Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

Nerdkrams
SIP unter Android 4.0: Es muss nicht immer Skype sein.

Skype bietet, seine ständigen Sicherheitsprobleme einmal gänzlich außer Acht gelassen, eigentlich keine nennenswerten Vorteile. Sprachübertragung ist ein alter Hut, Videokonferenzen beherrscht selbst Google+ inzwischen ohne irgendwelchen Mehraufwand, von dem ebenfalls videotauglichen MSN und den anderen Diensten einmal ganz zu schweigen. Wer darauf verzichten kann, beim Telefonieren die Fresse seines Gegenübers ständig ertragen zu müssen, dem genügt ein einfacher VoIP-Anbieter.

Ein tritt SIP. SIP ist ein offenes Übertragungsprotokoll, für das es zahlreiche Clients für nahezu jedes gängige Betriebssystem gibt. Videoübertragung ist möglich, aber ich möchte hier vor allem den Audioteil beleuchten. Die Telefon-app von Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ nämlich hat eine Unterstützung für SIP bereits eingebaut.

Worin der Vorteil liegt, wenn man eh‘ eine flatrate hat (und ein smartphone ohne flatrate ist unaufregend)? Nun, es ist der gleiche „Vorteil“ wie bei der Nutzung von Skype: Man kann mit anderen SIP-Nutzern (gratis) oder anderen Telefon- oder Skypebesitzern (nicht gratis) auch am Laptop telefonieren und spart so gegebenenfalls eine Menge Geld. Viele Vor- und Nachteile werden im Internet bereits zur Genüge beleuchtet, deswegen möchte ich es auch hierbei belassen. Ausschlag gebendes Argument für mich war es, dass es über SIP möglich ist, jederzeit ohne notwendigen Mehrpreis über eine Festnetznummer erreichbar zu sein. Das möchte ich im Folgenden einmal erläutern.

Voraussetzung, um mir inhaltlich folgen zu können, ist ein smartphone mit Android ab 2.3, die screenshots unten sind jedoch unter Android 4.0 entstanden. Für viele smartphones gibt es ja bereits entsprechende Portierungen, ein Umsehen auf xda-developers ist ratsam.

Ist die Voraussetzung erfüllt, man jedoch noch unerfahren im Bereich des SIPs, so empfehle ich eine Anmeldung bei einem SIP-Anbieter. Hat man eine DSL-/Telefonflatrate in der eigenen Wohnung, nutzt man wahrscheinlich bereits SIP, ohne es zu wissen. Dieses SIP-Konto lässt sich in der Regel ebenfalls per Android oder Desktopprogramm nutzen, ich empfehle einen Blick in die Hilfeseiten des Anbieters. Möchte oder kann man davon keinen Gebrauch machen, so mangelt es aber auch nicht an Alternativen. Die meisten haben sehr ähnliche Konditionen: Keine Grundgebühr, keine Kosten von SIP zu SIP, teilweise gibt es auch SIP-Flatrates. Im Beispiel verwende ich sipgate (aus rechtlichen Gründen hier nicht verlinkt). Die Schritte der Anmeldung variieren zwischen den Anbietern, man sollte aber auf jeden Fall seine korrekten Meldedaten angeben. Manchmal wird das überprüft.

Hat man sich angemeldet, ist der aufwändigste Teil schon erledigt. Jetzt kann man sich einen beliebigen SIP-Client installieren, einrichten und sich mal spaßeshalber selbst anrufen. Die nötigen Daten (Server, Benutzername, Passwort) teilt der gewählte Anbieter mit, bei sipgate etwa stehen sie in den „Einstellungen“:

Aber eigentlich geht es ja hier um Android. Android 4.0 ist nicht nur schön blau, sondern auch noch SIP-fähig. Möchte man mit dieser neuen SIP-Festnetznummer nun auch unter Android erreichbar sein, kann man sich (anders als bei Skype) die Einrichtung einer eigenen app sparen. Man rufe schlicht die Telefonfunktion auf, betätige die Menütaste und wähle „Einstellungen“. Dort befindet sich unten ein Menüpunkt „Konten“. Eine Berührung desselben eröffnet dem Nutzer die Möglichkeit, seine Zugangsdaten dort zu hinterlegen.

So weit die Theorie. Gibt es notwendige Ergänzungen? Sicher: Videotelefonie geht so nicht. Wer dies auch per SIP erreichen möchte oder noch mit einer älteren als den hier genannten Android-Versionen arbeitet, dem rate ich dazu, sipdroid auszuprobieren, das angeblich entsprechende Funktionen bietet.

Fragen? Weitere Ergänzungen? Immer hier hinein damit!


Nachtrag von Mitte Januar 2012: In den Kommentaren wurde ich darauf hingewiesen, dass dies anscheinend bereits ab Android 2.3 funktioniert. Ich habe den Text entsprechend erweitert.

Nerdkrams
DropIt: Dateien sortieren leicht gemacht

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift c‘t wird kurz auf das quelloffene Windowsprogramm DropIt hingewiesen, das ausreichend gut ist und daher hier Erwähnung findet.

Dabei handelt es sich um ein widget mit einem Pfeilsymbol, das auf Wunsch stets im Vordergrund bleibt und auf das man beliebige Dateien und Verzeichnisse ziehen kann. Diese Dateien und Verzeichnisse werden dann anhand von Dateinamenregeln verarbeitet, zum Beispiel entpackt, gelöscht oder verschoben.

Dabei können die Dateien beim Verschieben auch umbenannt werden. Zum Beispiel können so Fotos von der Digitalkamera in nach Datum sortierte Unterordner aufgeteilt und heruntergeladene Dateien, etwa von DownThemAll! immer in demselben Ordner gespeichert, je nach ihrer Art (OnlineTVRecorder-Aufnahmen, zu testende Programme, Musikdateien, …) in einem Rutsch in die korrekten Verzeichnisse verschoben werden.

Was mir persönlich noch fehlt: Reguläre Ausdrücke für Dateinamen (zum Beispiel die Möglichkeit, dass nur Dateien, die mindestens 2 Ziffern am Ende ihres Namens tragen, berücksichtigt werden sollen) und eine deutsche Sprachdatei, die alltagstauglich ist. Hierfür gibt es allerdings einen (englischsprachigen) Diskussionsstrang, in dem Fehlermeldungen und Funktionsideen erwünscht sind.

