Archiv für März 2016

„Sie müssen erst keine Programme beenden.“

Ich wage es gar nicht auszuprobieren:

Was genau passiert eigentlich, wenn ich auf „Programme schließen und fortfahren“ klicke?

Besuchen Sie uns nicht auf Facebook.

Wegen sich verbreitender Datenschutzbedenken in Zeiten der totalen Dienstzusammenführung (Google: „Wir erfassen vielleicht Ihre Telefonnummer.“) werden die social-media-Fachleute dieser Tage endlich vorsichtiger im Umgang mit den neuen Medien und weisen gelegentlich auch auf die Gefahren hin, die etwa ein Aufenthalt bei Facebook birgt.

So ist etwa das Wolfenbütteler Unternehmen Solferino selbstverständlich auf Facebook vertreten, möchte aber andererseits keinen seiner potenziellen Kunden in die Bredouille bringen und hat sich daher für einen etwas unkonventionellen Weg entschieden:

Zumindest war es – wahrscheinlich – gut gemeint.

Medienkritik in Kürze: Rote Krebse, Seeführungen ohne Seen

Gaaanz toll auch, „welt.de“, hast du diesen Artikel hinbekommen, denn auch ein eigentlich ziemlich faszinierendes Thema wie Karstseen mit Urzeitkrebsen ist vor der schieren Peinlichkeit deiner Redakteure nicht gefeit; so heißt’s etwa in der Krebs-Bildergalerie:

Später werden die Tiere (…) gekocht, bis sie sozusagen krebsrot sind.

Wer sich solche Texte ausdenkt, der sollte sich so lange schämen, bis er sozusagen schamesrot ist. Den Vogel aber schießt du, „welt.de“, mit dem letzten Teil des „Artikels“ ab:

Damit alle Fragen geklärt werden, organisiert Heise in seiner Freizeit Führungen rund um den See. Sie erfreuen sich steigender Beliebtheit – vor allem, wenn sich der See mal wieder blicken lässt.

Dass Führungen rund um einen See weniger gern gebucht werden, wenn kein See da ist, erstaunt wahrscheinlich so manchen, der bei WELT Online „arbeitet“. Übrigens fahren Leute auch eher ungern Auto, wenn keine Straße da ist – gibt es darüber eigentlich schon einen Bericht?

Nein? Schade.

NetzfundstückePolitik
Kurz verlinkt LXXXIV: Warum „links“ noch lange nicht links ist

Dass „links“ heutzutage das empfohlene Attribut ist, wenn man vorhat, irgendwas mit Politik zu machen, ist eine verbreitete These. Was aber ist links?

Klar: Links ist, was nicht rechts ist. Was ist rechts? Die Konservativen, die Nationalen? Falsch:

Gerade die vermeintlich progressiven Versuche, die Sozialpolitik zu zerschlagen, bedeuten für die Linken, sich dem reinen Fortschritt in den Weg zu stellen. „Links“ zu sein bedeutet hier nur eins: eine konservative Haltung einzunehmen.

„Links“ und „rechts“ sollte man keinesfalls versuchen als fixe Punkte zu definieren, überschneiden sie sich doch in vielerlei Hinsicht. Auch die einstmals „linke“ SPD ist dem Konservativismus näher als je zuvor, den Wunschpartner CDU freut’s womöglich; der eben auch wenig wählerisch ist, kopuliert koaliert er doch bei Bedarf auch mit den Grünen, die bekanntermaßen „links“ sind wie auch die Piraten, die ja vielfach als „die neuen Grünen“ und/oder „die neue F.D.P.“ gehandelt werden, und obwohl sich mancher Pirat gelegentlich auf fragwürdigen Demonstrationen blicken lässt, ist das eine fatale Fehleinschätzung:

Sie sind letztlich Parteien der Mittelschicht, einer anderen als sie CDU und FDP sich ausmalen, aber einer Mittelschicht nichtsdestotrotz. Ihre Themen sind keine Themen von Menschen, die darum kämpfen, Miete und Essen zu bezahlen. Es sind aber, man muss es so hart sagen, Mehrheitsthemen. Die Mehrheit der Deutschen fühlt sich der Mittelschicht zugehörig oder geht davon aus, auf absehbare Zeit dazuzugehören. (…) Und selbst grüne und orangene Bürgerliche sind bei aller Andersartigkeit ihrer Forderungen vom konservativ-bürgerlichen Kernbestand eines mit Sicherheit nicht: revolutionär und übermäßig links gestimmt.

