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Ich rede nicht gern über mich, aber manchmal schreibe ich. Und dann schreibe ich das hier.

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“Hey Mr. Rain, won‘t you follow me down?“

Die allmähliche Zersetzung jeder verbliebenen positiven Geisteshaltung auch im Juni als Winterdepression zu bezeichnen wäre vermutlich allzu vereinfacht. Gesucht: Sowohl ein Wort, das den Zustand innerer Leere und geistiger Ziellosigkeit beschreibt, als auch ein Grund, sich dafür überhaupt irgendein Wort merken zu wollen. Guten Morgen, die Vögel singen, die Welt liegt in Scherben, bitte aufräumen, bis die Nachmieter da sind.

(Und dann zumindest der Versuch der Ablenkung. Die Leere im Kopf mit Klängen füllen und hoffen, dass er die List nicht bemerkt.)

(Sollte man auch mal wieder häufiger im so genannten „Musikfernsehen“ zeigen.)

Ein schönes Wochenende wünsche ich.

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Mief (außerdem: Crappy chips)

Und als ich also im Rahmen ernsthafter Vereinsarbeit den alljährlichen Flohmarkt mit sich örtlich anschließender Automobilausstellung aufsuchte und dabei unter anderem einem Hund mit lackierten Fußnägeln begegnete, fragte ich mich zweierlei:

  • Ist „i-Miev“ nicht ein denkbar blöder Name für ein doch vorgeblich schadstoffarmes Automobil? (Vgl. hierzu den – lustiger Zufall – Mitsubishi Pajero.)

  • Woraus genau bestehen eigentlich Krappenchips?

(Wenigstens teilweise richtig hat es ja da der Unbekannte gemacht, der im lokalen Supermarkt den anstehenden Verkauf eines Mikrofons, „wo man mit singen kann“, annoncierte, gemacht. Leider war ich in Eile, ich hätte nämlich wirklich sehr gern von dem Angebot Gebrauch gemacht, denn ich kann angeblich nicht sonderlich gut singen. Und danach kaufe ich mir ein Tampon, denn damit kann ich reiten und schwimmen und Rad fahren, sagt die Werbung.)

(Danke an D.!)

MusikalischesPersönliches
Einsame Inselmusik

Hin und wieder sprechen mich gute und weniger gute Bekannte auf meine musikalischen Interessen an, oft, ganz im Stil des „In“- und „Out“-Listenunfugs, mit der Bitte, ich möge doch bitte einmal meine „Lieder für die einsame Insel“ in jeweils begrenzter Zahl aufzählen. Zuletzt geschah dies gestern Abend, als mich ein ansonsten nicht allzu oft negativ auffallender Mitmensch um eine Auflistung meiner, Zitat, „five lonesome island songs“, Zitat Ende, meiner fünf einsamen Lieder über Inseln also, bat. Nachdem ich verstanden hatte, was eigentlich gemeint war, versuchte ich diese Frage bestmöglich zu beantworten, aber ich scheiterte letztlich.

Die Ursache für das Scheitern war nicht etwa, dass ich nicht in der Lage wäre, auswendig fünf Lieder zu nennen, die ich gern auf einer einsamen Insel, die aus unerfindlichem Grund offenbar über eine Stromleitung verfügt, bei mir hätte, sondern es ist das Missverständnis, dem jene Mitmenschen, die versuchen, meinen Musikfaschismus in begrenzte Listenkorsetts zu zwängen, anheimfallen.

Wäre ich nämlich in der unangenehmen Lage, auf eine einsame Insel fünf, zehn oder einunddreißig konkrete Lieder mitnehmen zu müssen, ich würde mich nicht für meine jeweiligen Lieblingslieder entscheiden, denn die kenne ich in der Regel quasi auswendig. Vielmehr kämen solche Lieder in Frage, die besonders lang sind (zum Beispiel echolyns „Mei“), denn wenn ich schon nur eine begrenzte Auswahl an Liedern habe, dann sollen sie mich wenigstens für eine überdurchschittliche Zeit unterhalten, oder eben nicht jenen Liedern zuzurechnen sind, die ich aufgrund besonderer Affinität gern auch mehrmals hintereinander höre, obwohl ich jeden Takt mitsummen kann.

Etwas seltener ist eine Liste meiner tatsächlichen Lieblingslieder gewünscht. Diese Frage missfällt mir, denn obgleich ich wohl in der Lage bin, meine fünf, zehn oder einunddreißig gegenwärtigen „Lieblingslieder“, auf Wunsch auch nach Priorität geordnet, aufzulisten, bedeutet das nicht, dass ich eigentlich so etwas wie „Lieblingslieder“ habe. Was aber ist ein „Lieblingslied“? Ein „Lieblingslied“ ist meines Empfindens ein Lied, das man unabhängig von konkreten seelischen oder physischen Situationen, etwa Trauer, Frohsinn oder Abschlussfeiern, spontan hören kann und das auch nach mehrfacher Wiederholung seinen Stellenwert nicht verliert.

Es gibt Lieder, die mich, meist aufgrund ihres Textes, seit einigen Jahren auf meinem Weg durch das Leben begleiten, dazu zählt etwa „Nur in deinem Kopf“ von den Fantastischen Vieren. Dennoch sind diese Lieder nicht unbedingt gleichzeitig meine Lieblingslieder, denn obwohl die Texte für konkrete Situationen noch immer uneingeschränkt treffend sind, haben sie jede Spannung längst verloren. Unter diesen Liedern ist derzeit keines, das ich stimmungsunabhängig als meinen Favoriten bezeichnen würde.