Is‘ ganz nett, ja.


Kurze Ansage für meine politisch interessierten Leser: Deutschland soll einen eigenen „Cloud“-Dienst bekommen, damit die US-amerikanischen Geheimdienste nicht mehr in den Daten der Bürger schnüffeln können. Stattdessen können‘s dann eben die deutschen. Für die Sicherheit soll unter anderem das BSI sorgen. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Nerdkrams
Nachschlag: Linux, Freiheit und Gratiskultur

(Wegen allgemeinen Interesses noch mal ein Beitrag zum Thema Linux und Windows. Das muss aber auch reichen für dieses Jahr.)

Auf meinen neuerlichen linuxkritischen Beitrag erhielt ich vielfach Kritik, jemand, der Windows in Schutz nehme, habe ohnehin keine Ahnung, und den entscheidenden Vorteil von Linux hätte ich bewusst verschwiegen. Es sei nämlich, anders als Micro$uck Wind000f, kostenlos und frei. Und kostenlos. Und frei. Übrigens ist es auch kostenlos.

Na und?

Wer ernsthaft glaubt, kommerziell orientierte Unternehmen wie Red Hat und Canonical, die das mit dem „Open Source“ je nach Tageslaune mal gut finden, mal ablehnen, würden aus reiner Menschlichkeit an einem freien Betriebssystem arbeiten, hat offenbar nur wenig Erfahrung in ökonomischen Zusammenhängen. Auch jemand, der wie Mark Shuttleworth Geld anscheinend scheißen kann, hätte natürlich auch gern ein wenig Einkommen für sein Auskommen. In diesem Punkt unterscheiden sich die Linuxkonzerne nur wenig von dem verhassten Microsoft.

„Aber Linux ist kostenlos herunterladbar und offen und frei und, äh, kann fliegen!“, versuchen sich nun die Verteidiger der wahren Religion Linux herauszureden. Ja. Aber:

Windowslizenzen, zumal in der OEM-Fassung (die im Wesentlichen nur den Lizenzaufkleber und einen mit Herstellerwerbung gefüllten Datenträger umfasst), kosten auch kaum noch etwas. Der Umstieg auf ein neues Windows geht meist mit einem Wechsel des Rechners einher, und dass der enorme Aufpreis überhaupt bemerkbar ist, bezweifle ich nach Durchsicht von Preislisten für Rechner mit vorinstalliertem Linux stark.

In einem Punkt gebe ich den Meckernden Recht: Dass Linux frei ist und jeder in den Quellcode gucken kann, ist ein Argument, dem ich bedauerlicherweise etwas entgegenzusetzen vergessen hatte. Das lasse ich gern folgen: Wer bitte macht das? Welcher Endbenutzer wählt sein Betriebssystem danach aus, dass er den Quellcode der glibc auf Wunsch mitinstallieren kann?

Die meisten Jugendlichen bekommen von ihren Eltern ein Fahrrad geschenkt, dessen Größe auch für spätere Verwendung noch ausreicht. Trotzdem geben sie oft irgendwann viel Geld dafür aus, stattdessen einen Motorroller benutzen zu können, obwohl sie, anders als beim Fahrrad, das Zusammenspiel zwischen seinen Komponenten nicht sofort und vielleicht nie wirklich durchschauen werden. Sind sie nun dumm und unmündig, dass sie lieber den Motorroller als das offene Fahrrad verwenden möchten?

Ich gebe zu, das Beispiel war jetzt vielleicht etwas zu abwegig. Nehmen wir ein besseres: Seit 2004 gibt es „Open-Source-Bier“, also solches, das unter einer freien Lizenz steht und dessen Inhaltsstoffe jeder selbst überprüfen und bei Bedarf modifizieren kann. Es ist sozusagen die Linuxvariante von Staropramen, Wicküler und wie Bier eben heute so heißt. Ich persönlich kenne trotzdem niemanden, der das Zeug selbst herstellt oder auch nur trinkt, der Gang in den nächsten Supermarkt – oder zur Tankstelle – wird stets bevorzugt. Vielleicht ist das Bequemlichkeit, vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass offene Quellen und Qualität nicht unbedingt in direktem Zusammenhang zueinander stehen.

Und genau so ist das auch mit Linux und Windows.

NerdkramsNetzfundstücke
“Warum Linux besser ist“ oder: PEBKAC!

(Vorbemerkung: Ich setze neben Windows auch diverse Linuxdistributionen ein, entsprechende verbale Entgleisungen werden ihr Ziel also verfehlen.)

Gewünscht wurde, dass ich mal wieder über Technik und/oder Schnackseln berichte. Wie es der Zufall so will, konfrontierte man mich heute mit der Internetseite „Warum Linux besser ist“, die gar nicht erst versucht, den Anschein zu erwecken, objektiv die Vor- und Nachteile von Linux abzuwägen – vielleicht wäre „Warum ich Windows nicht mag“ ein besserer Titel. Vorsicht: Ohne parat liegende Brechtüte sollte kein Klick erfolgen.

Anstelle harter Fakten findet man dort nämlich zuvörderst viele schöne bunte Bildchen, die wohl von ihrer Inhaltsleere ablenken sollen. Insgesamt hat der Autor 27 Thesen zusammengetragen, warum Linux „besser“ – als Windows – sein soll, wahrscheinlich, weil ihm partout keine 27 Unterschiede zwischen Äpfeln und Birnen einfallen wollten, aber auch eine Sammlung von „FAQ für den Linux-Geek“ zusammengestellt, in der er unter anderem bekundet, er selbst habe nicht viel Ahnung von Linux. So viel sei schon einmal verraten: Von Windows anscheinend auch nicht. Weiterlesen ‚“Warum Linux besser ist“ oder: PEBKAC!‘ »

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Regelvernetzung: ifttt

Informatiker sind ja eine naturgemäß eher bequeme Spezies. Der „Computer“, später zum „PC“ und zum „Mac“ pervertiert, wurde ursprünglich erschaffen, um tägliche Aufgaben zu vereinfachen; dass heute zum Teil mehr Arbeit durch ihn entsteht als bewältigt wird, lässt mich als ironischen Menschen sehr bedeutungsvoll gucken.