Wer „gegen Rechts“ ist und sich „links“ nennt, ist also mit ein wenig Pech eigentlich konservativ-regressiv (rechts) und sein eigener Gegner; blöd ist’s eben, wenn man Kampfbegriffe unreflektiert übernimmt, ohne sie zu verstehen.

„Links, zwo, drei, vier!“
— Rammstein

Montagsmusik
Cursive – Caveman

Und nach so einem Wochenende dann doch immer der Blick zurück, das wehmütige Ach!; und überhaupt sollte man aufhören, aufzuhören, und endlich anfangen, anzufangen. Die Höhle verlassen der Höhle wegen.

I want to unlearn what I’ve learned
Want to unearn what I’ve earned
Want to burn my bridges down …

Schauerüberdenrückenrock. (Das Wort lass‘ ich mir mal patentieren oder so.)

Nerdkrams
Sicher texten unter Windows (und Firefox)

Wer häufiger mal längere Texte an seinem Windows-Rechner schreibt und nebenbei zum Beispiel in Foren oder im IRC diskutiert, der steht oftmals vor dem Problem, dass die Windows-Zwischenablage sehr begrenzt ist. Mehrere Text- oder Bildausschnitte zur gleichen Zeit passen nicht in sie hinein. (Linuxnutzer mit dem allzu oft unterschätzten KDE haben dieses Problem immerhin nicht.)

Aber selbst Letztere sehen sich mitunter mit einer anderen Hürde konfrontiert: Man schreibt gerade einen längeren Blog- oder Forenkommentar, drückt eine falsche Taste, und alles ist weg. Was tun? Verzweifeln? Neu schreiben? Mitneffen: Wofür gibt’s Programme, die das beseitigen?

Problem Nummer 1: Die begrenzte Zwischenablage von Windows.

mIRC-Benutzer kennen das wahrscheinlich: Markieren sie versehentlich einen Text, weil sie zu langsam doppelklicken, überschreibt dieser Text alle Inhalte der Zwischenablage, sofern die entsprechende Funktion nicht deaktiviert ist. Auch sonst ist man manchmal in der misslichen Situation, mehrere Textschnipsel oder ähnliches gleichzeitig zu benötigen, etwa, wenn man sich manchmal auf seiner Internetseite über SPIEGEL Online lustig machen will.

Programme, die die Windows-Zwischenablage entsprechend erweitern, gibt es mit dem hervorragenden ac’tivAid, Ditto, ClipMan und anderen in großer Zahl, wirklich überzeugt hat mich aber nur das portable ArsClip.

ArsClip, das nur in englischer Sprache verfügbar ist, dessen Konfigurationsfenster man allerdings auch nie wirklich benötigt, „kapert“ – arrr! – die windowseigene Kopierfunktion inklusive des Tastenkürzels Strg+C und speichert so mehr als nur die letzte kopierte Eingabe zwischen. Die gespeicherten Ausschnitte – auch Multimediaschnipsel werden unterstützt – sind über ein einstellbares Tastenkürzel, etwa Strg+Alt+V (analog zu Strg+V), in Menüform abruf- und editierbar:

Hierbei wird der letzte verwendete Ausschnitt aus dem Menü automatisch auch per Strg+V verfügbar gemacht; verwendet man also zum Beispiel den drittneuesten Eintrag im Menü, so kann dieser anschließend auch per Strg+V überall eingefügt werden, wo man ihn benötigt. Ich würde so weit gehen, ArsClip als unverzichtbares Werkzeug für jeden, der was mit Internet macht, zu bezeichnen. Tu‘ ich aber nicht.

Problem Nummer 2: Der fehlende Zwischenspeicher von Firefox.