Wie wohl jeder hörende Mensch bin ich, wie erwähnt, in der Lage, spontan in ziemlich großer Zahl Lieder zu nennen, die mir zuerst einfallen, wenn ich Lieder aufzählen soll, die mir besonders gut gefallen. Sie erfüllen aber die Anforderungen an tatsächliche „Lieblingslieder“ nicht, denn das, was kleine Mädchen als „Lieblingslieder“ bezeichnen („ich hab sooo geheult bei dem Lied!“), ist in meinem Alter einfach nicht mehr im Repertoire zu finden. Meine „Lieblingslieder“ wechsle ich schnell, es ist keinesfalls undenkbar, dass zwei Menschen, die mich im Abstand von wenigen Minuten nach meinem momentanen „Lieblingslied“ fragen, zwei völlig unterschiedliche Antworten erhalten, weil sie zu ungenau fragen. Natürlich gefällt mir „Lay Me Back Down“ von Portugal. The Man immer noch, es hat eine eingängige Melodie, aber genügt Eingängigkeit als Kriterium? Eine Liste der „fünf eingängigsten Lieder, die mir spontan einfallen“, kann ich gern erstellen, hier kommt sie unsortiert:

  • The Beatles – Yesterday
  • Portugal. The Man – Lay Me Back Down
  • Eatliz – Your House
  • The Beatles – Yellow Submarine
  • Lisa Stansfield – All Around the World

Wer meine bisherigen Beiträge über prima Musik wenigstens teilweise gelesen hat, der erkennt schnell, dass sich daraus keine Schlüsse darauf ziehen lassen, was für Musik ich so höre. Musik, die ich höre, findet nämlich grundsätzlich im Kontext eines Musikalbums statt. Das Musikalbum, meine jüngeren Leser kennen das vielleicht gar nicht mehr, ist ein seit Jahrzehnten für tot erklärtes Format (damit ist nicht „MP3″ gemeint) von Tonträgern und bezeichnet eine Zusammenstellung manchmal inhaltlich zusammenhängender, manchmal aber auch nur innerhalb einer festen Zeitspanne aufgenommener Lieder eines oder mehrerer Musiker.

Mit Ausnahme von Sonderfällen wie etwa dem genannten „Mei“ von echolyn bin ich durchaus in der Lage, auf jedem Musikalbum, das ich digital oder physisch besitze, ein konkretes „Lieblingslied“ zu benennen. Obwohl allerdings diese jeweiligen „Lieblingslieder“ weniger Änderungen unterworfen sind als meine imaginäre Liste der „Lieblingslieder insgesamt“, so ist es doch nicht auszuschließen, dass sich auch dort solche Änderungen ergeben. Ein konkretes Beispiel: War ich mir früher sicher, auf dem Beatles-Album „Revolver“ sei „Tomorrow Never Knows“ das mit Abstand beste Stück, so streiten sich inzwischen „Eleanor Rigby“ und „She Said She Said“ darum, wer das Lied endlich ablösen darf.

Insofern bin ich ziemlich sauer auf jeden, der mich dazu bringt, eine zu welchem Zweck auch immer geführte Liste mit meinen „Lieblingsliedern“, „Inselliedern“ oder „Liedern, die ich so höre, wenn es mir mal so alles andere als gut geht“ zu befüllen, denn kaum hat der Fragende seine Antwort erhalten und sich schnell wieder von meiner zweifelsohne Furcht erregenden Gestalt entfernt, fallen mir auch schon mindestens fünf Lieder ein, die eigentlich viel besser auf eine solche Liste gepasst hätten, und das schlechte Gewissen plagt mich nachhaltig. (Kaum hatte ich die Liste der „fünf eingängigsten Lieder, die mir spontan einfallen“, die oben zu lesen ist, vollendet, fielen mir auch schon zwei weitere und viel eingängigere Lieder ein.)

Wonach man mich aber gern fragen darf, sind meine Lieblingsmusikalben, denn die ändern sich nur zögerlich. Seit ich mich bewusst als Musikhörer begreife, die Scooter-Rumhopspopmusikphase also erfolgreich hinter mir gelassen habe, habe ich noch kein weiteres Lieblingsalbum zu einem ehemaligen Lieblingsalbum erklärt. Es kommt allerdings vor, dass sich neue Alben in diese Liste einreihen, man frage mich also bitte niemals nach meinen fünf, zehn oder einunddreißig konkreten Lieblingsalben, denn dann müsste ich wieder würfeln und hätte tagelang ein schlechtes Gewissen. – Obwohl es für einunddreißig konkrete Lieblingsalben noch reichen dürfte.

Diese Alben würde ich gern auch jederzeit auf eine einsame Insel mitnehmen, denn die Gefahr, dass sie mir in absehbarer Zeit nicht mehr gefallen, ist sehr gering. Überzeugt mich das bisherige „Lieblingslied“ auf dem Album nicht mehr, dann küre ich einfach ein anderes. Alben, auf denen nur ein einziges Lied meine – wechselhaften – Kriterien für ein gutes Lied erfüllt, gehören nicht in mein Inventar und sind dort auch, ich wage einen kurzen Blick, derzeit nicht zu finden. (Das habe ich jetzt aber auch leicht gesagt, „einfach küren“; tatsächlich fürchte ich den Tag, an dem mich Bob Dylans „Blonde on Blonde“ zu langweilen beginnt, denn mein „Lieblingslied“ auf diesem durchweg grandiosen Album konnte ich bislang nicht ermitteln.)

„Gesamtkunstwerk“ ist ohnehin ein gutes Stichwort. „Lieblingslieder“ scheinen ein Phänomen aus der Generation zu sein, die Lieder nur noch als kaputtkomprimierte, in sich abgeschlossene, aber nichtssagende, durchschnittlich zweidreiviertel Minuten lange Downloads kennen. Die wenigsten Musiker aber nehmen Lieder in oft wochen-, manchmal jahrelanger Studioarbeit auf, ohne eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, ob und wie diese Lieder miteinander zusammenhängen. Als Analogie ist vielleicht die Reihe der „Lustigen Taschenbücher“ geeignet, deren Buchrücken jeweils einen Teil des aktuellen Jahresmotivs zeigen. Sicher ist auch so ein einzelner Buchrücken mehr oder weniger schön bemalt und vermag zu erfreuen, aber ohne die elf Buchrücken um ihn herum bleibt er ein wichtiges, jedoch verloren wirkendes Puzzlestück.