Nun kann man inzwischen ja fast alles automatisieren, was außerhalb des Internets vor sich geht. Dort aber galt es bislang noch Schranken zu überwinden.

Der Dienst „if this then that“, kurz „ifttt“, den ich vor einigen Monaten schon einmal in der geschlossenen Betaversion kurz ausprobiert hatte, verspricht dieses Problem zu lösen. Mittlerweile ist die Anmeldung für jeden Internetnutzer offen und frei zugänglich. ifttt verfolgt dabei eine lobenswerte Datensparsamkeit: Benutzername, E-Mail-Adresse, zweimal das Passwort – fertig. (Eine Wegwerfadresse genügt übrigens, sofern man später auf die Benachrichtigung bei Problemen verzichten kann.)

Was einige meiner Leser vielleicht abschreckt: ifttt ist derzeit nur in englischer Sprache verfügbar. Ja, das ist ja alles schön und gut, sagt ihr jetzt vielleicht, aber was tut ifttt überhaupt? Wie der Name – „wenn dies, dann das“ – schon andeutet, ist ifttt ein Dienst, der bei bestimmten Ereignissen bestimmte Aktionen auslöst, etwa so wie der Aufgabenplaner von Windows oder die Unix-/Linux-Crontabs („immer, wenn es 3 Uhr ist, formatier die Festplatte“, zwar blöd, aber geht), nur eben mit Internet.

Falls jemand von euch Twitter nutzt, hat er vielleicht schon in irgendeiner timeline Tweets von YouTube oder WordPress gesehen: „Ich habe gerade einen neuen Artikel geschrieben: …“ oder „Mir gefällt ein YouTube-Video: …“, jeweils mit der Adresse dahinter. Diese Tweets stammen direkt von YouTube und WordPress (mit entsprechenden Plugins); aber sie könnten ebenso gut von ifttt stammen. Dabei ist noch weit mehr möglich als bloßes Twittern. Ich zum Beispiel habe derzeit zwei aktive Aufgaben eingerichtet:

  1. Wenn ich via Twitter einen URL bewerbe, kopiere diese Adresse automatisch auch in meine Lesezeichensammlung bei Zootool.
  2. Wenn ich auf Last.fm ein Lied mit einem Herzen versehe, kündige dies auf Twitter an.

Das klingt jetzt alles nach komplizierter Programmierung, intern ist es das wahrscheinlich auch, aber der Benutzer bemerkt davon nichts:

Dabei ist das nur eine sehr kleine Auswahl dessen, wozu ifttt imstande ist, hat es doch unter anderem auch Zugriff auf den Notizdienst Evernote, das furchtbare Facebook, den Speicherplatz in der eigenen Dropbox, den Google Reader, beliebige RSS-Feeds und E-Mail-Konten; es ist sogar möglich, ifttt per SMS anzusteuern. Natürlich benötigen alle unterstützten Dienste eine erstmalige Freischaltung, das bedeutet, wenn man sie in seinen „Channeln“ aktiviert („Activate“), muss man sich zunächst zum Beispiel auf Twitter.com anmelden und ifttt den Zugriff gewähren, damit man keinen Schindluder mit dem Twitterkonto Dritter treibt.

Das Erstellen einer neuen Aufgabe erfolgt dann per Klick auf „Create task“, oben rechts im Bild, grafisch und ziemlich komfortabel: Zu jedem „Channel“ werden jeweils die erkannten Ereignisse oder die möglichen Aktionen aufgelistet. Möchte man zum Beispiel auf Ereignisse in seiner Dropbox reagieren, präsentiert sich ifttt so:

Die verfügbaren „Channel“ werden ständig erweitert, unter anderem kann ifttt auch bereits auf Google+-Einträge reagieren. Einige Anwendungsbeispiele für unterschiedliche Zwecke gibt es auf der Seite „Recipes“ („Rezepte“) zu sehen.

Natürlich ist vieles, was ifttt bisher zu bieten hat, nicht viel mehr als eine amüsante Spielerei. Wenn man aber zum Beispiel häufiger mal auf interessante Internetseiten verweisen möchte, wie es etwa diplix tut, oder etwa Facebook nutzt, um Einträge aus anderen sozialen Netzwerken und RSS-Feeds auf der Pinnwand zusammenzufassen, ist ifttt ein mächtiges, hilfreiches Werkzeug.

Ein Blick ist vielleicht für jeden interessant, der sich oft und gern im „Web 2.0″ aufhält, wie auch für jeden, der, wie ich, einfach nur gern neue Dinge ausprobiert. Eine effiziente Verknüpfung der verschiedenen Dienste, die sich im Laufe der Jahre in den täglichen Arbeitsablauf eingliedern lassen, kann viel Zeit sparen; und Zeit ist manchmal Geld. (Nur wir Studenten haben beides nur selten. Das ist der Lohn für Wissensdurst.)

In den NachrichtenNerdkrams
Soziale Differenzen

Als ich letzte Woche spekulierte, Facebook werde in absehbarer Zeit den Weg aller „sozialen Netzwerke“ gehen, deren größte Beliebtheit in der Regel einen Zeitraum von ungefähr drei Jahren umfasst, bevor sie vom nächsten „kommenden Ding“ abgelöst werden, erntete ich vor allem ungläubiges Kopfschütteln. Facebook sei, schrieb zum Beispiel „Silencer“, mittlerweile schlicht zu bedeutend, um abgelöst werden zu können.

Ich hatte diese Diskussion längst wieder vergessen, wurde aber heute an sie erinnert, als ich zufällig die Meldung las, dass der Musikstreamingdienst Spotify, der in Deutschland aus Gründen nicht offiziell verfügbar ist, seit Ende September 2011 Neuanmeldungen nur noch per Facebook-Verbindung zulässt, soll heißen: Der Zugriff auf die eigene Musik – selbst, wenn man sich ein teures Premiumkonto dort geleistet hat – ist abhängig von der Gunst Facebooks. Das wiederum bedeutet: Wer bei Facebook für die Spotify-Nutzung ein zweites Profil anlegt, eine falsche Identität vorgibt oder sonstwie gegen die Richtlinien verstößt, könnte irgendwann ein Problem bekommen; zumal Facebook in Schulen und Büros oft schlicht nicht zugänglich ist.