Natürlich gibt es Leute, die längere Texte wie etwa diesen hier in ihrem Texteditor schreiben, bevor sie ihn in ihren Browser kopieren, und dies etwa mit der Erweiterung „It’s All Text!“ oder Text Editor Anywhere unterstützen. Jedes Mal den Texteditor zu starten, wenn man mal eben einen Blogkommentar hinterlassen möchte, ist aber vielleicht manch jemandem zu umständlich. Und dann findet man plötzlich zufällig die Tastenkombination, um Firefox ungefragt zu beenden, und darf noch mal von vorn beginnen. Das ist nicht schön.

Die Firefox-Erweiterung Textarea Cache löst dieses Problem ziemlich elegant: Jeder in ein Textfeld eingegebene Text wird automatisch protokolliert und ist per Klick auf das Symbol in der „Addon-Leiste“ wieder abrufbar, kategorisiert nach dem Titel der Webseite und mit einstellbarer Speichergröße:

Mit Lazarus gibt es eine Alternative für diejenigen Internetnutzer, die Chrome und/oder Safari neben oder anstelle von Firefox verwenden. Lazarus kann auch weitere Formulareingaben speichern, verwendet aber das Kontextmenü statt eines separaten Fensters – wer bereits DownThemAll!, FlashGot, LastPass, ColorZilla und die üblichen weiteren Standarderweiterungen benutzt, die das Kontextmenü des Browsers zum Teil ungefragt erweitern, der bevorzugt unter Umständen auch deshalb Textarea Cache.

An Alternativen soll’s nicht mangeln. Für jedenfalls mich sind genannte Programme indes inzwischen unverzichtbar.
Ergänzungen sind gern gesehen.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Was der so alles treibt!

Ach, „SPIEGEL Online“, da habt ihr so einen schönen Einleitungstext hinbekommen:

Gauck macht sich stark gegen die „braune Brut“: Der künftige Bundespräsident hat am Donnerstag mit Angehörigen der NSU-Terror-Opfer gesprochen. Bei der Begegnung telefonierte er auch mit dem türkischen Staatspräsidenten Gül. Den Rechtsextremismus verurteilte Gauck scharf.

Selbst mir als Nichtjournalisten fallen da auf Anhieb mindestens drei gute Überschriften ein; auf diese hier wäre ich aber nie gekommen:

Gauck telefoniert mit türkischem Staatschef Gül

Eine gute Überschrift sei das Salz in der Suppe des Journalisten, heißt es. Aber mit dem Salz sollte man es auch nicht übertreiben.

(Danke an L.!)

Netzfundstücke
Vögeln

Falls sich noch wer fragt, warum Kakapos sich nicht allzu oft vermehren:

Rare Bird Humps Photographer's Head

Immerhin: Er hat es versucht.

In den NachrichtenPiratenpartei
#Gruppe42, Piraten und Konzepte

Eines der Probleme, die das Konzept einer Partei mit sich bringt, ist es, dass früher oder später irgendjemand auf die Idee kommt, dass man auf alles zumindest eine Antwort haben müsste. Die momentane Entwicklung der Piratenpartei Deutschland hat einer der Gründer in einer E-Mail gestern auf den Punkt gebracht:

Im September 2006 entschlossen wir uns wohlüberlegt, eine Themenpartei zu gründen – in bewusster Abgrenzung von den Profischwätzern anderer Parteien, die von wenig eine Ahnung haben, aber zu allem einen kernigen Satz raushauen. Genau auf dem Kurs sind wir inzwischen.

Wir wollten eine Partei sein, die eigentlich nicht Partei sein wollte. Es ging bloß darum, dass die Parteistruktur Möglichkeiten eröffnet, die z.B. der CCC nicht hat. Dafür hat der CCC wiederum Möglichkeiten, die wir nicht haben. Der CCC kann von außen kompetent und sachlich einwirken, die Piratenpartei von innen verändern.

(…)

Die Piratenpartei hat sich schleichend zu etwas entwickelt, was mich nicht interessiert. Dumm sein kann ich allein, da brauche ich keine Partei.

