NetzfundstückePolitik
1 Partei gefällt das.

Der nordrhein-westfälische Landesverband der Grünen geht jetzt in den Wahlkampf. Irgendeiner der für die Wahlwerbung Verantwortlichen hat wohl davon gehört, dass die Piratenpartei unter anderem deshalb so viel Zustimmung erhält, weil sie sich für mehr Bürgerbeteiligung einsetzt, und weil die Grünen ganz gut darin sind, etablierte Konzepte (Angriffskrieg, Stuttgart 21) zu adaptieren, sobald man sie lässt, machen die Grünen jetzt auch was mit diesem Demokratiezeug, von dem jetzt alle reden, natürlich mit einem fetzigen Spruch, um überhaupt beachtet zu werden:

„Einmischen“ wird hier also versinnbildlicht mit dem nach oben gereckten Facebook-Daumen namens „Gefällt mir“, das vorgeblich angestrebte Mitspracherecht des Bürgers heruntergebrochen auf die großzügige Genehmigung, auf einem „sozialen Netzwerk“ irgendeinen Blödsinn (Angriffskrieg, Stuttgart 21, die Grünen) per Klick gut zu finden, denn ein „Gefällt mir nicht“ ist nicht vorgesehen und Facebook so egal wie wahrscheinlich den Grünen. Gern dafür, dagegen zu sein, niemals aber dagegen, dafür zu sein.

Facebook als Sinnbild gelebter Demokratie. Der Börsengang wird sicher lustig.

Sonstiges
Derweil unten im Digi-Tal (des Niveaus)

Seit heute muss jeder, der hierzulande aus irgendeinem Grund (eventuell die mangelnde Befähigung, einen Computer zu bedienen) satellitenfernsehen möchte, einen Digitalempfänger besitzen.

Wahr ist, dass dadurch die subjektive Bild- und Tonqualität oft steigt, da es im Digitalverkehr nur Eins und Null und kein Rauschen gibt. (Alte Informatikerweisheit: Eine besonders große Null ist beinahe identisch mit einer besonders kleinen Eins.)

Falsch ist, dass man von digitalem Fernsehen eine bessere Qualität bekommt.

Immerhin ist nun jeder fernsehende Deutsche endlich in der Lage, Dieter Bohlens blöde Fresse und Hauptschulabbrecher ohne jedes Gesangstalent in high definition, also in hoher Auflösung, im heimischen Wohnzimmer grinsen zu sehen und quäken zu hören, und man wünscht sich die Tage zurück, in denen „HD“ noch für „High Density“ („hohe Dichte“) stand, denn nichts wünscht man sich nun mehr als ein Fernsehprogramm, dessen Mitwirkende noch ganz dicht sind.

In den NachrichtenMusikalisches
The Magnetic Fields – Andrew in Drag

Europäische Staaten tun endlich mal was gegen diese verdammten Ausländer:

Spanien setzt wegen des Treffens der Europäischen Zentralbank (EZB) in Barcelona das Schengen-Abkommen zur Reisefreiheit in Europa vorübergehend aus. Die Maßnahme gilt von Samstag bis zum kommenden Freitag. (…) Bereits in der vergangenen Woche hatten Frankreich und Deutschland erklärt, zumindest zeitweise das Schengen-Abkommen außer Kraft und Grenzkontrollen einführen zu wollen.

Demonstranten kommen also nur mit Reisepass nach Spanien: Kein Reisepass, kein Auspfeifen, so einfach ist das. Wer reisebefugt ist, der kann kein schlechter Mensch sein!

Und weil wir jetzt, statt wie geplant schwer bewaffnet – daher die Grenzkontrollen – zum Demonstrieren nach Spanien fahren zu können, zur Untätigkeit verurteilt sind, haben wir viel Zeit, das Album „Love at the Bottom of the Sea“ von The Magnetic Fields zu hören:

Schräg? Ja, ein wenig. Aber sympathisch schräg.
Und das passt ja dann auch ganz gut zu der Sache mit den Grenzkontrollen.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt XCVIII: Die falschen Gründe.

Über die kommende Grölball-EM, die in Polen und der Ukraine stattfinden soll, wird viel diskutiert, gerade auch deshalb, weil die Ukraine es mit Menschenrechten nicht so genau nimmt. Sogar der Bundespräsident, selbst aus einem Land stammend, in dem man Menschenrechte zwiespältig aufnahm, bleibt der Ukraine fern.

