb faszinierend. \u201eBoy\u201c sei ihr \u201ePopalbum\u201c, behauptet das Beiheft zur CD. Ich habe Pop viel schlimmer in Erinnerung. \u2013 Erw\u00e4hnte ich, dass ich den Gesang mag?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\n<a href="\&quot;http://www.amazon.de/Boy-Carla-Bozulich/dp/B00HNTOYJO/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon</a>. <a href="\&quot;http://wimp.de/album/26418495\&quot;" data-wpel-link="internal">WiMP</a>. <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Boy/9564552\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a>. V\u00f6llig egal. Live? <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=G6eVvjQnMTo\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eOne Hard Man\u201c</a>. Noch verr\u00fcckter als auf dem Album, stilecht mit Kerzenlicht. H\u00f6rbefehl!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Closure-In-Moscow-Pink-Lemonade.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Closure-In-Moscow-Pink-Lemonade.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Closure In Moscow \u2013 Pink Lemonade</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDo you know you\u2019re a lovely old soul?\u201c</span> (Seeds of Gold)\n<p>Mit \u201ePink Lemonade\u201c \u2013 <em>dieser Name!</em> \u2013 schlie\u00dflich legen die Australier <span class=\"musik-review-bandname\">Closure In Moscow</span> \u2013 <em>dieser Name!</em> \u2013 eines der abwechslungsreichsten Musikalben der ersten Jahresh\u00e4lfte vor.</p>\n<p>Gepr\u00e4gt ist das Album von einer Zerrissenheit, die auch RIO/Avant-Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Sebkha-Chott</span> auszeichnet, obwohl <span class=\"musik-review-bandname\">Closure In Moscow</span> weniger albern agieren und auch einen deutlich geringeren Metalanteil haben. Mehr noch als <span class=\"musik-review-bandname\">Sebkha-Chott</span> kommen dem geneigten Rezensenten allerdings die guten alten <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> in den Sinn, die ihrerzeit musikalische Sp\u00e4\u00dfe wie <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=ME9d2H4WWU0\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eEgg\u201c</a> und <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=sOEThbaFZ50\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eGirls of Porn\u201c</a> aufnahmen.</p>\n<p>Zwar haben <span class=\"musik-review-bandname\">Closure in Moscow</span> keinen <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span> als S\u00e4nger, dennoch schaffen sie es, mit insgesamt sechs Gasts\u00e4ngern (deren Beitrag dann auch schon mal als \u201eVocals and general adorableness\u201c beschrieben wird) ziemlich nennenswerte Leistungen zu vollbringen. Dass sich die Vertracktheit von \u201ePink Lemonade\u201c hinter Wohlklang verbirgt, steht au\u00dfer Frage, und dass Titel wie \u201eMauerbauertraurigkeit\u201c <em>(sic!)</em> genau so klingen, wie sie hei\u00dfen, ist h\u00f6chst willkommen; dann steht eben schon mal das Indie-Rock-Pop-Lied \u201eSeeds of Gold\u201c neben der Psychedelic-Suite \u201eThat Brahmatron Song\u201c. Na und?</p>\n<p>\u201eThat Brahmatron Song\u201c (was genau ein Brahmatron sein soll, konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen) ist ohnehin ein gutes Beispiel, wie\u2019s auch gehen kann: Nach einem weitgehend unauff\u00e4lligen <em>intro</em> folgt zun\u00e4chst ein Alternative-Rock-Teil, in dem der \u201eBrahmatron Song\u201c als <em>nicht g\u00f6ttlich</em>, eher satanisch beschrieben wird. Brahma, der hinduistische Sch\u00f6pfungsgott, ist wahrscheinlich also nicht beteiligt. Das St\u00fcck geht zum Ende hin in ein ziemlich psychedelisches, \u00fcberdrehtes Finale \u00fcber.</p>\n<p>Ach, \u00fcberdreht? Schalten wir mal zwei St\u00fccke zur\u00fcck: \u201eNeoprene Byzantine\u201c klingt wie von einer <a href="\&quot;http://www.killyourstereo.com/reviews/1669/closure-in-moscow-pink-lemonade/\&quot;" data-wpel-link="internal">noch breiteren Version von <span class=\"musik-review-bandname\">The Mars Volta</span></a>, und auch das Titelst\u00fcck schl\u00e4gt in diese Kerbe. Unterschiede? Es gibt mehr S\u00e4nger beiderlei Geschlechts, mehr Psychedelisches, mehr Effekte, mehr Spa\u00df. Mir waren <span class=\"musik-review-bandname\">The Mars Volta</span> immer etwas zu hektisch, <span class=\"musik-review-bandname\">Closure In Moscow</span> dosieren ihre Mittel hingegen genau richtig. Massenware ist \u201ePink Lemonade\u201c nicht, <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=14264\&quot;" data-wpel-link="internal">eher im Gegenteil:</a></p>\n<blockquote><p>Wer sich etwas Ungew\u00f6hnliches, teilweise abgefahren Proggiges antun m\u00f6chte, der sollte mal <span class=\"musik-review-bandname\">Closure in Moscow</span> antesten.</p></blockquote>\n<p>Einfach mal was ausprobieren. Schlie\u00dfung in Moskau, Tanz auf den Tischen.</p>\n<p>\u201e\u30d4\u30f3\u30af\u30ec\u30e2\u30cd\u30fc\u30c9\u201c, so hei\u00dft das letzte Lied, ist \u00fcbrigens Japanisch und bedeutet so viel wie \u2013 ihr ahnt es \u2013 <em>rosa Limonade</em>. Prost!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nZu \u201eSeeds of Gold\u201c gibt es ein <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=4ZseL6VyddQ\&quot;" data-wpel-link="internal">Video auf YouTube</a>, zum Anfixen mag\u2019s gen\u00fcgen.</p></li>\n</ol>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">In K\u00fcrze</span></p>\n<p>War das schon alles? Aber nein! Diese drei Alben m\u00f6chte ich zumindest noch kurz erw\u00e4hnen, bevor es zum n\u00e4chsten Thema geht:</p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Subway to Sally \u2013 Mitgift</span>\n<p>Die ostdeutsche Mittelalter-Metal-Combo <span class=\"musik-review-bandname\">Subway to Sally</span>, die ab Mitte der 1990-er Jahre ein paar (im Wortsinne) fabelhafte Musikalben aufgenommen hat, bevor sie es vor\u00fcbergehend mit mehr Elektronik und weniger Authentizit\u00e4t versucht hatte, hat mit dem Konzeptalbum \u201eMitgift\u201c \u2013 Untertitel: \u201eM\u00f6rdergeschichten\u201c \u2013 zu alter Form und St\u00e4rke zur\u00fcckgefunden. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eWas uns einst von Gott gegeben, wird uns auch der Tod nicht nehmen\u201c</span> (\u201eSchwarze Seide\u201c). Bitters\u00fc\u00df und wunderbar.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">iamthemorning \u2013 Miscellany</span>\n<p>Das russische Duo <span class=\"musik-review-bandname\">iamthemorning</span> \u2013 jedenfalls behauptet <em>das Internet</em>, sie seien im Kern zu zweit \u2013 ist f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Rezensionen ein <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/02/iamthemorning/\&quot;" data-wpel-link="internal">bekanntes</a>, sein Album \u201e~\u201c fand ich 2013 ja wortreich gut. Nun also statt eines kryptischen Titels ein ebenfalls nicht zielf\u00fchrender. \u201eMiscellany\u201c, \u201eVermischtes\u201c. P\u00fcnktlich am 1. Januar 2014 erschien diese EP von etwas \u00fcber 23 Minuten Spieldauer in Vorbereitung auf das zweite Vollzeitalbum, das ich dann mal in meinem schier grenzenlosen Optimismus noch in diesem Jahr erwarte. Zu h\u00f6ren gibt es \u00fcberwiegend sch\u00f6nen <em>unplugged</em>-Kammerrock mit vielerlei Streichern und umwerfendem Gesang (Vorder- und Hintergrund) von <span class=\"musik-review-bandname\">Marjana Semkina</span>. Es gibt auch <a href="\&quot;https://iamthemorningband.bandcamp.com/album/miscellany\&quot;" data-wpel-link="internal">einen Stream</a>. Augen zu und hinein!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">We Insist! \u2013 We Insist!</span>\n<p>Ein Album, das wie die Band hei\u00dft. Ausdruck mangelnder Kreativit\u00e4t? <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Manchmal schon</a>, aber auf <span class=\"musik-review-bandname\">We Insist!</span> trifft das nicht zu. Saxophonist <span class=\"musik-review-bandname\">Fran\u00e7ois Wong</span> und zweiter Gitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Julien Divisia</span> sind weg, zur\u00fcck bleibt ein Trio mit zwei Gasts\u00e4ngern und einem Gastakkordeonisten. Rudiment\u00e4r musizieren die Herren dennoch nicht, schon das er\u00f6ffnende \u201eWhile the West is Falling\u201c \u00fcberf\u00e4llt den H\u00f6rer mit <em>fetzigem</em> Mathrock und einer angenehmen Dosis RIO/Avant, \u201eFirst Draft\u201c \u00fcberzeugt mit nach vorn preschenden Strophen und einem zerrissenen Rhythmus, der jedes stupide Mitklatschen quasi verbietet. \u201eGrinding Down The Pole\u201c klingt sogar mit einem Banjo dreckig. Mathrock, wie er sein muss. Ich mag die Richtung, in die sich die Band entwickelt. <a href="\&quot;https://soundcloud.com/vicious_circle/sets/we-insist\&quot;" data-wpel-link="internal">Reinh\u00f6ren!</a></p></li>\n</ol>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Ins Downloadverzeichnis</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Tacita-Intesa-Tacita-Intesa.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Tacita-Intesa-Tacita-Intesa.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Tacita Intesa \u2013 Tacita Intesa</span>\n<p>Auch Italien wei\u00df in diesem Jahr zu \u00fcberzeugen: <span class=\"musik-review-bandname\">Tacita Intesa</span> (\u201eStillschweigendes Einverst\u00e4ndnis\u201c) aus der Toskana legen zwei Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung mit ihrem Deb\u00fctalbum ein kurzweiliges Psychedelic-Rock-Werk vor, das den Spuren von <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> bleibt, gleichwohl mehr bietet als eine blo\u00dfe Kopie.</p>\n<p>Der \u201eValzer della Morte\u201c ist tats\u00e4chlich ein solcher, im kurzen \u201ePortmanteau\u201c klingt (sanft) Hardrock an, \u201eCorona\u201c ist ein <span class=\"musik-review-bandname\">floydeskes</span> St\u00fcck, dem <span class=\"musik-review-bandname\">Daniele Stocchi</span> (Keyboards und Synthesizer) ebenso markant seinen Stempel aufdr\u00fcckt wie auch dem Rest des Albums. Der (<em>nat\u00fcrlich</em> italienische) Gesang von Gitarrist und S\u00e4nger Alessandro Granelli rundet \u201eTacita Intesa\u201c ab.</p>\n<p>\u201eTacita Intesa\u201c ist ein sehr <em>italienisches</em> Album, und ich meine das positiv: Zwar orientiert es sich wie viele italienische Musikalben der letzten Jahre mitunter stark am <em>klassischen</em> Progressive Rock, aber die f\u00fcnf Musiker tragen \u00fcber das blo\u00dfe Nachahmen hinaus eine Spielfreude mit sich, die beinahe ansteckend ist. Ich bin gespannt, was da noch kommt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen:</span><br>\n\u201eTacita Intesa\u201c gibt es auf <a href="\&quot;https://tacitaintesa.bandcamp.com/releases\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> als Stream und zum Herunterladen und Kaufen, aber auch <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2511\&quot;" data-wpel-link="internal">via eMule</a> werdet ihr f\u00fcndig.</p></li>\n</ul>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">4.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Ins Kr\u00f6pfchen</span></p>\n<p>Es ist nicht alles rund, was sich dreht, und wenn <em>die Medien</em> etwas gut finden, dann haben sie nur allzu oft Unrecht. Platten anhand ihrer Bewertungen auf Amazon.de zu kaufen. Ein neues Jahr, ein neues \u201eh\u00e4ttet ihr mal lieber nicht\u201c. Nat\u00fcrlich m\u00f6ge ein jeder Musiker das tun, was ihm Spa\u00df macht, und wie auch der Rest dieser Liste ist meine Aversion gegen manches eine sehr pers\u00f6nliche Auffassung von dem, was gute und weniger gute Musik ausmacht.</p>\n<p>Ich mache jedenfalls bei folgenden diesj\u00e4hrigen Musikalben und EPs aus:</p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Caravan \u2013 Paradise Filter</span><br>\nDie wohl langlebigste Gruppe aus dem Canterbury-Umfeld ist immer noch da. Allm\u00e4hlich frage ich mich nur, wof\u00fcr das gut ist.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Empire Years \u2013 Come Alive</span><br>\n<a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/postpunk-aus-dem-pott-rettet-meinen-tag-empire-years-come-alive/\&quot;" data-wpel-link="internal">Kostet (auf Wunsch) nichts</a> und w\u00e4re wirklich eine ziemlich primae Postpunkscheibe, wenn man nicht st\u00e4ndig diesen schrecklichen <span class=\"musik-review-bandname\">Unheilig</span>-Ged\u00e4chtnisgesang im Ohr h\u00e4tte.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Pharrell Williams \u2013 G.I.R.L.</span><br>\nWarum One-Hit-Wunder \u2013 \u201eHappy\u201c macht mich gar nicht mehr fr\u00f6hlich \u2013 immer ganze Alben aufnehmen m\u00fcssen, ist mir unklar. Man wei\u00df doch, wie es endet.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Melodic \u2013 Effra Parade</span><br>\nHier ist beinahe alles drauf, was auf Alben von <span class=\"musik-review-bandname\">Belle and Sebastian</span> zu h\u00f6ren ist, leider jedoch nichts von dem, was auf Alben von <span class=\"musik-review-bandname\">Belle and Sebastian</span> h\u00f6renswert ist.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Kaukasus \u2013 I</span><br>\nDies w\u00e4re gro\u00dfartiger Retro-Folk-Prog von Mitgliedern von <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4nglag\u00e5rd</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Opium</span>, wenn der Gitarrist nicht auch versuchen w\u00fcrde zu singen. Sehr schade.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Yes \u2013 Heaven &amp; Earth</span><br>\nNach dem <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">eigentlich recht guten</a> \u201eFly from Here\u201c von 2011 legen die guten alten <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> mit schon wieder neuem S\u00e4nger jetzt eine unglaubliche Schei\u00dfe vor. <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Squire</span> sagte im \u201eeclipsed\u201c-Interview, ihr Ziel seien die weltweiten Hitparaden. Nun denn.</li>\n</ul>\n<p>Aber genug von heute. Wie war\u2019s gestern?</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">5.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Aus der Geschichte</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n1974 \u2013 <span class=\"musik-review-bandname\">Erich K\u00e4stner</span> starb, die <span class=\"musik-review-bandname\">Jackson Five</span> erklommen gerade die US-amerikanische und <span class=\"musik-review-bandname\">Suzi Quatro</span> die deutsche Hitparade \u2013 war ein Jahr der letzten Male f\u00fcr den Progressive Rock. In Deutschland bewegten sich <span class=\"musik-review-bandname\">Grobschnitt</span> mit ihrem zweiten Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Ballermann</span>, insbesondere mit dem enthaltenen Liveklassiker \u201eSolar Music\u201c, auf den H\u00f6hepunkt ihrer Karriere zu, <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> ver\u00f6ffentlichten mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Red</span> und <span class=\"musik-review-album-titel\">Starless and Bible Black</span> zwei ihrer besten Studioalben, bevor sie sich \u2013 nicht zum letzten Mal \u2013 vorerst trennten. Auch bei den Canterbury-Urgesteinen <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span>, die ihren Bassisten <span class=\"musik-review-bandname\">John Perry</span> durch <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Wedgwood</span> ersetzten, und den RIO/Avant-Pionieren <span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span> gab es \u00c4nderungen: Mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Unrest</span> erschien das letzte regul\u00e4re <span class=\"musik-review-bandname\">Henry-Cow</span>-Album mit <span class=\"musik-review-bandname\">John Greaves</span>; nach dem anschlie\u00dfenden Zusammenschluss mit <span class=\"musik-review-bandname\">Slapp Happy</span> verlie\u00df der Bassist die Band, die sich 1978 schlie\u00dflich aufl\u00f6ste. <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, deren Keyboarder <span class=\"musik-review-bandname\">Rick Wakeman</span> es einmal solo versuchen wollte, konnten den Personalwechsel besser verkraften, liehen sich <span class=\"musik-review-bandname\">Patrick Moraz</span> von <span class=\"musik-review-bandname\">Refugee</span> aus und nahmen das f\u00fcr ihre Verh\u00e4ltnisse recht raue, <em>spacige</em> Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Relayer</span> mit dem ausufernden \u201eThe Gates of Delirium\u201c, das lose auf <span class=\"musik-review-bandname\">Tolstois</span> \u201eKrieg und Frieden\u201c basiert, auf, das in meiner pers\u00f6nlichen <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-Bestenliste weit vor dem Konsensalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Close To The Edge</span> steht und einige gro\u00dfartige Textzeilen (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eCha cha cha / cha cha\u201c</span>, \u201eSound Chaser\u201c) f\u00fcr die Ewigkeit konservierte. <span class=\"musik-review-bandname\">Rick Wakeman</span> kehrte f\u00fcr das Folgealbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Going For The One</span> wieder zur\u00fcck, <span class=\"musik-review-album-titel\">Relayer</span> bleibt jedoch unverg\u00e4nglich. Das ist sehr nett von <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n1984 war keine Anleitung! Wof\u00fcr auch? Daf\u00fcr passierte viel zu viel: <span class=\"musik-review-bandname\">Richard von Weizs\u00e4cker</span> wurde Bundespr\u00e4sident, der Apple Macintosh wurde eingef\u00fchrt, <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> ver\u00f6ffentlichten mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Debil</span> \u2013 zuvor gab es bereits eine EP sowie das Minialbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Uns geht\u2019s prima\u2026</span> \u2013 ihr erstes, <span class=\"musik-review-bandname\">Die Toten Hosen</span> mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Unter falscher Flagge</span> ihr zweites Album. RIO hatte sich auch in dieses Jahr her\u00fcbergerettet: <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Cutler</span> von <span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span> machte mit <span class=\"musik-review-bandname\">Cassiber</span> weiter und nahm mit diesen das improvisierte, sympathisch schr\u00e4ge Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Beauty and the Beast</span> auf. <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> zerstreuten sich derweil nach <span class=\"musik-review-album-titel\">Three of a Perfect Pair</span> wieder einmal in alle Winde. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Red Hot Chili Peppers</span> ver\u00f6ffentlichten ihr Deb\u00fctalbum und <span class=\"musik-review-bandname\">Herbert Gr\u00f6nemeyer</span> das Mitgr\u00f6lalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">4630 Bochum</span> (\u201eAlkohol\u201c, \u201eFlugzeuge im Bauch\u201c). <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> brachten mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Merci</span> ein verzichtbares Album zu Geh\u00f6r, <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span> indes machten es besser: Dem Deb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Script for a jester\u2019s tear</span> lie\u00dfen die f\u00fcnf Briten, nachdem sie den etwas holprig spielenden Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Mick Pointer</span> ausgetauscht hatten, das kriegskritische <span class=\"musik-review-album-titel\">Fugazi</span> folgen, das zum Meilenstein des \u201eNeo-Progs\u201c wurde. Bis zu <a href="\&quot;https://www.youtube.com/watch?v=fK-viWbJd-E\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eKayleigh\u201c</a> war es dann aber leider nicht mehr weit.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eMan muss sich ganz sch\u00f6n einschr\u00e4nken, wenn Krieg ist\u201c</span> stellten <span class=\"musik-review-bandname\">Die Goldenen Zitronen</span> auf dem 1994 erschienenen <span class=\"musik-review-album-titel\">Das bi\u00dfchen Totschlag</span> lapidar fest. An Krieg mangelte es ja auch in diesem Jahr nicht, insbesondere in <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_in_Ruanda\&quot;" data-wpel-link="internal">Ruanda</a> wurde hart gek\u00e4mpft. Dazu passte das Album <span class=\"musik-review-album-titel\">The Downward Spiral</span> der <span class=\"musik-review-bandname\">Nine Inch Nails</span>, das vom \u201eRolling Stone\u201c zutreffend als <em>musikalische Existenzangst</em> beschrieben wurde, im Grunde ebenso gut wie <span class=\"musik-review-album-titel\">Definitely Maybe</span>, das Deb\u00fctalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Oasis</span>, von denen ich immer Kopfweh <em>krieg</em>. Heute hei\u00dft\u2019s immerhin \u201eNie wieder <span class=\"musik-review-bandname\">Oasis</span>\u201c, 1994 hingegen forderte die <span class=\"musik-review-bandname\">Erste Allgemeine Verunsicherung</span>: <span class=\"musik-review-album-titel\">Nie wieder Kunst</span>. Dessen ungeachtet nahmen die verr\u00fcckten Japaner <span class=\"musik-review-bandname\">K\u014denji Hyakkei</span> mit ihrem Deb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Hundred Sights of K\u014denji</span> Kunst zwar nicht auf\u2019s Korn, aber auf. Irgendwann im M\u00e4rz des Jahres l\u00f6sten sich <span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span> auf, ihr Frontmann <span class=\"musik-review-bandname\">Kurt Cobain</span> hatte aber nicht mehr viel davon. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eMe and my fucking gun\u201c</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Nine Inch Nails</span>, \u201eBig Man With A Gun\u201c) \u2013 so f\u00fcgt sich alles zusammen.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span><br>\n\u00c4hnlich, wie 1974 ein Jahr der letzten Male war, war 2004 ein Jahr der Anf\u00e4nge. <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Zuckerberg</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Dustin Moskovitz</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Hughes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Eduardo Saverin</span> gr\u00fcndeten Facebook, ein paar Vereinsmeier gr\u00fcndeten Wikimedia Deutschland, selbstbetitelte Deb\u00fctalben gab es unter Anderem von <span class=\"musik-review-bandname\">BIO</span>, dem Kammer-Jazzrock-Quartett <span class=\"musik-review-bandname\">Far Corner</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilsons</span> ungez\u00e4hltem Nebenprojekt <span class=\"musik-review-bandname\">Blackfield</span> (mit <span class=\"musik-review-bandname\">Aviv Geffen</span>) und der Schweizer Stoner-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Monkey3</span>. 2004 belebte im \u00dcbrigen <span class=\"musik-review-bandname\">Graham Sutton</span> die Band <span class=\"musik-review-bandname\">Bark Psychosis</span>, die nach der Ver\u00f6ffentlichung ihres Deb\u00fctalbums <span class=\"musik-review-album-titel\">HEX</span> zehn Jahre zuvor auseinandergebrochen war, wieder. F\u00fcr das Album <span class=\"musik-review-album-titel\">///CODENAME:dustsucker</span> holte er neben dem Urmitglied <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Simnett</span> (Schlagzeug) auch viele Gastmusiker ins Studio, mit denen <span class=\"musik-review-bandname\">Bark Psychosis</span> zum Teil bereits fr\u00fcher zusammengearbeitet hatten, darunter <span class=\"musik-review-bandname\">Lee Harris</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">.O.rang</span>). Das Ergebnis hat es unter Anderem in die Liste der \u201e250 besten unbekannten Platten\u201c im \u201eMusikexpress\u201c (aktuelle Ausgabe) geschafft, kann sich aber auch sonst <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=4728&amp;content=review&amp;top=reviews\&quot;" data-wpel-link="internal">h\u00f6ren lassen:</a> \u201eEine wunderbare Scheibe\u201c f\u00fcr Freunde von <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Hollis\u2018</span> Musik liege hier vor, Postrock von seiner zerbrechlichen Seite. Seit 2005 haben <span class=\"musik-review-bandname\">Bark Psychosis</span> allerdings nur wenig Aktivit\u00e4t gezeigt. Ich hoffe, sie kommen zur\u00fcck.</li>\n</ul>\n<p>Dass sich seit Ende Juni noch einige weitere Musikalben angesammelt haben, die ich hier nicht ber\u00fccksichtigt habe, spricht daf\u00fcr, dass es im Dezember mit einer weiteren R\u00fcckschau weitergehen wird. Kritik, Anmerkungen und Erg\u00e4nzungen sind willkommen.</p>\n<p>Bis dann!</p>\n<p><em>(F\u00fcr S.)</em></p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Anonym schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">20. Juli 2014</a> dies: Gef\u00e4llt mir.</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2014 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">27. Februar 2015</a> dies: [\u2026] manchmal: Russen. iamthemorning sind f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Leser inzwischen alte Bekannte, erst im Juli 2014 war \u201eMiscellany\u201d als Kurzzeitalbum eine Empfehlung wert. Ich k\u00fcndigte zu diesem Anlass [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/142987aab4ba4d62bdb4fac4dae30e7a\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 13 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickHuch, schon Mitte Juli! H\u00e4ttet ihr mir nicht was sagen k\u00f6nnen?\nEin halbes Jahr ist l\u00e4ngst vorbei, und ihr wisst, was das bedeutet: Hier gibt\u2019s Musik satt \u2013 alles, was bis Ende Juni so in meiner Bestenliste gelandet ist \u2013 zu lesen. Entgegen der \u00f6ffentlichen Meinung ist die Nummerierung allerdings willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt. Ranglisten sind Firlefanz.\nAuch diesmal sind mehrere Musikalben, die eine Erw\u00e4hnung verdient haben, bereits an anderer Stelle gew\u00fcrdigt worden, so dass ich mich darauf beschr\u00e4nken m\u00f6chte, Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything von Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra und 64 von Last Remaining Pinnacle an dieser Stelle unbedingt auch noch mal empfohlen zu haben. Aus der Wertung f\u00e4llt im \u00dcbrigen auch der als solcher allerdings hervorragende Sampler 2014 der h\u00f6renswerten Her Name Is Calla. Ein nennenswertes Jubil\u00e4um folgt erst 2015, dann ist die Hillbilly-Band Skillet Lickers, momentan mit Enkel und Urenkel ihres Gr\u00fcnders Gid Tanner, seit 90 Jahren im Gesch\u00e4ft.\nWie \u00fcblich besteht diese R\u00fcckschau aus mehreren Teilen, nach einer \u00dcbersicht \u00fcber die Kaufbefehle f\u00fcr den Herbst wird es auch wieder ein paar Reinf\u00e4lle, aber auch einen Griff in die Musikgeschichte geben. Ich freue mich jetzt schon darauf.\nViel Vergn\u00fcgen!\n1. Ins T\u00f6pfchen\n\nMogwai \u2013 Rave Tapes\n\u201eAnd thanks for all this / Trying to listen / Remembering a kill.\u201c (Blues Hour)\nNach dem Soundtrack zu \u201eLes Revenants\u201c im Vorjahr legen Mogwai 2014 mit \u201eRave Tapes\u201c schon wieder ein neues Studioalbum \u2013 ihr siebtes \u2013 vor. Diese Schotten geizen nicht.\nMogwai erfinden sich immer wieder neu, ohne dabei wie viele ihrer Mitstreiter irgendwann ihren Markenkern aufzugeben. Dabei lassen sie sich immer wieder etwas Neues einfallen. Nein, keine Sorge; trotz des Namens wird hier kein Love-Parade-Unfug gecovert.\nGespielt wird stattdessen weiterhin hochqualitativer Postrock vorwiegend instrumentaler Natur, lediglich in \u201eRepelish\u201c und \u201eBlues Hour\u201c sind Texte zu h\u00f6ren, mal gesprochen, mal gar gesungen; \u201eBlues Hour\u201c erinnert den geneigten Rezensenten nicht nur deswegen an die viel zu fr\u00fch zerstreuten Aereogramme. Mogwai waren schon immer gro\u00df darin, ihr stilistisches Repertoire subtil zu erweitern.\nDass Mogwais Kompositionen immer k\u00fcrzer zu werden scheinen und auch auf \u201eRave Tapes\u201c kein neues \u201eMogwai Fear Satan\u201c oder \u201eStereodee\u201c zu h\u00f6ren ist, sei hier auch mal geschenkt. Die Kunst, in kurzer Zeit ohne Worte viel zu erz\u00e4hlen, beherrschen Mogwai immer noch vorz\u00fcglich, obwohl die angeschlagenen T\u00f6ne doch leiser geworden sind. W\u00e4hrend die Genrekollegen von A Silver Mt. Zion immer ausschweifender werden, breiten Mogwai ihre Klangfl\u00e4chen stattdessen einfach auf immer gr\u00f6\u00dferen Leinw\u00e4nden aus. Das wirkt im Kopf und verschwendet keine Zeit. Wie sch\u00f6n.\nH\u00f6rproben:\nAuf YouTube gibt es unter Anderem gute Liveversionen von \u201eRemurdered\u201c und \u201eBlues Hour\u201c (letztere allerdings mit unangenehm wackeligem Kamerabild), Freunde von Streamingdiensten werden bei WiMP, Grooveshark sowie auszugsweise auf Amazon.de f\u00fcndig.\nKarokh \u2013 Karokh\nIch sch\u00e4tze Musikgruppen, die direkt mit denen, die ihren output konsumieren, kommunizieren, sehr.\nNeben echolyn geh\u00f6ren auch Karokh \u2013 nicht mit der afghanischen Stadt Karukh zu verwechseln \u2013 aus Oslo zu denen, die offenbar gelegentlich Twitter nach Relevantem durchsuchen; meine Empfehlung des Liedes \u201eFlowers Every Day\u201c entging ihnen jedenfalls nicht.\nDass Karokh erst seit 2010 existieren, verschafft ihnen die angenehme Freiheit, noch keine Erwartungen erf\u00fcllen zu m\u00fcssen. Vielleicht auch deshalb \u00fcberraschen sie mich positiv: Neue Bands, die irgendwas mit Jazz machen, schaffen es selten, ein durchweg starkes Album zu pr\u00e4sentieren. Dass ein St\u00fcck auf dem Album \u201eSurf Decadence (Ooh Ooh)\u201c hei\u00dft, sollte niemanden abschrecken (oder vielleicht absichtlich doch); auf \u201eKarokh\u201c von Karokh gibt es andererseits immerhin auch ein St\u00fcck namens \u201eKarokh\u201c.\n\u201eIrgendwas mit Jazz\u201c ist wahrscheinlich eine ziemlich pr\u00e4zise Genreschubladisierung f\u00fcr \u201eKarokh\u201c. Ich finde Schubladen ja prinzipiell zu unpr\u00e4zise. So auch diesmal:\n(\u2026) Karokh bieten vielschichtige und intelligente Kompositionen, die auch bei anf\u00e4nglicher Abneigung mehrere Anl\u00e4ufe verdienen. (\u2026) Obwohl Karokh, von der Trompete abgesehen, generell mit Rock-typischer Instrumentierung agieren, die neben Gesang aus Gitarre, Bass und Schlagzeug besteht, sind auch zwei Synthesizer Teil des Line-Ups. Diese gl\u00e4nzen ebenfalls mit subtilem Einfluss \u2013 es gibt zum Gl\u00fcck keine kitschigen Horror-Synth-Linien. Vielmehr st\u00fctzen die Synthesizer die Stimmung der Songs, steuern untypische Kl\u00e4nge bei, oder tragen auch mal mit einem Retro-Solo (Surf Decadence) zum Repertoire bei.\nUntypisch ist auch Ina Sagstuens Gesang, der mal im Vordergrund steht, mal (\u201eOnce More No Bear\u201c) sich wie ein weiteres Instrument im Geflecht einf\u00fcgt. Frau Sagstuen s\u00e4uselt (\u201eInto The Wild\u201c), singt und st\u00f6hnt sich durch die bisweilen geradezu abgefahrene Musik, die ihre sechs Bandkollegen ihr kredenzen, dass es eine wahre Wonne ist.\n\u201eGenre: /alternative/rock/\u201c ist auf einer der Internetpr\u00e4senzen von Karokh zu lesen, und wenn das Rock ist, so will ich fortan Kevin hei\u00dfen. Nein, Karokh steuern treffsicher an jeder Stilschublade vorbei, und auch, wenn eine Trompete allein noch keine gro\u00dfe Kunst erschafft (auch die seltsamen Touch and Go hatten ihren bislang gr\u00f6\u00dften Erfolg ja mit einer solchen), bleibt unbestritten, dass man hier guten Gewissens die Theorie begraben und sich ganz auf das Geh\u00f6rte einlassen sollte. Eyal Hareuveni nannte \u201eKarokh\u201c ein \u201eh\u00f6chst beeindruckendes Deb\u00fctalbum mit einer bemerkenswerten S\u00e4ngerin\u201c. Ich finde das untertrieben. Ganz, ganz gro\u00df.\nH\u00f6rproben:\n\u201eFlowers Every Day\u201c ist ebenso auf YouTube zu finden wie \u201eInto The Wild\u201c. Auf Amazon.de gibt es \u201eKarokh\u201c leider nur in der MP3-Fassung, der Streamingdienst WiMP zumindest auch in HiFi-Qualit\u00e4t.\nDawn \u2013 Darker\n\u201eI\u2019m cool.\u201c (Cold)\nNichts passiert. Oder doch?\nDas aktuelle Album \u201eDarker\u201c des Schweizer Quartetts Dawn beginnt mit leisen Orgelt\u00f6nen. \u201eYesterday\u2019s Sorry\u201c, das Er\u00f6ffnungsst\u00fcck, l\u00e4sst sich Zeit zur Entfaltung. Nach etwa einer Minute setzt kingcrimsonesques Spiel (entweder haben sich die vier Herren ein Mellotron zugelegt oder Nicolas Gerber ist ein wahrer Keyboardvirtuose) im Stil derer ersten beiden Alben, erg\u00e4nzt durch Starcastle-Keyboards, ein.\nZugegeben: Neu ist das alles nicht. Marillion-Fans mag der lockere Retro-Prog von Dawn bekannt vorkommen, wir Freunde des Progressive Rocks wissen auch den gelegentlich (etwa in \u201eCold\u201c) hohen Gesang von Ren\u00e9 Degoumois zu sch\u00e4tzen.\nAber an Abwechslung soll es nicht mangeln \u2013 von King Crimson (insbesondere \u201eCold\u201c) aus geht die Reise noch weiter. F\u00e4llt mir im Instrumentalst\u00fcck \u201eLullabies for Gutterflies\u201c noch das Penguin Cafe Orchestra ein, so sind im mehrteiligen Neunzehnmin\u00fcter \u201e8945\u201c Pink Floyds \u201eEchoes\u201c nicht weit: Auf einen pinkfloydesquen Anfangsteil mit affektiertem Gesang folgt ein tr\u00e4umerischer Gitarrensolopart, in den nach einer Weile die anderen Instrumente einstimmen, unterbrochen durch den Refrain. Nach einem viel zu kurzen postrockigen Zwischenspiel nach etwa zehn Minuten wird vom Keyboard wiederum das Thema vom Anfang aufgegriffen.\n\u201e8945\u201c endet schlie\u00dflich in einem furiosen Finale mit Climax, die im Progressive Rock ja durchaus \u00fcblich ist, aber hier besonders gut passt: Am 9. August 1945 wurde die Atombombe \u201eFat Boy\u201c \u00fcber Nagasaki gez\u00fcndet, wovon in \u201e8945\u201c gelegentlich ein Sprecher erz\u00e4hlt; wie man so liest, wurde das St\u00fcck nach diesem Ereignis benannt. Zum Gl\u00fcck gibt es keine Toten.\nDas Album \u201eDarker\u201c hingegen ist eine Bombe. Ihr solltet euch das nicht entgehen lassen.\nH\u00f6rproben:\nAnspielen und kaufen l\u00e4sst sich \u201eDarker\u201c auf Amazon.de, die einschl\u00e4gigen Streamingdienste sind zurzeit (Stand: 8. Juli 2014), wie so oft, eher ratlos.\nDescend \u2013 Wither\n\u201eI am fear, wielder of the black darkness.\u201c (Confined by Evil)\nKommen wir zu fr\u00f6hlicheren Dingen: Metal. \\m/\nDescend stammen aus Schweden und haben im Januar 2014 mit \u201eWither\u201c ihr zweites Studioalbum rausgebracht, auf dem sie dem Progressive Metal mit allerlei Mathrockspielereien fr\u00f6nen. Das ist zwar alles schon mal dagewesen, aber selten wirklich beachtlich gut; auf \u201eWither\u201c allerdings schon.\nF\u00fcr das Album haben sie sich ein bisschen Zeit gelassen, aufgenommen wurde es bereits 2012. Progressive Death Metal (Quelle: Internet) ist eben kein Zuckerschlecken.\nVergleiche gef\u00e4llig? Bittesehr:\nSo gibt es in \u201eThe Rancorous Paradigm\u201c erst heftigste Polyrhythmik zu h\u00f6ren, und anschlie\u00dfend werden die Strophe[n] und die Zwischenspiele mit geradezu hypnotischen Rhythmen und tr\u00e4umerischen Harmonien unterlegt. Letzteres Stilmittel wird auch in \u201eDiabolic\u201c bedient, wohingegen, \u201eSeverance\u201c l\u00e4dt zwischenzeitlich, wenn nicht gerade mal wieder Raserei (\u2026) angesagt ist, immer wieder mal zum gen\u00fcsslichen Abz\u00e4hlen der Taktzahlen ein[.] Drauf gekommen? Richtig, auf \u201eWither\u201c halten auch Djent und Math Einzug in den Stil von Descend. Und tats\u00e4chlich f\u00fcgen sich diese Komponenten bestens ins bisherige Bild ein \u2013 was zwar nicht \u00fcberraschen sollte, aber eine konkrete Verbindung aus Opeth und kreativen Meshuggah-Epigonen ist mir bislang noch nicht untergekommen.\nMeshuggah beschrieb ich 2012 als eine Musikgruppe, die wenig dezent agiert, verglichen mit Descend allerdings sind sie geradezu filigran.\nAnders gesagt: Descend hauen auf die Kacke. Klotzen statt Kleckern. Von Stakkatorhythmen \u00fcber Liedtitel wie \u201eFrom Grace to Grave\u201c bis hin zu genretypischem growling ist alles dabei. Aber die Achterbahn steigt nicht nur hinab, sondern f\u00e4hrt auch mal bergauf, und w\u00e4hrend Christoph Meul dem \u201eSanft-heftig-sanft-heftig-Schema\u201c (ebd.) nicht viel abgewinnen kann, bereiten sie mir als einem Liebhaber gepflegten, auch mal h\u00e4rteren Postrocks hingegen Freude, geben sie dem ansonsten dunklen \u201eWither\u201c doch ein paar sch\u00f6ne Farbtupfer. Oder ist Hellschwarz gar keine Farbe?\nMusik zum Abreagieren. Gar nicht mal schlecht!\nH\u00f6rproben:\nW\u00e4hrend Amazon.de 30-sek\u00fcndig herumschnipselt, ist zumindest WiMP zu einer Komplettvorschau f\u00e4hig. Ein vollst\u00e4ndiges Konzert von 2012, auf dem auch \u201eConfined by Evil\u201c gespielt wurde, hat YouTube im Repertoire.\nHoly Mountain \u2013 Ancient Astronauts\nHeilig\u2019s Blechle (beziehungsweise: heiliger Berg), ausgerechnet die \u201eIntro\u201c hat mir da was Sch\u00f6nes vorgespielt:\nHoly Mountain reisen mit Psychedelic Rock durchs All. Der Klang der Band aus Glasgow l\u00e4sst sich grob im \u00e4u\u00dferen Grenzbereich von Hawkwind oder Black Sabbath verorten, lieb\u00e4ugelt jedoch auch mit Art Rock und Jazz.\nJazz? Mein Stichwort! Aufmerksame Leser haben m\u00f6glicherweise bemerkt, dass sich mein musikalischer Schwerpunkt in den letzten Jahren ein wenig verschoben hat. Eine sporadische Leserin meiner Texte lie\u00df sich unl\u00e4ngst zu der Bemerkung hinrei\u00dfen, sie hasse Jazz, und vielleicht ist \u201eAncient Astronauts\u201c das ideale Album f\u00fcr sie, denn so jazzig ist\u2019s eigentlich gar nicht; ich h\u00f6re discodrogentauglichen Space-/Stoner-Rock mit klasse Rhythmik und einer Gitarrenarbeit, die auch andere Rezensenten beeindruckt:\nHoly Mountain have a rough-hewn but artisan\u2019s skill in one enduring musical product: fashioning thunking great slabs of riffage.\nSeitens des Trios wird gerifft, dass es eine wahre Freude ist, von Colour Haze \u00fcber Deep Purple bis zu, ja, Black Sabbath reichen die Assoziationen des begeisterten H\u00f6rers. Gesang gibt es auch, der aber mit seiner Verzerrtheit wahrscheinlich gar nicht so wichtig ist, weil\u2019s auf \u201eAncient Astronauts\u201c inklusive dem Titelst\u00fcck um den Kopfnickeffekt und nicht nur um tiefgr\u00fcndige Lyrik geht.\nNein, \u201eAncient Astronauts\u201c hat einen anderen Schwerpunkt. Feiermusik f\u00fcr Stoner. Und, liebe Leser und H\u00f6rer, darin sind sie wirklich gut. Gute Reise!\nH\u00f6rproben:\nW\u00e4hrend Amazon.de wieder einmal 30 Sekunden f\u00fcr aussagekr\u00e4ftig h\u00e4lt, h\u00e4lt immerhin WiMP die Langversion des Albums vorr\u00e4tig.\nLena Bloch Quartet \u2013 Feathery\nDamit ihr nicht aus der \u00dcbung kommt, noch mal etwas Jazz.\nLena Bloch ist eine russische Saxophonistin, die nach ihrer Auswanderung 1990 durch Europa und Amerika reiste, um den Jazz zu lernen, und das nicht ohne Erfolg.\nSchon 1994 gewann sie den \u201eOutstanding Performance Award\u201c (also den \u201eHervorstechender-Auftritt-Preis\u201c), 1999 erwarb sie als Proteg\u00e9 von Keith Copeland und John Marshall an der Hochschule f\u00fcr Musik und Tanz in K\u00f6ln das K\u00fcnstlerdiplom \u201emit Lob\u201c (cum laude). Bis 2006 lernte sie ihr Handwerk noch bei vielen weiteren bekannten Jazzmusikern. Die Theorie also ist ihr keinesfalls fremd.\nUnd die Praxis? So mancher Festivalbesucher sollte Frau Blochs Schaffen bereits selbst geh\u00f6rt haben, sei es w\u00e4hrend der  Leverkusener oder Ingolst\u00e4dter Jazztage 2001, sei es w\u00e4hrend der \u201eTemple Of The Arts Jazz Festivals\u201c der letzten paar Jahre. So weit die Eckdaten.\nAuf ihrem diesj\u00e4hrigen Album \u201eFeathery\u201c hat sie sich neben ihrem Tenorsaxophon auch weitere Musiker zugelegt, namentlich Dave Miller (Gitarre), Cameron Brown (Bass) und Billy Mintz (Schlagzeug). Letztere beiden er\u00f6ffnen das erste St\u00fcck \u201eHi-Lee\u201c (am Ende des Albums als \u201eHi-Lee (reprise)\u201c fortgesetzt) mit einem sehr angenehmen Duett, bevor Saxophon und einzelne Gitarrent\u00f6ne in den Rhythmus einsteigen und ein ziemlich luftiges Jazzst\u00fcck formen. \u201eHi-Lee\u201c ist Lee Konitz, Freund und Mentor von Lena Bloch, gewidmet, und w\u00e4re ich Lee Konitz, so err\u00f6tete ich angeh\u00f6rs des St\u00fccks.\nAm songwriting (ein f\u00fcrchterlicher Begriff, denn gesungen wird hier ebenso wenig wie es sich um leichte Liedchen handelt) waren alle vier Musiker beteiligt: Die \u00fcber elfmin\u00fctige \u201eBaby Suite\u201c stammt von Cameron Brown, dessen Bass die Einleitung des St\u00fccks dominiert, das allm\u00e4hlich an Fahrt gewinnt und schlie\u00dflich mal freif\u00f6rmig, mal strukturiert schon durch das Schlagzeug einen groove entwickelt, den man im \u201emodernen Jazz\u201c abseits der Jazzrock- und Zeuhlpfade so immer noch viel zu selten zu h\u00f6ren bekommt. In \u201eRubato\u201c ist sein Komponist Dave Miller h\u00e4ufiger zu h\u00f6ren, im musikalischen Liebesbrief \u201eBeautiful You\u201c jedoch nicht Billy Mintz, der mit diesem Titel bereits 2004 von sich reden machte; Schlagzeug und nat\u00fcrlich Saxophon sind auf \u201eFeathery\u201c ohnehin allgegenw\u00e4rtig.\nDass es sich bei \u201eFeathery\u201c eigentlich um ein Deb\u00fctalbum handelt, was Lena Bloch doch bislang nur als Mitmusikerin in Erscheinung getreten, schm\u00e4lert die Qualit\u00e4t nicht. Alle vier Instrumentalisten wissen, was sie tun, sie verzichten auf Effekthascherei oder Anbiederung. \u201eFeathery\u201c macht Spa\u00df und entspannt. Wohlf\u00fchljazz ohne auff\u00e4lligen Makel. Toll!\nH\u00f6rproben:\nWer sich nicht mit den halbmin\u00fctigen Ausschnitten auf Amazon.com zufriedengeben m\u00f6chte, der kann \u201eFeathery\u201c momentan (Stand: 12. Juli 2014) auf ThirteenthNoteRecords.com in voller L\u00e4nge h\u00f6ren.\nKamchatka \u2013 The Search Goes On\n\u201eNo more lost, tired and lonely / no more begging please\u201c (Tango Decadence)\nApropos Opeth, \u00fcbrigens.\nIn den sp\u00e4ten 1990-er Jahren war auch ich \u2013 wie viele Menschen meines Alters \u2013 dem Punk von Bands wie Bad Religion und The Offspring gegen\u00fcber noch aufgeschlossener als heute. Irgendwann verlor diese Szene f\u00fcr mich allerdings deutlich an Reiz und ich wandte mich anderen Besch\u00e4ftigungen als dem Versuch, beim Rauchen cool auszusehen und die passende Musik zu h\u00f6ren, zu, wirklich gefallen hatte es mir ja sowieso nie.\nWas ich am Punk allerdings zu sch\u00e4tzen wusste, war die Angewohnheit, die Gitarre zu misshandeln. Das Laute, Schnelle, Hektische ist es auch, das ich bis heute interessant finde; und so begann meine Entdeckungsreise in die Welt der singenden Gitarren weitgehend unauff\u00e4llig, f\u00fchrte mich aber inzwischen zum Stoner Rock, Bluesrock und Postrock und wieder zur\u00fcck.\nInsofern versetzt mich \u201eThe Search Goes On\u201c von Kamchatka in Entz\u00fccken. Das schwedische Trio Kamchatka \u2013 wie die Insel \u2013 spielt auch auf seinem f\u00fcnften Studioalbum \u201eThe Search Goes On\u201c einen ziemlich erdigen, ziemlich guten Bluesrock. Und, tats\u00e4chlich, die Gitarre singt im Duett mit ihrem Besitzer Thomas Andersson vortreffliche Liedlein.\nDie Suche geht weiter. Wonach wird gesucht? Vielleicht nach den Wurzeln, gr\u00e4bt man doch tief in den sp\u00e4ten 1960-er und fr\u00fchen 1970-er Jahren nach seinen Quellen. Dazu w\u00fcrde zumindest das cover passen, das einige sinkende Taucher zeigt. Gelegentliche Anleihen am Stoner Rock (\u201eThank You For Your Time\u201c) sind f\u00fcr das hier Dargebotene jedenfalls eine Bereicherung, Vergleichen mit Deep Purple halten die drei haarigen Herren \u2013 Per Wiberg, ehemals unter Anderem bei Opeth, hat inzwischen Roger \u00d6jersson am Bass abgel\u00f6st \u2013 problemlos stand.\nAnders gesagt:\nEin echtes 70ies-Groove\u2019n\u2019Roll-Monster was das Trio Kamchatka da auf CD haben pressen lassen!\nEntfesselt das Monster! Keine Angst, es wartet nicht unter eurem Bett, es will nur spielen; n\u00e4mlich h\u00f6renswerte Rockmusik mit Pfeffer. Guten Appetit!\nH\u00f6rproben:\nZu \u201eTango Decadence\u201c gibt es ein Musikvideo. Wem ein kurzer Ausschnitt reicht, der m\u00f6ge die anderen St\u00fccke auf Amazon.de probeh\u00f6ren, andersartige Interessenten k\u00f6nnen zum Beispiel zu WiMP greifen.\nEND \u2013 People of the Stream\u2019s Mouth\n\u201eDon\u2019t waste your days and focus now, then the future should be bright\u201c (Tightrope Walkers on the Run)\nNico findet\u2019s gut, und auch Peter lobpries die Schweizer END bereits im M\u00e4rz:\nCooler Breitwand-Pop, geschmackvoller Alternative-Rock, \u201cPeople of the Stream\u2019s Mouth\u201d ist eine Wundert\u00fcte prickelnder Ideen, handwerklich hervorragend umgesetzt und von hohen Unterhaltungswert. (\u2026) End, das sind flirrende Gitarren, Melodien satt, mehrstimmiger Gesang und Ideen f\u00fcr eine ganze Handvoll respektabler Deb\u00fcts. Gutes Album, meine Herren, weitermachen.\nDa kann nat\u00fcrlich auch ich nicht widerstehen und h\u00f6re mal rein; und mein str\u00f6mender Mund steht staunend offen: Was da nicht alles drinsteckt! Die unvermeidlichen Beatles, klar, aber auch: Oasis und allerlei \u201eIndie-Rock\u201c, was auch immer man darunter im Einzelfall verstehen m\u00f6chte.\nAuf \u201ePeople of the Stream\u2019s Mouth\u201c passiert zumindest eine Menge, was man von anderen Vertretern dieser Sparte nicht unbedingt behaupten sollte. Allein schon das St\u00fcck \u201eAlaska\u201c ist atmosph\u00e4risch unglaublich dicht, gleichzeitig beklemmend und befreiend wie auch das zugeh\u00f6rige Video. Sonst so? Placebo-Poprock (\u201eAdrift\u201c), Folkrock (\u201eDisconnected\u201c), fetziges Gitarrendurcheinander (\u201eTightrope Walkers on the Run\u201c), sch\u00f6ne Bassrhythmen (\u201eIn Amber\u201c), Weltraumkeyboards (\u201eLevitate\u201c, wie passend!).\nMankos? Schwierig. Ich \u00e4u\u00dferte an anderer Stelle, der Gesang sei etwas nervig, aber Luca Daniels (Mikrofon und Gitarre) Einsatz ist eigentlich gar nicht mal schlecht. Gelegentlich erinnert mich das alles an Placebo, m\u00f6glicherweise hat das Abwehrreflexe hervorgerufen. END, das sind Placebo ohne Kopfschmerzen und aus der Schweiz. Ein pr\u00e4chtiges Land.\nWof\u00fcr der Bandname END steht, wei\u00df ich \u00fcbrigens nicht. Am Ende ist das aber wahrscheinlich auch nicht wichtig.\nH\u00f6rproben:\nDas Album ist momentan (13. Juli 2014) per SoundCloud in ganzer L\u00e4nge h\u00f6rbar, auf YouTube gibt es schicke Videos zu \u201eAdrift\u201c und weiteren Liedern.\nPixies \u2013 Indie Cindy\n\u201eGive me the pow-wow, give me the hexe!\u201c (Blue Eyed Hexe)\nWer \u00fcbrigens auch immer noch da ist, sind die Pixies, die schon in den 1980-er Jahren ziemlich aufgedreht haben.\nSeit ihrer j\u00fcngsten Reformation im Jahr 2004 hat die beeindruckende Bassistin und S\u00e4ngerin Kim Deal die Pixies leider verlassen, ihr Ersatz Kim Shattuck von den Muffs sprang nur vor\u00fcbergehend ein (sie ist auf \u201eIndie Cindy\u201c zu h\u00f6ren) und wurde noch im gleichen Jahr wieder gefeuert; seit Ende 2013 ist die Argentinierin Paz Lenchantin die Frau am Bass.\nUnd eigentlich fehlt auch nichts, die Pixies klingen immer noch frisch wie damals, Charles Thompsons Alter Ego Black Francis hat von seiner Energie nur wenig eingeb\u00fc\u00dft. Mit \u201eWhat Goes Boom\u201c beginnt \u201eIndie Cindy\u201c standesgem\u00e4\u00df mit kr\u00e4ftiger Gitarre, die Rhythmusgruppe tritt mit Schmackes voll in die Eisen, w\u00e4hrend ihr Frontmann gewohnt mehrdeutige Texte rezitiert. Der Refrain \u2013 wie einst \u201eDebaser\u201c oder \u201eHey\u201c \u2013 ist einpr\u00e4gsam:\nMake\nSome\nRoom\nWhat\nGoes\nBoom\nKann man sich merken, kann man auch zu fortgeschrittener Stunde noch mitbr\u00fcllen. H\u00f6chst erfreulich f\u00fcr uns, die wir es bisweilen ja doch auf die frontale Breitseite der Pixies abgesehen haben und leise T\u00f6ne gar nicht erst erwarten.\nDabei k\u00f6nnen sie auch anders: Nick Cave &amp; The Bad Seeds kommen \u2013 w\u00e4re da nicht der schlimme Weezer-Ged\u00e4chtnisrefrain \u2013 im Titelst\u00fcck in den Sinn, an wen mich das superbe \u201eBagboy\u201c, das zun\u00e4chst auf der \u201eEP1\u201c als erstes St\u00fcck nach Kim Deals Weggang ver\u00f6ffentlicht wurde, mit seinem Wechselgesang (cover your breath, polish your speech!) erinnert, wei\u00df ich nicht; vielleicht am Ehesten noch an die Pixies selbst. Sie zu covern sei schwierig, hei\u00dft es, und auch im Jahr 2014 stellen die Pixies wieder unter Beweis, was (neben obskuren Liedtiteln wie \u201eBlue-Eyed Hexe\u201c) wir eigentlich an ihnen haben.\nDas ist vor allem eine Menge Spa\u00df.\nH\u00f6rproben:\nEin annehmbares Livevideo zu \u201eWhat Goes Boom\u201c gibt es auf YouTube, ein Musikvideo zu \u201eBagboy\u201c auf Vimeo zu sehen. Auf Amazon.de k\u00f6nnt ihr \u201eIndie Cindy\u201c als Doppelvinyl mit CD kaufen und drei\u00dfigsek\u00fcndig reinh\u00f6ren, per WiMP und Grooveshark auch in voller L\u00e4nge.\nCarla Bozulich \u2013 Boy\n\u201eWhy do you think that I sing about these things that I do?\u201c (Ain\u2019t No Grave)\nIn Progressive-Rock-Kreisen sind zwei Carlas mittlerweile weltbekannt: Die US-amerikanische Violinistin Carla Kihlstedt arbeitete schon mit John Zorn und Fred Frith zusammen, regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Rezensionen kennen auch ihr Projekt The Book of Knots, deren Album \u201eTraineater\u201c ich 2011 lobend hervorhob.\nAuf \u201eTraineater\u201c ist die andere Carla am Mikrofon zu h\u00f6ren: Carla Bozulich, erstmals im Umfeld von Sleepytime Gorilla Museum aufgetaucht und seitdem mit diversen Musikgruppen wie etwa ihrer eigenen Band Evangelista zugange, hat mit \u201eBoy\u201c nach einigen Jahren wieder einmal ein Soloalbum unter ihrem eigenen Namen aufgenommen. Solo? Nun ja, zu h\u00f6ren sind neben Frau Bozulich ein Schlagzeuger, ein Keyboarder und ein Hintergrundchor, aber alle Beteiligten waren offenbar damit einverstanden, ihren Namen nicht prominent auf das Album drucken zu lassen.\nDie Musik von Evangelista wagte schon immer den Spagat zwischen Zerbrechlichkeit und Aggression, sie ist sanft und zugleich rau. Mit \u201eBoy\u201c pflegt Carla Bozulich ihren gewohnten Stil weiter. M\u00fcsste ich Vergleiche bem\u00fchen, ich w\u00e4hlte \u201eTom Waits in weiblich\u201c, was beiden K\u00fcnstlern gegen\u00fcber zutiefst unfair w\u00e4re, weshalb ich dankbar bin, dass das gar nicht n\u00f6tig ist.\nZumal Frau Bozulich auch wesentlich zur\u00fcckhaltender musiziert, die Aggression, die in Tom Waits\u2018 Schaffen immer wieder hervorscheint, fehlt hier. Das er\u00f6ffnende \u201eAin\u2019t No Grave\u201c, das die dezente Avantgarde von Evangelista erahnen l\u00e4sst, ist noch eins der h\u00e4rteren St\u00fccke, aber es bleibt still. In der Ruhe liegt die Kraft; die dann auch \u201eDeeper Than The Well\u201c und \u201eOne Hard Man\u201c ausstrahlen, w\u00e4hrend eine Gitarre und allerlei Elektronisches begleitend scheppern. Die Bad Seeds treffen auf broken.heart.collector und lassen Gwen Stefani auch mal singen. Kammerprog, Jazzpop. Genres sind f\u00fcr\u2019n Arsch.\nEgal, wie m\u00f6rderisch die Texte sind (\u201eI\u2019m gonna stop killing today, make better use of my hands\u201c, in: \u201eGonna Stop Killing\u201c), Carla Bozulich bleibt gelassen. Be\u00e4ngstigend und deshalb faszinierend. \u201eBoy\u201c sei ihr \u201ePopalbum\u201c, behauptet das Beiheft zur CD. Ich habe Pop viel schlimmer in Erinnerung. \u2013 Erw\u00e4hnte ich, dass ich den Gesang mag?\nH\u00f6rproben:\nAmazon. WiMP. Grooveshark. V\u00f6llig egal. Live? \u201eOne Hard Man\u201c. Noch verr\u00fcckter als auf dem Album, stilecht mit Kerzenlicht. H\u00f6rbefehl!\nClosure In Moscow \u2013 Pink Lemonade\n\u201eDo you know you\u2019re a lovely old soul?\u201c (Seeds of Gold)\nMit \u201ePink Lemonade\u201c \u2013 dieser Name! \u2013 schlie\u00dflich legen die Australier Closure In Moscow \u2013 dieser Name! \u2013 eines der abwechslungsreichsten Musikalben der ersten Jahresh\u00e4lfte vor.\nGepr\u00e4gt ist das Album von einer Zerrissenheit, die auch RIO/Avant-Bands wie Sebkha-Chott auszeichnet, obwohl Closure In Moscow weniger albern agieren und auch einen deutlich geringeren Metalanteil haben. Mehr noch als Sebkha-Chott kommen dem geneigten Rezensenten allerdings die guten alten Mr. Bungle in den Sinn, die ihrerzeit musikalische Sp\u00e4\u00dfe wie \u201eEgg\u201c und \u201eGirls of Porn\u201c aufnahmen.\nZwar haben Closure in Moscow keinen Mike Patton als S\u00e4nger, dennoch schaffen sie es, mit insgesamt sechs Gasts\u00e4ngern (deren Beitrag dann auch schon mal als \u201eVocals and general adorableness\u201c beschrieben wird) ziemlich nennenswerte Leistungen zu vollbringen. Dass sich die Vertracktheit von \u201ePink Lemonade\u201c hinter Wohlklang verbirgt, steht au\u00dfer Frage, und dass Titel wie \u201eMauerbauertraurigkeit\u201c (sic!) genau so klingen, wie sie hei\u00dfen, ist h\u00f6chst willkommen; dann steht eben schon mal das Indie-Rock-Pop-Lied \u201eSeeds of Gold\u201c neben der Psychedelic-Suite \u201eThat Brahmatron Song\u201c. Na und?\n\u201eThat Brahmatron Song\u201c (was genau ein Brahmatron sein soll, konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen) ist ohnehin ein gutes Beispiel, wie\u2019s auch gehen kann: Nach einem weitgehend unauff\u00e4lligen intro folgt zun\u00e4chst ein Alternative-Rock-Teil, in dem der \u201eBrahmatron Song\u201c als nicht g\u00f6ttlich, eher satanisch beschrieben wird. Brahma, der hinduistische Sch\u00f6pfungsgott, ist wahrscheinlich also nicht beteiligt. Das St\u00fcck geht zum Ende hin in ein ziemlich psychedelisches, \u00fcberdrehtes Finale \u00fcber.\nAch, \u00fcberdreht? Schalten wir mal zwei St\u00fccke zur\u00fcck: \u201eNeoprene Byzantine\u201c klingt wie von einer noch breiteren Version von The Mars Volta, und auch das Titelst\u00fcck schl\u00e4gt in diese Kerbe. Unterschiede? Es gibt mehr S\u00e4nger beiderlei Geschlechts, mehr Psychedelisches, mehr Effekte, mehr Spa\u00df. Mir waren The Mars Volta immer etwas zu hektisch, Closure In Moscow dosieren ihre Mittel hingegen genau richtig. Massenware ist \u201ePink Lemonade\u201c nicht, eher im Gegenteil:\nWer sich etwas Ungew\u00f6hnliches, teilweise abgefahren Proggiges antun m\u00f6chte, der sollte mal Closure in Moscow antesten.\nEinfach mal was ausprobieren. Schlie\u00dfung in Moskau, Tanz auf den Tischen.\n\u201e\u30d4\u30f3\u30af\u30ec\u30e2\u30cd\u30fc\u30c9\u201c, so hei\u00dft das letzte Lied, ist \u00fcbrigens Japanisch und bedeutet so viel wie \u2013 ihr ahnt es \u2013 rosa Limonade. Prost!\nH\u00f6rproben:\nZu \u201eSeeds of Gold\u201c gibt es ein Video auf YouTube, zum Anfixen mag\u2019s gen\u00fcgen.\n\n2. In K\u00fcrze\nWar das schon alles? Aber nein! Diese drei Alben m\u00f6chte ich zumindest noch kurz erw\u00e4hnen, bevor es zum n\u00e4chsten Thema geht:\n\nSubway to Sally \u2013 Mitgift\nDie ostdeutsche Mittelalter-Metal-Combo Subway to Sally, die ab Mitte der 1990-er Jahre ein paar (im Wortsinne) fabelhafte Musikalben aufgenommen hat, bevor sie es vor\u00fcbergehend mit mehr Elektronik und weniger Authentizit\u00e4t versucht hatte, hat mit dem Konzeptalbum \u201eMitgift\u201c \u2013 Untertitel: \u201eM\u00f6rdergeschichten\u201c \u2013 zu alter Form und St\u00e4rke zur\u00fcckgefunden. \u201eWas uns einst von Gott gegeben, wird uns auch der Tod nicht nehmen\u201c (\u201eSchwarze Seide\u201c). Bitters\u00fc\u00df und wunderbar.\niamthemorning \u2013 Miscellany\nDas russische Duo iamthemorning \u2013 jedenfalls behauptet das Internet, sie seien im Kern zu zweit \u2013 ist f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Rezensionen ein bekanntes, sein Album \u201e~\u201c fand ich 2013 ja wortreich gut. Nun also statt eines kryptischen Titels ein ebenfalls nicht zielf\u00fchrender. \u201eMiscellany\u201c, \u201eVermischtes\u201c. P\u00fcnktlich am 1. Januar 2014 erschien diese EP von etwas \u00fcber 23 Minuten Spieldauer in Vorbereitung auf das zweite Vollzeitalbum, das ich dann mal in meinem schier grenzenlosen Optimismus noch in diesem Jahr erwarte. Zu h\u00f6ren gibt es \u00fcberwiegend sch\u00f6nen unplugged-Kammerrock mit vielerlei Streichern und umwerfendem Gesang (Vorder- und Hintergrund) von Marjana Semkina. Es gibt auch einen Stream. Augen zu und hinein!\nWe Insist! \u2013 We Insist!\nEin Album, das wie die Band hei\u00dft. Ausdruck mangelnder Kreativit\u00e4t? Manchmal schon, aber auf We Insist! trifft das nicht zu. Saxophonist Fran\u00e7ois Wong und zweiter Gitarrist Julien Divisia sind weg, zur\u00fcck bleibt ein Trio mit zwei Gasts\u00e4ngern und einem Gastakkordeonisten. Rudiment\u00e4r musizieren die Herren dennoch nicht, schon das er\u00f6ffnende \u201eWhile the West is Falling\u201c \u00fcberf\u00e4llt den H\u00f6rer mit fetzigem Mathrock und einer angenehmen Dosis RIO/Avant, \u201eFirst Draft\u201c \u00fcberzeugt mit nach vorn preschenden Strophen und einem zerrissenen Rhythmus, der jedes stupide Mitklatschen quasi verbietet. \u201eGrinding Down The Pole\u201c klingt sogar mit einem Banjo dreckig. Mathrock, wie er sein muss. Ich mag die Richtung, in die sich die Band entwickelt. Reinh\u00f6ren!\n\n3. Ins Downloadverzeichnis\n\nTacita Intesa \u2013 Tacita Intesa\nAuch Italien wei\u00df in diesem Jahr zu \u00fcberzeugen: Tacita Intesa (\u201eStillschweigendes Einverst\u00e4ndnis\u201c) aus der Toskana legen zwei Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung mit ihrem Deb\u00fctalbum ein kurzweiliges Psychedelic-Rock-Werk vor, das den Spuren von Pink Floyd und Genesis bleibt, gleichwohl mehr bietet als eine blo\u00dfe Kopie.\nDer \u201eValzer della Morte\u201c ist tats\u00e4chlich ein solcher, im kurzen \u201ePortmanteau\u201c klingt (sanft) Hardrock an, \u201eCorona\u201c ist ein floydeskes St\u00fcck, dem Daniele Stocchi (Keyboards und Synthesizer) ebenso markant seinen Stempel aufdr\u00fcckt wie auch dem Rest des Albums. Der (nat\u00fcrlich italienische) Gesang von Gitarrist und S\u00e4nger Alessandro Granelli rundet \u201eTacita Intesa\u201c ab.\n\u201eTacita Intesa\u201c ist ein sehr italienisches Album, und ich meine das positiv: Zwar orientiert es sich wie viele italienische Musikalben der letzten Jahre mitunter stark am klassischen Progressive Rock, aber die f\u00fcnf Musiker tragen \u00fcber das blo\u00dfe Nachahmen hinaus eine Spielfreude mit sich, die beinahe ansteckend ist. Ich bin gespannt, was da noch kommt.\nRunterholen:\n\u201eTacita Intesa\u201c gibt es auf Bandcamp.com als Stream und zum Herunterladen und Kaufen, aber auch via eMule werdet ihr f\u00fcndig.\n\n4. Ins Kr\u00f6pfchen\nEs ist nicht alles rund, was sich dreht, und wenn die Medien etwas gut finden, dann haben sie nur allzu oft Unrecht. Platten anhand ihrer Bewertungen auf Amazon.de zu kaufen. Ein neues Jahr, ein neues \u201eh\u00e4ttet ihr mal lieber nicht\u201c. Nat\u00fcrlich m\u00f6ge ein jeder Musiker das tun, was ihm Spa\u00df macht, und wie auch der Rest dieser Liste ist meine Aversion gegen manches eine sehr pers\u00f6nliche Auffassung von dem, was gute und weniger gute Musik ausmacht.\nIch mache jedenfalls bei folgenden diesj\u00e4hrigen Musikalben und EPs aus:\n\nCaravan \u2013 Paradise Filter\nDie wohl langlebigste Gruppe aus dem Canterbury-Umfeld ist immer noch da. Allm\u00e4hlich frage ich mich nur, wof\u00fcr das gut ist.\nEmpire Years \u2013 Come Alive\nKostet (auf Wunsch) nichts und w\u00e4re wirklich eine ziemlich primae Postpunkscheibe, wenn man nicht st\u00e4ndig diesen schrecklichen Unheilig-Ged\u00e4chtnisgesang im Ohr h\u00e4tte.\nPharrell Williams \u2013 G.I.R.L.\nWarum One-Hit-Wunder \u2013 \u201eHappy\u201c macht mich gar nicht mehr fr\u00f6hlich \u2013 immer ganze Alben aufnehmen m\u00fcssen, ist mir unklar. Man wei\u00df doch, wie es endet.\nThe Melodic \u2013 Effra Parade\nHier ist beinahe alles drauf, was auf Alben von Belle and Sebastian zu h\u00f6ren ist, leider jedoch nichts von dem, was auf Alben von Belle and Sebastian h\u00f6renswert ist.\nKaukasus \u2013 I\nDies w\u00e4re gro\u00dfartiger Retro-Folk-Prog von Mitgliedern von \u00c4nglag\u00e5rd, Motorpsycho und Opium, wenn der Gitarrist nicht auch versuchen w\u00fcrde zu singen. Sehr schade.\nYes \u2013 Heaven &amp; Earth\nNach dem eigentlich recht guten \u201eFly from Here\u201c von 2011 legen die guten alten Yes mit schon wieder neuem S\u00e4nger jetzt eine unglaubliche Schei\u00dfe vor. Chris Squire sagte im \u201eeclipsed\u201c-Interview, ihr Ziel seien die weltweiten Hitparaden. Nun denn.\n\nAber genug von heute. Wie war\u2019s gestern?\n5. Aus der Geschichte\n\nVor 40 Jahren:\n1974 \u2013 Erich K\u00e4stner starb, die Jackson Five erklommen gerade die US-amerikanische und Suzi Quatro die deutsche Hitparade \u2013 war ein Jahr der letzten Male f\u00fcr den Progressive Rock. In Deutschland bewegten sich Grobschnitt mit ihrem zweiten Album Ballermann, insbesondere mit dem enthaltenen Liveklassiker \u201eSolar Music\u201c, auf den H\u00f6hepunkt ihrer Karriere zu, King Crimson ver\u00f6ffentlichten mit Red und Starless and Bible Black zwei ihrer besten Studioalben, bevor sie sich \u2013 nicht zum letzten Mal \u2013 vorerst trennten. Auch bei den Canterbury-Urgesteinen Caravan, die ihren Bassisten John Perry durch Mike Wedgwood ersetzten, und den RIO/Avant-Pionieren Henry Cow gab es \u00c4nderungen: Mit Unrest erschien das letzte regul\u00e4re Henry-Cow-Album mit John Greaves; nach dem anschlie\u00dfenden Zusammenschluss mit Slapp Happy verlie\u00df der Bassist die Band, die sich 1978 schlie\u00dflich aufl\u00f6ste. Yes, deren Keyboarder Rick Wakeman es einmal solo versuchen wollte, konnten den Personalwechsel besser verkraften, liehen sich Patrick Moraz von Refugee aus und nahmen das f\u00fcr ihre Verh\u00e4ltnisse recht raue, spacige Album Relayer mit dem ausufernden \u201eThe Gates of Delirium\u201c, das lose auf Tolstois \u201eKrieg und Frieden\u201c basiert, auf, das in meiner pers\u00f6nlichen Yes-Bestenliste weit vor dem Konsensalbum Close To The Edge steht und einige gro\u00dfartige Textzeilen (\u201eCha cha cha / cha cha\u201c, \u201eSound Chaser\u201c) f\u00fcr die Ewigkeit konservierte. Rick Wakeman kehrte f\u00fcr das Folgealbum Going For The One wieder zur\u00fcck, Relayer bleibt jedoch unverg\u00e4nglich. Das ist sehr nett von Yes.\nVor 30 Jahren:\n1984 war keine Anleitung! Wof\u00fcr auch? Daf\u00fcr passierte viel zu viel: Richard von Weizs\u00e4cker wurde Bundespr\u00e4sident, der Apple Macintosh wurde eingef\u00fchrt, Die \u00c4rzte ver\u00f6ffentlichten mit Debil \u2013 zuvor gab es bereits eine EP sowie das Minialbum Uns geht\u2019s prima\u2026 \u2013 ihr erstes, Die Toten Hosen mit Unter falscher Flagge ihr zweites Album. RIO hatte sich auch in dieses Jahr her\u00fcbergerettet: Chris Cutler von Henry Cow machte mit Cassiber weiter und nahm mit diesen das improvisierte, sympathisch schr\u00e4ge Album Beauty and the Beast auf. King Crimson zerstreuten sich derweil nach Three of a Perfect Pair wieder einmal in alle Winde. Die Red Hot Chili Peppers ver\u00f6ffentlichten ihr Deb\u00fctalbum und Herbert Gr\u00f6nemeyer das Mitgr\u00f6lalbum 4630 Bochum (\u201eAlkohol\u201c, \u201eFlugzeuge im Bauch\u201c). Magma brachten mit Merci ein verzichtbares Album zu Geh\u00f6r, Marillion indes machten es besser: Dem Deb\u00fctalbum Script for a jester\u2019s tear lie\u00dfen die f\u00fcnf Briten, nachdem sie den etwas holprig spielenden Schlagzeuger Mick Pointer ausgetauscht hatten, das kriegskritische Fugazi folgen, das zum Meilenstein des \u201eNeo-Progs\u201c wurde. Bis zu \u201eKayleigh\u201c war es dann aber leider nicht mehr weit.\nVor 20 Jahren:\n\u201eMan muss sich ganz sch\u00f6n einschr\u00e4nken, wenn Krieg ist\u201c stellten Die Goldenen Zitronen auf dem 1994 erschienenen Das bi\u00dfchen Totschlag lapidar fest. An Krieg mangelte es ja auch in diesem Jahr nicht, insbesondere in Ruanda wurde hart gek\u00e4mpft. Dazu passte das Album The Downward Spiral der Nine Inch Nails, das vom \u201eRolling Stone\u201c zutreffend als musikalische Existenzangst beschrieben wurde, im Grunde ebenso gut wie Definitely Maybe, das Deb\u00fctalbum von Oasis, von denen ich immer Kopfweh krieg. Heute hei\u00dft\u2019s immerhin \u201eNie wieder Oasis\u201c, 1994 hingegen forderte die Erste Allgemeine Verunsicherung: Nie wieder Kunst. Dessen ungeachtet nahmen die verr\u00fcckten Japaner K\u014denji Hyakkei mit ihrem Deb\u00fctalbum Hundred Sights of K\u014denji Kunst zwar nicht auf\u2019s Korn, aber auf. Irgendwann im M\u00e4rz des Jahres l\u00f6sten sich Nirvana auf, ihr Frontmann Kurt Cobain hatte aber nicht mehr viel davon. \u201eMe and my fucking gun\u201c (Nine Inch Nails, \u201eBig Man With A Gun\u201c) \u2013 so f\u00fcgt sich alles zusammen.\nVor 10 Jahren:\n\u00c4hnlich, wie 1974 ein Jahr der letzten Male war, war 2004 ein Jahr der Anf\u00e4nge. Mark Zuckerberg, Dustin Moskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin gr\u00fcndeten Facebook, ein paar Vereinsmeier gr\u00fcndeten Wikimedia Deutschland, selbstbetitelte Deb\u00fctalben gab es unter Anderem von BIO, dem Kammer-Jazzrock-Quartett Far Corner, Steven Wilsons ungez\u00e4hltem Nebenprojekt Blackfield (mit Aviv Geffen) und der Schweizer Stoner-Rock-Band Monkey3. 2004 belebte im \u00dcbrigen Graham Sutton die Band Bark Psychosis, die nach der Ver\u00f6ffentlichung ihres Deb\u00fctalbums HEX zehn Jahre zuvor auseinandergebrochen war, wieder. F\u00fcr das Album ///CODENAME:dustsucker holte er neben dem Urmitglied Mark Simnett (Schlagzeug) auch viele Gastmusiker ins Studio, mit denen Bark Psychosis zum Teil bereits fr\u00fcher zusammengearbeitet hatten, darunter Lee Harris (Talk Talk, .O.rang). Das Ergebnis hat es unter Anderem in die Liste der \u201e250 besten unbekannten Platten\u201c im \u201eMusikexpress\u201c (aktuelle Ausgabe) geschafft, kann sich aber auch sonst h\u00f6ren lassen: \u201eEine wunderbare Scheibe\u201c f\u00fcr Freunde von Mark Hollis\u2018 Musik liege hier vor, Postrock von seiner zerbrechlichen Seite. Seit 2005 haben Bark Psychosis allerdings nur wenig Aktivit\u00e4t gezeigt. Ich hoffe, sie kommen zur\u00fcck.\n\nDass sich seit Ende Juni noch einige weitere Musikalben angesammelt haben, die ich hier nicht ber\u00fccksichtigt habe, spricht daf\u00fcr, dass es im Dezember mit einer weiteren R\u00fcckschau weitergehen wird. Kritik, Anmerkungen und Erg\u00e4nzungen sind willkommen.\nBis dann!\n(F\u00fcr S.)\nKommentareAnonym schrob am 20. Juli 2014 dies: Gef\u00e4llt mir.Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2014 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 27. Februar 2015 dies: [\u2026] manchmal: Russen. iamthemorning sind f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Leser inzwischen alte Bekannte, erst im Juli 2014 war \u201eMiscellany\u201d als Kurzzeitalbum eine Empfehlung wert. Ich k\u00fcndigte zu diesem Anlass [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 12 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Aber hallo, werte Leser und Musikfreunde, da ist doch tats\u00e4chlich schon wieder Ende Dezember; Zeit also, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">wie zuletzt im Juni</a> die <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">musikalischen Perlen</span> aus dem gro\u00dfen Haufen an diesj\u00e4hrigen Ver\u00f6ffentlichungen herauszupicken. Die Guten ins T\u00f6pfchen, die Schlechten in die Vergessenheit.</p>\n<p><span id=\"more-8941\"></span>Keiner soll sagen, ich h\u00e4tte mir die Entscheidung \u00fcber die Aufnahme oder Nichtaufnahme in diese R\u00fcckschau leicht gemacht; tats\u00e4chlich haben es einige Musikalben nach Abw\u00e4gung der Argumente wider Erwarten nicht geschafft. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Wooden Shjips</span> etwa haben mit <span class=\"musik-review-album-titel\">Back To Land</span> <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">mal wieder</a> ein hervorragendes <span class=\"musik-review-bandname\">Velvet-Underground</span>-Ged\u00e4chtnisalbum ver\u00f6ffentlicht. Zwar gibt es stilistisch nichts Neues zu vermelden, weshalb eine separate Rezension hier blo\u00dfe Wiederholung bliebe; man mag\u2019s trotzdem m\u00f6gen. Schlechter wird es nicht. Das gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Zola Jesus</span>\u2018 Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Versions</span>, auf dem sie eigentlich nur streicherbewehrte (allerdings sehr gute) Varianten fr\u00fcherer Lieder aus ihrem \u0152uvre darbietet.</p>\n<p>Unschl\u00fcssig war ich mir bei <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span>s <span class=\"musik-review-album-titel\">Les Revenants Soundtrack</span>, das als \u201enicht regul\u00e4res Studioalbum\u201c eigentlich nicht in diese Liste geh\u00f6rt. Ich habe mich dazu entschlossen, das wie \u00fcblich solide, aber ungewohnt melancholische und herbsttaugliche Album (mit Gesang!) trotzdem mal unverbindlich zu empfehlen und dann nicht weiter darauf einzugehen. Um so mehr Platz bleibt f\u00fcr die anderen hervorragenden Alben im zweiten Teil meiner Jahresr\u00fcckschau.</p>\n<p>N\u00e4mlich diese:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">K\u00e4ufliche Begeisterung.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/ampledeed-a-is-for-ampledeed.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_ampledeed-a-is-for-ampledeed.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Ampledeed \u2013 A is for Ampledeed</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI hear a sound / from Underground\u201c</span> (Wanders and Wonders)\n<p>\u201eA steht f\u00fcr Apfel\u201c, so lernen\u2019s die Kinder angeblich in den USA, und viel weiter kommen sie dann nicht mehr, weil sie lieber Leute erschie\u00dfen gehen als in der Schule herumzusitzen. Dass die Amerikaner von <span class=\"musik-review-bandname\">Ampledeed</span> bei der Suche nach einem Bandnamen auch irgendwas mit \u201eA\u201c genommen haben, \u00fcberrascht insofern nicht. Wei\u00df der Geier, was ein \u201eAmpledeed\u201c sein soll. Die Besetzung auf \u201eA is for Ampledeed\u201c ist aber beachtenswert: Zweimal Keyboards (hiervon bekannt: <span class=\"musik-review-bandname\">Aaron Goldich</span>, vorher Mitglied der Retroprogband <span class=\"musik-review-bandname\">The Source</span>), dreimal Bass, zweimal Schlagzeug, Saxophon, Gitarre, Ukulele, mehrfach Gesang (personelle \u00dcberschneidungen sind teilweise gegeben).</p>\n<p>Musikalisch haben sie sich jedenfalls bei <em>den Briten</em> bedient, unter anderem (wie so viele vor ihnen) bei <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span>. Los geht es aber erst einmal mit k\u00e4sigen Keyboards und unsicher wirkendem Instrumentalgefrickel: \u201eWe Breathe Time\u201c ist ein vertracktes Progressive-Jazzrock-St\u00fcck, das den H\u00f6rer gleich von Anfang an zu \u00fcberfordern versucht. Vier Genres in acht Minuten, das macht etwa zwei Minuten pro Genre. Andere brauchen daf\u00fcr drei ganze Alben. Gesangspassagen beginnen ab etwa sechs Minuten Laufzeit. Relevante Vergleiche f\u00fcr besagten Gesang: <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> und die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span>. Ein bisschen artverwandt (aber weniger jazzig): <span class=\"musik-review-bandname\">The Season Standard</span> (k\u00f6nnt\u2018 ich auch mal wieder h\u00f6ren).</p>\n<p>\u201eSuper Collider Bromwich\u201c setzt mit canterburyesquem Gesang (schon wieder: <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span>) und <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=glossar&amp;glossar=b&amp;left=glossarnav&amp;glossarnav=b&amp;top=faq#114\&quot;" data-wpel-link="internal">bratzender</a> Gitarre ein, steigert sich dann aber zu einem pr\u00e4chtig verzwirbelten Jazzrock, in dem endlich auch mal die Keyboards ihrer eigentlichen Bestimmung zugef\u00fchrt werden. So \u00e4hnlich geht das Album dann auch weiter; m\u00e4andernd zwischen Jazz, Retro-Prog und Avantgarde darf jeder Musiker seine St\u00e4rken demonstrieren. (Einige St\u00fccke, etwa \u201eDrum Fuckin\u2018&nbsp;\u201c, sind auch in G\u00e4nze einem Soloinstrument gewidmet. Ratet mal, welchem!) Nils Macher von POWERMETAL.de <a href="\&quot;http://powermetal.de/review/review-Ampledeed/A_Is_For_Ampledeed,23323,23217.html\&quot;" data-wpel-link="internal">ist \u00fcberfordert</a>, was ja auch ein Qualit\u00e4tsmerkmal sein kann:</p>\n<blockquote><p>Allenfalls als kauzig lie\u00dfe sich der Mischmasch wohl noch klassifizieren, denn wie Gesang, Akkorde und Melodien bei Tracks wie \u201aBrown Hole Blues\u2018 gegeneinander laufen, das ist sicherlich nicht jedermanns Sache.</p></blockquote>\n<p>Meine schon.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren!</span> Daf\u00fcr bietet sich etwa <a href="\&quot;http://www.ampledeed.com/ampledeed_004.htm\&quot;" data-wpel-link="internal">die Website der Band</a> an.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/disperse-living-mirrors.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_disperse-living-mirrors.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Disperse \u2013 Living Mirrors</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThose days, this dream wants to sleep away\u201c</span> (Profane the Ground)\n<p>Was <span class=\"musik-review-bandname\">Dream Theater</span> (siehe Schrottecke weiter unten) dieses Jahr falsch gemacht haben, haben <span class=\"musik-review-bandname\">Disperse</span> um so richtiger gemacht. (Hyperlative \u2013 uff. Nicht, dass mich jetzt SPIEGEL ONLINE anwirbt.) Ich mag ja <em>eigentlich</em> keinen Metal, <em>aber\u2026</em></p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Disperse</span> (\u201eauseinandergehen\u201c), 2007 gegr\u00fcndet, kommen aus Polen, und wer andere rezente polnische Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">SBB</span> kennt, der wei\u00df, dass das jedenfalls im Musikgesch\u00e4ft oft mit hoher Qualit\u00e4t einhergeht. So auch hier. Gleich von Anfang an (\u201eDancing with Endless Love\u201c) prasselt die Gitarre auf den H\u00f6rer ein, dass es eine wahre Freude ist. M\u00fchelos bewegen sich <span class=\"musik-review-bandname\">Disperse</span> auf dem schmalen Grat zwischen (recht elektronischem) Progressive Metal und Postrock, zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Oceansize</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Fates Warning</span> quasi, ohne k\u00fcnstlich bombastisch zu wirken; auch <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> sind immer mal wieder pr\u00e4sent. Die langen Instrumentalpassagen sind rhythmisch-vertrackt und so eing\u00e4ngig zugleich, dass die Beine des freudigen Rezensenten sich weigern, den Takt zu verpassen. Gro\u00dfartig!</p>\n<p>H\u00e4lt mich also noch etwas von der Vergabe der H\u00f6chstnote f\u00fcr dieses Jahr ab? Aber sicher: Der Gesang von Keyboarder <span class=\"musik-review-bandname\">Rafal Biernacki</span> etwa ist, wohl genretypisch, wenig imposant und eher Beiwerk, st\u00f6rt aber auch nicht, was ja auch eine Art von Leistung ist. Andererseits geht\u2019s beim Progressive Metal ja auch eher um die Instrumente, und die sind ziemlich gut.</p>\n<p>Thomas Kohlru\u00df <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=13394\&quot;" data-wpel-link="internal">konstatierte</a>, <span class=\"musik-review-bandname\">Disperse</span> legten hier\u2026</p>\n<blockquote><p>(\u2026) ein Album voller kraftvollem, vertracktem, heftigem Mathrock, gepaart mit hinrei\u00dfenden Melodien und gelegentlich filigran-lyrischen Momenten vor. Der H\u00f6rer wird guten Ideen, gelungenen unorthodoxen Wendung <em>(sic! A.d.V.)</em> und allerlei eingestreuten Gimmicks verw\u00f6hnt.</p></blockquote>\n<p>Spannend bleibt es bis zur letzten Minute; St\u00fcck Nummer 13 (\u201eAUM\u201c, was immer das bedeuten mag) bietet ein letztes Mal ein gro\u00dfartiges Wechselspiel zwischen flirrender Gitarre und pr\u00e4gnantem Bass, bevor ein Keyboardteppich in einen <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine-Tree</span>-Teil \u00fcberleitet. (Weniger einschl\u00e4fernd als <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span>, der ansonsten hervorragende Arbeit leistet, singt <span class=\"musik-review-bandname\">Rafal Biernacki</span> \u00fcbrigens allemal.) Deren New Artrock, auf <span class=\"musik-review-bandname\">Disperse</span>s Deb\u00fctalbum \u201eJourney Through The Hidden Gardens\u201c noch eine von vielen Zutaten, ist auf \u201eLiving Mirrors\u201c allerdings nur noch wenig mehr als ein entfernter Einfluss. <span class=\"musik-review-bandname\">Disperse</span> haben sich mit \u201eLiving Mirrors\u201c freigeschwimmen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Das komplette Album steht auf <a href="\&quot;http://disperseband.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> zwecks Streamings zur Verf\u00fcgung.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/days-between-stations-in-extremis.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_days-between-stations-in-extremis.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Days Between Stations \u2013 In Extremis</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThere\u2019s no replacing what\u2019s been left behind / There\u2019s no returning to that place and time\u201c</span> (Visionary)\n<p>Das kalifornische Duo <span class=\"musik-review-bandname\">Days Between Stations</span>, einst instrumental unterwegs, hat sich f\u00fcr sein Zweitlingswerk \u201eIn Extremis\u201c prominente Unterst\u00fctzung an Bord geholt, die auch mal singen darf. Die bekanntesten Helfer sind <span class=\"musik-review-bandname\">Tony Levin</span> (von 1982 bis Mitte der 1990er Jahre bei <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>), <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Sherwood</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Banks</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Rick Wakeman</span> (allesamt zeitweise bei <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>). Dass \u201eIn Extremis\u201c in den Phasen, in denen <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Sherwood</span> singt, auch genau so klingt wie ein Album mit seiner Beteiligung (\u201eVisionary\u201c etwa k\u00f6nnte auch von <span class=\"musik-review-bandname\">Circa:</span> aufgenommen worden sein), bedeutet ausnahms- wie erstaunlicherweise nicht, dass er dem kompletten Album <em>seinen Stempel aufdr\u00fcckt</em>. Es spricht aber f\u00fcr sich, dass das St\u00fcck, in dem der Gesang irgendwie herausragend (<span class=\"musik-review-bandname\">petergabriel</span>esque) aus dem Kopfh\u00f6rer schallt, n\u00e4mlich \u201eThe Man Who Died Two Times\u201c, ausnahmsweise von <span class=\"musik-review-bandname\">Colin Moulding</span> (vorrangig bekannt als Teil von <span class=\"musik-review-bandname\">XTC</span>) intoniert wird.</p>\n<p>Von seinem Gesang abgesehen leistet <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Sherwood</span> hier allerdings zumindest am Schlagzeug gute Arbeit. Ist es nicht auff\u00e4llig, dass grunds\u00e4tzlich gute Schlagzeuger zumindest im weiteren Umfeld des Progressive Rocks meistens schauderhafte S\u00e4nger sind? Nun gut, deswegen sind sie wahrscheinlich Schlagzeuger und keine <em>Frontm\u00e4nner</em> geworden; in der vagen Hoffnung, dass das nicht so auff\u00e4llt. (<span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> hat es also, wie so vieles, v\u00f6llig falsch gemacht.) Aber genug des Gepl\u00e4nkels, kommen wir zur Musik.</p>\n<p>Um es auf Genrisch zu erkl\u00e4ren: Trotz des seltsamen Anfangs, der mich eher an das <span class=\"musik-review-bandname\">Trans-Siberian Orchestra</span> (oder irgendsoeinen Disco-Stampfer) erinnert, spielen <span class=\"musik-review-bandname\">Days Between Stations</span> eher einen recht gitarrenlastigen New Artrock als den immergleichen Neoprog, von dem wohl die meisten Leute inzwischen genug haben d\u00fcrften. Eher <span class=\"musik-review-bandname\">Pendragon</span> als <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span>, eher <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span> als <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Sepand Samzadeh</span>, der Gitarrist des Duos, bedient sich stilistisch an den <em>Gro\u00dfen</em>, laut <em>Internet</em> also mal an <span class=\"musik-review-bandname\">David Gilmour</span>, mal an <span class=\"musik-review-bandname\">Andrew Latimer</span>, und das ist ja auch nicht die schlechteste Referenz.</p>\n<p>Und immer wieder Stilwechsel: Die \u201ealten\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span>, <em>(nat\u00fcrlich)</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Circa:</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> geben sich hier die Klinke in die Hand, mit dem zweimin\u00fctigen \u201eWaltz In E Minor\u201c wird auch ein (deplatziert wirkendes) Streicherst\u00fcck dazwischengeschoben. Vier der acht St\u00fccke <em>knacken</em> die zehn Minuten, \u201eIn Extremis\u201c gar die zwanzig. Dieses St\u00fcck, unterteilt in sechs \u201eKapitel\u201c, wie es so Brauch ist, ist sozusagen die Quintessenz des Albums: <span class=\"musik-review-bandname\">King-Crimson</span>-, <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>- und <span class=\"musik-review-bandname\">Pink-Floyd</span>-Zitate treffen aufeinander, selbst <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span> werden (<a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Misplaced_Childhood\&quot;" data-wpel-link="internal">passenderweise</a> an einer Stelle, an der die Worte <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201echildhood\u2019s end\u201c</span> fallen) hier kurz ins Ged\u00e4chtnis gerufen. Garniert wird diese Mischung mit Neoprog-Keyboardkl\u00e4ngen. Ah, der Neoprog! So ganz weggehen will er dann doch nicht. Macht ja nichts.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Days Between Stations</span> gelingt im \u00dcbrigen das seltene Kunstst\u00fcck, zum Ende hin besser zu werden. Die fast 70 Minuten Laufzeit des Albums sind nur in der Mitte, in diesen <em><span class=\"musik-review-bandname\">Sherwood</span>-Momenten</em>, ein bisschen qu\u00e4lend. Andererseits: Es h\u00e4tte wahrscheinlich noch schlimmer kommen k\u00f6nnen.</p>\n<p>Bei der Suche nach <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> hilft <a href="\&quot;http://www.amazon.de/In-Extremis-Days-Between-Stations/dp/B00CJAA2MA/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> mit den \u00fcblichen kurzen Ausschnitten weiter.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/savages-silence-yourself.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_savages-silence-yourself.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Savages \u2013 Silence Yourself</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe world\u2019s a dead sorry hole\u201c</span> (Shut Up)\n<p>Sprachfetzen und Horrormusik (nein, kein Pop) leiten \u201eSilence Yourself\u201c ein, bis unvermittelt der Bass einsetzt. Oder hei\u00dft es die B\u00e4ssin? <span class=\"musik-review-bandname\">Savages</span> sind eine vierk\u00f6pfige Londoner <em>Post-Punk</em>-Band, die den Vorbildern aus den sp\u00e4ten 1970er und fr\u00fchen 1980er Jahren ziemlich gut nacheifert. Frauenquote: 100 Prozent. Na, das mag ja was werden. \u201eSilence Yourself\u201c, \u201everstumme dich selbst\u201c \u2013 wie zum Trotz tun die vier Frauen hier das Gegenteil.</p>\n<p>Die Texte jedenfalls sind vielversprechend: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">Don\u2019t worry about breaking my heart; oh Darling, are you free when you doubt?</span></p>\n<p>Wie damals in den 1980ern.</p>\n<p>Selbst die spie\u00dfige \u201etaz\u201c <a href="\&quot;http://www.taz.de/!116393/\&quot;" data-wpel-link="internal">findet\u2019s gut</a>:</p>\n<blockquote><p>Ihr Sound streift die \u00fcblichen Postpunk-Referenzquellen von <span class=\"musik-review-bandname\">Gang of Four</span> bis <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span> nur. Er verzichtet auf epigonale Posen und larmoyantes Selbstbedauern.</p>\n<p>Vielmehr aktualisieren <span class=\"musik-review-bandname\">Savages</span> die <em>angry young women</em> jener \u00c4ra. Sie erinnern an <span class=\"musik-review-bandname\">X\u2011Ray Spex</span>\u2019 \u201eOh Bondage Up Yours!\u201c, <span class=\"musik-review-bandname\">Poly Styrene</span>s w\u00fctende Anklage der m\u00e4nnerdominierten Gesellschaft. Oder an den d\u00fcster-metallenen Gothicpunk von <span class=\"musik-review-bandname\">Siouxsie &amp; The Banshees</span>.</p></blockquote>\n<p>\u201eStrife\u201c mit seiner Lo-Fi-Garagengitarre und dem klagenden Gesang von Frontfrau <span class=\"musik-review-bandname\">Jehnny Beth</span> fasst das Album eigentlich gut zusammen, aber warum sollte man sich auf ein einziges Lied beschr\u00e4nken? Zumal es auch die anderen St\u00fccke in sich haben. Wie \u201eHusbands\u201c gemeint ist (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">He sung the final hour of my sleep / oh God I wanna get rid of it / (\u2026) / my house, my bed, my husbands, husbands, husbands, (\u2026)</span>), w\u00fcrde mich zum Beispiel schon interessieren. Aber K\u00fcnstler verraten nicht, was sie meinen, wenn sie etwas sagen. Das w\u00e4re doch albern.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Entdeckt</span> \u201eSilence Yourself\u201c also unerkl\u00e4rt:<br>\nAuf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=cL7uHhCo4qw\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> kann man den Musikerinnen beim Spielen zusehen, auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Silence-Yourself-Savages/dp/B00BXSASB4/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> kurz reinh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/tomahawk-oddfellows.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_tomahawk-oddfellows.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Tomahawk \u2013 Oddfellows</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eAnd I\u2019ll shoot you off the range / Sell your daddy\u2019s grange\u201c</span> (White Hats/Black Hats)\n<p>Was macht eigentlich <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span> (umtriebiges Mitglied von <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Fant\u00f4mas</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Faith No More</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Peeping Tom</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">The Moonchild Trio</span> sowie Gasts\u00e4nger bei vielen, vielen anderen Musikgruppen und \u2011projekten) gerade so? Nun, im Jahr 2000 hat er zusammen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Duane Denison</span> (unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">The Jesus Lizard</span>) die Band <span class=\"musik-review-bandname\">Tomahawk</span> gegr\u00fcndet, mit der er Alben wie \u201eMit Gas\u201c (2003 ver\u00f6ffentlicht) aufnahm. Mit \u201eOddfellows\u201c erschien 2013 das mittlerweile vierte Studioalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">Tomahawk</span>; ob es wie \u00e4ltere Aufnahmen der Band irgendetwas mit Indianern zu tun hat, wei\u00df ich nicht.</p>\n<p>Die <a href="\&quot;http://ipecac.com/artists/tomahawk\&quot;" data-wpel-link="internal">Website der Plattenfirma</a> Ipecac Recordings weist darauf hin, dass \u201eOddfellows\u201c trotz \u00fcber f\u00fcnfj\u00e4hriger \u201ePause\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Tomahawk</span> keine Reunion bedeutet, \u201ees sei denn, das bringt mehr Geld\u201c (Zitat von ebendort), denn so richtig aufgel\u00f6st h\u00e4tten sich <span class=\"musik-review-bandname\">Tomahawk</span> ja nie. Dass es mit \u201eStone Letter\u201c auf \u201eOddfellows\u201c sogar eine Single gibt (wie bei so \u2019ner Popband), ist allerdings ein bisschen komisch.</p>\n<p>\u201eOddfellows\u201c ist andererseits auch wenig experimentell verglichen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Fant\u00f4mas</span>, <a href="\&quot;http://www.plattentests.de/rezi.php?show=10018\&quot;" data-wpel-link="internal">Maik Maerten</a> nennt es gar \u201eerstaunlich zahm\u201c; und f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span> mag das auch stimmen. Aber auch <span class=\"musik-review-bandname\">Trevor Dunn</span>, der regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner R\u00fcckschauen zuletzt zum Beispiel <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">auf \u2019nem <span class=\"musik-review-bandname\">Melvins</span>-Album</a> begegnet sein d\u00fcrfte, zeigt sich auf \u201eOddfellows\u201c \u00e4hnlich wandlungsf\u00e4hig. <a href="\&quot;http://powermetal.de/review/review-Tomahawk/Oddfellows,21828.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Mathias Freiesleben</a> geht ins Detail:</p>\n<blockquote><p>Ich hoffe nur, ich vergesse das Album in der Jahresr\u00fcckschau im Dezember 2013 nicht. Gefahr laufe ich da aber nicht, wenn ich an die sch\u00fcchternen Perle \u201aI.O.U.\u2018 oder den Neo-Jazz-Hauch \u201aRise Up Dirty Waters\u2018 denke. Das lauernde \u201aA Thousand Eyes\u2018 ist auch ein Hit, ein leiser, hatte ich vergessen zu erw\u00e4hnen. Mit  \u201aTyphoon\u2018 durch die sterbende Kleinstadt brettern \u2013 eine Lust!</p></blockquote>\n<p>Sonst so? <a href="\&quot;http://consequenceofsound.net/2013/01/album-review-tomahawk-oddfellows/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Nick Cave and the Bad Seeds</span></a>, <a href="\&quot;http://www.spin.com/reviews/tomahawk-oddfellows-ipecac/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Foo Fighters</span></a> und nat\u00fcrlich alles von <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span>. Nehm\u2018 ich.</p>\n<p>Nun fahre ich eher selten durch sterbende Kleinst\u00e4dte \u2013 vergessen haben m\u00f6chte aber auch ich \u201eOddfellows\u201c auf keinen Fall. Sch\u00f6n, dass das erledigt ist.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nReinh\u00f6ren k\u00f6nnt ihr auszugsweise <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Oddfellows-Tomahawk/dp/B00A7CP8XK/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a>, in voller L\u00e4nge beim Streaminganbieter eurer Wahl, zum Beispiel <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Oddfellows/8618902\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/bardo-pond-peace-on-venus.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_bardo-pond-peace-on-venus.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Bardo Pond \u2013 Peace on Venus</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI think it\u2019s gonna be different this time.\u201c</span> (Kali Yuga Blues)\n<p>In \u201emeiner\u201c Hochschule probt unter anderem gelegentlich eine Punkband, die unter anderem das doch recht bekannte Lied \u201eLemon Tree\u201c covert. Die engagierte S\u00e4ngerin scheint jedoch Angst vor dem Mikrofon zu haben und ihre eigene Stimme nicht sonderlich gern zu m\u00f6gen, allzu zaghaft l\u00e4sst sie ihr Stimmchen zu den dr\u00fcckenden Gitarren ert\u00f6nen. Zu rotzigem Br\u00fcllpunk passt das nicht, zu der Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Bardo Pond</span> allerdings durchaus.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Bardo Pond</span>? Merkw\u00fcrdiger Name! <em>Laut Internet</em> stammt \u201eBardo\u201c aus dem Tibetanischen Totenbuch, \u201ePond\u201c (\u201eTeich\u201c) wurde erg\u00e4nzt, weil es in dieser Verbindung <em>cool</em> klinge. Der \u201eBardo\u201c sei der Ort, an dem eine Seele nach dem Tod des K\u00f6rpers landet. Dabei ist die Musik auf ihrem inzwischen neunten Album \u201ePeace on Venus\u201c alles andere als tot. <span class=\"musik-review-bandname\">Bardo Pond</span> stammen im \u00dcbrigen aus Philadelphia. Was das \u00fcber Philadelphia aussagt, m\u00f6ge ein jeder Leser bitte selbst ergr\u00fcnden.</p>\n<p>Das Cover zieren schwarzwei\u00dfe nackte \u201eBlumenkinder\u201c. Wie klischeehaft. Wie treffend! Dargeboten wird verzerrter Garagenrock mit reichlich \u201eFuzz\u201c, Fl\u00f6te und angenehmen Amateurcharme. <span class=\"musik-review-bandname\">Crazy Horse</span> (die Band, nicht der Indianerh\u00e4uptling) lassen gr\u00fc\u00dfen. <span class=\"musik-review-bandname\">Isobel Sollenberger</span>s angenehm unaufdringlicher Gesang, der dem eingangs erw\u00e4hnter Punks\u00e4ngerin \u00e4hnelt, disharmoniert erfreulich angenehm mit dem psychedelischen Rhythmusfundament, dem \u201ewei\u00dfen Rauschen\u201c der Gitarren; und wohl wissend, dass die Schei\u00dfradiosender Musik wie diese sowieso nicht spielen, wird dann auch auf so etwas Langweiliges wie L\u00e4ngenbeschr\u00e4nkungen gepfiffen: \u201ePeace on Venus\u201c sind f\u00fcnf St\u00fccke zwischen fast f\u00fcnf und \u00fcber zehn Minuten. In der L\u00e4nge liegt die, \u00e4h, Musik.</p>\n<p>Eine stilistische Einordnung ist trotzdem nicht so einfach wie es scheint: <a href="\&quot;http://caughtinthecarousel.com/sustained-fuzz-stained-bardo-ponds-peace-venus/\&quot;" data-wpel-link="internal">Experimentell? Psychedelisch? Pop? Postrock?</a> Ach, diese Musikjournalisten immer. Wer Musik mag, der redet nicht dar\u00fcber, au\u00dfer man ist ich und empfiehlt gern Gutes zum H\u00f6ren.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.popmatters.com/review/176814-bardo-pond-peace-on-venus/\&quot;" data-wpel-link="internal">Rock\u2019n\u2019Roll sei nicht tot</a>, befindet <em>das Internet</em> angeh\u00f6rs dieses Albums. Ich bin geneigt, dem zuzustimmen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nSchaut einfach mal <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Peace-Venus-Bardo-Pond/dp/B00F5VQI64/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> vorbei.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/sons-of-kemet-burn.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_sons-of-kemet-burn.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sons of Kemet \u2013 Burn</span>\n<p>Ein Blick zur\u00fcck nach Gro\u00dfbritannien, von wo aus die <span class=\"musik-review-bandname\">Sons of Kemet</span> agieren. <a href="\&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Kemet_%28Altes_%C3%84gypten%29\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eKemet\u201c bedeutet <em>Schwarzes (Land)</em>, womit das fruchtbare Ackerland im Niltal und Nildelta gemeint ist.</a> Dass das Album \u201eBurn\u201c trotzdem \u201eBurn\u201c und nicht zum Beispiel \u201eMoisturize\u201c hei\u00dft, ist sicher nur ein Versehen.</p>\n<p>Das Dargebotene ist dann im \u00dcbrigen auch weit weniger antik als man annehmen k\u00f6nnte, obwohl <span class=\"musik-review-bandname\">Sons of Kemet</span> tats\u00e4chlich einem betagten \u201eGenre\u201c fr\u00f6nen, n\u00e4mlich dem Jazz. Musikfreunde wissen, dass Jazz eine komplexe Welt ist, und auch <span class=\"musik-review-bandname\">Sons of Kemet</span> tr\u00f6ten nicht lustlos wie der abertausendste <span class=\"musik-review-bandname\">Miles-Davis</span>-Kopist vor sich hin, sondern begehen ihre eigenen Wege. Das f\u00e4ngt schon bei der Besetzung an: Saxophon/Klarinette, Tuba und zwei Schlagzeuge. Kein Gesang. Die Tuba ist dann tats\u00e4chlich auch ein dominantes Instrument, mal im Vordergrund, mal als markanter Teil der Rhythmusgruppe. </p>\n<p>Das Ganze klingt etwas esoterisch, aber nicht st\u00f6rend. Die meisten der zehn St\u00fccke treiben hektisch voran, ihnen haftet der Charakter einer Liveimprovisation an. Nicht nur hier erkenne ich Parallelen zum \u201eDouble Trio\u201c aus fr\u00fcheren <span class=\"musik-review-bandname\">King-Crimson</span>-Tagen, das \u00e4hnliche Musik (wenn auch <em>rockiger</em>) auf B\u00fchnen und Tontr\u00e4ger brachte. Schon der <em>opener</em> \u201eAll Will Surely Burn\u201c bereitet den H\u00f6rer angemessen vor: W\u00e4hrend hallende Perkussion und Schlagzeug ert\u00f6nen, gesellen sich allm\u00e4hlich weitere Instrumente hinzu, ein eing\u00e4ngiger Tubarhythmus trifft auf mal wild umherflatternde, mal taktgetreue Einw\u00fcrfe von <span class=\"musik-review-bandname\">Shabaka Hutchings</span>, Vordenker der <span class=\"musik-review-bandname\">Sons of Kemet</span> und <a href="\&quot;http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/jazzfest/jazz13_programm/jazz13_veranstaltungsdetail_74467.php\&quot;" data-wpel-link="internal">umtriebiger Vertreter des Jazz</a>, sagt das Internet. Mein Lieblingsst\u00fcck auf \u201eBurn\u201c, das noch energischere \u201eThe Itis\u201c, ist mit gerade einmal 2:29 Minuten Laufzeit leider etwas kurz geraten.</p>\n<p>Auf \u201eBurn\u201c sind mit \u201eSong for Galeano\u201c, <span class=\"musik-review-bandname\">Eduardo Galeano</span> gewidmet, und \u201eThe Godfather\u201c auch zwei St\u00fccke zu finden, die der experimentell-rauen Seite der <span class=\"musik-review-bandname\">Sons of Kemet</span> eine ruhige Nuance hinzuf\u00fcgen, auch \u201eAdonia\u2019s Lullaby\u201c flie\u00dft vergleichsweise gem\u00e4chlich neben \u201eBeware\u201c, das seinen Namen nicht zu Unrecht tr\u00e4gt, her. Dass nicht gesungen wird, tut im \u00dcbrigen auch der Coverversion \u201eRivers of Babylon\u201c (im Original nur schwer und/oder betrunken zu ertragen) gut, die \u201eBurn\u201c beschlie\u00dft.</p>\n<p>Free Jazz mit Tuba k\u00f6nnt ihr euch wahrscheinlich jetzt ungef\u00e4hr so gut vorstellen wie ich, aber wof\u00fcr gibt es denn das Internet?</p>\n<p>Mit <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> haben die <span class=\"musik-review-bandname\">Sons of Kemet</span> <a href="\&quot;https://soundcloud.com/sons-of-kemet\&quot;" data-wpel-link="internal">SoundCloud</a> best\u00fcckt, <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Burn-Sons-Kemet/dp/B00D01CG58/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat nat\u00fcrlich auch was.</p>\n<p>Ihr solltet es auch bald haben.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/amplifier-echo-street.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_amplifier-echo-street.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Amplifier \u2013 Echo Street</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDriving at the wheel / there is a prisoner / upon a road of vainlessness / I\u2019m traveling without a rival\u201c</span> (The Wheel)\n<p>\u201eEcho Street\u201c, <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/blablabla-der-vergangenen-woche-google-reader-wird-ermordet-und-toller-psychedelic-rock/\&quot;" data-wpel-link="internal">anderswo</a> schon mal zum <em>Album der Woche</em> gek\u00fcrt, ist das (abz\u00fcglich der verschiedenen EPs) inzwischen vierte Studioalbum des britischen Alternative-Rock-Quartetts <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span>. Auf Echos wird verzichtet.</p>\n<p>Warum \u201eEcho Street\u201c, wenn doch schon <a href="\&quot;http://powermetal.de/news/news-AMPLIFIER_veroeffentlichen_Mystoria_im_Herbst_2012,29458.html\&quot;" data-wpel-link="internal">f\u00fcr Herbst 2012</a> das bis heute nicht erschienene \u201eMystoria\u201c angek\u00fcndigt war? Das \u00fcbliche Problem trat auf: <a href="\&quot;http://www.rockhard.de/megazine/heftarchiv/rh-312/interview/eine-riesige-leere-leinwand.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Das Geld ging aus.</a></p>\n<blockquote><p>Wir arbeiteten eigentlich an einem anderen Album namens \u201eMystoria\u201c, bei dem allerdings absehbar war, dass sie nicht rechtzeitig fertig werden w\u00fcrde[,] (\u2026) bevor uns das Geld ausgegangen w\u00e4re und wir nicht mehr die M\u00f6glichkeit gehabt h\u00e4tten, eine Platte rauszubringen. Als uns dies im August 2012 klar wurde, mussten wir aus dem Stand eine andere Scheibe aus dem Boden stampfen und diese aufnehmen und pressen lassen, solange noch Kohle vorhanden war.</p></blockquote>\n<p>Wie sich das f\u00fcr eine gute Musikgruppe, wie es <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span> nun mal ist, geh\u00f6rt, waren daf\u00fcr aber sowieso noch <a href="\&quot;http://www.whiskey-soda.de/popup_print.php?id=33149\&quot;" data-wpel-link="internal">St\u00fccke \u00fcbrig:</a></p>\n<blockquote><p>Das einzige was wir hatten, waren hunderte von Tonb\u00e4ndern aus unserer Anfangszeit. Das hat es f\u00fcr mich r\u00fcckwirkend echt gerechtfertigt, die ganzen Kassetten \u00fcberhaupt aufgehoben zu haben. Es war nur ein winziger Bruchteil des Archivs, was letztlich auf der Platte gelandet ist.</p></blockquote>\n<p>\u201eEcho Street\u201c ist also eigentlich keineswegs ein neues, sondern vielmehr eins von mehreren m\u00f6glichen \u201ealten\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span>-Alben. Dabei klingt \u201ealt\u201c schlimmer als es ist, gegr\u00fcndet wurde die Band ja erst 1999; was im Musikgesch\u00e4ft andererseits wiederum eine <em>halbe Ewigkeit</em> \u2013 wie auch immer das gehen soll \u2013 darstellt. Sch\u00f6ne, neue Welt. Schlecht sind die <em>ollen Kamellen</em> aber trotzdem nicht.</p>\n<p>Mit anschwellendem Klang beginnt \u201eMatmos\u201c, Stimme und unverzerrte Gitarre gesellen sich dazu. Sch\u00f6n, hat was von Psychedelic Rock. <em>Nanana na nana nana.</em> Die Stimmung, irgendwo zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Everlast</span> und intim wie dereinst <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span>, geht unter die Haut, noch bevor ein Text zu h\u00f6ren ist; der allerdings auch nicht schlecht ist: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eAnd hazy are all my memories / and take away from me the past / your deconstructed soul immortal / is thinking laughing gas thoughts.\u201c</span> \u201eMatmos\u201c ist nach einem Unheil bringenden See aus der Comicbuchreihe \u201eBarbarella\u201c benannt, die ich im \u00dcbrigen auch nicht kenne. Am Ende wird\u2019s rockig: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eFor the love that I found, I found\u201c (Wdh.)</span> Was kommt mir da in den Sinn? echolyn.</p>\n<p>Sonst so? \u201eThe Wheel\u201c, ein vergn\u00fcgliches Spacerockst\u00fcck, das <span class=\"musik-review-bandname\">beatles</span>que \u201eBetween Today and Yesterday\u201c, das new-artrockige \u201eEcho Street\u201c (<em>laut Internet</em> das \u00e4lteste jemals aufgenommene <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span>-Lied), am Ende der bassdominierte Rocker \u201eMary Rose\u201c, der den H\u00f6rer vergebens auf die Eruption warten l\u00e4sst \u2013 und dazwischen Gitarre und jede Menge Elektronik. Hervorragend!</p>\n<p>Das <em>Punk-Grunge</em>-Album \u201eMystoria\u201c soll nach derzeitigem Stand \u00fcbrigens nun endlich 2014 erscheinen. Wer bis dahin noch etwas mehr <span class=\"musik-review-bandname\">Amplifier</span> braucht, der m\u00f6ge den/die/das mit \u201eEcho Street\u201c zusammen erschienene EP <span class=\"musik-review-album-titel\">Sunriders</span> gleich hinterherh\u00f6ren. Gef\u00e4llt!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> haben <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Echo+Street/8829503\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a>, <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Echo-Street-Limited-Edition-Amplifier/dp/B00B1MSI5K/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und sonstwelche Seiten im Angebot. Sucht euch eine aus.</p></li>\n</ol>\n<p>F\u00fcr diejenigen von euch, die Musik lieber h\u00f6ren als allzu viel \u00fcber sie zu lesen, hatte ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">vor einem Jahr</a> die Rubrik \u201eprima Alben in einem Absatz zusammengefasst\u201c eingef\u00fchrt. Diese Rubrik wird auch 2013 fortgesetzt, schon deshalb, weil ich mal wieder nicht rechtzeitig mit Rezensieren fertig geworden bin. F\u00fcnf weitere Musikalben buhlen also im Folgenden um eure Aufmerksamkeit.</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Kurze Freuden.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">De Staat \u2013 I_Con</span>\n<p>\u201eI_Con\u201c f\u00fcgt <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/09/de-staat-ah-i-see/\&quot;" data-wpel-link="internal">dem bandeigenen Rock</a> einige interessante Nuancen hinzu, die sie aus der Rockschublade entfernen und dann sozusagen den ganzen Schrank neu zimmern. Der <span class=\"musik-review-bandname\">The-Strokes</span>-<em>touch</em> (wenn auch mit weniger \u201eLo-Fi\u201c) ist zwar kaum zu \u00fcberh\u00f6ren, aber auch <em>so Discomusik</em> wie damals in den 90-ern ist zu h\u00f6ren (\u201eMake Way For The Passenger\u201c). Und erinnert sich noch jemand an <span class=\"musik-review-bandname\">Pop Will Eat Itself</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Rage Against the Machine</span> oder die <span class=\"musik-review-bandname\">Beastie Boys</span>, an diese Melange aus Gitarren, Rap und <em>dance</em>? Sp\u00e4testens in \u201eDown Town\u201c kehrt die Erinnerung zur\u00fcck. <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span>? <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Con-Special-Edition-De-Staat/dp/B00DOQBWCC/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Hier entlang.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Sound of Contact \u2013 Dimensionaut</span>\n<p>In \u201eDimensionaut\u201c treffen fr\u00fche <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> (aus der Zeit vor \u201eFragile\u201c) auf sp\u00e4te (wenig experimentierfreudige) <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> und verm\u00e4hlen sich schlie\u00dflich mit dem Spacerock von <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span>. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>n\u00e4he ist vermutlich kein Zufall, ist doch Schlagzeuger und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Simon Collins</span> der \u00e4lteste Sohn des anderen, schlechteren Herrn <span class=\"musik-review-bandname\">Collins</span>. Das f\u00e4llt aber ansonsten zu meinem Entz\u00fccken kaum auf, wie zum Beispiel <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Dimensionaut-Sound-Contact/dp/B00CBW5UAU/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> zu h\u00f6ren ist.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Marnie Stern \u2013 The Chronicles of Marnia</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Marnie Stern</span> macht in den \u201eChroniken von Marnia\u201c das, was sie am Besten kann: Gitarre spielen und dazu seltsam singen. H\u00e4ufig klingt das wie die neueren St\u00fccke der ehemaligen <span class=\"musik-review-bandname\">The-Velvet-Underground</span>-Schlagzeugerin <span class=\"musik-review-bandname\">Moe Tucker</span>, manchmal auch nach den <span class=\"musik-review-bandname\">Pixies</span>. Afrikanische (\u201eNoonan\u201c) und 60-er-Jahre-Rhythmen (\u201eStill Moving\u201c) verschmilzen mit den Tappingteppichen und Frau <span class=\"musik-review-bandname\">Stern</span>s jedenfalls einzigartigem Gesang zu einem spa\u00dfigen Gesamtwerk, das seine Kraft vermutlich im Sommer eher entfaltet als im Winter, aber der n\u00e4chste Sommer dauert ja voraussichtlich auch nicht mehr lange. <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=ZZDtMTY0I3w\&quot;" data-wpel-link="internal">Es gibt auch ein Musikvideo dazu.</a> Juhu!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Minerva \u2013 Germinal</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Minerva</span> ist die r\u00f6mische G\u00f6ttin des Handwerks und der Weisheit, also eine G\u00f6ttin der Gegens\u00e4tze. <span class=\"musik-review-bandname\">Minerva</span> ist au\u00dferdem eine Psychedelic-Rock-Band aus Potsdam, die mit \u201eGerminal\u201c ein <a href="\&quot;http://minervapotsdam.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">h\u00f6renswertes</a> Deb\u00fctalbum vorgelegt hat, das so gegens\u00e4tzlich ist wie die G\u00f6ttin selbst: Melodisch untermalte Gedichte (\u201eDer gl\u00e4serne K\u00e4fig\u201c) einerseits, treibender Rock wie von <span class=\"musik-review-bandname\">The Mars Volta</span> (\u201eBefore I Lost My Fight And Sight\u201c) andererseits; hier Gitarren, da Saxophon und Bass; Stoner Rock (\u201eHastily\u201c) und Alternative Rock (\u201eAll I\u2019ve Done\u201c) wechseln sich wie selbstverst\u00e4ndlich ab. Texte wie von <span class=\"musik-review-bandname\">Ira!</span> (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">Herzen gef\u00fcllt mit Monotonie / Wo sind wir geblieben, wo?</span>), Musik wie seit Langem nicht mehr geh\u00f6rt.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Omb \u2013 SwineSong</span>\n<p>Etwas <em>name dropping</em> zu \u201eSwineSong\u201c: <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Sleepytime Gorilla Museum</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Eatliz</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Void\u2019s Last Stand</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Omb</span> hie\u00dfen fr\u00fcher <span class=\"musik-review-bandname\">Of Marble\u2019s Black</span> und machten Metal. Geblieben ist das Growling, hinzu kam abgedrehter D\u00e4monengesang, verst\u00e4rkt wurden verzwirbelte Gitarren. Alles auf einmal. Israel scheint fruchtbaren N\u00e4hrboden f\u00fcr Bands zu liefern, die <em>alles anders machen wollen</em> (nochmals cf. <span class=\"musik-review-bandname\">Eatliz</span>). Wer mag, kann\u2019s <a href="\&quot;http://ombmusick.bandcamp.com\&quot;" data-wpel-link="internal">per Bandcamp</a> <span class=\"musik-review-hoerproben\">h\u00f6ren</span> und/oder kaufen. Schwein gehabt.</p></li>\n</ol>\n<p>Ein Manko des musikalischen Jahres 2013 ist es, dass das Angebot an wirklich au\u00dfergew\u00f6hnlichen kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellten Produktionen entweder gesunken oder mir schlicht v\u00f6llig entgangen ist. Aus dem Einheitsbrei der <span class=\"musik-review-bandname\">Oceansize</span>-, <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span>- und <span class=\"musik-review-bandname\">Franz-Ferdinand</span>-Imitatoren konnte ich daher im zweiten Halbjahr 2013 auch nur diese zwei wahren Perlen herausfischen:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Spa\u00df f\u00fcr nix.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/snoehamn.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_snoehamn.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sn\u00f6hamn</span>\n<p>F\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Texte sind <span class=\"musik-review-bandname\">Sn\u00f6hamn</span> fast schon alte Bekannte, das St\u00fcck \u201eDu vilar nu\u201c hatte ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/12/snoehamn-du-vilar-nu/\&quot;" data-wpel-link="internal">erst k\u00fcrzlich</a> empfohlen. \u201eSn\u00f6hamn\u201c hei\u00dft <a href="\&quot;http://www.lighthouserecords.se/?_escaped_fragment_=snohamn/cnzi#!snohamn/cnzi\&quot;" data-wpel-link="internal">laut Plattenfirma</a> ungef\u00e4hr so viel wie \u201eAstralk\u00f6rper aus Eis\u201c und klingt auch so \u00e4hnlich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Sn\u00f6hamn</span> machen im Wesentlichen ambienten Postrock. Schon wieder Postrock? <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/kontemplativer-post-rock-aus-schweden-snoehamn/\&quot;" data-wpel-link="internal">Reicht es nicht langsam? N\u00f6.</a> Das titellose Beinahealbum (das wird langsam zur Gewohnheit) haut dem H\u00f6rer nicht st\u00e4ndig irgendwelche Effekte oder Gitarrenbretter um die Ohren, sondern arbeitet sich behutsam mit Pinsel und Pinzette voran.</p>\n<p>Beinahealbum? Nun ja, mit f\u00fcnf St\u00fccken und nicht ganz 40 Minuten Spieldauer ist dies eher ein/eine EP, aber die f\u00fcnf Schweden wissen die Zeit wohl zu nutzen. Gesungen wird nicht. Gut so! Ihre Stimme ist die Musik. <span class=\"musik-review-bandname\">Sn\u00f6hamn</span> erz\u00e4hlen f\u00fcnf Geschichten und reden nicht viel dabei. Was ist Traum, was Wirklichkeit? <a href="\&quot;http://www.iamnotamusician.com/snohamn/\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eSn\u00f6hamn\u201c klingt wie wenn man durch einen sch\u00f6nen Wald spaziert und dem Wind lauscht.</a> Das machen wir viel zu selten.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen:</span><br>\nAuf <a href="\&quot;http://snohamn.bandcamp.com/album/sn-hamn-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> gibt es \u201eSn\u00f6hamn\u201c in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren und herunterzuladen, <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2499\&quot;" data-wpel-link="internal">eMule</a> hat es ebenfalls.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/il-rumore-bianco-mediocrazia.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_il-rumore-bianco-mediocrazia.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Il Rumore Bianco \u2013 Mediocrazia</span>\n<p>Italienische Bands haben sehr oft das Problem, dass ihre Texte ebenfalls auf Italienisch gehalten sind. Italienisch ist zwar eine sch\u00f6ne melodi\u00f6se Sprache, aber italienischer Gesang ist in der Regel eher kantig und etwas st\u00f6rend. <span class=\"musik-review-bandname\">Il Rumore Bianco</span> gelingt das Kunstst\u00fcck, mir trotzdem zu gefallen.</p>\n<p>Was bekommen wir hier zu h\u00f6ren? Nun, ebenfalls eine sehr kurze \u201eScheibe\u201c, die nicht mal eine halbe Stunde dauert. Stilistisch bet\u00e4tigen sich die sechs Herren (klassische Rockbandbesetzung plus Keyboards, Synthesizer und Saxophon) auf dem weiten Feld des Jazzrock, dabei in den durchaus gehobenen Gefilden. Passende Vergleiche: <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Tangent</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span>. Eint\u00f6nig bleibt es trotzdem nicht: Ist \u201eTutto un sogno (pt. 1)\u201c noch ein bass- und keyboardlastiges <em>straightes</em> (Progressive-)Rockbrett, dominieren in \u201eTutto un sogno (pt. 2)\u201c jazziges Saxophon und Tasteninstrumente zu weitgehend unaufgeregtem Gesang. Explodieren tut\u2019s nur zwischendrin mal, da meldet sich auch die Gitarre zu Wort (und da sind <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span> so nah wie selten).</p>\n<p>Dazwischen? Das streckenweise sch\u00f6n vertrackte \u201eIl vestito buono\u201c und das seltsame \u201eIl primo attore\u201c, in dem ich mal wieder <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> aus den fr\u00fchen 70-ern erkenne, Saxophon selbstverst\u00e4ndlich inklusive. \u201eRock\u201c- und \u201eJazz\u201c-Teile werden auf \u201eMediocrazia\u201c jedenfalls so nahtlos aneinandergeheftet, dass man es kaum mitbek\u00e4me, w\u00fcrde man nicht pl\u00f6tzlich mittendrin den Takt beim Mitwippen verlieren. Aktives Musikh\u00f6ren ist ganz sch\u00f6n anstrengend; vor allem aber ganz sch\u00f6n. Das solltet ihr aber schon wissen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen:</span><br>\nStream und Download gibt\u2019s <a href="\&quot;http://ilrumorebianco.bandcamp.com/album/mediocrazia\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Bandcamp.com</a>, holen und mitverbreiten k\u00f6nnt ihr \u201eMediocrazia\u201c zum Beispiel auch <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2501\&quot;" data-wpel-link="internal">per eMule</a>.</p></li>\n</ul>\n<p>War das schon alles? Aber nein! Neben all diesen Studioproduktionen landeten unl\u00e4ngst auch zwei Liveaufnahmen in meinem Musikspieler, die meine Wertsch\u00e4tzung ehrlich verdient haben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">4.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Zwei Konzerte f\u00fcr zu Hause.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/moster-edvard-lygre-moster.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_moster-edvard-lygre-moster.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">M\u00f8ster! \u2013 Edvard Lygre M\u00f8ster</span>\n<p><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/10/moster-edvard-lygre-moster/\&quot;" data-wpel-link="internal">Ich wiederhole:</a> Was ein Edvard Lygre ist, vermag ich aufgrund mangelnder Norwegischkenntnisse nicht zu wissen. Ist das nicht aber sowieso beinahe egal? Ich lasse lieber die Musik f\u00fcr sich sprechen. Und die geht, Verzeihung!, <em>tierisch ab</em>.</p>\n<p>Ist das erste St\u00fcck \u201ePlastic Disco\u201c (12:10 Minuten; keine Sorge, <em>bumm-tschack</em> bleibt hier aus) schon ein prachtvoller Vorbote f\u00fcr das Folgende, drehen die vier Herren danach erst so richtig auf. In \u201eRansom Bird\u201c ist erstmals tats\u00e4chlich etwas Publikum (jubelnd) zu h\u00f6ren. Wer k\u00f6nnte es ihm angeh\u00f6rs der schieren Instrumenteneskapade, herausragend vorangetrieben von Schlagzeug und Bass, schon verdenken? <em>Das Internet</em> schreibt hier von \u201erauschhafter Ekstase\u201c, und ich k\u00f6nnte es kaum besser umschreiben.</p>\n<p>Jazz f\u00fcr jede Gelegenheit!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span><br>\n<a href="\&quot;http://www.amazon.de/Edvard-Lygre-Moster/dp/B00B8L4BCI/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> stellt kurze Ausschnitte aus jedem der vier enthaltenen St\u00fccke bereit.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/prophexy-improvviso.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_prophexy-improvviso.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">PropheXy \u2013 Improvviso</span>\n<p>Am 17. M\u00e4rz 2012 fand sich die italienische Band <span class=\"musik-review-bandname\">PropheXy</span> f\u00fcr eines ihrer Konzerte zusammen.</p>\n<p>Der jazzige Retro-Prog-Hardrock ihres Deb\u00fctalbums \u201ealconauta\u201c von 2008 hat sich mit dem Ausstieg von <span class=\"musik-review-bandname\">Matteo Bonazza</span> in eine freif\u00f6rmigere Richtung bewegt, die mir sehr gef\u00e4llt. Zu h\u00f6ren ist die <em>typische</em> Mischung aus den Rhythmusexperimenten von <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span>, dem Instrumentengefrickel der 1982er <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> und extrovertiertem italienischem Gesang, der sich schon aufgrund der reinen Sprachmelodie dem H\u00f6rer geradezu aufdr\u00e4ngt. Auch der Canterbury, vorrangig repr\u00e4sentiert vom schier allgegenw\u00e4rtigen Fl\u00f6tisten <span class=\"musik-review-bandname\">Alessandro Valle</span>, kommt nicht zu kurz; mit \u201eDisassociation\u201c und \u201eGolf Girl\u201c wurden sogar zwei Coverversionen von <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span>-Klassikern gespielt, gesungen von <span class=\"musik-review-bandname\">Richard Sinclair</span> h\u00f6chstselbst, der vielleicht gerade mal etwas Zeit \u00fcbrig hatte.</p>\n<p>Lobenswert auch die Abmischung: Nervig dazwischenklatschendes Publikum wie in deutschen Bierzelten ist nicht zu h\u00f6ren, der Applaus ert\u00f6nt, wenn \u00fcberhaupt, allenfalls am Ende eines St\u00fcckes und wird dann recht schnell ausgeblendet. Ich bin ja f\u00fcr die Wiedereinf\u00fchrung der Rettichstrafe f\u00fcr jeden, der eine musikalische Auff\u00fchrung mit bl\u00f6dem Gepatsche st\u00f6rt, aber dieses Publikum war ein sehr gutes.</p>\n<p>Es war dem Konzert wohl durchaus angemessen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span><br>\nAuch diesmal werdet ihr <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Improvviso-Prophexy/dp/B00D6NTIR4/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> f\u00fcndig.</p></li>\n</ul>\n<p>Nach all der Freud\u2018 nun etwas Leid: Wie \u00fcblich habe ich es auch diesmal nicht vers\u00e4umt, die einschl\u00e4gigen Rezensionszeitschriften und \u2011webseiten nach <em>Geheimtipps</em>, <em>Alben des Jahres</em> (und so weiter und so fort) zu durchforsten, und den Fehler gemacht, die Euphorie nachvollziehen zu wollen. Ein gro\u00dfer Name bewahrt oft nicht vor gro\u00dfem Mist. Die vier gr\u00f6\u00dften Totalausf\u00e4lle sind diese:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">5.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Geschenke f\u00fcr den Feindeskreis.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Nektar \u2013 Time Machine</span>\n<p>Ich wei\u00df nicht, in welche Zeit <span class=\"musik-review-bandname\">Nektar</span> hier gereist sind, aber spannend geht es dort sicherlich nicht zu. Bl\u00f6derweise sind sie auch wieder zur\u00fcckgekehrt und erz\u00e4hlen allen davon.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Dream Theater</span>\n<p>Ich hole mal etwas weiter aus: Ein neuer Schlagzeuger ist an Bord, <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Portnoy</span> will nicht mehr mitspielen. Ein Sakrileg? Wer wei\u00df! Ein viel gr\u00f6\u00dferes Sakrileg vielleicht: <span class=\"musik-review-bandname\">Dream Theater</span> hielt ich ja immer f\u00fcr etwas \u00fcberbewertet (wie sonst nur die <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Miles Davis</span>). Der Anfang des Albums (tr\u00e4gt es nun eigentlich einen Namen oder nicht?): Opernhaft? <span class=\"musik-review-bandname\">Nightwish</span>? Zum Gl\u00fcck keine <span class=\"musik-review-bandname\">Tarja</span>! Ach, jetzt wei\u00df ich wieder, wieso ich mich von allem, was sich \u201eProgressive Metal\u201c nennt, normalerweise fernhalte, diese Keyboardfanfaren sind mir schon <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/09/drei-bands-drei-gefuhle/\&quot;" data-wpel-link="internal">bei <span class=\"musik-review-bandname\">Muse</span></a> auf die Nerven gefallen. Weiterhin in gebotener K\u00fcrze: Chor und Gitarrengebratze. Gesang folgt erst in St\u00fcck 2, klingt aber von Anfang an etwas arg gepresst. Und er wird nicht besser! Gitarre und Schlagzeug zweifelsfrei (wie oft behauptet) gro\u00dfartig, aber der Gesang verdirbt\u2019s. Hat der S\u00e4nger Bauchschmerzen? Und dann noch die Texte! Jetzt wei\u00df ich, wer <span class=\"musik-review-bandname\">Transatlantic</span> zu ihrem grauenhaften textlichen Gejammer inspriert hat. Man verstehe mich nicht falsch und schm\u00e4he mich einen blo\u00dfen <span class=\"musik-review-bandname\">Dream-Theater</span>-Ver\u00e4chter: \u201eMetropolis Pt. II \u2013 Scenes From a Memory\u201c halte ich f\u00fcr ein gelungenes Album. \u201eDream Theater\u201c, sieben Studioalben sp\u00e4ter, ist aber das, was der \u201eName\u201c verspricht: Schrecklich uninspiriert. Schade drum.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Flower Kings \u2013 Desolation Rose</span>\n<p>Den Titel haben sie bei <span class=\"musik-review-bandname\">Bob Dylan</span> abgeguckt und schlecht verkalauert, aber er spricht B\u00e4nde: Mehr als <em>desolation</em> ist hier nicht zu erwarten. Denkmalpflege ja, aber nicht auf hohem Niveau. Hat man alles schon mal von den <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> geh\u00f6rt \u2013 und zwar besser.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Public Service Broadcasting \u2013 Inform \u2013 Educate \u2013 Entertain</span>\n<p>Das Londoner Duo <span class=\"musik-review-bandname\">Public Service Broadcasting</span> musiziert auf \u201eInform \u2013 Educate \u2013 Entertain\u201c stilsicher an Konventionen vorbei. Um Ausschnitte aus alten Propaganda- und Werbefilmen herum stricken sie elektronische instrumentale Klangwelten, die mal minimalistisch (\u201eLate Night Final\u201c), mal bedrohlich (\u201eNight Mail\u201c), mal feierlich (\u201eThe Now Generation\u201c) daherkommen. Gelegentliche Reminiszenz ist das <span class=\"musik-review-bandname\">Penguin Cafe Orchestra</span>, leider \u00fcbernimmt man auch dessen gr\u00f6\u00dftes Manko: Das Zeug wird einfach sehr schnell langweilig. Sp\u00e4testens nach dem zweiten St\u00fcck.</p></li>\n</ol>\n<p>Fr\u00fcher was alles besser? Aber nicht doch! Fr\u00fcher gab es zum Beispiel viel mehr furchtbare Musikgruppen als heute. Das ist ein w\u00fcnschenswerter Zustand, \u00fcber den wir uns jeden Tag wieder freuen sollten. Andererseits f\u00e4llt das manchmal auch schwer, wenn man hingegen bedenkt, welch eigentlich prima Zeit f\u00fcr die Musik niemals zur\u00fcckkehren wird. Erinnern wir uns also zur\u00fcck!</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">6.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Tage wie diese\u2026</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n\u201e1973\u201c ist ein Lied von <span class=\"musik-review-bandname\">James Blunt</span>, der erst 1974 geboren wurde. Worum es in dem Lied geht, wei\u00df ich nicht, vielleicht singt er davon, wie sch\u00f6n die Welt vor seiner Geburt doch war. Dabei sah es 1973 zuerst gar nicht nach einem guten Jahr aus: Im Juni verlie\u00df <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Eno</span>, Stil pr\u00e4gender Experimentalmusiker, die Glamrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy Music</span>, mit der er erst kurz zuvor die ersten beiden Alben <span class=\"musik-review-album-titel\">Roxy Music</span> und <span class=\"musik-review-album-titel\">For Your Pleasure</span> aufgenommen hatte. <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy Music</span> versanken danach in der Beliebigkeit, auch nachr\u00fcckende Musiker konnten <span class=\"musik-review-bandname\">Eno</span>s Kreativit\u00e4t nicht ersetzen. Er selbst verlie\u00df den eingeschlagenen Pfad auch recht schnell: Sein Solodeb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Here Come the Warm Jets</span>, das noch im September 1973 gemeinsam mit ehemaligen <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy-Music</span>-Mitstreitern, <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Fripp</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">John Wetton</span> und anderen aufgenommen wurde, zehrte noch von seiner Zusammenarbeit mit einer Rockband, im weiteren Verlauf widmete er sich dann doch lieber der elektronischen \u201eAmbient\u201c-Einschlafmusik. Anders erging es <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span>, die 1973 gleich zwei herausragende Musikalben (<span class=\"musik-review-album-titel\">Flying Teapot</span> und <span class=\"musik-review-album-titel\">Angel\u2019s Egg</span>) ver\u00f6ffentlichten, die mit dem im Folgejahr erschienenen <span class=\"musik-review-album-titel\">You</span> die \u201eRadio-Gnome-Trilogie\u201c bildeten, mit der sie wie zuvor ihre Landsm\u00e4nner von <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> ihren eigenen Erz\u00e4hlkosmos schufen. <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> zerfiel wenig sp\u00e4ter in verschiedene Gongs (zeitweise gab es mindestens drei verschiedene Bands dieses oder eines \u00e4hnlichen Namens zur gleichen Zeit), erst 1992 kehrte man zum gemeinsamen Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> zur\u00fcck. Das bisher letzte Album mit Radio-Gnome-Bezug, <span class=\"musik-review-album-titel\">Zero To Infinity</span>, erschien im Jahr 2000, <span class=\"musik-review-album-titel\">2032</span> erst 2009. Weitere Aktivit\u00e4ten sind nicht ausgeschlossen.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Rod Stewart</span>s \u201eBaby Jane\u201c, ich kann\u2019s nicht mehr h\u00f6ren, war 1983 sein erster \u201eNummer-1-Hit\u201c in Deutschland, was \u00fcber die deutsche Hitparade mehr aussagt als es mir lieb ist; das zugeh\u00f6rige Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Body Wishes</span> verkaufte sich im selben Jahr ebenfalls ziemlich gut. Dieser geballten Ladung Schmalz wusste man in Deutschland wohl nicht viel entgegenzusetzen und belebte stattdessen die inl\u00e4ndische Punkszene. <span class=\"musik-review-bandname\">Slime</span>, damals provokante Heroen der Szene, machten nach ihrem vorl\u00e4ufigen Abschiedsalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Alle gegen Alle</span> aber erst einmal Pause; etwa zur selben Zeit entstanden aus verschiedenen Amateurpunkbands aber mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> und den <span class=\"musik-review-bandname\">Toten Hosen</span> neue Hoffnungstr\u00e4ger, die mal subtil (<span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span>), mal weniger subtil (<span class=\"musik-review-bandname\">Die Toten Hosen</span>) das linkspolitische musikalische Engagement in das neue Jahrzehnt retteten. Auf ihrem 1983 erschienenen Deb\u00fctalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Opel-Gang</span> beschr\u00e4nken die <span class=\"musik-review-bandname\">Toten Hosen</span> ihre politische Aussage zwar noch auf leisen Sarkasmus (\u201e\u00dcl\u00fcs\u00fc\u201c), alle \u00fcbrigen Bestandteile ihrer Musik einschlie\u00dflich der fehlenden Reime sind aber schon erkennbar. Drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter haben sie noch nichts verlernt.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span><br>\nDas musikalische 1993 in einem Wort: Verwirrend. Der von <span class=\"musik-review-bandname\">Jimi Hendrix</span> h\u00f6rbar beeindruckte Gitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Caspar Br\u00f6tzmann</span> sorgte mit seiner Band <span class=\"musik-review-bandname\">Caspar Br\u00f6tzmann Massaker</span> auf <span class=\"musik-review-album-titel\">Koksofen</span> f\u00fcr eine angenehm anstrengende Mischung aus Jazzrock, Stoner Rock und <span class=\"musik-review-bandname\">Zappa</span>esquem mit mantraartig wiederholten, obskuren englischsprachigen Texten f\u00fcr Verwirrung, die Punkrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Green Jell\u00ff</span> mit der Single <span class=\"musik-review-album-titel\">Three Little Pigs</span> vom schon 1991 erschienenen <span class=\"musik-review-album-titel\">Cereal Killer Soundtrack</span>, auf dem auch <span class=\"musik-review-bandname\">Maynard James Keenan</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Danny Carey</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span>) zu h\u00f6ren sind. Damals, als MTV sich noch was traute. Auch <span class=\"musik-review-bandname\">Die Fantastischen Vier</span> haben sich auf <span class=\"musik-review-album-titel\">Die 4. Dimension</span> was getraut, n\u00e4mlich die H\u00f6rerschaft wiederum zu verwirren, indem der Spa\u00dfrap der ersten beiden Alben textlich wie musikalisch den Drogen wich. \u201eTag am Meer\u201c statt \u201eDie da!?\u201c. Auch textlich war <span class=\"musik-review-album-titel\">Die 4. Dimension</span> ein Konzeptalbum und handelte passenderweise von der Reise ins Ich, von der Reflexion \u00fcber das eigene Dasein. Der H\u00f6rer honorierte das nicht, f\u00fcr eine nennenswerte Hitparadenplatzierung hat es trotz des \u201eTages am Meer\u201c nicht gen\u00fcgt; vielleicht auch deshalb wagte man erst 1999 auf <span class=\"musik-review-album-titel\">4:99</span> wieder \u00e4hnlich Tiefgr\u00fcndiges. Dass die <span class=\"musik-review-bandname\">Fantastischen Vier</span> laut Interviews heute noch Drogen als den Kraftstoff f\u00fcr ihr Schaffen betrachten, h\u00f6rt man ihrem aktuellen Album <span class=\"musik-review-album-titel\">F\u00fcr dich immer noch Fanta Sie</span> bedauerlicherweise <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/fur-mich-fanta-sie-los/\&quot;" data-wpel-link="internal">auch an</a>. <span class=\"musik-review-album-titel\">Die 4. Dimension</span> war trotzdem klasse.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span><br>\nWie nennt man eigentlich als Musikgruppe eine Platte, wenn einem gar nichts einzufallen vermag? Genau: <span class=\"musik-review-album-titel\">Platte</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Electric Orange</span> ver\u00f6ffentlichten 2003 die Platte <span class=\"musik-review-album-titel\">Platte</span> auf Platte (erst Jahre sp\u00e4ter gab es eine CD-Ausgabe), platt ist die aber gar nicht, vielmehr bin ich selbst platt von der \u00dcberdosis an fr\u00fchen <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>, die <span class=\"musik-review-album-titel\">Platte</span> verursacht. Kein Gesang, nicht schlimm; daf\u00fcr jede Menge Bass und Hammondorgel. Das Ausnahmest\u00fcck hei\u00dft \u201eHolzbock\u201c, das <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> noch n\u00e4her ist als das dem verstorbenen <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>-Musiker <span class=\"musik-review-bandname\">Michael Karoli</span> gewidmete \u201eDedicated to Mk\u201c. Musikalisch vorw\u00e4rts statt r\u00fcckw\u00e4rts ging es f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Subway to Sally</span>, deren siebtes Studioalbum <span class=\"musik-review-album-titel\">Engelskrieger</span> den Mittelalterrock fr\u00fcherer Werke zum allgemeinen Entsetzen durch \u00f6den Metal ersetzte. Einige Jahre sp\u00e4ter wechselte man die Plattenfirma und machte diesen Stilwechsel erfreulicherweise wieder r\u00fcckg\u00e4ngig. Zumindest die schottische Postrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Aereogramme</span> blieb sich derweil treu und verarbeitete auf ihrem zweiten Album <span class=\"musik-review-album-titel\">Sleep and Release</span> allerlei genreverwandte Einfl\u00fcsse von <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> bis zu <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span>. Reich wurden die Musiker damit aber nicht, und so ging man nach dem treffend benannten Album <span class=\"musik-review-album-titel\">My Heart Has a Wish That You Would Not Go</span> im Jahr 2007 schlie\u00dflich vor\u00fcbergehend getrennte Wege. Falls sich noch jemand fragen sollte, wieso der Eindruck entsteht, dass es immer weniger neue wirklich gute Musik gibt, so empfehle ich, den Plattenfirmen die Schuld zu geben. Zum Gl\u00fcck gibt es inzwischen akzeptable Vertriebsformen \u00fcber das Internet. Die H\u00e4lfte von <span class=\"musik-review-bandname\">Aereogramme</span> ist seit 2008 unter dem Namen <span class=\"musik-review-bandname\">The Unwinding Hours</span> aktiv, ihre Aktivit\u00e4ten im Auge zu behalten ist derweil nicht die schlechteste Idee.</li>\n</ul>\n<p>Fertig? Fertig! Habe ich irgendein nennenswertes Album vergessen? Lasst es mich wissen!</p>\n<p>Im Juni 2014 folgt voraussichtlich der n\u00e4chste Teil. Vergesst bis dahin nicht, ab und zu Musik zu h\u00f6ren. Das Leben w\u00e4re ein tristes.</p>\n<p>Bis dann!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2014 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">27. Februar 2015</a> dies: [\u2026] bereits 2003 erfreuen Electric Orange den H\u00f6rer mit krautigem Psychedelic Rock. Ge\u00e4ndert hat sich seitdem nur [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/62cd57a27aad4f47be58b29bafa79430\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 12 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickAber hallo, werte Leser und Musikfreunde, da ist doch tats\u00e4chlich schon wieder Ende Dezember; Zeit also, wie zuletzt im Juni die musikalischen Perlen aus dem gro\u00dfen Haufen an diesj\u00e4hrigen Ver\u00f6ffentlichungen herauszupicken. Die Guten ins T\u00f6pfchen, die Schlechten in die Vergessenheit.\nKeiner soll sagen, ich h\u00e4tte mir die Entscheidung \u00fcber die Aufnahme oder Nichtaufnahme in diese R\u00fcckschau leicht gemacht; tats\u00e4chlich haben es einige Musikalben nach Abw\u00e4gung der Argumente wider Erwarten nicht geschafft. Die Wooden Shjips etwa haben mit Back To Land mal wieder ein hervorragendes Velvet-Underground-Ged\u00e4chtnisalbum ver\u00f6ffentlicht. Zwar gibt es stilistisch nichts Neues zu vermelden, weshalb eine separate Rezension hier blo\u00dfe Wiederholung bliebe; man mag\u2019s trotzdem m\u00f6gen. Schlechter wird es nicht. Das gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr Zola Jesus\u2018 Album Versions, auf dem sie eigentlich nur streicherbewehrte (allerdings sehr gute) Varianten fr\u00fcherer Lieder aus ihrem \u0152uvre darbietet.\nUnschl\u00fcssig war ich mir bei Mogwais Les Revenants Soundtrack, das als \u201enicht regul\u00e4res Studioalbum\u201c eigentlich nicht in diese Liste geh\u00f6rt. Ich habe mich dazu entschlossen, das wie \u00fcblich solide, aber ungewohnt melancholische und herbsttaugliche Album (mit Gesang!) trotzdem mal unverbindlich zu empfehlen und dann nicht weiter darauf einzugehen. Um so mehr Platz bleibt f\u00fcr die anderen hervorragenden Alben im zweiten Teil meiner Jahresr\u00fcckschau.\nN\u00e4mlich diese:\n1. K\u00e4ufliche Begeisterung.\n\nAmpledeed \u2013 A is for Ampledeed\n\u201eI hear a sound / from Underground\u201c (Wanders and Wonders)\n\u201eA steht f\u00fcr Apfel\u201c, so lernen\u2019s die Kinder angeblich in den USA, und viel weiter kommen sie dann nicht mehr, weil sie lieber Leute erschie\u00dfen gehen als in der Schule herumzusitzen. Dass die Amerikaner von Ampledeed bei der Suche nach einem Bandnamen auch irgendwas mit \u201eA\u201c genommen haben, \u00fcberrascht insofern nicht. Wei\u00df der Geier, was ein \u201eAmpledeed\u201c sein soll. Die Besetzung auf \u201eA is for Ampledeed\u201c ist aber beachtenswert: Zweimal Keyboards (hiervon bekannt: Aaron Goldich, vorher Mitglied der Retroprogband The Source), dreimal Bass, zweimal Schlagzeug, Saxophon, Gitarre, Ukulele, mehrfach Gesang (personelle \u00dcberschneidungen sind teilweise gegeben).\nMusikalisch haben sie sich jedenfalls bei den Briten bedient, unter anderem (wie so viele vor ihnen) bei Yes und Gentle Giant. Los geht es aber erst einmal mit k\u00e4sigen Keyboards und unsicher wirkendem Instrumentalgefrickel: \u201eWe Breathe Time\u201c ist ein vertracktes Progressive-Jazzrock-St\u00fcck, das den H\u00f6rer gleich von Anfang an zu \u00fcberfordern versucht. Vier Genres in acht Minuten, das macht etwa zwei Minuten pro Genre. Andere brauchen daf\u00fcr drei ganze Alben. Gesangspassagen beginnen ab etwa sechs Minuten Laufzeit. Relevante Vergleiche f\u00fcr besagten Gesang: Pink Floyd und die Flower Kings. Ein bisschen artverwandt (aber weniger jazzig): The Season Standard (k\u00f6nnt\u2018 ich auch mal wieder h\u00f6ren).\n\u201eSuper Collider Bromwich\u201c setzt mit canterburyesquem Gesang (schon wieder: Flower Kings) und bratzender Gitarre ein, steigert sich dann aber zu einem pr\u00e4chtig verzwirbelten Jazzrock, in dem endlich auch mal die Keyboards ihrer eigentlichen Bestimmung zugef\u00fchrt werden. So \u00e4hnlich geht das Album dann auch weiter; m\u00e4andernd zwischen Jazz, Retro-Prog und Avantgarde darf jeder Musiker seine St\u00e4rken demonstrieren. (Einige St\u00fccke, etwa \u201eDrum Fuckin\u2018&nbsp;\u201c, sind auch in G\u00e4nze einem Soloinstrument gewidmet. Ratet mal, welchem!) Nils Macher von POWERMETAL.de ist \u00fcberfordert, was ja auch ein Qualit\u00e4tsmerkmal sein kann:\nAllenfalls als kauzig lie\u00dfe sich der Mischmasch wohl noch klassifizieren, denn wie Gesang, Akkorde und Melodien bei Tracks wie \u201aBrown Hole Blues\u2018 gegeneinander laufen, das ist sicherlich nicht jedermanns Sache.\nMeine schon.\nReinh\u00f6ren! Daf\u00fcr bietet sich etwa die Website der Band an.\nDisperse \u2013 Living Mirrors\n\u201eThose days, this dream wants to sleep away\u201c (Profane the Ground)\nWas Dream Theater (siehe Schrottecke weiter unten) dieses Jahr falsch gemacht haben, haben Disperse um so richtiger gemacht. (Hyperlative \u2013 uff. Nicht, dass mich jetzt SPIEGEL ONLINE anwirbt.) Ich mag ja eigentlich keinen Metal, aber\u2026\nDisperse (\u201eauseinandergehen\u201c), 2007 gegr\u00fcndet, kommen aus Polen, und wer andere rezente polnische Bands wie SBB kennt, der wei\u00df, dass das jedenfalls im Musikgesch\u00e4ft oft mit hoher Qualit\u00e4t einhergeht. So auch hier. Gleich von Anfang an (\u201eDancing with Endless Love\u201c) prasselt die Gitarre auf den H\u00f6rer ein, dass es eine wahre Freude ist. M\u00fchelos bewegen sich Disperse auf dem schmalen Grat zwischen (recht elektronischem) Progressive Metal und Postrock, zwischen Oceansize und Fates Warning quasi, ohne k\u00fcnstlich bombastisch zu wirken; auch echolyn sind immer mal wieder pr\u00e4sent. Die langen Instrumentalpassagen sind rhythmisch-vertrackt und so eing\u00e4ngig zugleich, dass die Beine des freudigen Rezensenten sich weigern, den Takt zu verpassen. Gro\u00dfartig!\nH\u00e4lt mich also noch etwas von der Vergabe der H\u00f6chstnote f\u00fcr dieses Jahr ab? Aber sicher: Der Gesang von Keyboarder Rafal Biernacki etwa ist, wohl genretypisch, wenig imposant und eher Beiwerk, st\u00f6rt aber auch nicht, was ja auch eine Art von Leistung ist. Andererseits geht\u2019s beim Progressive Metal ja auch eher um die Instrumente, und die sind ziemlich gut.\nThomas Kohlru\u00df konstatierte, Disperse legten hier\u2026\n(\u2026) ein Album voller kraftvollem, vertracktem, heftigem Mathrock, gepaart mit hinrei\u00dfenden Melodien und gelegentlich filigran-lyrischen Momenten vor. Der H\u00f6rer wird guten Ideen, gelungenen unorthodoxen Wendung (sic! A.d.V.) und allerlei eingestreuten Gimmicks verw\u00f6hnt.\nSpannend bleibt es bis zur letzten Minute; St\u00fcck Nummer 13 (\u201eAUM\u201c, was immer das bedeuten mag) bietet ein letztes Mal ein gro\u00dfartiges Wechselspiel zwischen flirrender Gitarre und pr\u00e4gnantem Bass, bevor ein Keyboardteppich in einen Porcupine-Tree-Teil \u00fcberleitet. (Weniger einschl\u00e4fernd als Steven Wilson, der ansonsten hervorragende Arbeit leistet, singt Rafal Biernacki \u00fcbrigens allemal.) Deren New Artrock, auf Disperses Deb\u00fctalbum \u201eJourney Through The Hidden Gardens\u201c noch eine von vielen Zutaten, ist auf \u201eLiving Mirrors\u201c allerdings nur noch wenig mehr als ein entfernter Einfluss. Disperse haben sich mit \u201eLiving Mirrors\u201c freigeschwimmen.\nH\u00f6rproben: Das komplette Album steht auf Bandcamp.com zwecks Streamings zur Verf\u00fcgung.\nDays Between Stations \u2013 In Extremis\n\u201eThere\u2019s no replacing what\u2019s been left behind / There\u2019s no returning to that place and time\u201c (Visionary)\nDas kalifornische Duo Days Between Stations, einst instrumental unterwegs, hat sich f\u00fcr sein Zweitlingswerk \u201eIn Extremis\u201c prominente Unterst\u00fctzung an Bord geholt, die auch mal singen darf. Die bekanntesten Helfer sind Tony Levin (von 1982 bis Mitte der 1990er Jahre bei King Crimson), Billy Sherwood, Peter Banks und Rick Wakeman (allesamt zeitweise bei Yes). Dass \u201eIn Extremis\u201c in den Phasen, in denen Billy Sherwood singt, auch genau so klingt wie ein Album mit seiner Beteiligung (\u201eVisionary\u201c etwa k\u00f6nnte auch von Circa: aufgenommen worden sein), bedeutet ausnahms- wie erstaunlicherweise nicht, dass er dem kompletten Album seinen Stempel aufdr\u00fcckt. Es spricht aber f\u00fcr sich, dass das St\u00fcck, in dem der Gesang irgendwie herausragend (petergabrielesque) aus dem Kopfh\u00f6rer schallt, n\u00e4mlich \u201eThe Man Who Died Two Times\u201c, ausnahmsweise von Colin Moulding (vorrangig bekannt als Teil von XTC) intoniert wird.\nVon seinem Gesang abgesehen leistet Billy Sherwood hier allerdings zumindest am Schlagzeug gute Arbeit. Ist es nicht auff\u00e4llig, dass grunds\u00e4tzlich gute Schlagzeuger zumindest im weiteren Umfeld des Progressive Rocks meistens schauderhafte S\u00e4nger sind? Nun gut, deswegen sind sie wahrscheinlich Schlagzeuger und keine Frontm\u00e4nner geworden; in der vagen Hoffnung, dass das nicht so auff\u00e4llt. (Phil Collins hat es also, wie so vieles, v\u00f6llig falsch gemacht.) Aber genug des Gepl\u00e4nkels, kommen wir zur Musik.\nUm es auf Genrisch zu erkl\u00e4ren: Trotz des seltsamen Anfangs, der mich eher an das Trans-Siberian Orchestra (oder irgendsoeinen Disco-Stampfer) erinnert, spielen Days Between Stations eher einen recht gitarrenlastigen New Artrock als den immergleichen Neoprog, von dem wohl die meisten Leute inzwischen genug haben d\u00fcrften. Eher Pendragon als Marillion, eher Porcupine Tree als Yes. Sepand Samzadeh, der Gitarrist des Duos, bedient sich stilistisch an den Gro\u00dfen, laut Internet also mal an David Gilmour, mal an Andrew Latimer, und das ist ja auch nicht die schlechteste Referenz.\nUnd immer wieder Stilwechsel: Die \u201ealten\u201c Genesis, Camel, (nat\u00fcrlich) Circa:, Porcupine Tree und King Crimson geben sich hier die Klinke in die Hand, mit dem zweimin\u00fctigen \u201eWaltz In E Minor\u201c wird auch ein (deplatziert wirkendes) Streicherst\u00fcck dazwischengeschoben. Vier der acht St\u00fccke knacken die zehn Minuten, \u201eIn Extremis\u201c gar die zwanzig. Dieses St\u00fcck, unterteilt in sechs \u201eKapitel\u201c, wie es so Brauch ist, ist sozusagen die Quintessenz des Albums: King-Crimson-, Genesis- und Pink-Floyd-Zitate treffen aufeinander, selbst Marillion werden (passenderweise an einer Stelle, an der die Worte \u201echildhood\u2019s end\u201c fallen) hier kurz ins Ged\u00e4chtnis gerufen. Garniert wird diese Mischung mit Neoprog-Keyboardkl\u00e4ngen. Ah, der Neoprog! So ganz weggehen will er dann doch nicht. Macht ja nichts.\nDays Between Stations gelingt im \u00dcbrigen das seltene Kunstst\u00fcck, zum Ende hin besser zu werden. Die fast 70 Minuten Laufzeit des Albums sind nur in der Mitte, in diesen Sherwood-Momenten, ein bisschen qu\u00e4lend. Andererseits: Es h\u00e4tte wahrscheinlich noch schlimmer kommen k\u00f6nnen.\nBei der Suche nach H\u00f6rproben hilft Amazon.de mit den \u00fcblichen kurzen Ausschnitten weiter.\nSavages \u2013 Silence Yourself\n\u201eThe world\u2019s a dead sorry hole\u201c (Shut Up)\nSprachfetzen und Horrormusik (nein, kein Pop) leiten \u201eSilence Yourself\u201c ein, bis unvermittelt der Bass einsetzt. Oder hei\u00dft es die B\u00e4ssin? Savages sind eine vierk\u00f6pfige Londoner Post-Punk-Band, die den Vorbildern aus den sp\u00e4ten 1970er und fr\u00fchen 1980er Jahren ziemlich gut nacheifert. Frauenquote: 100 Prozent. Na, das mag ja was werden. \u201eSilence Yourself\u201c, \u201everstumme dich selbst\u201c \u2013 wie zum Trotz tun die vier Frauen hier das Gegenteil.\nDie Texte jedenfalls sind vielversprechend: Don\u2019t worry about breaking my heart; oh Darling, are you free when you doubt?\nWie damals in den 1980ern.\nSelbst die spie\u00dfige \u201etaz\u201c findet\u2019s gut:\nIhr Sound streift die \u00fcblichen Postpunk-Referenzquellen von Gang of Four bis Joy Division nur. Er verzichtet auf epigonale Posen und larmoyantes Selbstbedauern.\nVielmehr aktualisieren Savages die angry young women jener \u00c4ra. Sie erinnern an X\u2011Ray Spex\u2019 \u201eOh Bondage Up Yours!\u201c, Poly Styrenes w\u00fctende Anklage der m\u00e4nnerdominierten Gesellschaft. Oder an den d\u00fcster-metallenen Gothicpunk von Siouxsie &amp; The Banshees.\n\u201eStrife\u201c mit seiner Lo-Fi-Garagengitarre und dem klagenden Gesang von Frontfrau Jehnny Beth fasst das Album eigentlich gut zusammen, aber warum sollte man sich auf ein einziges Lied beschr\u00e4nken? Zumal es auch die anderen St\u00fccke in sich haben. Wie \u201eHusbands\u201c gemeint ist (He sung the final hour of my sleep / oh God I wanna get rid of it / (\u2026) / my house, my bed, my husbands, husbands, husbands, (\u2026)), w\u00fcrde mich zum Beispiel schon interessieren. Aber K\u00fcnstler verraten nicht, was sie meinen, wenn sie etwas sagen. Das w\u00e4re doch albern.\nEntdeckt \u201eSilence Yourself\u201c also unerkl\u00e4rt:\nAuf YouTube kann man den Musikerinnen beim Spielen zusehen, auf Amazon.de kurz reinh\u00f6ren.\nTomahawk \u2013 Oddfellows\n\u201eAnd I\u2019ll shoot you off the range / Sell your daddy\u2019s grange\u201c (White Hats/Black Hats)\nWas macht eigentlich Mike Patton (umtriebiges Mitglied von Mr. Bungle, Fant\u00f4mas, Faith No More, Peeping Tom und The Moonchild Trio sowie Gasts\u00e4nger bei vielen, vielen anderen Musikgruppen und \u2011projekten) gerade so? Nun, im Jahr 2000 hat er zusammen mit Duane Denison (unter anderem The Jesus Lizard) die Band Tomahawk gegr\u00fcndet, mit der er Alben wie \u201eMit Gas\u201c (2003 ver\u00f6ffentlicht) aufnahm. Mit \u201eOddfellows\u201c erschien 2013 das mittlerweile vierte Studioalbum von Tomahawk; ob es wie \u00e4ltere Aufnahmen der Band irgendetwas mit Indianern zu tun hat, wei\u00df ich nicht.\nDie Website der Plattenfirma Ipecac Recordings weist darauf hin, dass \u201eOddfellows\u201c trotz \u00fcber f\u00fcnfj\u00e4hriger \u201ePause\u201c von Tomahawk keine Reunion bedeutet, \u201ees sei denn, das bringt mehr Geld\u201c (Zitat von ebendort), denn so richtig aufgel\u00f6st h\u00e4tten sich Tomahawk ja nie. Dass es mit \u201eStone Letter\u201c auf \u201eOddfellows\u201c sogar eine Single gibt (wie bei so \u2019ner Popband), ist allerdings ein bisschen komisch.\n\u201eOddfellows\u201c ist andererseits auch wenig experimentell verglichen mit Fant\u00f4mas, Maik Maerten nennt es gar \u201eerstaunlich zahm\u201c; und f\u00fcr Mike Patton mag das auch stimmen. Aber auch Trevor Dunn, der regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner R\u00fcckschauen zuletzt zum Beispiel auf \u2019nem Melvins-Album begegnet sein d\u00fcrfte, zeigt sich auf \u201eOddfellows\u201c \u00e4hnlich wandlungsf\u00e4hig. Mathias Freiesleben geht ins Detail:\nIch hoffe nur, ich vergesse das Album in der Jahresr\u00fcckschau im Dezember 2013 nicht. Gefahr laufe ich da aber nicht, wenn ich an die sch\u00fcchternen Perle \u201aI.O.U.\u2018 oder den Neo-Jazz-Hauch \u201aRise Up Dirty Waters\u2018 denke. Das lauernde \u201aA Thousand Eyes\u2018 ist auch ein Hit, ein leiser, hatte ich vergessen zu erw\u00e4hnen. Mit  \u201aTyphoon\u2018 durch die sterbende Kleinstadt brettern \u2013 eine Lust!\nSonst so? Nick Cave and the Bad Seeds, Tom Waits, Foo Fighters und nat\u00fcrlich alles von Mike Patton. Nehm\u2018 ich.\nNun fahre ich eher selten durch sterbende Kleinst\u00e4dte \u2013 vergessen haben m\u00f6chte aber auch ich \u201eOddfellows\u201c auf keinen Fall. Sch\u00f6n, dass das erledigt ist.\nH\u00f6rproben:\nReinh\u00f6ren k\u00f6nnt ihr auszugsweise auf Amazon.de, in voller L\u00e4nge beim Streaminganbieter eurer Wahl, zum Beispiel Grooveshark.\nBardo Pond \u2013 Peace on Venus\n\u201eI think it\u2019s gonna be different this time.\u201c (Kali Yuga Blues)\nIn \u201emeiner\u201c Hochschule probt unter anderem gelegentlich eine Punkband, die unter anderem das doch recht bekannte Lied \u201eLemon Tree\u201c covert. Die engagierte S\u00e4ngerin scheint jedoch Angst vor dem Mikrofon zu haben und ihre eigene Stimme nicht sonderlich gern zu m\u00f6gen, allzu zaghaft l\u00e4sst sie ihr Stimmchen zu den dr\u00fcckenden Gitarren ert\u00f6nen. Zu rotzigem Br\u00fcllpunk passt das nicht, zu der Musik von Bardo Pond allerdings durchaus.\nBardo Pond? Merkw\u00fcrdiger Name! Laut Internet stammt \u201eBardo\u201c aus dem Tibetanischen Totenbuch, \u201ePond\u201c (\u201eTeich\u201c) wurde erg\u00e4nzt, weil es in dieser Verbindung cool klinge. Der \u201eBardo\u201c sei der Ort, an dem eine Seele nach dem Tod des K\u00f6rpers landet. Dabei ist die Musik auf ihrem inzwischen neunten Album \u201ePeace on Venus\u201c alles andere als tot. Bardo Pond stammen im \u00dcbrigen aus Philadelphia. Was das \u00fcber Philadelphia aussagt, m\u00f6ge ein jeder Leser bitte selbst ergr\u00fcnden.\nDas Cover zieren schwarzwei\u00dfe nackte \u201eBlumenkinder\u201c. Wie klischeehaft. Wie treffend! Dargeboten wird verzerrter Garagenrock mit reichlich \u201eFuzz\u201c, Fl\u00f6te und angenehmen Amateurcharme. Crazy Horse (die Band, nicht der Indianerh\u00e4uptling) lassen gr\u00fc\u00dfen. Isobel Sollenbergers angenehm unaufdringlicher Gesang, der dem eingangs erw\u00e4hnter Punks\u00e4ngerin \u00e4hnelt, disharmoniert erfreulich angenehm mit dem psychedelischen Rhythmusfundament, dem \u201ewei\u00dfen Rauschen\u201c der Gitarren; und wohl wissend, dass die Schei\u00dfradiosender Musik wie diese sowieso nicht spielen, wird dann auch auf so etwas Langweiliges wie L\u00e4ngenbeschr\u00e4nkungen gepfiffen: \u201ePeace on Venus\u201c sind f\u00fcnf St\u00fccke zwischen fast f\u00fcnf und \u00fcber zehn Minuten. In der L\u00e4nge liegt die, \u00e4h, Musik.\nEine stilistische Einordnung ist trotzdem nicht so einfach wie es scheint: Experimentell? Psychedelisch? Pop? Postrock? Ach, diese Musikjournalisten immer. Wer Musik mag, der redet nicht dar\u00fcber, au\u00dfer man ist ich und empfiehlt gern Gutes zum H\u00f6ren.\nRock\u2019n\u2019Roll sei nicht tot, befindet das Internet angeh\u00f6rs dieses Albums. Ich bin geneigt, dem zuzustimmen.\nH\u00f6rproben:\nSchaut einfach mal auf Amazon.de vorbei.\nSons of Kemet \u2013 Burn\nEin Blick zur\u00fcck nach Gro\u00dfbritannien, von wo aus die Sons of Kemet agieren. \u201eKemet\u201c bedeutet Schwarzes (Land), womit das fruchtbare Ackerland im Niltal und Nildelta gemeint ist. Dass das Album \u201eBurn\u201c trotzdem \u201eBurn\u201c und nicht zum Beispiel \u201eMoisturize\u201c hei\u00dft, ist sicher nur ein Versehen.\nDas Dargebotene ist dann im \u00dcbrigen auch weit weniger antik als man annehmen k\u00f6nnte, obwohl Sons of Kemet tats\u00e4chlich einem betagten \u201eGenre\u201c fr\u00f6nen, n\u00e4mlich dem Jazz. Musikfreunde wissen, dass Jazz eine komplexe Welt ist, und auch Sons of Kemet tr\u00f6ten nicht lustlos wie der abertausendste Miles-Davis-Kopist vor sich hin, sondern begehen ihre eigenen Wege. Das f\u00e4ngt schon bei der Besetzung an: Saxophon/Klarinette, Tuba und zwei Schlagzeuge. Kein Gesang. Die Tuba ist dann tats\u00e4chlich auch ein dominantes Instrument, mal im Vordergrund, mal als markanter Teil der Rhythmusgruppe. \nDas Ganze klingt etwas esoterisch, aber nicht st\u00f6rend. Die meisten der zehn St\u00fccke treiben hektisch voran, ihnen haftet der Charakter einer Liveimprovisation an. Nicht nur hier erkenne ich Parallelen zum \u201eDouble Trio\u201c aus fr\u00fcheren King-Crimson-Tagen, das \u00e4hnliche Musik (wenn auch rockiger) auf B\u00fchnen und Tontr\u00e4ger brachte. Schon der opener \u201eAll Will Surely Burn\u201c bereitet den H\u00f6rer angemessen vor: W\u00e4hrend hallende Perkussion und Schlagzeug ert\u00f6nen, gesellen sich allm\u00e4hlich weitere Instrumente hinzu, ein eing\u00e4ngiger Tubarhythmus trifft auf mal wild umherflatternde, mal taktgetreue Einw\u00fcrfe von Shabaka Hutchings, Vordenker der Sons of Kemet und umtriebiger Vertreter des Jazz, sagt das Internet. Mein Lieblingsst\u00fcck auf \u201eBurn\u201c, das noch energischere \u201eThe Itis\u201c, ist mit gerade einmal 2:29 Minuten Laufzeit leider etwas kurz geraten.\nAuf \u201eBurn\u201c sind mit \u201eSong for Galeano\u201c, Eduardo Galeano gewidmet, und \u201eThe Godfather\u201c auch zwei St\u00fccke zu finden, die der experimentell-rauen Seite der Sons of Kemet eine ruhige Nuance hinzuf\u00fcgen, auch \u201eAdonia\u2019s Lullaby\u201c flie\u00dft vergleichsweise gem\u00e4chlich neben \u201eBeware\u201c, das seinen Namen nicht zu Unrecht tr\u00e4gt, her. Dass nicht gesungen wird, tut im \u00dcbrigen auch der Coverversion \u201eRivers of Babylon\u201c (im Original nur schwer und/oder betrunken zu ertragen) gut, die \u201eBurn\u201c beschlie\u00dft.\nFree Jazz mit Tuba k\u00f6nnt ihr euch wahrscheinlich jetzt ungef\u00e4hr so gut vorstellen wie ich, aber wof\u00fcr gibt es denn das Internet?\nMit H\u00f6rproben haben die Sons of Kemet SoundCloud best\u00fcckt, Amazon.de hat nat\u00fcrlich auch was.\nIhr solltet es auch bald haben.\nAmplifier \u2013 Echo Street\n\u201eDriving at the wheel / there is a prisoner / upon a road of vainlessness / I\u2019m traveling without a rival\u201c (The Wheel)\n\u201eEcho Street\u201c, anderswo schon mal zum Album der Woche gek\u00fcrt, ist das (abz\u00fcglich der verschiedenen EPs) inzwischen vierte Studioalbum des britischen Alternative-Rock-Quartetts Amplifier. Auf Echos wird verzichtet.\nWarum \u201eEcho Street\u201c, wenn doch schon f\u00fcr Herbst 2012 das bis heute nicht erschienene \u201eMystoria\u201c angek\u00fcndigt war? Das \u00fcbliche Problem trat auf: Das Geld ging aus.\nWir arbeiteten eigentlich an einem anderen Album namens \u201eMystoria\u201c, bei dem allerdings absehbar war, dass sie nicht rechtzeitig fertig werden w\u00fcrde[,] (\u2026) bevor uns das Geld ausgegangen w\u00e4re und wir nicht mehr die M\u00f6glichkeit gehabt h\u00e4tten, eine Platte rauszubringen. Als uns dies im August 2012 klar wurde, mussten wir aus dem Stand eine andere Scheibe aus dem Boden stampfen und diese aufnehmen und pressen lassen, solange noch Kohle vorhanden war.\nWie sich das f\u00fcr eine gute Musikgruppe, wie es Amplifier nun mal ist, geh\u00f6rt, waren daf\u00fcr aber sowieso noch St\u00fccke \u00fcbrig:\nDas einzige was wir hatten, waren hunderte von Tonb\u00e4ndern aus unserer Anfangszeit. Das hat es f\u00fcr mich r\u00fcckwirkend echt gerechtfertigt, die ganzen Kassetten \u00fcberhaupt aufgehoben zu haben. Es war nur ein winziger Bruchteil des Archivs, was letztlich auf der Platte gelandet ist.\n\u201eEcho Street\u201c ist also eigentlich keineswegs ein neues, sondern vielmehr eins von mehreren m\u00f6glichen \u201ealten\u201c Amplifier-Alben. Dabei klingt \u201ealt\u201c schlimmer als es ist, gegr\u00fcndet wurde die Band ja erst 1999; was im Musikgesch\u00e4ft andererseits wiederum eine halbe Ewigkeit \u2013 wie auch immer das gehen soll \u2013 darstellt. Sch\u00f6ne, neue Welt. Schlecht sind die ollen Kamellen aber trotzdem nicht.\nMit anschwellendem Klang beginnt \u201eMatmos\u201c, Stimme und unverzerrte Gitarre gesellen sich dazu. Sch\u00f6n, hat was von Psychedelic Rock. Nanana na nana nana. Die Stimmung, irgendwo zwischen Steven Wilson und Everlast und intim wie dereinst Talk Talk, geht unter die Haut, noch bevor ein Text zu h\u00f6ren ist; der allerdings auch nicht schlecht ist: \u201eAnd hazy are all my memories / and take away from me the past / your deconstructed soul immortal / is thinking laughing gas thoughts.\u201c \u201eMatmos\u201c ist nach einem Unheil bringenden See aus der Comicbuchreihe \u201eBarbarella\u201c benannt, die ich im \u00dcbrigen auch nicht kenne. Am Ende wird\u2019s rockig: \u201eFor the love that I found, I found\u201c (Wdh.) Was kommt mir da in den Sinn? echolyn.\nSonst so? \u201eThe Wheel\u201c, ein vergn\u00fcgliches Spacerockst\u00fcck, das beatlesque \u201eBetween Today and Yesterday\u201c, das new-artrockige \u201eEcho Street\u201c (laut Internet das \u00e4lteste jemals aufgenommene Amplifier-Lied), am Ende der bassdominierte Rocker \u201eMary Rose\u201c, der den H\u00f6rer vergebens auf die Eruption warten l\u00e4sst \u2013 und dazwischen Gitarre und jede Menge Elektronik. Hervorragend!\nDas Punk-Grunge-Album \u201eMystoria\u201c soll nach derzeitigem Stand \u00fcbrigens nun endlich 2014 erscheinen. Wer bis dahin noch etwas mehr Amplifier braucht, der m\u00f6ge den/die/das mit \u201eEcho Street\u201c zusammen erschienene EP Sunriders gleich hinterherh\u00f6ren. Gef\u00e4llt!\nH\u00f6rproben haben Grooveshark, Amazon.de und sonstwelche Seiten im Angebot. Sucht euch eine aus.\n\nF\u00fcr diejenigen von euch, die Musik lieber h\u00f6ren als allzu viel \u00fcber sie zu lesen, hatte ich vor einem Jahr die Rubrik \u201eprima Alben in einem Absatz zusammengefasst\u201c eingef\u00fchrt. Diese Rubrik wird auch 2013 fortgesetzt, schon deshalb, weil ich mal wieder nicht rechtzeitig mit Rezensieren fertig geworden bin. F\u00fcnf weitere Musikalben buhlen also im Folgenden um eure Aufmerksamkeit.\n2. Kurze Freuden.\n\nDe Staat \u2013 I_Con\n\u201eI_Con\u201c f\u00fcgt dem bandeigenen Rock einige interessante Nuancen hinzu, die sie aus der Rockschublade entfernen und dann sozusagen den ganzen Schrank neu zimmern. Der The-Strokes-touch (wenn auch mit weniger \u201eLo-Fi\u201c) ist zwar kaum zu \u00fcberh\u00f6ren, aber auch so Discomusik wie damals in den 90-ern ist zu h\u00f6ren (\u201eMake Way For The Passenger\u201c). Und erinnert sich noch jemand an Pop Will Eat Itself, Rage Against the Machine oder die Beastie Boys, an diese Melange aus Gitarren, Rap und dance? Sp\u00e4testens in \u201eDown Town\u201c kehrt die Erinnerung zur\u00fcck. H\u00f6rproben? Hier entlang.\nSound of Contact \u2013 Dimensionaut\nIn \u201eDimensionaut\u201c treffen fr\u00fche Yes (aus der Zeit vor \u201eFragile\u201c) auf sp\u00e4te (wenig experimentierfreudige) Genesis und verm\u00e4hlen sich schlie\u00dflich mit dem Spacerock von Hawkwind. Die Genesisn\u00e4he ist vermutlich kein Zufall, ist doch Schlagzeuger und S\u00e4nger Simon Collins der \u00e4lteste Sohn des anderen, schlechteren Herrn Collins. Das f\u00e4llt aber ansonsten zu meinem Entz\u00fccken kaum auf, wie zum Beispiel auf Amazon.de zu h\u00f6ren ist.\nMarnie Stern \u2013 The Chronicles of Marnia\nMarnie Stern macht in den \u201eChroniken von Marnia\u201c das, was sie am Besten kann: Gitarre spielen und dazu seltsam singen. H\u00e4ufig klingt das wie die neueren St\u00fccke der ehemaligen The-Velvet-Underground-Schlagzeugerin Moe Tucker, manchmal auch nach den Pixies. Afrikanische (\u201eNoonan\u201c) und 60-er-Jahre-Rhythmen (\u201eStill Moving\u201c) verschmilzen mit den Tappingteppichen und Frau Sterns jedenfalls einzigartigem Gesang zu einem spa\u00dfigen Gesamtwerk, das seine Kraft vermutlich im Sommer eher entfaltet als im Winter, aber der n\u00e4chste Sommer dauert ja voraussichtlich auch nicht mehr lange. Es gibt auch ein Musikvideo dazu. Juhu!