Dass die Kritik an Facebook kein „typisch deutsches“ Phänomen ist, zeigt sich nun anhand der zahlreichen Beschwerden interessierter oder ehemaliger Spotify-Nutzer. Zu Recht fragen dort manche: „Ist es verantwortungsvoll, die Nutzung von Facebook vorauszusetzen?“ Offensichtlich steht Facebook auch in anderen Ländern in der Kritik. „Soziale Netzwerke“, so der Tenor, sollten eine private Spielerei und keine Zugangsvoraussetzung für irgendetwas sein, vor allem dann nicht, wenn sie sich wie Facebook gebärden. So fragt etwa „coronadoug“:

How do I purchase this for my young daughter? Do you think that I want her having a FB account?

Es ist schön, dass sich manche Eltern noch über die Internetnutzung ihrer Kinder Gedanken machen. Anonymus „iampetstone“ trifft den Nagel jedenfalls auf den Kopf:

Get back to actually being social, you know, by seeing friends in person or picking up the PHONE!

Medienkompetenz setzt sich langfristig anscheinend durch. Platzhirsch Google, mit dem mit den übrigen Google-Diensten zusehends mehr verzahnten Google+ noch vergleichsweise neu im Rennen, aber recht erfolgreich, bereitet mit seiner Allgegenwart bislang noch weniger Unbehagen, Benutzer des Google Readers allerdings sind seit der letzten größeren Änderung dort tendenziell unzufrieden und suchen nach Alternativen, und es sollte mich erstaunen, träfe so etwas nicht auch früher oder später auf die anderen Google-Dienste zu.

„Silencer“ irrte offensichtlich: Der Trend geht weg von der Monopolisierung des digitalen Lebens. Wir können inzwischen jeden Bereich unseres digitalen Lebens zwischen Google und Facebook aufteilen, aber wir sind immer weniger bereit, es zu tun. Das ist vielleicht den ungezählten aus dem Boden schießenden Alternativen zu verdanken, immerhin ist so ein „Web-2.0″-Dienst nicht mit unmenschlich viel Arbeit verbunden (auch Microsoft arbeitet daran), vielleicht hilft es aber auch, dass die Nörgler, die Datenschützer sich häufiger in den Medien zeigen als noch vor wenigen Jahren, denn auch ein datenschutzkritischer Artikel veranlasst Menschen dazu, sich mit dem Thema zumindest oberflächlich zu beschäftigen.

Was das nächste Facebook wird, steht immer noch in den Sternen. Aber es wird kommen.

In den NachrichtenNerdkrams
Thilo Weichert und die Facebookaffäre

Thilo Weichert hat es nicht leicht. Als Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein ist es seine Aufgabe, darauf zu achten, dass auch in Zeiten totaler Vernetzung der Datenschutz der Bürger gewahrt bleibt. Als größte Bedrohung für diesen – von den eigenen Behörden natürlich abgesehen – hat er, durchaus zu Recht, Facebook erkannt.

Das Blöde ist: Schleswig-Holsteins Facebookseitenbetreiber haben keine Lust, den Betrieb ihrer praktischen Werbeflächen einzustellen.

Obwohl mit Bußgeldern gedroht wird, habe von 15 Angeschriebenen bislang nur eine öffentliche Stelle reagiert und ihre Facebook-Seite deaktiviert. (…) Anlass des Ungehorsams gegenüber dem Datenschutzrecht seien keine hochwertigen Motive, sondern allein der Wunsch, über einen Internetdiensteanbieter, der meint, nicht durch deutsches Datenschutzrecht gebunden zu sein, für sich Werbung machen zu können.

Nun könnte man Thilo Weichert, der auch der Schufa schon Unverträglichkeit mit Datenschutzbestimmungen bescheinigte, für allzu konservativ und rückständig halten, und sei es nur für einen billigen, aber herzlichen Lacher:

Ja, ich bin befangen, ich habe Thilo Weichert mal auf einer Podiumsdiskussion in Berlin gesehen, und ich hatte den Eindruck, er trinkt Lack.

Aber danach sollte man sich doch einmal damit befassen, worum es eigentlich geht:

Die offensichtliche Frage, warum ausgerechnet Behörden eine Facebook-Fanseite unterhalten sollten, wird anscheinend von den betroffenen Behörden selbst gar nicht gestellt. Natürlich nicht, man möchte ja modern sein und sich diesem… diesem Dings… Internet da ausreichend anbiedern, weil irgendjemand von irgendjemandem ein Memo bekommen hat, dass heutzutage eh alle Facebook nutzen oder so. Im Prinzip wäre daran nichts auszusetzen, wäre es nicht Facebook.

Facebook spaltet die Gesellschaft dabei auf ähnlichem Niveau wie Google: Während gegen Google Street View in Massen protestiert wurde, hat eine Wiederholung der gleichen Prozedur (Städte mit entsprechend ausgestatteten Automobilen filmen) durch Microsoft für das eigene Produkt Bing nur wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Klar, denn Microsoft versucht nicht, den Lebensmittelpunkt seiner Kunden darzustellen; anders etwa als Google und Facebook, die seit Jahren darum konkurrieren, wer seine Benutzer wohl am besten „kennt“.

Dabei treibt diese Spaltung bisweilen skurrile Blüten: Im Blog Netzpolitik.org etwa, aus dem unter anderem die fragwürdige „Digitale Gesellschaft“ hervorging, wird in kurzen Abständen immer wieder davon berichtet, dass Facebook als Gefahr angesehen wird, das obligatorische „Gefällt mir“ aber lassen sich die Warner nicht nehmen, und es prangt weiterhin bunt unter jedem Artikel.

Das Problem von Facebook wird oft auf die allgegenwärtigen „Tracking-Buttons“, also die von facebook.com eingebundenen Javascripts, die jeden Besucher, ob Facebook-Nutzer oder nicht, zu identifizieren versuchen und auch über einen längeren Zeitraum „wiedererkennen“, so dass Facebook in Prinzip weiß, wann er welche Internetseite wie lange besucht hat, reduziert. (Facebook hat dies verneint, jedoch war das schlicht gelogen. Vertrauen zu schaffen sieht anders aus.) Insofern könnte man – und Thilo Weichert – zufrieden sein, dass mehr und mehr Seitenbetreiber auf eine Zweiklicklösung wie etwa die von heise.de setzen, die die Javascripts nur lädt, wenn der Benutzer dem ausdrücklich zustimmt. Dies aber ist nur die halbe Wahrheit, all diese Datensicherheit ist nämlich beim Aufruf von Facebook, ob bewusst oder unbewusst, wieder dahin.