Kurz gesagt bedeutet das: Wer den Wert der Musik nicht in Euro misst, der sollte auch nicht versuchen, sie nach Zahlen zu sortieren. „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“ sagt der Volksmund, und der Volkskörper legt währenddessen fleißig weiter, und sei es nur zum Zeitvertreib, Listen („Hitparaden“) an, die zum Teil noch Jahrzehnte später etwa in der Wikipedia als Beleg für die Wichtigkeit eines Musikers oder eines musikalischen Werkes dienen sollen. Relevant ist nur das, was ausreichend viele Leute in einem bestimmten Zeitraum als ihr „Lieblingslied“ benannt haben. Über die Aussagekraft dieser Statistik habe ich oben schon manches geschrieben, und ein Blick in die dieswöchigen kumulativen Lieblingslisten („Hitparaden“) gäbe mir wahrscheinlich Recht; obwohl ich überzeugt davon bin, dass ich nicht einmal die Hälfte der „Musiker“, die derzeit die so genannten „Top-20″ befüllen, namentlich kenne, so werden sie doch als wichtige („relevante“) „Künstler“ betrachtet, weil ihre Plattenfirma viel Geld in Werbung steckt in der Hoffnung, noch mehr Geld wieder herauszubekommen. (Im Nachhinein betrachtet wirkt es da wie ein Hohn, dass Musikgruppen wie Gentle Giant und The Velvet Underground, die heute als Weg weisende Institutionen verstanden werden, sich einst gezwungen sahen, sich mit oft nur mäßigem Erfolg dem mainstream unterzuordnen, um ihr finanzielles Überleben zu sichern. Man hielt sie nicht für „relevant“ genug.)

Zwar habe ich Lieblingsmusiker, wie ich auch Lieblingsautoren habe, und ich habe Lieblingsalben, wie ich auch Lieblingsbücher habe, aber wer würde mich nach meinem Lieblingssatz aus einem Buch fragen? „Wenn du nur fünf Sätze auf eine einsame Insel mitnehmen dürftest, welche Sätze wären das?“

Andererseits fällt mir auch gerade niemand ein, der so grausam wäre, Menschen mit nur fünf Liedern auf einer einsamen Insel auszusetzen.
Na gut, Steve Jobs vielleicht.

FotografieIn den NachrichtenNerdkramsNetzfundstückePersönliches
“Leave me in the clouds.“

Ich gebe zu, ich bin mitunter nicht immer konsequent in dem, was ich schreibe und andererseits tue. So lehne ich zum Beispiel Dienste von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf der Verwertung von Benutzerdaten basiert, ab, kann mich dennoch den Segnungen der Digitalisierung nicht immer entziehen. Ich bin in der Cloud.

Beim Kauf meines mobilen Büros hatte ich nicht gedacht, dass es einen nachhaltigen Einfluss auf mein Leben und vor allem mein Sicherheitskonzept haben würde. Natürlich verwendete ich schon eine Zeitlang Dropbox, um etwa unfertige Projekte und Dateien für das Studium zu sichern und bei Bedarf auch unterwegs zur Hand zu haben, darüber hinaus nutzte ich, da ich auf mehreren Computern die weitgehend gleichen Lesezeichen und Passwörter verwende, Xmarks (mittlerweile Firefox Sync) und LastPass zur Synchronisation. Dass im Fall einer Kompromittierung meine Lesezeichen und/oder der aktuelle Entwicklungsstand von TinyTodo in die Hände Dritter fallen könnten, hat mich dabei nie erschaudern lassen, und meine Passwörter sind auf den LastPass-Servern nicht unsicherer als in meinem Kopf. (Siehe weiter unten.)

Mit Android hielten auch Evernote und wunderlist Einzug in meine Organisation. Nutzte ich zuvor KeyNote-NF, die Notizfunktion von ac‘tivAid und mitunter Textdateien, um Notizen und zu erledigende Aufgaben nicht zu vergessen, trage ich all dies nun quasi ständig mit mir herum. (Anzumerken sei, dass KeyNote-NF für einige Notizen allzu privater Natur noch immer mein Programm der Wahl ist; die Datenbankdatei sichere ich selbstverständlich regelmäßig.) Es gibt nur wenig Ärgerlicheres als eine gute Idee zu haben und sie wieder vergessen zu haben, bevor man wieder am Laptop sitzt, und das passiert mir leider nur allzu häufig. Das ist einer der Gründe, wieso ich nur selten ohne Notizbuch aus dem Haus gehe.

Der eigentliche Auslöser für diesen Beitrag war übrigens die Meldung, dass bei LastPass auf den Servern Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. Sofort unkten die Skeptiker, es sei selbst schuld, wer seine Passwörter einem externen Dienst anvertraue, ungeachtet dessen, dass die gegebenenfalls „erhackten“ Passwörter verschlüsselt sind und nur mit einer gezielten Wörterbuchattacke lesbar gemacht werden können; und wer ein Passwort verwendet, das im Wörterbuch steht, hat, diese Bemerkung sei gestattet, einen Knall und es eigentlich auch nicht besser verdient.

Man möge mich kritisieren für den Leichtsinn, auch nur irgendetwas auf Servern abzulegen, die mir nicht gehören; man sollte aber, bevor man mich nun verwünscht, einmal über das eigene Tun nachdenken. Menschen stellen intime Details, oft bebildert, von sich selbst bei Facebook (ist ja „nur für Freunde“ sichtbar, von wegen!), MySpace oder *VZ online, sie bearbeiten bereitwillig sensible Firmendokumente auf Google Text & Tabellen und schicken sie dann via Google Mail oder, schlimmer noch, Skype durch die Gegend, ohne sich auch nur ansatzweise im Klaren über die Gefahren geschlossener Systeme kommerzieller Anbieter im Klaren zu sein. Wer ständig Ängste schürt, sollte zumindest selbst ein wenig Vorsicht walten lassen.


(Nur mal rein interessehalber gefragt: „Einmal zahlen, ewig nutzen“ ist zwar ein durchaus lobenswertes Konzept, aber ist es noch sinnvoll, wenn der Preis alljährlich fällig wird?)

Persönliches
Mitgefühl für Donald Duck

Kein Mensch ist perfekt. Perfektion ist etwas, was den Menschen wie ein unerreichbares Ideal eigentlich sein Leben lang verfolgt; beziehungsweise, genau genommen, andersherum. Und gerade, wenn man sich der eigenen Unperfektion bewusst ist, ist es vermeintlich um so wichtiger, nicht im Stillstand zu verharren, sondern sich immer wieder quasi selbst neu zu erfinden.

Oft geht das aber gründlich schief. Vor Jahren gab es einen kurzen Donald-Duck-Comic, der ungefähr so ging: Donald hilft seiner Freundin Daisy dabei, ihr Haus umzugestalten, und folgt hierzu ihrer Bitte, das – natürlich – schwerste Möbelstück des Zimmers an eine andere Stelle zu rücken. Jeder neue Stellplatz aber missfällt Daisy, und schließlich, als Donald längst außer Atem ist, beschließt sie, dass er es wieder dort, wo es ursprünglich stand, hintragen solle, denn dort hatte es ihr am besten gefallen. Damit endet die Geschichte.

