Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

Nerdkrams
theRenamer: Ordnung für die Seriensammlung

In Zeiten digitalen Flachfernsehens ist es längst nicht mehr unüblich, dass man genehme Fernsehserien und/oder -filme nicht nur ansieht, sondern auch – selbstverständlich aus völlig legaler Quelle – digital aufnimmt und auf seinem heimischen Computer sichert.

Nun sind digitale Videorecorder, ob als separates Gerät oder als Internetdienst, leider nur so fehlerfrei wie der Mensch, der sie bedient, und so kann es passieren, dass man irgendwann den Überblick verliert:

Glück hat man, wenn man Windows* einsetzt, denn dann ist die Übersicht schnell wiederhergestellt. Das gegenwärtig mehrkostenfrei erhältliche Programm theRenamer erledigt die massenhafte sinnvolle Benennung von Filmen oder Serien per Klick.

Nach der Installation begrüßt theRenamer den Anwender mit einem solchen Anblick:

Per Klick auf den farblich hervorgehobenen Verweis namens „tvshows“ lässt sich theRenamer in den Filmmodus versetzen, da ich aber gerade nur drei Serienepisoden einzubringen habe, erkläre ich die Bedienung im Folgenden im „tvshows“-Modus, die im Wesentlichen identisch ist.

Wie man sieht, ist das Programm in Englisch gehalten. Das ist gegenwärtig nicht zu ändern, es bedeutet aber auch, dass es jede Serie und jeden Film zunächst einmal für englischsprachig hält. Falls die Episoden, die ihr gern aufräumen würdet, deutschsprachig vorliegen, lässt sich theRenamer ziemlich einfach dazu überreden, stattdessen deutschsprachige Episodentitel zu suchen. Hierfür ist ein Klick auf „Settings“ oben rechts notwendig:

Das Einstellungsmenü sieht etwas unaufgeräumt aus, was daran liegt, dass theRenamer ziemlich mächtig ist. Links oben lässt sich (mit Vorschau) einstellen, wie die Dateinamen aussehen sollen, ich habe mich für eine schlichte Variante mit Unterstrichen entschieden. Gerade relevant ist aber das Feld mit der Beschriftung „theTVDB language:“. Per Klick auf diese Beschriftung ist eine Liste der unterstützten Sprachen einzusehen; 7 steht für Englisch, 14 für Deutsch. Im vorliegenden Fall also genügt es, in das Feld eine 14 einzutragen und den Dialog per „Close“ (rechts oben) wieder zu schließen, sobald alles nach der eigenen Zufriedenheit eingestellt ist. (Einige Feineinstellungen, etwa die Möglichkeit, Bestandteile wie „HDRip“ oder „1080p“ aus Dateinamen zu entfernen, sind auch im Hauptfenster unter „Global Settings“, unten links, erreichbar.)

Nun können die drei Dateien einfach in das theRenamer-Fenster gezogen werden. Das Programm rattert (still) ein wenig und präsentiert dann, mit etwas Glück, jeweils einen Vorschlag für den neuen Dateinamen anhand der getroffenen Einstellungen:

Wie man sieht, sind auch größere Unterschiede in den Dateinamen kein Hindernis. Schwierig wird es nur, wenn theRenamer den Namen der Serie und/oder die Episodennummer („816″ etwa funktioniert nicht) nicht richtig erkennen kann, dann gibt es anstelle des neuen Dateinamen nur eine Fehlermeldung („Episodentitel fehlt!“) in der rehten Spalte zu sehen. Hier hilft eventuell ein Zusatzprogramm wie Ant Renamer oder händische Vorarbeit.

Ist die Vorschau zufriedenstellend, ist nunmehr ein Klick auf „Proceed“ unten im Programmfenster der letzte nötige Schritt. Fertig:

Anmerkungen und Ergänzungen gern hier unten drunter. :-)


* Apropos Windows: Nutzer anderer Betriebssysteme könnten mit dem javabasierten, daher weniger hübschen FileBot gegebenenfalls ähnliche Ergebnisse erzielen, diesen habe ich jedoch noch nicht getestet.