Dass ich die Spiele weder direkt noch indirekt verfolgen und daher auch nicht kommentieren werde, erwähnte ich bereits. STERN.DE (nur echt in Brüllbuchstaben) macht es sich aber zu einfach:

Soll die Politik wegen der Mísshandlung von Julia Timoschenko die EM-Spiele in der Ukraine boykottieren?

Nein.

„Die Politik“ soll die EM-Spiele in der Ukraine boykottieren, weil

Normalerweise halten sich deutsche Politiker von repressiven Staaten fern und verbietet sich selbst auch den Ölkauf bei vermeintlichen Bösewichten, um ein Zeichen zu setzen, im Fall der Ukraine dauert der Entscheidungsprozess etwas länger, ist halt Fußball.

Doof für den Iran, dass er keine Fußball-EM austragen kann (weil falscher Kontinent).

Wirtschaft
Trink, Brüderle, trink: Mit Schulden gegen Schulden?

Gegenwärtig werden verschiedene Haushalte in Deutschland mit Werbeprospekten der F.D.P. beglückt, begleitet von einem persönlichen Anschreiben von Rainer Brüderle, dem Vorsitzenden der erstaunlich langlebigen F.D.P.-Bundestagsfraktion, in dem er hervorhebt, wie nützlich die F.D.P. in den vergangenen Jahren war. (Parallelen zu Erich Mielkes ungefährem „Aber ich liebe doch alle Menschen!“ in ähnlicher Situation wie der, in der sich die F.D.P. momentan befindet, sind sicher nur Zufall.)

Ein Leser war so zuvorkommend, mir das Anschreiben zukommen zu lassen, und ich bin ziemlich amüsiert, aber mein Humor ist auch eher düster.

Wer hat Lust auf ein Suchspiel und findet alle Dümmlichkeiten im Text? – Anschließend bitte mit dem Lesen fortfahren. ‚Trink, Brüderle, trink: Mit Schulden gegen Schulden?‘ weiterlesen »

Sonstiges
Heinz grillt nie allein.

Einen bedenklichen Fall von akuter Sprachverwirrung nahm ich heute in einem der Lebensmittelgeschäfte meiner Wahl wahr. Zwischen allerlei normalen Grillsaucen nämlich entdeckte ich auch zwei Sorten der Marke Heinz, die das diesjährige Proletenduo Grillsaison und Fußball-EM (zu deren Boykott ich aus allerlei politischen Gründen rate und mit gutem Beispiel vorangehe; Details sind den Nachrichten zu entnehmen) thematisieren. Eine von ihnen heißt (dämlicher-, nicht aber falscherweise) „Elfmeter für Würstchen“, die andere „You‘ll never grill alone“.

Klar: Hier wird Bezug genommen auf das meist grölend vorgetragene ehemals Broadway- und nun Fußballliedchen „You’ll Never Walk Alone“, „Du gehst nie allein“. Aber „grillen“ heißt doch im Englischen irgendwas mit „barbecue“? Stimmt, „grillen“ (etwas auf dem Rost erhitzen) heißt „to barbecue“, im US-Amerikanischen auch „to broil“.

Indes: Analog zum grill, dem Grillrost, existiert auch „to grill“. Das Wörterbuch – je nach Wörterbuch – übersetzt es mit „jemanden examinieren“, „jemandem auf den Zahn fühlen“, „jemanden in die Mangel nehmen“ und, als umgangssprachliche Kurzform für „to cook something under the grill“ und somit eigentlich kaum relevant, „etwas unter den Grillrost legen“, und Holzkohle mit Sauce schmeckt vermutlich nicht mal den US-Amerikanern.

Grillsauce ist im Englischen bekanntermaßen (da vielfach in hiesigen Läden zu sehen) „barbecue sauce“ oder schlimmstenfalls „BBQ sauce“, aber eben keine „grill sauce“.

„You‘ll never grill alone“, „du wirst nie allein examinieren“. Wohl bekomm‘s.

NetzfundstückePiratenpartei
Das Niveau des Christian Sickendieck

(Vorbemerkung: Zur Verdeutlichung der verqueren Weltsicht des vorbezeichneten „Bloggers“ ist es diesmal leider unvermeidlich, auf einige seiner Artikel direkt zu verweisen. Ich bitte um Nachsicht.)