Bereits das Bewerben von Facebook mittels wie auch immer geartetem Verweis dorthin, sei es als „Gefällt mir“, sei es als Lesetipp, gefährdet den Datenschutz derer, die diesen Verweis betätigen. Welcher normale Internetnutzer weiß schon, was „Tracking“, also Verfolgung, bedeutet? Wer weiß so genau, was Facebook über ihn weiß? Sicher ist das kein Weltuntergang, vermutlich niemand wird daran sterben, dass Facebook 2013 noch weiß, welche Internetseiten er am 2. September 2011 besucht hat, aber das fällt auch nicht in den Zuständigkeitsbereich eines Datenschützers.

Die Maxime eines Datenschützers sollte es nicht sein, Bürger zu bevormunden, sondern eben solche Bevormundungen zu unterbinden. Die Hoheit über die eigenen Daten ist ein wertvolles Gut, das ist nicht erst seit der Piratenpartei bekannt. Niemand kann es Bürgern verbieten, ihre Daten freiwillig jedem anzuvertrauen, der sie gern einsehen würde; niemand aber darf sie auch dazu zwingen, dies zu tun, indem er ungefragt solche Verfolgungsmechanismen Dritter installiert. (Anders gesagt: Es möge Facebook nutzen, wer es denn unbedingt will, aber das zu entscheiden obliegt ihm selbst und nicht den Werbetreibenden.)

Thilo Weicherts Kampf gegen den sorglosen Umgang mit Facebook ist berechtigt. Es ist seine Aufgabe als Datenschützer, diesem Einhalt zu gebieten. Die meisten seiner Kritiker scheinen nur „Kampf gegen … Facebook“ zu verstehen, und das wäre in der Tat ein nicht nur alberner, sondern die Informationsfreiheit gefährdender Vorstoß. Davon hat aber auch niemand geredet.

Mit etwas Glück wird Facebook eher früher als später das Schicksal von Wer-kennt-wen und den anderen Netzwerken, die keiner mehr haben will, ereilen; dann wird die Karawane weiterziehen, vielleicht zu Diaspora (oder Despora oder Geraspora, völlig egal), vielleicht zu irgendetwas ganz anderem, und keiner wird sich mehr ereifern, wenn jemand die Integrität von Facebook in Frage stellt. Bis dahin gilt es, wachsam zu bleiben: Wer öffentlich lügt, dem sollte man nicht vertrauen.

(Und trotzdem wählen immer noch irgendwelche Leute die CDU.)

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt LXIII: Der Terror und die Dilettanten

Um den Freitag angemessen heiter in das Wochenende übergehen zu lassen, empfehle ich den Konsum dieses Artikels auf heise.de, demzufolge die meisten Parteien im Bundestag – mit Ausnahme der Grünen natürlich, denn die sind gerade in der Opposition und finden blöde Ideen (Stuttgart 21, Trojanereinsatz und so weiter) nur gut, bis sie abgewählt werden, um dann mit dem Finger auf die anderen Parteien zu zeigen, und der Linken – den fortgesetzten Einsatz des grundrechtswidrigen „Staatstrojaners“ befürworten. Eine wirklich beeindruckende Begründung hierzu kommt aus dem konservativen Lager:

Clemens Binninger sprach im Namen der CDU/CSU-Fraktion von einer „absurden Forderung“, die mit keinem Wort auf die ernste terroristische Bedrohungslage hierzulande eingehe.

„Ernste terroristische Bedrohungslage hierzulande“ in anderen Worten:

Gegen den Beschuldigten wurde ermittelt, weil er bei einem IT-Unternehmen arbeitete, das Handelsplattformen für Firmen programmierte, die in Deutschland ordentlich zugelassene Psychopharmaka ins Ausland vertreiben. Der Vorwurf lautete auf „gewerbsmäßige Ausfuhr von Betäubungsmitteln“.

Wenn wir uns sonst keinen ernsthaften Gefahren ausgesetzt sehen, etwa durch die ganze unschöne Geschichte mit dem Euro oder ähnliches, dann könnten wir uns eigentlich stattdessen auch zurücklehnen und uns freuen, dass es uns doch eigentlich ganz gut geht. Aber einige haben eben immer was zu meckern.

Dabei stört es sie auch nicht, quasi hintenrum eine Abwandlung der „Sippenhaft“ wieder einzuführen:

Es sei bekannt, dass Tatverdächtigte im Bereich des Terrorismus immer konspirativer vorgingen und verschlüsselt kommunizierten, erklärte Binninger. Der verdeckte Zugriff auf Festplatten und andere IT-Systeme sei daher unverzichtbar.

(“Unverzichtbar“ ist dabei, „alternativlos“ abzulösen, wie mir scheint; es bleibt aber derselbe Unsinn.)

Die Terroristen mit ihren fiesen Verschlüsselungen „erzwingen“ also den Einsatz grundrechtsfeindlicher Automatismen; und im Umkehrschluss haben alle, die auf derlei Maßnahmen verzichten, nichts zu befürchten, denn wer verschlüsselt, hat etwas zu verbergen, nicht wahr? (Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis irgendjemand aus der CDU/CSU oder vom BKA das genau so darstellen wird, wartet es ab!)

Und nächste Woche verbieten sie dann das Abschließen der Haustür beim Verreisen, denn das erschwert die heimliche Installation von Schadsoftware durch Unbefugte doch immens.