MusikalischesNerdkramsNetzfundstücke
Soziale Wiedergabelisten: musicplayr

Nachdem die GEMA YouTube mal wieder erfolgreich dazu bringen konnte, noch mehr Inhalte als bislang zu filtern („rechtsfreier Raum“?), stehen Musikfreunde, die sich nicht dazu durchringen können, sich einen guten Proxy einzurichten, schon wieder vor der Frage: Wohin jetzt?

Wo man Musikalben streamen kann, ist kein Geheimnis mehr: Grooveshark, simfy, Rdio und – wahrscheinlich noch 2012 – WiMP sind nur vier der Dienste, bei denen man mehr Musik hören kann als man überhaupt Zeit dafür findet. (Dass all dies kein Ersatz für einen womöglich hübschen Tonträger ist, bedarf, nehme ich an, keiner gesonderten Erläuterung.)

Was diesen Diensten jedoch meist fehlt, ist eine brauchbare Wiedergabelistenverwaltung, wie YouTube sie hat. Hier kommt der Dienst musicplayr (wer braucht schon Vokale?) ins Spiel, den ich vor einer Weile auf schallgrenzen.de gefunden habe und der Lieder von zahlreichen Quellen – zurzeit YouTube, Vimeo, Dailymotion, Soundcloud und diverse Musikblogs – in beliebig vielen Wiedergabelisten organisieren kann. Was an Liedern nirgends im Internet gefunden werden kann, kann auch einfach – wie bei Grooveshark – hochgeladen werden, ist allerdings dann zwar in der eigenen Wiedergabeliste für jeden sicht-, jedoch aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar. Lieder, die man selbst hochlädt, kann man auch nur selbst hören.

musicplayr ist also bezüglich seiner Ausrichtung irgendwo zwischen lokaler Wiedergabeliste und Grooveshark anzusiedeln. Videofunktion ist nicht, aber das muss ja auch nicht sein. Alles dreht sich um die Listen. Ich zitiere dreist:

Es können öffentliche Listen geaddet und Songs kommentiert und bewertet werden. Das Zusammenstellen von Listen ist kinderleicht, die Reihenfolge der Songs kann jederzeit geändert werden. Alle Songs können direkt über den integrierten Player inklusive Video abgespielt werden. Seine Playlisten kann man mit einigen Genre-Tags (Post-Rock fehlt!!) kennzeichnen. Nutzer folgen so einander und entdecken neue Musik.

Der größte Nachteil: Der Dienst ist immer noch in der „geschlossenen“ Betaphase, was, wie meist, bedeutet: Ohne Einladung kommstu nisch rein. Einladungen kann jedoch jeder angemeldete Nutzer nach Belieben verteilen, ich selbst momentan 18.

Bei Interesse also einfach einen Senf hinterlassen.

Nerdkrams
Das Allerletzte von Opera

Alle folgenden Versionen werden hoffnungslos veraltet sein.

(Abt.: Warum „last“ nicht „latest“ ist.)

Nerdkrams
Gedanken zur grassierenden Linuxmanie

Seit bekannt ist, dass Windows 8 voraussichtlich – das ist ein wichtiges Detail – das Fensterkonzept zugunsten einer gekachelten Umgebung nur noch stiefmütterlich behandeln wird und eigentlich also kein „Windows“ mehr ist, tönen wieder die Fanfaren der Linuxfraktion.

Zuvörderst natürlich krakeelen die Nutzer von Ubuntu, die den Umstand, dass Ubuntu es selbst war, dessen „Unity“-Oberfläche erfolglos gleichzeitig Desktop- und Tabletumgebung zu sein versuchte und so reichlich Benutzer zu anderen Distributionen trieb, gern vergessen, dass die verbliebenen Windowsnutzer doch jetzt bitte endlich auf die helle Seite wechseln sollten, bevor es zu spät sei.

Aber: Warum?