\nMinerva \u2013 Germinal\nMinerva ist die r\u00f6mische G\u00f6ttin des Handwerks und der Weisheit, also eine G\u00f6ttin der Gegens\u00e4tze. Minerva ist au\u00dferdem eine Psychedelic-Rock-Band aus Potsdam, die mit \u201eGerminal\u201c ein h\u00f6renswertes Deb\u00fctalbum vorgelegt hat, das so gegens\u00e4tzlich ist wie die G\u00f6ttin selbst: Melodisch untermalte Gedichte (\u201eDer gl\u00e4serne K\u00e4fig\u201c) einerseits, treibender Rock wie von The Mars Volta (\u201eBefore I Lost My Fight And Sight\u201c) andererseits; hier Gitarren, da Saxophon und Bass; Stoner Rock (\u201eHastily\u201c) und Alternative Rock (\u201eAll I\u2019ve Done\u201c) wechseln sich wie selbstverst\u00e4ndlich ab. Texte wie von Ira! (Herzen gef\u00fcllt mit Monotonie / Wo sind wir geblieben, wo?), Musik wie seit Langem nicht mehr geh\u00f6rt.\nOmb \u2013 SwineSong\nEtwas name dropping zu \u201eSwineSong\u201c: Gentle Giant, King Crimson, Sleepytime Gorilla Museum, Eatliz, Mr. Bungle, The Void\u2019s Last Stand. Omb hie\u00dfen fr\u00fcher Of Marble\u2019s Black und machten Metal. Geblieben ist das Growling, hinzu kam abgedrehter D\u00e4monengesang, verst\u00e4rkt wurden verzwirbelte Gitarren. Alles auf einmal. Israel scheint fruchtbaren N\u00e4hrboden f\u00fcr Bands zu liefern, die alles anders machen wollen (nochmals cf. Eatliz). Wer mag, kann\u2019s per Bandcamp h\u00f6ren und/oder kaufen. Schwein gehabt.\n\nEin Manko des musikalischen Jahres 2013 ist es, dass das Angebot an wirklich au\u00dfergew\u00f6hnlichen kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellten Produktionen entweder gesunken oder mir schlicht v\u00f6llig entgangen ist. Aus dem Einheitsbrei der Oceansize-, Tool- und Franz-Ferdinand-Imitatoren konnte ich daher im zweiten Halbjahr 2013 auch nur diese zwei wahren Perlen herausfischen:\n3. Spa\u00df f\u00fcr nix.\n\nSn\u00f6hamn\nF\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Texte sind Sn\u00f6hamn fast schon alte Bekannte, das St\u00fcck \u201eDu vilar nu\u201c hatte ich erst k\u00fcrzlich empfohlen. \u201eSn\u00f6hamn\u201c hei\u00dft laut Plattenfirma ungef\u00e4hr so viel wie \u201eAstralk\u00f6rper aus Eis\u201c und klingt auch so \u00e4hnlich.\nSn\u00f6hamn machen im Wesentlichen ambienten Postrock. Schon wieder Postrock? Reicht es nicht langsam? N\u00f6. Das titellose Beinahealbum (das wird langsam zur Gewohnheit) haut dem H\u00f6rer nicht st\u00e4ndig irgendwelche Effekte oder Gitarrenbretter um die Ohren, sondern arbeitet sich behutsam mit Pinsel und Pinzette voran.\nBeinahealbum? Nun ja, mit f\u00fcnf St\u00fccken und nicht ganz 40 Minuten Spieldauer ist dies eher ein/eine EP, aber die f\u00fcnf Schweden wissen die Zeit wohl zu nutzen. Gesungen wird nicht. Gut so! Ihre Stimme ist die Musik. Sn\u00f6hamn erz\u00e4hlen f\u00fcnf Geschichten und reden nicht viel dabei. Was ist Traum, was Wirklichkeit? \u201eSn\u00f6hamn\u201c klingt wie wenn man durch einen sch\u00f6nen Wald spaziert und dem Wind lauscht. Das machen wir viel zu selten.\nRunterholen:\nAuf Bandcamp.com gibt es \u201eSn\u00f6hamn\u201c in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren und herunterzuladen, eMule hat es ebenfalls.\nIl Rumore Bianco \u2013 Mediocrazia\nItalienische Bands haben sehr oft das Problem, dass ihre Texte ebenfalls auf Italienisch gehalten sind. Italienisch ist zwar eine sch\u00f6ne melodi\u00f6se Sprache, aber italienischer Gesang ist in der Regel eher kantig und etwas st\u00f6rend. Il Rumore Bianco gelingt das Kunstst\u00fcck, mir trotzdem zu gefallen.\nWas bekommen wir hier zu h\u00f6ren? Nun, ebenfalls eine sehr kurze \u201eScheibe\u201c, die nicht mal eine halbe Stunde dauert. Stilistisch bet\u00e4tigen sich die sechs Herren (klassische Rockbandbesetzung plus Keyboards, Synthesizer und Saxophon) auf dem weiten Feld des Jazzrock, dabei in den durchaus gehobenen Gefilden. Passende Vergleiche: Gentle Giant, The Tangent, Van der Graaf Generator. Eint\u00f6nig bleibt es trotzdem nicht: Ist \u201eTutto un sogno (pt. 1)\u201c noch ein bass- und keyboardlastiges straightes (Progressive-)Rockbrett, dominieren in \u201eTutto un sogno (pt. 2)\u201c jazziges Saxophon und Tasteninstrumente zu weitgehend unaufgeregtem Gesang. Explodieren tut\u2019s nur zwischendrin mal, da meldet sich auch die Gitarre zu Wort (und da sind Van der Graaf Generator so nah wie selten).\nDazwischen? Das streckenweise sch\u00f6n vertrackte \u201eIl vestito buono\u201c und das seltsame \u201eIl primo attore\u201c, in dem ich mal wieder King Crimson aus den fr\u00fchen 70-ern erkenne, Saxophon selbstverst\u00e4ndlich inklusive. \u201eRock\u201c- und \u201eJazz\u201c-Teile werden auf \u201eMediocrazia\u201c jedenfalls so nahtlos aneinandergeheftet, dass man es kaum mitbek\u00e4me, w\u00fcrde man nicht pl\u00f6tzlich mittendrin den Takt beim Mitwippen verlieren. Aktives Musikh\u00f6ren ist ganz sch\u00f6n anstrengend; vor allem aber ganz sch\u00f6n. Das solltet ihr aber schon wissen.\nRunterholen:\nStream und Download gibt\u2019s auf Bandcamp.com, holen und mitverbreiten k\u00f6nnt ihr \u201eMediocrazia\u201c zum Beispiel auch per eMule.\n\nWar das schon alles? Aber nein! Neben all diesen Studioproduktionen landeten unl\u00e4ngst auch zwei Liveaufnahmen in meinem Musikspieler, die meine Wertsch\u00e4tzung ehrlich verdient haben.\n4. Zwei Konzerte f\u00fcr zu Hause.\n\nM\u00f8ster! \u2013 Edvard Lygre M\u00f8ster\nIch wiederhole: Was ein Edvard Lygre ist, vermag ich aufgrund mangelnder Norwegischkenntnisse nicht zu wissen. Ist das nicht aber sowieso beinahe egal? Ich lasse lieber die Musik f\u00fcr sich sprechen. Und die geht, Verzeihung!, tierisch ab.\nIst das erste St\u00fcck \u201ePlastic Disco\u201c (12:10 Minuten; keine Sorge, bumm-tschack bleibt hier aus) schon ein prachtvoller Vorbote f\u00fcr das Folgende, drehen die vier Herren danach erst so richtig auf. In \u201eRansom Bird\u201c ist erstmals tats\u00e4chlich etwas Publikum (jubelnd) zu h\u00f6ren. Wer k\u00f6nnte es ihm angeh\u00f6rs der schieren Instrumenteneskapade, herausragend vorangetrieben von Schlagzeug und Bass, schon verdenken? Das Internet schreibt hier von \u201erauschhafter Ekstase\u201c, und ich k\u00f6nnte es kaum besser umschreiben.\nJazz f\u00fcr jede Gelegenheit!\nReinh\u00f6ren:\nAmazon.de stellt kurze Ausschnitte aus jedem der vier enthaltenen St\u00fccke bereit.\nPropheXy \u2013 Improvviso\nAm 17. M\u00e4rz 2012 fand sich die italienische Band PropheXy f\u00fcr eines ihrer Konzerte zusammen.\nDer jazzige Retro-Prog-Hardrock ihres Deb\u00fctalbums \u201ealconauta\u201c von 2008 hat sich mit dem Ausstieg von Matteo Bonazza in eine freif\u00f6rmigere Richtung bewegt, die mir sehr gef\u00e4llt. Zu h\u00f6ren ist die typische Mischung aus den Rhythmusexperimenten von Gentle Giant, dem Instrumentengefrickel der 1982er King Crimson und extrovertiertem italienischem Gesang, der sich schon aufgrund der reinen Sprachmelodie dem H\u00f6rer geradezu aufdr\u00e4ngt. Auch der Canterbury, vorrangig repr\u00e4sentiert vom schier allgegenw\u00e4rtigen Fl\u00f6tisten Alessandro Valle, kommt nicht zu kurz; mit \u201eDisassociation\u201c und \u201eGolf Girl\u201c wurden sogar zwei Coverversionen von Caravan-Klassikern gespielt, gesungen von Richard Sinclair h\u00f6chstselbst, der vielleicht gerade mal etwas Zeit \u00fcbrig hatte.\nLobenswert auch die Abmischung: Nervig dazwischenklatschendes Publikum wie in deutschen Bierzelten ist nicht zu h\u00f6ren, der Applaus ert\u00f6nt, wenn \u00fcberhaupt, allenfalls am Ende eines St\u00fcckes und wird dann recht schnell ausgeblendet. Ich bin ja f\u00fcr die Wiedereinf\u00fchrung der Rettichstrafe f\u00fcr jeden, der eine musikalische Auff\u00fchrung mit bl\u00f6dem Gepatsche st\u00f6rt, aber dieses Publikum war ein sehr gutes.\nEs war dem Konzert wohl durchaus angemessen.\nReinh\u00f6ren:\nAuch diesmal werdet ihr auf Amazon.de f\u00fcndig.\n\nNach all der Freud\u2018 nun etwas Leid: Wie \u00fcblich habe ich es auch diesmal nicht vers\u00e4umt, die einschl\u00e4gigen Rezensionszeitschriften und \u2011webseiten nach Geheimtipps, Alben des Jahres (und so weiter und so fort) zu durchforsten, und den Fehler gemacht, die Euphorie nachvollziehen zu wollen. Ein gro\u00dfer Name bewahrt oft nicht vor gro\u00dfem Mist. Die vier gr\u00f6\u00dften Totalausf\u00e4lle sind diese:\n5. Geschenke f\u00fcr den Feindeskreis.\n\nNektar \u2013 Time Machine\nIch wei\u00df nicht, in welche Zeit Nektar hier gereist sind, aber spannend geht es dort sicherlich nicht zu. Bl\u00f6derweise sind sie auch wieder zur\u00fcckgekehrt und erz\u00e4hlen allen davon.\nDream Theater\nIch hole mal etwas weiter aus: Ein neuer Schlagzeuger ist an Bord, Mike Portnoy will nicht mehr mitspielen. Ein Sakrileg? Wer wei\u00df! Ein viel gr\u00f6\u00dferes Sakrileg vielleicht: Dream Theater hielt ich ja immer f\u00fcr etwas \u00fcberbewertet (wie sonst nur die Beatles und Miles Davis). Der Anfang des Albums (tr\u00e4gt es nun eigentlich einen Namen oder nicht?): Opernhaft? Nightwish? Zum Gl\u00fcck keine Tarja! Ach, jetzt wei\u00df ich wieder, wieso ich mich von allem, was sich \u201eProgressive Metal\u201c nennt, normalerweise fernhalte, diese Keyboardfanfaren sind mir schon bei Muse auf die Nerven gefallen. Weiterhin in gebotener K\u00fcrze: Chor und Gitarrengebratze. Gesang folgt erst in St\u00fcck 2, klingt aber von Anfang an etwas arg gepresst. Und er wird nicht besser! Gitarre und Schlagzeug zweifelsfrei (wie oft behauptet) gro\u00dfartig, aber der Gesang verdirbt\u2019s. Hat der S\u00e4nger Bauchschmerzen? Und dann noch die Texte! Jetzt wei\u00df ich, wer Transatlantic zu ihrem grauenhaften textlichen Gejammer inspriert hat. Man verstehe mich nicht falsch und schm\u00e4he mich einen blo\u00dfen Dream-Theater-Ver\u00e4chter: \u201eMetropolis Pt. II \u2013 Scenes From a Memory\u201c halte ich f\u00fcr ein gelungenes Album. \u201eDream Theater\u201c, sieben Studioalben sp\u00e4ter, ist aber das, was der \u201eName\u201c verspricht: Schrecklich uninspiriert. Schade drum.\nThe Flower Kings \u2013 Desolation Rose\nDen Titel haben sie bei Bob Dylan abgeguckt und schlecht verkalauert, aber er spricht B\u00e4nde: Mehr als desolation ist hier nicht zu erwarten. Denkmalpflege ja, aber nicht auf hohem Niveau. Hat man alles schon mal von den Flower Kings geh\u00f6rt \u2013 und zwar besser.\nPublic Service Broadcasting \u2013 Inform \u2013 Educate \u2013 Entertain\nDas Londoner Duo Public Service Broadcasting musiziert auf \u201eInform \u2013 Educate \u2013 Entertain\u201c stilsicher an Konventionen vorbei. Um Ausschnitte aus alten Propaganda- und Werbefilmen herum stricken sie elektronische instrumentale Klangwelten, die mal minimalistisch (\u201eLate Night Final\u201c), mal bedrohlich (\u201eNight Mail\u201c), mal feierlich (\u201eThe Now Generation\u201c) daherkommen. Gelegentliche Reminiszenz ist das Penguin Cafe Orchestra, leider \u00fcbernimmt man auch dessen gr\u00f6\u00dftes Manko: Das Zeug wird einfach sehr schnell langweilig. Sp\u00e4testens nach dem zweiten St\u00fcck.\n\nFr\u00fcher was alles besser? Aber nicht doch! Fr\u00fcher gab es zum Beispiel viel mehr furchtbare Musikgruppen als heute. Das ist ein w\u00fcnschenswerter Zustand, \u00fcber den wir uns jeden Tag wieder freuen sollten. Andererseits f\u00e4llt das manchmal auch schwer, wenn man hingegen bedenkt, welch eigentlich prima Zeit f\u00fcr die Musik niemals zur\u00fcckkehren wird. Erinnern wir uns also zur\u00fcck!\n6. Tage wie diese\u2026\n\nVor 40 Jahren:\n\u201e1973\u201c ist ein Lied von James Blunt, der erst 1974 geboren wurde. Worum es in dem Lied geht, wei\u00df ich nicht, vielleicht singt er davon, wie sch\u00f6n die Welt vor seiner Geburt doch war. Dabei sah es 1973 zuerst gar nicht nach einem guten Jahr aus: Im Juni verlie\u00df Brian Eno, Stil pr\u00e4gender Experimentalmusiker, die Glamrockband Roxy Music, mit der er erst kurz zuvor die ersten beiden Alben Roxy Music und For Your Pleasure aufgenommen hatte. Roxy Music versanken danach in der Beliebigkeit, auch nachr\u00fcckende Musiker konnten Enos Kreativit\u00e4t nicht ersetzen. Er selbst verlie\u00df den eingeschlagenen Pfad auch recht schnell: Sein Solodeb\u00fctalbum Here Come the Warm Jets, das noch im September 1973 gemeinsam mit ehemaligen Roxy-Music-Mitstreitern, Robert Fripp, John Wetton und anderen aufgenommen wurde, zehrte noch von seiner Zusammenarbeit mit einer Rockband, im weiteren Verlauf widmete er sich dann doch lieber der elektronischen \u201eAmbient\u201c-Einschlafmusik. Anders erging es Gong, die 1973 gleich zwei herausragende Musikalben (Flying Teapot und Angel\u2019s Egg) ver\u00f6ffentlichten, die mit dem im Folgejahr erschienenen You die \u201eRadio-Gnome-Trilogie\u201c bildeten, mit der sie wie zuvor ihre Landsm\u00e4nner von Magma ihren eigenen Erz\u00e4hlkosmos schufen. Gong zerfiel wenig sp\u00e4ter in verschiedene Gongs (zeitweise gab es mindestens drei verschiedene Bands dieses oder eines \u00e4hnlichen Namens zur gleichen Zeit), erst 1992 kehrte man zum gemeinsamen Namen Gong zur\u00fcck. Das bisher letzte Album mit Radio-Gnome-Bezug, Zero To Infinity, erschien im Jahr 2000, 2032 erst 2009. Weitere Aktivit\u00e4ten sind nicht ausgeschlossen.\nVor 30 Jahren:\nRod Stewarts \u201eBaby Jane\u201c, ich kann\u2019s nicht mehr h\u00f6ren, war 1983 sein erster \u201eNummer-1-Hit\u201c in Deutschland, was \u00fcber die deutsche Hitparade mehr aussagt als es mir lieb ist; das zugeh\u00f6rige Album Body Wishes verkaufte sich im selben Jahr ebenfalls ziemlich gut. Dieser geballten Ladung Schmalz wusste man in Deutschland wohl nicht viel entgegenzusetzen und belebte stattdessen die inl\u00e4ndische Punkszene. Slime, damals provokante Heroen der Szene, machten nach ihrem vorl\u00e4ufigen Abschiedsalbum Alle gegen Alle aber erst einmal Pause; etwa zur selben Zeit entstanden aus verschiedenen Amateurpunkbands aber mit den Die \u00c4rzte und den Toten Hosen neue Hoffnungstr\u00e4ger, die mal subtil (Die \u00c4rzte), mal weniger subtil (Die Toten Hosen) das linkspolitische musikalische Engagement in das neue Jahrzehnt retteten. Auf ihrem 1983 erschienenen Deb\u00fctalbum Opel-Gang beschr\u00e4nken die Toten Hosen ihre politische Aussage zwar noch auf leisen Sarkasmus (\u201e\u00dcl\u00fcs\u00fc\u201c), alle \u00fcbrigen Bestandteile ihrer Musik einschlie\u00dflich der fehlenden Reime sind aber schon erkennbar. Drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter haben sie noch nichts verlernt.\nVor 20 Jahren:\nDas musikalische 1993 in einem Wort: Verwirrend. Der von Jimi Hendrix h\u00f6rbar beeindruckte Gitarrist Caspar Br\u00f6tzmann sorgte mit seiner Band Caspar Br\u00f6tzmann Massaker auf Koksofen f\u00fcr eine angenehm anstrengende Mischung aus Jazzrock, Stoner Rock und Zappaesquem mit mantraartig wiederholten, obskuren englischsprachigen Texten f\u00fcr Verwirrung, die Punkrockband Green Jell\u00ff mit der Single Three Little Pigs vom schon 1991 erschienenen Cereal Killer Soundtrack, auf dem auch Maynard James Keenan und Danny Carey (Tool) zu h\u00f6ren sind. Damals, als MTV sich noch was traute. Auch Die Fantastischen Vier haben sich auf Die 4. Dimension was getraut, n\u00e4mlich die H\u00f6rerschaft wiederum zu verwirren, indem der Spa\u00dfrap der ersten beiden Alben textlich wie musikalisch den Drogen wich. \u201eTag am Meer\u201c statt \u201eDie da!?\u201c. Auch textlich war Die 4. Dimension ein Konzeptalbum und handelte passenderweise von der Reise ins Ich, von der Reflexion \u00fcber das eigene Dasein. Der H\u00f6rer honorierte das nicht, f\u00fcr eine nennenswerte Hitparadenplatzierung hat es trotz des \u201eTages am Meer\u201c nicht gen\u00fcgt; vielleicht auch deshalb wagte man erst 1999 auf 4:99 wieder \u00e4hnlich Tiefgr\u00fcndiges. Dass die Fantastischen Vier laut Interviews heute noch Drogen als den Kraftstoff f\u00fcr ihr Schaffen betrachten, h\u00f6rt man ihrem aktuellen Album F\u00fcr dich immer noch Fanta Sie bedauerlicherweise auch an. Die 4. Dimension war trotzdem klasse.\nVor 10 Jahren:\nWie nennt man eigentlich als Musikgruppe eine Platte, wenn einem gar nichts einzufallen vermag? Genau: Platte. Electric Orange ver\u00f6ffentlichten 2003 die Platte Platte auf Platte (erst Jahre sp\u00e4ter gab es eine CD-Ausgabe), platt ist die aber gar nicht, vielmehr bin ich selbst platt von der \u00dcberdosis an fr\u00fchen Pink Floyd, die Platte verursacht. Kein Gesang, nicht schlimm; daf\u00fcr jede Menge Bass und Hammondorgel. Das Ausnahmest\u00fcck hei\u00dft \u201eHolzbock\u201c, das Can noch n\u00e4her ist als das dem verstorbenen Can-Musiker Michael Karoli gewidmete \u201eDedicated to Mk\u201c. Musikalisch vorw\u00e4rts statt r\u00fcckw\u00e4rts ging es f\u00fcr Subway to Sally, deren siebtes Studioalbum Engelskrieger den Mittelalterrock fr\u00fcherer Werke zum allgemeinen Entsetzen durch \u00f6den Metal ersetzte. Einige Jahre sp\u00e4ter wechselte man die Plattenfirma und machte diesen Stilwechsel erfreulicherweise wieder r\u00fcckg\u00e4ngig. Zumindest die schottische Postrockband Aereogramme blieb sich derweil treu und verarbeitete auf ihrem zweiten Album Sleep and Release allerlei genreverwandte Einfl\u00fcsse von Mogwai bis zu Sigur R\u00f3s. Reich wurden die Musiker damit aber nicht, und so ging man nach dem treffend benannten Album My Heart Has a Wish That You Would Not Go im Jahr 2007 schlie\u00dflich vor\u00fcbergehend getrennte Wege. Falls sich noch jemand fragen sollte, wieso der Eindruck entsteht, dass es immer weniger neue wirklich gute Musik gibt, so empfehle ich, den Plattenfirmen die Schuld zu geben. Zum Gl\u00fcck gibt es inzwischen akzeptable Vertriebsformen \u00fcber das Internet. Die H\u00e4lfte von Aereogramme ist seit 2008 unter dem Namen The Unwinding Hours aktiv, ihre Aktivit\u00e4ten im Auge zu behalten ist derweil nicht die schlechteste Idee.\n\nFertig? Fertig! Habe ich irgendein nennenswertes Album vergessen? Lasst es mich wissen!\nIm Juni 2014 folgt voraussichtlich der n\u00e4chste Teil. Vergesst bis dahin nicht, ab und zu Musik zu h\u00f6ren. Das Leben w\u00e4re ein tristes.\nBis dann!\nKommentareHirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2014 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 27. Februar 2015 dies: [\u2026] bereits 2003 erfreuen Electric Orange den H\u00f6rer mit krautigem Psychedelic Rock. Ge\u00e4ndert hat sich seitdem nur [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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Ich muss euch allerdings versch\u00e4mt gestehen, dass ich einfach nicht die Zeit gefunden (oder mir genommen habe), allen Musikalben, die vielversprechend erschienen, genug Zeit zu geben, sich zu entfalten.<br>\n<span id=\"more-8112\"></span></p>\n<p>Dabei ist eines der bislang beachtlichsten Alben 2013 auch das wohl umstrittenste: Zu <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Heino</span>s \u201eMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen\u201c hatte ich mich ja schon <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/02/heino-mit-freundlichen-gruessen/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Februar</a> ausgelassen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es ein Kandidat f\u00fcr die Top- oder Schrottliste ist; skurril und darum interessant ist es aber auf jeden Fall. Das gelang in diesem Jahr ansonsten nicht vielen Musikern.</p>\n<p>Das neue Album \u201eEverybody Loves Sausages\u201c der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Melvins</span>, das so richtig <em>Eier hat</em>, ist leider ein Coveralbum und gen\u00fcgt daher meinen Anspr\u00fcchen f\u00fcr diese Liste nicht. H\u00f6ren solltet ihr es nat\u00fcrlich trotzdem. Ansonsten ist von <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Dante</span>s \u201eNovember Red\u201c bis zu dem Comebackalbum von <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">My Bloody Valentine</span> jede Menge vielversprechender Musik angefallen, die leider nicht ansatzweise meinem Qualit\u00e4tsstandard gen\u00fcgen konnte.</p>\n<p>Die Hauptliste ist daher mit gerade einmal neun Musikalben (plus gegebenenfalls <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">Heino</span>) diesmal deutlich k\u00fcrzer als sonst, das erste Halbjahr 2013 gab eben einfach nicht viel her \u2013 daf\u00fcr wird\u2019s am Ende des Jahres hoffentlich um so voller. Freut euch darauf!</p>\n<p>Los geht\u2019s:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Kurz und gut.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/steven-wilson-the-raven-that-refused-to-sing-and-other-stories.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-steven-wilson-the-raven-that-refused-to-sing-and-other-stories.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Steven Wilson \u2013 The Raven That Refused To Sing (and other stories)</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eHere we all are born into a struggle / to come so far but end up returning to dust\u201c</span> (Luminol)\n<p>Dass ich, <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine-Tree</span>-Affinit\u00e4t hin oder her, mit der Solomusiziererei des Herrn <span class=\"musik-review-bandname\">Wilson</span> nicht viel anfangen kann, ist altbekannt und hoffentlich verst\u00e4ndlich. Viel zu sph\u00e4risch und zur\u00fcckhaltend blubbert da die Elektronik aus den Lautsprechern, viel zu sanft und letztlich einschl\u00e4fernd folgt er den Pfaden der fr\u00fchen <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>, wie es auch <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span> anfangs taten.</p>\n<p>Insofern ist \u201eThe Raven That Refused To Sing (and other stories)\u201c nicht nur einfach gut, sondern ein \u00dcberraschungstreffer. Wer indes der \u201eRabe\u201c ist, wei\u00df ich nicht. <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> selbst ist zumindest nicht gemeint, denn er weigert sich keinesfalls zu singen, was ich ansonsten bedauern w\u00fcrde, aber \u201eThe Raven\u2026\u201c \u2013 ich k\u00fcrze das jetzt mal ab \u2013 ist, wie bereits erw\u00e4hnt, recht gro\u00dfartig. Tats\u00e4chlich ist der Rabe aber ein Symbol f\u00fcr den Tod oder eine zumindest traurige Erinnerung.</p>\n<p>Das kann man anhand des tristen grauen <em>artworks</em> theoretisch bereits folgern, bekannt aber sollte <span class=\"musik-review-bandname\">Edgar Allan Poe</span>s <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/05/im-gedenken-an-edgar-allan-poe-1809-1849/\&quot;" data-wpel-link="internal">Gedicht <em>The Raven</em></a> sein, das unter anderem von <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Omnia</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Alan Parsons</span> musikalisch umgesetzt wurde und das diese Verbindung erstmals beschreibt. <span class=\"musik-review-bandname\">Alan Parsons</span> ist es dann auch, der auf \u201eThe Raven\u2026\u201c, gerade einmal 37 Jahre nach seinem eigenen \u201eRaben\u201c, an einer der Gitarren zu h\u00f6ren ist und <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> bei der Produktion des Albums unterst\u00fctzte. Vielleicht ist das alles aber auch nur ein Zufall.</p>\n<p>Andererseits ist \u201eThe Raven\u2026\u201c durchaus mit Bedacht konzipiert worden. Jedes der sechs St\u00fccke basiert auf Geschichten aus dem Supranaturalismus, es geht also in jedem der St\u00fccke textlich um Geister. Entsprechend getr\u00fcbt ist die Grundstimmung; dabei vergisst es <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> aber nicht, den H\u00f6rer immer wieder aus der Beklemmung zu befreien.</p>\n<p>Nicht alles an \u201eThe Raven\u2026\u201c ist neu. Der <em>longtrack</em> <em>Luminol</em> etwa wurde bereits auf der Tour zum Vorg\u00e4ngeralbum \u201eGrace For Drowning\u201c gespielt. Nie kam <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> seinen eigenen Vorbildern <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> \u2013 neben <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>, versteht sich \u2013 so nahe wie hier: Ein treibender Bass und <span class=\"musik-review-bandname\">Theo Travis</span>\u2018 Fl\u00f6te lassen Kenner des Canterbury Sound aufhorchen, dazu ist ein Mellotron zu h\u00f6ren. Unvermittelt setzt mehrstimmiger Gesang ein, der ebenso unvermittelt wieder endet und so den Beginn eines l\u00e4ngeren Instrumentalteils markiert, der gegen Ende wieder das Thema vom Anfang aufgreift und nach etwa viereinhalb Minuten in einen ruhigen Teil m\u00fcndet, der mit Klavier und beatlesquem Gesang ebenso von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>s \u201eIslands\u201c stammen k\u00f6nnte. Nach wiederum vier Minuten erfolgt eine weitere Z\u00e4sur, Mellotron und Schlagzeug steigern sich bis fast zur Explosion und verklingen, bis <em>Luminol</em> mit dem urspr\u00fcnglichen Thema schlie\u00dflich endet. Habe ich schon <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> erw\u00e4hnt?</p>\n<p>Einzelne Elemente dieses Beispiels ziehen sich durch alle St\u00fccke auf dem Album; das beschauliche <em>The Watchmaker</em> steht so wie selbstverst\u00e4ndlich neben dem offensiv rockenden <em>The Holy Drinker</em>. Wer wie ich bislang der Meinung war, von <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> h\u00e4tte er schon alles irgendwann mal geh\u00f6rt, k\u00f6nnte hier eine positive \u00dcberraschung erleben. Zu empfehlen ist\u2019s jedenfalls ohne jedwelches Aber.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAuf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=E3MpGBwGdVk\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> gibt es zurzeit eine gro\u00dfartige Liveversion von <em>Luminol</em> zu bestaunen, das vollst\u00e4ndige Album ist unter anderem <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/The+Raven+That+Refused+To+Sing+and+Other+Stories/8602888\&quot;" data-wpel-link="internal">per Grooveshark</a> streambar. Falls euch die Kurzform gen\u00fcgt: <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Raven-That-Refused-Limited-Edition/dp/B00AYATBP6/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> wurde mit den \u00fcblichen kurzen Ausschnitten best\u00fcckt.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/eels-wonderful-glorious.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-eels-wonderful-glorious.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Eels \u2013 Wonderful, Glorious</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eIf you\u2019re not ready then you better get out now!\u201c</span> (Bombs Away)\n<p>\u201eMy hovercraft is full of eels\u201c \u2013 dieses Zitat der britischen Komiker <span class=\"musik-review-bandname\">Monty Python</span> sollte bekannt sein. So schlimm ist das aber gar nicht, denn wenn Aale so interessante Musik machen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Eels</span> auf \u201eWonderful, Glorious\u201c, dann kaufe ich mir sofort ein Luftkissenfahrzeug.</p>\n<p>Bl\u00f6de historische Referenzen aber mal beiseite gelassen \u2013 mit <span class=\"musik-review-bandname\">Monty Python</span> haben <span class=\"musik-review-bandname\">Eels</span> tats\u00e4chlich nicht viel zu tun. Glaubt man den Aussagen von Bandgr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Oliver Everett</span>, der seine Soloalben zur Zeit der Gr\u00fcndung bereits seit Jahren unter dem K\u00fcnstlernamen <span class=\"musik-review-bandname\">E</span> ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, so wurde der Name gew\u00e4hlt, um die Alben der Band im Schallplattenladen m\u00f6glichst nahe an seinen eigenen stehen zu haben. Es wurde nicht bedacht, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Earth, Wind &amp; Fire</span> sowie die <span class=\"musik-review-bandname\">Eagles</span> das Alphabet klar auf ihrer Seite hatten. Nun, <span class=\"musik-review-bandname\">Eels</span> ist ja trotzdem ein sch\u00f6ner Bandname.</p>\n<p>Dem Mythos um die Entstehung des Namens sei\u2019s verziehen, dass weder <span class=\"musik-review-bandname\">Earth, Wind &amp; Fire</span> noch die <span class=\"musik-review-bandname\">Eagles</span> musikalisch viel mit <span class=\"musik-review-bandname\">Eels</span> gemeinsam haben. (Einen Saturnmitarbeiter st\u00f6rt so was erfahrungsgem\u00e4\u00df \u00fcbrigens nicht im Geringsten.) <span class=\"musik-review-bandname\">Eels</span> machen stattdessen so genannten \u201eIndie-Rock\u201c par excellence. Ich bin durchaus willens, \u201eWonderful, Glorious\u201c als bestes <em>mainstream</em>-Album des bisherigen Jahres zu betrachten, immerhin geben sich die Musiker nicht viel M\u00fche, den <em>Vorwurf</em> der Radiokompatibilit\u00e4t zu entkr\u00e4ften. Dennoch: \u201eWonderful, Glorious\u201c ist genau an den richtigen Stellen rau genug, um anzuecken.</p>\n<p>Da w\u00e4re etwa <em>New Alphabet</em> zu nennen. Im Zentrum des Albums setzt es mit seiner Lo-Fi-\u00c4sthetik nach Art der <span class=\"musik-review-bandname\">Dandy Warhols</span> einen starken Kontrast zu der Klavierballade <em>The Turnaround</em> und dem stilistisch (wenn auch nicht musikalisch) an den Punk (und mehr noch an <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span>) angelehnten St\u00fcck <em>Peach Blossom</em>, von dessen intensiv wiederholtem Refrain (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eOpen the window, man, to smell the peach blossom / the tiger lily, the merrygold\u201c</span>, viel mehr Text <a href="\&quot;http://lyrics.wikia.com/Eels:Peach_Blossom\&quot;" data-wpel-link="internal">gibt es nicht</a>) ich eine Weile einen Ohrwurm hatte. St\u00f6rend, so was!</p>\n<p>Man stelle sich solche Zeilen \u00fcberdies nicht sanft ges\u00e4uselt, sondern affektiert gerufen (fast: gerappt) vor, w\u00e4hrend im Hintergrund die Gitarre knarzt und Klavierkl\u00e4nge sie begleiten. Vielleicht sollte man <span class=\"musik-review-bandname\">Eels</span> weniger ernst nehmen und versuchen, Spa\u00df an dem zu finden, was sie hier darbieten. Dabei hilft es, dass man die unterschiedlichen Einfl\u00fcsse leicht auseinanderhalten kann. Von <span class=\"musik-review-bandname\">Simon &amp; Garfunkel</span> (<em>I Am Building A Shrine</em>) \u00fcber <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> oder ihre Z\u00f6glinge (<em>New Alphabet</em>) bis zu <span class=\"musik-review-bandname\">John Lennon</span> (<em>The Turnaround</em>) reicht die Spanne der von jedenfalls mir spontan assoziierten Vergleiche.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Julian Schmitz</span> <a href="\&quot;http://www.motor.de/motormeinung/motor.de/eels_wonderful_glorious.html\&quot;" data-wpel-link="internal">schrieb zutreffend:</a></p>\n<blockquote><p>Es ist dieser herrliche Wechsel zwischen schnarrenden, treibenden Beats und zwischendurch viele unerwartete Dynamikwechsel, locker-leichte Fr\u00fchlignssynthiesounds <em>(sic!)</em>, die einen hoffnungsvoll und gut gelaunt gen hellere Tage blinzeln lassen.</p></blockquote>\n<p>\u201eSommeralbum\u201c ist eigentlich ein Wort, das ich zu meiden versuche. Bei \u201eWonderful. Glorious\u201c f\u00e4llt mir das aber gar nicht so leicht. Darum breche ich hier mal ab und \u00fcberlasse euch den Rest.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nBei einem Musikalbum, das so heterogen wie \u201eWonderful, Glorious\u201c ist, ist das mit den H\u00f6rproben schwierig. Interessant ist vielleicht das <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=_vS_By_ZZ0g\&quot;" data-wpel-link="internal">Musikvideo zu <em>Peach Blossom</em></a>, ansonsten sind nat\u00fcrlich auch <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Wonderful+Glorious/8646799\&quot;" data-wpel-link="internal">ein Grooveshark-Stream</a> und <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Wonderful-Glorious-Eels/dp/B00A18KBFA/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de-H\u00f6rproben</a> verf\u00fcgbar.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/the-joy-formidable-wolfs-law.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-the-joy-formidable-wolfs-law.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Joy Formidable \u2013 Wolf\u2019s Law</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI think I understand / that past is circling\u201c</span> (Tendons)\n<p>Erinnert ihr euch an <span class=\"musik-review-bandname\">The Joy Formidable</span>? Ihr 2011 erschienenes Deb\u00fctalbum \u201eThe Big Roar\u201c <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">sortierte ich damals</a> als \u201eArtpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative\u201c ein und legte euch ans Herz, dieses Album zu h\u00f6ren. Wenn der Tipp euch damals Freude bereitete, dann passt jetzt mal kurz auf: \u201eWolf\u2019s Law\u201c, das neue Album der Waliser (erschienen im Januar 2013), ist keineswegs schlechter.</p>\n<p>So weit liegen die beiden Alben auch zeitlich nicht auseinander. Weite Teile von \u201eWolf\u2019s Law\u201c wurden bereits w\u00e4hrend der zw\u00f6lfmonatigen Tour zu \u201eThe Big Roar\u201c geschrieben. Erst gro\u00dfes Get\u00f6se, nun das Gesetz des Wolfs \u2013 die Wildnis hat\u2019s <span class=\"musik-review-bandname\">The Joy Formidable</span> anscheinend angetan.</p>\n<p>Allzu wild ist jedoch auch \u201eWolf\u2019s Law\u201c nicht. Vielmehr werden bekannte St\u00e4rken beibehalten und perfektioniert.</p>\n<p>Es f\u00e4ngt harmlos mit Streichern an, die sich als Einf\u00fchrung in so ein Album immer gut machen. MTV-Seher wissen, was gemeint ist. Dann: Gitarrengeschepper. Sch\u00f6n. <em>This Ladder Is Ours</em>: Gitarrenlastiger Mainstream-Indie-Rock, der jeden Applaus verdient. Auf <a href="\&quot;http://pitchfork.com/reviews/albums/17550-wolfs-law/\&quot;" data-wpel-link="internal">Pitchfork</a> werden auch schon mal <span class=\"musik-review-bandname\">New Order</span> und die (allerdings grauenvollen) <span class=\"musik-review-bandname\">Muse</span> als Vergleiche herangezogen. Schon wieder Indie-Rock! \u201eAber du magst doch sonst keinen Mainstream?!\u201c, h\u00f6re ich euch nun wieder unken. Stimmt, weil Mainstream meistens lahm ist. \u201eWolf\u2019s Law\u201c ist aber nicht lahm.</p>\n<p>Was ist das \u201eWolfsgesetz\u201c eigentlich? Laut dem Cover wohl: Tod des Wolfs. Ein Wolf liegt tot am Boden, Blumen liegen auf ihm (oder wachsen sie aus ihm?). Gesund ist das nicht. Ganz anders <span class=\"musik-review-bandname\">The Joy Formidable</span>, die so lebendig wirken wie nur wenige Bands. Gelegentlich denke ich an <span class=\"musik-review-bandname\">Blondie</span>, manchmal auch an die neueren <span class=\"musik-review-bandname\">Eatliz</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Jochen K\u00f6nig</span> <a href="\&quot;http://www.musikreviews.de/reviews/2013/The-Joy-Formidable/Wolfs-Law/\&quot;" data-wpel-link="internal">spricht von</a> \u201eKonsens-Pop, der nicht schmerzt, sondern das Herz erw\u00e4rmt und ein L\u00e4cheln ins Grinsegesicht zaubert\u201c, und meint das wahrscheinlich nicht mal b\u00f6se.</p>\n<p>Zugegeben, der Anfang des Albums ist, verglichen mit dem Vorg\u00e4nger, trotz all der Gro\u00dfartigkeit ein wenig belanglos. Die Qualit\u00e4t steigt aber mit ansteigender Liednummer. <em>Little Blimp</em> (Lied Nummer 4) groovt mit dominantem Bass nach vorne, die Ballade <em>Silent Treatment</em> (6) ist mit ruhiger Gitarre und ebensolchem Gesang sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Dieser Sturm hei\u00dft <em>Maw Maw Song</em> und fasst das Album schon vor seinem Ende umfassend zusammen: Kopfnick-Refrain, scheppernde und quirlige Gitarren, <span class=\"musik-review-bandname\">Ritzy Bryan</span>s stets begeistert klingende Stimme, begleitet \u201emaw, maw\u201c im Refrain. Miau, miau. \u2013 Eigentlich gen\u00fcgt es, <em>Maw Maw Song</em> zu kennen, um dieses Album f\u00fcr gro\u00dfartig zu halten; und das mit Recht!</p>\n<p>Zum Abschluss dann <em>The Turnaround</em>, eine neuneinhalbmin\u00fctige Streicherballade, die sich nach sieben Minuten zu steigern beginnt und in einem fulminanten fast instrumentalen Finale endet, gleichsam als Verbeugung vor dem applaudierenden Publikum (also jedenfalls mir). Dieses Finale wurde bereits im August 2012 als Lied namens <em>Wolf\u2019s Law</em> im Internet ver\u00f6ffentlicht, um den H\u00f6rer auf das Album vorzubereiten. Das ist ziemlich gut gelungen.</p>\n<p>Die letzten Textzeilen auf \u201eWolf\u2019s Law\u201c lauten: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eDon\u2019t wait, let\u2019s go, go, go\u201c</span>. Das Ende dieses Albums ist nur der Aufbruch zum n\u00e4chsten. Die Reise wird sicher spannend, ich bin dabei. Ihr auch?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAuf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=uEAPFvacK8M\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> gibt es unter anderem eine qualitativ gerade noch akzeptable Liveversion vom <em>Maw Maw Song</em> zu sehen und zu h\u00f6ren, das ganze Album ist <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Wolf+s+Law/8346406\&quot;" data-wpel-link="internal">per Grooveshark</a> sowie in 30-Sekunden-Schnipseln <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Wolfs-Law-Joy-Formidable/dp/B00A40MH3O/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> anzuh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/henry-fool-men-singing.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-henry-fool-men-singing.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Henry Fool \u2013 Men Singing</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Henry Fool</span> ist der Name eines Actionfilms von 1997 sowie der Hauptfigur in diesem Film, die auch im Folgefilm \u201eFay Grim\u201c mitspielt. Im Jahr 2001, also zumindest nach dem gleichnamigen Film, erschien das Deb\u00fctalbum der Musikgruppe wiederum gleichen Namens, auf dem unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Tim Bowness</span> (unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">no-man</span>) an Mikrofon und Gitarre zu h\u00f6ren war. Zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter hei\u00dft das aktuelle Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Henry Fool</span> irritierenderweise \u201eMen Singing\u201c, obwohl <span class=\"musik-review-bandname\">Tim Bowness</span> gar nicht mehr singt.</p>\n<p>Ja, \u201eMen Singing\u201c ist ein Instrumentalalbum. Die Besetzungsliste kann sich sehen lassen: Au\u00dfer <span class=\"musik-review-bandname\">Tim Bowness</span> sind unter anderem auch sein regelm\u00e4\u00dfiger musikalischer Partner <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Chilvers</span>, der gelegentlich auch mit <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Eno</span> zusammen musiziert, <span class=\"musik-review-bandname\">Myke Clifford</span>, Saxophonist bei <span class=\"musik-review-bandname\">The Pink Floyd Dimension</span>, und <span class=\"musik-review-bandname\">Jarrod Gosling</span>, der sich in j\u00fcngerer Zeit vor allem mit <span class=\"musik-review-bandname\">The Human League</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">I Monster</span> zusammengetan hatte. Zwei der vier St\u00fccke veredelt Gastmusiker <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Manzanera</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Roxy Music</span>) mit seiner Gitarre, der zweite Gast <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Bingham</span> (Violine) hat wiederum jahrelang Erfahrung mit der <span class=\"musik-review-bandname\">no-man</span>-Liveband gesammelt. Im Wesentlichen ist <span class=\"musik-review-bandname\">Henry Fool</span> also ein Projekt von <span class=\"musik-review-bandname\">Tim Bowness</span> und seinen Wegbegleitern.</p>\n<p>Das klingt nun wie <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Sherwood</span>, der in jedem seiner ungez\u00e4hlten Bandprojekte (<span class=\"musik-review-bandname\">Circa:</span>, zeitweise <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> und einige weitere) den Ton ma\u00dfgeblich angab und angibt, aber das Ergebnis ist ein viel besseres. <span class=\"musik-review-bandname\">Thomas Kohlru\u00df</span> <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=13339&amp;content=review&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews\&quot;" data-wpel-link="internal">paraphrasierte:</a></p>\n<blockquote><p>(\u2026) wenn man sich eine Melange aus psychedelischer <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">pinkfloyd</span>esken <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span>, einem Schuss <span class=\"musik-review-bandname\">David Sylvian</span>, 80er-Jahre-Wave-<span class=\"musik-review-bandname\">Crimson</span>, den <span class=\"musik-review-bandname\">ProjeKcts</span>, leichten Postrock-Einfl\u00fcssen und Minimal Music vorstellen kann, dann ist man schon irgendwie in der Welt von \u201eMen Singing\u201c, entspannend spannend!</p></blockquote>\n<p>Gelegentlich ist Musik wie diese auf dieser Internetpr\u00e4senz ja auch schon mal Thema, \u201eTank\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> etwa fand hier bereits <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Juni 2011</a> lobende Erw\u00e4hnung. \u201eMen Singing\u201c st\u00f6\u00dft in ein \u00e4hnliches Horn, eignet sich jedoch weniger zur Hintergrundbeschallung. Wer hier nicht aufpasst, verpasst wahrscheinlich vieles.</p>\n<p>Auch die Fachwelt (sprich: Musikjournaille) ist begeistert von \u201eMen Singing\u201c. Es passiert tats\u00e4chlich oberfl\u00e4chlich nicht viel, aber die Atmosph\u00e4re, die auf \u201eMen Singing\u201c eingefangen wurde, sucht sicherlich ihresgleichen. Freunde der gitarrenlastigen Rockmusik sind hier wahrscheinlich unterfordert; wer aber die genannten Vergleiche sch\u00e4tzt, dem sollte \u201eMen Singing\u201c zusagen. Ich jedenfalls mag es.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAlle vier St\u00fccke lassen sich auszugsweise <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Men-Singing-Henry-Fool/dp/B00B1MSID2/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> h\u00f6ren, auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=wwmMNfcJlI8\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> ist ein Stop-Motion-Video zu <em>Everyone In Sweden</em> zu sehen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/motorpsycho-still-life-with-eggplant.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-motorpsycho-still-life-with-eggplant.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Motorpsycho \u2013 Still Life With Eggplant</span>\n<p>Das norwegische Trio <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span> erweist sich auch nach 24 Jahren weiterhin als recht aktiv. Dem jazzdominierten Album \u201eThe Death Defying Unicorn\u201c, meinem <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Album des Jahres 2012</a>, folgt nun mit nicht einmal einem Jahr Abstand das inzwischen sechzehnte Studioalbum \u201eStill Life With Eggplant\u201c. Das zugrunde liegende Material entstammt teilweise Entw\u00fcrfen, die wegen der Kollaboration mit <span class=\"musik-review-bandname\">St\u00e5le Storl\u00f8kken</span> vor\u00fcbergehend zur\u00fcckgestellt wurden. Ein Orchester ist diesmal auch nicht dabei.</p>\n<p>Die Jazzanteile auf \u201eStill Life With Eggplant\u201c wurden konsequent (wieder) deutlich zur\u00fcckgefahren, von Anfang an ist die Gitarre ein starkes Instrument, der druckvolle Bass tr\u00e4gt seinen Teil bei. Dies ist Rock.</p>\n<p>Das ist auch dann Rock, wenn <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span> ihr Bestes geben, ihn zu tarnen. Da w\u00e4re etwa der <em>longtrack</em> <em>Ratcatcher</em> (17:11 Minuten), der leider ein wenig uninspiriert und bluesig vor sich hinpl\u00e4tschert, bis er nach einigen Minuten deutlich an Tempo und Intensit\u00e4t gewinnt. Der durchschnittliche Rockfan hat da schon l\u00e4ngst weitergeschaltet, der Progressive-Rock-Freund hingegen lauscht gebannt jeder neuen Nuance. Warum sollte Rock auch immer in das Drei-Minuten-Korsett der \u00f6ffentlich-rechtlichen Radioanstalten passen m\u00fcssen?</p>\n<p>Und sonst? \u201eThe Afterglow\u201c. Ist das <span class=\"musik-review-bandname\">Oasis</span>? Zumindest ist es 60er-Beatpopirgendwas. (Also wiederum <span class=\"musik-review-bandname\">Oasis</span>.) Der <em>rockige</em> Teil nach drei Minuten und zwanzig Sekunden ist \u00fcberragend. Beim Gesang muss ich gerade in diesem St\u00fcck oft an <span class=\"musik-review-bandname\">John Lennon</span> denken, aber das ist ja durchaus auch nichts Schlechtes.</p>\n<p>Apropos \u201enicht schlecht\u201c beziehungsweise apropos \u201eeclipsed\u201c: Dort schrieb <span class=\"musik-review-bandname\">Wolf Kampmann</span> im Mai 2013 \u00fcber \u201eStill Life With Eggplant\u201c:</p>\n<blockquote><p>\u201eStill Life With Eggplant\u201c ist eine Compilation der besten Songs, die <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span> niemals aufgenommen haben. Die Band hangelt sich durch ihre gesamte Geschichte mit semi-akustischen Balladen, saftigen Sleaze-Krachern und monumentalen Kraftpaketen.</p></blockquote>\n<p>Keine Einw\u00e4nde!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\n<a href="\&quot;http://www.amazon.de/Still-Life-With-Eggplant-Motorpsycho/dp/B00BHXQ062/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat Ausschnitte vom Album in 30-Sekunden-L\u00e4nge zum Anh\u00f6ren. Tut dies zahlreich!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/daymoon-fabric-of-space-divine.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-daymoon-fabric-of-space-divine.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Daymoon \u2013 Fabric of Space Divine</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eLet there be life!\u201c</span> (Seed of Complexity)\n<p>Es gibt auch Neues von der US-amerikanisch-portugiesischen Regressive-Rock-Institution <span class=\"musik-review-bandname\">Daymoon</span>. Nach dem <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00fcberragenden Deb\u00fctalbum \u201eAll Tomorrows\u201c</a> ergaben sich einige \u00c4nderungen im Privatleben von Frontmann <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Lessing</span> wie auch in der Besetzung. Entsprechend lange haben die Aufnahmen gedauert.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Fred Lessing</span> begann nach eigenem Bekunden bereits 2002 mit den Aufnahmen f\u00fcr \u201eFabric of Space Divine\u201c. Das Album hatte also viel Zeit zu reifen. Es basiert auf der Arbeit von <span class=\"musik-review-bandname\">Stephen Baxter</span>, einem von ihm bewunderten englischen Science-Fiction-Autor, und erz\u00e4hlt im Wesentlichen die Geschichte des Universums (gem\u00e4\u00df den <em>liner notes</em> \u201ehintergr\u00fcndig missverstanden von <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Lessing</span>\u201c) von seinem Anfang bis zu seinem Ende. Das Album wurde \u00fcber die Jahre immer weiter verfeinert und schlie\u00dflich ab 2010 vom neuen Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Andr\u00e9 Marques</span> produziert. Vom Deb\u00fctalbum geblieben ist nur besagter <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Lessing</span>, alle anderen Bandmitglieder wurden zwischen 2009 und 2011 ausgetauscht (obwohl noch einige von ihnen auf dem Album zu h\u00f6ren sind). Dass das den musikalischen Stil umwirft, ist wenig \u00fcberraschend.</p>\n<p>So beginnt (<em>Singularity to Sol</em>) es mit Spacerockzirpen, das in einen mit wenigen Canterburyelementen verfeinerten Spacerockteil \u00fcbergeht. Gelegentlich ist er noch da, dieser <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-Moment, aber er schwand zugunsten einer mir bis dahin noch nicht begegneten Herangehensweise an das Weltraumthema. Am Ende zum ersten Mal Gesang: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eLet there be light!\u201c</span> Sch\u00f6n.</p>\n<p>Dann: <em>Seed of Complexity</em>. Hier taucht zum ersten Mal der Titel des Albums auf, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Musikalisch herrscht hier weitgehend unauff\u00e4lliger AOR vor, gelegentlich zumindest begleitet von interessanten RIO/Avant-Effekten. Ganz anders <em>Beyond Nature</em>, das uns olle <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4rzte</span>-Fans zuerst an \u201eDie Bestie in Menschengestalt\u201c erinnert (zumal auch der Gesang <span class=\"musik-review-bandname\">Bela B.</span> recht nahe kommt), dann aber erkennt man den Krautrock, Stilrichtung <em>world music</em> mit indischem <em>touch</em>, yeah. Der verst\u00f6rende (kreischende) Hintergrundgesang ist ein h\u00f6renswerter Kontrapunkt.</p>\n<p>Interessant ist auch <em>Beyond Trinity</em>, eine Klavierballade im ungef\u00e4hren Stil von <span class=\"musik-review-bandname\">Elton John</span>. Der Gesang ist aber schlechter. \u2013 Ja, der Gesang, die alte Schwachstelle von <span class=\"musik-review-bandname\">Daymoon</span>. Es gibt viel Gesang auf \u201eFabric of Space Divine\u201c, nur wenige St\u00fccke kommen ohne ihn aus. Andererseits hat <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Lessing</span> zumindest etwas besser singen gelernt, oft f\u00fcgt sich der Gesang gut in die Musik ein. \u2013 Nachtrag: In den Kommentaren weist mich Herr Lessing darauf hin, dass er gar nicht mehr selbst singt. Ich hatte mich schon gewundert.</p>\n<p>Aber was wird eigentlich gesungen? Vor allem viel Religi\u00f6ses. So hei\u00dft es etwa in <em>Beyond Multiplicity</em>:</p>\n<blockquote><p>La ilahe illa allah, jamal of God we sing<br>\nLa ilahe illa allah, jalal of Allah we sing</p></blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich: Wer die Geschichte des Universums erz\u00e4hlt, der sollte auch religi\u00f6se Bewegungen nicht auslassen. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Lessing</span> sich selbst als \u201e\u00fcberhaupt nicht religi\u00f6s\u201c bezeichnet (und sich daf\u00fcr unn\u00fctzerweise entschuldigt), werte ich positiv. Also, wie gesagt, der Gesang ist die Schwachstelle auf diesem Album.</p>\n<p>Wer dar\u00fcber hinwegsehen kann und nichts gegen Spacerock mit Stilwechseln und ohne gro\u00dfe Ecken und Kanten hat, der sollte \u201eFabric of Space Divine\u201c eine Chance gew\u00e4hren. Fest steht jedenfalls: <span class=\"musik-review-bandname\">Daymoon</span> schaffen es bislang, sich auf jedem Album neu zu erfinden. Mal sehen, wohin die Reise f\u00fchrt \u2013 dieses Jahr jedenfalls ins Weltall.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAch was, warum mit Proben zufriedengeben? \u201eFabric of Space Divine\u201c gibt es in voller L\u00e4nge <a href="\&quot;http://daymoon.bandcamp.com/album/fabric-of-space-divine\&quot;" data-wpel-link="internal">per Bandcamp</a> zum Streamen und Kaufen. Das verdient Applaus.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/carpet-elysian-pleasures.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-carpet-elysian-pleasures.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Carpet \u2013 Elysian Pleasures</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Carpet</span>. Teppich. Bl\u00f6der Name. Andererseits ist Bandgr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Maximilian Stephan</span>, der f\u00fcr das zweite Carpet-Album drei weitere Musiker an Bord geholt hat, ja f\u00fcr bl\u00f6de Bandnamen bekannt: Seine <em>andere Band</em> hei\u00dft <span class=\"musik-review-bandname\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/?s=dear" john="" letter\&quot;="" data-wpel-link="internal">dear john letter</a></span> (Schreibweise variierend) und wurde f\u00fcr ziemlich gro\u00dfartigen, atmosph\u00e4rischen Postrock bekannt. Auf \u201eElysian Pleasures\u201c ist auch Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Jakob</span> von ebendort zu h\u00f6ren. (Dass \u201eElysian Pleasures\u201c ein aufw\u00e4ndig gestaltetes Coverbild spendiert bekommen hat, das nur im Vinylformat richtig zur Geltung kommt, versteht sich da eigentlich von selbst.)</p>\n<p>Man m\u00f6ge mir verzeihen, wenn die personellen und sonstigen \u00dcberschneidungen treue Leser meiner Rezensionen nun auf eine falsche F\u00e4hrte locken: Postrock ist hier nicht zu finden. Stattdessen wird in den 70-ern gestochert: Post-<span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>-Beat (<em>For The Love Of Bokeh</em>), Canterbury-nahe Bl\u00e4serkl\u00e4nge (<em>Smoke Signals</em>) und atmosph\u00e4rischer Rock (<em>Man Changing The Atoms</em> mit, immerhin, einer gef\u00e4lligen L\u00e4rmkaskade gegen Ende des St\u00fccks) treffen hier aufeinander und ergeben ein interessantes Zusammenspiel. Etwas bedauerlich ist, dass der Gesang in den beigemischten Effekten beinahe zu ertrinken scheint; das tut dem Gesamteindruck aber keinen nachhaltigen Schaden an.</p>\n<p>Im Magazin \u201eeclipsed\u201c (\u201ealles, was das letzte halbe Jahrhundert Rockmusik ausgemacht hat, findet sich auf diesem Album wieder\u201c) war man geradezu \u00fcberschw\u00e4nglich begeistert von \u201eElysian Pleasures\u201c; halbwegs auf dem Boden bleibt jedenfalls <span class=\"musik-review-bandname\">Peter</span> auf <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-review-carpet-elysian-pleasures/\&quot;" data-wpel-link="internal">Schallgrenzen.de</a>:</p>\n<blockquote><p>\u201cElysian Pleasures\u201d ist, im Gegensatz zum eher eher ambienten, experimentellen Deb\u00fct, eine durchaus handfeste Veranstaltung. Zu h\u00f6ren gibt es n\u00e4mlich treibenden Rock zwischen Psychedelic und Progressive. Aber auch eine immer wieder durchschimmernde subversive Jazz-Note gef\u00e4llt mir sehr gut. Summa Summarum: Zeitsturz in die sp\u00e4ten Siebziger. Sch\u00f6ne progressive T\u00fctenmusik inklusive Orgel.</p></blockquote>\n<p>Etwas weniger Hall t\u00e4te, wie schon erw\u00e4hnt, dem Album gut, aber irgendwas ist ja immer. Freunde der eher entr\u00fcckten Musik der 1970-er Jahre sollten es aber auf keinen Fall vers\u00e4umen, sich mit \u201eElysian Pleasures\u201c zu besch\u00e4ftigen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAuch \u201eElysian Pleasures\u201c ist vor dem Kauf komplett <a href="\&quot;http://carpet.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">per Bandcamp</a> streambar.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/shining-one-one-one.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-shining-one-one-one.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Shining \u2013 One One One</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI do not fight back, I paint the sky black\u201c</span> (Paint The Sky Black)\n<p>Metalfreunde kamen bis hierhin etwas weniger auf ihre Kosten. Aber auch f\u00fcr sie hat das Jahr 2013 schon einen Schatz zu bieten, n\u00e4mlich \u201eOne One One\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Shining</span> (der norwegischen Metalband, nicht der schwedischen Metalband gleichen Namens).</p>\n<p>\u201eMetalband\u201c ist vielleicht etwas kurz gegriffen. Obwohl \u201eOne One One\u201c \u2013 \u201eSix Six Six\u201c w\u00e4re zu plump \u2013 beim ersten Reinh\u00f6ren sehr, sehr gut und vor allem sehr, sehr laut klingt, liegen die Wurzeln der Band im Jazz. Geblieben ist die Lust am Experimentieren, die schon auf dem Vorg\u00e4ngeralbum \u2013 oder ist es ein ganzes Genre? \u2013 \u201eBlackjazz\u201c (2010), auf das im Titel <em>Blackjazz Rebels</em> nochmals Bezug genommen wird, nur schwer zu \u00fcberh\u00f6ren war. <span class=\"musik-review-bandname\">Shining</span> mischen auch auf \u201eOne One One\u201c Black Metal, Nu-Metal (etwa <em>My Dying Drive</em>) und Avantgardistisches wie merkw\u00fcrdige Klangsequenzen dort, wo andere Metalbands vielleicht ein Gitarrensolo platzieren w\u00fcrden, zu einer beachtlichen Kombination (auf <a href="\&quot;http://www.musikreviews.de/reviews/2013/Shining-Nor/One-One-One/\&quot;" data-wpel-link="internal">musikreviews.de</a> und anderswo ist von \u201eJazz-Metal\u201c die Rede, was eben ungef\u00e4hr so hilfreich ist wie \u201eSchlagerpunk\u201c, aber sei\u2019s drum) zusammen, die trotz allem auch uns Freunde des Sch\u00f6nklangs dazu einl\u00e4dt, die Texte mitzubr\u00fcllen. Wirklich schade, dass ich gerade kein Textbuch zur Hand habe.</p>\n<p>Und ein wenig Jazz ist ja dann auch noch da: <em>How Your Story Ends</em> etwa beginnt mit Solosaxophon von \u2013 wahrscheinlich \u2013 Frontmann <span class=\"musik-review-bandname\">J\u00f8rgen Munkeby</span>, der, wenn er gerade nicht bl\u00e4st, bevorzugt br\u00fcllt und Gitarre spielt. So ein wenig Klischee muss ja schon sein. Das Saxophon als Metalinstrument erzielt zumindest eine interessante Wirkung, gerade in den etwas lauteren Teilen. Nat\u00fcrlich hat das mit <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span> weniger zu tun als mit <span class=\"musik-review-bandname\">Marduk</span>, weniger mit <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> als mit einer satanistischen Kultmesse. Wer Metal nur aus dem Radio kennt, den k\u00f6nnte \u201eOne One One\u201c also eventuell \u00fcberfordern. Aber das Ziel jedes Musikfreundes, liebe Leser, sollte es stets sein, seine Grenzen (eben seinen Horizont) kennenzulernen und best\u00e4ndig zu erweitern.</p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das nur Modellpflege und kein radikaler Umbruch. Warum auch? Dieses Niveau d\u00fcrfen <span class=\"musik-review-bandname\">Shining</span> gern noch ein paar Jahre lang halten.</p>\n<p>Ich finde Metal doof. \u201eOne One One\u201c finde ich aber \u00fcberhaupt nicht doof. Ihr solltet es mir gleichtun.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\n<a href="\&quot;http://www.amazon.de/One-Shining/dp/B00CC3G5XE/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> l\u00e4sst euch f\u00fcr jedes St\u00fcck drei\u00dfig Sekunden Zeit.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/sigur-ros-kveikur.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-sigur-ros-kveikur.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sigur R\u00f3s \u2013 Kveikur</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eVi\u00f0 skerum \u00e1 / augnar\u00e1\u00f0 / n\u00fa stingur \u00ed / ofbirta\u201c</span> (Brennisteinn)\n<p>Kommen wir nun zu etwas v\u00f6llig Anderem (als Metal). Gerade noch rechtzeitig erreichte mich \u201eKveikur\u201c, das neue Album der isl\u00e4ndischen Postrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span>. Wer aber dachte, er w\u00fcsste, was ihn erwartet, der hat sich get\u00e4uscht. Nach ein\u00eegen vertonten Traumwelten und der Hinwendung zur beinahe fr\u00f6hlichen Popmusik auf \u201eTakk\u2026\u201c und \u201eMe\u00f0 su\u00f0 \u00ed eyrum vi\u00f0 spilum endalaust\u201c ging es mit \u201eValtari\u201c wieder zur\u00fcck zum \u201eDreampop\u201c (Zitat: Wikipedia \u2013 ich finde Genres immer noch bescheuert) der fr\u00fcheren Alben.</p>\n<p>Aber \u201eKveikur\u201c?</p>\n<p>Die Verpackung des Albums ist in Schwarz-Grau gehalten. Texte gibt es nicht. Innen sind mit schwarzbrauner Farbgebung merkw\u00fcrdige Fantasieszenen gezeichnet, versehen mit wenigen roten Flecken. Eine gro\u00dfe Krallenhand kommt von oben rechts und schie\u00dft auf Baumst\u00fcmpfe. Merkw\u00fcrdig, aber bezeichnend f\u00fcr \u201eKveikur\u201c. Nachdem zum Jahreswechsel 2012/2013 der Keyboarder <span class=\"musik-review-bandname\">Kjartan \u201eKjarri\u201c Sveinsson</span> sich aus vermutlich famili\u00e4ren Gr\u00fcnden aus der Band verabschiedet hatte, ist \u201eKveikur\u201c das erste Album, das <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span> als Trio ver\u00f6ffentlichten; dies obendrein bei einer neuen Plattenfirma, namentlich XL Recordings. Wie bei den meisten Bands (etwa auch <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span>, \u201eTrisector\u201c) ist damit ein klanglicher Wechsel verbunden.</p>\n<p>Das erste Adjektiv, das mir zu \u201eKveikur\u201c einf\u00e4llt, ist: Dunkel. Der Postrock ist zu Hause angekommen. Nie klangen <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span> so sehr nach <span class=\"musik-review-bandname\">God Is An Astronaut</span> wie auf diesem Album. Das bedeutet nicht, dass es an Eigenst\u00e4ndigkeit fehlt; etwa <em>\u00cdsjaki</em> und <em>Yfirbor\u00f0</em> kn\u00fcpfen an alte Erfolge an. Neu sind St\u00fccke wie <em>Brennisteinn</em> und das Titelst\u00fcck <em>Kveikur</em>: Getrieben von allerlei elektronischen Spielereien und dr\u00f6hnendem Bass und mit weniger sanftem Gesang und weniger monotonem Schlagzeug als noch auf \u201eMe\u00f0 su\u00f0 \u00ed eyrum vi\u00f0 spilum endalaust\u201c wirken sie beinahe aggressiv und hektisch. Das ist gut! (Wenn ich nur die Texte verst\u00fcnde!) \u201eKveikur\u201c klingt mit dem instrumentalen Quasiklavierst\u00fcck <em>Var</em> dann aber doch noch standesgem\u00e4\u00df aus.</p>\n<p>Zumindest <em>Brennisteinn</em> (auf Deutsch \u201eSchwefel\u201c, was irgendwie passt) ist aufmerksamen Musikfreunden indes schon lange live bekannt, eine hervorragende Liveversion etwa ist <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=IPEhKNlPLBo\&quot;" data-wpel-link="internal">auf YouTube zu sehen</a>. Wenn das aber die <em>neuen <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span></em> sind, dann: Gern mehr davon!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAuf YouTube \u2013 im Text verlinkt \u2013 gibt es ziemlich gute Liveaufnahmen zu h\u00f6ren, auf Amazon.com gab es kurzzeitig <a href="\&quot;http://www.amazon.com/gp/feature.html/?docId=1001227931&amp;tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">das ganze Album als Stream</a>. Wer es verpasst hat, der kann dies <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Kveikur/9011125\&quot;" data-wpel-link="internal">per Grooveshark</a> (plus zwei Bonusst\u00fccke) nachholen oder sich mit den kurzen Ausschnitten <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Kveikur-Sigur-Ros/dp/B00C1GBOU6/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> zufrieden geben.</p></li>\n</ol>\n<p>Waren das schon neun? Oh, ja, das waren schon neun.</p>\n<p>Aber es gab doch schon so viel gute Musik 2013, sagen die Medien! \u2013 Ja, die Medien. Die Medien <em>hypen</em> eine Menge furchtbaren Schei\u00df. Wollt ihr wissen, was ich meine? Nun, zum Beispiel folgende Musikalben:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Immer noch viel zu lang.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Villagers \u2013 Awayland</span><br>\nEine m\u00fcde, kraftlose Variante des immergleichen <span class=\"musik-review-bandname\">Mando-Diao</span>-Aufgusses.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">My Bloody Valentine \u2013 m b v</span><br>\n<a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/elektronischer-verweis-vom-03-02-2013/\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter</a> ist der Ansicht, man k\u00f6nne sich das hier sch\u00f6nsaufen. Ich melde Bedenken an.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Jacco Gardner \u2013 Cabinet Of Curiosities</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>quer Einschlaf-Weichsp\u00fclpop.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Long Distance Calling \u2013 The Flood Inside</span><br>\nDie einstmals \u00fcberragende Postrockband hat sich einen scheu\u00dflichen S\u00e4nger an Bord geholt. Graus!</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Lifesigns \u2013 Lifesigns</span><br>\nMelodic Rock f\u00fcr Anf\u00e4nger und Hausfrauen.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Mr Averell \u2013 Gridlock</span><br>\nTolle Besetzung, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/kurzkritik-mr-averell-gridlock/\&quot;" data-wpel-link="internal">grauenhafte Umsetzung.</a></li>\n</ul>\n<p>Ihr merkt, Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t unterscheiden sich mitunter stark. Nie wurde so viel Musik produziert wie heute, nie kam so viel Schrott dabei heraus. Wie anders doch fr\u00fchere Jahrzehnte!</p>\n<p>Zum Abschluss des diesj\u00e4hrigen Zwischenberichts machen wir also erneut eine Zeitreise durch die Musikgeschichte:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Und viel zu lang ist\u2019s her.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-album-titel\">Genesis \u2013 Selling England by the Pound</span>\n<p>1973 begann der Progressive Rock sich voll zu entfalten. Der Canterbury Sound hatte mit \u201eCamel\u201c (<span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span>) und \u201eFor Girls Who Grow Plump in the Night\u201c (<span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span>) seinen gro\u00dfen Auftritt, in Frankreich setzten <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> mit \u201eMekan\u00efk Destrukt\u00efw Kommand\u00f6h\u201c alles auf eine Karte (und gewannen). In Gro\u00dfbritannien wetteiferten derweil zwei v\u00f6llig unterschiedliche Musikgruppen um die Gunst des Publikums: Die 1966 gegr\u00fcndeten <span class=\"musik-review-bandname\">10cc</span> vereinten auf ihrem endlich erschienenen Deb\u00fctalbum Artrock und Progressive Rock zu einer \u00fcberzeugenden Melange, die ihnen eine Bekanntheit einbrachte, angesichts derer es eigentlich verwunderlich ist, dass man ihren Namen gemeinhin nicht als Allgemeinwissen betrachtet, ganz im Gegensatz zu dem ihrer Landsm\u00e4nner von <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>, die im gleichen Jahr mit \u201eSelling England by the Pound\u201c das vorletzte Album mit <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Gabriel</span> ver\u00f6ffentlichten (leider darf <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> hier auch schon singen). Trotz Liedtiteln wie <em>The Battle of Epping Forest</em> und <em>Dancing with the Moonlit Knight</em> treten hier jedoch die mystischen Texte fr\u00fcherer Alben zugunsten gesellschaftskritischer Alltagsbeobachtungen zur\u00fcck. Einen \u00e4hnlichen Wandel haben im gleichen Jahr \u00fcbrigens die wieder vereinten <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> auf \u201eLarks\u2019 Tongues in Aspic\u201c, dem ersten Studioalbum ohne Texter <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Sinfield</span>, vollzogen. Der Wandel zur radiotauglichen Poprock-Schlagergruppe jedoch dauerte bei <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> noch eine Weile.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-album-titel\">Marillion \u2013 Script for a jester\u2019s tear</span>\n<p>Ein Jahrzehnt sp\u00e4ter war dieser Wandel abgeschlossen. Auf dem Album mit dem selten d\u00e4mlichen Namen \u201eGenesis\u201c (kommt schon, Jungs, als Deb\u00fctalbum ist so was in Ordnung, aber doch nicht f\u00fcr\u2019s zw\u00f6lfte!) ist au\u00dfer grauenvollen <span class=\"musik-review-bandname\">Collins</span>-Schnulzen mit Bumm-Tschack-Schlagzeug (<em>That\u2019s All</em>) zumindest auch <em>Mama</em> zu finden. Teuflisch lachen kann er ja, der <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span>; wenn da eben nur nicht die anderen Lieder auf dem Album w\u00e4ren! Besser machten es <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span>, die mit \u201eScript for a Jester\u2019s Tear\u201c mittels der R\u00fcckbesinnung auf die Tage, als <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> noch den Mut hatten, mit Konventionen zu brechen, einen der Grundsteine f\u00fcr das neue Genre des \u201eNeo-Prog\u201c legten. Ein wirklicher <em>longtrack</em> fehlt auf dem Album, der wurde indes bereits im Vorjahr als B\u2011Seite der Single <em>Market Square Heroes</em> ver\u00f6ffentlicht. Dieses St\u00fcck (<em>Grendel</em>) wird heute als das <em>Supper\u2019s Ready</em> der 1980er Jahre gehandelt, und tats\u00e4chlich waren <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span> nicht schlecht darin, ihren Vorbildern nachzueifern. Im dunklen Plastikjahrzehnt war tats\u00e4chlich auch au\u00dferhalb des <em>mainstreams</em> einiges m\u00f6glich. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span> mit <em>Kayleigh</em> einige Jahre sp\u00e4ter einen Poprockhit in den Hitparaden hatten, soll diesen Erfolg nicht schm\u00e4lern.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-album-titel\">Nirvana \u2013 In Utero</span>\n<p>Weniger rosa sah es f\u00fcr den Progressive Rock dann 1993 aus. <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span> wandelten sich mit ihrem neuen S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Hogarth</span> dem New Artrock zu (und machten damit immerhin nicht den gleichen Fehler wie <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>), in Deutschland k\u00e4mpften <span class=\"musik-review-bandname\">Die Fantastischen Vier</span> mit dem drogenschwangeren \u201eDie 4. Dimension\u201c und <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> mit ihrem Comebackalbum \u201eDie Bestie in Menschengestalt\u201c um die Gunst der Jugendlichen. Diese gewann jedoch ein depressiver US-Amerikaner letztlich f\u00fcr sich: <span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span>s letztes Studioalbum \u201eIn Utero\u201c war auch ihr bestes. Verglichen mit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eNevermind\u201c (dem mit dem nackten Kleinkind vorne drauf) sind <span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span> hier noch aggressiver und experimenteller geworden. Dass MTV der Band dennoch regelm\u00e4\u00dfige Werbung verschaffte, stimmt mich ein bisschen traurig, denn heutzutage nimmt MTV einen Musiker ja anscheinend nur noch ernst, wenn er langweilige Liebesschei\u00dfe ins Mikrofon heult. Nun ja. \u2013 Ein Problem stellte anscheinend nur <em>Rape Me</em> (\u201eVergewaltige mich\u201c) dar, das sich in den USA, wie zu erwarten, diversen Beschneidungen und Verboten unterziehen lassen musste. Dass mit den anderen Liedern, etwa <em>Milk It</em> (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eLook on the bright side is suicide\u201c</span>), niemand eine Schwierigkeit zu haben schien, ist dann doch etwas seltsam. \u201eIn Utero\u201c jedenfalls ist aufgrund seiner Rauheit bei gleichzeitiger Kontroversit\u00e4t das <span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span>-Album, das man am ehesten kennen (und sch\u00e4tzen) sollte. Ab und zu sollte man es vielleicht auch mal wieder MTV vorspielen, vielleicht nehmen sie ja irgendwann wieder Vernunft an.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-album-titel\">Ektroverde \u2013 Ukkossalama</span>\n<p>Es ist ja auch nicht so, dass die Menschen nicht lernf\u00e4hig w\u00e4ren. Sie wollen nur einfach selten. Andererseits versetzte sie das neue Jahrtausend offenbar in Aufbruchstimmung, und so schossen ab dem Jahr 2000 weltweit viele Musikgruppen schier aus dem Boden, die sich als kompromisslose Anh\u00e4nger der alten Heroen pr\u00e4sentierten. Aus Spanien etwa kommt das selbstbetitelte Album der Combo <span class=\"musik-review-bandname\">Psicotropia</span>, die trotz der Gitarrenfrickeleien im Stil <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Fripp</span>s wohl auch <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Primus</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Muse</span> und nicht zuletzt <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span> aufmerksam gelauscht hatten. Ganz anders dagegen <span class=\"musik-review-bandname\">Ektroverde</span>, ein Nebenprojekt der umtriebigen Finnen <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span>, das mit \u201eUkkossalama\u201c sein bis heute letztes Lebenszeichen vorgelegt hat. Das hat es aber in sich: Hier wird wild gejammt, <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=11873&amp;content=review&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews\&quot;" data-wpel-link="internal">spacig-neokrautig-postrockig, mitunter auch jazzig-rockig, treibend, hypnotisch, laut und sperrig, dabei aber auch seltsam entspannt und gem\u00e4chlich</a>. Dass \u00fcberdies mal englischer, mal finnischer (Sprech-)Gesang ert\u00f6nt, versetzt den H\u00f6rer dann endg\u00fcltig in Verwirrung. Was ist das gerade? Nat\u00fcrlich hat das alles keine Struktur, keinen Rhythmus. Assoziation? <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>. Freiformmusik, wie sie eindrucksvoller nicht sein k\u00f6nnte, sozusagen <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span> ohne das dort ohnehin schon recht locker sitzende Strukturkorsett. Insgesamt dreizehn beteiligte Musiker k\u00f6nnen so ein Konsumentenhirn ziemlich auf Trab bringen. Was bleibt von <span class=\"musik-review-bandname\">Ektroverde</span>? Vorerst: <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span> h\u00f6ren. Das ist zu verschmerzen. Aber vielleicht kommen sie zur\u00fcck, und das wird sicher grandios.</p></li>\n</ul>\n<p>Nun, ich bin am Ende. Ich danke euch f\u00fcr die Aufmerksamkeit.</p>\n<p>Wenn ihr noch ein Musikalbum kennt, das ich hier eurer Meinung nach h\u00e4tte auff\u00fchren sollen, hinterlasst es mir bitte in den Kommentaren; wom\u00f6glich werde ich es ber\u00fccksichtigen k\u00f6nnen. Noch auf Halde habe ich zum Beispiel die neuen Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Big Big Train</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Strokes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Spock\u2019s Beard</span>. Das wird ein interessantes zweites Halbjahr.</p>\n<p>Weiter geht es \u2013 wie gewohnt \u2013 im Dezember. Bis dann: Habt Spa\u00df!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Didi</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: Ich <strong>hasse</strong> jede vom Standard abweichende Begr\u00fc\u00dfungsvariante.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: Was ist denn Standard bei Juristen?</li><li><a href="\&quot;http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Didi</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: Schon gezahlt?</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: D\u00e4mliche Begr\u00fc\u00dfung.</li><li>Fred Lessing schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">9. Juli 2013</a> dies: Hallo  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":-)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\">  Danke auch f\u00fcr diese Super-Review vom 2. Album meiner Band Daymoon. Es macht immer wieder Spass, wenn jemand Musik aufmerksam h\u00f6rt und so sch\u00f6n beschreibt, wie hier. Im Gegensatz zum Vorjahr haben sich diesmal allerdings ein paar sachliche Fehler eingeschlichen: 1. Auf dieser CD singe ich selbst bis auf ein paar Hintergrundch\u00f6re gar nicht. Hihi, und wer da auf \u201ekreischt\u201c ist Michael Dorp  von der deutschen Prog-Band Flying Circus. Reinh\u00f6ren unbedingt empfohlen! 2. Von der \u201eAll Tomorrows\u201c Band sind ausser mir selbst wieder Paulo Chagas (Saxofon, Fl\u00f6ten), Adriano (Klarinette) und Paulo Catroga (Klavier auf einem der St\u00fccke) mit dabei. Aber das wirklich nur nebenbei. Dank Dir GANZ lieb  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":-)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> \n\nGruss aus Portugal,\nFred</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">9. Juli 2013</a> dies: Poah. Frech! Da liest man sich ein einziges Mal die Hintergr\u00fcnde zu einem Album durch und dann stimmen die nicht mal!  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif\" alt=\";)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> \n\nDanke f\u00fcr deine Korrekturen. Ich glaube, Flying Circus m\u00f6chte ich jetzt gar nicht mehr kennen.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif\" alt=\";)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> </li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2013 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Dezember 2013</a> dies: [\u2026] werte Leser und Musikfreunde, da ist doch tats\u00e4chlich schon wieder Ende Dezember; Zeit also, wie zuletzt im Juni die musikalischen Perlen aus dem gro\u00dfen Haufen an diesj\u00e4hrigen Ver\u00f6ffentlichungen [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/3aecbd70d9b64134b2e9d7c2d3d100c5\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 11 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickEeeeeinenwundersch\u00f6nengutentag, werte Freunde des angewandten Musikgenusses!\nEin Blick in meinen Kalender wies mich mahnend darauf hin, dass das erste halbe Jahr 2013 ja quasi vor\u00fcber ist. Das bedeutet, dass es (wie alle sechs Monate) Zeit ist f\u00fcr meine R\u00fcckschau der kaufenswertesten Musikalben 2013. Ich muss euch allerdings versch\u00e4mt gestehen, dass ich einfach nicht die Zeit gefunden (oder mir genommen habe), allen Musikalben, die vielversprechend erschienen, genug Zeit zu geben, sich zu entfalten.\n\nDabei ist eines der bislang beachtlichsten Alben 2013 auch das wohl umstrittenste: Zu Heinos \u201eMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen\u201c hatte ich mich ja schon im Februar ausgelassen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es ein Kandidat f\u00fcr die Top- oder Schrottliste ist; skurril und darum interessant ist es aber auf jeden Fall. Das gelang in diesem Jahr ansonsten nicht vielen Musikern.\nDas neue Album \u201eEverybody Loves Sausages\u201c der Melvins, das so richtig Eier hat, ist leider ein Coveralbum und gen\u00fcgt daher meinen Anspr\u00fcchen f\u00fcr diese Liste nicht. H\u00f6ren solltet ihr es nat\u00fcrlich trotzdem. Ansonsten ist von Dantes \u201eNovember Red\u201c bis zu dem Comebackalbum von My Bloody Valentine jede Menge vielversprechender Musik angefallen, die leider nicht ansatzweise meinem Qualit\u00e4tsstandard gen\u00fcgen konnte.\nDie Hauptliste ist daher mit gerade einmal neun Musikalben (plus gegebenenfalls Heino) diesmal deutlich k\u00fcrzer als sonst, das erste Halbjahr 2013 gab eben einfach nicht viel her \u2013 daf\u00fcr wird\u2019s am Ende des Jahres hoffentlich um so voller. Freut euch darauf!\nLos geht\u2019s:\n1. Kurz und gut.\n\nSteven Wilson \u2013 The Raven That Refused To Sing (and other stories)\n\u201eHere we all are born into a struggle / to come so far but end up returning to dust\u201c (Luminol)\nDass ich, Porcupine-Tree-Affinit\u00e4t hin oder her, mit der Solomusiziererei des Herrn Wilson nicht viel anfangen kann, ist altbekannt und hoffentlich verst\u00e4ndlich. Viel zu sph\u00e4risch und zur\u00fcckhaltend blubbert da die Elektronik aus den Lautsprechern, viel zu sanft und letztlich einschl\u00e4fernd folgt er den Pfaden der fr\u00fchen Pink Floyd, wie es auch Porcupine Tree anfangs taten.\nInsofern ist \u201eThe Raven That Refused To Sing (and other stories)\u201c nicht nur einfach gut, sondern ein \u00dcberraschungstreffer. Wer indes der \u201eRabe\u201c ist, wei\u00df ich nicht. Steven Wilson selbst ist zumindest nicht gemeint, denn er weigert sich keinesfalls zu singen, was ich ansonsten bedauern w\u00fcrde, aber \u201eThe Raven\u2026\u201c \u2013 ich k\u00fcrze das jetzt mal ab \u2013 ist, wie bereits erw\u00e4hnt, recht gro\u00dfartig. Tats\u00e4chlich ist der Rabe aber ein Symbol f\u00fcr den Tod oder eine zumindest traurige Erinnerung.\nDas kann man anhand des tristen grauen artworks theoretisch bereits folgern, bekannt aber sollte Edgar Allan Poes Gedicht The Raven sein, das unter anderem von Lou Reed, Omnia und Alan Parsons musikalisch umgesetzt wurde und das diese Verbindung erstmals beschreibt. Alan Parsons ist es dann auch, der auf \u201eThe Raven\u2026\u201c, gerade einmal 37 Jahre nach seinem eigenen \u201eRaben\u201c, an einer der Gitarren zu h\u00f6ren ist und Steven Wilson bei der Produktion des Albums unterst\u00fctzte. Vielleicht ist das alles aber auch nur ein Zufall.\nAndererseits ist \u201eThe Raven\u2026\u201c durchaus mit Bedacht konzipiert worden. Jedes der sechs St\u00fccke basiert auf Geschichten aus dem Supranaturalismus, es geht also in jedem der St\u00fccke textlich um Geister. Entsprechend getr\u00fcbt ist die Grundstimmung; dabei vergisst es Steven Wilson aber nicht, den H\u00f6rer immer wieder aus der Beklemmung zu befreien.\nNicht alles an \u201eThe Raven\u2026\u201c ist neu. Der longtrack Luminol etwa wurde bereits auf der Tour zum Vorg\u00e4ngeralbum \u201eGrace For Drowning\u201c gespielt. Nie kam Steven Wilson seinen eigenen Vorbildern King Crimson \u2013 neben Pink Floyd, versteht sich \u2013 so nahe wie hier: Ein treibender Bass und Theo Travis\u2018 Fl\u00f6te lassen Kenner des Canterbury Sound aufhorchen, dazu ist ein Mellotron zu h\u00f6ren. Unvermittelt setzt mehrstimmiger Gesang ein, der ebenso unvermittelt wieder endet und so den Beginn eines l\u00e4ngeren Instrumentalteils markiert, der gegen Ende wieder das Thema vom Anfang aufgreift und nach etwa viereinhalb Minuten in einen ruhigen Teil m\u00fcndet, der mit Klavier und beatlesquem Gesang ebenso von King Crimsons \u201eIslands\u201c stammen k\u00f6nnte. Nach wiederum vier Minuten erfolgt eine weitere Z\u00e4sur, Mellotron und Schlagzeug steigern sich bis fast zur Explosion und verklingen, bis Luminol mit dem urspr\u00fcnglichen Thema schlie\u00dflich endet. Habe ich schon King Crimson erw\u00e4hnt?\nEinzelne Elemente dieses Beispiels ziehen sich durch alle St\u00fccke auf dem Album; das beschauliche The Watchmaker steht so wie selbstverst\u00e4ndlich neben dem offensiv rockenden The Holy Drinker. Wer wie ich bislang der Meinung war, von Steven Wilson h\u00e4tte er schon alles irgendwann mal geh\u00f6rt, k\u00f6nnte hier eine positive \u00dcberraschung erleben. Zu empfehlen ist\u2019s jedenfalls ohne jedwelches Aber.\nH\u00f6rproben:\nAuf YouTube gibt es zurzeit eine gro\u00dfartige Liveversion von Luminol zu bestaunen, das vollst\u00e4ndige Album ist unter anderem per Grooveshark streambar. Falls euch die Kurzform gen\u00fcgt: Amazon.de wurde mit den \u00fcblichen kurzen Ausschnitten best\u00fcckt.\nEels \u2013 Wonderful, Glorious\n\u201eIf you\u2019re not ready then you better get out now!\u201c (Bombs Away)\n\u201eMy hovercraft is full of eels\u201c \u2013 dieses Zitat der britischen Komiker Monty Python sollte bekannt sein. So schlimm ist das aber gar nicht, denn wenn Aale so interessante Musik machen wie Eels auf \u201eWonderful, Glorious\u201c, dann kaufe ich mir sofort ein Luftkissenfahrzeug.\nBl\u00f6de historische Referenzen aber mal beiseite gelassen \u2013 mit Monty Python haben Eels tats\u00e4chlich nicht viel zu tun. Glaubt man den Aussagen von Bandgr\u00fcnder Mark Oliver Everett, der seine Soloalben zur Zeit der Gr\u00fcndung bereits seit Jahren unter dem K\u00fcnstlernamen E ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, so wurde der Name gew\u00e4hlt, um die Alben der Band im Schallplattenladen m\u00f6glichst nahe an seinen eigenen stehen zu haben. Es wurde nicht bedacht, dass Earth, Wind &amp; Fire sowie die Eagles das Alphabet klar auf ihrer Seite hatten. Nun, Eels ist ja trotzdem ein sch\u00f6ner Bandname.\nDem Mythos um die Entstehung des Namens sei\u2019s verziehen, dass weder Earth, Wind &amp; Fire noch die Eagles musikalisch viel mit Eels gemeinsam haben. (Einen Saturnmitarbeiter st\u00f6rt so was erfahrungsgem\u00e4\u00df \u00fcbrigens nicht im Geringsten.) Eels machen stattdessen so genannten \u201eIndie-Rock\u201c par excellence. Ich bin durchaus willens, \u201eWonderful, Glorious\u201c als bestes mainstream-Album des bisherigen Jahres zu betrachten, immerhin geben sich die Musiker nicht viel M\u00fche, den Vorwurf der Radiokompatibilit\u00e4t zu entkr\u00e4ften. Dennoch: \u201eWonderful, Glorious\u201c ist genau an den richtigen Stellen rau genug, um anzuecken.\nDa w\u00e4re etwa New Alphabet zu nennen. Im Zentrum des Albums setzt es mit seiner Lo-Fi-\u00c4sthetik nach Art der Dandy Warhols einen starken Kontrast zu der Klavierballade The Turnaround und dem stilistisch (wenn auch nicht musikalisch) an den Punk (und mehr noch an Frank Zappa) angelehnten St\u00fcck Peach Blossom, von dessen intensiv wiederholtem Refrain (\u201eOpen the window, man, to smell the peach blossom / the tiger lily, the merrygold\u201c, viel mehr Text gibt es nicht) ich eine Weile einen Ohrwurm hatte. St\u00f6rend, so was!\nMan stelle sich solche Zeilen \u00fcberdies nicht sanft ges\u00e4uselt, sondern affektiert gerufen (fast: gerappt) vor, w\u00e4hrend im Hintergrund die Gitarre knarzt und Klavierkl\u00e4nge sie begleiten. Vielleicht sollte man Eels weniger ernst nehmen und versuchen, Spa\u00df an dem zu finden, was sie hier darbieten. Dabei hilft es, dass man die unterschiedlichen Einfl\u00fcsse leicht auseinanderhalten kann. Von Simon &amp; Garfunkel (I Am Building A Shrine) \u00fcber The Velvet Underground oder ihre Z\u00f6glinge (New Alphabet) bis zu John Lennon (The Turnaround) reicht die Spanne der von jedenfalls mir spontan assoziierten Vergleiche.\nJulian Schmitz schrieb zutreffend:\nEs ist dieser herrliche Wechsel zwischen schnarrenden, treibenden Beats und zwischendurch viele unerwartete Dynamikwechsel, locker-leichte Fr\u00fchlignssynthiesounds (sic!), die einen hoffnungsvoll und gut gelaunt gen hellere Tage blinzeln lassen.\n\u201eSommeralbum\u201c ist eigentlich ein Wort, das ich zu meiden versuche. Bei \u201eWonderful. Glorious\u201c f\u00e4llt mir das aber gar nicht so leicht. Darum breche ich hier mal ab und \u00fcberlasse euch den Rest.\nH\u00f6rproben:\nBei einem Musikalbum, das so heterogen wie \u201eWonderful, Glorious\u201c ist, ist das mit den H\u00f6rproben schwierig. Interessant ist vielleicht das Musikvideo zu Peach Blossom, ansonsten sind nat\u00fcrlich auch ein Grooveshark-Stream und Amazon.de-H\u00f6rproben verf\u00fcgbar.\nThe Joy Formidable \u2013 Wolf\u2019s Law\n\u201eI think I understand / that past is circling\u201c (Tendons)\nErinnert ihr euch an The Joy Formidable? Ihr 2011 erschienenes Deb\u00fctalbum \u201eThe Big Roar\u201c sortierte ich damals als \u201eArtpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative\u201c ein und legte euch ans Herz, dieses Album zu h\u00f6ren. Wenn der Tipp euch damals Freude bereitete, dann passt jetzt mal kurz auf: \u201eWolf\u2019s Law\u201c, das neue Album der Waliser (erschienen im Januar 2013), ist keineswegs schlechter.\nSo weit liegen die beiden Alben auch zeitlich nicht auseinander. Weite Teile von \u201eWolf\u2019s Law\u201c wurden bereits w\u00e4hrend der zw\u00f6lfmonatigen Tour zu \u201eThe Big Roar\u201c geschrieben. Erst gro\u00dfes Get\u00f6se, nun das Gesetz des Wolfs \u2013 die Wildnis hat\u2019s The Joy Formidable anscheinend angetan.\nAllzu wild ist jedoch auch \u201eWolf\u2019s Law\u201c nicht. Vielmehr werden bekannte St\u00e4rken beibehalten und perfektioniert.\nEs f\u00e4ngt harmlos mit Streichern an, die sich als Einf\u00fchrung in so ein Album immer gut machen. MTV-Seher wissen, was gemeint ist. Dann: Gitarrengeschepper. Sch\u00f6n. This Ladder Is Ours: Gitarrenlastiger Mainstream-Indie-Rock, der jeden Applaus verdient. Auf Pitchfork werden auch schon mal New Order und die (allerdings grauenvollen) Muse als Vergleiche herangezogen. Schon wieder Indie-Rock! \u201eAber du magst doch sonst keinen Mainstream?!\u201c, h\u00f6re ich euch nun wieder unken. Stimmt, weil Mainstream meistens lahm ist. \u201eWolf\u2019s Law\u201c ist aber nicht lahm.\nWas ist das \u201eWolfsgesetz\u201c eigentlich? Laut dem Cover wohl: Tod des Wolfs. Ein Wolf liegt tot am Boden, Blumen liegen auf ihm (oder wachsen sie aus ihm?). Gesund ist das nicht. Ganz anders The Joy Formidable, die so lebendig wirken wie nur wenige Bands. Gelegentlich denke ich an Blondie, manchmal auch an die neueren Eatliz. Jochen K\u00f6nig spricht von \u201eKonsens-Pop, der nicht schmerzt, sondern das Herz erw\u00e4rmt und ein L\u00e4cheln ins Grinsegesicht zaubert\u201c, und meint das wahrscheinlich nicht mal b\u00f6se.\nZugegeben, der Anfang des Albums ist, verglichen mit dem Vorg\u00e4nger, trotz all der Gro\u00dfartigkeit ein wenig belanglos. Die Qualit\u00e4t steigt aber mit ansteigender Liednummer. Little Blimp (Lied Nummer 4) groovt mit dominantem Bass nach vorne, die Ballade Silent Treatment (6) ist mit ruhiger Gitarre und ebensolchem Gesang sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Dieser Sturm hei\u00dft Maw Maw Song und fasst das Album schon vor seinem Ende umfassend zusammen: Kopfnick-Refrain, scheppernde und quirlige Gitarren, Ritzy Bryans stets begeistert klingende Stimme, begleitet \u201emaw, maw\u201c im Refrain. Miau, miau. \u2013 Eigentlich gen\u00fcgt es, Maw Maw Song zu kennen, um dieses Album f\u00fcr gro\u00dfartig zu halten; und das mit Recht!\nZum Abschluss dann The Turnaround, eine neuneinhalbmin\u00fctige Streicherballade, die sich nach sieben Minuten zu steigern beginnt und in einem fulminanten fast instrumentalen Finale endet, gleichsam als Verbeugung vor dem applaudierenden Publikum (also jedenfalls mir). Dieses Finale wurde bereits im August 2012 als Lied namens Wolf\u2019s Law im Internet ver\u00f6ffentlicht, um den H\u00f6rer auf das Album vorzubereiten. Das ist ziemlich gut gelungen.\nDie letzten Textzeilen auf \u201eWolf\u2019s Law\u201c lauten: \u201eDon\u2019t wait, let\u2019s go, go, go\u201c. Das Ende dieses Albums ist nur der Aufbruch zum n\u00e4chsten. Die Reise wird sicher spannend, ich bin dabei. Ihr auch?\nH\u00f6rproben:\nAuf YouTube gibt es unter anderem eine qualitativ gerade noch akzeptable Liveversion vom Maw Maw Song zu sehen und zu h\u00f6ren, das ganze Album ist per Grooveshark sowie in 30-Sekunden-Schnipseln auf Amazon.de anzuh\u00f6ren.\nHenry Fool \u2013 Men Singing\nHenry Fool ist der Name eines Actionfilms von 1997 sowie der Hauptfigur in diesem Film, die auch im Folgefilm \u201eFay Grim\u201c mitspielt. Im Jahr 2001, also zumindest nach dem gleichnamigen Film, erschien das Deb\u00fctalbum der Musikgruppe wiederum gleichen Namens, auf dem unter anderem Tim Bowness (unter anderem no-man) an Mikrofon und Gitarre zu h\u00f6ren war. Zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter hei\u00dft das aktuelle Album von Henry Fool irritierenderweise \u201eMen Singing\u201c, obwohl Tim Bowness gar nicht mehr singt.\nJa, \u201eMen Singing\u201c ist ein Instrumentalalbum. Die Besetzungsliste kann sich sehen lassen: Au\u00dfer Tim Bowness sind unter anderem auch sein regelm\u00e4\u00dfiger musikalischer Partner Peter Chilvers, der gelegentlich auch mit Brian Eno zusammen musiziert, Myke Clifford, Saxophonist bei The Pink Floyd Dimension, und Jarrod Gosling, der sich in j\u00fcngerer Zeit vor allem mit The Human League und I Monster zusammengetan hatte. Zwei der vier St\u00fccke veredelt Gastmusiker Phil Manzanera (Roxy Music) mit seiner Gitarre, der zweite Gast Steve Bingham (Violine) hat wiederum jahrelang Erfahrung mit der no-man-Liveband gesammelt. Im Wesentlichen ist Henry Fool also ein Projekt von Tim Bowness und seinen Wegbegleitern.\nDas klingt nun wie Billy Sherwood, der in jedem seiner ungez\u00e4hlten Bandprojekte (Circa:, zeitweise Yes und einige weitere) den Ton ma\u00dfgeblich angab und angibt, aber das Ergebnis ist ein viel besseres. Thomas Kohlru\u00df paraphrasierte:\n(\u2026) wenn man sich eine Melange aus psychedelischer Soft Machine, pinkfloydesken Porcupine Tree, einem Schuss David Sylvian, 80er-Jahre-Wave-Crimson, den ProjeKcts, leichten Postrock-Einfl\u00fcssen und Minimal Music vorstellen kann, dann ist man schon irgendwie in der Welt von \u201eMen Singing\u201c, entspannend spannend!\nGelegentlich ist Musik wie diese auf dieser Internetpr\u00e4senz ja auch schon mal Thema, \u201eTank\u201c von Kreidler etwa fand hier bereits im Juni 2011 lobende Erw\u00e4hnung. \u201eMen Singing\u201c st\u00f6\u00dft in ein \u00e4hnliches Horn, eignet sich jedoch weniger zur Hintergrundbeschallung. Wer hier nicht aufpasst, verpasst wahrscheinlich vieles.\nAuch die Fachwelt (sprich: Musikjournaille) ist begeistert von \u201eMen Singing\u201c. Es passiert tats\u00e4chlich oberfl\u00e4chlich nicht viel, aber die Atmosph\u00e4re, die auf \u201eMen Singing\u201c eingefangen wurde, sucht sicherlich ihresgleichen. Freunde der gitarrenlastigen Rockmusik sind hier wahrscheinlich unterfordert; wer aber die genannten Vergleiche sch\u00e4tzt, dem sollte \u201eMen Singing\u201c zusagen. Ich jedenfalls mag es.\nH\u00f6rproben:\nAlle vier St\u00fccke lassen sich auszugsweise auf Amazon.de h\u00f6ren, auf YouTube ist ein Stop-Motion-Video zu Everyone In Sweden zu sehen.\nMotorpsycho \u2013 Still Life With Eggplant\nDas norwegische Trio Motorpsycho erweist sich auch nach 24 Jahren weiterhin als recht aktiv. Dem jazzdominierten Album \u201eThe Death Defying Unicorn\u201c, meinem Album des Jahres 2012, folgt nun mit nicht einmal einem Jahr Abstand das inzwischen sechzehnte Studioalbum \u201eStill Life With Eggplant\u201c. Das zugrunde liegende Material entstammt teilweise Entw\u00fcrfen, die wegen der Kollaboration mit St\u00e5le Storl\u00f8kken vor\u00fcbergehend zur\u00fcckgestellt wurden. Ein Orchester ist diesmal auch nicht dabei.\nDie Jazzanteile auf \u201eStill Life With Eggplant\u201c wurden konsequent (wieder) deutlich zur\u00fcckgefahren, von Anfang an ist die Gitarre ein starkes Instrument, der druckvolle Bass tr\u00e4gt seinen Teil bei. Dies ist Rock.\nDas ist auch dann Rock, wenn Motorpsycho ihr Bestes geben, ihn zu tarnen. Da w\u00e4re etwa der longtrack Ratcatcher (17:11 Minuten), der leider ein wenig uninspiriert und bluesig vor sich hinpl\u00e4tschert, bis er nach einigen Minuten deutlich an Tempo und Intensit\u00e4t gewinnt. Der durchschnittliche Rockfan hat da schon l\u00e4ngst weitergeschaltet, der Progressive-Rock-Freund hingegen lauscht gebannt jeder neuen Nuance. Warum sollte Rock auch immer in das Drei-Minuten-Korsett der \u00f6ffentlich-rechtlichen Radioanstalten passen m\u00fcssen?\nUnd sonst? \u201eThe Afterglow\u201c. Ist das Oasis? Zumindest ist es 60er-Beatpopirgendwas. (Also wiederum Oasis.) Der rockige Teil nach drei Minuten und zwanzig Sekunden ist \u00fcberragend. Beim Gesang muss ich gerade in diesem St\u00fcck oft an John Lennon denken, aber das ist ja durchaus auch nichts Schlechtes.\nApropos \u201enicht schlecht\u201c beziehungsweise apropos \u201eeclipsed\u201c: Dort schrieb Wolf Kampmann im Mai 2013 \u00fcber \u201eStill Life With Eggplant\u201c:\n\u201eStill Life With Eggplant\u201c ist eine Compilation der besten Songs, die Motorpsycho niemals aufgenommen haben. Die Band hangelt sich durch ihre gesamte Geschichte mit semi-akustischen Balladen, saftigen Sleaze-Krachern und monumentalen Kraftpaketen.\nKeine Einw\u00e4nde!\nH\u00f6rproben:\nAmazon.de hat Ausschnitte vom Album in 30-Sekunden-L\u00e4nge zum Anh\u00f6ren. Tut dies zahlreich!\nDaymoon \u2013 Fabric of Space Divine\n\u201eLet there be life!\u201c (Seed of Complexity)\nEs gibt auch Neues von der US-amerikanisch-portugiesischen Regressive-Rock-Institution Daymoon. Nach dem \u00fcberragenden Deb\u00fctalbum \u201eAll Tomorrows\u201c ergaben sich einige \u00c4nderungen im Privatleben von Frontmann Fred Lessing wie auch in der Besetzung. Entsprechend lange haben die Aufnahmen gedauert.\nFred Lessing begann nach eigenem Bekunden bereits 2002 mit den Aufnahmen f\u00fcr \u201eFabric of Space Divine\u201c. Das Album hatte also viel Zeit zu reifen. Es basiert auf der Arbeit von Stephen Baxter, einem von ihm bewunderten englischen Science-Fiction-Autor, und erz\u00e4hlt im Wesentlichen die Geschichte des Universums (gem\u00e4\u00df den liner notes \u201ehintergr\u00fcndig missverstanden von Fred Lessing\u201c) von seinem Anfang bis zu seinem Ende. Das Album wurde \u00fcber die Jahre immer weiter verfeinert und schlie\u00dflich ab 2010 vom neuen Schlagzeuger Andr\u00e9 Marques produziert. Vom Deb\u00fctalbum geblieben ist nur besagter Fred Lessing, alle anderen Bandmitglieder wurden zwischen 2009 und 2011 ausgetauscht (obwohl noch einige von ihnen auf dem Album zu h\u00f6ren sind). Dass das den musikalischen Stil umwirft, ist wenig \u00fcberraschend.\nSo beginnt (Singularity to Sol) es mit Spacerockzirpen, das in einen mit wenigen Canterburyelementen verfeinerten Spacerockteil \u00fcbergeht. Gelegentlich ist er noch da, dieser Yes-Moment, aber er schwand zugunsten einer mir bis dahin noch nicht begegneten Herangehensweise an das Weltraumthema. Am Ende zum ersten Mal Gesang: \u201eLet there be light!\u201c Sch\u00f6n.\nDann: Seed of Complexity. Hier taucht zum ersten Mal der Titel des Albums auf, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Musikalisch herrscht hier weitgehend unauff\u00e4lliger AOR vor, gelegentlich zumindest begleitet von interessanten RIO/Avant-Effekten. Ganz anders Beyond Nature, das uns olle \u00c4rzte-Fans zuerst an \u201eDie Bestie in Menschengestalt\u201c erinnert (zumal auch der Gesang Bela B. recht nahe kommt), dann aber erkennt man den Krautrock, Stilrichtung world music mit indischem touch, yeah. Der verst\u00f6rende (kreischende) Hintergrundgesang ist ein h\u00f6renswerter Kontrapunkt.\nInteressant ist auch Beyond Trinity, eine Klavierballade im ungef\u00e4hren Stil von Elton John. Der Gesang ist aber schlechter. \u2013 Ja, der Gesang, die alte Schwachstelle von Daymoon. Es gibt viel Gesang auf \u201eFabric of Space Divine\u201c, nur wenige St\u00fccke kommen ohne ihn aus. Andererseits hat Fred Lessing zumindest etwas besser singen gelernt, oft f\u00fcgt sich der Gesang gut in die Musik ein. \u2013 Nachtrag: In den Kommentaren weist mich Herr Lessing darauf hin, dass er gar nicht mehr selbst singt. Ich hatte mich schon gewundert.\nAber was wird eigentlich gesungen? Vor allem viel Religi\u00f6ses. So hei\u00dft es etwa in Beyond Multiplicity:\nLa ilahe illa allah, jamal of God we sing\nLa ilahe illa allah, jalal of Allah we sing\nNat\u00fcrlich: Wer die Geschichte des Universums erz\u00e4hlt, der sollte auch religi\u00f6se Bewegungen nicht auslassen. Dass Fred Lessing sich selbst als \u201e\u00fcberhaupt nicht religi\u00f6s\u201c bezeichnet (und sich daf\u00fcr unn\u00fctzerweise entschuldigt), werte ich positiv. Also, wie gesagt, der Gesang ist die Schwachstelle auf diesem Album.\nWer dar\u00fcber hinwegsehen kann und nichts gegen Spacerock mit Stilwechseln und ohne gro\u00dfe Ecken und Kanten hat, der sollte \u201eFabric of Space Divine\u201c eine Chance gew\u00e4hren. Fest steht jedenfalls: Daymoon schaffen es bislang, sich auf jedem Album neu zu erfinden. Mal sehen, wohin die Reise f\u00fchrt \u2013 dieses Jahr jedenfalls ins Weltall.\nH\u00f6rproben:\nAch was, warum mit Proben zufriedengeben? \u201eFabric of Space Divine\u201c gibt es in voller L\u00e4nge per Bandcamp zum Streamen und Kaufen. Das verdient Applaus.\nCarpet \u2013 Elysian Pleasures\nCarpet. Teppich. Bl\u00f6der Name. Andererseits ist Bandgr\u00fcnder Maximilian Stephan, der f\u00fcr das zweite Carpet-Album drei weitere Musiker an Bord geholt hat, ja f\u00fcr bl\u00f6de Bandnamen bekannt: Seine andere Band hei\u00dft dear john letter (Schreibweise variierend) und wurde f\u00fcr ziemlich gro\u00dfartigen, atmosph\u00e4rischen Postrock bekannt. Auf \u201eElysian Pleasures\u201c ist auch Schlagzeuger Jakob von ebendort zu h\u00f6ren. (Dass \u201eElysian Pleasures\u201c ein aufw\u00e4ndig gestaltetes Coverbild spendiert bekommen hat, das nur im Vinylformat richtig zur Geltung kommt, versteht sich da eigentlich von selbst.)\nMan m\u00f6ge mir verzeihen, wenn die personellen und sonstigen \u00dcberschneidungen treue Leser meiner Rezensionen nun auf eine falsche F\u00e4hrte locken: Postrock ist hier nicht zu finden. Stattdessen wird in den 70-ern gestochert: Post-Beatles-Beat (For The Love Of Bokeh), Canterbury-nahe Bl\u00e4serkl\u00e4nge (Smoke Signals) und atmosph\u00e4rischer Rock (Man Changing The Atoms mit, immerhin, einer gef\u00e4lligen L\u00e4rmkaskade gegen Ende des St\u00fccks) treffen hier aufeinander und ergeben ein interessantes Zusammenspiel. Etwas bedauerlich ist, dass der Gesang in den beigemischten Effekten beinahe zu ertrinken scheint; das tut dem Gesamteindruck aber keinen nachhaltigen Schaden an.\nIm Magazin \u201eeclipsed\u201c (\u201ealles, was das letzte halbe Jahrhundert Rockmusik ausgemacht hat, findet sich auf diesem Album wieder\u201c) war man geradezu \u00fcberschw\u00e4nglich begeistert von \u201eElysian Pleasures\u201c; halbwegs auf dem Boden bleibt jedenfalls Peter auf Schallgrenzen.de:\n\u201cElysian Pleasures\u201d ist, im Gegensatz zum eher eher ambienten, experimentellen Deb\u00fct, eine durchaus handfeste Veranstaltung. Zu h\u00f6ren gibt es n\u00e4mlich treibenden Rock zwischen Psychedelic und Progressive. Aber auch eine immer wieder durchschimmernde subversive Jazz-Note gef\u00e4llt mir sehr gut. Summa Summarum: Zeitsturz in die sp\u00e4ten Siebziger. Sch\u00f6ne progressive T\u00fctenmusik inklusive Orgel.\nEtwas weniger Hall t\u00e4te, wie schon erw\u00e4hnt, dem Album gut, aber irgendwas ist ja immer. Freunde der eher entr\u00fcckten Musik der 1970-er Jahre sollten es aber auf keinen Fall vers\u00e4umen, sich mit \u201eElysian Pleasures\u201c zu besch\u00e4ftigen.\nH\u00f6rproben:\nAuch \u201eElysian Pleasures\u201c ist vor dem Kauf komplett per Bandcamp streambar.\nShining \u2013 One One One\n\u201eI do not fight back, I paint the sky black\u201c (Paint The Sky Black)\nMetalfreunde kamen bis hierhin etwas weniger auf ihre Kosten. Aber auch f\u00fcr sie hat das Jahr 2013 schon einen Schatz zu bieten, n\u00e4mlich \u201eOne One One\u201c von Shining (der norwegischen Metalband, nicht der schwedischen Metalband gleichen Namens).\n\u201eMetalband\u201c ist vielleicht etwas kurz gegriffen. Obwohl \u201eOne One One\u201c \u2013 \u201eSix Six Six\u201c w\u00e4re zu plump \u2013 beim ersten Reinh\u00f6ren sehr, sehr gut und vor allem sehr, sehr laut klingt, liegen die Wurzeln der Band im Jazz. Geblieben ist die Lust am Experimentieren, die schon auf dem Vorg\u00e4ngeralbum \u2013 oder ist es ein ganzes Genre? \u2013 \u201eBlackjazz\u201c (2010), auf das im Titel Blackjazz Rebels nochmals Bezug genommen wird, nur schwer zu \u00fcberh\u00f6ren war. Shining mischen auch auf \u201eOne One One\u201c Black Metal, Nu-Metal (etwa My Dying Drive) und Avantgardistisches wie merkw\u00fcrdige Klangsequenzen dort, wo andere Metalbands vielleicht ein Gitarrensolo platzieren w\u00fcrden, zu einer beachtlichen Kombination (auf musikreviews.de und anderswo ist von \u201eJazz-Metal\u201c die Rede, was eben ungef\u00e4hr so hilfreich ist wie \u201eSchlagerpunk\u201c, aber sei\u2019s drum) zusammen, die trotz allem auch uns Freunde des Sch\u00f6nklangs dazu einl\u00e4dt, die Texte mitzubr\u00fcllen. Wirklich schade, dass ich gerade kein Textbuch zur Hand habe.\nUnd ein wenig Jazz ist ja dann auch noch da: How Your Story Ends etwa beginnt mit Solosaxophon von \u2013 wahrscheinlich \u2013 Frontmann J\u00f8rgen Munkeby, der, wenn er gerade nicht bl\u00e4st, bevorzugt br\u00fcllt und Gitarre spielt. So ein wenig Klischee muss ja schon sein. Das Saxophon als Metalinstrument erzielt zumindest eine interessante Wirkung, gerade in den etwas lauteren Teilen. Nat\u00fcrlich hat das mit Metallica weniger zu tun als mit Marduk, weniger mit Tool als mit einer satanistischen Kultmesse. Wer Metal nur aus dem Radio kennt, den k\u00f6nnte \u201eOne One One\u201c also eventuell \u00fcberfordern. Aber das Ziel jedes Musikfreundes, liebe Leser, sollte es stets sein, seine Grenzen (eben seinen Horizont) kennenzulernen und best\u00e4ndig zu erweitern.\nNat\u00fcrlich ist das nur Modellpflege und kein radikaler Umbruch. Warum auch? Dieses Niveau d\u00fcrfen Shining gern noch ein paar Jahre lang halten.\nIch finde Metal doof. \u201eOne One One\u201c finde ich aber \u00fcberhaupt nicht doof. Ihr solltet es mir gleichtun.\nH\u00f6rproben:\nAmazon.de l\u00e4sst euch f\u00fcr jedes St\u00fcck drei\u00dfig Sekunden Zeit.\nSigur R\u00f3s \u2013 Kveikur\n\u201eVi\u00f0 skerum \u00e1 / augnar\u00e1\u00f0 / n\u00fa stingur \u00ed / ofbirta\u201c (Brennisteinn)\nKommen wir nun zu etwas v\u00f6llig Anderem (als Metal). Gerade noch rechtzeitig erreichte mich \u201eKveikur\u201c, das neue Album der isl\u00e4ndischen Postrockband Sigur R\u00f3s. Wer aber dachte, er w\u00fcsste, was ihn erwartet, der hat sich get\u00e4uscht. Nach ein\u00eegen vertonten Traumwelten und der Hinwendung zur beinahe fr\u00f6hlichen Popmusik auf \u201eTakk\u2026\u201c und \u201eMe\u00f0 su\u00f0 \u00ed eyrum vi\u00f0 spilum endalaust\u201c ging es mit \u201eValtari\u201c wieder zur\u00fcck zum \u201eDreampop\u201c (Zitat: Wikipedia \u2013 ich finde Genres immer noch bescheuert) der fr\u00fcheren Alben.\nAber \u201eKveikur\u201c?\nDie Verpackung des Albums ist in Schwarz-Grau gehalten. Texte gibt es nicht. Innen sind mit schwarzbrauner Farbgebung merkw\u00fcrdige Fantasieszenen gezeichnet, versehen mit wenigen roten Flecken. Eine gro\u00dfe Krallenhand kommt von oben rechts und schie\u00dft auf Baumst\u00fcmpfe. Merkw\u00fcrdig, aber bezeichnend f\u00fcr \u201eKveikur\u201c. Nachdem zum Jahreswechsel 2012/2013 der Keyboarder Kjartan \u201eKjarri\u201c Sveinsson sich aus vermutlich famili\u00e4ren Gr\u00fcnden aus der Band verabschiedet hatte, ist \u201eKveikur\u201c das erste Album, das Sigur R\u00f3s als Trio ver\u00f6ffentlichten; dies obendrein bei einer neuen Plattenfirma, namentlich XL Recordings. Wie bei den meisten Bands (etwa auch Van der Graaf Generator, \u201eTrisector\u201c) ist damit ein klanglicher Wechsel verbunden.\nDas erste Adjektiv, das mir zu \u201eKveikur\u201c einf\u00e4llt, ist: Dunkel. Der Postrock ist zu Hause angekommen. Nie klangen Sigur R\u00f3s so sehr nach God Is An Astronaut wie auf diesem Album. Das bedeutet nicht, dass es an Eigenst\u00e4ndigkeit fehlt; etwa \u00cdsjaki und Yfirbor\u00f0 kn\u00fcpfen an alte Erfolge an. Neu sind St\u00fccke wie Brennisteinn und das Titelst\u00fcck Kveikur: Getrieben von allerlei elektronischen Spielereien und dr\u00f6hnendem Bass und mit weniger sanftem Gesang und weniger monotonem Schlagzeug als noch auf \u201eMe\u00f0 su\u00f0 \u00ed eyrum vi\u00f0 spilum endalaust\u201c wirken sie beinahe aggressiv und hektisch. Das ist gut! (Wenn ich nur die Texte verst\u00fcnde!) \u201eKveikur\u201c klingt mit dem instrumentalen Quasiklavierst\u00fcck Var dann aber doch noch standesgem\u00e4\u00df aus.\nZumindest Brennisteinn (auf Deutsch \u201eSchwefel\u201c, was irgendwie passt) ist aufmerksamen Musikfreunden indes schon lange live bekannt, eine hervorragende Liveversion etwa ist auf YouTube zu sehen. Wenn das aber die neuen Sigur R\u00f3s sind, dann: Gern mehr davon!\nH\u00f6rproben:\nAuf YouTube \u2013 im Text verlinkt \u2013 gibt es ziemlich gute Liveaufnahmen zu h\u00f6ren, auf Amazon.com gab es kurzzeitig das ganze Album als Stream. Wer es verpasst hat, der kann dies per Grooveshark (plus zwei Bonusst\u00fccke) nachholen oder sich mit den kurzen Ausschnitten auf Amazon.de zufrieden geben.\n\nWaren das schon neun? Oh, ja, das waren schon neun.\nAber es gab doch schon so viel gute Musik 2013, sagen die Medien! \u2013 Ja, die Medien. Die Medien hypen eine Menge furchtbaren Schei\u00df. Wollt ihr wissen, was ich meine? Nun, zum Beispiel folgende Musikalben:\n2. Immer noch viel zu lang.\n\nVillagers \u2013 Awayland\nEine m\u00fcde, kraftlose Variante des immergleichen Mando-Diao-Aufgusses.\nMy Bloody Valentine \u2013 m b v\nPeter ist der Ansicht, man k\u00f6nne sich das hier sch\u00f6nsaufen. Ich melde Bedenken an.\nJacco Gardner \u2013 Cabinet Of Curiosities\nBeatlesquer Einschlaf-Weichsp\u00fclpop.\nLong Distance Calling \u2013 The Flood Inside\nDie einstmals \u00fcberragende Postrockband hat sich einen scheu\u00dflichen S\u00e4nger an Bord geholt. Graus!\nLifesigns \u2013 Lifesigns\nMelodic Rock f\u00fcr Anf\u00e4nger und Hausfrauen.\nMr Averell \u2013 Gridlock\nTolle Besetzung, grauenhafte Umsetzung.\n\nIhr merkt, Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t unterscheiden sich mitunter stark. Nie wurde so viel Musik produziert wie heute, nie kam so viel Schrott dabei heraus. Wie anders doch fr\u00fchere Jahrzehnte!\nZum Abschluss des diesj\u00e4hrigen Zwischenberichts machen wir also erneut eine Zeitreise durch die Musikgeschichte:\n3. Und viel zu lang ist\u2019s her.\n\nVor 40 Jahren:\nGenesis \u2013 Selling England by the Pound\n1973 begann der Progressive Rock sich voll zu entfalten. Der Canterbury Sound hatte mit \u201eCamel\u201c (Camel) und \u201eFor Girls Who Grow Plump in the Night\u201c (Caravan) seinen gro\u00dfen Auftritt, in Frankreich setzten Magma mit \u201eMekan\u00efk Destrukt\u00efw Kommand\u00f6h\u201c alles auf eine Karte (und gewannen). In Gro\u00dfbritannien wetteiferten derweil zwei v\u00f6llig unterschiedliche Musikgruppen um die Gunst des Publikums: Die 1966 gegr\u00fcndeten 10cc vereinten auf ihrem endlich erschienenen Deb\u00fctalbum Artrock und Progressive Rock zu einer \u00fcberzeugenden Melange, die ihnen eine Bekanntheit einbrachte, angesichts derer es eigentlich verwunderlich ist, dass man ihren Namen gemeinhin nicht als Allgemeinwissen betrachtet, ganz im Gegensatz zu dem ihrer Landsm\u00e4nner von Genesis, die im gleichen Jahr mit \u201eSelling England by the Pound\u201c das vorletzte Album mit Peter Gabriel ver\u00f6ffentlichten (leider darf Phil Collins hier auch schon singen). Trotz Liedtiteln wie The Battle of Epping Forest und Dancing with the Moonlit Knight treten hier jedoch die mystischen Texte fr\u00fcherer Alben zugunsten gesellschaftskritischer Alltagsbeobachtungen zur\u00fcck. Einen \u00e4hnlichen Wandel haben im gleichen Jahr \u00fcbrigens die wieder vereinten King Crimson auf \u201eLarks\u2019 Tongues in Aspic\u201c, dem ersten Studioalbum ohne Texter Peter Sinfield, vollzogen. Der Wandel zur radiotauglichen Poprock-Schlagergruppe jedoch dauerte bei Genesis noch eine Weile.\nVor 30 Jahren:\nMarillion \u2013 Script for a jester\u2019s tear\nEin Jahrzehnt sp\u00e4ter war dieser Wandel abgeschlossen. Auf dem Album mit dem selten d\u00e4mlichen Namen \u201eGenesis\u201c (kommt schon, Jungs, als Deb\u00fctalbum ist so was in Ordnung, aber doch nicht f\u00fcr\u2019s zw\u00f6lfte!) ist au\u00dfer grauenvollen Collins-Schnulzen mit Bumm-Tschack-Schlagzeug (That\u2019s All) zumindest auch Mama zu finden. Teuflisch lachen kann er ja, der Phil Collins; wenn da eben nur nicht die anderen Lieder auf dem Album w\u00e4ren! Besser machten es Marillion, die mit \u201eScript for a Jester\u2019s Tear\u201c mittels der R\u00fcckbesinnung auf die Tage, als Genesis noch den Mut hatten, mit Konventionen zu brechen, einen der Grundsteine f\u00fcr das neue Genre des \u201eNeo-Prog\u201c legten. Ein wirklicher longtrack fehlt auf dem Album, der wurde indes bereits im Vorjahr als B\u2011Seite der Single Market Square Heroes ver\u00f6ffentlicht. Dieses St\u00fcck (Grendel) wird heute als das Supper\u2019s Ready der 1980er Jahre gehandelt, und tats\u00e4chlich waren Marillion nicht schlecht darin, ihren Vorbildern nachzueifern. Im dunklen Plastikjahrzehnt war tats\u00e4chlich auch au\u00dferhalb des mainstreams einiges m\u00f6glich. Dass Marillion mit Kayleigh einige Jahre sp\u00e4ter einen Poprockhit in den Hitparaden hatten, soll diesen Erfolg nicht schm\u00e4lern.\nVor 20 Jahren:\nNirvana \u2013 In Utero\nWeniger rosa sah es f\u00fcr den Progressive Rock dann 1993 aus. Marillion wandelten sich mit ihrem neuen S\u00e4nger Steve Hogarth dem New Artrock zu (und machten damit immerhin nicht den gleichen Fehler wie Genesis), in Deutschland k\u00e4mpften Die Fantastischen Vier mit dem drogenschwangeren \u201eDie 4. Dimension\u201c und Die \u00c4rzte mit ihrem Comebackalbum \u201eDie Bestie in Menschengestalt\u201c um die Gunst der Jugendlichen. Diese gewann jedoch ein depressiver US-Amerikaner letztlich f\u00fcr sich: Nirvanas letztes Studioalbum \u201eIn Utero\u201c war auch ihr bestes. Verglichen mit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eNevermind\u201c (dem mit dem nackten Kleinkind vorne drauf) sind Nirvana hier noch aggressiver und experimenteller geworden. Dass MTV der Band dennoch regelm\u00e4\u00dfige Werbung verschaffte, stimmt mich ein bisschen traurig, denn heutzutage nimmt MTV einen Musiker ja anscheinend nur noch ernst, wenn er langweilige Liebesschei\u00dfe ins Mikrofon heult. Nun ja. \u2013 Ein Problem stellte anscheinend nur Rape Me (\u201eVergewaltige mich\u201c) dar, das sich in den USA, wie zu erwarten, diversen Beschneidungen und Verboten unterziehen lassen musste. Dass mit den anderen Liedern, etwa Milk It (\u201eLook on the bright side is suicide\u201c), niemand eine Schwierigkeit zu haben schien, ist dann doch etwas seltsam. \u201eIn Utero\u201c jedenfalls ist aufgrund seiner Rauheit bei gleichzeitiger Kontroversit\u00e4t das Nirvana-Album, das man am ehesten kennen (und sch\u00e4tzen) sollte. Ab und zu sollte man es vielleicht auch mal wieder MTV vorspielen, vielleicht nehmen sie ja irgendwann wieder Vernunft an.\nVor 10 Jahren:\nEktroverde \u2013 Ukkossalama\nEs ist ja auch nicht so, dass die Menschen nicht lernf\u00e4hig w\u00e4ren. Sie wollen nur einfach selten. Andererseits versetzte sie das neue Jahrtausend offenbar in Aufbruchstimmung, und so schossen ab dem Jahr 2000 weltweit viele Musikgruppen schier aus dem Boden, die sich als kompromisslose Anh\u00e4nger der alten Heroen pr\u00e4sentierten. Aus Spanien etwa kommt das selbstbetitelte Album der Combo Psicotropia, die trotz der Gitarrenfrickeleien im Stil Robert Fripps wohl auch Mr. Bungle, Primus, Tool, Muse und nicht zuletzt Frank Zappa aufmerksam gelauscht hatten. Ganz anders dagegen Ektroverde, ein Nebenprojekt der umtriebigen Finnen Circle, das mit \u201eUkkossalama\u201c sein bis heute letztes Lebenszeichen vorgelegt hat. Das hat es aber in sich: Hier wird wild gejammt, spacig-neokrautig-postrockig, mitunter auch jazzig-rockig, treibend, hypnotisch, laut und sperrig, dabei aber auch seltsam entspannt und gem\u00e4chlich. Dass \u00fcberdies mal englischer, mal finnischer (Sprech-)Gesang ert\u00f6nt, versetzt den H\u00f6rer dann endg\u00fcltig in Verwirrung. Was ist das gerade? Nat\u00fcrlich hat das alles keine Struktur, keinen Rhythmus. Assoziation? Can. Freiformmusik, wie sie eindrucksvoller nicht sein k\u00f6nnte, sozusagen Circle ohne das dort ohnehin schon recht locker sitzende Strukturkorsett. Insgesamt dreizehn beteiligte Musiker k\u00f6nnen so ein Konsumentenhirn ziemlich auf Trab bringen. Was bleibt von Ektroverde? Vorerst: Circle h\u00f6ren. Das ist zu verschmerzen. Aber vielleicht kommen sie zur\u00fcck, und das wird sicher grandios.\n\nNun, ich bin am Ende. Ich danke euch f\u00fcr die Aufmerksamkeit.\nWenn ihr noch ein Musikalbum kennt, das ich hier eurer Meinung nach h\u00e4tte auff\u00fchren sollen, hinterlasst es mir bitte in den Kommentaren; wom\u00f6glich werde ich es ber\u00fccksichtigen k\u00f6nnen. Noch auf Halde habe ich zum Beispiel die neuen Album von Big Big Train, The Strokes und Spock\u2019s Beard. Das wird ein interessantes zweites Halbjahr.\nWeiter geht es \u2013 wie gewohnt \u2013 im Dezember. Bis dann: Habt Spa\u00df!\nKommentareDidi schrob am 28. Juni 2013 dies: Ich hasse jede vom Standard abweichende Begr\u00fc\u00dfungsvariante.tux0r schrob am 28. Juni 2013 dies: Was ist denn Standard bei Juristen?Didi schrob am 28. Juni 2013 dies: Schon gezahlt?tux0r schrob am 28. Juni 2013 dies: D\u00e4mliche Begr\u00fc\u00dfung.Fred Lessing schrob am 9. Juli 2013 dies: Hallo    Danke auch f\u00fcr diese Super-Review vom 2. Album meiner Band Daymoon. Es macht immer wieder Spass, wenn jemand Musik aufmerksam h\u00f6rt und so sch\u00f6n beschreibt, wie hier. Im Gegensatz zum Vorjahr haben sich diesmal allerdings ein paar sachliche Fehler eingeschlichen: 1. Auf dieser CD singe ich selbst bis auf ein paar Hintergrundch\u00f6re gar nicht. Hihi, und wer da auf \u201ekreischt\u201c ist Michael Dorp  von der deutschen Prog-Band Flying Circus. Reinh\u00f6ren unbedingt empfohlen! 2. Von der \u201eAll Tomorrows\u201c Band sind ausser mir selbst wieder Paulo Chagas (Saxofon, Fl\u00f6ten), Adriano (Klarinette) und Paulo Catroga (Klavier auf einem der St\u00fccke) mit dabei. Aber das wirklich nur nebenbei. Dank Dir GANZ lieb   \n\nGruss aus Portugal,\nFredtux0r schrob am 9. Juli 2013 dies: Poah. Frech! Da liest man sich ein einziges Mal die Hintergr\u00fcnde zu einem Album durch und dann stimmen die nicht mal!   \n\nDanke f\u00fcr deine Korrekturen. Ich glaube, Flying Circus m\u00f6chte ich jetzt gar nicht mehr kennen.   Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2013 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 23. Dezember 2013 dies: [\u2026] werte Leser und Musikfreunde, da ist doch tats\u00e4chlich schon wieder Ende Dezember; Zeit also, wie zuletzt im Juni die musikalischen Perlen aus dem gro\u00dfen Haufen an diesj\u00e4hrigen Ver\u00f6ffentlichungen [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2013-06-28T10:00:12+02:00",
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Ich hatte 2012 nun mal bessere Musikalben zu h\u00f6ren als den immergleichen Indiepop-Mist.</p>\n<p>Und da schon wieder Jahresende ist, freue ich mich darauf, euch mit gewohnt herausragender Grammatik den zweiten Teil (den ersten Teil gibt es <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">hier</a>) der Liste der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">mir am gefallendsten Alben 2012</span> zu pr\u00e4sentieren. Keine Sorge, selbstverst\u00e4ndlich tr\u00e4gt jedes aufgef\u00fchrte Album das \u00fcbliche G\u00fctesiegel: <a href="\&quot;http://www.twitter.com/wortmusik/status/269281130560253952\&quot;" data-wpel-link="internal">Ohne <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span></a>. <span id=\"more-7428\"></span></p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Big Big Train</span> haben mit \u201eEnglish Electric Part I\u201c schon mal den ersten Teil eines Doppelalbums, das 2013 regul\u00e4r erscheinen soll, ver\u00f6ffentlicht. Ich werde mich dann 2013 daran setzen, das <em>Gesamtkunstwerk</em> zu h\u00f6ren und wahlweise wegzuwerfen oder an dieser Stelle zu w\u00fcrdigen. Einmal muss reichen. Aufmerksame Leser wissen auch, dass ich es mir nicht nehmen lasse, auch zwischen den R\u00fcckschauen gelegentlich herausragende Musikalben zu empfehlen. Ich bitte daher auch die neuen Scheiben von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/10/guilty-ghosts-trespasser-ep/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Guilty Ghosts</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/pixel-reminder/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Pixel</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/07/last-remaining-pinnacle-rhythmische-stoergeraeusche/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Last Remaining Pinnacle</span></a>, <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/11/belleruche-rollerchain/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Belleruche</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/11/toc-sin/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Toc.Sin</span></a> nicht aus den Augen zu verlieren.</p>\n<p>Diesmal enth\u00e4lt die R\u00fcckschau eine Neuerung, n\u00e4mlich eine Liste der Alben, die zu gut sind, um sie zu ignorieren, aber f\u00fcr die auf der Bestenliste dann doch kein Platz mehr war. Wie immer liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein relevantes Album \u00fcbersehen habe, dennoch bei ungef\u00e4hr 100 Prozent. Erg\u00e4nzungen sind erw\u00fcnscht, \u00fcber mir bislang unbekannte Musiker erfahre ich gern etwas, es kann ja sein, dass ihre Aufnahmen selbst mir gefallen.</p>\n<p>Leider konnte ich nicht zu allen aufgef\u00fchrten Musikalben frei verf\u00fcgbare H\u00f6rproben finden, ich werde daher auch diesmal gelegentlich auf Grooveshark zur\u00fcckgreifen, das in Deutschland nur \u00fcber Proxyserver erreichbar ist; Erkl\u00e4rungen hierzu kann ich bei Bedarf nachreichen. Ich bitte dies zu entschuldigen.</p>\n<p>Nun ist\u2019s aber genug des Gepl\u00e4nkels. Los geht es wie gewohnt mit der Hauptliste:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Kauft dies!</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Magma-Felicite-Thosz.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Magma-Felicite-Thosz.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Magma \u2013 F\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> sind wieder da \u2013 oder immer noch? Tats\u00e4chlich ist \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c in gewisser Weise ein Neuanfang: Mit den beiden nach langer Pause ver\u00f6ffentlichten Vorg\u00e4ngeralben \u201eK.A\u201c und \u201e\u00cbm\u00ebhnt\u00ebhtt-R\u00e9\u201c wurde die \u201eK\u00f6hntark\u00f6sz\u201c-Trilogie, deren Anf\u00e4nge bereits in den 1970er Jahren auf Konzerten zu h\u00f6ren waren, abgeschlossen, \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c ist nun also das erste <em>neue</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span>-Album seit \u201eMerci\u201c (1984).</p>\n<p>Wie seinerzeit \u201eMerci\u201c ist auch \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> eher untypisch: Der d\u00fcstere, ausufernde, hypnotische Zeuhl klingt fast vollkommen anders. Statt der bombastischen Kompositionen sind kurze, beschwingte Lieder zu h\u00f6ren, wenngleich alle bis auf eines im 28-min\u00fctigen Titelst\u00fcck <em>zusammengefasst</em> wurden. Auch andere Gemeinsamkeiten mit \u201eMerci\u201c fallen auf: Mit \u201eLes hommes sont venus\u201c ist auch mal wieder ein St\u00fcck mit einem franz\u00f6sischen Titel enthalten \u2013 in der koba\u00efanischen Welt von <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> eine Seltenheit, die erw\u00e4hnt werden sollte. Die Gesamtlaufzeit von \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c betr\u00e4gt 32:24 Minuten. Gilt das schon als komplettes Album, oder ist das noch ein/e EP?</p>\n<p>Vergleicht man \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c mit den vorherigen Alben, sieht es mit einer Bewertung also eher schlecht aus, denn das <em>Markenzeichen</em> von <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span>, eben der Zeuhl, schw\u00e4chelt hier ein wenig. Die Bewertung des Albums sollte also nicht im Kontext des Hauptwerkes von <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> erfolgen, sondern eigenst\u00e4ndig. Und als ein eigenst\u00e4ndiges Werk ist \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c gleich viel besser:</p>\n<p>Wie schon auf \u201eMerci\u201c herrscht eine fr\u00f6hliche, beinahe ausgelassene Stimmung; <em>Les hommes sont venus</em> wird von zwei S\u00e4ngerinnen zu rhythmischer Vibraphonbegleitung intoniert, einzig das repetitive Muster kommt dem <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span>-Freund bekannt vor.</p>\n<p>Alles andere als ein \u201etypisches\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span>-Album liegt hier also vor. Das ist eine merkw\u00fcrdige und ungewohnte, aber willkommene Abwechslung. Dass es so kurz ist, hat einen einfachen Grund: Zum Titelst\u00fcck geh\u00f6rt eigentlich noch ein zweites, das aber laut Schlagzeuger, Gr\u00fcnder und <em>mastermind</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Christian Vander</span> <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=12730&amp;content=review\&quot;" data-wpel-link="internal">nicht <em>dazu passte</em></a>. Es ist also absehbar, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> noch lange nicht in den Ruhestand gehen. Gut so.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\n\u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c gibt es <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/F+licit+Th+sz/7962683\&quot;" data-wpel-link="internal">via Grooveshark</a> als vollst\u00e4ndigen Stream.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/DeWolff-DeWolff-IV.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-DeWolff-DeWolff-IV.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">DeWolff \u2013 DeWolff IV</span>\n<p>Die s\u00fcdniederl\u00e4ndische (die Himmelsrichtung muss dem Trio sehr wichtig sein, denn sie betonen sie auf ihrer <a href="\&quot;http://www.dewolff.nu\&quot;" data-wpel-link="internal">Internetseite</a> an mehreren Stellen) Formation <span class=\"musik-review-bandname\">DeWolff</span> wurde im Jahr 2007 von den beiden Br\u00fcdern <span class=\"musik-review-bandname\">Pablo</span> (Gesang, Gitarre) und <span class=\"musik-review-bandname\">Luka van de Poel</span> (Schlagzeug) sowie <span class=\"musik-review-bandname\">Robin Piso</span> (Orgel, Hintergrundgesang) gegr\u00fcndet. Auf ihrem im Juni erschienenen dritten (!) Vollzeitalbum \u201eDeWolff IV\u201c \u2013 das unbetitelte Deb\u00fct schaffte es nur als EP mit sechs St\u00fccken in den Handel \u2013 treiben <span class=\"musik-review-bandname\">DeWolff</span> weiterhin ihr Spiel mit den Genres. Bluesrock (<em>Six Holes &amp; A Ghost</em>) trifft auf Psychedelic Rock, Hardrock und gelegentliche Stoner-Rock-Ankl\u00e4nge (<em>Devil\u2019s Due</em>).</p>\n<p>Ihre Plattenfirma vergleicht <span class=\"musik-review-bandname\">DeWolff</span> vollmundig mit <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Cream</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Deep Purple</span> und liegt damit nicht so sehr daneben, wie man das eigentlich meinen sollte, immerhin sind <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Cream</span> einander ungef\u00e4hr so \u00e4hnlich wie Apple und das Rote Kreuz. Die Musiker selbst bezeichnen ihren Stil als \u201epsychedelischen, elektrifizierten, fuzzgetr\u00e4nkten, ekstatischen, hart groovenden Space-Rock\u2011n\u2019-Roll\u201c. Immerhin ist das aussagekr\u00e4ftiger als \u201eWir sind eine Rockband\u201c.</p>\n<p>Genrequark hin oder her: Gef\u00e4llig ist das Zusammenspiel der drei Herren zweifelsohne. Selbst der S\u00e4nger, der gelegentlich ein wenig nach <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Plant</span>, manchmal auch nach den <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> (die sich ja damals alle vier recht \u00e4hnlich anh\u00f6rten) klingt, gelegentlich aber auch ganz anders, schafft es, mich derart zu \u00fcberzeugen, dass ich ihn hier separat erw\u00e4hne, was bekannterma\u00dfen nicht oft vorkommt. Und obwohl man sich beinahe ausnahmslos in den musikalischen 1970-er Jahren bedient, hat man beim Konsum der 11 St\u00fccke keine Sekunde lang das Gef\u00fchl, das alles schon mal geh\u00f6rt zu haben.</p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist \u00edn den zitierten Genres auch mitunter ein Ausfall zu verzeichnen. Das ruhige \u201eDevil On A Wire / The Telephone\u201c etwa ist trotz der angeschr\u00e4gten Streicher(?)begleitung so <em>unauff\u00e4llig</em>, dass es das H\u00f6rvergn\u00fcgen in kaum merklichem Ma\u00dfe beeintr\u00e4chtigt; gesagt werden soll\u2019s dann aber doch. Wobei es eigentlich allgemein Bl\u00f6dsinn ist, \u201eDeWolff IV\u201c nach den einzelnen St\u00fccken zu bewerten, da die \u00dcberg\u00e4nge quasi flie\u00dfend sind und der H\u00f6rer somit die Titel- eher als Kapitelliste lesen sollte. (Das reimt sich.) Das letzte dieser Kapitel, <em>Vicious Times</em>, steigert sich zum Ende hin zu einer dissonanten Klimax und klingt dann, leise brummend, aus. Und obwohl dieses <em>Buch</em> schw\u00e4chere Kapitel hat, ist es in der Summe ein sehr empfehlenswertes Werk, das man zumindest mal gelesen haben sollte.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nZurzeit (11. Dezember) steht auf der <a href="\&quot;http://www.dewolff.nu\&quot;" data-wpel-link="internal">Website der Band</a> das komplette Album zum Anh\u00f6ren zur Verf\u00fcgung.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Sebkha-Chott-The-NeXXXt-Epilog-v1.0.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Sebkha-Chott-The-NeXXXt-Epilog-v1.0.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Sebkha-Chott \u2013 The Ne[XXX]t Epilog v1.0</span>\n<p>Auf <span class=\"musik-review-bandname\">Sebkha-Chott</span> (die etwaige Bedeutung des Namens ist mir, Verzeihung!, nicht bekannt) wurde ich im, wenn ich mich recht entsinne, vorletzten Jahr eher zuf\u00e4llig aufmerksam. Sie wurden gelegentlich im Zusammenhang mit der mittlerweile aufgel\u00f6sten Avantgarde-Metal-Kabarett-Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Sleepytime Gorilla Museum</span> erw\u00e4hnt. Beim ersten Anh\u00f6ren war mir das Dargebotene allerdings deutlich zu schr\u00e4g, und wer mich oder auch nur eine meiner vergangenen Bestenlisten kennt, der wei\u00df, dass das schon <em>wirklich</em> schr\u00e4g sein muss.</p>\n<p>Allerdings habe ich seitdem viel Musik geh\u00f6rt, die mein Schr\u00e4gheitsempfinden ein wenig gedehnt hat. Dem neuen Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Sebkha-Chott</span> \u2013 \u201eThe Ne[XXX]t Epilog v1.0\u201c \u2013 gew\u00e4hrte ich also eine zweite Chance, und das war im Nachhinein nicht die schlechteste von mir jemals getroffene Entscheidung.</p>\n<p>Warum v1.0? Nun, es handelt sich um ein \u201ewachsendes\u201c Album, das bereits die Fortentwicklung des Albums \u201eNigla(h) \u2013 Tapisseries Fines en XXX Scripts et LXX/X Trompettes\u201c von 2008 ist und zum Gro\u00dfteil aus \u00fcberarbeiteten Versionen der gleichen St\u00fccke besteht. Mit v0.9, das nur <em>Phial Shapes</em> und den kurzen <em>Free Software Song</em> enth\u00e4lt, wurde am 1. Oktober 2012 die erste Fassung ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend v1.0 \u2013 nun in voller L\u00e4nge \u2013 auf einem physischen Tontr\u00e4ger daherkommt, wird das Album quasi kontinuierlich weiterentwickelt. Am 1. Dezember dieses Jahres wurde \u201eVersion 1.1\u201c auf <a href="\&quot;http://www.sebkhachott.net/spip/?The-Ne-XXX-t-Epilog&amp;lang=en\&quot;" data-wpel-link="internal">der Website der Band</a> (die leider ziemlich un\u00fcbersichtlich ist) ver\u00f6ffentlicht, allerdings (so weit mir bekannt ist) lediglich als Stream. Damit entgeht dem Musikfreund ziemlich gutes <em>artwork</em> in Form eines schlichten Pappkartons mit reichlich komplexem Spinnennetz-Muster, das die Titel der St\u00fccke und einige weitere Informationen beinhaltet. Die St\u00fccke tragen Namen wie <em>Nigla(h)</em> und sind unterteilt in bis zu neun \u201eKapitel\u201c, die schon mal Titel wie <em>Nigla(h) I: Variations hemorragiques sur l\u2019Agnus Dei</em> tragen. Komplex? Ja. Somit jedoch mehr als nur passend zur Musik.</p>\n<p>Laut der Plattenfirma Musea haben <span class=\"musik-review-bandname\">Sebkha-Chott</span> ihren Stil \u201eMekanik Metal Disco\u201c genannt. Das Wort \u201eMekanik\u201c sollte nun ebenso wie <a href="\&quot;http://www.amarokprog.net/biographies_196_3296.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Vergleiche mit <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span></a> niemanden in den Glauben versetzen, es handele sich um Zeuhl. Mitnichten! <span class=\"musik-review-bandname\">Sebkha-Chott</span> sind bereits zusammen mit <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/04/extra-life-voluptuous-life/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Extra Life</span></a> und <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">uneXpect</span></a> auf Tour gewesen. Das trifft es wahrscheinlich besser.</p>\n<p>Dass die mehr oder weniger renommierte Website Progarchives.com f\u00fcr \u201eThe Ne[XXX]t Epilog v1.0\u201c momentan <a href="\&quot;http://www.progarchives.com/album.asp?id=39186\&quot;" data-wpel-link="internal">1 von 5 Punkten</a> (\u201enur f\u00fcr Sammler\u201c) vergibt, ist wahrscheinlich ein Qualit\u00e4tskriterium \u2013 der Punktegeber war wom\u00f6glich gleichsam \u00fcberfordert wie ich.</p>\n<p>Aber was ist das hier \u00fcberhaupt? Vermutlich w\u00e4re es mit \u201eAvantgarde-Kabarett-Metal-Rock\u201c gut umschrieben. Es wechseln sich auf Franz\u00f6sisch gesprochene und gekreischte Passagen, instrumentale und nur mit Ger\u00e4uschen unterlegte ebensolche, Blasmusik und Death-irgendwas in rascher Folge ab. Hier wird etwas erz\u00e4hlt, dort bricht bereits das Gewitter los, nur um gleich wieder zu verstummen. Geht das als \u201eMusik\u201c durch? Zumindest sind\u2019s Kl\u00e4nge. Den Avantgardefreund freut es. Zu <em>Nigla(h) I</em> gibt es sogar ein gleichfalls ziemlich unnormales <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=6cD2A6t-n4k\&quot;" data-wpel-link="internal">Video</a>. Das ist harte Kost, aber man sollte sie mal probiert haben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nPer <a href="\&quot;http://sebkhachott.bandcamp.com\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> sind s\u00e4mtliche Musikalben der Band \u2013 inklusive The Ne[XXX]t Epilog v1.0 und v1.1 \u2013 anh\u00f6rbar und k\u00e4uflich.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/echolyn.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-echolyn.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">echolyn</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eShe\u2019d love to fly but the sky won\u2019t hold her.\u201c</span> (Past Gravity)\n<p>Die Symphonic-Progressive-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> aus den Vereinigten Staaten von Amerika, die normalerweise ja nicht gerade als die Wiege des Progressive Rock bekannt sind, hat sich im Jahr 2012 auf beeindruckende Weise nach sieben Jahren Pause wieder einmal zur\u00fcckgemeldet.</p>\n<p>Das neue Album tr\u00e4gt keinen Titel, auf dem Coverbild ist jedoch ein Fenster zu sehen. Es liegt daher nahe, es wie viele dieser Rezensions-Websites \u201eThe Window Album\u201c oder schlicht \u2013 wie bereits das Deb\u00fct von 1991 \u2013 \u201eecholyn\u201c zu nennen, wenn man denn unbedingt einen Namen braucht. Namen jedoch, Freunde, sind Schall und Rauch. Lassen wir stattdessen die Musik f\u00fcr sich sprechen!</p>\n<p>Und die ist beeindruckend: Das Doppelalbum \u2013 bestehend aus zweimal vier St\u00fccken, die insgesamt auch auf eine einzige CD gepasst h\u00e4tten, aber man hat sich sicherlich etwas dabei gedacht \u2013 beginnt mit <em>Island</em>, mit 16:37 Minuten das l\u00e4ngste der St\u00fccke, und somit mit (recht gutem) Rock.</p>\n<p>Alte St\u00e4rken \u2013 vertrackte Melodiel\u00e4ufe mit interessantem Gitarrenspiel (<em>The Cardinal and I</em>) \u2013 treffen auf ungewohnte Neuerungen wie das fast elfmin\u00fctige <em>(Speaking In) Lampblack</em>, das in seiner Melancholie und Besinnlichkeit an <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s\u2018</span> schrecklich \u00fcberbewertete Gro\u00dftat \u201e( )\u201c erinnert. Dabei ist gerade <em>(Speaking In) Lampblack</em> auch aus musikhistorischer Sicht interessant, immerhin erweist die Band mit ihm einer der <a href="\&quot;http://www.echolynfan.net/2012/06/20/the-meaning-of-speaking-in-lampblack/\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00e4ltesten bekannten h\u00f6rbaren Aufzeichnungen von menschlicher Stimme</a> ihre Reverenz. \u201eThe Cardinal and I\u201c als letztes St\u00fcck auf dem Album endet unerwartet mit einer reichlich schr\u00e4gen Barbershop-Remineszenz.</p>\n<p>Interessant sind <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=12736&amp;content=review\&quot;" data-wpel-link="internal">auch die Texte</a>:</p>\n<blockquote><p>Es lohnt sich mal einen Blick auf die Texte zu werfen oder einfach genau hinzuh\u00f6ren. Da gibt es mal ein Sprachsample, welches ger\u00fcchteweise ein zuf\u00e4llig entstandener Mitschnitt eines Streits in der Nachbarschaft von <span class=\"musik-review-bandname\">Ray Weston</span> ist. Hier wird v\u00f6llig unvoyeuristisch ein allt\u00e4gliches Drama als Grundlage eines nachdenklichen Songs eingebaut, faszinierend.</p></blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man kein zweites Monumentalwerk wie \u201emei\u201c erwarten, das in der Diskografie von <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> unerreicht bleiben d\u00fcrfte. In puncto musikalischer Vielseitigkeit, Reife und nicht zuletzt Tiefe aber ist das 2012er Werk der US-Amerikaner ein gro\u00dfer Schritt nach vorn. Es wird schwer, das zu \u00fcberbieten \u2013 aber auch eine hohe Messlatte sollte stets ein Ansporn und keine H\u00fcrde sein. Auf den n\u00e4chsten Sprung bin ich gespannt; hoffentlich nicht erst in sieben Jahren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\n<a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/product/B008DCCB4K?tag=hirnfi20-21&amp;creativeASIN=B008DCCB4K\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> bietet die \u00fcblichen H\u00f6rschnipsel an.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Beak.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Beak.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Beak&gt; \u2013 \u00bb</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Beak&gt;</span>. Schnabel&gt;. Ja, zweifelsohne. Der Zweitling \u201e\u00bb\u201c l\u00e4sst sich entsprechend interpretieren: Zwei Schn\u00e4bel, das zweite Album von \u201eSchnabel&gt;\u201c oder einfach nur schnelles Vorspulen?</p>\n<p>Interessant ist, was die Mannen um <span class=\"musik-review-bandname\">Portishead</span>-Mitglied <span class=\"musik-review-bandname\">Geoff Barrow</span> hier vorlegen, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig vom Titel, denn der etwas einschl\u00e4fernde Trip-Hop seiner <em>anderen Hauptband</em> ist hier einer primaen Melange aus Krautrock, Ambient und Pop gewichen. <span class=\"musik-review-bandname\">Jochen Rindfrey</span> von den Babyblauen Seiten <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_12767.html\&quot;" data-wpel-link="internal">erkennt</a> <span class=\"musik-review-bandname\">Neu!</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Harmonia</span> als Inspirationsquellen. In St\u00fccken wie <em>Wulfstan II</em> klingt das Trio gelegentlich auch nach ebenfalls ziemlich guten Musikanten wie <span class=\"musik-review-bandname\">WIVE</span> (man h\u00f6re etwa <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/11/kurz-verlinkt-cxxvii-unabhaengig-maennlich-zahnig/\&quot;" data-wpel-link="internal">deren <em>Teethy</em></a> zum Vergleich).</p>\n<p>Erfreulicherweise wird auch (etwa in \u201eYatton\u201c) gesungen, und das nicht mal \u00fcbel. <span class=\"musik-review-bandname\">Carolin van Mark</span> schreibt im Magazin <a href="\&quot;http://www.intro.de/content/pdf/intro_204.pdf\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eIntro\u201c, Ausgabe 204</a>, \u00fcber den Gesang:</p>\n<blockquote><p>Drum-Parts ziehen sich wie eine Art Tempomat durch die Songs, die gelegentlich auftauchende Stimme formuliert ebenfalls eine Spannung aus, die selten aufgel\u00f6st wird. Wie wenn man niesen muss \u2013 aber nur beinah.</p></blockquote>\n<p>Kurz gesagt: Hier brodelt es st\u00e4ndig bis kurz vor dem Ausbruch, aber der kommt nicht. Das ist gut und h\u00e4lt die Spannung aufrecht. Wer <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Juni 2011</a> meiner Empfehlung von <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span>s \u201eTank\u201c folgte und dies nicht bereute, der m\u00f6ge hier ebenfalls zugreifen.</p>\n<p>Muss ja nicht blind sein.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nH\u00f6rproben (soll hei\u00dfen: das komplette verdammte Album) gibt\u2019s f\u00fcr lau auf <a href="\&quot;http://beak.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> oder, wie \u00fcblich, auszugsweise <a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/product/B0083VZ5OO?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> zum Streamen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/The-Melvins-Freak-Puke.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-The-Melvins-Freak-Puke.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Melvins \u2013 Freak Puke</span>\n<p>Mit einem Brummen und merkw\u00fcrdigem Rasseln, Tuten und Quietschen beginnt das Album \u201eFreak Puke\u201c der US-amerikanischen Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">The Melvins</span> (gelegentlich auch: <span class=\"musik-review-bandname\">Melvins</span>). Diese Ger\u00e4usche gehen nach einer Weile \u00fcber in so etwas wie eine Rockfassung von <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>s <em>Money</em> mit Registrierkassenklingeln und anderen Ger\u00e4uschen, die Frontmann <span class=\"musik-review-bandname\">Buzz Osborne</span> nach einer weiteren Weile mit einer elektrischen Gitarre begleitet und dazu sph\u00e4rischen Gesang wie einstmals das Duo <span class=\"musik-review-bandname\">Roger Waters</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">David Gilmour</span> vortr\u00e4gt. Das St\u00fcck <em>Mr. Rip Off</em> tr\u00e4gt seinen Namen vielleicht nicht zu Unrecht.</p>\n<p>Ansonsten sind zu h\u00f6ren: Schr\u00e4ge Streicher- und sonstige Klangexperimente (\u201eInner Ear Rupture\u201c) und allerlei Post-Punk- und Grunge-Anleihen (<em>Baby, Won\u2019t You Weird Me Out</em>), die Stimmung ist ausgelassen bis mitunter morbid (<em>Worm Farm Waltz</em>). \u201eLeon vs. The Revolution\u201c erkl\u00e4rt, wieso die <span class=\"musik-review-bandname\">Melvins</span> in der <a href="\&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/The_Melvins\&quot;" data-wpel-link="internal">englischsprachigen Wikipedia</a> als Sludge-Metal-Band bezeichnet werden.</p>\n<p>Woher diese Experimentierfreude? Nun, auf \u201eFreak Puke\u201c spielt unter anderem Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Trevor Dunn</span>, der ansonsten mit <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span>), <span class=\"musik-review-bandname\">John Zorn</span> und \u00e4hnlichen Experimentalmusikern zusammenarbeitete und zusammenarbeitet. An seiner Stelle mussten die regul\u00e4ren Bandmitglieder <span class=\"musik-review-bandname\">Jared Warren</span> (Bass) und <span class=\"musik-review-bandname\">Coady Willis</span> (zweites Schlagzeug) zu Hause bleiben. Es ist davon auszugehen, dass allein diese Personalie schon gro\u00dfen Einfluss darauf hatte, wie \u201eFreak Puke\u201c klingt.</p>\n<p>Dabei sind die <span class=\"musik-review-bandname\">Melvins</span> trotz der (hier) klassischen Punkband-Besetzung (Schlagzeug, Bass, Gitarre/Gesang) noch nie eindeutig einem Genre zuzuordnen gewesen. Seit ihrer Gr\u00fcndung 1983 haben sie 21 Studioalben in verschiedenen Besetzungen ver\u00f6ffentlicht, au\u00dfer <span class=\"musik-review-bandname\">Buzz Osborne</span> ist von der Originalbesetzung niemand mehr geblieben. Auff\u00e4llig ist allenfalls, dass es in den letzten 29 Jahren <a href="\&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/The_Melvins#Members\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00fcberwiegend</a> eine solche Triobesetzung gab.</p>\n<p>Obwohl sie stilistisch eine eigene Nische besetzen, ist der Einfluss der <span class=\"musik-review-bandname\">Melvins</span> auf andere Musikgruppen unverkennbar; unter anderem bezeichnete <span class=\"musik-review-bandname\">Kurt Cobain</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span>) sie gelegentlich als seine Lieblingsband. (Dass auf \u201eFreak Puke\u201c mit <em>Let Me Roll It</em> auch ein St\u00fcck von <span class=\"musik-review-bandname\">Paul McCartney</span> und den <span class=\"musik-review-bandname\">Wings</span> <em>gecovert</em> wird, ist schon deshalb ein recht witziger Einfall.)</p>\n<p>Gefallen k\u00f6nnte \u201eFreak Puke\u201c allen, die Post-Punk (und eine zahme Version von <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span>) m\u00f6gen. Wer davon noch nie etwas geh\u00f6rt hat, dem empfehle ich, zun\u00e4chst einmal hineinzuh\u00f6ren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nMit Ausz\u00fcgen kann <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Freak-Puke-Melvins/dp/B007NA9YPW/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> aufwarten, via <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Freak+Puke/8213208\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> gibt es \u201eFreak Puke\u201c in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/The-Hirsch-Effekt-holon-anamnesis.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-The-Hirsch-Effekt-holon-anamnesis.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Hirsch Effekt \u2013 holon : anamnesis</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWer sich jetzt noch umdreht, ist selber schuld.\u201c</span> (Anamnesis)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span>, die ich bereits 2010 einen <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/03/musikalischer-wahnsinn-the-hirsch-effekt/\&quot;" data-wpel-link="internal">musikalischen Wahnsinn nannte</a>, nahmen Anfang dieses Jahres ihren Zweitling \u201eholon : anamnesis\u201c (zu Deutsch ungef\u00e4hr \u201eSeiendes: Erinnerung\u201c) als Nachfolger von \u201eholon : hiberno\u201c (zu Deutsch sicherlich auch irgendetwas) auf, der Ende August schlie\u00dflich offiziell erschien. Die VISIONS (Nr. 234) mag dieses Album und ich mag es trotzdem auch.</p>\n<p>Verglichen mit dem Deb\u00fctalbum hat sich nur wenig ver\u00e4ndert. Die Stilvielfalt, der hektische Wechsel zwischen Klassik und METAL \\m/ haut den erfahrenen <span class=\"musik-review-bandname\">The-Hirsch-Effekt</span>-H\u00f6rer nicht mehr \u00fcberrascht vom Stuhl, was ein bisschen schade ist, denn vorliegendes Album ist, was man so leicht verkennt, quasi <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-review-the-hirsch-effekt-holon-anamnesis/\&quot;" data-wpel-link="internal">der ultimative rockende Wolpertinger</a>.</p>\n<p>Die Zahl der Gastmusiker ist nochmals gestiegen, ich z\u00e4hle 32 (verglichen mit den 17 vom Deb\u00fctalbum, auf dem allerdings auch der <span class=\"musik-review-bandname\">Kammerchor Hannover</span> mitwirkte). Zu diesen Gastmusikern geh\u00f6rt auch <span class=\"musik-review-bandname\">Tobias Lietz</span> von <span class=\"musik-review-bandname\">Caleya</span>, mit denen <span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span> gelegentlich gemeinsam musizierten und 2010 unter dem Titel \u201eApog\u00e6um / Perig\u00e6um\u201c eines dieser neumodischen <em>Split-EPs</em> ver\u00f6ffentlichten und deren Album \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c (produziert von <span class=\"musik-review-bandname\">Nils Wittrock</span>, S\u00e4nger und Gitarrist bei <span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span>) ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2011 empfahl</a>. <span class=\"musik-review-bandname\">Tobias Lietz</span> steuert Gesang bei, aber das macht nichts.</p>\n<p>Mit Kammermusik beginnt das Album: <em>Anamnesis</em> haut dem H\u00f6rer nicht gleich die volle Breitseite \u00fcber den Sch\u00e4del, sondern ist eine beinahe sanfte Einleitung in das zweite St\u00fcck <em>Limerent</em>. Der \u00dcbergang ist flie\u00dfend. Die neun St\u00fccke sind trotzdem neun St\u00fccke, weil zwischen dem brachialen <em>Mara</em> und dem beeindruckenden Indie-Rock-St\u00fcck <em>Irrath</em> eine opernhafte Choralpassage mit Soprans\u00e4ngerin, Tenor, Bass und Countertenor eingeschoben ist, die in den <em>liner notes</em> zwar keinen eigenen Namen hat, aber als \u201eTeil dazwischen\u201c bezeichnet wird. Irre, nicht nur wegen des ungew\u00f6hnlichen Musikstils.</p>\n<p>Gesungen wird weiterhin \u2013 mit Ausnahme des Satzes <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">What took you so long?</span> in <em>Limerent</em>, bei dessen Lesen ich umgehend an den gleichnamigen Popquatsch von <span class=\"musik-review-bandname\">Emma Bunton</span>, dem ehemaligen ehemaligen <span class=\"musik-review-bandname\">Spice Girl</span>, dachte, was zeigt, dass MTV meine fr\u00fche Jugend nachhaltig verdorben hat; aber zur\u00fcck zu <span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span> \u2013 auf Deutsch. Ob man von Gesang sprechen sollte? <span class=\"musik-review-bandname\">Nils Wittrock</span> kann zwar auch harmonisch, aber er bevorzugt Wildheit. Von Banausen oft gescholtenes <em>Geschrei</em> fehlt hier wie schon auf dem Deb\u00fct nicht, ist allerdings jedenfalls f\u00fcr mich nicht als Ausdruck von Gef\u00e4hrlichkeit \u2013 \u201eraaah, wir sind so b\u00f6se!\u201c \u2013 zu erkennen, sondern als Parodie auf ein ganzes Genre. Wo es passt, wird auch schon mal Aggression herausgebr\u00fcllt. Der Titel <em>Ira</em> (lateinisch \u201eZorn\u201c) tr\u00e4gt seinen Namen nicht zu Unrecht.</p>\n<p>Apropos: Die Texte sind gewohnt klasse. Es geht wie schon bisher vor allem um ungl\u00fcckliche Liebe, was ja nicht schlimm ist, wenn man es in Worte und vor allem Melodien kleidet, aus denen nicht der Schmalz trieft. Obwohl die Metapher vom \u201eKotzen vor Gl\u00fccklichsein\u201c nochmals aufgegriffen wird, kann man sich \u00fcber mangelnde Kreativit\u00e4t offensichtlich nicht beklagen: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">Was ist schon der Tod im Verh\u00e4ltnis zu dir und der Kunst, die Gelassenheit, die mir so fehlt, zu haben?</span> (<em>Agitation</em>)</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span> betreiben hier nicht nur Denkmalpflege, sie entwickeln ihren Stil konsequent weiter. Zwar ist der \u00dcberraschungseffekt auf dem zweiten Album verflogen, daf\u00fcr wurde der bekannte Stil verfeinert. Die Arrangements, die die Musik begleiten, sind erstklassig. Das abschlie\u00dfende <em>Datorie</em> r\u00fchrt mit der Kombination aus Streichern und Text (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">Und das, was mir hier so fehlt, / ist ganz bestimmt nicht billig, / sonst w\u00e4rst du ja noch hier</span>) zu Tr\u00e4nen. Das St\u00fcck steigert sich \u2013 das wird allm\u00e4hlich zur Gewohnheit auf Musikalben \u2013 in eine leicht schr\u00e4ge Klimax mit zur Wut gesteigertem Gesang, und das Album ist beinahe aus.</p>\n<p>\u201eholon : anamnesis\u201c ist keine Stagnation auf hohem Niveau. Es wird nicht stagniert, es wird poliert. Man bewundere den Feinschliff ehrf\u00fcrchtig und labe sich an diesem Album.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nWer glaubt, dass ihm 30 Sekunden gen\u00fcgen, der m\u00f6ge auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Holon-Anamnesis-Hirsch-Effekt/dp/B008S8BFEG/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> in das Album hineinh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Dinosaur-Jr.-I-Bet-on-Sky.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Dinosaur-Jr.-I-Bet-on-Sky.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Dinosaur Jr. \u2013 I Bet on Sky</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI\u2019ve been left with a bad taste now can you see it\u201c</span> (See it on your side)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Dinosaur Jr.</span> (das \u201eJr.\u201c h\u00e4ngten sie kurz nach ihrer Gr\u00fcndung Mitte der 1980-er Jahre an ihren Namen, um eine \u00e4ltere Hippieband namens <span class=\"musik-review-bandname\">Dinosaurs</span> zu \u00e4rgern) sind schon eine ganze Weile im Gesch\u00e4ft. Alle drei am Deb\u00fctalbum \u201eDinosaur Jr.\u201c (1985) beteiligten Musiker sind noch beziehungsweise wieder Mitglied der Gruppe. Die sieben Jahre Auszeit, die sich <span class=\"musik-review-bandname\">Dinosaur Jr.</span> von 1998 bis 2005 nahmen, hat ihnen sichtlich und vor allem h\u00f6rlich gut getan.</p>\n<p>Zu h\u00f6ren ist erdiger Bluesrock mit Einsprengseln von Alternative, Noise und Punk. (\u201ePunk ist tot\u201c ist tot.) <span class=\"musik-review-bandname\">J\u00f6rn Schl\u00fcter</span> (\u201eRolling Stone\u201c) <a href="\&quot;http://www.rollingstone.de/reviews/alben/article322366/dinosaur-jr-i-bet-on-sky.html\&quot;" data-wpel-link="internal">schreibt</a> ein wenig differenzierter:</p>\n<blockquote><p>[D]ie Band insgesamt bei ihren Leisten: schwankende Midtempo-Hardrocker mit <span class=\"musik-review-bandname\">Black-Sabbath</span>-Riffs, d\u00fcnn-gebrochener Gesang, schmatzende <span class=\"musik-review-bandname\">Crazy-Horse</span>-Soli, ultratraurige, im Gitarreninferno versenkte Popschmachter und pumpende Punkrock-Explosionen.</p></blockquote>\n<p>Und immer diese Texte: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">Caring is rude / and nature is cruel</span> (<em>Rude</em>). Zuversichtlich ist hier nichts. Der Protagonist s\u00e4mtlicher Texte ist zumeist zynisch-deprimiert und hoffnungslos. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">Can you help me along with things?</span>, fragt er in <em>Stick a toe in</em> und wartet gar nicht erst auf eine Antwort. M\u00f6ge der Himmel helfen.</p>\n<p>\u201eI Bet on Sky\u201c. Wer nicht auf Texte achtet, den d\u00fcrfte dieses Album in Feierstimmung versetzen, wer es tut, dem k\u00f6nnte es ein tr\u00f6stender Begleiter sein: Schau, anderen geht\u2019s auch nicht besser. Die Musik jedenfalls ist Rock, wie ich ihn dieses Jahr leider viel zu selten geh\u00f6rt habe. Und von guter Rockmusik kann man nie genug haben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nHalbmin\u00fctig darf auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Bet-Sky-Digi-Dinosaur-Jr/dp/B008HN05HK/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, komplett auf <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/I+Bet+On+Sky/8051811\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark.com</a> reingeh\u00f6rt werden.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/The-Flower-Kings-Banks-of-Eden.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-The-Flower-Kings-Banks-of-Eden.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Flower Kings \u2013 Banks of Eden</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eIn the center of grief it\u2019s the hour of need, the bell strikes for darker days.\u201c</span> (Pandemonium)\n<p>In den 1990-er Jahren wuchs das Retro-Prog-Genre, dessen Vertreter sich \u00fcberwiegend auf <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> berufen, heran zu einem un\u00fcberschaubar wuchernden Gestr\u00fcpp, in dem man sich leicht verfangen konnte. Einige wenige Vertreter (zum Beispiel <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4nglag\u00e5rd</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span> und die oben bereits erw\u00e4hnten <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span>) schafften es, sich mit einem eigenst\u00e4ndigen Stil aus der Masse positiv abzuheben, einige andere gingen gl\u00fccklicherweise unter.</p>\n<p>Und dann sind da noch die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span>.</p>\n<p>Von den <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> halte ich nicht mehr als n\u00f6tig. Gr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Roine Stolt</span> kann man zugutehalten, dass er zumindest den Progressive Rock noch aus erster Hand kennt, immerhin war er in den 1970-er Jahren (und nochmals vor wenigen Jahren) in der schwedischen Band <span class=\"musik-review-bandname\">Kaipa</span> aktiv. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Kaipa</span> seit ihrer Reformierung im Jahr 2000 wie die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> klingen, ist eine ironische Fu\u00dfnote. <span class=\"musik-review-bandname\">Roine Stolt</span> ist sozusagen der schwedische <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Sherwood</span>: Sobald er beteiligt ist, klingt alles nach <span class=\"musik-review-bandname\">Roine Stolt</span>. (Dass ich das, was <span class=\"musik-review-bandname\">Roine Stolt</span> tut, grunds\u00e4tzlich musikalisch besser finde als das, was <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Sherwood</span> tut, sollte dieser Aussage zumindest beigef\u00fcgt werden.)</p>\n<p>Mein pers\u00f6nliches Problem mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> ist die Beliebigkeit, mit der sie agieren. Nat\u00fcrlich ist das, was sie auf ihren Alben zu Geh\u00f6r bringen, handwerklich gut, aber es klingt eben immer irgendwie gleich. Man stelle sich vor, <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> ohne <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> und mit <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Hackett</span> w\u00fcrden vierzig Jahre sp\u00e4ter gemeinsam musizieren. Das sind die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span>. <em>(Wer jetzt, wie ich, das Gummib\u00e4renlied im Kopf hat: Selbst schuld.)</em></p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist \u201eBanks of Eden\u201c nicht mal schlecht. Dass es au\u00dfer der normalen Ein-CD-Version auch ein Doppelalbum gibt, das au\u00dfer ein wenig mehr Musik auch ein Interview mit den Musikern zur Entstehung des Albums beinhaltet, sei mal verziehen, gerade im Progressive-Rock-Sektor werden Einzel-CDs heutzutage schon fast als Rarit\u00e4t betrachtet. (Der geneigte Musikfreund \u00e4rgert sich ein wenig dar\u00fcber, dass Plattenfirmen das vor vierzig Jahren anders gesehen haben.) Man muss es ja nicht gleich \u00fcbertreiben wie <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, deren \u201eLarks\u2018 Tongues in Aspic\u201c in diesem Jahr auf 13 <em>(dreizehn!)</em> CDs, 1 DVD-Audio und 1 Blu-Ray-Scheibe (macht 15 Scheiben insgesamt) <a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/product/B00926J3K6?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">neu aufgelegt wurde</a>. Aber wir schweifen ab.</p>\n<p>Das Album selbst \u2013 die Einzel-CD-Version \u2013 hat eine Spielzeit von 53:25 Minuten und ist damit durchaus l\u00e4nger als <em>das durchschnittliche Album</em> heutzutage. Das k\u00f6nnte zwar reichlich eint\u00f6nig werden, aber die Chance, dass doch noch irgendwas Herausragendes passiert, ist auf l\u00e4ngeren Alben bekanntlich gr\u00f6\u00dfer als auf k\u00fcrzeren. Und tats\u00e4chlich: Obwohl \u201eBanks of Eden\u201c gelegentlich aus altbekanntem AOR in unauff\u00e4lligen Takten besteht, gibt es doch die Aha-Momente; vielleicht h\u00e4ufiger als auf den meisten vorherigen <span class=\"musik-review-bandname\">Flower-Kings</span>-Alben.</p>\n<p>So ein Moment ist etwa <em>For The Love Of Gold</em>, in dem die Musiker sich alle M\u00fche geben, ihr zweites gro\u00dfes Vorbild <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> ausf\u00fchrlich zu w\u00fcrdigen. Das markante Bassspiel <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Squire</span>s fehlt zwar auch weiterhin, aber selten waren die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> so weit entfernt vom immergleichen Stadionrock. Mit <em>Numbers</em> (25:20 Minuten) gibt es auch wieder \u2013 wie f\u00fcr die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> \u00fcblich, diese Marotte haben sie ebenfalls bei ihren Vorbildern abgeschaut \u2013 einen <em>longtrack</em> zu h\u00f6ren. Ich wage zu behaupten: Wer <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> mag und auch nichts gegen etwas weniger falsettierten Gesang einzuwenden hat, dem gef\u00e4llt \u201eBanks of Eden\u201c ebenfalls. Und dann wird er sich alles andere kaufen, was die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> bisher ver\u00f6ffentlicht haben, und dem Rest dieser Liste keine Aufmerksamkeit mehr widmen, weil das so lange dauert und er es danach vergessen haben wird. Schade. Ich hoffe, das geht nicht vielen so. \u00dcbrigens haben <span class=\"musik-review-bandname\">Kaipa</span> in diesem Jahr mit \u201eVittjar\u201c ebenfalls ein neues Album herausbringen lassen, das ich nicht unerw\u00e4hnt lassen m\u00f6chte.</p>\n<p>Ich mag <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> ohne <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span>.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nIn alle Musikst\u00fccke von beiden (!) CDs kann man unter anderem <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Banks-Special-Edition-Flower-Kings/dp/B007Y57OD0/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> hineinh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Neneh-Cherry-The-Thing-The-Cherry-Thing.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Neneh-Cherry-The-Thing-The-Cherry-Thing.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Neneh Cherry &amp; The Thing \u2013 The Cherry Thing</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eKeep those dreams burnin\u2018 forever\u201c</span> (Dream Baby Dream)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Neneh Cherry</span> ist halbgeschwisterlich mit <span class=\"musik-review-bandname\">Eagle-Eye Cherry</span> (<em>Save Tonight</em>) verwandt und hat 1994 gemeinsam mit dem mir gleichfalls erfreulich unbekannten <span class=\"musik-review-bandname\">Youssou N\u2019Dour</span> die grauenvolle Single <em>7 Seconds</em> aufgenommen und/oder ver\u00f6ffentlichen lassen, die im Radio eine Zeitlang rauf und runter lief.