Noch 2009 veröffentlichte Hetzblogger Christian Sickendieck unter dem lustigen Titel „Sensation: Neues Logo der Piratenpartei geleakt“ eine Reichsflagge mit Piratensegel als „Satire“. Allgemein fand er es zeitweilig ziemlich spaßig, die liberal-soziale Piratenpartei mit NSDAP-Assoziationen zu belegen: Und alle so: „Heil“, ja, da lacht der Demokrat. Am 4. Oktober 2009, nur wenige Tage, nachdem er der Piratenpartei einen überschrittenen Zenit attestiert hatte, fand er es erneut satiretauglich, dümmliche Neonazis als typische Piraten darzustellen.

Als die Diskussion um Bodo Thiesen allmählich abzuflachen begann, war das noch kein Grund für Christian Sickendieck, seine populistischen Hetzthesen ein wenig zurückzufahren. Im Mai 2010 nannte er die Piratenpartei einen bösartigen Kindergarten und blies im November desselben Jahres zum Abgesang: „Die Piratenpartei liegt am Boden“.

Irgendwer scheint ihm aber in der Folgezeit einen kräftigen Schlag auf den Schädel verpasst zu haben, denn danach kam eine Weile gar nichts mehr – und im September 2011, nach dem „sensationellen Erfolg“ (Chr. Sickendieck) des Berliner Landesverbandes der Piratenpartei, lobhudelte er:

Mit dem Berliner Landesverband der Piraten gab es endlich wieder eine links-liberale Alternative, keine Protestpartei, sondern eine realistische Alternative für junge, politisch interessierte und gebildete Menschen.

Gestern schrieb derselbe Christian Sickendieck, der 2009 lustige Nazisatiren über die Piratenpartei für so treffend hielt, dass er keinen Widerspruch als Kommentar duldete, unter der Überschrift „Das Niveau des Vizekanzlers“:

Wenn er aber im selben Satz zu den Piraten vor Somalia schwenkt um dann abzuschließen, Piraten seien nicht sympathisch, dann ist dies nicht nur ein demokratisches Foul, sondern eine Ungeheuerlichkeit. Rösler vergleicht die Piratenpartei Deutschland mit Mördern und denkt dabei, er wäre witzig. Das ist das Niveau der FDP im Jahr 2012. (…) Es scheint, als sei Philipp Rösler charakterlich nicht im Ansatz befähigt, den Liberalen vorzustehen, noch viel weniger unser Land als Regierungsmitglied zu vertreten.

Was das über Christian Sickendieck aussagt? Nun, es scheint, als sei Christian Sickendieck charakterlich nicht im Ansatz befähigt, ein politisches Blog zu führen, noch viel weniger unser Land als Wähler zu vertreten.

Er hat sicher nur die Pointe nicht verstanden.


Bonuswitz: Die Piraten sind eine gefährliche Partei. Sie bedrohen das eingespielte politische System. (Frankfurter Rundschau, nicht Christian Sickendieck.)

In den Nachrichten
Die radikale Verjüngungskur des ZDF

Das ZDF reagiert auf die bestürzenden Meldungen vom Rückgang der Zuschauerzahlen jeglicher internetferner Medien nicht etwa mit Flüchen und Schuldzuweisungen an die Piratenpartei, wie es zurzeit Usus ist, sondern mit tiefsinnigem Humor. Man wolle sich dort nämlich nunmehr verstärkt mit Jugendarbeit befassen, schrieb Susanne Klingner von der ansonsten unsäglichen „taz“ heute.

Wie diese Jugendarbeit im Detail aussehen soll? Nun, Intendant Thomas Bellut hat große, fast schon wahnwitzige Pläne:

Bis 2014 will der neue ZDF-Intendant Thomas Bellut das Durchschnittsalter der Zuschauer von 61 auf 60 Jahre senken.

Ui!

Nachdem Thomas Gottschalk (61, bald 62) das ZDF-Programm in absehbarer Zeit „vorerst“ verlässt, ist die halbe Strecke schon geschafft. Zwei Fragen drängen sich mir aber auf:

  1. Wie?
    Spekuliert Thomas Bellut darauf, dass Zuschauer über 60 Jahren nach und nach wegsterben? Da könnte er Glück haben. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass das ZDF-Programm in der Regel sterbenslangweilig ist. Oder will man künftig einen neuen Werbespruch führen – „mit den Zweiten kaut man besser“? („Sie sind zu alt für das ZDF!“ ist übrigens auch einer dieser Sätze, von denen ich nie vermutet hätte, dass sie jemals fallen würden. Worüber soll man sich denn jetzt noch lustig machen?)
  2. Warum?
    Ist man mit 60 Jahren ein besserer Zuschauer als ein Jahr später? Und: Braucht Deutschland einen weiteren Jugendsender?