Dass Windows 8 eventuell tatsächlich übersprungen werden sollte, ist dabei nicht entscheidend, das ist lediglich Objekt subjektiver Entscheidungen. Warum aber sollte ausgerechnet Linux die richtige Antwort auf möglicherweise ungeliebte Änderungen an einem Betriebssystem sein, wenn es selbst ständig mutiert und so die Benutzer von einer Distribution zur nächsten treibt? Warum nicht BSD, warum nicht Mac OS X, warum überhaupt etwas anderes?

Sicher ist Linux frei. Na und? Die meisten Menschen in meinem Umfeld bekommen eine neue Windowsversion allein mit einem neuen Rechner ins Haus, die beiliegenden OEM-Lizenzen kosten sie also „nichts“. Welchen Vorteil zieht der typische Endnutzer aus dem Umstand, dass sein System frei ist, wenn ihm Quellcodes, wie meist, einigermaßen egal sind? Lizenzgebühren sparen kann er so nicht, die hat er ja beim Rechnerkauf schon entrichtet.

Die Freiheit scheint auch allein finanzieller Natur zu sein: Ausgerechnet die Open-Source-Apologeten, die von ideeller Freiheit überzeugt sind oder dies zumindest behaupten, sind der Meinung, sie müssten diejenigen, die sich bewusst für ein anderes System entschieden haben, bekehren; lustigerweise gehören zu der Gruppe der Prediger sogar Nutzer von Mac OS X und iOS, die trotz der partiellen BSD-Basis geschlossenere Systeme sind als Windows es je sein könnte.

Der erste eigene Rechner ist stets der prägende. Ist dort zum Beispiel Fedora Linux vorinstalliert, so wird man später mit Windows ähnliche Probleme bekommen wie sogar mit Ubuntu Linux oder anderen Distributionen. Aber nicht immer ist Bedienbarkeit das einzig entscheidende Kriterium: Spielen, Bildbearbeitung und Videoschnitt – kurzum: Dinge, für die man als Heimanwender eben gern mal am Rechner, sei er nun mit Windows oder mit Mac OS ausgestattet, sitzt – machen unter Linux keinen Spaß. Um Anonymus „Tiles“ zu zitieren:

Klar, wenn du nichts am PC machst außer Musik zu hören und hier und da ein wenig an Configfiles rumzufingern, ist Linux für dich perfekt. Ein OS ist aber kein Selbstzweck. Es ist die Plattform, auf der meine Software laufen soll. Tut es das nicht, dann brauch ich‘s auch nicht.

(Tippfehlerkorrekturen meinerseits enthalten.)

Je länger man also einen eigenen Computer besitzt, desto flüssiger kann man dem eigenen workflow folgen. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein unter Windows erlernter Arbeitsablauf unter jedem anderen System vermutlich gänzlich wegfällt und neu erdacht werden muss, was umgekehrt natürlich auch gilt. (Nicht jeder Autofahrer kann auch ein Motorrad bedienen.)

Eine Parallelinstallation hilft zwar, hierüber zunächst weitgehend gefahrlos Informationen zu sammeln, aber das parallel installierte Erstsystem setzt hier die Hürde, dass man nicht gezwungen ist, mit dem neuen System zu arbeiten. Wenn man sich immer wieder dabei ertappt, „nur mal eben“ wieder das Erstsystem zu starten, ist das Zweitsystem auf jeden Fall die falsche Wahl.

Man verstehe mich nicht falsch: Keinesfalls soll dies hier ein flammendes Plädoyer für mehr Windows und weniger Linux sein. Ich empfehle nur, die Weisheit „fass ein laufendes System nicht an“ zu beherzigen. Auf Linux umzusteigen, weil das jetzt alle machen, ist definitiv der falsche Weg. Linux ist eine Alternative und kein Ersatz, und Mac OS X, BSD, Haiku und Windows sind es auch – und keines davon ist das beste Betriebssystem. (Ich käme zum Beispiel niemals auf die Idee, diese Internetseite hier unter Windows zu betreiben.)

Der Umstieg auf ein anderes System braucht vor allem viel freie Zeit, die Einarbeitung in das neue Ökosystem ist in keinem Fall mal eben in der Mittagspause erledigt. Zuvor gilt es allerdings abzuwägen, ob der enorme Mehraufwand den Mehrwert wirklich rechtfertigt. „Windoof ist uncool“ wird langfristig nicht genügen. Denn die Leidtragenden sind im Zweifel die, die sich mit dem ganzen Brimborium auskennen.