(…)

Der aktuelle Höhenflug der Piratenpartei – über den ich mich prinzipiell freue! -, hat nicht zuletzt einen Grund: Wir sind oft genaus so hohlpopulistisch wie die anderen Parteien. Plötzlich erleben wir unsere Funktioniere im Smalltalk mit Günther Jauch über den Holocaust, ohne dass dabei piratige Positionen vermittelt würden. Mit Marina und Sebastian haben wir erstmals eine kamerataugliche Spitze, wohlgefallend am Bildschirm wie im Radio. Super eigentlich. Wir dürfen nur nicht vergessen, worauf es uns ankommt. Sympathisch sein und Volk einlullen?

Das sind klare Worte, aber sie sind sicher nicht zu hart gewählt. Der Spagat, den die Piratenpartei vollführen „muss“, ist ein weiter: Zum Einen besitzt ein Großteil ihrer Mitglieder nur ein eingeschränktes Interesse ebenso wie lediglich vollumfängliche Kenntnisse an beziehungsweise in wenigen Kernthemen, zum Anderen erwartet das Wahlvieh, an das sich ein Teil der Parteibasis mittlerweile anzubiedern versucht, eine Antwort auf alle Fragen, immerhin bieten diese alle anderen Parteien auch, und sei sie noch so wenig fundiert. Der Zwist zwischen Kernpiraten („Kernis“), deren Fokus auf den Gründungsthesen der Partei liegt, und Vollpiraten („Vollis“), die eine massentaugliche Allthemenpartei anstreben, ist mit Kompromissen nur unzureichend zu schlichten. (Warum jemand, der mit der Zielsetzung einer Partei nicht einverstanden ist, überhaupt zahlendes Mitglied wird, ist auch noch so eine Frage; wer sich um eine zukunftsfähige Gesellschaft bemüht, der tritt ja zum Beispiel auch nicht der CDU bei, nehme ich an.)

Um zu verhindern, dass in der Flut an neuen „Piratenthemen“ die Werte, für die der Name „Piratenpartei“ steht, nicht ertrinken, wurde in den vergangenen Wochen von ehemaligen Mitgliedern des Bundesvorstandes der Piratenpartei Deutschland und einigen weiteren Kernpiraten – insgesamt 42 von ihnen – die „Gruppe 42“ (wissenschon, die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest) ersonnen und gegründet, die sich dafür einsetzt, …

(…) dass der Gründungsgedanke der Piratenpartei — sowohl vom Umfang der Themen, als auch von ihrer Intention — in einer breiteren Piratenpolitik und im politischen Tagesgeschäft nicht nur erhalten bleibt, sondern weiter vertieft und in konkrete politischen Forderungen ausformuliert und umgesetzt wird.

In den Medien ist von einer „losen Vereinigung außerhalb der Partei“, einer Abspaltung also, die Rede; dabei spaltet sich niemand ab, sondern integriert sich bewusst. Die „Gruppe 42“ ist sozusagen eine innerparteiliche Opposition, analog zur „kommunistischen Plattform“ der Linkspartei vielleicht so etwas wie die „kernthematische Plattform“ der Piratenpartei Deutschland, die keinesfalls einen Graben schaffen, sondern vielmehr ein Forum für die Kernpiraten bieten soll, das in einer Phase wild wuchernder Programmerweiterung dringend vonnöten scheint, will man nicht diejenigen Piraten sich enttäuscht abwenden lassen, die einst Mitglied oder auch nur Sympathisanten wurden, weil jene Themen einmalig vertreten wurden und noch werden.

Damit steht die „Gruppe 42“ im Einklang mit der internationalen, von Skandinavien aus expandierten Piratenbewegung:

Wir sehen in der Piratenbewegung die einzigartige Möglichkeit eine neue Ära der Demokratie einzuleiten. Durch das Internet können alle Grenzen überwunden werden und die bereits begonnene Internetrevolution kann international fast uneingeschränkt vorangetrieben werden. Die Piratenpartei Deutschland ist einer der wichtigsten Antreiber dieser Zukunftsvision und sollte sich ihrer Bedeutung in der internationalen Piratenbewegung bewusst sein.