Ich kann diese Fressen nicht mehr sehen. Sie machen mit ihrer Scheiße alle Leute verrückt. (R. Pofalla, CDU, in anderem Zusammenhang)

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Dennis Ritchie

Was bei den noch immer andauernden Nachrufen auf Steve Jobs und die bange Frage, wie es denn nun mit Apple weitergehe, wohl mal wieder keiner mitbekommen hat:

Am 9. Oktober 2011, nur wenige Tage nach Steve Jobs, verstarb mit Dennis Ritchie einer der wirklich essenziellen Persönlichkeiten der EDV-Geschichte, ohne den Apple vermutlich ebenso wenig existieren würde wie Linux und Windows in ihrer heutigen Form, denn er hat nicht nur die Programmiersprache C, die für spätere Entwicklungen wie C++ und Java maßgeblich war, entwickelt, sondern auch einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Betriebssystems Unix gehabt, aus dem später BSD (und, darauf basierend, Mac OS X) und viele weitere Betriebssysteme erwuchsen. Selbst Windows bedient sich einiger Konzepte, die erstmals in Unix zu finden waren.

Kristian Köhntopp bringt es auf den Punkt:

Es ist absolut unmöglich, mit Computern zu arbeiten und mit den Arbeiten und den Ideen von Dennis Ritchie nicht an jedem einzelnen Tag in direkten Kontakt zu kommen.

Dennis Ritchie war, anders als Steve Jobs, ein Mann der leisen Worte. Seine Person stand nie im Mittelpunkt, seine Verdienste für die EDV waren um so größer. Vielleicht war das sein Fehler; eine kurze Umfrage in meinem direkten Umfeld ergab, dass niemand mit dem Namen Dennis Ritchie etwas anzufangen weiß, Steve Jobs jedoch ist ihnen allen bekannt.

Und so bleibt das Andenken an diesen Weg weisenden Mann, gestützt von nur wenigen deutschen Medien, denen vorbehalten, die sich mit der Materie ohnehin auseinandersetzen. Dass sich ein US-Präsident, einer der Gründer von Microsoft und der Vorstandsvorsitzende von Facebook kondolent zeigen, war bei Steve Jobs noch beinahe eine Selbstverständlichkeit – aber Dennis Ritchie hat eben keine bunten lifestyle gadgets vermarktet, sondern nur ihr Betriebssystem maßgeblich mitgestaltet.

Und so wird Mark Zuckerberg vermutlich dazu schweigen. Andererseits: Vielleicht ist das auch besser so.

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik LVII: Steves Jobs

Ich hatte mir fest vorgenommen, das Thema Steve Jobs an mir vorbeiplätschern zu lassen wie den heutigen Regenschauer. Zu emotional ist diese öffentliche Diskussion geführt worden und wird noch immer zu emotional geführt. Apple war Steve Jobs war Apple, so lautet der Kanon, nur den Refrain, dass Apple dann jetzt wohl auch langsam einen qualvollen Tod stirbt, kommt niemandem über die Lippen.

Über die technische Rückständigkeit von Appleprodukten, die sie bei Apple mit tollen bunten Bildern „auszugleichen“ pflegen und damit bei ihrer Klientel unverändert Ansehen gewinnen, wurde ja bereits viel geschrieben. Das iPhone 4S, das frenetisch gefeierte neue Modell, ist technisch dort angesiedelt, wo die androide Konkurrenz schon vor einem Jahr stand. Innovativ? Ach, i wo!

Und es erschreckt mich beinahe ein bisschen, dass inmitten der Welle an Lobpreisungen dann tatsächlich auch mal diese Kritik in den Medien – traditionell ohnehin meist applenah – angekommen ist, zum Beispiel auf faz.net:

(…) strenggenommen hat er weder den Computer, noch den digitalen Musikspieler, das Handy oder den Tabletcomputer erfunden.

Erstaunlich; ich hatte anderes vermutet!

Leider macht faz.net diesen einen guten und richtigen Satz durch eine Menge Unfug wieder wett:

Ohne Jobs und Apple wäre der Computer vielleicht heute noch ein grauer, ungeliebter Kasten unter dem Schreibtisch und kein elegantes Telefon in der Hosentasche.

Vielleicht kännte man bei faz.net ohne Jobs und Apple sogar den Unterschied zwischen einem Tower-PC und einem Smartphone und einem Tamagotchi, in dem ebenfalls „ein Computer“ arbeitet; vielleicht hat das alles aber auch gar nichts mit Jobs und Apple zu tun, denn wenn es um „ungeliebt“ geht, rangieren zumindest bei mir, ganz persönlich, die überteuerten Lifestyle-Plastikbierdeckel von Apple weit vor jedem „grauen Kasten“ unter dem Schreibtisch. Die IBM-PCs hatten – und haben – den Appleäquivalenten nämlich eines voraus, und zwar die Offenheit für jede Form der Erweiterung. Alles aus einer Hand, und der Hersteller dirigiert den Preisverlauf? Na, wem‘s gefällt.

Für seine Produkte musste auch die Technik reif sein, die er nicht kontrollieren konnte. Zum Beispiel die Übertragungstechnik im Mobilfunk, die den Erfolg des iPhones erst möglich gemacht hat.

Dass die relevanten Patente „im Mobilfunk“ allesamt Samsung und nicht Apple gehören und das mit der Vorreiterrolle damit wohl geklärt ist, ist übrigens auch Bestandteil der aktuellen Klagen zwischen Samsung und Apple. Aber warum sollte man auch recherchieren, wenn man einen inhaltlich fundierten Bericht über Steve Jobs abliefern möchte?

Ach, halt; das möchte man ja gar nicht:

Dass heute Kinder und ihre Großeltern mit einem Computer umgehen können, ist in einem großen Maße Steve Jobs zu verdanken.

Wir lernen: Windows und Linux sind vollkommen irrelevant, und die Firma Xerox, die bereits in den frühen 1970-er Jahren eine grafische Bedienoberfläche samt Mausbedienung entwickelt hatte, hat es nie gegeben. Da brauchte es schon einen Steve Jobs, der quasi im Alleingang und rückwirkend all das ganz allein erfunden und entwickelt und gebaut hat:

Heute berühren wir die Bildschirme der Telefone mit den Fingerspitzen, weil Jobs das iPhone genau so gebaut hat.

Ja, „er allein“ (Bertolt Brecht), nicht etwa die chinesischen Sklavenarbeiter, die sich in Apples Fabriken bis zum Selbstmord knechten lassen. Aber wen interessieren schon derartige Kinkerlitzchen?