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt LXXXVIII: Tobias Eggendorfers Inkonsequenz

Dada Dudu Didi wies heute auf den vor wenigen Tagen gehaltenen Vortrag „Pleiten – Pech – Pannen: die Geschichte des Computers“ hin, auf dem unter anderem folgendes gesprochen wurde:

Viren, Würmer und Trojaner…wer hat die heutzutage nicht auf seinem Rechner? Ok, zwei, drei Linuxnutzer sind am Stand. Das ist ganz positiv.

Dass der Vortragende „Prof. Dr.“ Tobias Eggendorfer bei der Hochschule der Polizei in Hamburg und somit im Umfeld derer, die in staatlichem Auftrag dafür sorgen, dass Leute „Viren, Würmer und Trojaner“ auf ihrem Rechner haben, „arbeitet“, ist durchaus interessantes Hintergrundwissen.

Noch interessanter wird es im Detail: Der Vortrag wurde unter anderem „präsentiert“ von der Linux Foundation, und wie von Microsoft bezahlte Studien Linux gern einmal nicht als sonderlich überragend darstellen, so ist natürlich auch dieser Vortrag vor allem einseitig und zielt darauf ab, die Auftraggeber möglichst gut dastehen zu lassen.

Einige der während des Vortrages gezeigten Folien etwa thematisieren verschiedene Pufferüberläufe in Windows-Systemdiensten, die zu massenhafter Verbreitung von Schadsoftware führten. Dass Herr Eggendorfer nur am Rande darauf eingeht, dass auch Linuxdienste häufiger einmal dringend korrigiert werden müssen, ist nur wenig erstaunlich. (Zum Thema „sicheres Linux“ ließ ich mich bereits an anderer Stelle ausführlich aus.)

Ich hoffe jedoch, meinen Lesern entgeht nicht das entscheidende Detail: Das Präsentationsgerät ist ein Apple-Laptop. Apple ist die Firma, die ein Betriebssystem zum Lebensstil erhoben hat, gegen das Windows Vista und Windows 7 wahre Bollwerke sind. Jetzt kann es natürlich sein, dass auf diesem Apple-Laptop anstelle des vorinstallierten Mac OS X Windows oder vielleicht auch Linux oder BSD (wobei ich das bezweifle) verwendet werden, aber warum wird dann überhaupt ein Apple-Laptop verwendet?

War wahrscheinlich gerade billig.

Nerdkrams
Zwei Tage mit BSD: Andere sind schon mit Debian überfordert.

(Vorbemerkung: Ich greife diesmal gelegentlich auf Fachbegriffe zurück und werde sie nicht immer erläutern, ich bin ja nicht die Wikipedia.)

In einem Anflug von Heiterkeit beschloss ich, zur Abwechslung neben diversen Linuxdistributionen, die ihren Dienst auf den von mir eingesetzten Servern, Desktops und in einer virtuellen Maschine verrichten, auch einmal BSD aus der Nähe zu betrachten. Weiterlesen ‚Zwei Tage mit BSD: Andere sind schon mit Debian überfordert.‘ »

InternesNerdkrams
Hallöchen, Uberspace!

brief,

nach einigem Hin und Her und letztendlich überzeugt von chriszim, der wie DerBastard und einige andere den Wechsel vollzogen hat, läuft tuxproject.de nun auf Uberspace und nicht mehr auf All-Inkl.com. (Gelegentliche Links, die sich noch merkwürdig verhalten, werden nach und nach korrigiert.)

Warum weg?