Manchmal erlebt ein Mensch Momente, von denen er sich wünscht, dass sie nie vergehen mögen. Sobald sie vorüber sind, erwächst in ihm der Wunsch, diesen Moment noch einmal zu erleben. Wenn diese glücklichen Momente aber Momente der Zweisamkeit sind, obliegt es nicht allein dem eigenen inneren Schweinehund, sondern dem Konsens, einen ähnlichen Zustand wieder herbeizuführen.

Wie gern ist man da geneigt, gewohnte Verhaltensweisen, wenn nötig, abzulegen! Wenn der selbst vom Lauf der Zeit gezeichnete Partner, mit dem man gemeinsam nächtelang das Leben genoss und, kaum war diese Zeit vorüber, wegen dessen man allein nächtelang am Leben zerbrach, nun als Faustpfand für die Ewigkeit erwartet, dass man sein Selbst in den Dienst der Zweisamkeit stellt, dann wirft man nur allzu gern alle lieb gewordenen Gewohnheiten über Bord, winkt doch zum Tausch gegen Altlasten die Freiheit des Herzens.

Was ist nun aber zu tun, wenn es letzten Endes doch die abgelegten Altlasten sind, die der Partner vermisst?
Wenn jeder Schritt im Bewusstsein anderer ein Schritt in die falsche Richtung ist, ist dann nicht der Stillstand der beste, weil einzig kompromissfähige aller Lebenswege?

Aus dem Leben Donald Ducks, so fiktiv es auch sein mag, kann man vieles lernen; und es besser machen.

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Dells Keingutschein

Prolog: Im Reich der Legenden gibt es immer wieder solche, die sich darum drehen, dass elektronische Bedruckung nicht immer zu den gewünschten Ergebnissen führt, wie etwa die Internetseite The Daily WTF gern zeigt, so etwa hier.

Kommen wir zum Thema: Vor einer Weile fragte mich ein Haushalt um Rat, welcher Computerhersteller denn Geräte anbiete, deren Anschaffung sich qualitativ lohne. Arglos empfahl ich Dell und bestellte ein geeignetes Modell.
Gestern nun erreichte mich als Konsequenz dieser Tat ein Werbeprospekt des Unternehmens, der mich zu meinem Kauf beglückwünschte und inliegende Sonderangebote versprach, Gutschein inklusive. Ich blätterte nun also vorhin darin und suchte erfolglos nach dem versprochenen Gutschein.

Gutscheine in Prospekten erkennt man meist schon beim Überfliegen, sie werden meist deutlich akzentuiert gedruckt; jedoch fand ich zwar mehrfach einen Hinweis auf den Rabatt, den mir der Gutschein für künftige Anschaffungen gewähren sollte, nicht aber den Gutschein selbst.

Darob frustriert widmete ich mich also dem editorial und fand, was ich zuvor übersehen hatte:

„Wie trickreich!“, sprach ich zu mir.
Auf einen solchen Gutscheincode würde so bald niemand kommen.

Ob Dell damit versucht, subtil gegen die zahlreichen Internetseiten vorzugehen, die selbige verbreiten, weiß ich nicht; aber kreativ sind sie ja, das muss man ihnen lassen.

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Last.fm und ich

Und da wir gerade beim Verlinken waren:

Nicorola und daraufhin unter anderem der mir bis dahin völlig unbekannte Herr beetFreeQ warfen jüngst die Frage auf, warum wir ollen Musikfanatiker – auch bei den Schallgrenzen wird „gescrobbelt“ – uns eines Dienstes wie Last.fm bedienen, an den wir zwar mit fast sämtlichen Geräten, die wir so zum Musikhören nutzen, übermitteln können, was wir gerade so hören, der uns aber ansonsten keinen wirklichen Mehrwert bringt.

Das Prinzip von Last.fm ist eigentlich simpel: Man meldet sich an, gibt dann die Anmeldedaten in das Last.fm-fähige Gerät seiner Wahl ein und weiß fortan genau, was man wann gehört hat. Das sieht zum Beispiel so aus, wenn man ich ist. Vor Jahren war das eine Innovation, inzwischen kann man sich vor Nachahmern kaum mehr retten. Der oft prophezeite „Tod“ von Last.fm ist dennoch bislang ausgeblieben, und das ist gut, denn nicht jede Nische gewinnt mit Konkurrenz. Der Vorteil von Last.fm war es bisher, dass es eine gewisse Monopolstellung inne hatte. Das Modell Last.fm mit „Empfehlungen“ und „Gruppen“ funktioniert nun einmal am besten, wenn die Nutzung des Dienstes Konsens ist. Dienste mit ein paar hundert verstreuten Leuten, für die es genug Alternativen gibt, sind zwar ganz nett und zeigen eventuell neue technische Möglichkeiten auf, aber soziale Vernetzung kann so nicht funktionieren.

Tja, warum nutze ich Last.fm? Ich hatte mich dort vor vielen Jahren angemeldet, weil es mir interessant erschien; gar eine eigene Gruppe („Sgt. Pepper Fanatics“) initiiert, mit der ich mich auch heute noch identifizieren kann. Einige Leute, mit denen ich mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt habe oder jedenfalls hatte, fanden den Weg in meine „Freundesliste“, und es war nur wenig erstaunlich, zu sehen, dass die „musikalische Übereinstimmung“ selten allzu gering war, tauscht man doch mit Freuden Musik aus, von der man glaubt, sie könnte auch dem Gegenüber gefallen.

Ansonsten allerdings interessiert mich diese „Freundesliste“ ungefähr so viel wie die mitunter als Argument angeführten „Künstlerbiografien“, die selten mehr sind als Wikipedia-Zitate. Ich werde aber nicht selten gefragt, „was für Musik“ ich denn so höre, und da bietet sich ein Verweis auf mein Last.fm-Profil an, selbst, obwohl mein heißgeliebter mobiler Musikspieler nicht mit Last.fm umzugehen weiß und ich nur wenig Freude an dem Gedanken habe, mein Mobiltelefon mit permanenter Internetverbindung und einer riesigen Musikbibliothek auszustatten und ebendieses Profil somit zwar repräsentativ, aber alles andere als vollständig ist. Zupass kommt manch einem Musikinteressierten übrigens auch das System der „Empfehlungen“, die Last.fm erteilt, denn nicht in jedem Genre, das man hört, hat man einen solchen Überblick über Artverwandtes wie die Last.fm-Datenbank.