</p>\n<p>Hat euch das abgeschreckt? Das ist bedauerlich! Hier n\u00e4mlich ist <span class=\"musik-review-bandname\">Neneh Cherry</span> ausnahmsweise nicht mit irgendeinem schlechten Popmusiker zusammen zu h\u00f6ren, sondern mit dem skandinavischen Free-Jazz-Trio <span class=\"musik-review-bandname\">The Thing</span>, deren Mitglieder (<span class=\"musik-review-bandname\">Paal Nilssen-Love</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Mats Gustafsson</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Ingebrigt H\u00e5ker Flaten</span>) in diesem Genre allesamt keine Unbekannten sind. Free Jazz \u2013 ich erkl\u00e4re es kurz \u2013 ist das, was eure Eltern \u201eMACH DEN MIST AUS!\u201c nennen.</p>\n<p>Diese Wandlung ist nur wenig \u00fcberraschend, <span class=\"musik-review-bandname\">Neneh Cherry</span>s Stiefvater <span class=\"musik-review-bandname\">Don Cherry</span> war ein dem Vernehmen nach nicht untalentierter und nicht unbekannter Free-Jazz-Trompeter. Konsequenterweise ist auf \u201eThe Cherry Thing\u201c nur wenig Pop zu h\u00f6ren, stattdessen wird ein so freier Jazz gespielt, dass auch RIO/Avant-Freunde wie ich auf ihre Kosten kommen. Wer Jazz zu langweilig findet, der k\u00f6nnte \u201eThe Cherry Thing\u201c trotzdem \u2013 oder erst recht \u2013 m\u00f6gen. Von \u201ekontrolliertem Chaos\u201c ist <a href="\&quot;http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2012/08_august_1/cd-neneh-cherry-and-the-thing-the-cherry-thing.html\&quot;" data-wpel-link="internal">im Internet</a> die Rede. Der geneigte Musikfreund vernimmt zudem \u2013 und sei\u2019s nur die Instrumentierung \u2013 Erinnerungen an die l\u00e4ngst legend\u00e4re und viel zu fr\u00fch aufgel\u00f6ste Slow-Rock-Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Morphine</span>, die die Jugend heutzutage nat\u00fcrlich auch l\u00e4ngst nicht mehr kennt. Das ist \u00e4rgerlich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Ben Hiltrop</span> <a href="\&quot;http://www.gmx.net/themen/unterhaltung/musik/cd-kritiken/749cg8y-neneh-cherry-the-thing-the-cherry-thing\&quot;" data-wpel-link="internal">beschreibt\u2019s</a> so:</p>\n<blockquote><p>Zwar brechen <span class=\"musik-review-bandname\">The Thing</span> gerne in typisches Jazz-Gefrickel aus und scheinen unkontrolliert ihre Instrumente zu maltr\u00e4tieren, doch in den genau richtigen Momenten z\u00fcgeln sie ihre Spielfreude, um ihrer Frontfrau wieder ein angemessenes Sound-Bett zu garantieren. (\u2026) [D]ie Fusion aus einem Jazz-Grundger\u00fcst und der Attit\u00fcde einer Bristol-TripHop-Platte ist derzeit einmalig.</p></blockquote>\n<p>Die Kombination aus dem r\u00fccksichtslosen <em>L\u00e4rm</em>, den <span class=\"musik-review-bandname\">The Thing</span> seit jeher einem meist begeisterten Publikum servieren, und dem Avant-Pop und Trip-Hop, den <span class=\"musik-review-bandname\">Neneh Cherry</span> au\u00dferhalb ihrer Chartskarriere \u00fcblicherweise ver\u00f6ffentlicht, ergibt eine ziemlich einzigartige Mischung. Dabei st\u00f6rt auch nicht, dass sechs der acht St\u00fccke Coverversionen (darunter auch <em>Golden Heart</em> von <span class=\"musik-review-bandname\">Don Cherry</span>) sind, denn die beteiligten Musiker beschr\u00e4nken sich nicht auf blo\u00dfes Nachspielen. \u201eThe Cherry Thing\u201c klingt wie aus einem Guss, der Charakter der Musik von sowohl <span class=\"musik-review-bandname\">The Thing</span> als auch <span class=\"musik-review-bandname\">Neneh Cherry</span> pr\u00e4gt quasi jeden Takt. So wenig ich auch von Jazz verstehe: Im Jazz-Umfeld ist dies hier eindeutig meine <em>Platte des Jahres</em>.</p>\n<p>\u201eThe Cherry Thing\u201c. Das Kind in mir lacht sich kaputt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nIch bezweifle, dass blo\u00dfes Anspielen einzelner St\u00fccke gen\u00fcgt, um diesem Album gerecht zu werden. Wer\u2019s denn unbedingt m\u00f6chte, der wird zum Beispiel <a href="\&quot;http://www.amazon.de/The-Cherry-Thing-Neneh/dp/B007NWCX7Q/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> f\u00fcndig.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Barberos-OOO.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Barberos-OOO.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Barberos \u2013 OOO</span>\n<p>\u201eOOO\u201c. Bisweilen auch <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=12960&amp;content=review\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201e000\u201c genannt</a>. Soso. Was kann bei so einem Titel schon schiefgehen?</p>\n<p>Den Musikfreund wird\u2019s vielleicht freuen, dass \u201eOOO\u201c \u2013 in einer Auflage von vorerst 500 Exemplaren \u2013 nur als Vinyl und Download verf\u00fcgbar ist. Das ist sch\u00f6n, mein CD-Schrank ist n\u00e4mlich bereits voll genug. Zeit, einen Vinylschrank zu kaufen. Das Coverbild sollte man auch im Gro\u00dfformat gut finden k\u00f6nnen: Drei von Fernrohren durchsto\u00dfene Sch\u00e4del mit W\u00fcrmern und \u00e4hnlichem Inhalt. Interessant. (Sch\u00e4del, immerhin, sind hier nicht v\u00f6llig verkehrt: <span class=\"musik-review-bandname\">Barberos</span> sind in der spanischen Sprache schlicht Friseure.)</p>\n<p>Beteiligt sind dann auch exakt drei mir namentlich unbekannte Musiker, n\u00e4mlich zwei Schlagzeuger und einer, der f\u00fcr diverse Tasteninstrumente (Synthesizer, Keyboards und dergleichen) zust\u00e4ndig ist. Das Ergebnis ist interessante (instrumentale) Polyrhythmik. In ihrer Selbstbeschreibung finden die Musiker ihr B\u00fchnenspiel beinahe interessanter als die eigentliche Musik:</p>\n<blockquote><p><span class=\"musik-review-bandname\">Barberos</span> infuse elements of jazz, noise, dub, breakcore and prog, framed in heart racing theatrics using costume and projections to communicate their joyful danceable musings to their ever widening audience.</p></blockquote>\n<p>Das ist ziemlich gut und ziemlich schr\u00e4g. Wer RIO/Avant mag, dem sei\u2019s ebenso w\u00e4rmstens empfohlen wie denen, die \u201e\u00bb\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Beak&gt;</span> (siehe oben) m\u00f6gen; die elektronischen Spielereien mit monotonen Mustern (etwa in \u201eHot Squash\u201c) sind selbigem recht \u00e4hnlich, wenngleich wegen der zwei Schlagzeuger deutlich mehr rhythmusfixiert.</p>\n<p>Was trotzdem ein bisschen fehlt, ist Gesang. Der w\u00fcrde \u201eOOO\u201c zwar zus\u00e4tzlich abrunden, weigert sich jedoch partout, hier zu erscheinen. Nichtsdestoweniger ist das <em>joyful danceable musing</em> ausreichend prima, um hier aufgef\u00fchrt zu werden. Ich mache das hier ja nicht zum ersten Mal und behaupte daher, dass das ein positives Qualit\u00e4tskriterium ist.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\n\u201eOOO\u201c gibt es zum Streamen und Kaufen per <a href="\&quot;http://barberos.bandcamp.com/album/ooo-2\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> als Komplettpaket.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Stolen-Babies-Naught.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Stolen-Babies-Naught.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Stolen Babies \u2013 Naught</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eAll the things I think when I am weak are killing me.\u201c</span> (Swimming Hole)\n<p>Apropos schr\u00e4g; Auch die <span class=\"musik-review-bandname\">Stolen Babies</span> melden sich mit einem neuen Album zur\u00fcck.</p>\n<p>Seit ich im Jahr 2007 erstmals <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2007/10/musiktipp-stolen-babies/\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00fcber diese Musikgruppe berichtete</a>, war nur mehr wenig von ihnen zu h\u00f6ren. Das lange angek\u00fcndigte zweite Album wurde immer wieder verschoben, es wurden lediglich nacheinander die Lieder <em>Grubbery</em> und <em>Splatter</em> ver\u00f6ffentlicht. Das war sch\u00f6n, denn so konnte man sehen, dass man noch mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Stolen Babies</span> rechnen konnte.</p>\n<p>Nun erschien also \u201eNaught\u201c. Es zu bekommen erwies sich als trickreich: Die Plattenfirma liefert nicht nach Deutschland, Amazon hat den Liefertermin nach Erscheinen erst mal zwei Wochen nach hinten geschoben. Letztendlich konnte ich mittels heimlicher Kontaktierung finsterer Gestalten (und \u00fcber den Amazon-\u201eMarktplatz\u201c) doch noch schnell ein Exemplar ergattern. Mein Fazit: Nun ja.</p>\n<p>Vielleicht hat mich der Genuss allerlei schr\u00e4ger Musik in den letzten Jahren \u2013 etwa der oben erw\u00e4hnten <span class=\"musik-review-bandname\">Sebkha-Chott</span> \u2013 ein wenig taub gemacht f\u00fcr die eigentliche Radikalit\u00e4t der Musik auf \u201eNaught\u201c, vielleicht ist der Oha-Effekt des Deb\u00fctalbums nach f\u00fcnf Jahren auch einfach nur verflogen; vom Hocker haut mich das hier Dargebotene jedenfalls nicht.</p>\n<p>Das soll keinesfalls bedeuten, dass selbiges irgendwie <em>schlecht</em> w\u00e4re. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Stolen Babies</span> bleiben sich treu und spielen eine eigenartige Mischung aus Thrash und Metal und Gothic und Zirkus, dass es eigentlich eine wahre Freude ist. Frontfrau und Akkordeonistin <span class=\"musik-review-bandname\">Dominique Lenore Persi</span> (mit dem Namen kann man eigentlich kaum etwas anderes werden als K\u00fcnstlerin) tr\u00e4gt dazu ihre bekannten, mitunter rasanten Wechsel zwischen verf\u00fchrerischem S\u00e4useln und quasi <em>teuflischem</em> Schreien bei. Stagnation auf hohem Niveau sozusagen. F\u00fcr Ohrw\u00fcrmer ist jedenfalls auch wieder gesorgt. Allein schon <em>Splatter</em> ist ziemlich spitze und verbleibt f\u00fcr eine Weile im Ged\u00e4chtnis.</p>\n<p>Beinahe <em>understatement</em> zeigt das <em>artwork</em> diesmal. Keine Feuer, keine Monster, keine rennenden Kinder \u2013 \u201eNaught\u201c wird verziert von einer ruhigen Comiclandschaft mit einem rosa Schaf. Klappt man das Album jedoch auf, entfaltet sich eine ganz andere Landschaft:</p>\n<p><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Stolen-Babies-Naught-Inlay.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Stolen-Babies-Naught-Inlay.jpg\" alt=\"Inlay von &quot;Naught&quot;\"></a></p>\n<p>Das spielt eindrucksvoll mit der Erwartungshaltung des H\u00f6rers, der sich dann mit Texten wie diesem konfrontiert sieht (<em>Dried Moat</em>): <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">No one ever gets outside without losing part of their life.</span></p>\n<p>Da ist sie wieder, die <span class=\"musik-review-bandname\">Tim-Burton</span>-Atmosph\u00e4re. Wer das Deb\u00fctalbum mag, der sollte \u201eNaught\u201c l\u00e4ngst haben; wer beide Alben noch nicht kannte, der sollte das schleunigst nachholen. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Stolen Babies</span> sind eine dieser Musikgruppen, die man entweder mag oder nicht mag. Ich mag sie, und ihr solltet das auch tun.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAls ich mit dieser R\u00fcckschau begann, gab es noch manchen <em>offiziellen</em> Stream f\u00fcr \u201eNaught\u201c. Inzwischen ist <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Naught/8284084\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> eine der wenigen verbliebenen legalen, verl\u00e4sslichen Quellen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/SH.TG_.N.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-SH.TG_.N.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">SH.TG.N</span>\n<p>Noch mal zur\u00fcck zum guten, alten (beziehungsweise in diesem Fall neuen) RIO/Avant. <span class=\"musik-review-bandname\">SH.TG.N</span> (sprich wahrscheinlich: Shotgun, erg\u00e4nze also: O/U) kommen aus Belgien. Die sechs Musiker vereint gem\u00e4\u00df eigener Aussage eine Faszination f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Dillinger Escape Plan</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Naked City</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">James Last</span>. Ungef\u00e4hr so muss man sich das Deb\u00fctalbum \u2013 l\u00e4sst man das selbstproduzierte Livealbum von 2011 unber\u00fccksichtigt \u2013 auch vorstellen. Hat es eigentlich einen Namen, hei\u00dft es wie die Musikgruppe selbst? Das ist zumindest mir bisher nicht ganz klar.</p>\n<p>Das Coverbild ist bemerkenswert: Unter B\u00e4umen, an denen jemand Tiere (eine Gans, einen Hasen und diverse andere) aufgeh\u00e4ngt hat, tanzen zwei (vermutlich) Frauen mit Totensch\u00e4deln anstelle ihrer K\u00f6pfe. Nein, fr\u00f6hlichen, beschwingten Pop braucht hier schon mal keiner zu erwarten. Auff\u00e4llig ist auch die Besetzungsliste: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang und ein Vibraphon werden aufgef\u00fchrt. Dass das Vibraphon ein Instrument ist, das bei allzu freif\u00f6rmiger Musik oft untergeht, ist eine berechtigte Bef\u00fcrchtung, die hier jedoch nicht notwendig ist.</p>\n<p>Die Band selbst nennt ihren Stil \u201epsychotischen zeitgen\u00f6ssischen pomp\u00f6sen Heavy Metal\u201c. Der <a href="\&quot;http://www.moonjune.com/catalog/046_SH.TG.N_SH.TG.N_MJR046/album-description_expanded-text/\&quot;" data-wpel-link="internal">Pressetext</a> wird etwas pr\u00e4ziser und umschreibt das Tun von <span class=\"musik-review-bandname\">SH.TG.N</span> als <em>Konzentration der dunklen, gewaltsamen Energie des Metal mit den fordernden und aufregenden Strukturen zeitgen\u00f6ssischer Musik und der Freiheit des Jazz</em>. Jazz? Finde ich gut. Sollte irgendjemand von euch, liebe Leser, Jazz mit \u00f6dem Getr\u00f6te (zum Beispiel <span class=\"musik-review-bandname\">Miles Davis</span>) gleichsetzen, dann hat er obige Rezension zu \u201eThe Cherry Thing\u201c anscheinend auch noch nicht gelesen und sollte sich von mir an dieser Stelle gescholten f\u00fchlen.</p>\n<p><del>S\u00e4nger</del> Mikrofonbediener <span class=\"musik-review-bandname\">Fulco Ottervanger</span> klingt gelegentlich (<em>Camera Obscura</em>) nach <span class=\"musik-review-bandname\">Toby Hoffmann</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Ira!</span>), gelegentlich auch nach einem dieser heutigen <em>Hard-Rock-Shouter</em> (ist das \u00fcberhaupt ein Wort?), und versucht gar nicht erst, Wohlklang zu erzeugen. Er schreit, kreischt und br\u00fcllt \u00fcber die alles andere als gradlinige Instrumentalbasis einfach hinweg, was interessanterweise nicht mal als unpassend wahrgenommen wird. Je vertrackter die Musik, desto vertrackter die Vokalakrobatik. H\u00f6rbare Einfl\u00fcsse? <span class=\"musik-review-bandname\">Jello Biafra</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span>, eine Schl\u00e4gerei. \u201eEs geht hier um alles andere als massentaugliche Musik\u201c schreibt \u201eMP\u201c auf <a href="\&quot;http://www.rezensator.de/shtgn_shtgn.htm\&quot;" data-wpel-link="internal">Rezensator.de</a> wie zur Warnung. Aber ist die wirklich notwendig?</p>\n<p>Trotz all der Verworrenheit hat das Album, wie auch immer es nun hei\u00dfen mag, den \u201eTipp des Monats November 2012\u201c auf den ausreichend renommierten <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=tips&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews&amp;year=2012\&quot;" data-wpel-link="internal">Babyblauen Seiten</a> erringen k\u00f6nnen. Diesem Tipp m\u00f6chte ich mich vorbehaltlos anschlie\u00dfen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nDie <a href="\&quot;http://www.shtgn.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Website der Belgier</a> ist voll von solchen, nicht nur auf dieses Album beschr\u00e4nkt. Man mache reichlich Gebrauch davon.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Toy.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Toy.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Toy</span>\n<p>Und noch ein Album, das eigentlich keinen Titel hat. \u201eSelbstbetitelte\u201c Alben, also solche, die mangels erkennbarem Titel einfach mal den Namen des Interpreten aufgedr\u00fcckt bekommen, sind ja gerade in Mode. (Mit diesem Unsinn angefangen haben meines Wissens 60-er-Jahre-Musiker wie die <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> mit ihrem \u201ewei\u00dfen Album\u201c, das nun mal schlicht keinen Namen hat; ich lasse mich \u00fcbrigens in jedenfalls diesem Fall gern eines Besseren belehren.)</p>\n<p>Wo\u2019s schon an Oberfl\u00e4chlichkeiten fehlt, kommt der Inhalt um so besser zur Geltung. Ziemlich guten Indie-Rock mit New-Wave- und Noiserock-Einfl\u00fcssen spielt das britische Quintett <span class=\"musik-review-bandname\">Toy</span> auf seinem Deb\u00fctalbum. <span class=\"musik-review-bandname\">Toy</span> sind sozusagen Abtr\u00fcnnige der im letzten Jahrzehnt mehr oder weniger aktiven Londoner Band <span class=\"musik-review-bandname\">Joe Lean and the Jing Jang Jong</span>, aus deren angek\u00fcndigtem Album offenbar nichts wurde. Das haben <span class=\"musik-review-bandname\">Toy</span> nun nachgeholt. Dabei wird das Andenken an vergangene musikalische Hochzeiten hoch gehalten; ein <a href="\&quot;http://www.nowtoronto.com/music/story.cfm?content=188581\&quot;" data-wpel-link="internal">aktuelles Foto</a> der f\u00fcnf Herren weckt Erinnerungen. Und \u00fcberhaupt: Die Achtziger.</p>\n<p>Bereits das erste St\u00fcck <em>Colours Running Out</em> erinnert unsereinen an <span class=\"musik-review-bandname\">The Cure</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Smiths</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Raveonettes</span> und \u00e4hnliche Musikgruppen. Das klingt zwar wie schon mal irgendwo geh\u00f6rt, aber keinesfalls schlecht. <span class=\"musik-review-bandname\">El Hunt</span> vom Webmagazin DIY <a href="\&quot;http://www.thisisfakediy.co.uk/articles/albums/toy-toy/\&quot;" data-wpel-link="internal">schreibt:</a></p>\n<blockquote><p>The sprawling post-rock of <span class=\"musik-review-bandname\">My Bloody Valentine</span> is ever-present, hints of <span class=\"musik-review-bandname\">Captain Beefheart</span> and the avant-garde rock of <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> too. It\u2019s nigh on impossible to listen to this album, in fact, without countless touchstones springing to mind.</p></blockquote>\n<p>Das soll auch nicht bedeuten, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Toy</span> keinen eigenen Stil pflegen w\u00fcrden: Bereits das folgende <em>The Reasons Why</em> hat etwas von <span class=\"musik-review-bandname\">The Who</span> und den <span class=\"musik-review-bandname\">Strokes</span> (und diesem bereits angedeuteten 80-er-Jahre-Stil), klingt aber trotzdem erfrischend modern. Interessant sind die psychedelischen, instrumentalen Zwischenspiele etwa in <em>Dead &amp; Gone</em>, die mich als einen bekennenden Anh\u00e4nger schr\u00e4gen Krautrocks insbesondere davon ablenken, dass der Gesang <em>eher so mittel</em> ist, weil ihm eben die eigenst\u00e4ndige Note fehlt. Diese Ablenkung ist gut, denn so ist das Album noch gut genug, um auf dieser selbstverst\u00e4ndlich unumst\u00f6\u00dflichen Liste zu landen. Genie\u00dft es!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nMomentan (Stand: 15. Dezember 2012) ist das Album auf <a href="\&quot;http://www.musicomh.com/albums/toy_0912.htm\&quot;" data-wpel-link="internal">musicomh.com</a> in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Broken-Water-Tempest.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Broken-Water-Tempest.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Broken Water \u2013 Tempest</span>\n<p>St\u00fcrmische Zeiten f\u00fcr Musikliebhaber: Wie das neue <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/09/bob-dylan-der-sturm-im-wasserglas/\&quot;" data-wpel-link="internal">Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Bob Dylan</span></a> hei\u00dft auch selbiges von den US-Amerikanern <span class=\"musik-review-bandname\">Broken Water</span>. W\u00e4hrend ersterer, Herrn <span class=\"musik-review-bandname\">Dylan</span>s, <em>Sturm</em> jedoch eher ein laues L\u00fcftchen bleibt, gibt\u2019s von letzterem Trio st\u00fcrmischen Noisepop um die Ohren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Broken Water</span> werden im <abbr class=\"c2c-text-hover\" title=\"Feuilleton\">F\u00f6jetong</abbr> nur allzu gern mit <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span> verglichen. Nat\u00fcrlich, von Vergleichen lebt der Musikschreiberling. <em>Nat\u00fcrlich</em> h\u00f6rt der geneigte Musikfreund \u00fcberall, wo\u2019s noisig scheppert, \u201eGoo\u201c heraus, aber das ist nicht alles. Bei all der Lo-Fi-\u00c4sthetik, die <span class=\"musik-review-bandname\">Broken Water</span> pflegen, sind sie n\u00e4mlich doch auch melodi\u00f6s und tats\u00e4chlich beinahe radiotauglich. <em>So</em> weit ist zum Beispiel <em>Paranoid</em> nicht von den allzu mainstreamigen <span class=\"musik-review-bandname\">The Cure</span> (in weniger jaulig) entfernt, <a href="\&quot;http://www.intro.de/platten/kritiken/23068353/broken-water-tempest\&quot;" data-wpel-link="internal">beziehungsweise eben:</a></p>\n<blockquote><p>Noisige Gitarrenw\u00e4nde treffen auf w\u00fctenden Punk auf wundervoll poppige Strukturen, und alles macht <em>(sic!)</em> zusammen Sinn.</p></blockquote>\n<p>Anders als bei den <em>anderen Noisepopbands</em> kommt hier auch mal ein Mann zu Wort; <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Hanna</span>, der einzige Mann im Trio und neben Schlagzeugerin <span class=\"musik-review-bandname\">Kanako Pooknyw</span> Gr\u00fcnder von <span class=\"musik-review-bandname\">Broken Water</span>, \u00fcbernimmt in einigen St\u00fccken den Gesang, in anderen ist eine der beiden Frauen (die zweite ist Bassistin <span class=\"musik-review-bandname\">Abigail Ingram</span>) zu h\u00f6ren. In jedem Fall steht er den rauen Eskapaden der Instrumente beinahe als ruhiger Gegenpol gegen\u00fcber, in <em>River Under The River</em> etwa erinnert die betonte L\u00e4ssigkeit von Frau <span class=\"musik-review-bandname\">Ingram</span> an die von <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> in seinen jungen Jahren, der sich von aufget\u00fcrmten Gitarren-Feedbackw\u00e4nden auch nicht aus der Ruhe bringen lie\u00df. <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span>, ohne geht\u2019s eben doch nicht.</p>\n<p>Das alles ist laut und l\u00e4rmend und eing\u00e4ngig und gut und sollte unbedingt mal geh\u00f6rt werden. Das hier ist mehr als hei\u00dfe Luft.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\n30 Sekunden gen\u00fcgen? Dann ist <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Tempest-Broken-Water/dp/B007P5U23S/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> eine gute Quelle f\u00fcr\u2019s Reinh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Pontiak-Echo-Ono.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Pontiak-Echo-Ono.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Pontiak \u2013 Echo Ono</span>\n<p>Die US-amerikanische Psychedelic-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Pontiak</span> \u2013 nicht zu verwechseln mit dem Ottawa-H\u00e4uptling und/oder der Automarke Pontiac \u2013 hatte ich ganz vergessen, bis mir zuf\u00e4llig ihr diesj\u00e4hriges Album \u201eEcho Ono\u201c unterkam. Zu meiner pers\u00f6nlichen Freude hat es mit <span class=\"musik-review-bandname\">Yoko Ono</span> so wenig zu tun, dass ich es direkt mal weiterempfehlen m\u00f6chte.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Pontiak</span> wurden 2005 von drei Br\u00fcdern gegr\u00fcndet, die bis heute zusammen spielen. Das ist ja durchaus keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.</p>\n<p>Geplant wurde \u201eEcho Ono\u201c als expressionistisches Album. Die Musik sollte nicht nur Farben malen, sondern Farben <em>sein</em>. \u201eEcho Ono\u201c stellt sozusagen ein Gem\u00e4lde aus Musik dar. W\u00e4hrend die bisherigen Alben eine lose Ansammlung von Liedern waren, die eine Momentaufnahme der jeweiligen Zeit waren, wurde \u201eEcho Ono\u201c konsequenterweise erstmals als vollst\u00e4ndiges Album konzipiert. Tats\u00e4chlich ist das Zusammenspiel, das Ineinandergreifen der einzelnen St\u00fccke hier pr\u00e4senter als gewohnt.</p>\n<p>Der H\u00f6rer wird begr\u00fc\u00dft von Stoner-Rock-Gitarrengewittern. Der Gesang ist angenehm, irgendwo zwischen den <span class=\"musik-review-bandname\">Strokes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Mando Diao</span> anzusiedeln, also <em>irgendwie unschei\u00dfe</em>. \u00dcber die ganze L\u00e4nge des Albums hinweg spielt das Trio einen psychedelischen, rhythmischen Indie-Rock, der sich weigert, einem Genre eindeutig zuzuordnen zu sein, was ich schon aus Prinzip ziemlich gut finde. Kleinere L\u00e4ngen (etwa das f\u00fcr mich pers\u00f6nlich v\u00f6llig uninteressante <em>The Expanding Sky</em>, das irgendwo zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Aerosmith</span> und den sp\u00e4ten <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> herumirrt) fallen nicht weiter ins Gewicht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Michael Bambas</span> <a href="\&quot;http://www.metalnews.de/cds/Pontiak+-+Echo+Ono.7178.html\&quot;" data-wpel-link="internal">fasst zusammen:</a></p>\n<blockquote><p>\u201eEcho Ono\u201c spr\u00fcht vor inspirierter und damit einhergehend auch inspirierender Musik, in der zeitlose Leidenschaft und Lebensgef\u00fchl von unsch\u00e4tzbarem Wert sind; in ungef\u00e4hr derselben Kategorie w\u00e4re dieses Kleinod einzuordnen.</p></blockquote>\n<p>Etwaige Langeweile kommt gar nicht erst auf, da auch ruhige Passagen immer wieder durch heftige Stoner-Rock-Eruptionen unterbrochen werden. Ein gro\u00dfartiges Album, um Weihnachtsm\u00e4rkte oder \u00e4hnliche Veranstaltungen schadlos zu \u00fcberstehen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nEntt\u00e4uscht muss ich den geneigten Leser diesmal auf <a href="\&quot;http://www.amazon.com/Echo-Ono/dp/B007CFUJBQ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.com</a> verweisen. Dort gibt es zumindest 30-sek\u00fcndige Ausschnitte aus den Liedern.</p></li>\n</ol>\n<p>Das war es eigentlich schon. Aber ich hatte ja eingangs etwas von einer neuen Liste geschrieben. Ja, es gibt einige gute Musikalben, die in diesem Jahr ver\u00f6ffentlicht wurden und \u00fcber die ich nicht viele Worte verlieren kann oder m\u00f6chte. Nach der bisherigen Vorgehensweise h\u00e4tte ich diese einfach unterschlagen \u2013 das ist nat\u00fcrlich nicht im Sinne dieser R\u00fcckschauen. Also widme ich ihnen einen komplett eigenen Abschnitt. Die einzige Regel: Ein Absatz pro Album muss gen\u00fcgen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Beachtet auch dies!</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Gudrun Gut \u2013 Wildlife</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Gudrun Gut</span> hat 1980 die <span class=\"musik-review-bandname\">Einst\u00fcrzenden Neubauten</span> mitgegr\u00fcndet, die sie kurz darauf wieder verlie\u00df, 1981 dann <span class=\"musik-review-bandname\">Malaria!</span>, die irgendwas \u00fcber <em>kaltes, klares Wasser</em> zum Besten gegeben haben. \u201eWildlife\u201c \u2013 31 bzw. 32 Jahre sp\u00e4ter \u2013 klingt immer noch genau so: Elektronisches Geschepper, Minimalismus, ein <span class=\"musik-review-bandname\">Tina-Turner</span>-Cover (<em>Simply The Best</em>), Instrumentales, Besungenes. Wer die \u201e<span class=\"musik-review-bandname\">Neubauten</span>\u201c und/oder <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> mag, der m\u00f6ge hier mal <a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/product/B008S848F4?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">reinh\u00f6ren</a>.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Kayo Dot \u2013 Gamma Knife</span><br>\nDie R\u00fcckkehr von <span class=\"musik-review-bandname\">maudlin of the Well</span> vor einigen Jahren blieb wohl leider auf das Album \u201epart the Second\u201c (<a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/06/musik-06-2009-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">ich berichtete</a>) beschr\u00e4nkt. <span class=\"musik-review-bandname\">Toby Driver</span> konzentriert sich nunmehr wieder auf deren mehr oder weniger offizielle Nachfolgeband <span class=\"musik-review-bandname\">Kayo Dot</span>. Vom beh\u00e4bigen Anfang mit bedrohlichen Glockenkl\u00e4ngen und Choralgesang (<em>Lethe</em>) sollte man sich nicht t\u00e4uschen lassen: Es folgt ziemlich experimenteller Doom-Metal-Avant-Indie-Poprock oder wie auch immer man <a href="\&quot;http://kayodot.bandcamp.com/album/gamma-knife\&quot;" data-wpel-link="internal">das</a> zu nennen beliebt. Die Kehrseite? Das Album dauert nur eine halbe Stunde. Aber die ist keinesfalls verschwendete Zeit.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Periphery \u2013 Periphery II: This Time It\u2019s Personal</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Periphery</span> \u2013 nie geh\u00f6rt? Das Deb\u00fct von 2010 war eines der ersten herausragenden Alben, die das Metal-Subgenre Djent begr\u00fcndeten; Vorreiter waren, glaubt man <a href="\&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Djent\&quot;" data-wpel-link="internal">der englischsprachigen Wikipedia</a>, die Schweden <span class=\"musik-review-bandname\">Meshuggah</span>. Angeblich beschwerten sich jedoch zu viele H\u00f6rer \u00fcber den etwas zu sterilen Klang, dem <span class=\"musik-review-bandname\">Periphery</span> in der Folge den Garaus gemacht haben. <em>Dieses Mal ist es etwas Pers\u00f6nliches.</em> In einem Begriff: Verfrickelter Br\u00fcllmetal. Ein Album f\u00fcr den Freitagabend und das ganze Wochenende hindurch. Nur der Montag wird einem dann missfallen.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Alberta Cross \u2013 Songs of Patience</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">\u201eAlberta Cross\u201c</span> ist angeblich als Anagramm von \u201eScab Realtors\u201c, \u201eKrustenmakler\u201c, entstanden. Das klingt ziemlich bl\u00f6de und vor allem nach Metal. Ich bitte die geneigte H\u00f6rerschar zu entschuldigen, dass trotzdem kein Metal zu h\u00f6ren ist. Stattdessen: Viel <span class=\"musik-review-bandname\">Portugal. The Man</span>, ein wenig <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span>, ein wenig <span class=\"musik-review-bandname\">Red Hot Chili Peppers</span>, viel zu selten auch ein wenig <span class=\"musik-review-bandname\">\u2026 Trail of Dead</span>. Herausragend und h\u00f6renswert ist ausnahmsweise auch der Gesang. Wer erw\u00e4hnte Musikgruppen mag, ist hier nicht v\u00f6llig verkehrt.</li>\n</ol>\n<p>\u201eAber\u2026 aber wer soll sich denn all diese tolle Musik leisten k\u00f6nnen?\u201c fragt ihr jetzt vielleicht. Nun, keine Sorge, auch an den kleinen Geldbeutel (n\u00e4mlich meinen) wurde gedacht; das Jahr 2012 brachte auch so manches vorz\u00fcgliches Musikalbum mit sich, das euch auch ohne <em>so Tauschb\u00f6rsen</em> keinen Aufpreis abverlangt, unter anderem diese:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Saugt nun dies!</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/The-Echelon-Effect-Field-Recordings.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-The-Echelon-Effect-Field-Recordings.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Echelon Effect \u2013 Field Recordings</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The Echelon Effect</span> sind in letzter Zeit h\u00e4ufige G\u00e4ste in meinen R\u00fcckschauen, zuletzt <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">im Dezember 2011</a>. Nachdem alle vier Jahreszeiten ihr/ eigene/n/s EP bekommen haben, gibt es wieder ein <em>richtiges</em> Album. Das geht immer schnell im Hause <span class=\"musik-review-bandname\">The Echelon Effect</span>.</p>\n<p>Diesmal ging es noch schneller als geplant, denn die Ver\u00f6ffentlichung von \u201eField Recordings\u201c wurde vorgezogen, um die Verbreitung von Bootlegs einzud\u00e4mmen. Das Duo (Multiinstrumentalist <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Wolters</span> bekam beim Einspielen der Schlagzeugspuren Unterst\u00fctzung von <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Tanton</span>) scheint inzwischen recht beliebt zu sein.</p>\n<p>Zu h\u00f6ren gibt es gewohnt gute ambiente Elektronikkl\u00e4nge, malerische Landschaften, keinen Gesang. Instrumentale <em>soundscapes</em> ohne viel Drumherum. \u201eField Recordings\u201c ist Begleitmusik f\u00fcr Tagtr\u00e4ume und lange Winterabende.</p>\n<p>\u201eThis album is about flying\u201c steht auf der <a href="\&quot;http://theecheloneffect.bandcamp.com/album/field-recordings\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp-Seite zum Album</a>. Eigentlich ist damit alles gesagt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen:</span><br>\nAuf Bandcamp.com gibt\u2019s den kompletten Stream und eine Kaufm\u00f6glichkeit (ab 0 Euro), alternativ hilft das gute alte <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2434\&quot;" data-wpel-link="internal">eMule</a> weiter.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/when-whales-collide-By-Default.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-when-whales-collide-By-Default.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">when whales collide \u2013 By Default</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">when whales collide</span>. Postrock aus Kalifornien. Der Name <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/when-whales-collide-kernige-mischung-aus-ambienten-post-rock-und-metal/\&quot;" data-wpel-link="internal">passt</a> so gut wie sonst nur wenig:</p>\n<blockquote><p>Wenn Wale kollidieren, ganz es ganz sch\u00f6n krachen. Nach diesem ungl\u00fcckseligen Szenario hat sich das Quartet <span class=\"musik-review-bandname\">When Whales Collide</span> aus San Diego, Kalifornien benannt. Und sie lassen es dementsprechen ordentlich scheppern. Auf einem Fundament aus ambienten Post-Rock werden die Songs ziemlich l\u00e4ssig mit Metal und Hardcore unterf\u00fcttert. Gesungen wird auch. Und das sehr ordentlich.</p></blockquote>\n<p>Nach dem/der EP namens \u201e.ep\u201c (Februar) wurde \u201eBy Default\u201c im September 2012 ver\u00f6ffentlicht. Fast 28 Minuten dauert der Spa\u00df. Ist das schon ein Album? Egal. Einfl\u00fcsse gibt das Quartett nicht bekannt, ich tippe unter anderem auf <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">God Is An Astronaut</span>.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen:</span><br>\nPer <a href="\&quot;http://whenwhalescollidemusic.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> kann man \u201eBy Default\u201c h\u00f6ren und (ab 0 Euro) kaufen, auch auf physischem Tontr\u00e4ger mit h\u00fcbschem Coverbild, ansonsten hilft das <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2437\&quot;" data-wpel-link="internal">Maultier</a> weiter.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Rhun-Ih.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Rhun-Ih.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Rh\u00fan \u2013 \u00cfh</span>\n<p>Erst vor wenigen Tagen, am 14. Dezember 2012, erblickte \u201e\u00cfh\u201c das Licht der Welt. \u201eIiih\u201c. Ach Quatsch. Der Buchstabe \u201e\u00cf\u201c sollte doch schon klarmachen, wohin das L\u00f6ffeltier hoppelt. \u201e\u00cfh\u201c ist (nat\u00fcrlich franz\u00f6sischer) Zeuhl, wie er sein muss. Mit etwas mehr als 21 Minuten Laufzeit liegt hier zwar mal wieder \u201enur\u201c ein/e EP vor, aber das sollte nicht st\u00f6ren.</p>\n<p>\u201e\u00cfh\u201c ist dabei nach der 2009er Demo-CD \u201eFanfare du Chaos\u201c sozusagen das Deb\u00fct. Zwei St\u00fccke von \u201eFanfare du Chaos\u201c, n\u00e4mlich <em>Toz</em> und <em>Dunb</em>, wurden hier neu (und besser) aufgenommen, das dritte (das leider nur kurze Kammerrock-St\u00fcck <em>Interlude</em>) ist v\u00f6llig neu. Kammerrock? F\u00fcrwahr: Die \u00fcblichen Bestandteile des Zeuhl werden von <span class=\"musik-review-bandname\">Rh\u00fan</span> mittels klassischer Instrumente wie Fl\u00f6te und Oboe um eine interessante Nuance erweitert. Auf \u201e\u00cfh\u201c sind insgesamt neun solcher Instrumente, teilweise eingespielt vom Ensemble <span class=\"musik-review-bandname\">Pantagrulair</span>, zu h\u00f6ren.</p>\n<p>Falls irgendwer dachte, Zeuhl m\u00fcsse immer wie die Genrepioniere <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> klingen: Falsch gedacht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen:</span><br>\nDa <span class=\"musik-review-bandname\">Rh\u00fan</span> aus unerfindlichem Grund noch eine Plattenfirma zu fehlen scheint, gibt es \u201e\u00cfh\u201c zurzeit als Stream und freien Download in fast jedem gew\u00fcnschten Format <a href="\&quot;http://rhunmusic.bandcamp.com/album/h-2\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Bandcamp.com</a> sowie im FLAC- und MP3-Format <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2466\&quot;" data-wpel-link="internal">per eMule</a>. St\u00f6rt mich nicht. Viel Vergn\u00fcgen!</p></li>\n</ul>\n<p>So weit zum Positiven. Aber was w\u00e4re so ein Jahr ohne Musikalben, die <em>die Presse</em> unter \u201eMuss man haben\u201c einsortiert, die dem geneigten Musikfreund aber allenfalls ein m\u00fcdes L\u00e4cheln abzuringen verm\u00f6gen?</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">4.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Verachtet dies!</span></p>\n<p>Davon gab es auch 2012 mehr als im Juni beschrieben, zum Beispiel diese hier (wie gewohnt ohne allzu viele Worte dar\u00fcber zu verlieren):</p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Gekko Project \u2013 Electric Forest</span><br>\nTrotz <a href="\&quot;http://www.jerrylucky.com/reviews%20f-j_072.htm\&quot;" data-wpel-link="internal">Vergleichen</a> mit <span class=\"musik-review-bandname\">Camel</span>: Die guten Melodien werden in elektronischem Blubbern ertr\u00e4nkt. Schade.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Stabat Akish \u2013 Nebulos</span><br>\nDer Beweis, dass Jazzrock/RIO auch schrecklich langweilig sein kann.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">The xx \u2013 Coexist</span><br>\nDer Titel des Albums sagt es bereits: Belangloser Sch\u00f6ngeistpop, der niemandem wehtut.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Barock Project \u2013 Coffee In Neuk\u00f6lln</span><br>\nEs ist bedauerlich, dass an sich gute Retro-Prog-Bands fast immer einen unauff\u00e4lligen Durchschnittss\u00e4nger engagieren. Auch diese.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Between The Buried And Me \u2013 The Parallax II: Future Sequence</span><br>\nQueen, Spock\u2019s Beard, The Beatles, Metal mit l\u00e4cherlich wirkendem Klischee-Growling. Einzeln nett, aber zusammen eigentlich nur verwirrend.</li>\n</ul>\n<p>Und sonst? Klar, die Reise in die Vergangenheit steht noch an, 40 Jahre zur\u00fcck und was dann folgte. Wie schnell sich die Musikwelt wandelt, kann nur wenig besser offenbaren als ein \u00dcberblick \u00fcber musikalische Entwicklungen im Schnelldurchlauf.</p>\n<p>Beginnen wir mit 1972:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">5.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Erinnert euch an dies!</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Roxy Music \u2013 Roxy Music</span>\n<p>1972. Die Musikwelt hat schon schlimmere Jahre erlebt. Das Hard-Rock-Quintett <span class=\"musik-review-bandname\">Bang</span> eiferte auf \u201eMother\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Black Sabbath</span> nach, <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> ver\u00f6ffentlichten in rascher Folge \u201eThree Friends\u201c und das Weg weisende \u201eOctopus\u201c, das eine Vielzahl an Musikgruppen nachhaltig beeinflussen sollte. Kunstlehrer <span class=\"musik-review-bandname\">Bryan Ferry</span> hatte unterdessen bereits ein Jahr zuvor zusammen mit Freunden und Freundesfreunden (unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Eno</span>) die Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy Music</span> \u2013 eine Gruppe namens <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy</span> gab es bereits \u2013 ins Leben gerufen. <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Sinfield</span>, bis zum 1971 erschienenen \u201eIslands\u201c f\u00fcr Texte, Produktion und Beleuchtung zust\u00e4ndiges Mitglied von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, \u00fcbernahm die Rolle des Produzenten f\u00fcr das Deb\u00fctalbum. Auf dem Coverbild r\u00e4kelt sich Model <span class=\"musik-review-bandname\">Kari-Ann Muller</span>, die <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy-Music</span>-Tradition von anz\u00fcglichen Plattencovern wurde damit also begr\u00fcndet. Bereits das er\u00f6ffnende \u201eRe-Make/Re-Model\u201c <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/07/roxy-music-re-makere-model/\&quot;" data-wpel-link="internal">sollte man mal geh\u00f6rt haben</a>. Der Artrock, den <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy Music</span> hier spielen, ist bereits eine ziemlich ausgereifte Variante dessen, was die folgenden Alben bringen sollten. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Eno</span> sich nach den Aufnahmen zum zweiten Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Roxy Music</span> trennte und so Platz f\u00fcr den nicht minder talentierten <span class=\"musik-review-bandname\">Eddie Jobson</span> machte, ist dennoch bedauerlich, das Ergebnis der Zusammenarbeit aber bleibt ein St\u00fcck Musikgeschichte.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Marillion \u2013 Market Square Heroes</span>\n<p>Die musikalischen Achtziger. Den Mantel des Schweigens bitte jetzt ausbreiten. Unter diesem Mantel darf gem\u00fctlich gemauschelt werden. Au\u00dfer der Neuen Deutschen Welle waren auch in Deutschland gelegentlich gute Musiker zugegen. An der Krautrockband <span class=\"musik-review-bandname\">Grobschnitt</span> ging besagte Welle leider nicht spurlos vor\u00fcber: Auf \u201eRazzia\u201c wurde konsequent auf deutsche Texte gesetzt, musikalische Einfl\u00fcsse von NDW und der zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits vor sich hin siechenden Punkmusik sind zu h\u00f6ren. Die Texte sind interessant (\u201eWir wollen sterben\u201c), aber letzten Endes verzichtbar. Nach \u201eRazzia\u201c nahm Mitgr\u00fcnder, Schlagzeuger und kreativer <span class=\"musik-review-bandname\">Grobschnitt</span>-Kopf <span class=\"musik-review-bandname\">Eroc</span> konsequenterweise seinen Hut, was alles, was danach kam, nicht unbedingt verbesserte. Auch die Hannoveraner <span class=\"musik-review-bandname\">Eloy</span> befanden sich noch mitten in ihrem Kreativit\u00e4tsschub und lie\u00dfen \u201eTime to Turn\u201c auf den Markt bringen, <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=452&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews\&quot;" data-wpel-link="internal">laut dem Internet</a> <em>die letzte wirklich \u00fcberzeugende <span class=\"musik-review-bandname\">Eloy</span>-Scheibe f\u00fcr lange, lange Zeit</em>. Die britische Band <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span>, die gerade erst um S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Fish</span> bereichert wurden, publizierte derweil ihre ersten Gehversuche mit der Single \u201eMarket Square Heroes\u201c, deren \u00fcber 17-min\u00fctige B\u2011Seite <em>Grendel</em> insbesondere die Vorbilder <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> mit <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Gabriel</span> hervorhob. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span> das noch junge Genre des \u201eNeo-Prog\u201c entscheidend pr\u00e4gen w\u00fcrden, war damals freilich noch nicht abzusehen, das 1983 erschienene Deb\u00fctalbum \u201eScript for a Jester\u2019s Tear\u201c eignete sich jedoch hervorragend, um diese Vermutung zu festigen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4nglag\u00e5rd \u2013 Hybris</span>\n<p>Zumindest <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> haben die 1980-er Jahre trotz grauenvoller radiokompatibler Singles wie <em>Owner of a Lonely Heart</em> weitgehend schadlos \u00fcberstanden. Nun, was hei\u00dft \u201eschadlos\u201c? Die DVD \u201eUnion Tour Live\u201c zeigt eine heillos zerstrittene Band, die auf Dr\u00e4ngen der Plattenfirma notd\u00fcrftig aus den beiden existierenden und miteinander konkurrierenden Gruppen <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Anderson, Bruford, Wakeman, Howe</span> zusammengeklebt wurde. Diese Formation zerbrach dann auch bald, was durchaus kein Verlust war. Bei <span class=\"musik-review-bandname\">Emerson, Lake &amp; Palmer</span> sah es nicht besser aus: Die Reunion im Jahr 1991 f\u00fchrte zu dem einfallslosen, von AOR und Pop gepr\u00e4gten Album \u201eBlack Moon\u201c, auf das der geneigte Musikfreund gut verzichten k\u00f6nnte. Etwas besser sah\u2019s im Acid Jazz aus: Die britische Formation <span class=\"musik-review-bandname\">Corduroy</span> machte mit dem merkw\u00fcrdig benannten, beinahe komplett instrumentalen Deb\u00fct \u201eDad Man Cat\u201c positiv auf sich aufmerksam. Ein anderes Deb\u00fctalbum stammt aus Schweden: Die kurzlebigen <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4nglag\u00e5rd</span> \u2013 drei der Musiker waren damals erst 17 Jahre alt \u2013 kombinierten auf ihrem Deb\u00fctalbum \u201eHybris\u201c Retro-Prog und Folk (inklusive Fl\u00f6te) mit einer eigenst\u00e4ndigen Note zu etwas, das nicht weniger als ein Meisterwerk ist. Gesungen wird auf Schwedisch, die Stimmungen erreichen beeindruckende Tiefen. Vier St\u00fccke lang erschaffen die Schweden Retro-Welten, wie sie sch\u00f6ner und schillernder kaum sein k\u00f6nnten. Ein Album sp\u00e4ter l\u00f6sten sich <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4nglag\u00e5rd</span> wieder auf, hinterlie\u00dfen noch einen Live-Mitschnitt (\u201eBuried Alive\u201c) und kehrten etwa zehn Jahre sp\u00e4ter auf die musikalische B\u00fchne zur\u00fcck. Ihr 2012 erschienenes sp\u00e4tes <em>comeback</em>-Album \u201eViljans \u00d6ga\u201c \u2013 leider inzwischen ohne Gesang \u2013 zeigt, dass die f\u00fcnf bis heute nichts verlernt haben.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">echolyn \u2013 mei</span>\n<p>Abseits der progressiven Rockmusik gab es im Jahr 2002 ein Aufhorchen: Mitglieder von <span class=\"musik-review-bandname\">Rage Against the Machine</span> schlossen sich mit <span class=\"musik-review-bandname\">Soundgarden</span>-S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Cornell</span> zu <span class=\"musik-review-bandname\">Audioslave</span> zusammen und kn\u00fcpften stilistisch nahtlos an beide \u201eVorg\u00e4ngergruppen\u201c an. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter war Schluss. Als z\u00e4her erwies sich die oben bereits lobend erw\u00e4hnte US-amerikanische Progressive-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span>, die sich nach vier Jahren Trennung \u2013 Sony Music verweigerte den Musikern die Unterst\u00fctzung, wahrscheinlich waren sie zu kreativ \u2013 im Jahr 2000 wieder zusammengefunden hatte. Kompromisse mochten sie aber immer noch nicht. Im Jahr 2002 erschien mit \u201emei\u201c \u2013 Kleinbuchstaben sind eines ihrer Markenzeichen \u2013 ihr f\u00fcnftes Studioalbum; oder sollte man es eine \u201eLangzeit-Single\u201c nennen? Tats\u00e4chlich ist genau ein St\u00fcck \u2013 eben <em>mei</em> \u2013 enthalten, das es auf 49:33 Minuten Spielzeit bringt. Den geneigten Musikfreund freut es, immerhin ist es so nahezu unm\u00f6glich, die einzelnen Bestandteile des St\u00fcckes sinnvoll zu einer \u201eBest-of\u201c-Zusammenstellung zusammenzukleben. Ich wage zu behaupten, \u201emei\u201c bleibt auch musikalisch von <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> unerreicht. Es handelt sich (<em>nat\u00fcrlich</em>) um ein Konzeptalbum, auch <a href="\&quot;http://www.echolyn.com/lyrics.asp?iAlbumID=7\&quot;" data-wpel-link="internal">textlich</a>: Der Protagonist, von der Liebe entt\u00e4uscht, irrt umher, verzweifelt an seiner Situation, beschlie\u00dft, Held zu werden, wird dann doch keiner und kehrt in die Zivilisation zur\u00fcck. So weit die Zusammenfassung. Musik: <span class=\"musik-review-bandname\">Kansas</span>? <span class=\"musik-review-bandname\">Spock\u2019s Beard</span>? Sicher. Vor allem aber: <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span>. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span> bekennende Anh\u00e4nger von <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> sind, wird selten so deutlich wie in den (viel zu kurzen) dreistimmigen Passagen (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eWhat have I done\u201c / \u201eHere I am\u201c / \u201eLive through me\u201c</span>) von \u201emei\u201c, kurze Keyboard-Momente klingen direkt wie von <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> geliehen. Verpackt wird es in einem einmaligen Retro-Prog-Gewand, der Gesang variiert je nach Textzeile von Depression (<span class=\"musik-review-bandname\">The Cure</span>) bis Zuversicht (<span class=\"musik-review-bandname\">U2</span>), ohne jemals deplatziert zu wirken. Wie die Zeit vergeht, bemerkt der H\u00f6rer nicht einmal. Eine Liveversion von <em>mei</em> wurde 2003 auf dem Bootleg \u201eJersey Tomato vol. 2 (live at the Metlar Bodine Museum)\u201c ver\u00f6ffentlicht, inzwischen, da nicht mehr offiziell erh\u00e4ltlich, ist dieses Bootleg auszugsweise <a href="\&quot;http://www.echolyn.com/discography.asp?iAlbumID=10\&quot;" data-wpel-link="internal">auf der Website der Band</a> zu h\u00f6ren. Ohne \u201emei\u201c w\u00e4re der Retro-Prog vermutlich viel \u00e4rmer. Zum Gl\u00fcck m\u00fcssen wir uns das nicht vorstellen.</p></li>\n</ul>\n<p>So weit von mir.</p>\n<p>Habt ihr etwas gefunden, was euch gef\u00e4llt? Gibt es Kommentare, Erg\u00e4nzungen, Beschimpfungen? Ich hoffe, letztere bleiben aus.</p>\n<p>Ich w\u00fcnsche viel Spa\u00df beim H\u00f6ren und sage: Nichts zu danken!<br>\nDie n\u00e4chste R\u00fcckschau folgt, wenn bis dahin nicht die Welt untergeht, im Juni 2013. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn ihr dann wieder dabei seid.</p>\n<p>Bis dann.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Anonym schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">26. Dezember 2012</a> dies: Und doch (zu danken). Zusammen mit UliUlis Blog (AufeinNeues) sind diese R\u00fcckschauen unverzichtbare Kompendien der Gutmusik.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">26. Dezember 2012</a> dies: Hm, hast du da mal einen Link?\n\nNachtrag: Danke, <a href="\&quot;http://uliuli.twoday.net/\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" data-wpel-link="internal">gefunden</a>! Und danke f\u00fcr das Kompliment.</li><li>Thilo schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2012</a> dies: Ich: Narzist.\nDaher: Kontrolliert, warum ich verdammt nochmal kein Dankesch\u00f6n \u2013 \u2026 \u00e4hem.\nPeinlich ber\u00fchrt, Selbstbeschimpfung.\nLernen popernen: Conditio sine qua non f\u00fcr den Erhalt einer Antwort ist das Hinterlassen einer Antwortadresse.\n\nUliUli beackert sozusagen die Galaktische Eastside unserer Milchstra\u00dfe, ohne den Blues zu bekommen (na, auch DEN deutschen Raumfahrtepos als Kind verschlungen und f\u00fcr immer immun gegen diesen schnarchlangweiligen Star-Wars-Quatsch geworden? Wenn nein: \u00d6der Insiderscherz, egal). Da\u00df ich jemals mit Freude Prog-Rock h\u00f6ren w\u00fcrde (Echolyn), unfa\u00dfbar. Andererseits: Wieder ein Stein f\u00fcr das Mauerwerk des Elfenbeinturms, na danke auch (-;</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2012</a> dies: Oder h\u00e4ufiger mal hier reinschauen \u2013 spart die Adresse und freut meine Besucherzahlen. Von denen ich halt auch nix habe, wenn keiner meinen Amazon-Links kaufwillig folgt. Mist.\n\nIch finde UliUlis Musikempfehlungen beim \u00dcberblicken interessant, da mir komplett unbekannt. Mal gucken, ob ich irgendwann mal die Mu\u00dfe finde, reinzuh\u00f6ren. Nat\u00fcrlich: Gelesen. Star Wars? Buh!\n\nWenn dir echolyn gef\u00e4llt, k\u00f6nnte ich dir nun diverse andere Anspieltipps geben. Aber dann kommst du zu nichts anderem mehr. Ich freue mich aber sehr, wenn meine Tipps wenigstens einem Menschen Freude bereiten konnten. Dann kommt mir mein eigenes Tun nicht so sinnlos vor.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2013 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Dezember 2013</a> dies: [\u2026] stimmen. Aber auch Trevor Dunn, der regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner R\u00fcckschauen zuletzt zum Beispiel auf \u2018nem Melvins-Album begegnet sein d\u00fcrfte, zeigt sich auf \u201eOddfellows\u201d \u00e4hnlich wandlungsf\u00e4hig. Mathias [\u2026]</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2016 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">26. Juli 2016</a> dies: [\u2026] \u2013 der Leser m\u00f6ge sich erinnern \u2013 ist ein immer noch junges Trio, dessen Mitglieder gegenw\u00e4rtig noch immer weit von ihren [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/df79ef57ca6a45508d791d9b5249095d\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 10 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickNoch bis zum 31. Dezember 2012 l\u00e4uft auf Plattentests.de der \u201eJahrespoll\u201c, und ich kenne nur einen sehr, sehr kleinen Teil der dort aufgef\u00fchrten \u201eK\u00fcnstler\u201c. Ich hatte 2012 nun mal bessere Musikalben zu h\u00f6ren als den immergleichen Indiepop-Mist.\nUnd da schon wieder Jahresende ist, freue ich mich darauf, euch mit gewohnt herausragender Grammatik den zweiten Teil (den ersten Teil gibt es hier) der Liste der mir am gefallendsten Alben 2012 zu pr\u00e4sentieren. Keine Sorge, selbstverst\u00e4ndlich tr\u00e4gt jedes aufgef\u00fchrte Album das \u00fcbliche G\u00fctesiegel: Ohne Phil Collins. \nBig Big Train haben mit \u201eEnglish Electric Part I\u201c schon mal den ersten Teil eines Doppelalbums, das 2013 regul\u00e4r erscheinen soll, ver\u00f6ffentlicht. Ich werde mich dann 2013 daran setzen, das Gesamtkunstwerk zu h\u00f6ren und wahlweise wegzuwerfen oder an dieser Stelle zu w\u00fcrdigen. Einmal muss reichen. Aufmerksame Leser wissen auch, dass ich es mir nicht nehmen lasse, auch zwischen den R\u00fcckschauen gelegentlich herausragende Musikalben zu empfehlen. Ich bitte daher auch die neuen Scheiben von Guilty Ghosts, Pixel, Last Remaining Pinnacle, Belleruche und Toc.Sin nicht aus den Augen zu verlieren.\nDiesmal enth\u00e4lt die R\u00fcckschau eine Neuerung, n\u00e4mlich eine Liste der Alben, die zu gut sind, um sie zu ignorieren, aber f\u00fcr die auf der Bestenliste dann doch kein Platz mehr war. Wie immer liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein relevantes Album \u00fcbersehen habe, dennoch bei ungef\u00e4hr 100 Prozent. Erg\u00e4nzungen sind erw\u00fcnscht, \u00fcber mir bislang unbekannte Musiker erfahre ich gern etwas, es kann ja sein, dass ihre Aufnahmen selbst mir gefallen.\nLeider konnte ich nicht zu allen aufgef\u00fchrten Musikalben frei verf\u00fcgbare H\u00f6rproben finden, ich werde daher auch diesmal gelegentlich auf Grooveshark zur\u00fcckgreifen, das in Deutschland nur \u00fcber Proxyserver erreichbar ist; Erkl\u00e4rungen hierzu kann ich bei Bedarf nachreichen. Ich bitte dies zu entschuldigen.\nNun ist\u2019s aber genug des Gepl\u00e4nkels. Los geht es wie gewohnt mit der Hauptliste:\n1. Kauft dies!\n\nMagma \u2013 F\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\nMagma sind wieder da \u2013 oder immer noch? Tats\u00e4chlich ist \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c in gewisser Weise ein Neuanfang: Mit den beiden nach langer Pause ver\u00f6ffentlichten Vorg\u00e4ngeralben \u201eK.A\u201c und \u201e\u00cbm\u00ebhnt\u00ebhtt-R\u00e9\u201c wurde die \u201eK\u00f6hntark\u00f6sz\u201c-Trilogie, deren Anf\u00e4nge bereits in den 1970er Jahren auf Konzerten zu h\u00f6ren waren, abgeschlossen, \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c ist nun also das erste neue Magma-Album seit \u201eMerci\u201c (1984).\nWie seinerzeit \u201eMerci\u201c ist auch \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c f\u00fcr Magma eher untypisch: Der d\u00fcstere, ausufernde, hypnotische Zeuhl klingt fast vollkommen anders. Statt der bombastischen Kompositionen sind kurze, beschwingte Lieder zu h\u00f6ren, wenngleich alle bis auf eines im 28-min\u00fctigen Titelst\u00fcck zusammengefasst wurden. Auch andere Gemeinsamkeiten mit \u201eMerci\u201c fallen auf: Mit \u201eLes hommes sont venus\u201c ist auch mal wieder ein St\u00fcck mit einem franz\u00f6sischen Titel enthalten \u2013 in der koba\u00efanischen Welt von Magma eine Seltenheit, die erw\u00e4hnt werden sollte. Die Gesamtlaufzeit von \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c betr\u00e4gt 32:24 Minuten. Gilt das schon als komplettes Album, oder ist das noch ein/e EP?\nVergleicht man \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c mit den vorherigen Alben, sieht es mit einer Bewertung also eher schlecht aus, denn das Markenzeichen von Magma, eben der Zeuhl, schw\u00e4chelt hier ein wenig. Die Bewertung des Albums sollte also nicht im Kontext des Hauptwerkes von Magma erfolgen, sondern eigenst\u00e4ndig. Und als ein eigenst\u00e4ndiges Werk ist \u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c gleich viel besser:\nWie schon auf \u201eMerci\u201c herrscht eine fr\u00f6hliche, beinahe ausgelassene Stimmung; Les hommes sont venus wird von zwei S\u00e4ngerinnen zu rhythmischer Vibraphonbegleitung intoniert, einzig das repetitive Muster kommt dem Magma-Freund bekannt vor.\nAlles andere als ein \u201etypisches\u201c Magma-Album liegt hier also vor. Das ist eine merkw\u00fcrdige und ungewohnte, aber willkommene Abwechslung. Dass es so kurz ist, hat einen einfachen Grund: Zum Titelst\u00fcck geh\u00f6rt eigentlich noch ein zweites, das aber laut Schlagzeuger, Gr\u00fcnder und mastermind Christian Vander nicht dazu passte. Es ist also absehbar, dass Magma noch lange nicht in den Ruhestand gehen. Gut so.\nH\u00f6rproben:\n\u201eF\u00e9licit\u00e9 Th\u00f6sz\u201c gibt es via Grooveshark als vollst\u00e4ndigen Stream.\nDeWolff \u2013 DeWolff IV\nDie s\u00fcdniederl\u00e4ndische (die Himmelsrichtung muss dem Trio sehr wichtig sein, denn sie betonen sie auf ihrer Internetseite an mehreren Stellen) Formation DeWolff wurde im Jahr 2007 von den beiden Br\u00fcdern Pablo (Gesang, Gitarre) und Luka van de Poel (Schlagzeug) sowie Robin Piso (Orgel, Hintergrundgesang) gegr\u00fcndet. Auf ihrem im Juni erschienenen dritten (!) Vollzeitalbum \u201eDeWolff IV\u201c \u2013 das unbetitelte Deb\u00fct schaffte es nur als EP mit sechs St\u00fccken in den Handel \u2013 treiben DeWolff weiterhin ihr Spiel mit den Genres. Bluesrock (Six Holes &amp; A Ghost) trifft auf Psychedelic Rock, Hardrock und gelegentliche Stoner-Rock-Ankl\u00e4nge (Devil\u2019s Due).\nIhre Plattenfirma vergleicht DeWolff vollmundig mit Pink Floyd, Cream und Deep Purple und liegt damit nicht so sehr daneben, wie man das eigentlich meinen sollte, immerhin sind Pink Floyd und Cream einander ungef\u00e4hr so \u00e4hnlich wie Apple und das Rote Kreuz. Die Musiker selbst bezeichnen ihren Stil als \u201epsychedelischen, elektrifizierten, fuzzgetr\u00e4nkten, ekstatischen, hart groovenden Space-Rock\u2011n\u2019-Roll\u201c. Immerhin ist das aussagekr\u00e4ftiger als \u201eWir sind eine Rockband\u201c.\nGenrequark hin oder her: Gef\u00e4llig ist das Zusammenspiel der drei Herren zweifelsohne. Selbst der S\u00e4nger, der gelegentlich ein wenig nach Robert Plant, manchmal auch nach den Beatles (die sich ja damals alle vier recht \u00e4hnlich anh\u00f6rten) klingt, gelegentlich aber auch ganz anders, schafft es, mich derart zu \u00fcberzeugen, dass ich ihn hier separat erw\u00e4hne, was bekannterma\u00dfen nicht oft vorkommt. Und obwohl man sich beinahe ausnahmslos in den musikalischen 1970-er Jahren bedient, hat man beim Konsum der 11 St\u00fccke keine Sekunde lang das Gef\u00fchl, das alles schon mal geh\u00f6rt zu haben.\nNat\u00fcrlich ist \u00edn den zitierten Genres auch mitunter ein Ausfall zu verzeichnen. Das ruhige \u201eDevil On A Wire / The Telephone\u201c etwa ist trotz der angeschr\u00e4gten Streicher(?)begleitung so unauff\u00e4llig, dass es das H\u00f6rvergn\u00fcgen in kaum merklichem Ma\u00dfe beeintr\u00e4chtigt; gesagt werden soll\u2019s dann aber doch. Wobei es eigentlich allgemein Bl\u00f6dsinn ist, \u201eDeWolff IV\u201c nach den einzelnen St\u00fccken zu bewerten, da die \u00dcberg\u00e4nge quasi flie\u00dfend sind und der H\u00f6rer somit die Titel- eher als Kapitelliste lesen sollte. (Das reimt sich.) Das letzte dieser Kapitel, Vicious Times, steigert sich zum Ende hin zu einer dissonanten Klimax und klingt dann, leise brummend, aus. Und obwohl dieses Buch schw\u00e4chere Kapitel hat, ist es in der Summe ein sehr empfehlenswertes Werk, das man zumindest mal gelesen haben sollte.\nH\u00f6rproben:\nZurzeit (11. Dezember) steht auf der Website der Band das komplette Album zum Anh\u00f6ren zur Verf\u00fcgung.\nSebkha-Chott \u2013 The Ne[XXX]t Epilog v1.0\nAuf Sebkha-Chott (die etwaige Bedeutung des Namens ist mir, Verzeihung!, nicht bekannt) wurde ich im, wenn ich mich recht entsinne, vorletzten Jahr eher zuf\u00e4llig aufmerksam. Sie wurden gelegentlich im Zusammenhang mit der mittlerweile aufgel\u00f6sten Avantgarde-Metal-Kabarett-Gruppe Sleepytime Gorilla Museum erw\u00e4hnt. Beim ersten Anh\u00f6ren war mir das Dargebotene allerdings deutlich zu schr\u00e4g, und wer mich oder auch nur eine meiner vergangenen Bestenlisten kennt, der wei\u00df, dass das schon wirklich schr\u00e4g sein muss.\nAllerdings habe ich seitdem viel Musik geh\u00f6rt, die mein Schr\u00e4gheitsempfinden ein wenig gedehnt hat. Dem neuen Album von Sebkha-Chott \u2013 \u201eThe Ne[XXX]t Epilog v1.0\u201c \u2013 gew\u00e4hrte ich also eine zweite Chance, und das war im Nachhinein nicht die schlechteste von mir jemals getroffene Entscheidung.\nWarum v1.0? Nun, es handelt sich um ein \u201ewachsendes\u201c Album, das bereits die Fortentwicklung des Albums \u201eNigla(h) \u2013 Tapisseries Fines en XXX Scripts et LXX/X Trompettes\u201c von 2008 ist und zum Gro\u00dfteil aus \u00fcberarbeiteten Versionen der gleichen St\u00fccke besteht. Mit v0.9, das nur Phial Shapes und den kurzen Free Software Song enth\u00e4lt, wurde am 1. Oktober 2012 die erste Fassung ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend v1.0 \u2013 nun in voller L\u00e4nge \u2013 auf einem physischen Tontr\u00e4ger daherkommt, wird das Album quasi kontinuierlich weiterentwickelt. Am 1. Dezember dieses Jahres wurde \u201eVersion 1.1\u201c auf der Website der Band (die leider ziemlich un\u00fcbersichtlich ist) ver\u00f6ffentlicht, allerdings (so weit mir bekannt ist) lediglich als Stream. Damit entgeht dem Musikfreund ziemlich gutes artwork in Form eines schlichten Pappkartons mit reichlich komplexem Spinnennetz-Muster, das die Titel der St\u00fccke und einige weitere Informationen beinhaltet. Die St\u00fccke tragen Namen wie Nigla(h) und sind unterteilt in bis zu neun \u201eKapitel\u201c, die schon mal Titel wie Nigla(h) I: Variations hemorragiques sur l\u2019Agnus Dei tragen. Komplex? Ja. Somit jedoch mehr als nur passend zur Musik.\nLaut der Plattenfirma Musea haben Sebkha-Chott ihren Stil \u201eMekanik Metal Disco\u201c genannt. Das Wort \u201eMekanik\u201c sollte nun ebenso wie Vergleiche mit Magma niemanden in den Glauben versetzen, es handele sich um Zeuhl. Mitnichten! Sebkha-Chott sind bereits zusammen mit Extra Life und uneXpect auf Tour gewesen. Das trifft es wahrscheinlich besser.\nDass die mehr oder weniger renommierte Website Progarchives.com f\u00fcr \u201eThe Ne[XXX]t Epilog v1.0\u201c momentan 1 von 5 Punkten (\u201enur f\u00fcr Sammler\u201c) vergibt, ist wahrscheinlich ein Qualit\u00e4tskriterium \u2013 der Punktegeber war wom\u00f6glich gleichsam \u00fcberfordert wie ich.\nAber was ist das hier \u00fcberhaupt? Vermutlich w\u00e4re es mit \u201eAvantgarde-Kabarett-Metal-Rock\u201c gut umschrieben. Es wechseln sich auf Franz\u00f6sisch gesprochene und gekreischte Passagen, instrumentale und nur mit Ger\u00e4uschen unterlegte ebensolche, Blasmusik und Death-irgendwas in rascher Folge ab. Hier wird etwas erz\u00e4hlt, dort bricht bereits das Gewitter los, nur um gleich wieder zu verstummen. Geht das als \u201eMusik\u201c durch? Zumindest sind\u2019s Kl\u00e4nge. Den Avantgardefreund freut es. Zu Nigla(h) I gibt es sogar ein gleichfalls ziemlich unnormales Video. Das ist harte Kost, aber man sollte sie mal probiert haben.\nH\u00f6rproben:\nPer Bandcamp.com sind s\u00e4mtliche Musikalben der Band \u2013 inklusive The Ne[XXX]t Epilog v1.0 und v1.1 \u2013 anh\u00f6rbar und k\u00e4uflich.\necholyn\n\u201eShe\u2019d love to fly but the sky won\u2019t hold her.\u201c (Past Gravity)\nDie Symphonic-Progressive-Rock-Band echolyn aus den Vereinigten Staaten von Amerika, die normalerweise ja nicht gerade als die Wiege des Progressive Rock bekannt sind, hat sich im Jahr 2012 auf beeindruckende Weise nach sieben Jahren Pause wieder einmal zur\u00fcckgemeldet.\nDas neue Album tr\u00e4gt keinen Titel, auf dem Coverbild ist jedoch ein Fenster zu sehen. Es liegt daher nahe, es wie viele dieser Rezensions-Websites \u201eThe Window Album\u201c oder schlicht \u2013 wie bereits das Deb\u00fct von 1991 \u2013 \u201eecholyn\u201c zu nennen, wenn man denn unbedingt einen Namen braucht. Namen jedoch, Freunde, sind Schall und Rauch. Lassen wir stattdessen die Musik f\u00fcr sich sprechen!\nUnd die ist beeindruckend: Das Doppelalbum \u2013 bestehend aus zweimal vier St\u00fccken, die insgesamt auch auf eine einzige CD gepasst h\u00e4tten, aber man hat sich sicherlich etwas dabei gedacht \u2013 beginnt mit Island, mit 16:37 Minuten das l\u00e4ngste der St\u00fccke, und somit mit (recht gutem) Rock.\nAlte St\u00e4rken \u2013 vertrackte Melodiel\u00e4ufe mit interessantem Gitarrenspiel (The Cardinal and I) \u2013 treffen auf ungewohnte Neuerungen wie das fast elfmin\u00fctige (Speaking In) Lampblack, das in seiner Melancholie und Besinnlichkeit an Sigur R\u00f3s\u2018 schrecklich \u00fcberbewertete Gro\u00dftat \u201e( )\u201c erinnert. Dabei ist gerade (Speaking In) Lampblack auch aus musikhistorischer Sicht interessant, immerhin erweist die Band mit ihm einer der \u00e4ltesten bekannten h\u00f6rbaren Aufzeichnungen von menschlicher Stimme ihre Reverenz. \u201eThe Cardinal and I\u201c als letztes St\u00fcck auf dem Album endet unerwartet mit einer reichlich schr\u00e4gen Barbershop-Remineszenz.\nInteressant sind auch die Texte:\nEs lohnt sich mal einen Blick auf die Texte zu werfen oder einfach genau hinzuh\u00f6ren. Da gibt es mal ein Sprachsample, welches ger\u00fcchteweise ein zuf\u00e4llig entstandener Mitschnitt eines Streits in der Nachbarschaft von Ray Weston ist. Hier wird v\u00f6llig unvoyeuristisch ein allt\u00e4gliches Drama als Grundlage eines nachdenklichen Songs eingebaut, faszinierend.\nNat\u00fcrlich kann man kein zweites Monumentalwerk wie \u201emei\u201c erwarten, das in der Diskografie von echolyn unerreicht bleiben d\u00fcrfte. In puncto musikalischer Vielseitigkeit, Reife und nicht zuletzt Tiefe aber ist das 2012er Werk der US-Amerikaner ein gro\u00dfer Schritt nach vorn. Es wird schwer, das zu \u00fcberbieten \u2013 aber auch eine hohe Messlatte sollte stets ein Ansporn und keine H\u00fcrde sein. Auf den n\u00e4chsten Sprung bin ich gespannt; hoffentlich nicht erst in sieben Jahren.\nH\u00f6rproben:\nAmazon.de bietet die \u00fcblichen H\u00f6rschnipsel an.\nBeak&gt; \u2013 \u00bb\nBeak&gt;. Schnabel&gt;. Ja, zweifelsohne. Der Zweitling \u201e\u00bb\u201c l\u00e4sst sich entsprechend interpretieren: Zwei Schn\u00e4bel, das zweite Album von \u201eSchnabel&gt;\u201c oder einfach nur schnelles Vorspulen?\nInteressant ist, was die Mannen um Portishead-Mitglied Geoff Barrow hier vorlegen, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig vom Titel, denn der etwas einschl\u00e4fernde Trip-Hop seiner anderen Hauptband ist hier einer primaen Melange aus Krautrock, Ambient und Pop gewichen. Jochen Rindfrey von den Babyblauen Seiten erkennt Neu! und Harmonia als Inspirationsquellen. In St\u00fccken wie Wulfstan II klingt das Trio gelegentlich auch nach ebenfalls ziemlich guten Musikanten wie WIVE (man h\u00f6re etwa deren Teethy zum Vergleich).\nErfreulicherweise wird auch (etwa in \u201eYatton\u201c) gesungen, und das nicht mal \u00fcbel. Carolin van Mark schreibt im Magazin \u201eIntro\u201c, Ausgabe 204, \u00fcber den Gesang:\nDrum-Parts ziehen sich wie eine Art Tempomat durch die Songs, die gelegentlich auftauchende Stimme formuliert ebenfalls eine Spannung aus, die selten aufgel\u00f6st wird. Wie wenn man niesen muss \u2013 aber nur beinah.\nKurz gesagt: Hier brodelt es st\u00e4ndig bis kurz vor dem Ausbruch, aber der kommt nicht. Das ist gut und h\u00e4lt die Spannung aufrecht. Wer im Juni 2011 meiner Empfehlung von Kreidlers \u201eTank\u201c folgte und dies nicht bereute, der m\u00f6ge hier ebenfalls zugreifen.\nMuss ja nicht blind sein.\nH\u00f6rproben:\nH\u00f6rproben (soll hei\u00dfen: das komplette verdammte Album) gibt\u2019s f\u00fcr lau auf Bandcamp oder, wie \u00fcblich, auszugsweise auf Amazon.de zum Streamen.\nThe Melvins \u2013 Freak Puke\nMit einem Brummen und merkw\u00fcrdigem Rasseln, Tuten und Quietschen beginnt das Album \u201eFreak Puke\u201c der US-amerikanischen Musikgruppe The Melvins (gelegentlich auch: Melvins). Diese Ger\u00e4usche gehen nach einer Weile \u00fcber in so etwas wie eine Rockfassung von Pink Floyds Money mit Registrierkassenklingeln und anderen Ger\u00e4uschen, die Frontmann Buzz Osborne nach einer weiteren Weile mit einer elektrischen Gitarre begleitet und dazu sph\u00e4rischen Gesang wie einstmals das Duo Roger Waters und David Gilmour vortr\u00e4gt. Das St\u00fcck Mr. Rip Off tr\u00e4gt seinen Namen vielleicht nicht zu Unrecht.\nAnsonsten sind zu h\u00f6ren: Schr\u00e4ge Streicher- und sonstige Klangexperimente (\u201eInner Ear Rupture\u201c) und allerlei Post-Punk- und Grunge-Anleihen (Baby, Won\u2019t You Weird Me Out), die Stimmung ist ausgelassen bis mitunter morbid (Worm Farm Waltz). \u201eLeon vs. The Revolution\u201c erkl\u00e4rt, wieso die Melvins in der englischsprachigen Wikipedia als Sludge-Metal-Band bezeichnet werden.\nWoher diese Experimentierfreude? Nun, auf \u201eFreak Puke\u201c spielt unter anderem Bassist Trevor Dunn, der ansonsten mit Mike Patton (Mr. Bungle), John Zorn und \u00e4hnlichen Experimentalmusikern zusammenarbeitete und zusammenarbeitet. An seiner Stelle mussten die regul\u00e4ren Bandmitglieder Jared Warren (Bass) und Coady Willis (zweites Schlagzeug) zu Hause bleiben. Es ist davon auszugehen, dass allein diese Personalie schon gro\u00dfen Einfluss darauf hatte, wie \u201eFreak Puke\u201c klingt.\nDabei sind die Melvins trotz der (hier) klassischen Punkband-Besetzung (Schlagzeug, Bass, Gitarre/Gesang) noch nie eindeutig einem Genre zuzuordnen gewesen. Seit ihrer Gr\u00fcndung 1983 haben sie 21 Studioalben in verschiedenen Besetzungen ver\u00f6ffentlicht, au\u00dfer Buzz Osborne ist von der Originalbesetzung niemand mehr geblieben. Auff\u00e4llig ist allenfalls, dass es in den letzten 29 Jahren \u00fcberwiegend eine solche Triobesetzung gab.\nObwohl sie stilistisch eine eigene Nische besetzen, ist der Einfluss der Melvins auf andere Musikgruppen unverkennbar; unter anderem bezeichnete Kurt Cobain (Nirvana) sie gelegentlich als seine Lieblingsband. (Dass auf \u201eFreak Puke\u201c mit Let Me Roll It auch ein St\u00fcck von Paul McCartney und den Wings gecovert wird, ist schon deshalb ein recht witziger Einfall.)\nGefallen k\u00f6nnte \u201eFreak Puke\u201c allen, die Post-Punk (und eine zahme Version von Mr. Bungle) m\u00f6gen. Wer davon noch nie etwas geh\u00f6rt hat, dem empfehle ich, zun\u00e4chst einmal hineinzuh\u00f6ren.\nH\u00f6rproben:\nMit Ausz\u00fcgen kann Amazon.de aufwarten, via Grooveshark gibt es \u201eFreak Puke\u201c in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren.\nThe Hirsch Effekt \u2013 holon : anamnesis\n\u201eWer sich jetzt noch umdreht, ist selber schuld.\u201c (Anamnesis)\nThe Hirsch Effekt, die ich bereits 2010 einen musikalischen Wahnsinn nannte, nahmen Anfang dieses Jahres ihren Zweitling \u201eholon : anamnesis\u201c (zu Deutsch ungef\u00e4hr \u201eSeiendes: Erinnerung\u201c) als Nachfolger von \u201eholon : hiberno\u201c (zu Deutsch sicherlich auch irgendetwas) auf, der Ende August schlie\u00dflich offiziell erschien. Die VISIONS (Nr. 234) mag dieses Album und ich mag es trotzdem auch.\nVerglichen mit dem Deb\u00fctalbum hat sich nur wenig ver\u00e4ndert. Die Stilvielfalt, der hektische Wechsel zwischen Klassik und METAL \\m/ haut den erfahrenen The-Hirsch-Effekt-H\u00f6rer nicht mehr \u00fcberrascht vom Stuhl, was ein bisschen schade ist, denn vorliegendes Album ist, was man so leicht verkennt, quasi der ultimative rockende Wolpertinger.\nDie Zahl der Gastmusiker ist nochmals gestiegen, ich z\u00e4hle 32 (verglichen mit den 17 vom Deb\u00fctalbum, auf dem allerdings auch der Kammerchor Hannover mitwirkte). Zu diesen Gastmusikern geh\u00f6rt auch Tobias Lietz von Caleya, mit denen The Hirsch Effekt gelegentlich gemeinsam musizierten und 2010 unter dem Titel \u201eApog\u00e6um / Perig\u00e6um\u201c eines dieser neumodischen Split-EPs ver\u00f6ffentlichten und deren Album \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c (produziert von Nils Wittrock, S\u00e4nger und Gitarrist bei The Hirsch Effekt) ich 2011 empfahl. Tobias Lietz steuert Gesang bei, aber das macht nichts.\nMit Kammermusik beginnt das Album: Anamnesis haut dem H\u00f6rer nicht gleich die volle Breitseite \u00fcber den Sch\u00e4del, sondern ist eine beinahe sanfte Einleitung in das zweite St\u00fcck Limerent. Der \u00dcbergang ist flie\u00dfend. Die neun St\u00fccke sind trotzdem neun St\u00fccke, weil zwischen dem brachialen Mara und dem beeindruckenden Indie-Rock-St\u00fcck Irrath eine opernhafte Choralpassage mit Soprans\u00e4ngerin, Tenor, Bass und Countertenor eingeschoben ist, die in den liner notes zwar keinen eigenen Namen hat, aber als \u201eTeil dazwischen\u201c bezeichnet wird. Irre, nicht nur wegen des ungew\u00f6hnlichen Musikstils.\nGesungen wird weiterhin \u2013 mit Ausnahme des Satzes What took you so long? in Limerent, bei dessen Lesen ich umgehend an den gleichnamigen Popquatsch von Emma Bunton, dem ehemaligen ehemaligen Spice Girl, dachte, was zeigt, dass MTV meine fr\u00fche Jugend nachhaltig verdorben hat; aber zur\u00fcck zu The Hirsch Effekt \u2013 auf Deutsch. Ob man von Gesang sprechen sollte? Nils Wittrock kann zwar auch harmonisch, aber er bevorzugt Wildheit. Von Banausen oft gescholtenes Geschrei fehlt hier wie schon auf dem Deb\u00fct nicht, ist allerdings jedenfalls f\u00fcr mich nicht als Ausdruck von Gef\u00e4hrlichkeit \u2013 \u201eraaah, wir sind so b\u00f6se!\u201c \u2013 zu erkennen, sondern als Parodie auf ein ganzes Genre. Wo es passt, wird auch schon mal Aggression herausgebr\u00fcllt. Der Titel Ira (lateinisch \u201eZorn\u201c) tr\u00e4gt seinen Namen nicht zu Unrecht.\nApropos: Die Texte sind gewohnt klasse. Es geht wie schon bisher vor allem um ungl\u00fcckliche Liebe, was ja nicht schlimm ist, wenn man es in Worte und vor allem Melodien kleidet, aus denen nicht der Schmalz trieft. Obwohl die Metapher vom \u201eKotzen vor Gl\u00fccklichsein\u201c nochmals aufgegriffen wird, kann man sich \u00fcber mangelnde Kreativit\u00e4t offensichtlich nicht beklagen: Was ist schon der Tod im Verh\u00e4ltnis zu dir und der Kunst, die Gelassenheit, die mir so fehlt, zu haben? (Agitation)\nThe Hirsch Effekt betreiben hier nicht nur Denkmalpflege, sie entwickeln ihren Stil konsequent weiter. Zwar ist der \u00dcberraschungseffekt auf dem zweiten Album verflogen, daf\u00fcr wurde der bekannte Stil verfeinert. Die Arrangements, die die Musik begleiten, sind erstklassig. Das abschlie\u00dfende Datorie r\u00fchrt mit der Kombination aus Streichern und Text (Und das, was mir hier so fehlt, / ist ganz bestimmt nicht billig, / sonst w\u00e4rst du ja noch hier) zu Tr\u00e4nen. Das St\u00fcck steigert sich \u2013 das wird allm\u00e4hlich zur Gewohnheit auf Musikalben \u2013 in eine leicht schr\u00e4ge Klimax mit zur Wut gesteigertem Gesang, und das Album ist beinahe aus.\n\u201eholon : anamnesis\u201c ist keine Stagnation auf hohem Niveau. Es wird nicht stagniert, es wird poliert. Man bewundere den Feinschliff ehrf\u00fcrchtig und labe sich an diesem Album.\nH\u00f6rproben:\nWer glaubt, dass ihm 30 Sekunden gen\u00fcgen, der m\u00f6ge auf Amazon.de in das Album hineinh\u00f6ren.\nDinosaur Jr. \u2013 I Bet on Sky\n\u201eI\u2019ve been left with a bad taste now can you see it\u201c (See it on your side)\nDinosaur Jr. (das \u201eJr.\u201c h\u00e4ngten sie kurz nach ihrer Gr\u00fcndung Mitte der 1980-er Jahre an ihren Namen, um eine \u00e4ltere Hippieband namens Dinosaurs zu \u00e4rgern) sind schon eine ganze Weile im Gesch\u00e4ft. Alle drei am Deb\u00fctalbum \u201eDinosaur Jr.\u201c (1985) beteiligten Musiker sind noch beziehungsweise wieder Mitglied der Gruppe. Die sieben Jahre Auszeit, die sich Dinosaur Jr. von 1998 bis 2005 nahmen, hat ihnen sichtlich und vor allem h\u00f6rlich gut getan.\nZu h\u00f6ren ist erdiger Bluesrock mit Einsprengseln von Alternative, Noise und Punk. (\u201ePunk ist tot\u201c ist tot.) J\u00f6rn Schl\u00fcter (\u201eRolling Stone\u201c) schreibt ein wenig differenzierter:\n[D]ie Band insgesamt bei ihren Leisten: schwankende Midtempo-Hardrocker mit Black-Sabbath-Riffs, d\u00fcnn-gebrochener Gesang, schmatzende Crazy-Horse-Soli, ultratraurige, im Gitarreninferno versenkte Popschmachter und pumpende Punkrock-Explosionen.\nUnd immer diese Texte: Caring is rude / and nature is cruel (Rude). Zuversichtlich ist hier nichts. Der Protagonist s\u00e4mtlicher Texte ist zumeist zynisch-deprimiert und hoffnungslos. Can you help me along with things?, fragt er in Stick a toe in und wartet gar nicht erst auf eine Antwort. M\u00f6ge der Himmel helfen.\n\u201eI Bet on Sky\u201c. Wer nicht auf Texte achtet, den d\u00fcrfte dieses Album in Feierstimmung versetzen, wer es tut, dem k\u00f6nnte es ein tr\u00f6stender Begleiter sein: Schau, anderen geht\u2019s auch nicht besser. Die Musik jedenfalls ist Rock, wie ich ihn dieses Jahr leider viel zu selten geh\u00f6rt habe. Und von guter Rockmusik kann man nie genug haben.\nH\u00f6rproben:\nHalbmin\u00fctig darf auf Amazon.de, komplett auf Grooveshark.com reingeh\u00f6rt werden.\nThe Flower Kings \u2013 Banks of Eden\n\u201eIn the center of grief it\u2019s the hour of need, the bell strikes for darker days.\u201c (Pandemonium)\nIn den 1990-er Jahren wuchs das Retro-Prog-Genre, dessen Vertreter sich \u00fcberwiegend auf Yes, Genesis und Gentle Giant berufen, heran zu einem un\u00fcberschaubar wuchernden Gestr\u00fcpp, in dem man sich leicht verfangen konnte. Einige wenige Vertreter (zum Beispiel \u00c4nglag\u00e5rd, Beardfish und die oben bereits erw\u00e4hnten echolyn) schafften es, sich mit einem eigenst\u00e4ndigen Stil aus der Masse positiv abzuheben, einige andere gingen gl\u00fccklicherweise unter.\nUnd dann sind da noch die Flower Kings.\nVon den Flower Kings halte ich nicht mehr als n\u00f6tig. Gr\u00fcnder Roine Stolt kann man zugutehalten, dass er zumindest den Progressive Rock noch aus erster Hand kennt, immerhin war er in den 1970-er Jahren (und nochmals vor wenigen Jahren) in der schwedischen Band Kaipa aktiv. Dass Kaipa seit ihrer Reformierung im Jahr 2000 wie die Flower Kings klingen, ist eine ironische Fu\u00dfnote. Roine Stolt ist sozusagen der schwedische Billy Sherwood: Sobald er beteiligt ist, klingt alles nach Roine Stolt. (Dass ich das, was Roine Stolt tut, grunds\u00e4tzlich musikalisch besser finde als das, was Billy Sherwood tut, sollte dieser Aussage zumindest beigef\u00fcgt werden.)\nMein pers\u00f6nliches Problem mit den Flower Kings ist die Beliebigkeit, mit der sie agieren. Nat\u00fcrlich ist das, was sie auf ihren Alben zu Geh\u00f6r bringen, handwerklich gut, aber es klingt eben immer irgendwie gleich. Man stelle sich vor, Genesis ohne Phil Collins und mit Steve Hackett w\u00fcrden vierzig Jahre sp\u00e4ter gemeinsam musizieren. Das sind die Flower Kings. (Wer jetzt, wie ich, das Gummib\u00e4renlied im Kopf hat: Selbst schuld.)\nVor diesem Hintergrund ist \u201eBanks of Eden\u201c nicht mal schlecht. Dass es au\u00dfer der normalen Ein-CD-Version auch ein Doppelalbum gibt, das au\u00dfer ein wenig mehr Musik auch ein Interview mit den Musikern zur Entstehung des Albums beinhaltet, sei mal verziehen, gerade im Progressive-Rock-Sektor werden Einzel-CDs heutzutage schon fast als Rarit\u00e4t betrachtet. (Der geneigte Musikfreund \u00e4rgert sich ein wenig dar\u00fcber, dass Plattenfirmen das vor vierzig Jahren anders gesehen haben.) Man muss es ja nicht gleich \u00fcbertreiben wie King Crimson, deren \u201eLarks\u2018 Tongues in Aspic\u201c in diesem Jahr auf 13 (dreizehn!) CDs, 1 DVD-Audio und 1 Blu-Ray-Scheibe (macht 15 Scheiben insgesamt) neu aufgelegt wurde. Aber wir schweifen ab.\nDas Album selbst \u2013 die Einzel-CD-Version \u2013 hat eine Spielzeit von 53:25 Minuten und ist damit durchaus l\u00e4nger als das durchschnittliche Album heutzutage. Das k\u00f6nnte zwar reichlich eint\u00f6nig werden, aber die Chance, dass doch noch irgendwas Herausragendes passiert, ist auf l\u00e4ngeren Alben bekanntlich gr\u00f6\u00dfer als auf k\u00fcrzeren. Und tats\u00e4chlich: Obwohl \u201eBanks of Eden\u201c gelegentlich aus altbekanntem AOR in unauff\u00e4lligen Takten besteht, gibt es doch die Aha-Momente; vielleicht h\u00e4ufiger als auf den meisten vorherigen Flower-Kings-Alben.\nSo ein Moment ist etwa For The Love Of Gold, in dem die Musiker sich alle M\u00fche geben, ihr zweites gro\u00dfes Vorbild Yes ausf\u00fchrlich zu w\u00fcrdigen. Das markante Bassspiel Chris Squires fehlt zwar auch weiterhin, aber selten waren die Flower Kings so weit entfernt vom immergleichen Stadionrock. Mit Numbers (25:20 Minuten) gibt es auch wieder \u2013 wie f\u00fcr die Flower Kings \u00fcblich, diese Marotte haben sie ebenfalls bei ihren Vorbildern abgeschaut \u2013 einen longtrack zu h\u00f6ren. Ich wage zu behaupten: Wer Yes und Genesis mag und auch nichts gegen etwas weniger falsettierten Gesang einzuwenden hat, dem gef\u00e4llt \u201eBanks of Eden\u201c ebenfalls. Und dann wird er sich alles andere kaufen, was die Flower Kings bisher ver\u00f6ffentlicht haben, und dem Rest dieser Liste keine Aufmerksamkeit mehr widmen, weil das so lange dauert und er es danach vergessen haben wird. Schade. Ich hoffe, das geht nicht vielen so. \u00dcbrigens haben Kaipa in diesem Jahr mit \u201eVittjar\u201c ebenfalls ein neues Album herausbringen lassen, das ich nicht unerw\u00e4hnt lassen m\u00f6chte.\nIch mag Genesis ohne Phil Collins.\nH\u00f6rproben:\nIn alle Musikst\u00fccke von beiden (!) CDs kann man unter anderem auf Amazon.de hineinh\u00f6ren.\nNeneh Cherry &amp; The Thing \u2013 The Cherry Thing\n\u201eKeep those dreams burnin\u2018 forever\u201c (Dream Baby Dream)\nNeneh Cherry ist halbgeschwisterlich mit Eagle-Eye Cherry (Save Tonight) verwandt und hat 1994 gemeinsam mit dem mir gleichfalls erfreulich unbekannten Youssou N\u2019Dour die grauenvolle Single 7 Seconds aufgenommen und/oder ver\u00f6ffentlichen lassen, die im Radio eine Zeitlang rauf und runter lief.\nHat euch das abgeschreckt? Das ist bedauerlich! Hier n\u00e4mlich ist Neneh Cherry ausnahmsweise nicht mit irgendeinem schlechten Popmusiker zusammen zu h\u00f6ren, sondern mit dem skandinavischen Free-Jazz-Trio The Thing, deren Mitglieder (Paal Nilssen-Love, Mats Gustafsson und Ingebrigt H\u00e5ker Flaten) in diesem Genre allesamt keine Unbekannten sind. Free Jazz \u2013 ich erkl\u00e4re es kurz \u2013 ist das, was eure Eltern \u201eMACH DEN MIST AUS!\u201c nennen.\nDiese Wandlung ist nur wenig \u00fcberraschend, Neneh Cherrys Stiefvater Don Cherry war ein dem Vernehmen nach nicht untalentierter und nicht unbekannter Free-Jazz-Trompeter. Konsequenterweise ist auf \u201eThe Cherry Thing\u201c nur wenig Pop zu h\u00f6ren, stattdessen wird ein so freier Jazz gespielt, dass auch RIO/Avant-Freunde wie ich auf ihre Kosten kommen. Wer Jazz zu langweilig findet, der k\u00f6nnte \u201eThe Cherry Thing\u201c trotzdem \u2013 oder erst recht \u2013 m\u00f6gen. Von \u201ekontrolliertem Chaos\u201c ist im Internet die Rede. Der geneigte Musikfreund vernimmt zudem \u2013 und sei\u2019s nur die Instrumentierung \u2013 Erinnerungen an die l\u00e4ngst legend\u00e4re und viel zu fr\u00fch aufgel\u00f6ste Slow-Rock-Gruppe Morphine, die die Jugend heutzutage nat\u00fcrlich auch l\u00e4ngst nicht mehr kennt. Das ist \u00e4rgerlich.\nBen Hiltrop beschreibt\u2019s so:\nZwar brechen The Thing gerne in typisches Jazz-Gefrickel aus und scheinen unkontrolliert ihre Instrumente zu maltr\u00e4tieren, doch in den genau richtigen Momenten z\u00fcgeln sie ihre Spielfreude, um ihrer Frontfrau wieder ein angemessenes Sound-Bett zu garantieren. (\u2026) [D]ie Fusion aus einem Jazz-Grundger\u00fcst und der Attit\u00fcde einer Bristol-TripHop-Platte ist derzeit einmalig.\nDie Kombination aus dem r\u00fccksichtslosen L\u00e4rm, den The Thing seit jeher einem meist begeisterten Publikum servieren, und dem Avant-Pop und Trip-Hop, den Neneh Cherry au\u00dferhalb ihrer Chartskarriere \u00fcblicherweise ver\u00f6ffentlicht, ergibt eine ziemlich einzigartige Mischung. Dabei st\u00f6rt auch nicht, dass sechs der acht St\u00fccke Coverversionen (darunter auch Golden Heart von Don Cherry) sind, denn die beteiligten Musiker beschr\u00e4nken sich nicht auf blo\u00dfes Nachspielen. \u201eThe Cherry Thing\u201c klingt wie aus einem Guss, der Charakter der Musik von sowohl The Thing als auch Neneh Cherry pr\u00e4gt quasi jeden Takt. So wenig ich auch von Jazz verstehe: Im Jazz-Umfeld ist dies hier eindeutig meine Platte des Jahres.\n\u201eThe Cherry Thing\u201c. Das Kind in mir lacht sich kaputt.\nH\u00f6rproben:\nIch bezweifle, dass blo\u00dfes Anspielen einzelner St\u00fccke gen\u00fcgt, um diesem Album gerecht zu werden. Wer\u2019s denn unbedingt m\u00f6chte, der wird zum Beispiel auf Amazon.de f\u00fcndig.\nBarberos \u2013 OOO\n\u201eOOO\u201c. Bisweilen auch \u201e000\u201c genannt. Soso. Was kann bei so einem Titel schon schiefgehen?\nDen Musikfreund wird\u2019s vielleicht freuen, dass \u201eOOO\u201c \u2013 in einer Auflage von vorerst 500 Exemplaren \u2013 nur als Vinyl und Download verf\u00fcgbar ist. Das ist sch\u00f6n, mein CD-Schrank ist n\u00e4mlich bereits voll genug. Zeit, einen Vinylschrank zu kaufen. Das Coverbild sollte man auch im Gro\u00dfformat gut finden k\u00f6nnen: Drei von Fernrohren durchsto\u00dfene Sch\u00e4del mit W\u00fcrmern und \u00e4hnlichem Inhalt. Interessant. (Sch\u00e4del, immerhin, sind hier nicht v\u00f6llig verkehrt: Barberos sind in der spanischen Sprache schlicht Friseure.)\nBeteiligt sind dann auch exakt drei mir namentlich unbekannte Musiker, n\u00e4mlich zwei Schlagzeuger und einer, der f\u00fcr diverse Tasteninstrumente (Synthesizer, Keyboards und dergleichen) zust\u00e4ndig ist. Das Ergebnis ist interessante (instrumentale) Polyrhythmik. In ihrer Selbstbeschreibung finden die Musiker ihr B\u00fchnenspiel beinahe interessanter als die eigentliche Musik:\nBarberos infuse elements of jazz, noise, dub, breakcore and prog, framed in heart racing theatrics using costume and projections to communicate their joyful danceable musings to their ever widening audience.\nDas ist ziemlich gut und ziemlich schr\u00e4g. Wer RIO/Avant mag, dem sei\u2019s ebenso w\u00e4rmstens empfohlen wie denen, die \u201e\u00bb\u201c von Beak&gt; (siehe oben) m\u00f6gen; die elektronischen Spielereien mit monotonen Mustern (etwa in \u201eHot Squash\u201c) sind selbigem recht \u00e4hnlich, wenngleich wegen der zwei Schlagzeuger deutlich mehr rhythmusfixiert.\nWas trotzdem ein bisschen fehlt, ist Gesang. Der w\u00fcrde \u201eOOO\u201c zwar zus\u00e4tzlich abrunden, weigert sich jedoch partout, hier zu erscheinen. Nichtsdestoweniger ist das joyful danceable musing ausreichend prima, um hier aufgef\u00fchrt zu werden. Ich mache das hier ja nicht zum ersten Mal und behaupte daher, dass das ein positives Qualit\u00e4tskriterium ist.\nH\u00f6rproben:\n\u201eOOO\u201c gibt es zum Streamen und Kaufen per Bandcamp als Komplettpaket.\nStolen Babies \u2013 Naught\n\u201eAll the things I think when I am weak are killing me.\u201c (Swimming Hole)\nApropos schr\u00e4g; Auch die Stolen Babies melden sich mit einem neuen Album zur\u00fcck.\nSeit ich im Jahr 2007 erstmals \u00fcber diese Musikgruppe berichtete, war nur mehr wenig von ihnen zu h\u00f6ren. Das lange angek\u00fcndigte zweite Album wurde immer wieder verschoben, es wurden lediglich nacheinander die Lieder Grubbery und Splatter ver\u00f6ffentlicht. Das war sch\u00f6n, denn so konnte man sehen, dass man noch mit den Stolen Babies rechnen konnte.\nNun erschien also \u201eNaught\u201c. Es zu bekommen erwies sich als trickreich: Die Plattenfirma liefert nicht nach Deutschland, Amazon hat den Liefertermin nach Erscheinen erst mal zwei Wochen nach hinten geschoben. Letztendlich konnte ich mittels heimlicher Kontaktierung finsterer Gestalten (und \u00fcber den Amazon-\u201eMarktplatz\u201c) doch noch schnell ein Exemplar ergattern. Mein Fazit: Nun ja.\nVielleicht hat mich der Genuss allerlei schr\u00e4ger Musik in den letzten Jahren \u2013 etwa der oben erw\u00e4hnten Sebkha-Chott \u2013 ein wenig taub gemacht f\u00fcr die eigentliche Radikalit\u00e4t der Musik auf \u201eNaught\u201c, vielleicht ist der Oha-Effekt des Deb\u00fctalbums nach f\u00fcnf Jahren auch einfach nur verflogen; vom Hocker haut mich das hier Dargebotene jedenfalls nicht.\nDas soll keinesfalls bedeuten, dass selbiges irgendwie schlecht w\u00e4re. Die Stolen Babies bleiben sich treu und spielen eine eigenartige Mischung aus Thrash und Metal und Gothic und Zirkus, dass es eigentlich eine wahre Freude ist. Frontfrau und Akkordeonistin Dominique Lenore Persi (mit dem Namen kann man eigentlich kaum etwas anderes werden als K\u00fcnstlerin) tr\u00e4gt dazu ihre bekannten, mitunter rasanten Wechsel zwischen verf\u00fchrerischem S\u00e4useln und quasi teuflischem Schreien bei. Stagnation auf hohem Niveau sozusagen. F\u00fcr Ohrw\u00fcrmer ist jedenfalls auch wieder gesorgt. Allein schon Splatter ist ziemlich spitze und verbleibt f\u00fcr eine Weile im Ged\u00e4chtnis.\nBeinahe understatement zeigt das artwork diesmal. Keine Feuer, keine Monster, keine rennenden Kinder \u2013 \u201eNaught\u201c wird verziert von einer ruhigen Comiclandschaft mit einem rosa Schaf. Klappt man das Album jedoch auf, entfaltet sich eine ganz andere Landschaft:\n\nDas spielt eindrucksvoll mit der Erwartungshaltung des H\u00f6rers, der sich dann mit Texten wie diesem konfrontiert sieht (Dried Moat): No one ever gets outside without losing part of their life.\nDa ist sie wieder, die Tim-Burton-Atmosph\u00e4re. Wer das Deb\u00fctalbum mag, der sollte \u201eNaught\u201c l\u00e4ngst haben; wer beide Alben noch nicht kannte, der sollte das schleunigst nachholen. Die Stolen Babies sind eine dieser Musikgruppen, die man entweder mag oder nicht mag. Ich mag sie, und ihr solltet das auch tun.\nH\u00f6rproben:\nAls ich mit dieser R\u00fcckschau begann, gab es noch manchen offiziellen Stream f\u00fcr \u201eNaught\u201c. Inzwischen ist Grooveshark eine der wenigen verbliebenen legalen, verl\u00e4sslichen Quellen.\nSH.TG.N\nNoch mal zur\u00fcck zum guten, alten (beziehungsweise in diesem Fall neuen) RIO/Avant. SH.TG.N (sprich wahrscheinlich: Shotgun, erg\u00e4nze also: O/U) kommen aus Belgien. Die sechs Musiker vereint gem\u00e4\u00df eigener Aussage eine Faszination f\u00fcr Frank Zappa, Dillinger Escape Plan, Naked City und James Last. Ungef\u00e4hr so muss man sich das Deb\u00fctalbum \u2013 l\u00e4sst man das selbstproduzierte Livealbum von 2011 unber\u00fccksichtigt \u2013 auch vorstellen. Hat es eigentlich einen Namen, hei\u00dft es wie die Musikgruppe selbst? Das ist zumindest mir bisher nicht ganz klar.\nDas Coverbild ist bemerkenswert: Unter B\u00e4umen, an denen jemand Tiere (eine Gans, einen Hasen und diverse andere) aufgeh\u00e4ngt hat, tanzen zwei (vermutlich) Frauen mit Totensch\u00e4deln anstelle ihrer K\u00f6pfe. Nein, fr\u00f6hlichen, beschwingten Pop braucht hier schon mal keiner zu erwarten. Auff\u00e4llig ist auch die Besetzungsliste: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang und ein Vibraphon werden aufgef\u00fchrt. Dass das Vibraphon ein Instrument ist, das bei allzu freif\u00f6rmiger Musik oft untergeht, ist eine berechtigte Bef\u00fcrchtung, die hier jedoch nicht notwendig ist.\nDie Band selbst nennt ihren Stil \u201epsychotischen zeitgen\u00f6ssischen pomp\u00f6sen Heavy Metal\u201c. Der Pressetext wird etwas pr\u00e4ziser und umschreibt das Tun von SH.TG.N als Konzentration der dunklen, gewaltsamen Energie des Metal mit den fordernden und aufregenden Strukturen zeitgen\u00f6ssischer Musik und der Freiheit des Jazz. Jazz? Finde ich gut. Sollte irgendjemand von euch, liebe Leser, Jazz mit \u00f6dem Getr\u00f6te (zum Beispiel Miles Davis) gleichsetzen, dann hat er obige Rezension zu \u201eThe Cherry Thing\u201c anscheinend auch noch nicht gelesen und sollte sich von mir an dieser Stelle gescholten f\u00fchlen.\nS\u00e4nger Mikrofonbediener Fulco Ottervanger klingt gelegentlich (Camera Obscura) nach Toby Hoffmann (Ira!), gelegentlich auch nach einem dieser heutigen Hard-Rock-Shouter (ist das \u00fcberhaupt ein Wort?), und versucht gar nicht erst, Wohlklang zu erzeugen. Er schreit, kreischt und br\u00fcllt \u00fcber die alles andere als gradlinige Instrumentalbasis einfach hinweg, was interessanterweise nicht mal als unpassend wahrgenommen wird. Je vertrackter die Musik, desto vertrackter die Vokalakrobatik. H\u00f6rbare Einfl\u00fcsse? Jello Biafra, Frank Zappa, eine Schl\u00e4gerei. \u201eEs geht hier um alles andere als massentaugliche Musik\u201c schreibt \u201eMP\u201c auf Rezensator.de wie zur Warnung. Aber ist die wirklich notwendig?\nTrotz all der Verworrenheit hat das Album, wie auch immer es nun hei\u00dfen mag, den \u201eTipp des Monats November 2012\u201c auf den ausreichend renommierten Babyblauen Seiten erringen k\u00f6nnen. Diesem Tipp m\u00f6chte ich mich vorbehaltlos anschlie\u00dfen.\nH\u00f6rproben:\nDie Website der Belgier ist voll von solchen, nicht nur auf dieses Album beschr\u00e4nkt. Man mache reichlich Gebrauch davon.\nToy\nUnd noch ein Album, das eigentlich keinen Titel hat. \u201eSelbstbetitelte\u201c Alben, also solche, die mangels erkennbarem Titel einfach mal den Namen des Interpreten aufgedr\u00fcckt bekommen, sind ja gerade in Mode. (Mit diesem Unsinn angefangen haben meines Wissens 60-er-Jahre-Musiker wie die Beatles mit ihrem \u201ewei\u00dfen Album\u201c, das nun mal schlicht keinen Namen hat; ich lasse mich \u00fcbrigens in jedenfalls diesem Fall gern eines Besseren belehren.)\nWo\u2019s schon an Oberfl\u00e4chlichkeiten fehlt, kommt der Inhalt um so besser zur Geltung. Ziemlich guten Indie-Rock mit New-Wave- und Noiserock-Einfl\u00fcssen spielt das britische Quintett Toy auf seinem Deb\u00fctalbum. Toy sind sozusagen Abtr\u00fcnnige der im letzten Jahrzehnt mehr oder weniger aktiven Londoner Band Joe Lean and the Jing Jang Jong, aus deren angek\u00fcndigtem Album offenbar nichts wurde. Das haben Toy nun nachgeholt. Dabei wird das Andenken an vergangene musikalische Hochzeiten hoch gehalten; ein aktuelles Foto der f\u00fcnf Herren weckt Erinnerungen. Und \u00fcberhaupt: Die Achtziger.\nBereits das erste St\u00fcck Colours Running Out erinnert unsereinen an The Cure, The Smiths, The Raveonettes und \u00e4hnliche Musikgruppen. Das klingt zwar wie schon mal irgendwo geh\u00f6rt, aber keinesfalls schlecht. El Hunt vom Webmagazin DIY schreibt:\nThe sprawling post-rock of My Bloody Valentine is ever-present, hints of Captain Beefheart and the avant-garde rock of Can too. It\u2019s nigh on impossible to listen to this album, in fact, without countless touchstones springing to mind.\nDas soll auch nicht bedeuten, dass Toy keinen eigenen Stil pflegen w\u00fcrden: Bereits das folgende The Reasons Why hat etwas von The Who und den Strokes (und diesem bereits angedeuteten 80-er-Jahre-Stil), klingt aber trotzdem erfrischend modern. Interessant sind die psychedelischen, instrumentalen Zwischenspiele etwa in Dead &amp; Gone, die mich als einen bekennenden Anh\u00e4nger schr\u00e4gen Krautrocks insbesondere davon ablenken, dass der Gesang eher so mittel ist, weil ihm eben die eigenst\u00e4ndige Note fehlt. Diese Ablenkung ist gut, denn so ist das Album noch gut genug, um auf dieser selbstverst\u00e4ndlich unumst\u00f6\u00dflichen Liste zu landen. Genie\u00dft es!\nH\u00f6rproben:\nMomentan (Stand: 15. Dezember 2012) ist das Album auf musicomh.com in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren.\nBroken Water \u2013 Tempest\nSt\u00fcrmische Zeiten f\u00fcr Musikliebhaber: Wie das neue Album von Bob Dylan hei\u00dft auch selbiges von den US-Amerikanern Broken Water. W\u00e4hrend ersterer, Herrn Dylans, Sturm jedoch eher ein laues L\u00fcftchen bleibt, gibt\u2019s von letzterem Trio st\u00fcrmischen Noisepop um die Ohren.\nBroken Water werden im F\u00f6jetong nur allzu gern mit Sonic Youth verglichen. Nat\u00fcrlich, von Vergleichen lebt der Musikschreiberling. Nat\u00fcrlich h\u00f6rt der geneigte Musikfreund \u00fcberall, wo\u2019s noisig scheppert, \u201eGoo\u201c heraus, aber das ist nicht alles. Bei all der Lo-Fi-\u00c4sthetik, die Broken Water pflegen, sind sie n\u00e4mlich doch auch melodi\u00f6s und tats\u00e4chlich beinahe radiotauglich. So weit ist zum Beispiel Paranoid nicht von den allzu mainstreamigen The Cure (in weniger jaulig) entfernt, beziehungsweise eben:\nNoisige Gitarrenw\u00e4nde treffen auf w\u00fctenden Punk auf wundervoll poppige Strukturen, und alles macht (sic!) zusammen Sinn.\nAnders als bei den anderen Noisepopbands kommt hier auch mal ein Mann zu Wort; Jon Hanna, der einzige Mann im Trio und neben Schlagzeugerin Kanako Pooknyw Gr\u00fcnder von Broken Water, \u00fcbernimmt in einigen St\u00fccken den Gesang, in anderen ist eine der beiden Frauen (die zweite ist Bassistin Abigail Ingram) zu h\u00f6ren. In jedem Fall steht er den rauen Eskapaden der Instrumente beinahe als ruhiger Gegenpol gegen\u00fcber, in River Under The River etwa erinnert die betonte L\u00e4ssigkeit von Frau Ingram an die von Lou Reed in seinen jungen Jahren, der sich von aufget\u00fcrmten Gitarren-Feedbackw\u00e4nden auch nicht aus der Ruhe bringen lie\u00df. The Velvet Underground, ohne geht\u2019s eben doch nicht.\nDas alles ist laut und l\u00e4rmend und eing\u00e4ngig und gut und sollte unbedingt mal geh\u00f6rt werden. Das hier ist mehr als hei\u00dfe Luft.\nH\u00f6rproben:\n30 Sekunden gen\u00fcgen? Dann ist Amazon.de eine gute Quelle f\u00fcr\u2019s Reinh\u00f6ren.\nPontiak \u2013 Echo Ono\nDie US-amerikanische Psychedelic-Rock-Band Pontiak \u2013 nicht zu verwechseln mit dem Ottawa-H\u00e4uptling und/oder der Automarke Pontiac \u2013 hatte ich ganz vergessen, bis mir zuf\u00e4llig ihr diesj\u00e4hriges Album \u201eEcho Ono\u201c unterkam. Zu meiner pers\u00f6nlichen Freude hat es mit Yoko Ono so wenig zu tun, dass ich es direkt mal weiterempfehlen m\u00f6chte.\nPontiak wurden 2005 von drei Br\u00fcdern gegr\u00fcndet, die bis heute zusammen spielen. Das ist ja durchaus keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.\nGeplant wurde \u201eEcho Ono\u201c als expressionistisches Album. Die Musik sollte nicht nur Farben malen, sondern Farben sein. \u201eEcho Ono\u201c stellt sozusagen ein Gem\u00e4lde aus Musik dar. W\u00e4hrend die bisherigen Alben eine lose Ansammlung von Liedern waren, die eine Momentaufnahme der jeweiligen Zeit waren, wurde \u201eEcho Ono\u201c konsequenterweise erstmals als vollst\u00e4ndiges Album konzipiert. Tats\u00e4chlich ist das Zusammenspiel, das Ineinandergreifen der einzelnen St\u00fccke hier pr\u00e4senter als gewohnt.\nDer H\u00f6rer wird begr\u00fc\u00dft von Stoner-Rock-Gitarrengewittern. Der Gesang ist angenehm, irgendwo zwischen den Strokes und Mando Diao anzusiedeln, also irgendwie unschei\u00dfe. \u00dcber die ganze L\u00e4nge des Albums hinweg spielt das Trio einen psychedelischen, rhythmischen Indie-Rock, der sich weigert, einem Genre eindeutig zuzuordnen zu sein, was ich schon aus Prinzip ziemlich gut finde. Kleinere L\u00e4ngen (etwa das f\u00fcr mich pers\u00f6nlich v\u00f6llig uninteressante The Expanding Sky, das irgendwo zwischen Aerosmith und den sp\u00e4ten Pink Floyd herumirrt) fallen nicht weiter ins Gewicht.\nMichael Bambas fasst zusammen:\n\u201eEcho Ono\u201c spr\u00fcht vor inspirierter und damit einhergehend auch inspirierender Musik, in der zeitlose Leidenschaft und Lebensgef\u00fchl von unsch\u00e4tzbarem Wert sind; in ungef\u00e4hr derselben Kategorie w\u00e4re dieses Kleinod einzuordnen.\nEtwaige Langeweile kommt gar nicht erst auf, da auch ruhige Passagen immer wieder durch heftige Stoner-Rock-Eruptionen unterbrochen werden. Ein gro\u00dfartiges Album, um Weihnachtsm\u00e4rkte oder \u00e4hnliche Veranstaltungen schadlos zu \u00fcberstehen.\nH\u00f6rproben:\nEntt\u00e4uscht muss ich den geneigten Leser diesmal auf Amazon.com verweisen. Dort gibt es zumindest 30-sek\u00fcndige Ausschnitte aus den Liedern.\n\nDas war es eigentlich schon. Aber ich hatte ja eingangs etwas von einer neuen Liste geschrieben. Ja, es gibt einige gute Musikalben, die in diesem Jahr ver\u00f6ffentlicht wurden und \u00fcber die ich nicht viele Worte verlieren kann oder m\u00f6chte. Nach der bisherigen Vorgehensweise h\u00e4tte ich diese einfach unterschlagen \u2013 das ist nat\u00fcrlich nicht im Sinne dieser R\u00fcckschauen. Also widme ich ihnen einen komplett eigenen Abschnitt. Die einzige Regel: Ein Absatz pro Album muss gen\u00fcgen.\n2. Beachtet auch dies!\n\nGudrun Gut \u2013 Wildlife\nGudrun Gut hat 1980 die Einst\u00fcrzenden Neubauten mitgegr\u00fcndet, die sie kurz darauf wieder verlie\u00df, 1981 dann Malaria!, die irgendwas \u00fcber kaltes, klares Wasser zum Besten gegeben haben. \u201eWildlife\u201c \u2013 31 bzw. 32 Jahre sp\u00e4ter \u2013 klingt immer noch genau so: Elektronisches Geschepper, Minimalismus, ein Tina-Turner-Cover (Simply The Best), Instrumentales, Besungenes. Wer die \u201eNeubauten\u201c und/oder Faust mag, der m\u00f6ge hier mal reinh\u00f6ren.\nKayo Dot \u2013 Gamma Knife\nDie R\u00fcckkehr von maudlin of the Well vor einigen Jahren blieb wohl leider auf das Album \u201epart the Second\u201c (ich berichtete) beschr\u00e4nkt. Toby Driver konzentriert sich nunmehr wieder auf deren mehr oder weniger offizielle Nachfolgeband Kayo Dot. Vom beh\u00e4bigen Anfang mit bedrohlichen Glockenkl\u00e4ngen und Choralgesang (Lethe) sollte man sich nicht t\u00e4uschen lassen: Es folgt ziemlich experimenteller Doom-Metal-Avant-Indie-Poprock oder wie auch immer man das zu nennen beliebt. Die Kehrseite? Das Album dauert nur eine halbe Stunde. Aber die ist keinesfalls verschwendete Zeit.\nPeriphery \u2013 Periphery II: This Time It\u2019s Personal\nPeriphery \u2013 nie geh\u00f6rt? Das Deb\u00fct von 2010 war eines der ersten herausragenden Alben, die das Metal-Subgenre Djent begr\u00fcndeten; Vorreiter waren, glaubt man der englischsprachigen Wikipedia, die Schweden Meshuggah. Angeblich beschwerten sich jedoch zu viele H\u00f6rer \u00fcber den etwas zu sterilen Klang, dem Periphery in der Folge den Garaus gemacht haben. Dieses Mal ist es etwas Pers\u00f6nliches. In einem Begriff: Verfrickelter Br\u00fcllmetal. Ein Album f\u00fcr den Freitagabend und das ganze Wochenende hindurch. Nur der Montag wird einem dann missfallen.\nAlberta Cross \u2013 Songs of Patience\n\u201eAlberta Cross\u201c ist angeblich als Anagramm von \u201eScab Realtors\u201c, \u201eKrustenmakler\u201c, entstanden. Das klingt ziemlich bl\u00f6de und vor allem nach Metal. Ich bitte die geneigte H\u00f6rerschar zu entschuldigen, dass trotzdem kein Metal zu h\u00f6ren ist. Stattdessen: Viel Portugal. The Man, ein wenig Sigur R\u00f3s, ein wenig Red Hot Chili Peppers, viel zu selten auch ein wenig \u2026 Trail of Dead. Herausragend und h\u00f6renswert ist ausnahmsweise auch der Gesang. Wer erw\u00e4hnte Musikgruppen mag, ist hier nicht v\u00f6llig verkehrt.\n\n\u201eAber\u2026 aber wer soll sich denn all diese tolle Musik leisten k\u00f6nnen?\u201c fragt ihr jetzt vielleicht. Nun, keine Sorge, auch an den kleinen Geldbeutel (n\u00e4mlich meinen) wurde gedacht; das Jahr 2012 brachte auch so manches vorz\u00fcgliches Musikalbum mit sich, das euch auch ohne so Tauschb\u00f6rsen keinen Aufpreis abverlangt, unter anderem diese:\n3. Saugt nun dies!\n\nThe Echelon Effect \u2013 Field Recordings\nThe Echelon Effect sind in letzter Zeit h\u00e4ufige G\u00e4ste in meinen R\u00fcckschauen, zuletzt im Dezember 2011. Nachdem alle vier Jahreszeiten ihr/ eigene/n/s EP bekommen haben, gibt es wieder ein richtiges Album. Das geht immer schnell im Hause The Echelon Effect.\nDiesmal ging es noch schneller als geplant, denn die Ver\u00f6ffentlichung von \u201eField Recordings\u201c wurde vorgezogen, um die Verbreitung von Bootlegs einzud\u00e4mmen. Das Duo (Multiinstrumentalist Dave Wolters bekam beim Einspielen der Schlagzeugspuren Unterst\u00fctzung von Steve Tanton) scheint inzwischen recht beliebt zu sein.\nZu h\u00f6ren gibt es gewohnt gute ambiente Elektronikkl\u00e4nge, malerische Landschaften, keinen Gesang. Instrumentale soundscapes ohne viel Drumherum. \u201eField Recordings\u201c ist Begleitmusik f\u00fcr Tagtr\u00e4ume und lange Winterabende.\n\u201eThis album is about flying\u201c steht auf der Bandcamp-Seite zum Album. Eigentlich ist damit alles gesagt.\nRunterholen:\nAuf Bandcamp.com gibt\u2019s den kompletten Stream und eine Kaufm\u00f6glichkeit (ab 0 Euro), alternativ hilft das gute alte eMule weiter.\nwhen whales collide \u2013 By Default\nwhen whales collide. Postrock aus Kalifornien. Der Name passt so gut wie sonst nur wenig:\nWenn Wale kollidieren, ganz es ganz sch\u00f6n krachen. Nach diesem ungl\u00fcckseligen Szenario hat sich das Quartet When Whales Collide aus San Diego, Kalifornien benannt. Und sie lassen es dementsprechen ordentlich scheppern. Auf einem Fundament aus ambienten Post-Rock werden die Songs ziemlich l\u00e4ssig mit Metal und Hardcore unterf\u00fcttert. Gesungen wird auch. Und das sehr ordentlich.\nNach dem/der EP namens \u201e.ep\u201c (Februar) wurde \u201eBy Default\u201c im September 2012 ver\u00f6ffentlicht. Fast 28 Minuten dauert der Spa\u00df. Ist das schon ein Album? Egal. Einfl\u00fcsse gibt das Quartett nicht bekannt, ich tippe unter anderem auf Mogwai und God Is An Astronaut.\nRunterholen:\nPer Bandcamp kann man \u201eBy Default\u201c h\u00f6ren und (ab 0 Euro) kaufen, auch auf physischem Tontr\u00e4ger mit h\u00fcbschem Coverbild, ansonsten hilft das Maultier weiter.\nRh\u00fan \u2013 \u00cfh\nErst vor wenigen Tagen, am 14. Dezember 2012, erblickte \u201e\u00cfh\u201c das Licht der Welt. \u201eIiih\u201c. Ach Quatsch. Der Buchstabe \u201e\u00cf\u201c sollte doch schon klarmachen, wohin das L\u00f6ffeltier hoppelt. \u201e\u00cfh\u201c ist (nat\u00fcrlich franz\u00f6sischer) Zeuhl, wie er sein muss. Mit etwas mehr als 21 Minuten Laufzeit liegt hier zwar mal wieder \u201enur\u201c ein/e EP vor, aber das sollte nicht st\u00f6ren.\n\u201e\u00cfh\u201c ist dabei nach der 2009er Demo-CD \u201eFanfare du Chaos\u201c sozusagen das Deb\u00fct. Zwei St\u00fccke von \u201eFanfare du Chaos\u201c, n\u00e4mlich Toz und Dunb, wurden hier neu (und besser) aufgenommen, das dritte (das leider nur kurze Kammerrock-St\u00fcck Interlude) ist v\u00f6llig neu. Kammerrock? F\u00fcrwahr: Die \u00fcblichen Bestandteile des Zeuhl werden von Rh\u00fan mittels klassischer Instrumente wie Fl\u00f6te und Oboe um eine interessante Nuance erweitert. Auf \u201e\u00cfh\u201c sind insgesamt neun solcher Instrumente, teilweise eingespielt vom Ensemble Pantagrulair, zu h\u00f6ren.\nFalls irgendwer dachte, Zeuhl m\u00fcsse immer wie die Genrepioniere Magma klingen: Falsch gedacht.\nRunterholen:\nDa Rh\u00fan aus unerfindlichem Grund noch eine Plattenfirma zu fehlen scheint, gibt es \u201e\u00cfh\u201c zurzeit als Stream und freien Download in fast jedem gew\u00fcnschten Format auf Bandcamp.com sowie im FLAC- und MP3-Format per eMule. St\u00f6rt mich nicht. Viel Vergn\u00fcgen!\n\nSo weit zum Positiven. Aber was w\u00e4re so ein Jahr ohne Musikalben, die die Presse unter \u201eMuss man haben\u201c einsortiert, die dem geneigten Musikfreund aber allenfalls ein m\u00fcdes L\u00e4cheln abzuringen verm\u00f6gen?\n4. Verachtet dies!\nDavon gab es auch 2012 mehr als im Juni beschrieben, zum Beispiel diese hier (wie gewohnt ohne allzu viele Worte dar\u00fcber zu verlieren):\n\nGekko Project \u2013 Electric Forest\nTrotz Vergleichen mit Camel: Die guten Melodien werden in elektronischem Blubbern ertr\u00e4nkt. Schade.\nStabat Akish \u2013 Nebulos\nDer Beweis, dass Jazzrock/RIO auch schrecklich langweilig sein kann.\nThe xx \u2013 Coexist\nDer Titel des Albums sagt es bereits: Belangloser Sch\u00f6ngeistpop, der niemandem wehtut.\nBarock Project \u2013 Coffee In Neuk\u00f6lln\nEs ist bedauerlich, dass an sich gute Retro-Prog-Bands fast immer einen unauff\u00e4lligen Durchschnittss\u00e4nger engagieren. Auch diese.\nBetween The Buried And Me \u2013 The Parallax II: Future Sequence\nQueen, Spock\u2019s Beard, The Beatles, Metal mit l\u00e4cherlich wirkendem Klischee-Growling. Einzeln nett, aber zusammen eigentlich nur verwirrend.\n\nUnd sonst? Klar, die Reise in die Vergangenheit steht noch an, 40 Jahre zur\u00fcck und was dann folgte. Wie schnell sich die Musikwelt wandelt, kann nur wenig besser offenbaren als ein \u00dcberblick \u00fcber musikalische Entwicklungen im Schnelldurchlauf.\nBeginnen wir mit 1972:\n5. Erinnert euch an dies!\n\nVor 40 Jahren:\nRoxy Music \u2013 Roxy Music\n1972. Die Musikwelt hat schon schlimmere Jahre erlebt. Das Hard-Rock-Quintett Bang eiferte auf \u201eMother\u201c Black Sabbath nach, Gentle Giant ver\u00f6ffentlichten in rascher Folge \u201eThree Friends\u201c und das Weg weisende \u201eOctopus\u201c, das eine Vielzahl an Musikgruppen nachhaltig beeinflussen sollte. Kunstlehrer Bryan Ferry hatte unterdessen bereits ein Jahr zuvor zusammen mit Freunden und Freundesfreunden (unter anderem Brian Eno) die Musikgruppe Roxy Music \u2013 eine Gruppe namens Roxy gab es bereits \u2013 ins Leben gerufen. Peter Sinfield, bis zum 1971 erschienenen \u201eIslands\u201c f\u00fcr Texte, Produktion und Beleuchtung zust\u00e4ndiges Mitglied von King Crimson, \u00fcbernahm die Rolle des Produzenten f\u00fcr das Deb\u00fctalbum. Auf dem Coverbild r\u00e4kelt sich Model Kari-Ann Muller, die Roxy-Music-Tradition von anz\u00fcglichen Plattencovern wurde damit also begr\u00fcndet. Bereits das er\u00f6ffnende \u201eRe-Make/Re-Model\u201c sollte man mal geh\u00f6rt haben. Der Artrock, den Roxy Music hier spielen, ist bereits eine ziemlich ausgereifte Variante dessen, was die folgenden Alben bringen sollten. Dass Brian Eno sich nach den Aufnahmen zum zweiten Album von Roxy Music trennte und so Platz f\u00fcr den nicht minder talentierten Eddie Jobson machte, ist dennoch bedauerlich, das Ergebnis der Zusammenarbeit aber bleibt ein St\u00fcck Musikgeschichte.\nVor 30 Jahren:\nMarillion \u2013 Market Square Heroes\nDie musikalischen Achtziger. Den Mantel des Schweigens bitte jetzt ausbreiten. Unter diesem Mantel darf gem\u00fctlich gemauschelt werden. Au\u00dfer der Neuen Deutschen Welle waren auch in Deutschland gelegentlich gute Musiker zugegen. An der Krautrockband Grobschnitt ging besagte Welle leider nicht spurlos vor\u00fcber: Auf \u201eRazzia\u201c wurde konsequent auf deutsche Texte gesetzt, musikalische Einfl\u00fcsse von NDW und der zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits vor sich hin siechenden Punkmusik sind zu h\u00f6ren. Die Texte sind interessant (\u201eWir wollen sterben\u201c), aber letzten Endes verzichtbar. Nach \u201eRazzia\u201c nahm Mitgr\u00fcnder, Schlagzeuger und kreativer Grobschnitt-Kopf Eroc konsequenterweise seinen Hut, was alles, was danach kam, nicht unbedingt verbesserte. Auch die Hannoveraner Eloy befanden sich noch mitten in ihrem Kreativit\u00e4tsschub und lie\u00dfen \u201eTime to Turn\u201c auf den Markt bringen, laut dem Internet die letzte wirklich \u00fcberzeugende Eloy-Scheibe f\u00fcr lange, lange Zeit. Die britische Band Marillion, die gerade erst um S\u00e4nger Fish bereichert wurden, publizierte derweil ihre ersten Gehversuche mit der Single \u201eMarket Square Heroes\u201c, deren \u00fcber 17-min\u00fctige B\u2011Seite Grendel insbesondere die Vorbilder Genesis mit Peter Gabriel hervorhob. Dass Marillion das noch junge Genre des \u201eNeo-Prog\u201c entscheidend pr\u00e4gen w\u00fcrden, war damals freilich noch nicht abzusehen, das 1983 erschienene Deb\u00fctalbum \u201eScript for a Jester\u2019s Tear\u201c eignete sich jedoch hervorragend, um diese Vermutung zu festigen.\nVor 20 Jahren:\n\u00c4nglag\u00e5rd \u2013 Hybris\nZumindest Yes haben die 1980-er Jahre trotz grauenvoller radiokompatibler Singles wie Owner of a Lonely Heart weitgehend schadlos \u00fcberstanden. Nun, was hei\u00dft \u201eschadlos\u201c? Die DVD \u201eUnion Tour Live\u201c zeigt eine heillos zerstrittene Band, die auf Dr\u00e4ngen der Plattenfirma notd\u00fcrftig aus den beiden existierenden und miteinander konkurrierenden Gruppen Yes und Anderson, Bruford, Wakeman, Howe zusammengeklebt wurde. Diese Formation zerbrach dann auch bald, was durchaus kein Verlust war. Bei Emerson, Lake &amp; Palmer sah es nicht besser aus: Die Reunion im Jahr 1991 f\u00fchrte zu dem einfallslosen, von AOR und Pop gepr\u00e4gten Album \u201eBlack Moon\u201c, auf das der geneigte Musikfreund gut verzichten k\u00f6nnte. Etwas besser sah\u2019s im Acid Jazz aus: Die britische Formation Corduroy machte mit dem merkw\u00fcrdig benannten, beinahe komplett instrumentalen Deb\u00fct \u201eDad Man Cat\u201c positiv auf sich aufmerksam. Ein anderes Deb\u00fctalbum stammt aus Schweden: Die kurzlebigen \u00c4nglag\u00e5rd \u2013 drei der Musiker waren damals erst 17 Jahre alt \u2013 kombinierten auf ihrem Deb\u00fctalbum \u201eHybris\u201c Retro-Prog und Folk (inklusive Fl\u00f6te) mit einer eigenst\u00e4ndigen Note zu etwas, das nicht weniger als ein Meisterwerk ist. Gesungen wird auf Schwedisch, die Stimmungen erreichen beeindruckende Tiefen. Vier St\u00fccke lang erschaffen die Schweden Retro-Welten, wie sie sch\u00f6ner und schillernder kaum sein k\u00f6nnten. Ein Album sp\u00e4ter l\u00f6sten sich \u00c4nglag\u00e5rd wieder auf, hinterlie\u00dfen noch einen Live-Mitschnitt (\u201eBuried Alive\u201c) und kehrten etwa zehn Jahre sp\u00e4ter auf die musikalische B\u00fchne zur\u00fcck. Ihr 2012 erschienenes sp\u00e4tes comeback-Album \u201eViljans \u00d6ga\u201c \u2013 leider inzwischen ohne Gesang \u2013 zeigt, dass die f\u00fcnf bis heute nichts verlernt haben.\nVor 10 Jahren:\necholyn \u2013 mei\nAbseits der progressiven Rockmusik gab es im Jahr 2002 ein Aufhorchen: Mitglieder von Rage Against the Machine schlossen sich mit Soundgarden-S\u00e4nger Chris Cornell zu Audioslave zusammen und kn\u00fcpften stilistisch nahtlos an beide \u201eVorg\u00e4ngergruppen\u201c an. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter war Schluss. Als z\u00e4her erwies sich die oben bereits lobend erw\u00e4hnte US-amerikanische Progressive-Rock-Band echolyn, die sich nach vier Jahren Trennung \u2013 Sony Music verweigerte den Musikern die Unterst\u00fctzung, wahrscheinlich waren sie zu kreativ \u2013 im Jahr 2000 wieder zusammengefunden hatte. Kompromisse mochten sie aber immer noch nicht. Im Jahr 2002 erschien mit \u201emei\u201c \u2013 Kleinbuchstaben sind eines ihrer Markenzeichen \u2013 ihr f\u00fcnftes Studioalbum; oder sollte man es eine \u201eLangzeit-Single\u201c nennen? Tats\u00e4chlich ist genau ein St\u00fcck \u2013 eben mei \u2013 enthalten, das es auf 49:33 Minuten Spielzeit bringt. Den geneigten Musikfreund freut es, immerhin ist es so nahezu unm\u00f6glich, die einzelnen Bestandteile des St\u00fcckes sinnvoll zu einer \u201eBest-of\u201c-Zusammenstellung zusammenzukleben. Ich wage zu behaupten, \u201emei\u201c bleibt auch musikalisch von echolyn unerreicht. Es handelt sich (nat\u00fcrlich) um ein Konzeptalbum, auch textlich: Der Protagonist, von der Liebe entt\u00e4uscht, irrt umher, verzweifelt an seiner Situation, beschlie\u00dft, Held zu werden, wird dann doch keiner und kehrt in die Zivilisation zur\u00fcck. So weit die Zusammenfassung. Musik: Kansas? Spock\u2019s Beard? Sicher. Vor allem aber: echolyn. Dass echolyn bekennende Anh\u00e4nger von Gentle Giant sind, wird selten so deutlich wie in den (viel zu kurzen) dreistimmigen Passagen (\u201eWhat have I done\u201c / \u201eHere I am\u201c / \u201eLive through me\u201c) von \u201emei\u201c, kurze Keyboard-Momente klingen direkt wie von Gentle Giant geliehen. Verpackt wird es in einem einmaligen Retro-Prog-Gewand, der Gesang variiert je nach Textzeile von Depression (The Cure) bis Zuversicht (U2), ohne jemals deplatziert zu wirken. Wie die Zeit vergeht, bemerkt der H\u00f6rer nicht einmal. Eine Liveversion von mei wurde 2003 auf dem Bootleg \u201eJersey Tomato vol. 2 (live at the Metlar Bodine Museum)\u201c ver\u00f6ffentlicht, inzwischen, da nicht mehr offiziell erh\u00e4ltlich, ist dieses Bootleg auszugsweise auf der Website der Band zu h\u00f6ren. Ohne \u201emei\u201c w\u00e4re der Retro-Prog vermutlich viel \u00e4rmer. Zum Gl\u00fcck m\u00fcssen wir uns das nicht vorstellen.\n\nSo weit von mir.\nHabt ihr etwas gefunden, was euch gef\u00e4llt? Gibt es Kommentare, Erg\u00e4nzungen, Beschimpfungen? Ich hoffe, letztere bleiben aus.\nIch w\u00fcnsche viel Spa\u00df beim H\u00f6ren und sage: Nichts zu danken!\nDie n\u00e4chste R\u00fcckschau folgt, wenn bis dahin nicht die Welt untergeht, im Juni 2013. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn ihr dann wieder dabei seid.\nBis dann.\nKommentareAnonym schrob am 26. Dezember 2012 dies: Und doch (zu danken). Zusammen mit UliUlis Blog (AufeinNeues) sind diese R\u00fcckschauen unverzichtbare Kompendien der Gutmusik.tux0r schrob am 26. Dezember 2012 dies: Hm, hast du da mal einen Link?\n\nNachtrag: Danke, gefunden! Und danke f\u00fcr das Kompliment.Thilo schrob am 27. Dezember 2012 dies: Ich: Narzist.\nDaher: Kontrolliert, warum ich verdammt nochmal kein Dankesch\u00f6n \u2013 \u2026 \u00e4hem.\nPeinlich ber\u00fchrt, Selbstbeschimpfung.\nLernen popernen: Conditio sine qua non f\u00fcr den Erhalt einer Antwort ist das Hinterlassen einer Antwortadresse.\n\nUliUli beackert sozusagen die Galaktische Eastside unserer Milchstra\u00dfe, ohne den Blues zu bekommen (na, auch DEN deutschen Raumfahrtepos als Kind verschlungen und f\u00fcr immer immun gegen diesen schnarchlangweiligen Star-Wars-Quatsch geworden? Wenn nein: \u00d6der Insiderscherz, egal). Da\u00df ich jemals mit Freude Prog-Rock h\u00f6ren w\u00fcrde (Echolyn), unfa\u00dfbar. Andererseits: Wieder ein Stein f\u00fcr das Mauerwerk des Elfenbeinturms, na danke auch (-;tux0r schrob am 27. Dezember 2012 dies: Oder h\u00e4ufiger mal hier reinschauen \u2013 spart die Adresse und freut meine Besucherzahlen. Von denen ich halt auch nix habe, wenn keiner meinen Amazon-Links kaufwillig folgt. Mist.\n\nIch finde UliUlis Musikempfehlungen beim \u00dcberblicken interessant, da mir komplett unbekannt. Mal gucken, ob ich irgendwann mal die Mu\u00dfe finde, reinzuh\u00f6ren. Nat\u00fcrlich: Gelesen. Star Wars? Buh!\n\nWenn dir echolyn gef\u00e4llt, k\u00f6nnte ich dir nun diverse andere Anspieltipps geben. Aber dann kommst du zu nichts anderem mehr. Ich freue mich aber sehr, wenn meine Tipps wenigstens einem Menschen Freude bereiten konnten. Dann kommt mir mein eigenes Tun nicht so sinnlos vor.Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2013 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 23. Dezember 2013 dies: [\u2026] stimmen. Aber auch Trevor Dunn, der regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner R\u00fcckschauen zuletzt zum Beispiel auf \u2018nem Melvins-Album begegnet sein d\u00fcrfte, zeigt sich auf \u201eOddfellows\u201d \u00e4hnlich wandlungsf\u00e4hig. Mathias [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2016 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 26. Juli 2016 dies: [\u2026] \u2013 der Leser m\u00f6ge sich erinnern \u2013 ist ein immer noch junges Trio, dessen Mitglieder gegenw\u00e4rtig noch immer weit von ihren [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2012-12-19T09:49:27+01:00",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 9 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Leck mich fett, is\u2018 schon wieder Ende Juni? Dann wird\u2019s Zeit f\u00fcr die allsemestrige Liste der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">schmackhaftesten Studioalben der ersten sechs Monate</span>, die mir bis dato untergekommen sind. Diesmal habe ich sogar daran gedacht, sie einigerma\u00dfen regelm\u00e4\u00dfig zu sichern, und kann diese Vorgehensweise ebenso empfehlen wie folgende Musikalben. <span id=\"more-6630\"></span></p>\n<p>Wie immer habe ich es nicht geschafft, einige von diesen rechtzeitig zu erwerben und zu bewerten, im Gegenzug wurden einige Musikalben <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">disqualifiziert</span>; das Livealbum \u201eThe Gettysburg Address\u201c der Progressive-Rock-Band <span class=\"musik-review-bandname\">Moon Safari</span> zum Beispiel ist zwar qualitativ sehr listentauglich, aber eben ein Livealbum und somit ebenso wie die gleichfalls sehr gute Kompilation \u201eLost Tapes\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> nicht in Konkurrenz zu den anderen hier aufgef\u00fchrten Alben stehend. Auch die Neuauflage von <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span>s \u201eSpirit of Eden\u201c, obwohl <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/04/talk-talk-spirit-of-eden/\&quot;" data-wpel-link="internal">unbedingt h\u00f6renswert</a>, erf\u00fcllt leider nicht das notwendige Kriterium \u201e2012 erstmals ver\u00f6ffentlicht\u201c. Ich bitte um Nachsicht.</p>\n<p>Auf die separate Neubesprechung von \u201eBig Fish\u201c der Cowboys From Hell verzichte ich diesmal und verweise stattdessen auf meinen <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/02/cowboys-from-hell-big-fish/\&quot;" data-wpel-link="internal">entsprechenden Artikel</a> vom Februar dieses Jahres. Sollte mir jedoch, davon abgesehen, ein relevantes Album g\u00e4nzlich entgangen sein, bitte ich, wie immer, um eine kurze Notiz. Eine Anmerkung noch: Obwohl der gro\u00dfartige Musikdienst Grooveshark mit deutscher IP-Adresse zurzeit nicht zug\u00e4nglich ist, habe ich ihn im Folgenden gelegentlich referenziert. Selbstverst\u00e4ndlich erkl\u00e4re ich bei Bedarf gern die Vorgehensweise, um ihn verwenden zu k\u00f6nnen. Nun aber viel Spa\u00df beim Erkunden der folgenden Werke:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Kaufbefehle.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Les-Fragments-de-la-Nuit-Musique-de-Nuit.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Les-Fragments-de-la-Nuit-Musique-de-Nuit.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Les Fragments de la Nuit \u2013 Musique de Nuit</span>\n<p>Wir lassen es ausnahmsweise mal ruhig angehen. Aus Frankreich stammt das Quintett <span class=\"musik-review-bandname\">Les Fragments de la Nuit</span>, auf Deutsch \u201eDie Fragmente der Nacht\u201c, und zum Gl\u00fcck verzichten sie mit Ausnahme des zweimin\u00fctigen \u201eLa dame blanche\u201c auf Gesang. Mit franz\u00f6sischsprachigen Texten werde ich einfach nicht warm.</p>\n<p>Stattdessen wird die \u201eMusik der Nacht\u201c im instrumentalen Klassikstil dargeboten. Trotzdem klingt das <em>Gefiedel</em> nur selten ein wenig tr\u00e4ge, meist wird reichlich Spannung erzeugt. Das k\u00f6nnte auch daran liegen, dass sich \u201eMusique de Nuit\u201c in diese Liste, mehr oder weniger, hineingeschummelt hat: Zu Beginn ihrer Karriere im Jahr 2005 machten <span class=\"musik-review-bandname\">Les Fragments de la Nuit</span> vorrangig Musik f\u00fcr Dokumentarfilme, also recht kurze, aber um so stimmungsvollere St\u00fccke. Tats\u00e4chlich sind auf \u201eMusique de Nuit\u201c viele bereits \u00e4ltere, aber auch einige neuere St\u00fccke zwischen 0:56 und nur zweimal \u00fcber 3 Minuten enthalten.</p>\n<p>Zu der Neoklassik gesellen sich Elemente aus Avantgarde und Postrock, etwa dann, wenn Violinen und Cello bewusst mit Dehnung und Dissonanz spielen. Vergleiche? <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-review-les-fragments-de-la-nuit-musique-de-nuit/\&quot;" data-wpel-link="internal">Wenn\u2019s sein muss:</a></p>\n<blockquote><p>Klassisches Instrumentarium, neoklassische Ansatz, Experimentalkunst und Ambient mit selbst genannten Einfl\u00fcssen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Debussy</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Erik Satie</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Godspeed You! Black Emperor</span>. Kopfkino f\u00fcr Fortgeschrittene.</p></blockquote>\n<p>Gef\u00e4llt mir. Wem noch?</p>\n<p>Herausfinden kann man\u2019s mit den <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Musique-Nuit-Les-Fragments/dp/B006JTUY5W/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, drei St\u00fccke in voller L\u00e4nge sind auch auf der <a href="\&quot;http://denovali.com/lesfragmentsdelanuit/\&quot;" data-wpel-link="internal">Internetseite von Denovali Records</a> anzuh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Die-\u00c4rzte-auch.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Die-\u00c4rzte-auch.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Die \u00c4rzte \u2013 auch</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eHast du nichts Besseres zu tun als die Die \u00c4rzte zu h\u00f6r\u2019n?\u201c</span> (ZeiDverschw\u00c4ndung)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> legen nach: Auch nach 30 Jahren \u2013 netto immerhin 25 \u2013 vereinen sie soliden Poprock mit bisweilen am\u00fcsanten Texten und kokettieren mit den seit Jahren kursierenden Ger\u00fcchten \u00fcber die unvermeidliche baldige Aufl\u00f6sung.</p>\n<p>Dass auf \u201eauch\u201c, anders als noch auf dem Vorg\u00e4nger \u201eJazz ist anders\u201c, keine sofort mitgr\u00f6lbare \u201eHitsingle\u201c wie seinerzeit \u201eJunge\u201c zu finden ist, mag stimmen, obwohl das \u201elala-lala, lalala lala-la-lala\u201c der ersten Single \u201eZeiDverschw\u00c4ndung\u201c (von mir bereits <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/03/die-aerzte-keine-zeidverschwaendung-auch-kritik-der-kritik/\&quot;" data-wpel-link="internal">an anderer Stelle</a> ausf\u00fchrlich gut gefunden) ziemlich <em>ins Ohr geht</em>. Wer aber <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> h\u00f6rt, der erwartet normalerweise auch keine Stadionkracher wie zum Beispiel von den <span class=\"musik-review-bandname\">Toten Hosen</span>. Davon abgesehen sind die Unterschiede zu \u201eJazz ist anders\u201c nicht allzu gro\u00df: Jenes kam in einer Miniaturpizzaschachtel daher, dieses nun in einem Brettspielkarton. Beides ist enorm unpraktisch f\u00fcr zum Insregalstellen, aber immerhin kreativ. Enthalten ist auch ein Brettspiel, was f\u00fcr lange Abende mit Freunden (und Alkohol) sicherlich interessant ist.</p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es unvermeidlich, dass man sich beim Texten nach ein paar Jahrzehnten auch mal wiederholt, ob mit Absicht oder aus Versehen. Das Lied \u201eZeiDverschw\u00c4ndung\u201c etwa beginnt so:</p>\n<blockquote><p>Du surfst den ganzen Tag schon durch das weltweite Netz<br>\nin der Hoffnung, dass vielleicht mal irgendeiner was petzt.</p></blockquote>\n<p>Die zweite Strophe von \u201eRettet die Wale\u201c, erschienen erstmals auf der Single \u201eManchmal haben Frauen \u2026\u201c aus dem Jahr 2000, beginnt so:</p>\n<blockquote><p>Ihr sitzt bestimmt den ganzen Tag am Bildschirm und ihr surft durchs Internet.</p></blockquote>\n<p>Solche Details tr\u00fcben den H\u00f6rspa\u00df aber nur wenig. Schon zu Beginn nehmen sich <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> selbst auf die Schippe: <span class=\"musik-review-bandname\">Farin Urlaub</span>s \u201eIst das noch Punkrock?\u201c beginnt mit Punkrock, ist im Refrain aber ein eher sanftes Liebeslied. In \u201eTCR\u201c zitieren <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> Reggae, Death Metal und ihre eigene Fr\u00fchphase mit Liedern wie \u201eEl Cattivo\u201c, um ironisch ihre eigene stilistische Bandbreite darzulegen und sich somit einer Schubladisierung (\u201eDie \u00c4rzte sind \u2019ne Punkband\u201c, von wegen!) zu entziehen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Bela B.</span> hat sein zweites Ich, den <em>lustigen Vampir</em>, bereits auf dem letzten Album \u201ebeerdigt\u201c, Lieder \u00fcber Gruften, Grafen und Untote tr\u00e4gt er diesmal ausnahmsweise also nicht bei, was daf\u00fcr Platz macht f\u00fcr gro\u00dfartige Lieder wie \u201eMistst\u00fcck\u201c. Selbst die Beitr\u00e4ge des Bassisten <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eRod\u201c Gonz\u00e1lez</span> (wohl nicht identisch mit dem gleichnamigen Schlagzeuger von <span class=\"musik-review-bandname\">La Desooorden</span>), darunter das gothicrockartige \u201eSohn der Leere\u201c, sind \u00fcberaus gelungen. Und dann w\u00e4re da eben noch \u201eZeiDverschw\u00c4ndung\u201c: <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> singen dar\u00fcber, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> eigentlich gar nicht so interessant sind und die H\u00f6rer doch lieber eine andere Musikgruppe favorisieren sollten. Ob das funktioniert?</p>\n<p>Insgesamt ist \u201eauch\u201c ein gutes Album; kein \u00fcberragendes wie einst \u201ePlanet Punk\u201c und \u201eLe Frisur\u201c, aber auch kein Griff ins Klo wie \u201eIst das alles?\u201c. Besser als das, was ihre langj\u00e4hrigen Weggef\u00e4hrten von den <span class=\"musik-review-bandname\">Toten Hosen</span> mittlerweile unter Musik verstehen (siehe auch weiter unten), ist es allemal, und alles, was <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> ausmacht und bislang ausgemacht hat, ist <em>auch</em> auf \u201eauch\u201c zu h\u00f6ren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Farin Urlaub</span> hat vor ein paar Monaten in einem Interview gesagt, in zehn Jahren wolle er definitiv keine Musik mehr machen. Dann ist er fast 60 Jahre alt und somit eigentlich in einem guten Rockstaralter. Wenn vorliegendes Album also bereits Teil seines \u201eAlterswerkes\u201c ist, geb\u00fchrt ihm und seinen beiden Bandkollegen jede Hochachtung. Meinerseits erfolgt diese <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/08/mein-musikfaschismus/\&quot;" data-wpel-link="internal">ja sowieso</a>.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/user/bademeisterTV\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube.com</a> gibt es zurzeit offiziellerweise komplette Musikvideos f\u00fcr jedes (!) der Lieder auf dem Album und der Single zu sehen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Disappears-Pre-Language.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Disappears-Pre-Language.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Disappears \u2013 Pre language</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eMinor patterns, nothing happens, changes, standards, doesn\u2019t matter.\u201c</span> (Minor patterns)\n<p>Ganz anders als die fr\u00f6hlichen Poprock-<span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4rzte</span> kommen die vier Musiker von <span class=\"musik-review-bandname\">Disappears</span> aus Chicago mit ihrem Noiserock daher. Spontane Assoziationen: <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span> und ein bisschen <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span>.</p>\n<p>An Bord ist unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Shelley</span>, einst einzig Schlagzeuger bei letzteren und nun auch bei <span class=\"musik-review-bandname\">Disappears</span>. Das macht <span class=\"musik-review-bandname\">Disappears</span> aber noch nicht zu blo\u00dfen Kopisten: Die Versatzst\u00fccke aus Post-Punk, Feedback-Schleifen und Shoegaze werden elegant in den eigenen Kontext eingewoben. <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/alben-neuerscheinungen-im-marz-2012/\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter</a> nannte das \u201ePsychedelic Rock\u201c und lag damit nicht mal allzu sehr daneben.</p>\n<p>Die Klangw\u00e4nde aus Bass und Schlagzeug bilden zusammen mit den <em>dreckigen</em> Gitarrenteppichen ein angenehmes Fundament f\u00fcr die manchmal gequ\u00e4lten, manchmal flehenden, manchmal gelangweilten Deklamationen von <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Case</span>, der <span class=\"musik-review-bandname\">Mark E. Smith</span> wom\u00f6glich unabsichtlich, aber doch bravour\u00f6s nacheifert.</p>\n<p>Musikalisch bewegt man sich auf weitem Terrain: Klingt das Titelst\u00fcck, vom Gesang abgesehen, nach den <span class=\"musik-review-bandname\">Fehlfarben</span> in ihren besten Jahren, \u201eReplicate\u201c und \u201eJoa\u201c sind hypnotisch groovende Indie-Rock-St\u00fccke. Das Musikmagazin SSG Music brachte den Terminus der Motorik <a href="\&quot;http://www.ssgmusic.com/disappears-pre-language/\&quot;" data-wpel-link="internal">ins Spiel</a>, also den pr\u00e4zisen 4/4\u2011Takt, der Krautrockgr\u00f6\u00dfen wie <span class=\"musik-review-bandname\">NEU!</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Kraftwerk</span> angeblich <em>charakterisiert</em>, aber die stoische Schlichtheit des Rhythmus\u2018 ist nicht zwingend als Remineszenz, vielmehr als Mittel zum Zweck zu werten.</p>\n<p>Mit \u201eKrautrock\u201c hat \u201ePre language\u201c n\u00e4mlich \u2013 erfreulicherweise \u2013 ansonsten nur wenig zu tun, wenn man genannte Vergleiche nicht gerade pauschal in die \u201eKrautrock\u201c-Schublade steckt (und von mir somit schief angeblickt w\u00fcrde), obwohl Thomas Pilgrim das <a href="\&quot;http://www.plattentests.de/rezi.php?show=9163\&quot;" data-wpel-link="internal">anders sieht:</a></p>\n<blockquote><p>Diese dunkelgrauen Lieder kennen ihre Pappenheimer aus Post-Punk, Shoegaze und Krautrock \u2013 und springen entsprechend unsanft mit ihnen um.</p></blockquote>\n<p>Vielleicht ist es f\u00fcr uns Musikfreunde wirklich manchmal das Beste, uns die H\u00f6reindr\u00fccke selbst zu verschaffen. Ich hoffe, dazu mit dieser Rezension ausreichend angeregt zu haben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Pre-Language-Disappears/dp/B006JZWIBE/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es 30-sek\u00fcndige Ausschnitte zu h\u00f6ren, auf YouTube.com unter anderem eine <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=W5DF12odvgg\&quot;" data-wpel-link="internal">Liveversion des Titelst\u00fccks</a> zu sehen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Field-Music-Plumb.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Field-Music-Plumb.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Field Music \u2013 Plumb</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe narratives are so familiar\u2026\u201c</span> ((I Keep Thinking About) A New Thing)\n<p>Aus Gro\u00dfbritannien stammt das Quartett <span class=\"musik-review-bandname\">Field Music</span>, im Kern bestehend aus und gegr\u00fcndet von den beiden Br\u00fcdern <span class=\"musik-review-bandname\">Peter</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">David Brewis</span>, und es l\u00e4sst auf seinem vierten Studioalbum \u201ePlumb\u201c, das Mitte Februar erschienen ist, kaum ein Klischee \u00fcber britische Rockmusik aus.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Field Music</span> hat die <em>Kreativpause</em> bis zum Album \u201eMeasure\u201c (2010) offenbar gut getan, denn seitdem sind sie von der Indie-Rock-Schiene der Marke <span class=\"musik-review-bandname\">Maximo Park</span> abgewichen und widmen sich anderen musikalischen Sph\u00e4ren. <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>, die <span class=\"musik-review-bandname\">Beach Boys</span> und vor allem nat\u00fcrlich die unvermeidlichen <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> (\u201eSgt.-Pepper\u201c-Phase, also nicht mal unbedingt die schlechteste) h\u00f6rt der geneigte Musikfreund sofort heraus. Das ist vielleicht nicht sonderlich kreativ, aber es spricht an, und das ist nun einmal das Wichtigste an Musik, die gut sein soll.</p>\n<p>An G\u00fcte mangelt es dann auch tats\u00e4chlich nicht. Die erste Single \u201e(I Keep Thinking About) A New Thing\u201c, auf dem Album erfreulicherweise das letzte und nicht das erste St\u00fcck, beginnt mit Fanfaren, die in ein merkw\u00fcrdig hektisches Bassmuster \u00fcbergehen, zu dem teils ein\u2011, teils mehrstimmig gesungen wird. Funk klingt ebenso an wie der zu Unrecht nur wenig bekannte New Wave von <span class=\"musik-review-bandname\">XTC</span>. Vorwerfen k\u00f6nnte man der Band hier nur, dass das Lied ein wenig zu kurz ist \u2013 oder wirkt es nur so? 3 Minuten und 16 Sekunden sind ja durchaus <em>\u00fcblich</em>, und das ist bedauerlich.</p>\n<p>W\u00e4hrend besagte Single die Indie-Wurzeln der Band kaum verleugnen kann, sind andere St\u00fccke wie \u201eA New Town\u201c eigenst\u00e4ndiger: Nach einem melancholischen Akkordeon-Intro bricht der Funk mit hoher Stimmbegleitung wieder los; die Melodie (Gesang wie Instrumente) bekommt man nur noch schwer aus dem Kopf. \u201eSorry Again, Mate\u201c ist ein eher unauff\u00e4lliges, von Streichern begleitetes Poplied im Stil der <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> zu Zeiten von \u201eAbbey Road\u201c, das er\u00f6ffnende \u201eStart The Day Road\u201c bedient sich bei den mehrschichtigen Experimenten von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> und ihren Nacheiferern.</p>\n<p>Wer den Poprock der sp\u00e4ten 60-er Jahre sch\u00e4tzt, dem d\u00fcrfte \u201ePlumb\u201c zweifelsohne gefallen. Gelegentliche Wechsel zwischen Gef\u00e4lligkeit und Anspruch erh\u00f6hen das H\u00f6rvergn\u00fcgen auch f\u00fcr diejenigen unter jenen, die Abwechslung m\u00f6gen. \u201ePlumb\u201c ist ein seltsames Album \u2013 aber ein gutes.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Zurzeit (Anfang Juni 2012) ist \u201ePlumb\u201c auf <a href="\&quot;http://www.nme.com/news/field-music/61934\&quot;" data-wpel-link="internal">nme.com</a> im Stream zu h\u00f6ren, aber <em>nat\u00fcrlich</em> stellt auch <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Plumb-Field-Music/dp/B0060O7WLA/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> die \u00fcblichen kurzen H\u00f6rproben bereit.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Soen-Cognitive.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Soen-Cognitive.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Soen \u2013 Cognitive</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThis is not the dust that we once came from\u201c</span> (Savia)\n<p>Vom Poprock zum Progressive Metal: \u201eCognitive\u201c ist das Deb\u00fctalbum der \u201eSupergroup\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">Soen</span>.</p>\n<p>Unter einer \u201eSupergroup\u201c versteht man bekanntlich eine Musikgruppe, an der bekannte Musiker aus anderen Musikgruppen aktiv beteiligt sind. <span class=\"musik-review-bandname\">Transatlantic</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Cream</span> sind bekannte Beispiele, aber auch <span class=\"musik-review-bandname\">Soen</span> wird <a href="\&quot;http://www.metalstorm.net/pub/review.php?review_id=10902\&quot;" data-wpel-link="internal">gelegentlich</a> als eine solche \u201eSupergroup\u201c bezeichnet, obwohl nur zwei der vier Mitglieder sich bislang in einschl\u00e4gigen Genres einen Namen gemacht haben.</p>\n<p>Bei diesen handelt es sich um Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Martin Lopez</span> (ehemals <span class=\"musik-review-bandname\">Opeth</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Amon Amarth</span>) und dem sp\u00e4ter hinzugesto\u00dfenen Bassisten <span class=\"musik-review-bandname\">Steve DiGiorgio</span> (unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Death</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Autopsy</span>). Wohin die Reise zumindest instrumental geht, ist da absehbar: <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Opeth</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Dream Theater</span> lassen gr\u00fc\u00dfen.</p>\n<p>Dass das brachiale Element dieser Bands hier beinahe g\u00e4nzlich fehlt, ist wohl auch S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Joel Ekel\u00f6f</span> zu verdanken, der Gesang mit Wiedererkennungswert \u2013 eben \u201ecognitive\u201c \u2013 beisteuert. Er verzichtet dankenswerterweise auf stumpfsinniges Gebr\u00fcll, singt seine Parts stattdessen so <em>sauber</em> ein, dass man mitunter einer Coverband von <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span> zu lauschen glaubt, deren S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> ja gleichfalls recht markant intoniert. In den ruhigen Phasen, etwa in \u201eOscillation\u201c, singt er gelegentlich auch (absichtlich?) so gek\u00fcnstelt, dass unsereinem sofort <span class=\"musik-review-bandname\">Extra Life</span> einf\u00e4llt, obwohl diese in der Regel <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/04/extra-life-voluptuous-life/\&quot;" data-wpel-link="internal">weniger dezent musizieren</a>.</p>\n<p>Dennoch ist diese Melange aus verschiedensten Einfl\u00fcssen oft so eing\u00e4ngig, dass sie sich im Kopf festsetzt. \u201eDelenda\u201c \u2013 zu \u00fcbersetzen wahlweise mit \u201ezu entfernende Dinge\u201c oder mit \u201edie Frau, die zu zerst\u00f6ren ist\u201c, wie wir Lateiner wissen \u2013 ist instrumental ein ziemlich vertracktes Metalst\u00fcck, zu dem man dennoch \u2013 oder deswegen \u2013 gut durch die Gegend h\u00fcpfen kann wie ein Bekloppter, der Kopf nickt zum Rhythmus von \u201eSlithering\u201c (nicht etwa \u201eSlytherin\u201c), \u201eFraccions\u201c, das erste, bereits 2010 ver\u00f6ffentlichte Lied der Gruppe, mit seiner eigenartigen Melodie ist <span class=\"musik-review-bandname\">Dream Theater</span> so nahe wie sonst nur wenig auf dem Album.</p>\n<p>Der Name \u201eSoen\u201c in quasi beliebiger Gro\u00dfschreibung steht <em>laut Internet</em> f\u00fcr \u201eSolar Energy\u201c, \u201eSouthern Oscillation El Ni\u00f1o\u201c oder irgendwelchen umgangssprachlichen Firlefanz aus irgendwelchen Fremdsprachen. Nun hat er endlich auch eine f\u00fcr uns Musikfreunde greifbare Bedeutung bekommen, die von Naturgewalten \u2013 oder irgendwelchem umgangssprachlichen Firlefanz \u2013 etwas entfernt ist. Andererseits: Gewaltig ist das schon.</p>\n<p>H\u00f6rempfehlung? Nat\u00fcrlich! <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben?</span> Bitte sehr:<br>\nAuf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Cognitive-Soen/dp/B006UO3OC6/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es Schnipsel zu h\u00f6ren, das Musikvideo zu oben erw\u00e4hntem \u201eDelenda\u201c auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=KbWahoNCvVQ\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube.com</a> zu sehen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Madonna-MDNA.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Madonna-MDNA.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Madonna \u2013 MDNA</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSome girls are not like me, I\u2019m everything you ever dreamed of\u201c</span> (Some Girls)\n<p>\u201eMadonna? Echt jetzt?!\u201c</p>\n<p>Ja, echt jetzt. Nat\u00fcrlich sollte man wie schon vor fast 30 Jahren darauf verzichten, das Werk von Frau <span class=\"musik-review-bandname\">Ciccone</span> unter einem streng audiophilen Gesichtspunkt zu betrachten, zumal der <span class=\"musik-review-bandname\">Cher</span>-Effekt \u2013 die schlichte <em>Weigerung</em> zu altern \u2013 nebst Vocodereinsatz hier auch keine Neuigkeit mehr ist. <span class=\"musik-review-bandname\">Madonna</span> macht aber, wie schon vor 30 Jahren, prima Tanzmusik, und die Single \u201eGirl Gone Wild\u201c (nur echt mit <a href="\&quot;http://perezhilton.com/2012-03-21-madonna-releases-uncensored-girl-gone-wild-video\&quot;" data-wpel-link="internal">anz\u00fcglichem Video</a>) zeigt schon, was sich seit \u201eRay of Light\u201c (1998) getan hat, n\u00e4mlich \u2019ne Menge.</p>\n<p>Die Phase von Madonnas musikalischer Neuerfindung beziehungsweise ihrer R\u00fcckkehr zum Elektropop war sp\u00e4testens ab \u201eMusic\u201c (2000) mit dem wenigstens noch einigerma\u00dfen bekannten Titelst\u00fcck nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, danach wurde es ein wenig wirr; zuerst kamen allerlei Kompilationen auf den Markt, auf dem Altbekanntes wieder durchgekaut wurde, die wirklich neuen Studioalben, zuletzt \u201eHard Candy\u201c (2008), habe ich nicht einmal mehr mitbekommen.</p>\n<p>Nun also \u201eMDNA\u201c.</p>\n<p>\u201eThere\u2019s only one Queen, and that\u2019s <span class=\"musik-review-bandname\">Madonna</span>, bitch!\u201c<br>\n<em>\u2013 \u201eI Don\u2019t Give A\u201c</em></p>\n<p>Der Titel ist so aussagekr\u00e4ftig wie sonst nur wenige (\u201eMusic\u201c, ach was?): Bescheidenheit hat <span class=\"musik-review-bandname\">Madonna</span> l\u00e4ngst nicht mehr n\u00f6tig, der \u00fcberheblichen Selbstlobhudelei von minderqualitativen Imitatorinnen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Lady Gaga</span> aber setzt sie ein m\u00e4chtiges Zeichen entgegen: Seht her, ich kann\u2019s immer noch besser als ihr. Und das ist nicht mal \u00fcbertrieben.</p>\n<p>\u201eAll the biters have to go standing in the front row.\u201c<br>\n<em>\u2013 \u201eI Don\u2019t Give A\u201c</em></p>\n<p>\u201eMDNA\u201c \u2013 wiederholt in <a href="\&quot;http://lyrics.wikia.com/Madonna:I%27m_Addicted\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eI\u2019m Addicted\u201c</a> zu h\u00f6ren \u2013 bedeutet auch die Kontraktion, die Reduktion aufs Wesentliche. Zur\u00fcck zu den Wurzeln, dem Schlichten. Um die <em>message</em> zu verdeutlichen, holte sie sich die beiden Rapperinnen <span class=\"musik-review-bandname\">M.I.A.</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Nicki Minaj</span> ins Boot, die an geeigneten Stellen <span class=\"musik-review-bandname\">Madonna</span>s Gro\u00dfartigkeit loben. Musikalisch meint es nur wenig Pomp\u00f6ses, sondern eben <em>so Radiopop</em>; allerdings solchen, der mir pers\u00f6nlich als jemandem, der es gern etwas vertrackter mag, ziemlich gut gef\u00e4llt. Gelegentliche Totalausf\u00e4lle (\u201euhlala, you\u2019re my superstar\u201c) fallen da kaum ins Gewicht.</p>\n<p>Beziehungsweise eben: Wenn ausgerechnet \u201eMDNA\u201c eins der besten Popmusikalben des Halbjahres ist, hat die Musik<em>industrie</em> was falsch gemacht. Hat sie dann wohl.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> gibt es <a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/product/B007FOV0QW/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> in gebotener K\u00fcrze, das Video zu \u201eGirl Gone Wild\u201c in voller L\u00e4nge auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=tYkwziTrv5o\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube.com</a> zu konsumieren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Thinking-Plague-Decline-and-Fall.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Thinking-Plague-Decline-and-Fall.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Thinking Plague \u2013 Decline and Fall</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eEat more, think less, drink more, sleep less, die more.\u201c</span> (Sleeper Cell Anthem)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Thinking Plague</span> \u2013 trotz des Namens keine Plage \u2013 existieren nunmehr seit 30 Jahren und schaffen es immer noch, sich nicht nur noch zu wiederholen. Das ist in ihrem Sektor \u2013 die einschl\u00e4gigen Schubladendenker sprechen meist von \u201eRIO/Avant\u201c \u2013 aber (zum Gl\u00fcck) auch nicht schwer.</p>\n<p>\u201eAvant(garde)\u201c ist hier ein so zutreffendes Genre wie sonst nur selten. Die momentane S\u00e4ngerin (dieser Posten wird ja sozusagen st\u00e4ndig neu besetzt) <span class=\"musik-review-bandname\">Elaine di Falco</span>, deren Stimme mitunter, etwa in \u201eI Cannot Fly\u201c, lautmalerisch als zus\u00e4tzliches Instrument agiert, statt nur als Transportmittel f\u00fcr die \u00fcbrigens auch mal erw\u00e4hnenswerten Texte zu dienen, f\u00fcgt sich trefflich in das Gesamtgef\u00fcge ein. Freunden belanglosen Sch\u00f6nklangs wird das Dargebotene ziemliche Kopfschmerzen bereiten; mir gef\u00e4llt es um so besser.</p>\n<p>Ach ja, die Texte. \u201eAbstieg und Fall\u201c, so der \u00fcbersetzte Titel des Albums, sind inhaltlich pr\u00e4gend, wobei der Abstieg der menschlichen Gesellschaft eines der Themen bildet. Ob man ihnen aber folgen sollte? Ich behaupte: Nein. \u201eDecline and Fall\u201c ist sicherlich von solcher Musik, bei der man normalerweise mitsingen kann, weit entfernt. <span class=\"musik-review-bandname\">Thinking Plague</span> sind vielmehr so <em>abgefahren</em> wie zuletzt <span class=\"musik-review-bandname\">broken.heart.collector</span>, so schr\u00e4g wie <span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span> und dergleichen, so komplex wie <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span>, obwohl die Gesangsharmonien da jede \u00c4hnlichkeit eigentlich verbieten sollten.</p>\n<p>Mit letzteren hat man aber aufgrund der kammermusikalischen Elemente noch mehr gemeinsam; <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=12288\&quot;" data-wpel-link="internal">beziehungsweise eben:</a></p>\n<blockquote><p>Vom ersten Moment an gibt es hier komplexen, kantigen Kammerrock zu h\u00f6ren, der seine Beeinflussung durch moderne Klassik nicht verleugnen kann. Seltsam verquere Melodielinien von Holzblasinstrumenten (meist Saxophon, gelegentlich auch Klarinette) dringen auf krummen Wegen in die Geh\u00f6rg\u00e4nge ein, begleitet von filigran-verzwirbelter Gitarre und einer komplex agierenden Rhythmussektion. (\u2026) Erg\u00e4nzt wird das Ganze um dezente Tastenkl\u00e4nge, unter denen sich hin und wieder ein sanftes Mellotron befindet.</p></blockquote>\n<p>\u201eKantig\u201c \u2013 ein hervorragendes, weil ungemein treffendes Adjektiv. Vom Einheitsbrei ist \u201eDecline and Fall\u201c auch deshalb weit entfernt. Das finde ich gut. Und wem es gef\u00e4llt, der sollte sich au\u00dfer diesem Album auch \u201eRainbro\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Inner Ear Brigade</span> zulegen, das ebenfalls 2012 erschien und mit sehr \u00e4hnlichen Zutaten arbeitet. (Zwei Kaufbefehle in nur einer Rezension, wo sonst gibt es das schon?)</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Decline-Fall-Thinking-Plague/dp/B006HH626G/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat Ausschnitte, <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Decline+And+Fall/7780953\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> das ganze Album im Repertoire.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/A-Whisper-in-the-Noise-To-Forget.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-A-Whisper-in-the-Noise-To-Forget.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">A Whisper in the Noise \u2013 To Forget</span>\n<p>Nach so viel lauter Musik schlage ich wieder leisere T\u00f6ne an. Ein Fl\u00fcstern im Krach. <span class=\"musik-review-bandname\">A Whisper in the Noise</span>.</p>\n<p>Eigentlich hatte man <span class=\"musik-review-bandname\">A Whisper in the Noise</span> ja schon <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/a-whisper-in-the-noise-to-forget-melancholisches-lebenszeichen/\&quot;" data-wpel-link="internal">f\u00fcr scheintot erkl\u00e4rt</a>, nachdem aus einigen Mitgliedern dieser Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Wive</span> entstand, die ich 2010 f\u00fcr <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/09/not-if-i-wrap-myself-in-nylon/\&quot;" data-wpel-link="internal">ihre gro\u00dfartige CD-Verpackung</a> lobte (und die aber auch ganz <em>okaye</em> Musik machen). \u00dcbrig geblieben ist nach der kurzzeitigen Aufl\u00f6sung nach dem Album \u201eDry Land\u201c auch tats\u00e4chlich nur noch das Duo <span class=\"musik-review-bandname\">West Thordson</span> (Schlagzeug, Gitarre, Gesang, diverses) und <span class=\"musik-review-bandname\">Sonja Larson</span> (Violine und ebenfalls Gesang).</p>\n<p>Dabei scheinen die Gemeinsamkeiten mit <span class=\"musik-review-bandname\">Wive</span> anfangs gar nicht einmal so gro\u00df zu sein, die instrumentale Er\u00f6ffnung, n\u00e4mlich das Titelst\u00fcck, l\u00e4sst <span class=\"musik-review-bandname\">A Whisper in the Noise</span> den Japanern <span class=\"musik-review-bandname\">Mono</span> nahe erscheinen, aber bereits im zweiten St\u00fcck, \u201eBlack Shroud\u201c, schl\u00e4gt die Stimmung um. Von der unterdr\u00fcckten, zur\u00fcckhaltenden Aggression von \u201eDry Land\u201c ist nichts mehr zu h\u00f6ren und zu sp\u00fcren, Melancholie und elegische Vertr\u00e4umtheit behalten die Oberhand.</p>\n<p>W\u00e4re da nicht der zur\u00fcckhaltende, beinahe \u00e4ngstliche Paargesang, man k\u00f6nnte \u201eTo Forget\u201c f\u00fcr ein Sp\u00e4twerk von <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span> halten (oder f\u00fcr eine Coverversion davon). <span class=\"musik-review-bandname\">Slint</span> immerhin, wie <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span> Pioniere des Postrocks, nennt man gelegentlich als Referenz, und so schlie\u00dft sich der Kreis dann ja doch noch beinahe.</p>\n<p>Ein Fl\u00fcstern im Krach. So klingt \u201eTo Forget\u201c: Still, zerbrechlich, zur\u00fcckhaltend. Unaufdringlich wie diese S\u00e4tze. Sch\u00f6n.</p>\n<p>Ich empfehle Unentschlossenen folgende <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\n<a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/product/B0068VZOJ2/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat die gewohnten Klangschnipsel vorr\u00e4tig, die Band selbst hat auf <a href="\&quot;http://soundcloud.com/awitn\&quot;" data-wpel-link="internal">SoundCloud</a> die beiden St\u00fccke \u201eYour Hand\u201c und \u201eBlack Shroud\u201c hochgeladen. Empfehlenswert.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Meshuggah-Koloss.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Meshuggah-Koloss.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Meshuggah \u2013 Koloss</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eMy rules apply to all. You\u2019ll heed me, bleed for me.\u201c</span> (I am Colossus)\n<p>In der <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">zweiten Halbjahresliste 2011</a> hatte ich <span class=\"musik-review-bandname\">Cave In</span> lobend erw\u00e4hnt und war damals schon nicht sicher, welches Genre angemessen w\u00e4re:</p>\n<blockquote><p>\u201eMetalcore\u201c ist zwar eine valide Beschreibung der allgemeinen Ausrichtung der Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Cave In</span>, aber sie ist nicht ansatzweise vollst\u00e4ndig.</p></blockquote>\n<p>So geht es mir auch bei \u201eKoloss\u201c, dem neuen Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Meshuggah</span>. Die \u201eBabyblauen Seiten\u201c <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=band&amp;bandId=1768&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews\&quot;" data-wpel-link="internal">f\u00fchren sie</a> als \u201eProg-Death-Thrash-Metal aus Schweden\u201c, ich w\u00fcrde sie spontan vor allem unter \u201eb\u201c wie \u201eb\u00f6se\u201c einsortieren. \u201eProg\u201c ist unsereins dann doch etwas zur\u00fcckhaltender gewohnt, w\u00e4re da nicht <span class=\"musik-review-bandname\">Dick L\u00f6vgren</span>, dessen Bassspiel diesem Koloss (\u201eKoloss\u201c, wissenschon) von Musik eine Prise <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> hinzuf\u00fcgt, was wohl schon gen\u00fcgt, um pauschal \u201eProg\u201c draufzuschreiben. Ach, man k\u00f6nnte meschugge werden davon.</p>\n<p>Apropos meschugge, bleiben wir bei <span class=\"musik-review-bandname\">Meshuggah</span>. Von der Urbesetzung \u2013 formiert immerhin bereits 1987, was im <em>Musikgesch\u00e4ft</em> inzwischen durchaus eine ansehnliche Zeitspanne ist \u2013 sind nur noch <span class=\"musik-review-bandname\">Jens Kidman</span> (Gesang) und <span class=\"musik-review-bandname\">Fredrik Thordendal</span> (Gitarren) an Bord, die Quintettbesetzung vom Vorg\u00e4ngeralbum \u201eobZen\u201c ist indes unver\u00e4ndert geblieben.</p>\n<p>Auch nach 25 Jahren sind sie noch kein bisschen leiser geworden. \u201eGesang\u201c ist hier nicht allzu w\u00f6rtlich zu nehmen, klischeetauglich wird ins Mikrofon gebr\u00fcllt. Konterkariert wird das Klischee von den einigerma\u00dfen vertrackten Rhythmen und Melodien, die zeigen, dass es eben nicht nur um blo\u00dfe brachiale musikalische Gewalt geht. Nat\u00fcrlich gibt es auch auf \u201eKoloss\u201c trotzdem <a href="\&quot;http://www.metal.de/progressive-metal/review/meshuggah/49454-koloss/\&quot;" data-wpel-link="internal">m\u00e4chtig auf die Zw\u00f6lf:</a></p>\n<blockquote><p>Das Album brilliert mit einer derma\u00dfen hervorragenden Balance, dass zur Perfektion nur noch ein Wimpernschlag zu fehlen scheint. Riffs, Gitarrenarbeit, Schlagwerk, Komposition, Arrangements und Klang \u2013 s\u00e4mtliche Zutaten, von Mikrobestandteilen zu den groben Fragmenten, die ein Album, einen Song ausmachen, f\u00fcgen sich auf \u201eKoloss\u201c zu einem Gesamtbild zusammen, welches den H\u00f6rer mit einer erbarmungslosen Kanonade von Hiteinschl\u00e4gen niederwalzt.</p></blockquote>\n<p>Der Fauxpas \u201eHiteinschl\u00e4ge\u201c, also \u201eSchlageinschl\u00e4ge\u201c, sei geschenkt: Hinzuzuf\u00fcgen ist dem ansonsten nichts mehr.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Koloss-Meshuggah/dp/B0041B785Y/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat 30-sek\u00fcndige Ausschnitte und eine <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Koloss-Meshuggah/dp/B006ZT47MM/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Sonderauflage mit DVD</a>, <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/Koloss/7678608\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> das komplette Album zum Streamen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Graham-Coxon-A-plus-E.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Graham-Coxon-A-plus-E.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Graham Coxon \u2013 A + E</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eGoing down to the city hall, a billion lights in front of me\u2026\u201c</span> (City Hall)\n<p>Aus dem n\u00e4heren Umkreis der mal mehr, mal weniger aktiven Britpop-Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Blur</span> h\u00f6rt man gegenw\u00e4rtig vor allem von <span class=\"musik-review-bandname\">Damon Albarn</span>, nebenbei Vordenker der <span class=\"musik-review-bandname\">Gorillaz</span> und sonstwie hyperaktiv, so manches. Dass bei <span class=\"musik-review-bandname\">Blur</span> au\u00dfer ihm auch andere Musiker spielten und/oder spielen, geht dabei fast vollkommen unter.</p>\n<p>Einer von diesen anderen Musikern ist <span class=\"musik-review-bandname\">Graham Coxon</span>, ebendort einst und nun, nach erfolgter Auss\u00f6hnung, wieder f\u00fcr\u2019s Gitarrenspielen zust\u00e4ndig. Dieser nun ver\u00f6ffentlichte 2012 mit \u201eA + E\u201c ein eigenartig betiteltes (sein inzwischen achtes) Musikalbum mit noch eigenartigerer Musik drauf, das ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/04/graham-coxon-city-hall/\&quot;" data-wpel-link="internal">bereits im April</a> f\u00fcr nicht weniger als grandios hielt. An dieser Einsch\u00e4tzung meinerseits hat sich bislang nichts Wesentliches ge\u00e4ndert.