Ich hatte mit All-Inkl nie größere Probleme, für den bloßen Betrieb von WordPress gibt es zweifelsohne keinen besseren shared hoster. Deren Server laufen in der Regel schnell, stabil und ohne nennenswerte Last, und der Support gibt sich manchmal wirklich Mühe. Was mir aber gefehlt hat, war der Shell-Zugang – gelegentliche Arbeiten „unter der Haube“ waren oft recht langwierig, zumal einige WordPress-Plugins an den Verzeichnisrechten herumfummeln wollten und ein regelmäßiger Gang zum „KAS“, dem All-Inkl-Kontrollzentrum, mir nicht erspart blieb. Ich könnte natürlich auch bei All-Inkl Shellzugriff erhalten, jedoch wäre dies mit nicht unerheblichen Mehrkosten verbunden, die ich nicht aufbringen will, wenngleich ich das natürlich könnte.

Auch habe ich im Verlauf der letzten Wochen begonnen, meine Mailkorrespondenz weitgehend auf tuxproject.de zu verlagern. Nun sind die IMAP-Server von All-Inkl merkwürdig konfiguriert, das Anlegen von Unterordnern ist bitteschön per Weboberfläche statt per IMAP zu erledigen, und auch sonst fühlte sich einiges an der Konfiguration doch überaus rückständig an.

Warum hin?

Uberspace ist all das, was ich bei All-Inkl vermisst habe: Zwar ist die Serverlast im Mittel etwas höher, aber es ist vieles möglich, was All-Inkl nicht so gern sieht. Shellzugriff ist ebenso eine Selbstverständlichkeit wie Cronjobs, also wiederkehrende Aufgaben, die bei All-Inkl ebenfalls einen Tarifwechsel erfordern würden. PHP, Perl und MySQL sind gleichbleibend vorhanden, neu sind Ruby, Python und die Möglichkeit, fehlende Module bei Bedarf nachzuinstallieren.

Dabei weist Uberspace die Besonderheit auf, dass es nicht versucht, Konkurrenzkämpfe zu gewinnen (obwohl 1 Euro pro Monat – einsfuffzich mit Domain – ein bemerkenswerter Mindestpreis ist), sondern, dass es sich primär an uns Bastler richtet, die lieber mit der Konsole als mit bunten GUIs den Administrator spielen. Das bedeutet aber auch, dass die Inbetriebnahme keine Sache von wenigen Klicks ist, sondern zunächst einige Handarbeit ansteht: Transferieren der bestehenden Dateien per lftp, Einspielen und Korrigieren der Datenbank (bei dem gesprächigen Piwik ein ziemlich umfangreiches Unterfangen), Setzen der benötigten Rechte für die eingesetzten WordPress-Plugins, die ja immer etwas zu meckern haben.

Die Betreiber stehen per Mail und Twitter allerdings jederzeit zur Seite und bieten Hilfestellung. Diese ist nicht auf bunte Anleitungen beschränkt, sondern auftretende Probleme werden detailliert erläutert und, wo möglich, ein Lösungsweg aufgezeigt. Das geht auch ziemlich schnell; eine kurze Mail etwa genügte, und gerade einmal anderthalb Stunden später (trotz bereits weit fortgeschrittener Uhrzeit) war ein mir fehlendes Perlmodul, das ich aus Gründen nicht unbedingt in meinem Profil installieren wollte, serverweit eingerichtet. Noch nicht einmal eine virtuelle Entblößung ist notwendig: Persönliche Daten werden nicht erhoben. Finde ich gut.

Warum nicht?

Der etwas höhere Aufwand gegenüber Klick-und-fertig-Anbietern wie die zuvor von mir benutzten bplaced und All-Inkl ist sicher eine Einstiegshürde für alle, die nur mal eben eine Webseite einrichten möchten. Ansonsten bleibt der schale Beigeschmack des kleinen Anbieters mit der, konzeptbedingt, ungewissen Zukunft. Aber wer weiß schon, was morgen ist?

Und wenn ich es irgendwann mal bereue, ist All-Inkl ja immer noch da. Hoffentlich.

Nerdkrams
Sicher texten unter Windows (und Firefox)

Wer häufiger mal längere Texte an seinem Windows-Rechner schreibt und nebenbei zum Beispiel in Foren oder im IRC diskutiert, der steht oftmals vor dem Problem, dass die Windows-Zwischenablage sehr begrenzt ist. Mehrere Text- oder Bildausschnitte zur gleichen Zeit passen nicht in sie hinein. (Linuxnutzer mit dem allzu oft unterschätzten KDE haben dieses Problem immerhin nicht.)