Steve Jobs mag ein riesiges Talent gehabt haben, Apples Kunden auch noch den ältesten Käse als brandneue Innovation zu verkaufen (ja, selbst Sprachsteuerung habe ich unter Windows schon in den 90-er Jahren in beinahe brauchbarer Qualität gesehen); aber er war kein Heiliger, kein gottgleicher Visionär, ohne den wir alle immer noch auf Bäumen hocken würden. Er war immer ein Vermarkter, nie ein Entwickler. Sicherlich würde ohne sein Talent zur Vermarktung die Computerwelt heute anders aussehen. Apple hätte es wahrscheinlich nie gegeben. Die Revolution des digitalen Zeitalters aber hatte längst stattgefunden, als Apple gegründet wurde: Unix gab es schon ein paar Jahre, grafische Bedienoberflächen waren bereits ein alter Hut, und selbst Tablet-PCs waren bereits erfunden.

Es ist leider zu spät, die meisten Medienschaffenden von ihrem Irrweg abzubringen; denen aber, die noch mit sich hadern, sei gesagt: Die künstliche Überhöhung der Person Steve Jobs errichtete einen Kult um jemanden, der nie die treibende Kraft hinter dem war, was Apples Produkte in frühen Jahren auszeichnete. Um Bedienkonzepte zu lizenzieren, braucht man jedenfalls keinen kreativen Visionär, sondern einen kühlen Geschäftsmann. In den letzten Jahren hat sich dieses Bild von Apple aber herumgedreht: Es ging immer weniger um technische Details und immer mehr um einen Lebensstil. Technik war nie Steve Jobs‘ eigentliches Jagdgebiet, er sah sich, wie man Apples diversen Präsentationen entnehmen konnte, quasi mehr als Heilsbringer. Wen interessiert es, ob die verkaufte Technik der Konkurrenz überlegen ist, wenn sie nur ein Gefühl der awesomeness zu vermitteln vermag?

In anderen, etwas schlichteren Worten ausgedrückt: Wäre Apple nicht mehr als „die Firma von Steve Jobs“, könnte man nun ruhigen Gewissens sagen: Der Letzte macht das iLicht aus.

Aber wäre das angemessen?

(“So … Apple has vacant Jobs now?“)

FotografieNerdkrams
WLAN-Kabel

Saturn macht‘s richtig: WLAN-Kabel sind selbstverständlich in der Netzwerkabteilung zu finden.

(Abt.: Alte Witze, für die anderen Insinternetschreibern ihr Server zu schade ist.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt LIX: Facebook / Senfautomatismen

Sascha Lobo, von dem man nicht viel halten muss, hat eine trotzdem eigentlich ganz interessante Kolumne auf SPIEGEL Online mit ziemlich viel Text zum Thema „Facebook ist an allem schuld“ befüllt, um dieser These ausführlich zu widersprechen. Ich nehme seine Pointe schon mal vorweg:

Facebook ist nicht Treiber, sondern Profiteur einer allgemeinen Datenbegeisterung. Und die ist die logische Folge der digitalen Vernetzung.

Und das ist das eigentlich Erschreckende; dass die „allgemeine Datenbegeisterung“ als naturgegeben akzeptiert wird, während Medienschaffende unfassbar viel Geld dafür bekommen, die Symptome ausführlich nicht gut zu finden. Andererseits: Ich beneide sie ein bisschen darum.


Noch ein kurzer Hinweis in, mehr oder weniger, eigener Sache:

ix hat ein WordPress-Plugin geschrieben, das Kommentatoren das immer wiederkehrende Schreiben von „Hätte von mir sein können“, „Volle Zustimmung!“ oder „LOL“ erleichtern sollte, indem es selbige Bemerkungen als Schaltflächen an das Kommentarfeld anheftet.

Inspiriert von Nerdcore und einem meiner Kommentatoren missbrauche ich es nunmehr für Albernheiten und politische Zitate. Ergänzungswünsche bitte einfach unten hineinsenfen!

Nerdkrams
GNU Emacs: Befremdlich esoterisch

(Vorbemerkung: Dies ist mein 1.000. veröffentlichter Artikel hier, so behauptet es jedenfalls WordPress. Huldigungen sind selbstverständlich erwünscht, jedoch verzichte ich in diesem Artikel auf die weitere Würdigung meines eigenen Schaffens und schreibe stattdessen was über Computer.)

Getreu dem Motto „Kenne deinen Feind!“ nahm ich mir heute ein wenig Zeit, mich als Nutzer des weltbesten Texteditors Vim mit seinem furchtbaren Gegenpart GNU Emacs zu beschäftigen; über obskur zu bedienende ehemals freie Software kann man bekanntlich nie zu viel wissen. Ein kurzer Blick in das deutschsprachige Tutorium ließ mich allerdings vermuten, dass die esoterische Aura, die GNU Emacs mitunter nachgesagt wird, tatsächlich übersinnliche Fähigkeiten beim Benutzer voraussetzt:

„Wenn Tastendrücke nicht mehr bemerkt werden“, so steht dort sinngemäß, „dann drücken Sie andere Tasten, und es geht wieder.“ Alte PC-BIOS-Versionen, daran erinnere ich mich, hatten ähnliche Aufforderungen im Repertoire: „Es wurde keine Tastatur erkannt; drücken Sie eine beliebige Taste, um fortzufahren.“

Gute, alte Zeit.

In den NachrichtenNerdkrams
Endlich: Onlineversionen von Offlineprogrammen jetzt auch offline!

(Vorbemerkung: Nach einigen anfänglichen Tweets hierzu habe ich beschlossen, dann doch mal einen längeren Text zu schreiben, um der ausufernden WTFigkeit – Wort soeben erfunden – gewisser Neuerungen angemessen Respekt zu zollen.)

Heute ist die erste deutsche Ausgabe des Wired-Magazins erschienen, und ich würde es an dieser Stelle gern ausgiebig für blöd befinden, allein schon deshalb, weil dort zahlreiche Lobpreisungen verlinkt sind und ich eine ausgewogene Meinungsvielfalt im Internet für wichtig halte. Leider jedoch hatte ich noch keine Gelegenheit, es zu erwerben, und ich befürchte, bis ich das nachgeholt habe, war ix schneller als ix ich. Also befinde ich stattdessen etwas anderes für blöd.

Und zwar was von Google.