</p>\n<p>Was \u201eA + E\u201c oder \u201eA+E\u201c \u2013 die <em>einzig wahre</em> Schreibweise ist mir gerade nicht gel\u00e4ufig \u2013 bedeuten soll, ist r\u00e4tselhaft, aber das A und O des Lo-Fi-Garagenrocks beherrscht <span class=\"musik-review-bandname\">Graham Coxon</span> aus dem ff. \u201eLo-Fi\u201c ist dabei ausnahmsweise mal nicht nur blechernes Geschrammel: Produzent <span class=\"musik-review-bandname\">Ben Hillier</span> hielt ein wachsames Auge darauf, dass nichts entgleist.</p>\n<p>Zugegebenerma\u00dfen haben Textfreunde wie ich nur wenig Spa\u00df an den eher sp\u00e4rlichen Zeilen. In \u201eCity Hall\u201c gen\u00fcgt eine Zeile, die immer wieder wiederholt wird, das Elektropop-Lied \u201eWhat\u2019ll It Take\u201c hat immerhin schon zwei: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eWhat\u2019ll it take to make you people dance?\u201c</span>, das muss dann aber f\u00fcr eine Strophe auch reichen. Allerdings: \u201eDance\u201c, ja, zum Tanzen oder jedenfalls leidlich rhythmischen Herumwackeln eignet sich \u201eA + E\u201c ebenso wie die meisten Alben der <span class=\"musik-review-bandname\">Dandy Warhols</span>, was ja nun auch nicht die schlechteste Referenz ist, jedoch wirkt der Gesang letzterer Musiker eher m\u00fcde (nicht schlecht-m\u00fcde, sondern m\u00fcde-m\u00fcde), was ein interessantes Stilmittel ist, \u201eA + E\u201c aber dann doch wieder etwas ferner r\u00fccken l\u00e4sst. Das ist gut, denn wer braucht schon ungez\u00e4hlte Musikalben, die einem eigentlich doch nur das gleiche zu sagen haben?</p>\n<p>\u00dcbrigens wird das letzte Lied \u201eOoh, Yeh, Yeh\u201c als \u201eExplicit Lyrics\u201c angepriesen, als textlich wom\u00f6glich nicht sehr jugendfrei also, und <a href="\&quot;http://lyrics.wikia.com/Graham_Coxon:Ooh,_Yeh,_Yeh\&quot;" data-wpel-link="internal">nach Durchsicht desselben</a> leuchtet mir das nicht ein. In anderen L\u00e4ndern ist man jedoch manchmal etwas eigen, was die Bewertung von Versen betrifft, was ich einfach mal unter \u201each, diese US-Amerikaner\u201c verbuche. (<span class=\"musik-review-bandname\">Graham Coxon</span> ist \u00fcbrigens geb\u00fcrtiger Niedersachse, <span class=\"musik-review-bandname\">Blur</span> stammen aus Gro\u00dfbritannien, aber \u201eExplicit Lyrics\u201c ist ein Etikett, das von Niedersachsen und Briten gew\u00f6hnlich eher selten vergeben wird.)</p>\n<p>Fieser Trickser, der er ist, hat <span class=\"musik-review-bandname\">Graham Coxon</span> \u201eAdvice\u201c an den Anfang seines Albums gesetzt, stilistisch nahe den (fr\u00fchen) <span class=\"musik-review-bandname\">Kinks</span> zu verorten und kaum als Zusammenfassung des <em>ganzen Albums</em> geeignet, was wieder einmal zeigt, dass es nicht nur stil\u2011, sondern meist auch sinnlos ist, sich aus einem Musikalbum ein Lied herauszupicken und dieses als Kaufentscheidung heranzuzuiehen.</p>\n<p>Sonst so? <span class=\"musik-review-bandname\">Nine Inch Nails</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">The Cure</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span> <a href="\&quot;http://www.rollingstone.de/reviews/alben/article287261/graham-coxon-a-e.html\&quot;" data-wpel-link="internal">und so weiter und so fort</a>, allesamt veredelt mit der dem Musiker eigenen Prise Minimalismus und Monotonie (<span class=\"musik-review-bandname\">Kraftwerk</span>!), die \u201eA + E\u201c oder \u201eA+E\u201c oder jedenfalls dieses Album so erfrischend <em>anders</em> klingen l\u00e4sst. Prima Musik, das.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Zurzeit (11. Juni 2012) ist \u201eA + E\u201c <a href="\&quot;http://soundcloud.com/theinsound/sets/graham-coxon-a-e\&quot;" data-wpel-link="internal">per SoundCloud</a> zu <em>streamen</em>, ansonsten gibt\u2019s auch <a href="\&quot;http://www.amazon.de/A-E-Graham-Coxon/dp/B006VSLNFQ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> mit den gewohnten 30-Sekunden-Ausschnitten und einer <a href="\&quot;http://www.amazon.de/A-E-Graham-Coxon/dp/B006VSLOA0/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Auflage mit DVD</a>, auf der es Liveversionen zu h\u00f6ren gibt, was bei solcher Musik ja durchaus auch mal ganz interessant ist.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/The-Magnetic-Fields-Love-at-the-Bottom-of-the-Sea.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-The-Magnetic-Fields-Love-at-the-Bottom-of-the-Sea.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Magnetic Fields \u2013 Love at the Bottom of the Sea</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI want the whole bloody place red with your girlfriend\u2019s face\u201c</span> (Your Girlfriend\u2019s Face)\n<p>Ja. Was? \u2013 Das waren meine ungef\u00e4hren Gedanken beim ersten H\u00f6ren dieses Albums.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The Magnetic Fields</span> sind eine 1990 in Boston gegr\u00fcndete Folkpop-/Indiepop-/Noisepop-/Irgendwas-mit-Pop-Band, behauptet <em>das Internet</em>. \u201eSchon wieder Pop?\u201c, ach, nein, so einfach mache ich es mir dann doch nicht. \u201eLove at the Bottom of the Sea\u201c ist genau so \u201ePop\u201c oder \u201enicht Pop\u201c wie alles andere hier in dieser Liste. Tats\u00e4chlich spielen <span class=\"musik-review-bandname\">The Magnetic Fields</span> hier mit Popklischees, aber sind schon rein textlich nicht sonderlich kompatibel mit dem <em>airplay</em> der Massensender.</p>\n<p>\u201eThe moment he walked on the stage my tail began to wag,<br>\nwag like a little weiner dog for Andrew in drag\u201c<br>\n<em>\u2013 Andrew In Drag</em></p>\n<p>Die harmlosen, wohlklingenden Melodien dienen <span class=\"musik-review-bandname\">The Magnetic Fields</span> somit als Katalysator f\u00fcr die <em>schwarzen</em> Texte, was vielleicht den einen oder anderen an <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eWeird Al\u201c Yankovic</span> erinnern mag, der allerdings noch ein wenig alberner ist. Gesungen werden selbige Texte zum Teil von Bandgr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Stephen Merritt</span>, aber auch <span class=\"musik-review-bandname\">Shirley Simms</span> (Ukulele) und Bandmanagerin <span class=\"musik-review-bandname\">Claudia Gonson</span> (Klavier, Perkussion) sind am Mikrofon zu vernehmen.</p>\n<p>Musikalisch h\u00f6re ich eine interessante Mischung aus \u2013 unter anderem \u2013 den <span class=\"musik-review-bandname\">Raveonettes</span> (sehr gut zu h\u00f6ren in \u201eYour Girlfriend\u2019s Face\u201c), diversen Britpop-Bands, den <span class=\"musik-review-bandname\">Dandy Warhols</span> und New Wave (allein schon das pr\u00e4gnante Synthesizer-Blubbern) heraus. Die Synthesizer sind (wieder) <em>neu</em>, die vorherigen drei Alben kamen ohne sie aus (weshalb man <a href="\&quot;http://www.musikexpress.de/reviews/alben/article282438/the-magnetic-fields-love-at-the-bottom-of-the-sea.html\&quot;" data-wpel-link="internal">anderswo</a> von der \u201eNo-Synths-Trilogie\u201c spricht, was irgendwie dann doch albern ist), sie erweitern das Klangbild um interessante Facetten.</p>\n<p>\u201eLove at the Bottom of the Sea\u201c ist in all seiner <em>Poppigkeit</em> ziemlich seltsam, ziemlich h\u00f6rbar und ein ziemlich gutes Sommeralbum. Daf\u00fcr gibt es meine w\u00e4rmste Empfehlung, wenn das Wetter schon nicht reicht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Ein Stream ist \u00fcber <a href="\&quot;http://www.musikexpress.de/news/meldungen/article282607/the-magnetic-fields-love-at-the-bottom-of-the-sea-im-stream.html\&quot;" data-wpel-link="internal">musikexpress.de</a> zu erreichen, ansonsten hat <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Love-Bottom-Sea-Magnetic-Fields/dp/B006XABKVY/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> wieder Drei\u00dfigsek\u00fcnder im Angebot.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/RAK-The-Book-of-Flight-Lepidoptera-II.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-RAK-The-Book-of-Flight-Lepidoptera-II.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">RAK \u2013 The Book of Flight \u2013 Lepidoptera II</span>\n<p>Kehren wir nun zur\u00fcck zu etwas Musik mit mehr Tiefgang: \u201eThe Book of Flight \u2013 Lepidoptera II\u201c ist \u2013 wer h\u00e4tt\u2019s gedacht? \u2013 der Nachfolger des 2004 erschienenen Albums \u201eLepidoptera\u201c. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">RAK</span> (eigentlich der K\u00fcnstlername des Keyboarders <span class=\"musik-review-bandname\">Marc Grassi</span>) daf\u00fcr acht Jahre gebraucht haben, ist nahe liegend, immerhin stammt das Quintett aus der nicht gerade f\u00fcr ihre Agilit\u00e4t bekannten Schweiz.</p>\n<p>Gespielt wird klischeehafter (und trotzdem recht guter, sonst w\u00e4re er nicht hier zu finden) keyboardlastiger Neoprog. Sechs St\u00fccke f\u00fcllen etwas \u00fcber 64 Minuten, womit klar sein d\u00fcrfte, dass es auch dieses Album wahrscheinlich niemals in die Radios schaffen wird. Allein schon der Titel \u2013 lateinischer Name der Schmetterlinge \u2013 d\u00fcrfte die meisten <em>typischen Radioh\u00f6rer</em> hoffnungslos \u00fcberfordern. (Bedenkt man, dass zum Beispiel die Braunschweiger Zeitung einen Bericht \u00fcber ausgerechnet <span class=\"musik-review-bandname\">Justin Bieber</span> auf ihrer Kulturseite zwischen Film, Lyrik und Theater unterbrachte, erscheint diese Bef\u00fcrchtung noch untertrieben.)</p>\n<p>Das ist zu bedauern, denn \u201eThe Book of Flight \u2013 Lepidoptera II\u201c <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=12395\&quot;" data-wpel-link="internal">hat es in sich</a>:</p>\n<blockquote><p>In sechs \u00fcberwiegend langen Songs erz\u00e4hlt <span class=\"musik-review-bandname\">Grassi</span> die Geschichte des \u201eBook of Flight\u201c. Gewaltige Tastengebirge werden aufgeworfen, scharfe Synthie\u2011, Orgel- und Pianoleads durchpfl\u00fcgen diese Klanglandschaften. Die Gitarre setzt mal mit kreischenden E\u2011Gitarren-Soli, mal mit nahezu metallischem Riffing, mal mit bluesgetr\u00e4nkten Harmonien ein ums andere Mal G\u00e4nsehaut-Akzente. Im Untergrund toben wuselig-virtuosen Drums, die dem Ganzen mit einem ordentlich komplexen Rhythmusgeflecht Feuer geben. Da macht sich nicht mal das Fehlen eines etatm\u00e4\u00dfigen Bassisten bemerkbar, soviel Druck und Zug entwickeln die Kompositionen. Die Arrangements bersten f\u00f6rmlich vor Details und Wendungen, die es nach und nach zu entdecken gilt.</p></blockquote>\n<p><em>(Nach wenigen Stunden noch mal obiges Zitat lesen, sich endlich \u00fcber das Wort \u201eetatm\u00e4\u00dfigen\u201c wundern und trotzdem nicht das Zitat verf\u00e4lschen: Erledigt.)</em></p>\n<p>Um metaphorische Schmetterlinge geht es auch in den Texten, genauer gesagt um die St\u00e4rke und Selbstbestimmung des Individuums und den Widerstand gegen Autorit\u00e4ten. Die deutsche Popgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Echt</span> nannte eines ihrer Alben \u201eFreischwimmer\u201c und wollte damit zum Ausdruck bringen, dass sie sich <em>befreit</em> haben von ihrem fr\u00fcheren Dasein, <span class=\"musik-review-bandname\">RAK</span> ging es von Anfang an um das Freisein. Schmetterlinge, Schmetterlinge 2. Wie wohl der Nachfolger hei\u00dfen wird?</p>\n<p>St\u00f6rend ist gelegentlich nur der englischsprachige Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Thwaites</span>, der stimmlich doch sehr an den grauenvollen \u201eGrafen\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Unheilig</span> erinnert. Aber dar\u00fcber sehe ich gern hinweg, immerhin ist er wohltuend <em>nach hinten</em> gemischt worden und somit nur wenig aufdringlich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/The-Book-of-Flight/dp/B007R9SW5W/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gibt es zwar nur die MP3-Version des Albums (eklig in \u201eKapitel\u201c zerschnitten) zu kaufen, jedoch kann hineingeh\u00f6rt werden. Das komplette Album ist auf <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/The+Book+Of+Flight/7761225\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark.com</a> streambar.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Motorpsycho-and-St\u00e5le-Storl\u00f8kken-The-Death-Defying-Unicorn.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Motorpsycho-and-St\u00e5le-Storl\u00f8kken-The-Death-Defying-Unicorn.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Motorpsycho &amp; St\u00e5le Storl\u00f8kken \u2013 The Death Defying Unicorn</span>\n<p>Die norwegische Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span>, seit 1989 bestehend, macht normalerweise eigentlich ganz guten Retro-Prog, Hardrock oder wie man es auch immer nennen m\u00f6chte (die irgendwo im Internet aufgeschnappte Bezeichnung \u201eAlternative-Psychedelic-Hard-Progger\u201c ist recht zutreffend). Diese eigentlich ganz gute Musik muss irgendwann <span class=\"musik-review-bandname\">St\u00e5le Storl\u00f8kken</span>, Keyboarder der gleichfalls norwegischen, jedoch eher jazznahen (und ebenfalls guten) Avantgarde-Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Supersilent</span> zu Ohren gekommen sein, der f\u00fcr das 40-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des Molde-Jazzfestivals noch etwas Musik beitragen wollte.</p>\n<p>So rief er besagte Musikgruppe (<span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span>), das <span class=\"musik-review-bandname\">Trondheim Jazz Orchestra</span>, die Streichergruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Trondheimsolistene</span> und den Jazzviolinisten <span class=\"musik-review-bandname\">Ola Kvernberg</span> zusammen, um Gro\u00dfes zu erschaffen. Das Ergebnis \u2013 fast instrumental \u2013 war ungef\u00e4hr zwei Stunden lang und wurde 2010 uraufgef\u00fchrt. Im weiteren Verlauf fand man sich gemeinsam im Studio ein, k\u00fcrzte das Werk so, dass es auf ein Doppelalbum (etwas weniger als 84 Minuten Gesamtlaufzeit) passt, f\u00fcgte noch einige Strukturen und Texte (letztere stammen von <span class=\"musik-review-bandname\">Bent S\u00e6ther</span>, der hier und bei <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span> singt und Bass spielt) hinzu und fertig war das \u201eDeath Defying Unicorn\u201c, das dem Tod trotzende Einhorn. Progressive-Rock-Freunde kennen ja das Klischee von den esoterischen Texten \u00fcber Elfen und Einh\u00f6rner \u2013 allein das sollte schon ein Grund sein, das Album mal zu h\u00f6ren.</p>\n<p>Auch, wenn ebenfalls gro\u00df <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span> draufsteht: Drin ist vor allem <span class=\"musik-review-bandname\">St\u00e5le Storl\u00f8kken</span>. Das ist gut, denn er setzt als Avantgarde-Jazzmusiker bei der Komposition andere Schwerpunkte. Wie das klingt? Ziemlich \u00fcberragend!</p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann ein Doppelalbum stellenweise etwas langatmig wirken, etwa dann, wenn es minutenlang nur bedeutungsvoll aus dem Lautsprecher wabert. Gerade diese Abwechslung ist es aber, die das \u201eDeath Defying Unicorn\u201c befeuert. Das <span class=\"musik-review-bandname\">Trondheim Jazz Orchestra</span> leistet ganze Arbeit, die Bl\u00e4ser (unter anderem zwei Trompeter und diverse Saxophonisten) sind ein ebenso druckvolles Element der Musik wie (<em>nat\u00fcrlich</em>) die Keyboards von <span class=\"musik-review-bandname\">St\u00e5le Storl\u00f8kken</span>, dessen spacerockiges <em>(ist das \u00fcberhaupt ein Wort?)</em> Keyboardspiel dem von <span class=\"musik-review-bandname\">Patrick Moraz</span> (unter anderem auf dem prachtvollen Album \u201eRelayer\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> zu h\u00f6ren) oft recht nahe kommt.</p>\n<p>Ach, <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>: <span class=\"musik-review-bandname\">Motorpsycho</span> verleugnen ihre Wurzeln auch auf \u201eThe Death Defying Unicorn\u201c nicht. Bereits erw\u00e4hnte <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> (\u201eMutiny\u201c) stehen hier gleichberechtigt neben <span class=\"musik-review-bandname\">Simon &amp; Garfunkel</span> (\u201eInto The Gyre\u201c) und <span class=\"musik-review-bandname\">Lis Er Stille</span>, sozusagen ein beherzter Griff in die Retro-T\u00fcte.</p>\n<p>\u201eRetro\u201c ist auch das Konzept, immerhin ist \u201eThe Death Defying Unicorn\u201c sozusagen eine Rockoper wie einst \u201eTommy\u201c und \u201eThe Wall\u201c; beziehungsweise eben keine Rockoper, sondern \u201eein Wahnsinn\u201c (<a href="\&quot;http://www.plattentests.de/rezi.php?show=9117\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Christian Preu\u00dfer</span></a>), denn in ein enges Genrekorsett l\u00e4sst sich das \u201eEinhorn\u201c beim besten Willen nicht zw\u00e4ngen. Die Rahmenhandlung ist folgenderma\u00dfen \u00fcberliefert:</p>\n<blockquote><p>Es ist der Reisebericht eines seltsamen jungen Kerls, der unter Seekrankheit leidet, sich aber trotzdem an Bord eines Schiffes schleicht. Das Schiff geht unter, er strandet auf einer Insel und muss sich mit der Natur, Halluzinationen und Visionen, und noch manch anderem auseinandersetzen. Es ist eine Art psychedelisch-metaphysischer Trip, dessen Ende \u2013 wie so vieles im Leben und Tod \u2013 offen bleibt.</p></blockquote>\n<p>Trotz oder gerade wegen all dieser Klischees, vom Einhorn bis zur Metaphysik, bleibt eigentlich nur ein Schluss: \u201eThe Death Defying Unicorn\u201c ist anspruchsvoll, anstrengend, eing\u00e4ngig, vielseitig, filigran und rockig zugleich \u2013 kurz: <a href="\&quot;http://www.motor.de/motormeinung/motor.de/motorpsycho_the_death_defying_unicorn.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Ein verflixt gutes Album.</a> Schon jetzt ein starker Anw\u00e4rter auf das Album des Jahres.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> gibt es auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/The-Death-Defying-Unicorn-Motorpsycho/dp/B006U120JC/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, CD 1 als Streaming auch <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/The+Death+Defying+Unicorn/7561686\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Grooveshark.com</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Liars-WIXIW.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Liars-WIXIW.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Liars \u2013 WIXIW</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eTeach me how to be a person.\u201c</span> (Flood to Flood)\n<p>Von den <span class=\"musik-review-bandname\">Liars</span> (den \u201eL\u00fcgnern\u201c) h\u00f6rte man zuletzt im Jahr 2010, als sie das Album \u201eSisterworld\u201c ver\u00f6ffentlichten, das ich seinerzeit sehr gut fand. Zu h\u00f6ren waren Noise-Rock und Post-Punk, die Texte erz\u00e4hlten von Kriminalit\u00e4t und sonstigen Abgr\u00fcnden in der Gro\u00dfstadt. Mit \u201eSisterworld\u201c, \u201eSchwesterwelt\u201c, war der eigene private Raum gemeint, den Bewohner einer solchen Stadt errichten, um ihr Leben weitgehend ungehindert leben zu k\u00f6nnen.</p>\n<p>Mehrere Sprachversionen der Wikipedia betrachten die <span class=\"musik-review-bandname\">Liars</span> konsequenterweise als ehemals im Dance-Punk beheimatete experimentelle Rock- und Post-Punk-Band, heften ihnen also \u00e4hnliche Etiketten wie <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> an. Dumm nur: \u201eWIXIW\u201c (\u201eWish you\u201c, wei\u00df der Teufel, wie man auf so eine Aussprache kommt) klingt schon wieder ganz anders.</p>\n<p>Die Gitarren sind sph\u00e4rischer Elektronik gewichen, das Ergebnis erinnert eher an <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> als an <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span>. Vielerorts liest man auch Vergleiche mit <span class=\"musik-review-bandname\">Radiohead</span>, mit denen die <span class=\"musik-review-bandname\">Liars</span> einst tourten, aber daf\u00fcr ist \u201eWIXIW\u201c meines Erachtens einfach zu gut \u2013 das grauenhafte Gejaule eines <span class=\"musik-review-bandname\">Thom Yorke</span> ist mit dem angenehmen Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Angus Andrew</span> erfreulicherweise auch nicht zu vergleichen.</p>\n<p>Es regiert die vermeintliche <em>Tanzmusik</em>, die aber unter der Oberfl\u00e4che immer noch so verzwirbelt ist wie man es von den <span class=\"musik-review-bandname\">Liars</span> eigentlich erwartet hatte. <a href="\&quot;http://mapambulo.blogspot.de/2012/05/einfach-gemacht.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Beziehungsweise eben:</a></p>\n<blockquote><p>D\u00fcstere Beats, der Gesang an anderer Stelle nur ein rezitatives Stimmengewirr, schwere, kunstvoll verschlaufte Sythievariationen \u2013 (\u2026) hier ist kein Bit falsch gesetzt. Der Titeltrack (\u2026) als experimentelle, auch atonale Fuge, die nach einem Drittel in ein Trommelsperrfeuer m\u00fcndet, der Tranceteppich von \u201eWho Is The Hunter\u201c und das bratzige, tja \u201eBrats\u201c \u2013 kein Schwachpunkt auszumachen.</p></blockquote>\n<p>\u201eWIXIW\u201c mag das bisher zug\u00e4nglichste Werk der <span class=\"musik-review-bandname\">Liars</span> sein, es zu untersch\u00e4tzen w\u00e4re trotzdem ein gewaltiger Fehler. Die Platte w\u00e4chst bei jedem H\u00f6rdurchlauf. Intensiv, berauschend, grandios. Beinahe vergisst man, dass der alte Gitarren-Schrammelrock auch nicht so schlecht war. Nur wenigen Musikgruppen gelingt es, sich neu zu erfinden, ohne dass die Anh\u00e4ngerschar mit den Augen rollt und sich der Konkurrenz zuwendet. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Liars</span> meistern dies augen- bzw. ohrenscheinlich mit Leichtigkeit. Auf weitere \u00dcberraschungen dieser Art freue ich mich jedenfalls.</p>\n<p>Als <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rprobe</span> gibt es unter anderem auf <a href="\&quot;http://vimeo.com/40716035\&quot;" data-wpel-link="internal">vimeo.com</a> das Video zur ersten Single \u201eNo.1 Against The Rush\u201c zu bestaunen, <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Wixiw-Liars/dp/B007VQ7EHI/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> hat derweil Ausschnitte aus allen 11 St\u00fccken im Angebot. Das komplette Album ist auf <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#!/album/WIXIW/7925560\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> streambar.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Astra-The-Black-Chord.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Astra-The-Black-Chord.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Astra \u2013 The Black Chord</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eChasing the bright side, losing the way.\u201c</span> (Barefoot in the Head)\n<p>Eines der scheu\u00dflichsten Biere, die ich je getrunken habe, tr\u00e4gt den gleichen Namen wie diese Musikgruppe. Von \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Konsum von \u201eThe Black Chord\u201c f\u00fchlt man sich jedoch nicht ganz so \u00fcbel wie vom gleichnamigen Getr\u00e4nk. Auch das Fahrzeugmodell des wiederum gleichen Namens, gebaut im Auftrag von Opel, ist verglichen mit diesem Album gerade einmal mittelklassig.</p>\n<p>Die erfreulichen M\u00f6glichkeiten, ebenfalls mittelklassige Wortspiele mit ihrem Namen zu machen, sind aber nur ein Vorteil der Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Astra</span> (lat. \u201eSterne\u201c). Im Dezember 2009 <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">pries ich</a> das Vorg\u00e4ngeralbum \u201eThe Weirding\u201c und nannte es einen \u201evertonten Drogentrip\u201c. Seitdem hat sich, oberfl\u00e4chlich betrachtet, nicht viel ge\u00e4ndert: \u201eThe Black Chord\u201c ist erneut ziemlich drogig. (Wer hat dieses Wort eigentlich erdacht?)</p>\n<p>Zwar stammen sie aus den USA, aber sie holen doch die Tugenden der <em>guten</em> britischen Rockmusik wieder hervor. Tief in den 70-ern verwurzelt spielen sie krautige Psychedelic mit Tiefgang. Die alten <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Glass Hammer</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> treffen auf junge Retrobands wie <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4nglag\u00e5rd</span>. Freunde von Prog-Klischees d\u00fcrfte es freuen, dass drei der f\u00fcnf Mitglieder \u00fcber Mellotrone und/oder Moog-Synthesizer verf\u00fcgen, wenn sie nicht gerade Gitarre oder Keyboard spielen. Nur Schlagzeuger/Fl\u00f6tist <span class=\"musik-review-bandname\">David Hurley</span> und Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Stuart Sclater</span> halten sich von derlei fern, daf\u00fcr beherrschen sie ihre eigenen Instrumente vortrefflich.</p>\n<p>Gesang steht konsequenterweise nicht vorn in der Priorit\u00e4ten-Rangliste, das fast neun Minuten lange Instrumentalst\u00fcck \u201eCocoon\u201c leitet das Album mit dezentem Spacerock ein, steigert sich aber \u00fcber seine volle L\u00e4nge und m\u00fcndet in einem ziemlich mitrei\u00dfenden Finale. Ja, so war das bei guter Musik irgendwann mal \u00fcblich. (\u201eIn The Court Of The Crimson King\u201c funktionierte nach einem \u00e4hnlichen Prinzip und ist immer noch klasse.) Es folgt das viertelst\u00fcndige Titelst\u00fcck \u201eThe Black Chord\u201c, das zu Beginn <span class=\"musik-review-bandname\">Marillion</span> zur Zeit ihrer ersten Alben in Erinnerung ruft, bevor nach etwa zwei Minuten der harmonische Gesang einsetzt. Treibende Instrumente: Tasteninstrumente und Gitarre, begleitet von gelegentlichen Bass- und Schlagzeugeinw\u00fcrfen.</p>\n<p>Noch im gleichen St\u00fcck winkt gelegentlich <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>\u2018 \u201eTrespass\u201c (man h\u00f6re zuerst deren \u201eThe Knife\u201c und dann dieses Album oder umgekehrt) von Weitem, auch wegen der \u00e4hnlichen Gesangs- und sonstigen Effekte. <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Ellis</span> f\u00fcgt ein paar druckvolle Gitarrensolo-Passagen hinzu, die er im folgenden St\u00fcck \u201eQuake Meat\u201c, das mit seinem kr\u00e4ftigen beinahe aggressiv wirkt, nochmals \u00fcbertrifft. \u201eDrift\u201c bringt wieder ein wenig Ruhe ins Album und ist so eine gute \u00dcberleitung zum vorletzten St\u00fcck \u201eBull Torpis\u201c, in dem der Spacerock sich nochmals nachdr\u00fccklich bemerkbar macht. \u201eBarefoot in the Head\u201c ist ein w\u00fcrdiges Ende f\u00fcr dieses Album \u2013 noch einmal wird eine Spannungskurve errichtet, die schlie\u00dflich in einem fulminanten Finale m\u00fcndet.</p>\n<p>Verglichen mit \u201eThe Weirding\u201c sind die Ingredienzen zwar weitgehend gleich geblieben, aber <span class=\"musik-review-bandname\">Astra</span> sind h\u00f6rbar gereift. Das Ergebnis zu \u00fcbertreffen k\u00f6nnte schwer werden, an ihm erfreuen kann man sich jedoch hoffentlich noch f\u00fcr lange Zeit.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Unter anderem \u201eQuake Meat\u201c gibt es <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=kWiBTnGoGM8\&quot;" data-wpel-link="internal">auf YouTube</a> zu h\u00f6ren, in alle St\u00fccke hineinh\u00f6ren l\u00e4sst sich <a href="\&quot;http://www.amazon.de/The-Black-Chord-Astra/dp/B0073M6TRG/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Wassermanns-Fiebertraum-Brandung.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Wassermanns-Fiebertraum-Brandung.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Wassermanns Fiebertraum \u2013 Brandung</span>\n<p>Zum Schluss der dieshalbj\u00e4hrigen Bestenliste gibt es noch einen Kaufbefehl f\u00fcr Freunde digitaler Musik, denn als einen physischen Tontr\u00e4ger gibt es das Album \u201eBrandung\u201c, erschienen im April dieses Jahres, meines Wissens allenfalls auf Konzerten der Regensburger Formation <span class=\"musik-review-bandname\">Wassermanns Fiebertraum</span> zu erwerben.</p>\n<p>Gesang? Trotz Liedtiteln wie \u201eFlackerndes Sonnenlicht\u201c und \u201eZerkratzte Luft\u201c Fehlanzeige. Das ist ein bisschen schade, aber tut nicht weh. Gem\u00e4\u00df der Eigenbeschreibung auf der Website der Band handelt es sich bei <span class=\"musik-review-bandname\">Wassermanns Fiebertraum</span> um \u2026</p>\n<blockquote><p>(\u2026) eine instrumentelle deutsch-\u00f6sterreichische Alternative/Post-Rock-Gruppe, verk\u00f6rpert von vier Musikern, welche \u00fcberwiegend in St\u00e4dten an der Donau wohnen. Sie verzichten auf verbale Sprache, und kommunizieren nur durch Kl\u00e4nge und lebhafte Visuals. In <span class=\"musik-review-bandname\">WASSERMANNS FIEBERTRAUM</span> vermischen sich Wahrheit und Unwirklichkeit, Melancholie, Leid und Bildung, Rausch und Phantasie.</p></blockquote>\n<p>Obwohl der Bandname nach einem bislang unver\u00f6ffentlichten Titel von <span class=\"musik-review-bandname\">H\u00f6lderlin</span> oder auch <span class=\"musik-review-bandname\">Amon D\u00fc\u00fcl II</span> klingt, wird zwar gerockt, aber nicht gekrautet. Alle Signale stehen auf Postrock der lauten, dreckigen Gangart. Der <em>opener</em> \u201eFlackerndes Sonnenlicht\u201c beginnt noch mit eher ruhigen Gitarrenkl\u00e4ngen, aber nach etwa achtzig Sekunden scheppert\u2019s im Karton. \u201eScheppern\u201c ist hier auch so gemeint, das Schlagzeug <em>scheppert</em>; ich sch\u00e4tze, hier w\u00e4re eine bessere Produktion hilfreich gewesen. Das ist aber auch schon das einzige Manko, das ich vorzubringen habe.</p>\n<p>Das Quartett hat zwar <em>nur</em> zwei statt der gewohnten drei Gitarristen, aber die kommen kurz und um so pr\u00e4gnanter auf den Punkt. Ach ja, kurz: zwischen etwa zweieinhalb und f\u00fcnf Minuten betr\u00e4gt die Laufzeit der neun St\u00fccke, und mit 36:38 Minuten Gesamtdauer wird jede drohende L\u00e4nge \u2013 ein bekanntes Problem vieler anderer Postrockgruppen \u2013 gar nicht erst zugelassen. Das ist erfreulich.</p>\n<p>Stilistisch angelehnt ist das zu H\u00f6rende an andere (\u00fcberwiegend) instrumentale Postrockbands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Explosions In The Sky</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span>, zieht man deren Theatralik und Hang zur \u00dcberl\u00e4nge ab.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> <span class=\"musik-review-bandname\">Wassermanns Fiebertraum</span> hat einen <a href="\&quot;http://www.youtube.com/user/WassermannsFT\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube-Kanal</a>, der vielleicht von Interesse ist. Das Album \u201eBrandung\u201c indes kann man nicht nur f\u00fcr 6 Euro (leider nicht auf CD) per <a href="\&quot;http://wassermannsfiebertraum.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">bandcamp.com</a> ordern, sondern obendrein ebendort ohne Aufpreis in voller L\u00e4nge anh\u00f6ren, was ich dann jetzt auch einfach mal empfehle.</p></li>\n</ol>\n<p>Das erste Halbjahr 2012 hatte nicht nur allerlei <em>Kommerzmusik</em> im Portfolio, auch so manche kostenlose Delikatesse erblickte das Tageslicht. Einige davon habe ich im Folgenden zusammengetragen und f\u00fcge kurze Erl\u00e4uterungen bei:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Herunterladbefehle.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Petrels-All-things-in-common.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Petrels-All-things-in-common.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Petrels \u2013 All things in common (EP)</span>\n<p>Ein wenig seltsam wirkt es vielleicht schon, dass diese fast zwanzigmin\u00fctige EP aus nur zwei St\u00fccken besteht. Die haben es aber in sich.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Petrels</span> hei\u00dft ein Projekt von <span class=\"musik-review-bandname\">Oliver Barrett</span>, normalerweise mit <span class=\"musik-review-bandname\">Bleeding Heart Narrative</span> unterwegs. Das Deb\u00fctalbum \u201eHaeligewielle\u201c wird begleitet von einer frei verf\u00fcgbaren EP namens \u201eAll things in common\u201c. Die musikalischen Wege der Stammband beschreitet er solo nicht: Ambiente Klangteppiche (<span class=\"musik-review-bandname\">Tangerine Dream</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Klaus Schulze</span>) sind hier ebenso zu h\u00f6ren wie fast kakophonische, w\u00fctende Noise-Ausbr\u00fcche. Gelegentlich erinnert das Treiben an j\u00fcngere Ver\u00f6ffentlichungen von <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span>, ist aber rauer und weniger dem Sch\u00f6nklang verschrieben.</p>\n<p>Die beiden St\u00fccke auf der EP hei\u00dfen \u201eThomas M\u00fcntzer\u201c und \u201eLeonora Christine\u201c. <span class=\"musik-review-bandname\">Thomas M\u00fcntzer</span>, <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_M%C3%BCntzer\&quot;" data-wpel-link="internal">laut Wikipedia</a>, war ein Theologe und Revolution\u00e4r in der Zeit des Bauernkrieges (also in der ersten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts) und wurde sp\u00e4ter auf der 5\u2011Mark-Note der DDR sozusagen verewigt. <span class=\"musik-review-bandname\">Leonora Christina</span> <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Leonora_Christina_Ulfeldt\&quot;" data-wpel-link="internal">war</a> etwa hundert bis hundertf\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter eine d\u00e4nische Schriftstellerin und Prinzessin, die aufgrund ihrer zahlreichen Geburten (und Reisen) kaum Zeit f\u00fcr eine angemessene Ausbildung hatte (an welche deutsche Politikerin der Gegenwart erinnert uns das?), hat es aber nicht auf eine Banknote geschafft.</p>\n<p>Was das zu bedeuten hat? Ich wei\u00df es nicht, Texte gibt es nicht. Aber muss man immer alles verstehen?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen</span> und anh\u00f6ren geht sowohl <a href="\&quot;http://petrels.bandcamp.com/album/all-things-in-common\&quot;" data-wpel-link="internal">per Bandcamp</a> als auch <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2375\&quot;" data-wpel-link="internal">via eMule</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/The-Next-Hundred-Years-Troppo.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-The-Next-Hundred-Years-Troppo.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Next Hundred Years \u2013 Troppo</span>\n<p>Etwas erdiger als <span class=\"musik-review-bandname\">Petrels</span> gehen die Kanadier <span class=\"musik-review-bandname\">The Next Hundred Years</span> zu Werke, und das schon, wie man h\u00f6rt, seit Jahren von Plattenfirmen ignoriert. Das ist gut f\u00fcr uns arme Musikfreunde, aber schade f\u00fcr die Musiker, denn sie verrichten ihr Tun vortrefflich.</p>\n<p>\u201eTroppo\u201c hei\u00dft das diesj\u00e4hrige Album der Band, was Italienisch ist und \u201ezu viel\u201c bedeutet. Zu viel ist das aber alles nat\u00fcrlich nicht, sondern eher viel zu wenig. F\u00fcnf Herren mit Gitarren, Bass, Keyboard, Schlagzeug und Violine, unterst\u00fctzt von einer Cellistin und einem Trompeter als Gastmusikerduo, obendrein gibt es Gesang. Und zwar ziemlich guten. <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-next-hundred-years-ein-verdammtes-nein-zwei-verdammte-monster/\&quot;" data-wpel-link="internal">Ich zitiere</a> ungefragt und unverf\u00e4lscht:</p>\n<blockquote><p>Knifflige Rhytmusabteilung, akurate Tempowechsel, Wahnsinns-Gesang, schnittige Gitarren-Riffs mit allem Pipapo.Ich schmeiss hier einfach mal ein paar Begriffe in den Raum. <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Russian Circle</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Kyuss</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Queens of the Stone Age</span>. Oder anders herum, Musik im Spannungsfeld zwischen geerdeten Progressive-Rock, Psychedelic, Metal und Stoner-Rock.</p></blockquote>\n<p>Dem f\u00fcge ich noch ein zaghaftes <span class=\"musik-review-bandname\">Oceansize</span> hinzu und sonst nichts. Nur noch so viel: Wenn so <em>die n\u00e4chsten hundert Jahre</em> klingen, wird der Rest meines Lebens noch spannender als erwartet.<br>\nIch freue mich jetzt schon.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen</span> und anh\u00f6ren kann man \u201eTroppo\u201c <a href="\&quot;http://thenexthundredyears.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">auf bandcamp.com</a> sowie wiederum <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2397\&quot;" data-wpel-link="internal">via eMule</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/terraformer-the-sea-shaper.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-terraformer-the-sea-shaper.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">terraformer \u2013 the sea shaper</span>\n<p>Wiederum instrumental spielt das belgische Trio <span class=\"musik-review-bandname\">terraformer</span> (anscheinend komplett klein geschrieben, obwohl die Plattenfirma <a href="\&quot;http://dunkrecords.bandcamp.com/album/the-sea-shaper\&quot;" data-wpel-link="internal">Gro\u00dfbuchstaben verwendet</a>) auf. Nach dem ersten H\u00f6rdurchlauf schrieb ich in ein Forum hinein, dieses Album sei mitunter \u201eetwas langatmig\u201c, aber das ist noch nicht alles.</p>\n<p>Mathrock, Postrock und Postmetal finden hier zusammen. Die drei hauen dabei derart <em>auf die Kacke</em>, dass sogar <a href="\&quot;http://www.punknews.org/review/11148\&quot;" data-wpel-link="internal">Punknews.org</a> einen wohlwollenden Bericht hat, und dort ist man schon namentlich nicht unbedingt offen f\u00fcr komplexere Musik. <span class=\"musik-review-bandname\">Mastodon</span> und die guten, alten <span class=\"musik-review-bandname\">Pelican</span> kommen dem H\u00f6rer ebenso in den Sinn wie <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> (aber selten).</p>\n<p>Die <a href="\&quot;http://terraformer.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Eigenbeschreibung</a> der Band ist r\u00e4tselhaft:</p>\n<blockquote><p>Three pieces. Instrumental. Oh My God Climax. Almost shredding. Wild. Fake polyrythms. Cheesy layers. Rash looping. Evil patterns. Semi mosh. Catchy tappings. Messy. Sexy lads. Br00tal! Barefaced. Mickey. Emergency. Booby hatch. Ham rotten. Homeric. Ethereal. Celurean. Dragon. Terrestrial. Epic. M\u00e9duse. Explosions. Tasty shirts. Wolfes. Hibou. Ethyl. Beast. Puddles. Summoning creatures.</p></blockquote>\n<p>Das klingt nach jeder Menge Spa\u00df und ist sehr h\u00f6renswert.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen</span> und Anh\u00f6ren (und Kauf der CD) dieses spa\u00dfigen Albums ist <a href="\&quot;http://terraformer.bandcamp.com/album/the-sea-shaper/\&quot;" data-wpel-link="internal">auf bandcamp.com</a> m\u00f6glich, alternatives Herunterladen klappt <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2412\&quot;" data-wpel-link="internal">via eMule</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Elias-Schwerdtfeger-Die-singende-Maschine.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Elias-Schwerdtfeger-Die-singende-Maschine.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Elias Schwerdtfeger \u2013 Die singende Maschine</span>\n<p>\u201eManche nennen es Musik, doch f\u00fcr die meisten ist es Krach\u201c \u2013 dies sang <span class=\"musik-review-bandname\">Farin Urlaub</span> im \u201eIntro\u201c seines Solodeb\u00fcts vor einigen Jahren. Ganz anders als Herr <span class=\"musik-review-bandname\">Urlaub</span> empfindet Herr <span class=\"musik-review-bandname\">Schwerdtfeger</span>, nach wie vor brotloser K\u00fcnstler aus Hannover, jedoch f\u00fcr Musik.</p>\n<p>Auf seinem \u2013 laut eigener Beschreibung \u2013 vorletzten <em>in dieser Form ver\u00f6ffentlichten</em> Album \u201eDie singende Maschine\u201c ist zu h\u00f6ren, was draufsteht: Allerlei maschinelle Kl\u00e4nge und Gesang, wie der Vorg\u00e4nger \u201eTemple of Void\u201c (<a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">ich berichtete</a>) versehen mit subtil oder direkt gesellschaftskritischen Texten.</p>\n<p>Da wird schon mal ein Paragraph des Sozialgesetzbuches von schw\u00e4bischen Gr\u00fc\u00dfen begleitet (\u201eSozialgesetzbuch\u201c), und auch <span class=\"musik-review-bandname\">Sven Regener</span>s verwerfliches Geschw\u00e4tz <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=UZLsXYBJ08I\&quot;" data-wpel-link="internal">\u00fcber Rockmusik und fiese Raubmordkopierer</a> wurde zu einem Elektromusikst\u00fcck verwurstet. (Eigentlich ist es seltsam, dass es dar\u00fcber noch kein mir bekanntes Rockmusikst\u00fcck gibt.)</p>\n<p>\u00dcberwiegend ist \u201eDie singende Maschine\u201c ohnehin bef\u00fcllt mit dem, was vom Vorg\u00e4nger \u00fcbrig blieb, sozusagen also eine Resteverwertung. Das macht das Album keinesfalls schlechter. \u201eDie singende Maschine\u201c ist d\u00fcster, deprimierend, monoton und experimentell, und niemand wird davon je eine Single auskoppeln. Das ist ein gutes Qualit\u00e4tsmerkmal.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Bezugsquellen</span> sind die <a href="\&quot;http://www.tamagothi.de/alben/die-singende-maschine/\&quot;" data-wpel-link="internal">Webseite zum Album</a> (der dortige Stream wird sofort abgespielt, ich empfehle Vorsichtsma\u00dfnahmen) und <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2096\&quot;" data-wpel-link="internal">eMule</a>. Viel Vergn\u00fcgen.</p></li>\n</ol>\n<p>Was hingegen \u00fcberhaupt kein Vergn\u00fcgen bereitet, sind die Reinf\u00e4lle der ersten sechs Monate dieses Jahres. Leider lasse auch ich mich von \u00fcberschw\u00e4nglichen Rezensionen manchmal dazu hinrei\u00dfen, von <em>den Medien</em> f\u00fcr Pflichtk\u00e4ufe gehaltene Musikalben zu h\u00f6ren, die sich mir dann als eher l\u00e4stig offenbaren. Zum Beispiel die folgenden:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Ignorierbefehle.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Tindersticks \u2013 The Something Rain</span><br>\nLangweilig.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Vibravoid \u2013 Gravity Zero</span><br>\nBelanglos.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Stranglers \u2013 Giants</span><br>\nErschreckend schlechter Gesang, der das eigentlich \u00fcberdurchschnittlich gute Album komplett zerst\u00f6rt.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Crippled Black Phoenix \u2013 (Mankind) The Crafty Ape</span><br>\nErm\u00fcdend.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Intersphere \u2013 Hold On Liberty</span><br>\nMainstreamquatsch.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Mars Volta \u2013 Noctourniquet</span><br>\nMau.</li>\n</ul>\n<p>Zum Gl\u00fcck war das nicht immer so. Zum Abschluss dieses Beitrags unternehmen wir, wie gewohnt, eine kurze Zeitreise durch 40 Jahre Musikgeschichte:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">4.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Sammelbefehle.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Matching Mole \u2013 Matching Mole</span><br>\n1972 stand der neu erwachsene Progressive Rock kurz vor seinem H\u00f6hepunkt, nur wenige Musikgruppen, etwa die <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span> mit ihrem Meisterwerk \u201eExile on Main St.\u201c, hielten dagegen. Krautrockbands wie das kanadisch-deutsche Duo <span class=\"musik-review-bandname\">Emtidi</span>, das mit \u201eSaat\u201c ihr einziges, h\u00f6rbar unter Drogeneinfluss entstandenes Krautfolk-Album \u00fcber das \u201ePilz\u201c-<em>label</em> ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, konnten sich ebenso gro\u00dfer Beliebtheit beim Publikum freuen wie symphonische \u201eProgger\u201c wie <span class=\"musik-review-bandname\">Jonesy</span>, die mit \u201eNo Alternative\u201c ein heute fast vergessenes Album aufgenommen hatten, das reichen Mellotroneinsatz mit kr\u00e4ftigem Hardrock vermengt. Diese Erfolge waren nat\u00fcrlich auch die Erfolge der Pioniere der progressiven Musik, seien es <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, seien es die Canterbury-Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span>. Letztere hatten im Vorjahr Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Wyatt</span> vor die T\u00fcr gesetzt, was dieser zum Anlass nahm, mit <span class=\"musik-review-bandname\">Matching Mole</span> (\u201emachine molle\u201c ist angeblich Franz\u00f6sisch und bedeutet ungef\u00e4hr \u201eweiche Maschine\u201c\u2026) eine fr\u00fche \u201eSupergroup\u201c aus ehemaligen Mitgliedern von <span class=\"musik-review-bandname\">Caravan</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Delivery</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Quiet Sun</span> zusammenzustellen. Die Aufl\u00f6sung erfolgte noch im selben Jahr, f\u00fcr zwei Studioalben und einige sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte Archivaufnahmen hat diese kurze Zeitspanne jedoch gen\u00fcgt. Das Deb\u00fct gl\u00e4nzt mit freif\u00f6rmigem Jazzrock im Canterbury-Stil, dem <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Sinclair</span> seine unverwechselbaren Keyboardkl\u00e4nge beigef\u00fcgt hat. 1973 fiel <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Wyatt</span> aus einem Fenster und ist seitdem querschnittsgel\u00e4hmt, was Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Neuformierung von <span class=\"musik-review-bandname\">Matching Mole</span> leider zunichte machte. Was bleibt, ist ein gro\u00dfartiges Zeitdokument, das in mancher Hinsicht seinesgleichen sucht.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 35 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind \u2013 Quark, Strangeness And Charm</span><br>\nSchon f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter kam der Punk auf und machte alles kaputt, seufz!; die <span class=\"musik-review-bandname\">Sex Pistols</span> wurden mit \u201eNever Mind the Bollocks, Here\u2019s the Sex Pistols\u201c frenetisch beklatscht beziehungsweise bepogt, und die Progressive-Rock-Musiker, die um ihren Erfolg bangten, versuchten sich an einer Neuausrichtung. W\u00e4hrend <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> sich mit \u201eGoing for the One\u201c und <em>dem</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-St\u00fcck \u201eAwaken\u201c ein vorerst letztes Mal aufb\u00e4umten, bevor sie sich im Popdschungel verirrten, hatten <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> mit \u201eAttahk\u201c nicht nur ein <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/04/das-scheussliche-cover-magma-attahk/\&quot;" data-wpel-link="internal">scheu\u00dfliches Coverbild</a>, sondern auch eine teilweise Abwendung vom Zeuhl nebst Hinwendung zur Popul\u00e4rmusik der eher eint\u00f6nigen Sorte zu verbuchen. Erfreuliches hingegen kam aus dem Spacerock-Lager: Das Quintett <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span>, aus dessen Reihen auch der wegen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Drogenkonsums gefeuerte <span class=\"musik-review-bandname\">Mot\u00f6rhead</span>-Gr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Lemmy Kilmister</span> stammt, legte mit \u201eQuark, Strangeness And Charm\u201c einen Klassiker in ihrem Katalog vor. Das Bekannteste der enthaltenen St\u00fccke d\u00fcrfte \u201eSpirit Of The Age\u201c sein, das aus ihrem Repertoire nicht mehr wegzudenken ist. <span class=\"musik-review-bandname\">Simon House</span>s Violine ist ebenso pr\u00e4gnant wie die futuristische und berechnende K\u00e4lte dieses Albums, die wohl auch eine Folge des Weggangs von Saxophonist <span class=\"musik-review-bandname\">Nik Turner</span> und Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Alan Powell</span> ist. Der Gesundheitszustand von S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Calvert</span>, der bereits w\u00e4hrend der Aufnahmen unter manischer Depression litt, veranlasste <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Brock</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> im Folgejahr aufzul\u00f6sen; die Reunion 1979 fand \u2013 mit Ausnahme von <span class=\"musik-review-bandname\">Dave Brock</span> und Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Tim Blake</span> \u2013 in neuer Besetzung statt. Auch die folgenden Besetzungen waren zu Gro\u00dfem f\u00e4hig, \u201eQuark, Strangeness And Charm\u201c sollte man dennoch einmal geh\u00f6rt haben.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Cassiber \u2013 Man or Monkey</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Hawkwind</span> lieferten 1982 mit \u201eChoose Your Masques\u201c und \u201eChurch of Hawkwind\u201c zwei eher maue Alben ab, daf\u00fcr lie\u00dfen <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> wieder von sich h\u00f6ren: Das zweite 80-er-Album der neu formierten Progressive-Rock-Pioniere, \u201eBeat\u201c, zitierte im trockenen, industriellen New-Wave-Gewand Beat-Dichter wie <span class=\"musik-review-bandname\">Allen Ginsberg</span>. Vom <em>mainstream</em> zum Gl\u00fcck weitgehend unbeachtet war derweil die oft so gescholtene <em>Frickelszene</em> auch nicht unt\u00e4tig: Als <span class=\"musik-review-bandname\">Cassiber</span> hatten sich drei deutsche Musiker, darunter der Pianist und Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Heiner Goebbels</span> (<a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Heiner_Goebbels\&quot;" data-wpel-link="internal">nicht identisch</a> mit dem anderen \u201eHeiner\u201c Goebbels), mit dem englischen RIO/Avant-Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Cutler</span> (<span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Art Bears</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Pere Ubu</span> und andere) zusammengetan und spielten mit \u201eMan Or Monkey\u201c ein \u2013 die frei rezitierten Texte eingeschlossen \u2013 komplett improvisiertes Musikalbum ein, das ihnen trotz seiner Unzug\u00e4nglichkeit eine Einladung zum Frankfurt Jazz Festival 1982 bescherte. Dass ausgerechnet \u201eDie Verunreinigung des Flusses ist gerade noch ertr\u00e4glich\u201c ein Instrumentalst\u00fcck ist, ist ein wenig schade, denn einen Text hierzu h\u00e4tte ich gern einmal geh\u00f6rt. Die Texte stehen hier n\u00e4mlich keinesfalls im Dienst der Musik: In \u201eOur Colourful Culture\u201c etwa singt <span class=\"musik-review-bandname\">Christoph Anders</span> zu, nun, Karnevalsmusik Zeilen wie <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eI came from the country! / Arriba! Arriba! / They were killing my family! / Ha ha ha ha!\u201c</span>. Arriba, arriba. \u201eMan or Monkey\u201c ist schr\u00e4g, skurril, experimentell und so gro\u00dfartig, dass es bedauerlich ist, dass sich <span class=\"musik-review-bandname\">Cassiber</span> bereits 1992 nach nur vier Studioalben wieder aufl\u00f6sten. <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Cutler</span> ist bis heute musikalisch aktiv, und eine Besch\u00e4ftigung mit seinen zahlreichen Projekten ist lohnenswert. <span class=\"musik-review-bandname\">Cassiber</span> indes bleiben bis heute einzigartig.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 15 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Genesis \u2013 Calling All Stations</span><br>\nIn der durchkommerzialisierten Musikwelt der 1990-er Jahre war es schwierig, Neues zu wagen, ohne daf\u00fcr alles aufs Spiel zu setzen. <span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span> hatten im Vorjahr ihr bisher einziges Konzeptalbum \u201eLe Frisur\u201c ver\u00f6ffentlicht, das (unter anderem bei mir) als eines ihrer besten Werke gilt. Im selben Jahr verlie\u00df <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> die Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>, nachdem er sie mit seiner grausigen Popschei\u00dfe gr\u00fcndlich gegen die Wand gefahren hatte, um das Radiopublikum fortan mit Soloschnulzen zu nerven. Die verbliebenen Mitglieder versuchten einen Neubeginn mit S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Ray Wilson</span> und zwei Schlagzeugern, darunter <span class=\"musik-review-bandname\">Nick D\u2019Virgilio</span> von <span class=\"musik-review-bandname\">Spock\u2019s Beard</span>. Mit dem Album \u201eCalling All Stations\u201c besannen sie sich zur\u00fcck auf alte Tugenden und verzichteten auf die Produktion von Hitsingles (wenngleich \u201eCongo\u201c dann doch eine wurde) zugunsten des Formats Musikalbum. Trotz (oder wegen?) des Titels und der Neuausrichtung beachteten die Radiosender dieses Album aber nur wenig, die Soloaktivit\u00e4ten von <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> waren ihnen \u2013 wohl wegen des Namens \u2013 wichtiger. Das Kapitel <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> war wenig sp\u00e4ter quasi beendet, ein Neuaufguss mit (wiederum) <span class=\"musik-review-bandname\">Phil Collins</span> blieb eine einmalige Angelegenheit. Da bis heute keine offizielle Aufl\u00f6sung erfolgt ist, kann der geneigte Musikfreund trotz alledem auf bessere Zeiten hoffen. Das tu\u2018 ich dann mal.</li>\n</ul>\n<p>Tja, damit w\u00e4ren wir auch schon wieder am Ende angelangt. Wenn ihr diese Zeilen lest, dann habe ich bereits begonnen, Material f\u00fcr die Jahresendliste zu sammeln. Unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4nglag\u00e5rd</span> und die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> l\u00e4uten das zweite Halbjahr mit jeweils neuen Ver\u00f6ffentlichungen schon recht progressiv ein. Ob sich das Warten gelohnt hat? In einem halben Jahr wissen wir, wie gewohnt, mehr.</p>\n<p>Bis dahin w\u00fcnsche ich allen Musikfreunden ein paar angenehme H\u00f6reindr\u00fccke und danke euch f\u00fcr die Aufmerksamkeit: Danke sehr!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;http://playplaythedrums.com/4712/sick-drummer-magazine-2011-year-in-review-video-3/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Sick Drummer Magazine 2011 Year In Review Video #3 | Play Play The Drums</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Juni 2012</a> dies: [\u2026] Magazine 2011 Year In Review Video #3. A look back at some of the shows from our 2011 filming year.  Sick Drummer Magazine 2011 Year In Review Video #3. A look back at some of the shows from our 2011 \u2026     WordPress \u203a Error  html { background: #f9f9f9; } body { background: #fff; color: #333; [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://ju.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">.tux</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">24. Juni 2012</a> dies: H\u00e4tte man nicht warten k\u00f6nnen?!</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">24. Juni 2012</a> dies: Worauf denn diesmal?</li><li><a href="\&quot;http://ju.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">.tux</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">24. Juni 2012</a> dies: evtl auf das n\u00e4chste Tote Hosen Album welches dann bei dir mindestens auf Platz 1 gekommen w\u00e4re.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">24. Juni 2012</a> dies: Unwahrscheinlich, die sind schon lange beliebig geworden.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2012 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">19. Dezember 2012</a> dies: [\u2026] mich darauf, euch mit gewohnt herausragender Grammatik den zweiten Teil (den ersten Teil gibt es hier) der Liste der mir am gefallendsten Alben 2012 zu pr\u00e4sentieren. Keine Sorge, selbstverst\u00e4ndlich [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2013 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">30. Juni 2013</a> dies: [\u2026] als recht aktiv. Dem jazzdominierten Album \u201eThe Death Defying Unicorn\u201d, meinem Album des Jahres 2012, folgt nun mit nicht einmal einem Jahr Abstand das inzwischen sechzehnte Studioalbum \u201eStill [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2013/10/moster-edvard-lygre-moster/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb M\u00f8ster! \u2013 Edvard Lygre M\u00f8ster</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">24. Oktober 2013</a> dies: [\u2026] schon auf meinem Album des Jahres 2012 spielt St\u00e5le Storl\u00f8kken auch hier \u2013 an Synthesizer und Fender Rhodes \u2013 wieder mit. [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/132fc493914f4b60a0b842ce9278baf8\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 9 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickLeck mich fett, is\u2018 schon wieder Ende Juni? Dann wird\u2019s Zeit f\u00fcr die allsemestrige Liste der schmackhaftesten Studioalben der ersten sechs Monate, die mir bis dato untergekommen sind. Diesmal habe ich sogar daran gedacht, sie einigerma\u00dfen regelm\u00e4\u00dfig zu sichern, und kann diese Vorgehensweise ebenso empfehlen wie folgende Musikalben. \nWie immer habe ich es nicht geschafft, einige von diesen rechtzeitig zu erwerben und zu bewerten, im Gegenzug wurden einige Musikalben disqualifiziert; das Livealbum \u201eThe Gettysburg Address\u201c der Progressive-Rock-Band Moon Safari zum Beispiel ist zwar qualitativ sehr listentauglich, aber eben ein Livealbum und somit ebenso wie die gleichfalls sehr gute Kompilation \u201eLost Tapes\u201c von Can nicht in Konkurrenz zu den anderen hier aufgef\u00fchrten Alben stehend. Auch die Neuauflage von Talk Talks \u201eSpirit of Eden\u201c, obwohl unbedingt h\u00f6renswert, erf\u00fcllt leider nicht das notwendige Kriterium \u201e2012 erstmals ver\u00f6ffentlicht\u201c. Ich bitte um Nachsicht.\nAuf die separate Neubesprechung von \u201eBig Fish\u201c der Cowboys From Hell verzichte ich diesmal und verweise stattdessen auf meinen entsprechenden Artikel vom Februar dieses Jahres. Sollte mir jedoch, davon abgesehen, ein relevantes Album g\u00e4nzlich entgangen sein, bitte ich, wie immer, um eine kurze Notiz. Eine Anmerkung noch: Obwohl der gro\u00dfartige Musikdienst Grooveshark mit deutscher IP-Adresse zurzeit nicht zug\u00e4nglich ist, habe ich ihn im Folgenden gelegentlich referenziert. Selbstverst\u00e4ndlich erkl\u00e4re ich bei Bedarf gern die Vorgehensweise, um ihn verwenden zu k\u00f6nnen. Nun aber viel Spa\u00df beim Erkunden der folgenden Werke:\n1. Kaufbefehle.\n\nLes Fragments de la Nuit \u2013 Musique de Nuit\nWir lassen es ausnahmsweise mal ruhig angehen. Aus Frankreich stammt das Quintett Les Fragments de la Nuit, auf Deutsch \u201eDie Fragmente der Nacht\u201c, und zum Gl\u00fcck verzichten sie mit Ausnahme des zweimin\u00fctigen \u201eLa dame blanche\u201c auf Gesang. Mit franz\u00f6sischsprachigen Texten werde ich einfach nicht warm.\nStattdessen wird die \u201eMusik der Nacht\u201c im instrumentalen Klassikstil dargeboten. Trotzdem klingt das Gefiedel nur selten ein wenig tr\u00e4ge, meist wird reichlich Spannung erzeugt. Das k\u00f6nnte auch daran liegen, dass sich \u201eMusique de Nuit\u201c in diese Liste, mehr oder weniger, hineingeschummelt hat: Zu Beginn ihrer Karriere im Jahr 2005 machten Les Fragments de la Nuit vorrangig Musik f\u00fcr Dokumentarfilme, also recht kurze, aber um so stimmungsvollere St\u00fccke. Tats\u00e4chlich sind auf \u201eMusique de Nuit\u201c viele bereits \u00e4ltere, aber auch einige neuere St\u00fccke zwischen 0:56 und nur zweimal \u00fcber 3 Minuten enthalten.\nZu der Neoklassik gesellen sich Elemente aus Avantgarde und Postrock, etwa dann, wenn Violinen und Cello bewusst mit Dehnung und Dissonanz spielen. Vergleiche? Wenn\u2019s sein muss:\nKlassisches Instrumentarium, neoklassische Ansatz, Experimentalkunst und Ambient mit selbst genannten Einfl\u00fcssen wie Debussy, Erik Satie und Godspeed You! Black Emperor. Kopfkino f\u00fcr Fortgeschrittene.\nGef\u00e4llt mir. Wem noch?\nHerausfinden kann man\u2019s mit den H\u00f6rproben auf Amazon.de, drei St\u00fccke in voller L\u00e4nge sind auch auf der Internetseite von Denovali Records anzuh\u00f6ren.\nDie \u00c4rzte \u2013 auch\n\u201eHast du nichts Besseres zu tun als die Die \u00c4rzte zu h\u00f6r\u2019n?\u201c (ZeiDverschw\u00c4ndung)\nDie \u00c4rzte legen nach: Auch nach 30 Jahren \u2013 netto immerhin 25 \u2013 vereinen sie soliden Poprock mit bisweilen am\u00fcsanten Texten und kokettieren mit den seit Jahren kursierenden Ger\u00fcchten \u00fcber die unvermeidliche baldige Aufl\u00f6sung.\nDass auf \u201eauch\u201c, anders als noch auf dem Vorg\u00e4nger \u201eJazz ist anders\u201c, keine sofort mitgr\u00f6lbare \u201eHitsingle\u201c wie seinerzeit \u201eJunge\u201c zu finden ist, mag stimmen, obwohl das \u201elala-lala, lalala lala-la-lala\u201c der ersten Single \u201eZeiDverschw\u00c4ndung\u201c (von mir bereits an anderer Stelle ausf\u00fchrlich gut gefunden) ziemlich ins Ohr geht. Wer aber Die \u00c4rzte h\u00f6rt, der erwartet normalerweise auch keine Stadionkracher wie zum Beispiel von den Toten Hosen. Davon abgesehen sind die Unterschiede zu \u201eJazz ist anders\u201c nicht allzu gro\u00df: Jenes kam in einer Miniaturpizzaschachtel daher, dieses nun in einem Brettspielkarton. Beides ist enorm unpraktisch f\u00fcr zum Insregalstellen, aber immerhin kreativ. Enthalten ist auch ein Brettspiel, was f\u00fcr lange Abende mit Freunden (und Alkohol) sicherlich interessant ist.\nNat\u00fcrlich ist es unvermeidlich, dass man sich beim Texten nach ein paar Jahrzehnten auch mal wiederholt, ob mit Absicht oder aus Versehen. Das Lied \u201eZeiDverschw\u00c4ndung\u201c etwa beginnt so:\nDu surfst den ganzen Tag schon durch das weltweite Netz\nin der Hoffnung, dass vielleicht mal irgendeiner was petzt.\nDie zweite Strophe von \u201eRettet die Wale\u201c, erschienen erstmals auf der Single \u201eManchmal haben Frauen \u2026\u201c aus dem Jahr 2000, beginnt so:\nIhr sitzt bestimmt den ganzen Tag am Bildschirm und ihr surft durchs Internet.\nSolche Details tr\u00fcben den H\u00f6rspa\u00df aber nur wenig. Schon zu Beginn nehmen sich Die \u00c4rzte selbst auf die Schippe: Farin Urlaubs \u201eIst das noch Punkrock?\u201c beginnt mit Punkrock, ist im Refrain aber ein eher sanftes Liebeslied. In \u201eTCR\u201c zitieren Die \u00c4rzte Reggae, Death Metal und ihre eigene Fr\u00fchphase mit Liedern wie \u201eEl Cattivo\u201c, um ironisch ihre eigene stilistische Bandbreite darzulegen und sich somit einer Schubladisierung (\u201eDie \u00c4rzte sind \u2019ne Punkband\u201c, von wegen!) zu entziehen.\nBela B. hat sein zweites Ich, den lustigen Vampir, bereits auf dem letzten Album \u201ebeerdigt\u201c, Lieder \u00fcber Gruften, Grafen und Untote tr\u00e4gt er diesmal ausnahmsweise also nicht bei, was daf\u00fcr Platz macht f\u00fcr gro\u00dfartige Lieder wie \u201eMistst\u00fcck\u201c. Selbst die Beitr\u00e4ge des Bassisten \u201eRod\u201c Gonz\u00e1lez (wohl nicht identisch mit dem gleichnamigen Schlagzeuger von La Desooorden), darunter das gothicrockartige \u201eSohn der Leere\u201c, sind \u00fcberaus gelungen. Und dann w\u00e4re da eben noch \u201eZeiDverschw\u00c4ndung\u201c: Die \u00c4rzte singen dar\u00fcber, dass Die \u00c4rzte eigentlich gar nicht so interessant sind und die H\u00f6rer doch lieber eine andere Musikgruppe favorisieren sollten. Ob das funktioniert?\nInsgesamt ist \u201eauch\u201c ein gutes Album; kein \u00fcberragendes wie einst \u201ePlanet Punk\u201c und \u201eLe Frisur\u201c, aber auch kein Griff ins Klo wie \u201eIst das alles?\u201c. Besser als das, was ihre langj\u00e4hrigen Weggef\u00e4hrten von den Toten Hosen mittlerweile unter Musik verstehen (siehe auch weiter unten), ist es allemal, und alles, was Die \u00c4rzte ausmacht und bislang ausgemacht hat, ist auch auf \u201eauch\u201c zu h\u00f6ren.\nFarin Urlaub hat vor ein paar Monaten in einem Interview gesagt, in zehn Jahren wolle er definitiv keine Musik mehr machen. Dann ist er fast 60 Jahre alt und somit eigentlich in einem guten Rockstaralter. Wenn vorliegendes Album also bereits Teil seines \u201eAlterswerkes\u201c ist, geb\u00fchrt ihm und seinen beiden Bandkollegen jede Hochachtung. Meinerseits erfolgt diese ja sowieso.\nH\u00f6rproben: Auf YouTube.com gibt es zurzeit offiziellerweise komplette Musikvideos f\u00fcr jedes (!) der Lieder auf dem Album und der Single zu sehen.\nDisappears \u2013 Pre language\n\u201eMinor patterns, nothing happens, changes, standards, doesn\u2019t matter.\u201c (Minor patterns)\nGanz anders als die fr\u00f6hlichen Poprock-\u00c4rzte kommen die vier Musiker von Disappears aus Chicago mit ihrem Noiserock daher. Spontane Assoziationen: The Fall und ein bisschen Sonic Youth.\nAn Bord ist unter anderem Steve Shelley, einst einzig Schlagzeuger bei letzteren und nun auch bei Disappears. Das macht Disappears aber noch nicht zu blo\u00dfen Kopisten: Die Versatzst\u00fccke aus Post-Punk, Feedback-Schleifen und Shoegaze werden elegant in den eigenen Kontext eingewoben. Peter nannte das \u201ePsychedelic Rock\u201c und lag damit nicht mal allzu sehr daneben.\nDie Klangw\u00e4nde aus Bass und Schlagzeug bilden zusammen mit den dreckigen Gitarrenteppichen ein angenehmes Fundament f\u00fcr die manchmal gequ\u00e4lten, manchmal flehenden, manchmal gelangweilten Deklamationen von Brian Case, der Mark E. Smith wom\u00f6glich unabsichtlich, aber doch bravour\u00f6s nacheifert.\nMusikalisch bewegt man sich auf weitem Terrain: Klingt das Titelst\u00fcck, vom Gesang abgesehen, nach den Fehlfarben in ihren besten Jahren, \u201eReplicate\u201c und \u201eJoa\u201c sind hypnotisch groovende Indie-Rock-St\u00fccke. Das Musikmagazin SSG Music brachte den Terminus der Motorik ins Spiel, also den pr\u00e4zisen 4/4\u2011Takt, der Krautrockgr\u00f6\u00dfen wie NEU! und Kraftwerk angeblich charakterisiert, aber die stoische Schlichtheit des Rhythmus\u2018 ist nicht zwingend als Remineszenz, vielmehr als Mittel zum Zweck zu werten.\nMit \u201eKrautrock\u201c hat \u201ePre language\u201c n\u00e4mlich \u2013 erfreulicherweise \u2013 ansonsten nur wenig zu tun, wenn man genannte Vergleiche nicht gerade pauschal in die \u201eKrautrock\u201c-Schublade steckt (und von mir somit schief angeblickt w\u00fcrde), obwohl Thomas Pilgrim das anders sieht:\nDiese dunkelgrauen Lieder kennen ihre Pappenheimer aus Post-Punk, Shoegaze und Krautrock \u2013 und springen entsprechend unsanft mit ihnen um.\nVielleicht ist es f\u00fcr uns Musikfreunde wirklich manchmal das Beste, uns die H\u00f6reindr\u00fccke selbst zu verschaffen. Ich hoffe, dazu mit dieser Rezension ausreichend angeregt zu haben.\nH\u00f6rproben: Auf Amazon.de gibt es 30-sek\u00fcndige Ausschnitte zu h\u00f6ren, auf YouTube.com unter anderem eine Liveversion des Titelst\u00fccks zu sehen.\nField Music \u2013 Plumb\n\u201eThe narratives are so familiar\u2026\u201c ((I Keep Thinking About) A New Thing)\nAus Gro\u00dfbritannien stammt das Quartett Field Music, im Kern bestehend aus und gegr\u00fcndet von den beiden Br\u00fcdern Peter und David Brewis, und es l\u00e4sst auf seinem vierten Studioalbum \u201ePlumb\u201c, das Mitte Februar erschienen ist, kaum ein Klischee \u00fcber britische Rockmusik aus.\nField Music hat die Kreativpause bis zum Album \u201eMeasure\u201c (2010) offenbar gut getan, denn seitdem sind sie von der Indie-Rock-Schiene der Marke Maximo Park abgewichen und widmen sich anderen musikalischen Sph\u00e4ren. Pink Floyd, die Beach Boys und vor allem nat\u00fcrlich die unvermeidlichen Beatles (\u201eSgt.-Pepper\u201c-Phase, also nicht mal unbedingt die schlechteste) h\u00f6rt der geneigte Musikfreund sofort heraus. Das ist vielleicht nicht sonderlich kreativ, aber es spricht an, und das ist nun einmal das Wichtigste an Musik, die gut sein soll.\nAn G\u00fcte mangelt es dann auch tats\u00e4chlich nicht. Die erste Single \u201e(I Keep Thinking About) A New Thing\u201c, auf dem Album erfreulicherweise das letzte und nicht das erste St\u00fcck, beginnt mit Fanfaren, die in ein merkw\u00fcrdig hektisches Bassmuster \u00fcbergehen, zu dem teils ein\u2011, teils mehrstimmig gesungen wird. Funk klingt ebenso an wie der zu Unrecht nur wenig bekannte New Wave von XTC. Vorwerfen k\u00f6nnte man der Band hier nur, dass das Lied ein wenig zu kurz ist \u2013 oder wirkt es nur so? 3 Minuten und 16 Sekunden sind ja durchaus \u00fcblich, und das ist bedauerlich.\nW\u00e4hrend besagte Single die Indie-Wurzeln der Band kaum verleugnen kann, sind andere St\u00fccke wie \u201eA New Town\u201c eigenst\u00e4ndiger: Nach einem melancholischen Akkordeon-Intro bricht der Funk mit hoher Stimmbegleitung wieder los; die Melodie (Gesang wie Instrumente) bekommt man nur noch schwer aus dem Kopf. \u201eSorry Again, Mate\u201c ist ein eher unauff\u00e4lliges, von Streichern begleitetes Poplied im Stil der Beatles zu Zeiten von \u201eAbbey Road\u201c, das er\u00f6ffnende \u201eStart The Day Road\u201c bedient sich bei den mehrschichtigen Experimenten von King Crimson und ihren Nacheiferern.\nWer den Poprock der sp\u00e4ten 60-er Jahre sch\u00e4tzt, dem d\u00fcrfte \u201ePlumb\u201c zweifelsohne gefallen. Gelegentliche Wechsel zwischen Gef\u00e4lligkeit und Anspruch erh\u00f6hen das H\u00f6rvergn\u00fcgen auch f\u00fcr diejenigen unter jenen, die Abwechslung m\u00f6gen. \u201ePlumb\u201c ist ein seltsames Album \u2013 aber ein gutes.\nH\u00f6rproben: Zurzeit (Anfang Juni 2012) ist \u201ePlumb\u201c auf nme.com im Stream zu h\u00f6ren, aber nat\u00fcrlich stellt auch Amazon.de die \u00fcblichen kurzen H\u00f6rproben bereit.\nSoen \u2013 Cognitive\n\u201eThis is not the dust that we once came from\u201c (Savia)\nVom Poprock zum Progressive Metal: \u201eCognitive\u201c ist das Deb\u00fctalbum der \u201eSupergroup\u201c Soen.\nUnter einer \u201eSupergroup\u201c versteht man bekanntlich eine Musikgruppe, an der bekannte Musiker aus anderen Musikgruppen aktiv beteiligt sind. Transatlantic und Cream sind bekannte Beispiele, aber auch Soen wird gelegentlich als eine solche \u201eSupergroup\u201c bezeichnet, obwohl nur zwei der vier Mitglieder sich bislang in einschl\u00e4gigen Genres einen Namen gemacht haben.\nBei diesen handelt es sich um Schlagzeuger Martin Lopez (ehemals Opeth und Amon Amarth) und dem sp\u00e4ter hinzugesto\u00dfenen Bassisten Steve DiGiorgio (unter anderem Death und Autopsy). Wohin die Reise zumindest instrumental geht, ist da absehbar: Tool, Opeth und Dream Theater lassen gr\u00fc\u00dfen.\nDass das brachiale Element dieser Bands hier beinahe g\u00e4nzlich fehlt, ist wohl auch S\u00e4nger Joel Ekel\u00f6f zu verdanken, der Gesang mit Wiedererkennungswert \u2013 eben \u201ecognitive\u201c \u2013 beisteuert. Er verzichtet dankenswerterweise auf stumpfsinniges Gebr\u00fcll, singt seine Parts stattdessen so sauber ein, dass man mitunter einer Coverband von Porcupine Tree zu lauschen glaubt, deren S\u00e4nger Steven Wilson ja gleichfalls recht markant intoniert. In den ruhigen Phasen, etwa in \u201eOscillation\u201c, singt er gelegentlich auch (absichtlich?) so gek\u00fcnstelt, dass unsereinem sofort Extra Life einf\u00e4llt, obwohl diese in der Regel weniger dezent musizieren.\nDennoch ist diese Melange aus verschiedensten Einfl\u00fcssen oft so eing\u00e4ngig, dass sie sich im Kopf festsetzt. \u201eDelenda\u201c \u2013 zu \u00fcbersetzen wahlweise mit \u201ezu entfernende Dinge\u201c oder mit \u201edie Frau, die zu zerst\u00f6ren ist\u201c, wie wir Lateiner wissen \u2013 ist instrumental ein ziemlich vertracktes Metalst\u00fcck, zu dem man dennoch \u2013 oder deswegen \u2013 gut durch die Gegend h\u00fcpfen kann wie ein Bekloppter, der Kopf nickt zum Rhythmus von \u201eSlithering\u201c (nicht etwa \u201eSlytherin\u201c), \u201eFraccions\u201c, das erste, bereits 2010 ver\u00f6ffentlichte Lied der Gruppe, mit seiner eigenartigen Melodie ist Dream Theater so nahe wie sonst nur wenig auf dem Album.\nDer Name \u201eSoen\u201c in quasi beliebiger Gro\u00dfschreibung steht laut Internet f\u00fcr \u201eSolar Energy\u201c, \u201eSouthern Oscillation El Ni\u00f1o\u201c oder irgendwelchen umgangssprachlichen Firlefanz aus irgendwelchen Fremdsprachen. Nun hat er endlich auch eine f\u00fcr uns Musikfreunde greifbare Bedeutung bekommen, die von Naturgewalten \u2013 oder irgendwelchem umgangssprachlichen Firlefanz \u2013 etwas entfernt ist. Andererseits: Gewaltig ist das schon.\nH\u00f6rempfehlung? Nat\u00fcrlich! H\u00f6rproben? Bitte sehr:\nAuf Amazon.de gibt es Schnipsel zu h\u00f6ren, das Musikvideo zu oben erw\u00e4hntem \u201eDelenda\u201c auf YouTube.com zu sehen.\nMadonna \u2013 MDNA\n\u201eSome girls are not like me, I\u2019m everything you ever dreamed of\u201c (Some Girls)\n\u201eMadonna? Echt jetzt?!\u201c\nJa, echt jetzt. Nat\u00fcrlich sollte man wie schon vor fast 30 Jahren darauf verzichten, das Werk von Frau Ciccone unter einem streng audiophilen Gesichtspunkt zu betrachten, zumal der Cher-Effekt \u2013 die schlichte Weigerung zu altern \u2013 nebst Vocodereinsatz hier auch keine Neuigkeit mehr ist. Madonna macht aber, wie schon vor 30 Jahren, prima Tanzmusik, und die Single \u201eGirl Gone Wild\u201c (nur echt mit anz\u00fcglichem Video) zeigt schon, was sich seit \u201eRay of Light\u201c (1998) getan hat, n\u00e4mlich \u2019ne Menge.\nDie Phase von Madonnas musikalischer Neuerfindung beziehungsweise ihrer R\u00fcckkehr zum Elektropop war sp\u00e4testens ab \u201eMusic\u201c (2000) mit dem wenigstens noch einigerma\u00dfen bekannten Titelst\u00fcck nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, danach wurde es ein wenig wirr; zuerst kamen allerlei Kompilationen auf den Markt, auf dem Altbekanntes wieder durchgekaut wurde, die wirklich neuen Studioalben, zuletzt \u201eHard Candy\u201c (2008), habe ich nicht einmal mehr mitbekommen.\nNun also \u201eMDNA\u201c.\n\u201eThere\u2019s only one Queen, and that\u2019s Madonna, bitch!\u201c\n\u2013 \u201eI Don\u2019t Give A\u201c\nDer Titel ist so aussagekr\u00e4ftig wie sonst nur wenige (\u201eMusic\u201c, ach was?): Bescheidenheit hat Madonna l\u00e4ngst nicht mehr n\u00f6tig, der \u00fcberheblichen Selbstlobhudelei von minderqualitativen Imitatorinnen wie Lady Gaga aber setzt sie ein m\u00e4chtiges Zeichen entgegen: Seht her, ich kann\u2019s immer noch besser als ihr. Und das ist nicht mal \u00fcbertrieben.\n\u201eAll the biters have to go standing in the front row.\u201c\n\u2013 \u201eI Don\u2019t Give A\u201c\n\u201eMDNA\u201c \u2013 wiederholt in \u201eI\u2019m Addicted\u201c zu h\u00f6ren \u2013 bedeutet auch die Kontraktion, die Reduktion aufs Wesentliche. Zur\u00fcck zu den Wurzeln, dem Schlichten. Um die message zu verdeutlichen, holte sie sich die beiden Rapperinnen M.I.A. und Nicki Minaj ins Boot, die an geeigneten Stellen Madonnas Gro\u00dfartigkeit loben. Musikalisch meint es nur wenig Pomp\u00f6ses, sondern eben so Radiopop; allerdings solchen, der mir pers\u00f6nlich als jemandem, der es gern etwas vertrackter mag, ziemlich gut gef\u00e4llt. Gelegentliche Totalausf\u00e4lle (\u201euhlala, you\u2019re my superstar\u201c) fallen da kaum ins Gewicht.\nBeziehungsweise eben: Wenn ausgerechnet \u201eMDNA\u201c eins der besten Popmusikalben des Halbjahres ist, hat die Musikindustrie was falsch gemacht. Hat sie dann wohl.\nH\u00f6rproben gibt es auf Amazon.de in gebotener K\u00fcrze, das Video zu \u201eGirl Gone Wild\u201c in voller L\u00e4nge auf YouTube.com zu konsumieren.\nThinking Plague \u2013 Decline and Fall\n\u201eEat more, think less, drink more, sleep less, die more.\u201c (Sleeper Cell Anthem)\nThinking Plague \u2013 trotz des Namens keine Plage \u2013 existieren nunmehr seit 30 Jahren und schaffen es immer noch, sich nicht nur noch zu wiederholen. Das ist in ihrem Sektor \u2013 die einschl\u00e4gigen Schubladendenker sprechen meist von \u201eRIO/Avant\u201c \u2013 aber (zum Gl\u00fcck) auch nicht schwer.\n\u201eAvant(garde)\u201c ist hier ein so zutreffendes Genre wie sonst nur selten. Die momentane S\u00e4ngerin (dieser Posten wird ja sozusagen st\u00e4ndig neu besetzt) Elaine di Falco, deren Stimme mitunter, etwa in \u201eI Cannot Fly\u201c, lautmalerisch als zus\u00e4tzliches Instrument agiert, statt nur als Transportmittel f\u00fcr die \u00fcbrigens auch mal erw\u00e4hnenswerten Texte zu dienen, f\u00fcgt sich trefflich in das Gesamtgef\u00fcge ein. Freunden belanglosen Sch\u00f6nklangs wird das Dargebotene ziemliche Kopfschmerzen bereiten; mir gef\u00e4llt es um so besser.\nAch ja, die Texte. \u201eAbstieg und Fall\u201c, so der \u00fcbersetzte Titel des Albums, sind inhaltlich pr\u00e4gend, wobei der Abstieg der menschlichen Gesellschaft eines der Themen bildet. Ob man ihnen aber folgen sollte? Ich behaupte: Nein. \u201eDecline and Fall\u201c ist sicherlich von solcher Musik, bei der man normalerweise mitsingen kann, weit entfernt. Thinking Plague sind vielmehr so abgefahren wie zuletzt broken.heart.collector, so schr\u00e4g wie Henry Cow und dergleichen, so komplex wie Gentle Giant, obwohl die Gesangsharmonien da jede \u00c4hnlichkeit eigentlich verbieten sollten.\nMit letzteren hat man aber aufgrund der kammermusikalischen Elemente noch mehr gemeinsam; beziehungsweise eben:\nVom ersten Moment an gibt es hier komplexen, kantigen Kammerrock zu h\u00f6ren, der seine Beeinflussung durch moderne Klassik nicht verleugnen kann. Seltsam verquere Melodielinien von Holzblasinstrumenten (meist Saxophon, gelegentlich auch Klarinette) dringen auf krummen Wegen in die Geh\u00f6rg\u00e4nge ein, begleitet von filigran-verzwirbelter Gitarre und einer komplex agierenden Rhythmussektion. (\u2026) Erg\u00e4nzt wird das Ganze um dezente Tastenkl\u00e4nge, unter denen sich hin und wieder ein sanftes Mellotron befindet.\n\u201eKantig\u201c \u2013 ein hervorragendes, weil ungemein treffendes Adjektiv. Vom Einheitsbrei ist \u201eDecline and Fall\u201c auch deshalb weit entfernt. Das finde ich gut. Und wem es gef\u00e4llt, der sollte sich au\u00dfer diesem Album auch \u201eRainbro\u201c von Inner Ear Brigade zulegen, das ebenfalls 2012 erschien und mit sehr \u00e4hnlichen Zutaten arbeitet. (Zwei Kaufbefehle in nur einer Rezension, wo sonst gibt es das schon?)\nH\u00f6rproben: Amazon.de hat Ausschnitte, Grooveshark das ganze Album im Repertoire.\nA Whisper in the Noise \u2013 To Forget\nNach so viel lauter Musik schlage ich wieder leisere T\u00f6ne an. Ein Fl\u00fcstern im Krach. A Whisper in the Noise.\nEigentlich hatte man A Whisper in the Noise ja schon f\u00fcr scheintot erkl\u00e4rt, nachdem aus einigen Mitgliedern dieser Musikgruppe Wive entstand, die ich 2010 f\u00fcr ihre gro\u00dfartige CD-Verpackung lobte (und die aber auch ganz okaye Musik machen). \u00dcbrig geblieben ist nach der kurzzeitigen Aufl\u00f6sung nach dem Album \u201eDry Land\u201c auch tats\u00e4chlich nur noch das Duo West Thordson (Schlagzeug, Gitarre, Gesang, diverses) und Sonja Larson (Violine und ebenfalls Gesang).\nDabei scheinen die Gemeinsamkeiten mit Wive anfangs gar nicht einmal so gro\u00df zu sein, die instrumentale Er\u00f6ffnung, n\u00e4mlich das Titelst\u00fcck, l\u00e4sst A Whisper in the Noise den Japanern Mono nahe erscheinen, aber bereits im zweiten St\u00fcck, \u201eBlack Shroud\u201c, schl\u00e4gt die Stimmung um. Von der unterdr\u00fcckten, zur\u00fcckhaltenden Aggression von \u201eDry Land\u201c ist nichts mehr zu h\u00f6ren und zu sp\u00fcren, Melancholie und elegische Vertr\u00e4umtheit behalten die Oberhand.\nW\u00e4re da nicht der zur\u00fcckhaltende, beinahe \u00e4ngstliche Paargesang, man k\u00f6nnte \u201eTo Forget\u201c f\u00fcr ein Sp\u00e4twerk von Talk Talk halten (oder f\u00fcr eine Coverversion davon). Slint immerhin, wie Talk Talk Pioniere des Postrocks, nennt man gelegentlich als Referenz, und so schlie\u00dft sich der Kreis dann ja doch noch beinahe.\nEin Fl\u00fcstern im Krach. So klingt \u201eTo Forget\u201c: Still, zerbrechlich, zur\u00fcckhaltend. Unaufdringlich wie diese S\u00e4tze. Sch\u00f6n.\nIch empfehle Unentschlossenen folgende H\u00f6rproben:\nAmazon.de hat die gewohnten Klangschnipsel vorr\u00e4tig, die Band selbst hat auf SoundCloud die beiden St\u00fccke \u201eYour Hand\u201c und \u201eBlack Shroud\u201c hochgeladen. Empfehlenswert.\nMeshuggah \u2013 Koloss\n\u201eMy rules apply to all. You\u2019ll heed me, bleed for me.\u201c (I am Colossus)\nIn der zweiten Halbjahresliste 2011 hatte ich Cave In lobend erw\u00e4hnt und war damals schon nicht sicher, welches Genre angemessen w\u00e4re:\n\u201eMetalcore\u201c ist zwar eine valide Beschreibung der allgemeinen Ausrichtung der Musik von Cave In, aber sie ist nicht ansatzweise vollst\u00e4ndig.\nSo geht es mir auch bei \u201eKoloss\u201c, dem neuen Album von Meshuggah. Die \u201eBabyblauen Seiten\u201c f\u00fchren sie als \u201eProg-Death-Thrash-Metal aus Schweden\u201c, ich w\u00fcrde sie spontan vor allem unter \u201eb\u201c wie \u201eb\u00f6se\u201c einsortieren. \u201eProg\u201c ist unsereins dann doch etwas zur\u00fcckhaltender gewohnt, w\u00e4re da nicht Dick L\u00f6vgren, dessen Bassspiel diesem Koloss (\u201eKoloss\u201c, wissenschon) von Musik eine Prise Tool hinzuf\u00fcgt, was wohl schon gen\u00fcgt, um pauschal \u201eProg\u201c draufzuschreiben. Ach, man k\u00f6nnte meschugge werden davon.\nApropos meschugge, bleiben wir bei Meshuggah. Von der Urbesetzung \u2013 formiert immerhin bereits 1987, was im Musikgesch\u00e4ft inzwischen durchaus eine ansehnliche Zeitspanne ist \u2013 sind nur noch Jens Kidman (Gesang) und Fredrik Thordendal (Gitarren) an Bord, die Quintettbesetzung vom Vorg\u00e4ngeralbum \u201eobZen\u201c ist indes unver\u00e4ndert geblieben.\nAuch nach 25 Jahren sind sie noch kein bisschen leiser geworden. \u201eGesang\u201c ist hier nicht allzu w\u00f6rtlich zu nehmen, klischeetauglich wird ins Mikrofon gebr\u00fcllt. Konterkariert wird das Klischee von den einigerma\u00dfen vertrackten Rhythmen und Melodien, die zeigen, dass es eben nicht nur um blo\u00dfe brachiale musikalische Gewalt geht. Nat\u00fcrlich gibt es auch auf \u201eKoloss\u201c trotzdem m\u00e4chtig auf die Zw\u00f6lf:\nDas Album brilliert mit einer derma\u00dfen hervorragenden Balance, dass zur Perfektion nur noch ein Wimpernschlag zu fehlen scheint. Riffs, Gitarrenarbeit, Schlagwerk, Komposition, Arrangements und Klang \u2013 s\u00e4mtliche Zutaten, von Mikrobestandteilen zu den groben Fragmenten, die ein Album, einen Song ausmachen, f\u00fcgen sich auf \u201eKoloss\u201c zu einem Gesamtbild zusammen, welches den H\u00f6rer mit einer erbarmungslosen Kanonade von Hiteinschl\u00e4gen niederwalzt.\nDer Fauxpas \u201eHiteinschl\u00e4ge\u201c, also \u201eSchlageinschl\u00e4ge\u201c, sei geschenkt: Hinzuzuf\u00fcgen ist dem ansonsten nichts mehr.\nH\u00f6rproben: Amazon.de hat 30-sek\u00fcndige Ausschnitte und eine Sonderauflage mit DVD, Grooveshark das komplette Album zum Streamen.\nGraham Coxon \u2013 A + E\n\u201eGoing down to the city hall, a billion lights in front of me\u2026\u201c (City Hall)\nAus dem n\u00e4heren Umkreis der mal mehr, mal weniger aktiven Britpop-Gruppe Blur h\u00f6rt man gegenw\u00e4rtig vor allem von Damon Albarn, nebenbei Vordenker der Gorillaz und sonstwie hyperaktiv, so manches. Dass bei Blur au\u00dfer ihm auch andere Musiker spielten und/oder spielen, geht dabei fast vollkommen unter.\nEiner von diesen anderen Musikern ist Graham Coxon, ebendort einst und nun, nach erfolgter Auss\u00f6hnung, wieder f\u00fcr\u2019s Gitarrenspielen zust\u00e4ndig. Dieser nun ver\u00f6ffentlichte 2012 mit \u201eA + E\u201c ein eigenartig betiteltes (sein inzwischen achtes) Musikalbum mit noch eigenartigerer Musik drauf, das ich bereits im April f\u00fcr nicht weniger als grandios hielt. An dieser Einsch\u00e4tzung meinerseits hat sich bislang nichts Wesentliches ge\u00e4ndert.\nWas \u201eA + E\u201c oder \u201eA+E\u201c \u2013 die einzig wahre Schreibweise ist mir gerade nicht gel\u00e4ufig \u2013 bedeuten soll, ist r\u00e4tselhaft, aber das A und O des Lo-Fi-Garagenrocks beherrscht Graham Coxon aus dem ff. \u201eLo-Fi\u201c ist dabei ausnahmsweise mal nicht nur blechernes Geschrammel: Produzent Ben Hillier hielt ein wachsames Auge darauf, dass nichts entgleist.\nZugegebenerma\u00dfen haben Textfreunde wie ich nur wenig Spa\u00df an den eher sp\u00e4rlichen Zeilen. In \u201eCity Hall\u201c gen\u00fcgt eine Zeile, die immer wieder wiederholt wird, das Elektropop-Lied \u201eWhat\u2019ll It Take\u201c hat immerhin schon zwei: \u201eWhat\u2019ll it take to make you people dance?\u201c, das muss dann aber f\u00fcr eine Strophe auch reichen. Allerdings: \u201eDance\u201c, ja, zum Tanzen oder jedenfalls leidlich rhythmischen Herumwackeln eignet sich \u201eA + E\u201c ebenso wie die meisten Alben der Dandy Warhols, was ja nun auch nicht die schlechteste Referenz ist, jedoch wirkt der Gesang letzterer Musiker eher m\u00fcde (nicht schlecht-m\u00fcde, sondern m\u00fcde-m\u00fcde), was ein interessantes Stilmittel ist, \u201eA + E\u201c aber dann doch wieder etwas ferner r\u00fccken l\u00e4sst. Das ist gut, denn wer braucht schon ungez\u00e4hlte Musikalben, die einem eigentlich doch nur das gleiche zu sagen haben?\n\u00dcbrigens wird das letzte Lied \u201eOoh, Yeh, Yeh\u201c als \u201eExplicit Lyrics\u201c angepriesen, als textlich wom\u00f6glich nicht sehr jugendfrei also, und nach Durchsicht desselben leuchtet mir das nicht ein. In anderen L\u00e4ndern ist man jedoch manchmal etwas eigen, was die Bewertung von Versen betrifft, was ich einfach mal unter \u201each, diese US-Amerikaner\u201c verbuche. (Graham Coxon ist \u00fcbrigens geb\u00fcrtiger Niedersachse, Blur stammen aus Gro\u00dfbritannien, aber \u201eExplicit Lyrics\u201c ist ein Etikett, das von Niedersachsen und Briten gew\u00f6hnlich eher selten vergeben wird.)\nFieser Trickser, der er ist, hat Graham Coxon \u201eAdvice\u201c an den Anfang seines Albums gesetzt, stilistisch nahe den (fr\u00fchen) Kinks zu verorten und kaum als Zusammenfassung des ganzen Albums geeignet, was wieder einmal zeigt, dass es nicht nur stil\u2011, sondern meist auch sinnlos ist, sich aus einem Musikalbum ein Lied herauszupicken und dieses als Kaufentscheidung heranzuzuiehen.\nSonst so? Nine Inch Nails, The Cure, Joy Division und so weiter und so fort, allesamt veredelt mit der dem Musiker eigenen Prise Minimalismus und Monotonie (Kraftwerk!), die \u201eA + E\u201c oder \u201eA+E\u201c oder jedenfalls dieses Album so erfrischend anders klingen l\u00e4sst. Prima Musik, das.\nH\u00f6rproben: Zurzeit (11. Juni 2012) ist \u201eA + E\u201c per SoundCloud zu streamen, ansonsten gibt\u2019s auch Amazon.de mit den gewohnten 30-Sekunden-Ausschnitten und einer Auflage mit DVD, auf der es Liveversionen zu h\u00f6ren gibt, was bei solcher Musik ja durchaus auch mal ganz interessant ist.\nThe Magnetic Fields \u2013 Love at the Bottom of the Sea\n\u201eI want the whole bloody place red with your girlfriend\u2019s face\u201c (Your Girlfriend\u2019s Face)\nJa. Was? \u2013 Das waren meine ungef\u00e4hren Gedanken beim ersten H\u00f6ren dieses Albums.\nThe Magnetic Fields sind eine 1990 in Boston gegr\u00fcndete Folkpop-/Indiepop-/Noisepop-/Irgendwas-mit-Pop-Band, behauptet das Internet. \u201eSchon wieder Pop?\u201c, ach, nein, so einfach mache ich es mir dann doch nicht. \u201eLove at the Bottom of the Sea\u201c ist genau so \u201ePop\u201c oder \u201enicht Pop\u201c wie alles andere hier in dieser Liste. Tats\u00e4chlich spielen The Magnetic Fields hier mit Popklischees, aber sind schon rein textlich nicht sonderlich kompatibel mit dem airplay der Massensender.\n\u201eThe moment he walked on the stage my tail began to wag,\nwag like a little weiner dog for Andrew in drag\u201c\n\u2013 Andrew In Drag\nDie harmlosen, wohlklingenden Melodien dienen The Magnetic Fields somit als Katalysator f\u00fcr die schwarzen Texte, was vielleicht den einen oder anderen an \u201eWeird Al\u201c Yankovic erinnern mag, der allerdings noch ein wenig alberner ist. Gesungen werden selbige Texte zum Teil von Bandgr\u00fcnder Stephen Merritt, aber auch Shirley Simms (Ukulele) und Bandmanagerin Claudia Gonson (Klavier, Perkussion) sind am Mikrofon zu vernehmen.\nMusikalisch h\u00f6re ich eine interessante Mischung aus \u2013 unter anderem \u2013 den Raveonettes (sehr gut zu h\u00f6ren in \u201eYour Girlfriend\u2019s Face\u201c), diversen Britpop-Bands, den Dandy Warhols und New Wave (allein schon das pr\u00e4gnante Synthesizer-Blubbern) heraus. Die Synthesizer sind (wieder) neu, die vorherigen drei Alben kamen ohne sie aus (weshalb man anderswo von der \u201eNo-Synths-Trilogie\u201c spricht, was irgendwie dann doch albern ist), sie erweitern das Klangbild um interessante Facetten.\n\u201eLove at the Bottom of the Sea\u201c ist in all seiner Poppigkeit ziemlich seltsam, ziemlich h\u00f6rbar und ein ziemlich gutes Sommeralbum. Daf\u00fcr gibt es meine w\u00e4rmste Empfehlung, wenn das Wetter schon nicht reicht.\nH\u00f6rproben: Ein Stream ist \u00fcber musikexpress.de zu erreichen, ansonsten hat Amazon.de wieder Drei\u00dfigsek\u00fcnder im Angebot.\nRAK \u2013 The Book of Flight \u2013 Lepidoptera II\nKehren wir nun zur\u00fcck zu etwas Musik mit mehr Tiefgang: \u201eThe Book of Flight \u2013 Lepidoptera II\u201c ist \u2013 wer h\u00e4tt\u2019s gedacht? \u2013 der Nachfolger des 2004 erschienenen Albums \u201eLepidoptera\u201c. Dass RAK (eigentlich der K\u00fcnstlername des Keyboarders Marc Grassi) daf\u00fcr acht Jahre gebraucht haben, ist nahe liegend, immerhin stammt das Quintett aus der nicht gerade f\u00fcr ihre Agilit\u00e4t bekannten Schweiz.\nGespielt wird klischeehafter (und trotzdem recht guter, sonst w\u00e4re er nicht hier zu finden) keyboardlastiger Neoprog. Sechs St\u00fccke f\u00fcllen etwas \u00fcber 64 Minuten, womit klar sein d\u00fcrfte, dass es auch dieses Album wahrscheinlich niemals in die Radios schaffen wird. Allein schon der Titel \u2013 lateinischer Name der Schmetterlinge \u2013 d\u00fcrfte die meisten typischen Radioh\u00f6rer hoffnungslos \u00fcberfordern. (Bedenkt man, dass zum Beispiel die Braunschweiger Zeitung einen Bericht \u00fcber ausgerechnet Justin Bieber auf ihrer Kulturseite zwischen Film, Lyrik und Theater unterbrachte, erscheint diese Bef\u00fcrchtung noch untertrieben.)\nDas ist zu bedauern, denn \u201eThe Book of Flight \u2013 Lepidoptera II\u201c hat es in sich:\nIn sechs \u00fcberwiegend langen Songs erz\u00e4hlt Grassi die Geschichte des \u201eBook of Flight\u201c. Gewaltige Tastengebirge werden aufgeworfen, scharfe Synthie\u2011, Orgel- und Pianoleads durchpfl\u00fcgen diese Klanglandschaften. Die Gitarre setzt mal mit kreischenden E\u2011Gitarren-Soli, mal mit nahezu metallischem Riffing, mal mit bluesgetr\u00e4nkten Harmonien ein ums andere Mal G\u00e4nsehaut-Akzente. Im Untergrund toben wuselig-virtuosen Drums, die dem Ganzen mit einem ordentlich komplexen Rhythmusgeflecht Feuer geben. Da macht sich nicht mal das Fehlen eines etatm\u00e4\u00dfigen Bassisten bemerkbar, soviel Druck und Zug entwickeln die Kompositionen. Die Arrangements bersten f\u00f6rmlich vor Details und Wendungen, die es nach und nach zu entdecken gilt.\n(Nach wenigen Stunden noch mal obiges Zitat lesen, sich endlich \u00fcber das Wort \u201eetatm\u00e4\u00dfigen\u201c wundern und trotzdem nicht das Zitat verf\u00e4lschen: Erledigt.)\nUm metaphorische Schmetterlinge geht es auch in den Texten, genauer gesagt um die St\u00e4rke und Selbstbestimmung des Individuums und den Widerstand gegen Autorit\u00e4ten. Die deutsche Popgruppe Echt nannte eines ihrer Alben \u201eFreischwimmer\u201c und wollte damit zum Ausdruck bringen, dass sie sich befreit haben von ihrem fr\u00fcheren Dasein, RAK ging es von Anfang an um das Freisein. Schmetterlinge, Schmetterlinge 2. Wie wohl der Nachfolger hei\u00dfen wird?\nSt\u00f6rend ist gelegentlich nur der englischsprachige Gesang von Dave Thwaites, der stimmlich doch sehr an den grauenvollen \u201eGrafen\u201c von Unheilig erinnert. Aber dar\u00fcber sehe ich gern hinweg, immerhin ist er wohltuend nach hinten gemischt worden und somit nur wenig aufdringlich.\nH\u00f6rproben: Auf Amazon.de gibt es zwar nur die MP3-Version des Albums (eklig in \u201eKapitel\u201c zerschnitten) zu kaufen, jedoch kann hineingeh\u00f6rt werden. Das komplette Album ist auf Grooveshark.com streambar.\nMotorpsycho &amp; St\u00e5le Storl\u00f8kken \u2013 The Death Defying Unicorn\nDie norwegische Musikgruppe Motorpsycho, seit 1989 bestehend, macht normalerweise eigentlich ganz guten Retro-Prog, Hardrock oder wie man es auch immer nennen m\u00f6chte (die irgendwo im Internet aufgeschnappte Bezeichnung \u201eAlternative-Psychedelic-Hard-Progger\u201c ist recht zutreffend). Diese eigentlich ganz gute Musik muss irgendwann St\u00e5le Storl\u00f8kken, Keyboarder der gleichfalls norwegischen, jedoch eher jazznahen (und ebenfalls guten) Avantgarde-Musikgruppe Supersilent zu Ohren gekommen sein, der f\u00fcr das 40-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des Molde-Jazzfestivals noch etwas Musik beitragen wollte.\nSo rief er besagte Musikgruppe (Motorpsycho), das Trondheim Jazz Orchestra, die Streichergruppe Trondheimsolistene und den Jazzviolinisten Ola Kvernberg zusammen, um Gro\u00dfes zu erschaffen. Das Ergebnis \u2013 fast instrumental \u2013 war ungef\u00e4hr zwei Stunden lang und wurde 2010 uraufgef\u00fchrt. Im weiteren Verlauf fand man sich gemeinsam im Studio ein, k\u00fcrzte das Werk so, dass es auf ein Doppelalbum (etwas weniger als 84 Minuten Gesamtlaufzeit) passt, f\u00fcgte noch einige Strukturen und Texte (letztere stammen von Bent S\u00e6ther, der hier und bei Motorpsycho singt und Bass spielt) hinzu und fertig war das \u201eDeath Defying Unicorn\u201c, das dem Tod trotzende Einhorn. Progressive-Rock-Freunde kennen ja das Klischee von den esoterischen Texten \u00fcber Elfen und Einh\u00f6rner \u2013 allein das sollte schon ein Grund sein, das Album mal zu h\u00f6ren.\nAuch, wenn ebenfalls gro\u00df Motorpsycho draufsteht: Drin ist vor allem St\u00e5le Storl\u00f8kken. Das ist gut, denn er setzt als Avantgarde-Jazzmusiker bei der Komposition andere Schwerpunkte. Wie das klingt? Ziemlich \u00fcberragend!\nNat\u00fcrlich kann ein Doppelalbum stellenweise etwas langatmig wirken, etwa dann, wenn es minutenlang nur bedeutungsvoll aus dem Lautsprecher wabert. Gerade diese Abwechslung ist es aber, die das \u201eDeath Defying Unicorn\u201c befeuert. Das Trondheim Jazz Orchestra leistet ganze Arbeit, die Bl\u00e4ser (unter anderem zwei Trompeter und diverse Saxophonisten) sind ein ebenso druckvolles Element der Musik wie (nat\u00fcrlich) die Keyboards von St\u00e5le Storl\u00f8kken, dessen spacerockiges (ist das \u00fcberhaupt ein Wort?) Keyboardspiel dem von Patrick Moraz (unter anderem auf dem prachtvollen Album \u201eRelayer\u201c von Yes zu h\u00f6ren) oft recht nahe kommt.\nAch, Yes: Motorpsycho verleugnen ihre Wurzeln auch auf \u201eThe Death Defying Unicorn\u201c nicht. Bereits erw\u00e4hnte Yes (\u201eMutiny\u201c) stehen hier gleichberechtigt neben Simon &amp; Garfunkel (\u201eInto The Gyre\u201c) und Lis Er Stille, sozusagen ein beherzter Griff in die Retro-T\u00fcte.\n\u201eRetro\u201c ist auch das Konzept, immerhin ist \u201eThe Death Defying Unicorn\u201c sozusagen eine Rockoper wie einst \u201eTommy\u201c und \u201eThe Wall\u201c; beziehungsweise eben keine Rockoper, sondern \u201eein Wahnsinn\u201c (Christian Preu\u00dfer), denn in ein enges Genrekorsett l\u00e4sst sich das \u201eEinhorn\u201c beim besten Willen nicht zw\u00e4ngen. Die Rahmenhandlung ist folgenderma\u00dfen \u00fcberliefert:\nEs ist der Reisebericht eines seltsamen jungen Kerls, der unter Seekrankheit leidet, sich aber trotzdem an Bord eines Schiffes schleicht. Das Schiff geht unter, er strandet auf einer Insel und muss sich mit der Natur, Halluzinationen und Visionen, und noch manch anderem auseinandersetzen. Es ist eine Art psychedelisch-metaphysischer Trip, dessen Ende \u2013 wie so vieles im Leben und Tod \u2013 offen bleibt.\nTrotz oder gerade wegen all dieser Klischees, vom Einhorn bis zur Metaphysik, bleibt eigentlich nur ein Schluss: \u201eThe Death Defying Unicorn\u201c ist anspruchsvoll, anstrengend, eing\u00e4ngig, vielseitig, filigran und rockig zugleich \u2013 kurz: Ein verflixt gutes Album. Schon jetzt ein starker Anw\u00e4rter auf das Album des Jahres.\nH\u00f6rproben gibt es auf Amazon.de, CD 1 als Streaming auch auf Grooveshark.com.\nLiars \u2013 WIXIW\n\u201eTeach me how to be a person.\u201c (Flood to Flood)\nVon den Liars (den \u201eL\u00fcgnern\u201c) h\u00f6rte man zuletzt im Jahr 2010, als sie das Album \u201eSisterworld\u201c ver\u00f6ffentlichten, das ich seinerzeit sehr gut fand. Zu h\u00f6ren waren Noise-Rock und Post-Punk, die Texte erz\u00e4hlten von Kriminalit\u00e4t und sonstigen Abgr\u00fcnden in der Gro\u00dfstadt. Mit \u201eSisterworld\u201c, \u201eSchwesterwelt\u201c, war der eigene private Raum gemeint, den Bewohner einer solchen Stadt errichten, um ihr Leben weitgehend ungehindert leben zu k\u00f6nnen.\nMehrere Sprachversionen der Wikipedia betrachten die Liars konsequenterweise als ehemals im Dance-Punk beheimatete experimentelle Rock- und Post-Punk-Band, heften ihnen also \u00e4hnliche Etiketten wie The Velvet Underground an. Dumm nur: \u201eWIXIW\u201c (\u201eWish you\u201c, wei\u00df der Teufel, wie man auf so eine Aussprache kommt) klingt schon wieder ganz anders.\nDie Gitarren sind sph\u00e4rischer Elektronik gewichen, das Ergebnis erinnert eher an Kreidler als an Sonic Youth. Vielerorts liest man auch Vergleiche mit Radiohead, mit denen die Liars einst tourten, aber daf\u00fcr ist \u201eWIXIW\u201c meines Erachtens einfach zu gut \u2013 das grauenhafte Gejaule eines Thom Yorke ist mit dem angenehmen Gesang von Angus Andrew erfreulicherweise auch nicht zu vergleichen.\nEs regiert die vermeintliche Tanzmusik, die aber unter der Oberfl\u00e4che immer noch so verzwirbelt ist wie man es von den Liars eigentlich erwartet hatte. Beziehungsweise eben:\nD\u00fcstere Beats, der Gesang an anderer Stelle nur ein rezitatives Stimmengewirr, schwere, kunstvoll verschlaufte Sythievariationen \u2013 (\u2026) hier ist kein Bit falsch gesetzt. Der Titeltrack (\u2026) als experimentelle, auch atonale Fuge, die nach einem Drittel in ein Trommelsperrfeuer m\u00fcndet, der Tranceteppich von \u201eWho Is The Hunter\u201c und das bratzige, tja \u201eBrats\u201c \u2013 kein Schwachpunkt auszumachen.\n\u201eWIXIW\u201c mag das bisher zug\u00e4nglichste Werk der Liars sein, es zu untersch\u00e4tzen w\u00e4re trotzdem ein gewaltiger Fehler. Die Platte w\u00e4chst bei jedem H\u00f6rdurchlauf. Intensiv, berauschend, grandios. Beinahe vergisst man, dass der alte Gitarren-Schrammelrock auch nicht so schlecht war. Nur wenigen Musikgruppen gelingt es, sich neu zu erfinden, ohne dass die Anh\u00e4ngerschar mit den Augen rollt und sich der Konkurrenz zuwendet. Die Liars meistern dies augen- bzw. ohrenscheinlich mit Leichtigkeit. Auf weitere \u00dcberraschungen dieser Art freue ich mich jedenfalls.\nAls H\u00f6rprobe gibt es unter anderem auf vimeo.com das Video zur ersten Single \u201eNo.1 Against The Rush\u201c zu bestaunen, Amazon.de hat derweil Ausschnitte aus allen 11 St\u00fccken im Angebot. Das komplette Album ist auf Grooveshark streambar.\nAstra \u2013 The Black Chord\n\u201eChasing the bright side, losing the way.\u201c (Barefoot in the Head)\nEines der scheu\u00dflichsten Biere, die ich je getrunken habe, tr\u00e4gt den gleichen Namen wie diese Musikgruppe. Von \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Konsum von \u201eThe Black Chord\u201c f\u00fchlt man sich jedoch nicht ganz so \u00fcbel wie vom gleichnamigen Getr\u00e4nk. Auch das Fahrzeugmodell des wiederum gleichen Namens, gebaut im Auftrag von Opel, ist verglichen mit diesem Album gerade einmal mittelklassig.\nDie erfreulichen M\u00f6glichkeiten, ebenfalls mittelklassige Wortspiele mit ihrem Namen zu machen, sind aber nur ein Vorteil der Musikgruppe Astra (lat. \u201eSterne\u201c). Im Dezember 2009 pries ich das Vorg\u00e4ngeralbum \u201eThe Weirding\u201c und nannte es einen \u201evertonten Drogentrip\u201c. Seitdem hat sich, oberfl\u00e4chlich betrachtet, nicht viel ge\u00e4ndert: \u201eThe Black Chord\u201c ist erneut ziemlich drogig. (Wer hat dieses Wort eigentlich erdacht?)\nZwar stammen sie aus den USA, aber sie holen doch die Tugenden der guten britischen Rockmusik wieder hervor. Tief in den 70-ern verwurzelt spielen sie krautige Psychedelic mit Tiefgang. Die alten Pink Floyd, Glass Hammer und Hawkwind treffen auf junge Retrobands wie \u00c4nglag\u00e5rd. Freunde von Prog-Klischees d\u00fcrfte es freuen, dass drei der f\u00fcnf Mitglieder \u00fcber Mellotrone und/oder Moog-Synthesizer verf\u00fcgen, wenn sie nicht gerade Gitarre oder Keyboard spielen. Nur Schlagzeuger/Fl\u00f6tist David Hurley und Bassist Stuart Sclater halten sich von derlei fern, daf\u00fcr beherrschen sie ihre eigenen Instrumente vortrefflich.\nGesang steht konsequenterweise nicht vorn in der Priorit\u00e4ten-Rangliste, das fast neun Minuten lange Instrumentalst\u00fcck \u201eCocoon\u201c leitet das Album mit dezentem Spacerock ein, steigert sich aber \u00fcber seine volle L\u00e4nge und m\u00fcndet in einem ziemlich mitrei\u00dfenden Finale. Ja, so war das bei guter Musik irgendwann mal \u00fcblich. (\u201eIn The Court Of The Crimson King\u201c funktionierte nach einem \u00e4hnlichen Prinzip und ist immer noch klasse.) Es folgt das viertelst\u00fcndige Titelst\u00fcck \u201eThe Black Chord\u201c, das zu Beginn Marillion zur Zeit ihrer ersten Alben in Erinnerung ruft, bevor nach etwa zwei Minuten der harmonische Gesang einsetzt. Treibende Instrumente: Tasteninstrumente und Gitarre, begleitet von gelegentlichen Bass- und Schlagzeugeinw\u00fcrfen.\nNoch im gleichen St\u00fcck winkt gelegentlich Genesis\u2018 \u201eTrespass\u201c (man h\u00f6re zuerst deren \u201eThe Knife\u201c und dann dieses Album oder umgekehrt) von Weitem, auch wegen der \u00e4hnlichen Gesangs- und sonstigen Effekte. Brian Ellis f\u00fcgt ein paar druckvolle Gitarrensolo-Passagen hinzu, die er im folgenden St\u00fcck \u201eQuake Meat\u201c, das mit seinem kr\u00e4ftigen beinahe aggressiv wirkt, nochmals \u00fcbertrifft. \u201eDrift\u201c bringt wieder ein wenig Ruhe ins Album und ist so eine gute \u00dcberleitung zum vorletzten St\u00fcck \u201eBull Torpis\u201c, in dem der Spacerock sich nochmals nachdr\u00fccklich bemerkbar macht. \u201eBarefoot in the Head\u201c ist ein w\u00fcrdiges Ende f\u00fcr dieses Album \u2013 noch einmal wird eine Spannungskurve errichtet, die schlie\u00dflich in einem fulminanten Finale m\u00fcndet.\nVerglichen mit \u201eThe Weirding\u201c sind die Ingredienzen zwar weitgehend gleich geblieben, aber Astra sind h\u00f6rbar gereift. Das Ergebnis zu \u00fcbertreffen k\u00f6nnte schwer werden, an ihm erfreuen kann man sich jedoch hoffentlich noch f\u00fcr lange Zeit.\nH\u00f6rproben: Unter anderem \u201eQuake Meat\u201c gibt es auf YouTube zu h\u00f6ren, in alle St\u00fccke hineinh\u00f6ren l\u00e4sst sich auf Amazon.de.\nWassermanns Fiebertraum \u2013 Brandung\nZum Schluss der dieshalbj\u00e4hrigen Bestenliste gibt es noch einen Kaufbefehl f\u00fcr Freunde digitaler Musik, denn als einen physischen Tontr\u00e4ger gibt es das Album \u201eBrandung\u201c, erschienen im April dieses Jahres, meines Wissens allenfalls auf Konzerten der Regensburger Formation Wassermanns Fiebertraum zu erwerben.\nGesang? Trotz Liedtiteln wie \u201eFlackerndes Sonnenlicht\u201c und \u201eZerkratzte Luft\u201c Fehlanzeige. Das ist ein bisschen schade, aber tut nicht weh. Gem\u00e4\u00df der Eigenbeschreibung auf der Website der Band handelt es sich bei Wassermanns Fiebertraum um \u2026\n(\u2026) eine instrumentelle deutsch-\u00f6sterreichische Alternative/Post-Rock-Gruppe, verk\u00f6rpert von vier Musikern, welche \u00fcberwiegend in St\u00e4dten an der Donau wohnen. Sie verzichten auf verbale Sprache, und kommunizieren nur durch Kl\u00e4nge und lebhafte Visuals. In WASSERMANNS FIEBERTRAUM vermischen sich Wahrheit und Unwirklichkeit, Melancholie, Leid und Bildung, Rausch und Phantasie.\nObwohl der Bandname nach einem bislang unver\u00f6ffentlichten Titel von H\u00f6lderlin oder auch Amon D\u00fc\u00fcl II klingt, wird zwar gerockt, aber nicht gekrautet. Alle Signale stehen auf Postrock der lauten, dreckigen Gangart. Der opener \u201eFlackerndes Sonnenlicht\u201c beginnt noch mit eher ruhigen Gitarrenkl\u00e4ngen, aber nach etwa achtzig Sekunden scheppert\u2019s im Karton. \u201eScheppern\u201c ist hier auch so gemeint, das Schlagzeug scheppert; ich sch\u00e4tze, hier w\u00e4re eine bessere Produktion hilfreich gewesen. Das ist aber auch schon das einzige Manko, das ich vorzubringen habe.\nDas Quartett hat zwar nur zwei statt der gewohnten drei Gitarristen, aber die kommen kurz und um so pr\u00e4gnanter auf den Punkt. Ach ja, kurz: zwischen etwa zweieinhalb und f\u00fcnf Minuten betr\u00e4gt die Laufzeit der neun St\u00fccke, und mit 36:38 Minuten Gesamtdauer wird jede drohende L\u00e4nge \u2013 ein bekanntes Problem vieler anderer Postrockgruppen \u2013 gar nicht erst zugelassen. Das ist erfreulich.\nStilistisch angelehnt ist das zu H\u00f6rende an andere (\u00fcberwiegend) instrumentale Postrockbands wie Explosions In The Sky und Mogwai, zieht man deren Theatralik und Hang zur \u00dcberl\u00e4nge ab.\nH\u00f6rproben: Wassermanns Fiebertraum hat einen YouTube-Kanal, der vielleicht von Interesse ist. Das Album \u201eBrandung\u201c indes kann man nicht nur f\u00fcr 6 Euro (leider nicht auf CD) per bandcamp.com ordern, sondern obendrein ebendort ohne Aufpreis in voller L\u00e4nge anh\u00f6ren, was ich dann jetzt auch einfach mal empfehle.\n\nDas erste Halbjahr 2012 hatte nicht nur allerlei Kommerzmusik im Portfolio, auch so manche kostenlose Delikatesse erblickte das Tageslicht. Einige davon habe ich im Folgenden zusammengetragen und f\u00fcge kurze Erl\u00e4uterungen bei:\n2. Herunterladbefehle.\n\nPetrels \u2013 All things in common (EP)\nEin wenig seltsam wirkt es vielleicht schon, dass diese fast zwanzigmin\u00fctige EP aus nur zwei St\u00fccken besteht. Die haben es aber in sich.\nPetrels hei\u00dft ein Projekt von Oliver Barrett, normalerweise mit Bleeding Heart Narrative unterwegs. Das Deb\u00fctalbum \u201eHaeligewielle\u201c wird begleitet von einer frei verf\u00fcgbaren EP namens \u201eAll things in common\u201c. Die musikalischen Wege der Stammband beschreitet er solo nicht: Ambiente Klangteppiche (Tangerine Dream, Klaus Schulze) sind hier ebenso zu h\u00f6ren wie fast kakophonische, w\u00fctende Noise-Ausbr\u00fcche. Gelegentlich erinnert das Treiben an j\u00fcngere Ver\u00f6ffentlichungen von Sigur R\u00f3s, ist aber rauer und weniger dem Sch\u00f6nklang verschrieben.\nDie beiden St\u00fccke auf der EP hei\u00dfen \u201eThomas M\u00fcntzer\u201c und \u201eLeonora Christine\u201c. Thomas M\u00fcntzer, laut Wikipedia, war ein Theologe und Revolution\u00e4r in der Zeit des Bauernkrieges (also in der ersten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts) und wurde sp\u00e4ter auf der 5\u2011Mark-Note der DDR sozusagen verewigt. Leonora Christina war etwa hundert bis hundertf\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter eine d\u00e4nische Schriftstellerin und Prinzessin, die aufgrund ihrer zahlreichen Geburten (und Reisen) kaum Zeit f\u00fcr eine angemessene Ausbildung hatte (an welche deutsche Politikerin der Gegenwart erinnert uns das?), hat es aber nicht auf eine Banknote geschafft.\nWas das zu bedeuten hat? Ich wei\u00df es nicht, Texte gibt es nicht. Aber muss man immer alles verstehen?\nRunterholen und anh\u00f6ren geht sowohl per Bandcamp als auch via eMule.\nThe Next Hundred Years \u2013 Troppo\nEtwas erdiger als Petrels gehen die Kanadier The Next Hundred Years zu Werke, und das schon, wie man h\u00f6rt, seit Jahren von Plattenfirmen ignoriert. Das ist gut f\u00fcr uns arme Musikfreunde, aber schade f\u00fcr die Musiker, denn sie verrichten ihr Tun vortrefflich.\n\u201eTroppo\u201c hei\u00dft das diesj\u00e4hrige Album der Band, was Italienisch ist und \u201ezu viel\u201c bedeutet. Zu viel ist das aber alles nat\u00fcrlich nicht, sondern eher viel zu wenig. F\u00fcnf Herren mit Gitarren, Bass, Keyboard, Schlagzeug und Violine, unterst\u00fctzt von einer Cellistin und einem Trompeter als Gastmusikerduo, obendrein gibt es Gesang. Und zwar ziemlich guten. Ich zitiere ungefragt und unverf\u00e4lscht:\nKnifflige Rhytmusabteilung, akurate Tempowechsel, Wahnsinns-Gesang, schnittige Gitarren-Riffs mit allem Pipapo.Ich schmeiss hier einfach mal ein paar Begriffe in den Raum. Tool, Russian Circle, Kyuss und Queens of the Stone Age. Oder anders herum, Musik im Spannungsfeld zwischen geerdeten Progressive-Rock, Psychedelic, Metal und Stoner-Rock.\nDem f\u00fcge ich noch ein zaghaftes Oceansize hinzu und sonst nichts. Nur noch so viel: Wenn so die n\u00e4chsten hundert Jahre klingen, wird der Rest meines Lebens noch spannender als erwartet.\nIch freue mich jetzt schon.\nRunterholen und anh\u00f6ren kann man \u201eTroppo\u201c auf bandcamp.com sowie wiederum via eMule.\nterraformer \u2013 the sea shaper\nWiederum instrumental spielt das belgische Trio terraformer (anscheinend komplett klein geschrieben, obwohl die Plattenfirma Gro\u00dfbuchstaben verwendet) auf. Nach dem ersten H\u00f6rdurchlauf schrieb ich in ein Forum hinein, dieses Album sei mitunter \u201eetwas langatmig\u201c, aber das ist noch nicht alles.\nMathrock, Postrock und Postmetal finden hier zusammen. Die drei hauen dabei derart auf die Kacke, dass sogar Punknews.org einen wohlwollenden Bericht hat, und dort ist man schon namentlich nicht unbedingt offen f\u00fcr komplexere Musik. Mastodon und die guten, alten Pelican kommen dem H\u00f6rer ebenso in den Sinn wie Mogwai (aber selten).\nDie Eigenbeschreibung der Band ist r\u00e4tselhaft:\nThree pieces. Instrumental. Oh My God Climax. Almost shredding. Wild. Fake polyrythms. Cheesy layers. Rash looping. Evil patterns. Semi mosh. Catchy tappings. Messy. Sexy lads. Br00tal! Barefaced. Mickey. Emergency. Booby hatch. Ham rotten. Homeric. Ethereal. Celurean. Dragon. Terrestrial. Epic. M\u00e9duse. Explosions. Tasty shirts. Wolfes. Hibou. Ethyl. Beast. Puddles. Summoning creatures.\nDas klingt nach jeder Menge Spa\u00df und ist sehr h\u00f6renswert.\nRunterholen und Anh\u00f6ren (und Kauf der CD) dieses spa\u00dfigen Albums ist auf bandcamp.com m\u00f6glich, alternatives Herunterladen klappt via eMule.\nElias Schwerdtfeger \u2013 Die singende Maschine\n\u201eManche nennen es Musik, doch f\u00fcr die meisten ist es Krach\u201c \u2013 dies sang Farin Urlaub im \u201eIntro\u201c seines Solodeb\u00fcts vor einigen Jahren. Ganz anders als Herr Urlaub empfindet Herr Schwerdtfeger, nach wie vor brotloser K\u00fcnstler aus Hannover, jedoch f\u00fcr Musik.\nAuf seinem \u2013 laut eigener Beschreibung \u2013 vorletzten in dieser Form ver\u00f6ffentlichten Album \u201eDie singende Maschine\u201c ist zu h\u00f6ren, was draufsteht: Allerlei maschinelle Kl\u00e4nge und Gesang, wie der Vorg\u00e4nger \u201eTemple of Void\u201c (ich berichtete) versehen mit subtil oder direkt gesellschaftskritischen Texten.\nDa wird schon mal ein Paragraph des Sozialgesetzbuches von schw\u00e4bischen Gr\u00fc\u00dfen begleitet (\u201eSozialgesetzbuch\u201c), und auch Sven Regeners verwerfliches Geschw\u00e4tz \u00fcber Rockmusik und fiese Raubmordkopierer wurde zu einem Elektromusikst\u00fcck verwurstet. (Eigentlich ist es seltsam, dass es dar\u00fcber noch kein mir bekanntes Rockmusikst\u00fcck gibt.)\n\u00dcberwiegend ist \u201eDie singende Maschine\u201c ohnehin bef\u00fcllt mit dem, was vom Vorg\u00e4nger \u00fcbrig blieb, sozusagen also eine Resteverwertung. Das macht das Album keinesfalls schlechter. \u201eDie singende Maschine\u201c ist d\u00fcster, deprimierend, monoton und experimentell, und niemand wird davon je eine Single auskoppeln. Das ist ein gutes Qualit\u00e4tsmerkmal.\nBezugsquellen sind die Webseite zum Album (der dortige Stream wird sofort abgespielt, ich empfehle Vorsichtsma\u00dfnahmen) und eMule. Viel Vergn\u00fcgen.\n\nWas hingegen \u00fcberhaupt kein Vergn\u00fcgen bereitet, sind die Reinf\u00e4lle der ersten sechs Monate dieses Jahres. Leider lasse auch ich mich von \u00fcberschw\u00e4nglichen Rezensionen manchmal dazu hinrei\u00dfen, von den Medien f\u00fcr Pflichtk\u00e4ufe gehaltene Musikalben zu h\u00f6ren, die sich mir dann als eher l\u00e4stig offenbaren. Zum Beispiel die folgenden:\n3. Ignorierbefehle.\n\nTindersticks \u2013 The Something Rain\nLangweilig.\nVibravoid \u2013 Gravity Zero\nBelanglos.\nThe Stranglers \u2013 Giants\nErschreckend schlechter Gesang, der das eigentlich \u00fcberdurchschnittlich gute Album komplett zerst\u00f6rt.\nCrippled Black Phoenix \u2013 (Mankind) The Crafty Ape\nErm\u00fcdend.\nThe Intersphere \u2013 Hold On Liberty\nMainstreamquatsch.\nThe Mars Volta \u2013 Noctourniquet\nMau.\n\nZum Gl\u00fcck war das nicht immer so. Zum Abschluss dieses Beitrags unternehmen wir, wie gewohnt, eine kurze Zeitreise durch 40 Jahre Musikgeschichte:\n4. Sammelbefehle.\n\nVor 40 Jahren:\nMatching Mole \u2013 Matching Mole\n1972 stand der neu erwachsene Progressive Rock kurz vor seinem H\u00f6hepunkt, nur wenige Musikgruppen, etwa die Rolling Stones mit ihrem Meisterwerk \u201eExile on Main St.\u201c, hielten dagegen. Krautrockbands wie das kanadisch-deutsche Duo Emtidi, das mit \u201eSaat\u201c ihr einziges, h\u00f6rbar unter Drogeneinfluss entstandenes Krautfolk-Album \u00fcber das \u201ePilz\u201c-label ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, konnten sich ebenso gro\u00dfer Beliebtheit beim Publikum freuen wie symphonische \u201eProgger\u201c wie Jonesy, die mit \u201eNo Alternative\u201c ein heute fast vergessenes Album aufgenommen hatten, das reichen Mellotroneinsatz mit kr\u00e4ftigem Hardrock vermengt. Diese Erfolge waren nat\u00fcrlich auch die Erfolge der Pioniere der progressiven Musik, seien es King Crimson, seien es die Canterbury-Bands wie Caravan und Soft Machine. Letztere hatten im Vorjahr Schlagzeuger Robert Wyatt vor die T\u00fcr gesetzt, was dieser zum Anlass nahm, mit Matching Mole (\u201emachine molle\u201c ist angeblich Franz\u00f6sisch und bedeutet ungef\u00e4hr \u201eweiche Maschine\u201c\u2026) eine fr\u00fche \u201eSupergroup\u201c aus ehemaligen Mitgliedern von Caravan, Delivery und Quiet Sun zusammenzustellen. Die Aufl\u00f6sung erfolgte noch im selben Jahr, f\u00fcr zwei Studioalben und einige sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte Archivaufnahmen hat diese kurze Zeitspanne jedoch gen\u00fcgt. Das Deb\u00fct gl\u00e4nzt mit freif\u00f6rmigem Jazzrock im Canterbury-Stil, dem Dave Sinclair seine unverwechselbaren Keyboardkl\u00e4nge beigef\u00fcgt hat. 1973 fiel Robert Wyatt aus einem Fenster und ist seitdem querschnittsgel\u00e4hmt, was Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Neuformierung von Matching Mole leider zunichte machte. Was bleibt, ist ein gro\u00dfartiges Zeitdokument, das in mancher Hinsicht seinesgleichen sucht.\nVor 35 Jahren:\nHawkwind \u2013 Quark, Strangeness And Charm\nSchon f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter kam der Punk auf und machte alles kaputt, seufz!; die Sex Pistols wurden mit \u201eNever Mind the Bollocks, Here\u2019s the Sex Pistols\u201c frenetisch beklatscht beziehungsweise bepogt, und die Progressive-Rock-Musiker, die um ihren Erfolg bangten, versuchten sich an einer Neuausrichtung. W\u00e4hrend Yes sich mit \u201eGoing for the One\u201c und dem Yes-St\u00fcck \u201eAwaken\u201c ein vorerst letztes Mal aufb\u00e4umten, bevor sie sich im Popdschungel verirrten, hatten Magma mit \u201eAttahk\u201c nicht nur ein scheu\u00dfliches Coverbild, sondern auch eine teilweise Abwendung vom Zeuhl nebst Hinwendung zur Popul\u00e4rmusik der eher eint\u00f6nigen Sorte zu verbuchen. Erfreuliches hingegen kam aus dem Spacerock-Lager: Das Quintett Hawkwind, aus dessen Reihen auch der wegen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Drogenkonsums gefeuerte Mot\u00f6rhead-Gr\u00fcnder Lemmy Kilmister stammt, legte mit \u201eQuark, Strangeness And Charm\u201c einen Klassiker in ihrem Katalog vor. Das Bekannteste der enthaltenen St\u00fccke d\u00fcrfte \u201eSpirit Of The Age\u201c sein, das aus ihrem Repertoire nicht mehr wegzudenken ist. Simon Houses Violine ist ebenso pr\u00e4gnant wie die futuristische und berechnende K\u00e4lte dieses Albums, die wohl auch eine Folge des Weggangs von Saxophonist Nik Turner und Schlagzeuger Alan Powell ist. Der Gesundheitszustand von S\u00e4nger Robert Calvert, der bereits w\u00e4hrend der Aufnahmen unter manischer Depression litt, veranlasste Dave Brock, Hawkwind im Folgejahr aufzul\u00f6sen; die Reunion 1979 fand \u2013 mit Ausnahme von Dave Brock und Schlagzeuger Tim Blake \u2013 in neuer Besetzung statt. Auch die folgenden Besetzungen waren zu Gro\u00dfem f\u00e4hig, \u201eQuark, Strangeness And Charm\u201c sollte man dennoch einmal geh\u00f6rt haben.\nVor 30 Jahren:\nCassiber \u2013 Man or Monkey\nHawkwind lieferten 1982 mit \u201eChoose Your Masques\u201c und \u201eChurch of Hawkwind\u201c zwei eher maue Alben ab, daf\u00fcr lie\u00dfen King Crimson wieder von sich h\u00f6ren: Das zweite 80-er-Album der neu formierten Progressive-Rock-Pioniere, \u201eBeat\u201c, zitierte im trockenen, industriellen New-Wave-Gewand Beat-Dichter wie Allen Ginsberg. Vom mainstream zum Gl\u00fcck weitgehend unbeachtet war derweil die oft so gescholtene Frickelszene auch nicht unt\u00e4tig: Als Cassiber hatten sich drei deutsche Musiker, darunter der Pianist und Bassist Heiner Goebbels (nicht identisch mit dem anderen \u201eHeiner\u201c Goebbels), mit dem englischen RIO/Avant-Schlagzeuger Chris Cutler (Henry Cow, Art Bears, Pere Ubu und andere) zusammengetan und spielten mit \u201eMan Or Monkey\u201c ein \u2013 die frei rezitierten Texte eingeschlossen \u2013 komplett improvisiertes Musikalbum ein, das ihnen trotz seiner Unzug\u00e4nglichkeit eine Einladung zum Frankfurt Jazz Festival 1982 bescherte. Dass ausgerechnet \u201eDie Verunreinigung des Flusses ist gerade noch ertr\u00e4glich\u201c ein Instrumentalst\u00fcck ist, ist ein wenig schade, denn einen Text hierzu h\u00e4tte ich gern einmal geh\u00f6rt. Die Texte stehen hier n\u00e4mlich keinesfalls im Dienst der Musik: In \u201eOur Colourful Culture\u201c etwa singt Christoph Anders zu, nun, Karnevalsmusik Zeilen wie \u201eI came from the country! / Arriba! Arriba! / They were killing my family! / Ha ha ha ha!\u201c. Arriba, arriba. \u201eMan or Monkey\u201c ist schr\u00e4g, skurril, experimentell und so gro\u00dfartig, dass es bedauerlich ist, dass sich Cassiber bereits 1992 nach nur vier Studioalben wieder aufl\u00f6sten. Chris Cutler ist bis heute musikalisch aktiv, und eine Besch\u00e4ftigung mit seinen zahlreichen Projekten ist lohnenswert. Cassiber indes bleiben bis heute einzigartig.\nVor 15 Jahren:\nGenesis \u2013 Calling All Stations\nIn der durchkommerzialisierten Musikwelt der 1990-er Jahre war es schwierig, Neues zu wagen, ohne daf\u00fcr alles aufs Spiel zu setzen. Die \u00c4rzte hatten im Vorjahr ihr bisher einziges Konzeptalbum \u201eLe Frisur\u201c ver\u00f6ffentlicht, das (unter anderem bei mir) als eines ihrer besten Werke gilt. Im selben Jahr verlie\u00df Phil Collins die Gruppe Genesis, nachdem er sie mit seiner grausigen Popschei\u00dfe gr\u00fcndlich gegen die Wand gefahren hatte, um das Radiopublikum fortan mit Soloschnulzen zu nerven. Die verbliebenen Mitglieder versuchten einen Neubeginn mit S\u00e4nger Ray Wilson und zwei Schlagzeugern, darunter Nick D\u2019Virgilio von Spock\u2019s Beard. Mit dem Album \u201eCalling All Stations\u201c besannen sie sich zur\u00fcck auf alte Tugenden und verzichteten auf die Produktion von Hitsingles (wenngleich \u201eCongo\u201c dann doch eine wurde) zugunsten des Formats Musikalbum. Trotz (oder wegen?) des Titels und der Neuausrichtung beachteten die Radiosender dieses Album aber nur wenig, die Soloaktivit\u00e4ten von Phil Collins waren ihnen \u2013 wohl wegen des Namens \u2013 wichtiger. Das Kapitel Genesis war wenig sp\u00e4ter quasi beendet, ein Neuaufguss mit (wiederum) Phil Collins blieb eine einmalige Angelegenheit. Da bis heute keine offizielle Aufl\u00f6sung erfolgt ist, kann der geneigte Musikfreund trotz alledem auf bessere Zeiten hoffen. Das tu\u2018 ich dann mal.\n\nTja, damit w\u00e4ren wir auch schon wieder am Ende angelangt. Wenn ihr diese Zeilen lest, dann habe ich bereits begonnen, Material f\u00fcr die Jahresendliste zu sammeln. Unter anderem echolyn, \u00c4nglag\u00e5rd und die Flower Kings l\u00e4uten das zweite Halbjahr mit jeweils neuen Ver\u00f6ffentlichungen schon recht progressiv ein. Ob sich das Warten gelohnt hat? In einem halben Jahr wissen wir, wie gewohnt, mehr.\nBis dahin w\u00fcnsche ich allen Musikfreunden ein paar angenehme H\u00f6reindr\u00fccke und danke euch f\u00fcr die Aufmerksamkeit: Danke sehr!\nKommentareSick Drummer Magazine 2011 Year In Review Video #3 | Play Play The Drums schrob am 23. Juni 2012 dies: [\u2026] Magazine 2011 Year In Review Video #3. A look back at some of the shows from our 2011 filming year.  Sick Drummer Magazine 2011 Year In Review Video #3. A look back at some of the shows from our 2011 \u2026     WordPress \u203a Error  html { background: #f9f9f9; } body { background: #fff; color: #333; [\u2026].tux schrob am 24. Juni 2012 dies: H\u00e4tte man nicht warten k\u00f6nnen?!tux0r schrob am 24. Juni 2012 dies: Worauf denn diesmal?.tux schrob am 24. Juni 2012 dies: evtl auf das n\u00e4chste Tote Hosen Album welches dann bei dir mindestens auf Platz 1 gekommen w\u00e4re.tux0r schrob am 24. Juni 2012 dies: Unwahrscheinlich, die sind schon lange beliebig geworden.Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2012 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 19. Dezember 2012 dies: [\u2026] mich darauf, euch mit gewohnt herausragender Grammatik den zweiten Teil (den ersten Teil gibt es hier) der Liste der mir am gefallendsten Alben 2012 zu pr\u00e4sentieren. Keine Sorge, selbstverst\u00e4ndlich [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2013 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 30. Juni 2013 dies: [\u2026] als recht aktiv. Dem jazzdominierten Album \u201eThe Death Defying Unicorn\u201d, meinem Album des Jahres 2012, folgt nun mit nicht einmal einem Jahr Abstand das inzwischen sechzehnte Studioalbum \u201eStill [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb M\u00f8ster! \u2013 Edvard Lygre M\u00f8ster schrob am 24. Oktober 2013 dies: [\u2026] schon auf meinem Album des Jahres 2012 spielt St\u00e5le Storl\u00f8kken auch hier \u2013 an Synthesizer und Fender Rhodes \u2013 wieder mit. [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2012-06-22T19:45:11+02:00",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 8 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Leydiesendtschentelmen, herzlich willkommen am Jahresende und damit zur \u00fcblichen Retrospektive der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">primasten Alben des Jahres</span>, die es in die <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/?p=4768\&quot;" data-wpel-link="internal">Halbjahresliste 2011</a> nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht einmal unbedingt eine Frage des Erscheinungsdatums, denn wie \u00fcblich hatten sich wieder einige Alben aus dem ersten Halbjahr geschickt vor mir versteckt.</p>\n<p>Ich erhielt anl\u00e4sslich der R\u00fcckschau 06/2011 vereinzelte Kritik, es sei zu viel Material zusammen gekommen, um sich in einer angemessenen Zeit damit besch\u00e4ftigen zu k\u00f6nnen. Diesmal aber kann Peter, der glaubt, <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/retrospektive-2011-eure-alben-des-jahres-bitte-give-away/\&quot;" data-wpel-link="internal">drei Alben w\u00fcrden reichen</a>, aufatmen: Diese Liste wird k\u00fcrzer als angenommen. Hierf\u00fcr gibt es einen guten und einen besch\u00e4menden Grund: Das selbstbetitelte Deb\u00fctalbum von <span class=\"musik-review-bandname\">broken.heart.collector</span> etwa kann sich wie auch manch anderes interessantes Musikwerk l\u00e4ngst eines <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/?p=5196\&quot;" data-wpel-link="internal">separaten Artikels</a> erfreuen, vor allem aber hat noch w\u00e4hrend der Zusammenstellung der zu rezensierenden Alben meine alte digitale Schreibmaschine beschlossen, die Priesterlaufbahn einzuschlagen, und ohne Umschweife etwas gesegnet, n\u00e4mlich das Zeitliche; und getreu Murphys immerw\u00e4hrendem Gesetz hatte ich diesmal keine Sicherheitskopie angefertigt.</p>\n<p>Daher seht es mir nach, wenn euer pers\u00f6nliches <em>Album des Jahres</em> diesmal fehlt, und lasst es mich wissen: Vielleicht gef\u00e4llt es auch anderen Musikfreunden, die dies hier zuf\u00e4llig entdecken. <span id=\"more-5623\"></span></p>\n<p>Ab geht\u2019s mit einem Kopfsprung ins kalte Wasser:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">F\u00fcnfundzwanzig / Zweitausendundelf.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Cave-In---White-Silence.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Cave-In---White-Silence.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Cave In \u2013 White Silence</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDead rise like ascending angels\u201c</span> (Vicious Circles)\n<p>Kaltes Wasser trifft es ganz gut, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Cave In</span> teilen kr\u00e4ftig aus. Mit \u201eWhite Silence\u201c legt das Metalcore-Quartett das erste Album seit sechs Jahren vor, und obwohl die Gruppe bereits seit 1995 \u2013 mit Unterbrechungen \u2013 aktiv ist, war sie von mir bislang doch unbemerkt geblieben, was mir nun, da ich \u201eWhite Silence\u201c kenne, sehr Leid tut.</p>\n<p>Denn \u201eMetalcore\u201c ist zwar eine valide Beschreibung der allgemeinen Ausrichtung der Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Cave In</span>, aber sie ist nicht ansatzweise vollst\u00e4ndig. Das Titelst\u00fcck \u201eWhite Silence\u201c erinnert mich als jemanden, der mit solcher Musik eher selten konfrontiert wird, an <span class=\"musik-review-bandname\">Aphex Twin</span> und gleichzeitig an diverse Death-Metal-Gruppen: Ein monotoner Schlagzeugrhythmus, wenige Akkorde auf kaum als solche erkennbaren Gitarren, verzerrtes Schreien: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eWraith / tracking the taste of warm blood / white silence is breaking the spirit / nature sews\u201c</span>. Nein, <em>easy listening</em> geht anders, und das gef\u00e4llt mir.</p>\n<p>Das folgende \u201eSerpents\u201c bleibt l\u00e4rmig und ist strukturell angelehnt an die Punkmusik, die unsereins im Kindesalter auf v\u00f6llig abgenudelten Audiokassetten geh\u00f6rt hat, und ist dann aber doch eher Metal. <span class=\"musik-review-bandname\">Cave In</span> k\u00f6nnen aber auch anders: \u201eSing My Loves\u201c ist ein kraftvoller <em>Alternative Rocker</em> mit aufdringlichem Gesang, \u201eHeartbreaks, Earthquakes\u201c gar eine <span class=\"musik-review-bandname\">beatles</span>que Hommage an die fr\u00fche Popmusik <em>(allein das Wort schon!)</em>.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.metal.de/modern-metal/review/cave-in/47004-white-silence/\&quot;" data-wpel-link="internal">Stephan M\u00f6ller</a> schreibt, \u201eWhite Silence\u201c sei \u201eein zwar echt seltsames, aber auch wirklich spannendes Album\u201c und hat damit Recht. Warum es allerdings \u201eWhite Silence\u201c hei\u00dft, versteht man erst, wenn man mit dem H\u00f6ren fertig geworden ist: Es wird schlagartig still.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> 30-sek\u00fcndige Ausschnitte aus dem Album hat <a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/recsradio/radio/B004VMX5TG/ref=pd_krex_dp_a?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> im Angebot, das Titelst\u00fcck in ganzer L\u00e4nge kann man zum Beispiel via <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=CQIskLfJ0d0\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> und <a href="\&quot;http://grooveshark.com/s/White+Silence/3N9Q10?src=5\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Daymoon---All-Tomorrows.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Daymoon---All-Tomorrows.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Daymoon \u2013 All Tomorrows</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eDark fear in me \u2013 which soul is mine, which half am I?\u201c</span> (Human Again)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Daymoon</span> ist der Name des gegenw\u00e4rtigen, portugiesischst\u00e4mmigen Projekts von <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Lessing</span>, einem deutschen Musiker, der hier zusammen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Andy Tillison</span>, zwei Musikern von <span class=\"musik-review-bandname\">Isildurs Bane</span> und einigen anderen K\u00fcnstlern etwas hervorgebracht hat, das er selbst \u201eregressive rock\u201c nennt. In der Tat ist manches an \u201eAll Tomorrows\u201c ziemlich <em>retro</em>, aber das ist nicht etwa r\u00fcckst\u00e4ndig, sondern famos.</p>\n<p>\u201eSchr\u00e4g-sanft\u201c ist eines der Attribute, mit denen \u201eAll Tomorrows\u201c <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=11743\&quot;" data-wpel-link="internal">in Verb\u00edndung gebracht</a> wird, elegisch ist eines, das ich selbst hiermit anf\u00fcgen m\u00f6chte. Ich teile nicht einmal die gel\u00e4ufige Kritik, <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Lessing</span> sei als S\u00e4nger ungeeignet, im Gegenteil gef\u00e4llt seine Darbietung und f\u00fcgt sich harmonisch ins musikalische Gef\u00fcge ein \u2013 auch dann, wenn selbiges der Harmonie zwischenzeitig zu entrinnen versucht.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> und \u00e4hnliche Musikgruppen standen vermutlich Pate f\u00fcr den Refrain des er\u00f6ffnenden Titelst\u00fccks (das scheint ja heutzutage Mode zu sein, dass das erste St\u00fcck so hei\u00dft wie das Album), das anschlie\u00dfende \u201eTranscendenZ\u201c er\u00f6ffnet mit eigenartigem Vokalteil und geht \u00fcber in ein hektisches, instrumentales RIO-/Jazzrock-Gewirr (<span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> und eine unkoordinierte Inkarnation von <span class=\"musik-review-bandname\">Andy Tillison</span>s <span class=\"musik-review-bandname\">The Tangent</span> lassen gr\u00fc\u00dfen), um vom beinahe vers\u00f6hnlichen \u201eHuman Again\u201c abgel\u00f6st zu werden. \u201eArklow\u201c hat Anleihen an den Folk-Rock zu bieten. \u00dcberhaupt ist \u201eAll Tomorrows\u201c ein stilistisch vielseitiges Album, das sich jede Kategorisierung implizit verbittet. Vielleicht ist das auch einer der Gr\u00fcnde, wieso es lange keine Plattenfirma gab, die die Musiker <em>entdeckt</em> hatte, und deshalb eine Ver\u00f6ffentlichung als physischer Tontr\u00e4ger bislang ausgeblieben ist. Dies soll jedoch nun, da der russische Progressive-Rock-Musikverlag Mals <span class=\"musik-review-bandname\">Daymoon</span> unter Vertrag genommen hat, bald folgen, wie ich per E\u2011Mail erfuhr, nachdem ich diesen Absatz fertig geschrieben hatte; Frechheit, das.</p>\n<p>Wie man eigentlich auf den Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Daymoon</span> kommt, erkl\u00e4rte <span class=\"musik-review-bandname\">Fred Lessing</span> auf R\u00fcckfrage recht einleuchtend:</p>\n<blockquote><p>Naja, \u00e4hm (Pein) (Schande) (Sch\u00e4m), den hab\u2019 ich erfunden, als ich so 15 war oder so. \u201eDaimon\u201c (griechisch oder so f\u00fcr D\u00e4mon \u2013 war unn\u00f6tigerweise an einem humanistischen Gymnasium, aber keine Sorge, hab\u2019s nicht bestanden, meine ganzen 6 Jahre Latein sind fl\u00f6ten, daf\u00fcr kann ich jetzt Fl\u00f6ten und Portugiesisch) gemischt mit dem Mond, dem man tags\u00fcber sieht (was ich ja auch sch\u00f6n finde, aber D\u00e4mon ist nat\u00fcrlich v\u00f6llig albern). Inzwischen ist\u2019s nur noch der Mond, den man tags\u00fcber sieht. Ist auch unser Logo. Oh je, wenn das bekannt wird\u2026</p></blockquote>\n<p>Keine Sorge, es wird nicht verraten.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Anh\u00f6ren</span> und in digitaler Form kaufen kann man das Album auf <a href="\&quot;http://daymoon.bandcamp.com/album/all-tomorrows\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>; die Erl\u00f6se dienen einem guten Zweck, n\u00e4mlich der Pressung auf CD, und dieses Anliegen ist eine Unterst\u00fctzung wert, misst man es daran, wie viel Schrott heutzutage in den CD-Regalen gro\u00dfer Multimediaketten zu finden ist. Sozusagen zum Ausgleich.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Cheer-Accident---No-Ifs,-Ands-Or-Dogs.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Cheer-Accident---No-Ifs,-Ands-Or-Dogs.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Cheer-Accident \u2013 No Ifs, Ands or Dogs</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Cheer-Accident</span> wurden 2011 30 Jahre alt und schaffen es immer noch, ihre einzigartige Mischung aus Alternative Rock und Radiopopschei\u00df modern und frisch wirken zu lassen. Dabei haben die Chicagoer es eigentlich verdient, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, aber sie kommen in <em>den Medien</em> bislang schlicht nicht vor.</p>\n<p>Auf \u201eNo Ifs, And or Dogs\u201c (\u201eKeine Wenns, Unds oder Hunde\u201c) folgt man, dessen ungeachtet, dem bew\u00e4hrten Schema: Zwischen gef\u00e4llige, eing\u00e4ngige Poplieder wie etwa \u201eCynical Girl\u201c, das sicher nicht zuf\u00e4llig dem Lied \u201ePenny Lane\u201c der <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> \u00e4hnelt, hat das Quintett einige kurze Interludien eingespielt, deren Titel (\u201eDrug You Down\u201c, \u201eGo Gaunt Green\u201c) an Lieder vom selben (\u201eDrag You Down\u201c) oder von fr\u00fcheren (\u201eGo Gone Green\u201c) Alben angelehnt sind; dass sie musikalisch nicht viel miteinander zu tun haben, ist bei <span class=\"musik-review-bandname\">Cheer-Accident</span> beinahe eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.</p>\n<p>Nat\u00fcrlich behalten <span class=\"musik-review-bandname\">Cheer-Accident</span> auch weiterhin ihren schr\u00e4gen Humor bei, so dass allzu viel R\u00e4tselraten vielleicht einfach nicht n\u00f6tig ist: Dem Lied \u201eLife In Pollyanna\u201c etwa, einem Jazzrock-St\u00fcck mit Anleihen an (mal wieder) die <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, folgt als Gegensatz \u201eDeath By Pollyanna\u201c, das von einer monoton-repetitiven Keyboardmelodie und dem ebensolchen Bass-/Schlagzeugspiel und dissonantem Gesang beherrscht wird und so wie von einem Nebenprojekt der <span class=\"musik-review-bandname\">Dandy Warhols</span> hervorgebracht kl\u00e4nge, w\u00e4re nicht der einmalige Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Thymme Jones</span> so markant. Ist er aber.</p>\n<p>Verglichen mit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eFear Draws Misfortune\u201c ist \u201eNo Ifs, Ands or Dogs\u201c zwar nach meinem Empfinden kein Meisterwerk, jedoch auch nicht merklich <em>schlechter</em>. Dass das Album keine leichte Kost ist, ist klar, folgerichtig ist von <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=11647\&quot;" data-wpel-link="internal">Lob</a> bis zu <a href="\&quot;http://www.progarchives.com/album.asp?id=33438\&quot;" data-wpel-link="internal">Missfallensbekundungen</a> beinahe jede Form der Kritik \u00fcber es zu lesen. Das soll den Musikfreund aber nicht st\u00f6ren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> zum Beweis gibt es unter anderem auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/No-Ifs-Ands-Dogs-Cheer-Accident/dp/B004UHF5Z4/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Weedeater---Jason...The-Dragon.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Weedeater---Jason...The-Dragon.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Weedeater \u2013 Jason\u2026the Dragon</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eMy brain has come undone\u201c</span> (Palms And Opium)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Weedeater</span>. Grasfresser. Soso. Im Internet nannte man \u201eJason\u2026the Dragon\u201c in einpr\u00e4gsamer Weise ein \u201eDrau\u00dfenindersonnegrillentrinkendrogennehmenalbum\u201c, und das passt eigentlich gar nicht, denn f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Weedeater</span> sind das zu viele Silben in zu kurzer Zeit, und andererseits ist die Beschreibung inhaltlich ideal. Drogenmusik ohne diesen Reggae-Unsinn.</p>\n<p>Ein wenig nach Graskonsum klingt dieses Album ja auch tats\u00e4chlich, die Bed\u00e4chtigkeit der Interpretation steht in krassem Kontrast zu den Orkanen, die das musikalische Fundament bilden, soll hei\u00dfen: S\u00e4nger und Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eDixie\u201c Dave Collins</span> (allein schon dieser K\u00fcnstlername ist eigentlich ein Br\u00fcller, misst man ihn an der Musik seiner Band) br\u00fcllt in alter <span class=\"musik-review-bandname\">Mot\u00f6rhead</span>-Manier irgendwelche merkw\u00fcrdigen Texte ins Mikrofon, w\u00e4hrend Gitarrist und Schlagzeuger dem H\u00f6rer Stoner-Metal par excellence in die Geh\u00f6rg\u00e4nge projizieren.</p>\n<p>Stoner, Gras und Dixie; doch, ja, sehr merkw\u00fcrdig. Vom Stoner-Rock der Marke <span class=\"musik-review-bandname\">Colour Haze</span> haben sich <span class=\"musik-review-bandname\">Weedeater</span> immerhin die verzerrte Gitarre und die Darbietung abgeschaut. Wo andere Metalbands w\u00fcst schrammeln, kommen <span class=\"musik-review-bandname\">Weedeater</span> auf zwei bis drei Akkorde pro Sekunde, das l\u00e4sst das Album l\u00e4nger erscheinen und dreht aber vor allem an des H\u00f6rers Wahrnehmungsschraube. Sozusagen <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> in langsam und b\u00f6se. Also: Noch b\u00f6ser.</p>\n<p>Nat\u00fcrlich sollte man keine Wunder erwarten. Wer das Vorg\u00e4ngeralbum, \u201eGod Luck and Good Speed\u201c, kennt, der wird <a href="\&quot;http://ripplemusic.blogspot.com/2011/01/weedeater-jason-dragon.html\&quot;" data-wpel-link="internal">nicht viel Neues entdecken</a>.</p>\n<blockquote><p><em>Jason\u2026</em> is essentially a variation on <em>God Luck\u2026</em>. Almost like when jazz players release 25 live versions of their work. That\u2019s perfectly acceptable there, indeed, it\u2019s a pivotal part of jazz: how many versions of a melody can one make? How inventive can a player get?</p></blockquote>\n<p>Wer von <span class=\"musik-review-bandname\">Weedeater</span> aber noch nie etwas geh\u00f6rt hat und gegen ein wenig deftigen Metalkrach nicht grunds\u00e4tzlich etwas einzuwenden hat oder wer auch einfach nur gern mehr von ihnen h\u00f6ren m\u00f6chte, dem lege ich \u201eJason\u2026the Dragon\u201c nahe.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span>: Einige Beispiele daf\u00fcr, wie <span class=\"musik-review-bandname\">Weedeater</span> so klingen, gibt es auf <a href="\&quot;http://www.brooklynvegan.com/archives/2011/02/listen_to_new_w.html\&quot;" data-wpel-link="internal">BrooklynVegan.com</a> und zum Beispiel <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Jason-Dragon-Weedeater/dp/B004H98PHA?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> auf die Ohren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Circle---Infektio.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Circle---Infektio.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Circle \u2013 Infektio</span>\n<p>Nach dem Genuss von Drau\u00dfenindersonnegrillentrinkendrogennehmenundmetalh\u00f6ren ist erneut ein wenig Abwechslung nicht verkehrt. <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span> aus Finnland sind dann auch ein anschauliches Gegenteil von <span class=\"musik-review-bandname\">Weedeater</span>. Diese instrumentale Gruppe ist nicht nur produktiver als letztgenannte \u2013 allein 2007 erschienen mit \u201eKatapult\u201c, \u201eTOWER\u201c und \u201eTyrant\u201c drei (3!) regul\u00e4re Studioalben -, sie ist auch sonst bemerkenswert anders.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span>, nicht mit der Jazzband gleichen Namens, die in den fr\u00fchen 70-er Jahren aktiv war, zu verwechseln, wurde 1991 von <span class=\"musik-review-bandname\">Jussi Lehtisalo</span>, der als Gitarrist begann, auf \u201eInfektio\u201c aber den Bass spielt, und zwei mittlerweile nicht mehr in <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span> involvierten Mitstreitern gegr\u00fcndet. (An dieser Stelle alles Gute zum Zwanzigsten.)</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span> ist eine Postrockband. Musikalisch ist man bei den Finnen, dessen ungeachtet, anscheinend so unstet wie in Sachen Besetzung: Das Deb\u00fctalbum \u201eMeronia\u201c war durchsetzt von Spacerockeinfl\u00fcssen. Das psychedelische Element hielt sich bis ins neue Jahrtausend hinein, \u201eTAANTUMUS\u201c (2001) k\u00f6nnte man auch als Krautrock kennzeichnen, k\u00e4men die Musiker aus Deutschland. Tun sie aber nicht. \u201eHollywood\u201c (Januar 2010) war durchsetzt vom Progressive Rock, selbst <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> war auszumachen und ein S\u00e4nger (<span class=\"musik-review-bandname\">Bruce Duff</span>) war auch an Bord.</p>\n<p>Nun also \u201eInfektio\u201c. Der S\u00e4nger ist l\u00e4ngst wieder weg, der Progressive Rock ist es auch. Daf\u00fcr hat man anscheinend seine Wurzeln wiederentdeckt. Achim Breiling <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=11662&amp;content=review\&quot;" data-wpel-link="internal">schrieb:</a></p>\n<blockquote><p>Mit \u201eInfektio\u201c kehren <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span> offenh\u00f6rlich zu den krautig-experimentellen Postrock-Gefilden zur\u00fcck, in denen sie sich besonders gerne um das Jahr 2000 herum aufgehalten haben. (\u2026) E\u2011Gitarren sind klangbestimmend, vielschichtig, hallend, post-psychedelisch und spacig. Dazu kommen allerlei Tastenkl\u00e4nge, schwebende Keyboardf\u00fcllsel, diverses elektronisches Fiepen, Flirren und Zischen und verschiedene brummende und knurrende Fragmente vom Bass. Eher gem\u00e4chlich vorangetrieben wird das hypnotisch dahingleitende Gemenge von sehr kargem, seltsam erratisch wirkendem Getrommel.</p></blockquote>\n<p>Das klingt nicht nur beim Lesen nach <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> und den diversen Besetzungen von <span class=\"musik-review-bandname\">Neu!</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">La D\u00fcsseldorf</span> und dergleichen, auch das Ohr hat seine Freude. Verspielt wie eh und je gibt es mal bedrohlichen Cineasten-Postrock (\u201ePeruuttamaton\u201c), mal <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur-R\u00f3s</span>-Remineszenzen (\u201eSalvos\u201c), mal von Bass und Klavier dominierte Avantgarde-Beschallung (\u201eMaatunut\u201c) zu h\u00f6ren, all dies durchsetzt mit den f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Circle</span> typischen Zutaten wie Murmeln und St\u00f6hnen im Hintergrund sowie dissonante Klaviereinw\u00fcrfe an den merkw\u00fcrdigsten Stellen.</p>\n<p>\u201ePostrock? Das war doch dieses Genre, in dem alles gleich klingt.\u201c \u2013 Man spiele dem, der solches \u00e4u\u00dfert, einmal \u201eInfektio\u201c vor und freue sich an seinem staunenden Gesichtsausdruck.</p>\n<p>Oder man staune selbst, etwa anl\u00e4sslich der <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/product/B004P7VHV0?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> und <a href="\&quot;http://grooveshark.com/album/Infektio/6423250\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Wooden-Shjips---West.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Wooden-Shjips---West.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Wooden Shjips \u2013 West</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eStare at the sun \u2026 clouds\u201c</span> (Lazy Bones)\n<p>Alles im Griff auf dem h\u00f6lzernen Schjiff?</p>\n<p>Nein, h\u00f6lzern agieren die vier Mannen aus San Francisco keinesfalls. Dass sie auch schon mal mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Black Angels</span> auf Tour waren, zeigt, wohin die <span class=\"musik-review-bandname\">Wooden Shjips</span> fahren, n\u00e4mlich geradewegs in den <span class=\"musik-review-bandname\">Velvet Underground</span> <span class=\"musik-review-bandname\">Cale</span>scher \u00c4ra. Da brummen die <em>drones</em>, irrlichtern die immer gleichen Akkordfolgen, auch die Keyboards k\u00f6nnen dem repetitiven Rhythmus nur wenig entgegensetzen, und das klingt dann etwa, <a href="\&quot;http://www.plattentests.de/rezi.php?show=8653\&quot;" data-wpel-link="internal">als \u2026</a></p>\n<blockquote><p>(\u2026) w\u00e4ren <span class=\"musik-review-bandname\">Black Rebel Motorcycle Club</span> in einer milchigen Zeitblase gefangen, wo ihnen nichts anderes \u00fcbrigbleibt, als immer wieder dasselbe Riff zu spielen.</p></blockquote>\n<p>Gelegentlich kommen auch <span class=\"musik-review-bandname\">The Smiths</span> um die Ecke, etwa in den ersten Minuten von \u201eFlight\u201c, verdr\u00fccken sich aber schnell wieder, denn der Siebenmin\u00fcter gipfelt titelgetreu in einer Spacerock-Explosion, die ihre Wurzeln im Psychedelic Rock der 60-er Jahre, etwa <span class=\"musik-review-bandname\">Jefferson Airplane</span>, mit obsessiver Keyboardarbeit nicht etwa versteckt, sondern deutlich betont. \u201eLazy Bones\u201c hingegen ist nicht einmal vier Minuten lang, aber die <span class=\"musik-review-bandname\">Stooges</span> w\u00e4ren auf diese Kaskade aus <em>noise</em>, Lo-Fi und L\u00e4rm sicherlich ebenso stolz gewesen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span>, als sie noch wirklich gut waren; als h\u00e4tte die Aufgabe gehei\u00dfen, das l\u00e4ngst legend\u00e4re \u201eSister Ray\u201c in h\u00f6chstens einem Viertel der urspr\u00fcnglichen Zeit zu spielen. (Dass der Text da auf der Strecke bleibt und mit Drogen- und Gewaltexzessen also nicht viel zu tun hat, soll nicht weiter st\u00f6ren.)</p>\n<p>Trotz all der Referenzen auf Musiker der Ostk\u00fcste, wie es auch die Bandmitglieder selbst sind, hei\u00dft das Album \u201eWest\u201c. Angeblich \u00fcbt der amerikanische Westen, nicht nur der Wilde, mit seiner Geschichte und seiner Kultur auf die Band eine eigenartige Faszination aus. \u201eWest\u201c ist gleichsam mit seiner audiovisuellen Bildsprache \u2013 am <em>artwork</em> isst das Auge mit \u2013 eine Hommage an diesen Teil der USA. Die Anziehungskraft, die dieser Westen aus\u00fcbt, versucht die Band an ihre H\u00f6rer zu vermitteln. Und tats\u00e4chlich rei\u00dft das kalkulierte musikalische Chaos den aufmerksamen Genie\u00dfer immer tiefer in seinen Sog, nur selten gibt es eine (kurze) M\u00f6glichkeit, sich am Gel\u00e4nder festzuhalten.</p>\n<p>\u201eWest\u201c wirkt so wie eine Droge, es versetzt den Konsumenten in Trance und entrei\u00dft ihn seiner Welt; und Musik ist ja auch nicht die schlechteste Droge, von der man abh\u00e4ngig sein kann.</p>\n<p>Zum <span class=\"musik-review-hoerproben\">Anfixen</span> empfehle ich die H\u00f6rproben auf <a href="\&quot;http://www.amazon.com/West-Wooden-Shjips/dp/B004ZPGFAA/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.com</a>, die volle Dr\u00f6hnung gibt es auf <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#/album/West/6537984\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark.com</a>. Gute Reise!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Portugal.-The-Man---In-The-Mountain-In-The-Cloud.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Portugal.-The-Man---In-The-Mountain-In-The-Cloud.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Portugal. The Man \u2013 In the Mountain in the Cloud</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI can\u2019t make no sense of this at all\u201c</span> (Senseless)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Portugal. The Man</span> kann ich mittlerweile guten Gewissens als Garanten f\u00fcr gute Laune bezeichnen. \u201eCensored Colors\u201c hat mich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2008/12/musik-122008-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">vor drei Jahren</a> schon erheitert, \u201eIn the Mountain in the Cloud\u201c schafft es wieder. Dass zwischenzeitlich mit \u201eThe Satanic Satanist\u201c und \u201eAmerican Ghetto\u201c zwei weitere Alben erschienen waren, auf denen wenig geschah \u2013 2009 meinte ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Stagnation zu erkennen</a> -, soll diesen Eindruck nun keinesfalls schm\u00e4lern.</p>\n<p>\u201eLuftig\u201c ist ein Adjektiv, das den Progressive-Rock-nahen elektronikdurchsetzten Poprock der f\u00fcnf Herren gut beschreibt; insofern ist \u201eIn the Mountain in the Cloud\u201c (\u201eAuf dem Berg(,) auf der Wolke\u201c) endlich mal wieder ein sprechender Titel, was f\u00fcr eine Musikgruppe, die sich laut eigenen Aussagen nach einem personifizierten europ\u00e4ischen Land benannt hat, ja nicht unbedingt selbstverst\u00e4ndlich ist.</p>\n<p>Zu \u201eCensored Colors\u201c hat man hier auch wieder zur\u00fcckgefunden, weg von dem Versuch des schlechten Sichselbstneuerfindens auf \u201eAmerican Ghetto\u201c. Das geht alles wieder mehr in Richtung Radiopop, aber es ist keiner, an dem irgendwie Leute wie <span class=\"musik-review-bandname\">Stefan Raab</span> oder <span class=\"musik-review-bandname\">Dieter Bohlen</span> beteiligt sind, sondern es ist richtig guter, irgendwo zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Mando Diao</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Franz Ferdinand</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Oasis</span> und den unvermeidlichen <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>, aber eben viel sph\u00e4rischer, entr\u00fcckter, wozu sicherlich die Instrumentierung ihren Teil beitr\u00e4gt.</p>\n<p>Dominant sind immer noch die Synthesizer und <span class=\"musik-review-bandname\">John Gourley</span>s Falsettgesang, zuzsammengehalten von Bass und Schlagzeug, das hier, unterst\u00fctzt durch die federleichte Darbietung der \u00fcbrigen Instrumente, manchmal so schneidend und peitschend daherkommt wie das Rhythmusfundament auf <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span>\u2018 \u201eMe\u00f0 su\u00f0 \u00ed eyrum vi\u00f0 spilum endalaust\u201c. Mitunter ist\u2019s Pop, mitunter ziemlich rockend, etwa in dem noch dazu f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Portugal.-The-Man</span>-Verh\u00e4ltnisse ziemlich politischen Er\u00f6ffner \u201eSo American\u201c:</p>\n<blockquote><p>You are the one they call Jesus Christ.<br>\nWho didn\u2019t know no rock and roll.<br>\nJust a mission made of guns that they give boys in Vietnam<br>\nand a heart that always told you<br>\nthere\u2019s a madness in us all.</p></blockquote>\n<p>Wer <span class=\"musik-review-bandname\">Sarah Palin</span> \u2013 auch die Band stammt aus Alaska \u2013 findet, darf sie behalten. Und wer guten Elektropoprockdings sch\u00e4tzt, der sollte zugreifen. <em>More of the same</em> h\u00f6re ich hier mit viel Vergn\u00fcgen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren</span> k\u00f6nnt ihr zum Beispiel auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Mountain-Cloud-Portugal-Man/dp/B00518HAQI/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Continuo-Renacer---The-Great-Escape.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Continuo-Renacer---The-Great-Escape.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Continuo Renacer \u2013 The Great Escape</span>\n<p>Apropos Alben, die Spa\u00df machen: <span class=\"musik-review-bandname\">Continuo Renacer</span> sind ein Progressive-Death-Metal-Trio, das mittlerweile ohne S\u00e4nger gemeinsam musiziert und das \u201eDeath\u201c im von der Band selbst via Myspace kolportierten Genre dankenswerterweise nur noch pro forma vor sich hertr\u00e4gt. Das kommt euch spanisch vor? Das ist kein Zufall, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Continuo Renacer</span> stammen von dort.</p>\n<p>Dieses zweite Album (das Deb\u00fct erschien bereits 2005) ist mit 34 Minuten und 9 Sekunden allenfalls etwas zu kurz geraten, aber ansonsten gibt es selbst f\u00fcr mich als eher anspruchsvollen Musikfreund kaum Grund zur Klage. Das dominante Instrument ist der Bass, der den Metalriffs mit kr\u00e4ftigem Jazzrock entgegendr\u00f6hnt. Vergleichbar ist das wohl am ehesten mit <span class=\"musik-review-bandname\">Liquid Tension Experiment</span>, aber weniger blutleer, oder zum Beispiel <span class=\"musik-review-bandname\">Cynic</span>.</p>\n<p>Mit etwas mehr als einer Viertelstunde Spieldauer beschlie\u00dft \u201eThe Newborn\u201c das Album, und allein dieses St\u00fcck ist schon jeden gedanklichen Applaus wert. <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> aus der \u201eDoppeltrio\u201c-Phase standen hier ebenso Pate wie (mal wieder) <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Cynic</span>. Apropos <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>: Es gibt Melodic Death Metal, habe ich mal gelesen. Nicht aber hier: Krumme Rhythmen, dissonante Keyboardeinw\u00fcrfe (wenn auch vielleicht nicht aus <em>richtigen</em> Keyboards) und dann wieder der Bass, der alles verschlingen w\u00fcrde, wenn man ihn nur lie\u00dfe.</p>\n<p>Eigentlich ist dieses Album auch ideal, um mal seine Lautsprecher und Kopfh\u00f6rer auf ihre Qualit\u00e4t zu \u00fcberpr\u00fcfen: Wer hochkommt, kommt nicht automatisch auch runter. <a href="\&quot;http://www.metalstorm.net/pub/review.php?review_id=9857\&quot;" data-wpel-link="internal">Kurz gesagt:</a></p>\n<blockquote><p>This is some wanky, jazzy, death-injected prog that doesn\u2019t suck.</p></blockquote>\n<p>Und damit man sich unter diesen Adjektiven auch etwas vorstellen kann, gibt es <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span>:<br>\nAuf <a href="\&quot;http://www.myspace.com/continuorenacer\&quot;" data-wpel-link="internal">Myspace</a> gibt es verschiedene St\u00fccke vom ersten und zweiten Album komplett zu h\u00f6ren. Ach ja, das gute alte Myspace.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zombi---Spirit-Animal.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Zombi---Spirit-Animal.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Zombi \u2013 Spirit Animal</span>\n<p>Tja, hm, <span class=\"musik-review-bandname\">Zombi</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Continuo Renacer</span> sind so verschieden, dass mir gerade keine gute \u00dcberleitung einfallen will, und das hei\u00dft vielleicht sogar etwas. Als jemandem, der nur selten mal die Welt der Computerspiele betritt, fiel mir auf, wie hervorragend sich \u201eSpirit Animal\u201c als Untermalung f\u00fcr ein beliebiges MMORPG eignet, und entweder habe ich da zuf\u00e4llig Recht oder ich spiele einfach zu wenig. Aber ich schweife ab.</p>\n<p>\u201e<span class=\"musik-review-bandname\">Zombi</span>, da fehlt doch was?\u201c, denkt jetzt vielleicht der aufmerksame Leser; aber au\u00dfer dem \u201ee\u201c fehlt hier (obwohl es einen Film gibt, der ebenfalls \u201eZombi\u201c hei\u00dft) tats\u00e4chlich nichts, nicht einmal der <em>groove</em>, und das ist ja mittlerweile nicht mehr \u00fcblich und darum besonders lobenswert. <span class=\"musik-review-bandname\">Zombi</span> ist ausnahmsweise kein untotes, sondern ein spring- und quicklebendiges Spacerock-Duo aus Pennsylvania, also aus den Vereinigten Staaten, dessen zwei multiinstrumentale Mitglieder die vorhandenen Instrumente gerecht unter sich aufteilen.</p>\n<p>Ach, jetzt habe ich schon wieder den Fehler gemacht, von Genres zu sprechen. Spacerock steht zwar <a href="\&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Zombi_%28band%29\&quot;" data-wpel-link="internal">in der Wikipedia</a>, aber was sagt das schon wirklich aus? <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-review-the-silent-section-contour-of-a-passing-dream/\&quot;" data-wpel-link="internal">Vielleicht sollte man die ganzen Schubladen schlie\u00dfen und die Musik ganz anders sortieren.</a> Sicher, den Spacerock kann der aufmerksame H\u00f6rer wohl verorten, aber es ist nun mal nicht alles <em>space</em> (oder jedenfalls <em>kraut</em>), was flirrt.</p>\n<p>Auf \u201eSpirit Animal\u201c lassen die 1980-er Jahre gr\u00fc\u00dfen. Nicht die furchtbaren Bonbonsynthesizer zwar, wohl aber der exzessive Gebrauch von Elektronik. Und mit Elektronik kann man wirklich viel anstellen, zum Beispiel kann man sie mal nach alten Computerspielen, mal nach Ambient, mal nach <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> (die schon wieder!), mal nach <span class=\"musik-review-bandname\">Harold Faltermeyer</span>, mal nach <span class=\"musik-review-bandname\">Tangerine Dream</span>, mal nach <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> klingen lassen. Das, was <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> fehlt, machen <span class=\"musik-review-bandname\">Zombi</span> sozusagen genau richtig.</p>\n<p>Was <span class=\"musik-review-bandname\">Zombi</span> vom Genre des Spacerock allerdings offenkundig allzu gern \u00fcbernommen haben, ist die Lust an der Wiederholung. In dem \u00fcber 17 Minuten langen St\u00fcck \u201eThrough Time\u201c, das das Album beschlie\u00dft, passiert in den letzten acht Minuten eigentlich nichts mehr, die letzten dreieinhalb Minuten sind ein langsames, leises Abklingen des Geh\u00f6rten. Das ist nicht langweilig, nicht einschl\u00e4fernd \u2013 das ist <em>psychedelisch</em>.</p>\n<p>Schlie\u00dflich herrscht alles andere als Monotonie, er\u00f6ffnet doch jedes der f\u00fcnf St\u00fccke seine eigene Welt.<br>\n<span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span>: Auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Spirit-Animal-Zombi/dp/B001KKRD9U?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> kann man jeweils 30 Sekunden lang den Zauber zu ergr\u00fcnden versuchen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/sleepmakeswaves---...and-so-we-destroyed-everything.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---sleepmakeswaves---...and-so-we-destroyed-everything.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">sleepmakeswaves \u2013 \u2026and so we destroyed everything</span>\n<p>Dass <span class=\"musik-review-bandname\">sleepmakeswaves</span> erst jetzt ihr Deb\u00fctalbum ver\u00f6ffentlicht haben, d\u00fcrfte viele erstaunen, hatte sich das australische Quartett doch schon mit mehreren EPs einen Namen gemacht, \u201eIn Today Already Walks Tomorrow\u201c wird mitunter gar als erstes Album gef\u00fchrt. Tats\u00e4chlich aber ist \u201e\u2026 and so we destroyed everything\u201c ihr erstes <em>wirkliches</em> Album in voller L\u00e4nge.</p>\n<p>Die \u201evolle L\u00e4nge\u201c betr\u00e4gt hier 52 Minuten und 15 Sekunden, im Postrock f\u00fchlt sich das beinahe an wie eine (sehr angenehme) Ewigkeit. Deswegen sollten eigentlich viel mehr Bands Postrock machen: Auch mit nur einer Viertelstunde Laufzeit schaffen sie den H\u00f6rer mehr in ihren Bann zu ziehen als mit irgendwelchem Popquatsch. Leider scheint das nicht genug Inspiration zu bieten.</p>\n<p>Inspiriert wurden <span class=\"musik-review-bandname\">sleepmakeswaves</span> hingegen durchaus, zum Beispiel von <span class=\"musik-review-bandname\">Explosions In The Sky</span> und hin und wieder <span class=\"musik-review-bandname\">God Is An Astronaut</span>. Zu h\u00f6ren ist nicht ganz instrumentaler Postrock (im abschlie\u00dfenden Titelst\u00fcck ist sogar kaum verst\u00e4ndlicher Choralgesang zu vernehmen, allerdings ist dieser eher zus\u00e4tzliches Instrument als sonstwie relevant) im bekannten Gewand.</p>\n<p>Man macht reichlich Gebrauch von Elektronik: Zu den Gitarrenw\u00e4nden gesellen sich allerlei Klangspielereien, Gastinstrumente sind Trompete, Violine und akustische Gitarre, leider nicht im selben St\u00fcck. Auch sonst h\u00e4lt man nicht viel von festgefahrenen Mustern, das alte Laut-Leise-Spiel im Postrock begeistert die vier Musiker anscheinend nicht sonderlich. Das gew\u00e4hlte Schema, das Setzen auf kontinuierliche Emotionalit\u00e4t ohne strukturbedingte Pausen, ist <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/sleepmakeswaves-and-so-we-destroyed-everything/\&quot;" data-wpel-link="internal">genau das richtige</a>:</p>\n<blockquote><p>Das Album kann gut am St\u00fcck geh\u00f6rt werden, auch nebenher, geht runter wie \u00d6l und sorgt zwischen ambienten Momenten und m\u00e4chtige, vom bemerkenswerten Schlagzeugspiel auf Kurs gehaltenen Wall Of Sound f\u00fcr wohlige Zufriedenheit.</p></blockquote>\n<p>Verglichen mit fr\u00fcheren Ver\u00f6ffentlichungen klingen <span class=\"musik-review-bandname\">sleepmakeswaves</span> auf \u201e\u2026and so we destroyed everything\u201c reifer und runder, als w\u00fcssten sie jetzt endlich, wohin ihre Reise f\u00fchren soll. Der Schlaf macht Wellen, und sie tragen weit hinaus in entfernte Sph\u00e4ren. Keine Flaute hindert sie daran. Na dann: Volle Kraft voraus!