Ich wünsche Thomas Bellut unabhängig davon, ob ich auf diese Fragen jemals eine Antwort erhalten werde, viel schnellen Erfolg: In vier Jahren ist er zu alt für seinen Sender, er sollte sich also ein bisschen beeilen.

(via @chriszim)

Musikalisches
Graham Coxon – City Hall

Zu den eigenartigsten Musikalben dieses Jahres, die ich bisher gehört habe, zählt „A+E“, ein Noiserock-Soloalbum des Blur-Gitarristen Graham Coxon und trotzdem nicht übel.

„Noiserock“ ist beinahe untertrieben:

Zwar steht der rauhe Opener „Advice“ noch in der Tradition ordentlicher Coxon-Granaten, doch schon hier fiepst und rumpelt es ordentlich im Hintergrund.

Dennoch bereitet es einen kaum auf das darauffolgende „City Hall“ vor, ein monoton waberndes, mit stur programmiertem Drumcomputer nach vorne peitschendes Experiment, gegen das jeder Neu!-Song als lupenreine Popnummer durchgeht.

Eigenartig – aber grandios.

Guten Morgen.

MusikalischesNerdkramsNetzfundstücke
Soziale Wiedergabelisten: musicplayr

Nachdem die GEMA YouTube mal wieder erfolgreich dazu bringen konnte, noch mehr Inhalte als bislang zu filtern („rechtsfreier Raum“?), stehen Musikfreunde, die sich nicht dazu durchringen können, sich einen guten Proxy einzurichten, schon wieder vor der Frage: Wohin jetzt?

Wo man Musikalben streamen kann, ist kein Geheimnis mehr: Grooveshark, simfy, Rdio und – wahrscheinlich noch 2012 – WiMP sind nur vier der Dienste, bei denen man mehr Musik hören kann als man überhaupt Zeit dafür findet. (Dass all dies kein Ersatz für einen womöglich hübschen Tonträger ist, bedarf, nehme ich an, keiner gesonderten Erläuterung.)

Was diesen Diensten jedoch meist fehlt, ist eine brauchbare Wiedergabelistenverwaltung, wie YouTube sie hat. Hier kommt der Dienst musicplayr (wer braucht schon Vokale?) ins Spiel, den ich vor einer Weile auf schallgrenzen.de gefunden habe und der Lieder von zahlreichen Quellen – zurzeit YouTube, Vimeo, Dailymotion, Soundcloud und diverse Musikblogs – in beliebig vielen Wiedergabelisten organisieren kann. Was an Liedern nirgends im Internet gefunden werden kann, kann auch einfach – wie bei Grooveshark – hochgeladen werden, ist allerdings dann zwar in der eigenen Wiedergabeliste für jeden sicht-, jedoch aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar. Lieder, die man selbst hochlädt, kann man auch nur selbst hören.

musicplayr ist also bezüglich seiner Ausrichtung irgendwo zwischen lokaler Wiedergabeliste und Grooveshark anzusiedeln. Videofunktion ist nicht, aber das muss ja auch nicht sein. Alles dreht sich um die Listen. Ich zitiere dreist:

Es können öffentliche Listen geaddet und Songs kommentiert und bewertet werden. Das Zusammenstellen von Listen ist kinderleicht, die Reihenfolge der Songs kann jederzeit geändert werden. Alle Songs können direkt über den integrierten Player inklusive Video abgespielt werden. Seine Playlisten kann man mit einigen Genre-Tags (Post-Rock fehlt!!) kennzeichnen. Nutzer folgen so einander und entdecken neue Musik.

Der größte Nachteil: Der Dienst ist immer noch in der „geschlossenen“ Betaphase, was, wie meist, bedeutet: Ohne Einladung kommstu nisch rein. Einladungen kann jedoch jeder angemeldete Nutzer nach Belieben verteilen, ich selbst momentan 18.

Bei Interesse also einfach einen Senf hinterlassen.

Fotografie
Jetzt mit Vollkorn.

Um dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der Bürger entgegenzukommen, beschloss man im Hause Sinnack Backspezialitäten, die Produktpalette der Vollkornbackwaren um eine Zutat zu bereichern.

(Mit Dank an L.!)