Die vermeintliche „Konkurrenz“ von Like.fm betrachte ich übrigens nicht als solche, denn, um bei dem Beispiel zu bleiben, ich selbst nutze Like.fm. Like.fm bietet mir persönlich den Vorteil, dass ich nicht nur meine gerade gespielten Lieder bei Last.fm bekannt machen kann, sondern obendrein YouTube-Videos und ähnliche Medien erfasst und gleichfalls publiziert werden können. Es ist also vielmehr eine Ergänzung als eine Konkurrenz, immerhin ist die Anbindung an das eigene Last.fm- wie auch an ein etwaiges Facebook-Konto – wieso auch immer man das wollen sollte – bereits vorgesehen.

„Web 2.0″, so las ich einmal, bedeute die Vernetzung von Menschen, nicht mehr nur die von statischen Inhalten. Jedenfalls mir fällt gerade nur wenig ein, was einen Menschen besser beschreibt als sein Musikgeschmack.

Insofern ist Last.fm von seinem „Tod“ sicher weit entfernt, und auch, wenn er es dereinst ereilt:
Der Dienst hat einen Markt begründet, der dem ganzen Gefasel von „sozialer Vernetzung“ so nahe kommt wie kein anderer vor ihm. Möge ihm noch ein langes Leben beschieden sein!

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“The only haven you can trust“

FotografieKaufbefehleMusikalischesPersönliches
Anderthalb Konzertnächte.

Aufmerksamen Lesern ist womöglich nicht entgangen, dass ich im März bislang eher zurückhaltend bin, was die Frequenz meiner Veröffentlichungen betrifft. Hierfür gibt es mehrere Gründe, die alle aufzuzählen ich gerade nicht müßig genug bin; einer jedenfalls trägt Schwarz:

Da eine eigentlich vorgesehene Bandprobe aus logistischen Gründen ausfiel, entschied die tanzwütige Meute, das legendäre Braunschweiger Nachtleben zu erforschen, was in zeitlicher Hinsicht ziemlich prima war, denn eine kurze Recherche offenbarte, dass gerade das diesjährige Reizwäsche-Schaulaufen „Festival of Darkness“ zu beginnen im Begriff war, das, so versprach die Ankündigung, für EBM-Freunde ein Ohrenschmaus sein sollte, und ich schloss mich interessiert an.

Erst etwa vier Stunden nach Beginn des ersten Abends machten wir dem Festival unsere Aufwartung und erschienen so erst nach den Auftritten mir unbekannter Musikgruppen wie Diorama mitten im Konzert von Frozen Plasma. Wer meine Musikrezensionen aufmerksam verfolgt, der weiß, dass die dröhnende überwiegend elektronische body music normalerweise nicht meinen CD-Schrank ziert und dies so bald wohl auch nicht tun wird, aber steht man vor der Bühne, ist das ein völlig anderes Erlebnis.

„Körpermusik“ ist es, frei übersetzt, und tatsächlich spürt der Körper so manches. Vieles ist dem Postrock ähnlich. Leider habe ich es am ersten Abend aus Zeit- und Organisationsgründen kaum geschafft, das Geschehen in Bildern und Worten zu fixieren, daher ist die folgende Zusammenfassung unvollständig. Das ist insbesondere schade, weil der erste Abend mit einem Auftritt der mir bis dato gleichfalls unbekannten Gruppe Combichrist endete, die mit meiner Vorstellung von prima elektronischer Musik kompatibel scheint. (Ich empfehle entsprechende Recherchen.)

Rechtzeitig informiert erschienen wir aber immerhin pünktlich vor dem Einlass am zweiten Abend, und der war mindestens ebenso angenehm:

Den Anfang machte Moon.74, ein im Festivalwesen noch weitgehend unbeleckter Künstler, der den weiteren Abend dann auch im Zwiegespräch am Autogrammstand verbrachte:

Louis Manke von Terminal Choice, der an diesem Abend sein Soloprojekt „Staubkind“ mit einer kleinen Band zusammen präsentierte, wusste nicht so recht, wo er war (Bochum, Braunschweig; fängt halt auch mit „B“ an), musizierte dann aber doch noch recht solide vor sich hin.

Die in den Liedtexten des Künstlers versierte Begleiterin lobte die Lockerheit und Kommunikationsbereitschaft des Künstlers, ich konzentrierte mich auf die musikalische Ebene und begann im Laufe des Abends zu verstehen, wieso EBM auf Tanzveranstaltungen sich stetiger Beliebtheit erfreut. Die Rhythmen nämlich sind überaus bewegend und verleiten, dem Postrock nicht unähnlich, dazu, selbst unbemerkt mit den Gliedmaßen zu wackeln, bis man spät in der Nacht feststellt, dass selbige dann doch allmählich Ermüdungserscheinungen zeigen.

Spärlicher instrumentiert und mit an diesem Abend bereits häufiger zu sehenden Projektionsproblemen – die Leinwand zeigte eine Zeitlang das CyberHome-Logo – trat dann Sven Friedrich mit seinem (gleichfalls) Soloprojekt Solar Fake auf, der sofort wusste, wo er sich befand, und einige beeindruckende Musikstücke aus dem eigenen Repertoire zum Besten gab. Als Freund des etwas weniger schmusigen Gesangs fand ich viel Gefallen an dem letzten Stück „Lies“ („Lügen“), das zwar schon ein wenig älter ist, aber recht druckvoll präsentiert wurde.

Zwischen Staubkind und Solar Fake traten Noisuf X (X-Fusion) auf, die wir zwar hörten, aber nicht sahen; wisstja, Verpflichtungen:

Solar Fake folgte nach einer Umbaupause die Sängerin Mina Harker nebst Band, von der ich glaube, so etwas schon mal irgendwo gehört zu haben, leider jedoch war ihr Mikrofon zu leise. Insgesamt erschien ihre Musik auch zu austauschbar, so dass wir den Auftritt nach dem ersten Lied lieber anderswo verbrachten; wisstja, Verpflichtungen.

Der Auftritt von Nachtmahr, die das Festival als letzte Künstler ausklingen ließen und die, bitteschön, auch dringend toll gefunden und mit CD-Käufen bedacht werden sollten, riss uns aus der Abwesenheit, denn sie schepperten in guter, alter Laibach-Manier los.