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span>: Momentan ist das Album komplett auf <a href="\&quot;http://sleepmakeswaves.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">sleepmakeswaves.com</a> anh\u00f6r- und kaufbar.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Karmakanic---In-A-Perfect-World.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Karmakanic---In-A-Perfect-World.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Karmakanic \u2013 In a Perfect World</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe flowers in the air, they turn towards the sun / end of love and hate, riot in the name of freedom\u201c</span> (1969)\n<p>Nach so viel instrumentalem Sch\u00f6nklang darf es ruhig auch mal wieder Gesang sein. <span class=\"musik-review-bandname\">Karmakanic</span> beherrschen diesen ganz gut.</p>\n<p>Bandgr\u00fcnder <span class=\"musik-review-bandname\">Jonas Reingold</span> von den <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> bringt allerdings auch eine Menge Erfahrung mit; und wer die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> kennt, der ahnt, was ihn auf \u201eIn a Perfect World\u201c erwartet, n\u00e4mlich allerlei <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Styx</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>.</p>\n<p>Schubladenfreunde d\u00fcrfen Hardrock und Retro-Prog auspacken, wenn sie halt gerade nichts besseres zu tun haben. Dabei ist das hier Geh\u00f6rte viel komplexer, allein schon das er\u00f6ffnende \u201e1969\u201c ist eine wahre Schatztruhe an Referenzen und Einfl\u00fcssen, erinnert anfangs an <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>s \u201eHigh Hopes\u201c, geht in einen Hardrock-Teil mit Anleihen an <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>\u2018 \u201eDon\u2019t go\u201c \u00fcber, gegen Mitte k\u00fcndigen sich dann mit viel Bass und Keyboards die <span class=\"musik-review-bandname\">Flower Kings</span> an, kommen aber dann eben doch nicht heraus, sondern lassen sich wiederum abl\u00f6sen vom Hardrock, und so weiter und so fort; nein, langweilig ist das nicht.</p>\n<p>Ganz anders St\u00fcck 2, \u201eTurn It Up\u201c, eine Art <span class=\"musik-review-bandname\">Transatlantic</span> mit mehr Pop und irgendwie matschig klingender Gitarre von <span class=\"musik-review-bandname\">Krister Jonsson</span>. Zwischendurch wird die Melodie des Refrains von <span class=\"musik-review-bandname\">Clueso</span>s \u201eGewinner\u201c zitiert beziehungsweise eben nicht, mit einer begrenzten Anzahl an m\u00f6glichen Noten kann man eben keine unbegrenzte Anzahl an Melodien schreiben.</p>\n<p>Sonst so: <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> und merkw\u00fcrdiger \u201elalala\u201c-Gesang (\u201eCan\u2019t Take It With You\u201c), hier und da auch mal <span class=\"musik-review-bandname\">Elton John</span>, aber vor allem viel <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, bevorzugt aus ihrer 70-er-Phase.</p>\n<p>In den 70-ern verwurzelt, \u201esucking in the Seventies\u201c, wie einst die <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling Stones</span>, so sieht\u2019s aus. Die 70-er Jahre sind ja auch nicht unbedingt das schlechteste Jahrzehnt, an dem man sich bedienen kann. Der Titel des Albums ist \u00fcbrigens keinesfalls Programm: Das eher ruhige St\u00fcck \u201eWhen fear came to town\u201c \u2013 etwas zu lang geraten allerdings \u2013 nimmt Bezug auf ein Selbstmordattentat.</p>\n<p>Weniger traurig sind die <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Perfect-World-Special-ed/dp/B0053Y99IW/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>. M\u00f6gen sie gefallen!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Yes---Fly-From-Here.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Yes---Fly-From-Here.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Yes \u2013 Fly from Here</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eYou\u2019re riding a tiger, riding a tiger\u201c</span> (Life On A Film Set)\n<p>Apropos <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>: Ich hatte mich ja <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/04/lucien-dubuis-trio-auserdem-neues-von-yes/\&quot;" data-wpel-link="internal">im April schon</a> darauf gefreut, bald ein neues Werk der Heroen h\u00f6ren zu d\u00fcrfen. Nun, so recht zufrieden bin ich damit nicht. (Regelm\u00e4\u00dfigen Lesern wird ein kleiner Teil dieser Rezension bereits seit April bekannt vorkommen, ich bitte f\u00fcr die hierdurch vielleicht entstandene Verwirrung um Entschuldigung.)</p>\n<p>Nach der Ver\u00f6ffentlichung des Vorg\u00e4ngeralbums \u201eMagnification\u201c im Jahr 2001 und einer anschlie\u00dfenden Tour mit dem <span class=\"musik-review-bandname\">European Festival Orchestra</span> verlie\u00dfen <span class=\"musik-review-bandname\">Rick Wakeman</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Anderson</span> die Band erst aus gesundheitlichen, dann aus irgendwelchen anderen Gr\u00fcnden. Das ist in der Geschichte von <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> ja durchaus nicht ungew\u00f6hnlich, bandinterne Zerw\u00fcrfnisse kamen immer mal wieder zum Vorschein, und Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Squire</span> ist folgerichtig der einzige Musiker, der seit der Gr\u00fcndung Mitglied jeder <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-Besetzung war. Dazu geh\u00f6rt sicher eine Menge Toleranz oder wenigstens Dickk\u00f6pfigkeit, meines Kompliments hierf\u00fcr kann er sich sicher sein.</p>\n<p>Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Squire</span>s markantes Bassspiel nun seit \u00fcber 40 Jahren ein essenzieller Bestandteil von <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>\u2018 Musik ist, l\u00e4sst mich eines schon mal vorwegnehmen: Er kann es immer noch.</p>\n<p>Nun ist \u201eFly from Here\u201c nicht das erste, sondern bereits das zweite Album ohne den Gesang <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Anderson</span>s. Die Studioarbeit nach dem durchwachsenen Album \u201eTormato\u201c, das die vorl\u00e4ufige Abkehr vom Bombast-Prog einl\u00e4utete, verlief offenbar nicht ganz nach den Vorstellungen der Musiker, und so verlie\u00df er mit <span class=\"musik-review-bandname\">Rick Wakeman</span>, der seine T\u00e4tigkeit bei <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> ja alle paar Jahre mal beendet und wieder aufnimmt, die Band. Die verbliebenen Mitglieder hatten allerdings keine Lust, wegen solcher Personalien das Musizieren einzustellen. Praktischerweise waren die <span class=\"musik-review-bandname\">Buggles</span> (\u201eVideo killed the radio star\u201c), <span class=\"musik-review-bandname\">Trevor Horn</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Geoff Downes</span>, gerade zugegen, um <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> ein paar Liedideen anzubieten, also machte man N\u00e4gel mit K\u00f6pfen und nahm die <span class=\"musik-review-bandname\">Buggles</span> als Vollwertmitglieder auf. Diese bislang einmalige Formation spielte das gleichfalls einmalige Album \u201eDrama\u201c ein, die <span class=\"musik-review-bandname\">Buggles</span> gingen danach wieder eigene Wege, <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> besetzten sich noch mal um und nahmen unter anderem das scheu\u00dfliche \u201eOwner of a lonely heart\u201c (1983) auf.</p>\n<p>Von den Aufnahmen f\u00fcr \u201eDrama\u201c blieb anscheinend einiges Material \u00fcbrig, f\u00fcr das die <span class=\"musik-review-bandname\">Buggles</span> keine Verwendung mehr hatten. Dieses Material lag dann einige Jahrzehnte lang herum. Zwischendurch hatte sich <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> mal wieder umbesetzt: F\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Rick Wakeman</span> kam sein Sohn <span class=\"musik-review-bandname\">Oliver Wakeman</span>, f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Anderson</span> kam <span class=\"musik-review-bandname\">Beno\u00eet David</span>, S\u00e4nger von <span class=\"musik-review-bandname\">Mystery</span> und ehemals Frontmann der <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-Coverband <span class=\"musik-review-bandname\">Close to the Edge</span>.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Chris Squire</span> nun erinnerte sich vor einer Weile daran, dass zu \u201eDrama\u201c-Zeiten das St\u00fcck \u201eWe can fly from here\u201c live gespielt, aber nie im Studio aufgenommen wurde, und <a href="\&quot;http://www.dprp.net/wp/?p=1136\&quot;" data-wpel-link="internal">rief <span class=\"musik-review-bandname\">Trevor Horn</span> an</a>, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Keyboarder <span class=\"musik-review-bandname\">Geoff Downes</span> folgte bald und ersetzte <span class=\"musik-review-bandname\">Oliver Wakeman</span>, der auf dem Album stellenweise noch zu h\u00f6ren ist und den das also ziemlich \u00fcberraschte. Ja, so schnell kann es gehen bei <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>.</p>\n<p>Mit Ausnahme des Gesangs ist \u201eFly from Here\u201c also sozusagen die Fortsetzung von \u201eDrama\u201c. Was bedeutet das? Nun, zun\u00e4chst einmal nicht viel.</p>\n<p>Die f\u00fcnfteilige \u2013 plus Ouvert\u00fcre \u2013 <em>suite</em> \u201eFly from Here\u201c ist das \u00dcberbleibsel, das der Anlass f\u00fcr das Album war. Die Zerst\u00fcckelung in f\u00fcnf \u201eAkte\u201c h\u00e4tte nicht sein m\u00fcssen, durch sie wirkt das Werk nicht homogen, aber denkt man sich diese Zwischenr\u00e4ume weg, er\u00f6ffnet sich \u201eFly from Here\u201c dem H\u00f6rer. Mit dem gro\u00dfartigen \u201eMachine Messiah\u201c von \u201eDrama\u201c hat das Geh\u00f6rte nicht viel zu tun, es ist fr\u00f6hlicher, bombastischer. <span class=\"musik-review-bandname\">Beno\u00eet David</span> tut sein Bestes, um mehr wie <span class=\"musik-review-bandname\">Jon Anderson</span> (damit hat er ja Erfahrung) und weniger wie <span class=\"musik-review-bandname\">Trevor Horn</span> zu klingen, und der <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-typische Duettgesang tr\u00e4gt sein \u00dcbriges dazu bei, dass auch Teil 2, \u201eSad Night at the Airfield\u201c, trotz der bedr\u00fcckenden Stimmung nicht zum Ausfall wird. Teil 4, \u201eBumpy Ride\u201c, ist seltsam, es klingt, wie es hei\u00dft. Zusammengehalten wird das Ganze vom Thema des Wegfliegens, \u201ewe can fly from here\u201c, Teil 5 ist folgerichtig das <em>reprise</em> des Eingangsthemas. Nur, falls noch jemand dachte, <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> k\u00f6nnten keinen Progressive Rock mehr spielen.</p>\n<p>Au\u00dfer diesem Kern des Albums gibt es auch wieder die typischen k\u00fcrzeren <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-St\u00fccke zu h\u00f6ren, Gitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Howe</span> steuert mit \u201eSolitaire\u201c auch mal wieder ein formidables Solost\u00fcck bei, <span class=\"musik-review-bandname\">Chris Squire</span> mit \u201eThe Man You Always Wanted Me To Be\u201c ein eing\u00e4ngiges Poprockst\u00fcck, das eigentlich mal f\u00fcr eines seiner Soloalben vorgesehen war. Bekannt sollte den Anh\u00e4ngern der beteiligten Musiker \u00fcbrigens \u201eLife On A Film Set\u201c vorkommen, das in einer fr\u00fchen Version als Demoaufnahme unter anderem Namen auf neuen Auflagen des zweiten <span class=\"musik-review-bandname\">Buggles</span>-Albums \u201eAdventures in Modern Recording\u201c zu finden ist.</p>\n<p>Sicher, hier und da kommt zum Vorschein, dass eben doch eine andere als die \u201eklassische\u201c Besetzung hier zu h\u00f6ren ist. In diesen wenigen Momenten klingen <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> wie eine Band, die eine Band covert, die <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> covert und der auch <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4nglag\u00e5rd</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Gentle Giant</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Wobbler</span> nicht fremd sind. Aber sollte man das mit Punktabzug bestrafen und nicht vielmehr als Zeichen daf\u00fcr werten, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> trotz der R\u00fcckkehr in ihre musikalischen 70-er und fr\u00fchen 80-er Jahre immer noch frisch, modern und unverbraucht sind? Sollte man <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> daf\u00fcr bestrafen, dass auch nach 43 Jahren ein <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-Album immer die Summe der Beitr\u00e4ge der jeweiligen Mitglieder und nie ein wirklich homogenes Werk ist? Ich meine: Nein. Verg\u00e4be ich Punkte, ich verg\u00e4be f\u00fcr \u201eFly from Here\u201c die volle Punktzahl. Aus \u00dcberzeugung.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span>: Ausschnitte aus dem Album gibt es auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/product/B004Y1USJE/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, das gesamte Album auf <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#/album/Fly+From+Here/6422988\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zun-Zun-Egui---Katang.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Zun-Zun-Egui---Katang.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Zun Zun Egui \u2013 Katang</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSexy worm went out and got the bird, hey!\u201c</span> (Fandango Fresh)\n<p>Von alten Meistern zu neuen Besen: Gerade h\u00f6re ich anl\u00e4sslich dieser Rezension nochmals \u201eKatang\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Zun Zun Egui</span> und bin ratlos. Was wollen die drei Jungs und das M\u00e4del aus Bristol uns eigentlich mitteilen?</p>\n<p>\u201eTropical Thrash\u201c wird ihr Schaffen genannt, wenn es nicht gerade \u201eHeavy Dance\u201c genannt wird, und dagegen haben sie nichts einzuwenden. Ja, ein tropischer Einfluss l\u00e4sst sich nicht verleugnen, die S\u00fcdseegitarre und der Bongo-Klang sind zu pr\u00e4sent. Aber was ist daran \u201ethrash\u201c? Die Texte vielleicht? Die sind auf Englisch und Franz\u00f6sisch und Kreolisch und einer Fantasiesprache verfasst und trotz extrovertierter Darbietung von meistens <span class=\"musik-review-bandname\">Kushal Gaya</span> auch akustisch schwer genug zu verstehen, vielleicht ist das Absicht. Was man versteht, ist schon verwirrend genug. (Was, bitte, ist an einem Wurm erotisch?) Das sollte aber niemanden erstaunen, hei\u00dft \u201ezun zun egui\u201c auf Japanisch doch so viel wie \u201e\u00fcberaus seltsames Vorspulen\u201c, es ist also vor allem schnell und verr\u00fcckt.</p>\n<p>Der multikulturelle Klang von \u201eKatang\u201c k\u00f6nnte in der Ethnie der Bandmitglieder begr\u00fcndet liegen: Eines stammt aus Japan, eines von Mauritius, die beiden Rhythmusgeber indes sind Briten. Anscheinend hat jedes Mitglied Musik aus seiner Heimat als Inspiration mit eingebracht, was ein bisschen an <span class=\"musik-review-bandname\">Kula Shaker</span> erinnert, aber gar nicht nach Indien klingt. Dieses Durcheinander nennt man <a href="\&quot;http://consequenceofsound.net/2011/11/album-review-zun-zun-egui-katang/\&quot;" data-wpel-link="internal">andernorts</a> \u201einteressant und anders\u201c und meint das gar nicht so positiv, wie es klingt, und das finde ich schade.</p>\n<p>Dieses Interessante, Andere klingt nach ein bisschen <span class=\"musik-review-bandname\">Talking Heads</span>, ein bisschen <span class=\"musik-review-bandname\">The Mars Volta</span>, ein bisschen <span class=\"musik-review-bandname\">System of a Down</span> und ein bisschen \u201eWas um alles in der Welt soll das sein?\u201c. Die psychodrogeninduzierten Klangexperimente der zweiten H\u00e4lfte der 1960-er Jahre sind vielleicht eine wichtige Inspiration f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">Zun Zun Egui</span> gewesen, vielleicht auch nicht, und wer auf eine meiner Empfehlungen hin mal <span class=\"musik-review-bandname\">The Void\u2019s Last Stand</span> geh\u00f6rt hat, der entdeckt auch so manche \u00c4hnlichkeit, obwohl diese wahrscheinlich eher oberfl\u00e4chlich ist, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Zun Zun Egui</span> wechseln nicht st\u00e4ndig die Stile, sondern klingen immer gleicherma\u00dfen durchgeknallt. Ach ja, <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> mal wieder: Dieser dezente Popanstrich, m\u00e4chtig \u00fcberdeckt von mit Bedacht strukturiertem Tohuwabohu. Katang, tschingderassabumm.</p>\n<p>Noch nicht abgeschreckt? Tapfer, sage ich, und verweise auf die <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span>:<br>\nAuf YouTube gibt es das merkw\u00fcrdige Video zu <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=AmpoD6Pm-YE\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eFandango Fresh\u201c</a> zu sehen, auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/gp/product/B0057FWUVA/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> 30-sek\u00fcndige Ausschnitte aus dem Album zu h\u00f6ren. Viel Gl\u00fcck!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Earth-Flight---Blue-Hour-Confessions.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Earth-Flight---Blue-Hour-Confessions.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Earth Flight \u2013 Blue Hour Confessions</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThinking of you always tears me apart\u201c</span> (By The Light Of The Moon)\n<p>Zur\u00fcck in etwas weniger obskure Gefilde und nach, mehr oder weniger, Deutschland, genau genommen nach N\u00fcrnberg. Von dort stammt mit <span class=\"musik-review-bandname\">Earth Flight</span> eine herausragende Psychedelic-Metal-Band, die mit \u201eBlue Hour Confessions\u201c bereits im Februar ihr aktuelles Album auf die Menschheit loslie\u00df.</p>\n<p>Psychedelic Metal? Ja, die Einfl\u00fcsse des zweifelsohne psychedelischen Stoner Rocks sind un\u00fcberh\u00f6rbar. <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=11654\&quot;" data-wpel-link="internal">Und sonst so:</a></p>\n<blockquote><p>Mal darf die Gitarre elegisch weinen, mal alternative-rockig schrammeln, dazwischen sogar mal wie bei <span class=\"musik-review-bandname\">U2</span> klingeln, meistens aber fett riffen und da reicht die H\u00e4rte durchaus l\u00e4ssig in metallische Gefilde. Und je nach Saitenanschlag entwickelt sich dann ein veritabler Rocker oder ein psychedelisch angehauchter leicht balladesker Song mit diesem New Artrock-Feeling oder auch atmosph\u00e4rischer Progmetal, so ein bisschen in Richtung neuere <span class=\"musik-review-bandname\">Fates Warning</span>. Die Rhythmusfraktion liefert dazu ein solides Fundament mit kraftvollen Bassl\u00e4ufen und vitalem, moderat vertracktem Drumming.</p></blockquote>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Tobias Brunner</span> erg\u00e4nzt diese Darbietung mit mal schr\u00e4gem, mal elegisch-lyrischem Gesang und beherrscht den Hardrock ebenso wie das Gekn\u00f6del eines <span class=\"musik-review-bandname\">Brian Molko</span>, was man nat\u00fcrlich jetzt nicht unbedingt gut finden muss.</p>\n<p>Obwohl die Plattenfirma laut Werbetexten nicht so ganz verstanden hat, was Progressive Rock eigentlich ist (\u201estarke Riffs und eine ausdruckskr\u00e4ftige Stimme\u201c), liegt hier doch ein recht <em>progressives</em> Werk vor, was f\u00fcr eine Band aus der Doom-Metal-Szene eher ungew\u00f6hnlich ist. Ihre Wurzeln (\u201eEarth Flight\u201c ist der Titel eines St\u00fcckes von <span class=\"musik-review-bandname\">Pentagram</span>) haben die Musiker aber gekonnt hinter sich gelassen und wandeln nun frei zwischen den St\u00fchlen umher. Dabei gelingt ihnen das Kunstst\u00fcck, zug\u00e4ngliche und dennoch komplexe Musik zu machen. Das allein ist bereits ein Grund, dieses Album zu empfehlen, wenn die musikalische Zusammenfassung noch nicht genug Anlass bot.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span>: Das komplette Album kann man derzeit auf <a href="\&quot;http://www.recent-records.de/veroeffentlichungen/blue-hour-confessions-earth-flight/\&quot;" data-wpel-link="internal">recent-records.de</a> probeh\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Tom-Waits---Bad-As-Me.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Tom-Waits---Bad-As-Me.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Tom Waits \u2013 Bad As Me</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe dog is in the kitchen and the war drags on\u201c</span> (Talking At The Same Time)\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> ist ein Liedermacher. Das k\u00f6nnte ich jetzt so stehen lassen und mich voller Schadenfreude erg\u00f6tzen an der Reaktion derer, die jetzt einen zweiten <span class=\"musik-review-bandname\">Reinhard Mey</span> erwartet haben, aber das w\u00e4re ja nicht nett.</p>\n<p>Mit <span class=\"musik-review-bandname\">Reinhard Mey</span> verbindet <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> allenfalls die Bissigkeit der Texte. Feinsinniges passt nicht zu ihm. Und auch auf \u201eBad As Me\u201c \u2013 \u201eB\u00f6se wie ich\u201c \u2013 entt\u00e4uscht er seine H\u00f6rerschaft nich\u2018; und am erstaunlichsten ist es immer noch, dass auch das spie\u00dfige <abbr class=\"c2c-text-hover\" title=\"Feuilleton\">F\u00f6jetong</abbr> von <a href="\&quot;http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/cd-der-woche/cd-der-woche-tom-waits-bad-as-me-ich-bin-hier-seit-eisenhower-11525068.html\&quot;" data-wpel-link="internal">FAZ</a> bis <a href="\&quot;http://www.focus.de/kultur/musik/plattenkiste/plattenkritik-tom-waits-bad-as-me-dreckig-wie-eh-und-je_aid_676131.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Focus</a> diese sperrige Musik von diesem dem Sch\u00f6nklang noch nicht erlegenen alten Mann zu sch\u00e4tzen wei\u00df. <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> ist offenbar eine Institution, an der man schon lange nicht mehr herumm\u00e4kelt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass er niemanden mehr \u00fcberrascht, von den armen Seelen abgesehen, die sonst nur so Schmuseschei\u00dfe h\u00f6ren und dann von Scherzbolden wie mir unvorbereitet erstmals mit seiner Musik konfrontiert werden. Spa\u00df muss sein.</p>\n<p>Der er\u00f6ffnende Blues \u201eChicago\u201c beginnt mit hektischem Bl\u00e4serrhythmus, schon nach zehn Sekunden setzt der gewohnt raue Gesang ein: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eThe seeds are planted here / But they won\u2019t grow / We won\u2019t have to say goodbye / If we all go / Maybe things will be better in Chicago\u2026\u201c</span> Bei der FAZ fragte man sich:</p>\n<blockquote><p>Hat er mit Schotter gegurgelt und mit Rei\u00dfzwecken nachgesp\u00fclt?</p></blockquote>\n<p>Auch mit 61 Jahren klingt <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> immer noch nach <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> und nicht, wie <span class=\"musik-review-bandname\">Bob Dylan</span>, nach einer Parodie seiner selbst. Das soll nun nicht bedeuten, dass seine Lieder seit Jahrzehnten klingen, als w\u00e4re er ein alter, vom Alkohol gezeichneter Mann. Mit seiner Stimme kann er immer noch spielen wie mit einem Instrument, und die Kombinationen scheinen unersch\u00f6pflich: Sei es Falsettgesang zu langsam schwingendem Noir-Jazz (\u201eTalking At The Same Time\u201c), seien es die klassischen <span class=\"musik-review-bandname\">Waits</span>-Balladen, die trotz aller Schnulzigkeit nie seicht klingen (\u201eKiss Me\u201c), sei es Sprech- oder besser Bellgesang zu Marsch- und Rockmusik wie etwa in \u201eHell Broke Luce\u201c, einem Lied, \u00fcber das <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/10/medienkritik-lviii-tom-waits-im-rolling-stone-wenigstens-haben-sie-es-versucht/\&quot;" data-wpel-link="internal">man anderswo schrieb</a>, es schwanke \u201edurch die Sch\u00fctzengr\u00e4ben wie ein Panzer auf Stelzen\u201c, wie auch immer man sich das vorzustellen hat. Apropos Gitarren: <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span>\u2018 alter Weggef\u00e4hrte <span class=\"musik-review-bandname\">Keith Richards</span> ist auf \u201eBad As Me\u201c als Instrumentalist zu h\u00f6ren, im St\u00fcck \u201eLast Leaf\u201c, in dem das lyrische Ich seine Existenz als \u201eletztes Blatt am Baum\u201c beklagt, ist er auch als Duettpartner zu h\u00f6ren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> revanchiert sich, indem er in \u201eSatisfied\u201c nicht nur das <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling-Stones</span>-Lied \u201eSatisfaction\u201c und <span class=\"musik-review-bandname\">Mick Jagger</span>s Gesangsstil parodiert, sondern auch einen Seitenhieb auf die beiden kreativen K\u00f6pfe der Altherrencombo hinterl\u00e4sst:</p>\n<blockquote><p>Now Mr. <span class=\"musik-review-bandname\">Jagger</span> and Mr. <span class=\"musik-review-bandname\">Richards</span>: I will scratch where I\u2019ve been itching.</p></blockquote>\n<p>Vermutlich verliefen die Aufnahmen hierzu recht fr\u00f6hlich, wenngleich \u201efr\u00f6hlich\u201c nicht unbedingt etwas ist, was man gemeinhin mit <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> assoziiert. Tats\u00e4chlich ist \u201eBad As Me\u201c, ungeachtet seines Namens, f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse ein Album, das in doppeltem Sinne <em>Spa\u00df macht</em>. Ja, es schien, als w\u00e4re die Karriere des K\u00fcnstlers nun vor\u00fcber, lie\u00df die Kreativit\u00e4t doch nach dem, was man so liest, auf dem vorherigen Album zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Klar ist, dass sich jedes seiner Alben an den beiden Extremen \u201eBone Machine\u201c und \u201eRain Dogs\u201c messen lassen muss, die Musikjournaille braucht ja immer ein \u201eklingt wie\u201c im Satzanfang. Betrachtet man diese beiden Ausnahmewerke des Ausnahmemusikers aber als solche, erscheint mir jeder Verriss von \u201eBad As Me\u201c als deplatziert.</p>\n<p>Es soll nur niemand wagen, \u201eBad As Me\u201c als Alterswerk zu deklassieren. Vom alten Eisen ist <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> k\u00fcnstlerisch noch weit entfernt. M\u00f6ge dies noch lange erhalten bleiben!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> hat <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Bad-As-Me-Tom-Waits/dp/B005IQ2LT4/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> reichlich im Angebot.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Weird-Al-Yankovic---Alpocalypse.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Weird-Al-Yankovic---Alpocalypse.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">\u201eWeird Al\u201c Yankovic \u2013 Alpocalypse</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eYou need a quickie confession? We\u2019ll start a waterboarding session.\u201c</span> (Party In The CIA)\n<p>Auch nicht mehr der J\u00fcngste ist <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eWeird Al\u201c Yankovic</span>, und auch bei ihm ist keine k\u00fcnstlerische Schw\u00e4che zu erkennen. Sein mittlerweile 13. Studioalbum \u201eAlpocalypse\u201c enth\u00e4lt zw\u00f6lf Lieder, in denen er jeweils entweder ein bekanntes Musikst\u00fcck oder den Stil eines K\u00fcnstlers parodiert. Das mag manch einer f\u00fcr unkreativ halten, ph\u00e4nomenal ist es aber immer noch.</p>\n<p>Der Name des Albums wurde passend zum f\u00fcr 2011 angek\u00fcndigten Weltuntergang gew\u00e4hlt. Es ist erfreulich, dass er nicht eingetreten ist, denn sonst m\u00fcssten wir nun wahrscheinlich auf dieses Album und auf unser Leben verzichten.</p>\n<p>In seinem Bem\u00fchen, auf seinen Alben stets die momentane Popwelt abzubilden (wie viele der parodierten K\u00fcnstler auf dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eStraight Outta Lynwood\u201c von 2006 sind 2011 von gleich bleibender Bedeutung?), hat diesmal <span class=\"musik-review-bandname\">Lady Gaga</span>, selbst nach eigenem Bekunden Anh\u00e4nger des Musikers, die Ehre, Galionsfigur seines Albums zu sein. Im ersten St\u00fcck, \u201ePerform This Way\u201c, nimmt er zur Melodie ihres Liedes \u201eBorn This Way\u201c ihren Hang zur Selbstinszenierung textlich und in einem <a href="\&quot;http://vimeo.com/26036540\&quot;" data-wpel-link="internal">h\u00f6chst albernen Musikvideo</a> auf die Schippe:</p>\n<blockquote><p>I might be wearin\u2018 Swiss cheese or maybe covered with bees<br>\nIt doesn\u2019t mean I\u2019m crazy \u2013 I perform this way</p></blockquote>\n<p>Das \u00fcbliche Polka-Medley h\u00f6rt folgerichtig auf den Namen \u2013 Achtung \u2013 \u201ePolka Face\u201c und beginnt mit einer Parodie von \u201ePoker Face\u201c, das eigentlich auch schon keiner mehr h\u00f6ren kann, aber im Polkagewand bekommt manches einen v\u00f6llig neuen Klang. Dass die Polka-Medleys normalerweise eher eine Resteverwertung der Lieder sind, f\u00fcr deren Umtextung <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eWeird Al\u201c</span> die z\u00fcndende Idee fehlte, schr\u00e4nkt ihren Spa\u00dffaktor keineswegs ein.</p>\n<p>Von diesem Popunfug abgesehen beruft sich <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eWeird Al\u201c Yankovic</span> wie auch <span class=\"musik-review-bandname\">Tom Waits</span> auf alte Meister, zwar ohne <span class=\"musik-review-bandname\">Rolling-Stones</span>-Parodie, aber mit einer solchen auf die <span class=\"musik-review-bandname\">Doors</span> (\u201eCraigslist\u201c). Fachm\u00e4nnische Unterst\u00fctzung hierbei erfolgt seitens <span class=\"musik-review-bandname\">Ray Manzareks</span>, selbst Mitglied der <span class=\"musik-review-bandname\">Doors</span>, am Keyboard.</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">\u201eWeird Al\u201c Yankovic</span> beweist auf \u201eAlpocalypse\u201c erneut, dass es ihm an Ideen f\u00fcr absurde Situationen und die Betextung derselben nicht mangelt. Es gibt wenige Musiker, die ihr Niveau \u00fcber eine so lange Zeitspanne halten k\u00f6nnen. <span class=\"musik-review-bandname\">\u201eWeird Al\u201c Yankovic</span> geh\u00f6rt auf jeden Fall dazu.</p>\n<p>Zum <span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren</span> verweise ich nochmals auf das <a href="\&quot;http://vimeo.com/26036540\&quot;" data-wpel-link="internal">Video zu \u201ePerform This Way\u201c</a> und zum Vollst\u00e4ndigh\u00f6ren auf <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#/album/Alpocalypse/6430383\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/3---The-Ghost-You-Gave-To-Me.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---3---The-Ghost-You-Gave-To-Me.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">3 \u2013 The Ghost You Gave To Me</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe voices echo in your head\u201c</span> (Only Child)\n<p>Noch so eine Band, die ich bisher nicht einmal bemerkt hatte, nennt sich <span class=\"musik-review-bandname\">3</span>. Versucht da mal brauchbare Informationen im Internet zu finden.</p>\n<p>Dabei ist das Quartett gar nicht so unbekannt, wie Touren mit <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Cynic</span> <span class=\"musik-review-bandname\">Opeth</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Dream Theater</span> nahe legen, womit dann auch schon klar zu sein scheint, was hier wahrscheinlich gespielt wird, n\u00e4mlich Metal. METAL! \\m/</p>\n<p>Stimmt aber nicht.</p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es auf \u201eThe Ghost You Gave To Me\u201c hochklassigen, progressiven Alternative/Indie Rock auf die Ohren. Das einleitende \u201eSirenum Scopuli\u201c gew\u00e4hrt bereits Einblick: Ambiente Gitarrenkl\u00e4nge zu v\u00f6llig unaggressivem, hohem Gesang leiten \u00fcber in das zweite St\u00fcck, \u201eReact\u201c, das so unvermittelt anf\u00e4ngt, dass man den \u00dcbergang kaum bemerkt. \u201eReact\u201c aber hat erstmals einen Refrain und ist mindestens so energiegeladen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Mando Diao</span> au\u00dferhalb ihrer seichten Popliedchen. Wie dreckig die Band aber auch zu klingen versucht, der <span class=\"musik-review-bandname\">caravan</span>esque, seltsam schwebende und <span class=\"musik-review-bandname\">enya</span>m\u00e4\u00dfig hallende Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Joey Eppard</span> l\u00e4sst all das immer unwirklich, wie im Traum erscheinen.</p>\n<p>Das ist eigentlich auch schon das gro\u00dfe Manko des Albums, denn dieser alles in eine unwirkliche Traumebene schiebende Gesang sorgt daf\u00fcr, dass die gro\u00dfartigen Melodien, wie verfrickelt sie auch sein m\u00f6gen, im \u201egro\u00dfen Ganzen\u201c beinahe untergehen beziehungsweise dass das ganze Album auch beim B\u00fcgeln im Hintergrund laufen k\u00f6nnte und man w\u00fcrde es wahrscheinlich nicht merken. Wenn man sich aber bewusst auf dieses Album einl\u00e4sst, wird die Spielfreude der Musiker \u00fcbertragen als Lauschfreude des H\u00f6rers, und das ist ziemlich famos.</p>\n<p>Den Geist, den man ihnen gab, geben sie hier freim\u00fctig und leidenschaftlich zur\u00fcck. Gef\u00e4llt mir. Plus eins.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> gibt es unter anderem auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Ghost-You-Gave-Me/dp/B005GIGEP6/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Flaming-Row---Elinoire.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Flaming-Row---Elinoire.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Flaming Row \u2013 Elinoire</span>\n<p>Apropos METAL! \\m/ \u2013 diesmal wirklich: <span class=\"musik-review-bandname\">Flaming Row</span>, Musikgruppe deutschen Ursprungs, deren Mitglied <span class=\"musik-review-bandname\">Marek Arnold</span> auch bei <span class=\"musik-review-bandname\">Toxic Smile</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Seven Steps To The Green Door</span> und mittlerweile auch <span class=\"musik-review-bandname\">Stern-Combo Mei\u00dfen</span> aktiv ist, erz\u00e4hlt auf \u201eElinoire\u201c eine Geschichte. Metal-Konzeptalben erfreuen des Progressive-Rock-H\u00f6rers Herz.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.terrorverlag.de/rezensionen/flaming-row/elinoire/\&quot;" data-wpel-link="internal">Die Geschichte</a>, die die Texte erz\u00e4hlen, klingt bemerkenswert:</p>\n<blockquote><p>Textlich dreht sich das Ganze um eine englische Familie, wo die Mutter (Lea) bei der Geburt der Tochter (Elinoire)stirbt und der Vater (Adam) damit lange nicht klarkommt und so der Opa (Cyrus) erstmal die Vaterrolle \u00fcbernimmt, bevor einige Dinge aus Leas Vergangenheit in einem neuen Licht erscheinen. Was sich zun\u00e4chst recht einfach gestrickt anh\u00f6rt, ist komplex entwickelt mit Charakteren, deren Emotionen (u.a. Liebe und Wut) sowie Dimensionen (u.a. Zeit und Tod) jeweils durch andere zugeordnete Stimmen Leben eingehaucht wird!</p></blockquote>\n<p>Dass die Texte in englischer Sprache verfasst worden sind, der Texter aber gelegentlich \u00fcber englische Phrasen stolpert und sich anscheinend ziemlich weh tut, f\u00e4llt nur wenig ins Gewicht. Die Qualit\u00e4t der Musik gleicht das wieder aus. Dabei ist der Gesang an sich ein tragendes Element des Albums: Neben S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Kiri Geile</span> (hihi) sind als Gastmusiker unter anderem zw\u00f6lf gesonderte Vokalisten zu h\u00f6ren, darunter <span class=\"musik-review-bandname\">Billy Sherwood</span>, der vor vielen Jahren mal bei <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> musizierte und heute mit <span class=\"musik-review-bandname\">Circa:</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Yoso</span> noch immer in deren weiterem Umfeld zu finden ist.</p>\n<p>Das Konzept (eine mit verschiedenen Stimmen f\u00fcr verschiedene Charaktere erz\u00e4hlte, ziemlich dramatische Geschichte) ist vielleicht schon von <span class=\"musik-review-bandname\">Ayreon</span>s ebenfalls gro\u00dfartigem Album \u201eThe Human Equation\u201c bekannt, und auch musikalische \u00c4hnlichkeiten sind durchaus vorhanden. Da wird stilistisch quer durch die Genreschubladen gefahren, es gibt Country (\u201eDo you like country grandpa?\u201c) neben Growlgebr\u00fcll (\u201eRage of despair\u201c), vor allem aber viel Gitarre und \u2013 <span class=\"musik-review-bandname\">Marek Arnold</span> sei Dank \u2013 eine Menge Keyboards. <span class=\"musik-review-bandname\">Dream Theater</span> sind selten fern.</p>\n<p>\u201eElinoire\u201c ist gemessen daran, dass es als Deb\u00fctalbum ver\u00f6ffentlicht wurde, nicht nur ein ambitioniertes, sondern auch ein unglaublich vielseitiges Album. Ganz gro\u00dfes Kopfkino.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren</span> kann man zum Beispiel per <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#/album/Elinoire/7209637\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> und sollte dies unbedingt auch einmal tun!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Black-Box-Revelation---My-Perception.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Black-Box-Revelation---My-Perception.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Black Box Revelation \u2013 My Perception</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eThe wood is where your soul lives\u201c</span> (My Perception)\n<p>Ziemlich dreckig und eigentlich gar nicht nach einem belgischen Duo, bestehend aus zwei Herren Anfang 20, klingt \u201eMy Perception\u201c, das dritte Album von <span class=\"musik-review-bandname\">Black Box Revelation</span>. Als Produzent konnte man <span class=\"musik-review-bandname\">Alain Johannes</span> gewinnen, der in Stoner-Rock-Kreisen kein Unbekannter ist und auch auf \u201eMy Perception\u201c klanglichen Eindruck hinterlassen hat.</p>\n<p>Zu h\u00f6ren ist Gitarren-Indie-Rock, der mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Dandy Warhols</span> (und somit auch <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span>) nicht unbedingt die schlechtesten Paten hat. \u201eMadhouse\u201c er\u00f6ffnet das Album entsprechend mit Bluesriffs, <span class=\"musik-review-bandname\">Jan Paternoster</span> sprechsingt dazu, stimmlich <span class=\"musik-review-bandname\">Mick Jagger</span> nicht un\u00e4hnlich, in guter, alter <span class=\"musik-review-bandname\">Lou-Reed</span>-Manier, auch Hintergrundgesang ist dort, wo man ihn erwartet; nur das Schlagzeug schl\u00e4gt die Br\u00fccke in neue Gefilde und bringt <span class=\"musik-review-bandname\">The Strokes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">The White Stripes</span> \u2013 insbesondere im Mittelteil von \u201eMadhouse\u201c sind diese dominant \u2013 ins Spiel.</p>\n<p>Das bedeutet allerdings beileibe keine Monotonie. \u201eSkin\u201c etwa ist ein veritables, <em>tanzbares</em> Popst\u00fcck mit viel Elektronik, \u201eNew Sun\u201c eine Folkballade mit eigenartigem Gitarreneinsatz; und dann eben auch immer wieder der Stoner Rock wie in \u201e2 Young Boys\u201c, das zwar nicht ohne Unterlass vor sich hinscheppert, aber doch das Herz des Verzerrerfreundes zum H\u00fcpfen bringt. (Sieht \u00fcbrigens merkw\u00fcrdig aus.)</p>\n<p>Tja, was ist das nun? <em>Damals</em> h\u00e4tte man es wohl Rock\u2019n\u2019Roll genannt; aber <span class=\"musik-review-bandname\">Elvis</span>, der Inbegriff dieses Stils, ist hier fern. <a href="\&quot;http://www.the-spine.de/musik/black-box-revelation-my-perception\&quot;" data-wpel-link="internal">Anderswo</a> vergleicht man <span class=\"musik-review-bandname\">Black Box Revelation</span> mit <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span> und ist wahrscheinlich ziemlich froh dar\u00fcber, dass es kein Kommentarfeld unter der Rezension gibt, in dem man seinen Unmut hier\u00fcber kundtun kann, aber schreibt ansonsten weniger Quatsch:</p>\n<blockquote><p>Das ist Rock ohne Keyboards, Oldschool, mit vielen Gitarrenhooklines, sch\u00f6nen verzerrten Parts und melodi\u00f6sen Soli, die nach alten Verst\u00e4rkern klingen.</p></blockquote>\n<p>So muss Rockmusik sein. Nehmt euch ein Beispiel daran, ihr strunzlangweiligen <span class=\"musik-review-bandname\">Kettcar</span>!</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Anh\u00f6ren</span> und angucken kann man das Ganze beispielsweise, indem man das eigenartige Video zum Titelst\u00fcck <a href="\&quot;http://www.dailymotion.com/video/xlv5iu_the-black-box-revelation-my-perception-2011_music\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Dailymotion.com betrachtet</a>. Tut dies!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Baby-Woodrose---Mindblowing-Seeds-And-Disconnected-Flowers.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Baby-Woodrose---Mindblowing-Seeds-And-Disconnected-Flowers.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Baby Woodrose \u2013 Mindblowing Seeds And Disconnected Flowers</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eBaby Woodrose blows your mind\u201c</span> (Baby Blows)\n<p>Und weil so Rockalben ja immer zu kurz sind, schieben wir gleich noch eins hinterher.</p>\n<p>\u201eBaby Woodrose\u201c ist einer der Namen f\u00fcr die <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Hawaiianische_Holzrose\&quot;" data-wpel-link="internal">Hawaiianische Holzrose</a>, deren Bestandteile eine LSD \u00e4hnliche Wirkung erzielen. Das ist wahrscheinlich ebensowenig dem Zufall geschuldet wie der Titel des Albums, wobei zumindest bei ersterem Bandkopf und einziges konstantes Mitglied <span class=\"musik-review-bandname\">Lorenzo Woodrose</span> sein (angeblicher) Name gelegen gekommen sein d\u00fcrfte. Tjaja, den Verstand in die Luft jagen muss man ja nicht mit Sprengstoff.</p>\n<p>Bereits das Titelbild des Albums, inspiriert von den Blumenkinderplakaten der sp\u00e4ten 60-er Jahre, zeigt: Anh\u00e4nger von gro\u00dfartigen Gruppen wie <span class=\"musik-review-bandname\">Vibravoid</span> (die allerdings mehr <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span> als <span class=\"musik-review-bandname\">The Who</span> sind) kommen auch hier auf ihre Kosten. Psychedelischer Garagenrock dominiert. Dabei ist die hier zu h\u00f6rende Musik nicht einmal neu.</p>\n<p>Vor 10 Jahren, 2001, erschien nach zwei Jahren Arbeit das Deb\u00fctalbum \u201eBlows Your Mind\u201c. Den dort zu findenden St\u00fccken ging, wie \u00fcblich, ein kreativer Prozess voraus, der zahlreiche Demoversionen hervorbrachte, die nach und nach \u201egeschliffen\u201c und irgendwann f\u00fcr das Album und den 7\u2033-EP \u2013 wieder so etwas, was leider aus der Mode ger\u00e4t \u2013 \u201eDisconnected Flowers\u201c final aufgenommen und gemischt wurden. Auf \u201eMindblowing Seeds And Disconnected Flowers\u201c befinden sich insgesamt 15 Lieder aus dieser Phase in einem fr\u00fchen Zustand, \u00e4hnlich dem <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>-Album \u201eLet it be\u2026 naked\u201c ohne allzu viel Nachbearbeitung. Eigentlich ist \u201eMindblowing Seeds And Disconnected Flowers\u201c somit eher eine Sammlung von Demoversionen als ein neues Studioalbum, aber tats\u00e4chlich erblicken die hier zu findenden Versionen erstmals das Licht der \u00d6ffentlichkeit.</p>\n<p>Demoversionen sind ja daf\u00fcr bekannt, noch nicht unter \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Kantengl\u00e4ttung zu leiden. Was hier zu h\u00f6ren ist, hat Biss. Dass die einzige enthaltene Coverversion \u201eCity of People\u201c von der US-amerikanischen Garage-Punk-Band <span class=\"musik-review-bandname\">The Illusions</span> und aus dem Jahr 1966 stammt, ist ein Beleg daf\u00fcr, wo <span class=\"musik-review-bandname\">Lorenzo Woodrose</span> seine musikalischen Wurzeln ausmacht.</p>\n<p>Dass die f\u00fcnfzehn Lieder \u2013 gro\u00dfteils als \u201eExplicit Lyrics\u201c, <em>explizite Lyrik</em> also, beinhaltend gekennzeichnet \u2013 nat\u00fcrlich auch nur eine begrenzte Gesamtlaufzeit haben und daher nie l\u00e4nger, meist k\u00fcrzer als ungef\u00e4hr dreieinhalb Minuten sind, f\u00e4llt kaum ins Gewicht, damals, in den 60-ern, waren Singles ja selten l\u00e4nger, und wer mit der damaligen Musik nicht viel anfangen kann, der kann <span class=\"musik-review-bandname\">Baby Woodrose</span> auch unter \u201emuss ich nicht h\u00f6ren\u201c ablegen.</p>\n<p>Sicherlich ist dieses Album auch sonst kein \u201emuss ich h\u00f6ren\u201c, wenn man die Entwicklung von <span class=\"musik-review-bandname\">Baby Woodrose</span> von Anfang an verfolgt hat. Wer das verpasst hat, dem bietet Bad Afro Records hier nochmals die Gelegenheit, ihre Musik kennen und sch\u00e4tzen zu lernen. Ein Angebot, das man nicht ausschlagen sollte.</p>\n<p>Wildes Kopfsch\u00fctteln und <span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren</span> sei auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Mindblowing-Seeds-Disconnected-Baby-Woodrose/dp/B004UPLP7I/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> gew\u00e4hrt.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/thisquietarmy---Vessels.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---thisquietarmy---Vessels.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">thisquietarmy \u2013 Vessels</span>\n<p>Im Mai dieses Jahres erschien als Vorl\u00e4ufer des im November erschienenen Albums \u201eResurgence\u201c der/die/das EP \u201eVessels\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">thisquietarmy</span>, dem Soloprojekt von <span class=\"musik-review-bandname\">Eric Quach</span>, Gitarrist der Instrumentalrocker <span class=\"musik-review-bandname\">destroyalldreamers</span>. (Erkennt ihr das Muster?)</p>\n<p>Anders als die Musik letzterer Protagonisten ist das Album von <span class=\"musik-review-bandname\">thisquietarmy</span> genau das: Still. Es wird beherrscht von Seefahrts-/Unterwasserger\u00e4uschen, mal pfeifen die Kessel, mal tropft es. <span class=\"musik-review-bandname\">Eric Quach</span> vermischt hier ambiente Klangfl\u00e4chen mit <em>drones</em>, also Bordunkl\u00e4ngen, zu einer brodelnden Masse.</p>\n<p>Das sechste und letzte (Bonus-)St\u00fcck \u201eNew Dawn Fades\u201c, von Gesang und aufdringlichem Schlagzeug begleitet, f\u00e4llt hier beinahe aus dem Rahmen, es gibt dem Dargebotenen abschlie\u00dfend einen Dark-Wave-Anstrich, der <span class=\"musik-review-bandname\">Sisters of Mercy</span> und \u00e4hnliche Musikgruppen zitiert. Das erstaunt nur wenig, handelt es sich doch um eine Coverversion des gleichnamigen St\u00fcckes von <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Division</span>.</p>\n<p>Frei \u00fcbersetzt und etwas technischer formuliert <a href="\&quot;http://post-engineering.blogspot.com/2011/05/album-thisquietarmy-vessels.html\&quot;" data-wpel-link="internal">klingt das so:</a></p>\n<blockquote><p>Indem er seine Gitarre als einen Klangfarbenerzeuger erforscht, erweitert er die Grenzen seines Instruments durch die Benutzung mehrerer Effektverarbeiter und Echtzeit-Loopsampler, die Form und Klang des Gitarrensignals \u00e4ndern, Texturen \u00fcber Texturen blenden, eine umfangreiche Kombination aus Klngen zusammenf\u00fcgen und die Melodien entwickeln, die in diesen Klangkaskaden verborgen sind. Bestimmte musikalische Ideen werden oft mittels Neuinterpretation, De- und Rekonstruktion seiner eigenen Improvisationen entwickelt.</p></blockquote>\n<p>Das klingt spannend und ist enorm. Musik f\u00fcr Kopf-H\u00f6rer und lange N\u00e4chte.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> \u201eThe Pacific Theater\u201c und \u201eThe Black Sea\u201c k\u00f6nnen geneigte Musikfreunde auf <a href="\&quot;http://thisquietarmy.bandcamp.com/album/vessels-cd\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> in voller L\u00e4nge h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Canyon-Observer---Chapter-1---The-Current-of-Her-Ocean-Brings-Me-To-My-Knees.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Canyon-Observer---Chapter-1---The-Current-of-Her-Ocean-Brings-Me-To-My-Knees.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Canyon Observer \u2013 Chapter 1 \u2013 The Current of Her Ocean Brings Me To My Knees</span>\n<p>Noch ein EP, diesmal aus Slowenien, bereichert dank <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-canyon-observer-the-current-of-her-ocean-brings-me-to-my-knees/\&quot;" data-wpel-link="internal">Peters F\u00fcrsprache</a> diese Liste: \u201eThe Current of Her Ocean Brings Me To My Knees\u201c ist der Erstling von <span class=\"musik-review-bandname\">The Canyon Observer</span>, mit einer ungef\u00e4hren halben Stunde Laufzeit aber schon nicht \u00fcbel bef\u00fcllt.</p>\n<p>Was gibt es auf die Ohren?</p>\n<blockquote><p>(\u2026) eine nicht uninteressante Mischung aus Sludge, Hardcore, Post-Rock und noisigen <em>(sic!)</em> Ambient (\u2026)</p></blockquote>\n<p>Nun, die Band selbst sortiert sich unter anderem in \u201eska\u201c, \u201esludge\u201c und \u201epunk rock\u201c ein. Nimm dies, genregeile Musikpresse. \u201eSludge\u201c passt noch am ehesten, <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Sludge_%28Musik%29\&quot;" data-wpel-link="internal">laut Wikipedia geh\u00f6rt dies dazu:</a></p>\n<blockquote><p>Insgesamt ist die Musik eher schleppend und z\u00e4h, mit besonderer Hervorhebung der Gitarrenriffs. Der Gesang besteht vornehmlich aus hardcoreartigem Geschrei und Gekeife, aber auch Death-Metal-typische Growls k\u00f6nnen vorkommen.</p></blockquote>\n<p>So ist das. Ska? Fehlanzeige. Das ist gut, ich mag keinen Ska.</p>\n<p>Dass \u201eThe Current of Her Ocean Brings Me To My Knees\u201c <a href="\&quot;http://borderlinefuckup.wordpress.com/2011/11/15/ep-vierer-the-canyon-observer-sail-on-sail-on-sneinton-zona-mexicana/\&quot;" data-wpel-link="internal">irgendwie <em>beliebig</em> klingt,</a> mag sein. Wenn man viel Zeit mit einer einzigen Musikausrichtung verbringt, wird man irgendwann das Gef\u00fchl haben, das alles schon mal irgendwo geh\u00f6rt zu haben. Mir als Freund schr\u00e4gen L\u00e4rms ist derlei jedoch noch ziemlich unbekannt, und mich erfreut die Kombination aus Beh\u00e4bigkeit und Aggression. Auf die folgenden Kapitel (\u201eChapter\u201c) bin ich gespannt.</p>\n<p>Wer Besagtes ebenfalls sch\u00e4tzt, dem rate ich, mal <span class=\"musik-review-hoerproben\">reinzuh\u00f6ren:</span><br>\nAuf <a href="\&quot;http://kaparecords.bandcamp.com/album/the-current-of-her-ocean-brings-me-to-my-knees\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> ist das gesamte Werk h\u00f6r- und kaufbar.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Lou-Reed-Metallica---Lulu.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Lou-Reed-Metallica---Lulu.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Lou Reed &amp; Metallica \u2013 Lulu</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI want to see your suicide, I want to see you give it up, give it up, your life of reason.\u201c</span> (The View)\n<p>Ach, was haben die Herren da nur losgetreten? <span class=\"musik-review-bandname\">Cheer-Accident</span> hatte ich oben als kontrovers beschrieben, gegen \u201eLulu\u201c aber verblasst jede Kontroverse. Auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/review/R10TT64NV2XVGM?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> sind hei\u00dfe Diskussionen entbrannt, ob <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> oder seine Begleitband <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span> die st\u00f6renden Elemente auf dem Album sind. Nat\u00fcrlich sind die Anh\u00e4nger letzterer Combo anderen Gesang gewohnt:</p>\n<blockquote><p>Man sollte mal untersuchen, ob Leute, die gerne <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> h\u00f6ren, sich auch gerne auspeitschen lassen, oder ob Leute, die sich auspeitschen lassen, dabei gerne <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> h\u00f6ren, quasi um den Effekt zu verst\u00e4rken :o)<br>\nAber das nur am Rande \u2026</p></blockquote>\n<p>Nicht, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> so etwas nicht gewohnt w\u00e4re: Als er mit <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> unter <span class=\"musik-review-bandname\">Andy Warhol</span>s sch\u00fctzender Hand die New Yorker Kunstszene provozierte, wurde seine kreative Ader von der Presse nicht gew\u00fcrdigt. Jahrzehnte sp\u00e4ter wei\u00df man, dass das damals eine Weg weisende Stilrichtung war, die man erst viel zu sp\u00e4t als eine solche erkannte. Ob es mit \u201eLulu\u201c auch so sein wird?</p>\n<p>F\u00fcr einige \u2013 wenige \u2013 <em>fans</em> von <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span> ist \u201eLulu\u201c der <a href="\&quot;http://www.amazon.de/review/R3K0M3HFNG4TUC?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Befreiungsschlag</a>, aber die meisten haben offenbar nicht verstanden, dass es eben kein <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span>-Album ist. Merke: Wo nicht nur <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span> draufsteht, ist nicht nur <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span> drin.</p>\n<p>Wahrscheinlich ist \u201eLulu\u201c aber das Anspruchsvollste, woran sich <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span> je beteiligt haben. Text und Musik stammen von <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> auf Basis des Theaterst\u00fccks \u201eLulu\u201c, geschrieben von ihm und <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Wilson</span> auf Basis des gleichnamigen St\u00fcckes von <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Wedekind</span>, eine Theateradaption seiner Dramen \u201eErdgeist\u201c und \u201eDie B\u00fcchse der Pandora\u201c. Letzten Endes gro\u00dfe deutsche Kunst also.</p>\n<p>Dass man sich mit \u201eErdgeist\u201c und \u201eDie B\u00fcchse der Pandora\u201c besch\u00e4ftigen sollte, um dieses Album in seiner G\u00e4nze zu begreifen, ist wahr. Es geht aber auch ohne, die Texte lassen <a href="\&quot;http://www.laut.de/Lou-Reed-Metallica/Lulu-%28Album%29\&quot;" data-wpel-link="internal">kaum Missverst\u00e4ndnisse offen:</a></p>\n<blockquote><p>Ein leider echter Spiegel zur Seele der Menschheit, kein Disney-Zerrspiegel. <span class=\"musik-review-bandname\">Reed</span> interpretiert <span class=\"musik-review-bandname\">Wedekind</span> wenig \u00fcberraschend, daf\u00fcr mit der inhaltlichen Treffsicherheit des alten Fuchses. Berlin wird amerikanisiert und in den grimmen H\u00e4nden <span class=\"musik-review-bandname\">Lou</span>s zum psychoanalytisch fein austarierten Bastard aus <span class=\"musik-review-bandname\">Hubert Selby</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Burroughs</span> und der dentalbohrenden Pr\u00e4zision eines <span class=\"musik-review-bandname\">Hemingway</span>. Sadomasochismus, Egoismus, Vergewaltigung, K\u00e4lte, Verf\u00fchrung, Sinnlichkeit, Tod, Ekel und ein kleines Tr\u00f6pfchen Liebe. Der Mensch als Abschaum der Sch\u00f6pfung. Sch\u00f6n klingt das in der Tat zu Anfang nicht.</p></blockquote>\n<p>Klassisches <span class=\"musik-review-bandname\">Lou-Reed</span>-Material eben, zuletzt so umfangreich aufgearbeitet auf seinem Album \u201eBerlin\u201c, das Tristesse, Depression und Apathie als Grundlagen menschlicher Handlungen kolportierte. Quasi als Gegensatz zu dem melancholisch ruhigen \u201eBerlin\u201c fungiert also das aggressiv polternde \u201eLulu\u201c, ein einst geschm\u00e4htes, existenzialistisches Werk in einer gleichfalls geschm\u00e4hten Vertonung. Dieser Gegensatz ist aber nur musikalischer Natur, so hei\u00dft es etwa in \u201eCheat On Me\u201c:</p>\n<blockquote><p>I have no real feelings in my soul<br>\nWhere most have passion I got a hole<br>\nI really got nobody else</p></blockquote>\n<p>Apathie muss nicht still sein.</p>\n<p>Trotz all dieser <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span>-untypischen Elemente sollte man nicht \u00fcbersehen, dass durchaus Metal gespielt wird. \u201ePumping Blood\u201c l\u00e4dt in seiner rhythmischen Schlichtheit zum kr\u00e4ftigen Kopfnicken ein, das gro\u00dfartige \u201eDragon\u201c steuert gar auf einen musikalischen und (textlich) sexuellen H\u00f6hepunkt zu. \u201eOh, oh, you\u2019re so special\u201c. Wie oft sonst sieht man <span class=\"musik-review-bandname\">Lou Reed</span> beim Musizieren l\u00e4cheln?</p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist \u201eLulu\u201c anstrengend. Nat\u00fcrlich wird kein Lied aus dem Album es in irgendwelche Klingeltonhitparaden schaffen. Na und?<br>\nDas, werte Herrschaften, ist Kunst. Es muss nicht jedem gefallen \u2013 mir jedenfalls gef\u00e4llt es.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren:</span> Das gesamte Album nebst Textbeilage ist derzeit auf <a href="\&quot;http://loureedmetallica.com/lulu.php\&quot;" data-wpel-link="internal">loureedmetallica.com</a> einzusehen und einzuh\u00f6ren. Empfohlen wird das vor allem denen, die <span class=\"musik-review-bandname\">Metallica</span> sch\u00e4tzen \u2013 f\u00fcr sie ist \u201eLulu\u201c besonders harte Kost.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Voids-Last-Stand---Rakash.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Voids-Last-Stand---Rakash.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Void\u2019s Last Stand \u2013 Rakash</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201e\u2026 but a dream that lives forever is never born\u201c</span> (Glass Cabinet)\n<p>Dass ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">vor zwei Jahren</a> das Deb\u00fctalbum der deutschen Formation <span class=\"musik-review-bandname\">The Void\u2019s Last Stand</span> rezensierte, verschaffte mir offenbar ausreichend Reputation, denn gerade noch rechtzeitig f\u00fcr diese Liste fand ich nunmehr ihren Zweitling, \u201eRakash\u201c, im Briefkasten. Das finde ich gut.</p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal zu den \u00c4u\u00dferlichkeiten: Die Zeiten schwer zu entziffernder Superengschrift ist vor\u00fcber, jeder beigelegte Text, selbst das Liedtextheftchen, ist ohne gro\u00dfe Schwierigkeiten zu lesen. Auch sonst ist von dem, nun, eigenwilligen und viel kritisierten <em>artwork</em> des Deb\u00fcts nicht viel \u00fcbrig geblieben. Das Titelbild erinnert mich an <span class=\"musik-review-bandname\">\u2026And You Will Know Us by the Trail of Dead</span> oder die neueren Alben von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>, die allerdings weniger quietschbunt daher kommen. <span class=\"musik-review-bandname\">Helmut Wenske</span>, so erf\u00e4hrt man anhand der Beschriftung des Tontr\u00e4gerummantelungsdingens, hat hier <a href="\&quot;http://wenske-hyde.com/WH.html\&quot;" data-wpel-link="internal">in seinem typischen Stil</a> ein wenig Kreativit\u00e4t ausge\u00fcbt. Sehr geehrte Musiker jedwelcher musikalischen Ausrichtung: W\u00fcrden weniger von euch darauf erpicht sein, ihre Fressen auf ihre CDs zu drucken, und mehr von euch auf derartige Gem\u00e4ldekunst zur\u00fcckgreifen, so w\u00e4re es f\u00fcr eure Vermarktungsabteilungen ein Leichtes, mehr Geld mit Postern, Vinylplatten und \u00e4hnlichen Reproduktionen zu verdienen. Macht das doch mal.</p>\n<p>Aber eigentlich geht es hier ja um die Musik. Und was h\u00f6re ich da? Nun, es wirkt geordneter, weniger verwirrend als das Deb\u00fct. Los geht es mit \u201eMother Sun and the other Son (Part III)\u201c, sozusagen der Fortsetzung von \u201eMother Sun and the other Son (Part I)\u201c. (Ob es jemals einen Teil 2 gab, wei\u00df wohl nur die Band allein.) Dieses ist auch das einzige St\u00fcck, auf dem die Legende von Elagabal nochmals erw\u00e4hnt wird. Dem Personenkult bleibt man aber treu: In \u201eCut Open Feet\u201c etwa wird der T\u00e4nzer <span class=\"musik-review-bandname\">Vaslav Nijinsky</span>, in \u201eGlass Cabinet\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">He-Man</span> besungen.</p>\n<p>Von \u201eMother Sun \u2026\u201c abgesehen geht es musikalisch <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=12082\&quot;" data-wpel-link="internal">beinahe gem\u00e4\u00dfigt</a> zu:</p>\n<blockquote><p>(\u2026) eigentlich sind das alles nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig fordernde Retro-Rock-St\u00fccke, (\u2026).</p></blockquote>\n<p>Je nachdem, wo man seine Ma\u00dfst\u00e4be ansetzt, w\u00fcrde ich sagen, diese Kritik trifft nicht den Kern. <span class=\"musik-review-bandname\">Jonas Wingens</span> klingt immer noch, als h\u00e4tte er zum Fr\u00fchst\u00fcck die <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>-Diskografie (mit <span class=\"musik-review-bandname\">Malcolm Mooney</span> <b>und</b> <span class=\"musik-review-bandname\">Damo Suzuki</span>) verspeist, die <span class=\"musik-review-bandname\">zappa</span>esquen Stil- und Rhythmuswechsel sind immer noch da, aber es klingt weniger nach \u201ewir spielen jetzt mal, was wir gerade im Kopf haben, und nehmen das auf\u201c.</p>\n<p>Etwas ungew\u00f6hnlich ist auch das Ende: St\u00fcck Nummer 7 ist ein gesprochenes Gedicht, eine \u201eOde an <span class=\"musik-review-bandname\">Antoine Marie Joseph Artaud</span>\u201c, einen <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Antonin_Artaud\&quot;" data-wpel-link="internal">bekannten franz\u00f6sischen Schauspieler</a> mit reichlich seltsamem Tod:</p>\n<blockquote><p>Am 4. M\u00e4rz 1948 wurde er in sitzender Haltung im Bett mit einem Schuh in der Hand tot aufgefunden.</p></blockquote>\n<p>Das Gedicht tr\u00e4gt passenderweise den Untertitel \u201ePoesy in Asylum\u201c.</p>\n<p>So haben beide Alben ihren Reiz: Das Deb\u00fct spricht Freunde improvisierten Durcheinanders an, der Zweitling erfreut das Herz von <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>-J\u00fcngern. Ich als jemand, der beide Welten bereist, kann keinen Qualit\u00e4tsverlust feststellen. Das irre Element, dessen bin ich mir sicher, wird diese Band jedenfalls so schnell nicht verlieren.</p>\n<p>\u201eRakash\u201c ist gro\u00dfartig. Keine Widerrede geduldet.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Man schaue einmal bei <a href="\&quot;http://grooveshark.com/#/album/Rakash/7371258\&quot;" data-wpel-link="internal">Grooveshark</a> hinein.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Das-Niveau---Volle-Album.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Das-Niveau---Volle-Album.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Das Niveau \u2013 Volle Album</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eWir bringen euch Niveau, wo nie Niveau war\u2026\u201c</span> (Niwowoniniwowa)\n<p>Auf <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/07/son-festival-informationsarme-ruckschau-auf-eine-nicht-naher-benannte-veranstaltung/\&quot;" data-wpel-link="internal"><em>so Veranstaltungen</em></a> lernt man ja immer mal <em>so Musiker</em> kennen und sch\u00e4tzen. Zum Abschluss beinahe vers\u00f6hnlich klingt das \u201eVolle Album\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Das Niveau</span>, nach dem \u201eLosen Album\u201c deren Zweitling und nicht sehr niveauvoll.</p>\n<blockquote><p>Ja, es ist so weit, die Stunde hat geschlagen,<br>\nDas Niveau darf endlich wieder \u201eficken\u201c sagen!<br>\nFicken, Ficken!, was f\u00fcr ein sch\u00f6nes Wort,<br>\nalles zwischen Liebemachen und Leistungssport \u2026</p></blockquote>\n<p>Was gibt es zu h\u00f6ren? Nun, vorrangig Liedermacher- beziehungsweise, ihrer Selbsteinordnung zufolge, Bardenduette, in denen es sich vor allem darum dreht, dass die beiden Protagonisten dicke <em>cojones</em> haben, Frauen toll finden und gern stinkreich w\u00e4ren. Im Gegensatz zu den Hip-Hop-Querfl\u00f6ten hierzulande versuchen sie aber gar nicht, das wie Ernst klingen zu lassen.</p>\n<p>Mit \u201eAm n\u00e4chsten Galgen\u201c ist auch, wie schon \u201eDer letzte Stern\u201c auf dem Deb\u00fctalbum, das <em>traditionelle</em> Zeigefingerst\u00fcck dabei:</p>\n<blockquote><p>Wenn Menschen lieber kniend leb\u2019n<br>\nanstatt stehend im Kampf niederzugeh\u2019n,<br>\nkeiner die Freiheit kennt,<br>\njeder Sklaverei sein Schicksal nennt -</p>\n<p>dann nimm deine R\u00fcstung und geh, (wdh.)<br>\nsonst will ich dich am n\u00e4chsten Galgen seh\u2019n.</p></blockquote>\n<p>Es muss ja nicht immer nur um\u2019s Pimpern gehen. F\u00fcr gro\u00dfe Literatur reicht\u2019s nicht, aber darum geht es auch gar nicht.</p>\n<p>Man sieht zwei Musiker, die sichtlich Spa\u00df daran haben, ihre Rolle als Bl\u00f6delbarden voll auszuf\u00fcllen, und es nebenbei schaffen, auch so etwas wie eine ernste <em>message</em> r\u00fcberzubringen, Alter. Ich werde oft daf\u00fcr gescholten, dass meine pr\u00e4ferierten Klangk\u00fcnstler zu anspruchsvoll f\u00fcr den gelegentlichen Genuss sind. Wie w\u00e4re es mal damit?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span> Eine akzeptable Konzertaufnahme von \u201eNiwowoniniwowa\u201c gibt es zum Beispiel auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=7l5-Lsh7xrU\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube</a> zu sehen, wo ich zwecks Genusses einiger anderer Lieder auch einen Blick in das <a href="\&quot;http://www.youtube.com/user/SoerenVogelsang\&quot;" data-wpel-link="internal">Profil eines der Mitglieder</a> empfehle.</p></li>\n</ol>\n<p>Nachdem ihr also nun euer gesamtes restliches Weihnachtsgeld f\u00fcr so viel tolle Musik ausgegeben habt, ist es vielleicht angemessen, darauf hinzuweisen, dass es 2011 auch noch mehr Musik gab, die es frei herunterzuladen gilt. Ich nenne sie \u2026</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Freibier.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Echelon-Effect---Seasons-2-4.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Echelon-Effect---Seasons-2-4.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Echelon-Effect---Seasons-3-4.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Echelon-Effect---Seasons-3-4.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Echelon Effect \u2013 Seasons (pt.2 &amp; 3)</span>\n<p>Seit Sommer war <span class=\"musik-review-bandname\">David Walters</span>, die treibende Kraft hinter <span class=\"musik-review-bandname\">The Echelon Effect</span>, nicht unt\u00e4tig und setzte seine \u201eSeasons\u201c-Reihe fort. Das Jahr hat vier Jahreszeiten, gegenw\u00e4rtig (23. Dezember 2011) sind allerdings erst Teil 2 und 3 erschienen. Ein wenig Eile w\u00e4re angebracht.</p>\n<p>Musikalisch hat sich nicht viel ge\u00e4ndert: Ruhiger, melancholischer, instrumentaler Ambient-Postrock pl\u00e4tschert leise aus den Lautsprechern. Wie das klingt? Nach Erwachen nach einem langen, entspannenden Schlaf, nach feierlichem Tanz, nach Krokussen. Selbst im Sommer. Wenn das Schlagzeug sich regt, trifft man auch schon mal auf <em>walls of sound</em>, aber nie aggressiv, stets verhalten und entspannend.</p>\n<p>Dass es alle drei Teile vor dem Herunterladen auf der Projektwebseite zum <a href="\&quot;http://www.theecheloneffect.com/music/\&quot;" data-wpel-link="internal">kompletten <em>streaming</em></a> gibt, erspart mir \u00fcbrigens eine Menge Geschw\u00e4tz: H\u00f6rt\u2019s euch einfach selbst an.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen</span> k\u00f6nnt ihr euch den Spa\u00df gleichfalls auf besagter Seite, auf <a href="\&quot;http://theecheloneffect.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> und per <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2312\&quot;" data-wpel-link="internal">eMule</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Toehider---Children-Of-The-Sun.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Toehider---Children-Of-The-Sun.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Toehider \u2013 Children of the Sun</span>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Mike Mills</span> aus Australien ist musikalisch recht rege, wie es scheint. Mit seiner Band <span class=\"musik-review-bandname\">Toehider</span> (deren Deb\u00fctalbum albernerweise \u201eTo Hide Her\u201c hei\u00dft) hat er zwischen April 2009 und Mai 2010 insgesamt 13 EPs aufgenommen, die 2011 als \u201eThe First Six\u201c, \u201eThe Last Six\u201c und eben \u201eChildren of the Sun\u201c erschienen.</p>\n<p>Warum \u201eChildren of the Sun\u201c gesondert ver\u00f6ffentlicht wurde, hat rechtliche Gr\u00fcnde: Seine musikalischen Grundlagen waren vor allem Themen aus allerlei Zeichentrickserien aus den 1980-er Jahren, deren Rechteinhaber mit dem Verkauf derivativer Werke nicht immer einverstanden waren, so dass \u201eChildren of the Sun\u201c kostenlos per Internet verteilt werden <em>muss</em>. Das ist ja auch keine Schande. Die Titel hei\u00dfen zum Beispiel \u201eM.A.S.K.\u201c und \u201eDeath of <span class=\"musik-review-bandname\">Optimus Prime</span>\u201c. Wer erkennt\u2019s?</p>\n<p>Die musikalische Umsetzung ist, wie ich finde, hervorragend gelungen: Keyboards, Retro-Prog, Neoprog, aber auch schlichter, wenngleich extrovertierter Pop/Rock mit hohem Spa\u00dffaktor bestimmen das Geschehen.</p>\n<p>Als multimedialer K\u00fcnstler hat <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Mills</span> auch einen <a href="\&quot;http://www.youtube.com/user/12eps12months\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube-Kanal</a> eingerichtet, auf dem unter anderem auch einige Videos zu \u201eChildren of the Sun\u201c zu finden sind, etwa ein Musikvideo zu <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=lHC8OduKSK8\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eMysterious Cities of Gold\u201c</a>, aus dessen Text auch die Zeile \u201eChildren of the Sun\u201c stammt. Auch hier ist nat\u00fcrlich das Anh\u00f6ren vorm tats\u00e4chlichen Herunterladen m\u00f6glich: Alle St\u00fccke werden zurzeit auf der <a href="\&quot;http://toehider.com/12in12/ep/children-of-the-sun\&quot;" data-wpel-link="internal">Toehider-Website gestreamt</a>.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen</span> geht ebendort sowie <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2353\&quot;" data-wpel-link="internal">per eMule</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Guilty-Ghosts---Veils.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Guilty-Ghosts---Veils.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Guilty Ghosts \u2013 Veils</span>\n<p>Weniger spa\u00dfig agiert <span class=\"musik-review-bandname\">Tristan O\u2019Donnell</span>, der sich <span class=\"musik-review-bandname\">Guilty Ghosts</span> nennt (ein einziger Geist w\u00fcrde vielleicht nicht gen\u00fcgen). Nach eigener Aussage hat er das Album in den eigenen vier W\u00e4nden aufgenommen. St\u00f6rt nicht.</p>\n<p>In seiner <a href="\&quot;http://guiltyghosts.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">Selbstbeschreibung</a> hat er selbst unbescheiden behauptet:</p>\n<blockquote><p>Seine Lieder passen ideal zu regnerischen Tagen, ewig andauernden Abenden und melancholischen Momenten der Einsamkeit.</p></blockquote>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob ich mir solche Momente nun herbeiw\u00fcnschen sollte, um das zu verifizieren. Zu h\u00f6ren <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/guilty-ghosts-musik-fur-nebeltage-und-melancholische-momente/\&quot;" data-wpel-link="internal">gibt es jedenfalls</a> \u2026</p>\n<blockquote><p>Drone-Gitarren, Breakbeats und Tape-Loops. Ambient, Drone und Electronica. Unbestimmt und diffus. Gitarrenmusik. Elektronische Musik. Gesang.</p></blockquote>\n<p>Sch\u00f6n, ja.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterzuholen</span> ist\u2019s f\u00fcr einen beliebig w\u00e4hlbaren Preis <a href="\&quot;http://guiltyghosts.bandcamp.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Bandcamp.com</a> (Reinh\u00f6ren inklusive) und per <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2356\&quot;" data-wpel-link="internal">eMule</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Beauty-of-Drowning---The-Beauty-of-Drowning.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Beauty-of-Drowning---The-Beauty-of-Drowning.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Beauty Of Drowning \u2013 The Beauty Of Drowning</span>\n<p>2011 ist das Jahr des Ertrinkens, scheint mir. Tsunamis und sonstige Naturkatastrophen ertr\u00e4nken haufenweise Menschen, <span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> nennt sein neues Album \u201eGrace for drowning\u201c, ein deutsches Trio nennt sich gar <span class=\"musik-review-bandname\">The Beauty Of Drowning</span> und sein erstes Album auch nicht anders.</p>\n<p>Musik? Psychedelic Rock. Post-Rock. Metal. Viel Atmosph\u00e4re.<br>\nVergleiche? <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Oceansize</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Dear John Letter</span>.<br>\nNoch Fragen?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen</span> und reinh\u00f6ren kann man auf <a href="\&quot;http://dedicatedrecords.bandcamp.com/album/the-beauty-of-drowning\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a>. Aber nicht, dass ihr mir hier ertrinkt.</p></li>\n</ol>\n<p>Und weil nicht alles Gold ist, was gl\u00e4nzt und sich dreht, und weil die <em>Not leidende Musikindustrie</em> f\u00fcr Schei\u00dfe anscheinend immer noch zu viel Geld hat, wurde in den Medien auch im weiteren Verlauf des Jahres so manches als total prima hochstilisiert, was sich letztlich als ziemlicher Murks herausstellte:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Klangbrei, rund mit Loch drin.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Boris \u2013 Heavy Rocks</span><br>\nKlingt in Einzelteilen gut, aber zusammengeklebt eher mau.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Arctic Monkeys \u2013 Suck it and see</span><br>\nIch saugte es und sah, dass es nicht gut war.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">dEUS \u2013 Keep you close</span><br>\nIch halte mich lieber fern.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Frequency Drift \u2013 Ghosts\u2026</span><br>\nWenn die Ambientpassagen nicht so einschl\u00e4fernd w\u00e4ren, w\u00e4re dieses Album eigentlich richtig klasse. Davon merkt man im Schlaf nur nichts.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Nihiling \u2013 Egophagus</span><br>\nAus der einst \u00fcberdurchschnittlichen Postrock-Truppe wurden Screamos; der n\u00e4chste logische Schritt ist dann 80s-Pop, richtig? Schade.</li>\n<li><span class=\"musik-review-bandname\">Ske \u2013 1000 Autunni</span><br>\nBelangloses Geklimper.</li>\n</ul>\n<p>Und bevor ich euch, die ihr es bis hierhin geschafft habt, zu eurer Ausdauer und eurem Musikgeschmack (denn sonst h\u00e4ttet ihr l\u00e4ngst aufgeh\u00f6rt zu lesen) begl\u00fcckw\u00fcnsche, mache ich noch einen Abstecher in die Musikgeschichte und schaue, wie \u00fcblich, zur\u00fcck, was sich in den letzten vierzig Jahren so getan hat.</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">4.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Es war einmal \u2026</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Can \u2013 Tago Mago</span>\n<p>Mich beschleicht allm\u00e4hlich der Eindruck, 1971 ist ein Jahr, in dem so etwas wie schlechte Musik schlicht nicht existierte. So ver\u00f6ffentlichte etwa die noch junge Gruppe <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> mit \u201eThe Yes Album\u201c \u2013 nicht mit dem Deb\u00fctalbum \u201eYes\u201c zu verwechseln \u2013 in diesem Jahr ein wegweisendes Werk, auf dem mit \u201eStarship Trooper\u201c bereits einer ihrer gro\u00dfen Symphonic-Prog-<em>hits</em> vertreten ist. Die deutsche Jazzrockformation <span class=\"musik-review-bandname\">Alcatraz</span> machte mit dem von <span class=\"musik-review-bandname\">Soft Machine</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Colosseum</span> beeinflussten Deb\u00fctalbum \u201eVampire State Building\u201c von sich reden, zur gleichen Zeit tummelten sich <span class=\"musik-review-bandname\">The Masters Apprentices</span>, hervorgegangen aus <span class=\"musik-review-bandname\">The Mustangs</span>, mit \u201eChoice Cuts\u201c und der Top-15-Single \u201eBecause I Love You\u201c im psychedelischen Hardrock und Gitarrenpop. Etwas ganz anderes machten die K\u00f6lner von <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span>, ihr (regul\u00e4rer) Zweitling \u201eTago Mago\u201c n\u00e4mlich ist <em>das</em> Krautrock-Album geworden. Neuzugang <span class=\"musik-review-bandname\">Damo Suzuki</span> am Mikrofon dr\u00fcckte den avantgardischen Klangexperimenten seine eigene, unverwechselbare Note auf. \u201eHalleluhwah\u201c ist eine 18 Minuten und 32 Sekunden lange Ger\u00e4uschorgie. Monotoner Rhythmus. Seltsames Flirren. Wie (?) im Drogenrausch schreit der Frontmann eigenartige S\u00e4tze ins Leere. \u201eLalalalalalalalalala, let him up\u201c. Verstehe. \u201eAumgn\u201c, etwa eine Minute k\u00fcrzer? Auch nicht besser. \u201eBring Me Coffee or Tea\u201c ist da beinahe vers\u00f6hnlich, k\u00f6nnte ein \u00dcberbleibsel aus <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>-Drogenzeiten sein. Wobei: Dieser eigenartige, hypnotische Rhythmus, der alles zusammenzuf\u00fcgen scheint? Dieser verst\u00f6rende Gesang? Nein, doch keine <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span>; bis heute jedoch eins der wichtigsten Alben deutscher Musikgeschichte. Einmal h\u00f6ren und verstehen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 35 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Ethos \u2013 Ardour</span>\n<p>Bereits 1976 hatte die Musikwelt andere Priorit\u00e4ten: <span class=\"musik-review-bandname\">Schicke F\u00fchrs Fr\u00f6hling</span> ver\u00f6ffentlichten mit \u201eSymphonic Pictures\u201c ihr Deb\u00fctalbum, das heute als Meisterwerk des instrumentalen Jazzrocks gefeiert wird, unterdessen legten <span class=\"musik-review-bandname\">Ethos</span> mit \u201eArdour\u201c, gleichfalls ihr Deb\u00fctalbum, einen der Grundsteine f\u00fcr Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">The Tangent</span>, die trotz aller Referenzen mehr nach <span class=\"musik-review-bandname\">Ethos</span> als nach <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> klingen. Mit <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Weather Report</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> teilte man sich unter anderem Festivals, <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> waren auch einer der gro\u00dfen Vorbilder: Gitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Will Sharpe</span> gab 1999 zu Protokoll, man habe verzweifelt versucht, die amerikanische Antwort auf <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> zu sein, jedoch wollte Amerika diese Antwort nicht h\u00f6ren. Entmutigt l\u00f6ste man sich nach dem Folgealbum \u201eOpen Up\u201c (1977) auf. Was bleibt, sind f\u00fcnfzigtausend verkaufte Einheiten des Deb\u00fcts und, rechnet man die Resteverwertung \u201eRelics\u201c von 2000 mit, drei Alben mit packend progressiver, symphonischer Rockmusik. Schade, dass es so endete.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">John Cale \u2013 Honi Soit</span>\n<p>Nach drei Jahren Pause kehrten 1981 <span class=\"musik-review-bandname\">Amon D\u00fc\u00fcl II</span> mit dem akzeptablen, aber nur noch selten an \u201ePhallus-Dei\u201c-Zeiten ankn\u00fcpfende \u201eVortex\u201c wieder auf die Bildfl\u00e4che zur\u00fcck. Ebenfalls ins Seichte verabschiedeten sich <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span> mit dem letzten meinerseits noch vertretbaren, erstaunlich experimentellen Album \u201eAbacab\u201c (was danach kam, war fast ausnahmslos belangloser Radiom\u00fcll) und <span class=\"musik-review-bandname\">Grobschnitt</span>, deren \u201eIllegal\u201c den Anfang vom Ende markierte. An deutschsprachigen Popgruppen mangelte es in den Folgejahren bekanntlich nicht. Woran es aber sehr wohl mangelte, war gute Musik mit Anspruch. Tja, die 80-er Jahre. Zum Gl\u00fcck meldete sich <span class=\"musik-review-bandname\">John Cale</span>, Waliser Avantgarde-Pionier und \u00fcberwiegend f\u00fcr seine Beitr\u00e4ge f\u00fcr <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> bekannt, wieder zu Wort: \u201eHoni Soit\u201c ist ein hervorragendes Artpop-Album, das den Werken von <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Hammill</span> um nichts nachsteht. Pop (\u201eDead or Alive\u201c), Uptempo-Rock (\u201eFighter Pilot\u201c mit den <span class=\"musik-review-bandname\">Bomberettes</span> \u2013 am\u00fcsanter Einfall \u2013 als Hintergrundchor, \u201eRussian Roulette\u201c), merkw\u00fcrdig schr\u00e4ge Melancholie (\u201eThe Streets of Laredo\u201c); all dies verfeinert von des Herrn <span class=\"musik-review-bandname\">Cale</span> einmaligem, weichem Gesang. Habe ich gerade \u201emerkw\u00fcrdig\u201c geschrieben? Das Titelst\u00fcck \u00fcbertrifft das noch: Viola und Gitarre liefern sich ein kurzes Duell, unversehens verstummen beide, und eine Trompete bl\u00e4st den Marsch. Dazu gibt\u2019s <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Tex-Mex\&quot;" data-wpel-link="internal">Tex-Mex</a>-Musik und einen Hintergrundchor, der wiederholt \u201eHoni soit qui mal y pense\u201c (\u201eEin Schuft, wer B\u00f6ses dabei denkt\u201c) singt. Diesen Teppich beschreitet <span class=\"musik-review-bandname\">John Cale</span> bed\u00e4chtig mit franz\u00f6sischsprachigem Gesang, unterst\u00fctzt gelegentlich aber auch den Chor. Zum Ohrwurm eignet sich dieses St\u00fcck vortrefflich, und wieder frage ich mich, warum <span class=\"musik-review-bandname\">John Cale</span>s Plattenfirma anscheinend so wenig Geld in gelegentliche Radiovorf\u00fchrungen investiert. So muss der geneigte Musikfreund eben rein zuf\u00e4llig auf dieses gro\u00dfartige St\u00fcck Musik sto\u00dfen. Mancher Zufall f\u00fchrt zu \u00fcberraschenden Entdeckungen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana \u2013 Nevermind</span>\n<p>Ein erneuter Zeitsprung in das Jahr 1991: Die Postrock-Urgesteine <span class=\"musik-review-bandname\">Talk Talk</span> ver\u00f6ffentlichten mit \u201eLaughing Stock\u201c leider ihr letztes, jedoch hervorragendes Album. Ganz und gar nicht hervorragend war das, was die beiden zerstrittenen <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-Lager (<span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Anderson, Bruford, Wakeman &amp; Howe</span>) 1991 auf den Markt warfen: Man vereinte sich \u2013 mehr formell als ideell \u2013 wieder zu einer einzigen Band, die aus insgesamt acht Mitgliedern bestand und in dieser Formation auf Tour ging. Dass die Plattenfirma daf\u00fcr einiges an Geld bekommen haben d\u00fcrfte und \u2013 formell \u2013 wieder <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> drin war, wo <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> draufstand, kann den \u00c4rger hinter den Kulissen nicht ungeschehen machen: Mehrere beteiligte Musiker sind auf dem Album kaum zu h\u00f6ren, im Studio wurden ihre Beitr\u00e4ge so lange nachgespielt, bis alle an der Produktion Beteiligten leidlich zufrieden waren. Aber der Progressive Rock interessierte die junge Generation bereits nur noch wenig, mit <span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span> hatte sie ihre neuen Idole. \u201eNevermind\u201c, \u201edas, wo <em>Smells Like Teen Spirit</em> drauf ist\u201c, war erst deren zweites Album, ist jedoch bis heute ihr bekanntestes und erfolgreichstes, Werbung sei Dank. Dabei war dieser radiofreundlich glattpolierte <em>sound</em> nie im Sinne <span class=\"musik-review-bandname\">Kurt Cobain</span>s, das letzte Album \u201eIn Utero\u201c (1993) ist insofern eher als <em>echtes</em> <span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span>-Album anzusehen. \u201eNevermind\u201c h\u00e4tte es nie geben sollen; eventuell h\u00e4tte <span class=\"musik-review-bandname\">Kurt Cobain</span> dann die Nase von dem Musikgesch\u00e4ft nicht so gestrichen voll gehabt und k\u00f6nnte noch leben. Es ist noch heute ein schrecklich \u00fcberbewertetes Album; aber es enth\u00e4lt doch die wesentlichen Bestandteile von <span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span>s Musik. Klar ist, dass es eins der Alben ist, die man mal geh\u00f6rt haben sollte. Und dann gibt es eigentlich nur zwei valide Reaktionen: Must-have \u2013 oder: Nevermind. (Nebenbei bemerkt: Wortwitze, die nur auf Englisch funktionieren, machen mir keinen Spa\u00df.) F\u00fcr mich gilt: Gut, dass es sp\u00e4ter \u201eIn Utero\u201c gab, denn sonst k\u00f6nnte ich \u00fcber <span class=\"musik-review-bandname\">Nirvana</span> nur wenig Positives berichten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Sleepytime Gorilla Museum \u2013 Grand Opening And Closing</span>\n<p>2001 war auch ein Jahr der Livealben: <span class=\"musik-review-bandname\">Magma</span> ver\u00f6ffentlichten erstmals eine im selben Jahr aufgenommene Livefassung der Trilogie \u201eTheusz Hamtaahk\u201c, <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> griffen mit \u201eVroom Vroom\u201c und darauf enthaltenen Livekonzerten von 1995 und 1996 etwas tiefer in die Mottenkiste. Die polnischen Jazz-/\u201eKrautrocker\u201c <span class=\"musik-review-bandname\">SBB</span> \u00fcberboten das nochmals und begl\u00fcckten ihre Anh\u00e4nger mit \u201eLive in Karlstad 1975\u201c, das eigentlich eine Konzertaufnahme von 1975 (ja, wirklich!) ist. Neu in der Musikwelt waren hingegen unter anderem das Berliner Stoner-Rock-Trio <span class=\"musik-review-bandname\">Rotor</span>, das mit dem Album \u201e1\u201c schon ank\u00fcndigte, dass eine \u201e2\u201c folgen sollte (inzwischen sind sie bei \u201e4\u201c angelangt), und das h\u00f6chst seltsame Avantgarde-Kollektiv <span class=\"musik-review-bandname\">Sleepytime Gorilla Museum</span>. Mit \u201eGrand Opening And Closing\u201c (\u201eGro\u00dfe Er\u00f6ffnung und Schlie\u00dfung\u201c) haben sie auch einen vielsagenden Titel f\u00fcr ihr Deb\u00fctalbum gew\u00e4hlt, denn ihre Konzerte erinnerten oft an Zirkusvorstellungen. Die Musik? Ha, was f\u00fcr Musik? Ger\u00e4usche. Bekloppt. <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=3460&amp;content=review&amp;top=reviews\&quot;" data-wpel-link="internal">[E]in erfrischendes Konglomerat aus \u00fcberraschenden, komplexen Klangkonstrukten, heftigen Ausbr\u00fcchen, schr\u00e4gen, mitunter fast kakophonischen Tonlandschaften, bizarren Ger\u00e4uschen und Soundideen, verspielter Perkussion und derbem Getrommle, metallischem Geriffe, dissonantem (Grunz)Gesang und knallharten Akkorden von Gitarre und Bass, die aber meist irgendwie \u201edaneben\u201c zu liegen scheinen.</a> Das hat es so nur selten gegeben, nun, da <span class=\"musik-review-bandname\">Sleepytime Gorilla Museum</span> nicht mehr existiert, gibt es mit Gruppen wie <span class=\"musik-review-bandname\">uneXpect</span> jede Menge neues Material f\u00fcr diejenigen Verr\u00fcckten, die mit \u201eGrand Opening And Closing\u201c auf den Geschmack gekommen sind. Bandviolinistin <span class=\"musik-review-bandname\">Carla Kihlstedt</span> ist auch nach dem Ende der Band noch in \u00e4hnlichen Formationen, etwa <span class=\"musik-review-bandname\">The Book of Knots</span>, die ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/08/the-book-of-knots-traineater/\&quot;" data-wpel-link="internal">im August</a> bereits gew\u00fcrdigt hatte, t\u00e4tig. Wer hat da gesagt, die Musik h\u00e4tte nichts Neues mehr zu sagen?</p></li>\n</ul>\n<p>Damit sind wir auch schon wieder am Ende angelangt. Ich hoffe, einige erlesene Fundst\u00fccke haben auch euch gefallen.<br>\nIn einem halben Jahr gibt es, wenn bis dahin kein Ungl\u00fcck eine Fortf\u00fchrung verhindert, die n\u00e4chste R\u00fcckschau.</p>\n<p>Ich danke f\u00fcr die Aufmerksamkeit und w\u00fcnsche allen Feiernden ein angenehmes Feiern.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;http://http//www.atomkraftheilheil.fdp.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Deutschland</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: Ich mag Wham!.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: FAIL!</li><li><a href="\&quot;http://http//www.atomkraftheilheil.fdp.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Deutschland</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: \u201eFr\u00f6hliche scheiss Weihnacht! Gott schickt dir einen Arschtritt du\ufeff schlitz\u00e4ugiger Heidensack\u201c</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: Jesus und seine Kumpels?</li><li><a href="\&quot;http://http//www.atomkraftheilheil.fdp.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Deutschland</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: liga der allerbesten freunde</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: Superkornkr\u00e4fte aktivieren!</li><li><a href="\&quot;http://www.daymoon-music.com\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Fred</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2011</a> dies: Dank Dir tausend Mal f\u00fcr deine liebe Kriik  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":-)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> </li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2011</a> dies: Verdient, verdient.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> </li><li>Wastl schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2. Januar 2012</a> dies: Und was unterscheidet jetzt deinen von dir selbst alle naselang erw\u00e4hnten \u201eMusikgeschmack\u201c von hunderten anderer Blogs? Gute G\u00fcte, nimm dich nicht so wichtig, Mister Aufpluster! Hirnfick.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2. Januar 2012</a> dies: Ich erhebe nicht den Anspruch, <strong>die</strong> ultimative Liste zusammengestellt zu haben.\nVielleicht ist das schon ein gro\u00dfer Unterschied.\n\nNimm dich nicht so wichtig, Mister Aufpluster!</li><li>Wastl schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2. Januar 2012</a> dies: \u201eIch habe lediglich so etwas wie Musikgeschmack. Aber davon verstehst du nachweislich nichts mit deiner Dreampopschei\u00dfe.\u201c\n\n<a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=gYH9TXOt3rc&amp;\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" data-wpel-link="internal">Interessant</a></li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2. Januar 2012</a> dies: Jemand, der Dreampop mag, wird meinen Musikgeschmack wahrscheinlich nicht verstehen, richtig. Was daran braucht Erl\u00e4uterung?</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2012 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Juni 2012</a> dies: [\u2026] der zweiten Halbjahresliste 2011 hatte ich Cave In lobend erw\u00e4hnt und war damals schon nicht sicher, welches Genre angemessen [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2012/10/guilty-ghosts-trespasser-ep/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Guilty Ghosts \u2013 Trespasser EP</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">2. Oktober 2012</a> dies: [\u2026] Ghosts kennwa, ich hatte den Herrn O\u2019Donnell bereits 2011 erw\u00e4hnt: Drone-Gitarren, Breakbeats und Tape-Loops. Ambient, Drone und Electronica. Unbestimmt und diffus. [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2012 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">19. Dezember 2012</a> dies: [\u2026] Echelon Effect sind in letzter Zeit h\u00e4ufige G\u00e4ste in meinen R\u00fcckschauen, zuletzt im Dezember 2011. Nachdem alle vier Jahreszeiten ihr/ eigene/n/s EP bekommen haben, gibt es wieder ein richtiges [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2013 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: [\u2026] auch Neues von der US-amerikanisch-portugiesischen Regressive-Rock-Institution Daymoon. Nach dem \u00fcberragenden Deb\u00fctalbum \u201eAll Tomorrows\u201d ergaben sich einige \u00c4nderungen im Privatleben von Frontmann Fred Lessing wie auch in der [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2013 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Dezember 2013</a> dies: [\u2026] der Argumente wider Erwarten nicht geschafft. Die Wooden Shjips etwa haben mit Back To Land mal wieder ein hervorragendes Velvet-Underground-Ged\u00e4chtnisalbum ver\u00f6ffentlicht. Zwar gibt es stilistisch [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2014/02/kurzkritik-thisquietarmy-phantom-limbs/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: thisquietarmy \u2013 Phantom Limbs</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">20. Februar 2014</a> dies: [\u2026] ver\u00f6ffentlichte Eric Quach (\u201ethisquietarmy\u201d) nach dem gro\u00dfartigen \u201eVessels\u201d mit dem bereits 2009 aufgenommenen \u201ePhantom Limbs\u201d (\u201ePhantomgliedma\u00dfen\u201d) ein weiteres [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/a599f9239ba541c5b8e60e96b004466f\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 8 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickLeydiesendtschentelmen, herzlich willkommen am Jahresende und damit zur \u00fcblichen Retrospektive der primasten Alben des Jahres, die es in die Halbjahresliste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht einmal unbedingt eine Frage des Erscheinungsdatums, denn wie \u00fcblich hatten sich wieder einige Alben aus dem ersten Halbjahr geschickt vor mir versteckt.\nIch erhielt anl\u00e4sslich der R\u00fcckschau 06/2011 vereinzelte Kritik, es sei zu viel Material zusammen gekommen, um sich in einer angemessenen Zeit damit besch\u00e4ftigen zu k\u00f6nnen. Diesmal aber kann Peter, der glaubt, drei Alben w\u00fcrden reichen, aufatmen: Diese Liste wird k\u00fcrzer als angenommen. Hierf\u00fcr gibt es einen guten und einen besch\u00e4menden Grund: Das selbstbetitelte Deb\u00fctalbum von broken.heart.collector etwa kann sich wie auch manch anderes interessantes Musikwerk l\u00e4ngst eines separaten Artikels erfreuen, vor allem aber hat noch w\u00e4hrend der Zusammenstellung der zu rezensierenden Alben meine alte digitale Schreibmaschine beschlossen, die Priesterlaufbahn einzuschlagen, und ohne Umschweife etwas gesegnet, n\u00e4mlich das Zeitliche; und getreu Murphys immerw\u00e4hrendem Gesetz hatte ich diesmal keine Sicherheitskopie angefertigt.\nDaher seht es mir nach, wenn euer pers\u00f6nliches Album des Jahres diesmal fehlt, und lasst es mich wissen: Vielleicht gef\u00e4llt es auch anderen Musikfreunden, die dies hier zuf\u00e4llig entdecken. \nAb geht\u2019s mit einem Kopfsprung ins kalte Wasser:\n1. F\u00fcnfundzwanzig / Zweitausendundelf.\n\nCave In \u2013 White Silence\n\u201eDead rise like ascending angels\u201c (Vicious Circles)\nKaltes Wasser trifft es ganz gut, denn Cave In teilen kr\u00e4ftig aus. Mit \u201eWhite Silence\u201c legt das Metalcore-Quartett das erste Album seit sechs Jahren vor, und obwohl die Gruppe bereits seit 1995 \u2013 mit Unterbrechungen \u2013 aktiv ist, war sie von mir bislang doch unbemerkt geblieben, was mir nun, da ich \u201eWhite Silence\u201c kenne, sehr Leid tut.\nDenn \u201eMetalcore\u201c ist zwar eine valide Beschreibung der allgemeinen Ausrichtung der Musik von Cave In, aber sie ist nicht ansatzweise vollst\u00e4ndig. Das Titelst\u00fcck \u201eWhite Silence\u201c erinnert mich als jemanden, der mit solcher Musik eher selten konfrontiert wird, an Aphex Twin und gleichzeitig an diverse Death-Metal-Gruppen: Ein monotoner Schlagzeugrhythmus, wenige Akkorde auf kaum als solche erkennbaren Gitarren, verzerrtes Schreien: \u201eWraith / tracking the taste of warm blood / white silence is breaking the spirit / nature sews\u201c. Nein, easy listening geht anders, und das gef\u00e4llt mir.\nDas folgende \u201eSerpents\u201c bleibt l\u00e4rmig und ist strukturell angelehnt an die Punkmusik, die unsereins im Kindesalter auf v\u00f6llig abgenudelten Audiokassetten geh\u00f6rt hat, und ist dann aber doch eher Metal. Cave In k\u00f6nnen aber auch anders: \u201eSing My Loves\u201c ist ein kraftvoller Alternative Rocker mit aufdringlichem Gesang, \u201eHeartbreaks, Earthquakes\u201c gar eine beatlesque Hommage an die fr\u00fche Popmusik (allein das Wort schon!).\nStephan M\u00f6ller schreibt, \u201eWhite Silence\u201c sei \u201eein zwar echt seltsames, aber auch wirklich spannendes Album\u201c und hat damit Recht. Warum es allerdings \u201eWhite Silence\u201c hei\u00dft, versteht man erst, wenn man mit dem H\u00f6ren fertig geworden ist: Es wird schlagartig still.\nH\u00f6rproben: 30-sek\u00fcndige Ausschnitte aus dem Album hat Amazon.de im Angebot, das Titelst\u00fcck in ganzer L\u00e4nge kann man zum Beispiel via YouTube und Grooveshark h\u00f6ren.\nDaymoon \u2013 All Tomorrows\n\u201eDark fear in me \u2013 which soul is mine, which half am I?\u201c (Human Again)\nDaymoon ist der Name des gegenw\u00e4rtigen, portugiesischst\u00e4mmigen Projekts von Fred Lessing, einem deutschen Musiker, der hier zusammen mit Andy Tillison, zwei Musikern von Isildurs Bane und einigen anderen K\u00fcnstlern etwas hervorgebracht hat, das er selbst \u201eregressive rock\u201c nennt. In der Tat ist manches an \u201eAll Tomorrows\u201c ziemlich retro, aber das ist nicht etwa r\u00fcckst\u00e4ndig, sondern famos.\n\u201eSchr\u00e4g-sanft\u201c ist eines der Attribute, mit denen \u201eAll Tomorrows\u201c in Verb\u00edndung gebracht wird, elegisch ist eines, das ich selbst hiermit anf\u00fcgen m\u00f6chte. Ich teile nicht einmal die gel\u00e4ufige Kritik, Fred Lessing sei als S\u00e4nger ungeeignet, im Gegenteil gef\u00e4llt seine Darbietung und f\u00fcgt sich harmonisch ins musikalische Gef\u00fcge ein \u2013 auch dann, wenn selbiges der Harmonie zwischenzeitig zu entrinnen versucht.\nGentle Giant und \u00e4hnliche Musikgruppen standen vermutlich Pate f\u00fcr den Refrain des er\u00f6ffnenden Titelst\u00fccks (das scheint ja heutzutage Mode zu sein, dass das erste St\u00fcck so hei\u00dft wie das Album), das anschlie\u00dfende \u201eTranscendenZ\u201c er\u00f6ffnet mit eigenartigem Vokalteil und geht \u00fcber in ein hektisches, instrumentales RIO-/Jazzrock-Gewirr (Henry Cow, Soft Machine und eine unkoordinierte Inkarnation von Andy Tillisons The Tangent lassen gr\u00fc\u00dfen), um vom beinahe vers\u00f6hnlichen \u201eHuman Again\u201c abgel\u00f6st zu werden. \u201eArklow\u201c hat Anleihen an den Folk-Rock zu bieten. \u00dcberhaupt ist \u201eAll Tomorrows\u201c ein stilistisch vielseitiges Album, das sich jede Kategorisierung implizit verbittet. Vielleicht ist das auch einer der Gr\u00fcnde, wieso es lange keine Plattenfirma gab, die die Musiker entdeckt hatte, und deshalb eine Ver\u00f6ffentlichung als physischer Tontr\u00e4ger bislang ausgeblieben ist. Dies soll jedoch nun, da der russische Progressive-Rock-Musikverlag Mals Daymoon unter Vertrag genommen hat, bald folgen, wie ich per E\u2011Mail erfuhr, nachdem ich diesen Absatz fertig geschrieben hatte; Frechheit, das.\nWie man eigentlich auf den Namen Daymoon kommt, erkl\u00e4rte Fred Lessing auf R\u00fcckfrage recht einleuchtend:\nNaja, \u00e4hm (Pein) (Schande) (Sch\u00e4m), den hab\u2019 ich erfunden, als ich so 15 war oder so. \u201eDaimon\u201c (griechisch oder so f\u00fcr D\u00e4mon \u2013 war unn\u00f6tigerweise an einem humanistischen Gymnasium, aber keine Sorge, hab\u2019s nicht bestanden, meine ganzen 6 Jahre Latein sind fl\u00f6ten, daf\u00fcr kann ich jetzt Fl\u00f6ten und Portugiesisch) gemischt mit dem Mond, dem man tags\u00fcber sieht (was ich ja auch sch\u00f6n finde, aber D\u00e4mon ist nat\u00fcrlich v\u00f6llig albern). Inzwischen ist\u2019s nur noch der Mond, den man tags\u00fcber sieht. Ist auch unser Logo. Oh je, wenn das bekannt wird\u2026\nKeine Sorge, es wird nicht verraten.\nAnh\u00f6ren und in digitaler Form kaufen kann man das Album auf Bandcamp.com; die Erl\u00f6se dienen einem guten Zweck, n\u00e4mlich der Pressung auf CD, und dieses Anliegen ist eine Unterst\u00fctzung wert, misst man es daran, wie viel Schrott heutzutage in den CD-Regalen gro\u00dfer Multimediaketten zu finden ist. Sozusagen zum Ausgleich.\nCheer-Accident \u2013 No Ifs, Ands or Dogs\nCheer-Accident wurden 2011 30 Jahre alt und schaffen es immer noch, ihre einzigartige Mischung aus Alternative Rock und Radiopopschei\u00df modern und frisch wirken zu lassen. Dabei haben die Chicagoer es eigentlich verdient, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, aber sie kommen in den Medien bislang schlicht nicht vor.\nAuf \u201eNo Ifs, And or Dogs\u201c (\u201eKeine Wenns, Unds oder Hunde\u201c) folgt man, dessen ungeachtet, dem bew\u00e4hrten Schema: Zwischen gef\u00e4llige, eing\u00e4ngige Poplieder wie etwa \u201eCynical Girl\u201c, das sicher nicht zuf\u00e4llig dem Lied \u201ePenny Lane\u201c der Beatles \u00e4hnelt, hat das Quintett einige kurze Interludien eingespielt, deren Titel (\u201eDrug You Down\u201c, \u201eGo Gaunt Green\u201c) an Lieder vom selben (\u201eDrag You Down\u201c) oder von fr\u00fcheren (\u201eGo Gone Green\u201c) Alben angelehnt sind; dass sie musikalisch nicht viel miteinander zu tun haben, ist bei Cheer-Accident beinahe eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.\nNat\u00fcrlich behalten Cheer-Accident auch weiterhin ihren schr\u00e4gen Humor bei, so dass allzu viel R\u00e4tselraten vielleicht einfach nicht n\u00f6tig ist: Dem Lied \u201eLife In Pollyanna\u201c etwa, einem Jazzrock-St\u00fcck mit Anleihen an (mal wieder) die Beatles, Frank Zappa und King Crimson, folgt als Gegensatz \u201eDeath By Pollyanna\u201c, das von einer monoton-repetitiven Keyboardmelodie und dem ebensolchen Bass-/Schlagzeugspiel und dissonantem Gesang beherrscht wird und so wie von einem Nebenprojekt der Dandy Warhols hervorgebracht kl\u00e4nge, w\u00e4re nicht der einmalige Gesang von Thymme Jones so markant. Ist er aber.\nVerglichen mit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eFear Draws Misfortune\u201c ist \u201eNo Ifs, Ands or Dogs\u201c zwar nach meinem Empfinden kein Meisterwerk, jedoch auch nicht merklich schlechter. Dass das Album keine leichte Kost ist, ist klar, folgerichtig ist von Lob bis zu Missfallensbekundungen beinahe jede Form der Kritik \u00fcber es zu lesen. Das soll den Musikfreund aber nicht st\u00f6ren.\nH\u00f6rproben zum Beweis gibt es unter anderem auf Amazon.de.\nWeedeater \u2013 Jason\u2026the Dragon\n\u201eMy brain has come undone\u201c (Palms And Opium)\nWeedeater. Grasfresser. Soso. Im Internet nannte man \u201eJason\u2026the Dragon\u201c in einpr\u00e4gsamer Weise ein \u201eDrau\u00dfenindersonnegrillentrinkendrogennehmenalbum\u201c, und das passt eigentlich gar nicht, denn f\u00fcr Weedeater sind das zu viele Silben in zu kurzer Zeit, und andererseits ist die Beschreibung inhaltlich ideal. Drogenmusik ohne diesen Reggae-Unsinn.\nEin wenig nach Graskonsum klingt dieses Album ja auch tats\u00e4chlich, die Bed\u00e4chtigkeit der Interpretation steht in krassem Kontrast zu den Orkanen, die das musikalische Fundament bilden, soll hei\u00dfen: S\u00e4nger und Bassist \u201eDixie\u201c Dave Collins (allein schon dieser K\u00fcnstlername ist eigentlich ein Br\u00fcller, misst man ihn an der Musik seiner Band) br\u00fcllt in alter Mot\u00f6rhead-Manier irgendwelche merkw\u00fcrdigen Texte ins Mikrofon, w\u00e4hrend Gitarrist und Schlagzeuger dem H\u00f6rer Stoner-Metal par excellence in die Geh\u00f6rg\u00e4nge projizieren.\nStoner, Gras und Dixie; doch, ja, sehr merkw\u00fcrdig. Vom Stoner-Rock der Marke Colour Haze haben sich Weedeater immerhin die verzerrte Gitarre und die Darbietung abgeschaut. Wo andere Metalbands w\u00fcst schrammeln, kommen Weedeater auf zwei bis drei Akkorde pro Sekunde, das l\u00e4sst das Album l\u00e4nger erscheinen und dreht aber vor allem an des H\u00f6rers Wahrnehmungsschraube. Sozusagen Mogwai in langsam und b\u00f6se. Also: Noch b\u00f6ser.\nNat\u00fcrlich sollte man keine Wunder erwarten. Wer das Vorg\u00e4ngeralbum, \u201eGod Luck and Good Speed\u201c, kennt, der wird nicht viel Neues entdecken.\nJason\u2026 is essentially a variation on God Luck\u2026. Almost like when jazz players release 25 live versions of their work. That\u2019s perfectly acceptable there, indeed, it\u2019s a pivotal part of jazz: how many versions of a melody can one make? How inventive can a player get?\nWer von Weedeater aber noch nie etwas geh\u00f6rt hat und gegen ein wenig deftigen Metalkrach nicht grunds\u00e4tzlich etwas einzuwenden hat oder wer auch einfach nur gern mehr von ihnen h\u00f6ren m\u00f6chte, dem lege ich \u201eJason\u2026the Dragon\u201c nahe.\nH\u00f6rproben: Einige Beispiele daf\u00fcr, wie Weedeater so klingen, gibt es auf BrooklynVegan.com und zum Beispiel Amazon.de auf die Ohren.\nCircle \u2013 Infektio\nNach dem Genuss von Drau\u00dfenindersonnegrillentrinkendrogennehmenundmetalh\u00f6ren ist erneut ein wenig Abwechslung nicht verkehrt. Circle aus Finnland sind dann auch ein anschauliches Gegenteil von Weedeater. Diese instrumentale Gruppe ist nicht nur produktiver als letztgenannte \u2013 allein 2007 erschienen mit \u201eKatapult\u201c, \u201eTOWER\u201c und \u201eTyrant\u201c drei (3!) regul\u00e4re Studioalben -, sie ist auch sonst bemerkenswert anders.\nCircle, nicht mit der Jazzband gleichen Namens, die in den fr\u00fchen 70-er Jahren aktiv war, zu verwechseln, wurde 1991 von Jussi Lehtisalo, der als Gitarrist begann, auf \u201eInfektio\u201c aber den Bass spielt, und zwei mittlerweile nicht mehr in Circle involvierten Mitstreitern gegr\u00fcndet. (An dieser Stelle alles Gute zum Zwanzigsten.)\nCircle ist eine Postrockband. Musikalisch ist man bei den Finnen, dessen ungeachtet, anscheinend so unstet wie in Sachen Besetzung: Das Deb\u00fctalbum \u201eMeronia\u201c war durchsetzt von Spacerockeinfl\u00fcssen. Das psychedelische Element hielt sich bis ins neue Jahrtausend hinein, \u201eTAANTUMUS\u201c (2001) k\u00f6nnte man auch als Krautrock kennzeichnen, k\u00e4men die Musiker aus Deutschland. Tun sie aber nicht. \u201eHollywood\u201c (Januar 2010) war durchsetzt vom Progressive Rock, selbst King Crimson war auszumachen und ein S\u00e4nger (Bruce Duff) war auch an Bord.\nNun also \u201eInfektio\u201c. Der S\u00e4nger ist l\u00e4ngst wieder weg, der Progressive Rock ist es auch. Daf\u00fcr hat man anscheinend seine Wurzeln wiederentdeckt. Achim Breiling schrieb:\nMit \u201eInfektio\u201c kehren Circle offenh\u00f6rlich zu den krautig-experimentellen Postrock-Gefilden zur\u00fcck, in denen sie sich besonders gerne um das Jahr 2000 herum aufgehalten haben. (\u2026) E\u2011Gitarren sind klangbestimmend, vielschichtig, hallend, post-psychedelisch und spacig. Dazu kommen allerlei Tastenkl\u00e4nge, schwebende Keyboardf\u00fcllsel, diverses elektronisches Fiepen, Flirren und Zischen und verschiedene brummende und knurrende Fragmente vom Bass. Eher gem\u00e4chlich vorangetrieben wird das hypnotisch dahingleitende Gemenge von sehr kargem, seltsam erratisch wirkendem Getrommel.\nDas klingt nicht nur beim Lesen nach Can und den diversen Besetzungen von Neu!, La D\u00fcsseldorf und dergleichen, auch das Ohr hat seine Freude. Verspielt wie eh und je gibt es mal bedrohlichen Cineasten-Postrock (\u201ePeruuttamaton\u201c), mal Sigur-R\u00f3s-Remineszenzen (\u201eSalvos\u201c), mal von Bass und Klavier dominierte Avantgarde-Beschallung (\u201eMaatunut\u201c) zu h\u00f6ren, all dies durchsetzt mit den f\u00fcr Circle typischen Zutaten wie Murmeln und St\u00f6hnen im Hintergrund sowie dissonante Klaviereinw\u00fcrfe an den merkw\u00fcrdigsten Stellen.\n\u201ePostrock? Das war doch dieses Genre, in dem alles gleich klingt.\u201c \u2013 Man spiele dem, der solches \u00e4u\u00dfert, einmal \u201eInfektio\u201c vor und freue sich an seinem staunenden Gesichtsausdruck.\nOder man staune selbst, etwa anl\u00e4sslich der H\u00f6rproben auf Amazon.de und Grooveshark.\nWooden Shjips \u2013 West\n\u201eStare at the sun \u2026 clouds\u201c (Lazy Bones)\nAlles im Griff auf dem h\u00f6lzernen Schjiff?\nNein, h\u00f6lzern agieren die vier Mannen aus San Francisco keinesfalls. Dass sie auch schon mal mit den Black Angels auf Tour waren, zeigt, wohin die Wooden Shjips fahren, n\u00e4mlich geradewegs in den Velvet Underground Calescher \u00c4ra. Da brummen die drones, irrlichtern die immer gleichen Akkordfolgen, auch die Keyboards k\u00f6nnen dem repetitiven Rhythmus nur wenig entgegensetzen, und das klingt dann etwa, als \u2026\n(\u2026) w\u00e4ren Black Rebel Motorcycle Club in einer milchigen Zeitblase gefangen, wo ihnen nichts anderes \u00fcbrigbleibt, als immer wieder dasselbe Riff zu spielen.\nGelegentlich kommen auch The Smiths um die Ecke, etwa in den ersten Minuten von \u201eFlight\u201c, verdr\u00fccken sich aber schnell wieder, denn der Siebenmin\u00fcter gipfelt titelgetreu in einer Spacerock-Explosion, die ihre Wurzeln im Psychedelic Rock der 60-er Jahre, etwa Jefferson Airplane, mit obsessiver Keyboardarbeit nicht etwa versteckt, sondern deutlich betont. \u201eLazy Bones\u201c hingegen ist nicht einmal vier Minuten lang, aber die Stooges w\u00e4ren auf diese Kaskade aus noise, Lo-Fi und L\u00e4rm sicherlich ebenso stolz gewesen wie Sonic Youth, als sie noch wirklich gut waren; als h\u00e4tte die Aufgabe gehei\u00dfen, das l\u00e4ngst legend\u00e4re \u201eSister Ray\u201c in h\u00f6chstens einem Viertel der urspr\u00fcnglichen Zeit zu spielen. (Dass der Text da auf der Strecke bleibt und mit Drogen- und Gewaltexzessen also nicht viel zu tun hat, soll nicht weiter st\u00f6ren.)\nTrotz all der Referenzen auf Musiker der Ostk\u00fcste, wie es auch die Bandmitglieder selbst sind, hei\u00dft das Album \u201eWest\u201c. Angeblich \u00fcbt der amerikanische Westen, nicht nur der Wilde, mit seiner Geschichte und seiner Kultur auf die Band eine eigenartige Faszination aus. \u201eWest\u201c ist gleichsam mit seiner audiovisuellen Bildsprache \u2013 am artwork isst das Auge mit \u2013 eine Hommage an diesen Teil der USA. Die Anziehungskraft, die dieser Westen aus\u00fcbt, versucht die Band an ihre H\u00f6rer zu vermitteln. Und tats\u00e4chlich rei\u00dft das kalkulierte musikalische Chaos den aufmerksamen Genie\u00dfer immer tiefer in seinen Sog, nur selten gibt es eine (kurze) M\u00f6glichkeit, sich am Gel\u00e4nder festzuhalten.\n\u201eWest\u201c wirkt so wie eine Droge, es versetzt den Konsumenten in Trance und entrei\u00dft ihn seiner Welt; und Musik ist ja auch nicht die schlechteste Droge, von der man abh\u00e4ngig sein kann.\nZum Anfixen empfehle ich die H\u00f6rproben auf Amazon.com, die volle Dr\u00f6hnung gibt es auf Grooveshark.com. Gute Reise!\nPortugal. The Man \u2013 In the Mountain in the Cloud\n\u201eI can\u2019t make no sense of this at all\u201c (Senseless)\nPortugal. The Man kann ich mittlerweile guten Gewissens als Garanten f\u00fcr gute Laune bezeichnen. \u201eCensored Colors\u201c hat mich vor drei Jahren schon erheitert, \u201eIn the Mountain in the Cloud\u201c schafft es wieder. Dass zwischenzeitlich mit \u201eThe Satanic Satanist\u201c und \u201eAmerican Ghetto\u201c zwei weitere Alben erschienen waren, auf denen wenig geschah \u2013 2009 meinte ich Stagnation zu erkennen -, soll diesen Eindruck nun keinesfalls schm\u00e4lern.\n\u201eLuftig\u201c ist ein Adjektiv, das den Progressive-Rock-nahen elektronikdurchsetzten Poprock der f\u00fcnf Herren gut beschreibt; insofern ist \u201eIn the Mountain in the Cloud\u201c (\u201eAuf dem Berg(,) auf der Wolke\u201c) endlich mal wieder ein sprechender Titel, was f\u00fcr eine Musikgruppe, die sich laut eigenen Aussagen nach einem personifizierten europ\u00e4ischen Land benannt hat, ja nicht unbedingt selbstverst\u00e4ndlich ist.\nZu \u201eCensored Colors\u201c hat man hier auch wieder zur\u00fcckgefunden, weg von dem Versuch des schlechten Sichselbstneuerfindens auf \u201eAmerican Ghetto\u201c. Das geht alles wieder mehr in Richtung Radiopop, aber es ist keiner, an dem irgendwie Leute wie Stefan Raab oder Dieter Bohlen beteiligt sind, sondern es ist richtig guter, irgendwo zwischen Mando Diao und Franz Ferdinand und Oasis und den unvermeidlichen Beatles, aber eben viel sph\u00e4rischer, entr\u00fcckter, wozu sicherlich die Instrumentierung ihren Teil beitr\u00e4gt.\nDominant sind immer noch die Synthesizer und John Gourleys Falsettgesang, zuzsammengehalten von Bass und Schlagzeug, das hier, unterst\u00fctzt durch die federleichte Darbietung der \u00fcbrigen Instrumente, manchmal so schneidend und peitschend daherkommt wie das Rhythmusfundament auf Sigur R\u00f3s\u2018 \u201eMe\u00f0 su\u00f0 \u00ed eyrum vi\u00f0 spilum endalaust\u201c. Mitunter ist\u2019s Pop, mitunter ziemlich rockend, etwa in dem noch dazu f\u00fcr Portugal.-The-Man-Verh\u00e4ltnisse ziemlich politischen Er\u00f6ffner \u201eSo American\u201c:\nYou are the one they call Jesus Christ.\nWho didn\u2019t know no rock and roll.\nJust a mission made of guns that they give boys in Vietnam\nand a heart that always told you\nthere\u2019s a madness in us all.\nWer Sarah Palin \u2013 auch die Band stammt aus Alaska \u2013 findet, darf sie behalten. Und wer guten Elektropoprockdings sch\u00e4tzt, der sollte zugreifen. More of the same h\u00f6re ich hier mit viel Vergn\u00fcgen.\nReinh\u00f6ren k\u00f6nnt ihr zum Beispiel auf Amazon.de.\nContinuo Renacer \u2013 The Great Escape\nApropos Alben, die Spa\u00df machen: Continuo Renacer sind ein Progressive-Death-Metal-Trio, das mittlerweile ohne S\u00e4nger gemeinsam musiziert und das \u201eDeath\u201c im von der Band selbst via Myspace kolportierten Genre dankenswerterweise nur noch pro forma vor sich hertr\u00e4gt. Das kommt euch spanisch vor? Das ist kein Zufall, denn Continuo Renacer stammen von dort.\nDieses zweite Album (das Deb\u00fct erschien bereits 2005) ist mit 34 Minuten und 9 Sekunden allenfalls etwas zu kurz geraten, aber ansonsten gibt es selbst f\u00fcr mich als eher anspruchsvollen Musikfreund kaum Grund zur Klage. Das dominante Instrument ist der Bass, der den Metalriffs mit kr\u00e4ftigem Jazzrock entgegendr\u00f6hnt. Vergleichbar ist das wohl am ehesten mit Liquid Tension Experiment, aber weniger blutleer, oder zum Beispiel Cynic.\nMit etwas mehr als einer Viertelstunde Spieldauer beschlie\u00dft \u201eThe Newborn\u201c das Album, und allein dieses St\u00fcck ist schon jeden gedanklichen Applaus wert. King Crimson aus der \u201eDoppeltrio\u201c-Phase standen hier ebenso Pate wie (mal wieder) Tool und Cynic. Apropos King Crimson: Es gibt Melodic Death Metal, habe ich mal gelesen. Nicht aber hier: Krumme Rhythmen, dissonante Keyboardeinw\u00fcrfe (wenn auch vielleicht nicht aus richtigen Keyboards) und dann wieder der Bass, der alles verschlingen w\u00fcrde, wenn man ihn nur lie\u00dfe.\nEigentlich ist dieses Album auch ideal, um mal seine Lautsprecher und Kopfh\u00f6rer auf ihre Qualit\u00e4t zu \u00fcberpr\u00fcfen: Wer hochkommt, kommt nicht automatisch auch runter. Kurz gesagt:\nThis is some wanky, jazzy, death-injected prog that doesn\u2019t suck.\nUnd damit man sich unter diesen Adjektiven auch etwas vorstellen kann, gibt es H\u00f6rproben:\nAuf Myspace gibt es verschiedene St\u00fccke vom ersten und zweiten Album komplett zu h\u00f6ren. Ach ja, das gute alte Myspace.\nZombi \u2013 Spirit Animal\nTja, hm, Zombi und Continuo Renacer sind so verschieden, dass mir gerade keine gute \u00dcberleitung einfallen will, und das hei\u00dft vielleicht sogar etwas. Als jemandem, der nur selten mal die Welt der Computerspiele betritt, fiel mir auf, wie hervorragend sich \u201eSpirit Animal\u201c als Untermalung f\u00fcr ein beliebiges MMORPG eignet, und entweder habe ich da zuf\u00e4llig Recht oder ich spiele einfach zu wenig. Aber ich schweife ab.\n\u201eZombi, da fehlt doch was?\u201c, denkt jetzt vielleicht der aufmerksame Leser; aber au\u00dfer dem \u201ee\u201c fehlt hier (obwohl es einen Film gibt, der ebenfalls \u201eZombi\u201c hei\u00dft) tats\u00e4chlich nichts, nicht einmal der groove, und das ist ja mittlerweile nicht mehr \u00fcblich und darum besonders lobenswert. Zombi ist ausnahmsweise kein untotes, sondern ein spring- und quicklebendiges Spacerock-Duo aus Pennsylvania, also aus den Vereinigten Staaten, dessen zwei multiinstrumentale Mitglieder die vorhandenen Instrumente gerecht unter sich aufteilen.\nAch, jetzt habe ich schon wieder den Fehler gemacht, von Genres zu sprechen. Spacerock steht zwar in der Wikipedia, aber was sagt das schon wirklich aus? Vielleicht sollte man die ganzen Schubladen schlie\u00dfen und die Musik ganz anders sortieren. Sicher, den Spacerock kann der aufmerksame H\u00f6rer wohl verorten, aber es ist nun mal nicht alles space (oder jedenfalls kraut), was flirrt.\nAuf \u201eSpirit Animal\u201c lassen die 1980-er Jahre gr\u00fc\u00dfen. Nicht die furchtbaren Bonbonsynthesizer zwar, wohl aber der exzessive Gebrauch von Elektronik. Und mit Elektronik kann man wirklich viel anstellen, zum Beispiel kann man sie mal nach alten Computerspielen, mal nach Ambient, mal nach King Crimson (die schon wieder!), mal nach Harold Faltermeyer, mal nach Tangerine Dream, mal nach Pink Floyd klingen lassen. Das, was Kreidler fehlt, machen Zombi sozusagen genau richtig.\nWas Zombi vom Genre des Spacerock allerdings offenkundig allzu gern \u00fcbernommen haben, ist die Lust an der Wiederholung. In dem \u00fcber 17 Minuten langen St\u00fcck \u201eThrough Time\u201c, das das Album beschlie\u00dft, passiert in den letzten acht Minuten eigentlich nichts mehr, die letzten dreieinhalb Minuten sind ein langsames, leises Abklingen des Geh\u00f6rten. Das ist nicht langweilig, nicht einschl\u00e4fernd \u2013 das ist psychedelisch.\nSchlie\u00dflich herrscht alles andere als Monotonie, er\u00f6ffnet doch jedes der f\u00fcnf St\u00fccke seine eigene Welt.\nH\u00f6rproben: Auf Amazon.de kann man jeweils 30 Sekunden lang den Zauber zu ergr\u00fcnden versuchen.\nsleepmakeswaves \u2013 \u2026and so we destroyed everything\nDass sleepmakeswaves erst jetzt ihr Deb\u00fctalbum ver\u00f6ffentlicht haben, d\u00fcrfte viele erstaunen, hatte sich das australische Quartett doch schon mit mehreren EPs einen Namen gemacht, \u201eIn Today Already Walks Tomorrow\u201c wird mitunter gar als erstes Album gef\u00fchrt. Tats\u00e4chlich aber ist \u201e\u2026 and so we destroyed everything\u201c ihr erstes wirkliches Album in voller L\u00e4nge.\nDie \u201evolle L\u00e4nge\u201c betr\u00e4gt hier 52 Minuten und 15 Sekunden, im Postrock f\u00fchlt sich das beinahe an wie eine (sehr angenehme) Ewigkeit. Deswegen sollten eigentlich viel mehr Bands Postrock machen: Auch mit nur einer Viertelstunde Laufzeit schaffen sie den H\u00f6rer mehr in ihren Bann zu ziehen als mit irgendwelchem Popquatsch. Leider scheint das nicht genug Inspiration zu bieten.\nInspiriert wurden sleepmakeswaves hingegen durchaus, zum Beispiel von Explosions In The Sky und hin und wieder God Is An Astronaut. Zu h\u00f6ren ist nicht ganz instrumentaler Postrock (im abschlie\u00dfenden Titelst\u00fcck ist sogar kaum verst\u00e4ndlicher Choralgesang zu vernehmen, allerdings ist dieser eher zus\u00e4tzliches Instrument als sonstwie relevant) im bekannten Gewand.\nMan macht reichlich Gebrauch von Elektronik: Zu den Gitarrenw\u00e4nden gesellen sich allerlei Klangspielereien, Gastinstrumente sind Trompete, Violine und akustische Gitarre, leider nicht im selben St\u00fcck. Auch sonst h\u00e4lt man nicht viel von festgefahrenen Mustern, das alte Laut-Leise-Spiel im Postrock begeistert die vier Musiker anscheinend nicht sonderlich. Das gew\u00e4hlte Schema, das Setzen auf kontinuierliche Emotionalit\u00e4t ohne strukturbedingte Pausen, ist genau das richtige:\nDas Album kann gut am St\u00fcck geh\u00f6rt werden, auch nebenher, geht runter wie \u00d6l und sorgt zwischen ambienten Momenten und m\u00e4chtige, vom bemerkenswerten Schlagzeugspiel auf Kurs gehaltenen Wall Of Sound f\u00fcr wohlige Zufriedenheit.\nVerglichen mit fr\u00fcheren Ver\u00f6ffentlichungen klingen sleepmakeswaves auf \u201e\u2026and so we destroyed everything\u201c reifer und runder, als w\u00fcssten sie jetzt endlich, wohin ihre Reise f\u00fchren soll. Der Schlaf macht Wellen, und sie tragen weit hinaus in entfernte Sph\u00e4ren. Keine Flaute hindert sie daran. Na dann: Volle Kraft voraus!\nH\u00f6rproben: Momentan ist das Album komplett auf sleepmakeswaves.com anh\u00f6r- und kaufbar.\nKarmakanic \u2013 In a Perfect World\n\u201eThe flowers in the air, they turn towards the sun / end of love and hate, riot in the name of freedom\u201c (1969)\nNach so viel instrumentalem Sch\u00f6nklang darf es ruhig auch mal wieder Gesang sein. Karmakanic beherrschen diesen ganz gut.\nBandgr\u00fcnder Jonas Reingold von den Flower Kings bringt allerdings auch eine Menge Erfahrung mit; und wer die Flower Kings kennt, der ahnt, was ihn auf \u201eIn a Perfect World\u201c erwartet, n\u00e4mlich allerlei Yes, Styx und Genesis.\nSchubladenfreunde d\u00fcrfen Hardrock und Retro-Prog auspacken, wenn sie halt gerade nichts besseres zu tun haben. Dabei ist das hier Geh\u00f6rte viel komplexer, allein schon das er\u00f6ffnende \u201e1969\u201c ist eine wahre Schatztruhe an Referenzen und Einfl\u00fcssen, erinnert anfangs an Pink Floyds \u201eHigh Hopes\u201c, geht in einen Hardrock-Teil mit Anleihen an Yes\u2018 \u201eDon\u2019t go\u201c \u00fcber, gegen Mitte k\u00fcndigen sich dann mit viel Bass und Keyboards die Flower Kings an, kommen aber dann eben doch nicht heraus, sondern lassen sich wiederum abl\u00f6sen vom Hardrock, und so weiter und so fort; nein, langweilig ist das nicht.\nGanz anders St\u00fcck 2, \u201eTurn It Up\u201c, eine Art Transatlantic mit mehr Pop und irgendwie matschig klingender Gitarre von Krister Jonsson. Zwischendurch wird die Melodie des Refrains von Cluesos \u201eGewinner\u201c zitiert beziehungsweise eben nicht, mit einer begrenzten Anzahl an m\u00f6glichen Noten kann man eben keine unbegrenzte Anzahl an Melodien schreiben.\nSonst so: Gentle Giant und Mr. Bungle und merkw\u00fcrdiger \u201elalala\u201c-Gesang (\u201eCan\u2019t Take It With You\u201c), hier und da auch mal Elton John, aber vor allem viel Yes, bevorzugt aus ihrer 70-er-Phase.\nIn den 70-ern verwurzelt, \u201esucking in the Seventies\u201c, wie einst die Rolling Stones, so sieht\u2019s aus. Die 70-er Jahre sind ja auch nicht unbedingt das schlechteste Jahrzehnt, an dem man sich bedienen kann. Der Titel des Albums ist \u00fcbrigens keinesfalls Programm: Das eher ruhige St\u00fcck \u201eWhen fear came to town\u201c \u2013 etwas zu lang geraten allerdings \u2013 nimmt Bezug auf ein Selbstmordattentat.\nWeniger traurig sind die H\u00f6rproben auf Amazon.de. M\u00f6gen sie gefallen!\nYes \u2013 Fly from Here\n\u201eYou\u2019re riding a tiger, riding a tiger\u201c (Life On A Film Set)\nApropos Yes: Ich hatte mich ja im April schon darauf gefreut, bald ein neues Werk der Heroen h\u00f6ren zu d\u00fcrfen. Nun, so recht zufrieden bin ich damit nicht. (Regelm\u00e4\u00dfigen Lesern wird ein kleiner Teil dieser Rezension bereits seit April bekannt vorkommen, ich bitte f\u00fcr die hierdurch vielleicht entstandene Verwirrung um Entschuldigung.)\nNach der Ver\u00f6ffentlichung des Vorg\u00e4ngeralbums \u201eMagnification\u201c im Jahr 2001 und einer anschlie\u00dfenden Tour mit dem European Festival Orchestra verlie\u00dfen Rick Wakeman und Jon Anderson die Band erst aus gesundheitlichen, dann aus irgendwelchen anderen Gr\u00fcnden. Das ist in der Geschichte von Yes ja durchaus nicht ungew\u00f6hnlich, bandinterne Zerw\u00fcrfnisse kamen immer mal wieder zum Vorschein, und Bassist Chris Squire ist folgerichtig der einzige Musiker, der seit der Gr\u00fcndung Mitglied jeder Yes-Besetzung war. Dazu geh\u00f6rt sicher eine Menge Toleranz oder wenigstens Dickk\u00f6pfigkeit, meines Kompliments hierf\u00fcr kann er sich sicher sein.\nDass Chris Squires markantes Bassspiel nun seit \u00fcber 40 Jahren ein essenzieller Bestandteil von Yes\u2018 Musik ist, l\u00e4sst mich eines schon mal vorwegnehmen: Er kann es immer noch.\nNun ist \u201eFly from Here\u201c nicht das erste, sondern bereits das zweite Album ohne den Gesang Jon Andersons. Die Studioarbeit nach dem durchwachsenen Album \u201eTormato\u201c, das die vorl\u00e4ufige Abkehr vom Bombast-Prog einl\u00e4utete, verlief offenbar nicht ganz nach den Vorstellungen der Musiker, und so verlie\u00df er mit Rick Wakeman, der seine T\u00e4tigkeit bei Yes ja alle paar Jahre mal beendet und wieder aufnimmt, die Band. Die verbliebenen Mitglieder hatten allerdings keine Lust, wegen solcher Personalien das Musizieren einzustellen. Praktischerweise waren die Buggles (\u201eVideo killed the radio star\u201c), Trevor Horn und Geoff Downes, gerade zugegen, um Yes ein paar Liedideen anzubieten, also machte man N\u00e4gel mit K\u00f6pfen und nahm die Buggles als Vollwertmitglieder auf. Diese bislang einmalige Formation spielte das gleichfalls einmalige Album \u201eDrama\u201c ein, die Buggles gingen danach wieder eigene Wege, Yes besetzten sich noch mal um und nahmen unter anderem das scheu\u00dfliche \u201eOwner of a lonely heart\u201c (1983) auf.\nVon den Aufnahmen f\u00fcr \u201eDrama\u201c blieb anscheinend einiges Material \u00fcbrig, f\u00fcr das die Buggles keine Verwendung mehr hatten. Dieses Material lag dann einige Jahrzehnte lang herum. Zwischendurch hatte sich Yes mal wieder umbesetzt: F\u00fcr Rick Wakeman kam sein Sohn Oliver Wakeman, f\u00fcr Jon Anderson kam Beno\u00eet David, S\u00e4nger von Mystery und ehemals Frontmann der Yes-Coverband Close to the Edge.\nChris Squire nun erinnerte sich vor einer Weile daran, dass zu \u201eDrama\u201c-Zeiten das St\u00fcck \u201eWe can fly from here\u201c live gespielt, aber nie im Studio aufgenommen wurde, und rief Trevor Horn an, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Keyboarder Geoff Downes folgte bald und ersetzte Oliver Wakeman, der auf dem Album stellenweise noch zu h\u00f6ren ist und den das also ziemlich \u00fcberraschte. Ja, so schnell kann es gehen bei Yes.\nMit Ausnahme des Gesangs ist \u201eFly from Here\u201c also sozusagen die Fortsetzung von \u201eDrama\u201c. Was bedeutet das? Nun, zun\u00e4chst einmal nicht viel.\nDie f\u00fcnfteilige \u2013 plus Ouvert\u00fcre \u2013 suite \u201eFly from Here\u201c ist das \u00dcberbleibsel, das der Anlass f\u00fcr das Album war. Die Zerst\u00fcckelung in f\u00fcnf \u201eAkte\u201c h\u00e4tte nicht sein m\u00fcssen, durch sie wirkt das Werk nicht homogen, aber denkt man sich diese Zwischenr\u00e4ume weg, er\u00f6ffnet sich \u201eFly from Here\u201c dem H\u00f6rer. Mit dem gro\u00dfartigen \u201eMachine Messiah\u201c von \u201eDrama\u201c hat das Geh\u00f6rte nicht viel zu tun, es ist fr\u00f6hlicher, bombastischer. Beno\u00eet David tut sein Bestes, um mehr wie Jon Anderson (damit hat er ja Erfahrung) und weniger wie Trevor Horn zu klingen, und der Yes-typische Duettgesang tr\u00e4gt sein \u00dcbriges dazu bei, dass auch Teil 2, \u201eSad Night at the Airfield\u201c, trotz der bedr\u00fcckenden Stimmung nicht zum Ausfall wird. Teil 4, \u201eBumpy Ride\u201c, ist seltsam, es klingt, wie es hei\u00dft. Zusammengehalten wird das Ganze vom Thema des Wegfliegens, \u201ewe can fly from here\u201c, Teil 5 ist folgerichtig das reprise des Eingangsthemas. Nur, falls noch jemand dachte, Yes k\u00f6nnten keinen Progressive Rock mehr spielen.\nAu\u00dfer diesem Kern des Albums gibt es auch wieder die typischen k\u00fcrzeren Yes-St\u00fccke zu h\u00f6ren, Gitarrist Steve Howe steuert mit \u201eSolitaire\u201c auch mal wieder ein formidables Solost\u00fcck bei, Chris Squire mit \u201eThe Man You Always Wanted Me To Be\u201c ein eing\u00e4ngiges Poprockst\u00fcck, das eigentlich mal f\u00fcr eines seiner Soloalben vorgesehen war. Bekannt sollte den Anh\u00e4ngern der beteiligten Musiker \u00fcbrigens \u201eLife On A Film Set\u201c vorkommen, das in einer fr\u00fchen Version als Demoaufnahme unter anderem Namen auf neuen Auflagen des zweiten Buggles-Albums \u201eAdventures in Modern Recording\u201c zu finden ist.\nSicher, hier und da kommt zum Vorschein, dass eben doch eine andere als die \u201eklassische\u201c Besetzung hier zu h\u00f6ren ist. In diesen wenigen Momenten klingen Yes wie eine Band, die eine Band covert, die Yes covert und der auch \u00c4nglag\u00e5rd, Gentle Giant und Wobbler nicht fremd sind. Aber sollte man das mit Punktabzug bestrafen und nicht vielmehr als Zeichen daf\u00fcr werten, dass Yes trotz der R\u00fcckkehr in ihre musikalischen 70-er und fr\u00fchen 80-er Jahre immer noch frisch, modern und unverbraucht sind? Sollte man Yes daf\u00fcr bestrafen, dass auch nach 43 Jahren ein Yes-Album immer die Summe der Beitr\u00e4ge der jeweiligen Mitglieder und nie ein wirklich homogenes Werk ist? Ich meine: Nein. Verg\u00e4be ich Punkte, ich verg\u00e4be f\u00fcr \u201eFly from Here\u201c die volle Punktzahl. Aus \u00dcberzeugung.\nH\u00f6rproben: Ausschnitte aus dem Album gibt es auf Amazon.de, das gesamte Album auf Grooveshark zu h\u00f6ren.\nZun Zun Egui \u2013 Katang\n\u201eSexy worm went out and got the bird, hey!\u201c (Fandango Fresh)\nVon alten Meistern zu neuen Besen: Gerade h\u00f6re ich anl\u00e4sslich dieser Rezension nochmals \u201eKatang\u201c von Zun Zun Egui und bin ratlos. Was wollen die drei Jungs und das M\u00e4del aus Bristol uns eigentlich mitteilen?\n\u201eTropical Thrash\u201c wird ihr Schaffen genannt, wenn es nicht gerade \u201eHeavy Dance\u201c genannt wird, und dagegen haben sie nichts einzuwenden. Ja, ein tropischer Einfluss l\u00e4sst sich nicht verleugnen, die S\u00fcdseegitarre und der Bongo-Klang sind zu pr\u00e4sent. Aber was ist daran \u201ethrash\u201c? Die Texte vielleicht? Die sind auf Englisch und Franz\u00f6sisch und Kreolisch und einer Fantasiesprache verfasst und trotz extrovertierter Darbietung von meistens Kushal Gaya auch akustisch schwer genug zu verstehen, vielleicht ist das Absicht. Was man versteht, ist schon verwirrend genug. (Was, bitte, ist an einem Wurm erotisch?) Das sollte aber niemanden erstaunen, hei\u00dft \u201ezun zun egui\u201c auf Japanisch doch so viel wie \u201e\u00fcberaus seltsames Vorspulen\u201c, es ist also vor allem schnell und verr\u00fcckt.\nDer multikulturelle Klang von \u201eKatang\u201c k\u00f6nnte in der Ethnie der Bandmitglieder begr\u00fcndet liegen: Eines stammt aus Japan, eines von Mauritius, die beiden Rhythmusgeber indes sind Briten. Anscheinend hat jedes Mitglied Musik aus seiner Heimat als Inspiration mit eingebracht, was ein bisschen an Kula Shaker erinnert, aber gar nicht nach Indien klingt. Dieses Durcheinander nennt man andernorts \u201einteressant und anders\u201c und meint das gar nicht so positiv, wie es klingt, und das finde ich schade.\nDieses Interessante, Andere klingt nach ein bisschen Talking Heads, ein bisschen The Mars Volta, ein bisschen System of a Down und ein bisschen \u201eWas um alles in der Welt soll das sein?\u201c. Die psychodrogeninduzierten Klangexperimente der zweiten H\u00e4lfte der 1960-er Jahre sind vielleicht eine wichtige Inspiration f\u00fcr Zun Zun Egui gewesen, vielleicht auch nicht, und wer auf eine meiner Empfehlungen hin mal The Void\u2019s Last Stand geh\u00f6rt hat, der entdeckt auch so manche \u00c4hnlichkeit, obwohl diese wahrscheinlich eher oberfl\u00e4chlich ist, denn Zun Zun Egui wechseln nicht st\u00e4ndig die Stile, sondern klingen immer gleicherma\u00dfen durchgeknallt. Ach ja, Mr. Bungle mal wieder: Dieser dezente Popanstrich, m\u00e4chtig \u00fcberdeckt von mit Bedacht strukturiertem Tohuwabohu. Katang, tschingderassabumm.\nNoch nicht abgeschreckt? Tapfer, sage ich, und verweise auf die H\u00f6rproben:\nAuf YouTube gibt es das merkw\u00fcrdige Video zu \u201eFandango Fresh\u201c zu sehen, auf Amazon.de 30-sek\u00fcndige Ausschnitte aus dem Album zu h\u00f6ren. Viel Gl\u00fcck!\nEarth Flight \u2013 Blue Hour Confessions\n\u201eThinking of you always tears me apart\u201c (By The Light Of The Moon)\nZur\u00fcck in etwas weniger obskure Gefilde und nach, mehr oder weniger, Deutschland, genau genommen nach N\u00fcrnberg. Von dort stammt mit Earth Flight eine herausragende Psychedelic-Metal-Band, die mit \u201eBlue Hour Confessions\u201c bereits im Februar ihr aktuelles Album auf die Menschheit loslie\u00df.\nPsychedelic Metal? Ja, die Einfl\u00fcsse des zweifelsohne psychedelischen Stoner Rocks sind un\u00fcberh\u00f6rbar. Und sonst so:\nMal darf die Gitarre elegisch weinen, mal alternative-rockig schrammeln, dazwischen sogar mal wie bei U2 klingeln, meistens aber fett riffen und da reicht die H\u00e4rte durchaus l\u00e4ssig in metallische Gefilde. Und je nach Saitenanschlag entwickelt sich dann ein veritabler Rocker oder ein psychedelisch angehauchter leicht balladesker Song mit diesem New Artrock-Feeling oder auch atmosph\u00e4rischer Progmetal, so ein bisschen in Richtung neuere Fates Warning. Die Rhythmusfraktion liefert dazu ein solides Fundament mit kraftvollen Bassl\u00e4ufen und vitalem, moderat vertracktem Drumming.\nTobias Brunner erg\u00e4nzt diese Darbietung mit mal schr\u00e4gem, mal elegisch-lyrischem Gesang und beherrscht den Hardrock ebenso wie das Gekn\u00f6del eines Brian Molko, was man nat\u00fcrlich jetzt nicht unbedingt gut finden muss.\nObwohl die Plattenfirma laut Werbetexten nicht so ganz verstanden hat, was Progressive Rock eigentlich ist (\u201estarke Riffs und eine ausdruckskr\u00e4ftige Stimme\u201c), liegt hier doch ein recht progressives Werk vor, was f\u00fcr eine Band aus der Doom-Metal-Szene eher ungew\u00f6hnlich ist. Ihre Wurzeln (\u201eEarth Flight\u201c ist der Titel eines St\u00fcckes von Pentagram) haben die Musiker aber gekonnt hinter sich gelassen und wandeln nun frei zwischen den St\u00fchlen umher. Dabei gelingt ihnen das Kunstst\u00fcck, zug\u00e4ngliche und dennoch komplexe Musik zu machen. Das allein ist bereits ein Grund, dieses Album zu empfehlen, wenn die musikalische Zusammenfassung noch nicht genug Anlass bot.\nH\u00f6rproben: Das komplette Album kann man derzeit auf recent-records.de probeh\u00f6ren.\nTom Waits \u2013 Bad As Me\n\u201eThe dog is in the kitchen and the war drags on\u201c (Talking At The Same Time)\nTom Waits ist ein Liedermacher. Das k\u00f6nnte ich jetzt so stehen lassen und mich voller Schadenfreude erg\u00f6tzen an der Reaktion derer, die jetzt einen zweiten Reinhard Mey erwartet haben, aber das w\u00e4re ja nicht nett.\nMit Reinhard Mey verbindet Tom Waits allenfalls die Bissigkeit der Texte. Feinsinniges passt nicht zu ihm. Und auch auf \u201eBad As Me\u201c \u2013 \u201eB\u00f6se wie ich\u201c \u2013 entt\u00e4uscht er seine H\u00f6rerschaft nich\u2018; und am erstaunlichsten ist es immer noch, dass auch das spie\u00dfige F\u00f6jetong von FAZ bis Focus diese sperrige Musik von diesem dem Sch\u00f6nklang noch nicht erlegenen alten Mann zu sch\u00e4tzen wei\u00df. Tom Waits ist offenbar eine Institution, an der man schon lange nicht mehr herumm\u00e4kelt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass er niemanden mehr \u00fcberrascht, von den armen Seelen abgesehen, die sonst nur so Schmuseschei\u00dfe h\u00f6ren und dann von Scherzbolden wie mir unvorbereitet erstmals mit seiner Musik konfrontiert werden. Spa\u00df muss sein.\nDer er\u00f6ffnende Blues \u201eChicago\u201c beginnt mit hektischem Bl\u00e4serrhythmus, schon nach zehn Sekunden setzt der gewohnt raue Gesang ein: \u201eThe seeds are planted here / But they won\u2019t grow / We won\u2019t have to say goodbye / If we all go / Maybe things will be better in Chicago\u2026\u201c Bei der FAZ fragte man sich:\nHat er mit Schotter gegurgelt und mit Rei\u00dfzwecken nachgesp\u00fclt?\nAuch mit 61 Jahren klingt Tom Waits immer noch nach Tom Waits und nicht, wie Bob Dylan, nach einer Parodie seiner selbst. Das soll nun nicht bedeuten, dass seine Lieder seit Jahrzehnten klingen, als w\u00e4re er ein alter, vom Alkohol gezeichneter Mann. Mit seiner Stimme kann er immer noch spielen wie mit einem Instrument, und die Kombinationen scheinen unersch\u00f6pflich: Sei es Falsettgesang zu langsam schwingendem Noir-Jazz (\u201eTalking At The Same Time\u201c), seien es die klassischen Waits-Balladen, die trotz aller Schnulzigkeit nie seicht klingen (\u201eKiss Me\u201c), sei es Sprech- oder besser Bellgesang zu Marsch- und Rockmusik wie etwa in \u201eHell Broke Luce\u201c, einem Lied, \u00fcber das man anderswo schrieb, es schwanke \u201edurch die Sch\u00fctzengr\u00e4ben wie ein Panzer auf Stelzen\u201c, wie auch immer man sich das vorzustellen hat. Apropos Gitarren: Tom Waits\u2018 alter Weggef\u00e4hrte Keith Richards ist auf \u201eBad As Me\u201c als Instrumentalist zu h\u00f6ren, im St\u00fcck \u201eLast Leaf\u201c, in dem das lyrische Ich seine Existenz als \u201eletztes Blatt am Baum\u201c beklagt, ist er auch als Duettpartner zu h\u00f6ren.\nTom Waits revanchiert sich, indem er in \u201eSatisfied\u201c nicht nur das Rolling-Stones-Lied \u201eSatisfaction\u201c und Mick Jaggers Gesangsstil parodiert, sondern auch einen Seitenhieb auf die beiden kreativen K\u00f6pfe der Altherrencombo hinterl\u00e4sst:\nNow Mr. Jagger and Mr. Richards: I will scratch where I\u2019ve been itching.\nVermutlich verliefen die Aufnahmen hierzu recht fr\u00f6hlich, wenngleich \u201efr\u00f6hlich\u201c nicht unbedingt etwas ist, was man gemeinhin mit Tom Waits assoziiert. Tats\u00e4chlich ist \u201eBad As Me\u201c, ungeachtet seines Namens, f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse ein Album, das in doppeltem Sinne Spa\u00df macht. Ja, es schien, als w\u00e4re die Karriere des K\u00fcnstlers nun vor\u00fcber, lie\u00df die Kreativit\u00e4t doch nach dem, was man so liest, auf dem vorherigen Album zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Klar ist, dass sich jedes seiner Alben an den beiden Extremen \u201eBone Machine\u201c und \u201eRain Dogs\u201c messen lassen muss, die Musikjournaille braucht ja immer ein \u201eklingt wie\u201c im Satzanfang. Betrachtet man diese beiden Ausnahmewerke des Ausnahmemusikers aber als solche, erscheint mir jeder Verriss von \u201eBad As Me\u201c als deplatziert.\nEs soll nur niemand wagen, \u201eBad As Me\u201c als Alterswerk zu deklassieren. Vom alten Eisen ist Tom Waits k\u00fcnstlerisch noch weit entfernt. M\u00f6ge dies noch lange erhalten bleiben!\nH\u00f6rproben hat Amazon.de reichlich im Angebot.\n\u201eWeird Al\u201c Yankovic \u2013 Alpocalypse\n\u201eYou need a quickie confession? We\u2019ll start a waterboarding session.\u201c (Party In The CIA)\nAuch nicht mehr der J\u00fcngste ist \u201eWeird Al\u201c Yankovic, und auch bei ihm ist keine k\u00fcnstlerische Schw\u00e4che zu erkennen. Sein mittlerweile 13. Studioalbum \u201eAlpocalypse\u201c enth\u00e4lt zw\u00f6lf Lieder, in denen er jeweils entweder ein bekanntes Musikst\u00fcck oder den Stil eines K\u00fcnstlers parodiert. Das mag manch einer f\u00fcr unkreativ halten, ph\u00e4nomenal ist es aber immer noch.\nDer Name des Albums wurde passend zum f\u00fcr 2011 angek\u00fcndigten Weltuntergang gew\u00e4hlt. Es ist erfreulich, dass er nicht eingetreten ist, denn sonst m\u00fcssten wir nun wahrscheinlich auf dieses Album und auf unser Leben verzichten.\nIn seinem Bem\u00fchen, auf seinen Alben stets die momentane Popwelt abzubilden (wie viele der parodierten K\u00fcnstler auf dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eStraight Outta Lynwood\u201c von 2006 sind 2011 von gleich bleibender Bedeutung?), hat diesmal Lady Gaga, selbst nach eigenem Bekunden Anh\u00e4nger des Musikers, die Ehre, Galionsfigur seines Albums zu sein. Im ersten St\u00fcck, \u201ePerform This Way\u201c, nimmt er zur Melodie ihres Liedes \u201eBorn This Way\u201c ihren Hang zur Selbstinszenierung textlich und in einem h\u00f6chst albernen Musikvideo auf die Schippe:\nI might be wearin\u2018 Swiss cheese or maybe covered with bees\nIt doesn\u2019t mean I\u2019m crazy \u2013 I perform this way\nDas \u00fcbliche Polka-Medley h\u00f6rt folgerichtig auf den Namen \u2013 Achtung \u2013 \u201ePolka Face\u201c und beginnt mit einer Parodie von \u201ePoker Face\u201c, das eigentlich auch schon keiner mehr h\u00f6ren kann, aber im Polkagewand bekommt manches einen v\u00f6llig neuen Klang. Dass die Polka-Medleys normalerweise eher eine Resteverwertung der Lieder sind, f\u00fcr deren Umtextung \u201eWeird Al\u201c die z\u00fcndende Idee fehlte, schr\u00e4nkt ihren Spa\u00dffaktor keineswegs ein.\nVon diesem Popunfug abgesehen beruft sich \u201eWeird Al\u201c Yankovic wie auch Tom Waits auf alte Meister, zwar ohne Rolling-Stones-Parodie, aber mit einer solchen auf die Doors (\u201eCraigslist\u201c). Fachm\u00e4nnische Unterst\u00fctzung hierbei erfolgt seitens Ray Manzareks, selbst Mitglied der Doors, am Keyboard.\n\u201eWeird Al\u201c Yankovic beweist auf \u201eAlpocalypse\u201c erneut, dass es ihm an Ideen f\u00fcr absurde Situationen und die Betextung derselben nicht mangelt. Es gibt wenige Musiker, die ihr Niveau \u00fcber eine so lange Zeitspanne halten k\u00f6nnen. \u201eWeird Al\u201c Yankovic geh\u00f6rt auf jeden Fall dazu.\nZum Reinh\u00f6ren verweise ich nochmals auf das Video zu \u201ePerform This Way\u201c und zum Vollst\u00e4ndigh\u00f6ren auf Grooveshark.\n3 \u2013 The Ghost You Gave To Me\n\u201eThe voices echo in your head\u201c (Only Child)\nNoch so eine Band, die ich bisher nicht einmal bemerkt hatte, nennt sich 3. Versucht da mal brauchbare Informationen im Internet zu finden.\nDabei ist das Quartett gar nicht so unbekannt, wie Touren mit Porcupine Tree, Cynic Opeth und Dream Theater nahe legen, womit dann auch schon klar zu sein scheint, was hier wahrscheinlich gespielt wird, n\u00e4mlich Metal. METAL! \\m/\nStimmt aber nicht.\nTats\u00e4chlich gibt es auf \u201eThe Ghost You Gave To Me\u201c hochklassigen, progressiven Alternative/Indie Rock auf die Ohren. Das einleitende \u201eSirenum Scopuli\u201c gew\u00e4hrt bereits Einblick: Ambiente Gitarrenkl\u00e4nge zu v\u00f6llig unaggressivem, hohem Gesang leiten \u00fcber in das zweite St\u00fcck, \u201eReact\u201c, das so unvermittelt anf\u00e4ngt, dass man den \u00dcbergang kaum bemerkt. \u201eReact\u201c aber hat erstmals einen Refrain und ist mindestens so energiegeladen wie Mando Diao au\u00dferhalb ihrer seichten Popliedchen. Wie dreckig die Band aber auch zu klingen versucht, der caravanesque, seltsam schwebende und enyam\u00e4\u00dfig hallende Gesang von Joey Eppard l\u00e4sst all das immer unwirklich, wie im Traum erscheinen.\nDas ist eigentlich auch schon das gro\u00dfe Manko des Albums, denn dieser alles in eine unwirkliche Traumebene schiebende Gesang sorgt daf\u00fcr, dass die gro\u00dfartigen Melodien, wie verfrickelt sie auch sein m\u00f6gen, im \u201egro\u00dfen Ganzen\u201c beinahe untergehen beziehungsweise dass das ganze Album auch beim B\u00fcgeln im Hintergrund laufen k\u00f6nnte und man w\u00fcrde es wahrscheinlich nicht merken. Wenn man sich aber bewusst auf dieses Album einl\u00e4sst, wird die Spielfreude der Musiker \u00fcbertragen als Lauschfreude des H\u00f6rers, und das ist ziemlich famos.\nDen Geist, den man ihnen gab, geben sie hier freim\u00fctig und leidenschaftlich zur\u00fcck. Gef\u00e4llt mir. Plus eins.\nH\u00f6rproben gibt es unter anderem auf Amazon.de.\nFlaming Row \u2013 Elinoire\nApropos METAL! \\m/ \u2013 diesmal wirklich: Flaming Row, Musikgruppe deutschen Ursprungs, deren Mitglied Marek Arnold auch bei Toxic Smile, Seven Steps To The Green Door und mittlerweile auch Stern-Combo Mei\u00dfen aktiv ist, erz\u00e4hlt auf \u201eElinoire\u201c eine Geschichte. Metal-Konzeptalben erfreuen des Progressive-Rock-H\u00f6rers Herz.\nDie Geschichte, die die Texte erz\u00e4hlen, klingt bemerkenswert:\nTextlich dreht sich das Ganze um eine englische Familie, wo die Mutter (Lea) bei der Geburt der Tochter (Elinoire)stirbt und der Vater (Adam) damit lange nicht klarkommt und so der Opa (Cyrus) erstmal die Vaterrolle \u00fcbernimmt, bevor einige Dinge aus Leas Vergangenheit in einem neuen Licht erscheinen. Was sich zun\u00e4chst recht einfach gestrickt anh\u00f6rt, ist komplex entwickelt mit Charakteren, deren Emotionen (u.a. Liebe und Wut) sowie Dimensionen (u.a. Zeit und Tod) jeweils durch andere zugeordnete Stimmen Leben eingehaucht wird!\nDass die Texte in englischer Sprache verfasst worden sind, der Texter aber gelegentlich \u00fcber englische Phrasen stolpert und sich anscheinend ziemlich weh tut, f\u00e4llt nur wenig ins Gewicht. Die Qualit\u00e4t der Musik gleicht das wieder aus. Dabei ist der Gesang an sich ein tragendes Element des Albums: Neben S\u00e4ngerin Kiri Geile (hihi) sind als Gastmusiker unter anderem zw\u00f6lf gesonderte Vokalisten zu h\u00f6ren, darunter Billy Sherwood, der vor vielen Jahren mal bei Yes musizierte und heute mit Circa: und Yoso noch immer in deren weiterem Umfeld zu finden ist.\nDas Konzept (eine mit verschiedenen Stimmen f\u00fcr verschiedene Charaktere erz\u00e4hlte, ziemlich dramatische Geschichte) ist vielleicht schon von Ayreons ebenfalls gro\u00dfartigem Album \u201eThe Human Equation\u201c bekannt, und auch musikalische \u00c4hnlichkeiten sind durchaus vorhanden. Da wird stilistisch quer durch die Genreschubladen gefahren, es gibt Country (\u201eDo you like country grandpa?\u201c) neben Growlgebr\u00fcll (\u201eRage of despair\u201c), vor allem aber viel Gitarre und \u2013 Marek Arnold sei Dank \u2013 eine Menge Keyboards. Dream Theater sind selten fern.\n\u201eElinoire\u201c ist gemessen daran, dass es als Deb\u00fctalbum ver\u00f6ffentlicht wurde, nicht nur ein ambitioniertes, sondern auch ein unglaublich vielseitiges Album. Ganz gro\u00dfes Kopfkino.\nReinh\u00f6ren kann man zum Beispiel per Grooveshark und sollte dies unbedingt auch einmal tun!\nBlack Box Revelation \u2013 My Perception\n\u201eThe wood is where your soul lives\u201c (My Perception)\nZiemlich dreckig und eigentlich gar nicht nach einem belgischen Duo, bestehend aus zwei Herren Anfang 20, klingt \u201eMy Perception\u201c, das dritte Album von Black Box Revelation. Als Produzent konnte man Alain Johannes gewinnen, der in Stoner-Rock-Kreisen kein Unbekannter ist und auch auf \u201eMy Perception\u201c klanglichen Eindruck hinterlassen hat.\nZu h\u00f6ren ist Gitarren-Indie-Rock, der mit den Dandy Warhols (und somit auch The Velvet Underground) nicht unbedingt die schlechtesten Paten hat. \u201eMadhouse\u201c er\u00f6ffnet das Album entsprechend mit Bluesriffs, Jan Paternoster sprechsingt dazu, stimmlich Mick Jagger nicht un\u00e4hnlich, in guter, alter Lou-Reed-Manier, auch Hintergrundgesang ist dort, wo man ihn erwartet; nur das Schlagzeug schl\u00e4gt die Br\u00fccke in neue Gefilde und bringt The Strokes und The White Stripes \u2013 insbesondere im Mittelteil von \u201eMadhouse\u201c sind diese dominant \u2013 ins Spiel.\nDas bedeutet allerdings beileibe keine Monotonie. \u201eSkin\u201c etwa ist ein veritables, tanzbares Popst\u00fcck mit viel Elektronik, \u201eNew Sun\u201c eine Folkballade mit eigenartigem Gitarreneinsatz; und dann eben auch immer wieder der Stoner Rock wie in \u201e2 Young Boys\u201c, das zwar nicht ohne Unterlass vor sich hinscheppert, aber doch das Herz des Verzerrerfreundes zum H\u00fcpfen bringt. (Sieht \u00fcbrigens merkw\u00fcrdig aus.)\nTja, was ist das nun? Damals h\u00e4tte man es wohl Rock\u2019n\u2019Roll genannt; aber Elvis, der Inbegriff dieses Stils, ist hier fern. Anderswo vergleicht man Black Box Revelation mit Tool und ist wahrscheinlich ziemlich froh dar\u00fcber, dass es kein Kommentarfeld unter der Rezension gibt, in dem man seinen Unmut hier\u00fcber kundtun kann, aber schreibt ansonsten weniger Quatsch:\nDas ist Rock ohne Keyboards, Oldschool, mit vielen Gitarrenhooklines, sch\u00f6nen verzerrten Parts und melodi\u00f6sen Soli, die nach alten Verst\u00e4rkern klingen.\nSo muss Rockmusik sein. Nehmt euch ein Beispiel daran, ihr strunzlangweiligen Kettcar!\nAnh\u00f6ren und angucken kann man das Ganze beispielsweise, indem man das eigenartige Video zum Titelst\u00fcck auf Dailymotion.com betrachtet. Tut dies!\nBaby Woodrose \u2013 Mindblowing Seeds And Disconnected Flowers\n\u201eBaby Woodrose blows your mind\u201c (Baby Blows)\nUnd weil so Rockalben ja immer zu kurz sind, schieben wir gleich noch eins hinterher.\n\u201eBaby Woodrose\u201c ist einer der Namen f\u00fcr die Hawaiianische Holzrose, deren Bestandteile eine LSD \u00e4hnliche Wirkung erzielen. Das ist wahrscheinlich ebensowenig dem Zufall geschuldet wie der Titel des Albums, wobei zumindest bei ersterem Bandkopf und einziges konstantes Mitglied Lorenzo Woodrose sein (angeblicher) Name gelegen gekommen sein d\u00fcrfte. Tjaja, den Verstand in die Luft jagen muss man ja nicht mit Sprengstoff.\nBereits das Titelbild des Albums, inspiriert von den Blumenkinderplakaten der sp\u00e4ten 60-er Jahre, zeigt: Anh\u00e4nger von gro\u00dfartigen Gruppen wie Vibravoid (die allerdings mehr Pink Floyd als The Who sind) kommen auch hier auf ihre Kosten. Psychedelischer Garagenrock dominiert. Dabei ist die hier zu h\u00f6rende Musik nicht einmal neu.\nVor 10 Jahren, 2001, erschien nach zwei Jahren Arbeit das Deb\u00fctalbum \u201eBlows Your Mind\u201c. Den dort zu findenden St\u00fccken ging, wie \u00fcblich, ein kreativer Prozess voraus, der zahlreiche Demoversionen hervorbrachte, die nach und nach \u201egeschliffen\u201c und irgendwann f\u00fcr das Album und den 7\u2033-EP \u2013 wieder so etwas, was leider aus der Mode ger\u00e4t \u2013 \u201eDisconnected Flowers\u201c final aufgenommen und gemischt wurden. Auf \u201eMindblowing Seeds And Disconnected Flowers\u201c befinden sich insgesamt 15 Lieder aus dieser Phase in einem fr\u00fchen Zustand, \u00e4hnlich dem Beatles-Album \u201eLet it be\u2026 naked\u201c ohne allzu viel Nachbearbeitung. Eigentlich ist \u201eMindblowing Seeds And Disconnected Flowers\u201c somit eher eine Sammlung von Demoversionen als ein neues Studioalbum, aber tats\u00e4chlich erblicken die hier zu findenden Versionen erstmals das Licht der \u00d6ffentlichkeit.\nDemoversionen sind ja daf\u00fcr bekannt, noch nicht unter \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Kantengl\u00e4ttung zu leiden. Was hier zu h\u00f6ren ist, hat Biss. Dass die einzige enthaltene Coverversion \u201eCity of People\u201c von der US-amerikanischen Garage-Punk-Band The Illusions und aus dem Jahr 1966 stammt, ist ein Beleg daf\u00fcr, wo Lorenzo Woodrose seine musikalischen Wurzeln ausmacht.\nDass die f\u00fcnfzehn Lieder \u2013 gro\u00dfteils als \u201eExplicit Lyrics\u201c, explizite Lyrik also, beinhaltend gekennzeichnet \u2013 nat\u00fcrlich auch nur eine begrenzte Gesamtlaufzeit haben und daher nie l\u00e4nger, meist k\u00fcrzer als ungef\u00e4hr dreieinhalb Minuten sind, f\u00e4llt kaum ins Gewicht, damals, in den 60-ern, waren Singles ja selten l\u00e4nger, und wer mit der damaligen Musik nicht viel anfangen kann, der kann Baby Woodrose auch unter \u201emuss ich nicht h\u00f6ren\u201c ablegen.\nSicherlich ist dieses Album auch sonst kein \u201emuss ich h\u00f6ren\u201c, wenn man die Entwicklung von Baby Woodrose von Anfang an verfolgt hat. Wer das verpasst hat, dem bietet Bad Afro Records hier nochmals die Gelegenheit, ihre Musik kennen und sch\u00e4tzen zu lernen. Ein Angebot, das man nicht ausschlagen sollte.\nWildes Kopfsch\u00fctteln und Reinh\u00f6ren sei auf Amazon.de gew\u00e4hrt.\nthisquietarmy \u2013 Vessels\nIm Mai dieses Jahres erschien als Vorl\u00e4ufer des im November erschienenen Albums \u201eResurgence\u201c der/die/das EP \u201eVessels\u201c von thisquietarmy, dem Soloprojekt von Eric Quach, Gitarrist der Instrumentalrocker destroyalldreamers. (Erkennt ihr das Muster?)\nAnders als die Musik letzterer Protagonisten ist das Album von thisquietarmy genau das: Still. Es wird beherrscht von Seefahrts-/Unterwasserger\u00e4uschen, mal pfeifen die Kessel, mal tropft es. Eric Quach vermischt hier ambiente Klangfl\u00e4chen mit drones, also Bordunkl\u00e4ngen, zu einer brodelnden Masse.\nDas sechste und letzte (Bonus-)St\u00fcck \u201eNew Dawn Fades\u201c, von Gesang und aufdringlichem Schlagzeug begleitet, f\u00e4llt hier beinahe aus dem Rahmen, es gibt dem Dargebotenen abschlie\u00dfend einen Dark-Wave-Anstrich, der Sisters of Mercy und \u00e4hnliche Musikgruppen zitiert. Das erstaunt nur wenig, handelt es sich doch um eine Coverversion des gleichnamigen St\u00fcckes von Joy Division.\nFrei \u00fcbersetzt und etwas technischer formuliert klingt das so:\nIndem er seine Gitarre als einen Klangfarbenerzeuger erforscht, erweitert er die Grenzen seines Instruments durch die Benutzung mehrerer Effektverarbeiter und Echtzeit-Loopsampler, die Form und Klang des Gitarrensignals \u00e4ndern, Texturen \u00fcber Texturen blenden, eine umfangreiche Kombination aus Klngen zusammenf\u00fcgen und die Melodien entwickeln, die in diesen Klangkaskaden verborgen sind. Bestimmte musikalische Ideen werden oft mittels Neuinterpretation, De- und Rekonstruktion seiner eigenen Improvisationen entwickelt.\nDas klingt spannend und ist enorm. Musik f\u00fcr Kopf-H\u00f6rer und lange N\u00e4chte.\nH\u00f6rproben: \u201eThe Pacific Theater\u201c und \u201eThe Black Sea\u201c k\u00f6nnen geneigte Musikfreunde auf Bandcamp.com in voller L\u00e4nge h\u00f6ren.\nThe Canyon Observer \u2013 Chapter 1 \u2013 The Current of Her Ocean Brings Me To My Knees\nNoch ein EP, diesmal aus Slowenien, bereichert dank Peters F\u00fcrsprache diese Liste: \u201eThe Current of Her Ocean Brings Me To My Knees\u201c ist der Erstling von The Canyon Observer, mit einer ungef\u00e4hren halben Stunde Laufzeit aber schon nicht \u00fcbel bef\u00fcllt.\nWas gibt es auf die Ohren?\n(\u2026) eine nicht uninteressante Mischung aus Sludge, Hardcore, Post-Rock und noisigen (sic!) Ambient (\u2026)\nNun, die Band selbst sortiert sich unter anderem in \u201eska\u201c, \u201esludge\u201c und \u201epunk rock\u201c ein. Nimm dies, genregeile Musikpresse. \u201eSludge\u201c passt noch am ehesten, laut Wikipedia geh\u00f6rt dies dazu:\nInsgesamt ist die Musik eher schleppend und z\u00e4h, mit besonderer Hervorhebung der Gitarrenriffs. Der Gesang besteht vornehmlich aus hardcoreartigem Geschrei und Gekeife, aber auch Death-Metal-typische Growls k\u00f6nnen vorkommen.\nSo ist das. Ska? Fehlanzeige. Das ist gut, ich mag keinen Ska.\nDass \u201eThe Current of Her Ocean Brings Me To My Knees\u201c irgendwie beliebig klingt, mag sein. Wenn man viel Zeit mit einer einzigen Musikausrichtung verbringt, wird man irgendwann das Gef\u00fchl haben, das alles schon mal irgendwo geh\u00f6rt zu haben. Mir als Freund schr\u00e4gen L\u00e4rms ist derlei jedoch noch ziemlich unbekannt, und mich erfreut die Kombination aus Beh\u00e4bigkeit und Aggression. Auf die folgenden Kapitel (\u201eChapter\u201c) bin ich gespannt.\nWer Besagtes ebenfalls sch\u00e4tzt, dem rate ich, mal reinzuh\u00f6ren:\nAuf Bandcamp.com ist das gesamte Werk h\u00f6r- und kaufbar.\nLou Reed &amp; Metallica \u2013 Lulu\n\u201eI want to see your suicide, I want to see you give it up, give it up, your life of reason.\u201c (The View)\nAch, was haben die Herren da nur losgetreten? Cheer-Accident hatte ich oben als kontrovers beschrieben, gegen \u201eLulu\u201c aber verblasst jede Kontroverse. Auf Amazon.de sind hei\u00dfe Diskussionen entbrannt, ob Lou Reed oder seine Begleitband Metallica die st\u00f6renden Elemente auf dem Album sind. Nat\u00fcrlich sind die Anh\u00e4nger letzterer Combo anderen Gesang gewohnt:\nMan sollte mal untersuchen, ob Leute, die gerne Lou Reed h\u00f6ren, sich auch gerne auspeitschen lassen, oder ob Leute, die sich auspeitschen lassen, dabei gerne Lou Reed h\u00f6ren, quasi um den Effekt zu verst\u00e4rken :o)\nAber das nur am Rande \u2026\nNicht, dass Lou Reed so etwas nicht gewohnt w\u00e4re: Als er mit The Velvet Underground unter Andy Warhols sch\u00fctzender Hand die New Yorker Kunstszene provozierte, wurde seine kreative Ader von der Presse nicht gew\u00fcrdigt. Jahrzehnte sp\u00e4ter wei\u00df man, dass das damals eine Weg weisende Stilrichtung war, die man erst viel zu sp\u00e4t als eine solche erkannte. Ob es mit \u201eLulu\u201c auch so sein wird?\nF\u00fcr einige \u2013 wenige \u2013 fans von Metallica ist \u201eLulu\u201c der l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Befreiungsschlag, aber die meisten haben offenbar nicht verstanden, dass es eben kein Metallica-Album ist. Merke: Wo nicht nur Metallica draufsteht, ist nicht nur Metallica drin.\nWahrscheinlich ist \u201eLulu\u201c aber das Anspruchsvollste, woran sich Metallica je beteiligt haben. Text und Musik stammen von Lou Reed auf Basis des Theaterst\u00fccks \u201eLulu\u201c, geschrieben von ihm und Robert Wilson auf Basis des gleichnamigen St\u00fcckes von Frank Wedekind, eine Theateradaption seiner Dramen \u201eErdgeist\u201c und \u201eDie B\u00fcchse der Pandora\u201c. Letzten Endes gro\u00dfe deutsche Kunst also.\nDass man sich mit \u201eErdgeist\u201c und \u201eDie B\u00fcchse der Pandora\u201c besch\u00e4ftigen sollte, um dieses Album in seiner G\u00e4nze zu begreifen, ist wahr. Es geht aber auch ohne, die Texte lassen kaum Missverst\u00e4ndnisse offen:\nEin leider echter Spiegel zur Seele der Menschheit, kein Disney-Zerrspiegel. Reed interpretiert Wedekind wenig \u00fcberraschend, daf\u00fcr mit der inhaltlichen Treffsicherheit des alten Fuchses. Berlin wird amerikanisiert und in den grimmen H\u00e4nden Lous zum psychoanalytisch fein austarierten Bastard aus Hubert Selby, Burroughs und der dentalbohrenden Pr\u00e4zision eines Hemingway. Sadomasochismus, Egoismus, Vergewaltigung, K\u00e4lte, Verf\u00fchrung, Sinnlichkeit, Tod, Ekel und ein kleines Tr\u00f6pfchen Liebe. Der Mensch als Abschaum der Sch\u00f6pfung. Sch\u00f6n klingt das in der Tat zu Anfang nicht.\nKlassisches Lou-Reed-Material eben, zuletzt so umfangreich aufgearbeitet auf seinem Album \u201eBerlin\u201c, das Tristesse, Depression und Apathie als Grundlagen menschlicher Handlungen kolportierte. Quasi als Gegensatz zu dem melancholisch ruhigen \u201eBerlin\u201c fungiert also das aggressiv polternde \u201eLulu\u201c, ein einst geschm\u00e4htes, existenzialistisches Werk in einer gleichfalls geschm\u00e4hten Vertonung. Dieser Gegensatz ist aber nur musikalischer Natur, so hei\u00dft es etwa in \u201eCheat On Me\u201c:\nI have no real feelings in my soul\nWhere most have passion I got a hole\nI really got nobody else\nApathie muss nicht still sein.\nTrotz all dieser Metallica-untypischen Elemente sollte man nicht \u00fcbersehen, dass durchaus Metal gespielt wird. \u201ePumping Blood\u201c l\u00e4dt in seiner rhythmischen Schlichtheit zum kr\u00e4ftigen Kopfnicken ein, das gro\u00dfartige \u201eDragon\u201c steuert gar auf einen musikalischen und (textlich) sexuellen H\u00f6hepunkt zu. \u201eOh, oh, you\u2019re so special\u201c. Wie oft sonst sieht man Lou Reed beim Musizieren l\u00e4cheln?\nNat\u00fcrlich ist \u201eLulu\u201c anstrengend. Nat\u00fcrlich wird kein Lied aus dem Album es in irgendwelche Klingeltonhitparaden schaffen. Na und?\nDas, werte Herrschaften, ist Kunst. Es muss nicht jedem gefallen \u2013 mir jedenfalls gef\u00e4llt es.\nReinh\u00f6ren: Das gesamte Album nebst Textbeilage ist derzeit auf loureedmetallica.com einzusehen und einzuh\u00f6ren. Empfohlen wird das vor allem denen, die Metallica sch\u00e4tzen \u2013 f\u00fcr sie ist \u201eLulu\u201c besonders harte Kost.\nThe Void\u2019s Last Stand \u2013 Rakash\n\u201e\u2026 but a dream that lives forever is never born\u201c (Glass Cabinet)\nDass ich vor zwei Jahren das Deb\u00fctalbum der deutschen Formation The Void\u2019s Last Stand rezensierte, verschaffte mir offenbar ausreichend Reputation, denn gerade noch rechtzeitig f\u00fcr diese Liste fand ich nunmehr ihren Zweitling, \u201eRakash\u201c, im Briefkasten. Das finde ich gut.\nZun\u00e4chst einmal zu den \u00c4u\u00dferlichkeiten: Die Zeiten schwer zu entziffernder Superengschrift ist vor\u00fcber, jeder beigelegte Text, selbst das Liedtextheftchen, ist ohne gro\u00dfe Schwierigkeiten zu lesen. Auch sonst ist von dem, nun, eigenwilligen und viel kritisierten artwork des Deb\u00fcts nicht viel \u00fcbrig geblieben. Das Titelbild erinnert mich an \u2026And You Will Know Us by the Trail of Dead oder die neueren Alben von King Crimson, die allerdings weniger quietschbunt daher kommen. Helmut Wenske, so erf\u00e4hrt man anhand der Beschriftung des Tontr\u00e4gerummantelungsdingens, hat hier in seinem typischen Stil ein wenig Kreativit\u00e4t ausge\u00fcbt. Sehr geehrte Musiker jedwelcher musikalischen Ausrichtung: W\u00fcrden weniger von euch darauf erpicht sein, ihre Fressen auf ihre CDs zu drucken, und mehr von euch auf derartige Gem\u00e4ldekunst zur\u00fcckgreifen, so w\u00e4re es f\u00fcr eure Vermarktungsabteilungen ein Leichtes, mehr Geld mit Postern, Vinylplatten und \u00e4hnlichen Reproduktionen zu verdienen. Macht das doch mal.