Aber selbst Letztere sehen sich mitunter mit einer anderen Hürde konfrontiert: Man schreibt gerade einen längeren Blog- oder Forenkommentar, drückt eine falsche Taste, und alles ist weg. Was tun? Verzweifeln? Neu schreiben? Mitneffen: Wofür gibt‘s Programme, die das beseitigen?

Problem Nummer 1: Die begrenzte Zwischenablage von Windows.

mIRC-Benutzer kennen das wahrscheinlich: Markieren sie versehentlich einen Text, weil sie zu langsam doppelklicken, überschreibt dieser Text alle Inhalte der Zwischenablage, sofern die entsprechende Funktion nicht deaktiviert ist. Auch sonst ist man manchmal in der misslichen Situation, mehrere Textschnipsel oder ähnliches gleichzeitig zu benötigen, etwa, wenn man sich manchmal auf seiner Internetseite über SPIEGEL Online lustig machen will.

Programme, die die Windows-Zwischenablage entsprechend erweitern, gibt es mit dem hervorragenden ac’tivAid, Ditto, ClipMan und anderen in großer Zahl, wirklich überzeugt hat mich aber nur das portable ArsClip.

ArsClip, das nur in englischer Sprache verfügbar ist, dessen Konfigurationsfenster man allerdings auch nie wirklich benötigt, „kapert“ – arrr! – die windowseigene Kopierfunktion inklusive des Tastenkürzels Strg+C und speichert so mehr als nur die letzte kopierte Eingabe zwischen. Die gespeicherten Ausschnitte – auch Multimediaschnipsel werden unterstützt – sind über ein einstellbares Tastenkürzel, etwa Strg+Alt+V (analog zu Strg+V), in Menüform abruf- und editierbar:

Hierbei wird der letzte verwendete Ausschnitt aus dem Menü automatisch auch per Strg+V verfügbar gemacht; verwendet man also zum Beispiel den drittneuesten Eintrag im Menü, so kann dieser anschließend auch per Strg+V überall eingefügt werden, wo man ihn benötigt. Ich würde so weit gehen, ArsClip als unverzichtbares Werkzeug für jeden, der was mit Internet macht, zu bezeichnen. Tu‘ ich aber nicht.

Problem Nummer 2: Der fehlende Zwischenspeicher von Firefox.

Natürlich gibt es Leute, die längere Texte wie etwa diesen hier in ihrem Texteditor schreiben, bevor sie ihn in ihren Browser kopieren, und dies etwa mit der Erweiterung „It‘s All Text!“ oder Text Editor Anywhere unterstützen. Jedes Mal den Texteditor zu starten, wenn man mal eben einen Blogkommentar hinterlassen möchte, ist aber vielleicht manch jemandem zu umständlich. Und dann findet man plötzlich zufällig die Tastenkombination, um Firefox ungefragt zu beenden, und darf noch mal von vorn beginnen. Das ist nicht schön.

Die Firefox-Erweiterung Textarea Cache löst dieses Problem ziemlich elegant: Jeder in ein Textfeld eingegebene Text wird automatisch protokolliert und ist per Klick auf das Symbol in der „Addon-Leiste“ wieder abrufbar, kategorisiert nach dem Titel der Webseite und mit einstellbarer Speichergröße:

Mit Lazarus gibt es eine Alternative für diejenigen Internetnutzer, die Chrome und/oder Safari neben oder anstelle von Firefox verwenden. Lazarus kann auch weitere Formulareingaben speichern, verwendet aber das Kontextmenü statt eines separaten Fensters – wer bereits DownThemAll!, FlashGot, LastPass, ColorZilla und die üblichen weiteren Standarderweiterungen benutzt, die das Kontextmenü des Browsers zum Teil ungefragt erweitern, der bevorzugt unter Umständen auch deshalb Textarea Cache.

An Alternativen soll‘s nicht mangeln. Für jedenfalls mich sind genannte Programme indes inzwischen unverzichtbar.
Ergänzungen sind gern gesehen.