Dass ich Google nicht mag und auch für die Arbeit mit Computern Dritter grundsätzlich erst mal eine andere Standard-Suchmaschine einstelle, ist hinlänglich bekannt. Das allein ist aber noch kein Grund, alles zu zerreden, was von diesem Unternehmen stammt, denn da hätte ich wahrlich viel zu tun. Aktuell aber wird in den üblichen Technikblogs mal wieder eine Google-Erfindung als dringend benötigte Lösung für ein wichtiges Problem gepriesen, die ihren Nutzen eigentlich nur aus sich selbst zieht.

Ein wenig Geschichte: Im Februar 2010 beendete Google seine Unterstützung für das Projekt Gears, das mittels eines Plugins die Offlinenutzung von Webinhalten ermöglichen sollte. Unter anderem lieferte die Plattform WordPress eine Unterstützung für diese Technik mit, so dass man zum Beispiel sein Blog auch offline pflegen konnte. Das war nur wenig verwunderlich, trieb Google doch zur gleichen Zeit die vollständige Vernetzung jeglicher anfallenden Aufgaben und ihre Verlagerung in die cloud aktiv voran, wobei insbesondere das Flaggschiff „Google Mail“ maßgeblich war, versuchte man doch dort, die Nutzung eines eigenständigen Mailprogramms so überflüssig wie möglich zu machen; überwiegend sogar mit Erfolg, denn nur wenige Google-Mail-Nutzer verwenden, wie eine Umfrage im Bekanntenkreis ergab, noch etwas anderes als die Weboberfläche.

Mit „Google Text & Tabellen“ hat Google seit einigen Jahren auch eine Alternative zu internetbasierter Bürosoftware wie ThinkFree Office oder zum Beispiel dem Piratenpad im Repertoire, ausgerichtet auf gemeinschaftliches Bearbeiten, etwa zur Besprechung von Projektzielen in größeren Teams. Für solches kollaboratives Editieren sind solche Plattformen tatsächlich eine grandiose Erfindung, ob nun von Google oder von sonstwem umgesetzt; dass man aber nicht seine komplette Korrespondenz in der cloud ablegen sollte, ist bekannt, und sei es nur aufgrund des nahe liegenden Problems, dass man manchmal auch an seine Dokumente gelangen können möchte, wenn man fernab von jeglicher Internetverbindung herumgurkt.

Caschy zum Beispiel gurkte derart nicht nur per Verkehrsmittel, sondern auch sprachlich herum:

Ich war ja die Tage mit dem Zug durch die Pampa unterwegs. Ich sage euch: mobiles Leben my ass! (…) Worauf ich hinaus will: nicht immer haste Netz, wohl aber vielleicht Daten in der Cloud – und auf eben diese kannste nicht zugreifen. Mööööp.

Tja. Mööööp. Zum Glück hat sich Google jetzt etwas total Neues, Großartiges, Aufregendes ausgedacht:

Jau, [jetzt] gibt es auch die Möglichkeit, die Google Docs offline zu nutzen.

Das Ganze funktioniert so ähnlich wie Gears, läuft aber nur noch unter Chrome/Chromium und mag Firefox, Safari und den Internet Explorer nicht mehr. Es ist sozusagen eine unflexible Kopie von Gears; und darin besteht dann auch die wirkliche Neuerung: Es kann weniger. Nichtsdestotrotz ertönen die Jubelrufe mit Ohren betäubender Intensität, als hätte Google gerade das Internet neu erfunden.

Dabei umgeht diese „Offlinefunktion“ eigentlich nur den Nachteil, den die diversen Dienste von Google gegenüber den Programmen, denen sie Konkurrenz machen sollen, bis heute immer noch hatten, nämlich, dass ohne Internetverbindung alles zum Erliegen kommt. E-Mails mehr oder weniger durchsuchbar archivieren kann meines Wissens jedes Mailprogramm, und E-Mail ist schon älter als das „World Wide Web“ selbst; und, um beim Thema zu bleiben, bis zu erwähnter Ankündigung von Google scheinen einige Leute ja wirklich arge Schwierigkeiten gehabt zu haben, wenn sie mal eben ohne Internetanschluss einen Brief oder eine Tabelle oder so etwas schreiben oder erstellen wollten. Offline genutzt entfällt nämlich der Aspekt des kollaborativen Editierens aus technischen Gründen. (Kein Internet = keine cloud, so einfach ist die Gleichung.)

„Hm, wie schön wäre es doch, gäbe es so etwas wie ‚Google Text & Tabellen‘ auch für Computer, die zeitweise oder dauerhaft nicht im Netz sind“, hat man sich da bei Google vielleicht gedacht.
Wer weiß, vielleicht ersinnt man sogar längst den Nachfolger von „Google Text & Tabellen“ für ebendiese, der nicht mal mehr einen Browser benötigt?

Andererseits: Gibt es ja schon.

Jau.

NerdkramsPiratenpartei
Fundstücke: Firefox und Facebook

(Vorbemerkung: Natürlich könnte ich mich an dieser Stelle über die jüngsten Reibereien zwischen Vorstand und Basis des niedersächsischen Landesverbandes der Piratenpartei auslassen, aber das erscheint mir noch etwas verfrüht, angesichts der hier bewusst nicht verlinkten Desinformationskampagne ehemals aktiver Piraten in inzwischen Anti-Piraten-Blogs wohl auch taktisch unklug. Mehr dazu also frühestens später hier oder gegenwärtig in der entsprechenden Mailingliste [Anmeldung erforderlich].)

Um Gerüchten entgegenzuwirken, übermäßig viele Erweiterungen würden den standardmäßig schlanken und schnellen Browser Firefox unnötig überladen, hat sich der Entwickler der Firefox-Erweiterung AutoPager etwas besonderes ausgedacht und den Einstellungsdialog beim ersten Aufruf auf ein Minimum reduziert:

(Ich musste übrigens auch ein wenig schmunzeln, als ich im Zeitschriftenregal die Zeitschrift „Der große Facebook Ratgeber“ (sic!) erblickte, dessen Titel unter anderem die Rubrik „Sicherheit ganz groß“ mit dem Thema „Privatsphäre und Datenschutz – Profil vollkommen wasserdicht machen“ ankündigte: Eine Anleitung zur „Kontenlöschung“ für 7,80 Euro zu verkaufen erschien mir doch etwas überzogen.)