\nAber eigentlich geht es hier ja um die Musik. Und was h\u00f6re ich da? Nun, es wirkt geordneter, weniger verwirrend als das Deb\u00fct. Los geht es mit \u201eMother Sun and the other Son (Part III)\u201c, sozusagen der Fortsetzung von \u201eMother Sun and the other Son (Part I)\u201c. (Ob es jemals einen Teil 2 gab, wei\u00df wohl nur die Band allein.) Dieses ist auch das einzige St\u00fcck, auf dem die Legende von Elagabal nochmals erw\u00e4hnt wird. Dem Personenkult bleibt man aber treu: In \u201eCut Open Feet\u201c etwa wird der T\u00e4nzer Vaslav Nijinsky, in \u201eGlass Cabinet\u201c He-Man besungen.\nVon \u201eMother Sun \u2026\u201c abgesehen geht es musikalisch beinahe gem\u00e4\u00dfigt zu:\n(\u2026) eigentlich sind das alles nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig fordernde Retro-Rock-St\u00fccke, (\u2026).\nJe nachdem, wo man seine Ma\u00dfst\u00e4be ansetzt, w\u00fcrde ich sagen, diese Kritik trifft nicht den Kern. Jonas Wingens klingt immer noch, als h\u00e4tte er zum Fr\u00fchst\u00fcck die Can-Diskografie (mit Malcolm Mooney und Damo Suzuki) verspeist, die zappaesquen Stil- und Rhythmuswechsel sind immer noch da, aber es klingt weniger nach \u201ewir spielen jetzt mal, was wir gerade im Kopf haben, und nehmen das auf\u201c.\nEtwas ungew\u00f6hnlich ist auch das Ende: St\u00fcck Nummer 7 ist ein gesprochenes Gedicht, eine \u201eOde an Antoine Marie Joseph Artaud\u201c, einen bekannten franz\u00f6sischen Schauspieler mit reichlich seltsamem Tod:\nAm 4. M\u00e4rz 1948 wurde er in sitzender Haltung im Bett mit einem Schuh in der Hand tot aufgefunden.\nDas Gedicht tr\u00e4gt passenderweise den Untertitel \u201ePoesy in Asylum\u201c.\nSo haben beide Alben ihren Reiz: Das Deb\u00fct spricht Freunde improvisierten Durcheinanders an, der Zweitling erfreut das Herz von Can-J\u00fcngern. Ich als jemand, der beide Welten bereist, kann keinen Qualit\u00e4tsverlust feststellen. Das irre Element, dessen bin ich mir sicher, wird diese Band jedenfalls so schnell nicht verlieren.\n\u201eRakash\u201c ist gro\u00dfartig. Keine Widerrede geduldet.\nH\u00f6rproben: Man schaue einmal bei Grooveshark hinein.\nDas Niveau \u2013 Volle Album\n\u201eWir bringen euch Niveau, wo nie Niveau war\u2026\u201c (Niwowoniniwowa)\nAuf so Veranstaltungen lernt man ja immer mal so Musiker kennen und sch\u00e4tzen. Zum Abschluss beinahe vers\u00f6hnlich klingt das \u201eVolle Album\u201c von Das Niveau, nach dem \u201eLosen Album\u201c deren Zweitling und nicht sehr niveauvoll.\nJa, es ist so weit, die Stunde hat geschlagen,\nDas Niveau darf endlich wieder \u201eficken\u201c sagen!\nFicken, Ficken!, was f\u00fcr ein sch\u00f6nes Wort,\nalles zwischen Liebemachen und Leistungssport \u2026\nWas gibt es zu h\u00f6ren? Nun, vorrangig Liedermacher- beziehungsweise, ihrer Selbsteinordnung zufolge, Bardenduette, in denen es sich vor allem darum dreht, dass die beiden Protagonisten dicke cojones haben, Frauen toll finden und gern stinkreich w\u00e4ren. Im Gegensatz zu den Hip-Hop-Querfl\u00f6ten hierzulande versuchen sie aber gar nicht, das wie Ernst klingen zu lassen.\nMit \u201eAm n\u00e4chsten Galgen\u201c ist auch, wie schon \u201eDer letzte Stern\u201c auf dem Deb\u00fctalbum, das traditionelle Zeigefingerst\u00fcck dabei:\nWenn Menschen lieber kniend leb\u2019n\nanstatt stehend im Kampf niederzugeh\u2019n,\nkeiner die Freiheit kennt,\njeder Sklaverei sein Schicksal nennt -\ndann nimm deine R\u00fcstung und geh, (wdh.)\nsonst will ich dich am n\u00e4chsten Galgen seh\u2019n.\nEs muss ja nicht immer nur um\u2019s Pimpern gehen. F\u00fcr gro\u00dfe Literatur reicht\u2019s nicht, aber darum geht es auch gar nicht.\nMan sieht zwei Musiker, die sichtlich Spa\u00df daran haben, ihre Rolle als Bl\u00f6delbarden voll auszuf\u00fcllen, und es nebenbei schaffen, auch so etwas wie eine ernste message r\u00fcberzubringen, Alter. Ich werde oft daf\u00fcr gescholten, dass meine pr\u00e4ferierten Klangk\u00fcnstler zu anspruchsvoll f\u00fcr den gelegentlichen Genuss sind. Wie w\u00e4re es mal damit?\nH\u00f6rproben: Eine akzeptable Konzertaufnahme von \u201eNiwowoniniwowa\u201c gibt es zum Beispiel auf YouTube zu sehen, wo ich zwecks Genusses einiger anderer Lieder auch einen Blick in das Profil eines der Mitglieder empfehle.\n\nNachdem ihr also nun euer gesamtes restliches Weihnachtsgeld f\u00fcr so viel tolle Musik ausgegeben habt, ist es vielleicht angemessen, darauf hinzuweisen, dass es 2011 auch noch mehr Musik gab, die es frei herunterzuladen gilt. Ich nenne sie \u2026\n2. Freibier.\n\nThe Echelon Effect \u2013 Seasons (pt.2 &amp; 3)\nSeit Sommer war David Walters, die treibende Kraft hinter The Echelon Effect, nicht unt\u00e4tig und setzte seine \u201eSeasons\u201c-Reihe fort. Das Jahr hat vier Jahreszeiten, gegenw\u00e4rtig (23. Dezember 2011) sind allerdings erst Teil 2 und 3 erschienen. Ein wenig Eile w\u00e4re angebracht.\nMusikalisch hat sich nicht viel ge\u00e4ndert: Ruhiger, melancholischer, instrumentaler Ambient-Postrock pl\u00e4tschert leise aus den Lautsprechern. Wie das klingt? Nach Erwachen nach einem langen, entspannenden Schlaf, nach feierlichem Tanz, nach Krokussen. Selbst im Sommer. Wenn das Schlagzeug sich regt, trifft man auch schon mal auf walls of sound, aber nie aggressiv, stets verhalten und entspannend.\nDass es alle drei Teile vor dem Herunterladen auf der Projektwebseite zum kompletten streaming gibt, erspart mir \u00fcbrigens eine Menge Geschw\u00e4tz: H\u00f6rt\u2019s euch einfach selbst an.\nRunterholen k\u00f6nnt ihr euch den Spa\u00df gleichfalls auf besagter Seite, auf Bandcamp.com und per eMule.\nToehider \u2013 Children of the Sun\nMike Mills aus Australien ist musikalisch recht rege, wie es scheint. Mit seiner Band Toehider (deren Deb\u00fctalbum albernerweise \u201eTo Hide Her\u201c hei\u00dft) hat er zwischen April 2009 und Mai 2010 insgesamt 13 EPs aufgenommen, die 2011 als \u201eThe First Six\u201c, \u201eThe Last Six\u201c und eben \u201eChildren of the Sun\u201c erschienen.\nWarum \u201eChildren of the Sun\u201c gesondert ver\u00f6ffentlicht wurde, hat rechtliche Gr\u00fcnde: Seine musikalischen Grundlagen waren vor allem Themen aus allerlei Zeichentrickserien aus den 1980-er Jahren, deren Rechteinhaber mit dem Verkauf derivativer Werke nicht immer einverstanden waren, so dass \u201eChildren of the Sun\u201c kostenlos per Internet verteilt werden muss. Das ist ja auch keine Schande. Die Titel hei\u00dfen zum Beispiel \u201eM.A.S.K.\u201c und \u201eDeath of Optimus Prime\u201c. Wer erkennt\u2019s?\nDie musikalische Umsetzung ist, wie ich finde, hervorragend gelungen: Keyboards, Retro-Prog, Neoprog, aber auch schlichter, wenngleich extrovertierter Pop/Rock mit hohem Spa\u00dffaktor bestimmen das Geschehen.\nAls multimedialer K\u00fcnstler hat Mike Mills auch einen YouTube-Kanal eingerichtet, auf dem unter anderem auch einige Videos zu \u201eChildren of the Sun\u201c zu finden sind, etwa ein Musikvideo zu \u201eMysterious Cities of Gold\u201c, aus dessen Text auch die Zeile \u201eChildren of the Sun\u201c stammt. Auch hier ist nat\u00fcrlich das Anh\u00f6ren vorm tats\u00e4chlichen Herunterladen m\u00f6glich: Alle St\u00fccke werden zurzeit auf der Toehider-Website gestreamt.\nRunterholen geht ebendort sowie per eMule.\nGuilty Ghosts \u2013 Veils\nWeniger spa\u00dfig agiert Tristan O\u2019Donnell, der sich Guilty Ghosts nennt (ein einziger Geist w\u00fcrde vielleicht nicht gen\u00fcgen). Nach eigener Aussage hat er das Album in den eigenen vier W\u00e4nden aufgenommen. St\u00f6rt nicht.\nIn seiner Selbstbeschreibung hat er selbst unbescheiden behauptet:\nSeine Lieder passen ideal zu regnerischen Tagen, ewig andauernden Abenden und melancholischen Momenten der Einsamkeit.\nIch wei\u00df nicht, ob ich mir solche Momente nun herbeiw\u00fcnschen sollte, um das zu verifizieren. Zu h\u00f6ren gibt es jedenfalls \u2026\nDrone-Gitarren, Breakbeats und Tape-Loops. Ambient, Drone und Electronica. Unbestimmt und diffus. Gitarrenmusik. Elektronische Musik. Gesang.\nSch\u00f6n, ja.\nRunterzuholen ist\u2019s f\u00fcr einen beliebig w\u00e4hlbaren Preis auf Bandcamp.com (Reinh\u00f6ren inklusive) und per eMule.\nThe Beauty Of Drowning \u2013 The Beauty Of Drowning\n2011 ist das Jahr des Ertrinkens, scheint mir. Tsunamis und sonstige Naturkatastrophen ertr\u00e4nken haufenweise Menschen, Steven Wilson nennt sein neues Album \u201eGrace for drowning\u201c, ein deutsches Trio nennt sich gar The Beauty Of Drowning und sein erstes Album auch nicht anders.\nMusik? Psychedelic Rock. Post-Rock. Metal. Viel Atmosph\u00e4re.\nVergleiche? Pink Floyd. Oceansize. Dear John Letter.\nNoch Fragen?\nRunterholen und reinh\u00f6ren kann man auf Bandcamp.com. Aber nicht, dass ihr mir hier ertrinkt.\n\nUnd weil nicht alles Gold ist, was gl\u00e4nzt und sich dreht, und weil die Not leidende Musikindustrie f\u00fcr Schei\u00dfe anscheinend immer noch zu viel Geld hat, wurde in den Medien auch im weiteren Verlauf des Jahres so manches als total prima hochstilisiert, was sich letztlich als ziemlicher Murks herausstellte:\n3. Klangbrei, rund mit Loch drin.\n\nBoris \u2013 Heavy Rocks\nKlingt in Einzelteilen gut, aber zusammengeklebt eher mau.\nArctic Monkeys \u2013 Suck it and see\nIch saugte es und sah, dass es nicht gut war.\ndEUS \u2013 Keep you close\nIch halte mich lieber fern.\nFrequency Drift \u2013 Ghosts\u2026\nWenn die Ambientpassagen nicht so einschl\u00e4fernd w\u00e4ren, w\u00e4re dieses Album eigentlich richtig klasse. Davon merkt man im Schlaf nur nichts.\nNihiling \u2013 Egophagus\nAus der einst \u00fcberdurchschnittlichen Postrock-Truppe wurden Screamos; der n\u00e4chste logische Schritt ist dann 80s-Pop, richtig? Schade.\nSke \u2013 1000 Autunni\nBelangloses Geklimper.\n\nUnd bevor ich euch, die ihr es bis hierhin geschafft habt, zu eurer Ausdauer und eurem Musikgeschmack (denn sonst h\u00e4ttet ihr l\u00e4ngst aufgeh\u00f6rt zu lesen) begl\u00fcckw\u00fcnsche, mache ich noch einen Abstecher in die Musikgeschichte und schaue, wie \u00fcblich, zur\u00fcck, was sich in den letzten vierzig Jahren so getan hat.\n4. Es war einmal \u2026\n\nVor 40 Jahren:\nCan \u2013 Tago Mago\nMich beschleicht allm\u00e4hlich der Eindruck, 1971 ist ein Jahr, in dem so etwas wie schlechte Musik schlicht nicht existierte. So ver\u00f6ffentlichte etwa die noch junge Gruppe Yes mit \u201eThe Yes Album\u201c \u2013 nicht mit dem Deb\u00fctalbum \u201eYes\u201c zu verwechseln \u2013 in diesem Jahr ein wegweisendes Werk, auf dem mit \u201eStarship Trooper\u201c bereits einer ihrer gro\u00dfen Symphonic-Prog-hits vertreten ist. Die deutsche Jazzrockformation Alcatraz machte mit dem von Soft Machine und Colosseum beeinflussten Deb\u00fctalbum \u201eVampire State Building\u201c von sich reden, zur gleichen Zeit tummelten sich The Masters Apprentices, hervorgegangen aus The Mustangs, mit \u201eChoice Cuts\u201c und der Top-15-Single \u201eBecause I Love You\u201c im psychedelischen Hardrock und Gitarrenpop. Etwas ganz anderes machten die K\u00f6lner von Can, ihr (regul\u00e4rer) Zweitling \u201eTago Mago\u201c n\u00e4mlich ist das Krautrock-Album geworden. Neuzugang Damo Suzuki am Mikrofon dr\u00fcckte den avantgardischen Klangexperimenten seine eigene, unverwechselbare Note auf. \u201eHalleluhwah\u201c ist eine 18 Minuten und 32 Sekunden lange Ger\u00e4uschorgie. Monotoner Rhythmus. Seltsames Flirren. Wie (?) im Drogenrausch schreit der Frontmann eigenartige S\u00e4tze ins Leere. \u201eLalalalalalalalalala, let him up\u201c. Verstehe. \u201eAumgn\u201c, etwa eine Minute k\u00fcrzer? Auch nicht besser. \u201eBring Me Coffee or Tea\u201c ist da beinahe vers\u00f6hnlich, k\u00f6nnte ein \u00dcberbleibsel aus Beatles-Drogenzeiten sein. Wobei: Dieser eigenartige, hypnotische Rhythmus, der alles zusammenzuf\u00fcgen scheint? Dieser verst\u00f6rende Gesang? Nein, doch keine Beatles; bis heute jedoch eins der wichtigsten Alben deutscher Musikgeschichte. Einmal h\u00f6ren und verstehen.\nVor 35 Jahren:\nEthos \u2013 Ardour\nBereits 1976 hatte die Musikwelt andere Priorit\u00e4ten: Schicke F\u00fchrs Fr\u00f6hling ver\u00f6ffentlichten mit \u201eSymphonic Pictures\u201c ihr Deb\u00fctalbum, das heute als Meisterwerk des instrumentalen Jazzrocks gefeiert wird, unterdessen legten Ethos mit \u201eArdour\u201c, gleichfalls ihr Deb\u00fctalbum, einen der Grundsteine f\u00fcr Bands wie The Tangent, die trotz aller Referenzen mehr nach Ethos als nach Yes klingen. Mit Yes, Weather Report und King Crimson teilte man sich unter anderem Festivals, King Crimson waren auch einer der gro\u00dfen Vorbilder: Gitarrist Will Sharpe gab 1999 zu Protokoll, man habe verzweifelt versucht, die amerikanische Antwort auf King Crimson zu sein, jedoch wollte Amerika diese Antwort nicht h\u00f6ren. Entmutigt l\u00f6ste man sich nach dem Folgealbum \u201eOpen Up\u201c (1977) auf. Was bleibt, sind f\u00fcnfzigtausend verkaufte Einheiten des Deb\u00fcts und, rechnet man die Resteverwertung \u201eRelics\u201c von 2000 mit, drei Alben mit packend progressiver, symphonischer Rockmusik. Schade, dass es so endete.\nVor 30 Jahren:\nJohn Cale \u2013 Honi Soit\nNach drei Jahren Pause kehrten 1981 Amon D\u00fc\u00fcl II mit dem akzeptablen, aber nur noch selten an \u201ePhallus-Dei\u201c-Zeiten ankn\u00fcpfende \u201eVortex\u201c wieder auf die Bildfl\u00e4che zur\u00fcck. Ebenfalls ins Seichte verabschiedeten sich Genesis mit dem letzten meinerseits noch vertretbaren, erstaunlich experimentellen Album \u201eAbacab\u201c (was danach kam, war fast ausnahmslos belangloser Radiom\u00fcll) und Grobschnitt, deren \u201eIllegal\u201c den Anfang vom Ende markierte. An deutschsprachigen Popgruppen mangelte es in den Folgejahren bekanntlich nicht. Woran es aber sehr wohl mangelte, war gute Musik mit Anspruch. Tja, die 80-er Jahre. Zum Gl\u00fcck meldete sich John Cale, Waliser Avantgarde-Pionier und \u00fcberwiegend f\u00fcr seine Beitr\u00e4ge f\u00fcr The Velvet Underground bekannt, wieder zu Wort: \u201eHoni Soit\u201c ist ein hervorragendes Artpop-Album, das den Werken von Peter Hammill um nichts nachsteht. Pop (\u201eDead or Alive\u201c), Uptempo-Rock (\u201eFighter Pilot\u201c mit den Bomberettes \u2013 am\u00fcsanter Einfall \u2013 als Hintergrundchor, \u201eRussian Roulette\u201c), merkw\u00fcrdig schr\u00e4ge Melancholie (\u201eThe Streets of Laredo\u201c); all dies verfeinert von des Herrn Cale einmaligem, weichem Gesang. Habe ich gerade \u201emerkw\u00fcrdig\u201c geschrieben? Das Titelst\u00fcck \u00fcbertrifft das noch: Viola und Gitarre liefern sich ein kurzes Duell, unversehens verstummen beide, und eine Trompete bl\u00e4st den Marsch. Dazu gibt\u2019s Tex-Mex-Musik und einen Hintergrundchor, der wiederholt \u201eHoni soit qui mal y pense\u201c (\u201eEin Schuft, wer B\u00f6ses dabei denkt\u201c) singt. Diesen Teppich beschreitet John Cale bed\u00e4chtig mit franz\u00f6sischsprachigem Gesang, unterst\u00fctzt gelegentlich aber auch den Chor. Zum Ohrwurm eignet sich dieses St\u00fcck vortrefflich, und wieder frage ich mich, warum John Cales Plattenfirma anscheinend so wenig Geld in gelegentliche Radiovorf\u00fchrungen investiert. So muss der geneigte Musikfreund eben rein zuf\u00e4llig auf dieses gro\u00dfartige St\u00fcck Musik sto\u00dfen. Mancher Zufall f\u00fchrt zu \u00fcberraschenden Entdeckungen.\nVor 20 Jahren:\nNirvana \u2013 Nevermind\nEin erneuter Zeitsprung in das Jahr 1991: Die Postrock-Urgesteine Talk Talk ver\u00f6ffentlichten mit \u201eLaughing Stock\u201c leider ihr letztes, jedoch hervorragendes Album. Ganz und gar nicht hervorragend war das, was die beiden zerstrittenen Yes-Lager (Yes und Anderson, Bruford, Wakeman &amp; Howe) 1991 auf den Markt warfen: Man vereinte sich \u2013 mehr formell als ideell \u2013 wieder zu einer einzigen Band, die aus insgesamt acht Mitgliedern bestand und in dieser Formation auf Tour ging. Dass die Plattenfirma daf\u00fcr einiges an Geld bekommen haben d\u00fcrfte und \u2013 formell \u2013 wieder Yes drin war, wo Yes draufstand, kann den \u00c4rger hinter den Kulissen nicht ungeschehen machen: Mehrere beteiligte Musiker sind auf dem Album kaum zu h\u00f6ren, im Studio wurden ihre Beitr\u00e4ge so lange nachgespielt, bis alle an der Produktion Beteiligten leidlich zufrieden waren. Aber der Progressive Rock interessierte die junge Generation bereits nur noch wenig, mit Nirvana hatte sie ihre neuen Idole. \u201eNevermind\u201c, \u201edas, wo Smells Like Teen Spirit drauf ist\u201c, war erst deren zweites Album, ist jedoch bis heute ihr bekanntestes und erfolgreichstes, Werbung sei Dank. Dabei war dieser radiofreundlich glattpolierte sound nie im Sinne Kurt Cobains, das letzte Album \u201eIn Utero\u201c (1993) ist insofern eher als echtes Nirvana-Album anzusehen. \u201eNevermind\u201c h\u00e4tte es nie geben sollen; eventuell h\u00e4tte Kurt Cobain dann die Nase von dem Musikgesch\u00e4ft nicht so gestrichen voll gehabt und k\u00f6nnte noch leben. Es ist noch heute ein schrecklich \u00fcberbewertetes Album; aber es enth\u00e4lt doch die wesentlichen Bestandteile von Nirvanas Musik. Klar ist, dass es eins der Alben ist, die man mal geh\u00f6rt haben sollte. Und dann gibt es eigentlich nur zwei valide Reaktionen: Must-have \u2013 oder: Nevermind. (Nebenbei bemerkt: Wortwitze, die nur auf Englisch funktionieren, machen mir keinen Spa\u00df.) F\u00fcr mich gilt: Gut, dass es sp\u00e4ter \u201eIn Utero\u201c gab, denn sonst k\u00f6nnte ich \u00fcber Nirvana nur wenig Positives berichten.\nVor 10 Jahren:\nSleepytime Gorilla Museum \u2013 Grand Opening And Closing\n2001 war auch ein Jahr der Livealben: Magma ver\u00f6ffentlichten erstmals eine im selben Jahr aufgenommene Livefassung der Trilogie \u201eTheusz Hamtaahk\u201c, King Crimson griffen mit \u201eVroom Vroom\u201c und darauf enthaltenen Livekonzerten von 1995 und 1996 etwas tiefer in die Mottenkiste. Die polnischen Jazz-/\u201eKrautrocker\u201c SBB \u00fcberboten das nochmals und begl\u00fcckten ihre Anh\u00e4nger mit \u201eLive in Karlstad 1975\u201c, das eigentlich eine Konzertaufnahme von 1975 (ja, wirklich!) ist. Neu in der Musikwelt waren hingegen unter anderem das Berliner Stoner-Rock-Trio Rotor, das mit dem Album \u201e1\u201c schon ank\u00fcndigte, dass eine \u201e2\u201c folgen sollte (inzwischen sind sie bei \u201e4\u201c angelangt), und das h\u00f6chst seltsame Avantgarde-Kollektiv Sleepytime Gorilla Museum. Mit \u201eGrand Opening And Closing\u201c (\u201eGro\u00dfe Er\u00f6ffnung und Schlie\u00dfung\u201c) haben sie auch einen vielsagenden Titel f\u00fcr ihr Deb\u00fctalbum gew\u00e4hlt, denn ihre Konzerte erinnerten oft an Zirkusvorstellungen. Die Musik? Ha, was f\u00fcr Musik? Ger\u00e4usche. Bekloppt. [E]in erfrischendes Konglomerat aus \u00fcberraschenden, komplexen Klangkonstrukten, heftigen Ausbr\u00fcchen, schr\u00e4gen, mitunter fast kakophonischen Tonlandschaften, bizarren Ger\u00e4uschen und Soundideen, verspielter Perkussion und derbem Getrommle, metallischem Geriffe, dissonantem (Grunz)Gesang und knallharten Akkorden von Gitarre und Bass, die aber meist irgendwie \u201edaneben\u201c zu liegen scheinen. Das hat es so nur selten gegeben, nun, da Sleepytime Gorilla Museum nicht mehr existiert, gibt es mit Gruppen wie uneXpect jede Menge neues Material f\u00fcr diejenigen Verr\u00fcckten, die mit \u201eGrand Opening And Closing\u201c auf den Geschmack gekommen sind. Bandviolinistin Carla Kihlstedt ist auch nach dem Ende der Band noch in \u00e4hnlichen Formationen, etwa The Book of Knots, die ich im August bereits gew\u00fcrdigt hatte, t\u00e4tig. Wer hat da gesagt, die Musik h\u00e4tte nichts Neues mehr zu sagen?\n\nDamit sind wir auch schon wieder am Ende angelangt. Ich hoffe, einige erlesene Fundst\u00fccke haben auch euch gefallen.\nIn einem halben Jahr gibt es, wenn bis dahin kein Ungl\u00fcck eine Fortf\u00fchrung verhindert, die n\u00e4chste R\u00fcckschau.\nIch danke f\u00fcr die Aufmerksamkeit und w\u00fcnsche allen Feiernden ein angenehmes Feiern.\nKommentareDeutschland schrob am 25. Dezember 2011 dies: Ich mag Wham!.tux0r schrob am 25. Dezember 2011 dies: FAIL!Deutschland schrob am 25. Dezember 2011 dies: \u201eFr\u00f6hliche scheiss Weihnacht! Gott schickt dir einen Arschtritt du\ufeff schlitz\u00e4ugiger Heidensack\u201ctux0r schrob am 25. Dezember 2011 dies: Jesus und seine Kumpels?Deutschland schrob am 25. Dezember 2011 dies: liga der allerbesten freundetux0r schrob am 25. Dezember 2011 dies: Superkornkr\u00e4fte aktivieren!Fred schrob am 27. Dezember 2011 dies: Dank Dir tausend Mal f\u00fcr deine liebe Kriik   tux0r schrob am 27. Dezember 2011 dies: Verdient, verdient.   Wastl schrob am 2. Januar 2012 dies: Und was unterscheidet jetzt deinen von dir selbst alle naselang erw\u00e4hnten \u201eMusikgeschmack\u201c von hunderten anderer Blogs? Gute G\u00fcte, nimm dich nicht so wichtig, Mister Aufpluster! Hirnfick.tux0r schrob am 2. Januar 2012 dies: Ich erhebe nicht den Anspruch, die ultimative Liste zusammengestellt zu haben.\nVielleicht ist das schon ein gro\u00dfer Unterschied.\n\nNimm dich nicht so wichtig, Mister Aufpluster!Wastl schrob am 2. Januar 2012 dies: \u201eIch habe lediglich so etwas wie Musikgeschmack. Aber davon verstehst du nachweislich nichts mit deiner Dreampopschei\u00dfe.\u201c\n\nInteressanttux0r schrob am 2. Januar 2012 dies: Jemand, der Dreampop mag, wird meinen Musikgeschmack wahrscheinlich nicht verstehen, richtig. Was daran braucht Erl\u00e4uterung?Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2012 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 23. Juni 2012 dies: [\u2026] der zweiten Halbjahresliste 2011 hatte ich Cave In lobend erw\u00e4hnt und war damals schon nicht sicher, welches Genre angemessen [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Guilty Ghosts \u2013 Trespasser EP schrob am 2. Oktober 2012 dies: [\u2026] Ghosts kennwa, ich hatte den Herrn O\u2019Donnell bereits 2011 erw\u00e4hnt: Drone-Gitarren, Breakbeats und Tape-Loops. Ambient, Drone und Electronica. Unbestimmt und diffus. [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2012 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 19. Dezember 2012 dies: [\u2026] Echelon Effect sind in letzter Zeit h\u00e4ufige G\u00e4ste in meinen R\u00fcckschauen, zuletzt im Dezember 2011. Nachdem alle vier Jahreszeiten ihr/ eigene/n/s EP bekommen haben, gibt es wieder ein richtiges [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2013 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 28. Juni 2013 dies: [\u2026] auch Neues von der US-amerikanisch-portugiesischen Regressive-Rock-Institution Daymoon. Nach dem \u00fcberragenden Deb\u00fctalbum \u201eAll Tomorrows\u201d ergaben sich einige \u00c4nderungen im Privatleben von Frontmann Fred Lessing wie auch in der [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 12/2013 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 23. Dezember 2013 dies: [\u2026] der Argumente wider Erwarten nicht geschafft. Die Wooden Shjips etwa haben mit Back To Land mal wieder ein hervorragendes Velvet-Underground-Ged\u00e4chtnisalbum ver\u00f6ffentlicht. Zwar gibt es stilistisch [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Kurzkritik: thisquietarmy \u2013 Phantom Limbs schrob am 20. Februar 2014 dies: [\u2026] ver\u00f6ffentlichte Eric Quach (\u201ethisquietarmy\u201d) nach dem gro\u00dfartigen \u201eVessels\u201d mit dem bereits 2009 aufgenommenen \u201ePhantom Limbs\u201d (\u201ePhantomgliedma\u00dfen\u201d) ein weiteres [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 7 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Huch, schon wieder ist Juni, das geht ja immer schnell! Und traditionell bringt so ein Juni nicht nur zu dicke M\u00e4dchen in zu d\u00fcnner Kleidung mit sich, sondern au\u00dferdem meine Halbjahresr\u00fcckschau der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">gef\u00e4lligsten und ungef\u00e4lligsten Musikalben</span>, erstmals komplett mit Alben des Jahres 2011 bef\u00fcllt.</p>\n<p>Und in so einem halben Jahr kann sich viel \u00e4ndern. Im Februar etwa <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/02/toxic-smile-im-your-saviour/\&quot;" title="\&quot;Toxic" Smile="" \u2013="" I\u2019m="" your="" Saviour\&quot;="" data-wpel-link="internal">r\u00fchmte ich</a> das Album \u201eI\u2019m Your Saviour\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Toxic Smile</span>, f\u00fcr diese Liste aber hat es dennoch keine Ber\u00fccksichtigung mehr gefunden, da die schiere Masse an guter Musik ansonsten den Rahmen dieser Internetseite gesprengt h\u00e4tte und ich somit wieder einiges aussieben musste. Auch habe ich es leider nicht immer geschafft, mich jedem Musikalbum, das mich interessiert h\u00e4tte, rechtzeitig ausreichend ausf\u00fchrlich zu widmen; die beim Probeh\u00f6ren recht vorz\u00fcglichen Alben \u201eFlanders Fields\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Humble Grumble</span> und \u201eBlown Realms and Stalled Explosions\u201c von den <span class=\"musik-review-bandname\">Enablers</span> bitte ich das geneigte Publikum also selbst zu rezensieren. (Gern als Kommentar hier unten drunter.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif\" alt=\";)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\">  )</p>\n<p>Aber es ist auch ohne diese Alben eine recht abwechslungsreiche Liste geworden, von der ich hoffe, dass sie nicht jedem von euch blo\u00dfes Missfallen bereitet. <span id=\"more-4768\"></span></p>\n<p>Sie folgt:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">1.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Musik f\u00fcr zum Gutfinden.</span></p>\n<ol>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Codes-In-The-Clouds---As-The-Spirit-Wanes.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Codes-In-The-Clouds---As-The-Spirit-Wanes.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Codes In The Clouds \u2013 As The Spirit Wanes</span>\n<p>Wir lassen es mal ruhig angehen. Codes in den Wolken, der Geist flaut ab. Zur\u00fccklehnen und entspannen, w\u00e4hrend die f\u00fcnf Briten \u2013 nicht nur in Island beherrscht man dies vortrefflich \u2013 elegisch dahinmusizieren. Schublade auf, irgendwo zwischen <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Caspian</span> einsortieren, Schublade zu. Der Kopf hat jetzt gerade mal die Klappe zu halten, es wird in wunderbaren Melodien geschwelgt.</p>\n<p>Andererseits ist Postrock immer auch Kopfmusik. Jochen Overbeck <a href="\&quot;http://www.monstersandcritics.de/artikel/201102/article_186274.php/Codes-In-The-Clouds-As-The-Spirit-Wanes\&quot;" data-wpel-link="internal">schrieb</a> nicht grundlos:</p>\n<blockquote><p>Auch in den St\u00fccken der Band \u00f6ffnen sich weite, rein instrumentale Landschaften, warten R\u00e4ume darauf, mit irgendetwas gef\u00fcllt zu werden.</p></blockquote>\n<p>Freunde der scheppernden Postrockvariante, wie sie etwa von <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> zelebriert wird, werden auf dem Zweitling \u201eAs The Spirit Wanes\u201c nur eingeschr\u00e4nkt bedient, etwa in \u201eWhere Dirt Meets Water\u201c, und auch all diejenigen, f\u00fcr die Musikgenuss und Texte direkt miteinander zusammenh\u00e4ngen, werden sich von diesem Album aufgrund des fehlenden Gesangs wohl entt\u00e4uscht abwenden, aber wir sind ja auch erst am Anfang der Liste.</p>\n<p>Die <a href="\&quot;http://www.myspace.com/codesintheclouds\&quot;" data-wpel-link="internal">Eigenbeschreibung</a> der Postrocker besagt: \u201eWe are making pretty music\u201c, also \u201ewir machen h\u00fcbsche Musik\u201c. Ich h\u00e4tte es nicht besser ausdr\u00fccken k\u00f6nnen.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> gibt\u2019s auf <a href="\&quot;http://www.myspace.com/codesintheclouds\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace</a>.<br>\nVon wegen, <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/myspace-die-haelfte-ist-tot-oder-lebt-nicht-mehr/\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace sei tot</a>. Pop ist es.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Faust---Something-Dirty.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Faust---Something-Dirty.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Faust \u2013 something dirty</span>\n<p>Wer \u00fcbrigens genau so wenig tot ist wie MySpace, ist die gleichfalls recht unpoppige deutsche Krautrocklegende <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> ist auch 40 Jahre nach dem namenlosen Erstling quicklebendig, wenn nicht gar hyperaktiv, haben sich doch erst vor wenigen Jahren die drei noch aktiven Gr\u00fcndungsmitglieder derart heftig miteinander verkracht, dass man nun getrennte Wege geht, und zwar nicht in Form einer Aufl\u00f6sung, sondern in Form einer Teilung. Das haben <span class=\"musik-review-bandname\">Gong</span> ebenso gemacht wie <span class=\"musik-review-bandname\">Acid Mothers Temple</span>, auch <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> gab es \u2013 wenn auch unter verschiedenen Namen \u2013 kurzzeitig mehrfach, <span class=\"musik-review-bandname\">Amon D\u00fc\u00fcl II</span> tr\u00e4gt die r\u00f6mische 2 auch nicht nur aus Jux und Tollerei im Namen, und <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> reihen sich fr\u00f6hlich ein und besitzen dann die Frechheit, beide Inkarnationen schlicht <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> zu nennen. Das f\u00fchrt nicht etwa vorrangig zu Verstimmung und Verwirrung, sondern zu um so gr\u00f6\u00dferer Produktivit\u00e4t, denn das \u201eandere <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span>\u201c um <span class=\"musik-review-bandname\">Hans-Joachim Irmler</span> hatte erst 2010 mit \u201eFaust is Last\u201c ein Album vorgelegt, dieses <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> hier, in dem <span class=\"musik-review-bandname\">Werner \u201eZappi\u201c Diermaier</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Jean-Herv\u00e9 P\u00e9ron</span> residieren, hatte seit seiner vorigen Einspielung \u201eC\u00b4est com\u2026 com\u2026 compliqu\u00e9\u201c von 2009 derweil zwei Jahre Zeit f\u00fcr dieses Album. Es ist kom\u2026 kom\u2026 kompliziert. K\u00f6nnt ihr mir trotzdem noch folgen?</p>\n<p>Folgt mir dann auch mal vorsichtig in die musikalischen Schluchten, die sich hier auftun. Unter \u201eKrautrock\u201c versteht mancher, gef\u00f6rdert auch von der ansonsten nicht mal \u00fcblen WDR-Dokumentation \u201eKraut und R\u00fcben\u201c von 2006, irgendwie drogenschwangere Hippiemusik mit Hardrockattit\u00fcde. Wer jetzt versucht, <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> in diese Schublade zu stopfen, bevor er auch nur einen einzigen Takt aus dem Album geh\u00f6rt hat, dem w\u00fcnsche ich viel Vergn\u00fcgen, schlage die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammen und hoffe f\u00fcr ihn das Beste. Das hippieske Element von <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> ist allenfalls in den Texten auszumachen. 1972 etwa sang man <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eDaddy, take a banana, tomorrow is Sunday\u201c</span> (\u201eNo Harm\u201c vom Album \u201eSo Far\u201c), und so bl\u00f6de Texte kennt man ansonsten nur von <span class=\"musik-review-bandname\">Can</span> (<span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eHey you! You\u2019re losing \u2026 your Vitamin C!\u201c</span>). Ansonsten gilt: <span style=\"font-style:italic\">Typische</span> Hippiemusik mit Gitarre und LSD ist gerade nicht mehr auf Lager, Krach h\u00e4tten wir aber noch im Angebot.</p>\n<p>Und den nicht zu knapp. Seit vierzig Jahren hat sich bei <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> bez\u00fcglich der musikalischen Ausrichtung nur wenig ge\u00e4ndert, insofern sollte man nicht auf \u00dcberraschungen hoffen, und wer noch nie <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> geh\u00f6rt hat, der soll sich bitte die <span class=\"musik-review-bandname\">Einst\u00fcrzenden Neubauten</span> mit weniger Politik und mehr Verzerrung vorstellen und wei\u00df dann ungef\u00e4hr, wie die Musik von <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> so klingt, und findet sie dann spontan gut oder l\u00e4sst es sein. Als Musikinstrument kommt auf \u201esomething dirty\u201c jedenfalls auch ein Flammenwerfer zum Einsatz.</p>\n<p>Gesungen beziehungsweise gesprochen wird auch, aber bei <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> waren die Texte bislang nur selten essenziell, und auch auf \u201esomething dirty\u201c werden sie bis zur Unkenntlichkeit verzerrt oder von den Musikern \u00fcbert\u00f6nt. Wer herausfindet, was <span class=\"musik-review-bandname\">Jean-Herv\u00e9 P\u00e9ron</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Geraldine Swayme</span> dem H\u00f6rer hier mitteilen wollen, darf sich von mir gesch\u00e4tzt wissen.</p>\n<p>Insgesamt ist \u201esomething dirty\u201c ein ebenso zeit- wie kompromissloses Album, etwas Dreckiges im sauberen Einheitsbrei eben. Wer es sich nicht vorstellen kann, der m\u00f6ge es <span class=\"musik-review-hoerproben\">h\u00f6ren</span>; das geht stichprobenartig zum Beispiel auf YouTube, wo sowohl das er\u00f6ffnende, ungew\u00f6hnlich rockige \u201eTell the Bitch to Go Home\u201c (<a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=-RaU0yE3vmY\&quot;" data-wpel-link="internal">hier</a>) als auch das experimentelle Gesangsst\u00fcck \u201eLost The Signal\u201c (<a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=Lpd9BQtgCpU\&quot;" data-wpel-link="internal">hier</a>) zu h\u00f6ren sind.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/And-You-Will-Know-Us-by-the-Trail-of-Dead---Tao-of-the-Dead.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-And-You-Will-Know-Us-by-the-Trail-of-Dead---Tao-of-the-Dead.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">\u2026And You Will Know Us by the Trail of Dead \u2013 Tao of the Dead</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eLet the fear guide your eye as your arrow burns into their time\u201c</span> (Weight of the Sun (or The Post-Modern Prometheus))\n<p>Meine Damen und Herren, ich pr\u00e4sentiere ehrf\u00fcrchtig mein Sommeralbum 2011. Es macht gute Laune, l\u00e4sst die Gliedma\u00dfen rhythmisch wippen und l\u00e4dt selbst mich, obschon ich von Wiederholungen nur wenig halte, dazu ein, nach dem Ende nochmals von vorn zu beginnen.</p>\n<p>Und bis zum Ende dauert es seine Zeit, ganze 52 Minuten und 22 Sekunden ist das Album lang, was den Durchschnitt auch in dieser Liste hebt. \u201eDas Album\u201c ist hier aber nicht mal der richtige Ausdruck, denn genau genommen ist \u201eTao of the Dead\u201c eine Suite, bestehend aus Teil 1, \u201eTao of the Dead\u201c, und Teil 2, \u201eStrange News From Another Planet\u201c. Um die Verk\u00e4ufe auch bei weniger geduldigen Menschen anzukurbeln, gibt es das Album auch zerhackt, das hei\u00dft, Teil 1 (\u201eTao of the Dead\u201c) wurde in insgesamt 11 Abschnitte (\u201eLieder\u201c) aufgeteilt, w\u00e4hrend immerhin der Sechzehneinhalbmin\u00fcter \u201eStrange News From Another Planet\u201c intakt bleibt. Da aber auch in der Langfassung die einzelnen St\u00fccke nahtlos ineinander \u00fcbergehen, empfehle ich direkt den Griff zur \u201eLimited Edition\u201c, die beide Fassungen des Albums enth\u00e4lt, zumal diese flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4nge durch die Aufteilung auf der \u201eKurzversion\u201c zum Teil zerst\u00f6rt werden. Die \u201eLangversion\u201c ist leider nicht separat erh\u00e4ltlich.</p>\n<p>Nicht nur in der inzwischen leider ungew\u00f6hnlichen Einteilung in lediglich zwei St\u00fccke manifestiert sich der Anspruch von \u201eTao of the Dead\u201c, ein Konzeptalbum \u2013 um nicht schon wieder \u201eGesamtkunstwerk\u201c zu schreiben \u2013 zu sein, sondern auch die optische Aufmachung wei\u00df zu \u00fcberzeugen. Die Leute, die Tontr\u00e4ger f\u00fcr veralteten Mist und \u201eLimited Editions\u201c grunds\u00e4tzlich nur f\u00fcr Geldschinderei halten, d\u00fcrfen sich von mir jetzt mal kurz ausgelacht f\u00fchlen, denn ihnen entgeht nicht nur ein <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/And-You-Will-Know-Us-by-the-Trail-of-Dead---Tao-of-the-Dead-INLAY.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal">farbenfrohes \u201eDigipack\u201c</a>, das sich obendrein noch toll anf\u00fchlt, sondern auch eine 33-seitige Kurzgeschichte und 16 Seiten aus der in der Entstehung befindlichen Bildgeschichte \u201eStrange News From Another Planet \u2013 The Adventures of the Festival Thyme\u201c, deren Titel zum Teil etwas mit dem zweiten St\u00fcck auf dem Album zu tun hat, zum Teil ein R\u00fcckgriff in die Bandgeschichte ist, denn 2008 ver\u00f6ffentlichte man den EP \u201eFestival Thyme\u201c. Die enthaltene Kurzgeschichte ist \u00fcbrigens, wenn man verschiedenen Quellen im Internet glauben darf, sozusagen die Prosaform des St\u00fcckes \u201eStrange News From Another Planet\u201c, w\u00e4hrend \u201eTao of the Dead\u201c (Teil 1 also) etwas mit dem Daoismus (daher auch der Name des Albums), begr\u00fcndet einst von dem chinesischen Philosophen Laotse, zu tun hat.</p>\n<p>Da sind wir dann auch schon beim Inhalt, denn nicht nur beim Angucken ist \u201eTao of the Dead\u201c ein beeindruckendes St\u00fcck Musik, sondern auch musikalisch wei\u00df es zu \u00fcberzeugen. Die Zeiten, in denen man im Hause <span class=\"musik-review-bandname\">\u2026Trail of Dead</span> zu den Kl\u00e4ngen von \u201eFake Fake Eyes\u201c noch seine Instrumente auf der B\u00fchne zertr\u00fcmmerte, sind vor\u00fcber, es regiert der alternative Rock. Mein Favorit ist der \u201eRetro-Rocker\u201c (<a href="\&quot;http://www.stormbringer.at/reviews.php?id=6211\&quot;" data-wpel-link="internal">STORMBRINGER</a>) \u201ePure Radio Cosplay\u201c, dessen Gitarrenmelodie ziemlich ohrwurmtauglich ist. \u00dcber all dem schwebt der Geist der 70-er Jahre. Sollte man <span class=\"musik-review-bandname\">The Who</span> als Vergleich heranziehen? Ich tu es einfach ungefragt. Wer es etwas moderner mag, ist gehalten, alternativ <span class=\"musik-review-bandname\">Coheed and Cambria</span> mit diesem Album zu assoziieren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rprobe:</span><br>\nWer es bislang vers\u00e4umt hat, zumindest schon mal irgendwo die Vorabsingle \u201eSummer Of All Dead Souls\u201c zu h\u00f6ren, kann \u2013 selbst in Deutschland \u2013 auf YouTube das <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=zsF5y1XhGuA\&quot;" data-wpel-link="internal">zugeh\u00f6rige Video sowie einige andere Lieder vom Album goutieren.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Fugo---Avant-93-43.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Fugo---Avant-93-43.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Fugo \u2013 avant 93:43</span>\n<p>Die Schweizer Band <span class=\"musik-review-bandname\">Fugo</span> eifert zwar unter anderem den <span class=\"musik-review-bandname\">Smashing Pumpkins</span> nach, hat aber vor allem das Interesse <span class=\"musik-review-bandname\">Conrad Keely</span>s geweckt. <span class=\"musik-review-bandname\">Conrad Keely</span> ist Teil der bereits erw\u00e4hnten Musikgruppe <span class=\"musik-review-bandname\">\u2026And You Will Know Us by the Trail of Dead</span> und dort unter anderem f\u00fcr das <em>artwork</em> zust\u00e4ndig, und auch das Titelbild des Albums \u201eAvant 93:43\u201c stammt von ihm. Dass <span class=\"musik-review-bandname\">Fugo</span> bereits als Vorband von <span class=\"musik-review-bandname\">\u2026Trail of Dead</span> unterwegs waren, l\u00e4sst den geneigten H\u00f6rer dann auch ungef\u00e4hr erahnen, was ihn hier erwartet.</p>\n<p>93:43. 93 Minuten und 43 Sekunden. So lang ist \u201eavant 93:43\u201c, aufgeteilt auf 3 CDs \u00e1 6 Lieder, macht also insgesamt 18 Lieder und eine Durchschnittsl\u00e4nge von ungef\u00e4hr 5:15 Minuten, was die Geduld des H\u00f6rers dann doch etwas weniger strapazieren d\u00fcrfte als er zun\u00e4chst bef\u00fcrchtet hat. Zu bef\u00fcrchten hat er hier <a href="\&quot;http://www.alternativmusik.de/rezensionen/fugo-avant-9343/\&quot;" data-wpel-link="internal">ohnehin nichts</a>:</p>\n<blockquote><p>Die Aufnahme der Songs erfolgte (\u2026) im Grundger\u00fcst live, nur einige Gitarrenspuren und Overdubs wurden nachtr\u00e4glich hinzugef\u00fcgt. Das bringt einen rauen und authentischen Grundton hinein in die verschachtelte Komposition. Und wenn man nun das \u201eFile Under: Hardcore, Post, Rock\u201c liest, merkt man: Irgendwie ist von allem was da, aber das trifft es auch alles nicht ganz so. Man k\u00f6nnte gar noch ein \u201eProg\u201c mit hinzuf\u00fcgen. <span class=\"musik-review-bandname\">Fugo</span> kombinieren ausgefeilte Arrangements mit H\u00e4rte und wilden Passagen, hauen gerne mal auf den Putz und bieten Gitarrenw\u00e4nde, erg\u00e4nzen aber auch verhaltene Passagen. Vom Verhangenen bis zum Betonten reicht die Spannbreite und kann den H\u00f6rer packen.</p></blockquote>\n<p>Wer die etwas zur\u00fcckhaltendere Seite von <span class=\"musik-review-bandname\">\u2026Trail of Dead</span> mag und leicht melancholischer Stimmung, wie sie etwa <span class=\"musik-review-bandname\">Dear John Letter</span> meisterhaft beherrschen, gegen\u00fcber nicht abgeneigt ist, sollte ein Ohr riskieren. Er wird es nicht verlieren.</p>\n<p>Das geht zum Beispiel mit den <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> auf <a href="\&quot;http://www.cede.de/de/music-cd/frames/frameset.cfm?aobj=875185\&quot;" data-wpel-link="internal">cede.de</a>, wo man jedes der Lieder 30 Sekunden lang anh\u00f6ren kann.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Beardfish---Mammoth.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Beardfish---Mammoth.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Beardfish \u2013 Mammoth</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eIn this frozen white wasteland I\u2019m bound to wait forever\u201c</span> (The Platform)\n<p>Neues aus Skandinavien: <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span> sind auch weiterhin auf der rastlosen Suche nach ihrer musikalischen Identit\u00e4t. War der Vorg\u00e4nger \u201eDestined Solitaire\u201c noch mit all seiner Verspieltheit und Titeln wie \u201eIn Real Life There Is No Algebra\u201c (\u201eIm wirklichen Leben gibt es keine Algebra\u201c) die musikalische Konsequenz aus der bisherigen Entwicklung der Band, stellt \u201eMammoth\u201c sozusagen einen Gegenpol dar. Geblieben ist eine kurze \u201eGrowling\u201c-Passage, die, wie schon auf \u201eDestined Solitaire\u201c, den H\u00f6rer zum Schmunzeln bringt, passt dieser Gesangsstil doch mal so gar nicht in das fr\u00f6hlich retroproggige Konzept, davon jedoch abgesehen haben <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span> sich, sozusagen, mal eben neu erfunden.</p>\n<p>Dass \u201eDestined Solitaire\u201c mit all den <span class=\"musik-review-bandname\">Frank-Zappa</span>-, Canterbury- und vor allem <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>- und <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>-Einfl\u00fcssen un\u00fcbertrefflich bleiben w\u00fcrde, war vermutlich auch <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span> klar, und so vollzog man einen <em>radikalen</em> Schnitt. Das bedeutet keineswegs, dass \u201eMammoth\u201c schlechter w\u00e4re. Es ist anders. Genug der ausufernden Frickelei (sofern man den Viertelst\u00fcnder \u201eAnd The Stone Said \u201aIf I Could Speak\u2018&nbsp;\u201c nicht nur nach seiner L\u00e4nge bewertet), stringent wird jetzt hardgerockt, weniger wie <span class=\"musik-review-bandname\">The Who</span>, mehr wie <span class=\"musik-review-bandname\">Uriah Heep</span> oder, um in Skandinavien zu bleiben, <span class=\"musik-review-bandname\">Kaipa</span>, die jetzt nat\u00fcrlich vermutlich auch wieder kein Leser dieser Zeilen kennt, gesanglich allerdings viel besser passt: Der markante Gesang von <span class=\"musik-review-bandname\">Rikard Sj\u00f6blom</span> ist eben trotz inzwischen nur noch englischsprachiger Texte <em>typisch schwedisch</em>.</p>\n<p>Ihre Wurzeln haben <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span> trotzdem nicht vergessen: Das instrumentale \u201eAkakabotu\u201c und das abschlie\u00dfende \u201eWithout Saying Anything\u201c lassen au\u00dfer <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span> auch <span class=\"musik-review-bandname\">echolyn</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Van der Graaf Generator</span> und \u00e4hnliche Musikanten anklingen.</p>\n<p>Wer extrovertierte Retromusik mag und auch nichts gegen ein wenig abwechslungsreichen Hardrock hat, der in keiner Sekunde auch nur ansatzweise so fad dahinpl\u00e4tschert wie Lieder der <span class=\"musik-review-bandname\">Scorpions</span>, dem empfehle ich <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span>s \u201eMammoth\u201c als Einstieg. Fortgeschrittene H\u00f6rer sollten sich dann \u201eDestined Solitaire\u201c, \u201eSleeping In Traffic: Part One/Two\u201c und \u00fcberhaupt allem finden, was sie von <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span> sonst finden k\u00f6nnen.</p>\n<p>Als <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rprobe</span> lege ich <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=jQH694U678k\&quot;" data-wpel-link="internal">diese grandiose Liveaufnahme</a> von \u201eAnd The Stone Said\u2026\u201c nahe. (\u00dcberhaupt sind auf YouTube verf\u00fcgbare Liveaufnahmen von <span class=\"musik-review-bandname\">Beardfish</span> klanglich meist exzellent!)</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Traumpfad---Aufbruch.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Traumpfad---Aufbruch.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Traumpfad \u2013 Aufbruch</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eRei\u00df sie ein, die Br\u00fccken hinter dir; du musst vorw\u00e4rts, willst du weg von hier\u201c</span> (Der neue Weg)\n<p>Von skandinavischen zu deutschen Retrokl\u00e4ngen: <span class=\"musik-review-bandname\">Traumpfad</span> klingt nach Esoterik und Schlagermusik, aber ich unterstelle dreist, dass sich das Chiemgauer Quintett nur deshalb <span class=\"musik-review-bandname\">Traumpfad</span> nennt, weil alle guten Dichternamen schon vergeben waren. Das gleichen die Musiker daf\u00fcr auf anderer Ebene aus, agieren sie doch im gleichen Klangkosmos wie einst <span class=\"musik-review-bandname\">Novalis</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">H\u00f6lderlin</span> (heute <span class=\"musik-review-bandname\">Hoelderlin</span>) mit dem Pathos der Landsleute von <span class=\"musik-review-bandname\">High Wheel</span>, und auch textlich ist <span class=\"musik-review-bandname\">Novalis</span> nicht fern. Der hippieske <em>Krautrock</em> (hierzu siehe die Rezension zu <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span>s \u201esomething dirty\u201c weiter oben) erfreut sich also auch 2011 bester Gesundheit.</p>\n<p>F\u00fcr uns Muttersprachler sind Musikalben mit deutschen Texten insofern \u00e4rgerlich, als es uns beim besten Willen nicht gelingt, sie einfach auszublenden, und S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Flo Huber</span> erweckt hier auch in keiner Weise den Eindruck, als w\u00e4re ihm das unangenehm. Und obwohl es wirklich sehr viele Liedtexte gibt, die zu schreiben vollkommen unn\u00f6tig war, so verh\u00e4lt es sich mit den Liedern auf \u201eAufbruch\u201c anders.</p>\n<p>Oft zitiert wird zum Beispiel das Lied \u201eVergebung\u201c: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eDoch du kannst sie h\u00f6ren, diese Stimmen; eine Mutter, die noch schreit, ein totes Kind in ihren Armen, und ein Vater, der sich Rache schw\u00f6rt\u201c</span>, das mag den einen oder anderen unter meinen Lesern wom\u00f6glich an die Band <span class=\"musik-review-bandname\">Oktober</span> erinnern, aber hier geht es nicht um vergangene B\u00fcrger\u2011, sondern um allt\u00e4gliche Glaubenskriege: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eUnd in Kirchen und Moscheen beten Menschen, um mit Kreuzen und mit Bomben ausger\u00fcstet die Kunde zu verbreiten: (\u2026) nur dieser eine Gott ist der, der dir vergibt!\u201c</span></p>\n<p>Das ist, \u201epuh\u201c (<span class=\"musik-review-bandname\">Die \u00c4rzte</span>), harter Stoff, aber ein Indiz daf\u00fcr, dass die Esoterik hier trotz all der Religi\u00f6sit\u00e4t, die sich in manche Texte auf dem Album hineininterpretieren l\u00e4sst, keinen Platz findet. Auf weltlichen Beinen steht die Lyrik von <span class=\"musik-review-bandname\">Traumpfad</span>, und sie steht fest: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eDoch einer wird den Geist befrein, K\u00f6nig aller Affen sein; wenn er spricht, h\u00f6rt alles nur auf ihn\u201c</span> (\u201eDer 100. Affe\u201c), derart zeitlose politische Metaphorik findet man auch bei <span class=\"musik-review-bandname\">Ton Steine Scherben</span> nicht allzu oft.</p>\n<p>Ich habe jetzt mehrfach <span class=\"musik-review-bandname\">Novalis</span> erw\u00e4hnt und m\u00f6chte das als Warnung verstanden wissen: Wer diese Ausrichtung deutscher Rockmusik sch\u00e4tzt, dem wird \u201eAufbruch\u201c voraussichtlich viel Freude bringen. Wer aber deutschen Texten gegen\u00fcber, deren Interpretation die Musik deutlich dominiert und die obendrein tats\u00e4chlich so etwas wie eine Botschaft in sich tragen, aufgrund jahrelanger Dauerberieselung von irgendwelchem Mist eher skeptisch gegen\u00fcbersteht, der sollte flugs die n\u00e4chste Rezension betrachten und diese hier ausdrucken, rot umranden, durchstreichen und wegwerfen. Leser, die in keine der beiden Kategorien eingeordnet werden k\u00f6nnen, sind herzlich dazu eingeladen, mit diesem Album, nun ja, aufzubrechen in eine Welt jenseits ihres Tellerrandes.</p>\n<p>Statt einer <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rprobe</span> hat die Band selbst sozusagen ein Musikvideo zum Album <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=00hz5RsHjtM\&quot;" data-wpel-link="internal">auf YouTube ver\u00f6ffentlicht.</a></p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Wobbler---Rites-at-Dawn.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Wobbler---Rites-at-Dawn.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Wobbler \u2013 Rites at Dawn</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eListen to the words that fly with the wind\u201c</span> (In Orbit)\n<p>Zur\u00fcck nach Skandinavien: Auch <span class=\"musik-review-bandname\">Wobbler</span> haben ihrem Album \u201eRites at Dawn\u201c \u2013 \u201eRituale bei Sonnenaufgang\u201c \u2013 ein <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=szuzkXOShUY\&quot;" data-wpel-link="internal">Vorschauvideo</a> vorausgeschickt. <span class=\"musik-review-bandname\">Wobbler</span> hat in diesem Fall nichts mit Angeln zu tun, vielmehr handelt es sich um eine norwegische Retroprog-Band in bester <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-Tradition, wie ihn, den Retroprog, auch <span class=\"musik-review-bandname\">\u00c4nglag\u00e5rd</span>, die ebenfalls derzeit an einem neuen Album arbeiten, und <span class=\"musik-review-bandname\">Starcastle</span> zelebrieren.</p>\n<p>Allerdings sollte man die genannten Bands nicht in denselben Topf werfen, unterscheiden sich ihre Einfl\u00fcsse doch zum Teil deutlich. Gastfl\u00f6tist <span class=\"musik-review-bandname\">Ketil Einarsen</span> etwa war vor einigen Jahren f\u00fcr die Nu-Jazz-Formation <span class=\"musik-review-bandname\">Jaga Jazzist</span> t\u00e4tig, textlich wie thematisch bedient man sich bei den klassischen <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>, Zitate aus dem \u201eCourt of the Crimson King\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> und auch sonst ist \u201eRites at Dawn\u201c nicht nur ein <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>-Album aus Norwegen.</p>\n<p>Apropos Thema: Was die \u201eRituale bei Sonnenaufgang\u201c genau sind, wird im ersten eigentlichen St\u00fcck \u2013 das Album wird von den Instrumentalpassagen \u201eLucid\u201c und \u201eLucid Dreams\u201c quasi eingerahmt \u2013 \u201eLa Bealtaine\u201c, \u00fcberzeugend dargeboten vom Neuzugang <span class=\"musik-review-bandname\">Andreas Str\u00f8mman Prestmo</span>, zumindest etwas n\u00e4her angedeutet. \u201eBealtaine\u201c ist der Name des keltischen Fr\u00fchlings- und Fruchtbarkeitsfestes.</p>\n<p>Symphonischer Progressive Rock, so hie\u00df es einmal, sei mit dem Beginn der Punkwelle einen langsamen, qualvollen Tod gestorben. Wom\u00f6glich ist das, was <span class=\"musik-review-bandname\">Wobbler</span> seit ihrem Zweitling \u201eAfterglow\u201c auf Tontr\u00e4ger pressen lassen, auch deshalb so entr\u00fcckt, oder ist es ein Zeichen, dass die Nachrufe auf diese Musikgattung verfr\u00fcht waren? Vielleicht hat man das alles schon mal irgendwo geh\u00f6rt, wirklich neues von Musik zu erwarten, die bewusst bekannte Ideen aufgreift, w\u00e4re allerdings auch nicht angebracht. Es muss ja auch nicht unbedingt negativ gewertet werden, dass die vorhandenen Ingredienzen keiner vollkommen neuartigen Quelle entspringen, so lange das Ergebnis \u00fcberzeugt, und das tut es wahrlich.</p>\n<p>Als <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rprobe</span> empfehle ich, wie bereits angedeutet, das entsprechende <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=szuzkXOShUY\&quot;" data-wpel-link="internal">Video</a>, das Ausz\u00fcge aus dem Album enth\u00e4lt und so einen ungef\u00e4hren Eindruck davon vermitteln kann, ob das Album gef\u00e4llt oder nicht. Mir gef\u00e4llt es.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Jolly---The-Audio-Guide-To-Happiness-Part-1.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Jolly---The-Audio-Guide-To-Happiness-Part-1.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Jolly \u2013 The Audio Guide To Happiness (Part 1)</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eClose your eyes. Breathe. Fly.\u201c</span> (Guidance One)\n<p>Man sollte sich von der <em>wellness</em>-S\u00e4uselei in der er\u00f6ffnenden \u201eAnleitung\u201c (\u201eGuidance One\u201c) nicht t\u00e4uschen lassen: <span class=\"musik-review-bandname\">Jolly</span> machen einen New Artrock mit Eiern bzw. Progmetalanleihen. Spontaner Vergleich: <span class=\"musik-review-bandname\">Porcupine Tree</span> in der \u201eIn-Absentia\u201c-Phase, aber mit weniger weichgesp\u00fcltem Gesang, alternativ <span class=\"musik-review-bandname\">Nickelback</span> ohne den bekannten Ekelfaktor; etwas wohlwollender betrachtet: <span class=\"musik-review-bandname\">Tool</span>.</p>\n<p>Nach der \u201eGuidance One\u201c (mitten im Album gibt es noch mal eine, passend \u201eGuidance Two\u201c betitelt) scheppert das Album mit \u201eEnds Where It Starts\u201c dann auch schon ordentlich los. Eigenartig ist das Keyboard<em>geklimper</em> w\u00e4hrend des Liedes, das w\u00e4hrend des Albums immer wieder auftaucht. Auf <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span>s \u201eLizard\u201c war so etwas auch einmal zu h\u00f6ren und hat auch dort den H\u00f6rer verst\u00f6rt. \u201eVerst\u00f6rend\u201c ist ohnehin das ganze Album, auch wegen der Ambient-Zwischenspiele, die gar nicht recht in das Konzept passen wollen. <a href="\&quot;http://www.musikreviews.de/reviews/2011/Jolly/The-Audio-Guide-To-Happiness-Part-1/\&quot;" data-wpel-link="internal">Oder doch?</a></p>\n<blockquote><p><span class=\"musik-review-bandname\">JOLLY</span> verwenden sogenannte binaurale T\u00f6ne, die aus einer Kombination von leicht abweichenden Frequenzen bestehen. Das sind wahrnehmbare T\u00f6ne, die direkt im Gehirn entstehen, wenn den Ohren separat zwei leicht unterschiedliche Frequenzen zugef\u00fchrt werden \u2013 so die <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Binaurale_Beats\&quot;" data-wpel-link="internal">Wikipedia</a> dazu. Diese Methode der Tonerzeugung soll daf\u00fcr sorgen, dass Gef\u00fchle der Entspannung, Konzentration, Kreativit\u00e4t und des Gl\u00fccks erzeugt werden.</p></blockquote>\n<p>\u201e<span class=\"musik-review-bandname\">Jolly</span>\u201c. Ausgelassen auf gut Deutsch. Warum haben sie erst auf dem zweiten Album daran gedacht? Und vor allem: Funktioniert es?</p>\n<p>Bodenst\u00e4ndige Zeitgenossen werden nun einwenden, dass es doch eigentlich egal sein sollte, wie die Kl\u00e4nge geartet sind, die man h\u00f6rt, und dass jedes gute Musikalbum gl\u00fccklich macht. Richtig, werte bodenst\u00e4ndige Zeitgenossen, sage ich, doch nehmt mal den Stock aus dem Hintern und lacht mit mir; denn was f\u00fcr Musik w\u00fcrde besser zu einem \u201eAudiof\u00fchrer zum Gl\u00fccklichsein\u201c passen als solche, die nachweislich entsprechende Auswirkungen auf das menschliche Gehirn haben? Ansonsten stimme ich euch selbstverst\u00e4ndlich zu, ein Musikalbum, das nicht gl\u00fccklich macht, sollte man meiden wie sonst nur Apple und Sony, sofern es kein <em>ganz besonderer Anlass</em> ist, denn dann gehen auch Musikalben, die traurig machen, etwa von den <span class=\"musik-review-bandname\">Tindersticks.</span></p>\n<p>\u00dcbrigens habe ich das Wort \u201escheppern\u201c oben keinesfalls negativ gemeint, denn ich mag es, wenn es scheppert. Im Kontrast zu den ambienten Kl\u00e4ngen der beiden \u201eGuidances\u201c ist die eigentliche Musik auf dem Album dann allerdings doch recht wenig zur\u00fcckhaltend, wenngleich das Album mit dem wiederum ambient-rockigen \u201eDorothy\u2019s Lament\u201c schlie\u00dft.</p>\n<p>Ob es nun an irgendwelchen wissenschaftlich bewiesenen, gar chemischen Vorg\u00e4ngen im Gehirn liegt oder ob <span class=\"musik-review-bandname\">Jolly</span> einfach nur wirklich gute Musiker sind, soll mir dann auch gerade mal egal sein, aber das mit der Kreativit\u00e4t und dem Gl\u00fcck klappt dann doch schon ganz gut. Auf Teil 2 bin ich schon sehr gespannt.</p>\n<p>2011 ist aber nicht nur ein gutes Jahr f\u00fcr Musik an sich, sondern auch f\u00fcr <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span>, denn auch vom \u201eAudio Guide To Happiness (Part 1)\u201c gibt es ein <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=OK_myvmlF4M\&quot;" data-wpel-link="internal">offizielles Video zum Vorh\u00f6ren</a>. Ich w\u00fcnsche entspanntes Vergn\u00fcgen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/The-Joy-Formidable---The-Big-Roar.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-The-Joy-Formidable---The-Big-Roar.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Joy Formidable \u2013 The Big Roar</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eAnd all your friends are having so much fun, they\u2019re baking cakes and swapping numbers\u201c</span> (The Magnifying Glass)\n<p>Von der Gl\u00fcckseligkeit ist es nur ein kurzer Sprung zur formidablen Freude, zum <span class=\"musik-review-bandname\">Joy Formidable</span>, obwohl das Waliser Trio musikalisch andere Wege beschreitet oder vielleicht auch durchh\u00fcpft. \u201eThe Big Roar\u201c ist jedenfalls eher Musik, zu der man h\u00fcpfen m\u00f6chte, und <a href="\&quot;http://www.plattentests.de/rezi.php?show=8207\&quot;" data-wpel-link="internal">dem Vernehmen nach</a> wird zu dieser Musik in der Regel auch flei\u00dfig geh\u00fcpft. Verzerrt wie die <span class=\"musik-review-bandname\">Raveonettes</span>, energetisch wie die <span class=\"musik-review-bandname\">Ting Tings</span> wuseln Frontfrau <span class=\"musik-review-bandname\">Ritzy Bryan</span> und ihre beiden Mitstreiter durch die 12 St\u00fccke des Albums, und wenn nicht gerade ausnahmsweise Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Rhydian Dafydd</span>, etwa in \u201eLlaw = Wall\u201c, schwerm\u00fctig ins Mikrofon seufzt, denkt man unwillk\u00fcrlich an die <span class=\"musik-review-bandname\">Kills</span> und findet es andererseits prima, dass <span class=\"musik-review-bandname\">The Joy Formidable</span> nicht so minimalistisch zu Werke gehen, sondern auch mal ordentlich auf den Putz hauen. Besonders beeindruckend ist der markante Bass, der sich zwar nicht in den Vordergrund dr\u00e4ngt, aber das Klangbild doch kr\u00e4ftig f\u00e4rbt.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.walesonline.co.uk/showbiz-and-lifestyle/news/2008/09/17/putting-on-the-ritz-91466-21831056/\&quot;" data-wpel-link="internal">Andere Medien</a> kramen au\u00dferdem noch <span class=\"musik-review-bandname\">The Breeders</span> aus der Vergleichskiste, aber das ist albern, denn wenn weiblicher Gesang das einzige Kriterium w\u00e4re, k\u00f6nnte man auch die <span class=\"musik-review-bandname\">Spice Girls</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">The Chordettes</span> in dieser Rezension auftauchen lassen, trotzdem w\u00e4re die Leserschaft hinterher immer noch nicht schlauer, was ihre Vorstellung von der Musik der drei Musiker betrifft, und das w\u00e4re doch schade, denn die ist durchaus vielseitig, obwohl jedes mir bekannte l\u00e4ngere Interview mit der Band oder zumindest mit <span class=\"musik-review-bandname\">Frau Bryan</span> immer irgendwann ihre umfangreich dokumentierte und anscheinend also stinklangweilige Liebesbeziehung mit <span class=\"musik-review-bandname\">Herrn Dafydd</span> thematisiert. Dabei will unsereins doch nur etwas \u00fcber die musikalischen Hintergr\u00fcnde erfahren!</p>\n<p>Aber da das erfolglos ist, bleibt eben nur das Schubladendenken. Auch wenn man daf\u00fcr ziemlich viele Schr\u00e4nke braucht. Artpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative. Noch Fragen?</p>\n<p>Eine ganz gute <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rprobe</span> ist das <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=MTx3rYj_5FU\&quot;" data-wpel-link="internal">Video zu \u201eAustere\u201c</a> auf YouTube. Nicht wundern, dass es dort schon eine Weile zu finden ist, denn einige Lieder auf dem Album wurden in etwas weniger kratzb\u00fcrstigen Versionen bereits 2009 ver\u00f6ffentlicht. 2011 stimmt also. In jeder Hinsicht.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Foster-the-People---Torches.png\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Foster-the-People---Torches.png\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Foster the People \u2013 Torches</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI took a sip of something poisoned but I\u2019ll hold on tight\u201c</span> (Helena Beat)\n<p>Wir bleiben beim Pop und bemerken, dass entweder meine Urteilskraft nachl\u00e4sst, die Qualit\u00e4t dieser Liste also mit den Jahren sinkt, oder dass Pop im Jahr 2011 endlich wieder besser wird. <span class=\"musik-review-bandname\">Foster the People</span> ist ebenfalls ein Trio, die Frontfrau ist hier allerdings ein Frontmann namens <span class=\"musik-review-bandname\">Mark Foster</span>, was vermutlich auch den Namen der Band (\u201ePflegt das Volk!\u201c) erkl\u00e4rt.</p>\n<p>Und auch \u201eTorches\u201c ist ein Deb\u00fctalbum. Ich sehe gerade, dass ich das Adjektiv \u201etanzbar\u201c in diesem Artikel noch nicht verwendet habe, also verwende ich es jetzt, denn es passt. \u201eIndie-Elektropop\u201c nannte dieses Album mal irgendwer, und ich frage mich seitdem, wie Akustikpop wohl klingen w\u00fcrde, komme aber kaum dazu, diesen Gedanken angemessen weiterzuspinnen, denn <span class=\"musik-review-bandname\">Foster the People</span> nehmen meine gesamte Aufmerksamkeit gerade jetzt, da ich diese Zeilen hellgrau auf jedenfalls-nicht-schwarz niederschreibe, voll in Anspruch, weil ich versuche, das Geheimnis zu ergr\u00fcnden, warum mich eine Band, die mich mal (\u201eI Would Do Anything For You\u201c) an <span class=\"musik-review-bandname\">Owl City</span> (das sind die mit dem Lied \u201eFireflies\u201c, das ich beim besten Willen nicht mehr h\u00f6ren kann), mal an die <span class=\"musik-review-bandname\">Pet Shop Boys</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Portugal. The Man</span> (mit weniger Atmosph\u00e4re) denken l\u00e4sst, eigentlich so sehr fasziniert, dass ich sie als dieser Liste w\u00fcrdig erachte.</p>\n<p>Und dass mir das nicht gelingt, werte ich dann einfach mal als gutes Zeichen und lasse dann eben <a href="\&quot;http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=44823\&quot;" data-wpel-link="internal">andere</a> zu Wort kommen:</p>\n<blockquote><p>Die Band kommt aus Kalifornien, die Musik erinnert an <span class=\"musik-review-bandname\">MGMT</span>s erstes Album. <em>Upbeat</em> (zumindest was die Instrumentierung betrifft) und voll toller Melodien. Ob es f\u00f6rderlich ist, sich n\u00e4her mit dem Text von \u201ePumped Up Kicks\u201c auseinanderzusetzen, vermag ich nicht zu beurteilen. Der Song ist aber so oder so gro\u00dfartig.</p></blockquote>\n<p>Gerade <a href="\&quot;http://lyrics.wikia.com/Foster_The_People:Pumped_Up_Kicks\&quot;" data-wpel-link="internal">der Text von \u201ePumped Up Kicks\u201c</a>, das bereits im Sommer 2010 auf diversen Radiosendern zu h\u00f6ren war, setzt aber Akzente, die zwar nicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr das Album sind, aber f\u00fcr die man nur noch viel zu selten in der poul\u00e4ren Musik des 21. Jahrhunderts Verwendung findet: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eAll the other kids with the pumped up kicks / you\u2019d better run, better run, faster than my bullet\u201c</span>, sehr sch\u00f6n, so etwas habe ich zuletzt vor viel zu langer Zeit von den <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/\&quot;" title="\&quot;Musik" 06/2010="" \u2013="" Favoriten="" und="" Analyse\&quot;="" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Liars</span></a> geh\u00f6rt, aber die stehen in der Tradition New Yorker Garagenrocks, und dort tanzt man ja allgemein nicht so gern, dort schie\u00dft man lieber Leute tot.</p>\n<p>Und so ein Sommer ist ja auch eigentlich viel zu warm, um Amok zu laufen.</p>\n<p>Stattdessen sollte man seine Knarre beiseitelegen und mal <span class=\"musik-review-hoerproben\">reinh\u00f6ren</span>, zum Beispiel auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Torches-Foster-People/dp/B004UUKDNA/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Kreidler---Tank.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Kreidler---Tank.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Kreidler \u2013 Tank</span>\n<p>Hat man \u201eTorches\u201c dann zu Ende geh\u00f6rt und fertig getanzt und den anschlie\u00dfenden Amoklauf auch erfolgreich hinter sich gebracht, m\u00f6chte man vielleicht dann erst mal wieder seine Nerven ein bisschen beruhigen. Daf\u00fcr eignet sich zum Beispiel das Album \u201eTank\u201c der D\u00fcsseldorfer Electronica-Formation <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span>, obwohl ihnen die Kategorisierung als \u201eElectronica-Formation\u201c vermutlich selbst nicht so recht zusagt, immerhin halten sie musikalische <em>Schubladen</em> f\u00fcr <a href="\&quot;http://www.inselmedia.de/leeson/nr8/kreidler.htm\&quot;" data-wpel-link="internal">deplatziert</a> und steigen somit in meiner Achtung betr\u00e4chtlich.</p>\n<p>Wie man es nun aber nennt, wenn drei Herren aus \u00fcberwiegend elektronischem Instrumentarium Kl\u00e4nge erzeugen und damit ein Album f\u00fcllen, ist eigentlich auch nicht wichtig, <span class=\"musik-review-bandname\">Tangerine Dream</span> zum Beispiel werden auch abwechselnd dem Krautrock und \u201eelektronischer Musik\u201c zugeordnet, obwohl da nichts rockt und \u201eelektronische Musik\u201c Techno und Popquatsch gleicherma\u00dfen umfasst, und so ist es bei <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> eben auch. Wahr ist, dass Analogien zu <span class=\"musik-review-bandname\">Kraftwerk</span> unverkennbar sind, der Umstand, dass <span class=\"musik-review-bandname\">Kraftwerk</span> in ihren Anfangsjahren noch anders musizierten als heute, sollte aber niemanden falsche Schl\u00fcsse ziehen lassen. In der <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kreidler_(Band)\&quot;" data-wpel-link="internal">Wikipedia</a> ist zu lesen, das Instrumentarium von <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> bestehe aus \u201eelektronischen und akustischen Instrumenten und dem Computer\u201c, und das klingt dann doch wenigstens schon etwas greifbarer.</p>\n<p>Zum Teil meinte ich, die Anfangsszene des St\u00fcckes \u201eEraser\u201c der <span class=\"musik-review-bandname\">Nine Inch Nails</span> wiederzuerkennen, allerdings viel filigraner und weniger bedrohlich. <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> entlocken ihren Instrumenten, welche das konkret auch immer sein m\u00f6gen, hypnotische Kl\u00e4nge. Dabei wird es aber nicht eint\u00f6nig, sondern bleibt abwechslungsreich; <a href="\&quot;http://bothbarson.wordpress.com/2011/04/12/kreidler-tank/\&quot;" data-wpel-link="internal">frei und schlecht \u00fcbersetzt:</a></p>\n<blockquote><p><span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> sind Meister darin, Kl\u00e4nge \u00fcber ein St\u00fcck zu legen, bei denen mannigfaltiges kybernetisches Pochen (sowohl dunkel als auch \u00e4therisch), Bassimpulse (<em>funky</em> oder marschierend) und Rhythmen (stampfend oder komplex) eingef\u00fchrt und eingewoben werden. In den H\u00e4nden anderer K\u00fcnstler w\u00fcrde dies unweigerlich zu Durcheinander f\u00fchren; <span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span>s Geschicklichkeit und Pr\u00e4zision werden von der Tatsache best\u00e4rkt, dass man noch immer einen einzelnen Er\u00f6ffnungsklang am Ende eines St\u00fcckes erkennen kann, obwohl viele andere l\u00e4ngst hinzugef\u00fcgt wurden.</p></blockquote>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Kreidler</span> machen auf \u201eTank\u201c Musik zum Tr\u00e4umen, zum Entspannen, ohne dabei flach und einschl\u00e4fernd zu werden.<br>\nKurz gesagt: Musik f\u00fcr lange Bahnfahrten.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rprobe:</span><br>\nDas St\u00fcck \u201eKremlin Rules\u201c l\u00e4sst sich derzeit zum Beispiel auf <a href="\&quot;http://bothbarson.wordpress.com/2011/04/12/kreidler-tank/\&quot;" data-wpel-link="internal">Both Bars On</a> in voller L\u00e4nge genie\u00dfen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Long-Distance-Calling---Long-Distance-Calling.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Long-Distance-Calling---Long-Distance-Calling.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Long Distance Calling \u2013 Long Distance Calling</span>\n<p>Von deutscher Instrumentalelektronik (krautig) zu deutscher Instrumentalelektronik (rockig) ist es nicht weit, und die M\u00fcnsteraner von <span class=\"musik-review-bandname\">Long Distance Calling</span> sind sogar so freundlich, selbst ein Genre <a href="\&quot;http://www.myspace.com/longdistancecalling\&quot;" data-wpel-link="internal">vorzuschlagen</a>; denn eine Postrockband wollen sie nicht sein, stattdessen sprechen sie von \u201eInstrumentalrock\u201c, was sich, glaubt man der offiziellen Darstellung, eher zuf\u00e4llig ergeben hat, denn nachdem man keinen geeigneten S\u00e4nger fand, versuchte man es dann halt mal ohne und bemerkte, dass das auch ganz gut klingt. Auf ihrem dritten Album \u201eLong Distance Calling\u201c ist dennoch ein Vokalbeitrag von <span class=\"musik-review-bandname\">John Bush</span> (fr\u00fcher <span class=\"musik-review-bandname\">Anthrax</span>, heute <span class=\"musik-review-bandname\">Armored Saint</span>) zu h\u00f6ren; damit setzt die Band die Tradition, hier und da eben solche Beitr\u00e4ge einzuflechten, fort.</p>\n<p>Leider habe ich gerade keinen Link zu einem Blog parat, auf dem das schon mal erw\u00e4hnt worden w\u00e4re, also erw\u00e4hne ich es selbst: \u201ePostrock\u201c (und alles, was so klingt, als w\u00e4re es Postrock) l\u00e4sst sich unter anderem auch einteilen in \u201emit Gesang\u201c und \u201eohne Gesang\u201c. Das sagt aber \u00fcber die Musik selbst nur wenig aus, denn w\u00e4hrend die eingangs rezensierten und ebenfalls instrumentalen <span class=\"musik-review-bandname\">Codes In The Clouds</span> zusammen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Sigur R\u00f3s</span> in h\u00f6heren Sph\u00e4ren schweben, atmet \u201eLong Distance Calling\u201c den Geist von <span class=\"musik-review-bandname\">A Perfect Circle</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> und <em>\u00e4hnlichen</em> Musikern, wobei das mit der \u00c4hnlichkeit eigentlich auch wieder nicht stimmt, denn was <em>\u00e4hnlich</em> klingt, ist eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig. Entscheidend ist das eigenst\u00e4ndige Merkmal, und das ist manchmal <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/lights-at-sea-instrumentaler-post-rock-aus-grand-rapids-michigan/\&quot;" data-wpel-link="internal">nicht so leicht</a>.</p>\n<p>Dieses eigenst\u00e4ndige Merkmal ist bei <span class=\"musik-review-bandname\">Long Distance Calling</span> jedenfalls, ganz klar, die Stilvielfalt. <em>Groovende</em> Rhythmen treffen auf jaulende Gitarren, zwischen Psychedelic Rock und Progressive Metal, zwischen New Artrock und Shoegaze wirbeln die f\u00fcnf Musiker hin und her, ab und zu lugt auch mal der Stoner Rock vorsichtig um die Ecke, nur um sich gleich darauf von einer Gitarrenwand wieder plattwalzen zu lassen. Ich finde das gut.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nDiverse Musikst\u00fccke aus der Bandgeschichte sind auf <a href="\&quot;http://www.myspace.com/longdistancecalling\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace</a> zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/The-Skull-Defekts---Peer-Amid.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-The-Skull-Defekts---Peer-Amid.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Skull Defekts \u2013 Peer Amid</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eNobody, nothing, nowhere no more, nobody, nothing no more\u201c</span> (No More Always)\n<p>Verlassen wir die Pfade instrumentaler Indiemusik dann erst mal wieder und wenden uns erneut Skandinaviens Rockszene zu. Dort, in Schweden, agieren zum Beispiel <span class=\"musik-review-bandname\">The Skull Defekts</span>. Von <span class=\"musik-review-bandname\">The Skull Defekts</span> erklingen effektreiche Low-Fidelity-Klangkonstrukte, die manchmal an <span class=\"musik-review-bandname\">Einst\u00fcrzende Neubauten</span> (eine gute \u00dcberleitung zwischen \u201ePyramiden\u201c und \u201eNeubauten\u201c bitte ich meine Leser selbst herzustellen) und viel mehr noch an <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span> erinnern. Kaputt im Sch\u00e4del wird man von dem Kredenzten trotz des Bandnamens \u00fcbrigens nicht.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.noripcord.com/reviews/music/skull-defekts/peer-amid\&quot;" data-wpel-link="internal">Nicht jeder</a> l\u00e4sst sich \u00fcberzeugen von dem zugrunde liegenden Konzept, das vor allem Kraft aus dem Prinzip der Wiederholung sch\u00f6pft, wie es auch bei den ebenfalls recht \u00e4hnlichen <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span> der Fall ist, aber ich bin bekanntlich ebenfalls nicht jeder und finde es <a href="\&quot;http://forum.board-of-metal.org/thread-9354.html\&quot;" data-wpel-link="internal">wie manch anderer</a> seltsam, aber prima. Passend hierzu ist das Coverbild: Eine Schlange, die sich selbst am Schwanz leckt (err\u00f6tetes Kichern bitte unterlassen), als Sinnbild der Wiederholung ist eigentlich ganz gut gew\u00e4hlt. Man denke aber gar nicht erst daran, \u201eWiederholungen\u201c mit \u201eEint\u00f6nigkeit\u201c zu verwechseln!</p>\n<p>Als \u201ePostpunk\u201c stand \u201ePeer Amid\u201c mal irgendwo beschrieben, und irgendein Genre zu nehmen und \u201ePost-\u201c davorzuschreiben ist bekanntlich ein untr\u00fcgliches Zeichen daf\u00fcr, dass der Rezensent nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. (Alternativ freue ich mich dann schon mal auf die n\u00e4chste Deutschrock-CD, die irgendein Rezensionskasper dann \u201ePostschlager\u201c nennt. Oder so.) Was aber ist es dann?</p>\n<p>Nun, vor allem ist es prima dreckige Rockmusik. Ungeschliffen, <em>garagig</em>. <span class=\"musik-review-bandname\">The Skull Defekts</span> biedern sich nicht an, sondern schleudern dem H\u00f6rer ungefragt Gitarren entgegen. <em>In your face.</em> Vorn dabei: Gasts\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Daniel Higgs</span>, manchen \u2013 mir nicht \u2013 vielleicht bereits als (inzwischen ehemaliges) Mitglied von <span class=\"musik-review-bandname\">Lungfish</span> bekannt, der der ohnehin schon kraftvollen Interpretation mit seiner sich nahtlos in die Musik einf\u00fcgenden Darbietung das sprichw\u00f6rtliche i\u2011T\u00fcpfelchen hinzuf\u00fcgt. (Habe ich schon <span class=\"musik-review-bandname\">Sonic Youth</span> erw\u00e4hnt?)</p>\n<p>Wer es also auch mal ein wenig roher mag, der k\u00f6nnte durchaus viel Gefallen an \u201ePeer Amid\u201c finden; und Freunde der anderen erw\u00e4hnten Bands sollten ebenfalls mal reinh\u00f6ren.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAuf YouTube.com ist unter anderem das oben zitierte \u201eNo More Always\u201c <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=ZNcP5ozxgpU\&quot;" data-wpel-link="internal">zu h\u00f6ren</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Central-Park---Reflected.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Central-Park---Reflected.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Central Park \u2013 reflected</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eI will dry my tears, the wonder will take place\u201c</span> (Another Part)\n<p>Etwas weniger dreckig geht es bei <span class=\"musik-review-bandname\">Central Park</span> zu, die mit \u201ereflected\u201c ihr zweites Album vorlegen. Bebildert ist es, passend zum Titel, mit einem Fragezeichen, dessen Schatten ein Ausrufezeichen bildet; das k\u00f6nnte bedeuten, dass die Antwort auf die meisten Fragen bereits in den Fragen selbst zu finden ist, das k\u00f6nnte aber auch einfach nur ein h\u00fcbsches Bildchen sein. Wer wei\u00df das schon so genau?</p>\n<p>So m\u00fcssen wir Musikfreunde uns also allein darauf verlassen, was wir mit Sicherheit <em>sehen</em> (oder h\u00f6ren) k\u00f6nnen, und das ist eine Menge. <span class=\"musik-review-bandname\">Central Park</span>s Zweitling ist n\u00e4mlich musikalisch ein ziemlich zerrissenes Album. Instrumentalpassagen <span class=\"musik-review-bandname\">kingcrimson</span>scher Qualit\u00e4t wechseln sich ab mit AOR und Hard Rock, S\u00e4ngerin <span class=\"musik-review-bandname\">Jannine Pusch</span> intoniert dazu so vielseitig und ausdrucksstark, dass es eine wahre Freude ist, und l\u00e4sst mal die sanften <span class=\"musik-review-bandname\">H\u00f6lderlin</span>, mal die ehemals ausgeflippten <span class=\"musik-review-bandname\">Eatliz</span> anklingen.</p>\n<p>In dem \u00fcber 12 Minuten langen \u201eVision\u201c, das als St\u00fcck 5 von 9 genau die Mitte des Albums markiert, wird diese Zerrissenheit besonders deutlich: Es beginnt mit langsamem, mehrstimmigem Gesang, unvermittelt setzen Schlagzeug und Keyboards ein, anschlie\u00dfend ert\u00f6nen Rufe, die Warnschilder zitieren (\u201eDo not enter!\u201c, \u201ePrivate property!\u201c und was halt auf so Schildern immer draufsteht), und zwar in Stereo, also abwechselnd in beiden Kan\u00e4len, damit der H\u00f6rer sich nicht zu sehr entspannt. Dazu hat er in der folgenden Keyboardpassage etwas Gelegenheit, die von Gesang begleitet wird, der <span class=\"musik-review-bandname\">Nico</span>-<em>fans</em> feuchte Tr\u00e4ume bereiten sollte. Es folgt eine Experimentalphase mit merkw\u00fcrdigen Schlagzeugeinlagen, <span class=\"musik-review-bandname\">Frau Pusch</span>s Gesang wird opernhaft, bricht aber ab f\u00fcr eine neue Phase: Mehrstimmiger Sprechgesang \u00fcber verzerrter Gitarre/Bass/Schlagzeug. Keyboards setzen ein, um das Ende dieses Abschnitts zu markieren, <span class=\"musik-review-bandname\">Jannine Pusch</span> gibt noch mal kurz die <span class=\"musik-review-bandname\">Tarja</span> (aber weniger schmerzhaft-jaulend), Stille. Sanfte Keyboards zu sanftem Gesang, sogar f\u00fcr diese \u201eCastingshows\u201c, die es heutzutage wieder rentabel machen, keinen Fernseher zu besitzen, wahrscheinlich zu seicht, und schon wird der H\u00f6rer wieder von merkw\u00fcrdigen Klangeffekten umgeben. Die Rufe ert\u00f6nen wieder, die Instrumentalabteilung spielt derweil wieder die Sprechgesangsszene durch, die Rufe enden, das Lied klingt aus. Oder war es doch ein H\u00f6rspiel?</p>\n<p>Allgemein l\u00e4sst sich \u00fcber das Album zusammenfassend sagen: Standen bei den <span class=\"musik-review-bandname\">Skull Defekts</span> noch die Gitarren im Vordergrund, so sind es bei <span class=\"musik-review-bandname\">Central Park</span> Schlagzeug, Orgelkl\u00e4nge und viel Hall. Der Hall ist es auch, der mich auf diesem eigentlich faszinierenden Album am meisten st\u00f6rt, denn w\u00e4hrend er etwa in \u201eVision\u201c sicher den gew\u00fcnschten Effekt hat, wirkt er in anderen St\u00fccken eher fehl am Platz. Aber so etwas ist sicherlich auch immer rein subjektiv.</p>\n<p>Weniger subjektiv sind da die <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nZum Beispiel ist auf YouTube.com ein <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=hq_J8vgXun4\&quot;" data-wpel-link="internal">Video zu \u201eGuns\u2019R\u2019Us\u201c</a> zu finden. Dieses Lied greift, wie auch das Video, das Thema \u201eKindersoldaten\u201c auf und ist wirklich nicht schlecht.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Skeleton$---People.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Skeleton$---People.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Skeleton$ \u2013 People</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eSo I say I try to replace that cartoon in my face, but fuck it!\u201c</span> (Grandma)\n<p>Dies nun ist der Moment, in dem ich es bereue, oben bereits \u201eTao of the Dead\u201c zu meinem Sommeralbum des Jahres erkl\u00e4rt zu haben, denn \u201ePeople\u201c ist ebenfalls wirklich sehr, sehr gut. \u201eAvantgarde\u201c ist vermutlich das Wort, das hier gut passt, befindet sich das Trio doch so in guter Nachbarschaft mit Bands wie <span class=\"musik-review-bandname\">Cheer-Accident</span>, die ebenfalls im Avantgarde-Pop <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=9828&amp;content=review&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews\&quot;" data-wpel-link="internal">verortet werden</a>.</p>\n<p>Obwohl <span class=\"musik-review-bandname\">Skeleton$</span> durchaus mitunter sehr experimentell musizieren, wird es dennoch nie blo\u00dfer Krach, der aus den Lautsprechern schallt. Im Gegenteil wird es oft melodisch und eing\u00e4ngig, die Melodie des St\u00fcckes \u201eTania Head\u201c etwa l\u00e4sst den versierten Musikfreund in Erinnerungen an <span class=\"musik-review-bandname\">Pink Floyd</span>s \u201eFearless\u201c schwelgen, das diesem St\u00fcck <em>verdammt \u00e4hnlich</em> klingt. Andererseits beherrschen <span class=\"musik-review-bandname\">Skeleton$</span> das Kunstst\u00fcck, jedes Lied st\u00e4ndig so klingen zu lassen, als st\u00fcnde es kurz vor dem Ausbruch. S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Matthew Mehlan</span>, stimmlich ungef\u00e4hr das Gegenteil von <span class=\"musik-review-bandname\">Daniel Higgs</span>, klingt derweil meistens so, als h\u00e4tte er gerade guten Sex gehabt <em>und</em> dazu einen ebenfalls guten Joint geraucht, geradezu <em>unertr\u00e4glich entspannt</em> eben, was einen interessanten Kontrast darstellt.</p>\n<p>Keinesfalls aber bedeutet das, dass man von diesem Album quasi nur L\u00e4rmkaskaden zu erwarten hat. Dem beinahe neunmin\u00fctigen \u201eBarack Obama Blues\u201c, der gar kein Blues ist und gegen Ende eine Ger\u00e4uschwand aufbaut, angesichts derer von Entspannung keine Rede mehr sein kann, steht zum Beispiel das zur\u00fcckhaltende, beinahe <span class=\"musik-review-bandname\">beatles</span>que \u201eNo\u201c gegen\u00fcber. Auch \u201ePeople\u201c hat also seine \u2013 kurzen \u2013 radiotauglichen Momente. (<a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter</a>, wie w\u00e4r\u2019s?)</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Skeleton$</span> hie\u00dfen fr\u00fcher <span class=\"musik-review-bandname\">Skeletons</span> und waren angeblich noch experimenteller, avantgardistischer, <em>unh\u00f6rbarer</em>. Ob das Dollarsymbol also f\u00fcr eine Ausrichtung auf kommerziellere Musik steht, kann man nur vermuten, vielleicht ist es auch als Kritik am allgegenw\u00e4rtigen Kapitalismus zu sehen. Letzteres halte ich f\u00fcr wahrscheinlicher, denn von Massenkompatibilit\u00e4t kann man bei \u201ePeople\u201c nicht ohne schlechtes Gewissen sprechen.</p>\n<p>Der Anspruch an die H\u00f6rer wird untermauert durch den Umstand, dass \u201ePeople\u201c ein Konzeptalbum ist; textlich geht es um Menschen, also um <em>people</em>, und um reale Ereignisse. <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=11428&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews#18252\&quot;" data-wpel-link="internal">Andreas Hofmann</a> recherchierte etwas ausf\u00fchrlicher:</p>\n<blockquote><p>So geht es z.B. um einen Mann, der am Tag nach Thanksgiving beim mittlerweile traditionellen <em>Black Friday Sale</em> im Walmart zu Tode getrampelt wurde (\u201eWalmart and the Ghost of Jimm\u201c), \u201eTania Head\u201c wiederum ist eine Frau, die sich f\u00fcr ihre <em>five minutes of fame</em> eine spektakul\u00e4re 9/11-\u00dcberlebensgeschichte einfallen lie\u00df, im Opener \u201eL\u2019il Rich\u201c wird erst ein Opfer von Gang-Gewalt in <span class=\"musik-review-bandname\">Mehlan</span>s Nachbarschaft besungen und gegen Ende eine tragische Geschichte aufgegriffen, in der ein unbewaffneter Mann, der eigentlich einen Tag sp\u00e4ter heiraten wollte, von der New Yorker Polizei mit 50 Kugeln niedergestreckt wurde \u2013 allesamt <em>people</em> eben.</p></blockquote>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">Steven Wilson</span> hat vor einer Weile gesagt, die Rockmusik sei tot, sie habe nichts neues mehr zu erz\u00e4hlen. Zum Gl\u00fcck wissen <span class=\"musik-review-bandname\">Skeleton$</span> das noch nicht.</p>\n<p>Und daher kann sich der Musikfreund nun an den <span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben</span> erfreuen:<br>\n\u201ePeople\u201c wird via <a href="\&quot;http://skeletonstv.bandcamp.com/album/people\&quot;" data-wpel-link="internal">Bandcamp</a> in G\u00e4nze als Streaming und zum Kauf angeboten.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Monkey3---Beyond-The-Black-Sky.pmg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Monkey3---Beyond-The-Black-Sky.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Monkey3 \u2013 Beyond The Black Sky</span>\n<p>Nach so viel Avantgarde kann man es dann auch mal wieder krachen lassen. Warum Musik, mit der man es krachen lassen kann, ausgerechnet aus der Schweiz kommt, wei\u00df ich nicht, aber ich vermute, das liegt an den Bergen.</p>\n<p>Das vierte Studioalbum der Instrumentalrocker <span class=\"musik-review-bandname\">Monkey3</span> hat, wie auch seine Vorg\u00e4nger, bereits ein augenf\u00e4lliges Bild (stilecht mit stilisiertem Pavian) vorne drauf. Der H\u00f6rer wei\u00df so schon vorher: Hausmannskost bekommt er hier nicht. \u201eTypisch Schweiz\u201c sieht anders aus, mit mehr Gejodel und weniger blutigen Pavianeckz\u00e4hnen, wobei ich mir sp\u00e4testens seit <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/zwegh-die-zweite-ein-fettes-monster-aus-der-schweiz/\&quot;" data-wpel-link="internal"><span class=\"musik-review-bandname\">Zwegh</span></a> da auch nicht mehr sicher bin. Die Schweiz macht mir Angst.</p>\n<p>Manchmal ist Angst aber auch ein guter Motor, der den Genuss eines Musikalbums erst so richtig f\u00f6rdert. \u00c4ngstlich also verstecke ich mich unter meiner Bettdecke, w\u00e4hrend die Stoner-Rock-Welle jede Faser meines Daseins davonzusp\u00fclen droht, angereichert mit gelegentlichen elektronischen Klangspielereien, quasi als psychedelische <em>Ruhe vor dem Sturm</em>. Wer jetzt einwendet, dass Stoner Rock doch grunds\u00e4tzlich immer psychedelisch sei, der hat Recht und ist ein bl\u00f6der Klugschei\u00dfer, so.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.gestromt.de/2011/06/07/monkey3-beyond-the-black-sky/\&quot;" data-wpel-link="internal">Irgendwer</a> war wieder voreilig und hat dem Album das Pr\u00e4dikat \u201ePostrock\u201c (\u201ePost-Rock\u201c) angetackert. Nat\u00fcrlich ist das, was <span class=\"musik-review-bandname\">Monkey3</span> auf Tontr\u00e4ger bannen, <em>post-rock</em>, es zieht also an dem Genrekorsett von Rockmusik fr\u00f6hlich winkend vorbei, aber wer hier <span class=\"musik-review-bandname\">Mogwai</span> oder <span class=\"musik-review-bandname\">Slint</span> oder andere Postrockbands herauszuh\u00f6ren versucht, wird kl\u00e4glich scheitern.</p>\n<p>Als Einfl\u00fcsse karrt die Band unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">Pelican</span>, aber auch <span class=\"musik-review-bandname\">Led Zeppelin</span> heran. Als Anspieltipp f\u00fcr diejenigen, die sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, wie das klingt, sei das St\u00fcck \u201eThrough The Desert\u201c empfohlen, das zwar nicht so sch\u00f6n losbrettert wie etwa \u201eK.I\u201c, daf\u00fcr aber stilecht mit \u201eKashmir\u201c-Gitarre aufwarten kann.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nReinh\u00f6ren kann man zum Beispiel auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Beyond-Black-Sky-Monkey-3/dp/B004TED4QA/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Caleya---Truemmermensch.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Caleya---Truemmermensch.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Caleya \u2013 Tr\u00ffmmermensch</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eBis nichts mehr bleibt au\u00dfer Zweifel, au\u00dfer Phrasen \u2026\u201c</span> (Aporie)\n<p>Peter, dem <em>Schei\u00dfkerl</em> (<a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/kurz-und-schmerzfrei-der-unterschied-zwischen-eurovision-song-contest-und-local-heroes-wettbewerb/comment-page-1/#comment-40224\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter \u00fcber Peter</a>), ist so manches Fundst\u00fcck der letzten Jahre zu verdanken. Auch das Album \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c der Hamburger Formation <span class=\"musik-review-bandname\">Caleya</span> <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-review-give-away-caleya-trummermensch/\&quot;" data-wpel-link="internal">z\u00e4hlt dazu</a>.</p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner Halbjahresr\u00fcckschauen sollte die Kombination aus d\u00fcsteren Texten und eigenartigen Liedtiteln (hier \u201eAporie\u201c, \u201eArchetyp\u201c, \u201eAkrasia\u201c und noch drei <em>so Titel</em>) bereits von <span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span> bekannt vorkommen, und tats\u00e4chlich gibt es da gewisse Parallelen: Gemeinsames Touren, auch bereits eine gemeinsame CD (das St\u00fcck \u201eAmygdala\u201c stammt von dieser \u201eSplit\u201c-EP), und produziert wurde \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c von <span class=\"musik-review-bandname\">Nils Wittrock</span>, S\u00e4nger bei <span class=\"musik-review-bandname\">The Hirsch Effekt</span>. Wer nicht gerade die \u201eScreamo\u201c-Begriffsbildung aus der Mottenkiste l\u00e4ngst abgelutschter Genrebezeichnungen kramt, der nennt das, was <span class=\"musik-review-bandname\">Caleya</span> hier auf Tontr\u00e4ger pressen lie\u00dfen, \u201ePost-Hardcore\u201c, und h\u00e4tte ich oben nicht schon ausf\u00fchrlich \u00fcber derartige Bezeichnungen gel\u00e4stert, ich w\u00fcrde es jetzt glatt noch mal tun.</p>\n<p>Aber die Post geht tats\u00e4chlich ziemlich ab auf \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c. Deutsche Texte wirken f\u00fcr Muttersprachler noch emotionaler, wenn sie nicht gelangweilt dahingesungen, sondern verzweifelt ins Ohr gebr\u00fcllt werden, und das beherrscht man in Hamburg genau so pr\u00e4chtig, wie man eben auch <a href="\&quot;http://www.whiskey-soda.de/review.php?id=28726\&quot;" data-wpel-link="internal">ganz anders</a> kann:</p>\n<blockquote><p>Durch das Gebr\u00fcll von S\u00e4nger <span class=\"musik-review-bandname\">Tobi</span> wird der chaotische Anstrich verst\u00e4rkt, wobei sich die gesuchte Harmonie in der Verwendung von progressiven Elementen auszeichnet. Diese erscheinen wie L\u00f6cher in den noisigen Riffs und erzeugen einen Kontrast, w\u00e4hrend das Gebr\u00fcll ganz zum Erliegen kommt und von melodischen, instrumentalen Parts, Gesang oder kurzen, gesprochenen Passagen abgel\u00f6st wird. Nach einer musikalischen Steigerung kommt es zur Entladung, zu der der Gesang wieder zum Gebr\u00fcll \u00fcbergeht. Die Songs unterscheiden sich dabei im Muster zwischen den lauten und leisen Teilen und \u00fcberraschen in derselben Weise, wie der Einsatz unterschiedlicher Instrumente, wie der eines Glockenspiels, einer Geige oder eines Xylophons.</p></blockquote>\n<p>Kein Zweifel: W\u00e4re \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c ein H\u00f6rspiel, man w\u00fcrde die <em>Tr\u00ffmmer</em> f\u00f6rmlich fliegen h\u00f6ren. Volle Kanne Emotion, Depression. Aber ich sch\u00e4tze, jeder Leser dieser Zeilen hat manchmal das Bed\u00fcrfnis, einfach nur laut zu schreien. Dies ist die Musik dazu.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Reinh\u00f6ren</span> und mitschreien!<br>\nDas geht zum Beispiel auf <a href="\&quot;http://www.myspace.com/caleyaband\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace</a>, wo auch einige \u00e4ltere Musikst\u00fccke von <span class=\"musik-review-bandname\">Caleya</span> bl\u00f6d rumliegen.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Unexpect---Fables-of-the-Sleepless-Empire.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Unexpect---Fables-of-the-Sleepless-Empire.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Unexpect \u2013 Fables of the Sleepless Empire</span><br>\n<span class=\"musik-review-lyrics\">\u201eA lunatic exorcism of impulsive literary stings, serving the untainted delight of devious cunnings\u201c</span> (Words)\n<p>Verglichen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Caleya</span> sind <span class=\"musik-review-bandname\">Unexpect</span> beinahe schon zur\u00fcckhaltend. Wohlgemerkt: Dies ist ausdr\u00fccklich als Vergleich zu werten!; denn Ambientlandschaften sind auf \u201eFables of the Sleepless Empire\u201c nicht zu finden. Kein Wunder ist es ein schlafloses Reich bei dem Krach.</p>\n<p>Laut Eigenbeschreibung machen die Kanadier <em>avant-garde classical fusion experimental progressive metal</em>, und wen das nicht an die Labelkollegen von den <span class=\"musik-review-bandname\">Stolen Babies</span> (\u201e<em>prog-pop-cabaret-thrash-quirky-goth-rock</em>\u201c) erinnert, der hat einiges nachzuholen, aber ich erkl\u00e4re es ihm dann trotzdem mal, schlie\u00dflich wollen wir ja auch alle irgendwann noch mal ein wenig vorankommen hier:</p>\n<p>Sanfte Gitarrenlaute, Streicher fiedeln irgendwas vertr\u00e4umtes vor sich hin, sie steigern sich, Schlagzeug und Gesang (weiblich) setzen ein. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eOn the Right, words bleed in delicious erratic motions / to waltz and lunge deeply onto the frail paper dungeons\u201c</span>, Gesang endet, <em>growling</em> tritt an seine Stelle, die Kapelle spielt feinstes Thrash-Hardcore-Irgendwas, w\u00e4hrend die Frau ihre gewohnte Stimme wiederfindet, und so \u00e4hnlich geht es dann noch eine Weile weiter, immer noch ein bisschen abgedrehter, quasi <em>schriller</em>, und vor allem lauter. Das Lied hei\u00dft \u201eWords\u201c und ist nur ein willk\u00fcrlich herausgepicktes Beispiel. Seit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eIn A Flesh Aquarium\u201c von 2006 hat sich im Hause <span class=\"musik-review-bandname\">Unexpect</span> erfreulich wenig ge\u00e4ndert, die bew\u00e4hrten Rezepte ergeben noch immer ein hervorragendes S\u00fcppchen. \u00dcber den Vorg\u00e4nger war <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=7675&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews\&quot;" data-wpel-link="internal">zu lesen</a>:</p>\n<blockquote><p>Black-Metal Gitarren, rausgerotzter Gesang und Ger\u00f6chel, das Tempo weitenteils am Anschlag, Gekn\u00fcppel bis der Arzt kommt\u2026 und pl\u00f6tzlich engelsgleicher Gesang von Le\u00eflindel, und pl\u00f6tzlich Teufelsgeiger, und pl\u00f6tzlich l\u00e4ssige Piano-L\u00e4ufe, und pl\u00f6tzlich Electronic-Sounds, und pl\u00f6tzlich burlesker Walzer, und pl\u00f6tzlich spinnerte Dada-Ideen\u2026 Schliesslich gibt es noch eine Portion \u201eGothic\u201c, ein klassisches Streich-Konzert, Bombast-Momente, Breaks, Stil- und Rythmusbr\u00fcche, (wo kommt denn der Dudelsack her?), Filmmusik und und und.</p></blockquote>\n<p>\u201eDada\u201c regiert auch in den Texten. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">\u201eHeroic Icons of the vegetable supremacy; a mistreated garden, their ultimate purgatory\u201c</span> hei\u00dft es etwa in \u201eOrange Vigilantes\u201c. Nicht zu viel dar\u00fcber nachdenken, man bekommt nur Kopfweh davon. Obwohl beinahe s\u00e4mtliche Attribute, die im zitierten Text genannt wurden (den Dudelsack habe ich noch nicht \u00fcberpr\u00fcft), auch auf \u201eFables of the Sleepless Empire\u201c zutreffen, ist all dieses Durcheinander doch hier beinahe als geordnet zu bezeichnen. Zug\u00e4nglicher als \u201eIn A Flesh Aquarium\u201c ist es allemal. <span class=\"musik-review-bandname\">Unexpect</span> haben ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr entwickelt, an welcher Stelle welche Form der Komplexit\u00e4t angemessen ist. (Wer jetzt \u201eZug\u00e4nglichkeit\u201c und \u201eweniger Komplexit\u00e4t\u201c mit simplen Strukturen verwechselt, ist selbst schuld.)</p>\n<p>Der Avantgarde-Anstrich von <span class=\"musik-review-bandname\">Unexpect</span> sollte nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass es sich vor allem um eine <a href="\&quot;http://www.progarchives.com/Review.asp?id=456243\&quot;" data-wpel-link="internal">Progressive-Metal-Formation</a> handelt. Die Betonung liegt h\u00f6rbar auf dem \u201eMetal\u201c. Ideale Reihenfolge eigentlich: Erst dem ungeliebten Mitmenschen mit <span class=\"musik-review-bandname\">Unexpect</span> quasi aufs Maul hauen und dann mit <span class=\"musik-review-bandname\">Caleya</span> betr\u00fcbt dar\u00fcber sein. Verdammt \u2013 jetzt habe ich es verkehrt herum aufgeschrieben. Also erst betr\u00fcbt sein und dann aufs Maul hauen.</p>\n<p>Und wer nicht f\u00fchlen will, <span class=\"musik-review-hoerproben\">muss h\u00f6ren:</span><br>\nDas komplette Album wird auf <a href="\&quot;http://unexpect.bandcamp.com/album/fables-of-the-sleepless-empire\&quot;" data-wpel-link="internal">bandcamp.com</a> als Stream angeboten. Also <em>streamt</em> flei\u00dfig!</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/The-Nerve-Institute---Architects-of-Flesh-Density.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-The-Nerve-Institute---Architects-of-Flesh-Density.jpg\" class=\"musik-review-album-covr1\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Nerve Institute \u2013 Architects of Flesh-Density</span>\n<p>Zum Abschluss der Hauptliste noch ein wenig (Avant-)Jazzrock. \u201eArchitects of Flesh-Density\u201c ist nach eigener Aussage bereits das achte aufgenommene Album des Multiinstrumentalisten und S\u00e4ngers <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Judge</span>, aber das erste als <span class=\"musik-review-bandname\">The Nerve Institute</span> ver\u00f6ffentlichte. Ihm gehen, wie er <a href="\&quot;http://www.therocktologist.com/interview-with-mike-judge.html\&quot;" data-wpel-link="internal">unl\u00e4ngst erw\u00e4hnte</a>, die Namen irgendwann auf den Keks, also denkt er sich immer mal wieder einen neuen aus. (Mein Lieblingszitat aus dem Interview ist, dass er mit seinem kompletten Alleingang vermeiden will, zum Miniatur<span class=\"musik-review-bandname\">hitler</span> in einer Band zu werden, obwohl er doch eigentlich viel gr\u00f6\u00dfer sei als <span class=\"musik-review-bandname\">Hitler</span> und sch\u00f6nere Haare habe. Wenn das ein deutscher K\u00fcnstler sagen w\u00fcrden t\u00e4te, hagelte es Buhrufe. Hach, diese Musiker.)</p>\n<p><span class=\"musik-review-bandname\">The Underground Railroad</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span> sind dem <a href="\&quot;http://production.altrock.it/prod2.asp?lang=eng_&amp;id=159&amp;id2=162\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eWaschzettel\u201c zum Album</a> in Fettdruck zu entnehmen, <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Judge</span> selbst erw\u00e4hnt in besagtem Interview zudem insbesondere den symphonischen Progressive Rock (<span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> u.a.) und, darauf aufbauend, die RIO/Avant- und fr\u00fche Zeuhl-Szene (<span class=\"musik-review-bandname\">Henry Cow</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Univers Z\u00e9ro</span>) als K\u00fcnstler, die ihn besonders beeindruckt haben.</p>\n<p>Das Ergebnis klingt dann auch genau so: Der Jazzrock von <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> in der \u201eRelayer\u201c-Phase oder jedenfalls von <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> paart sich mit fetzigem Canterbury. Ach, und mit <span class=\"musik-review-bandname\">Frank Zappa</span>. (Man stelle sich das bitte angesichts des Todes Herrn <span class=\"musik-review-bandname\">Zappa</span>s gerade mal nicht bildlich vor.) \u201eKlingt wie: Deformieren &amp; reformieren\u201c, so steht\u2019s auf des K\u00fcnstlers <a href="\&quot;http://www.myspace.com/thenerveinstitute\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Seite</a>.</p>\n<p>Bei der Durchsicht der <em>track list</em> bleibt das Auge wom\u00f6glich auf dem Titel \u201eDie neue moritat\u2026\u201c haften. Tats\u00e4chlich bezieht sich dieser Titel weniger auf <span class=\"musik-review-bandname\">Bertolt Brecht</span>s \u201eMoritat von Mackie Messer\u201c als vielmehr auf G. W. Pabsts Verfilmung derselben. Der anschlie\u00dfende Titel \u201eLa jalousie\u201c wiederum nimmt direkt Bezug auf <span class=\"musik-review-bandname\">Alain Robbe-Grillet</span>s Novelle gleichen Namens. Kultur kann <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Judge</span> jedenfalls trotz seiner Herkunft schon ganz gut.</p>\n<p>Ich bin gespannt, welchen Namen sich der Herr als n\u00e4chstes ausdenkt; bedenkt man, dass jeder Name auch einen Stilwechsel mit sich brachte, hoffe ich jedenfalls, dass dies nicht das einzige Album als <span class=\"musik-review-bandname\">The Nerve Institute</span> bleibt.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAusz\u00fcge aus seinem Schaffen pr\u00e4sentiert der Musiker auf <a href="\&quot;http://www.myspace.com/thenerveinstitute\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace</a>.</p></li>\n</ol>\n<p>Das soll dann f\u00fcr dieses Halbjahr auch erst mal wieder reichen mit Kaufbefehlen. Es folgen nun die Kostenlosherunterladbefehle:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">2.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Von wegen Kommerz.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Our-Ceasing-Voice---When-The-Headline-Hit-Home.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Our-Ceasing-Voice---When-The-Headline-Hit-Home.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Our Ceasing Voice \u2013 When The Headline Hit Home</span>\n<p>Die vier \u00d6sterreicher, die 2009 eine(n) <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/11/kurz-und-gut-our-ceasing-voice-zum-zweiten/\&quot;" title="\&quot;Kurz" und="" gut:="" Our="" Ceasing="" Voice="" zum="" Zweiten\&quot;="" data-wpel-link="internal">prima Deb\u00fct-EP</a> vorlegten und mich seitdem auf <a href="\&quot;http://last.fm\&quot;" data-wpel-link="internal">Last.fm</a> immer mal wieder auf dem Laufenden hielten, haben dann jetzt auch mal ein richtiges Album vorzuweisen; die Laufzeit betr\u00e4gt fast eine Stunde, und das sollen manche dieser \u201erichtigen Alben\u201c von anderen \u201eK\u00fcnstlern\u201c erst mal schaffen.</p>\n<p>Andererseits ist das im Postrock \u2013 und dort f\u00fchlen sie sich h\u00f6rbar <em>(ist \u201eh\u00f6rlich\u201c eigentlich das Gegenst\u00fcck zu \u201esichtlich\u201c?)</em> wohl \u2013 auch weniger schwer als in anderen Genres, allein das St\u00fcck \u201eThe Only Ones Dead (And Those Who Are Forgotten)\u201c bringt es beinahe auf neun Minuten.</p>\n<p>Fast v\u00f6llig instrumental wechseln <span class=\"musik-review-bandname\">Our Ceasing Voice</span> auf \u201eWhen The Headline Hit Home\u201c zwischen Laut und Leise, Breitwand und Tal hin und her. Meine Damen und Herren, dies jedenfalls ist Postrock. Kann man nicht anders sagen. Kostet nix, ist aber jeden Preis wert.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Runterholen</span> kann man sich\u2019s auf dem <a href="\&quot;http://www.our-ceasing-voice.com/download/when_the_headline_hit_home_RMR005_TLE010.rar\&quot;" data-wpel-link="internal">bandeigenen Webserver</a> und nat\u00fcrlich <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2293\&quot;" data-wpel-link="internal">via eMule</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/The-Echelon-Effect---Seasons-1-4.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-The-Echelon-Effect---Seasons-1-4.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">The Echelon Effect \u2013 Seasons 1/4</span>\n<p>Dar\u00fcber, dass es sich bei \u201eSeasons Part 1\u201c um eine(n) EP, also um ein \u201eAlbum\u201c mit eher kurzer Laufzeit, handelt, sehe ich ausnahmsweise hinweg, denn ambitioniert ist es auf jeden Fall, was <span class=\"musik-review-bandname\">David Walters</span> mit Hilfe des Schlagzeugers <span class=\"musik-review-bandname\">Steve Tanton</span> hier in die Tat umsetzt, n\u00e4mlich den Auftakt zu einer vierteiligen Serie von \u201eJahreszeiten\u201c-Kompositionen. Teil 1: Fr\u00fchling. (Der \u201eSommer\u201c-Teil 2 ist bereits <a href="\&quot;http://www.theecheloneffect.com/pre-order-seasons-part-2-and-get-the-single-now/\&quot;" data-wpel-link="internal">angek\u00fcndigt</a>.)</p>\n<p>Jahreszeiten musikalisch umzusetzen hat manch einer schon in der Grundschule nicht mehr sonderlich gern gemocht, <span class=\"musik-review-bandname\">David Walters</span> macht das freiwillig und sehr gut. <em>Man sp\u00fcrt f\u00f6rmlich, wie die Erde aus dem Winterschlaf erwacht</em>, schrieb <a href="\&quot;http://www.lady-metal.com/cd-reviews/the-echelon-effect-seasons-part-1.html\&quot;" data-wpel-link="internal">anderswo</a> ein gewisser \u201eChris\u201c hierzu.</p>\n<p>Schon wieder instrumentaler Postrock also, aber zerbrechlicher als der der Herren <span class=\"musik-review-bandname\">Our Ceasing Voice</span>.<br>\nWie wohl der Sommer klingen wird?</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Herunterladen</span> wird jedenfalls meinerseits w\u00e4rmstens empfohlen, und zwar auf <a href="\&quot;http://theecheloneffect.bandcamp.com/album/seasons-part-1\&quot;" data-wpel-link="internal">bandcamp.com</a> oder <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2312\&quot;" data-wpel-link="internal">via eMule</a>.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Jardin-de-la-Croix---Ocean-Cosmonauts.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Jardin-de-la-Croix---Ocean-Cosmonauts.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Jard\u00edn de la Croix \u2013 Ocean Cosmonauts</span>\n<p>Der unter eigener Verantwortung aufgenommene und verkaufte Vorg\u00e4nger \u201ePomeroy\u201c fand bereits <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/10/jardin-de-la-croix-pomeroy/\&quot;" title="\&quot;Jard\u00edn" de="" la="" Croix="" \u2013="" Pomeroy\&quot;="" data-wpel-link="internal">lobende Erw\u00e4hnung</a>, das neue Album \u201eOcean Cosmonauts\u201c konnte die spanische (!) Band <span class=\"musik-review-bandname\">Jard\u00edn de la Croix</span> mithilfe der Plattenfirma Noma Records aufnehmen. Kommerzialisierung sieht aber anders aus, denn obwohl Noma Records jetzt auch h\u00fcbsche CD-Verpackungen f\u00fcr die Musik anbietet, bleibt selbige doch einzigartig.</p>\n<p>Es ert\u00f6nt rein instrumentaler Mathrock mit komplexen Rhythmen und gelegentlichen Postrock-Zitaten. Anh\u00e4nger von <span class=\"musik-review-bandname\">Rush</span> kommen ebenso auf ihre Kosten wie all jene, die <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Fripp</span>s seltsame Experimente in den 1980er Jahren zu w\u00fcrdigen wissen, gerade auch hinsichtlich der Gitarrenarbeit von <span class=\"musik-review-bandname\">Ander Carballo</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">Pablo Rodr\u00edguez</span>. Der neue Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Carlos Schonert</span> leistet ebenfalls hervorragende Arbeit.</p>\n<p>Im Internet ist zu lesen, \u201eOcean Cosmonauts\u201c sei stellenweise langweilig, weil zu lange auf dem gleichen Thema herumgeritten werde. Gerade das aber bef\u00e4higt dieses Album dazu, sich sowohl zur Beschallung stiller Momente als auch dazu zu eignen, nebenbei (quasi <em>zum B\u00fcgeln</em>) geh\u00f6rt zu werden, ohne wirklich <em>anstrengend</em> zu werden. Sollte man mal ausprobiert haben.</p>\n<p><span class=\"musik-review-hoerproben\">Bezugsquellen:</span> Das Album ist unter anderem auf <a href="\&quot;http://jardindelacroix.com/\&quot;" data-wpel-link="internal">jardindelacroix.com</a> sowie <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2315\&quot;" data-wpel-link="internal">via eMule</a> herunterladbar.</p></li>\n</ul>\n<p>\u201eWie, war das schon alles?\u201c, fragen jetzt die Leser. \u201eNein\u201c, antworte ich, \u201edenn es folgt eine Sondervorstellung zweier Musikalben, die aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden keine Erw\u00e4hnung in den beiden Listen oben finden konnten.\u201c</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">3.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Aus dem Abseits\u2026</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Hand-aufs-Herz---Der-Soundtrack.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Hand-aufs-Herz---Der-Soundtrack.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Hand aufs Herz \u2013 Der Soundtrack</span>\n<p>Dieser <em>soundtrack</em> hat aus zwei Gr\u00fcnden keinen Platz auf der Hauptliste gefunden: Zum Einen ist er eben kein \u201eAlbum\u201c im eigentlichen Sinne, zum Anderen ist das eigentlich nicht mal meine Musik. Aber irgendwie hat diese Sammlung von Pop-Coverversionen aus der Sat.1\u2011Serie \u201eHand aufs Herz\u201c (<a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/04/medienkritik-l-hand-aufs-herz-oder-tracy-chapmans-botschaft/\&quot;" title="\&quot;Medienkritik" L:="" Hand="" aufs="" Herz="" (oder:="" Tracy="" Chapmans="" Botschaft)\&quot;="" data-wpel-link="internal">ich berichtete</a>) etwas Warmes, Angenehmes an sich.</p>\n<p>Sicher hat ein solches Album auch ein paar Totalausf\u00e4lle vorzuweisen, welcher Musikfreund will schon \u201eSympathy For The Devil\u201c, von M\u00e4dchen intoniert, h\u00f6ren?, aber es hat auch <em>verdammt gute</em> Momente, und das sage ich trotz nachgewiesener M\u00e4nnlichkeit und eigentlich ganz passablen Musikgeschmacks. Immerhin ist \u201eTalkin\u2018 \u201about a revolution\u201c auch drauf.</p>\n<p>Obwohl ich ansonsten selbst dazu neige, Musik nach ihren Umst\u00e4nden zu beurteilen, ohne sie \u00fcberhaupt geh\u00f6rt zu haben, rate ich in diesem Fall dringend davon ab. Wahrlich nicht \u00fcbel.</p></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-cover\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Elias-Schwerdtfeger---Temple-of-Void.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Elias-Schwerdtfeger---Temple-of-Void.jpg\" class=\"musik-review-album-covr2\"></a></span><span class=\"musik-review-album-titel\">Elias Schwerdtfeger \u2013 Temple of Void</span>\n<p>Aufgrund pers\u00f6nlicher Sympathie nicht objektiv und daher abseits der Liste empfehle ich dann auch mal dies hier: Dem weichgesp\u00fclten Wohlklang obigen <em>soundtracks</em> stehen die elektronischen Klangeffekte <span class=\"musik-review-bandname\">Herrn Schwerdtfeger</span>s entgegen. Der \u201eTemple of Void\u201c, der \u201eTempel des Nichts\u201c also, ist eine Metapher f\u00fcr Konsumtempel. Nein, Konsum mag der K\u00fcnstler nicht. (Darum gibt\u2019s das Album auch <a href="\&quot;http://www.tamagothi.de/alben/temple-of-void/\&quot;" data-wpel-link="internal">komplett f\u00fcr lau</a>, wobei aufgrund seiner, des K\u00fcnstlers, Lebensumst\u00e4nde eine kleine bis gro\u00dfe Spende empfehlenswert ist.)</p>\n<p>D\u00fcster-nihilistische Musik mit gelegentlicher Textbeilage, produziert unter Zuhilfenahme einiger defekter Ger\u00e4te; das klingt nur teilweise nach den <span class=\"musik-review-bandname\">Einst\u00fcrzenden Neubauten</span>, vor allem klingt es nach einer Vertonung der Tristesse, die unvermeidlich scheint, wenn man im Raum Hannover lebt. Die Verwurzelung im Weltlichen zeigt auch das Coverbild, ein \u201eFrosch spuckendes Lamm\u201c aus einer Publikation der Zeugen Jehovas, das den Irrsinn einer jeden Religion anschaulich vorf\u00fchrt.</p>\n<p>Trotzdem bzw. gerade deshalb: Nichts f\u00fcr schwache Nerven.</p></li>\n</ul>\n<p>Genug des angenehmen Teils!<br>\nKommen wir zum unangenehmen Teil, n\u00e4mlich einer Auflistung der <span class=\"musik-intro-hervorhebung\">weniger erquickenden</span> Produkte der Musikindustrie im 1. Halbjahr 2011, bei deren blo\u00dfer Erw\u00e4hnung sich mitunter schon ein leichtes Unwohlsein einstellt, weshalb ich mich, wie \u00fcblich, kurz fasse:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">4.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">\u2026 in den M\u00fcll.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">The Megaphonic Thrift \u2013 Decay Decay</span><br>\nWarum die Kopie? Lieber gleich <span class=\"musik-review-bandname\">The Strokes</span>, da nervt der Gesang auch weniger.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Low Anthem \u2013 Smart Flesh</span><br>\nKlingt wie ein uneheliches Kind von <span class=\"musik-review-bandname\">Tindersticks</span> und einem unbekannten \u201e<span class=\"musik-review-bandname\">DSDS</span>\u201c-Teilnehmer, der <span class=\"musik-review-bandname\">Cat Stevens</span> covert.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Radiohead \u2013 The King of Limbs</span><br>\nEine Diskussion in der <em>[progrock-dt]</em>-Liste brachte es auf den Punkt: <span class=\"musik-review-bandname\">Radiohead</span> muss man nicht m\u00f6gen. Das ist gut, dann verzichte ich dankend auf diesen schrecklichen Krach.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Van der Graaf Generator \u2013 A Grounding in Numbers</span><br>\nDie Herren haben zwar nicht die Atmosph\u00e4re, aber ihren Biss verloren. <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/04/van-der-graaf-generator-a-grounding-in-numbers/\&quot;" title="\&quot;Van" der="" Graaf="" Generator="" \u2013="" A="" Grounding="" in="" Numbers\&quot;="" data-wpel-link="internal">Schade.</a></li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Esben and the Witch \u2013 Violet Cries</span><br>\nF\u00fcr Freunde langsamen <span class=\"musik-review-bandname\">Nico</span>-Ged\u00e4chtnisschmalzfolks <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-review-esben-and-the-witch-violet-cries/\&quot;" data-wpel-link="internal">und Peter</a> bestens geeignet.</li>\n<li><span class=\"musik-review-album-titel\">Beady Eye \u2013 Different Gear, Still Speeding</span><br>\nSollte <span class=\"musik-review-bandname\">Liam Gallagher</span> eines Tages sterben, dann wohl an einer \u00dcberdosis <span class=\"musik-review-bandname\">John Lennon</span>, den er hier noch \u00fcberfl\u00fcssiger als sonst kopiert; Ich habe beim H\u00f6ren dieses Albums immer Angst, dass gleich <span class=\"musik-review-bandname\">Yoko Ono</span> reinkreischt.</li>\n</ul>\n<p>2011 brachte aber nicht nur viele gute (und einige scheu\u00dfliche) Musikalben mit sich, sondern markiert auch 40 Jahre 1971, quasi ein Jubil\u00e4um vom \u201eJahr 1 nach den Beatles\u201c. Und was sich seitdem so getan hat, lest ihr hier:</p>\n<p><span class=\"musik-review-header-nr\">5.</span> <span class=\"musik-review-header-text\">Reise durch die Zeit.</span></p>\n<ul>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Jethro Tull \u2013 Aqualung</span><br>\nDie <span class=\"musik-review-bandname\">Beatles</span> waren 1971, wie gesagt, l\u00e4ngst Geschichte. Die Welt begann also, sich eine andere Musikrichtung auszudenken, die man fortan toll finden sollte. <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span> brachen auseinander, ihre sp\u00e4tere Bedeutung f\u00fcr die Rockmusik sollte aber erst viel sp\u00e4ter entdeckt werden. In Deutschland bl\u00fchte der \u201eKrautrock\u201c gerade auf, sowohl <span class=\"musik-review-bandname\">Ton Steine Scherben</span> als auch <span class=\"musik-review-bandname\">Faust</span> ver\u00f6ffentlichten ihre Deb\u00fctalben. In London hatten sich bereits 1969 drei afrikanische Musiker als <span class=\"musik-review-bandname\">Osibisa</span> zusammengeschlossen und wirbelten 1971 mit ihren ersten beiden Alben, die von afrikanisch-karibischer Rockmusik dominiert wurden, die LP-Hitparaden durcheinander. Ebenfalls aus Gro\u00dfbritannien stammen die bekannteren <span class=\"musik-review-bandname\">Jethro Tull</span>, die mit \u201eAqualung\u201c 1971 mal eben einen \u201ewesentlichen Meilenstein der Rockmusik\u201c vorlegten, wie manche Kritiker es zu nennen pflegen. Zwar ist \u201eAqualung\u201c anders als die sp\u00e4teren \u201eThick as a Brick\u201c und \u201eA Passion Play\u201c kein Konzeptalbum, thematisch aber sind in den Texten harsche Gesellschafts- und vor allem Religionskritik zu finden. <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">God, he stole the handle, and the train, it won\u2019t stop going, no way to slow down.</span> Zahlreiche Nachahmer sp\u00e4terer Jahre sprechen eigentlich f\u00fcr sich.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson \u2013 Discipline</span><br>\nDie Musikwelt hatte sich 1981 wieder vorsichtig auf die eigenen Beine gestellt. Die <span class=\"musik-review-bandname\">Buggles</span> hatten <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> wieder verlassen, um sich ihrem zweiten und letzten Album, passend \u201eAdventures In Modern Recording\u201c betitelt, zu widmen, und auch sonst schien alles nach Plan zu verlaufen. <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Fripp</span> fand das aber bl\u00f6d. <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> betrachtete er bereits seit Jahren als nicht mehr existent, stattdessen zog er mit wechselnden Musikern, unter anderem <span class=\"musik-review-bandname\">David Byrne</span>, durch die Lande und begann immer neue musikalische Experimente. Mit der <span class=\"musik-review-bandname\">League of Gentlemen</span> machte er bereits 1980 (\u201eGod Save the Queen/Under Heavy Manners\u201c) <em>typischen</em> komplexen, dennoch <em>tanzbaren</em> 80er-Jahre-New-Wave. Auf Grundlage dieser Erfahrungen begab sich <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Fripp</span> noch im selben Jahr auf die Suche nach Musikern, mit denen gemeinsam er \u201eimprovisierte Tanzmusik\u201c machen wollte. Schlagzeuger <span class=\"musik-review-bandname\">Bill Bruford</span>, zuvor unter anderem bei <span class=\"musik-review-bandname\">Genesis</span>, <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span> und <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> aktiv, schloss sich an, es folgten Bassist <span class=\"musik-review-bandname\">Tony Levin</span> und Gitarrist <span class=\"musik-review-bandname\">Adrian Belew</span>. Unter dem Namen <span class=\"musik-review-bandname\">Discipline</span> ging man also auf Tour, benannte sich aber, wohl auch aus marktstrategischen Gr\u00fcnden, bald in <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> um; mit zwei von vier ehemaligen <span class=\"musik-review-bandname\">King-Crimson</span>-Musikern immerhin ein nicht allzu abwegiges Unternehmen. Dass die neuen <span class=\"musik-review-bandname\">King Crimson</span> mit den mystischen Texten von <span class=\"musik-review-bandname\">Peter Sinfield</span>, dem komplexen Jazzrock von Alben wie \u201eLizard\u201c und dem Progressive Rock als solchem vorerst nicht mehr viel zu tun hatten, t\u00e4uscht aber nicht dar\u00fcber hinweg, dass sich hinter dem mitunter trocken wirkenden Klanggebilde \u201eDiscipline\u201c viel Komplexit\u00e4t verbirgt, etwa in den polymetrisch versetzten Gitarrenl\u00e4ufen der beiden Gitarristen. Das Ziel <span class=\"musik-review-bandname\">Robert Fripp</span>s schien jedenfalls erreicht, bis sich die Formation 1986 nach nur drei gemeinsamen, einander recht \u00e4hnlichen Alben vorerst wieder aufl\u00f6ste.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 20 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle \u2013 Mr. Bungle</span><br>\nDas Ende der furchtbaren musikalischen Dekade war gleichzeitig der Beginn einer bis dahin ungekannten Befreiungsbewegung. Die in den 80-ern erlernten elektronischen Techniken zur Klangerzeugung dienten nun der Kreation neuer Spielarten von Rock- und Popmusik. So erfanden <span class=\"musik-review-bandname\">Slint</span> mit Alben wie \u201eSpiderland\u201c quasi das, was Rezensionskasper heutzutage \u201ePostrock\u201c nennen. <span class=\"musik-review-bandname\">The Fall</span> nahmen mit \u201eShift-Work\u201c ein sehr eigenartiges Album auf, das Remineszenzen an den New Wave ebenso beinhaltete wie den bandeigenen Experimentalrock der Marke <span class=\"musik-review-bandname\">The Velvet Underground</span>. <span class=\"musik-review-bandname\">Die Goldenen Zitronen</span> streckten der deutschen Punkszene mit dem Album \u201ePunkrock\u201c den Mittelfinger entgegen. <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span> und seine Mitstreiter von <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> erkl\u00e4rten derweil Irrsinn zum musikalischen Stilmittel, und das nicht nur musikalisch, denn die seltsame Mischung aus Jazzrock, Hardrock, RIO und Pop (Pop!) wird erg\u00e4nzt von dem l\u00e4ngst ber\u00fcchtigten, oft irren Gesang <span class=\"musik-review-bandname\">Mike Patton</span>s, der auch mal in bester Boygroup-Manier (!) Zeilen singt wie etwa: <span class=\"musik-review-lyrics-inline\">My hand gets tired and my dick gets sore, but the girls of porn want more</span>. Explizite Lyrik, sozusagen. Gesang, Bass, Gitarre, zwei Saxofonisten und ein DJ. Mit dem Nachfolger \u201eDisco Volante\u201c haben <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> dann noch eine Schippe draufgelegt. Man ist geneigt, sich zu fragen, wieso die einzigen Adaptionen dieses radikal anderen Stils (etwa <span class=\"musik-review-bandname\">Fant\u00f4mas</span>) aus den eigenen Reihen stammen, ist sich doch sonst auch nur selten ein Nachwuchsmusiker zu schade, Altbekanntes neu aufzuw\u00e4rmen. Um so fester bleibt aber die Einzigartigkeit von <span class=\"musik-review-bandname\">Mr. Bungle</span> in der Musikgeschichte verankert. Auch nicht schlecht.</li>\n<li><span class=\"musik-review-hoerproben\">Vor 10 Jahren:</span><br>\n<span class=\"musik-review-bandname\">TSOL \u2013 Disappear</span><br>\nGemessen an der Kreativit\u00e4t der 90-er Jahre waren die \u201eNuller\u201c zwar produktiv, aber doch nur wenig erfinderisch. <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>\u2018 Album \u201eMagnification\u201c <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/01/die-rehabilitation-einer-institution-yes-magnification/\&quot;" title="\&quot;Die" Rehabilitation="" einer="" Institution:="" Yes="" \u2013="" Magnification\&quot;="" data-wpel-link="internal">zeigte</a>, dass der \u201eklassische\u201c Progressive Rock nicht tot war, er hatte sich nur versteckt. W\u00e4hrenddessen entwuchs der \u201eIndie-Rock\u201c den Kinderschuhen, die im Jahr 2000 gegr\u00fcndeten <span class=\"musik-review-bandname\">Yeah Yeah Yeahs</span> hatten zwar einen bl\u00f6den Namen ausgew\u00e4hlt, brachten aber mit dem selbstbetitelten und viel zu kurzen Erstling einen beachtlichen Tontr\u00e4ger unter die Leute, das Deb\u00fctalbum \u201eFever to Tell\u201c folgte zwei Jahre sp\u00e4ter. Bereits seit 1978 existierte die Hardcore-Punkband <span class=\"musik-review-bandname\">TSOL</span>, die zwischenzeitlich, wie viele andere Bands auch, damit zu k\u00e4mpfen hatte, dass nach zahlreichen Umbesetzungen die Gr\u00fcndungsmitglieder wieder zusammenfanden, die Namensrechte an <span class=\"musik-review-bandname\">TSOL</span> jedoch ihren \u201eNachfolgern\u201c geh\u00f6rten. Etwas ausf\u00fchrlicher dokumentiert ist das in der <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/TSOL\&quot;" data-wpel-link="internal">Wikipedia</a>. 1999 jedenfalls konnten diese Probleme aus der Welt geschafft werden, und man ging wieder auf Tour. 2001 folgte, quasi als \u201eComeback\u201c, das Album \u201eDisappear\u201c, auf dem man seinen Wurzeln treu blieb; die musikalische \u00c4hnlichkeit mit <span class=\"musik-review-bandname\">Bad Religion</span>, mit denen die Band befreundet war, ist unverkennbar. Der Punk folgte in den folgenden Jahren mehr und mehr kommerziellen Pfaden, als selbst MTV entdeckt hatte, was f\u00fcr ein Potenzial in dieser Musik steckt, <span class=\"musik-review-bandname\">TSOL</span> interessiert das aber bis heute nicht. Es ist seltsam, dass Punk noch Jahrzehnte nach den <span class=\"musik-review-bandname\">Sex Pistols</span> erst dann mediale Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, wenn er das Dreckigsein und somit seinen Geist aufgibt. (\u201eOpel-Gang\u201c von den <span class=\"musik-review-bandname\">Toten Hosen</span> etwa fand erst gro\u00dffl\u00e4chige Beachtung, nachdem die Band sich vom kompromisslosen Punk abgewendet hatte.) Dass das aber auch f\u00fcr andere Musikstile gilt, steht au\u00dfer Frage, der \u201eGeschmack der Massen\u201c ist eben nicht immer das, was die Masse mag, sondern das, was nach der Meinung einzelner Schlips tragender Entscheider in der Masse auf <em>die geringste Missgunst</em> trifft. Schade. Auch deshalb sollte man <span class=\"musik-review-bandname\">TSOL</span> noch ein wenig h\u00e4ufiger preisen. Ich habe das dann jetzt mal erledigt.</li>\n</ul>\n<p>Und damit sind wir auch schon am Ende des 1. Halbjahres angelangt. Das 2. Halbjahr beginnt mit <span class=\"musik-review-bandname\">Yes</span>, das ist jetzt schon klar. Einige Alben von 2011 schlummern auch noch ungeh\u00f6rt in meinem Fundus und werden gegebenenfalls nachgereicht. Was sonst noch kommt? Wir werden sehen!</p>\n<p>Sollte ich derweil ein bereits erschienenes, h\u00f6renswertes Album \u00fcbersehen haben, so bitte ich vielmals um Verzeihung und um entsprechenden Hinweis, auf dass ich diesen Fauxpas baldm\u00f6glichst auszub\u00fcgeln kann.</p>\n<p>Ansonsten hoffe ich, dass ihr, die ihr dies hier lest, in meiner wirren, abschreckenden Musikauswahl auch einige Perlen entdeckt, die euch genau so gut gefallen wie mir.</p>\n<p>R\u00fcckmeldung ist jederzeit willkommen.</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Didi</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: Komme im Moment nicht dazu, mir alles durchzulesen. Aber Deiner Wortwahl, wie\n<blockquote>\u2026ich hoffe, dass sie nicht jedem von euch blo\u00ad\u00dfes Miss\u00adfal\u00adlen bereitet\u2026</blockquote>\n<blockquote>\u2026in mei\u00adner wir\u00adren, abschre\u00adcken\u00adden Musik\u00adaus\u00adwahl\u2026</blockquote>\nsind Zweifel, Selbstzweifel, wenn nicht sogar Panik zu entnehmen.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: Ich nenne es gebotene Zur\u00fcckhaltung. Entsprechend vernichtenden Kommentaren versuche ich so schon vorher die Grundlage zu entziehen.</li><li><a href="\&quot;http://http//www.atomkraftheilheil.fdp.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">.tux</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: du wei\u00dft doch gar nicht was wirklich vernichtende Kommentare sind  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/icon_mad.gif\" alt=\":mad:\" width=\"15\" height=\"15\" class=\"wpml_ico\"> </li><li><a href="\&quot;http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Didi</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: <blockquote> \u2026ver\u00adsu\u00adche ich so schon vor\u00adher die Grund\u00adlage zu entziehen.</blockquote>\nEin untauglicher Versuch.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: Bis jetzt war der Versuch derma\u00dfen klasse, dass nicht mal dem anderen Tux ein vernichtender Kommentar eingefallen ist</li><li><a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Peter</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Juni 2011</a> dies: Erf\u00fcllt dieser Beitrag nicht irgendwelche Straftatbest\u00e4nde? Mannomann, ich lese seit drei Tagen und bin immer noch nicht durch. L\u00e4ngste Blogpost Ever. Habe mir aber mal einige Bands die ich so noch nicht kannte, instapapert.</li><li><a href="\&quot;http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Didi</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Juni 2011</a> dies: Heh tuxi, das hier soll \u2019n Blog sein.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">25. Juni 2011</a> dies: Nein, soll es nicht.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> \n\nEntschuldige, Peter. Sieh es positiv: Hast bis Dezember Zeit bis Teil 2.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> </li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2011 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">4. Februar 2012</a> dies: [\u2026] am Jahresende und damit zur \u00fcblichen Retrospektive der primasten Alben des Jahres, die es in die Halbjahresliste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht einmal unbedingt eine Frage des Erscheinungsdatums, [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2012 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">22. Juni 2012</a> dies: [\u2026] Musik 06/2011 \u2013 Favoriten und Analyse (22.06.2011) [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2012 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">19. Dezember 2012</a> dies: [\u2026] es handele sich um Zeuhl. Mitnichten! Sebkha-Chott sind bereits zusammen mit Extra Life und uneXpect auf Tour gewesen. Das trifft es wahrscheinlich [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2013 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: [\u2026] ihr euch an The Joy Formidable? Ihr 2011 erschienenes Deb\u00fctalbum \u201eThe Big Roar\u201d sortierte ich damals als \u201eArtpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative\u201d ein und legte euch ans Herz, [\u2026]</li><li><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2017 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">3. Juli 2017</a> dies: [\u2026] befasste ich mich mit \u201esomething dirty\u201c, dem damals aktuellen Studioalbum dieser Formation, den Nachfolger \u201ej US t\u201c hingegen [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/aa5954f9202d4630829246ffc9243e04\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 7 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickHuch, schon wieder ist Juni, das geht ja immer schnell! Und traditionell bringt so ein Juni nicht nur zu dicke M\u00e4dchen in zu d\u00fcnner Kleidung mit sich, sondern au\u00dferdem meine Halbjahresr\u00fcckschau der gef\u00e4lligsten und ungef\u00e4lligsten Musikalben, erstmals komplett mit Alben des Jahres 2011 bef\u00fcllt.\nUnd in so einem halben Jahr kann sich viel \u00e4ndern. Im Februar etwa r\u00fchmte ich das Album \u201eI\u2019m Your Saviour\u201c von Toxic Smile, f\u00fcr diese Liste aber hat es dennoch keine Ber\u00fccksichtigung mehr gefunden, da die schiere Masse an guter Musik ansonsten den Rahmen dieser Internetseite gesprengt h\u00e4tte und ich somit wieder einiges aussieben musste. Auch habe ich es leider nicht immer geschafft, mich jedem Musikalbum, das mich interessiert h\u00e4tte, rechtzeitig ausreichend ausf\u00fchrlich zu widmen; die beim Probeh\u00f6ren recht vorz\u00fcglichen Alben \u201eFlanders Fields\u201c von Humble Grumble und \u201eBlown Realms and Stalled Explosions\u201c von den Enablers bitte ich das geneigte Publikum also selbst zu rezensieren. (Gern als Kommentar hier unten drunter.    )\nAber es ist auch ohne diese Alben eine recht abwechslungsreiche Liste geworden, von der ich hoffe, dass sie nicht jedem von euch blo\u00dfes Missfallen bereitet. \nSie folgt:\n1. Musik f\u00fcr zum Gutfinden.\n\nCodes In The Clouds \u2013 As The Spirit Wanes\nWir lassen es mal ruhig angehen. Codes in den Wolken, der Geist flaut ab. Zur\u00fccklehnen und entspannen, w\u00e4hrend die f\u00fcnf Briten \u2013 nicht nur in Island beherrscht man dies vortrefflich \u2013 elegisch dahinmusizieren. Schublade auf, irgendwo zwischen Sigur R\u00f3s und Caspian einsortieren, Schublade zu. Der Kopf hat jetzt gerade mal die Klappe zu halten, es wird in wunderbaren Melodien geschwelgt.\nAndererseits ist Postrock immer auch Kopfmusik. Jochen Overbeck schrieb nicht grundlos:\nAuch in den St\u00fccken der Band \u00f6ffnen sich weite, rein instrumentale Landschaften, warten R\u00e4ume darauf, mit irgendetwas gef\u00fcllt zu werden.\nFreunde der scheppernden Postrockvariante, wie sie etwa von Mogwai zelebriert wird, werden auf dem Zweitling \u201eAs The Spirit Wanes\u201c nur eingeschr\u00e4nkt bedient, etwa in \u201eWhere Dirt Meets Water\u201c, und auch all diejenigen, f\u00fcr die Musikgenuss und Texte direkt miteinander zusammenh\u00e4ngen, werden sich von diesem Album aufgrund des fehlenden Gesangs wohl entt\u00e4uscht abwenden, aber wir sind ja auch erst am Anfang der Liste.\nDie Eigenbeschreibung der Postrocker besagt: \u201eWe are making pretty music\u201c, also \u201ewir machen h\u00fcbsche Musik\u201c. Ich h\u00e4tte es nicht besser ausdr\u00fccken k\u00f6nnen.\nH\u00f6rproben gibt\u2019s auf MySpace.\nVon wegen, MySpace sei tot. Pop ist es.\nFaust \u2013 something dirty\nWer \u00fcbrigens genau so wenig tot ist wie MySpace, ist die gleichfalls recht unpoppige deutsche Krautrocklegende Faust. Faust ist auch 40 Jahre nach dem namenlosen Erstling quicklebendig, wenn nicht gar hyperaktiv, haben sich doch erst vor wenigen Jahren die drei noch aktiven Gr\u00fcndungsmitglieder derart heftig miteinander verkracht, dass man nun getrennte Wege geht, und zwar nicht in Form einer Aufl\u00f6sung, sondern in Form einer Teilung. Das haben Gong ebenso gemacht wie Acid Mothers Temple, auch Yes gab es \u2013 wenn auch unter verschiedenen Namen \u2013 kurzzeitig mehrfach, Amon D\u00fc\u00fcl II tr\u00e4gt die r\u00f6mische 2 auch nicht nur aus Jux und Tollerei im Namen, und Faust reihen sich fr\u00f6hlich ein und besitzen dann die Frechheit, beide Inkarnationen schlicht Faust zu nennen. Das f\u00fchrt nicht etwa vorrangig zu Verstimmung und Verwirrung, sondern zu um so gr\u00f6\u00dferer Produktivit\u00e4t, denn das \u201eandere Faust\u201c um Hans-Joachim Irmler hatte erst 2010 mit \u201eFaust is Last\u201c ein Album vorgelegt, dieses Faust hier, in dem Werner \u201eZappi\u201c Diermaier und Jean-Herv\u00e9 P\u00e9ron residieren, hatte seit seiner vorigen Einspielung \u201eC\u00b4est com\u2026 com\u2026 compliqu\u00e9\u201c von 2009 derweil zwei Jahre Zeit f\u00fcr dieses Album. Es ist kom\u2026 kom\u2026 kompliziert. K\u00f6nnt ihr mir trotzdem noch folgen?\nFolgt mir dann auch mal vorsichtig in die musikalischen Schluchten, die sich hier auftun. Unter \u201eKrautrock\u201c versteht mancher, gef\u00f6rdert auch von der ansonsten nicht mal \u00fcblen WDR-Dokumentation \u201eKraut und R\u00fcben\u201c von 2006, irgendwie drogenschwangere Hippiemusik mit Hardrockattit\u00fcde. Wer jetzt versucht, Faust in diese Schublade zu stopfen, bevor er auch nur einen einzigen Takt aus dem Album geh\u00f6rt hat, dem w\u00fcnsche ich viel Vergn\u00fcgen, schlage die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammen und hoffe f\u00fcr ihn das Beste. Das hippieske Element von Faust ist allenfalls in den Texten auszumachen. 1972 etwa sang man \u201eDaddy, take a banana, tomorrow is Sunday\u201c (\u201eNo Harm\u201c vom Album \u201eSo Far\u201c), und so bl\u00f6de Texte kennt man ansonsten nur von Can (\u201eHey you! You\u2019re losing \u2026 your Vitamin C!\u201c). Ansonsten gilt: Typische Hippiemusik mit Gitarre und LSD ist gerade nicht mehr auf Lager, Krach h\u00e4tten wir aber noch im Angebot.\nUnd den nicht zu knapp. Seit vierzig Jahren hat sich bei Faust bez\u00fcglich der musikalischen Ausrichtung nur wenig ge\u00e4ndert, insofern sollte man nicht auf \u00dcberraschungen hoffen, und wer noch nie Faust geh\u00f6rt hat, der soll sich bitte die Einst\u00fcrzenden Neubauten mit weniger Politik und mehr Verzerrung vorstellen und wei\u00df dann ungef\u00e4hr, wie die Musik von Faust so klingt, und findet sie dann spontan gut oder l\u00e4sst es sein. Als Musikinstrument kommt auf \u201esomething dirty\u201c jedenfalls auch ein Flammenwerfer zum Einsatz.\nGesungen beziehungsweise gesprochen wird auch, aber bei Faust waren die Texte bislang nur selten essenziell, und auch auf \u201esomething dirty\u201c werden sie bis zur Unkenntlichkeit verzerrt oder von den Musikern \u00fcbert\u00f6nt. Wer herausfindet, was Jean-Herv\u00e9 P\u00e9ron und Geraldine Swayme dem H\u00f6rer hier mitteilen wollen, darf sich von mir gesch\u00e4tzt wissen.\nInsgesamt ist \u201esomething dirty\u201c ein ebenso zeit- wie kompromissloses Album, etwas Dreckiges im sauberen Einheitsbrei eben. Wer es sich nicht vorstellen kann, der m\u00f6ge es h\u00f6ren; das geht stichprobenartig zum Beispiel auf YouTube, wo sowohl das er\u00f6ffnende, ungew\u00f6hnlich rockige \u201eTell the Bitch to Go Home\u201c (hier) als auch das experimentelle Gesangsst\u00fcck \u201eLost The Signal\u201c (hier) zu h\u00f6ren sind.\n\u2026And You Will Know Us by the Trail of Dead \u2013 Tao of the Dead\n\u201eLet the fear guide your eye as your arrow burns into their time\u201c (Weight of the Sun (or The Post-Modern Prometheus))\nMeine Damen und Herren, ich pr\u00e4sentiere ehrf\u00fcrchtig mein Sommeralbum 2011. Es macht gute Laune, l\u00e4sst die Gliedma\u00dfen rhythmisch wippen und l\u00e4dt selbst mich, obschon ich von Wiederholungen nur wenig halte, dazu ein, nach dem Ende nochmals von vorn zu beginnen.\nUnd bis zum Ende dauert es seine Zeit, ganze 52 Minuten und 22 Sekunden ist das Album lang, was den Durchschnitt auch in dieser Liste hebt. \u201eDas Album\u201c ist hier aber nicht mal der richtige Ausdruck, denn genau genommen ist \u201eTao of the Dead\u201c eine Suite, bestehend aus Teil 1, \u201eTao of the Dead\u201c, und Teil 2, \u201eStrange News From Another Planet\u201c. Um die Verk\u00e4ufe auch bei weniger geduldigen Menschen anzukurbeln, gibt es das Album auch zerhackt, das hei\u00dft, Teil 1 (\u201eTao of the Dead\u201c) wurde in insgesamt 11 Abschnitte (\u201eLieder\u201c) aufgeteilt, w\u00e4hrend immerhin der Sechzehneinhalbmin\u00fcter \u201eStrange News From Another Planet\u201c intakt bleibt. Da aber auch in der Langfassung die einzelnen St\u00fccke nahtlos ineinander \u00fcbergehen, empfehle ich direkt den Griff zur \u201eLimited Edition\u201c, die beide Fassungen des Albums enth\u00e4lt, zumal diese flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4nge durch die Aufteilung auf der \u201eKurzversion\u201c zum Teil zerst\u00f6rt werden. Die \u201eLangversion\u201c ist leider nicht separat erh\u00e4ltlich.\nNicht nur in der inzwischen leider ungew\u00f6hnlichen Einteilung in lediglich zwei St\u00fccke manifestiert sich der Anspruch von \u201eTao of the Dead\u201c, ein Konzeptalbum \u2013 um nicht schon wieder \u201eGesamtkunstwerk\u201c zu schreiben \u2013 zu sein, sondern auch die optische Aufmachung wei\u00df zu \u00fcberzeugen. Die Leute, die Tontr\u00e4ger f\u00fcr veralteten Mist und \u201eLimited Editions\u201c grunds\u00e4tzlich nur f\u00fcr Geldschinderei halten, d\u00fcrfen sich von mir jetzt mal kurz ausgelacht f\u00fchlen, denn ihnen entgeht nicht nur ein farbenfrohes \u201eDigipack\u201c, das sich obendrein noch toll anf\u00fchlt, sondern auch eine 33-seitige Kurzgeschichte und 16 Seiten aus der in der Entstehung befindlichen Bildgeschichte \u201eStrange News From Another Planet \u2013 The Adventures of the Festival Thyme\u201c, deren Titel zum Teil etwas mit dem zweiten St\u00fcck auf dem Album zu tun hat, zum Teil ein R\u00fcckgriff in die Bandgeschichte ist, denn 2008 ver\u00f6ffentlichte man den EP \u201eFestival Thyme\u201c. Die enthaltene Kurzgeschichte ist \u00fcbrigens, wenn man verschiedenen Quellen im Internet glauben darf, sozusagen die Prosaform des St\u00fcckes \u201eStrange News From Another Planet\u201c, w\u00e4hrend \u201eTao of the Dead\u201c (Teil 1 also) etwas mit dem Daoismus (daher auch der Name des Albums), begr\u00fcndet einst von dem chinesischen Philosophen Laotse, zu tun hat.\nDa sind wir dann auch schon beim Inhalt, denn nicht nur beim Angucken ist \u201eTao of the Dead\u201c ein beeindruckendes St\u00fcck Musik, sondern auch musikalisch wei\u00df es zu \u00fcberzeugen. Die Zeiten, in denen man im Hause \u2026Trail of Dead zu den Kl\u00e4ngen von \u201eFake Fake Eyes\u201c noch seine Instrumente auf der B\u00fchne zertr\u00fcmmerte, sind vor\u00fcber, es regiert der alternative Rock. Mein Favorit ist der \u201eRetro-Rocker\u201c (STORMBRINGER) \u201ePure Radio Cosplay\u201c, dessen Gitarrenmelodie ziemlich ohrwurmtauglich ist. \u00dcber all dem schwebt der Geist der 70-er Jahre. Sollte man The Who als Vergleich heranziehen? Ich tu es einfach ungefragt. Wer es etwas moderner mag, ist gehalten, alternativ Coheed and Cambria mit diesem Album zu assoziieren.\nH\u00f6rprobe:\nWer es bislang vers\u00e4umt hat, zumindest schon mal irgendwo die Vorabsingle \u201eSummer Of All Dead Souls\u201c zu h\u00f6ren, kann \u2013 selbst in Deutschland \u2013 auf YouTube das zugeh\u00f6rige Video sowie einige andere Lieder vom Album goutieren.\nFugo \u2013 avant 93:43\nDie Schweizer Band Fugo eifert zwar unter anderem den Smashing Pumpkins nach, hat aber vor allem das Interesse Conrad Keelys geweckt. Conrad Keely ist Teil der bereits erw\u00e4hnten Musikgruppe \u2026And You Will Know Us by the Trail of Dead und dort unter anderem f\u00fcr das artwork zust\u00e4ndig, und auch das Titelbild des Albums \u201eAvant 93:43\u201c stammt von ihm. Dass Fugo bereits als Vorband von \u2026Trail of Dead unterwegs waren, l\u00e4sst den geneigten H\u00f6rer dann auch ungef\u00e4hr erahnen, was ihn hier erwartet.\n93:43. 93 Minuten und 43 Sekunden. So lang ist \u201eavant 93:43\u201c, aufgeteilt auf 3 CDs \u00e1 6 Lieder, macht also insgesamt 18 Lieder und eine Durchschnittsl\u00e4nge von ungef\u00e4hr 5:15 Minuten, was die Geduld des H\u00f6rers dann doch etwas weniger strapazieren d\u00fcrfte als er zun\u00e4chst bef\u00fcrchtet hat. Zu bef\u00fcrchten hat er hier ohnehin nichts:\nDie Aufnahme der Songs erfolgte (\u2026) im Grundger\u00fcst live, nur einige Gitarrenspuren und Overdubs wurden nachtr\u00e4glich hinzugef\u00fcgt. Das bringt einen rauen und authentischen Grundton hinein in die verschachtelte Komposition. Und wenn man nun das \u201eFile Under: Hardcore, Post, Rock\u201c liest, merkt man: Irgendwie ist von allem was da, aber das trifft es auch alles nicht ganz so. Man k\u00f6nnte gar noch ein \u201eProg\u201c mit hinzuf\u00fcgen. Fugo kombinieren ausgefeilte Arrangements mit H\u00e4rte und wilden Passagen, hauen gerne mal auf den Putz und bieten Gitarrenw\u00e4nde, erg\u00e4nzen aber auch verhaltene Passagen. Vom Verhangenen bis zum Betonten reicht die Spannbreite und kann den H\u00f6rer packen.\nWer die etwas zur\u00fcckhaltendere Seite von \u2026Trail of Dead mag und leicht melancholischer Stimmung, wie sie etwa Dear John Letter meisterhaft beherrschen, gegen\u00fcber nicht abgeneigt ist, sollte ein Ohr riskieren. Er wird es nicht verlieren.\nDas geht zum Beispiel mit den H\u00f6rproben auf cede.de, wo man jedes der Lieder 30 Sekunden lang anh\u00f6ren kann.\nBeardfish \u2013 Mammoth\n\u201eIn this frozen white wasteland I\u2019m bound to wait forever\u201c (The Platform)\nNeues aus Skandinavien: Beardfish sind auch weiterhin auf der rastlosen Suche nach ihrer musikalischen Identit\u00e4t. War der Vorg\u00e4nger \u201eDestined Solitaire\u201c noch mit all seiner Verspieltheit und Titeln wie \u201eIn Real Life There Is No Algebra\u201c (\u201eIm wirklichen Leben gibt es keine Algebra\u201c) die musikalische Konsequenz aus der bisherigen Entwicklung der Band, stellt \u201eMammoth\u201c sozusagen einen Gegenpol dar. Geblieben ist eine kurze \u201eGrowling\u201c-Passage, die, wie schon auf \u201eDestined Solitaire\u201c, den H\u00f6rer zum Schmunzeln bringt, passt dieser Gesangsstil doch mal so gar nicht in das fr\u00f6hlich retroproggige Konzept, davon jedoch abgesehen haben Beardfish sich, sozusagen, mal eben neu erfunden.\nDass \u201eDestined Solitaire\u201c mit all den Frank-Zappa-, Canterbury- und vor allem Yes- und Genesis-Einfl\u00fcssen un\u00fcbertrefflich bleiben w\u00fcrde, war vermutlich auch Beardfish klar, und so vollzog man einen radikalen Schnitt. Das bedeutet keineswegs, dass \u201eMammoth\u201c schlechter w\u00e4re. Es ist anders. Genug der ausufernden Frickelei (sofern man den Viertelst\u00fcnder \u201eAnd The Stone Said \u201aIf I Could Speak\u2018&nbsp;\u201c nicht nur nach seiner L\u00e4nge bewertet), stringent wird jetzt hardgerockt, weniger wie The Who, mehr wie Uriah Heep oder, um in Skandinavien zu bleiben, Kaipa, die jetzt nat\u00fcrlich vermutlich auch wieder kein Leser dieser Zeilen kennt, gesanglich allerdings viel besser passt: Der markante Gesang von Rikard Sj\u00f6blom ist eben trotz inzwischen nur noch englischsprachiger Texte typisch schwedisch.\nIhre Wurzeln haben Beardfish trotzdem nicht vergessen: Das instrumentale \u201eAkakabotu\u201c und das abschlie\u00dfende \u201eWithout Saying Anything\u201c lassen au\u00dfer Frank Zappa auch echolyn, Van der Graaf Generator und \u00e4hnliche Musikanten anklingen.\nWer extrovertierte Retromusik mag und auch nichts gegen ein wenig abwechslungsreichen Hardrock hat, der in keiner Sekunde auch nur ansatzweise so fad dahinpl\u00e4tschert wie Lieder der Scorpions, dem empfehle ich Beardfishs \u201eMammoth\u201c als Einstieg. Fortgeschrittene H\u00f6rer sollten sich dann \u201eDestined Solitaire\u201c, \u201eSleeping In Traffic: Part One/Two\u201c und \u00fcberhaupt allem finden, was sie von Beardfish sonst finden k\u00f6nnen.\nAls H\u00f6rprobe lege ich diese grandiose Liveaufnahme von \u201eAnd The Stone Said\u2026\u201c nahe. (\u00dcberhaupt sind auf YouTube verf\u00fcgbare Liveaufnahmen von Beardfish klanglich meist exzellent!)\nTraumpfad \u2013 Aufbruch\n\u201eRei\u00df sie ein, die Br\u00fccken hinter dir; du musst vorw\u00e4rts, willst du weg von hier\u201c (Der neue Weg)\nVon skandinavischen zu deutschen Retrokl\u00e4ngen: Traumpfad klingt nach Esoterik und Schlagermusik, aber ich unterstelle dreist, dass sich das Chiemgauer Quintett nur deshalb Traumpfad nennt, weil alle guten Dichternamen schon vergeben waren. Das gleichen die Musiker daf\u00fcr auf anderer Ebene aus, agieren sie doch im gleichen Klangkosmos wie einst Novalis und H\u00f6lderlin (heute Hoelderlin) mit dem Pathos der Landsleute von High Wheel, und auch textlich ist Novalis nicht fern. Der hippieske Krautrock (hierzu siehe die Rezension zu Fausts \u201esomething dirty\u201c weiter oben) erfreut sich also auch 2011 bester Gesundheit.\nF\u00fcr uns Muttersprachler sind Musikalben mit deutschen Texten insofern \u00e4rgerlich, als es uns beim besten Willen nicht gelingt, sie einfach auszublenden, und S\u00e4nger Flo Huber erweckt hier auch in keiner Weise den Eindruck, als w\u00e4re ihm das unangenehm. Und obwohl es wirklich sehr viele Liedtexte gibt, die zu schreiben vollkommen unn\u00f6tig war, so verh\u00e4lt es sich mit den Liedern auf \u201eAufbruch\u201c anders.\nOft zitiert wird zum Beispiel das Lied \u201eVergebung\u201c: \u201eDoch du kannst sie h\u00f6ren, diese Stimmen; eine Mutter, die noch schreit, ein totes Kind in ihren Armen, und ein Vater, der sich Rache schw\u00f6rt\u201c, das mag den einen oder anderen unter meinen Lesern wom\u00f6glich an die Band Oktober erinnern, aber hier geht es nicht um vergangene B\u00fcrger\u2011, sondern um allt\u00e4gliche Glaubenskriege: \u201eUnd in Kirchen und Moscheen beten Menschen, um mit Kreuzen und mit Bomben ausger\u00fcstet die Kunde zu verbreiten: (\u2026) nur dieser eine Gott ist der, der dir vergibt!\u201c\nDas ist, \u201epuh\u201c (Die \u00c4rzte), harter Stoff, aber ein Indiz daf\u00fcr, dass die Esoterik hier trotz all der Religi\u00f6sit\u00e4t, die sich in manche Texte auf dem Album hineininterpretieren l\u00e4sst, keinen Platz findet. Auf weltlichen Beinen steht die Lyrik von Traumpfad, und sie steht fest: \u201eDoch einer wird den Geist befrein, K\u00f6nig aller Affen sein; wenn er spricht, h\u00f6rt alles nur auf ihn\u201c (\u201eDer 100. Affe\u201c), derart zeitlose politische Metaphorik findet man auch bei Ton Steine Scherben nicht allzu oft.\nIch habe jetzt mehrfach Novalis erw\u00e4hnt und m\u00f6chte das als Warnung verstanden wissen: Wer diese Ausrichtung deutscher Rockmusik sch\u00e4tzt, dem wird \u201eAufbruch\u201c voraussichtlich viel Freude bringen. Wer aber deutschen Texten gegen\u00fcber, deren Interpretation die Musik deutlich dominiert und die obendrein tats\u00e4chlich so etwas wie eine Botschaft in sich tragen, aufgrund jahrelanger Dauerberieselung von irgendwelchem Mist eher skeptisch gegen\u00fcbersteht, der sollte flugs die n\u00e4chste Rezension betrachten und diese hier ausdrucken, rot umranden, durchstreichen und wegwerfen. Leser, die in keine der beiden Kategorien eingeordnet werden k\u00f6nnen, sind herzlich dazu eingeladen, mit diesem Album, nun ja, aufzubrechen in eine Welt jenseits ihres Tellerrandes.\nStatt einer H\u00f6rprobe hat die Band selbst sozusagen ein Musikvideo zum Album auf YouTube ver\u00f6ffentlicht.\nWobbler \u2013 Rites at Dawn\n\u201eListen to the words that fly with the wind\u201c (In Orbit)\nZur\u00fcck nach Skandinavien: Auch Wobbler haben ihrem Album \u201eRites at Dawn\u201c \u2013 \u201eRituale bei Sonnenaufgang\u201c \u2013 ein Vorschauvideo vorausgeschickt. Wobbler hat in diesem Fall nichts mit Angeln zu tun, vielmehr handelt es sich um eine norwegische Retroprog-Band in bester Yes-Tradition, wie ihn, den Retroprog, auch \u00c4nglag\u00e5rd, die ebenfalls derzeit an einem neuen Album arbeiten, und Starcastle zelebrieren.\nAllerdings sollte man die genannten Bands nicht in denselben Topf werfen, unterscheiden sich ihre Einfl\u00fcsse doch zum Teil deutlich. Gastfl\u00f6tist Ketil Einarsen etwa war vor einigen Jahren f\u00fcr die Nu-Jazz-Formation Jaga Jazzist t\u00e4tig, textlich wie thematisch bedient man sich bei den klassischen Genesis, Zitate aus dem \u201eCourt of the Crimson King\u201c von King Crimson und auch sonst ist \u201eRites at Dawn\u201c nicht nur ein Yes-Album aus Norwegen.\nApropos Thema: Was die \u201eRituale bei Sonnenaufgang\u201c genau sind, wird im ersten eigentlichen St\u00fcck \u2013 das Album wird von den Instrumentalpassagen \u201eLucid\u201c und \u201eLucid Dreams\u201c quasi eingerahmt \u2013 \u201eLa Bealtaine\u201c, \u00fcberzeugend dargeboten vom Neuzugang Andreas Str\u00f8mman Prestmo, zumindest etwas n\u00e4her angedeutet. \u201eBealtaine\u201c ist der Name des keltischen Fr\u00fchlings- und Fruchtbarkeitsfestes.\nSymphonischer Progressive Rock, so hie\u00df es einmal, sei mit dem Beginn der Punkwelle einen langsamen, qualvollen Tod gestorben. Wom\u00f6glich ist das, was Wobbler seit ihrem Zweitling \u201eAfterglow\u201c auf Tontr\u00e4ger pressen lassen, auch deshalb so entr\u00fcckt, oder ist es ein Zeichen, dass die Nachrufe auf diese Musikgattung verfr\u00fcht waren? Vielleicht hat man das alles schon mal irgendwo geh\u00f6rt, wirklich neues von Musik zu erwarten, die bewusst bekannte Ideen aufgreift, w\u00e4re allerdings auch nicht angebracht. Es muss ja auch nicht unbedingt negativ gewertet werden, dass die vorhandenen Ingredienzen keiner vollkommen neuartigen Quelle entspringen, so lange das Ergebnis \u00fcberzeugt, und das tut es wahrlich.\nAls H\u00f6rprobe empfehle ich, wie bereits angedeutet, das entsprechende Video, das Ausz\u00fcge aus dem Album enth\u00e4lt und so einen ungef\u00e4hren Eindruck davon vermitteln kann, ob das Album gef\u00e4llt oder nicht. Mir gef\u00e4llt es.\nJolly \u2013 The Audio Guide To Happiness (Part 1)\n\u201eClose your eyes. Breathe. Fly.\u201c (Guidance One)\nMan sollte sich von der wellness-S\u00e4uselei in der er\u00f6ffnenden \u201eAnleitung\u201c (\u201eGuidance One\u201c) nicht t\u00e4uschen lassen: Jolly machen einen New Artrock mit Eiern bzw. Progmetalanleihen. Spontaner Vergleich: Porcupine Tree in der \u201eIn-Absentia\u201c-Phase, aber mit weniger weichgesp\u00fcltem Gesang, alternativ Nickelback ohne den bekannten Ekelfaktor; etwas wohlwollender betrachtet: Tool.\nNach der \u201eGuidance One\u201c (mitten im Album gibt es noch mal eine, passend \u201eGuidance Two\u201c betitelt) scheppert das Album mit \u201eEnds Where It Starts\u201c dann auch schon ordentlich los. Eigenartig ist das Keyboardgeklimper w\u00e4hrend des Liedes, das w\u00e4hrend des Albums immer wieder auftaucht. Auf King Crimsons \u201eLizard\u201c war so etwas auch einmal zu h\u00f6ren und hat auch dort den H\u00f6rer verst\u00f6rt. \u201eVerst\u00f6rend\u201c ist ohnehin das ganze Album, auch wegen der Ambient-Zwischenspiele, die gar nicht recht in das Konzept passen wollen. Oder doch?\nJOLLY verwenden sogenannte binaurale T\u00f6ne, die aus einer Kombination von leicht abweichenden Frequenzen bestehen. Das sind wahrnehmbare T\u00f6ne, die direkt im Gehirn entstehen, wenn den Ohren separat zwei leicht unterschiedliche Frequenzen zugef\u00fchrt werden \u2013 so die Wikipedia dazu. Diese Methode der Tonerzeugung soll daf\u00fcr sorgen, dass Gef\u00fchle der Entspannung, Konzentration, Kreativit\u00e4t und des Gl\u00fccks erzeugt werden.\n\u201eJolly\u201c. Ausgelassen auf gut Deutsch. Warum haben sie erst auf dem zweiten Album daran gedacht? Und vor allem: Funktioniert es?\nBodenst\u00e4ndige Zeitgenossen werden nun einwenden, dass es doch eigentlich egal sein sollte, wie die Kl\u00e4nge geartet sind, die man h\u00f6rt, und dass jedes gute Musikalbum gl\u00fccklich macht. Richtig, werte bodenst\u00e4ndige Zeitgenossen, sage ich, doch nehmt mal den Stock aus dem Hintern und lacht mit mir; denn was f\u00fcr Musik w\u00fcrde besser zu einem \u201eAudiof\u00fchrer zum Gl\u00fccklichsein\u201c passen als solche, die nachweislich entsprechende Auswirkungen auf das menschliche Gehirn haben? Ansonsten stimme ich euch selbstverst\u00e4ndlich zu, ein Musikalbum, das nicht gl\u00fccklich macht, sollte man meiden wie sonst nur Apple und Sony, sofern es kein ganz besonderer Anlass ist, denn dann gehen auch Musikalben, die traurig machen, etwa von den Tindersticks.\n\u00dcbrigens habe ich das Wort \u201escheppern\u201c oben keinesfalls negativ gemeint, denn ich mag es, wenn es scheppert. Im Kontrast zu den ambienten Kl\u00e4ngen der beiden \u201eGuidances\u201c ist die eigentliche Musik auf dem Album dann allerdings doch recht wenig zur\u00fcckhaltend, wenngleich das Album mit dem wiederum ambient-rockigen \u201eDorothy\u2019s Lament\u201c schlie\u00dft.\nOb es nun an irgendwelchen wissenschaftlich bewiesenen, gar chemischen Vorg\u00e4ngen im Gehirn liegt oder ob Jolly einfach nur wirklich gute Musiker sind, soll mir dann auch gerade mal egal sein, aber das mit der Kreativit\u00e4t und dem Gl\u00fcck klappt dann doch schon ganz gut. Auf Teil 2 bin ich schon sehr gespannt.\n2011 ist aber nicht nur ein gutes Jahr f\u00fcr Musik an sich, sondern auch f\u00fcr H\u00f6rproben, denn auch vom \u201eAudio Guide To Happiness (Part 1)\u201c gibt es ein offizielles Video zum Vorh\u00f6ren. Ich w\u00fcnsche entspanntes Vergn\u00fcgen.\nThe Joy Formidable \u2013 The Big Roar\n\u201eAnd all your friends are having so much fun, they\u2019re baking cakes and swapping numbers\u201c (The Magnifying Glass)\nVon der Gl\u00fcckseligkeit ist es nur ein kurzer Sprung zur formidablen Freude, zum Joy Formidable, obwohl das Waliser Trio musikalisch andere Wege beschreitet oder vielleicht auch durchh\u00fcpft. \u201eThe Big Roar\u201c ist jedenfalls eher Musik, zu der man h\u00fcpfen m\u00f6chte, und dem Vernehmen nach wird zu dieser Musik in der Regel auch flei\u00dfig geh\u00fcpft. Verzerrt wie die Raveonettes, energetisch wie die Ting Tings wuseln Frontfrau Ritzy Bryan und ihre beiden Mitstreiter durch die 12 St\u00fccke des Albums, und wenn nicht gerade ausnahmsweise Bassist Rhydian Dafydd, etwa in \u201eLlaw = Wall\u201c, schwerm\u00fctig ins Mikrofon seufzt, denkt man unwillk\u00fcrlich an die Kills und findet es andererseits prima, dass The Joy Formidable nicht so minimalistisch zu Werke gehen, sondern auch mal ordentlich auf den Putz hauen. Besonders beeindruckend ist der markante Bass, der sich zwar nicht in den Vordergrund dr\u00e4ngt, aber das Klangbild doch kr\u00e4ftig f\u00e4rbt.\nAndere Medien kramen au\u00dferdem noch The Breeders aus der Vergleichskiste, aber das ist albern, denn wenn weiblicher Gesang das einzige Kriterium w\u00e4re, k\u00f6nnte man auch die Spice Girls und The Chordettes in dieser Rezension auftauchen lassen, trotzdem w\u00e4re die Leserschaft hinterher immer noch nicht schlauer, was ihre Vorstellung von der Musik der drei Musiker betrifft, und das w\u00e4re doch schade, denn die ist durchaus vielseitig, obwohl jedes mir bekannte l\u00e4ngere Interview mit der Band oder zumindest mit Frau Bryan immer irgendwann ihre umfangreich dokumentierte und anscheinend also stinklangweilige Liebesbeziehung mit Herrn Dafydd thematisiert. Dabei will unsereins doch nur etwas \u00fcber die musikalischen Hintergr\u00fcnde erfahren!\nAber da das erfolglos ist, bleibt eben nur das Schubladendenken. Auch wenn man daf\u00fcr ziemlich viele Schr\u00e4nke braucht. Artpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative. Noch Fragen?\nEine ganz gute H\u00f6rprobe ist das Video zu \u201eAustere\u201c auf YouTube. Nicht wundern, dass es dort schon eine Weile zu finden ist, denn einige Lieder auf dem Album wurden in etwas weniger kratzb\u00fcrstigen Versionen bereits 2009 ver\u00f6ffentlicht. 2011 stimmt also. In jeder Hinsicht.\nFoster the People \u2013 Torches\n\u201eI took a sip of something poisoned but I\u2019ll hold on tight\u201c (Helena Beat)\nWir bleiben beim Pop und bemerken, dass entweder meine Urteilskraft nachl\u00e4sst, die Qualit\u00e4t dieser Liste also mit den Jahren sinkt, oder dass Pop im Jahr 2011 endlich wieder besser wird. Foster the People ist ebenfalls ein Trio, die Frontfrau ist hier allerdings ein Frontmann namens Mark Foster, was vermutlich auch den Namen der Band (\u201ePflegt das Volk!\u201c) erkl\u00e4rt.\nUnd auch \u201eTorches\u201c ist ein Deb\u00fctalbum. Ich sehe gerade, dass ich das Adjektiv \u201etanzbar\u201c in diesem Artikel noch nicht verwendet habe, also verwende ich es jetzt, denn es passt. \u201eIndie-Elektropop\u201c nannte dieses Album mal irgendwer, und ich frage mich seitdem, wie Akustikpop wohl klingen w\u00fcrde, komme aber kaum dazu, diesen Gedanken angemessen weiterzuspinnen, denn Foster the People nehmen meine gesamte Aufmerksamkeit gerade jetzt, da ich diese Zeilen hellgrau auf jedenfalls-nicht-schwarz niederschreibe, voll in Anspruch, weil ich versuche, das Geheimnis zu ergr\u00fcnden, warum mich eine Band, die mich mal (\u201eI Would Do Anything For You\u201c) an Owl City (das sind die mit dem Lied \u201eFireflies\u201c, das ich beim besten Willen nicht mehr h\u00f6ren kann), mal an die Pet Shop Boys und Portugal. The Man (mit weniger Atmosph\u00e4re) denken l\u00e4sst, eigentlich so sehr fasziniert, dass ich sie als dieser Liste w\u00fcrdig erachte.