NetzfundstückePiratenpartei
Schmalhans des Tages: Dr. Wolfgang Herles, ZDF (ehemals JU).

Dieser Artikel ist Teil 4 von 4 der Serie Schmalhans des Tages

Bald sind schon wieder irgendwo Wahlen, und das CDU-geführte ZDF ist davon so überrascht, dass es nicht mal Zeit hatte, kurz die Wikipedia zu konsultieren.

„Dr.“ Wolfgang Herles, Leiter der Redaktion Literatur und Moderator der Sendung „Das Blaue Sofa“ und somit natürlich prädestiniert, kluge Dinge über progressive Politik zu schreiben (Bücher und Blogs haben ja alle was mit Text zu tun), senfte also in das ZDF-Blog hinein:

Shitstorms, der freiwilige (sic!) Verzicht auf Privatsphäre und Dauerschnattern im Netz, sind neuere Erscheinungen der Massenkultur, doch keine demokratische Errungenschaft, auf der sich eine richtige Partei gründen ließe.

Der erste Satz wäre nur ohne das Komma nach „Netz“ wenigstens teilweise richtig und wahrscheinlich besser verständlich, also denkt es euch weg. Ja, „neuere Erscheinungen“ als das Christentum sind genannte Punkte, aber ich nehme an, was ein Mailboxnetz ist und dass solche vor Jahrzehnten schon diese „neueren Erscheinungen“ aufwiesen, weiß Dr. Wolfgang Herles nicht – „Internet ist das mit dem blauen e“, Diskussion beendet. Aber er hat Recht: Shitstorms sind keine geeignete Basis für eine Partei. Was jedoch will er damit sagen?

Ach, um die Piraten geht‘s, und die mag er gar nicht:

Für mich sind sie schon deshalb unwählbar, weil sie geistiges Eigentum enteignen, vergesellschaften wollen. In diesem Punkt halte ich sie für verfassungswidrig.

Sie wollen was? Wenn ich jemanden „enteigne“, nehme ich ihm sein Eigentum; wenn ich also „geistiges Eigentum“ (besser: geistige Monopolrechte) enteigne, hat das „geistige Eigentum“ kein Eigentum mehr? Watis? Nein, darum geht es der Piratenpartei bekanntlich nicht, sondern es geht ihr darum, dass die Urheber von ihren Werken besser leben können als die Rechteverwerter, die zu ihnen ja in der Regel eher wenig beitragen.

„Verfassungswidrig“ waren übrigens laut Bundesverfassungsgericht so manche Gesetze, die eine ganz andere Partei in den vergangenen Jahren zu erlassen versucht hat; in ihrer Jugendorganisation, der „Jungen Union“, war früher auch ein gewisser Wolfgang Herles Mitglied. Immerhin: Mit Verfassungswidrigkeiten kennt er sich bestens aus.

Leider schreibt er stattdessen etwas zu Themen, die nur eines geringen Rechercheaufwands bedurft hätten:

Eine außerparlamentarische Protestbewegung ist bei den Piraten nicht zu erkennen, trotzdem sind sie bereits eine Partei. Sie sind eher von Technik besessen als von Ideen.

Für Wolfgang Herles sind der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur, der Chaos Computer Club, der c-base e.V., in dessen Räumlichkeiten die Piratenpartei Deutschland gegründet wurde, und The Pirate Bay, Keimzelle der ersten Piratenpartei in Schweden, also nicht zu erkennen. Vielleicht hilft Brillenputzen.

Wolfgang Herles, geistig enteigneter Blogger beim ZDF: Auch eine Art von Karriere.

In den Nachrichten
“Natürlich hat das nichts damit zu tun.“

Ach, „WELT ONLINE“, etwas mehr Sorgfalt würde euch manchmal gut tun:

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hat zu Beginn des vierten Prozesstages zum ersten Mal auf seinen rechtsextremen Gruß mit ausgestrecktem rechtem Arm und geballter Faust verzichtet.

Merkwürdig; so weit ich mich entsinne, bedeutet die geballte Faust am ausgestreckten Arm nicht etwa „Scheißjuden“, sondern ist ein Zeichen der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner in den USA, aber auf ausgestreckte Arme reagiert man in der Journaille eben immer ein wenig allergisch. Aber darum soll es gerade mal nicht gehen. Der Protagonist bleibt jedoch derselbe.