Von der Beliebigkeit, der politischen Normalität bleibt die Piratenpartei also weit entfernt. Die Presse allerdings sollte sich einmal entscheiden, was sie nun eigentlich propagieren will: Dass die Piratenpartei eine blöde Einthemenpartei und somit politisch irrelevant sei oder dass sie (wie seit Jahren) „kurz vor der Spaltung“ stehe, weil sie zu viele Themen vertrete – beides gleichzeitig geht halt nicht. Aber vielleicht sind meine Ansprüche an die Presse auch einfach nur zu hoch.

Ihre eigenen an sich selbst leider nicht.

In den Nachrichten
Medienkritik LXV: Die Netzgemeinde und wir

Eines dieser Ärgernisse, die den gesellschaftlichen Fortschritt in ein digitales Miteinander erschweren, ist ja dieses merkwürdige Selbstverständnis von Totholzjournalisten, die „das Internet“ für Google, Wikipedia, Facebook und Sascha Lobo halten und ansonsten stets eine Front herbeihalluzinieren, die nicht existiert: „Die im Internet“ und „die Gesellschaft“. Jüngster Spross dieser Wurzel ist dieser merkwürdige Artikel aus dem Hause Handelsblatt, der schon zu Beginn erfrischend daneben liegt:

Prominente Köpfe der Netzgemeinde behaupten, die Netzgemeinde gäbe es gar nicht. Weil die Mehrheit der Bevölkerung das Internet nutze, sei der Begriff überflüssig. Das ist falsch.

Das ist falsch.

Warum? Weil Autor Stephan Dörner das Internet nicht verstanden hat:

Auch meine Mutter nutzt das Internet – schon seit 1999. Sie schreibt E-Mails, kauft auf Ebay Reisen und liest Nachrichten auch online. Sie ist dennoch kein Teil der Netzgemeinde. (…) Weil der Begriff Netzgemeinde in der Regel eben nicht 74,7 Prozent der Bevölkerung meint, sondern diejenigen, die das Netz aktiv mittels Blogs und Twitter nutzen, um Ideen zu verbreiten und Kampagnen zu organisieren.

Ach so, Teil der „Netzgemeinde“ ist man nur, indem man bloggt oder twittert. Aktive Nutzer des Usenets etwa werden gänzlich ignoriert; „da ist ja gar kein blaues e dran, also ist das auch kein Internet“. (Schön wäre es ja, würde die Mehrheit des Volkes das Internet nutzen, aber sie beschränken sich weitgehend auf Mail und WWW und nutzen beide bevorzugt passiv.)

Dabei konnte das World Wide Web als wohl erfolgreichster Dienst des Internets überhaupt nur so groß werden, weil in seinen Anfangstagen bis zur „.com-Blase“ um die Jahrtausendwende herum ein Großteil seiner Nutzer gleichzeitig Produzenten waren. Das „Web“ ist ein Kommunikations- und kein statisches Informationsmedium.

Sicherlich ist das Definitionssache, aber das Wort „Netzgemeinde“ ist es ja auch: Bin ich Netzgemeinde, sind’s meine Leser? Stephan Dörners Behauptung ist aber sogar nach seinen eigenen Maßstäben gänzlich Hirnbrei, denn man kann von Facebook halten, was man will, aber ich stelle die steile These auf, dass wirklich alle, die dort nicht nur als Karteileiche angemeldet sind, den Dienst zur Informationsverbreitung nutzen – wahrscheinlich (statistisch gesehen) auch Stephan Dörners Mutter.

Und da wird das Problem deutlich: Wo niemand außer Sascha Lobo „Netzgemeinde“ sein will, dort wird es schwierig, sie zu definieren. Warum überhaupt wird versucht, einen Sammelbegriff für diejenigen Internetnutzer zu finden, die nicht nur passiv Internet gucken, sie sozusagen als Sonderlinge zu kennzeichnen? (Im Internet (!) einen Artikel zu veröffentlichen, der Leute, die sich allesamt primär als Individuen betrachten und eine Unterscheidung zwischen „schreibt ins Internet“ und „nutzt das Internet“ prinzipiell ablehnen, pauschal als „die Netzgemeinde“ bezeichnet, ist übrigens auch nicht ganz frei von Komik.)