\nUnd dass mir das nicht gelingt, werte ich dann einfach mal als gutes Zeichen und lasse dann eben andere zu Wort kommen:\nDie Band kommt aus Kalifornien, die Musik erinnert an MGMTs erstes Album. Upbeat (zumindest was die Instrumentierung betrifft) und voll toller Melodien. Ob es f\u00f6rderlich ist, sich n\u00e4her mit dem Text von \u201ePumped Up Kicks\u201c auseinanderzusetzen, vermag ich nicht zu beurteilen. Der Song ist aber so oder so gro\u00dfartig.\nGerade der Text von \u201ePumped Up Kicks\u201c, das bereits im Sommer 2010 auf diversen Radiosendern zu h\u00f6ren war, setzt aber Akzente, die zwar nicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr das Album sind, aber f\u00fcr die man nur noch viel zu selten in der poul\u00e4ren Musik des 21. Jahrhunderts Verwendung findet: \u201eAll the other kids with the pumped up kicks / you\u2019d better run, better run, faster than my bullet\u201c, sehr sch\u00f6n, so etwas habe ich zuletzt vor viel zu langer Zeit von den Liars geh\u00f6rt, aber die stehen in der Tradition New Yorker Garagenrocks, und dort tanzt man ja allgemein nicht so gern, dort schie\u00dft man lieber Leute tot.\nUnd so ein Sommer ist ja auch eigentlich viel zu warm, um Amok zu laufen.\nStattdessen sollte man seine Knarre beiseitelegen und mal reinh\u00f6ren, zum Beispiel auf Amazon.de.\nKreidler \u2013 Tank\nHat man \u201eTorches\u201c dann zu Ende geh\u00f6rt und fertig getanzt und den anschlie\u00dfenden Amoklauf auch erfolgreich hinter sich gebracht, m\u00f6chte man vielleicht dann erst mal wieder seine Nerven ein bisschen beruhigen. Daf\u00fcr eignet sich zum Beispiel das Album \u201eTank\u201c der D\u00fcsseldorfer Electronica-Formation Kreidler, obwohl ihnen die Kategorisierung als \u201eElectronica-Formation\u201c vermutlich selbst nicht so recht zusagt, immerhin halten sie musikalische Schubladen f\u00fcr deplatziert und steigen somit in meiner Achtung betr\u00e4chtlich.\nWie man es nun aber nennt, wenn drei Herren aus \u00fcberwiegend elektronischem Instrumentarium Kl\u00e4nge erzeugen und damit ein Album f\u00fcllen, ist eigentlich auch nicht wichtig, Tangerine Dream zum Beispiel werden auch abwechselnd dem Krautrock und \u201eelektronischer Musik\u201c zugeordnet, obwohl da nichts rockt und \u201eelektronische Musik\u201c Techno und Popquatsch gleicherma\u00dfen umfasst, und so ist es bei Kreidler eben auch. Wahr ist, dass Analogien zu Kraftwerk unverkennbar sind, der Umstand, dass Kraftwerk in ihren Anfangsjahren noch anders musizierten als heute, sollte aber niemanden falsche Schl\u00fcsse ziehen lassen. In der Wikipedia ist zu lesen, das Instrumentarium von Kreidler bestehe aus \u201eelektronischen und akustischen Instrumenten und dem Computer\u201c, und das klingt dann doch wenigstens schon etwas greifbarer.\nZum Teil meinte ich, die Anfangsszene des St\u00fcckes \u201eEraser\u201c der Nine Inch Nails wiederzuerkennen, allerdings viel filigraner und weniger bedrohlich. Kreidler entlocken ihren Instrumenten, welche das konkret auch immer sein m\u00f6gen, hypnotische Kl\u00e4nge. Dabei wird es aber nicht eint\u00f6nig, sondern bleibt abwechslungsreich; frei und schlecht \u00fcbersetzt:\nKreidler sind Meister darin, Kl\u00e4nge \u00fcber ein St\u00fcck zu legen, bei denen mannigfaltiges kybernetisches Pochen (sowohl dunkel als auch \u00e4therisch), Bassimpulse (funky oder marschierend) und Rhythmen (stampfend oder komplex) eingef\u00fchrt und eingewoben werden. In den H\u00e4nden anderer K\u00fcnstler w\u00fcrde dies unweigerlich zu Durcheinander f\u00fchren; Kreidlers Geschicklichkeit und Pr\u00e4zision werden von der Tatsache best\u00e4rkt, dass man noch immer einen einzelnen Er\u00f6ffnungsklang am Ende eines St\u00fcckes erkennen kann, obwohl viele andere l\u00e4ngst hinzugef\u00fcgt wurden.\nKreidler machen auf \u201eTank\u201c Musik zum Tr\u00e4umen, zum Entspannen, ohne dabei flach und einschl\u00e4fernd zu werden.\nKurz gesagt: Musik f\u00fcr lange Bahnfahrten.\nH\u00f6rprobe:\nDas St\u00fcck \u201eKremlin Rules\u201c l\u00e4sst sich derzeit zum Beispiel auf Both Bars On in voller L\u00e4nge genie\u00dfen.\nLong Distance Calling \u2013 Long Distance Calling\nVon deutscher Instrumentalelektronik (krautig) zu deutscher Instrumentalelektronik (rockig) ist es nicht weit, und die M\u00fcnsteraner von Long Distance Calling sind sogar so freundlich, selbst ein Genre vorzuschlagen; denn eine Postrockband wollen sie nicht sein, stattdessen sprechen sie von \u201eInstrumentalrock\u201c, was sich, glaubt man der offiziellen Darstellung, eher zuf\u00e4llig ergeben hat, denn nachdem man keinen geeigneten S\u00e4nger fand, versuchte man es dann halt mal ohne und bemerkte, dass das auch ganz gut klingt. Auf ihrem dritten Album \u201eLong Distance Calling\u201c ist dennoch ein Vokalbeitrag von John Bush (fr\u00fcher Anthrax, heute Armored Saint) zu h\u00f6ren; damit setzt die Band die Tradition, hier und da eben solche Beitr\u00e4ge einzuflechten, fort.\nLeider habe ich gerade keinen Link zu einem Blog parat, auf dem das schon mal erw\u00e4hnt worden w\u00e4re, also erw\u00e4hne ich es selbst: \u201ePostrock\u201c (und alles, was so klingt, als w\u00e4re es Postrock) l\u00e4sst sich unter anderem auch einteilen in \u201emit Gesang\u201c und \u201eohne Gesang\u201c. Das sagt aber \u00fcber die Musik selbst nur wenig aus, denn w\u00e4hrend die eingangs rezensierten und ebenfalls instrumentalen Codes In The Clouds zusammen mit Sigur R\u00f3s in h\u00f6heren Sph\u00e4ren schweben, atmet \u201eLong Distance Calling\u201c den Geist von A Perfect Circle, Mogwai und \u00e4hnlichen Musikern, wobei das mit der \u00c4hnlichkeit eigentlich auch wieder nicht stimmt, denn was \u00e4hnlich klingt, ist eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig. Entscheidend ist das eigenst\u00e4ndige Merkmal, und das ist manchmal nicht so leicht.\nDieses eigenst\u00e4ndige Merkmal ist bei Long Distance Calling jedenfalls, ganz klar, die Stilvielfalt. Groovende Rhythmen treffen auf jaulende Gitarren, zwischen Psychedelic Rock und Progressive Metal, zwischen New Artrock und Shoegaze wirbeln die f\u00fcnf Musiker hin und her, ab und zu lugt auch mal der Stoner Rock vorsichtig um die Ecke, nur um sich gleich darauf von einer Gitarrenwand wieder plattwalzen zu lassen. Ich finde das gut.\nH\u00f6rproben:\nDiverse Musikst\u00fccke aus der Bandgeschichte sind auf MySpace zu h\u00f6ren.\nThe Skull Defekts \u2013 Peer Amid\n\u201eNobody, nothing, nowhere no more, nobody, nothing no more\u201c (No More Always)\nVerlassen wir die Pfade instrumentaler Indiemusik dann erst mal wieder und wenden uns erneut Skandinaviens Rockszene zu. Dort, in Schweden, agieren zum Beispiel The Skull Defekts. Von The Skull Defekts erklingen effektreiche Low-Fidelity-Klangkonstrukte, die manchmal an Einst\u00fcrzende Neubauten (eine gute \u00dcberleitung zwischen \u201ePyramiden\u201c und \u201eNeubauten\u201c bitte ich meine Leser selbst herzustellen) und viel mehr noch an Sonic Youth erinnern. Kaputt im Sch\u00e4del wird man von dem Kredenzten trotz des Bandnamens \u00fcbrigens nicht.\nNicht jeder l\u00e4sst sich \u00fcberzeugen von dem zugrunde liegenden Konzept, das vor allem Kraft aus dem Prinzip der Wiederholung sch\u00f6pft, wie es auch bei den ebenfalls recht \u00e4hnlichen The Fall der Fall ist, aber ich bin bekanntlich ebenfalls nicht jeder und finde es wie manch anderer seltsam, aber prima. Passend hierzu ist das Coverbild: Eine Schlange, die sich selbst am Schwanz leckt (err\u00f6tetes Kichern bitte unterlassen), als Sinnbild der Wiederholung ist eigentlich ganz gut gew\u00e4hlt. Man denke aber gar nicht erst daran, \u201eWiederholungen\u201c mit \u201eEint\u00f6nigkeit\u201c zu verwechseln!\nAls \u201ePostpunk\u201c stand \u201ePeer Amid\u201c mal irgendwo beschrieben, und irgendein Genre zu nehmen und \u201ePost-\u201c davorzuschreiben ist bekanntlich ein untr\u00fcgliches Zeichen daf\u00fcr, dass der Rezensent nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. (Alternativ freue ich mich dann schon mal auf die n\u00e4chste Deutschrock-CD, die irgendein Rezensionskasper dann \u201ePostschlager\u201c nennt. Oder so.) Was aber ist es dann?\nNun, vor allem ist es prima dreckige Rockmusik. Ungeschliffen, garagig. The Skull Defekts biedern sich nicht an, sondern schleudern dem H\u00f6rer ungefragt Gitarren entgegen. In your face. Vorn dabei: Gasts\u00e4nger Daniel Higgs, manchen \u2013 mir nicht \u2013 vielleicht bereits als (inzwischen ehemaliges) Mitglied von Lungfish bekannt, der der ohnehin schon kraftvollen Interpretation mit seiner sich nahtlos in die Musik einf\u00fcgenden Darbietung das sprichw\u00f6rtliche i\u2011T\u00fcpfelchen hinzuf\u00fcgt. (Habe ich schon Sonic Youth erw\u00e4hnt?)\nWer es also auch mal ein wenig roher mag, der k\u00f6nnte durchaus viel Gefallen an \u201ePeer Amid\u201c finden; und Freunde der anderen erw\u00e4hnten Bands sollten ebenfalls mal reinh\u00f6ren.\nH\u00f6rproben:\nAuf YouTube.com ist unter anderem das oben zitierte \u201eNo More Always\u201c zu h\u00f6ren.\nCentral Park \u2013 reflected\n\u201eI will dry my tears, the wonder will take place\u201c (Another Part)\nEtwas weniger dreckig geht es bei Central Park zu, die mit \u201ereflected\u201c ihr zweites Album vorlegen. Bebildert ist es, passend zum Titel, mit einem Fragezeichen, dessen Schatten ein Ausrufezeichen bildet; das k\u00f6nnte bedeuten, dass die Antwort auf die meisten Fragen bereits in den Fragen selbst zu finden ist, das k\u00f6nnte aber auch einfach nur ein h\u00fcbsches Bildchen sein. Wer wei\u00df das schon so genau?\nSo m\u00fcssen wir Musikfreunde uns also allein darauf verlassen, was wir mit Sicherheit sehen (oder h\u00f6ren) k\u00f6nnen, und das ist eine Menge. Central Parks Zweitling ist n\u00e4mlich musikalisch ein ziemlich zerrissenes Album. Instrumentalpassagen kingcrimsonscher Qualit\u00e4t wechseln sich ab mit AOR und Hard Rock, S\u00e4ngerin Jannine Pusch intoniert dazu so vielseitig und ausdrucksstark, dass es eine wahre Freude ist, und l\u00e4sst mal die sanften H\u00f6lderlin, mal die ehemals ausgeflippten Eatliz anklingen.\nIn dem \u00fcber 12 Minuten langen \u201eVision\u201c, das als St\u00fcck 5 von 9 genau die Mitte des Albums markiert, wird diese Zerrissenheit besonders deutlich: Es beginnt mit langsamem, mehrstimmigem Gesang, unvermittelt setzen Schlagzeug und Keyboards ein, anschlie\u00dfend ert\u00f6nen Rufe, die Warnschilder zitieren (\u201eDo not enter!\u201c, \u201ePrivate property!\u201c und was halt auf so Schildern immer draufsteht), und zwar in Stereo, also abwechselnd in beiden Kan\u00e4len, damit der H\u00f6rer sich nicht zu sehr entspannt. Dazu hat er in der folgenden Keyboardpassage etwas Gelegenheit, die von Gesang begleitet wird, der Nico-fans feuchte Tr\u00e4ume bereiten sollte. Es folgt eine Experimentalphase mit merkw\u00fcrdigen Schlagzeugeinlagen, Frau Puschs Gesang wird opernhaft, bricht aber ab f\u00fcr eine neue Phase: Mehrstimmiger Sprechgesang \u00fcber verzerrter Gitarre/Bass/Schlagzeug. Keyboards setzen ein, um das Ende dieses Abschnitts zu markieren, Jannine Pusch gibt noch mal kurz die Tarja (aber weniger schmerzhaft-jaulend), Stille. Sanfte Keyboards zu sanftem Gesang, sogar f\u00fcr diese \u201eCastingshows\u201c, die es heutzutage wieder rentabel machen, keinen Fernseher zu besitzen, wahrscheinlich zu seicht, und schon wird der H\u00f6rer wieder von merkw\u00fcrdigen Klangeffekten umgeben. Die Rufe ert\u00f6nen wieder, die Instrumentalabteilung spielt derweil wieder die Sprechgesangsszene durch, die Rufe enden, das Lied klingt aus. Oder war es doch ein H\u00f6rspiel?\nAllgemein l\u00e4sst sich \u00fcber das Album zusammenfassend sagen: Standen bei den Skull Defekts noch die Gitarren im Vordergrund, so sind es bei Central Park Schlagzeug, Orgelkl\u00e4nge und viel Hall. Der Hall ist es auch, der mich auf diesem eigentlich faszinierenden Album am meisten st\u00f6rt, denn w\u00e4hrend er etwa in \u201eVision\u201c sicher den gew\u00fcnschten Effekt hat, wirkt er in anderen St\u00fccken eher fehl am Platz. Aber so etwas ist sicherlich auch immer rein subjektiv.\nWeniger subjektiv sind da die H\u00f6rproben:\nZum Beispiel ist auf YouTube.com ein Video zu \u201eGuns\u2019R\u2019Us\u201c zu finden. Dieses Lied greift, wie auch das Video, das Thema \u201eKindersoldaten\u201c auf und ist wirklich nicht schlecht.\nSkeleton$ \u2013 People\n\u201eSo I say I try to replace that cartoon in my face, but fuck it!\u201c (Grandma)\nDies nun ist der Moment, in dem ich es bereue, oben bereits \u201eTao of the Dead\u201c zu meinem Sommeralbum des Jahres erkl\u00e4rt zu haben, denn \u201ePeople\u201c ist ebenfalls wirklich sehr, sehr gut. \u201eAvantgarde\u201c ist vermutlich das Wort, das hier gut passt, befindet sich das Trio doch so in guter Nachbarschaft mit Bands wie Cheer-Accident, die ebenfalls im Avantgarde-Pop verortet werden.\nObwohl Skeleton$ durchaus mitunter sehr experimentell musizieren, wird es dennoch nie blo\u00dfer Krach, der aus den Lautsprechern schallt. Im Gegenteil wird es oft melodisch und eing\u00e4ngig, die Melodie des St\u00fcckes \u201eTania Head\u201c etwa l\u00e4sst den versierten Musikfreund in Erinnerungen an Pink Floyds \u201eFearless\u201c schwelgen, das diesem St\u00fcck verdammt \u00e4hnlich klingt. Andererseits beherrschen Skeleton$ das Kunstst\u00fcck, jedes Lied st\u00e4ndig so klingen zu lassen, als st\u00fcnde es kurz vor dem Ausbruch. S\u00e4nger Matthew Mehlan, stimmlich ungef\u00e4hr das Gegenteil von Daniel Higgs, klingt derweil meistens so, als h\u00e4tte er gerade guten Sex gehabt und dazu einen ebenfalls guten Joint geraucht, geradezu unertr\u00e4glich entspannt eben, was einen interessanten Kontrast darstellt.\nKeinesfalls aber bedeutet das, dass man von diesem Album quasi nur L\u00e4rmkaskaden zu erwarten hat. Dem beinahe neunmin\u00fctigen \u201eBarack Obama Blues\u201c, der gar kein Blues ist und gegen Ende eine Ger\u00e4uschwand aufbaut, angesichts derer von Entspannung keine Rede mehr sein kann, steht zum Beispiel das zur\u00fcckhaltende, beinahe beatlesque \u201eNo\u201c gegen\u00fcber. Auch \u201ePeople\u201c hat also seine \u2013 kurzen \u2013 radiotauglichen Momente. (Peter, wie w\u00e4r\u2019s?)\nSkeleton$ hie\u00dfen fr\u00fcher Skeletons und waren angeblich noch experimenteller, avantgardistischer, unh\u00f6rbarer. Ob das Dollarsymbol also f\u00fcr eine Ausrichtung auf kommerziellere Musik steht, kann man nur vermuten, vielleicht ist es auch als Kritik am allgegenw\u00e4rtigen Kapitalismus zu sehen. Letzteres halte ich f\u00fcr wahrscheinlicher, denn von Massenkompatibilit\u00e4t kann man bei \u201ePeople\u201c nicht ohne schlechtes Gewissen sprechen.\nDer Anspruch an die H\u00f6rer wird untermauert durch den Umstand, dass \u201ePeople\u201c ein Konzeptalbum ist; textlich geht es um Menschen, also um people, und um reale Ereignisse. Andreas Hofmann recherchierte etwas ausf\u00fchrlicher:\nSo geht es z.B. um einen Mann, der am Tag nach Thanksgiving beim mittlerweile traditionellen Black Friday Sale im Walmart zu Tode getrampelt wurde (\u201eWalmart and the Ghost of Jimm\u201c), \u201eTania Head\u201c wiederum ist eine Frau, die sich f\u00fcr ihre five minutes of fame eine spektakul\u00e4re 9/11-\u00dcberlebensgeschichte einfallen lie\u00df, im Opener \u201eL\u2019il Rich\u201c wird erst ein Opfer von Gang-Gewalt in Mehlans Nachbarschaft besungen und gegen Ende eine tragische Geschichte aufgegriffen, in der ein unbewaffneter Mann, der eigentlich einen Tag sp\u00e4ter heiraten wollte, von der New Yorker Polizei mit 50 Kugeln niedergestreckt wurde \u2013 allesamt people eben.\nSteven Wilson hat vor einer Weile gesagt, die Rockmusik sei tot, sie habe nichts neues mehr zu erz\u00e4hlen. Zum Gl\u00fcck wissen Skeleton$ das noch nicht.\nUnd daher kann sich der Musikfreund nun an den H\u00f6rproben erfreuen:\n\u201ePeople\u201c wird via Bandcamp in G\u00e4nze als Streaming und zum Kauf angeboten.\nMonkey3 \u2013 Beyond The Black Sky\nNach so viel Avantgarde kann man es dann auch mal wieder krachen lassen. Warum Musik, mit der man es krachen lassen kann, ausgerechnet aus der Schweiz kommt, wei\u00df ich nicht, aber ich vermute, das liegt an den Bergen.\nDas vierte Studioalbum der Instrumentalrocker Monkey3 hat, wie auch seine Vorg\u00e4nger, bereits ein augenf\u00e4lliges Bild (stilecht mit stilisiertem Pavian) vorne drauf. Der H\u00f6rer wei\u00df so schon vorher: Hausmannskost bekommt er hier nicht. \u201eTypisch Schweiz\u201c sieht anders aus, mit mehr Gejodel und weniger blutigen Pavianeckz\u00e4hnen, wobei ich mir sp\u00e4testens seit Zwegh da auch nicht mehr sicher bin. Die Schweiz macht mir Angst.\nManchmal ist Angst aber auch ein guter Motor, der den Genuss eines Musikalbums erst so richtig f\u00f6rdert. \u00c4ngstlich also verstecke ich mich unter meiner Bettdecke, w\u00e4hrend die Stoner-Rock-Welle jede Faser meines Daseins davonzusp\u00fclen droht, angereichert mit gelegentlichen elektronischen Klangspielereien, quasi als psychedelische Ruhe vor dem Sturm. Wer jetzt einwendet, dass Stoner Rock doch grunds\u00e4tzlich immer psychedelisch sei, der hat Recht und ist ein bl\u00f6der Klugschei\u00dfer, so.\nIrgendwer war wieder voreilig und hat dem Album das Pr\u00e4dikat \u201ePostrock\u201c (\u201ePost-Rock\u201c) angetackert. Nat\u00fcrlich ist das, was Monkey3 auf Tontr\u00e4ger bannen, post-rock, es zieht also an dem Genrekorsett von Rockmusik fr\u00f6hlich winkend vorbei, aber wer hier Mogwai oder Slint oder andere Postrockbands herauszuh\u00f6ren versucht, wird kl\u00e4glich scheitern.\nAls Einfl\u00fcsse karrt die Band unter anderem Pelican, aber auch Led Zeppelin heran. Als Anspieltipp f\u00fcr diejenigen, die sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, wie das klingt, sei das St\u00fcck \u201eThrough The Desert\u201c empfohlen, das zwar nicht so sch\u00f6n losbrettert wie etwa \u201eK.I\u201c, daf\u00fcr aber stilecht mit \u201eKashmir\u201c-Gitarre aufwarten kann.\nH\u00f6rproben:\nReinh\u00f6ren kann man zum Beispiel auf Amazon.de.\nCaleya \u2013 Tr\u00ffmmermensch\n\u201eBis nichts mehr bleibt au\u00dfer Zweifel, au\u00dfer Phrasen \u2026\u201c (Aporie)\nPeter, dem Schei\u00dfkerl (Peter \u00fcber Peter), ist so manches Fundst\u00fcck der letzten Jahre zu verdanken. Auch das Album \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c der Hamburger Formation Caleya z\u00e4hlt dazu.\nRegelm\u00e4\u00dfigen Lesern meiner Halbjahresr\u00fcckschauen sollte die Kombination aus d\u00fcsteren Texten und eigenartigen Liedtiteln (hier \u201eAporie\u201c, \u201eArchetyp\u201c, \u201eAkrasia\u201c und noch drei so Titel) bereits von The Hirsch Effekt bekannt vorkommen, und tats\u00e4chlich gibt es da gewisse Parallelen: Gemeinsames Touren, auch bereits eine gemeinsame CD (das St\u00fcck \u201eAmygdala\u201c stammt von dieser \u201eSplit\u201c-EP), und produziert wurde \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c von Nils Wittrock, S\u00e4nger bei The Hirsch Effekt. Wer nicht gerade die \u201eScreamo\u201c-Begriffsbildung aus der Mottenkiste l\u00e4ngst abgelutschter Genrebezeichnungen kramt, der nennt das, was Caleya hier auf Tontr\u00e4ger pressen lie\u00dfen, \u201ePost-Hardcore\u201c, und h\u00e4tte ich oben nicht schon ausf\u00fchrlich \u00fcber derartige Bezeichnungen gel\u00e4stert, ich w\u00fcrde es jetzt glatt noch mal tun.\nAber die Post geht tats\u00e4chlich ziemlich ab auf \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c. Deutsche Texte wirken f\u00fcr Muttersprachler noch emotionaler, wenn sie nicht gelangweilt dahingesungen, sondern verzweifelt ins Ohr gebr\u00fcllt werden, und das beherrscht man in Hamburg genau so pr\u00e4chtig, wie man eben auch ganz anders kann:\nDurch das Gebr\u00fcll von S\u00e4nger Tobi wird der chaotische Anstrich verst\u00e4rkt, wobei sich die gesuchte Harmonie in der Verwendung von progressiven Elementen auszeichnet. Diese erscheinen wie L\u00f6cher in den noisigen Riffs und erzeugen einen Kontrast, w\u00e4hrend das Gebr\u00fcll ganz zum Erliegen kommt und von melodischen, instrumentalen Parts, Gesang oder kurzen, gesprochenen Passagen abgel\u00f6st wird. Nach einer musikalischen Steigerung kommt es zur Entladung, zu der der Gesang wieder zum Gebr\u00fcll \u00fcbergeht. Die Songs unterscheiden sich dabei im Muster zwischen den lauten und leisen Teilen und \u00fcberraschen in derselben Weise, wie der Einsatz unterschiedlicher Instrumente, wie der eines Glockenspiels, einer Geige oder eines Xylophons.\nKein Zweifel: W\u00e4re \u201eTr\u00ffmmermensch\u201c ein H\u00f6rspiel, man w\u00fcrde die Tr\u00ffmmer f\u00f6rmlich fliegen h\u00f6ren. Volle Kanne Emotion, Depression. Aber ich sch\u00e4tze, jeder Leser dieser Zeilen hat manchmal das Bed\u00fcrfnis, einfach nur laut zu schreien. Dies ist die Musik dazu.\nReinh\u00f6ren und mitschreien!\nDas geht zum Beispiel auf MySpace, wo auch einige \u00e4ltere Musikst\u00fccke von Caleya bl\u00f6d rumliegen.\nUnexpect \u2013 Fables of the Sleepless Empire\n\u201eA lunatic exorcism of impulsive literary stings, serving the untainted delight of devious cunnings\u201c (Words)\nVerglichen mit Caleya sind Unexpect beinahe schon zur\u00fcckhaltend. Wohlgemerkt: Dies ist ausdr\u00fccklich als Vergleich zu werten!; denn Ambientlandschaften sind auf \u201eFables of the Sleepless Empire\u201c nicht zu finden. Kein Wunder ist es ein schlafloses Reich bei dem Krach.\nLaut Eigenbeschreibung machen die Kanadier avant-garde classical fusion experimental progressive metal, und wen das nicht an die Labelkollegen von den Stolen Babies (\u201eprog-pop-cabaret-thrash-quirky-goth-rock\u201c) erinnert, der hat einiges nachzuholen, aber ich erkl\u00e4re es ihm dann trotzdem mal, schlie\u00dflich wollen wir ja auch alle irgendwann noch mal ein wenig vorankommen hier:\nSanfte Gitarrenlaute, Streicher fiedeln irgendwas vertr\u00e4umtes vor sich hin, sie steigern sich, Schlagzeug und Gesang (weiblich) setzen ein. \u201eOn the Right, words bleed in delicious erratic motions / to waltz and lunge deeply onto the frail paper dungeons\u201c, Gesang endet, growling tritt an seine Stelle, die Kapelle spielt feinstes Thrash-Hardcore-Irgendwas, w\u00e4hrend die Frau ihre gewohnte Stimme wiederfindet, und so \u00e4hnlich geht es dann noch eine Weile weiter, immer noch ein bisschen abgedrehter, quasi schriller, und vor allem lauter. Das Lied hei\u00dft \u201eWords\u201c und ist nur ein willk\u00fcrlich herausgepicktes Beispiel. Seit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eIn A Flesh Aquarium\u201c von 2006 hat sich im Hause Unexpect erfreulich wenig ge\u00e4ndert, die bew\u00e4hrten Rezepte ergeben noch immer ein hervorragendes S\u00fcppchen. \u00dcber den Vorg\u00e4nger war zu lesen:\nBlack-Metal Gitarren, rausgerotzter Gesang und Ger\u00f6chel, das Tempo weitenteils am Anschlag, Gekn\u00fcppel bis der Arzt kommt\u2026 und pl\u00f6tzlich engelsgleicher Gesang von Le\u00eflindel, und pl\u00f6tzlich Teufelsgeiger, und pl\u00f6tzlich l\u00e4ssige Piano-L\u00e4ufe, und pl\u00f6tzlich Electronic-Sounds, und pl\u00f6tzlich burlesker Walzer, und pl\u00f6tzlich spinnerte Dada-Ideen\u2026 Schliesslich gibt es noch eine Portion \u201eGothic\u201c, ein klassisches Streich-Konzert, Bombast-Momente, Breaks, Stil- und Rythmusbr\u00fcche, (wo kommt denn der Dudelsack her?), Filmmusik und und und.\n\u201eDada\u201c regiert auch in den Texten. \u201eHeroic Icons of the vegetable supremacy; a mistreated garden, their ultimate purgatory\u201c hei\u00dft es etwa in \u201eOrange Vigilantes\u201c. Nicht zu viel dar\u00fcber nachdenken, man bekommt nur Kopfweh davon. Obwohl beinahe s\u00e4mtliche Attribute, die im zitierten Text genannt wurden (den Dudelsack habe ich noch nicht \u00fcberpr\u00fcft), auch auf \u201eFables of the Sleepless Empire\u201c zutreffen, ist all dieses Durcheinander doch hier beinahe als geordnet zu bezeichnen. Zug\u00e4nglicher als \u201eIn A Flesh Aquarium\u201c ist es allemal. Unexpect haben ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr entwickelt, an welcher Stelle welche Form der Komplexit\u00e4t angemessen ist. (Wer jetzt \u201eZug\u00e4nglichkeit\u201c und \u201eweniger Komplexit\u00e4t\u201c mit simplen Strukturen verwechselt, ist selbst schuld.)\nDer Avantgarde-Anstrich von Unexpect sollte nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass es sich vor allem um eine Progressive-Metal-Formation handelt. Die Betonung liegt h\u00f6rbar auf dem \u201eMetal\u201c. Ideale Reihenfolge eigentlich: Erst dem ungeliebten Mitmenschen mit Unexpect quasi aufs Maul hauen und dann mit Caleya betr\u00fcbt dar\u00fcber sein. Verdammt \u2013 jetzt habe ich es verkehrt herum aufgeschrieben. Also erst betr\u00fcbt sein und dann aufs Maul hauen.\nUnd wer nicht f\u00fchlen will, muss h\u00f6ren:\nDas komplette Album wird auf bandcamp.com als Stream angeboten. Also streamt flei\u00dfig!\nThe Nerve Institute \u2013 Architects of Flesh-Density\nZum Abschluss der Hauptliste noch ein wenig (Avant-)Jazzrock. \u201eArchitects of Flesh-Density\u201c ist nach eigener Aussage bereits das achte aufgenommene Album des Multiinstrumentalisten und S\u00e4ngers Mike Judge, aber das erste als The Nerve Institute ver\u00f6ffentlichte. Ihm gehen, wie er unl\u00e4ngst erw\u00e4hnte, die Namen irgendwann auf den Keks, also denkt er sich immer mal wieder einen neuen aus. (Mein Lieblingszitat aus dem Interview ist, dass er mit seinem kompletten Alleingang vermeiden will, zum Miniaturhitler in einer Band zu werden, obwohl er doch eigentlich viel gr\u00f6\u00dfer sei als Hitler und sch\u00f6nere Haare habe. Wenn das ein deutscher K\u00fcnstler sagen w\u00fcrden t\u00e4te, hagelte es Buhrufe. Hach, diese Musiker.)\nThe Underground Railroad und Frank Zappa sind dem \u201eWaschzettel\u201c zum Album in Fettdruck zu entnehmen, Mike Judge selbst erw\u00e4hnt in besagtem Interview zudem insbesondere den symphonischen Progressive Rock (Yes u.a.) und, darauf aufbauend, die RIO/Avant- und fr\u00fche Zeuhl-Szene (Henry Cow, Univers Z\u00e9ro) als K\u00fcnstler, die ihn besonders beeindruckt haben.\nDas Ergebnis klingt dann auch genau so: Der Jazzrock von Yes in der \u201eRelayer\u201c-Phase oder jedenfalls von King Crimson paart sich mit fetzigem Canterbury. Ach, und mit Frank Zappa. (Man stelle sich das bitte angesichts des Todes Herrn Zappas gerade mal nicht bildlich vor.) \u201eKlingt wie: Deformieren &amp; reformieren\u201c, so steht\u2019s auf des K\u00fcnstlers MySpace-Seite.\nBei der Durchsicht der track list bleibt das Auge wom\u00f6glich auf dem Titel \u201eDie neue moritat\u2026\u201c haften. Tats\u00e4chlich bezieht sich dieser Titel weniger auf Bertolt Brechts \u201eMoritat von Mackie Messer\u201c als vielmehr auf G. W. Pabsts Verfilmung derselben. Der anschlie\u00dfende Titel \u201eLa jalousie\u201c wiederum nimmt direkt Bezug auf Alain Robbe-Grillets Novelle gleichen Namens. Kultur kann Mike Judge jedenfalls trotz seiner Herkunft schon ganz gut.\nIch bin gespannt, welchen Namen sich der Herr als n\u00e4chstes ausdenkt; bedenkt man, dass jeder Name auch einen Stilwechsel mit sich brachte, hoffe ich jedenfalls, dass dies nicht das einzige Album als The Nerve Institute bleibt.\nH\u00f6rproben:\nAusz\u00fcge aus seinem Schaffen pr\u00e4sentiert der Musiker auf MySpace.\n\nDas soll dann f\u00fcr dieses Halbjahr auch erst mal wieder reichen mit Kaufbefehlen. Es folgen nun die Kostenlosherunterladbefehle:\n2. Von wegen Kommerz.\n\nOur Ceasing Voice \u2013 When The Headline Hit Home\nDie vier \u00d6sterreicher, die 2009 eine(n) prima Deb\u00fct-EP vorlegten und mich seitdem auf Last.fm immer mal wieder auf dem Laufenden hielten, haben dann jetzt auch mal ein richtiges Album vorzuweisen; die Laufzeit betr\u00e4gt fast eine Stunde, und das sollen manche dieser \u201erichtigen Alben\u201c von anderen \u201eK\u00fcnstlern\u201c erst mal schaffen.\nAndererseits ist das im Postrock \u2013 und dort f\u00fchlen sie sich h\u00f6rbar (ist \u201eh\u00f6rlich\u201c eigentlich das Gegenst\u00fcck zu \u201esichtlich\u201c?) wohl \u2013 auch weniger schwer als in anderen Genres, allein das St\u00fcck \u201eThe Only Ones Dead (And Those Who Are Forgotten)\u201c bringt es beinahe auf neun Minuten.\nFast v\u00f6llig instrumental wechseln Our Ceasing Voice auf \u201eWhen The Headline Hit Home\u201c zwischen Laut und Leise, Breitwand und Tal hin und her. Meine Damen und Herren, dies jedenfalls ist Postrock. Kann man nicht anders sagen. Kostet nix, ist aber jeden Preis wert.\nRunterholen kann man sich\u2019s auf dem bandeigenen Webserver und nat\u00fcrlich via eMule.\nThe Echelon Effect \u2013 Seasons 1/4\nDar\u00fcber, dass es sich bei \u201eSeasons Part 1\u201c um eine(n) EP, also um ein \u201eAlbum\u201c mit eher kurzer Laufzeit, handelt, sehe ich ausnahmsweise hinweg, denn ambitioniert ist es auf jeden Fall, was David Walters mit Hilfe des Schlagzeugers Steve Tanton hier in die Tat umsetzt, n\u00e4mlich den Auftakt zu einer vierteiligen Serie von \u201eJahreszeiten\u201c-Kompositionen. Teil 1: Fr\u00fchling. (Der \u201eSommer\u201c-Teil 2 ist bereits angek\u00fcndigt.)\nJahreszeiten musikalisch umzusetzen hat manch einer schon in der Grundschule nicht mehr sonderlich gern gemocht, David Walters macht das freiwillig und sehr gut. Man sp\u00fcrt f\u00f6rmlich, wie die Erde aus dem Winterschlaf erwacht, schrieb anderswo ein gewisser \u201eChris\u201c hierzu.\nSchon wieder instrumentaler Postrock also, aber zerbrechlicher als der der Herren Our Ceasing Voice.\nWie wohl der Sommer klingen wird?\nHerunterladen wird jedenfalls meinerseits w\u00e4rmstens empfohlen, und zwar auf bandcamp.com oder via eMule.\nJard\u00edn de la Croix \u2013 Ocean Cosmonauts\nDer unter eigener Verantwortung aufgenommene und verkaufte Vorg\u00e4nger \u201ePomeroy\u201c fand bereits lobende Erw\u00e4hnung, das neue Album \u201eOcean Cosmonauts\u201c konnte die spanische (!) Band Jard\u00edn de la Croix mithilfe der Plattenfirma Noma Records aufnehmen. Kommerzialisierung sieht aber anders aus, denn obwohl Noma Records jetzt auch h\u00fcbsche CD-Verpackungen f\u00fcr die Musik anbietet, bleibt selbige doch einzigartig.\nEs ert\u00f6nt rein instrumentaler Mathrock mit komplexen Rhythmen und gelegentlichen Postrock-Zitaten. Anh\u00e4nger von Rush kommen ebenso auf ihre Kosten wie all jene, die Robert Fripps seltsame Experimente in den 1980er Jahren zu w\u00fcrdigen wissen, gerade auch hinsichtlich der Gitarrenarbeit von Ander Carballo und Pablo Rodr\u00edguez. Der neue Bassist Carlos Schonert leistet ebenfalls hervorragende Arbeit.\nIm Internet ist zu lesen, \u201eOcean Cosmonauts\u201c sei stellenweise langweilig, weil zu lange auf dem gleichen Thema herumgeritten werde. Gerade das aber bef\u00e4higt dieses Album dazu, sich sowohl zur Beschallung stiller Momente als auch dazu zu eignen, nebenbei (quasi zum B\u00fcgeln) geh\u00f6rt zu werden, ohne wirklich anstrengend zu werden. Sollte man mal ausprobiert haben.\nBezugsquellen: Das Album ist unter anderem auf jardindelacroix.com sowie via eMule herunterladbar.\n\n\u201eWie, war das schon alles?\u201c, fragen jetzt die Leser. \u201eNein\u201c, antworte ich, \u201edenn es folgt eine Sondervorstellung zweier Musikalben, die aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden keine Erw\u00e4hnung in den beiden Listen oben finden konnten.\u201c\n3. Aus dem Abseits\u2026\n\nHand aufs Herz \u2013 Der Soundtrack\nDieser soundtrack hat aus zwei Gr\u00fcnden keinen Platz auf der Hauptliste gefunden: Zum Einen ist er eben kein \u201eAlbum\u201c im eigentlichen Sinne, zum Anderen ist das eigentlich nicht mal meine Musik. Aber irgendwie hat diese Sammlung von Pop-Coverversionen aus der Sat.1\u2011Serie \u201eHand aufs Herz\u201c (ich berichtete) etwas Warmes, Angenehmes an sich.\nSicher hat ein solches Album auch ein paar Totalausf\u00e4lle vorzuweisen, welcher Musikfreund will schon \u201eSympathy For The Devil\u201c, von M\u00e4dchen intoniert, h\u00f6ren?, aber es hat auch verdammt gute Momente, und das sage ich trotz nachgewiesener M\u00e4nnlichkeit und eigentlich ganz passablen Musikgeschmacks. Immerhin ist \u201eTalkin\u2018 \u201about a revolution\u201c auch drauf.\nObwohl ich ansonsten selbst dazu neige, Musik nach ihren Umst\u00e4nden zu beurteilen, ohne sie \u00fcberhaupt geh\u00f6rt zu haben, rate ich in diesem Fall dringend davon ab. Wahrlich nicht \u00fcbel.\nElias Schwerdtfeger \u2013 Temple of Void\nAufgrund pers\u00f6nlicher Sympathie nicht objektiv und daher abseits der Liste empfehle ich dann auch mal dies hier: Dem weichgesp\u00fclten Wohlklang obigen soundtracks stehen die elektronischen Klangeffekte Herrn Schwerdtfegers entgegen. Der \u201eTemple of Void\u201c, der \u201eTempel des Nichts\u201c also, ist eine Metapher f\u00fcr Konsumtempel. Nein, Konsum mag der K\u00fcnstler nicht. (Darum gibt\u2019s das Album auch komplett f\u00fcr lau, wobei aufgrund seiner, des K\u00fcnstlers, Lebensumst\u00e4nde eine kleine bis gro\u00dfe Spende empfehlenswert ist.)\nD\u00fcster-nihilistische Musik mit gelegentlicher Textbeilage, produziert unter Zuhilfenahme einiger defekter Ger\u00e4te; das klingt nur teilweise nach den Einst\u00fcrzenden Neubauten, vor allem klingt es nach einer Vertonung der Tristesse, die unvermeidlich scheint, wenn man im Raum Hannover lebt. Die Verwurzelung im Weltlichen zeigt auch das Coverbild, ein \u201eFrosch spuckendes Lamm\u201c aus einer Publikation der Zeugen Jehovas, das den Irrsinn einer jeden Religion anschaulich vorf\u00fchrt.\nTrotzdem bzw. gerade deshalb: Nichts f\u00fcr schwache Nerven.\n\nGenug des angenehmen Teils!\nKommen wir zum unangenehmen Teil, n\u00e4mlich einer Auflistung der weniger erquickenden Produkte der Musikindustrie im 1. Halbjahr 2011, bei deren blo\u00dfer Erw\u00e4hnung sich mitunter schon ein leichtes Unwohlsein einstellt, weshalb ich mich, wie \u00fcblich, kurz fasse:\n4. \u2026 in den M\u00fcll.\n\nThe Megaphonic Thrift \u2013 Decay Decay\nWarum die Kopie? Lieber gleich The Strokes, da nervt der Gesang auch weniger.\nLow Anthem \u2013 Smart Flesh\nKlingt wie ein uneheliches Kind von Tindersticks und einem unbekannten \u201eDSDS\u201c-Teilnehmer, der Cat Stevens covert.\nRadiohead \u2013 The King of Limbs\nEine Diskussion in der [progrock-dt]-Liste brachte es auf den Punkt: Radiohead muss man nicht m\u00f6gen. Das ist gut, dann verzichte ich dankend auf diesen schrecklichen Krach.\nVan der Graaf Generator \u2013 A Grounding in Numbers\nDie Herren haben zwar nicht die Atmosph\u00e4re, aber ihren Biss verloren. Schade.\nEsben and the Witch \u2013 Violet Cries\nF\u00fcr Freunde langsamen Nico-Ged\u00e4chtnisschmalzfolks und Peter bestens geeignet.\nBeady Eye \u2013 Different Gear, Still Speeding\nSollte Liam Gallagher eines Tages sterben, dann wohl an einer \u00dcberdosis John Lennon, den er hier noch \u00fcberfl\u00fcssiger als sonst kopiert; Ich habe beim H\u00f6ren dieses Albums immer Angst, dass gleich Yoko Ono reinkreischt.\n\n2011 brachte aber nicht nur viele gute (und einige scheu\u00dfliche) Musikalben mit sich, sondern markiert auch 40 Jahre 1971, quasi ein Jubil\u00e4um vom \u201eJahr 1 nach den Beatles\u201c. Und was sich seitdem so getan hat, lest ihr hier:\n5. Reise durch die Zeit.\n\nVor 40 Jahren:\nJethro Tull \u2013 Aqualung\nDie Beatles waren 1971, wie gesagt, l\u00e4ngst Geschichte. Die Welt begann also, sich eine andere Musikrichtung auszudenken, die man fortan toll finden sollte. The Velvet Underground brachen auseinander, ihre sp\u00e4tere Bedeutung f\u00fcr die Rockmusik sollte aber erst viel sp\u00e4ter entdeckt werden. In Deutschland bl\u00fchte der \u201eKrautrock\u201c gerade auf, sowohl Ton Steine Scherben als auch Faust ver\u00f6ffentlichten ihre Deb\u00fctalben. In London hatten sich bereits 1969 drei afrikanische Musiker als Osibisa zusammengeschlossen und wirbelten 1971 mit ihren ersten beiden Alben, die von afrikanisch-karibischer Rockmusik dominiert wurden, die LP-Hitparaden durcheinander. Ebenfalls aus Gro\u00dfbritannien stammen die bekannteren Jethro Tull, die mit \u201eAqualung\u201c 1971 mal eben einen \u201ewesentlichen Meilenstein der Rockmusik\u201c vorlegten, wie manche Kritiker es zu nennen pflegen. Zwar ist \u201eAqualung\u201c anders als die sp\u00e4teren \u201eThick as a Brick\u201c und \u201eA Passion Play\u201c kein Konzeptalbum, thematisch aber sind in den Texten harsche Gesellschafts- und vor allem Religionskritik zu finden. God, he stole the handle, and the train, it won\u2019t stop going, no way to slow down. Zahlreiche Nachahmer sp\u00e4terer Jahre sprechen eigentlich f\u00fcr sich.\nVor 30 Jahren:\nKing Crimson \u2013 Discipline\nDie Musikwelt hatte sich 1981 wieder vorsichtig auf die eigenen Beine gestellt. Die Buggles hatten Yes wieder verlassen, um sich ihrem zweiten und letzten Album, passend \u201eAdventures In Modern Recording\u201c betitelt, zu widmen, und auch sonst schien alles nach Plan zu verlaufen. Robert Fripp fand das aber bl\u00f6d. King Crimson betrachtete er bereits seit Jahren als nicht mehr existent, stattdessen zog er mit wechselnden Musikern, unter anderem David Byrne, durch die Lande und begann immer neue musikalische Experimente. Mit der League of Gentlemen machte er bereits 1980 (\u201eGod Save the Queen/Under Heavy Manners\u201c) typischen komplexen, dennoch tanzbaren 80er-Jahre-New-Wave. Auf Grundlage dieser Erfahrungen begab sich Robert Fripp noch im selben Jahr auf die Suche nach Musikern, mit denen gemeinsam er \u201eimprovisierte Tanzmusik\u201c machen wollte. Schlagzeuger Bill Bruford, zuvor unter anderem bei Genesis, Yes und King Crimson aktiv, schloss sich an, es folgten Bassist Tony Levin und Gitarrist Adrian Belew. Unter dem Namen Discipline ging man also auf Tour, benannte sich aber, wohl auch aus marktstrategischen Gr\u00fcnden, bald in King Crimson um; mit zwei von vier ehemaligen King-Crimson-Musikern immerhin ein nicht allzu abwegiges Unternehmen. Dass die neuen King Crimson mit den mystischen Texten von Peter Sinfield, dem komplexen Jazzrock von Alben wie \u201eLizard\u201c und dem Progressive Rock als solchem vorerst nicht mehr viel zu tun hatten, t\u00e4uscht aber nicht dar\u00fcber hinweg, dass sich hinter dem mitunter trocken wirkenden Klanggebilde \u201eDiscipline\u201c viel Komplexit\u00e4t verbirgt, etwa in den polymetrisch versetzten Gitarrenl\u00e4ufen der beiden Gitarristen. Das Ziel Robert Fripps schien jedenfalls erreicht, bis sich die Formation 1986 nach nur drei gemeinsamen, einander recht \u00e4hnlichen Alben vorerst wieder aufl\u00f6ste.\nVor 20 Jahren:\nMr. Bungle \u2013 Mr. Bungle\nDas Ende der furchtbaren musikalischen Dekade war gleichzeitig der Beginn einer bis dahin ungekannten Befreiungsbewegung. Die in den 80-ern erlernten elektronischen Techniken zur Klangerzeugung dienten nun der Kreation neuer Spielarten von Rock- und Popmusik. So erfanden Slint mit Alben wie \u201eSpiderland\u201c quasi das, was Rezensionskasper heutzutage \u201ePostrock\u201c nennen. The Fall nahmen mit \u201eShift-Work\u201c ein sehr eigenartiges Album auf, das Remineszenzen an den New Wave ebenso beinhaltete wie den bandeigenen Experimentalrock der Marke The Velvet Underground. Die Goldenen Zitronen streckten der deutschen Punkszene mit dem Album \u201ePunkrock\u201c den Mittelfinger entgegen. Mike Patton und seine Mitstreiter von Mr. Bungle erkl\u00e4rten derweil Irrsinn zum musikalischen Stilmittel, und das nicht nur musikalisch, denn die seltsame Mischung aus Jazzrock, Hardrock, RIO und Pop (Pop!) wird erg\u00e4nzt von dem l\u00e4ngst ber\u00fcchtigten, oft irren Gesang Mike Pattons, der auch mal in bester Boygroup-Manier (!) Zeilen singt wie etwa: My hand gets tired and my dick gets sore, but the girls of porn want more. Explizite Lyrik, sozusagen. Gesang, Bass, Gitarre, zwei Saxofonisten und ein DJ. Mit dem Nachfolger \u201eDisco Volante\u201c haben Mr. Bungle dann noch eine Schippe draufgelegt. Man ist geneigt, sich zu fragen, wieso die einzigen Adaptionen dieses radikal anderen Stils (etwa Fant\u00f4mas) aus den eigenen Reihen stammen, ist sich doch sonst auch nur selten ein Nachwuchsmusiker zu schade, Altbekanntes neu aufzuw\u00e4rmen. Um so fester bleibt aber die Einzigartigkeit von Mr. Bungle in der Musikgeschichte verankert. Auch nicht schlecht.\nVor 10 Jahren:\nTSOL \u2013 Disappear\nGemessen an der Kreativit\u00e4t der 90-er Jahre waren die \u201eNuller\u201c zwar produktiv, aber doch nur wenig erfinderisch. Yes\u2018 Album \u201eMagnification\u201c zeigte, dass der \u201eklassische\u201c Progressive Rock nicht tot war, er hatte sich nur versteckt. W\u00e4hrenddessen entwuchs der \u201eIndie-Rock\u201c den Kinderschuhen, die im Jahr 2000 gegr\u00fcndeten Yeah Yeah Yeahs hatten zwar einen bl\u00f6den Namen ausgew\u00e4hlt, brachten aber mit dem selbstbetitelten und viel zu kurzen Erstling einen beachtlichen Tontr\u00e4ger unter die Leute, das Deb\u00fctalbum \u201eFever to Tell\u201c folgte zwei Jahre sp\u00e4ter. Bereits seit 1978 existierte die Hardcore-Punkband TSOL, die zwischenzeitlich, wie viele andere Bands auch, damit zu k\u00e4mpfen hatte, dass nach zahlreichen Umbesetzungen die Gr\u00fcndungsmitglieder wieder zusammenfanden, die Namensrechte an TSOL jedoch ihren \u201eNachfolgern\u201c geh\u00f6rten. Etwas ausf\u00fchrlicher dokumentiert ist das in der Wikipedia. 1999 jedenfalls konnten diese Probleme aus der Welt geschafft werden, und man ging wieder auf Tour. 2001 folgte, quasi als \u201eComeback\u201c, das Album \u201eDisappear\u201c, auf dem man seinen Wurzeln treu blieb; die musikalische \u00c4hnlichkeit mit Bad Religion, mit denen die Band befreundet war, ist unverkennbar. Der Punk folgte in den folgenden Jahren mehr und mehr kommerziellen Pfaden, als selbst MTV entdeckt hatte, was f\u00fcr ein Potenzial in dieser Musik steckt, TSOL interessiert das aber bis heute nicht. Es ist seltsam, dass Punk noch Jahrzehnte nach den Sex Pistols erst dann mediale Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, wenn er das Dreckigsein und somit seinen Geist aufgibt. (\u201eOpel-Gang\u201c von den Toten Hosen etwa fand erst gro\u00dffl\u00e4chige Beachtung, nachdem die Band sich vom kompromisslosen Punk abgewendet hatte.) Dass das aber auch f\u00fcr andere Musikstile gilt, steht au\u00dfer Frage, der \u201eGeschmack der Massen\u201c ist eben nicht immer das, was die Masse mag, sondern das, was nach der Meinung einzelner Schlips tragender Entscheider in der Masse auf die geringste Missgunst trifft. Schade. Auch deshalb sollte man TSOL noch ein wenig h\u00e4ufiger preisen. Ich habe das dann jetzt mal erledigt.\n\nUnd damit sind wir auch schon am Ende des 1. Halbjahres angelangt. Das 2. Halbjahr beginnt mit Yes, das ist jetzt schon klar. Einige Alben von 2011 schlummern auch noch ungeh\u00f6rt in meinem Fundus und werden gegebenenfalls nachgereicht. Was sonst noch kommt? Wir werden sehen!\nSollte ich derweil ein bereits erschienenes, h\u00f6renswertes Album \u00fcbersehen haben, so bitte ich vielmals um Verzeihung und um entsprechenden Hinweis, auf dass ich diesen Fauxpas baldm\u00f6glichst auszub\u00fcgeln kann.\nAnsonsten hoffe ich, dass ihr, die ihr dies hier lest, in meiner wirren, abschreckenden Musikauswahl auch einige Perlen entdeckt, die euch genau so gut gefallen wie mir.\nR\u00fcckmeldung ist jederzeit willkommen.\nKommentareDidi schrob am 23. Juni 2011 dies: Komme im Moment nicht dazu, mir alles durchzulesen. Aber Deiner Wortwahl, wie\n\u2026ich hoffe, dass sie nicht jedem von euch blo\u00ad\u00dfes Miss\u00adfal\u00adlen bereitet\u2026\n\u2026in mei\u00adner wir\u00adren, abschre\u00adcken\u00adden Musik\u00adaus\u00adwahl\u2026\nsind Zweifel, Selbstzweifel, wenn nicht sogar Panik zu entnehmen.tux0r schrob am 23. Juni 2011 dies: Ich nenne es gebotene Zur\u00fcckhaltung. Entsprechend vernichtenden Kommentaren versuche ich so schon vorher die Grundlage zu entziehen..tux schrob am 23. Juni 2011 dies: du wei\u00dft doch gar nicht was wirklich vernichtende Kommentare sind   Didi schrob am 23. Juni 2011 dies:  \u2026ver\u00adsu\u00adche ich so schon vor\u00adher die Grund\u00adlage zu entziehen.\nEin untauglicher Versuch.tux0r schrob am 23. Juni 2011 dies: Bis jetzt war der Versuch derma\u00dfen klasse, dass nicht mal dem anderen Tux ein vernichtender Kommentar eingefallen istPeter schrob am 25. Juni 2011 dies: Erf\u00fcllt dieser Beitrag nicht irgendwelche Straftatbest\u00e4nde? Mannomann, ich lese seit drei Tagen und bin immer noch nicht durch. L\u00e4ngste Blogpost Ever. Habe mir aber mal einige Bands die ich so noch nicht kannte, instapapert.Didi schrob am 25. Juni 2011 dies: Heh tuxi, das hier soll \u2019n Blog sein.tux0r schrob am 25. Juni 2011 dies: Nein, soll es nicht.   \n\nEntschuldige, Peter. Sieh es positiv: Hast bis Dezember Zeit bis Teil 2.   Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2011 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 4. Februar 2012 dies: [\u2026] am Jahresende und damit zur \u00fcblichen Retrospektive der primasten Alben des Jahres, die es in die Halbjahresliste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht einmal unbedingt eine Frage des Erscheinungsdatums, [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2012 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 22. Juni 2012 dies: [\u2026] Musik 06/2011 \u2013 Favoriten und Analyse (22.06.2011) [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2012 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 19. Dezember 2012 dies: [\u2026] es handele sich um Zeuhl. Mitnichten! Sebkha-Chott sind bereits zusammen mit Extra Life und uneXpect auf Tour gewesen. Das trifft es wahrscheinlich [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2013 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 28. Juni 2013 dies: [\u2026] ihr euch an The Joy Formidable? Ihr 2011 erschienenes Deb\u00fctalbum \u201eThe Big Roar\u201d sortierte ich damals als \u201eArtpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative\u201d ein und legte euch ans Herz, [\u2026]Hirnfick 2.0 \u00bb Musik 06/2017 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 3. Juli 2017 dies: [\u2026] befasste ich mich mit \u201esomething dirty\u201c, dem damals aktuellen Studioalbum dieser Formation, den Nachfolger \u201ej US t\u201c hingegen [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2011-06-22T22:39:39+02:00",
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Regelm\u00e4\u00dfige Leser dieser Seite wissen, was sie erwartet, n\u00e4mlich Teil zwei der <span style=\"color:green\">R\u00fcckschau der unbl\u00f6desten Musikalben 2010</span> nebst R\u00fcckblick auf 40 Jahre Musikgeschichte, wom\u00f6glich noch rechtzeitig f\u00fcr das ein oder andere <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/retrospektive-2010-eure-alben-des-jahres-bitte/\&quot;" data-wpel-link="internal">Gewinnspiel</a>.</p>\n<p>Der Finalausscheidung \u2013 ich wollte euch keine R\u00fcckschau auf f\u00fcnfzig oder mehr Alben bieten, das l\u00e4se doch keiner \u2013 fielen unter anderem die <span style=\"color:green\">Wise Guys</span> zum Opfer, die mit \u201eKlassenfahrt\u201c zwar ein im Prinzip nicht \u00fcbles Album mit dem ziemlichen Kracher <span style=\"font-style:italic\">Hamlet</span> ver\u00f6ffentlicht haben, aber eben doch nur auf hohem Niveau stagnieren. Wie immer habe ich es leider auch nicht immer geschafft, mich ausreichend umfassend mit einigen viel versprechenden Werken zu besch\u00e4ftigen, unter anderem <a href="\&quot;http://postrockcommunity.blogspot.com/2010/06/sahara-surfers-space-trip-on-paper.html\&quot;" data-wpel-link="internal">\u201eSpacetrip On A Paper Plane\u201c</a> von den <span style=\"color:green\">Sahara Surfers</span>; ich hoffe, ihr findet dennoch Gefallen an meiner Auswahl.</p>\n<p><span id=\"more-3512\"></span>Los geht es wieder mit der Hauptliste:</p>\n<p><span style=\"color:blue;font-size:14px;font-weight:bold\">1. <span style=\"text-decoration:underline\">Jenseits der Hypes.</span></span></p>\n<ol>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/410lcXxnoVL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/410lcXxnoVL._AA115_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Spock\u2019s Beard \u2013 X</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eTrying hard to fight the good fight out of the darkness and into the light\u201c</span> (From The Darkness)\n<p>Ich h\u00e4tte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben w\u00fcrde, aber \u201eX\u201c ist tats\u00e4chlich endlich ein Album von <span style=\"color:green\">Spock\u2019s Beard</span>, das mich nicht \u00fcberwiegend langweilt. Mehr als je zuvor agiert die Band auf \u201eX\u201c in Gefilden, die bisher von <span style=\"color:green\">Beardfish</span> (<span style=\"font-style:italic\">The Man Behind The Curtain</span>), <span style=\"color:green\">Echolyn</span> und \u00e4hnlichen Vertretern metallisch nuancierten Neoprogs. In <span style=\"font-style:italic\">The Emperor\u2019s Clothes</span> fr\u00f6nen die Herren gar trotz <span style=\"color:green\">Yezda-Urfa</span>-Remineszenzen gro\u00dfteils dem Indie-Rock, und w\u00e4re da nicht die markante Rhythmusarbeit von Frontmann <span style=\"color:green\">Nick D\u2019Virgilio</span> und seinem Bass spielenden Mitmnusizierenden <span style=\"color:green\">Dave Meros</span>, w\u00fcrde man <span style=\"color:green\">Spock\u2019s Beard</span> kaum wiedererkennen.</p>\n<p>Immerhin ist es nunmehr acht Jahre her, dass <span style=\"color:green\">Neal Morse</span> <span style=\"color:green\">Spock\u2019s Beard</span> verlie\u00df, um sich der christlichen Erleuchtung zu widmen, und mit ihm ging der weichgesp\u00fclte <span style=\"color:green\">Transatlantic</span>-Neoprog seiner Wege und nahm offenkundig die Kreativit\u00e4t mit, und es dauerte ein paar Alben, bis sie wieder im Studio vorbeischaute.</p>\n<p>Wie das mit der Kreativit\u00e4t dann aussah, zeigt zum Beispiel das Lied <span style=\"font-style:italic\">Their Names Escape Me</span>, eins der Bonusst\u00fccke auf der extrateuren Hypersuperdeluxe-Ausgabe des Albums. <span style=\"color:green\">Nick D\u2019Virgilio</span> <a href="\&quot;http://lyrics.wikia.com/Spock%27s_Beard:Their_Names_Escape_Me\&quot;" data-wpel-link="internal">singt zuerst dar\u00fcber</a>, dass er einige Namen nicht vergessen will:</p>\n<blockquote><p>In my mind are faces<br>\nIn my hands I hold their destiny<br>\nI will pray forgiveness<br>\nIf their names escape me</p></blockquote>\n<p>Es handelt sich bei den Tr\u00e4gern der Gesichter um die Namen der Vorbesteller von \u201eX\u201c. Um daran keinen Zweifel aufkommen zu lassen, folgt den Strophen eine Liste ebenjener Namen; gesungen, versteht sich. Und das klingt auch noch prima!</p>\n<p>Ob es die Extrasonderspezialauflage im freien Handel zu erwerben gibt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen, aber das Album ist auch ohne <span style=\"font-style:italic\">Their Names Escape Me</span> auf jeden Fall h\u00f6renswert.</p>\n<p><span style=\"color:red\">H\u00f6rprobe:</span><br>\nEine Livedarbietung von <span style=\"font-style:italic\">From The Darkness</span>, allerdings mit einem anderen Schlagzeuger (gleichzeitig Gitarre und Schlagzeug geht live nicht allzu prima), gibt es <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=pxsU-68FUrE\&quot;" data-wpel-link="internal">auf YouTube.com</a> zu sehen.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51GBFC12GjL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51GBFC12GjL._SL500_AA280_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Zola Jesus \u2013 Stridulum (II)</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eRun me out again\u201c</span> (Run Me Out)\n<p>Mit dem EP \u201eStridulum\u201c und ihrem inzwischen dritten Album \u201eStridulum II\u201c hat die 21-j\u00e4hrige S\u00e4ngerin <span style=\"color:green\">Nika Roza Danilova</span> unter dem Namen <span style=\"color:green\">Zola Jesus</span> in diesem Jahr auf sich aufmerksam gemacht. Mit viel Hall und schwerm\u00fctigen Riffen kommen mir spontan <span style=\"color:green\">Nico</span> und <span style=\"color:green\">The Raveonettes</span>, bevor sie sich entschlossen haben, langweiligen Mist aufzunehmen, in den Sinn. Einen Vergleich mit fr\u00fcheren Alben habe ich nun leider nicht parat, da \u201eStridulum\u201c mein erster Kontakt mit der K\u00fcnstlerin war, aber es n\u00e4hme mich Wunder, wenn das vorherige \u0152uvre deutlich abfiele.</p>\n<p>Ja, die unterhaltungsbed\u00fcrftige Masse h\u00e4tte gern einfache, pr\u00e4gnante Adjektive, aber ausf\u00fchrlich bitte, denn \u201egut\u201c oder \u201enicht gut\u201c ist zwar ein Urteil, aber keine Rezension. Nun gut, soll sein: Das Adjektiv lautet klaustrophobisch. Schon nach dem Genuss von \u201eStridulum\u201c, also der \u201ekleinen\u201c Ausgabe des Albums, brauchte ich jedenfalls erst mal eine Pause, um das Geh\u00f6rte zu verarbeiten.</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/news-and-stories-scheisshausfliegen-zola-jesus-liars-tracey-thorn/\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter</a> nannte das Werk \u201eein \u00fcberaus avantgardisches, schleppend-d\u00fcsteres Noise-Pop-Kleinod, mal w\u00fctend und d\u00fcster, mal geheimnisvoll verrauscht und wahrlich nicht von schlechten Eltern\u201c und hat damit vollkommen Recht, auch, wenn <span style=\"color:green\">Zola Jesus</span>, subjektiv betrachtet, immer noch weniger suizidal klingt als <span style=\"color:green\">Kayo Dot</span> und \u00e4hnliche Protagonisten. \u201ePop\u201c habe ich allerdings anders in Erinnerung, denn f\u00fcr die breite Masse ist Musik wie diese sicher nicht geeignet, und Menschen mit seelischen Defiziten sollten schleunigst zum n\u00e4chsten Album \u00fcbergehen.</p>\n<p>Eine nicht ganz so prima Eigenschaft erw\u00e4hnte ich bereits, den Hall; denn wer, wie ich, beim Musikgenuss auch die Texte f\u00fcr bedeutsam befindet, der muss sich schon ein wenig anstrengen und kann sich somit nicht einfach den Kl\u00e4ngen hingeben. In diesem einen Fall verzichtete ich also darauf, mich eingehend mit den Texten zu befassen, und lie\u00df die Musik sich ihren Weg durch meine Nerven bahnen.</p>\n<p>Das klingt dann etwa wie in den <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span>:<br>\nZurzeit (3. Dezember 2010) kann das vollst\u00e4ndige Album auf <a href="\&quot;http://www.souterraintransmissions.com/ecards/zolajesus/swf/index.htm\&quot;" data-wpel-link="internal">souterraintransmissions.com</a> gut gefunden werden.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51sYPknmOUL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51sYPknmOUL._SL500_AA240_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Frogg Caf\u00e9 \u2013 Bateless Edge</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eWill you understand I\u2019ve tried with all the strength of a thousand men alone?\u201c</span> (From the Fence)\n<p>Mein <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/08/frogg-cafe-bateless-edge/\&quot;" title="\&quot;Frogg" Caf\u00e9="" \u2013="" Bateless="" Edge\&quot;="" data-wpel-link="internal">erster Eindruck</a> von \u201eBateless Edge\u201c hallt noch nach, und der Rest der Musik h\u00f6renden Insinternetschreiber <a href="\&quot;http://billsprogblog.blogspot.com/2010/07/cd-review-frogg-cafe-bateless-edge-2010.html\&quot;" data-wpel-link="internal">stimmt in das Loblied ein</a>. Auch auf <a href="\&quot;http://www.rocktimes.de/gesamt/f/frogg_cafe/bateless_edge.html\&quot;" data-wpel-link="internal">ROCKTIMES.de</a> werden die auf das Album gepressten Lieder einzeln analysiert und gelobt, und, obwohl mich die Assoziation mit <span style=\"color:green\">Echolyn</span> eher verwundert, da liegt der Lobende richtig.</p>\n<p>Und was ich im August schrieb, bleibt g\u00fcltig:</p>\n<blockquote><p>Sicher ist avantgardistischer Jazzrock keine spektakul\u00e4re neue Erfindung. <span style=\"color:green\">Frogg Caf\u00e9</span> machen aber auf \u201eBateless Edge\u201c alles genau richtig. Sie erfinden das Rad nicht neu, das erwartet auch niemand. Sie konstruieren hingegen aus dem, was die Handwerker vorangegangener Generationen zur\u00fcckgelassen haben, ein eigenes Rad, das so noch nie da gewesen ist. Und es macht verdammt viel Spa\u00df, mit ihm zu fahren, auch, wenn es eine Steigung zu \u00fcberwinden gibt. Die gr\u00fcnen Wiesen im Tal hinter der Steigung sind es allemal wert.</p></blockquote>\n<p>Irgendwann hie\u00df es einmal, <span style=\"color:green\">Frogg Caf\u00e9</span> seien <span style=\"color:green\">Frank-Zappa</span>-Kopisten im, so weit dies m\u00f6glich ist, positiven Sinn. Diese Zeit ist sp\u00e4testens mit \u201eBateless Edge\u201c vorbei. Sie fr\u00f6nen zwar auch weiterhin der angejazzten Frickelei, klingen aber unverkennbar und eigenst\u00e4ndig. Sie hatten h\u00f6rbar Spa\u00df bei den Aufnahmen, und diesen Spa\u00df geben sie an den H\u00f6rer weiter. Ich meine, daf\u00fcr kann man ihnen eigentlich gar nicht genug danken.</p>\n<p>Bei einer Gruppe wie <span style=\"color:green\">Frogg Caf\u00e9</span> lohnt es sich \u00fcbrigens sehr, auf die Instrumentalarbeit zu achten.</p>\n<p>Daher empfehle ich folgende <span style=\"color:red\">H\u00f6rprobe:</span><br>\nAuf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=jOodSCqbopA\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube.com</a> ist derzeit mit dem gesangsfreien <span style=\"font-style:italic\">Belgian Boogie Board</span> das letzte St\u00fcck des Albums in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren. Unver\u00e4ndert h\u00f6renswert!</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51Pj-pJc1tL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51Pj-pJc1tL._AA115_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Kayo Dot \u2013 Coyote</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eWho knows who I am anymore?\u201c</span> (Calonyction Girl)\n<p>Bei der Rezension zu <span style=\"color:green\">Zola Jesus</span>\u2018 \u201eStridulum\u201c habe ich oben bereits einen Nebensatz den Kammerrockern <span style=\"color:green\">Kayo Dot</span> gewidmet, nun ist mir das Album \u201eCoyote\u201c aber doch noch einen eigenen Abschnitt, quasi ein Apropos, wert, da ich es just in diesem Moment wieder h\u00f6re und feststelle, dass es einen Platz in dieser Liste allemal verdient hat.</p>\n<p>Nun, was ist \u201eCoyote\u201c? \u201eCoyote\u201c ist, glaubt man der <a href="\&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Coyote_%28album%29\&quot;" data-wpel-link="internal">englischsprachigen Wikipedia</a> und anderen Quellen, eine vertonte, fast autobiografische Kurzgeschichte, urspr\u00fcnglich verfasst von der an Brustkrebs erkrankten K\u00fcnstlerin <span style=\"color:green\">Yuko Sueta</span>, einer Vertrauten der Musiker.</p>\n<p>Wer 2009 meinem Kaufbefehl f\u00fcr das aktuelle Album von <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/06/httptuxprojectdeblogp427/\&quot;" title="\&quot;Musik" 06/2009="" \u2013="" Favoriten="" und="" Analyse\&quot;="" data-wpel-link="internal"><span style=\"color:green\">maudlin of the Well</span></a> gefolgt ist, der wei\u00df bereits ungef\u00e4hr, was ihn auf \u201eCoyote\u201c erwartet: Tr\u00e4ge schleppen sich die Instrumente durch das in f\u00fcnf \u201eKapitel\u201c aufgeteilte Konzeptst\u00fcck, <span style=\"color:green\">Toby Driver</span> singt qu\u00e4lend von Angst, Verlust <a href="\&quot;http://www.last.fm/user/FootToFace/journal/2010/04/27/3lh16d_lyrics_to_kayo_dot%27s_album_coyote_:o_o:\&quot;" data-wpel-link="internal">und \u00e4hnlichen unsch\u00f6nen Substantiven</a>, unterst\u00fctzt von drei Blechbl\u00e4sern. Im zweiten St\u00fcck, <span style=\"font-style:italic\">Whisper Ineffable</span>, bestimmt Schlagzeuger <span style=\"color:green\">David Bodie</span> streckenweise, in welche Richtung der H\u00f6rer sich geistig wenden sollte, und trotz des wie aus weiter Ferne her\u00fcberklingenden, klagenden Gesangs, den der geneigte H\u00f6rer vielleicht noch von fr\u00fcheren Aufnahmen von <span style=\"color:green\">Kayo Dot</span> kennt, merkt man, dass der Frontmann auch gern mal Metalalben aufnimmt. Ein Amazon-Rezensent schrieb treffend: Harter Stoff.</p>\n<p>Irgendwo las ich, wohl wegen des Gesangs, <span style=\"color:green\">Kayo Dot</span> w\u00e4ren hier klanglich von der Szene um <span style=\"color:green\">The Cure</span> nicht weit entfernt, aber da ich <span style=\"color:green\">The Cure</span> nicht ausstehen kann, w\u00e4re mir das wohl aufgefallen. Viel pr\u00e4gnanter ist die stilistische N\u00e4he zu <span style=\"color:green\">Henry Cow</span>, die ihrerzeit ebenso schr\u00e4ge und dissonante T\u00f6ne hervorbrachten, und <span style=\"color:green\">Univers Zero</span>, die gleichfalls zeitweise ein Faible f\u00fcr sich gem\u00e4chlich dahinschleppenden Melodien mit treibendem Rhythmus hatten.</p>\n<p>Achim Breiling <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_10694.html#17052\&quot;" data-wpel-link="internal">schrieb</a>:</p>\n<blockquote><p>Eine Postrock-Suite in f\u00fcnf Teilen hat Toby Driver hier komponiert, die, wie schon die Musik auf \u201e<a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=9761\&quot;" data-wpel-link="internal">Blue Lambency Downward</a>\u201c und im Gegensatz zu den Kl\u00e4ngen auf den ersten beiden Alben der Band, keine metallischen Ingredienzien mehr aufweist. Ein ziemlich schr\u00e4ges, reichlich dissonantes Gemenge jenseits normaler Rockstrukturen wird hier geboten, welches durch <span style=\"color:green\">Mia Matsumiya</span>s Violine und die Beitr\u00e4ge der Bl\u00e4ser in deutlich kammerprogressive Gefilde ger\u00e4t.</p></blockquote>\n<p>Der Postrock ist eine vielschichtige Schublade; auch das sei damit bewiesen.</p>\n<p><span style=\"color:red\">H\u00f6rproben:</span><br>\nNeugierige und grunds\u00e4tzlich an ungew\u00f6hnlicher Musik Interessierte \u2013 also vermutlich die meisten von euch, liebe Leser, die ihr es bis hierher tapfer ertragen habt \u2013 k\u00f6nnen derzeit das Album auf <a href="\&quot;http://www.last.fm/music/Kayo+Dot/Coyote\&quot;" data-wpel-link="internal">Last.fm</a> anh\u00f6ren und toll finden.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/412kOfGMnJL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/412kOfGMnJL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Devo \u2013 Something for Everybody</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eWhat we do is what we do, it\u2019s all the same, there\u2019s nothing new\u201c</span> (What We Do)\n<p>Ich habe in den letzten Monaten recht viele Texte \u00fcber dumme Menschen verfasst, unter anderem <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/12/niwolimbo/\&quot;" title="\&quot;Niwolimbo\&quot;" data-wpel-link="internal">den \u00fcber Niveaulimbo</a>. Da passt es gut, dass <span style=\"color:green\">Devo</span> wieder etwas ver\u00f6ffentlicht haben.</p>\n<p>\u201e<span style=\"color:green\">Devo</span>\u201c steht f\u00fcr \u201eDe-Evolution\u201c, also die Theorie, dass sich der Mensch keineswegs fort\u2011, sondern zur\u00fcckentwickelt. Tats\u00e4chlich gibt es f\u00fcr die fortschreitende Deevolution des Menschen viele Anhaltspunkte, zum Beispiel die konstant \u00fcberdurchschnittlichen Umfragewerte f\u00fcr die CDU. Das (also das mit der Deevolution, nicht unbedingt das mit der CDU) erscheint jetzt wahrscheinlich wie ein Scherz und das ist es wohl auch, dennoch ist <span style=\"color:green\">Devo</span> in <a href="\&quot;http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/32/Devo.JPG\&quot;" data-wpel-link="internal">seltsamen Kost\u00fcmen</a> bereits seit 1972 existent und wird damit wohl auch in absehbarer Zeit nicht einfach aufh\u00f6ren.</p>\n<p>Musikjournalisten stecken <span style=\"color:green\">Devo</span> gern in das Genre \u201eNew Wave\u201c, weil sie nun einmal irgendwas schreiben m\u00fcssen und Genrebezeichnungen sich immer gut in so einer <span style=\"font-style:italic\">Infobox</span> machen und die Musiker ein bisschen aussehen wie <span style=\"color:green\">The Buggles</span> vor bald 30 Jahren und auch irgendwie seltsame, genretypisch wie aus der Retorte klingende Musik mit viel Keyboardeinsatz und Stampfrhythmus machen, aber Genres sind grunds\u00e4tzlich meist Unsinn.</p>\n<p>Vermutlich werden Freunde des 80er-Jahre-New-Waves an <span style=\"color:green\">Devo</span> Gefallen finden, andersherum gilt das hingegen nicht. Vermutlich spaltet der Gesang von <span style=\"color:green\">Mark Mothersbaugh</span> die Gem\u00fcter ebenso wie der von <span style=\"color:green\">Trevor Horn</span>, der 1979 <span style=\"font-style:italic\">Video Killed the Radio Star</span>, dessen Text man eigentlich auch mal im Musikunterricht in der Schule analysieren lassen sollte, um die bis heute ungeminderte Bedeutung zu verstehen zu lehren, intonierte und dabei Herrn <span style=\"color:green\">Mothersbaugh</span> nicht un\u00e4hnlich klang und sich auch <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=Iwuy4hHO3YQ\&quot;" data-wpel-link="internal">nicht un\u00e4hnlich kleidete</a>, was sich immerhin bis 2004 <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=laZw3Y3JCJ8\&quot;" data-wpel-link="internal">nicht nennenswert ge\u00e4ndert hat</a>; aber ich schweife ab. Um die <span style=\"color:green\">Buggles</span> geht es hier nicht.</p>\n<p>Wer auch hier gern ein einfaches Adjektiv als Zusammenfassung lesen w\u00fcrde, den ignoriere ich dreist. Auf \u201eSomething for Everybody\u201c n\u00e4mlich ist etwas zu h\u00f6ren, was etwas ausf\u00fchrlicher Beschreibung bed\u00fcrfte, w\u00e4re das Schreiben \u00fcber Musik nicht ungef\u00e4hr so produktiv wie das Singen von Gem\u00e4lden. \u201eSomething for Everybody\u201c ist selbstironisch, albern, durchgedreht und \u00fcberhaupt ganz sch\u00f6n retro. Genre gef\u00e4llig? Ich glaube, \u201eNew Dance Wave\u201c hat meines Wissens noch keiner benutzt. Dann mache ich das jetzt und ziehe das Fazit:</p>\n<p>Bei <span style=\"color:green\">Devo</span> bleibt man sich treu. \u201eIt\u2019s all the same, there\u2019s nothing new.\u201c<br>\nHoffen wir, dass auch weiterhin keine De-Evolution bei ihnen eintreten wird.</p>\n<p><span style=\"color:red\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAuf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Something-Everybody-Devo/dp/B003JYOFIW/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> sind Liedschnipsel von jeweils etwa 30 Sekunden L\u00e4nge zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51CD8MM0lVL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51CD8MM0lVL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Mose Giganticus \u2013 Gift Horse</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eNow I\u2019m in too deep, all I have left is sleep\u201c</span> (The Seventh Seal)\n<p>Lasst uns gemeinsam ein kleines Gedankenexperiment durchf\u00fchren.</p>\n<p>Was w\u00e4re, wenn die <span style=\"color:green\">B\u00f6hsen Onkelz</span> einen S\u00e4nger, der diesen Namen verdient, engagiert und das mit der st\u00e4ndigen Politik in den Texten gar nicht erst angefangen h\u00e4tten?</p>\n<p>Vermutlich h\u00e4tten sie dann statt ihrer von ihres Frontmanns grausigem Gegr\u00f6le \u00fcbert\u00f6nten, aber handwerklich soliden Alben solche ver\u00f6ffentlicht, wie sie stattdessen von <span style=\"color:green\">Mastodon</span> oder eben <span style=\"color:green\">Mose Giganticus</span> aufgenommen werden und positiven Anklang finden, zum Beispiel bei mir.</p>\n<p>\u201e<span style=\"color:green\">Mose Giganticus</span>\u201c, riesiger Moses? Die Geschichte hinter dem Namen hat weniger mit Christentum zu tun als man zun\u00e4chst vermuten k\u00f6nnte. Wie S\u00e4nger, Multiinstrumentalist und alleiniges festes Bandmitglied <span style=\"color:green\">Matt Garfield</span> <a href="\&quot;http://puregrainaudio.com/interviews/interview-with-mose-giganticus-mastermind-matt-garfield\&quot;" data-wpel-link="internal">zu Protokoll gab</a>, ist \u201e<span style=\"color:green\">Mose Giganticus</span>\u201c eine Verballhornung von \u201emost gigantic\u201c, \u201eam gigantischsten\u201c also. Auf \u201eGift Horse\u201c wird es dennoch ausnahmsweise christlich, denn die Texte des Albums sind aus der Perspektive Gottes sowie Satans verfasst, die sich miteinander unterhalten, und werden auch als ebensolche vorgetragen. Der Text des abschlie\u00dfenden <span style=\"font-style:italic\">The Seventh Seal</span> \u00fcbrigens wurde <a href="\&quot;http://sudsonbleeker.com/2010/07/24/mose-giganticus-gift-horse-album-review/\&quot;" data-wpel-link="internal">angeblich</a> von ausgerechnet <span style=\"color:green\">Genesis</span> inspiriert.</p>\n<p>Nein, <span style=\"color:green\">Matt Garfield</span> ist kein zweiter <span style=\"color:green\">Neal Morse</span> oder sonst ein radiokompatibler Kn\u00f6delinterpret. Auf \u201eGift Horse\u201c wird gebrettert und gebratzt, dass die W\u00e4nde wackeln, und der Mann hat eine Stimme, f\u00fcr die andere selbst ernannte Metals\u00e4nger lange und hart trainieren m\u00fcssen, und er kann nicht nur singen, sondern beherrscht auch seine Instrumente vorz\u00fcglich. <span style=\"color:green\">Dream Theater</span> kommt da <a href="\&quot;http://www.blistering.com/fastpage/fpengine.php/templateid/19933/menuid/2/tempidx/4/link/1\&quot;" data-wpel-link="internal">manchem Rezensenten</a> wohl in den Sinn, die allerdings fragiler und weniger brachial musizieren.</p>\n<p>Zwischen Metal, Grunge und Death-irgendwas schwingt das Album herum, <span style=\"font-style:italic\">The Seventh Sea</span> l\u00e4sst mich an <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/05/my-own-private-alaska-amen/\&quot;" title="\&quot;My" Own="" Private="" Alaska="" \u2013="" Amen\&quot;="" data-wpel-link="internal"><span style=\"color:green\">My Own Private Alaska</span></a> denken und damit eben doch wieder an Grunge. Es ist angenehm, ein Album innerhalb bestimmter Genregrenzen ansiedeln zu k\u00f6nnen, weil man sich dann beim dritten oder vierten H\u00f6rdurchlauf die M\u00fche spart, noch weitere Einfl\u00fcsse herauszuh\u00f6ren, damit man noch etwas mehr hat, was man \u00fcber es schreiben kann.</p>\n<p>Es gibt Leute, die von Zeit zu Zeit das Bed\u00fcrfnis versp\u00fcren, sich dem zelebrierten L\u00e4rm hinzugeben. Zu diesen Leuten geh\u00f6re auch ich, und ich halte \u201eGift Horse\u201c bei der L\u00e4rmauswahl f\u00fcr einen geeigneten Kandidaten.</p>\n<p>F\u00fcr <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> ist gesorgt:<br>\nDas <a href="\&quot;http://www.myspace.com/mosegiganticus\&quot;" data-wpel-link="internal">Myspace-Profil</a> (hei\u00dft das inzwischen eigentlich offiziell \u201eMy_\u201c?) von <span style=\"color:green\">Mose Giganticus</span> erm\u00f6glicht einen kurzen Einblick in \u201eGift Horse\u201c, zu dessen Konsum ich hiermit erfolgreich angeregt zu haben hoffe.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51uTF4oTR2L.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51uTF4oTR2L._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Scumbucket \u2013 Sarsaparilla</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eThe world is now bleeding, and silent tears will flow\u201c</span> (Kennedy\u2019s Blues)\n<p>Da wir gerade beim Thema \u201eMusik zum Rumh\u00fcpfen\u201c waren, m\u00f6chte ich auch nicht weit abschweifen. Das Wort \u201eSchweinerock\u201c haben sicher die meisten von euch, liebe Leser, schon einmal geh\u00f6rt. Zwar wei\u00df ich nicht so genau, was sich die Erfinder des Wortes urspr\u00fcnglich darunter vorgestellt haben, aber das Album \u201eSarsaparilla\u201c klingt so, wie ich mir beim ersten H\u00f6rdurchlauf dieses Albums Musik vorstellte, die man \u201eSchweinerock\u201c nennen k\u00f6nnte.</p>\n<p>Manchmal (<span style=\"font-style:italic\">Pray for the Devil Ray</span>) klingt das dann wie <span style=\"color:green\">Nirvana</span>, manchmal wie eine ertr\u00e4gliche Version von <span style=\"color:green\">Placebo</span>, oft jedenfalls aber immerhin wie eine Band, die \u201eIndie\u201c nicht f\u00fcr das h\u00e4lt, was <span style=\"color:green\">Tocotronic</span> so machen. <span style=\"font-style:italic\">Namedropping</span> zu betreiben erscheint hier aber beinahe fehl am Platz, betreibt das doch die Fantasie des Autors dieser Zeilen schon in ausreichendem Ma\u00dfe und somit auch <span style=\"color:green\">Scumbucket</span> selbst, denn \u201eSarsaparilla\u201c kannte ich, ich gebe es zu, bislang nur als Lieblingsnahrung der <span style=\"color:green\">Schl\u00fcmpfe</span> und hatte mir nie Gedanken dar\u00fcber gemacht, ob es wie etwa <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Naphthalin\&quot;" data-wpel-link="internal">Naphthalin</a>, die Leibspeise von <span style=\"color:green\">Gamma</span> aus einigen <span style=\"color:green\">Micky-Maus</span>-Bildgeschichten, eine tats\u00e4chliche Bedeutung hat; hat es aber, denn mehrere Quellen weisen darauf hin, dass die <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Raue_Stechwinde\&quot;" data-wpel-link="internal">Raue Stechwinde</a> diesen Namen tr\u00e4gt.</p>\n<p>\u201eWas f\u00fcr eine langweilige Erkl\u00e4rung!\u201c denkt sich nun der Leser, daher lasse ich die <span style=\"color:green\">Spongebob</span>-Referenz nun auch weg und kehre zur Musik zur\u00fcck. Auf die <a href="\&quot;http://www.scumbucket-music.com/http___www.scumbucket-music.com/Info.html\&quot;" data-wpel-link="internal">Selbstbeschreibung seitens der Musiker</a> sollte man sich nicht verlassen, denn die ist Quatsch:</p>\n<blockquote><p>F\u00fcr viele Musiker, Kritiker und vor allem Fans gelten Scumbucket als die Vorreiter und Urv\u00e4ter der deutschen Gitarrenmusik.</p></blockquote>\n<p>Wahr ist: Das, was die drei Koblenzer (an der Gitarre: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2008/06/musik-2008-favoriten-und-analyse-1/\&quot;" title="\&quot;Musik" 06/2008="" \u2013="" Favoriten="" und="" Analyse\&quot;="" data-wpel-link="internal"><span style=\"color:green\">Blackmail</span></a>-Musiker Kurt Ebelh\u00e4user) auf \u201eSarsaparilla\u201c von sich geben, ist gitarrenorientierter Indie-Rock mindestens anderthalbster G\u00fcte. (Warum ich bei <span style=\"font-style:italic\">Call Me Anyone</span> an <span style=\"color:green\">Nickelback</span> denken muss, wei\u00df ich nicht, vielleicht habe ich <span style=\"color:green\">Nickelback</span> auch einfach nur lange genug nicht geh\u00f6rt.) Der Gesang, ungew\u00f6hnlich f\u00fcr diese Sparte, passt zur gespielten Musik, und auch sonst ist \u201eSarsaparilla\u201c ein Album, das man als R\u00fcckschauer mal erw\u00e4hnt haben sollte, weil man es sonst vermutlich irgendwann bereut.</p>\n<p>Abrupt schlie\u00dfe ich diese Rezension, bevor ich endg\u00fcltig den Faden verliere:<br>\nWer Ohren hat, der <span style=\"color:red\">h\u00f6re</span>, bevorzugt auf der <a href="\&quot;http://www.myspace.com/scumbucketmusic\&quot;" data-wpel-link="internal">My_-Seite</a> des Trios.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/41w18dLQL-L.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/41w18dLQL-L._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Autolux \u2013 Transit Transit</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eNo more thoughts from moving mountains\u201c</span> (High Chair)\n<p>Peter wunderte sich, als ich (<a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/retrospektive-2010-eure-alben-des-jahres-bitte/\&quot;" data-wpel-link="internal">hier</a>) bekanntgab, <span style=\"color:green\">Autolux</span>\u2018 neues Album zu einem meiner mittlerweile in stattlicher Anzahl ernannten Lieblingsalben des Jahres k\u00fcrte, und ich konnte es auch erst nicht fassen, dass diese Band, deren Zweitling \u201eFuture Perfect\u201c von 2004 mich nicht vom Hocker riss, es nun doch geschafft hatte. Auf \u201eTransit Transit\u201c hat das Trio aus Los Angeles (\u201eJu Es \u00c4ih\u201c, c/o \u201eFar Out\u201c) das ihrem Stil noch fehlende gewisse Etwas hinzugef\u00fcgt und mich begeistert; so schnell kann\u2019s gehen.</p>\n<p>\u201eAlternative Rock\u201c, aber auch \u201enur schwer einem Genre zuzuordnen\u201c \u2013 w\u00e4hrend ich diese Zeilen schreibe, entferne ich diese Wirrnis aus dem deutschen Wikipediaartikel zu <span style=\"color:green\">Autolux</span> \u2013 ist vermutlich eine <span style=\"font-style:italic\">ganz gute</span> Beschreibung dessen, was den geneigten H\u00f6rer erwartet:</p>\n<p><span style=\"color:green\">Autolux</span> verbinden den scheppernden Noiserock der fr\u00fcheren <span style=\"color:green\">Raveonettes</span> mit sorglosem Gesang, der mal ein bisschen wie <span style=\"color:green\">Portugal. The Man</span>, mal ein bisschen wie <span style=\"color:green\">The Amber Light</span> und mal ein bisschen wie der drogenschwangere Psychedelic Rock der sp\u00e4ten 60-er Jahre klingt, und streuen eine Prise Postrock dar\u00fcber. Hierbei ist das sechsmin\u00fctige <span style=\"font-style:italic\">The Science of Imaginary Solutions</span> bereits das l\u00e4ngste St\u00fcck auf dem Album, verschwurbelte Arroganz ist also nicht zu bef\u00fcrchten.</p>\n<p>Fur unbedingt h\u00f6renswert befinde ich das verzerrte <span style=\"font-style:italic\">Headless Sky</span> und das <span style=\"color:green\">dandywarhols</span>esque <span style=\"font-style:italic\">Supertoys</span>, aber die anderen Lieder sind mit Ausnahme des belanglosen Titelst\u00fccks auch nicht \u00fcbel; will sagen, \u201eTransit Transit\u201c an sich ist unbedingt h\u00f6renswert, und ich betone ausdr\u00fccklich, dass ich nicht \u201eeigentlich\u201c schrieb. Was mich an \u201eTransit Transit\u201c begeistert, ist die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der <span style=\"color:green\">Autolux</span> hier agieren. Unverkrampften psychedelischen Noiserock hatte die Musikwelt schon ein paar Dekaden lang nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig im Angebot.</p>\n<p>\u201eTransit Transit\u201c sollte man als musikaffiner Mitmensch in diesem Jahr zumindest einmal geh\u00f6rt haben, damit der Kulturpessimismus, der sich beim Blick auf die aktuellen Hitparaden zwangsl\u00e4ufig einzustellen beabsichtigt, noch ein weiteres Jahr die Klappe h\u00e4lt. Will noch irgendjemand meine zwei, drei, sieben oder einundzwanzig \u201eTop-Alben 2010\u201c in Erfahrung bringen, weil ihm irgendwelche Ranglisten wichtiger sind als die von mir bevorzugte Prosaform, dann darf er diesem Text gern entnehmen, dass \u201eTransit Transit\u201c da, bittesehr, auf jeden Fall hineingeh\u00f6rt. Ich selbst verzichte allerdings darauf, Ranglisten zu f\u00fchren, denn das, was ich in meinen R\u00fcckschauen empfehle, ist grunds\u00e4tzlich ohne Tendenzen und Nuancen spitze, versteht sich. Wer braucht das \u201eAlbum des Jahres\u201c, wenn er derer gleich mehrere haben kann?</p>\n<p>Und wer es noch ein bisschen genauer wissen m\u00f6chte, <span style=\"font-style:italic\">wie</span> spitze \u201eTransit Transit\u201c eigentlich ist, der wird auf der <a href="\&quot;http://www.myspace.com/autolux\&quot;" data-wpel-link="internal">My-irgendwas-Seite von <span style=\"color:green\">Autolux</span></a> f\u00fcndig, auf der als <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> gegenw\u00e4rtig (11. Dezember 2010) einige Ausz\u00fcge aus dem Album zu finden sind.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51oLuCU%2BERL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51oLuCU%2BERL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Extra Life \u2013 Made Flesh</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eToo much life, so much life that we die\u201c</span> (Voluptuous Life)\n<p>Bereits im September, wie regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Publikationen wissen, wollte ich <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/09/not-if-i-wrap-myself-in-nylon/\&quot;" title="\&quot;\u201cNot" if="" I="" wrap="" myself="" in="" nylon="" \u2026\u201d\&quot;="" data-wpel-link="internal">dieses Album rezensieren</a>, allerdings kam etwas dazwischen. Eine ausf\u00fchrliche W\u00fcrdigung hat \u201eMade Flesh\u201c aber noch immer verdient. Sie folgt:</p>\n<p><span style=\"color:green\">Extra Life</span> ist ein Folkrock-/RIO-Quintett aus Brooklyn (schon wieder \u201eJu Es \u00c4ih\u201c), und so seltsam, wie man sich diese Kombination vorstellt, klingt \u201eMade Flesh\u201c dann auch. Das Violinen- und Mandolinenspiel von <span style=\"color:green\">Caley Monahon-Ward</span> und der diatonische Gesang von Frontmann und Gitarrist <span style=\"color:green\">Charlie Looker</span>, ehemals <span style=\"color:green\">Zs</span>, einerseits und der experimentelle Avantgarde-Rock der Mitstreiter andererseits klingen zweifelsohne ungewohnt auch f\u00fcr jene, denen Vertreter beider Stilrichtungen (<span style=\"color:green\">Circulus</span> kommt mir da in den Sinn) bereits bekannt sind.</p>\n<p>\u201eProgressiv\u201c bedeutet in blo\u00dfer \u00dcbersetzung \u201efortschrittlich\u201c, und so ist die auf \u201eMade Flesh\u201c gepresste Klangwelt, die zwei bereits bekannte Welten zu einer neuen verbindet, im Wortsinne eben \u201eProgressive Rock\u201c. Laut <a href="\&quot;http://www.myspace.com/extralifetheband\&quot;" data-wpel-link="internal">My-irgendwas-Profil</a> z\u00e4hlen unter anderem <span style=\"color:green\">John Coltrane</span> und <span style=\"color:green\">Steeleye Span</span> zu den musikalischen Vorbildern der Beteiligen, aber was bedeutet diese Angabe, wenn das Resultat der Beeinflussung eben v\u00f6llig eigenst\u00e4ndig ist? Als ich f\u00fcr den <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Extra_Life\&quot;" data-wpel-link="internal">deutschen Wikipedia-Artikel</a> zur Band recherchierte, fand ich unter anderem <a href="\&quot;http://www.sputnikmusic.com/review/35808/Extra-Life-Made-Flesh/\&quot;" data-wpel-link="internal">diese Rezension</a> zu \u201eMade Flesh\u201c, deren Autor <span style=\"color:green\">Extra Life</span> attestiert, sie geh\u00f6rten zu den Musikgruppen, die st\u00e4ndig die Grenzen von Genres und Popmusik ausloten. Das ist, wie ich meine, eine treffende Beobachtung.</p>\n<p>\u201eMade Flesh\u201c ist, man erkennt es bereits am Namen, ein Konzeptalbum zum Thema K\u00f6rperkult. Das abschlie\u00dfende <span style=\"font-style:italic\">The Body Is True</span> fasst das Album <a href="\&quot;http://lyrics.wikia.com/Extra_Life:The_Body_Is_True\&quot;" data-wpel-link="internal">textlich</a> zusammen: Der Mensch, st\u00e4ndig nach optischer Perfektion und darauf aufbauender Zweisamkeit strebend, bleibt doch nur ein Sklave seiner eigenen Verg\u00e4nglichkeit.</p>\n<blockquote><p>Share with me, share with me the doomed flesh I made.<br>\nMasterpiece! Masterpiece!<br>\nThe fine physique of a slave.</p></blockquote>\n<p>Mitunter, etwa in <span style=\"font-style:italic\">Easter</span>, wird es kakophonisch, eine \u201eapokalyptische Klangmasse aus einzelnen minimalistischen Klangfiguren, die sich unerbittlich in die Geh\u00f6rg\u00e4nge einh\u00e4mmern und einfr\u00e4sen\u201c (Jochen Rindfrey, <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=10758#17132\&quot;" data-wpel-link="internal">hier</a>). So kommen auch Freunde der weniger harmonischen Kl\u00e4nge, die etwa <span style=\"color:green\">Henry Cow</span> sch\u00e4tzen, auf ihre Kosten.</p>\n<p><span style=\"color:red\">H\u00f6rproben:</span><br>\nConnoisseurs empfehle ich <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=-LwQoVjrFWI\&quot;" data-wpel-link="internal">diese</a> Liveversion von <span style=\"font-style:italic\">Easter</span>, ansonsten gibt es <a href="\&quot;http://www.amazon.com/gp/product/B0036I5QYI?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.com</a> 30-sek\u00fcndige Ausschnitte aus \u201eMade Flesh\u201c zu h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51UAwdGVPcL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51UAwdGVPcL._SL500_AA240_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">The WindMill \u2013 To be continued\u2026</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eWhy is everything so hard to appreciate?\u201c</span> (Don\u2019t Be Afraid)\n<p>Eine Sonderstellung in dieser Liste nimmt \u201eTo be continued\u2026\u201c ein, denn es ist zwar ebenso spitze wie die anderen hier genannten Alben, jedoch spreche ich in diesem Fall keine uneingeschr\u00e4nkte Kaufempfehlung aus, ohne ein wenig zu meckern:</p>\n<p>Steht der Gesang bei <span style=\"color:green\">Extra Life</span> im Vordergrund, kann man ihn bei <span style=\"color:green\">The WindMill</span>, lustigerweise (oder absichtlich?) bei Windmill Records unter Vertrag, beinahe vernachl\u00e4ssigen. Zwar wird auf \u201eTo Be Continued\u2026\u201c gesungen, aber \u00fcberwiegend agieren die Norweger instrumental mit Inspiration von <span style=\"color:green\">Camel</span> und <span style=\"color:green\">Caravan</span>, und wenn <span style=\"color:green\">Morton Clason</span> losfl\u00f6tet, kommt auch mal <span style=\"color:green\">Jethro Tull</span> durch. Das soll nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass sie vor allem eine Rockband sind, m\u00e4andernde Wolken aus Synthesizern oder jedenfalls Keyboards hier also nicht st\u00e4ndig produziert werden.</p>\n<p>Achja, der Gesang. Es ist eigentlich schade, dass er aufgenommen wurde, denn ohne ihn w\u00fcrde \u201eTo be continued\u2026\u201c, wenn mich das kurze \u00dcberfliegen der einschl\u00e4gigen Rezensionen nicht trog, deutlich positiveren Anklang finden. Ihn zu ignorieren ist unterschiedlich schwierig, gerade, wenn man wie ich bei Musik immer auch auf die Texte achtet. Er wirkt, oft (etwa im Balladenteil von <span style=\"font-style:italic\">A Day in a Hero\u2019s Life</span>) ein wenig zu sehr in den Vordergrund gemischt, meist deplatziert und aufgesetzt, mitunter auch <a href="\&quot;http://www.musikreviews.de/reviews/2010/The-Windmill/To-Be-Continued/\&quot;" data-wpel-link="internal">gelangweilt</a>, und vielleicht w\u00e4re es besser gewesen, <span style=\"color:green\">The WindMill</span> h\u00e4tten auf ihn verzichtet.</p>\n<p>Nun aber genug der Meckerei, denn trotzdem reicht es noch nicht, um \u201eTo be continued\u2026\u201c aus der R\u00fcckschau zu werfen, es ist musikalisch zu gut. Der instrumentale Einstieg <span style=\"font-style:italic\">Cinnamon</span> ist ein feines St\u00fcck Retro-Prog, das folgende <span style=\"font-style:italic\">The Colour of Seasons</span>, ein retroprog-orientiertes Rockst\u00fcck, wartet sogar, obigen Abschnitt durchaus ber\u00fccksichtigt, mit Gesang auf, der zur Musik passt. Fast bin ich geneigt, beim H\u00f6ren dieses Liedes vom Sofa aufzuspringen und zu rufen: \u201eNa bitte, es geht doch!\u201c.</p>\n<p>Im Mittelpunkt steht aber das fast 22-min\u00fctige <span style=\"font-style:italic\">A Day in a Hero\u2019s Life</span>, ein mehrteiliger <span style=\"font-style:italic\">longtrack</span>, der <a href="\&quot;http://www.progarchives.com/Review.asp?id=295585\&quot;" data-wpel-link="internal">im Ausland</a> besser ankommt als <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=10807\&quot;" data-wpel-link="internal">in Deutschland</a>:</p>\n<blockquote><p>This is an epic in the <span style=\"color:green\">Yes</span> and <span style=\"color:green\">Genesis</span> vein. It is also a pretty heavy prog track which leads my thoughts over to <span style=\"color:green\">Rush</span> too. Not to mention <span style=\"color:green\">Jethro Tull</span> at Aqualong <span style=\"font-style:italic\">(sic)</span>. <span style=\"font-style:italic\">A Day in a Hero\u2019s Life</span> is an excellent epic and a proof that this band has a lot of different arrows in their armory.</p></blockquote>\n<p>Wirklich schlecht ist \u201eTo be continued\u2026\u201c nicht, ebenso wie ich allerdings auch das vielfach verrissene \u201ePure\u201c von <span style=\"color:green\">Pendragon</span>, mit denen <span style=\"color:green\">The WindMill</span> mitunter verglichen werden, mag. Etwas weniger anstrengender Gesang w\u00e4re sch\u00f6n; und dann kann es sein, dass das Nachfolgealbum mir so richtig gut gef\u00e4llt und ich aufh\u00f6re zu meckern. Freunde soliden Neoprogs, die auch gegen <span style=\"color:green\">Pendragon</span> und <span style=\"color:green\">IQ</span> nichts einzuwenden haben, k\u00f6nnen mit diesem Album jedenfalls nicht viel verkehrt machen.</p>\n<p>Als <span style=\"color:red\">H\u00f6rprobe</span> l\u00e4sst sich <span style=\"font-style:italic\">The Colour of Seasons</span> derzeit <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=_11gS-g35qg\&quot;" data-wpel-link="internal">auf YouTube</a> konsumieren. Man m\u00f6ge dies tun!</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51pb6Xn2kvL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51pb6Xn2kvL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">The High Confessions \u2013 Turning Lead Into Gold With The High Confessions</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eThe bullets fly back to the gun\u201c</span> (Mistaken For Cops)\n<p>F\u00fcr die halbj\u00e4hrliche Dosis <span style=\"color:green\">The Velvet Underground</span> ist diesmal jedenfalls teilweise das Deb\u00fctalbum dieser <span style=\"font-style:italic\">supergroup</span> mit <span style=\"color:green\">Chris Connelly</span> (u.a. <span style=\"color:green\">Ministry</span>), <span style=\"color:green\">Steve Shelley</span> (<span style=\"color:green\">Sonic Youth</span>), <span style=\"color:green\">Sanford Parker</span> (<span style=\"color:green\">Minsk</span>) und <span style=\"color:green\">Jeremy Lemos</span> (<span style=\"color:green\">White/Light</span>) mit dem obskuren Retro-Albentitel zust\u00e4ndig. Aus zwei von <span style=\"color:green\">The Velvet Underground</span> beeinflussten Noise-Rock-Bands und zwei Metalbands setzen sich also die Wurzeln der <span style=\"color:green\">High Confessions</span>, der \u201ehohen Bekenntnisse\u201c, zusammen, und wozu sich die vier Herren bekennen, wird schnell klar:</p>\n<p>Die repetitiven Strukturen mit dem Wechsel von Gitarre und Gesang sowie der treibende Rhythmus, die bereits im ersten St\u00fcck <span style=\"font-style:italic\">Mistaken For Cops</span> auffallen, lie\u00dfen mich schon beim ersten H\u00f6ren an die <span style=\"color:green\">VU</span>-Glanztaten <span style=\"font-style:italic\">I Can\u2019t Stand It</span> und <span style=\"font-style:italic\">Sister Ray</span> denken. Wer nun aber eine blo\u00dfe Kopie vermutet, der hat sich geschnitten und sollte etwas tun, bevor er hier alles vollblutet; mitnichten sind <span style=\"color:green\">The High Confessions</span> ein weiterer Versuch, nur wie die alten Helden zu klingen, denn hinter all dem steht ein eigenes Konzept.</p>\n<p><span style=\"font-style:italic\">Mistaken For Cops</span> ist mit 4:03 Minuten das k\u00fcrzeste St\u00fcck des Albums, es folgen zwei Elf- und ein Siebzehnmin\u00fcter in umgekehrter Reihenfolge. Als f\u00fcnftes und letztes St\u00fcck steht <span style=\"font-style:italic\">Chlorine And Crystal</span> auf der Titelliste, das es auch auf immerhin neuneinhalb Minuten bringt und wie eine weniger angestaubte Inkarnation der <span style=\"color:green\">Talking Heads</span> klingt. \u201e<span style=\"color:green\">Talking Heads</span>\u201c, fragt mich nun der aufmerksame Leser, \u201ewas haben die denn mit <span style=\"color:green\">VU</span> zu tun?\u201c \u2013 nun: Nichts. Wie ich schon schrieb, wird hier mehr als nur der Pflege alten Kulturguts gefr\u00f6nt.</p>\n<p><span style=\"font-style:italic\">Along Came The Dogs</span>, stolze 17:07 Minuten lang, ist zum Beispiel eher eine Klangcollage als ein tats\u00e4chliches \u201eLied\u201c. Los geht es mit Trommelwirbel, leise setzt Bassbrummen ein, ab 1:36 Minuten sind dann Stimmen zu h\u00f6ren, die etwas von Hunden dahermurmeln und \u2011rufen. Nach f\u00fcnfeinhalb Minuten verstimmt dann schlie\u00dflich die letzte Stimme, zu <span style=\"font-style:italic\">Little-Drummer-Boy</span>-Trommeln fiept, brummt und surrt es elektronisch. Zwei Minuten sp\u00e4ter setzen erneut Stimmen ein, die sich in einen monotonen Sprechgesang hineinsteigern, w\u00e4hrend die Hintergrundger\u00e4usche mit Gitarren- und Keyboardeinw\u00fcrfen bedrohlich anschwellen und erst ab etwa 14:30 langsam abebben, um sich zum Ende hin nochmals in Feedback zu entladen. \u201ePost-Psychedelic\u201c nennen das die schubladenw\u00fctigen Musikjournalisten wohl heutzutage, und obwohl sich Parallelen zu etwa <span style=\"color:green\">Pink Floyd</span> doch mitunter zeigen, so w\u00e4re dies ungerecht. Ekstatisch und hypnotisch kommt <span style=\"font-style:italic\">Along Came The Dogs</span> daher und bleibt dabei fesselnd; \u201eAtmosph\u00e4re\u201c hei\u00dft das Zauberwort hier, denn damit steht und f\u00e4llt so ein Konzept, und vom Fallen kann hier keine Rede sein.</p>\n<p>Auch die \u00fcbrigen beiden St\u00fccke, <span style=\"font-style:italic\">Dead Tenements</span> und <span style=\"font-style:italic\">The Listener</span>, funktionieren nach diesem Prinzip, obgleich diese weniger collagenartig sind. Ich bin versucht, <span style=\"font-style:italic\">The Listener</span> als Postrock zu bezeichnen, denn mit seinem tr\u00e4gen Rhythmus und dem entr\u00fcckten, leicht schr\u00e4gen Gesang k\u00f6nnte es auch von <span style=\"color:green\">A Silver Mt. Zion</span> stammen. (Auf Amazon.de geht \u201eTurning Lead Into Gold With The High Confessions\u201c \u00fcbrigens ohne weitere Differenzierung als \u201ePost-Rock-Album\u201c durch. Amazon.de ist doof.)</p>\n<p>\u201eTurning Lead Into Gold With The High Confessions\u201c ist ein anstrengendes, aber auch vielseitiges Album. Wer Musik gern auch ein wenig Zeit l\u00e4sst, sich zu entfalten, dessen Anstrengungen belohnen die <span style=\"color:green\">High Confessions</span> recht bald, und ihr Lohn ist kein geringer.</p>\n<p>Zum Anfixen verweise ich auf diese <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span>:<br>\nW\u00e4hrend <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Turning-Lead-Into-Gold/dp/B003EXVTXM/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> mit den \u00fcblichen 30-sek\u00fcndigen Ausschnitten aufwartet, kann man derzeit (12. Dezember 2010) <span style=\"font-style:italic\">Mistaken For Cops</span> und <span style=\"font-style:italic\">Chlorine And Crystal</span> in voller L\u00e4nge auf der <a href="\&quot;http://www.myspace.com/thehighconfessions\&quot;" data-wpel-link="internal">My-irgendwas-Profilseite</a> der Band h\u00f6ren.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51aQqD%2BwYWL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51aQqD%2BwYWL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">For A Minor Reflection \u2013 H\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u</span>\n<p>Aus Island kommen <span style=\"color:green\">Bj\u00f6rk</span>, eine lustige Sprache und <span style=\"color:green\">Sigur R\u00f3s</span>, f\u00fcr sph\u00e4rische Instrumentalmusik bietet die Gegend offenbar einen guten N\u00e4hrboden. Entsprechend entspannend geht es bei den instrumentalen Postrockern <span style=\"color:green\">For A Minor Reflection</span> voran, deren in diesem Jahr ver\u00f6ffentlichtes Album \u201eH\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u\u201c bezeichnenderweise in den <span style=\"color:green\">Sigur-R\u00f3s</span>-Studios aufgenommen wurde.</p>\n<p>Mitunter liest man Vergleiche mit <span style=\"color:green\">Mogwai</span>, etwa von <span style=\"color:green\">Sigur R\u00f3s</span> h\u00f6chstselbst, aber trotz dieses schmeichelhaften Vergleichs klingt \u201eH\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u\u201c vor allem skandinavisch. Das kann man auch, wie etwa in <a href="\&quot;http://whitetapes.de/album-reviews/for-a-minor-reflection-holdum-i-att-a%C3%B0-orei%C3%B0u\&quot;" data-wpel-link="internal">dieser</a> ansonsten eher unnetten Kritik, so ausdr\u00fccken:</p>\n<blockquote><p>Entgegen dem Albumtitel, was soviel hei\u00dft wie \u201eAuf\u2019s Chaos zusteuern\u201c, bestimmen liebliche Melodien und ein insgesamt helles Timbre die Platte; an lauten Schlagzeugeinlagen fehlt es trotzdem nicht.</p></blockquote>\n<p>Ja, hier und da wird es auch mal schrammel-postrockig, etwa dann, wenn in <span style=\"font-style:italic\">Kastlj\u00f3s</span> die Gitarrenw\u00e4nde auf den H\u00f6rer einprasseln, wie W\u00e4nde das eben so machen; aber <span style=\"color:green\">For A Minor Reflection</span> kann auch anders, wie etwa <span style=\"font-style:italic\">Sj\u00e1umst \u00cd Virgin\u00edu</span> und insbesondere das fr\u00f6hlich-beschwingte <span style=\"font-style:italic\">Dansi Dans</span> (mit Klavierintro!) zeigen, dann n\u00e4mlich zeigen die Isl\u00e4nder ihre St\u00e4rke, eben auch mal in alter <span style=\"color:green\">Sigur-R\u00f3s</span>-Manier \u2013 isl\u00e4ndisch eben \u2013 mit sanften T\u00f6nen zu musizieren.</p>\n<p>Ich behaupte: Wer instrumentalen Postrock sch\u00e4tzt, der nicht nur brachial, sondern auch mal dezent sein darf, dem wird \u201eH\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u\u201c gefallen; wer damit bislang nicht viel anfangen kann, dem empfehle ich, zumindest einmal in dieses Album hineinzuh\u00f6ren.</p>\n<p>Bevorzugt mit diesen <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAuf YouTube stehen prima Liveaufnahmen von <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=eYunN086akw\&quot;" data-wpel-link="internal">Kastlj\u00f3s</a> )mit viel bl\u00f6dem Vorgepl\u00e4nkel) und <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=IAsS6h7dBG8\&quot;" data-wpel-link="internal">Dansi Dans</a> (mit ohne bl\u00f6des Vorgepl\u00e4nkel) zur Verf\u00fcgung.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/61%2Bd1FZTQxL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/61%2Bd1FZTQxL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Dear John Letter \u2013 Part &amp; Fragment</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eI\u2019m a shaky hand, I\u2019m a restless leg\u2026\u201c</span> (You Remain Unshakeably Calm)\n<p><span style=\"color:green\">Dear John Letter</span>, meine pers\u00f6nlichen G\u00f6tter auf dem eigens f\u00fcr sie errichteten Alternative-Psychedelic-Postrock-Olymp, haben sich ihren Stammplatz in meinen R\u00fcckschauen mit ihrer Musik hart erk\u00e4mpft und so nicht erst seit dem <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/11/ein-psychedelischer-genuss-dear-john-letter-in-braunschweig/\&quot;" title="\&quot;Ein" psychedelischer="" Genuss:="" Dear="" John="" Letter="" in="" Braunschweig\&quot;="" data-wpel-link="internal">\u00fcberw\u00e4ltigenden Konzert in Braunschweig</a> gesichert.</p>\n<p>Mit dem Plattenvertrag, der nach der Ver\u00f6ffentlichung des Deb\u00fcts vor zweieinhalb Jahren (<a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2008/06/dear-john-letter-between-leaves-forestal/\&quot;" title="\&quot;dear" john="" letter:="" Between="" Leaves="" \u2013="" Forestal\&quot;="" data-wpel-link="internal">ich berichtete</a>) geschlossen wurde, hat sich nicht viel ge\u00e4ndert. \u201ePart &amp; Fragment\u201c ist weniger kantig als die vorigen Tontr\u00e4ger und wirkt aufgrund der teilweise flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4nge wie ein einziges Musikst\u00fcck aus mehreren, daf\u00fcr vergleichsweise kurzen Teilen. Die Betonung (ich berichtete <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/10/dear-john-letter-part-fragment/\&quot;" title="\&quot;Dear" John="" Letter="" \u2013="" Part="" &amp;="" Fragment\&quot;="" data-wpel-link="internal">ebenfalls</a>) liegt auf einer anderen St\u00e4rke von <span style=\"color:green\">Dear John Letter</span>, der zelebrierten Hypnose n\u00e4mlich:</p>\n<blockquote><p>Eine Abwendung vom Postrock <a href="\&quot;http://www.musikansich.de/review.php?id=8966\&quot;" data-wpel-link="internal">wurde attestiert</a>, und auch, wenn sich das Album nicht blo\u00df in die Worte \u201eklingt wie Postrock mit prima Gesang\u201c kleiden l\u00e4sst, so ist doch keinesfalls eine Abkehr zu h\u00f6ren, sondern vielmehr eine Erg\u00e4nzung. Zu den gewohnten T\u00f6nen (<span style=\"color:green\">Mogwai</span>, <span style=\"color:green\">Oceansize</span>, <span style=\"color:green\">Amplifier</span>, eine Prise <span style=\"color:green\">Pink Floyd</span>) sto\u00dfen neue Einfl\u00fcsse, der dies f\u00fcr mich am beeindruckendsten demonstrierende Part ist das abschlie\u00dfende Gitarrensolo in <span style=\"font-style:italic\">House of Leaves</span>, das mir auch endlich erkl\u00e4rt, wieso <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-review-dear-john-letter-parts-fragment/\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter</a> <span style=\"color:green\">Led-Zeppelin</span>-Remineszenzen aus der Vergleichsschublade kramte, die andererseits trotz wunderbarer Momente wie etwa <span style=\"font-style:italic\">Achilles\u2019 Last Stand</span> nie so detailverliebt zu Werke gingen.</p></blockquote>\n<p>\u201ePart &amp; Fragment\u201c, \u201eteile und zerbrich\u201c? Dies ist eine m\u00f6gliche Bedeutung des Titels, und es m\u00f6ge <span style=\"color:green\">Dear John Letter</span> so bald nicht widerfahren. Gro\u00dfartige Musik gerade w\u00e4hrend der kalten Wintertage. Es muss ja nicht immer <span style=\"font-style:italic\">Last Christmas</span> sein.</p>\n<p><span style=\"color:red\">H\u00f6rproben:</span><br>\nVom er\u00f6ffnenden <span style=\"font-style:italic\">You Remain Unshakeably Calm</span> gibt es auf YouTube ein <span style=\"font-style:italic\"><a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=dwnMBE0Fwfw\&quot;" data-wpel-link="internal">radio edit</a></span>, eine Radioversion also, die es wohl nie in deutsche Radiosender schaffen wird. Das spricht nicht f\u00fcr die Qualit\u00e4t des Rundfunks, l\u00e4sst mich aber hoffen, dass es auch weiterhin nicht zu einer dem blo\u00dfen Ausverkauf geschuldeten Orientierung an aktueller Popmusik kommen wird.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/61-G4o5wTOL.jpg\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:100px;height:100px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/61-G4o5wTOL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">U.S. Christmas \u2013 Run Thick In The Night</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eLeave your body, it is ruined\u201c</span> (Fire Is Sleeping)\n<p>Zum Abschluss der Hauptliste wird es dann zumindest namentlich, passend zur Jahreszeit, weihnachtlich:<br>\n<span style=\"color:green\">U.S. Christmas</span>, kurz <span style=\"color:green\">USX</span>, hei\u00dft zwar so, hat aber mit Weihnachten ansonsten nichts zu tun.</p>\n<p>Ich greife mal willk\u00fcrlich das er\u00f6ffnende <span style=\"font-style:italic\">In The Night</span> heraus, 12:57 Minuten lang. Es ert\u00f6nt ein Postrockrhythmus, ab etwa zwei Minuten setzt klagender Gesang mit viel Hall ein, Gitarrenw\u00e4nde werden aufgeschichtet und kollabieren, den <span style=\"color:green\">Einst\u00fcrzenden Neubauten</span> nicht un\u00e4hnlich, am Ende des St\u00fcckes. Ich greife <span style=\"font-style:italic\">Suzerain</span> heraus, 8 Minuten und 46 Sekunden lang, und h\u00f6re das gleiche.</p>\n<p>Aber es bleibt nicht dabei. <span style=\"font-style:italic\">Ephraim In The Stars</span> klingt mit seiner <span style=\"font-style:italic\">clean</span> gespielten Gitarre, den Streichern und den Ch\u00f6ren wie eine Kollaboration von <span style=\"color:green\">Her Name Is Calla</span> mit <span style=\"color:green\">Pure Reason Revolution</span> auf \u201eThe Dark Third\u201c und ein bisschen <span style=\"color:green\">Wive</span>. <span style=\"font-style:italic\">The Moon In Flesh And Bone</span> lebt von <span style=\"color:green\">Nate Hall</span>s klagendem Gesang und l\u00e4sst mich dann doch noch mal <span style=\"color:green\">A Silver Mt. Zion</span> als Referenz heranziehen. Das kurze <span style=\"font-style:italic\">Fire Is Sleeping</span> k\u00f6nnte auch Anh\u00e4nger von <span style=\"color:green\">John Cale</span>s experimentelleren St\u00fccken verz\u00fccken.</p>\n<p><a href="\&quot;http://drownedinsound.com/releases/15704/reviews/4141180\&quot;" data-wpel-link="internal">Anderswo</a> nennt man das, was hier ert\u00f6nt, einen \u201eSpaghettiwestern\u201c, und ich finde den Vergleich bl\u00f6d, weil ich auch Western bl\u00f6d finde. Sch\u00f6ner vergleicht <a href="\&quot;http://www.metalnews.de/?metalid=05&amp;action=show&amp;cdid=5128\&quot;" data-wpel-link="internal">dieser</a> Rezensent:</p>\n<blockquote><p>Bereits im dreizehnmin\u00fctigen Er\u00f6ffnungssong <span style=\"font-style:italic\">In The Night</span> ziehen <span style=\"color:green\">US CHRISTMAS</span> alle Register von dr\u00f6hnenden Riffs \u00fcber wabernde Gitarren- und Synthiefl\u00e4chen bis hin zu von Tribal-Rhythmik unterlegtem und mit akustischen Einsprengseln versehenen Space Rock inklusive der allseits beliebten \u201eRaumschiffkommandobr\u00fcckenger\u00e4usche\u201c, wie sie durch <span style=\"color:green\">HAWKWIND</span> popul\u00e4r gemacht wurden. Die \u00dcberg\u00e4nge gestalten die Amerikaner dabei derart subtil und unauff\u00e4llig, dass man gar nicht erst auf Worte wie \u201ekopflastiges Konstrukt\u201c oder \u201eStilbruch\u201c kommt. Das Sextett aus North Carolina l\u00e4sst vor allem in den langen St\u00fccken einfach mal die eine, mal die andere Spielart Oberhand gewinnen, ohne dass es zu Rangordnungsk\u00e4mpfen kommen k\u00f6nnte. Wozu auch, denn man hat ja Zeit und wei\u00df sie zu nutzen.</p></blockquote>\n<p>Interessant liest sich \u00fcbrigens auch die G\u00e4steliste. <span style=\"color:green\">Sanford Parker</span>, unter anderem Mitglied der oben bereits gew\u00fcrdigten <span style=\"color:green\">The High Confessions</span>, spielt auf \u201eRun Thick In The Night\u201c ein \u201e\u00fcber den Boden gezerrtes Tamburin\u201c. Kicher.</p>\n<p><span style=\"color:red\">H\u00f6rproben:</span><br>\nAusz\u00fcge aus dem Album gibt es <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Run-Thick-Night-Us-Christmas/dp/B003RXXZXQ/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">auf Amazon.de</a> sowie <a href="\&quot;http://www.myspace.com/uschristmas\&quot;" data-wpel-link="internal">auf My-irgendwas</a> zu h\u00f6ren.</p></li>\n</ol>\n<p>Nachdem ihr nun euer Konto f\u00fcr einige prima Musikalben geleert habt, lege ich quasi als Dreingabe drei sch\u00f6ne gratis und legal herunterladbare Werke obendrauf. Sie folgen umgehend:</p>\n<p><span style=\"color:blue;font-size:14px;font-weight:bold\">2. <span style=\"text-decoration:underline\">Kost\u2018 nix und klingt gut.</span></span></p>\n<ol>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><img decoding=\"async\" style=\"width:60px;height:60px\" src=\"http://www.theboiler.de/MySpace/tb-ms-order-from-noise.jpg\"></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">The Boiler \u2013 Order From Noise</span>\n<p><span style=\"color:green\">The Boiler</span> aus M\u00fcnster gibt es <a href="\&quot;http://www.myspace.com/theboileronline/blog/539925651\&quot;" data-wpel-link="internal">seit Oktober nicht mehr</a>, zum Abschied haben sie jedoch diesen sch\u00f6nen EP mit f\u00fcnf am Metal etwa der <span style=\"color:green\">Stolen Babies</span> orientierten St\u00fccken von insgesamt \u00fcber 20 Minuten L\u00e4nge hinterlassen.</p>\n<p><a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=10932\&quot;" data-wpel-link="internal">Coheed and Cambria</a> werden als Vergleichsobjekt benutzt, besondere Erw\u00e4hnung verdient jedoch S\u00e4ngerin <span style=\"color:green\">Alina</span>, die auf Fotos immer ein bisschen bl\u00f6d guckt, aber eine beeindruckende Stimme vorweisen kann. Zwei der vier Mitglieder <a href="\&quot;http://theboiler.de/tb-infos2.html\&quot;" data-wpel-link="internal">finden <span style=\"font-style:italic\">Complicate</span> \u00fcberragend</a>, mir gef\u00e4llt besonders <span style=\"font-style:italic\">One Missing</span>.</p>\n<p>Was nun definitiv das bessere Lied ist, m\u00f6ge der geneigte Leser selbst entscheiden, <a href="\&quot;http://www.myspace.com/theboileronline/\&quot;" data-wpel-link="internal">auf My-irgendwas</a> ist \u201eOrder From Noise\u201c, der \u201eBefehl vom Krach\u201c also, vollst\u00e4ndig als Stream verf\u00fcgbar.</p>\n<p><span style=\"color:red\">Bezugsquellen:</span><br>\n\u201eOrder From Noise\u201c k\u00f6nnt ihr zum Beispiel <a href="\&quot;http://theboiler.de\&quot;" data-wpel-link="internal">auf der Internetseite der Band</a> sowie nat\u00fcrlich <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2279\&quot;" data-wpel-link="internal">via eMule</a> herunterladen.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><img decoding=\"async\" style=\"width:60px;height:60px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/LostChildren083.jpg\"></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Pet Slimmers of the Year \u2013 \u2026And The Sky Fell</span>\n<p>Bei <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/pet-slimmers-of-the-year-and-the-sky-fell/\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter</a> fand ich diesen EP von dem f\u00fcr prima Postrock inzwischen einschl\u00e4gig bekannten Netlabel Lost Children, eine (in gewohnt kreativer Schreibweise)</p>\n<blockquote><p>grossartiges Bolzerei. Elegnate Flanken und wuchtige musikalische Gr\u00e4tschen. Eine feine instrumentale Mischung aus Metal und Post-Rock von <span style=\"color:green\">Pet Slimmers Of The Year</span>.</p></blockquote>\n<p>Zwar wird auch vokal intoniert, aber das ist laut Aussage der Musiker nicht beachtenswert:</p>\n<blockquote><p>From the mournful grey shadows of the English winter in early 2008, three friends sought to create something new and exciting with sounds alone. There are few words, they are not redundant.</p></blockquote>\n<p>Auf etwas mehr als 20 Minuten kommen <span style=\"color:green\">Pet Slimmers of the Year</span>, obwohl sie ebenfalls mit \u201enur\u201c f\u00fcnf St\u00fccken auskommen. Allein <span style=\"font-style:italic\">I Am The Ocean</span> ist \u00fcber 12 Minuten lang. Musikalisch verwandt mit <span style=\"color:green\">God Is An Astronaut</span> und <span style=\"color:green\">Nihiling</span>, komplett anzuh\u00f6ren auf <a href="\&quot;http://www.archive.org/details/LostChildren083\&quot;" data-wpel-link="internal">Archive.org</a>.</p>\n<p><span style=\"color:red\">Bezugsquellen:</span><br>\nAu\u00dfer dem Download auf <a href="\&quot;http://www.archive.org/details/LostChildren083\&quot;" data-wpel-link="internal">Archive.org</a> gibt es auch den \u00fcblichen <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2219\&quot;" data-wpel-link="internal">Download via eMule</a>.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><img decoding=\"async\" style=\"width:60px;height:60px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/mona_2_apm250.png\"></span><span style=\"color:green;font-weight:bold\">mona de bo \u2013 nekavejies \u0161is ir speles ar tevi</span>\n<p><span style=\"color:green\">mona de bo</span> in einem Wort: Filmmusik. Als einziger der drei hier aufgef\u00fchrten Gratisdownloads ist \u201enekavejies \u0161is ir speles ar tevi\u201c ein richtiges Album von fast 70 Minuten L\u00e4nge. Von Drones durchsetzter Postrock instrumentaler Natur wird hier geboten, vergleichbar zum Beispiel mit <span style=\"color:green\">Earth</span>, aber auch <span style=\"color:green\">Sunn O)))</span> und <span style=\"color:green\">Dead Can Dance</span> <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/album_10845.html\&quot;" data-wpel-link="internal">bieten Vergleichspunkte</a>.</p>\n<p>Cineasten d\u00fcrften von diesem Album begeistert sein, die Mischung aus dr\u00f6hnenden Drones und <span style=\"color:green\">queen</span>esquer Theatralik wei\u00df aber auch andere, etwa mich, zu \u00fcberzeugen. Feines Album, das.</p>\n<p><span style=\"color:red\">Bezugsquellen:</span><br>\nMan kann das Album f\u00fcr 10 Euro plus Versand bei der Band <a href="\&quot;http://monadebo.com\&quot;" data-wpel-link="internal">bestellen</a> oder im MP3-Format dort herunterladen. Wer seine E\u2011Mail-Adresse lieber nicht in irgendwelchen Formularen im Internet eintragen m\u00f6chte, der wird auch <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2233\&quot;" data-wpel-link="internal">bei eMule</a> f\u00fcndig.</p></li>\n</ol>\n<p>Nicht alles war in diesem Jahr aber musikalisch prima. Zum Halbjahr <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/\&quot;" title="\&quot;Musik" 06/2010="" \u2013="" Favoriten="" und="" Analyse\&quot;="" data-wpel-link="internal">schrieb ich</a>, ich hoffe f\u00fcr die zweite R\u00fcckschau 2010 auf mehr furchtbaren Schrott, \u00fcber den ich mich aufregen kann. Diese Aufgabe wurde bravour\u00f6s gel\u00f6st, ein Auszug folgt, wie \u00fcblich, in Kurzform:</p>\n<p><span style=\"color:blue;font-size:14px;font-weight:bold\">3. <span style=\"text-decoration:underline\">Grausame Kl\u00e4nge.</span></span></p>\n<ol>\n<li><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Anathema \u2013 We\u2019re here because we\u2019re here</span><br>\nNa, wenn das der einzige Grund ist\u2026?</li>\n<li><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Tempano \u2013 Selective Memory</span><br>\nEine viel versprechende Einleitung, aber dann doch nur Weichsp\u00fclgesang \u00fcber einschl\u00e4fernden Melodien. Schade!</li>\n<li><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Mystery \u2013 One among the living</span><br>\n<span style=\"color:green\">Dream Theater</span> f\u00fcr wirklich sehr, sehr Arme.</li>\n<li><span style=\"color:green;font-weight:bold\">The Pineapple Thief \u2013 Someone Here Is Missing</span><br>\n<span style=\"font-style:italic\">Worst Of <span style=\"color:green\">Porcupine Tree</span></span></li>\n<li><span style=\"color:green;font-weight:bold\">Grinderman \u2013 Grinderman 2</span><br>\nSo sehr ich mir auch M\u00fche gebe: Ich verstehe nicht, was <span style=\"color:green\">Nick Cave</span> mit diesem Album sagen will.</li>\n</ol>\n<p>Wie immer schlie\u00dfe ich diesen Text mit einer R\u00fcckschau auf 40 Jahre Musikgeschichte. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit, aber es ist tr\u00f6stlich zu sehen, dass bisher noch jedes Jahrzehnt wichtige Alben vorzuweisen hatte.</p>\n<p><span style=\"color:blue;font-size:14px;font-weight:bold\">4. <span style=\"text-decoration:underline\">Musikalische Zeitreise 1970 \u2013 2000.</span></span></p>\n<ul>\n<li><span style=\"color:red\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n<span style=\"color:green\">The Stooges \u2013 Fun House</span><br>\nW\u00e4hrend die Musikwelt \u00fcberwiegend noch dem <span style=\"font-style:italic\">Summer of Love</span> nachtrauerte und Bands wie <span style=\"color:green\">Evolution</span> mit ihrem gleichnamigen Album noch versuchten, den Psychedelic Rock zu dem weiterzuentwickeln, was heute als Stoner Rock bezeichnet wird und sich zu Recht gro\u00dfer Beliebtheit erfreut, hatten sich andere Musiker l\u00e4ngst anders orientiert. <span style=\"color:green\">Kevin Ayers</span> legte mit \u201eShooting At The Moon\u201c <span style=\"font-style:italic\">das</span> RIO/Avantgarde-Album des Jahres vor, auf dem er sich au\u00dfer mit elektronischen Klangexperimenten auch mit Country (<span style=\"font-style:italic\">Clarence In Wonderland</span>) besch\u00e4ftigte, und <span style=\"color:green\">Iggy Pop</span> bereitete gemeinsam mit den <span style=\"color:green\">Stooges</span> von Detroit aus mit dem unbequemen Garagenrock, der auch sp\u00e4ter die entstehende Punkszene beeindruckte, des Albums \u201eFun House\u201c ein Ende, der plakativ der bis dahin vorherrschenden Musikszene die Zunge herausstreckte. Spa\u00df macht das Album sicherlich, aber es ist und macht vor allem auch aggressiv. <span style=\"font-style:italic\">Do you feel it when you touch me?</span>, so etwas h\u00e4tten die <span style=\"color:green\">Beatles</span> nie gesungen, aber die stimmten zu dieser Zeit bereits ihren Schwanengesang an. <span style=\"font-style:italic\">I\u2019ll stick it deep inside \u201acause I\u2019m loose.</span> Ein Weg weisendes Album, das in die Richtung wies, der man in den sp\u00e4ten 70-er Jahren weitgehend folgte. Ein Jahrzehnt freundlicher Beat und Hippieges\u00e4usel waren genug. Die <span style=\"color:green\">Stooges</span> hatten sich allerdings bald satt; 1973 erschien mit \u201eRaw Power\u201c das dritte und vorerst letzte Album der zwischenzeitlich bereits aufgel\u00f6sten und wieder vereinten Band, und erst 29 Jahre sp\u00e4ter fanden sie sich wieder zusammen. Der Rest ist Geschichte.</li>\n<li><span style=\"color:red\">Vor 30 Jahren:</span><br>\n<span style=\"color:green\">Yes \u2013 Drama</span><br>\nWas ist das erste Wort, das dem geneigten Musikfreund beim Begriff \u201e80-er Jahre\u201c einf\u00e4llt? Richtig: Drama. Der Progressive Rock lag im Sterben, Bands wie <span style=\"color:green\">Harmonium</span> gingen l\u00e4ngst getrennte Wege; die Punkszene, die in Deutschland noch nicht einmal voll erbl\u00fcht war, hatte in Gro\u00dfbritannien mit der Aufl\u00f6sung der <span style=\"color:green\">Sex Pistols</span> 1978 bereits ihre wichtigsten Protagonisten verloren. Irgendein Unsympath entdeckte derweil die einschl\u00e4fernde Wirkung elektronischer Perkussions- und Tasteninstrumente und trug so ma\u00dfgeblich dazu bei, die Welt mit eint\u00f6nigem M\u00fcll zu \u00fcberschwemmen. Einzig <span style=\"color:green\">Yes</span> widersetzten sich noch, indem sie nach dem Weggang von <span style=\"color:green\">Jon Anderson</span> und <span style=\"color:green\">Rick Wakeman</span> die vakanten Posten mit den <span style=\"color:green\">Buggles</span> besetzten, die mit <span style=\"font-style:italic\">Video Killed The Radio Star</span> gerade weit reichende Ber\u00fchmtheit erlangt hatten. \u201eDrama\u201c wurde f\u00fcr lange Zeit das letzte \u201eprogressive\u201c <span style=\"color:green\">Yes</span>-Album; das 1983 ver\u00f6ffentlichte Nachfolgewerk \u201e90125\u201c verkaufte sich wegen <span style=\"font-style:italic\">Owner Of A Lonely Heart</span> zwar nicht schlecht, war aber doch nur mehr ein immerhin noch \u00fcberdurchschnittliches Artpop-Album. Wenig tr\u00f6stlich ist es da, dass die folgenden Alben noch schrecklicher waren. \u201eDrama\u201c jedenfalls war ein letztes Aufb\u00e4umen der einstigen Heroen des Progressive Rock und ist ein wirklich starkes Werk, das schon mit dem einleitenden <span style=\"font-style:italic\">Machine Messiah</span> an den bekannten <span style=\"color:green\">Yes</span>-Stil ankn\u00fcpft. Erst 1996 fand man zur\u00fcck zu alter Gr\u00f6\u00dfe, die beiden 2010 als Vierfachalbum neu aufgelegten Alben \u201eKeys To Ascension\u201c und \u201eKeys To Ascension 2\u201c bleiben bis heute das letzte Verm\u00e4chtnis einer l\u00e4ngst vergangenen Epoche. Die Hoffnung stirbt zuletzt.</li>\n<li><span style=\"color:red\">Vor 15 Jahren:</span><br>\n<span style=\"color:green\">Mr. Bungle \u2013 Disco Volante</span><br>\nNach einer nahezu ereignislosen Phase weitgehend unspannender musikalischer Entwicklungen, sieht man einmal von der Reunion der <span style=\"color:green\">Die \u00c4rzte</span> im Jahr 1993 ab, ging es gegen Mitte des Jahrzehnts endlich voran. Mit \u201eP.U.L.S.E.\u201c kann man seitdem das letzte Album <span style=\"color:green\">Pink Floyd</span>s kaufen, das zum vorerst letzten Mal ihre Livequalit\u00e4ten darlegte, die mal wieder reformierten <span style=\"color:green\">King Crimson</span> verwirrten die K\u00e4ufer mit seltsamen Alben- (\u201eTHRAK\u201c, \u201eB\u2019Boom\u201c) und Liedtiteln (\u201eVROOOM VROOOM\u201c), <span style=\"color:green\">Mike Patton</span> legte nach dem verr\u00fcckten Deb\u00fctalbum seiner Band <span style=\"color:green\">Mr. Bungle</span> derweil noch eine Schippe drauf: \u201eDisco Volante\u201c ist anstrengende Avantgarde, die man wahrscheinlich nicht mal eben nebenbei h\u00f6ren kann, ohne den Verstand zu verlieren. Klezmermusik, Jazz vieler Stilrichtungen, Metal, Rock, Polka, Tango, Salsa, Filmmusik: All das prasselt hier quasi im Sekundentakt auf den H\u00f6rer ein, inspiriert unter anderem von <span style=\"color:green\">Edgar Allan Poe</span>, <span style=\"color:green\">Ennio Morricone</span> und depressiven Phasen der Bandmitglieder. (Die <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Disco_Volante\&quot;" data-wpel-link="internal">deutschsprachige Wikipedia</a> wei\u00df mehr.) Wer <span style=\"color:green\">Mike Patton</span> nur von <span style=\"color:green\">Faith No More</span> (<span style=\"font-style:italic\">I\u2019m easy, I\u2019m easy like Sunday morning</span>) kennt und solcherlei seichte Unterhaltung mag, dem erscheint \u201eDisco Volante\u201c wohl einem Ritt durch die H\u00f6lle gleich. W\u00e4hrend <span style=\"color:green\">Mr. Bungle</span> sich mit dem folgenden und vorerst letzten Album \u201eCalifornia\u201c wieder von der gef\u00e4lligen Seite zeigten, gr\u00fcndete <span style=\"color:green\">Mike Patton</span> die Band <span style=\"color:green\">Fant\u00f4mas</span>, die den auf \u201eDisco Volante\u201c eingeschlagenen Weg seitdem weiter verfolgt. Was bleibt, ist eine Momentaufnahme der Kombination aus Free Jazz, Metal und Surrealismus, die <span style=\"color:green\">Mr. Bungle</span> stets auszeichnete.</li>\n<li><span style=\"color:red\">Vor 10 Jahren:</span><br>\n<span style=\"color:green\">Porcupine Tree \u2013 Lightbulb Sun</span><br>\nIm Jahr 2000, als ein gro\u00dfer Teil der Menschen das \u201eneue Jahrtausend\u201c feierte und sich daran auch von Mathematikern nicht hindern lie\u00df, die sie jedenfalls zu Recht daran erinnerten, dass sie das viel zu fr\u00fch taten und dass das mit den Jahrtausenden ohnehin wegen diverser Kalenderreformen so nicht stimmte, hatte sich die Musikwelt von den Plastikpop-/rockausbr\u00fcchen der 80-er und fr\u00fchen 90-er Jahre endlich weitgehend erholt, und vergessen geglaubte Musikstile wurden neu entdeckt. Die Kanadier <span style=\"color:green\">Hamadryad</span> spielten auf ihrem Deb\u00fctalbum \u201eConservation of Mass\u201c interessanten, bereits h\u00f6rbar von <span style=\"color:green\">Genesis</span> beeinflussten Progressive Rock, <span style=\"color:green\">Ufomammut</span> setzten mit dem psychedelischen Stoner Rock auf \u201eGodlike Snake\u201c (ein Titel, der besonders fromme Musikh\u00f6rer in den USA ersch\u00fcttert haben d\u00fcrfte) eines von vielen Ausrufezeichen, <span style=\"color:green\">King Crimson</span> f\u00fchrten auf \u201eThe ConstruKction of Light\u201c sowohl die L\u00e4rmausbr\u00fcche von \u201eTHRAK\u201c und dem Livealbum \u201eTHRaKaTTaK\u201c als auch die bl\u00f6de Angewohnheit fort, bl\u00f6de Lied- und Albentitel zu kreieren, und ein gewisser <span style=\"color:green\">Steven Wilson</span>, der fast zehn Jahre sp\u00e4ter die Alben des \u201ekarmesinroten K\u00f6nigs\u201c gemeinsam mit <span style=\"color:green\">Robert Fripp</span> neu zusammensetzen durfte, gab seiner <span style=\"color:green\">floyd</span>igen Psychedelic-Band <span style=\"color:green\">Porcupine Tree</span> auf \u201eLightbulb Sun\u201c einen rockigen Anstrich, erfand so nebenbei den \u201eNew Artrock\u201c und machte sich mit Liedern wie <span style=\"font-style:italic\">Four Chords That Made A Million</span> \u2013 der Titel sagt alles \u2013 \u00fcber die Musikindustrie lustig. Ganz ohne die altbew\u00e4hrten Psychedelic-Teppiche ging es zum Gl\u00fcck doch nicht, und so ist auf \u201eLightbulb Sun\u201c mit <span style=\"font-style:italic\">Shesmovedon</span> einer der sch\u00f6nsten Momente in der bisherigen Geschichte von <span style=\"color:green\">Porcupine Tree</span> zu finden. Eigentlich ist es schade, dass man auf dem 2010 ver\u00f6ffentlichten \u201eThe Incident\u201c den Rockansatz wieder zugunsten ausgedehnter Klangwolken verworfen hat, letztendlich aber ist und bleibt \u201eLightbulb Sun\u201c ein Meilenstein des New Artrock, an dem sich nur wenig sp\u00e4ter Bands wie <span style=\"color:green\">The Pineapple Thief</span> und <span style=\"color:green\">Anathema</span> orientierten; ein Ende ist nicht in Sicht. Das l\u00e4sst hoffen.</li>\n</ul>\n<p>Huch, wir sind schon wieder am Ende angelangt. Mein Texteditor sagt, dies ist Zeile 334, und auch ohne meine Notiz- und Formatierungsliste \u00fcber dem eigentlichen Text meine ich daher, es gen\u00fcgt f\u00fcr dieses Jahr.</p>\n<p>Habe ich ein essenzielles, wom\u00f6glich Weg weisendes Album vergessen? Kommentiert und diskutiert nach Belieben.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> <br>\nDenen, die tats\u00e4chlich bis hierher gelesen haben, w\u00fcnsche ich einen sch\u00f6nen was-man-halt-so-w\u00fcnscht. Auf weitere sechs Monate voll hoffentlich packender Musik!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;http://www.eycooley.de/blog/2010/12/13/hirnfick-2-0-%c2%bb-blogarchiv-%c2%bb-musik-122010-%e2%80%93-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2010 \u2013 Favoriten und Analyse \u00ab eycooley.de</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">13. Dezember 2010</a> dies: [\u2026] the original post here: Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2010 \u2013 Favoriten und Analyse Musik No Comments [\u2026]</li><li><a href="\&quot;http://www.lastfm.de/music/sahara+surfers\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Sahara Surfers</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">13. Dezember 2010</a> dies: Schade. Knapp an den Best Of vorbeigeschrammt\u2026  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> \nGr\u00fc\u00dfe, steini / sahara surfers</li><li><a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Peter</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">13. Dezember 2010</a> dies: Sehr sch\u00f6ne, lesenswerte  Zusammenfassung deiner musikalischen Highlights. Auf jeden Fall ist unsere \u00dcberreinstimmung erheblich gr\u00f6sser als die mit der Liste von Lie in the Sound, die ich mir gerade angeschaut habe.  Werde mir mal so einiges aus deiner Zusammenstellung anh\u00f6ren m\u00fcssen. Auf jeden Fall mona de bo. muss ich mir doch glatt mal anh\u00f6ren. Sunn O))) und Dead Can Dance, das h\u00f6rt sich ja nach einer interessanten Mischung an. Klingt spannend. Ich war ja fr\u00fcher mal so\u201an richtiger Alternative-Rocker. In deser Richtung gab es 2010 quasi nur Schrott, ausser eben Scumbucket.. Das Album ist richtig gut und rockt und rollt ganz wunderbar. Und auch Deine Wahl von For A Minor Reflection  und H\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u stimme ich zu. Geh\u00f6rt aus  der ganzen Post-Rock Schwemme mit zum besseren. Autolux ist toll, wobei ich das Vorg\u00e4nger-Album noch ein klein bisschen besser finde. Wie gesagt, tolle Zusammenstellung abseits der \u00fcblichen Jahrescharts, die so berechenbar sind wie das Wetter von gesterrn.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">13. Dezember 2010</a> dies: Immer nur Radio ist ja auch nichts, davon wird man nur bl\u00f6d im Kopf. Beruhigend aber, dass \u00fcberhaupt jemand meinen komischen Geschmack teilt. Ja, das h\u00f6rt sich noch interessanter an als es sich liest.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> \n\nHuch, Steini, da habe ich mich ja sch\u00f6n in die Nesseln gesetzt. Aber ich kann immerhin schon mal attestieren, dass ihr die Nennung wert seid.  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif\" alt=\":)\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\"> \nHachja.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2011/01/sahara-surfers-spacetrip-on-a-paper-plane\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Sahara Surfers \u2013 Spacetrip On A Paper Plane</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">24. Januar 2011</a> dies: [\u2026] aus Zeitgr\u00fcnden keine Beachtung fand, was Schlagzeuger Michael \u201cSteini\u201d Steingress dazu veranlasste, mir seine Aufwartung zu machen; ein Gl\u00fcck, denn so plagte mich immenses Bedauern, das mich [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id=\"wp-worthy-pixel\"><img class=\"wp-worthy-pixel-img skip-lazy \" src=\"https://vg07.met.vgwort.de/na/fe60bc358ac44165ad53e5853e9ce5f5\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\" /></div>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 6 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickKaum dreht man sich kurz um, ist das Jahr schon wieder vorbei. Regelm\u00e4\u00dfige Leser dieser Seite wissen, was sie erwartet, n\u00e4mlich Teil zwei der R\u00fcckschau der unbl\u00f6desten Musikalben 2010 nebst R\u00fcckblick auf 40 Jahre Musikgeschichte, wom\u00f6glich noch rechtzeitig f\u00fcr das ein oder andere Gewinnspiel.\nDer Finalausscheidung \u2013 ich wollte euch keine R\u00fcckschau auf f\u00fcnfzig oder mehr Alben bieten, das l\u00e4se doch keiner \u2013 fielen unter anderem die Wise Guys zum Opfer, die mit \u201eKlassenfahrt\u201c zwar ein im Prinzip nicht \u00fcbles Album mit dem ziemlichen Kracher Hamlet ver\u00f6ffentlicht haben, aber eben doch nur auf hohem Niveau stagnieren. Wie immer habe ich es leider auch nicht immer geschafft, mich ausreichend umfassend mit einigen viel versprechenden Werken zu besch\u00e4ftigen, unter anderem \u201eSpacetrip On A Paper Plane\u201c von den Sahara Surfers; ich hoffe, ihr findet dennoch Gefallen an meiner Auswahl.\nLos geht es wieder mit der Hauptliste:\n1. Jenseits der Hypes.\n\nSpock\u2019s Beard \u2013 X\n\u201eTrying hard to fight the good fight out of the darkness and into the light\u201c (From The Darkness)\nIch h\u00e4tte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben w\u00fcrde, aber \u201eX\u201c ist tats\u00e4chlich endlich ein Album von Spock\u2019s Beard, das mich nicht \u00fcberwiegend langweilt. Mehr als je zuvor agiert die Band auf \u201eX\u201c in Gefilden, die bisher von Beardfish (The Man Behind The Curtain), Echolyn und \u00e4hnlichen Vertretern metallisch nuancierten Neoprogs. In The Emperor\u2019s Clothes fr\u00f6nen die Herren gar trotz Yezda-Urfa-Remineszenzen gro\u00dfteils dem Indie-Rock, und w\u00e4re da nicht die markante Rhythmusarbeit von Frontmann Nick D\u2019Virgilio und seinem Bass spielenden Mitmnusizierenden Dave Meros, w\u00fcrde man Spock\u2019s Beard kaum wiedererkennen.\nImmerhin ist es nunmehr acht Jahre her, dass Neal Morse Spock\u2019s Beard verlie\u00df, um sich der christlichen Erleuchtung zu widmen, und mit ihm ging der weichgesp\u00fclte Transatlantic-Neoprog seiner Wege und nahm offenkundig die Kreativit\u00e4t mit, und es dauerte ein paar Alben, bis sie wieder im Studio vorbeischaute.\nWie das mit der Kreativit\u00e4t dann aussah, zeigt zum Beispiel das Lied Their Names Escape Me, eins der Bonusst\u00fccke auf der extrateuren Hypersuperdeluxe-Ausgabe des Albums. Nick D\u2019Virgilio singt zuerst dar\u00fcber, dass er einige Namen nicht vergessen will:\nIn my mind are faces\nIn my hands I hold their destiny\nI will pray forgiveness\nIf their names escape me\nEs handelt sich bei den Tr\u00e4gern der Gesichter um die Namen der Vorbesteller von \u201eX\u201c. Um daran keinen Zweifel aufkommen zu lassen, folgt den Strophen eine Liste ebenjener Namen; gesungen, versteht sich. Und das klingt auch noch prima!\nOb es die Extrasonderspezialauflage im freien Handel zu erwerben gibt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen, aber das Album ist auch ohne Their Names Escape Me auf jeden Fall h\u00f6renswert.\nH\u00f6rprobe:\nEine Livedarbietung von From The Darkness, allerdings mit einem anderen Schlagzeuger (gleichzeitig Gitarre und Schlagzeug geht live nicht allzu prima), gibt es auf YouTube.com zu sehen.\nZola Jesus \u2013 Stridulum (II)\n\u201eRun me out again\u201c (Run Me Out)\nMit dem EP \u201eStridulum\u201c und ihrem inzwischen dritten Album \u201eStridulum II\u201c hat die 21-j\u00e4hrige S\u00e4ngerin Nika Roza Danilova unter dem Namen Zola Jesus in diesem Jahr auf sich aufmerksam gemacht. Mit viel Hall und schwerm\u00fctigen Riffen kommen mir spontan Nico und The Raveonettes, bevor sie sich entschlossen haben, langweiligen Mist aufzunehmen, in den Sinn. Einen Vergleich mit fr\u00fcheren Alben habe ich nun leider nicht parat, da \u201eStridulum\u201c mein erster Kontakt mit der K\u00fcnstlerin war, aber es n\u00e4hme mich Wunder, wenn das vorherige \u0152uvre deutlich abfiele.\nJa, die unterhaltungsbed\u00fcrftige Masse h\u00e4tte gern einfache, pr\u00e4gnante Adjektive, aber ausf\u00fchrlich bitte, denn \u201egut\u201c oder \u201enicht gut\u201c ist zwar ein Urteil, aber keine Rezension. Nun gut, soll sein: Das Adjektiv lautet klaustrophobisch. Schon nach dem Genuss von \u201eStridulum\u201c, also der \u201ekleinen\u201c Ausgabe des Albums, brauchte ich jedenfalls erst mal eine Pause, um das Geh\u00f6rte zu verarbeiten.\nPeter nannte das Werk \u201eein \u00fcberaus avantgardisches, schleppend-d\u00fcsteres Noise-Pop-Kleinod, mal w\u00fctend und d\u00fcster, mal geheimnisvoll verrauscht und wahrlich nicht von schlechten Eltern\u201c und hat damit vollkommen Recht, auch, wenn Zola Jesus, subjektiv betrachtet, immer noch weniger suizidal klingt als Kayo Dot und \u00e4hnliche Protagonisten. \u201ePop\u201c habe ich allerdings anders in Erinnerung, denn f\u00fcr die breite Masse ist Musik wie diese sicher nicht geeignet, und Menschen mit seelischen Defiziten sollten schleunigst zum n\u00e4chsten Album \u00fcbergehen.\nEine nicht ganz so prima Eigenschaft erw\u00e4hnte ich bereits, den Hall; denn wer, wie ich, beim Musikgenuss auch die Texte f\u00fcr bedeutsam befindet, der muss sich schon ein wenig anstrengen und kann sich somit nicht einfach den Kl\u00e4ngen hingeben. In diesem einen Fall verzichtete ich also darauf, mich eingehend mit den Texten zu befassen, und lie\u00df die Musik sich ihren Weg durch meine Nerven bahnen.\nDas klingt dann etwa wie in den H\u00f6rproben:\nZurzeit (3. Dezember 2010) kann das vollst\u00e4ndige Album auf souterraintransmissions.com gut gefunden werden.\nFrogg Caf\u00e9 \u2013 Bateless Edge\n\u201eWill you understand I\u2019ve tried with all the strength of a thousand men alone?\u201c (From the Fence)\nMein erster Eindruck von \u201eBateless Edge\u201c hallt noch nach, und der Rest der Musik h\u00f6renden Insinternetschreiber stimmt in das Loblied ein. Auch auf ROCKTIMES.de werden die auf das Album gepressten Lieder einzeln analysiert und gelobt, und, obwohl mich die Assoziation mit Echolyn eher verwundert, da liegt der Lobende richtig.\nUnd was ich im August schrieb, bleibt g\u00fcltig:\nSicher ist avantgardistischer Jazzrock keine spektakul\u00e4re neue Erfindung. Frogg Caf\u00e9 machen aber auf \u201eBateless Edge\u201c alles genau richtig. Sie erfinden das Rad nicht neu, das erwartet auch niemand. Sie konstruieren hingegen aus dem, was die Handwerker vorangegangener Generationen zur\u00fcckgelassen haben, ein eigenes Rad, das so noch nie da gewesen ist. Und es macht verdammt viel Spa\u00df, mit ihm zu fahren, auch, wenn es eine Steigung zu \u00fcberwinden gibt. Die gr\u00fcnen Wiesen im Tal hinter der Steigung sind es allemal wert.\nIrgendwann hie\u00df es einmal, Frogg Caf\u00e9 seien Frank-Zappa-Kopisten im, so weit dies m\u00f6glich ist, positiven Sinn. Diese Zeit ist sp\u00e4testens mit \u201eBateless Edge\u201c vorbei. Sie fr\u00f6nen zwar auch weiterhin der angejazzten Frickelei, klingen aber unverkennbar und eigenst\u00e4ndig. Sie hatten h\u00f6rbar Spa\u00df bei den Aufnahmen, und diesen Spa\u00df geben sie an den H\u00f6rer weiter. Ich meine, daf\u00fcr kann man ihnen eigentlich gar nicht genug danken.\nBei einer Gruppe wie Frogg Caf\u00e9 lohnt es sich \u00fcbrigens sehr, auf die Instrumentalarbeit zu achten.\nDaher empfehle ich folgende H\u00f6rprobe:\nAuf YouTube.com ist derzeit mit dem gesangsfreien Belgian Boogie Board das letzte St\u00fcck des Albums in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren. Unver\u00e4ndert h\u00f6renswert!\nKayo Dot \u2013 Coyote\n\u201eWho knows who I am anymore?\u201c (Calonyction Girl)\nBei der Rezension zu Zola Jesus\u2018 \u201eStridulum\u201c habe ich oben bereits einen Nebensatz den Kammerrockern Kayo Dot gewidmet, nun ist mir das Album \u201eCoyote\u201c aber doch noch einen eigenen Abschnitt, quasi ein Apropos, wert, da ich es just in diesem Moment wieder h\u00f6re und feststelle, dass es einen Platz in dieser Liste allemal verdient hat.\nNun, was ist \u201eCoyote\u201c? \u201eCoyote\u201c ist, glaubt man der englischsprachigen Wikipedia und anderen Quellen, eine vertonte, fast autobiografische Kurzgeschichte, urspr\u00fcnglich verfasst von der an Brustkrebs erkrankten K\u00fcnstlerin Yuko Sueta, einer Vertrauten der Musiker.\nWer 2009 meinem Kaufbefehl f\u00fcr das aktuelle Album von maudlin of the Well gefolgt ist, der wei\u00df bereits ungef\u00e4hr, was ihn auf \u201eCoyote\u201c erwartet: Tr\u00e4ge schleppen sich die Instrumente durch das in f\u00fcnf \u201eKapitel\u201c aufgeteilte Konzeptst\u00fcck, Toby Driver singt qu\u00e4lend von Angst, Verlust und \u00e4hnlichen unsch\u00f6nen Substantiven, unterst\u00fctzt von drei Blechbl\u00e4sern. Im zweiten St\u00fcck, Whisper Ineffable, bestimmt Schlagzeuger David Bodie streckenweise, in welche Richtung der H\u00f6rer sich geistig wenden sollte, und trotz des wie aus weiter Ferne her\u00fcberklingenden, klagenden Gesangs, den der geneigte H\u00f6rer vielleicht noch von fr\u00fcheren Aufnahmen von Kayo Dot kennt, merkt man, dass der Frontmann auch gern mal Metalalben aufnimmt. Ein Amazon-Rezensent schrieb treffend: Harter Stoff.\nIrgendwo las ich, wohl wegen des Gesangs, Kayo Dot w\u00e4ren hier klanglich von der Szene um The Cure nicht weit entfernt, aber da ich The Cure nicht ausstehen kann, w\u00e4re mir das wohl aufgefallen. Viel pr\u00e4gnanter ist die stilistische N\u00e4he zu Henry Cow, die ihrerzeit ebenso schr\u00e4ge und dissonante T\u00f6ne hervorbrachten, und Univers Zero, die gleichfalls zeitweise ein Faible f\u00fcr sich gem\u00e4chlich dahinschleppenden Melodien mit treibendem Rhythmus hatten.\nAchim Breiling schrieb:\nEine Postrock-Suite in f\u00fcnf Teilen hat Toby Driver hier komponiert, die, wie schon die Musik auf \u201eBlue Lambency Downward\u201c und im Gegensatz zu den Kl\u00e4ngen auf den ersten beiden Alben der Band, keine metallischen Ingredienzien mehr aufweist. Ein ziemlich schr\u00e4ges, reichlich dissonantes Gemenge jenseits normaler Rockstrukturen wird hier geboten, welches durch Mia Matsumiyas Violine und die Beitr\u00e4ge der Bl\u00e4ser in deutlich kammerprogressive Gefilde ger\u00e4t.\nDer Postrock ist eine vielschichtige Schublade; auch das sei damit bewiesen.\nH\u00f6rproben:\nNeugierige und grunds\u00e4tzlich an ungew\u00f6hnlicher Musik Interessierte \u2013 also vermutlich die meisten von euch, liebe Leser, die ihr es bis hierher tapfer ertragen habt \u2013 k\u00f6nnen derzeit das Album auf Last.fm anh\u00f6ren und toll finden.\nDevo \u2013 Something for Everybody\n\u201eWhat we do is what we do, it\u2019s all the same, there\u2019s nothing new\u201c (What We Do)\nIch habe in den letzten Monaten recht viele Texte \u00fcber dumme Menschen verfasst, unter anderem den \u00fcber Niveaulimbo. Da passt es gut, dass Devo wieder etwas ver\u00f6ffentlicht haben.\n\u201eDevo\u201c steht f\u00fcr \u201eDe-Evolution\u201c, also die Theorie, dass sich der Mensch keineswegs fort\u2011, sondern zur\u00fcckentwickelt. Tats\u00e4chlich gibt es f\u00fcr die fortschreitende Deevolution des Menschen viele Anhaltspunkte, zum Beispiel die konstant \u00fcberdurchschnittlichen Umfragewerte f\u00fcr die CDU. Das (also das mit der Deevolution, nicht unbedingt das mit der CDU) erscheint jetzt wahrscheinlich wie ein Scherz und das ist es wohl auch, dennoch ist Devo in seltsamen Kost\u00fcmen bereits seit 1972 existent und wird damit wohl auch in absehbarer Zeit nicht einfach aufh\u00f6ren.\nMusikjournalisten stecken Devo gern in das Genre \u201eNew Wave\u201c, weil sie nun einmal irgendwas schreiben m\u00fcssen und Genrebezeichnungen sich immer gut in so einer Infobox machen und die Musiker ein bisschen aussehen wie The Buggles vor bald 30 Jahren und auch irgendwie seltsame, genretypisch wie aus der Retorte klingende Musik mit viel Keyboardeinsatz und Stampfrhythmus machen, aber Genres sind grunds\u00e4tzlich meist Unsinn.\nVermutlich werden Freunde des 80er-Jahre-New-Waves an Devo Gefallen finden, andersherum gilt das hingegen nicht. Vermutlich spaltet der Gesang von Mark Mothersbaugh die Gem\u00fcter ebenso wie der von Trevor Horn, der 1979 Video Killed the Radio Star, dessen Text man eigentlich auch mal im Musikunterricht in der Schule analysieren lassen sollte, um die bis heute ungeminderte Bedeutung zu verstehen zu lehren, intonierte und dabei Herrn Mothersbaugh nicht un\u00e4hnlich klang und sich auch nicht un\u00e4hnlich kleidete, was sich immerhin bis 2004 nicht nennenswert ge\u00e4ndert hat; aber ich schweife ab. Um die Buggles geht es hier nicht.\nWer auch hier gern ein einfaches Adjektiv als Zusammenfassung lesen w\u00fcrde, den ignoriere ich dreist. Auf \u201eSomething for Everybody\u201c n\u00e4mlich ist etwas zu h\u00f6ren, was etwas ausf\u00fchrlicher Beschreibung bed\u00fcrfte, w\u00e4re das Schreiben \u00fcber Musik nicht ungef\u00e4hr so produktiv wie das Singen von Gem\u00e4lden. \u201eSomething for Everybody\u201c ist selbstironisch, albern, durchgedreht und \u00fcberhaupt ganz sch\u00f6n retro. Genre gef\u00e4llig? Ich glaube, \u201eNew Dance Wave\u201c hat meines Wissens noch keiner benutzt. Dann mache ich das jetzt und ziehe das Fazit:\nBei Devo bleibt man sich treu. \u201eIt\u2019s all the same, there\u2019s nothing new.\u201c\nHoffen wir, dass auch weiterhin keine De-Evolution bei ihnen eintreten wird.\nH\u00f6rproben:\nAuf Amazon.de sind Liedschnipsel von jeweils etwa 30 Sekunden L\u00e4nge zu h\u00f6ren.\nMose Giganticus \u2013 Gift Horse\n\u201eNow I\u2019m in too deep, all I have left is sleep\u201c (The Seventh Seal)\nLasst uns gemeinsam ein kleines Gedankenexperiment durchf\u00fchren.\nWas w\u00e4re, wenn die B\u00f6hsen Onkelz einen S\u00e4nger, der diesen Namen verdient, engagiert und das mit der st\u00e4ndigen Politik in den Texten gar nicht erst angefangen h\u00e4tten?\nVermutlich h\u00e4tten sie dann statt ihrer von ihres Frontmanns grausigem Gegr\u00f6le \u00fcbert\u00f6nten, aber handwerklich soliden Alben solche ver\u00f6ffentlicht, wie sie stattdessen von Mastodon oder eben Mose Giganticus aufgenommen werden und positiven Anklang finden, zum Beispiel bei mir.\n\u201eMose Giganticus\u201c, riesiger Moses? Die Geschichte hinter dem Namen hat weniger mit Christentum zu tun als man zun\u00e4chst vermuten k\u00f6nnte. Wie S\u00e4nger, Multiinstrumentalist und alleiniges festes Bandmitglied Matt Garfield zu Protokoll gab, ist \u201eMose Giganticus\u201c eine Verballhornung von \u201emost gigantic\u201c, \u201eam gigantischsten\u201c also. Auf \u201eGift Horse\u201c wird es dennoch ausnahmsweise christlich, denn die Texte des Albums sind aus der Perspektive Gottes sowie Satans verfasst, die sich miteinander unterhalten, und werden auch als ebensolche vorgetragen. Der Text des abschlie\u00dfenden The Seventh Seal \u00fcbrigens wurde angeblich von ausgerechnet Genesis inspiriert.\nNein, Matt Garfield ist kein zweiter Neal Morse oder sonst ein radiokompatibler Kn\u00f6delinterpret. Auf \u201eGift Horse\u201c wird gebrettert und gebratzt, dass die W\u00e4nde wackeln, und der Mann hat eine Stimme, f\u00fcr die andere selbst ernannte Metals\u00e4nger lange und hart trainieren m\u00fcssen, und er kann nicht nur singen, sondern beherrscht auch seine Instrumente vorz\u00fcglich. Dream Theater kommt da manchem Rezensenten wohl in den Sinn, die allerdings fragiler und weniger brachial musizieren.\nZwischen Metal, Grunge und Death-irgendwas schwingt das Album herum, The Seventh Sea l\u00e4sst mich an My Own Private Alaska denken und damit eben doch wieder an Grunge. Es ist angenehm, ein Album innerhalb bestimmter Genregrenzen ansiedeln zu k\u00f6nnen, weil man sich dann beim dritten oder vierten H\u00f6rdurchlauf die M\u00fche spart, noch weitere Einfl\u00fcsse herauszuh\u00f6ren, damit man noch etwas mehr hat, was man \u00fcber es schreiben kann.\nEs gibt Leute, die von Zeit zu Zeit das Bed\u00fcrfnis versp\u00fcren, sich dem zelebrierten L\u00e4rm hinzugeben. Zu diesen Leuten geh\u00f6re auch ich, und ich halte \u201eGift Horse\u201c bei der L\u00e4rmauswahl f\u00fcr einen geeigneten Kandidaten.\nF\u00fcr H\u00f6rproben ist gesorgt:\nDas Myspace-Profil (hei\u00dft das inzwischen eigentlich offiziell \u201eMy_\u201c?) von Mose Giganticus erm\u00f6glicht einen kurzen Einblick in \u201eGift Horse\u201c, zu dessen Konsum ich hiermit erfolgreich angeregt zu haben hoffe.\nScumbucket \u2013 Sarsaparilla\n\u201eThe world is now bleeding, and silent tears will flow\u201c (Kennedy\u2019s Blues)\nDa wir gerade beim Thema \u201eMusik zum Rumh\u00fcpfen\u201c waren, m\u00f6chte ich auch nicht weit abschweifen. Das Wort \u201eSchweinerock\u201c haben sicher die meisten von euch, liebe Leser, schon einmal geh\u00f6rt. Zwar wei\u00df ich nicht so genau, was sich die Erfinder des Wortes urspr\u00fcnglich darunter vorgestellt haben, aber das Album \u201eSarsaparilla\u201c klingt so, wie ich mir beim ersten H\u00f6rdurchlauf dieses Albums Musik vorstellte, die man \u201eSchweinerock\u201c nennen k\u00f6nnte.\nManchmal (Pray for the Devil Ray) klingt das dann wie Nirvana, manchmal wie eine ertr\u00e4gliche Version von Placebo, oft jedenfalls aber immerhin wie eine Band, die \u201eIndie\u201c nicht f\u00fcr das h\u00e4lt, was Tocotronic so machen. Namedropping zu betreiben erscheint hier aber beinahe fehl am Platz, betreibt das doch die Fantasie des Autors dieser Zeilen schon in ausreichendem Ma\u00dfe und somit auch Scumbucket selbst, denn \u201eSarsaparilla\u201c kannte ich, ich gebe es zu, bislang nur als Lieblingsnahrung der Schl\u00fcmpfe und hatte mir nie Gedanken dar\u00fcber gemacht, ob es wie etwa Naphthalin, die Leibspeise von Gamma aus einigen Micky-Maus-Bildgeschichten, eine tats\u00e4chliche Bedeutung hat; hat es aber, denn mehrere Quellen weisen darauf hin, dass die Raue Stechwinde diesen Namen tr\u00e4gt.\n\u201eWas f\u00fcr eine langweilige Erkl\u00e4rung!\u201c denkt sich nun der Leser, daher lasse ich die Spongebob-Referenz nun auch weg und kehre zur Musik zur\u00fcck. Auf die Selbstbeschreibung seitens der Musiker sollte man sich nicht verlassen, denn die ist Quatsch:\nF\u00fcr viele Musiker, Kritiker und vor allem Fans gelten Scumbucket als die Vorreiter und Urv\u00e4ter der deutschen Gitarrenmusik.\nWahr ist: Das, was die drei Koblenzer (an der Gitarre: Blackmail-Musiker Kurt Ebelh\u00e4user) auf \u201eSarsaparilla\u201c von sich geben, ist gitarrenorientierter Indie-Rock mindestens anderthalbster G\u00fcte. (Warum ich bei Call Me Anyone an Nickelback denken muss, wei\u00df ich nicht, vielleicht habe ich Nickelback auch einfach nur lange genug nicht geh\u00f6rt.) Der Gesang, ungew\u00f6hnlich f\u00fcr diese Sparte, passt zur gespielten Musik, und auch sonst ist \u201eSarsaparilla\u201c ein Album, das man als R\u00fcckschauer mal erw\u00e4hnt haben sollte, weil man es sonst vermutlich irgendwann bereut.\nAbrupt schlie\u00dfe ich diese Rezension, bevor ich endg\u00fcltig den Faden verliere:\nWer Ohren hat, der h\u00f6re, bevorzugt auf der My_-Seite des Trios.\nAutolux \u2013 Transit Transit\n\u201eNo more thoughts from moving mountains\u201c (High Chair)\nPeter wunderte sich, als ich (hier) bekanntgab, Autolux\u2018 neues Album zu einem meiner mittlerweile in stattlicher Anzahl ernannten Lieblingsalben des Jahres k\u00fcrte, und ich konnte es auch erst nicht fassen, dass diese Band, deren Zweitling \u201eFuture Perfect\u201c von 2004 mich nicht vom Hocker riss, es nun doch geschafft hatte. Auf \u201eTransit Transit\u201c hat das Trio aus Los Angeles (\u201eJu Es \u00c4ih\u201c, c/o \u201eFar Out\u201c) das ihrem Stil noch fehlende gewisse Etwas hinzugef\u00fcgt und mich begeistert; so schnell kann\u2019s gehen.\n\u201eAlternative Rock\u201c, aber auch \u201enur schwer einem Genre zuzuordnen\u201c \u2013 w\u00e4hrend ich diese Zeilen schreibe, entferne ich diese Wirrnis aus dem deutschen Wikipediaartikel zu Autolux \u2013 ist vermutlich eine ganz gute Beschreibung dessen, was den geneigten H\u00f6rer erwartet:\nAutolux verbinden den scheppernden Noiserock der fr\u00fcheren Raveonettes mit sorglosem Gesang, der mal ein bisschen wie Portugal. The Man, mal ein bisschen wie The Amber Light und mal ein bisschen wie der drogenschwangere Psychedelic Rock der sp\u00e4ten 60-er Jahre klingt, und streuen eine Prise Postrock dar\u00fcber. Hierbei ist das sechsmin\u00fctige The Science of Imaginary Solutions bereits das l\u00e4ngste St\u00fcck auf dem Album, verschwurbelte Arroganz ist also nicht zu bef\u00fcrchten.\nFur unbedingt h\u00f6renswert befinde ich das verzerrte Headless Sky und das dandywarholsesque Supertoys, aber die anderen Lieder sind mit Ausnahme des belanglosen Titelst\u00fccks auch nicht \u00fcbel; will sagen, \u201eTransit Transit\u201c an sich ist unbedingt h\u00f6renswert, und ich betone ausdr\u00fccklich, dass ich nicht \u201eeigentlich\u201c schrieb. Was mich an \u201eTransit Transit\u201c begeistert, ist die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der Autolux hier agieren. Unverkrampften psychedelischen Noiserock hatte die Musikwelt schon ein paar Dekaden lang nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig im Angebot.\n\u201eTransit Transit\u201c sollte man als musikaffiner Mitmensch in diesem Jahr zumindest einmal geh\u00f6rt haben, damit der Kulturpessimismus, der sich beim Blick auf die aktuellen Hitparaden zwangsl\u00e4ufig einzustellen beabsichtigt, noch ein weiteres Jahr die Klappe h\u00e4lt. Will noch irgendjemand meine zwei, drei, sieben oder einundzwanzig \u201eTop-Alben 2010\u201c in Erfahrung bringen, weil ihm irgendwelche Ranglisten wichtiger sind als die von mir bevorzugte Prosaform, dann darf er diesem Text gern entnehmen, dass \u201eTransit Transit\u201c da, bittesehr, auf jeden Fall hineingeh\u00f6rt. Ich selbst verzichte allerdings darauf, Ranglisten zu f\u00fchren, denn das, was ich in meinen R\u00fcckschauen empfehle, ist grunds\u00e4tzlich ohne Tendenzen und Nuancen spitze, versteht sich. Wer braucht das \u201eAlbum des Jahres\u201c, wenn er derer gleich mehrere haben kann?\nUnd wer es noch ein bisschen genauer wissen m\u00f6chte, wie spitze \u201eTransit Transit\u201c eigentlich ist, der wird auf der My-irgendwas-Seite von Autolux f\u00fcndig, auf der als H\u00f6rproben gegenw\u00e4rtig (11. Dezember 2010) einige Ausz\u00fcge aus dem Album zu finden sind.\nExtra Life \u2013 Made Flesh\n\u201eToo much life, so much life that we die\u201c (Voluptuous Life)\nBereits im September, wie regelm\u00e4\u00dfige Leser meiner Publikationen wissen, wollte ich dieses Album rezensieren, allerdings kam etwas dazwischen. Eine ausf\u00fchrliche W\u00fcrdigung hat \u201eMade Flesh\u201c aber noch immer verdient. Sie folgt:\nExtra Life ist ein Folkrock-/RIO-Quintett aus Brooklyn (schon wieder \u201eJu Es \u00c4ih\u201c), und so seltsam, wie man sich diese Kombination vorstellt, klingt \u201eMade Flesh\u201c dann auch. Das Violinen- und Mandolinenspiel von Caley Monahon-Ward und der diatonische Gesang von Frontmann und Gitarrist Charlie Looker, ehemals Zs, einerseits und der experimentelle Avantgarde-Rock der Mitstreiter andererseits klingen zweifelsohne ungewohnt auch f\u00fcr jene, denen Vertreter beider Stilrichtungen (Circulus kommt mir da in den Sinn) bereits bekannt sind.\n\u201eProgressiv\u201c bedeutet in blo\u00dfer \u00dcbersetzung \u201efortschrittlich\u201c, und so ist die auf \u201eMade Flesh\u201c gepresste Klangwelt, die zwei bereits bekannte Welten zu einer neuen verbindet, im Wortsinne eben \u201eProgressive Rock\u201c. Laut My-irgendwas-Profil z\u00e4hlen unter anderem John Coltrane und Steeleye Span zu den musikalischen Vorbildern der Beteiligen, aber was bedeutet diese Angabe, wenn das Resultat der Beeinflussung eben v\u00f6llig eigenst\u00e4ndig ist? Als ich f\u00fcr den deutschen Wikipedia-Artikel zur Band recherchierte, fand ich unter anderem diese Rezension zu \u201eMade Flesh\u201c, deren Autor Extra Life attestiert, sie geh\u00f6rten zu den Musikgruppen, die st\u00e4ndig die Grenzen von Genres und Popmusik ausloten. Das ist, wie ich meine, eine treffende Beobachtung.\n\u201eMade Flesh\u201c ist, man erkennt es bereits am Namen, ein Konzeptalbum zum Thema K\u00f6rperkult. Das abschlie\u00dfende The Body Is True fasst das Album textlich zusammen: Der Mensch, st\u00e4ndig nach optischer Perfektion und darauf aufbauender Zweisamkeit strebend, bleibt doch nur ein Sklave seiner eigenen Verg\u00e4nglichkeit.\nShare with me, share with me the doomed flesh I made.\nMasterpiece! Masterpiece!\nThe fine physique of a slave.\nMitunter, etwa in Easter, wird es kakophonisch, eine \u201eapokalyptische Klangmasse aus einzelnen minimalistischen Klangfiguren, die sich unerbittlich in die Geh\u00f6rg\u00e4nge einh\u00e4mmern und einfr\u00e4sen\u201c (Jochen Rindfrey, hier). So kommen auch Freunde der weniger harmonischen Kl\u00e4nge, die etwa Henry Cow sch\u00e4tzen, auf ihre Kosten.\nH\u00f6rproben:\nConnoisseurs empfehle ich diese Liveversion von Easter, ansonsten gibt es auf Amazon.com 30-sek\u00fcndige Ausschnitte aus \u201eMade Flesh\u201c zu h\u00f6ren.\nThe WindMill \u2013 To be continued\u2026\n\u201eWhy is everything so hard to appreciate?\u201c (Don\u2019t Be Afraid)\nEine Sonderstellung in dieser Liste nimmt \u201eTo be continued\u2026\u201c ein, denn es ist zwar ebenso spitze wie die anderen hier genannten Alben, jedoch spreche ich in diesem Fall keine uneingeschr\u00e4nkte Kaufempfehlung aus, ohne ein wenig zu meckern:\nSteht der Gesang bei Extra Life im Vordergrund, kann man ihn bei The WindMill, lustigerweise (oder absichtlich?) bei Windmill Records unter Vertrag, beinahe vernachl\u00e4ssigen. Zwar wird auf \u201eTo Be Continued\u2026\u201c gesungen, aber \u00fcberwiegend agieren die Norweger instrumental mit Inspiration von Camel und Caravan, und wenn Morton Clason losfl\u00f6tet, kommt auch mal Jethro Tull durch. Das soll nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass sie vor allem eine Rockband sind, m\u00e4andernde Wolken aus Synthesizern oder jedenfalls Keyboards hier also nicht st\u00e4ndig produziert werden.\nAchja, der Gesang. Es ist eigentlich schade, dass er aufgenommen wurde, denn ohne ihn w\u00fcrde \u201eTo be continued\u2026\u201c, wenn mich das kurze \u00dcberfliegen der einschl\u00e4gigen Rezensionen nicht trog, deutlich positiveren Anklang finden. Ihn zu ignorieren ist unterschiedlich schwierig, gerade, wenn man wie ich bei Musik immer auch auf die Texte achtet. Er wirkt, oft (etwa im Balladenteil von A Day in a Hero\u2019s Life) ein wenig zu sehr in den Vordergrund gemischt, meist deplatziert und aufgesetzt, mitunter auch gelangweilt, und vielleicht w\u00e4re es besser gewesen, The WindMill h\u00e4tten auf ihn verzichtet.\nNun aber genug der Meckerei, denn trotzdem reicht es noch nicht, um \u201eTo be continued\u2026\u201c aus der R\u00fcckschau zu werfen, es ist musikalisch zu gut. Der instrumentale Einstieg Cinnamon ist ein feines St\u00fcck Retro-Prog, das folgende The Colour of Seasons, ein retroprog-orientiertes Rockst\u00fcck, wartet sogar, obigen Abschnitt durchaus ber\u00fccksichtigt, mit Gesang auf, der zur Musik passt. Fast bin ich geneigt, beim H\u00f6ren dieses Liedes vom Sofa aufzuspringen und zu rufen: \u201eNa bitte, es geht doch!\u201c.\nIm Mittelpunkt steht aber das fast 22-min\u00fctige A Day in a Hero\u2019s Life, ein mehrteiliger longtrack, der im Ausland besser ankommt als in Deutschland:\nThis is an epic in the Yes and Genesis vein. It is also a pretty heavy prog track which leads my thoughts over to Rush too. Not to mention Jethro Tull at Aqualong (sic). A Day in a Hero\u2019s Life is an excellent epic and a proof that this band has a lot of different arrows in their armory.\nWirklich schlecht ist \u201eTo be continued\u2026\u201c nicht, ebenso wie ich allerdings auch das vielfach verrissene \u201ePure\u201c von Pendragon, mit denen The WindMill mitunter verglichen werden, mag. Etwas weniger anstrengender Gesang w\u00e4re sch\u00f6n; und dann kann es sein, dass das Nachfolgealbum mir so richtig gut gef\u00e4llt und ich aufh\u00f6re zu meckern. Freunde soliden Neoprogs, die auch gegen Pendragon und IQ nichts einzuwenden haben, k\u00f6nnen mit diesem Album jedenfalls nicht viel verkehrt machen.\nAls H\u00f6rprobe l\u00e4sst sich The Colour of Seasons derzeit auf YouTube konsumieren. Man m\u00f6ge dies tun!\nThe High Confessions \u2013 Turning Lead Into Gold With The High Confessions\n\u201eThe bullets fly back to the gun\u201c (Mistaken For Cops)\nF\u00fcr die halbj\u00e4hrliche Dosis The Velvet Underground ist diesmal jedenfalls teilweise das Deb\u00fctalbum dieser supergroup mit Chris Connelly (u.a. Ministry), Steve Shelley (Sonic Youth), Sanford Parker (Minsk) und Jeremy Lemos (White/Light) mit dem obskuren Retro-Albentitel zust\u00e4ndig. Aus zwei von The Velvet Underground beeinflussten Noise-Rock-Bands und zwei Metalbands setzen sich also die Wurzeln der High Confessions, der \u201ehohen Bekenntnisse\u201c, zusammen, und wozu sich die vier Herren bekennen, wird schnell klar:\nDie repetitiven Strukturen mit dem Wechsel von Gitarre und Gesang sowie der treibende Rhythmus, die bereits im ersten St\u00fcck Mistaken For Cops auffallen, lie\u00dfen mich schon beim ersten H\u00f6ren an die VU-Glanztaten I Can\u2019t Stand It und Sister Ray denken. Wer nun aber eine blo\u00dfe Kopie vermutet, der hat sich geschnitten und sollte etwas tun, bevor er hier alles vollblutet; mitnichten sind The High Confessions ein weiterer Versuch, nur wie die alten Helden zu klingen, denn hinter all dem steht ein eigenes Konzept.\nMistaken For Cops ist mit 4:03 Minuten das k\u00fcrzeste St\u00fcck des Albums, es folgen zwei Elf- und ein Siebzehnmin\u00fcter in umgekehrter Reihenfolge. Als f\u00fcnftes und letztes St\u00fcck steht Chlorine And Crystal auf der Titelliste, das es auch auf immerhin neuneinhalb Minuten bringt und wie eine weniger angestaubte Inkarnation der Talking Heads klingt. \u201eTalking Heads\u201c, fragt mich nun der aufmerksame Leser, \u201ewas haben die denn mit VU zu tun?\u201c \u2013 nun: Nichts. Wie ich schon schrieb, wird hier mehr als nur der Pflege alten Kulturguts gefr\u00f6nt.\nAlong Came The Dogs, stolze 17:07 Minuten lang, ist zum Beispiel eher eine Klangcollage als ein tats\u00e4chliches \u201eLied\u201c. Los geht es mit Trommelwirbel, leise setzt Bassbrummen ein, ab 1:36 Minuten sind dann Stimmen zu h\u00f6ren, die etwas von Hunden dahermurmeln und \u2011rufen. Nach f\u00fcnfeinhalb Minuten verstimmt dann schlie\u00dflich die letzte Stimme, zu Little-Drummer-Boy-Trommeln fiept, brummt und surrt es elektronisch. Zwei Minuten sp\u00e4ter setzen erneut Stimmen ein, die sich in einen monotonen Sprechgesang hineinsteigern, w\u00e4hrend die Hintergrundger\u00e4usche mit Gitarren- und Keyboardeinw\u00fcrfen bedrohlich anschwellen und erst ab etwa 14:30 langsam abebben, um sich zum Ende hin nochmals in Feedback zu entladen. \u201ePost-Psychedelic\u201c nennen das die schubladenw\u00fctigen Musikjournalisten wohl heutzutage, und obwohl sich Parallelen zu etwa Pink Floyd doch mitunter zeigen, so w\u00e4re dies ungerecht. Ekstatisch und hypnotisch kommt Along Came The Dogs daher und bleibt dabei fesselnd; \u201eAtmosph\u00e4re\u201c hei\u00dft das Zauberwort hier, denn damit steht und f\u00e4llt so ein Konzept, und vom Fallen kann hier keine Rede sein.\nAuch die \u00fcbrigen beiden St\u00fccke, Dead Tenements und The Listener, funktionieren nach diesem Prinzip, obgleich diese weniger collagenartig sind. Ich bin versucht, The Listener als Postrock zu bezeichnen, denn mit seinem tr\u00e4gen Rhythmus und dem entr\u00fcckten, leicht schr\u00e4gen Gesang k\u00f6nnte es auch von A Silver Mt. Zion stammen. (Auf Amazon.de geht \u201eTurning Lead Into Gold With The High Confessions\u201c \u00fcbrigens ohne weitere Differenzierung als \u201ePost-Rock-Album\u201c durch. Amazon.de ist doof.)\n\u201eTurning Lead Into Gold With The High Confessions\u201c ist ein anstrengendes, aber auch vielseitiges Album. Wer Musik gern auch ein wenig Zeit l\u00e4sst, sich zu entfalten, dessen Anstrengungen belohnen die High Confessions recht bald, und ihr Lohn ist kein geringer.\nZum Anfixen verweise ich auf diese H\u00f6rproben:\nW\u00e4hrend Amazon.de mit den \u00fcblichen 30-sek\u00fcndigen Ausschnitten aufwartet, kann man derzeit (12. Dezember 2010) Mistaken For Cops und Chlorine And Crystal in voller L\u00e4nge auf der My-irgendwas-Profilseite der Band h\u00f6ren.\nFor A Minor Reflection \u2013 H\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u\nAus Island kommen Bj\u00f6rk, eine lustige Sprache und Sigur R\u00f3s, f\u00fcr sph\u00e4rische Instrumentalmusik bietet die Gegend offenbar einen guten N\u00e4hrboden. Entsprechend entspannend geht es bei den instrumentalen Postrockern For A Minor Reflection voran, deren in diesem Jahr ver\u00f6ffentlichtes Album \u201eH\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u\u201c bezeichnenderweise in den Sigur-R\u00f3s-Studios aufgenommen wurde.\nMitunter liest man Vergleiche mit Mogwai, etwa von Sigur R\u00f3s h\u00f6chstselbst, aber trotz dieses schmeichelhaften Vergleichs klingt \u201eH\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u\u201c vor allem skandinavisch. Das kann man auch, wie etwa in dieser ansonsten eher unnetten Kritik, so ausdr\u00fccken:\nEntgegen dem Albumtitel, was soviel hei\u00dft wie \u201eAuf\u2019s Chaos zusteuern\u201c, bestimmen liebliche Melodien und ein insgesamt helles Timbre die Platte; an lauten Schlagzeugeinlagen fehlt es trotzdem nicht.\nJa, hier und da wird es auch mal schrammel-postrockig, etwa dann, wenn in Kastlj\u00f3s die Gitarrenw\u00e4nde auf den H\u00f6rer einprasseln, wie W\u00e4nde das eben so machen; aber For A Minor Reflection kann auch anders, wie etwa Sj\u00e1umst \u00cd Virgin\u00edu und insbesondere das fr\u00f6hlich-beschwingte Dansi Dans (mit Klavierintro!) zeigen, dann n\u00e4mlich zeigen die Isl\u00e4nder ihre St\u00e4rke, eben auch mal in alter Sigur-R\u00f3s-Manier \u2013 isl\u00e4ndisch eben \u2013 mit sanften T\u00f6nen zu musizieren.\nIch behaupte: Wer instrumentalen Postrock sch\u00e4tzt, der nicht nur brachial, sondern auch mal dezent sein darf, dem wird \u201eH\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u\u201c gefallen; wer damit bislang nicht viel anfangen kann, dem empfehle ich, zumindest einmal in dieses Album hineinzuh\u00f6ren.\nBevorzugt mit diesen H\u00f6rproben:\nAuf YouTube stehen prima Liveaufnahmen von Kastlj\u00f3s )mit viel bl\u00f6dem Vorgepl\u00e4nkel) und Dansi Dans (mit ohne bl\u00f6des Vorgepl\u00e4nkel) zur Verf\u00fcgung.\nDear John Letter \u2013 Part &amp; Fragment\n\u201eI\u2019m a shaky hand, I\u2019m a restless leg\u2026\u201c (You Remain Unshakeably Calm)\nDear John Letter, meine pers\u00f6nlichen G\u00f6tter auf dem eigens f\u00fcr sie errichteten Alternative-Psychedelic-Postrock-Olymp, haben sich ihren Stammplatz in meinen R\u00fcckschauen mit ihrer Musik hart erk\u00e4mpft und so nicht erst seit dem \u00fcberw\u00e4ltigenden Konzert in Braunschweig gesichert.\nMit dem Plattenvertrag, der nach der Ver\u00f6ffentlichung des Deb\u00fcts vor zweieinhalb Jahren (ich berichtete) geschlossen wurde, hat sich nicht viel ge\u00e4ndert. \u201ePart &amp; Fragment\u201c ist weniger kantig als die vorigen Tontr\u00e4ger und wirkt aufgrund der teilweise flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4nge wie ein einziges Musikst\u00fcck aus mehreren, daf\u00fcr vergleichsweise kurzen Teilen. Die Betonung (ich berichtete ebenfalls) liegt auf einer anderen St\u00e4rke von Dear John Letter, der zelebrierten Hypnose n\u00e4mlich:\nEine Abwendung vom Postrock wurde attestiert, und auch, wenn sich das Album nicht blo\u00df in die Worte \u201eklingt wie Postrock mit prima Gesang\u201c kleiden l\u00e4sst, so ist doch keinesfalls eine Abkehr zu h\u00f6ren, sondern vielmehr eine Erg\u00e4nzung. Zu den gewohnten T\u00f6nen (Mogwai, Oceansize, Amplifier, eine Prise Pink Floyd) sto\u00dfen neue Einfl\u00fcsse, der dies f\u00fcr mich am beeindruckendsten demonstrierende Part ist das abschlie\u00dfende Gitarrensolo in House of Leaves, das mir auch endlich erkl\u00e4rt, wieso Peter Led-Zeppelin-Remineszenzen aus der Vergleichsschublade kramte, die andererseits trotz wunderbarer Momente wie etwa Achilles\u2019 Last Stand nie so detailverliebt zu Werke gingen.\n\u201ePart &amp; Fragment\u201c, \u201eteile und zerbrich\u201c? Dies ist eine m\u00f6gliche Bedeutung des Titels, und es m\u00f6ge Dear John Letter so bald nicht widerfahren. Gro\u00dfartige Musik gerade w\u00e4hrend der kalten Wintertage. Es muss ja nicht immer Last Christmas sein.\nH\u00f6rproben:\nVom er\u00f6ffnenden You Remain Unshakeably Calm gibt es auf YouTube ein radio edit, eine Radioversion also, die es wohl nie in deutsche Radiosender schaffen wird. Das spricht nicht f\u00fcr die Qualit\u00e4t des Rundfunks, l\u00e4sst mich aber hoffen, dass es auch weiterhin nicht zu einer dem blo\u00dfen Ausverkauf geschuldeten Orientierung an aktueller Popmusik kommen wird.\nU.S. Christmas \u2013 Run Thick In The Night\n\u201eLeave your body, it is ruined\u201c (Fire Is Sleeping)\nZum Abschluss der Hauptliste wird es dann zumindest namentlich, passend zur Jahreszeit, weihnachtlich:\nU.S. Christmas, kurz USX, hei\u00dft zwar so, hat aber mit Weihnachten ansonsten nichts zu tun.\nIch greife mal willk\u00fcrlich das er\u00f6ffnende In The Night heraus, 12:57 Minuten lang. Es ert\u00f6nt ein Postrockrhythmus, ab etwa zwei Minuten setzt klagender Gesang mit viel Hall ein, Gitarrenw\u00e4nde werden aufgeschichtet und kollabieren, den Einst\u00fcrzenden Neubauten nicht un\u00e4hnlich, am Ende des St\u00fcckes. Ich greife Suzerain heraus, 8 Minuten und 46 Sekunden lang, und h\u00f6re das gleiche.\nAber es bleibt nicht dabei. Ephraim In The Stars klingt mit seiner clean gespielten Gitarre, den Streichern und den Ch\u00f6ren wie eine Kollaboration von Her Name Is Calla mit Pure Reason Revolution auf \u201eThe Dark Third\u201c und ein bisschen Wive. The Moon In Flesh And Bone lebt von Nate Halls klagendem Gesang und l\u00e4sst mich dann doch noch mal A Silver Mt. Zion als Referenz heranziehen. Das kurze Fire Is Sleeping k\u00f6nnte auch Anh\u00e4nger von John Cales experimentelleren St\u00fccken verz\u00fccken.\nAnderswo nennt man das, was hier ert\u00f6nt, einen \u201eSpaghettiwestern\u201c, und ich finde den Vergleich bl\u00f6d, weil ich auch Western bl\u00f6d finde. Sch\u00f6ner vergleicht dieser Rezensent:\nBereits im dreizehnmin\u00fctigen Er\u00f6ffnungssong In The Night ziehen US CHRISTMAS alle Register von dr\u00f6hnenden Riffs \u00fcber wabernde Gitarren- und Synthiefl\u00e4chen bis hin zu von Tribal-Rhythmik unterlegtem und mit akustischen Einsprengseln versehenen Space Rock inklusive der allseits beliebten \u201eRaumschiffkommandobr\u00fcckenger\u00e4usche\u201c, wie sie durch HAWKWIND popul\u00e4r gemacht wurden. Die \u00dcberg\u00e4nge gestalten die Amerikaner dabei derart subtil und unauff\u00e4llig, dass man gar nicht erst auf Worte wie \u201ekopflastiges Konstrukt\u201c oder \u201eStilbruch\u201c kommt. Das Sextett aus North Carolina l\u00e4sst vor allem in den langen St\u00fccken einfach mal die eine, mal die andere Spielart Oberhand gewinnen, ohne dass es zu Rangordnungsk\u00e4mpfen kommen k\u00f6nnte. Wozu auch, denn man hat ja Zeit und wei\u00df sie zu nutzen.\nInteressant liest sich \u00fcbrigens auch die G\u00e4steliste. Sanford Parker, unter anderem Mitglied der oben bereits gew\u00fcrdigten The High Confessions, spielt auf \u201eRun Thick In The Night\u201c ein \u201e\u00fcber den Boden gezerrtes Tamburin\u201c. Kicher.\nH\u00f6rproben:\nAusz\u00fcge aus dem Album gibt es auf Amazon.de sowie auf My-irgendwas zu h\u00f6ren.\n\nNachdem ihr nun euer Konto f\u00fcr einige prima Musikalben geleert habt, lege ich quasi als Dreingabe drei sch\u00f6ne gratis und legal herunterladbare Werke obendrauf. Sie folgen umgehend:\n2. Kost\u2018 nix und klingt gut.\n\nThe Boiler \u2013 Order From Noise\nThe Boiler aus M\u00fcnster gibt es seit Oktober nicht mehr, zum Abschied haben sie jedoch diesen sch\u00f6nen EP mit f\u00fcnf am Metal etwa der Stolen Babies orientierten St\u00fccken von insgesamt \u00fcber 20 Minuten L\u00e4nge hinterlassen.\nCoheed and Cambria werden als Vergleichsobjekt benutzt, besondere Erw\u00e4hnung verdient jedoch S\u00e4ngerin Alina, die auf Fotos immer ein bisschen bl\u00f6d guckt, aber eine beeindruckende Stimme vorweisen kann. Zwei der vier Mitglieder finden Complicate \u00fcberragend, mir gef\u00e4llt besonders One Missing.\nWas nun definitiv das bessere Lied ist, m\u00f6ge der geneigte Leser selbst entscheiden, auf My-irgendwas ist \u201eOrder From Noise\u201c, der \u201eBefehl vom Krach\u201c also, vollst\u00e4ndig als Stream verf\u00fcgbar.\nBezugsquellen:\n\u201eOrder From Noise\u201c k\u00f6nnt ihr zum Beispiel auf der Internetseite der Band sowie nat\u00fcrlich via eMule herunterladen.\nPet Slimmers of the Year \u2013 \u2026And The Sky Fell\nBei Peter fand ich diesen EP von dem f\u00fcr prima Postrock inzwischen einschl\u00e4gig bekannten Netlabel Lost Children, eine (in gewohnt kreativer Schreibweise)\ngrossartiges Bolzerei. Elegnate Flanken und wuchtige musikalische Gr\u00e4tschen. Eine feine instrumentale Mischung aus Metal und Post-Rock von Pet Slimmers Of The Year.\nZwar wird auch vokal intoniert, aber das ist laut Aussage der Musiker nicht beachtenswert:\nFrom the mournful grey shadows of the English winter in early 2008, three friends sought to create something new and exciting with sounds alone. There are few words, they are not redundant.\nAuf etwas mehr als 20 Minuten kommen Pet Slimmers of the Year, obwohl sie ebenfalls mit \u201enur\u201c f\u00fcnf St\u00fccken auskommen. Allein I Am The Ocean ist \u00fcber 12 Minuten lang. Musikalisch verwandt mit God Is An Astronaut und Nihiling, komplett anzuh\u00f6ren auf Archive.org.\nBezugsquellen:\nAu\u00dfer dem Download auf Archive.org gibt es auch den \u00fcblichen Download via eMule.\nmona de bo \u2013 nekavejies \u0161is ir speles ar tevi\nmona de bo in einem Wort: Filmmusik. Als einziger der drei hier aufgef\u00fchrten Gratisdownloads ist \u201enekavejies \u0161is ir speles ar tevi\u201c ein richtiges Album von fast 70 Minuten L\u00e4nge. Von Drones durchsetzter Postrock instrumentaler Natur wird hier geboten, vergleichbar zum Beispiel mit Earth, aber auch Sunn O))) und Dead Can Dance bieten Vergleichspunkte.\nCineasten d\u00fcrften von diesem Album begeistert sein, die Mischung aus dr\u00f6hnenden Drones und queenesquer Theatralik wei\u00df aber auch andere, etwa mich, zu \u00fcberzeugen. Feines Album, das.\nBezugsquellen:\nMan kann das Album f\u00fcr 10 Euro plus Versand bei der Band bestellen oder im MP3-Format dort herunterladen. Wer seine E\u2011Mail-Adresse lieber nicht in irgendwelchen Formularen im Internet eintragen m\u00f6chte, der wird auch bei eMule f\u00fcndig.\n\nNicht alles war in diesem Jahr aber musikalisch prima. Zum Halbjahr schrieb ich, ich hoffe f\u00fcr die zweite R\u00fcckschau 2010 auf mehr furchtbaren Schrott, \u00fcber den ich mich aufregen kann. Diese Aufgabe wurde bravour\u00f6s gel\u00f6st, ein Auszug folgt, wie \u00fcblich, in Kurzform:\n3. Grausame Kl\u00e4nge.\n\nAnathema \u2013 We\u2019re here because we\u2019re here\nNa, wenn das der einzige Grund ist\u2026?\nTempano \u2013 Selective Memory\nEine viel versprechende Einleitung, aber dann doch nur Weichsp\u00fclgesang \u00fcber einschl\u00e4fernden Melodien. Schade!\nMystery \u2013 One among the living\nDream Theater f\u00fcr wirklich sehr, sehr Arme.\nThe Pineapple Thief \u2013 Someone Here Is Missing\nWorst Of Porcupine Tree\nGrinderman \u2013 Grinderman 2\nSo sehr ich mir auch M\u00fche gebe: Ich verstehe nicht, was Nick Cave mit diesem Album sagen will.\n\nWie immer schlie\u00dfe ich diesen Text mit einer R\u00fcckschau auf 40 Jahre Musikgeschichte. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit, aber es ist tr\u00f6stlich zu sehen, dass bisher noch jedes Jahrzehnt wichtige Alben vorzuweisen hatte.\n4. Musikalische Zeitreise 1970 \u2013 2000.\n\nVor 40 Jahren:\nThe Stooges \u2013 Fun House\nW\u00e4hrend die Musikwelt \u00fcberwiegend noch dem Summer of Love nachtrauerte und Bands wie Evolution mit ihrem gleichnamigen Album noch versuchten, den Psychedelic Rock zu dem weiterzuentwickeln, was heute als Stoner Rock bezeichnet wird und sich zu Recht gro\u00dfer Beliebtheit erfreut, hatten sich andere Musiker l\u00e4ngst anders orientiert. Kevin Ayers legte mit \u201eShooting At The Moon\u201c das RIO/Avantgarde-Album des Jahres vor, auf dem er sich au\u00dfer mit elektronischen Klangexperimenten auch mit Country (Clarence In Wonderland) besch\u00e4ftigte, und Iggy Pop bereitete gemeinsam mit den Stooges von Detroit aus mit dem unbequemen Garagenrock, der auch sp\u00e4ter die entstehende Punkszene beeindruckte, des Albums \u201eFun House\u201c ein Ende, der plakativ der bis dahin vorherrschenden Musikszene die Zunge herausstreckte. Spa\u00df macht das Album sicherlich, aber es ist und macht vor allem auch aggressiv. Do you feel it when you touch me?, so etwas h\u00e4tten die Beatles nie gesungen, aber die stimmten zu dieser Zeit bereits ihren Schwanengesang an. I\u2019ll stick it deep inside \u201acause I\u2019m loose. Ein Weg weisendes Album, das in die Richtung wies, der man in den sp\u00e4ten 70-er Jahren weitgehend folgte. Ein Jahrzehnt freundlicher Beat und Hippieges\u00e4usel waren genug. Die Stooges hatten sich allerdings bald satt; 1973 erschien mit \u201eRaw Power\u201c das dritte und vorerst letzte Album der zwischenzeitlich bereits aufgel\u00f6sten und wieder vereinten Band, und erst 29 Jahre sp\u00e4ter fanden sie sich wieder zusammen. Der Rest ist Geschichte.\nVor 30 Jahren:\nYes \u2013 Drama\nWas ist das erste Wort, das dem geneigten Musikfreund beim Begriff \u201e80-er Jahre\u201c einf\u00e4llt? Richtig: Drama. Der Progressive Rock lag im Sterben, Bands wie Harmonium gingen l\u00e4ngst getrennte Wege; die Punkszene, die in Deutschland noch nicht einmal voll erbl\u00fcht war, hatte in Gro\u00dfbritannien mit der Aufl\u00f6sung der Sex Pistols 1978 bereits ihre wichtigsten Protagonisten verloren. Irgendein Unsympath entdeckte derweil die einschl\u00e4fernde Wirkung elektronischer Perkussions- und Tasteninstrumente und trug so ma\u00dfgeblich dazu bei, die Welt mit eint\u00f6nigem M\u00fcll zu \u00fcberschwemmen. Einzig Yes widersetzten sich noch, indem sie nach dem Weggang von Jon Anderson und Rick Wakeman die vakanten Posten mit den Buggles besetzten, die mit Video Killed The Radio Star gerade weit reichende Ber\u00fchmtheit erlangt hatten. \u201eDrama\u201c wurde f\u00fcr lange Zeit das letzte \u201eprogressive\u201c Yes-Album; das 1983 ver\u00f6ffentlichte Nachfolgewerk \u201e90125\u201c verkaufte sich wegen Owner Of A Lonely Heart zwar nicht schlecht, war aber doch nur mehr ein immerhin noch \u00fcberdurchschnittliches Artpop-Album. Wenig tr\u00f6stlich ist es da, dass die folgenden Alben noch schrecklicher waren. \u201eDrama\u201c jedenfalls war ein letztes Aufb\u00e4umen der einstigen Heroen des Progressive Rock und ist ein wirklich starkes Werk, das schon mit dem einleitenden Machine Messiah an den bekannten Yes-Stil ankn\u00fcpft. Erst 1996 fand man zur\u00fcck zu alter Gr\u00f6\u00dfe, die beiden 2010 als Vierfachalbum neu aufgelegten Alben \u201eKeys To Ascension\u201c und \u201eKeys To Ascension 2\u201c bleiben bis heute das letzte Verm\u00e4chtnis einer l\u00e4ngst vergangenen Epoche. Die Hoffnung stirbt zuletzt.\nVor 15 Jahren:\nMr. Bungle \u2013 Disco Volante\nNach einer nahezu ereignislosen Phase weitgehend unspannender musikalischer Entwicklungen, sieht man einmal von der Reunion der Die \u00c4rzte im Jahr 1993 ab, ging es gegen Mitte des Jahrzehnts endlich voran. Mit \u201eP.U.L.S.E.\u201c kann man seitdem das letzte Album Pink Floyds kaufen, das zum vorerst letzten Mal ihre Livequalit\u00e4ten darlegte, die mal wieder reformierten King Crimson verwirrten die K\u00e4ufer mit seltsamen Alben- (\u201eTHRAK\u201c, \u201eB\u2019Boom\u201c) und Liedtiteln (\u201eVROOOM VROOOM\u201c), Mike Patton legte nach dem verr\u00fcckten Deb\u00fctalbum seiner Band Mr. Bungle derweil noch eine Schippe drauf: \u201eDisco Volante\u201c ist anstrengende Avantgarde, die man wahrscheinlich nicht mal eben nebenbei h\u00f6ren kann, ohne den Verstand zu verlieren. Klezmermusik, Jazz vieler Stilrichtungen, Metal, Rock, Polka, Tango, Salsa, Filmmusik: All das prasselt hier quasi im Sekundentakt auf den H\u00f6rer ein, inspiriert unter anderem von Edgar Allan Poe, Ennio Morricone und depressiven Phasen der Bandmitglieder. (Die deutschsprachige Wikipedia wei\u00df mehr.) Wer Mike Patton nur von Faith No More (I\u2019m easy, I\u2019m easy like Sunday morning) kennt und solcherlei seichte Unterhaltung mag, dem erscheint \u201eDisco Volante\u201c wohl einem Ritt durch die H\u00f6lle gleich. W\u00e4hrend Mr. Bungle sich mit dem folgenden und vorerst letzten Album \u201eCalifornia\u201c wieder von der gef\u00e4lligen Seite zeigten, gr\u00fcndete Mike Patton die Band Fant\u00f4mas, die den auf \u201eDisco Volante\u201c eingeschlagenen Weg seitdem weiter verfolgt. Was bleibt, ist eine Momentaufnahme der Kombination aus Free Jazz, Metal und Surrealismus, die Mr. Bungle stets auszeichnete.\nVor 10 Jahren:\nPorcupine Tree \u2013 Lightbulb Sun\nIm Jahr 2000, als ein gro\u00dfer Teil der Menschen das \u201eneue Jahrtausend\u201c feierte und sich daran auch von Mathematikern nicht hindern lie\u00df, die sie jedenfalls zu Recht daran erinnerten, dass sie das viel zu fr\u00fch taten und dass das mit den Jahrtausenden ohnehin wegen diverser Kalenderreformen so nicht stimmte, hatte sich die Musikwelt von den Plastikpop-/rockausbr\u00fcchen der 80-er und fr\u00fchen 90-er Jahre endlich weitgehend erholt, und vergessen geglaubte Musikstile wurden neu entdeckt. Die Kanadier Hamadryad spielten auf ihrem Deb\u00fctalbum \u201eConservation of Mass\u201c interessanten, bereits h\u00f6rbar von Genesis beeinflussten Progressive Rock, Ufomammut setzten mit dem psychedelischen Stoner Rock auf \u201eGodlike Snake\u201c (ein Titel, der besonders fromme Musikh\u00f6rer in den USA ersch\u00fcttert haben d\u00fcrfte) eines von vielen Ausrufezeichen, King Crimson f\u00fchrten auf \u201eThe ConstruKction of Light\u201c sowohl die L\u00e4rmausbr\u00fcche von \u201eTHRAK\u201c und dem Livealbum \u201eTHRaKaTTaK\u201c als auch die bl\u00f6de Angewohnheit fort, bl\u00f6de Lied- und Albentitel zu kreieren, und ein gewisser Steven Wilson, der fast zehn Jahre sp\u00e4ter die Alben des \u201ekarmesinroten K\u00f6nigs\u201c gemeinsam mit Robert Fripp neu zusammensetzen durfte, gab seiner floydigen Psychedelic-Band Porcupine Tree auf \u201eLightbulb Sun\u201c einen rockigen Anstrich, erfand so nebenbei den \u201eNew Artrock\u201c und machte sich mit Liedern wie Four Chords That Made A Million \u2013 der Titel sagt alles \u2013 \u00fcber die Musikindustrie lustig. Ganz ohne die altbew\u00e4hrten Psychedelic-Teppiche ging es zum Gl\u00fcck doch nicht, und so ist auf \u201eLightbulb Sun\u201c mit Shesmovedon einer der sch\u00f6nsten Momente in der bisherigen Geschichte von Porcupine Tree zu finden. Eigentlich ist es schade, dass man auf dem 2010 ver\u00f6ffentlichten \u201eThe Incident\u201c den Rockansatz wieder zugunsten ausgedehnter Klangwolken verworfen hat, letztendlich aber ist und bleibt \u201eLightbulb Sun\u201c ein Meilenstein des New Artrock, an dem sich nur wenig sp\u00e4ter Bands wie The Pineapple Thief und Anathema orientierten; ein Ende ist nicht in Sicht. Das l\u00e4sst hoffen.\n\nHuch, wir sind schon wieder am Ende angelangt. Mein Texteditor sagt, dies ist Zeile 334, und auch ohne meine Notiz- und Formatierungsliste \u00fcber dem eigentlichen Text meine ich daher, es gen\u00fcgt f\u00fcr dieses Jahr.\nHabe ich ein essenzielles, wom\u00f6glich Weg weisendes Album vergessen? Kommentiert und diskutiert nach Belieben.   \nDenen, die tats\u00e4chlich bis hierher gelesen haben, w\u00fcnsche ich einen sch\u00f6nen was-man-halt-so-w\u00fcnscht. Auf weitere sechs Monate voll hoffentlich packender Musik!\nKommentareHirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2010 \u2013 Favoriten und Analyse \u00ab eycooley.de schrob am 13. Dezember 2010 dies: [\u2026] the original post here: Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 12/2010 \u2013 Favoriten und Analyse Musik No Comments [\u2026]Sahara Surfers schrob am 13. Dezember 2010 dies: Schade. Knapp an den Best Of vorbeigeschrammt\u2026   \nGr\u00fc\u00dfe, steini / sahara surfersPeter schrob am 13. Dezember 2010 dies: Sehr sch\u00f6ne, lesenswerte  Zusammenfassung deiner musikalischen Highlights. Auf jeden Fall ist unsere \u00dcberreinstimmung erheblich gr\u00f6sser als die mit der Liste von Lie in the Sound, die ich mir gerade angeschaut habe.  Werde mir mal so einiges aus deiner Zusammenstellung anh\u00f6ren m\u00fcssen. Auf jeden Fall mona de bo. muss ich mir doch glatt mal anh\u00f6ren. Sunn O))) und Dead Can Dance, das h\u00f6rt sich ja nach einer interessanten Mischung an. Klingt spannend. Ich war ja fr\u00fcher mal so\u201an richtiger Alternative-Rocker. In deser Richtung gab es 2010 quasi nur Schrott, ausser eben Scumbucket.. Das Album ist richtig gut und rockt und rollt ganz wunderbar. Und auch Deine Wahl von For A Minor Reflection  und H\u00f6ldum \u00ed \u00e1tt a\u00f0 \u00f3rei\u00f0u stimme ich zu. Geh\u00f6rt aus  der ganzen Post-Rock Schwemme mit zum besseren. Autolux ist toll, wobei ich das Vorg\u00e4nger-Album noch ein klein bisschen besser finde. Wie gesagt, tolle Zusammenstellung abseits der \u00fcblichen Jahrescharts, die so berechenbar sind wie das Wetter von gesterrn.tux0r schrob am 13. Dezember 2010 dies: Immer nur Radio ist ja auch nichts, davon wird man nur bl\u00f6d im Kopf. Beruhigend aber, dass \u00fcberhaupt jemand meinen komischen Geschmack teilt. Ja, das h\u00f6rt sich noch interessanter an als es sich liest.   \n\nHuch, Steini, da habe ich mich ja sch\u00f6n in die Nesseln gesetzt. Aber ich kann immerhin schon mal attestieren, dass ihr die Nennung wert seid.   \nHachja.Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Sahara Surfers \u2013 Spacetrip On A Paper Plane schrob am 24. Januar 2011 dies: [\u2026] aus Zeitgr\u00fcnden keine Beachtung fand, was Schlagzeuger Michael \u201cSteini\u201d Steingress dazu veranlasste, mir seine Aufwartung zu machen; ein Gl\u00fcck, denn so plagte mich immenses Bedauern, das mich [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