Anders Behring Breivik, seines Zeichens offenbar fanatischer Mörder diverser Personen in Norwegen, sollte man eigentlich wegsperren, heißt es. Nun stellte sich heraus, dass er gar nichts dafür kann:

Er gab an, sich vor den Anschlägen ein ganzes Jahr freigenommen zu haben, um das Computerspiel „World of Warcraft“ zu spielen. Er habe im Schnitt 16 Stunden am Tag vor dem Computer gesessen.

Wir folgern: Verbietet Computer! Da kann er sich herausreden, wie er will:

„Das war aber reine Unterhaltung, ein Hobby, und hatte nichts mit dem 22. Juli zu tun“, betonte er. Für seinen Anschlag habe er mit echten Waffen trainiert. Er sei mehrmals beim Schießtraining eines Vereins gewesen.

Denn wenn man einmal abwägt, ob ein Third-Person-MMORPG, in dem es im Wesentlichen darum geht, Fantasiefiguren plattzuzaubern, oder ein Schützenverein, in dem man professionell mit Dingen hantiert, die „bumm“ und bei Bedarf auch tot machen, nun den schädlicheren Einfluss auf eine offenbar nicht unbedingt gesellschaftsfreundliche Person ausübt, fällt die Entscheidung nicht schwer.

Denn wenn man vorhat, ein paar Leute über den Haufen zu schießen, sollte man stets berücksichtigen, dass man einen Ruf zu verlieren hat:

Auf das Computerspiel-Hobby habe seine Umgebung mit Entsetzen und Schock reagiert. „Ich konnte ihnen ja nicht sagen, dass ich ein freies Jahr nehme, weil ich mich fünf Jahre später in die Luft sprengen wollte.“

„Also das mit dem Leutemetzeln ist ja in Ordnung, aber World of Warcraft? Der Junge braucht dringend einen Psychiater!“

Nein, natürlich hat das nichts damit zu tun.
Ausreden, alles Ausreden!

(Mit Dank an L.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz verlinkt XCVII: Wirtschaftsmächte mit Erfahrung

Also damit konnte wirklich – im Wortsinne – niemand rechnen:

Das krisengeplagte Italien bekommt seine Schulden nicht in den Griff.

Zum Glück hat Italien inzwischen einen erfahrenen Ministerpräsidenten, der weiß, wie man mit Finanzkrisen umgeht, immerhin ist das nicht seine erste:

Er ist internationaler Berater bei Goldman Sachs und Coca-Cola.

Und als Berater von Goldman Sachs „weiß“ man: Will man die reichen Bürger vor der Pleite bewahren, muss man zunächst die Banken fördern.

Die Banken in Spanien und Italien müssen sich immer mehr Geld bei den europäischen Notenbanken leihen, um ihre angeschlagenen Volkswirtschaften mit Krediten zu versorgen. (…) Laut Ifo stiegen die Schulden der italienischen Notenbank von Januar bis März demnach um 79 Milliarden Euro, allein 76 Milliarden Euro davon entfielen auf den März.

Wir sind gerettet!

Und damit wir nicht den Glauben daran verlieren, hielt die Deutsche Botschaft in Wurstschinken Washington es für relevant, ausgewählte US-Amerikaner danach zu fragen, wie sie Deutschlands Rolle in Europa einschätzen. Das Urteil fällt positiv aus:

Sowohl international als auch in der Euro-Krise spielen die Deutschen in den Augen der US-Bürger eine wichtigere Rolle als noch vor wenigen Jahren.

Denn das ist zurzeit natürlich das, was uns die größte Sorge bereitet: Was halten die Amerikaner von uns?
Und selbstverständlich hat das nichts damit zu tun, dass es um die Wirtschaft der USA nicht zum Besten bestellt ist. Die wollen nur unser Bestes.

Unser Geld.

Fotografie
Kreatives Parken

Es ist eine ziemlich dumme Idee, sein Fahrzeug aus Bequemlichkeitsgründen auf einem privaten Parkplatz abzustellen, der obendrein als für eine Führungskraft reserviert gekennzeichnet ist.

Mit etwas Glück wird man auf diesen Fehltritt lediglich freundlich hingewiesen, im Normalfall abgeschleppt. Mit etwas Pech allerdings ist der Besitzer des Parkplatzes nicht nur darauf aus, sein Recht geltend zu machen, sondern obendrein mit Kreativität und Humor gesegnet (scheußliches Wort!).

Denn dann kann es passieren, dass er sich rächt.