Aufgelockert mit Publikumsintervention („Ein Quiz: Was ist Industrial? – Du nicht!“) boten sich dem Zuschauer auf der Leinwand martialische Szenen im Stil von NSDAP-Propaganda, sich abwechselnd mit weiser Lyrik. „War is not the answer“, „Krieg ist nicht die Antwort“ also, während die Herren hinter ihren Macbooks, denen sie dennoch erstaunlich annehmliche Klänge entlockten, verharrten und ihr Sänger, auf der Bühne herumwirbelnd, Texte wie etwa den von „Feuer frei!“ ins Mikrofon schrie:

Neun Millimeter
direkt in dein Gesicht,
reinigender Stahl
bei diesem Standgericht.

Einige standhafte, teils jedoch schon sichtlich ermüdete Besucher vergnügten sich anschließend noch weit nach Mitternacht auf dem Tanzboden, während Nachtmahr an der Theke Platz nahmen.

Blöderweise hatte die Cocktailbar zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen, ein blinkender Werbebanner warb aber weiterhin für die dort zu erwerbenden Leckereien. Meinen Verpflichtungen musste ich also anderweitig nachkommen; wisstja.

Das nächste „Festival of Darkness“ findet, so gab eine weitere Projektion beredt Auskunft, Ende März 2012 wiederum in Braunschweig statt. Mir scheint, dass sich eine erneute Anwesenheit lohnen wird.

NetzfundstückePersönlichesSonstiges
Allerweltsfilme

Aus Recherchegründen warf ich während der vergangenen Tage wieder einmal einen Blick auf die Titelseite einer Fernseh-Programmzeitschrift. Unter dem dezent nachbearbeiteten Konterfei einer leidlich bekannten Schauspielerin wurden dort zwei Filme angekündigt.

Die Älteren unter meinen Lesern erinnern sich vielleicht noch daran, dass im Abspann von Filmen früher in der Regel die höchste Priorität auf dem Film selbst lag. Dort hieß es dann etwa: „Sie sahen: Kehr zurück, kleine Sheba“, darunter dann gegebenenfalls die Verteilung der Rollen. Damals hätte man es vermutlich bestenfalls als stillos empfunden, wüsste man, wie längst üblich, erst nach zehn Minuten, wie der Film eigentlich heißt, oder läse es im Abspann erst nach zwei Papierkilometern.

Diese Relation scheint allerdings in den letzten Jahren pervertiert worden zu sein; die eingangs erwähnte Programmzeitschrift nämlich kündigte auf besagter Titelseite nicht etwa zwei besonders empfehlenswerte Filme an, sondern die Schauspielerin Jennifer Aniston „mit“ zwei Filmen, was wiederum bedeutet: Der eigentliche Film tritt in den Hintergrund, die Menschen sollen ihn nicht etwa wegen der gewitzten Dialoge voller Popkulturzitate oder wegen der lehrreichen Moral sehen, sondern, weil Jennifer Aniston in ihnen zu sehen ist.

Bereits in meiner Filmkritik zu „Inglourious Basterds“ bemerkte ich dieses Phänomen; dass Filmfreunde dieser Tage eben vor allem das Kino aufsuchen, um bestimmte Gesichter zu sehen, und auf den eigentlichen Film dann nicht mehr viel Wert legen. Wie sonst ist es zu erklären, dass etwa Til Schweiger mit seiner Rolle als Macho, der im Verlauf des Films zu einem sanften Schmusemann geläutert wird, in diesem Jahr („Kokowääh“) schon wieder Millionen Kinobesucher, einige von ihnen gar mehrmals, unterhält? Die zweifelsohne urkomischen Szenen, die einem irgendwoher bekannt vorkommen, allein dürften es nicht sein, denn Keinohrhasen zum Beispiel ist nur mäßig witzig und war dennoch ein Publikumsmagnet. (Mir, dies sei als Spitze angemerkt, ist kein Mann bekannt, der anlässlich des genannten Films auf eigenen Wunsch und ohne weibliche Begleitung im Kino saß. Eine etwaige Kausalität möge sich der geneigte Leser selbst erspinnen.)

Zwar stimmt es, dass sich aus der Besetzung eines Films die ungefähre Handlung und das Genre oft erahnen lassen, von löblichen Ausnahmen wie eben „Inglourious Basterds“ und „Angst und Schrecken in Las Vegas“ abgesehen, aber sie sollte nicht der Anlass sein, einen Film zu sehen. Jennifer Aniston etwa ist mir nur als Darstellerin durchschnittlicher Sitcoms in Erinnerung, warum sollte ich das auf Filmlänge sehen wollen? Gesetzt den Fall, die Frau hat sich inzwischen zu einer seriösen Schauspielerin entwickelt und meine Frage geht von falschen Voraussetzungen aus: Warum tritt dann der eigentliche Film so sehr in den Hintergrund?

Nicht jeder dieser Schauspieler, deren bloße Erwähnung für zalandoeske Jubelschreie sorgt, fällt mit dem immergleichen plot auf, was die Hervorhebung ihrer Person gegenüber der Handlung noch fragwürdiger macht. Woody Allen etwa, dessen frühe Filme („Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“, „Im Bann des Jade-Skorpions“, „Der Stadtneurotiker“ usw.) ich beinahe allesamt als höchst betrachtenswert einstufe, weiß mich mit seinen neuesten Filmen nur noch selten zu überzeugen. Es scheitert aber ansonsten nicht an ihm, Woody Allen, oder der Besetzung (zuverlässig als Fehlbesetzungen zu bezeichnende Schauspieler spielen in seinen Filmen ohnehin nie mit), sondern an der Handlung des Films. Verallgemeinert bedeutet das: Gefällt mir ein Film, gefällt mir nicht auch jeder andere Film mit ähnlicher Besetzung allein der Besetzung wegen.

Insofern ist es absurd, dass Filmemacher dieser Tage mehr mit Schauspielern als mit ihren eigenen Filmen zu prahlen scheinen, aber nur konsequent. Seitdem irgendeine Flitzpiepe blöderweise erfolgreich ausprobiert hat, ob dreidimensionale Effekte über fehlende Handlung hinwegtäuschen können, gleicht der Gang ins Kino mitunter einem Toilettengang mit Verstopfung: Langfristige Freude kommt partout nicht auf, und man verspürt ein unangenehmes Ziehen. Regelmäßige Kinogänger sind offenbar einem selbst auferlegten Masochismus zum Opfer gefallen. Tempora mutantur, et mutamur in illis.