            "date_published": "2010-12-13T01:04:00+01:00",
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            "content_html": "<div class=\"seriesmeta\">Dieser Artikel ist Teil 5 von 29 der Serie <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/artikelserien/jahresrueckblick/\&quot;" class="\&quot;series-33\&quot;" title="\&quot;Jahresr\u00fcckblick\&quot;" data-wpel-link="internal">Jahresr\u00fcckblick</a></div><p>Das ging schnell; schon wieder ist das erste halbe Jahr beinahe vorbei. Zeit also wird es, die sehns\u00fcchtigen Gedanken einmal beiseite zu wischen und stattdessen einen Blick auf die <span style=\"color:green\"><span style=\"font-weight:bold\">pr\u00e4chtigsten Musikver\u00f6ffentlichungen der letzten sechs Monate</span></span> zu werfen, ob Rock oder Pop, ob gratis oder teuer, ob Kaufbefehl oder v\u00f6lliger Reinfall.</p>\n<p>Auf eine separate Liste f\u00fcr deutschsprachige Alben habe ich diesmal verzichtet, die dreieinhalb Exemplare habe ich stattdessen in der Hauptliste untergebracht. Das hat einen ganz einfachen Grund: Ich habe zu sp\u00e4t daran gedacht. Selbstverst\u00e4ndlich tut mir dieser Fauxpas unglaublich Leid, f\u00fcr die R\u00fcckschau 12/2010 gelobe ich Besserung. (Nachtrag vom 13. Dezember 2010: Leider gab das Jahr keinen Anlass, eine solche Liste anzulegen.)</p>\n<p>Wie \u00fcblich jedenfalls wird diese Liste auch dieses Mal wieder gekr\u00f6nt von einer R\u00fcckschau auf 40 Jahre wechselnden Zeitgeists in der Musik. Vielleicht findet ja jemand von euch, meine gesch\u00e4tzten Leser, wieder einen kleinen Schatz darunter, der nur darauf wartet, von euch gehoben zu werden.</p>\n<p>Viel Spa\u00df beim Erforschen!</p>\n<p><span id=\"more-2617\"></span><br>\n<span style=\"font-size:14px\"><span style=\"color:blue\"><span style=\"font-weight:bold\">Teil 1: <span style=\"text-decoration:underline\">Gute CDs zum Kaufen.</span></span></span></span></p>\n<ol>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/31N1fnZBRvL._SL500_AA300_.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/31N1fnZBRvL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">The Hirsch Effekt \u2013 Holon : Hiberno</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eUnd zum Gl\u00fcck f\u00e4llst du mir nicht mehr ein, wenn ich hier kotze vor Schei\u00dfgl\u00fccklichsein\u201c</span> (Epistel)<br>\n&nbsp;<br>\nIch hatte es vor einer Weile schon <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/03/musikalischer-wahnsinn-the-hirsch-effekt/\&quot;" title="\&quot;Musikalischer" Wahnsinn:="" The="" Hirsch="" Effekt\&quot;="" data-wpel-link="internal">ausf\u00fchrlich erw\u00e4hnt</a>, und darum nimmt es wohl auch nur kaum Wunder, wenn ich auch die erste Halbjahresrezension dieses Jahres mit diesem Album beginne:\n<p>\u201eHolon : Hiberno\u201c ist die bislang positivste musikalische \u00dcberraschung dieser Dekade. Ich <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/the-hirsch-effekt-holon-hiberno/\&quot;" data-wpel-link="internal">zitiere</a> von\u2019nen Schallgrenzen:</p>\n<blockquote><p>Nichts auf \u201cHolon : Hiberno\u201d ist vorhersehbar, ein Wiegen in Sicherheit nicht angeraten. Gleich springen dir blutgr\u00e4tschende Gitarren entgegen, infernalischer  Gesang (es wird  \u00fcbrigends deutsch gesungen) l\u00e4sst dich in die Knie gehen und von hinten bekommst du noch einen hundsgemeinen Tempowechsel ins Kreuz. Heiland Gewitter,  direkt aus dem Irrenhaus. Aber dort finden wir die Genies, die sich aus hunderten T\u00f6pfen bedienen, Konventionen mir nichts, dir nichts \u00fcber Bord schmeissen und den Rezensenten mit dicken Kopf im Regen stehen lassen.</p></blockquote>\n<p>Begeistert war und bin nicht nur ich (wer meine ausf\u00fchrliche Rezension verpasst hat, der m\u00f6ge <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/03/musikalischer-wahnsinn-the-hirsch-effekt/\&quot;" title="\&quot;Musikalischer" Wahnsinn:="" The="" Hirsch="" Effekt\&quot;="" data-wpel-link="internal">hier</a> klicken und dies nachholen), begeistert bezeugen auch die Rezensenten der <a href="\&quot;http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=10551&amp;content=review\&quot;" data-wpel-link="internal">Babyblauen Seiten</a> ihre Bewunderung f\u00fcr diese Band und dieses Album, und sie sind damit nicht allein: Auch in der jeweiligen Redaktion der Zeitschriften Visions und eclipsed sowie des Ox-Fanzines war man <a href="\&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Holon_:_Hiberno\&quot;" data-wpel-link="internal">hellauf begeistert</a>. So ungern ich auch in die Euphorie um Gruppen und/oder Alben einfalle, die ich meist eher skeptisch betrachte: Kauft euch das verdammte Album. Es ist es wert.</p>\n<p>Meine Zusage allein gen\u00fcgt noch nicht? Ihr wollt mehr? Angst vor der Katze im Sack? (Gibt es daf\u00fcr eigentlich auch so einen h\u00fcbschen griechischen Namen, der auf \u2011phobie endet?)<br>\nIn dem Fall jedenfalls kann ich die \u00fcblichen <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> auf dem <a href="\&quot;http://www.myspace.com/thehirscheffekt\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil der Band</a> w\u00e4rmstens empfehlen. Reinh\u00f6ren, s\u00fcchtig werden und tagelang nichts anderes mehr h\u00f6ren wollen; so jedenfalls lief\u2019s bei mir.</p>\n<p>All die sch\u00f6ne Klangwelt ist euch zu laut? \u201eZu viel Metal\u201c? Ihr seid weit \u00fcber 30 und m\u00f6gt\u2019s lieber etwas beh\u00e4biger? Dann riskiert doch mal anderswo euer Ohr:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41tvuQH3xBL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41tvuQH3xBL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Jaga Jazzist \u2013 One-Armed Bandit</span><br>\n&nbsp;<br>\nMeinen \u00fcblichen H\u00f6rgewohnheiten keinesfalls entsprechend entschloss ich mich dazu, diesem Album eine Chance zu geben; und es hat sie weise genutzt. <span style=\"color:green\">Jaga Jazzist</span> ist, wie man teilweise schon dem Namen entnehmen kann, eine instrumentale Jazzrock-/Progressive-Rock-Band (laut Eigenbeschreibung \u201eNu-Jazz\u201c) mit verschiedenen anderen Einfl\u00fcssen wie <span style=\"color:green\">Frank Zappa</span> und Dancefloor <span style=\"font-style:italic\">(sic!)</span>, die somit ein bisschen wie die <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/\&quot;" title="\&quot;Musik" 12/2009="" \u2013="" Favoriten="" und="" Analyse\&quot;="" data-wpel-link="internal">im Vorjahr</a> bereits erw\u00e4hnten <span style=\"color:green\">Tortoise</span> klingt und doch eigentlich v\u00f6llig anders. Nicht so abrupt sind hier die Stilwechsel innerhalb der St\u00fccke, aber die Norweger gehen \u00e4hnlich elektronisch zu Werke. Auffallend in der wilden Stilmischung sind vor allem die Trompeten einerseits (etwa in <span style=\"font-style:italic\">Prognissekongen</span>), die Anleihen an moderner Tanzmusik andererseits. Erstaunlicherweise ist ausgerechnet das St\u00fcck <span style=\"font-style:italic\">Music! Dance! Drama!</span> weitgehend frei von allem, was kein Progressive Rock ist.\n<p>Ein in sich stimmiges Album ist \u201eOne-Armed Bandit\u201c allemal. Wer Jazz, Progressive Rock und <span style=\"color:green\">Frank Zappa</span> mag und auch <span style=\"color:green\">Tortoise</span>\u2018 aktuelles Album begeistert aufgenommen hat oder wer auch einfach nur wissen m\u00f6chte, wie es klingt, wenn man Jazz clubtauglich macht, dem sei empfohlen, auch <span style=\"color:green\">Jaga Jazzist</span> eine Chance zu gew\u00e4hren. Vergleichsweise anstrengend ist diese Melange allemal, aber auch h\u00f6chst unterhaltsam.</p>\n<p><span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> wollt ihr? Die \u00fcblichen 30-Sekunden-Schnipsel hat <a href="\&quot;http://www.amazon.de/One-Armed-Bandit-Jaga-Jazzist/dp/B002YY04JM/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=music&amp;qid=1276826475&amp;sr=8-1&amp;tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> im Angebot, auf <a href="\&quot;http://www.myspace.com/jagajazzist\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace.com</a> gibt es weitere Aufnahmen zu h\u00f6ren; derzeit (18. Juni 2010) unter anderem etwa eine mit stampfendem Beat unterlegte Neufassung von <span style=\"font-style:italic\">Bananfluer Overalt</span>. Hat was.</p>\n<p>Sch\u00f6n und gut, sagt ihr, ihr wollt aber lieber mehr Gesang? K\u00f6nnt ihr haben:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/518B851pD%2BL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/518B851pD%2BL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">My Own Private Alaska \u2013 Amen</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eIf I don\u2019t kill myself it\u2019s \u201acause I\u2019ve already left / elsewhere, anywhere, nowhere\u201c</span> (I Am An Island)<br>\n&nbsp;<br>\nIn die Reihe der Alben, die auch mit der vorherigen <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/05/my-own-private-alaska-amen/\&quot;" title="\&quot;My" Own="" Private="" Alaska="" \u2013="" Amen\&quot;="" data-wpel-link="internal">Erw\u00e4hnung</a> meinerseits noch l\u00e4ngst nicht genug gew\u00fcrdigt werden, habe ich nunmehr also auch \u201eAmen\u201c der franz\u00f6sischen, dennoch sehr guten Band <span style=\"color:green\">My Own Private Alaska</span>, kurz <span style=\"color:green\">M.O.P.A.</span>, aufgenommen. Auf <a href="\&quot;http://kulturterrorismus.de/rezensionen/my-own-private-alaska-amen.html\&quot;" data-wpel-link="internal">kulturterrorismus.de</a> wird das Album wie folgt gew\u00fcrdigt:\n<blockquote><p>Musikalisch gleichen Matthieu Miegeville aka \u201eMilka\u201c (Gesang), Tristian Mocquet (Piano) &amp; Yohan Henequin (Schlagzeug) hinter <span style=\"color:green\">M.O.P.A.</span> einer tiefen Verschmelzung von <span style=\"color:green\">Chopin</span> &amp; <span style=\"color:green\">Nirvana</span>, welche tragisch, brutal &amp; mitrei\u00dfend aus Lautsprechern t\u00f6nt und entweder f\u00fcr totale Verst\u00f6rung oder Begeisterung sorgt \u2013 dazwischen gibt es bei <span style=\"color:green\">M.O.P.A.</span> nix! Besonders die \u201eabgedrehte\u201c Stimmbandarbeit von \u201eMilka\u201c, die sich irgendwo zwischen <span style=\"color:green\">Robert Smith</span> (<span style=\"color:green\">The Cure</span>) &amp; Postcore- /Screamo \u201eSchreih\u00e4lsen\u201c bewegt, nimmt entweder v\u00f6llig gefangen oder schreckt endg\u00fcltig ab!</p></blockquote>\n<p>Unterst\u00fctzt wird diese ungew\u00f6hnliche Konstellation von Texten, die allesamt von einer tiefen Verbitterung \u00fcber die Frauenwelt zeugen, Todessehnsucht inklusive. \u201eEmo\u201c (oder was man landl\u00e4ufig daf\u00fcr h\u00e4lt) ist diese Musik sicher nicht, jedoch immerhin h\u00f6chst emotional. Best\u00fcnde der viel zitierte \u201eSoundtrack zum Untergang\u201c nur aus Musik wie dieser, ich k\u00f6nnte ihn kaum erwarten. Allein ist dies dann doch eher unwahrscheinlich; viel zu eigenst\u00e4ndig, viel zu unverkennbar ist das Werk des Trios. So bleibt also zu hoffen, dass sie bis zum kommenden Untergang noch viel Musik gemeinsam aufnehmen.</p>\n<p>Dem interessierten Konsumenten bleibt selbstverst\u00e4ndlich auch der Wunsch nach <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> nicht verwehrt:<br>\nW\u00e4hrend Amazon.de eher entt\u00e4uscht, hat das <a href="\&quot;http://www.myspace.com/myownprivatealaska\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil</a> der Band immerhin derzeit (18.6.2010) zweieinhalb Lieder zum Probeh\u00f6ren auf Lager.</p>\n<p>Das ist euch zu abstrakt, zu emotional oder zu l\u00e4rmig? Dann versucht\u2019s mal damit:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;http\&quot;" ecx.images-amazon.com="" images="" i="" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51jggED4sLL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">So So Modern \u2013 Crude Futures</span><br>\n&nbsp;<br>\nIch wei\u00df nicht mehr, wie ich auf \u201eCrude Futures\u201c aufmerksam wurde, aber angesichts des anstehenden Sommers ist das Album ein wahrer Gl\u00fccksfund. Musik f\u00fcr lange Tage auf Wiesen oder Terrassen mit Bier und viel Sonne.\n<p>Aber was ist das eigentlich f\u00fcr Musik? Anderswo ist in Originalschreibweise zu lesen:</p>\n<blockquote><p>Ein tolles Album zwischen Indie-Rock, Post-Punk, Electro &amp; psychedelischen Kraut-Rock Elemten.</p></blockquote>\n<p>Auch wenn\u2019s so scheinen mag: Allzu viel Krautrock, wie ihn etwa <span style=\"color:green\">Can</span> einst spielten, ist hier nicht enthalten, die anderen genannten Genres daf\u00fcr im \u00dcberfluss. Zu h\u00f6ren sind <span style=\"color:green\">The Raveonettes</span>, <span style=\"color:green\">The Mars Volta</span>, <span style=\"color:green\">Phoenix</span>, die <span style=\"color:green\">Kaiser Chiefs</span> und noch einige mehr, und obendrein ist der Gesang keinesfalls omnipr\u00e4sent, sondern eher dezent und unauff\u00e4llig, sofern \u00fcberhaupt vorhanden. Sommerliche Musik, die sich aus der immergleichen Indierock-S\u00fclze heraussch\u00e4lt.</p>\n<p>Der Anspieltipp f\u00fcr dieses Album ist der instrumentale Sechseinhalbmin\u00fcter <span style=\"font-style:italic\">Berlin</span>.<br>\nApropos <span style=\"font-style:italic\">Berlin</span>, eine sehr gute Liveaufnahme dieses St\u00fcckes gibt es als <span style=\"color:red\">H\u00f6rprobe</span> auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=wvY9gPwUhJc\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube.com</a>, es ist neben einigen weiteren Liedern auch auf <a href="\&quot;http://www.myspace.com/sosomodern\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace.com</a> zu h\u00f6ren. Prima!</p>\n<p>Darf\u2019s dann doch lieber etwas klassischer sein? Bittesehr:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/61Y4eouiiAL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/61Y4eouiiAL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">The Watch \u2013 planet earth?</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eThere must be something wrong with me\u201c</span> (Something Wrong)<br>\n&nbsp;<br>\nWenn ich \u201eklassisch\u201c schreibe, dann meine ich meist \u201eklassisch\u201c im progressivsten Sinn. Die italienische Progressive-Rock-Band <span style=\"color:green\">The Watch</span> eifert dann auch einer der klassischsten Progressive-Rock-Formationen nach, n\u00e4mlich <span style=\"color:green\">Genesis</span> zu Zeiten des charismatischen Frontmannes <span style=\"color:green\">Peter Gabriel</span> (nicht also der Band, die <span style=\"color:green\">Phil Collins</span> sp\u00e4ter daraus gemacht hat, der Depp). Dies ist sicher kein Zufall; nicht umsonst war <span style=\"color:green\">The Watch</span> jahrelang mit Livedarbietungen von <span style=\"color:green\">Genesis</span>-Klassikern auf Tournee. Nicht nur haftet ihrem inzwischen vierten Album \u201eplanet earth?\u201c also eine deutliche \u00c4hnlichkeit zu deren l\u00e4ngst legend\u00e4ren Alben \u201eFoxtrot\u201c und \u201eTrespass\u201c an, auch S\u00e4nger <span style=\"color:green\">Simone Rossetti</span> bem\u00fcht sich nicht ganz erfolglos, wie sein Vorbild zu klingen; und w\u00e4re seine Stimme nicht ein wenig tiefer, w\u00fcrde der Unterschied kaum auffallen.\n<p>Auch das Instrumentarium d\u00fcrfte Freunden des Genres Freude bereiten: Neben Gitarren, Bass und Schlagzeug kommen unter anderem auch Hammond-Orgel, Moog-Synthesizer und Mellotron zum Einsatz, allesamt Instrumente, deren blo\u00dfe Erw\u00e4hnung eigentlich schon einen Kaufgrund und den Stoff f\u00fcr feuchte Tr\u00e4ume eines jeden Progressive-Rock-Anh\u00e4ngers darstellen sollte.</p>\n<p>Kurzer geschichtlicher Hintergrund \u00fcbrigens: Laut Amazon.de wird \u201eplanet earth?\u201c oft zusammen mit Solowerken des ehemaligen <span style=\"color:green\">Genesis</span>-Gitarristen <span style=\"color:green\">Steve Hackett</span> erworben; nach dessen Weggang blieb von <span style=\"color:green\">Genesis</span> nur noch ein k\u00fcmmerliches Poptrio \u00fcbrig, somit d\u00fcrfte einwandfrei feststehen, wer f\u00fcr die musikalisch wirklich guten Ideen in der Band zust\u00e4ndig war. <span style=\"color:green\">Steve Hackett</span> liefert bis heute durchweg <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=band&amp;bandId=151\&quot;" data-wpel-link="internal">bessere Alben</a> ab als <span style=\"color:green\">Phil Collins</span>, und \u2013 hier schlie\u00dft sich der Kreis \u2013 sein Bruder <span style=\"color:green\">John Hackett</span> ist auf \u201eplanet earth?\u201c in dem St\u00fcck <span style=\"font-style:italic\">New Normal</span> an der Fl\u00f6te zu h\u00f6ren.</p>\n<p>Wer die \u201eklassischen\u201c <span style=\"color:green\">Genesis</span> kennt und sch\u00e4tzt, der kann bei \u201eplanet earth?\u201c bedenkenlos zugreifen; wer sie nicht kennt oder nur grausame Alben wie \u201eWe Can\u2019t Dance\u201c sein Eigen nennt, dem lege ich zun\u00e4chst ein unverbindliches Reinh\u00f6ren nahe.</p>\n<p>Das geht mittels <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> zum Beispiel auf dem <a href="\&quot;http://www.myspace.com/thewatchmusic\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil der Band</a>, das allerlei Ausz\u00fcge aus dem bisherigen Schaffen der Italiener bietet, aber auch auf <a href="\&quot;http://www.last.fm/music/The+Watch/+tracks\&quot;" data-wpel-link="internal">Last.fm</a> gibt es einige Lieder zum Anh\u00f6ren; jedoch, der Wermutstropfen bleibt, bislang keines aus dem Album \u201eplanet earth?\u201c. Aber vielleicht \u00e4ndert sich das ja noch. Bis dahin jedenfalls bleibt dieses Album eine Empfehlung zum Blindkauf f\u00fcr jeden Leser dieses Textes.</p>\n<p>\u201eGeh weg mit den ollen Kamellen!\u201c, sagt ihr, \u201eProgressive Rock ist doch seit Jahrzehnten tot! Neue Helden braucht das Land!\u201c? Wie entz\u00fcckend, da f\u00e4llt mir doch tats\u00e4chlich ein ganz anderes Album ein:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51fZoxhOmkL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51fZoxhOmkL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Erste Allgemeine Verunsicherung \u2013 Neue Helden braucht das Land</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eWeil ich f\u00fcr ein Seil zu geizig bin, h\u00e4ng ich mich am Gartenschlauch\u201c</span> (Rabatt, Rabatt)<br>\n&nbsp;<br>\n\u201eHurra, hurra, die <span style=\"color:green\">EAV</span> ist wieder da\u201c, so begann 1994 das Album \u201eNie wieder Kunst\u201c, und beinahe sah es so aus, als d\u00fcrfte man sich nie wieder darauf freuen. Seit \u201eFrauenluder\u201c waren die bis dahin weitgehend am\u00fcsanten Texte und feinen Melodien der <span style=\"color:green\">Verunsicherung</span> einer Pop- und Schlager\u00e4sthetik gewichen, die in dem schier unertr\u00e4glichen \u201eAmore XL\u201c von 2007 ihren unr\u00fchmlichen H\u00f6hepunkt fand. Dann, 2010, kam \u201eNeue Helden braucht das Land\u201c mit dem Titel gebenden Lied samt <a href="\&quot;http://www.verunsicherung.de/news/2010-03-13.html\&quot;" data-wpel-link="internal">merkw\u00fcrdigem Video</a>, und die Fachwelt wunderte sich: Durfte man tats\u00e4chlich noch mit einer R\u00fcckkehr der <span style=\"color:green\">EAV</span>, wie man sie einst kennen und sch\u00e4tzen gelernt hatte, rechnen?\n<p>Fest steht: \u201eNeue Helden braucht das Land\u201c ist ein v\u00f6llig anderes Album als noch \u201eAmore XL\u201c. Mit seichten Schlagern ist Schluss, auf belanglose Texte hat sich Texter und Komponist <span style=\"color:green\">Thomas Spitzer</span> diesmal nicht eingelassen. Die <span style=\"color:green\">EAV</span> hat ihre alte Bissigkeit zur\u00fcck und holt das nach, was sie jahrelang vers\u00e4umt hat. Ein drittes <span style=\"font-style:italic\">Zwirch und Zwabel</span> \u2013 das zweite war <span style=\"font-style:italic\">Bimsemann und Roggenkeil</span> von \u201eFrauenluder\u201c \u2013 gibt es nicht, im Gegenteil spr\u00fcht das ganze Album f\u00f6rmlich vor Sarkasmus und politischer Brisanz. Ein weiterer Textauszug, diesmal aus dem St\u00fcck <span style=\"font-style:italic\">Toleranz</span>, einem fiktiven Dialog:</p>\n<blockquote><p>Ich hab auch nix gegen die Chinesen,<br>\nt\u00e4ten\u2019s nicht die Hunderln fressen.<br>\nStell dir vor, mein kleiner Waldi<br>\nin am Wok von Garibaldi!</p></blockquote>\n<p>Auch die <a href="\&quot;http://www.verunsicherung.de/diskografie/neue_helden_braucht_das_land.html\&quot;" data-wpel-link="internal">restlichen Lieder</a> \u00fcben textlich Kritik an Gesellschaft und Politik und ziehen nebenbei diverse Genres durch den Kakao; w\u00e4hrend etwa in <span style=\"font-style:italic\">Nostradamus</span>, das <span style=\"color:green\">Rammstein</span> alle Ehre gemacht h\u00e4tte, die Pius-Bruderschaft scharf kritisiert wird, macht sich die Band in dem schlichten Elektropopst\u00fcck <span style=\"font-style:italic\">Bitte Bier</span>, das seinen wiederkehrenden Refrain als Titel tr\u00e4gt, \u00fcber trinkfreudige Mallorca-Touristen lustig, gleichsam als Antwort auf das nicht unbekannte Coverlied <span style=\"font-style:italic\">Pump ab das Bier</span>, das, stilistisch \u00e4hnlich, seit Jahren immer wieder f\u00e4lschlicherweise der <span style=\"color:green\">EAV</span> zugeschrieben wird. <span style=\"font-style:italic\">M\u00e4nner brauchen Tritte</span> ist gar eine Verbeugung vor <span style=\"color:green\">Roger Cicero</span>, und man fragt sich immer wieder aufs Neue, wie S\u00e4nger <span style=\"color:green\">Klaus Eberhartinger</span> es schafft, in jedem Lied v\u00f6llig anders zu klingen; meines vollen Respekts kann er sich jedenfalls sicher sein.</p>\n<p>Zwischen all der Misanthropie birgt das Album auch immer wieder kurze Zwischenspiele, die wie f\u00fcr die B\u00fchne geschaffen wirken, was den Besuch k\u00fcnftiger <span style=\"color:green\">EAV</span>-Konzerte durchaus wieder einladend erscheinen l\u00e4sst.</p>\n<p>Obendrein gibt es f\u00fcr dieses Album auch ausreichend <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span>, so dass die Gefahr, wie noch beim Vorg\u00e4ngeralbum einen wirklich bedauerlichen Fehlkauf zu t\u00e4tigen, minimiert wird. Gemeint ist keinesfalls die l\u00e4cherliche Schnipselsammlung auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Neue-Helden-braucht-das-Land/dp/B002OLV3UE/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>; stattdessen gibt es derzeit (19. Juni 2010) das vollst\u00e4ndige Album auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/user/EAVneuehelden\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube.com</a> in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren. Hierf\u00fcr wie auch f\u00fcr das gesamte Album: Chapeau, die Herren!</p>\n<p>Deutsch gut, \u00d6sterreichisch nicht so gut? Wie w\u00e4re es dann damit?:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51wjS4zEq2L.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51wjS4zEq2L._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Tocotronic \u2013 Schall und Wahn</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eWer zu viel selber macht, wird schlie\u00dflich dumm (ausgenommen Selbstbefriedigung)\u201c</span> (Macht es nicht selbst)<br>\n&nbsp;<br>\nAuch diesem Album hatte ich kurz nach seinem Erscheinen schon <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/01/tocotronic-schall-und-wahn/\&quot;" title="\&quot;Tocotronic" \u2013="" Schall="" und="" Wahn\&quot;="" data-wpel-link="internal">ein paar Zeilen gewidmet</a>, und noch immer hat sich seine Faszination nur wenig abgenutzt. Ich prophezeite noch im Januar: \u201eIch nehme an, \u201aSchall und Wahn\u2018 wird in diesem Jahr eins der wenigen guten Indierockalben bleiben\u201c, und bislang sieht es so aus, als w\u00fcrde diese Prophezeiung voll erf\u00fcllt werden.\n<p>Tja, <span style=\"color:green\">Tocotronic</span> machen es mir aber auch wahrlich nicht leicht, sie nicht zu m\u00f6gen, also lasse ich es und finde sie stattdessen spitze. Dies allerdings immerhin schon seit Jahren: Gefielen mir einst die simplen Rhythmen, Texte und Melodien von Liedern wie <span style=\"font-style:italic\">Ich m\u00f6chte Teil einer Jugendbewegung sein</span>, so konnten mich sp\u00e4testens seit dem diesem Album vorangegangenen \u201eKapitulation\u201c die poetischen Texte \u00fcberzeugen; so hei\u00dft es etwa in <span style=\"font-style:italic\">Harmonie ist eine Strategie</span> von ebendiesem Album:</p>\n<blockquote><p>Als wir wiederum nicht wussten, was zu tun, wohin sich wenden,<br>\nliefen wir stundenlang umher durch die Alleen, und am Ende<br>\nkamen wir zu einem Fluss, dessen Lauf uns dorthin f\u00fchrte,<br>\nwo wir noch nie gewesen sind; es schien zumindest so.</p></blockquote>\n<p>Man sieht: Mit Reimen muss man nicht arbeiten, um Dichtung zu betreiben, was ja auch die ansonsten doch recht anderen <span style=\"color:green\">Toten Hosen</span> regelm\u00e4\u00dfig demonstrieren; und genau so geht es auf \u201eSchall und Wahn\u201c weiter. Das bedeutet aber keinesfalls, dass \u201eSchall und Wahn\u201c einfallslos ist; es ist vielmehr das \u201eNeue Helden\u2026\u201c von <span style=\"color:green\">Tocotronic</span> (hierzu auch siehe oben). Die Poesie von \u201eKapitulation\u201c und die Belanglosigkeit der Vorg\u00e4ngeralben sind einer juvenilen Albernheit gewichen, eindrucksvoll etwa im Lied <span style=\"font-style:italic\">Bitte oszillieren Sie</span>:</p>\n<blockquote><p>Bitte oszillieren Sie Ping-Pong ohne Hierarchie!<br>\nBitte oszillieren Sie, ich bitte Sie! Genie\u00dfen Sie!</p></blockquote>\n<p>Mit <span style=\"font-style:italic\">St\u00fcrmt das Schloss</span>, unver\u00e4ndert meinem Lieblingsst\u00fcck des Albums, h\u00e4lt die Band auch einen veritablen Nachfolger des \u00fcberaus rockigen \u201eKapitulation\u201c-Liedes <span style=\"font-style:italic\">Sag alles ab</span>, zwar nicht textlich, aber stilistisch, parat. Auch die \u00fcbrigen Lieder sid erw\u00e4hnenswert: Die <a href="\&quot;http://lyrics.wikia.com/Tocotronic:Schall_%26_Wahn_%282010%29\&quot;" data-wpel-link="internal">Texte</a> variieren trotz der \u00fcberwiegenden, <span style=\"color:green\">Tocotronic</span>-eigenen Schlichtheit zwischen Nonsens und Nachdenklichem (<span style=\"font-style:italic\">Im Zweifel f\u00fcr den Zweifel</span>). Ein sehr feines St\u00fcck Musik f\u00fcr den, der kluge Texte und Indie-Rock mag und auch nichts dagegen einzuwenden hat, dass <span style=\"color:green\">Dirk von Lowtzow</span> die Texte, \u00e4hnlich <span style=\"color:green\">Mark E. Smith</span> von den unverw\u00fcstlichen <span style=\"color:green\">The Fall</span>, eher deklamiert als tats\u00e4chlich singt; denn selbst das klingt um L\u00e4ngen besser als das, was viele andere so genannte Rockbands mit ihrem immergleichen <span style=\"color:green\">beatlesquen</span> \u201eHarmoniegesang\u201c zu erreichen versuchen.</p>\n<p>Ich wiederhole mich gern: \u201eSchall und Wahn\u201c ist eins der bislang wenigen guten Indierockalben dieses Jahres.</p>\n<p>Als <span style=\"color:red\">H\u00f6rprobe</span> kann man, was mich sehr erfreut, auch weiterhin auf die Seite <a href="\&quot;http://www.deezer.com/de/music/tocotronic/schall-und-wahn-471823\&quot;" data-wpel-link="internal">Deezer.com</a> zur\u00fcckgreifen, die nach wie vor das vollst\u00e4ndige Album zum unbegrenzten Anh\u00f6ren zur Verf\u00fcgung stellt. Hierf\u00fcr einen herzlichen Dank an Deezer.com!</p>\n<p>Ach, da ich gerade <span style=\"color:green\">Mark E. Smith</span> erw\u00e4hnte:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41oLkwTXibL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41oLkwTXibL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">The Fall \u2013 Your Future Our Clutter</span><br>\n&nbsp;<br>\n\u201eYour Future Our Clutter\u201c ist, dies erf\u00e4hrt man vielerorts, das mittlerweile 28. Studioalbum der Band <span style=\"color:green\">The Fall</span>, und noch immer ist es unergr\u00fcndlich, wof\u00fcr sie steht. Genreschubladen kann man hier ohnehin direkt geschlossen belassen: Von atonalem Noiserock der <span style=\"color:green\">The Velvet Underground</span> \u00fcber hingerotzten Punk, Marke <span style=\"color:green\">Sex Pistols</span>, bis hin zu rhythmuslastigem Indierock (etwa in <span style=\"font-style:italic\">Chino</span>) hat <span style=\"color:green\">John Peel</span>s erkl\u00e4rte Lieblingsband jeden nur erdenklichen Einfluss in puncto hochwertiger Schrammelmusik in ihre Musik aufgenommen und damit ihrerseits inzwischen 34 Jahre lang andere Musikergenerationen beeinflusst. (Sinnloser Fakt am Rande: Sollte es <span style=\"color:green\">The Fall</span> 2011 noch geben, und dagegen scheint derzeit nichts zu sprechen, so wird es Zeit, das alte Lied <span style=\"font-style:italic\">35 Jahre</span> der <span style=\"color:green\">Toten Hosen</span> wieder auszugraben; ihr wisst schon, <span style=\"font-style:italic\">more of the same</span>.)\n<p>Das soll keinesfalls bedeuten, dass \u201eYour Future Our Clutter\u201c \u00fcberfl\u00fcssig w\u00e4re, nur weil man nur wenig neues zu sagen hat; nein, jedes Album der Combo klingt frisch und unverbraucht und immer auch ein wenig \u00fcberraschend. Das Album wird durchzogen von Lo-Fi-Effekten und <span style=\"color:green\">Mark E. Smith</span>s unverwechselbarem Murmeln, das in einigen wenigen Momenten, etwa dem Titelst\u00fcck-Duo <span style=\"font-style:italic\">Y.F.O.C.</span> und <span style=\"font-style:italic\">O.F.Y.C.</span>, in rebellisches Rufen umschl\u00e4gt, jedoch nie die mit durchaus h\u00f6rbarem Akzent vorgetragenen Texte verst\u00e4ndlich werden l\u00e4sst, so dass ich hier leider, anders, als eigentlich \u00fcblich, auf Zitate verzichten muss. Aber ist das denn wichtig?</p>\n<p>Wie schon das l\u00e4ngst legend\u00e4re Album \u201eWhite Light / White Heat\u201c der bereits erw\u00e4hnten <span style=\"color:green\">VU</span> entfaltet \u201eYour Future Our Clutter\u201c seine destruktive Wirkung auch, wenn man die Texte nicht beachtet. Das Sch\u00f6ne an jahrzehntelanger Beschallung mit harmonischen Kl\u00e4ngen ist es, dass das Bedrohliche aus Gitarren-R\u00fcckkopplungen und gewaltigen Rhythmusteppichen partout nicht verschwindet; <span style=\"color:green\">The Fall</span> haben dem <span style=\"font-style:italic\">mainstream</span> viel zu verdanken, und sie geben es seit mehr als drei Jahrzehnten reichlich zur\u00fcck. M\u00f6ge es noch lange so bleiben!</p>\n<p>Und wer sich noch immer nicht viel unter meinen \u2013 zugegeben \u2013 etwas schwurbeligen Beschreibungen vorstellen kann, aber durchaus nicht abgeneigt ist, mehr \u00fcber diese Musik zu erfahren, der m\u00f6ge einen Blick auf den folgenden Absatz werfen:</p>\n<p>Als <span style=\"color:red\">H\u00f6rprobe</span> n\u00e4mlich steht auch dieses Album derzeit vollst\u00e4ndig zur Verf\u00fcgung, m\u00f6glich macht\u2019s <a href="\&quot;http://3voor12.vpro.nl/speler/luisterpaal/43371622#luisterpaal.43371622\&quot;" data-wpel-link="internal">3voor12.vpro.nl</a>. Nutzt das Angebot weise!</p>\n<p>\u201eOch nee, das ist mir zu l\u00e4rmig\u201c, ruft ihr jetzt entt\u00e4uscht, \u201ehast du nichts Harmonischeres in deiner Liste?\u201c<br>\nDoch, habe ich:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51zrcWTdbBL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51zrcWTdbBL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Kaipa \u2013 In the Wake of Evolution</span><br>\n<span style=\"color:red\">We are closer to the edge than yesterday\u201c</span> (In the Wake of Evolution)<br>\n&nbsp;<br>\nNanu, der Titel des Albums kommt bekannt vor; tr\u00e4gt nicht das zweite Album von <span style=\"color:green\">King Crimson</span> den Namen \u201eIn the Wake of Poseidon\u201c? Und dann dieser Textauszug; <span style=\"color:green\">Yes</span>\u2018 grandioses <span style=\"font-style:italic\">Close To The Edge</span> ist zwar schon ein paar Jahrzehnte her, aber hat man es nicht auch schon mal geh\u00f6rt? Ist das Zufall?\n<p>Kurz gesagt: Nein, keinesfalls. <span style=\"color:green\">Kaipa</span> ist, dies deutet das an <span style=\"color:green\">Transatlantic</span> oder auch <span style=\"color:green\">Eloy</span> erinnernde Coverbild bereits an, eine Progressive-Rock-Band, die erstmals 1974, also noch zur Hochzeit des Progressive Rock, gegr\u00fcndet wurde und zu deren Mitgliedern im Laufe der Jahrzehnte unter anderem <span style=\"color:green\">Roine Stolt</span> (u.a. <span style=\"color:green\">The Flower Kings</span>, <span style=\"color:green\">The Tangent</span>, <span style=\"color:green\">Transatlantic</span>) und <span style=\"color:green\">Jonas Reingold</span> (u.a. <span style=\"color:green\">The Flower Kings</span>, <span style=\"color:green\">The Tangent</span>) angeh\u00f6rten, was schon ungef\u00e4hr zeigt, in welche Richtung die Reise geht:</p>\n<p>Auf \u201eIn the Wake of Evolution\u201c ist solider Retro-Prog im Stil von <span style=\"color:green\">Yes</span>, <span style=\"color:green\">Ritual</span>, <span style=\"color:green\">RPWL</span> und, trotz des Ausstiegs von <span style=\"color:green\">Roine Stolt</span>, immer wieder auch der <span style=\"color:green\">Flower Kings</span> zu h\u00f6ren. Drei St\u00fccke \u00fcberschreiten die \u201emagische\u201c 10-Minuten-Grenze, eines geht sogar \u00fcber 17 Minuten hinaus; die l\u00e4ngere Spieldauer f\u00fchrt aber niemals zu \u00fcberfl\u00fcssigen L\u00e4ngen. Der Gesang von <span style=\"color:green\">Patrick Lundstr\u00f6m</span> und <span style=\"color:green\">Aleena Gibson</span> erinnert mal, etwa im Titelst\u00fcck, an den harmonischen Neo-Prog von <span style=\"color:green\">Transatlantic</span>, mal an <span style=\"color:green\">Yes</span>, all dies wird verziert von den verd\u00e4chtig nach <span style=\"color:green\">Genesis</span> klingenden Keyboards von Bandgr\u00fcnder <span style=\"color:green\">Hans Lundin</span>, <span style=\"color:green\">Jonas Reingold</span>s l\u00e4ngst etabliertem, druckvollem Bassspiel und flirrenden Gitarren, mitunter auch von Violine und Fl\u00f6te begleitet, was ein wenig an die ersten Alben von <span style=\"color:green\">King Crimson</span> erinnert. (Und schon schlie\u00dft sich der m\u00fchsam ge\u00f6ffnete Kreis; tadah!)</p>\n<p>Das l\u00e4ngst angek\u00fcndigte n\u00e4chste Studioalbum von <span style=\"color:green\">Yes</span> l\u00e4sst noch immer auf sich warten. Wer es \u2013 wie ich \u2013 fiebernd erwartet, dem sei als \u00dcbergang \u201eIn the Wake of Evolution\u201c nahe gelegt. Und nat\u00fcrlich auch <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=band&amp;bandId=107\&quot;" data-wpel-link="internal">alle anderen Alben</a> von <span style=\"color:green\">Kaipa</span>, einer Band, die meines Erachtens viel zu wenig Beachtung findet, wenn es um Musik dieser Art geht.</p>\n<p>Als <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> empfehle ich zun\u00e4chst die \u00fcblichen Ausschnitte auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Wake-Evolution-Kaipa/dp/B0037B6W06/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>. Wem das nicht gen\u00fcgt, der kann sich auf dem <a href="\&quot;http://www.myspace.com/kaipa\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil</a> der Band weitere Eindr\u00fccke verschaffen und etwa das Titelst\u00fcck auch auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/watch?v=n6YSKfK1HHQ\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube.com</a> h\u00f6ren.</p>\n<p>Auch f\u00fcnf Buchstaben wie \u201eKaipa\u201c hat \u00fcbrigens der Name der folgenden Musikgruppe, und er beginnt folgerichtig mit einem \u201eL\u201c:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51R3PvaoX6L.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51R3PvaoX6L._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Lapko \u2013 A New Bohemia</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eI asked for nothing more than a little time\u201c</span> (I Don\u2019t Even Kill)<br>\n&nbsp;<br>\nSchon als ich dieses Album <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/05/vom-bord-zum-rinnstein-und-zuruck-ein-reisebericht-angefordert-und-geliefert/\&quot;" title="\&quot;Vom" Bord-="" zum="" Rinnstein="" und="" zur\u00fcck:="" Ein="" Reisebericht,="" angefordert="" geliefert.\&quot;="" data-wpel-link="internal">zum ersten Mal h\u00f6rte</a>, dachte ich spontan: Ein solides Rockfundament mit viel Rhythmus, prima Musik, bis der schrecklich n\u00f6lende Gesang einsetzt; ah, <span style=\"color:green\">Placebo</span>. Und tats\u00e4chlich ist diese Parallele, wenn man dem Internet in seiner schier unendlichen Weisheit trauen darf, nicht nur mir aufgefallen; so schreibt man etwa auf motor.de:\n<blockquote><p>Bereits auf ihren drei Vorg\u00e4ngern konnten Lapko mit ihrem unkonventionellen Mix aus Metal \u2013 und New Wave-Elementen \u00fcberzeugen. Der wuchtige und teils epische Grundsound der Band steht im krassen Gegensatz zur fast schon femininen Stimme von S\u00e4nger Malja. Dennoch vermag sein Organ sich perfekt in den Sound einzubinden, ohne die Musik zu splitten. Vergleiche mit <span style=\"color:green\">Mew</span>, oder auch <span style=\"color:green\">Placebo</span> liegen schnell auf der Hand.</p></blockquote>\n<p>Was also macht dieses Album so empfehlenswert, wenn doch <span style=\"color:green\">Placebo</span> wahrlich nicht zu meinen (wenngleich indes zu <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/besuch-in-berlin-bei-lie-in-the-sound-meinen-waffenbruedern-und-placebo/\&quot;" data-wpel-link="internal">seinen</a>) Favoriten z\u00e4hlt? Nun, die Mischung macht\u2019s.</p>\n<p>Lieder wie etwa <span style=\"font-style:italic\">I Shot The Sheriff</span> haben durchaus Ohrwurmqualit\u00e4t, und auch wenn die Texte ein wenig an <span style=\"color:green\">M.O.P.A.</span> (siehe erneut oben) erinnern, so wird man von \u201eA New Bohemia\u201c dennoch nicht deprimiert, sondern, im Gegenteil, einigerma\u00dfen fr\u00f6hlich gestimmt. Schon das Lied <span style=\"font-style:italic\">King &amp; Queen</span>, wenn ich mich mal so ausdr\u00fccken darf, geht <span style=\"font-style:italic\">ziemlich ab</span>, daran \u00e4ndern auch die st\u00e4ndigen, dann doch irgendwie auff\u00e4lligen Britpop-\u201eohou\u201c-Passagen nichts. (Und \u00fcberhaupt, der Text mal wieder: \u201eIf I could be an animal, you should be a zoo\u201c \u2013 fantastisch.)</p>\n<p>Wenn schon <span style=\"color:green\">Placebo</span>, dann doch bitte wenigstens so!</p>\n<p><span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> gibt es unter anderem auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/New-Bohemia-Lapko/dp/B0037KVH6Q/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>.</p>\n<p>Was fehlt denn bisher in der Liste? Ach ja: Gitarrenw\u00e4nde, instrumentaler Postrock und alles, was damit zu tun hat.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/414oEULVmJL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/414oEULVmJL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">nice nice \u2013 Extra Wow</span><br>\n&nbsp;<br>\nDas Duo <span style=\"color:green\">Jason Buehler</span> und <span style=\"color:green\">Mark Shirazi</span>, kurz <span style=\"color:green\">nice nice</span>, dessen Deb\u00fctalbum (eben \u201eExtra Wow\u201c) im April d.J. erschien, gilt noch immer als Geheimtipp, und das ist eigentlich schade, denn die Musik, die es macht, ist durchaus h\u00f6renswert:\n<p>Ich h\u00f6re Shoegazing, Spacerock, Psychedelic Rock, Noise-Rock und immer wieder auch Math-Rock durchblitzen, all dies nie \u00fcberladen wirkend und allzu pomp\u00f6s aufgeblasen, sondern fein s\u00e4uberlich aufgeteilt und nebeneinander. Der Verzicht auf Gesang erspart dem H\u00f6rer jede Ablenkung.</p>\n<p>Anderswo vergleicht man <span style=\"color:green\">nice nice</span> mit <span style=\"color:green\">Brian Eno</span>, der unter anderem der beste Grund ist, um sich etwa mit manchen Alben der ansonsten doch recht schw\u00fclstigen <span style=\"color:green\">Roxy Music</span> anzufreunden, und liegt damit zwar nicht verkehrt, verallgemeinert die Musik des Duos aber unn\u00f6tigerweise, denn sie bietet weitaus mehr als nur zusammenkopierte Ideen. Musik nicht nur f\u00fcr das Herz, sondern auch f\u00fcr das Tanzbein, das dann auch flei\u00dfig geschwungen werden will und sich bei Bedarf auch selbst schwingt, sofern keine Aktion des an ihm h\u00e4ngenden Konsumenten erfolgt.</p>\n<p>Und wer mittanzen, aber noch nicht draufloskaufen m\u00f6chte, dem empfehle ich das mit <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> gespickte <a href="\&quot;http://www.myspace.com/nicenice\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil</a> von <span style=\"color:green\">nice nice</span>. <span style=\"font-style:italic\">Nice, nice</span>, wie der Franzose sagt.<br>\n(Das Wortspiel konnte ich nicht ungemacht lassen. Es war einfach zu einladend. Verzeiht!)</p>\n<p>Die soeben get\u00e4tigte Erw\u00e4hnung eines Franzosen l\u00e4sst mich geschickt \u00fcberleiten zu W\u00f6rtern aus noch abstruseren Sprachen, n\u00e4mlich dem Namen folgender Combo:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51OkYcElwDL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51OkYcElwDL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Hamadryad \u2013 Intrusion</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eSuspicion included in every question\u201c</span> (In My Country)<br>\n&nbsp;<br>\nVon <span style=\"color:green\">Hamadryad</span> hatte ich, ebenso wie \u00fcbrigens die deutschsprachige Wikipedia, vor dem Erscheinen des Albums \u201eIntrusion\u201c noch nie geh\u00f6rt; den unverw\u00fcstlichen <a href="\&quot;http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=10651\&quot;" data-wpel-link="internal">Babyblauen Seiten</a> ist es zu verdanken, dass ich, von ihnen \u00fcber die Existenz dieser Band aus Kanada informiert, mich mit den Hintergr\u00fcnden deren Namens besch\u00e4ftigt habe und euch, liebe Leser, nebenbei auch ein wenig Kultur abseits guter Musik pr\u00e4sentieren kann:\n<p>Die Hamadryaden sind in der griechischen Mythologie die acht T\u00f6chter des ein\u00e4ugigen Waldgeistes Oxylos und der Hamadryas. Sie alle sind Dryaden, also Nymphen, und leben jeweils in einem Baum, u.a. dem Walnussbaum. Es wird davon ausgegangen, dass die Hamadryade ebenfalls stirbt, wenn ihr Hausbaum dies tut; letztendlich also davon, dass alle acht Hamadryaden schon ein paar Jahre das Zeitliche gesegnet haben d\u00fcrften, was nebenbei h\u00fcbsch demonstriert, dass die griechische Mythologie fast so albern ist wie die Bibel. Ihr seht: Es lohnt sich, Altgriechisch zu lernen. Man hat immer wieder etwas zu lachen.</p>\n<p>Zur\u00fcck zur Musik: Das hier behandelte Album von <span style=\"color:green\">Hamadryad</span> klingt zum Gl\u00fcck nicht nach alten, knarzenden B\u00e4umen, sondern im Gegenteil frisch wie ein Morgen im Fr\u00fchling in einem jungen Laubwald. Mit der Schublade \u201eRetro-Prog\u201c w\u00fcrde man <span style=\"color:green\">Hamadryad</span> Unrecht tun, auch, wenn in <span style=\"font-style:italic\">In My Country</span> der derzeitige <span style=\"color:green\">Yes</span>-Ersatzs\u00e4nger <span style=\"color:green\">Beno\u00eet David</span> Frontmann <span style=\"color:green\">J\u2011Phil Major</span> tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt, denn \u201eretro\u201c (lat. \u201ezur\u00fcck\u201c, apropos Kultur) klingt \u201eIntrusion\u201c nur streckenweise. Es \u00fcberwiegt ein energiereicher Progressive Rock mit Anleihen aus Neo-Prog (<span style=\"color:green\">Marillion</span> immerhin nicht) und den metal\u00e4hnlichen Kl\u00e4ngen von etwa <span style=\"color:green\">Tool</span> (eindrucksvoll und mich sprachlos hinterlassend ist etwa der F\u00fcnfmin\u00fcter <span style=\"font-style:italic\">Lost</span>).</p>\n<p>Klar, hier und da schauen <span style=\"color:green\">Genesis</span>-Keyboards und <span style=\"color:green\">Yes</span>-Bass um die Ecke und winken freundlich, aber sie bleiben nicht lange, behalten ihren Mantel an und sind meist schnell wieder weg. Keyboard- und basslastig ist es dennoch, was auf \u201eIntrusion\u201c mein Ohr erfreut, und somit genau so, wie es mir gef\u00e4llt; nicht einmal die viel zitierten <span style=\"color:green\">Spock\u2019s Beard</span> wussten mir jemals derartige Freude zu bereiten.</p>\n<p>Und da ich gerade den Gesang erw\u00e4hnte: Er bleibt weitgehend auf kurze Passagen beschr\u00e4nkt, mit Ausnahme weniger St\u00fccke wie <span style=\"font-style:italic\">Here and Now</span>, und klingt trotz des Gasts\u00e4ngers nicht nach <span style=\"color:green\">Yes</span>, <span style=\"color:green\">Genesis</span> und den anderen \u00fcblicherweise Genannten, sondern teils nach <span style=\"color:green\">High Wheel</span>, die ich eigentlich auch mal wieder h\u00e4ufiger erw\u00e4hnen sollte, teils nach den <span style=\"color:green\">Flower Kings</span>, meist aber wiederum ganz anders (unter anderem gew\u00fcrzt mit einer Prise <span style=\"color:green\">Jon Bon Jovi</span>, wenn mich mein sp\u00e4testens seit dem gruseligen \u201eEurovision Song Contest\u201c arg gebeuteltes Geh\u00f6r nicht allzu sehr t\u00e4uscht), stets angemessen, nie \u00fcbertrieben theatralisch. Kurz gesagt: Der Gesang ist eins der wesentlichen Erkennungsmerkmale von <span style=\"color:green\">Hamadryad</span>, und das kann man heutzutage leider nicht mehr oft attestieren. Sollte also eines der Mitglieder der Band diesen Text hier jemals lesen: Ich gratuliere zu eurem S\u00e4nger. Gut gemacht!</p>\n<p>Ein Fazit zu \u201eIntrusion\u201c ist schwerlich zu ziehen, und ich freue mich gerade dar\u00fcber, dass ich diesen Text hier aus Eigeninteresse schreibe und nicht etwa f\u00fcr ein Magazin, das mich daf\u00fcr bezahlt, sonst m\u00fcsste ich mir nun wom\u00f6glich eines ausdenken und s\u00e4\u00dfe auf der Stra\u00dfe bei den drei Chinesen; und ich kann doch gar nicht Kontrabass spielen, geschweige denn Chinesisch! So aber gen\u00fcgt es mir, zusammenfassend Thomas Kohlru\u00df von den Babyblauen Seiten zu zitieren:</p>\n<blockquote><p>Teils hardrockigen, teils jazzrockigen, teils symphonisch angehauchten Retroprog bieten uns Hamadryad auf \u201eIntrusion\u201c an. Dabei steht \u201eRetro\u201c nur daf\u00fcr, dass hier klassische Motive des Progressive Rock, wie wirbelige Keyboards, flirrende Synthie-Solos, kraftvolles Gitarrenriffing, farbige, vertrackte Arrangements, bollernder Bass und vitales Drumming, verarbeitet werden. Instrumental sind Hamadryad immer noch eine Klasse f\u00fcr sich, wenn sie erstmal die Fesseln abstreifen und ordentlich loslegen.</p></blockquote>\n<p>Und in wem ich jetzt das durchaus gebotene Interesse an diesem Album wecken konnte, dem ich mit Vergn\u00fcgen den Stempel \u201ebestes Progressive-Rock-Album des ganzen verdammten Jahres\u201c aufdr\u00fccken w\u00fcrde, w\u00e4ren da nicht die restlichen Monate noch abzukaspern, den lasse ich selbstverst\u00e4ndlich nicht blind gegen die n\u00e4chstbeste Laterne rennen, sondern verweise auf die <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span>, die das <a href="\&quot;http://www.myspace.com/hamadryadmusic\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil</a> der Band zieren.</p>\n<p>Aber schalten wir doch nun erst einmal einen Gang zur\u00fcck:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51lGFTEAwhL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51lGFTEAwhL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Tindersticks \u2013 Falling Down A Mountain</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eIt\u2019s the wine that makes me sad, not the love I never had\u201c</span> (Factory Girls)<br>\n&nbsp;<br>\n\u201eDie <span style=\"color:green\">Tindersticks</span> sind wieder da\u201c, so oder so \u00e4hnlich klang so manche Schlagzeile angesichts der Ver\u00f6ffentlichung des Albums \u201eFalling Down A Mountain\u201c. Allzu selbstverst\u00e4ndlich war es nicht, dass dieses Album jemals erscheinen w\u00fcrde, waren die <span style=\"color:green\">Tindersticks</span> doch bereits mit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eThe Hungry Saw\u201c vom Sextett zum Trio geschrumpft.\n<p>Und \u201ewieder da\u201c ist so auch nicht zutreffend. \u00c4hnlich wie <span style=\"color:green\">Sigur R\u00f3s</span> sich in den letzten Jahren zu einer beinahe fr\u00f6hlichen Popband entwickelten, so unterzogen sich auch die <span style=\"color:green\">Tindersticks</span> einer Metamorphose. Geblieben ist der immer etwas wehleidig klingende, zerbrechliche Gesang von <span style=\"color:green\">Stuart A. Staples</span>, der mitunter dem eigentlich als unvergleichbar geltenden <span style=\"color:green\">Leonard Cohen</span> nicht un\u00e4hnlich ist, die Lieder selbst jedoch haben sich gewandelt.</p>\n<p>Vorbei ist es mit dem d\u00fcsteren Dark Wave, der noch auf \u201eThe Hungry Saw\u201c vorherrschte und an manchen Tagen auch einem fr\u00f6hlichen Menschen mal so richtig die Stimmung versauen konnte, zwar noch nicht, unter anderem das Lied <span style=\"font-style:italic\">Factory Girls</span> wahrt die Tradition, aber bereits das er\u00f6ffnende Titelst\u00fcck zeigt, was den H\u00f6rer erwartet. Los geht\u2019s mit Bl\u00e4sern und einem Jazz-Rhythmus von Schlagzeug und Bass, bis mehrstimmiger Gesang \u2013 kennt man von den <span style=\"color:green\">Tindersticks</span> bislang auch nicht unbedingt \u2013 einsetzt. \u00dcber insgesamt sechs Minuten entwickelt sich eine surreale Stimmung, bis die Psychedelik pl\u00f6tzlich endet und das Lied langsam abschwellt, nur noch von Gesang, Gitarre und Schlagzeug getragen. Andere St\u00fccke wie etwa <span style=\"font-style:italic\">Harmony Around My Table</span> und <span style=\"font-style:italic\">No Place So Alone</span> zollen dem Shuffle-Blues und der Soulmusik Tribut, in ersterem Fall gar stilecht mit fr\u00f6hlichen Hintergrundch\u00f6ren und \u201elalala\u201c-Gesang, gleichsam das <span style=\"font-style:italic\">Gobbledigook</span> der <span style=\"color:green\">Tindersticks</span>. Was immer man von dieser Band erwartet hatte: Man wird \u00fcberrascht sein.</p>\n<p>Nat\u00fcrlich geht es bei den <span style=\"color:green\">Tindersticks</span> nicht ohne sexuelle Anspielungen, siehe etwa <span style=\"font-style:italic\">Rented Rooms</span> vom Album \u201eCurtains\u201c:</p>\n<blockquote><p>We tried a drinking bar, it gets so very hard,<br>\nand when the cab ride gets too long, we go fuck in the bathroom.</p></blockquote>\n<p>So gesehen ist es sicher kein Zufall, dass das Lied <span style=\"font-style:italic\">She rode me down</span> (\u201eSie ritt mich nieder\u201c) mit den wiederholten Worten \u201eShe rode me\u201c endet, zwinker, zwinker; Details wie dieses machen die Faszination der Texte der <span style=\"color:green\">Tindersticks</span> indes erst aus, wie ich meine. Fast m\u00f6chte ich (wieder einmal) schreiben: Hihi.</p>\n<p>Genug der schn\u00f6den Worte! Als <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> gibt es auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Falling-Down-Mountain-Tindersticks/dp/B002ZCWAA4/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a> die \u00fcblichen bl\u00f6den 30-Sekunden-H\u00e4ppchen, auf <a href="\&quot;http://www.youtube.com/user/heavensinversionvox#p/u\&quot;" data-wpel-link="internal">YouTube.com</a> ist indes derzeit das vollst\u00e4ndige Album anzuh\u00f6ren, so lange die Plattenfirma nichts dagegen unternimmt, also hoffentlich noch lange. (Nota bene: Ich kann der gesellschaftlich akzeptierten Schwarzkopie via YouTube nicht viel abgewinnen, so lange die Nutzung von Tauschb\u00f6rsen beinahe mit mindestens Kindersch\u00e4ndung auf eine Stufe gestellt wird; aber darum soll\u2019s hier ausnahmsweise einmal nicht gehen.)</p>\n<p>Und nachdem wir uns nun diese kleine Verschnaufpause geg\u00f6nnt haben, k\u00f6nnen wir wieder ein wenig gitarrenlastigen Rock vertragen, und er kommt wie bestellt:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41azIsMkSeL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41azIsMkSeL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">The Black Box Revelation \u2013 Silver Threats</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eMadness freaking out\u201c</span> (Where Has All This Mess Begun)<br>\n&nbsp;<br>\nWoran denkt man zuerst, wenn man \u201eGaragenrock\u201c liest? An <span style=\"color:green\">MC5</span>, vielleicht auch <span style=\"color:green\">The Strokes</span>?<br>\nNun, <span style=\"color:green\">The Black Box Revelation</span> ist ein belgisches Duo, das genau diese Musik macht, und der einzige Einfluss, der mir spontan auffiel, war der <span style=\"color:green\">Mando-Diao</span>-\u00e4hnliche Gesang, was weniger einen Widerspruch darstellt, als dies zun\u00e4chst erscheinen mag. Als die <span style=\"color:green\">Rolling Stones</span> mit derlei Kl\u00e4ngen experimentierten, nannte man sie noch Bluesrock. Aber ist das noch zeitgem\u00e4\u00df?\n<p>W\u00e4hrend der Aufnahmen f\u00fcr ihr zweites Album arbeiteten die beiden M\u00e4nner, beide erst um die 20 Jahre alt, mit <span style=\"color:green\">Ray Davies</span> von den l\u00e4ngst legend\u00e4ren <span style=\"color:green\">Kinks</span> zusammen, und auch, wenn dieser nicht selbst auf dem Album zu h\u00f6ren ist, so ist dies doch offensichtlich mehr als nur eine Zweckgemeinschaft gewesen; Anonymus \u201eKlaus\u201c schreibt zum Beispiel auf <a href="\&quot;http://www.persona-non-grata.de/2010/02/05/the-black-box-revelation-%E2%80%93-silver-threats/\&quot;" data-wpel-link="internal">Persona-Non-Grata.de</a>:</p>\n<blockquote><p>(\u2026) ordentlich abgehangene Bluesriffs, genuschelter Gesang mit fast schon arrogant gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigem Unterton, eher <span style=\"color:green\">Black Keys</span> als <span style=\"color:green\">White Stripes</span>, mehr <span style=\"color:green\">Kinks</span> als <span style=\"color:green\">Zeppelin</span>, obwohl die Ausfl\u00fcge ins psychedelische gegen Ende dann doch an Ausma\u00dfen erheblich zunehmen und in dem fast schon <span style=\"color:green\">young</span>esken Feedbackgewitter \u201e<span style=\"font-style:italic\">Here Comes The Kick</span>\u201c mit neun Minuten L\u00e4nge gipfeln.</p></blockquote>\n<p>Der Vergleich mit <span style=\"color:green\">Neil Young</span> zu dessen besten Zeiten ist so weit nicht einmal hergeholt, tats\u00e4chlich geht <span style=\"font-style:italic\">Here Comes The Kick</span> ordentlich zur Sache, aber zum Gl\u00fcck mit Gesang, der dann doch eher an <span style=\"color:green\">Jack White</span> erinnert. (Und dann auch immer wieder: <span style=\"color:green\">The Velvet Underground</span>. Lo-Fi, dr\u00f6hnende Gitarren, ein Schlagzeug, das quasi als verst\u00e4rktes Metronom funktioniert, und dieser merkw\u00fcrdige Rhythmus, der ohne bewusstes Zutun den Kopf des H\u00f6rers bewegt; das hat bei mir zuletzt bei <span style=\"color:green\">Nihiling</span> funktioniert, die allerdings wiederum ganz andere Musik machen.)</p>\n<p>Ich sage: Zum Teufel mit den ewigen Etiketten, entscheidend ist, dass es gef\u00e4llt, und das tut es in der Tat.<br>\n<span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> gibt es, au\u00dfer nat\u00fcrlich auf <a href="\&quot;http://www.amazon.de/Silver-Threats-Ltd-Version-Black-Revelation/dp/B00305ICLG/?tag=hirnfi20-21\&quot;" rel="\&quot;nofollow\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal">Amazon.de</a>, auch auf dem <a href="\&quot;http://www.myspace.com/theblackboxrevelation\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil</a> der Band; zwar nicht <span style=\"font-style:italic\">Here Comes The Kick</span>, aber einige andere Lieder. Und so bleibt immerhin auch noch etwas, was zum Kauf des Albums einl\u00e4dt. Wer also noch nach einem Kaufgrund gesucht hat: Da ist er. Bittesehr!</p>\n<p>Bleiben wir, Etikettierung hin oder her, nun einmal im Rockgenre und seinen zahlreichen Subgenres und starren begierig auf folgendes Album:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41yhouWSQdL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41yhouWSQdL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Liars \u2013 Sisterworld</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eStand in the street with a gun, and then kill \u201aem all!\u201c</span> (Scarecrows on a Killer Slant)<br>\n&nbsp;<br>\nApropos <span style=\"color:green\">The Velvet Underground</span>: In den 60-er Jahren war diese Band ja daf\u00fcr bekannt, als Antagonisten der Hippiekultur die dunklen Seiten New Yorks anzuprangern, eben Drogen, Gewalt und sexuelle Umtriebe. Seit dieser Zeit hat sich offenbar erwartungsgem\u00e4\u00df nur wenig getan in den VSvA, und so kann \u00fcber 40 Jahre sp\u00e4ter die aus Los Angeles stammende Musikgruppe <span style=\"color:green\">Liars</span> eine \u201eSisterworld\u201c, eine \u201eSchwesterwelt\u201c also, inmitten ihrer Heimatstadt dokumentieren, die auch weiterhin ein Biotop f\u00fcr Aussteiger aus der Gesellschaft darstellt.\n<p>Der Pressetext liest sich auszugsweise folgenderma\u00dfen:</p>\n<blockquote><p>\u201eSisterworld\u201c ist ein ganz eigenes <span style=\"color:green\">Liars</span>-Album, ohne h\u00f6rbare Einfl\u00fcsse und sehr weit weg von den oft falschen Versprechungen und zerbrochenen Tr\u00e4umen von Los Angeles. Auf \u201eSisterworld\u201c untersucht <span style=\"color:green\">Liars</span> die Undergroundkultur zu erkunden, die sich in der Stadt gebildet hat um dem Verlust der eigenen Identit\u00e4t in der oberfl\u00e4chlichen Gesellschaft von Los Angeles entgegenzuwirken. Die Band erkl\u00e4rt dazu, \u201eUns interessieren die alternativen Lebensr\u00e4ume die sich die Leute in Los Angeles aufgebaut haben um ihre eigene Identit\u00e4t in dieser Stadt zu wahren. Lebensr\u00e4ume, in denen Outcasts und Einzelg\u00e4nger eine verdrehte Beziehung zum Rest der Gesellschaft f\u00fchren.\u201c</p></blockquote>\n<p>Musikalisch auch hier: Kraftvoller Garagenrock, pumpender Bass, treibendes Schlagzeug. Mitunter f\u00e4llt <span style=\"color:green\">Nick Cave</span> ein. Man brauche, so Frontmann <span style=\"color:green\">Angus Andrew</span> im <a href="\&quot;http://www.chartattack.com/features/81041/liars-arent-nihilists-just-realists\&quot;" data-wpel-link="internal">Interview</a> mit Chartattack.com, eine gesunde Portion Realismus\u2018, um das Leben in dieser Stadt zu ertragen, und das spiegelt sich auch in den Texten wieder.</p>\n<p>Als <span style=\"color:red\">H\u00f6rproben</span> gibt es auf dem <a href="\&quot;http://myspace.com/liarsliarsliars\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil</a> des Trios derzeit unter anderem das Lied <span style=\"font-style:italic\">Too Much, Too Much</span> sowie diverse Remixe anderer Lieder zu h\u00f6ren.</p>\n<p>Zum Abschluss des ersten Teils noch mal ein etwas heitereres Album, das erst seit kurzem mein Inventar bereichert:</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51eS-eUSjUL.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:80px;height:80px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51eS-eUSjUL._SL500_AA300_.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Argos \u2013 Circles</span><br>\n<span style=\"color:red\">\u201eNothing here is quite like anything you know\u201c</span> (Willow Wind)<br>\n&nbsp;<br>\nDas ging schnell: War <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/\&quot;" title="\&quot;Musik" 12/2009="" \u2013="" Favoriten="" und="" Analyse\&quot;="" data-wpel-link="internal">im Dezember</a> noch das selbstbetitelte Deb\u00fctalbum der Mainzer Formation <span style=\"color:green\">Argos</span> Objekt meiner Begierde, so war zu diesem Zeitpunkt das Nachfolgealbum \u201eCircles\u201c bereits in der Entstehung begriffen, und es fand eine positive Entwicklung statt.\n<p>Gitarrist <span style=\"color:green\">Rico Florczak</span>, auf \u201eArgos\u201c noch Gastmusiker, ist nunmehr ein festes Bandmitglied und dr\u00fcckt \u201eCircles\u201c seinen Stempel auf. War ersteres noch von <span style=\"color:green\">Caravan</span> und <span style=\"color:green\">The Tangent</span> beeinflusst, so ist der Canterbury Sound auf \u201eCircles\u201c einem symphonischen Progressive/Art Rock gewichen, wie ihn etwa die <span style=\"color:green\">Flower Kings</span> praktizieren. Und auch der Gesang, auf dem Deb\u00fct noch Anlass f\u00fcr vielerlei Kritik, ist druckvoller und empathischer geworden, mitunter <span style=\"color:green\">Peter Hammill</span> nicht un\u00e4hnlich.</p>\n<p>Ansonsten: Jazzrock, <span style=\"color:green\">Yes</span> (kommt au\u00dfer mir noch jemandem der Titel <span style=\"font-style:italic\">Total Mess Retail</span> bekannt vor?), mitunter auf Deutsch eingesprochene <span style=\"color:green\">Erich-K\u00e4stner</span>-Zitate als wiederkehrendes Motiv (drum \u201eCircles\u201c).</p>\n<p><a href="\&quot;http://www.musikreviews.de/reviews/2010/Argos/Circles/\&quot;" data-wpel-link="internal">Musikreviews.de</a> zieht zudem <span style=\"color:green\">Eloy</span>, <span style=\"color:green\">Jadis</span> und <span style=\"color:green\">IQ</span> als Vergleich heran, vergisst aber immerhin nicht, zu erw\u00e4hnen, dass das, was <span style=\"color:green\">Argos</span> auf Tontr\u00e4ger bannen, mit nur selten geh\u00f6rter Eigenst\u00e4ndigkeit daherkommt.</p>\n<p>Mit ihrem zweiten Album hat <span style=\"color:green\">Argos</span> sich freigespielt. Geblieben sind der Humor in Texten und Liedtiteln sowie die Verehrung vor den Helden der 70-er Jahre, Geschichte aber ist die Unsicherheit, wohin die Reise gehen soll. Das bereits angek\u00fcndigte dritte Album wird zeigen, ob sie ihrem eigenen Anspruch gen\u00fcgen k\u00f6nnen; nach mehrmaligem Genuss des bisherigen \u0152uvres jedenfalls bin ich zuversichtlich.</p>\n<p><span style=\"color:red\">H\u00f6rproben:</span> Ausz\u00fcge aus beiden bisher ver\u00f6ffentlichten Alben hat die Band auf ihrem <a href="\&quot;http://www.myspace.com/returntowhatever\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil</a> (f\u00fcr Liebhaber von Details: auch ein recht am\u00fcsanter MySpace-Profilname \u00fcbrigens) ver\u00f6ffentlicht. Feines Album!</p></li>\n</ol>\n<p>Nachdem ich nun euren Geldbeutel gesch\u00e4ndet habe, g\u00f6nne ich ihm ein wenig Erholung und stelle drei digital erh\u00e4ltliche Gratistontr\u00e4ger vor:</p>\n<p><span style=\"font-size:14px\"><span style=\"color:blue\"><span style=\"font-weight:bold\">Teil 2: <span style=\"text-decoration:underline\">Gratis ist zu teuer!</span></span></span></span></p>\n<ol>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;http://www.metal.de/pix_cdreviews/futi_7nig.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:50px;height:50px\" src=\"http://www.metal.de/pix_cdreviews/futi_7nig.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Futile \u2013 7 Nightmares</span><br>\n&nbsp;<br>\nGanz und gar nicht <span style=\"font-style:italic\">Futile</span>, also zwecklos, ist dieses kurze Album. 7 Lieder (oder doch Albtr\u00e4ume?) lang Alternative-Progressive-Rock-Metal-Musik mit <span style=\"color:green\">Tool</span>-Remineszenzen aus der S\u00fcdpfalz.<br>\nIch hatte das Album <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/02/gleich-klatscht-et-junge/\&quot;" title="\&quot;Gleich" klatscht="" et,="" Junge.\&quot;="" data-wpel-link="internal">hier</a> schon kurz rezensiert bzw. eben rezensieren <a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/futile-7-nightmares/\&quot;" data-wpel-link="internal">lassen</a> und verweise daher nur auf dort.\n<p><span style=\"color:red\">Bezugsquellen:</span> Herunterladen kann man das sch\u00f6ne St\u00fcck Musik via <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2149\&quot;" data-wpel-link="internal">eMule</a> und auf der eigens daf\u00fcr eingerichteten <a href="\&quot;http://www.7nightmares.com\&quot;" data-wpel-link="internal">Internetseite</a>. Wer das MP3-Format nicht sonderlich sch\u00e4tzt oder auch einfach nur gern gute Musik finanziell subventioniert, der kann f\u00fcr zehn Euro eine <a href="\&quot;http://shop.futilemusic.com\&quot;" data-wpel-link="internal">CD-Version</a> erwerben.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/longgrass200.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:50px;height:50px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/longgrass200.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Her Name Is Calla \u2013 Long Grass (EP)</span><br>\n&nbsp;<br>\n<span style=\"color:green\">Her Name Is Calla</span>, 2009 mit dem <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/\&quot;" title="\&quot;Musik" 12/2009="" \u2013="" Favoriten="" und="" Analyse\&quot;="" data-wpel-link="internal">prima Album</a> \u201eHeritage\u201c bereits Anlass f\u00fcr zahlreiche melancholische Stunden, legte Anfang 2010 mit dem \u201eLong Grass\u201c-EP drei kurze St\u00fccke in der gewohnten Stimmung nach.\n<p><a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de/her-name-is-calla-long-grass-oder-kann-traurige-musik-gluecklich-machen-teil-2/\&quot;" data-wpel-link="internal">Peter</a> schrieb im M\u00e4rz hierzu:</p>\n<blockquote><p>Fr\u00f6hlich ist einfach, Melancholie um vieles schwieriger. Zu beschreiben, zu besingen, zu vertonen. Einfach ist doof, verkomplizierte Seelenzust\u00e4nde, tragische Gegebenheiten, Gl\u00fcck und Trauer machen das Leben nicht leichter, aber bestimmen unserer t\u00e4gliches Sein. (\u2026) Die elegischen Soundlandschaften, die sich \u00fcber uns ausbreiten,  machen sturzbesoffen vor Gl\u00fcck.</p></blockquote>\n<p><span style=\"color:red\">Bezugsquellen:</span> Schade, dass es die CD in der Holzkiste nicht mehr zu kaufen gibt. Auf Vinyl und als <span style=\"font-style:italic\">einfache</span> CD ist \u201eLong Grass\u201c aber, ebenso wie \u201eHeritage\u201c, noch immer <a href="\&quot;http://denovali.com/shop/\&quot;" data-wpel-link="internal">erh\u00e4ltlich</a>. Beide Tontr\u00e4ger kann man auch auf der <a href="\&quot;http://www.denovali.com/hernameiscalla/\&quot;" data-wpel-link="internal">Internetseite</a> von <span style=\"color:green\">Her Name Is Calla</span> vollst\u00e4ndig anh\u00f6ren, wo es auch eine .zip-Version zum Herunterladen gibt. eMule-Freunde werden <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2154\&quot;" data-wpel-link="internal">hier</a> f\u00fcndig.</p></li>\n<li><span style=\"float:right;padding-left:0.3em\"><a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/m_a06a07ed1f7542bebb62eb62d1a5af38.jpg\&quot;" target="\&quot;_blank\&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding=\"async\" style=\"width:50px;height:50px\" src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/m_a06a07ed1f7542bebb62eb62d1a5af38.jpg\"></a></span><span style=\"font-weight:bold;color:green\">All You\u2019ve Seen \u2013 Mahali</span><br>\n&nbsp;<br>\nKurzmeldung zum Dritten: <span style=\"color:green\">All You\u2019ve Seen</span> ist ein Postrock-Trio bzw. inzwischen <a href="\&quot;http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&amp;friendId=430361801&amp;blogId=530078586\&quot;" data-wpel-link="internal">wahrscheinlich</a> \u2011Quartett aus der Schweiz, das weltweit einen <a href="\&quot;http://dezji.wordpress.com/2010/04/05/some-mini-reviews/\&quot;" data-wpel-link="internal">positiven Eindruck</a> hinterlie\u00df.\n<p>Was auf dem Album erklingt: Wunderbar unaufdringlicher instrumentaler Postrock, der meist beh\u00e4big dahinpl\u00e4tschert, aber auch mal so richtig losbrettern kann. THE GLASS FOREST <a href="\&quot;http://glassforest.blogspot.com/2010/02/all-youve-seen-mahali.html\&quot;" data-wpel-link="internal">publizierte</a>:</p>\n<blockquote><p>Was bei AYS definitiv neu ist, sind die meditativen Passagen in den Songs, hier haben wir zum Beispiel bei Lhasa einen mono-\u00e4hnlichen Aufbau, der einen gleichzeitig in Sicherheit zu wiegen scheint und trotzdem die Spannung bis zum \u00c4ussersten aufbl\u00e4st. Bis die Spannungsblase platzt und der Ausbruch den H\u00f6rer erneut paralysiert.</p></blockquote>\n<p>Sehr \u00fcberzeugend und empfehlenswert, trotz Schweiz.</p>\n<p><span style=\"color:red\">Bezugsquellen:</span> Reinh\u00f6ren kann man auf dem <a href="\&quot;http://www.myspace.com/allyouveseen\&quot;" data-wpel-link="internal">MySpace-Profil</a> der Band, frei herunterzuladen ist \u201eMahali\u201c zum Beispiel ebenfalls dort (der Verweis befindet sich in der linken Spalte) und nat\u00fcrlich auch via <a href="\&quot;http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2137\&quot;" data-wpel-link="internal">eMule</a>.</p></li>\n</ol>\n<p>So viel dann zu dem, was man h\u00f6ren sollte. Kommen wir zu dem, was man lieber nur h\u00f6ren sollte, wenn gerade unliebsame Personen anwesend sind, wie \u00fcblich in der gebotenen Kurzform, weil jedes weitere Wort eines zu viel w\u00e4re:</p>\n<p><span style=\"font-size:14px\"><span style=\"color:blue\"><span style=\"font-weight:bold\">Teil 3: <span style=\"text-decoration:underline\">Musik f\u00fcr den Erzfeind.</span></span></span></span></p>\n<p>Diesmal haben es nur zwei Alben geschafft, mich ausreichend zu langweilen, um hier auf der Liste zu erscheinen. Ich hoffe, es ist nur das Sommerloch, das die Schuld daran tr\u00e4gt. Liebe Musikindustrie: Bis Jahresende brauche ich mehr Schrott. Das schafft ihr doch, oder?</p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Gorillaz \u2013 Plastic Beach</span><br>\nTrotz <span style=\"color:green\">Lou Reed</span>: G\u00e4hn.</li>\n<li><span style=\"font-weight:bold;color:green\">Die Fantastischen Vier \u2013 F\u00fcr dich immer noch Fanta Sie</span><br>\nSo ungern ich das auch \u00fcber ein Album der <span style=\"color:green\">Fantastischen Vier</span> schreibe: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/fur-mich-fanta-sie-los/\&quot;" title="\&quot;F\u00fcr" mich="" Fanta="" Sie,="" los!\&quot;="" data-wpel-link="internal">Nein, Sir, gef\u00e4llt mir nicht.</a></li>\n</ol>\n<p>Es ist eigentlich erstaunlich: Jedes Jahr, das auf 5 oder 0 endet, bietet ein ebensolches \u201erundes\u201c oder \u201ehalbrundes\u201c Jubil\u00e4um in der Rock- und Popgeschichte seit etwa Mitte der 60-er Jahre. Das ist sch\u00f6n, denn so kann ich auch in diesem Jahr wieder die Tradition der Retrospektive pflegen. Werte Leser, ich pr\u00e4sentiere abschlie\u00dfend zum wiederholten Mal 40 Jahre Rockgeschichte im Schnelldurchlauf.</p>\n<p><span style=\"font-size:14px\"><span style=\"color:blue\"><span style=\"font-weight:bold\">Teil 4: <span style=\"text-decoration:underline\">Retrospektive 1970 bis 2010.</span></span></span></span></p>\n<ul>\n<li><span style=\"color:red\">Vor 40 Jahren:</span><br>\n<span style=\"color:green\">Drosselbart \u2013 Drosselbart</span><br>\n1970 war ein schwieriges Jahr f\u00fcr die Rockmusik. <span style=\"color:green\">Paul McCartney</span> l\u00f6ste die <span style=\"color:green\">Beatles</span> auf und kam damit <span style=\"color:green\">John Lennon</span> zuvor, <span style=\"color:green\">The Velvet Underground</span> verloren <span style=\"color:green\">Lou Reed</span> und b\u00e4umten sich mit dem immerhin als Rockalbum immer noch soliden \u201eLoaded\u201c ein letztes Mal auf, bevor <span style=\"color:green\">Doug Yule</span> noch f\u00fcr drei weitere Jahre unter diesem Bandnamen tourte und mittelm\u00e4\u00dfigen Poprock darbot, und in Deutschland begann derweil die Welle an deutschsprachigem \u201eKrautrock\u201c zu erbl\u00fchen, lange, bevor die \u201eNeue Deutsche Welle\u201c, die sich ausgerechnet aus ihr entwickelte, zwei Jahrzehnte Rockmusik einfach \u00fcber den Haufen fegte und in Plastik zu konservieren vorgab. <span style=\"color:green\">Drosselbart</span> war einer der Protagonisten des Proto-Krautrocks, die Mitglieder fand man sp\u00e4ter unter anderem in <span style=\"color:green\">Udo Lindenbergs Panikorchester</span> wieder, S\u00e4ngerin <span style=\"color:green\">Jemima</span> wechselte an die Oper. Was bleibt, ist ein Album mit arg christlichen Texten, das rein musikalisch doch \u00e4hnlich dem war, was sp\u00e4ter die aufkommenden Politrockbands pr\u00e4gen sollte und etwa auch bei <span style=\"color:green\">Novalis</span> zu finden war, n\u00e4mlich folkrock-inspirierte Gitarrenmelodien und ein aggressiv deklamierender Gesangsstil, vom Sopran der S\u00e4ngerin einmal abgesehen. <span style=\"color:green\">Drosselbart</span> r\u00e4umten hernach die B\u00fchne, es bleibt ihnen jedoch der Ruhm, zu den Pionieren des noch jungen Deutschrocks zu geh\u00f6ren.</li>\n<li><span style=\"color:red\">Vor 35 Jahren:</span><br>\n<span style=\"color:green\">Led Zeppelin \u2013 Physical Graffiti</span><br>\nBereits mitten in den 70-er Jahren befand sich die Musikwelt schon wieder im Umbruch. (Da war was los in dem Jahrzehnt.) Der Progressive Rock hatte mit <span style=\"color:green\">Yes</span> und <span style=\"color:green\">Genesis</span> seine Idole l\u00e4ngst gefunden, von Punk und Discomania war, au\u00dfer in wenigen, weithin unbekannten Alben wie etwa \u201eTake It Or Leave It\u201c von <span style=\"color:green\">Zzebra</span>, noch nichts zu sp\u00fcren. <span style=\"color:green\">Kaipa</span> ver\u00f6ffentlichten ihr Deb\u00fctalbum, die Progressive-Rock-Welt schien heil und unzerbrechlich. Was in anderen R\u00fcckschauen hingegen meist \u00fcbersehen wird, ist, dass sich neben der psychedelisch-verschwurbelten Musik, die damals Europa und Nordamerika weitgehend beherrschte, l\u00e4ngst ein anderer Musikstil Geh\u00f6r verschaffte, namentlich der Hard Rock, in dessen Namen <span style=\"color:green\">Led Zeppelin</span> 1975 ihr sechstes Album \u201ePhysical Graffiti\u201c \u2013 erstmals ein Doppelalbum \u2013 ver\u00f6ffentlichten. Wenngleich es meist erst nach Alben wie etwa \u201eFour Symbols\u201c (\u201eLed Zeppelin IV\u201c) mit dem furchtbar nervigen <span style=\"font-style:italic\">Stairway To Heaven</span> genannt wird, so war und ist es doch ein wichtiges Album, das unter anderem das bekannte St\u00fcck <span style=\"font-style:italic\">Kashmir</span> enth\u00e4lt, an dessen markantem Riff sich sp\u00e4ter <span style=\"color:green\">Puff Daddy</span> f\u00fcr das auch gar nicht mal allzu \u00fcble <span style=\"font-style:italic\">Come With Me</span> bediente. Dennoch bleibt \u201ePhysical Graffiti\u201c bis heute str\u00e4flich untersch\u00e4tzt.</li>\n<li><span style=\"color:red\">Vor 25 Jahren:</span><br>\n<span style=\"color:green\">Die \u00c4rzte \u2013 Im Schatten der \u00c4rzte</span><br>\nIm Jahr 1985, \u00fcber das es au\u00dfer meiner Geburt nicht viel Positives zu berichten gibt, war das bislang furchtbarste Jahrzehnt der j\u00fcngeren Musikgeschichte noch l\u00e4ngst nicht vor\u00fcber. Nur wenige seiner Protagonisten \u00fcberlebten es, darunter etwa <span style=\"color:green\">a\u2011ha</span>, auf deren Album \u201eHunting High And Low\u201c in diesem Jahr unter anderem das oft gecoverte <span style=\"font-style:italic\">Take On Me</span> ver\u00f6ffentlicht wurde, aber auch die deutsche Funpunk-Combo <span style=\"color:green\">Die \u00c4rzte</span>, die mit ihrem zweiten regul\u00e4ren Album \u201eIm Schatten der \u00c4rzte\u201c l\u00e4ngst zu einer Konstanten in der deutschen Musiklandschaft geworden waren, bekannt auch f\u00fcr ihren ebenfalls 1985 ver\u00f6ffentlichten, furchtbaren Film \u201eRichy Guitar\u201c, in dem auch <span style=\"color:green\">Nena</span> eine Rolle als <span style=\"color:green\">Nena</span> bekam, den man dennoch aber nicht unbedingt ansehen sollte. Wenig sp\u00e4ter wurde Bassist <span style=\"color:green\">Sahnie</span> wegen pers\u00f6nlicher Differenzen aus der Band geworfen, eine Zeitlang machten <span style=\"color:green\">Die \u00c4rzte</span> dann als Duo weiter und ver\u00f6ffentlichten unter anderem das Album \u201eDie \u00c4rzte\u201c mit dem indizierten Klassiker <span style=\"font-style:italic\">Geschwisterliebe</span>. \u201eIm Schatten der \u00c4rzte\u201c jedenfalls ist auch in anderer Hinsicht ein besonderes Album: Erstmals (in <span style=\"font-style:italic\">K\u00e4fer</span>) spielte der noch junge <span style=\"color:green\">Farin Urlaub</span> seine Gitarre verzerrt ein; eine Technik, die er bis heute gern einsetzt. Der Rest ist Geschichte.</li>\n<li><span style=\"color:red\">Vor 10 Jahren:</span><br>\n<span style=\"color:green\">Morphine \u2013 The Night</span><br>\nDer \u201eY2K-Fehler\u201c, vor dem Unheilspropheten weltweit gewarnt hatten, blieb wohl weitgehend aus; hier und da scheint er jedoch das Hirn einiger selbst ernannter \u201eMusikproduzenten\u201c zu befallen haben, die seit etwa dem Jahr 2000 vermehrt auf die Ausschlachtung alten Musikgutes (auch als \u201eCoverversionen\u201c bekannt) setzen. Nur selten drang auch Kunde von neuer, guter Musik durch die meterhohen T\u00fcrme an Meldungen \u00fcber irgendwelche kurzlebigen Popsternchen, etwa von dem Album \u201eLightbulb Sun\u201c von <span style=\"color:green\">Porcupine Tree</span>, das den Auftakt zu einer Reihe an wahrlich formidablen Tontr\u00e4gern bilden sollte. Abgetreten indes ist die Jazzrock-/Low-Rock-Band <span style=\"color:green\">Morphine</span>, die 1997 das fesselnde Album \u201eLike Swimming\u201c mit einmaligen Liedern wie <span style=\"font-style:italic\">Early To Bed</span> und <span style=\"font-style:italic\">French Fries w/ Pepper</span> ver\u00f6ffentlicht hatte und deren S\u00e4nger <span style=\"color:green\">Mark Sandman</span> im Juli des Vorjahres w\u00e4hrend eines Konzertes einem Herzinfarkt erlegen war; das Album \u201eThe Night\u201c erschien posthum. Die Fangemeinde blieb <span style=\"color:green\">Morphine</span> dennoch treu und hartn\u00e4ckig, letztlich mit Erfolg: Seit 2009 treten zwei der urspr\u00fcnglichen Mitglieder unter dem Namen <span style=\"color:green\">Members of Morphine</span> wieder gemeinsam auf. Was lange w\u00e4hrt, wird endlich gut; diesen Satz h\u00e4tte ich in diesem Jahrzehnt viel h\u00e4ufiger verwenden wollen. Ein halbes Jahr hat es noch, das Jahrzehnt. M\u00f6ge es sich M\u00fche geben!</li>\n</ul>\n<p>Und schon sind wir wieder am Ende der Liste angelangt. Jetzt habt ihr wieder ein halbes Jahr Ruhe.<br>\nBis zum Dezember bleibt euch viel Zeit, wieder ein wenig Geld zu sparen, denn dann steht voraussichtlich die R\u00fcckschau 12/2010 auf dem Programm. Einige Alben, die voraussichtlich ein Teil von ihr sein werden, die es aber leider aus Zeitgr\u00fcnden noch nicht in diese Liste geschafft haben, habe ich bereits vorliegen; ihr d\u00fcrft euch also wieder auf eine prall gef\u00fcllte Wundert\u00fcte freuen, die f\u00fcr jeden etwas bereith\u00e4lt.</p>\n<p>Habe ich ein wichtiges Album vergessen? Weist mich und andere Leser in den Kommentaren darauf hin; mehr Benutzerinteraktion ist ja immer w\u00fcnschenswert.<br>\nAn dieser Stelle auch ein herzlicher Dank an V., ohne die dieser Beitrag erst im Laufe der kommenden Tage erschienen w\u00e4re; das hast du jetzt davon!</p>\n<p>Ich danke ansonsten allen, die es bis hierhin geschafft haben, f\u00fcr die Geduld und Aufmerksamkeit, und hoffe, euch alle bald wieder hier auf dieser Internetpr\u00e4senz begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.<br>\nBis die Tage!</p>\n<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="\&quot;http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Didi</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Uff, schon lange nicht mehr soviel gescrollt. K\u00f6nntest Du solche Berichte nicht auf\u2019s Wochenende legen? Jedenfalls habe ich mir die Seite im G-  <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_twistedevil1.gif\" alt=\":evil:\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\">  \u2011Kalender auf den Samstag notiert Man ist schlie\u00dflich kein Student mehr.</li><li><a href="\&quot;http://www.schallgrenzen.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Peter</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Wie lange haste den an dem Artikel gesessen? Man scrollt sich ja die Finger wund. Trotzdem sehr lesenswert . \u00c4tsch \u00fcbrigends, ich habe die CD in der Holzkiste ;-)</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Didi: L\u00e4uft ja nicht weg.\nPeter: Frechheit!   <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_twistedevil2.gif\" alt=\":twisted:\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\">  Ansonsten: Die Textdatei bef\u00fcllte ich seit einigen Wochen. Die Ausarbeitung dauerte etwa drei Tage.</li><li><a href="\&quot;http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc" external="" nofollow\&quot;="" data-wpel-link="internal">Didi</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Na ja, bei den kostenlos zu erhaltenen St\u00fccken wei\u00df man das nie. Ich ziehe sie mir gerade rein vorsorglich runter.</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">tux0r</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Kostenlos erh\u00e4ltlich ist grunds\u00e4tzlich alles.   <img src=\"https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_biggrin2.gif\" alt=\":D\" width=\"18\" height=\"18\" class=\"wpml_ico\">  \nDie, die ich hier verlinkte, stehen ja auch nicht erst seit kurzem im Internet. Aber du hast Recht, Vorsicht ist prima.\n\nAngenehmes H\u00f6ren schon mal!</li><li><a href="\&quot;http://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/\&quot;" class="\&quot;url\&quot;" rel="\&quot;ugc\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2011 \u2013 Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">28. November 2011</a> dies: [\u2026] than my bullet\u201c, sehr sch\u00f6n, so etwas habe ich zuletzt vor viel zu langer Zeit von den Liars geh\u00f6rt, aber die stehen in der Tradition New Yorker Garagenrocks, und dort tanzt man ja allgemein [\u2026]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="\&quot;https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/\&quot;" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small>",
            "content_text": "Dieser Artikel ist Teil 5 von 29 der Serie Jahresr\u00fcckblickDas ging schnell; schon wieder ist das erste halbe Jahr beinahe vorbei. Zeit also wird es, die sehns\u00fcchtigen Gedanken einmal beiseite zu wischen und stattdessen einen Blick auf die pr\u00e4chtigsten Musikver\u00f6ffentlichungen der letzten sechs Monate zu werfen, ob Rock oder Pop, ob gratis oder teuer, ob Kaufbefehl oder v\u00f6lliger Reinfall.\nAuf eine separate Liste f\u00fcr deutschsprachige Alben habe ich diesmal verzichtet, die dreieinhalb Exemplare habe ich stattdessen in der Hauptliste untergebracht. Das hat einen ganz einfachen Grund: Ich habe zu sp\u00e4t daran gedacht. Selbstverst\u00e4ndlich tut mir dieser Fauxpas unglaublich Leid, f\u00fcr die R\u00fcckschau 12/2010 gelobe ich Besserung. (Nachtrag vom 13. Dezember 2010: Leider gab das Jahr keinen Anlass, eine solche Liste anzulegen.)\nWie \u00fcblich jedenfalls wird diese Liste auch dieses Mal wieder gekr\u00f6nt von einer R\u00fcckschau auf 40 Jahre wechselnden Zeitgeists in der Musik. Vielleicht findet ja jemand von euch, meine gesch\u00e4tzten Leser, wieder einen kleinen Schatz darunter, der nur darauf wartet, von euch gehoben zu werden.\nViel Spa\u00df beim Erforschen!\n\nTeil 1: Gute CDs zum Kaufen.\n\nThe Hirsch Effekt \u2013 Holon : Hiberno\n\u201eUnd zum Gl\u00fcck f\u00e4llst du mir nicht mehr ein, wenn ich hier kotze vor Schei\u00dfgl\u00fccklichsein\u201c (Epistel)\n&nbsp;\nIch hatte es vor einer Weile schon ausf\u00fchrlich erw\u00e4hnt, und darum nimmt es wohl auch nur kaum Wunder, wenn ich auch die erste Halbjahresrezension dieses Jahres mit diesem Album beginne:\n\u201eHolon : Hiberno\u201c ist die bislang positivste musikalische \u00dcberraschung dieser Dekade. Ich zitiere von\u2019nen Schallgrenzen:\nNichts auf \u201cHolon : Hiberno\u201d ist vorhersehbar, ein Wiegen in Sicherheit nicht angeraten. Gleich springen dir blutgr\u00e4tschende Gitarren entgegen, infernalischer  Gesang (es wird  \u00fcbrigends deutsch gesungen) l\u00e4sst dich in die Knie gehen und von hinten bekommst du noch einen hundsgemeinen Tempowechsel ins Kreuz. Heiland Gewitter,  direkt aus dem Irrenhaus. Aber dort finden wir die Genies, die sich aus hunderten T\u00f6pfen bedienen, Konventionen mir nichts, dir nichts \u00fcber Bord schmeissen und den Rezensenten mit dicken Kopf im Regen stehen lassen.\nBegeistert war und bin nicht nur ich (wer meine ausf\u00fchrliche Rezension verpasst hat, der m\u00f6ge hier klicken und dies nachholen), begeistert bezeugen auch die Rezensenten der Babyblauen Seiten ihre Bewunderung f\u00fcr diese Band und dieses Album, und sie sind damit nicht allein: Auch in der jeweiligen Redaktion der Zeitschriften Visions und eclipsed sowie des Ox-Fanzines war man hellauf begeistert. So ungern ich auch in die Euphorie um Gruppen und/oder Alben einfalle, die ich meist eher skeptisch betrachte: Kauft euch das verdammte Album. Es ist es wert.\nMeine Zusage allein gen\u00fcgt noch nicht? Ihr wollt mehr? Angst vor der Katze im Sack? (Gibt es daf\u00fcr eigentlich auch so einen h\u00fcbschen griechischen Namen, der auf \u2011phobie endet?)\nIn dem Fall jedenfalls kann ich die \u00fcblichen H\u00f6rproben auf dem MySpace-Profil der Band w\u00e4rmstens empfehlen. Reinh\u00f6ren, s\u00fcchtig werden und tagelang nichts anderes mehr h\u00f6ren wollen; so jedenfalls lief\u2019s bei mir.\nAll die sch\u00f6ne Klangwelt ist euch zu laut? \u201eZu viel Metal\u201c? Ihr seid weit \u00fcber 30 und m\u00f6gt\u2019s lieber etwas beh\u00e4biger? Dann riskiert doch mal anderswo euer Ohr:\nJaga Jazzist \u2013 One-Armed Bandit\n&nbsp;\nMeinen \u00fcblichen H\u00f6rgewohnheiten keinesfalls entsprechend entschloss ich mich dazu, diesem Album eine Chance zu geben; und es hat sie weise genutzt. Jaga Jazzist ist, wie man teilweise schon dem Namen entnehmen kann, eine instrumentale Jazzrock-/Progressive-Rock-Band (laut Eigenbeschreibung \u201eNu-Jazz\u201c) mit verschiedenen anderen Einfl\u00fcssen wie Frank Zappa und Dancefloor (sic!), die somit ein bisschen wie die im Vorjahr bereits erw\u00e4hnten Tortoise klingt und doch eigentlich v\u00f6llig anders. Nicht so abrupt sind hier die Stilwechsel innerhalb der St\u00fccke, aber die Norweger gehen \u00e4hnlich elektronisch zu Werke. Auffallend in der wilden Stilmischung sind vor allem die Trompeten einerseits (etwa in Prognissekongen), die Anleihen an moderner Tanzmusik andererseits. Erstaunlicherweise ist ausgerechnet das St\u00fcck Music! Dance! Drama! weitgehend frei von allem, was kein Progressive Rock ist.\nEin in sich stimmiges Album ist \u201eOne-Armed Bandit\u201c allemal. Wer Jazz, Progressive Rock und Frank Zappa mag und auch Tortoise\u2018 aktuelles Album begeistert aufgenommen hat oder wer auch einfach nur wissen m\u00f6chte, wie es klingt, wenn man Jazz clubtauglich macht, dem sei empfohlen, auch Jaga Jazzist eine Chance zu gew\u00e4hren. Vergleichsweise anstrengend ist diese Melange allemal, aber auch h\u00f6chst unterhaltsam.\nH\u00f6rproben wollt ihr? Die \u00fcblichen 30-Sekunden-Schnipsel hat Amazon.de im Angebot, auf MySpace.com gibt es weitere Aufnahmen zu h\u00f6ren; derzeit (18. Juni 2010) unter anderem etwa eine mit stampfendem Beat unterlegte Neufassung von Bananfluer Overalt. Hat was.\nSch\u00f6n und gut, sagt ihr, ihr wollt aber lieber mehr Gesang? K\u00f6nnt ihr haben:\nMy Own Private Alaska \u2013 Amen\n\u201eIf I don\u2019t kill myself it\u2019s \u201acause I\u2019ve already left / elsewhere, anywhere, nowhere\u201c (I Am An Island)\n&nbsp;\nIn die Reihe der Alben, die auch mit der vorherigen Erw\u00e4hnung meinerseits noch l\u00e4ngst nicht genug gew\u00fcrdigt werden, habe ich nunmehr also auch \u201eAmen\u201c der franz\u00f6sischen, dennoch sehr guten Band My Own Private Alaska, kurz M.O.P.A., aufgenommen. Auf kulturterrorismus.de wird das Album wie folgt gew\u00fcrdigt:\nMusikalisch gleichen Matthieu Miegeville aka \u201eMilka\u201c (Gesang), Tristian Mocquet (Piano) &amp; Yohan Henequin (Schlagzeug) hinter M.O.P.A. einer tiefen Verschmelzung von Chopin &amp; Nirvana, welche tragisch, brutal &amp; mitrei\u00dfend aus Lautsprechern t\u00f6nt und entweder f\u00fcr totale Verst\u00f6rung oder Begeisterung sorgt \u2013 dazwischen gibt es bei M.O.P.A. nix! Besonders die \u201eabgedrehte\u201c Stimmbandarbeit von \u201eMilka\u201c, die sich irgendwo zwischen Robert Smith (The Cure) &amp; Postcore- /Screamo \u201eSchreih\u00e4lsen\u201c bewegt, nimmt entweder v\u00f6llig gefangen oder schreckt endg\u00fcltig ab!\nUnterst\u00fctzt wird diese ungew\u00f6hnliche Konstellation von Texten, die allesamt von einer tiefen Verbitterung \u00fcber die Frauenwelt zeugen, Todessehnsucht inklusive. \u201eEmo\u201c (oder was man landl\u00e4ufig daf\u00fcr h\u00e4lt) ist diese Musik sicher nicht, jedoch immerhin h\u00f6chst emotional. Best\u00fcnde der viel zitierte \u201eSoundtrack zum Untergang\u201c nur aus Musik wie dieser, ich k\u00f6nnte ihn kaum erwarten. Allein ist dies dann doch eher unwahrscheinlich; viel zu eigenst\u00e4ndig, viel zu unverkennbar ist das Werk des Trios. So bleibt also zu hoffen, dass sie bis zum kommenden Untergang noch viel Musik gemeinsam aufnehmen.\nDem interessierten Konsumenten bleibt selbstverst\u00e4ndlich auch der Wunsch nach H\u00f6rproben nicht verwehrt:\nW\u00e4hrend Amazon.de eher entt\u00e4uscht, hat das MySpace-Profil der Band immerhin derzeit (18.6.2010) zweieinhalb Lieder zum Probeh\u00f6ren auf Lager.\nDas ist euch zu abstrakt, zu emotional oder zu l\u00e4rmig? Dann versucht\u2019s mal damit:\nSo So Modern \u2013 Crude Futures\n&nbsp;\nIch wei\u00df nicht mehr, wie ich auf \u201eCrude Futures\u201c aufmerksam wurde, aber angesichts des anstehenden Sommers ist das Album ein wahrer Gl\u00fccksfund. Musik f\u00fcr lange Tage auf Wiesen oder Terrassen mit Bier und viel Sonne.\nAber was ist das eigentlich f\u00fcr Musik? Anderswo ist in Originalschreibweise zu lesen:\nEin tolles Album zwischen Indie-Rock, Post-Punk, Electro &amp; psychedelischen Kraut-Rock Elemten.\nAuch wenn\u2019s so scheinen mag: Allzu viel Krautrock, wie ihn etwa Can einst spielten, ist hier nicht enthalten, die anderen genannten Genres daf\u00fcr im \u00dcberfluss. Zu h\u00f6ren sind The Raveonettes, The Mars Volta, Phoenix, die Kaiser Chiefs und noch einige mehr, und obendrein ist der Gesang keinesfalls omnipr\u00e4sent, sondern eher dezent und unauff\u00e4llig, sofern \u00fcberhaupt vorhanden. Sommerliche Musik, die sich aus der immergleichen Indierock-S\u00fclze heraussch\u00e4lt.\nDer Anspieltipp f\u00fcr dieses Album ist der instrumentale Sechseinhalbmin\u00fcter Berlin.\nApropos Berlin, eine sehr gute Liveaufnahme dieses St\u00fcckes gibt es als H\u00f6rprobe auf YouTube.com, es ist neben einigen weiteren Liedern auch auf MySpace.com zu h\u00f6ren. Prima!\nDarf\u2019s dann doch lieber etwas klassischer sein? Bittesehr:\nThe Watch \u2013 planet earth?\n\u201eThere must be something wrong with me\u201c (Something Wrong)\n&nbsp;\nWenn ich \u201eklassisch\u201c schreibe, dann meine ich meist \u201eklassisch\u201c im progressivsten Sinn. Die italienische Progressive-Rock-Band The Watch eifert dann auch einer der klassischsten Progressive-Rock-Formationen nach, n\u00e4mlich Genesis zu Zeiten des charismatischen Frontmannes Peter Gabriel (nicht also der Band, die Phil Collins sp\u00e4ter daraus gemacht hat, der Depp). Dies ist sicher kein Zufall; nicht umsonst war The Watch jahrelang mit Livedarbietungen von Genesis-Klassikern auf Tournee. Nicht nur haftet ihrem inzwischen vierten Album \u201eplanet earth?\u201c also eine deutliche \u00c4hnlichkeit zu deren l\u00e4ngst legend\u00e4ren Alben \u201eFoxtrot\u201c und \u201eTrespass\u201c an, auch S\u00e4nger Simone Rossetti bem\u00fcht sich nicht ganz erfolglos, wie sein Vorbild zu klingen; und w\u00e4re seine Stimme nicht ein wenig tiefer, w\u00fcrde der Unterschied kaum auffallen.\nAuch das Instrumentarium d\u00fcrfte Freunden des Genres Freude bereiten: Neben Gitarren, Bass und Schlagzeug kommen unter anderem auch Hammond-Orgel, Moog-Synthesizer und Mellotron zum Einsatz, allesamt Instrumente, deren blo\u00dfe Erw\u00e4hnung eigentlich schon einen Kaufgrund und den Stoff f\u00fcr feuchte Tr\u00e4ume eines jeden Progressive-Rock-Anh\u00e4ngers darstellen sollte.\nKurzer geschichtlicher Hintergrund \u00fcbrigens: Laut Amazon.de wird \u201eplanet earth?\u201c oft zusammen mit Solowerken des ehemaligen Genesis-Gitarristen Steve Hackett erworben; nach dessen Weggang blieb von Genesis nur noch ein k\u00fcmmerliches Poptrio \u00fcbrig, somit d\u00fcrfte einwandfrei feststehen, wer f\u00fcr die musikalisch wirklich guten Ideen in der Band zust\u00e4ndig war. Steve Hackett liefert bis heute durchweg bessere Alben ab als Phil Collins, und \u2013 hier schlie\u00dft sich der Kreis \u2013 sein Bruder John Hackett ist auf \u201eplanet earth?\u201c in dem St\u00fcck New Normal an der Fl\u00f6te zu h\u00f6ren.\nWer die \u201eklassischen\u201c Genesis kennt und sch\u00e4tzt, der kann bei \u201eplanet earth?\u201c bedenkenlos zugreifen; wer sie nicht kennt oder nur grausame Alben wie \u201eWe Can\u2019t Dance\u201c sein Eigen nennt, dem lege ich zun\u00e4chst ein unverbindliches Reinh\u00f6ren nahe.\nDas geht mittels H\u00f6rproben zum Beispiel auf dem MySpace-Profil der Band, das allerlei Ausz\u00fcge aus dem bisherigen Schaffen der Italiener bietet, aber auch auf Last.fm gibt es einige Lieder zum Anh\u00f6ren; jedoch, der Wermutstropfen bleibt, bislang keines aus dem Album \u201eplanet earth?\u201c. Aber vielleicht \u00e4ndert sich das ja noch. Bis dahin jedenfalls bleibt dieses Album eine Empfehlung zum Blindkauf f\u00fcr jeden Leser dieses Textes.\n\u201eGeh weg mit den ollen Kamellen!\u201c, sagt ihr, \u201eProgressive Rock ist doch seit Jahrzehnten tot! Neue Helden braucht das Land!\u201c? Wie entz\u00fcckend, da f\u00e4llt mir doch tats\u00e4chlich ein ganz anderes Album ein:\nErste Allgemeine Verunsicherung \u2013 Neue Helden braucht das Land\n\u201eWeil ich f\u00fcr ein Seil zu geizig bin, h\u00e4ng ich mich am Gartenschlauch\u201c (Rabatt, Rabatt)\n&nbsp;\n\u201eHurra, hurra, die EAV ist wieder da\u201c, so begann 1994 das Album \u201eNie wieder Kunst\u201c, und beinahe sah es so aus, als d\u00fcrfte man sich nie wieder darauf freuen. Seit \u201eFrauenluder\u201c waren die bis dahin weitgehend am\u00fcsanten Texte und feinen Melodien der Verunsicherung einer Pop- und Schlager\u00e4sthetik gewichen, die in dem schier unertr\u00e4glichen \u201eAmore XL\u201c von 2007 ihren unr\u00fchmlichen H\u00f6hepunkt fand. Dann, 2010, kam \u201eNeue Helden braucht das Land\u201c mit dem Titel gebenden Lied samt merkw\u00fcrdigem Video, und die Fachwelt wunderte sich: Durfte man tats\u00e4chlich noch mit einer R\u00fcckkehr der EAV, wie man sie einst kennen und sch\u00e4tzen gelernt hatte, rechnen?\nFest steht: \u201eNeue Helden braucht das Land\u201c ist ein v\u00f6llig anderes Album als noch \u201eAmore XL\u201c. Mit seichten Schlagern ist Schluss, auf belanglose Texte hat sich Texter und Komponist Thomas Spitzer diesmal nicht eingelassen. Die EAV hat ihre alte Bissigkeit zur\u00fcck und holt das nach, was sie jahrelang vers\u00e4umt hat. Ein drittes Zwirch und Zwabel \u2013 das zweite war Bimsemann und Roggenkeil von \u201eFrauenluder\u201c \u2013 gibt es nicht, im Gegenteil spr\u00fcht das ganze Album f\u00f6rmlich vor Sarkasmus und politischer Brisanz. Ein weiterer Textauszug, diesmal aus dem St\u00fcck Toleranz, einem fiktiven Dialog:\nIch hab auch nix gegen die Chinesen,\nt\u00e4ten\u2019s nicht die Hunderln fressen.\nStell dir vor, mein kleiner Waldi\nin am Wok von Garibaldi!\nAuch die restlichen Lieder \u00fcben textlich Kritik an Gesellschaft und Politik und ziehen nebenbei diverse Genres durch den Kakao; w\u00e4hrend etwa in Nostradamus, das Rammstein alle Ehre gemacht h\u00e4tte, die Pius-Bruderschaft scharf kritisiert wird, macht sich die Band in dem schlichten Elektropopst\u00fcck Bitte Bier, das seinen wiederkehrenden Refrain als Titel tr\u00e4gt, \u00fcber trinkfreudige Mallorca-Touristen lustig, gleichsam als Antwort auf das nicht unbekannte Coverlied Pump ab das Bier, das, stilistisch \u00e4hnlich, seit Jahren immer wieder f\u00e4lschlicherweise der EAV zugeschrieben wird. M\u00e4nner brauchen Tritte ist gar eine Verbeugung vor Roger Cicero, und man fragt sich immer wieder aufs Neue, wie S\u00e4nger Klaus Eberhartinger es schafft, in jedem Lied v\u00f6llig anders zu klingen; meines vollen Respekts kann er sich jedenfalls sicher sein.\nZwischen all der Misanthropie birgt das Album auch immer wieder kurze Zwischenspiele, die wie f\u00fcr die B\u00fchne geschaffen wirken, was den Besuch k\u00fcnftiger EAV-Konzerte durchaus wieder einladend erscheinen l\u00e4sst.\nObendrein gibt es f\u00fcr dieses Album auch ausreichend H\u00f6rproben, so dass die Gefahr, wie noch beim Vorg\u00e4ngeralbum einen wirklich bedauerlichen Fehlkauf zu t\u00e4tigen, minimiert wird. Gemeint ist keinesfalls die l\u00e4cherliche Schnipselsammlung auf Amazon.de; stattdessen gibt es derzeit (19. Juni 2010) das vollst\u00e4ndige Album auf YouTube.com in voller L\u00e4nge zu h\u00f6ren. Hierf\u00fcr wie auch f\u00fcr das gesamte Album: Chapeau, die Herren!\nDeutsch gut, \u00d6sterreichisch nicht so gut? Wie w\u00e4re es dann damit?:\nTocotronic \u2013 Schall und Wahn\n\u201eWer zu viel selber macht, wird schlie\u00dflich dumm (ausgenommen Selbstbefriedigung)\u201c (Macht es nicht selbst)\n&nbsp;\nAuch diesem Album hatte ich kurz nach seinem Erscheinen schon ein paar Zeilen gewidmet, und noch immer hat sich seine Faszination nur wenig abgenutzt. Ich prophezeite noch im Januar: \u201eIch nehme an, \u201aSchall und Wahn\u2018 wird in diesem Jahr eins der wenigen guten Indierockalben bleiben\u201c, und bislang sieht es so aus, als w\u00fcrde diese Prophezeiung voll erf\u00fcllt werden.\nTja, Tocotronic machen es mir aber auch wahrlich nicht leicht, sie nicht zu m\u00f6gen, also lasse ich es und finde sie stattdessen spitze. Dies allerdings immerhin schon seit Jahren: Gefielen mir einst die simplen Rhythmen, Texte und Melodien von Liedern wie Ich m\u00f6chte Teil einer Jugendbewegung sein, so konnten mich sp\u00e4testens seit dem diesem Album vorangegangenen \u201eKapitulation\u201c die poetischen Texte \u00fcberzeugen; so hei\u00dft es etwa in Harmonie ist eine Strategie von ebendiesem Album:\nAls wir wiederum nicht wussten, was zu tun, wohin sich wenden,\nliefen wir stundenlang umher durch die Alleen, und am Ende\nkamen wir zu einem Fluss, dessen Lauf uns dorthin f\u00fchrte,\nwo wir noch nie gewesen sind; es schien zumindest so.\nMan sieht: Mit Reimen muss man nicht arbeiten, um Dichtung zu betreiben, was ja auch die ansonsten doch recht anderen Toten Hosen regelm\u00e4\u00dfig demonstrieren; und genau so geht es auf \u201eSchall und Wahn\u201c weiter. Das bedeutet aber keinesfalls, dass \u201eSchall und Wahn\u201c einfallslos ist; es ist vielmehr das \u201eNeue Helden\u2026\u201c von Tocotronic (hierzu auch siehe oben). Die Poesie von \u201eKapitulation\u201c und die Belanglosigkeit der Vorg\u00e4ngeralben sind einer juvenilen Albernheit gewichen, eindrucksvoll etwa im Lied Bitte oszillieren Sie:\nBitte oszillieren Sie Ping-Pong ohne Hierarchie!\nBitte oszillieren Sie, ich bitte Sie! Genie\u00dfen Sie!\nMit St\u00fcrmt das Schloss, unver\u00e4ndert meinem Lieblingsst\u00fcck des Albums, h\u00e4lt die Band auch einen veritablen Nachfolger des \u00fcberaus rockigen \u201eKapitulation\u201c-Liedes Sag alles ab, zwar nicht textlich, aber stilistisch, parat. Auch die \u00fcbrigen Lieder sid erw\u00e4hnenswert: Die Texte variieren trotz der \u00fcberwiegenden, Tocotronic-eigenen Schlichtheit zwischen Nonsens und Nachdenklichem (Im Zweifel f\u00fcr den Zweifel). Ein sehr feines St\u00fcck Musik f\u00fcr den, der kluge Texte und Indie-Rock mag und auch nichts dagegen einzuwenden hat, dass Dirk von Lowtzow die Texte, \u00e4hnlich Mark E. Smith von den unverw\u00fcstlichen The Fall, eher deklamiert als tats\u00e4chlich singt; denn selbst das klingt um L\u00e4ngen besser als das, was viele andere so genannte Rockbands mit ihrem immergleichen beatlesquen \u201eHarmoniegesang\u201c zu erreichen versuchen.\nIch wiederhole mich gern: \u201eSchall und Wahn\u201c ist eins der bislang wenigen guten Indierockalben dieses Jahres.\nAls H\u00f6rprobe kann man, was mich sehr erfreut, auch weiterhin auf die Seite Deezer.com zur\u00fcckgreifen, die nach wie vor das vollst\u00e4ndige Album zum unbegrenzten Anh\u00f6ren zur Verf\u00fcgung stellt. Hierf\u00fcr einen herzlichen Dank an Deezer.com!\nAch, da ich gerade Mark E. Smith erw\u00e4hnte:\nThe Fall \u2013 Your Future Our Clutter\n&nbsp;\n\u201eYour Future Our Clutter\u201c ist, dies erf\u00e4hrt man vielerorts, das mittlerweile 28. Studioalbum der Band The Fall, und noch immer ist es unergr\u00fcndlich, wof\u00fcr sie steht. Genreschubladen kann man hier ohnehin direkt geschlossen belassen: Von atonalem Noiserock der The Velvet Underground \u00fcber hingerotzten Punk, Marke Sex Pistols, bis hin zu rhythmuslastigem Indierock (etwa in Chino) hat John Peels erkl\u00e4rte Lieblingsband jeden nur erdenklichen Einfluss in puncto hochwertiger Schrammelmusik in ihre Musik aufgenommen und damit ihrerseits inzwischen 34 Jahre lang andere Musikergenerationen beeinflusst. (Sinnloser Fakt am Rande: Sollte es The Fall 2011 noch geben, und dagegen scheint derzeit nichts zu sprechen, so wird es Zeit, das alte Lied 35 Jahre der Toten Hosen wieder auszugraben; ihr wisst schon, more of the same.)\nDas soll keinesfalls bedeuten, dass \u201eYour Future Our Clutter\u201c \u00fcberfl\u00fcssig w\u00e4re, nur weil man nur wenig neues zu sagen hat; nein, jedes Album der Combo klingt frisch und unverbraucht und immer auch ein wenig \u00fcberraschend. Das Album wird durchzogen von Lo-Fi-Effekten und Mark E. Smiths unverwechselbarem Murmeln, das in einigen wenigen Momenten, etwa dem Titelst\u00fcck-Duo Y.F.O.C. und O.F.Y.C., in rebellisches Rufen umschl\u00e4gt, jedoch nie die mit durchaus h\u00f6rbarem Akzent vorgetragenen Texte verst\u00e4ndlich werden l\u00e4sst, so dass ich hier leider, anders, als eigentlich \u00fcblich, auf Zitate verzichten muss. Aber ist das denn wichtig?\nWie schon das l\u00e4ngst legend\u00e4re Album \u201eWhite Light / White Heat\u201c der bereits erw\u00e4hnten VU entfaltet \u201eYour Future Our Clutter\u201c seine destruktive Wirkung auch, wenn man die Texte nicht beachtet. Das Sch\u00f6ne an jahrzehntelanger Beschallung mit harmonischen Kl\u00e4ngen ist es, dass das Bedrohliche aus Gitarren-R\u00fcckkopplungen und gewaltigen Rhythmusteppichen partout nicht verschwindet; The Fall haben dem mainstream viel zu verdanken, und sie geben es seit mehr als drei Jahrzehnten reichlich zur\u00fcck. M\u00f6ge es noch lange so bleiben!\nUnd wer sich noch immer nicht viel unter meinen \u2013 zugegeben \u2013 etwas schwurbeligen Beschreibungen vorstellen kann, aber durchaus nicht abgeneigt ist, mehr \u00fcber diese Musik zu erfahren, der m\u00f6ge einen Blick auf den folgenden Absatz werfen:\nAls H\u00f6rprobe n\u00e4mlich steht auch dieses Album derzeit vollst\u00e4ndig zur Verf\u00fcgung, m\u00f6glich macht\u2019s 3voor12.vpro.nl. Nutzt das Angebot weise!\n\u201eOch nee, das ist mir zu l\u00e4rmig\u201c, ruft ihr jetzt entt\u00e4uscht, \u201ehast du nichts Harmonischeres in deiner Liste?\u201c\nDoch, habe ich:\nKaipa \u2013 In the Wake of Evolution\nWe are closer to the edge than yesterday\u201c (In the Wake of Evolution)\n&nbsp;\nNanu, der Titel des Albums kommt bekannt vor; tr\u00e4gt nicht das zweite Album von King Crimson den Namen \u201eIn the Wake of Poseidon\u201c? Und dann dieser Textauszug; Yes\u2018 grandioses Close To The Edge ist zwar schon ein paar Jahrzehnte her, aber hat man es nicht auch schon mal geh\u00f6rt? Ist das Zufall?\nKurz gesagt: Nein, keinesfalls. Kaipa ist, dies deutet das an Transatlantic oder auch Eloy erinnernde Coverbild bereits an, eine Progressive-Rock-Band, die erstmals 1974, also noch zur Hochzeit des Progressive Rock, gegr\u00fcndet wurde und zu deren Mitgliedern im Laufe der Jahrzehnte unter anderem Roine Stolt (u.a. The Flower Kings, The Tangent, Transatlantic) und Jonas Reingold (u.a. The Flower Kings, The Tangent) angeh\u00f6rten, was schon ungef\u00e4hr zeigt, in welche Richtung die Reise geht:\nAuf \u201eIn the Wake of Evolution\u201c ist solider Retro-Prog im Stil von Yes, Ritual, RPWL und, trotz des Ausstiegs von Roine Stolt, immer wieder auch der Flower Kings zu h\u00f6ren. Drei St\u00fccke \u00fcberschreiten die \u201emagische\u201c 10-Minuten-Grenze, eines geht sogar \u00fcber 17 Minuten hinaus; die l\u00e4ngere Spieldauer f\u00fchrt aber niemals zu \u00fcberfl\u00fcssigen L\u00e4ngen. Der Gesang von Patrick Lundstr\u00f6m und Aleena Gibson erinnert mal, etwa im Titelst\u00fcck, an den harmonischen Neo-Prog von Transatlantic, mal an Yes, all dies wird verziert von den verd\u00e4chtig nach Genesis klingenden Keyboards von Bandgr\u00fcnder Hans Lundin, Jonas Reingolds l\u00e4ngst etabliertem, druckvollem Bassspiel und flirrenden Gitarren, mitunter auch von Violine und Fl\u00f6te begleitet, was ein wenig an die ersten Alben von King Crimson erinnert. (Und schon schlie\u00dft sich der m\u00fchsam ge\u00f6ffnete Kreis; tadah!)\nDas l\u00e4ngst angek\u00fcndigte n\u00e4chste Studioalbum von Yes l\u00e4sst noch immer auf sich warten. Wer es \u2013 wie ich \u2013 fiebernd erwartet, dem sei als \u00dcbergang \u201eIn the Wake of Evolution\u201c nahe gelegt. Und nat\u00fcrlich auch alle anderen Alben von Kaipa, einer Band, die meines Erachtens viel zu wenig Beachtung findet, wenn es um Musik dieser Art geht.\nAls H\u00f6rproben empfehle ich zun\u00e4chst die \u00fcblichen Ausschnitte auf Amazon.de. Wem das nicht gen\u00fcgt, der kann sich auf dem MySpace-Profil der Band weitere Eindr\u00fccke verschaffen und etwa das Titelst\u00fcck auch auf YouTube.com h\u00f6ren.\nAuch f\u00fcnf Buchstaben wie \u201eKaipa\u201c hat \u00fcbrigens der Name der folgenden Musikgruppe, und er beginnt folgerichtig mit einem \u201eL\u201c:\nLapko \u2013 A New Bohemia\n\u201eI asked for nothing more than a little time\u201c (I Don\u2019t Even Kill)\n&nbsp;\nSchon als ich dieses Album zum ersten Mal h\u00f6rte, dachte ich spontan: Ein solides Rockfundament mit viel Rhythmus, prima Musik, bis der schrecklich n\u00f6lende Gesang einsetzt; ah, Placebo. Und tats\u00e4chlich ist diese Parallele, wenn man dem Internet in seiner schier unendlichen Weisheit trauen darf, nicht nur mir aufgefallen; so schreibt man etwa auf motor.de:\nBereits auf ihren drei Vorg\u00e4ngern konnten Lapko mit ihrem unkonventionellen Mix aus Metal \u2013 und New Wave-Elementen \u00fcberzeugen. Der wuchtige und teils epische Grundsound der Band steht im krassen Gegensatz zur fast schon femininen Stimme von S\u00e4nger Malja. Dennoch vermag sein Organ sich perfekt in den Sound einzubinden, ohne die Musik zu splitten. Vergleiche mit Mew, oder auch Placebo liegen schnell auf der Hand.\nWas also macht dieses Album so empfehlenswert, wenn doch Placebo wahrlich nicht zu meinen (wenngleich indes zu seinen) Favoriten z\u00e4hlt? Nun, die Mischung macht\u2019s.\nLieder wie etwa I Shot The Sheriff haben durchaus Ohrwurmqualit\u00e4t, und auch wenn die Texte ein wenig an M.O.P.A. (siehe erneut oben) erinnern, so wird man von \u201eA New Bohemia\u201c dennoch nicht deprimiert, sondern, im Gegenteil, einigerma\u00dfen fr\u00f6hlich gestimmt. Schon das Lied King &amp; Queen, wenn ich mich mal so ausdr\u00fccken darf, geht ziemlich ab, daran \u00e4ndern auch die st\u00e4ndigen, dann doch irgendwie auff\u00e4lligen Britpop-\u201eohou\u201c-Passagen nichts. (Und \u00fcberhaupt, der Text mal wieder: \u201eIf I could be an animal, you should be a zoo\u201c \u2013 fantastisch.)\nWenn schon Placebo, dann doch bitte wenigstens so!\nH\u00f6rproben gibt es unter anderem auf Amazon.de.\nWas fehlt denn bisher in der Liste? Ach ja: Gitarrenw\u00e4nde, instrumentaler Postrock und alles, was damit zu tun hat.\nnice nice \u2013 Extra Wow\n&nbsp;\nDas Duo Jason Buehler und Mark Shirazi, kurz nice nice, dessen Deb\u00fctalbum (eben \u201eExtra Wow\u201c) im April d.J. erschien, gilt noch immer als Geheimtipp, und das ist eigentlich schade, denn die Musik, die es macht, ist durchaus h\u00f6renswert:\nIch h\u00f6re Shoegazing, Spacerock, Psychedelic Rock, Noise-Rock und immer wieder auch Math-Rock durchblitzen, all dies nie \u00fcberladen wirkend und allzu pomp\u00f6s aufgeblasen, sondern fein s\u00e4uberlich aufgeteilt und nebeneinander. Der Verzicht auf Gesang erspart dem H\u00f6rer jede Ablenkung.\nAnderswo vergleicht man nice nice mit Brian Eno, der unter anderem der beste Grund ist, um sich etwa mit manchen Alben der ansonsten doch recht schw\u00fclstigen Roxy Music anzufreunden, und liegt damit zwar nicht verkehrt, verallgemeinert die Musik des Duos aber unn\u00f6tigerweise, denn sie bietet weitaus mehr als nur zusammenkopierte Ideen. Musik nicht nur f\u00fcr das Herz, sondern auch f\u00fcr das Tanzbein, das dann auch flei\u00dfig geschwungen werden will und sich bei Bedarf auch selbst schwingt, sofern keine Aktion des an ihm h\u00e4ngenden Konsumenten erfolgt.\nUnd wer mittanzen, aber noch nicht draufloskaufen m\u00f6chte, dem empfehle ich das mit H\u00f6rproben gespickte MySpace-Profil von nice nice. Nice, nice, wie der Franzose sagt.\n(Das Wortspiel konnte ich nicht ungemacht lassen. Es war einfach zu einladend. Verzeiht!)\nDie soeben get\u00e4tigte Erw\u00e4hnung eines Franzosen l\u00e4sst mich geschickt \u00fcberleiten zu W\u00f6rtern aus noch abstruseren Sprachen, n\u00e4mlich dem Namen folgender Combo:\nHamadryad \u2013 Intrusion\n\u201eSuspicion included in every question\u201c (In My Country)\n&nbsp;\nVon Hamadryad hatte ich, ebenso wie \u00fcbrigens die deutschsprachige Wikipedia, vor dem Erscheinen des Albums \u201eIntrusion\u201c noch nie geh\u00f6rt; den unverw\u00fcstlichen Babyblauen Seiten ist es zu verdanken, dass ich, von ihnen \u00fcber die Existenz dieser Band aus Kanada informiert, mich mit den Hintergr\u00fcnden deren Namens besch\u00e4ftigt habe und euch, liebe Leser, nebenbei auch ein wenig Kultur abseits guter Musik pr\u00e4sentieren kann:\nDie Hamadryaden sind in der griechischen Mythologie die acht T\u00f6chter des ein\u00e4ugigen Waldgeistes Oxylos und der Hamadryas. Sie alle sind Dryaden, also Nymphen, und leben jeweils in einem Baum, u.a. dem Walnussbaum. Es wird davon ausgegangen, dass die Hamadryade ebenfalls stirbt, wenn ihr Hausbaum dies tut; letztendlich also davon, dass alle acht Hamadryaden schon ein paar Jahre das Zeitliche gesegnet haben d\u00fcrften, was nebenbei h\u00fcbsch demonstriert, dass die griechische Mythologie fast so albern ist wie die Bibel. Ihr seht: Es lohnt sich, Altgriechisch zu lernen. Man hat immer wieder etwas zu lachen.\nZur\u00fcck zur Musik: Das hier behandelte Album von Hamadryad klingt zum Gl\u00fcck nicht nach alten, knarzenden B\u00e4umen, sondern im Gegenteil frisch wie ein Morgen im Fr\u00fchling in einem jungen Laubwald. Mit der Schublade \u201eRetro-Prog\u201c w\u00fcrde man Hamadryad Unrecht tun, auch, wenn in In My Country der derzeitige Yes-Ersatzs\u00e4nger Beno\u00eet David Frontmann J\u2011Phil Major tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt, denn \u201eretro\u201c (lat. \u201ezur\u00fcck\u201c, apropos Kultur) klingt \u201eIntrusion\u201c nur streckenweise. Es \u00fcberwiegt ein energiereicher Progressive Rock mit Anleihen aus Neo-Prog (Marillion immerhin nicht) und den metal\u00e4hnlichen Kl\u00e4ngen von etwa Tool (eindrucksvoll und mich sprachlos hinterlassend ist etwa der F\u00fcnfmin\u00fcter Lost).\nKlar, hier und da schauen Genesis-Keyboards und Yes-Bass um die Ecke und winken freundlich, aber sie bleiben nicht lange, behalten ihren Mantel an und sind meist schnell wieder weg. Keyboard- und basslastig ist es dennoch, was auf \u201eIntrusion\u201c mein Ohr erfreut, und somit genau so, wie es mir gef\u00e4llt; nicht einmal die viel zitierten Spock\u2019s Beard wussten mir jemals derartige Freude zu bereiten.\nUnd da ich gerade den Gesang erw\u00e4hnte: Er bleibt weitgehend auf kurze Passagen beschr\u00e4nkt, mit Ausnahme weniger St\u00fccke wie Here and Now, und klingt trotz des Gasts\u00e4ngers nicht nach Yes, Genesis und den anderen \u00fcblicherweise Genannten, sondern teils nach High Wheel, die ich eigentlich auch mal wieder h\u00e4ufiger erw\u00e4hnen sollte, teils nach den Flower Kings, meist aber wiederum ganz anders (unter anderem gew\u00fcrzt mit einer Prise Jon Bon Jovi, wenn mich mein sp\u00e4testens seit dem gruseligen \u201eEurovision Song Contest\u201c arg gebeuteltes Geh\u00f6r nicht allzu sehr t\u00e4uscht), stets angemessen, nie \u00fcbertrieben theatralisch. Kurz gesagt: Der Gesang ist eins der wesentlichen Erkennungsmerkmale von Hamadryad, und das kann man heutzutage leider nicht mehr oft attestieren. Sollte also eines der Mitglieder der Band diesen Text hier jemals lesen: Ich gratuliere zu eurem S\u00e4nger. Gut gemacht!\nEin Fazit zu \u201eIntrusion\u201c ist schwerlich zu ziehen, und ich freue mich gerade dar\u00fcber, dass ich diesen Text hier aus Eigeninteresse schreibe und nicht etwa f\u00fcr ein Magazin, das mich daf\u00fcr bezahlt, sonst m\u00fcsste ich mir nun wom\u00f6glich eines ausdenken und s\u00e4\u00dfe auf der Stra\u00dfe bei den drei Chinesen; und ich kann doch gar nicht Kontrabass spielen, geschweige denn Chinesisch! So aber gen\u00fcgt es mir, zusammenfassend Thomas Kohlru\u00df von den Babyblauen Seiten zu zitieren:\nTeils hardrockigen, teils jazzrockigen, teils symphonisch angehauchten Retroprog bieten uns Hamadryad auf \u201eIntrusion\u201c an. Dabei steht \u201eRetro\u201c nur daf\u00fcr, dass hier klassische Motive des Progressive Rock, wie wirbelige Keyboards, flirrende Synthie-Solos, kraftvolles Gitarrenriffing, farbige, vertrackte Arrangements, bollernder Bass und vitales Drumming, verarbeitet werden. Instrumental sind Hamadryad immer noch eine Klasse f\u00fcr sich, wenn sie erstmal die Fesseln abstreifen und ordentlich loslegen.\nUnd in wem ich jetzt das durchaus gebotene Interesse an diesem Album wecken konnte, dem ich mit Vergn\u00fcgen den Stempel \u201ebestes Progressive-Rock-Album des ganzen verdammten Jahres\u201c aufdr\u00fccken w\u00fcrde, w\u00e4ren da nicht die restlichen Monate noch abzukaspern, den lasse ich selbstverst\u00e4ndlich nicht blind gegen die n\u00e4chstbeste Laterne rennen, sondern verweise auf die H\u00f6rproben, die das MySpace-Profil der Band zieren.\nAber schalten wir doch nun erst einmal einen Gang zur\u00fcck:\nTindersticks \u2013 Falling Down A Mountain\n\u201eIt\u2019s the wine that makes me sad, not the love I never had\u201c (Factory Girls)\n&nbsp;\n\u201eDie Tindersticks sind wieder da\u201c, so oder so \u00e4hnlich klang so manche Schlagzeile angesichts der Ver\u00f6ffentlichung des Albums \u201eFalling Down A Mountain\u201c. Allzu selbstverst\u00e4ndlich war es nicht, dass dieses Album jemals erscheinen w\u00fcrde, waren die Tindersticks doch bereits mit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eThe Hungry Saw\u201c vom Sextett zum Trio geschrumpft.\nUnd \u201ewieder da\u201c ist so auch nicht zutreffend. \u00c4hnlich wie Sigur R\u00f3s sich in den letzten Jahren zu einer beinahe fr\u00f6hlichen Popband entwickelten, so unterzogen sich auch die Tindersticks einer Metamorphose. Geblieben ist der immer etwas wehleidig klingende, zerbrechliche Gesang von Stuart A. Staples, der mitunter dem eigentlich als unvergleichbar geltenden Leonard Cohen nicht un\u00e4hnlich ist, die Lieder selbst jedoch haben sich gewandelt.\nVorbei ist es mit dem d\u00fcsteren Dark Wave, der noch auf \u201eThe Hungry Saw\u201c vorherrschte und an manchen Tagen auch einem fr\u00f6hlichen Menschen mal so richtig die Stimmung versauen konnte, zwar noch nicht, unter anderem das Lied Factory Girls wahrt die Tradition, aber bereits das er\u00f6ffnende Titelst\u00fcck zeigt, was den H\u00f6rer erwartet. Los geht\u2019s mit Bl\u00e4sern und einem Jazz-Rhythmus von Schlagzeug und Bass, bis mehrstimmiger Gesang \u2013 kennt man von den Tindersticks bislang auch nicht unbedingt \u2013 einsetzt. \u00dcber insgesamt sechs Minuten entwickelt sich eine surreale Stimmung, bis die Psychedelik pl\u00f6tzlich endet und das Lied langsam abschwellt, nur noch von Gesang, Gitarre und Schlagzeug getragen. Andere St\u00fccke wie etwa Harmony Around My Table und No Place So Alone zollen dem Shuffle-Blues und der Soulmusik Tribut, in ersterem Fall gar stilecht mit fr\u00f6hlichen Hintergrundch\u00f6ren und \u201elalala\u201c-Gesang, gleichsam das Gobbledigook der Tindersticks. Was immer man von dieser Band erwartet hatte: Man wird \u00fcberrascht sein.\nNat\u00fcrlich geht es bei den Tindersticks nicht ohne sexuelle Anspielungen, siehe etwa Rented Rooms vom Album \u201eCurtains\u201c:\nWe tried a drinking bar, it gets so very hard,\nand when the cab ride gets too long, we go fuck in the bathroom.\nSo gesehen ist es sicher kein Zufall, dass das Lied She rode me down (\u201eSie ritt mich nieder\u201c) mit den wiederholten Worten \u201eShe rode me\u201c endet, zwinker, zwinker; Details wie dieses machen die Faszination der Texte der Tindersticks indes erst aus, wie ich meine. Fast m\u00f6chte ich (wieder einmal) schreiben: Hihi.\nGenug der schn\u00f6den Worte! Als H\u00f6rproben gibt es auf Amazon.de die \u00fcblichen bl\u00f6den 30-Sekunden-H\u00e4ppchen, auf YouTube.com ist indes derzeit das vollst\u00e4ndige Album anzuh\u00f6ren, so lange die Plattenfirma nichts dagegen unternimmt, also hoffentlich noch lange. (Nota bene: Ich kann der gesellschaftlich akzeptierten Schwarzkopie via YouTube nicht viel abgewinnen, so lange die Nutzung von Tauschb\u00f6rsen beinahe mit mindestens Kindersch\u00e4ndung auf eine Stufe gestellt wird; aber darum soll\u2019s hier ausnahmsweise einmal nicht gehen.)\nUnd nachdem wir uns nun diese kleine Verschnaufpause geg\u00f6nnt haben, k\u00f6nnen wir wieder ein wenig gitarrenlastigen Rock vertragen, und er kommt wie bestellt:\nThe Black Box Revelation \u2013 Silver Threats\n\u201eMadness freaking out\u201c (Where Has All This Mess Begun)\n&nbsp;\nWoran denkt man zuerst, wenn man \u201eGaragenrock\u201c liest? An MC5, vielleicht auch The Strokes?\nNun, The Black Box Revelation ist ein belgisches Duo, das genau diese Musik macht, und der einzige Einfluss, der mir spontan auffiel, war der Mando-Diao-\u00e4hnliche Gesang, was weniger einen Widerspruch darstellt, als dies zun\u00e4chst erscheinen mag. Als die Rolling Stones mit derlei Kl\u00e4ngen experimentierten, nannte man sie noch Bluesrock. Aber ist das noch zeitgem\u00e4\u00df?\nW\u00e4hrend der Aufnahmen f\u00fcr ihr zweites Album arbeiteten die beiden M\u00e4nner, beide erst um die 20 Jahre alt, mit Ray Davies von den l\u00e4ngst legend\u00e4ren Kinks zusammen, und auch, wenn dieser nicht selbst auf dem Album zu h\u00f6ren ist, so ist dies doch offensichtlich mehr als nur eine Zweckgemeinschaft gewesen; Anonymus \u201eKlaus\u201c schreibt zum Beispiel auf Persona-Non-Grata.de:\n(\u2026) ordentlich abgehangene Bluesriffs, genuschelter Gesang mit fast schon arrogant gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigem Unterton, eher Black Keys als White Stripes, mehr Kinks als Zeppelin, obwohl die Ausfl\u00fcge ins psychedelische gegen Ende dann doch an Ausma\u00dfen erheblich zunehmen und in dem fast schon youngesken Feedbackgewitter \u201eHere Comes The Kick\u201c mit neun Minuten L\u00e4nge gipfeln.\nDer Vergleich mit Neil Young zu dessen besten Zeiten ist so weit nicht einmal hergeholt, tats\u00e4chlich geht Here Comes The Kick ordentlich zur Sache, aber zum Gl\u00fcck mit Gesang, der dann doch eher an Jack White erinnert. (Und dann auch immer wieder: The Velvet Underground. Lo-Fi, dr\u00f6hnende Gitarren, ein Schlagzeug, das quasi als verst\u00e4rktes Metronom funktioniert, und dieser merkw\u00fcrdige Rhythmus, der ohne bewusstes Zutun den Kopf des H\u00f6rers bewegt; das hat bei mir zuletzt bei Nihiling funktioniert, die allerdings wiederum ganz andere Musik machen.)\nIch sage: Zum Teufel mit den ewigen Etiketten, entscheidend ist, dass es gef\u00e4llt, und das tut es in der Tat.\nH\u00f6rproben gibt es, au\u00dfer nat\u00fcrlich auf Amazon.de, auch auf dem MySpace-Profil der Band; zwar nicht Here Comes The Kick, aber einige andere Lieder. Und so bleibt immerhin auch noch etwas, was zum Kauf des Albums einl\u00e4dt. Wer also noch nach einem Kaufgrund gesucht hat: Da ist er. Bittesehr!\nBleiben wir, Etikettierung hin oder her, nun einmal im Rockgenre und seinen zahlreichen Subgenres und starren begierig auf folgendes Album:\nLiars \u2013 Sisterworld\n\u201eStand in the street with a gun, and then kill \u201aem all!\u201c (Scarecrows on a Killer Slant)\n&nbsp;\nApropos The Velvet Underground: In den 60-er Jahren war diese Band ja daf\u00fcr bekannt, als Antagonisten der Hippiekultur die dunklen Seiten New Yorks anzuprangern, eben Drogen, Gewalt und sexuelle Umtriebe. Seit dieser Zeit hat sich offenbar erwartungsgem\u00e4\u00df nur wenig getan in den VSvA, und so kann \u00fcber 40 Jahre sp\u00e4ter die aus Los Angeles stammende Musikgruppe Liars eine \u201eSisterworld\u201c, eine \u201eSchwesterwelt\u201c also, inmitten ihrer Heimatstadt dokumentieren, die auch weiterhin ein Biotop f\u00fcr Aussteiger aus der Gesellschaft darstellt.\nDer Pressetext liest sich auszugsweise folgenderma\u00dfen:\n\u201eSisterworld\u201c ist ein ganz eigenes Liars-Album, ohne h\u00f6rbare Einfl\u00fcsse und sehr weit weg von den oft falschen Versprechungen und zerbrochenen Tr\u00e4umen von Los Angeles. Auf \u201eSisterworld\u201c untersucht Liars die Undergroundkultur zu erkunden, die sich in der Stadt gebildet hat um dem Verlust der eigenen Identit\u00e4t in der oberfl\u00e4chlichen Gesellschaft von Los Angeles entgegenzuwirken. Die Band erkl\u00e4rt dazu, \u201eUns interessieren die alternativen Lebensr\u00e4ume die sich die Leute in Los Angeles aufgebaut haben um ihre eigene Identit\u00e4t in dieser Stadt zu wahren. Lebensr\u00e4ume, in denen Outcasts und Einzelg\u00e4nger eine verdrehte Beziehung zum Rest der Gesellschaft f\u00fchren.\u201c\nMusikalisch auch hier: Kraftvoller Garagenrock, pumpender Bass, treibendes Schlagzeug. Mitunter f\u00e4llt Nick Cave ein. Man brauche, so Frontmann Angus Andrew im Interview mit Chartattack.com, eine gesunde Portion Realismus\u2018, um das Leben in dieser Stadt zu ertragen, und das spiegelt sich auch in den Texten wieder.\nAls H\u00f6rproben gibt es auf dem MySpace-Profil des Trios derzeit unter anderem das Lied Too Much, Too Much sowie diverse Remixe anderer Lieder zu h\u00f6ren.\nZum Abschluss des ersten Teils noch mal ein etwas heitereres Album, das erst seit kurzem mein Inventar bereichert:\nArgos \u2013 Circles\n\u201eNothing here is quite like anything you know\u201c (Willow Wind)\n&nbsp;\nDas ging schnell: War im Dezember noch das selbstbetitelte Deb\u00fctalbum der Mainzer Formation Argos Objekt meiner Begierde, so war zu diesem Zeitpunkt das Nachfolgealbum \u201eCircles\u201c bereits in der Entstehung begriffen, und es fand eine positive Entwicklung statt.\nGitarrist Rico Florczak, auf \u201eArgos\u201c noch Gastmusiker, ist nunmehr ein festes Bandmitglied und dr\u00fcckt \u201eCircles\u201c seinen Stempel auf. War ersteres noch von Caravan und The Tangent beeinflusst, so ist der Canterbury Sound auf \u201eCircles\u201c einem symphonischen Progressive/Art Rock gewichen, wie ihn etwa die Flower Kings praktizieren. Und auch der Gesang, auf dem Deb\u00fct noch Anlass f\u00fcr vielerlei Kritik, ist druckvoller und empathischer geworden, mitunter Peter Hammill nicht un\u00e4hnlich.\nAnsonsten: Jazzrock, Yes (kommt au\u00dfer mir noch jemandem der Titel Total Mess Retail bekannt vor?), mitunter auf Deutsch eingesprochene Erich-K\u00e4stner-Zitate als wiederkehrendes Motiv (drum \u201eCircles\u201c).\nMusikreviews.de zieht zudem Eloy, Jadis und IQ als Vergleich heran, vergisst aber immerhin nicht, zu erw\u00e4hnen, dass das, was Argos auf Tontr\u00e4ger bannen, mit nur selten geh\u00f6rter Eigenst\u00e4ndigkeit daherkommt.\nMit ihrem zweiten Album hat Argos sich freigespielt. Geblieben sind der Humor in Texten und Liedtiteln sowie die Verehrung vor den Helden der 70-er Jahre, Geschichte aber ist die Unsicherheit, wohin die Reise gehen soll. Das bereits angek\u00fcndigte dritte Album wird zeigen, ob sie ihrem eigenen Anspruch gen\u00fcgen k\u00f6nnen; nach mehrmaligem Genuss des bisherigen \u0152uvres jedenfalls bin ich zuversichtlich.\nH\u00f6rproben: Ausz\u00fcge aus beiden bisher ver\u00f6ffentlichten Alben hat die Band auf ihrem MySpace-Profil (f\u00fcr Liebhaber von Details: auch ein recht am\u00fcsanter MySpace-Profilname \u00fcbrigens) ver\u00f6ffentlicht. Feines Album!\n\nNachdem ich nun euren Geldbeutel gesch\u00e4ndet habe, g\u00f6nne ich ihm ein wenig Erholung und stelle drei digital erh\u00e4ltliche Gratistontr\u00e4ger vor:\nTeil 2: Gratis ist zu teuer!\n\nFutile \u2013 7 Nightmares\n&nbsp;\nGanz und gar nicht Futile, also zwecklos, ist dieses kurze Album. 7 Lieder (oder doch Albtr\u00e4ume?) lang Alternative-Progressive-Rock-Metal-Musik mit Tool-Remineszenzen aus der S\u00fcdpfalz.\nIch hatte das Album hier schon kurz rezensiert bzw. eben rezensieren lassen und verweise daher nur auf dort.\nBezugsquellen: Herunterladen kann man das sch\u00f6ne St\u00fcck Musik via eMule und auf der eigens daf\u00fcr eingerichteten Internetseite. Wer das MP3-Format nicht sonderlich sch\u00e4tzt oder auch einfach nur gern gute Musik finanziell subventioniert, der kann f\u00fcr zehn Euro eine CD-Version erwerben.\nHer Name Is Calla \u2013 Long Grass (EP)\n&nbsp;\nHer Name Is Calla, 2009 mit dem prima Album \u201eHeritage\u201c bereits Anlass f\u00fcr zahlreiche melancholische Stunden, legte Anfang 2010 mit dem \u201eLong Grass\u201c-EP drei kurze St\u00fccke in der gewohnten Stimmung nach.\nPeter schrieb im M\u00e4rz hierzu:\nFr\u00f6hlich ist einfach, Melancholie um vieles schwieriger. Zu beschreiben, zu besingen, zu vertonen. Einfach ist doof, verkomplizierte Seelenzust\u00e4nde, tragische Gegebenheiten, Gl\u00fcck und Trauer machen das Leben nicht leichter, aber bestimmen unserer t\u00e4gliches Sein. (\u2026) Die elegischen Soundlandschaften, die sich \u00fcber uns ausbreiten,  machen sturzbesoffen vor Gl\u00fcck.\nBezugsquellen: Schade, dass es die CD in der Holzkiste nicht mehr zu kaufen gibt. Auf Vinyl und als einfache CD ist \u201eLong Grass\u201c aber, ebenso wie \u201eHeritage\u201c, noch immer erh\u00e4ltlich. Beide Tontr\u00e4ger kann man auch auf der Internetseite von Her Name Is Calla vollst\u00e4ndig anh\u00f6ren, wo es auch eine .zip-Version zum Herunterladen gibt. eMule-Freunde werden hier f\u00fcndig.\nAll You\u2019ve Seen \u2013 Mahali\n&nbsp;\nKurzmeldung zum Dritten: All You\u2019ve Seen ist ein Postrock-Trio bzw. inzwischen wahrscheinlich \u2011Quartett aus der Schweiz, das weltweit einen positiven Eindruck hinterlie\u00df.\nWas auf dem Album erklingt: Wunderbar unaufdringlicher instrumentaler Postrock, der meist beh\u00e4big dahinpl\u00e4tschert, aber auch mal so richtig losbrettern kann. THE GLASS FOREST publizierte:\nWas bei AYS definitiv neu ist, sind die meditativen Passagen in den Songs, hier haben wir zum Beispiel bei Lhasa einen mono-\u00e4hnlichen Aufbau, der einen gleichzeitig in Sicherheit zu wiegen scheint und trotzdem die Spannung bis zum \u00c4ussersten aufbl\u00e4st. Bis die Spannungsblase platzt und der Ausbruch den H\u00f6rer erneut paralysiert.\nSehr \u00fcberzeugend und empfehlenswert, trotz Schweiz.\nBezugsquellen: Reinh\u00f6ren kann man auf dem MySpace-Profil der Band, frei herunterzuladen ist \u201eMahali\u201c zum Beispiel ebenfalls dort (der Verweis befindet sich in der linken Spalte) und nat\u00fcrlich auch via eMule.\n\nSo viel dann zu dem, was man h\u00f6ren sollte. Kommen wir zu dem, was man lieber nur h\u00f6ren sollte, wenn gerade unliebsame Personen anwesend sind, wie \u00fcblich in der gebotenen Kurzform, weil jedes weitere Wort eines zu viel w\u00e4re:\nTeil 3: Musik f\u00fcr den Erzfeind.\nDiesmal haben es nur zwei Alben geschafft, mich ausreichend zu langweilen, um hier auf der Liste zu erscheinen. Ich hoffe, es ist nur das Sommerloch, das die Schuld daran tr\u00e4gt. Liebe Musikindustrie: Bis Jahresende brauche ich mehr Schrott. Das schafft ihr doch, oder?\n\nGorillaz \u2013 Plastic Beach\nTrotz Lou Reed: G\u00e4hn.\nDie Fantastischen Vier \u2013 F\u00fcr dich immer noch Fanta Sie\nSo ungern ich das auch \u00fcber ein Album der Fantastischen Vier schreibe: Nein, Sir, gef\u00e4llt mir nicht.\n\nEs ist eigentlich erstaunlich: Jedes Jahr, das auf 5 oder 0 endet, bietet ein ebensolches \u201erundes\u201c oder \u201ehalbrundes\u201c Jubil\u00e4um in der Rock- und Popgeschichte seit etwa Mitte der 60-er Jahre. Das ist sch\u00f6n, denn so kann ich auch in diesem Jahr wieder die Tradition der Retrospektive pflegen. Werte Leser, ich pr\u00e4sentiere abschlie\u00dfend zum wiederholten Mal 40 Jahre Rockgeschichte im Schnelldurchlauf.\nTeil 4: Retrospektive 1970 bis 2010.\n\nVor 40 Jahren:\nDrosselbart \u2013 Drosselbart\n1970 war ein schwieriges Jahr f\u00fcr die Rockmusik. Paul McCartney l\u00f6ste die Beatles auf und kam damit John Lennon zuvor, The Velvet Underground verloren Lou Reed und b\u00e4umten sich mit dem immerhin als Rockalbum immer noch soliden \u201eLoaded\u201c ein letztes Mal auf, bevor Doug Yule noch f\u00fcr drei weitere Jahre unter diesem Bandnamen tourte und mittelm\u00e4\u00dfigen Poprock darbot, und in Deutschland begann derweil die Welle an deutschsprachigem \u201eKrautrock\u201c zu erbl\u00fchen, lange, bevor die \u201eNeue Deutsche Welle\u201c, die sich ausgerechnet aus ihr entwickelte, zwei Jahrzehnte Rockmusik einfach \u00fcber den Haufen fegte und in Plastik zu konservieren vorgab. Drosselbart war einer der Protagonisten des Proto-Krautrocks, die Mitglieder fand man sp\u00e4ter unter anderem in Udo Lindenbergs Panikorchester wieder, S\u00e4ngerin Jemima wechselte an die Oper. Was bleibt, ist ein Album mit arg christlichen Texten, das rein musikalisch doch \u00e4hnlich dem war, was sp\u00e4ter die aufkommenden Politrockbands pr\u00e4gen sollte und etwa auch bei Novalis zu finden war, n\u00e4mlich folkrock-inspirierte Gitarrenmelodien und ein aggressiv deklamierender Gesangsstil, vom Sopran der S\u00e4ngerin einmal abgesehen. Drosselbart r\u00e4umten hernach die B\u00fchne, es bleibt ihnen jedoch der Ruhm, zu den Pionieren des noch jungen Deutschrocks zu geh\u00f6ren.\nVor 35 Jahren:\nLed Zeppelin \u2013 Physical Graffiti\nBereits mitten in den 70-er Jahren befand sich die Musikwelt schon wieder im Umbruch. (Da war was los in dem Jahrzehnt.) Der Progressive Rock hatte mit Yes und Genesis seine Idole l\u00e4ngst gefunden, von Punk und Discomania war, au\u00dfer in wenigen, weithin unbekannten Alben wie etwa \u201eTake It Or Leave It\u201c von Zzebra, noch nichts zu sp\u00fcren. Kaipa ver\u00f6ffentlichten ihr Deb\u00fctalbum, die Progressive-Rock-Welt schien heil und unzerbrechlich. Was in anderen R\u00fcckschauen hingegen meist \u00fcbersehen wird, ist, dass sich neben der psychedelisch-verschwurbelten Musik, die damals Europa und Nordamerika weitgehend beherrschte, l\u00e4ngst ein anderer Musikstil Geh\u00f6r verschaffte, namentlich der Hard Rock, in dessen Namen Led Zeppelin 1975 ihr sechstes Album \u201ePhysical Graffiti\u201c \u2013 erstmals ein Doppelalbum \u2013 ver\u00f6ffentlichten. Wenngleich es meist erst nach Alben wie etwa \u201eFour Symbols\u201c (\u201eLed Zeppelin IV\u201c) mit dem furchtbar nervigen Stairway To Heaven genannt wird, so war und ist es doch ein wichtiges Album, das unter anderem das bekannte St\u00fcck Kashmir enth\u00e4lt, an dessen markantem Riff sich sp\u00e4ter Puff Daddy f\u00fcr das auch gar nicht mal allzu \u00fcble Come With Me bediente. Dennoch bleibt \u201ePhysical Graffiti\u201c bis heute str\u00e4flich untersch\u00e4tzt.\nVor 25 Jahren:\nDie \u00c4rzte \u2013 Im Schatten der \u00c4rzte\nIm Jahr 1985, \u00fcber das es au\u00dfer meiner Geburt nicht viel Positives zu berichten gibt, war das bislang furchtbarste Jahrzehnt der j\u00fcngeren Musikgeschichte noch l\u00e4ngst nicht vor\u00fcber. Nur wenige seiner Protagonisten \u00fcberlebten es, darunter etwa a\u2011ha, auf deren Album \u201eHunting High And Low\u201c in diesem Jahr unter anderem das oft gecoverte Take On Me ver\u00f6ffentlicht wurde, aber auch die deutsche Funpunk-Combo Die \u00c4rzte, die mit ihrem zweiten regul\u00e4ren Album \u201eIm Schatten der \u00c4rzte\u201c l\u00e4ngst zu einer Konstanten in der deutschen Musiklandschaft geworden waren, bekannt auch f\u00fcr ihren ebenfalls 1985 ver\u00f6ffentlichten, furchtbaren Film \u201eRichy Guitar\u201c, in dem auch Nena eine Rolle als Nena bekam, den man dennoch aber nicht unbedingt ansehen sollte. Wenig sp\u00e4ter wurde Bassist Sahnie wegen pers\u00f6nlicher Differenzen aus der Band geworfen, eine Zeitlang machten Die \u00c4rzte dann als Duo weiter und ver\u00f6ffentlichten unter anderem das Album \u201eDie \u00c4rzte\u201c mit dem indizierten Klassiker Geschwisterliebe. \u201eIm Schatten der \u00c4rzte\u201c jedenfalls ist auch in anderer Hinsicht ein besonderes Album: Erstmals (in K\u00e4fer) spielte der noch junge Farin Urlaub seine Gitarre verzerrt ein; eine Technik, die er bis heute gern einsetzt. Der Rest ist Geschichte.\nVor 10 Jahren:\nMorphine \u2013 The Night\nDer \u201eY2K-Fehler\u201c, vor dem Unheilspropheten weltweit gewarnt hatten, blieb wohl weitgehend aus; hier und da scheint er jedoch das Hirn einiger selbst ernannter \u201eMusikproduzenten\u201c zu befallen haben, die seit etwa dem Jahr 2000 vermehrt auf die Ausschlachtung alten Musikgutes (auch als \u201eCoverversionen\u201c bekannt) setzen. Nur selten drang auch Kunde von neuer, guter Musik durch die meterhohen T\u00fcrme an Meldungen \u00fcber irgendwelche kurzlebigen Popsternchen, etwa von dem Album \u201eLightbulb Sun\u201c von Porcupine Tree, das den Auftakt zu einer Reihe an wahrlich formidablen Tontr\u00e4gern bilden sollte. Abgetreten indes ist die Jazzrock-/Low-Rock-Band Morphine, die 1997 das fesselnde Album \u201eLike Swimming\u201c mit einmaligen Liedern wie Early To Bed und French Fries w/ Pepper ver\u00f6ffentlicht hatte und deren S\u00e4nger Mark Sandman im Juli des Vorjahres w\u00e4hrend eines Konzertes einem Herzinfarkt erlegen war; das Album \u201eThe Night\u201c erschien posthum. Die Fangemeinde blieb Morphine dennoch treu und hartn\u00e4ckig, letztlich mit Erfolg: Seit 2009 treten zwei der urspr\u00fcnglichen Mitglieder unter dem Namen Members of Morphine wieder gemeinsam auf. Was lange w\u00e4hrt, wird endlich gut; diesen Satz h\u00e4tte ich in diesem Jahrzehnt viel h\u00e4ufiger verwenden wollen. Ein halbes Jahr hat es noch, das Jahrzehnt. M\u00f6ge es sich M\u00fche geben!\n\nUnd schon sind wir wieder am Ende der Liste angelangt. Jetzt habt ihr wieder ein halbes Jahr Ruhe.\nBis zum Dezember bleibt euch viel Zeit, wieder ein wenig Geld zu sparen, denn dann steht voraussichtlich die R\u00fcckschau 12/2010 auf dem Programm. Einige Alben, die voraussichtlich ein Teil von ihr sein werden, die es aber leider aus Zeitgr\u00fcnden noch nicht in diese Liste geschafft haben, habe ich bereits vorliegen; ihr d\u00fcrft euch also wieder auf eine prall gef\u00fcllte Wundert\u00fcte freuen, die f\u00fcr jeden etwas bereith\u00e4lt.\nHabe ich ein wichtiges Album vergessen? Weist mich und andere Leser in den Kommentaren darauf hin; mehr Benutzerinteraktion ist ja immer w\u00fcnschenswert.\nAn dieser Stelle auch ein herzlicher Dank an V., ohne die dieser Beitrag erst im Laufe der kommenden Tage erschienen w\u00e4re; das hast du jetzt davon!\nIch danke ansonsten allen, die es bis hierhin geschafft haben, f\u00fcr die Geduld und Aufmerksamkeit, und hoffe, euch alle bald wieder hier auf dieser Internetpr\u00e4senz begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.\nBis die Tage!\nKommentareDidi schrob am 22. Juni 2010 dies: Uff, schon lange nicht mehr soviel gescrollt. K\u00f6nntest Du solche Berichte nicht auf\u2019s Wochenende legen? Jedenfalls habe ich mir die Seite im G-    \u2011Kalender auf den Samstag notiert Man ist schlie\u00dflich kein Student mehr.Peter schrob am 22. Juni 2010 dies: Wie lange haste den an dem Artikel gesessen? Man scrollt sich ja die Finger wund. Trotzdem sehr lesenswert . \u00c4tsch \u00fcbrigends, ich habe die CD in der Holzkiste ;-)tux0r schrob am 22. Juni 2010 dies: Didi: L\u00e4uft ja nicht weg.\nPeter: Frechheit!     Ansonsten: Die Textdatei bef\u00fcllte ich seit einigen Wochen. Die Ausarbeitung dauerte etwa drei Tage.Didi schrob am 22. Juni 2010 dies: Na ja, bei den kostenlos zu erhaltenen St\u00fccken wei\u00df man das nie. Ich ziehe sie mir gerade rein vorsorglich runter.tux0r schrob am 22. Juni 2010 dies: Kostenlos erh\u00e4ltlich ist grunds\u00e4tzlich alles.     \nDie, die ich hier verlinkte, stehen ja auch nicht erst seit kurzem im Internet. Aber du hast Recht, Vorsicht ist prima.\n\nAngenehmes H\u00f6ren schon mal!Hirnfick 2.0 \u00bb Blogarchiv \u00bb Musik 06/2011 \u2013 Favoriten und Analyse schrob am 28. November 2011 dies: [\u2026] than my bullet\u201c, sehr sch\u00f6n, so etwas habe ich zuletzt vor viel zu langer Zeit von den Liars geh\u00f6rt, aber die stehen in der Tradition New Yorker Garagenrocks, und dort tanzt man ja allgemein [\u2026]Quelle: Hirnfick 2.0Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437",
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