Die einzige Gemeinsamkeit derer, die die Medien als „Netzgemeinde“ bezeichnen, ist ein Internetanschluss, ob mobil oder stationär. Wenn das als Aufnahmekriterium genügt, ist „die Netzgemeinde“ ungefähr so sinnvoll wie „die Mineralwassergemeinde“.

Wer „Netz“ sagt, meint auch das Nichtnetz; oder, kurz und prägnant, eben auch: Netzgemeinde, Zeitungsgemeinde, Fernsehgemeinde, Faxgemeinde, Telefongemeinde, Gesprächgemeinde, Briefgemeinde, Höhlenmalereigemeinde my ass.

Nerdkrams
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Für eine eilends angefertigte Pro- und Contra-Liste für und gegen die neuen Versionen einiger aktiv gepflegter Büroanwendungen für Windows – LibreOffice benimmt sich allzu oft ein wenig wunderlich – habe ich in einer virtuellen Maschine einige Kombattanten gegeneinander antreten lassen.

SoftMaker Office 2012 – ein Produkt deutscher Geisteskraft – mag es aber gar nicht, wenn man es deinstallieren will, und spricht spontan asiatisch, jedenfalls behauptet der Zeichensatz das:

Das ist ziemlich gewitzt; noch gewitzter wäre es, würde man in der gleichen Sprache eine Frage stellen, die richtig beantwortet werden muss, bevor man mit der Installation fortfahren kann, denn so dürfte das Abwandern von Kunden dauerhaft gehemmt sein. Na, vielleicht in der nächsten Version.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Tom Waits – Rain Dogs

Jene, die mit meinen musikalischen Empfehlungen konfrontiert werden, attestieren mir mitunter ein fehlendes Gespür für die schöne Kunst und einen Hang zu möglichst Abstraktem. Dabei ist dem gar nicht so. Ich schätze jedoch Texte mit Tiefgang, eine extrovertierte Darbietung und komplexe Melodien.

Zum Beispiel „Rain Dogs“ von Tom Waits, enthalten auf dem gleichnamigen Album.

Hübsch, nicht? :)

(Mit spätem Dank an T.!)


Warum die F.D.P. am Wochenende nicht Philipp Rösler nominiert hat, sondern Carsten Maschmeyers persönlichen Freund Joachim Gauck, bleibt mir übrigens ein Rätsel, hat ersterer doch seine ihm offenbar von einer Mehrheit der Parteimitglieder zugetrauten Führungsqualitäten bereits erfolgreich unter Beweis stellen dürfen, immerhin gibt’s die F.D.P. noch; aber sei’s drum.

FotografiePiratenpartei
KPTWFSZ2012.1 (oder so)

… und dann lernt man auch immer in kleinerem Rahmen zu denken, wenn’s eben statt vieler nur wenige Anwesende sind und zum Wählen eilends Wahltische als Kabinenersatz erschaffen werden und man trotzdem da sitzt und mangels Kaffees merkwürdige „Club Mate“ trinkt, bis sie irgendwann geschmacklich neutral wirkt, der örtlichen Betäubung oder jedenfalls Neutralisierung der Geschmacksnerven mittels Mateüberschusses sei Dank, und …

… muss ein bisschen lachen.

Sonstiges
Post-Post-Privacy: Nach der Spackeria …

… kommt die privacy zurück. („Wat, Spackeria?“ – dat Spackeria, guckstu hier!)

Nimm dies, Datenoffenheit im Internet!

(Beziehungsweise die Frage, wofür eine US-amerikanische Firma meine volle Anschrift benötigt, wenn ich dort etwas herunterladen will, und die meinerseits ausbleibende Erklärung, wieso sie sie nicht bekommt; jeder leckt seinen Arsch für sich [u.a. den von Mozart, so scheint’s].)

In den NachrichtenPolitik
Noch ein letztes Wort zu Wulff

Schade.