Fragte mich ein Filmproduzent, auf welchen Film ich mich am meisten freuen würde, so wortete ich ant: Ich hätte gern einen nicht zu seichten, fein pointierten, gern leicht bis schwer surrealistischen Film, über dessen Anspielungen auf Popkultur und Zeitgeschehen es später viele Bücher geben wird, mit denen alte, dick bebrillte Professoren sich dumm und dämlich verdienen, und der im Genre der Komödie – die Tragikomödie eingeschlossen – zu verorten ist. Die Hauptrollen sollten bitte nicht mit Johnny Depp, Til Schweiger und Brad Pitt zu besetzen sein, willkommen wäre ein Engagement in nicht tragenden Nebenrollen aber allemal. Die Filmplakate sollten keinerlei Namen tragen, höchstens den des Produzenten und vielleicht den meinen nebst URL meiner Webpräsenz, denn ich mag es, Aufmerksamkeit zu bekommen.

Aber mich fragt nun einmal kein Filmproduzent, denn was ich von ihnen, den Produzenten, erwarte, spielt keine Rolle, so lange ich brav den Brei futtere, den sie mir auf den Teller kotzen.
Habe ich erwähnt, dass ich in den letzten vier oder fünf Jahren, sofern mich meine Erinnerung nicht trügt, nur zweimal im Kino war?


Nachtrag zum Thema „Tschüssi, Herr zu Guttenberg“:

Wie sehr mir der Tod „meiner“ Soldaten nahe geht, entnehmen sie bitte der Tatsache, dass ich dieses Verrecken in meiner gegenwärtigen Situation noch dazu instrumentalisiere, um Journalisten und andere Canaillen dafür ein schlechtes Gewissen einzureden, dass sie die Menschen in der BRD darüber aufgeklärt haben, was ich für ein Betrüger und Hochstapler bin.

Mehr beim Nachtwächter.

LyrikPersönliches
Sie. (Fragment 4)

… Als er wieder in sein kaltes, leeres Zimmer zurückkehrte, sah er sich um. An der Wand hingen Bilder von ihr. Ihm war, als seien Jahre vergangen, seit er allein heimgekehrt war. Die Bilder an der Wand waren das Einzige, was er von ihr mitgenommen hatte; er hätte, dessen war er sich sicher, sie nicht zurücklassen dürfen. Das Wissen darum, dass er nun hier, Hunderte von Kilometern von ihr entfernt, saß und in Erinnerungen schwelgte, statt dort zu sein, wo er sich endlich angekommen wähnte, ließ ihn schwermütig werden. Jedes Mal hatte er sich vorgestellt, wie es wäre, würde er sie einfach nicht mehr loslassen. „Lächerlich“, dachte er dann jedes Mal und wusste, dass er es gar nicht lächerlich fand. War es nicht immer sein Traum gewesen, endlich anzukommen, die Reise, auf der er sich fortwährend befand, endlich beenden zu können?

Nun aber, da er allein war und in den Gedanken an sie zu ertrinken, zu ersticken glaubte, fühlte er wieder den stechenden Schmerz der Narbe in seinem Herzen, die ihm jeder Abschied bislang zugefügt hatte. Es war sinnlos, es abzustreiten: Er war nur noch eine Silhouette. Alles, was er zu sein glaubte, hatte er bei ihr gelassen.

Sie beherrschte seine Träume und seine Gedanken. Immer wieder hatte sie ihn gefragt, warum er sie nicht einfach vergessen konnte, und er hatte belanglose, nichts sagende Antworten gegeben. Er konnte es sich ja selbst nicht erklären. Ihm fiel Xavier Naidoo ein, der gesungen hatte: „Wenn sie vorbeigeht, dann scheint es wie ein Feuerwerk. Vor einem Himmel ist es sie, die ich bemerk‘.“ Er liebte sie, weil sie ihn liebte; und weil er sich endlich geborgen fühlte.

Er hatte einen Gedanken an „später“ immer verdrängt; zu groß war seine Angst davor, dass er sich in Wunschträume verlieren würde, die über seinem Kopf zusammenstürzen würden. Zwar hatte er schon einmal daran gedacht, wie es wäre, nicht mehr allein zu leben, aber vor weiter reichende Entscheidungen hatte ihn noch keine der Frauen in seinem Leben gestellt. Dann kam sie.

Seit damals war alles anders. Er hatte seinen Weg zurück zu ihr und in ihr Herz gefunden; seine Kammer war unberührt, sein Name stand noch an der Tür, als wäre nie etwas gewesen. Dennoch hatte sich etwas verändert. Sein Leben hatte er bisher am Augenblick ausgerichtet, aber er spürte, dass er nun auf etwas gestoßen war, was einmalig war. War es Schicksal, Glück oder Vorsehung?

Was immer in seinem Leben noch geschehen würde, war ihm längst egal; sein einziger Gedanke galt nur mehr ihr. Er wusste selbst nur zu gut, dass er Träumen allzu oft hinterher gelaufen war, aber irgendetwas ihm immer ein Bein gestellt hatte. Mit diesem Traum aber, den er nicht mehr nur träumte, sondern längst lebte, sollte es nicht so enden. In einem Sommer, der nur mehr blasse Erinnerung war, hatte er sich selbst geschworen, er würde ihn ihr erfüllen. Jetzt war es an der Zeit.

Er vermisste es, bei ihr zu sein, ihre Nähe zu spüren.
Er vermisste es, in ihre Augen – „diese Augen!“, dachte er – zu sehen.
Er vermisste sie.

Er war nicht mehr der Herr seiner Gedanken. Es war sein Herz, das sie lenkte.
Und sein Herz wusste, was er wollte.

Er blieb noch lange vor ihrem Bild stehen. Tränen rannen seine Wangen hinab. Aus dem Fernseher im Wohnzimmer erscholl Bonos Stimme. „It‘s a beautiful day…“. Nie zuvor hatte er so wenig Freude an diesem Lied. …

Persönliches
Hier – blamiert – sich HSV!

„Liebe“ Anhänger des Hamburger Sportvereins, die ihr heute, da „euer“ Verein ausnahmsweise offenbar mal gewonnen hat,

  • meinen Weg mehrfach kreuztet;
  • „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“ skandiertet, obwohl euch niemand danach gefragt hat;
  • zwischen Biervorrat und Toiletten hin- und herpendeltet, was mit fortschreitender Zeit wörtlich zu betrachten ist;
  • meinen spöttischen Blick als Sympathie missdeutetet und mit dummem Grinsen beantwortetet;
  • die Umstehenden, mich eingeschlossen, in eine Bierfahne hülltet, von der es selbst mir als Freund tschechischer Braukunst recht flau im Magen wurde;
  • allgemein einen weder sprach- noch stehbegabten Eindruck machtet und
  • auf Aufforderungen der das Hausrecht inne habenden Personen, eure Plätze „wenigstens einigermaßen sauber“ zu hinterlassen, nur mehr „Schnauze!“ zu lallen vermochtet:

Wäre ich Anhänger einer stets an der Grenze zum Kreisliganiveau agierenden Truppe von Balltretern, dessen gelegentliche Siege, wie ihr immerhin selbst erkannt habt, erwähnenswert sind, ich würde vermutlich auch mein Seelenheil im Alkohol suchen.

Und, mal ehrlich, ohne Fußball geht‘s doch auch.

In den NachrichtenMusikalischesPersönlichesPolitik
Dopamin

Kurze Durchsage für Musikfreunde (außerhalb Ägyptens, versteht sich):

Unter Freunden erwähne ich mitunter, dass ich an ein gutes Musikalbum in der Regel positivere Erinnerungen hege als an körperliche Freuden. Meine oft folgende Erklärung, warum ich Musikfaschist bin, brachte mir vielfach fragende Blicke ein.
Bevor ich mir nun also eine weitere Erklärung abringe, um meine Erklärung zu erklären, überlasse ich das Feld lieber den Profis:

Scientists have found that the pleasurable experience of listening to music releases dopamine, a neurotransmitter in the brain important for more tangible pleasures associated with rewards such as food, drugs and sex.

Auf gut Deutsch in Kürze zusammengefasst bedeutet das, dass der Genuss eines guten Musikalbums – die Betonung ist hier auf „gut“ zu setzen, denn ein schlechtes Musikalbum verursacht schlimmstenfalls Würgereize – nicht nur ähnliche (aber in der Regel länger anhaltende) Glücksgefühle auslöst wie Geschlechtsverkehr und/oder Ecstasy, sondern die gleichen. Die Konsequenz ist klar: Statt sich Chemikalien aus dubiosen Quellen reinzupfeifen und anschließend mit einem Partner intim zu werden, der nach dem Aufwachen irgendwie ganz anders aussieht, als man ihn in Erinnerung hatte, kann man seine Nerven auch schonen, indem man sich stattdessen daran erinnert, dass auch der Geist sich nach stetiger Befriedigung sehnt. Man muss ja nicht gleich zu einem Album greifen, das „Dopamin“ oder „Ecstasy“ heißt. Einige Anregungen finden treue Leser hin und wieder auch hier.

(Hierzu ein Aufruf in eigener Sache: Um zu verhindern, dass mir wieder essenziell grandiose Musikalben entgehen, nehme ich via Kommentarfunktion schon jetzt Vorschläge für die Jahresrückschauen 06/2011 und 12/2011 entgegen. Irgendwas, was dringend mal rezensiert gehört? Immer heran mit den Ideen!)

Apropos Ägypten: Das Volk will nicht spuren? Drehen wir ihm doch mal das Internet ab, das wird die Revolution verhindern!!1!! Da hilft auch kein Notfallknopf mehr.

PersönlichesSonstiges
Warum Deutschland verblödet

Für den kleinen Hunger zwischendurch(Den folgenden Text werde ich einmal im Dialekt der mir nahezu täglich begegnenden Jugend zu verfassen versuchen, weil ich mal wissen will, wie das ist.)

Also ich geh so vorgestern wieder durch Hannover über‘n Weihnachtsmarkt und vorher so in den Zeitschriftenladen im Bahnhof und ich seh da so ‘ne Menge Zeugs.

Neben Computermagazinen, die voll den Mist schreiben („Rapidshare leersaugen“, sic!), hatten die auch Bücher und so.

(Herrje, das fühlt sich schäbig an. Apropos schäbig. Ich unterbreche das Experiment hier und fahre wie gewohnt fort.)

Außer dem üblichen Politikbrei („Die Abwracker: Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen“, für Teil 2 schlage ich „Die Abzocker: Wie raffgierige Autoren damit Geld verdienen“ vor) hat zu meiner Erschütterung der Anteil an Büchern über den Kulturverfall Deutschlands zugenommen. Einige Beispiele:

Einige haben daraus gar eine Serie gemacht und verdienen so gleich das Doppelte:

Einige Autoren nennen nicht nur Anekdoten, aus denen sie den Umstand herleiten, dass „wir“ „verblöden“, sondern warten auch mit Ursachen für diesen Umstand auf. Einige benennen dabei das Fernsehen als Übeltäter, andere die Politik, wieder andere kommen auf ganz andere Ideen, aber eines vergessen sie allesamt:

Ein Volk, das alle Jahre wieder sein durch Finanzkrisen und Krieg arg dezimiertes klägliches Gehalt für Bücher ausgibt, die es darüber informieren, dass es doof ist, wird die wahren Ursachen für den Kulturverfall nie gänzlich zu begreifen imstande sein.
Die Mutter der Idioten, so sagt man, gebiert täglich.

(Übrigens habe ich in der Nacht von gestern auf heute erstmals selbst erlebt, dass einige Verkehrsunternehmen jedes Mal völlig überrascht sind, wenn es im Winter schneit.)

Persönliches
Ernsthafte Vereinsarbeit

Im Leben eines Menschen ergeben sich hin und wieder aus rätselhafter Ursache Momente, die es mit sich bringen, Verantwortung übernehmen zu müssen, Verantwortung mitunter auch für Veranstaltungen, denen man selbst moralisch nicht viel abgewinnen kann.

Ist dann zu vorgerückter Stunde der Lust am Konsum jahreszeitüblicher Warmgetränke ausreichend gefrönt worden, paart sich diese Lust womöglich mit der Gegenwart einer Zeitgenossin, die ihr Bewusstsein längst gegen innere Wärme und Gemütlichkeit eingetauscht hat und trotz anwesenden Lebensabschnittspartners und nicht mehr jugendlichen Alters rastlos die nach Halt und Zweisamkeit Suchende gibt, so wirft dies Schatten auf das Wort „Liebe“.

Es ist bizarr.
Aber es ist ein sehr schönes Bizarr.

Sweet memories flashing very quickly by…
- Rush: Lessons