Nerdkrams
□□□□□□□□□: 0 □□□□□□□□

Für eine eilends angefertigte Pro- und Contra-Liste für und gegen die neuen Versionen einiger aktiv gepflegter Büroanwendungen für Windows – LibreOffice benimmt sich allzu oft ein wenig wunderlich – habe ich in einer virtuellen Maschine einige Kombattanten gegeneinander antreten lassen.

SoftMaker Office 2012 – ein Produkt deutscher Geisteskraft – mag es aber gar nicht, wenn man es deinstallieren will, und spricht spontan asiatisch, jedenfalls behauptet der Zeichensatz das:

Das ist ziemlich gewitzt; noch gewitzter wäre es, würde man in der gleichen Sprache eine Frage stellen, die richtig beantwortet werden muss, bevor man mit der Installation fortfahren kann, denn so dürfte das Abwandern von Kunden dauerhaft gehemmt sein. Na, vielleicht in der nächsten Version.

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EncFS und Dropbox unter Windows: Sicher „clouden“ leicht gemacht

Aus dem Hause Dropbox gibt es momentan gute Neuigkeiten zu vermelden: Bereits nach der kostenlosen Anmeldung ist es, zumindest unter Windows, zurzeit möglich, bis zu 4,5 GiB zusätzlichen Speicherplatz für lau zu bekommen. Voraussetzung sind einzig die Installation der neuen Testversion 1.3.12 und eine aktivierte „Autostart“-Funktion für externe Datenträger. Anschließend sollte ein solcher, etwa eine externe Festplatte oder eine SD-Karte, mit Bild- und/oder Videodateien angeschlossen und der Menüpunkt zum Importieren dieser Dateien in Dropbox ausgewählt werden. Für jedes halbe GiB wird der Dropbox-Speicherplatz einmalig, aber dauerhaft um diese Menge erhöht.

Nun ist Dropbox wegen verschiedener Sicherheitsbedenken erst im vergangenen Jahr in die Kritik geraten, und statt jetzt Alternativen wie etwa Wuala (furchtbarer Name) zu bewerben, rate ich dazu, so etwas wie sensible Daten von fremden Servern fernzuhalten: Wer zum Beispiel interne Unternehmensdaten freiwillig auf US-amerikanischen Servern ablegt, der ist zumindest naiv.

Alternativ kann man sich auch mit Kryptografie behelfen. Containerverschlüsselung wie etwa per TrueCrypt ist für die Verwendung mit Dropbox nicht empfehlenswert, „echte“ Verschlüsselung muss also her. Benutzer von Linux- oder BSD-basierten Systemen wie Mac OS X können auf EncFS zurückgreifen, das das lokale Dropbox-Verzeichnis (und somit auch seine Inhalte in der cloud) verschlüsselt. Das können Windowsnutzer aber auch.

Zunächst benötigen sie hierfür die Dokan-Bibliothek, eine Art FUSE, also die Basis für installierbare Dateisysteme, für Windows. Sollte bereits eine ältere Version vorhanden sein, wird das Installationsprogramm darauf hinweisen, eine manuelle Deinstallation mit anschließendem Neustart, um den Treiber vollständig zu entladen, wird empfohlen.

Wenn Dokan läuft, ist der Boden für EncFS bereitet. Eine Windowsportierung gibt es etwa hier. Es handelt sich um eine wahlweise portable Anwendung, das .zip-Archiv kann also an einen beliebigen Ort entpackt werden. Das Programm encfsw.exe dient der Steuerung von EncFS. Startet man es, taucht im Benachrichtigungsfeld ein Schlüsselsymbol auf.

Nehmen wir an, wir haben noch kein verschlüsseltes Verzeichnis in der Dropbox angelegt. Das können wir jetzt nachholen:

(Natürlich sollte man die üblichen Regeln für möglichst kompatible Datei- und Verzeichnisnamen beachten; Umlaute zum Beispiel sind tabu.)

Per Doppelklick auf das Schlüsselsymbol können wir diesen Ordner mit EncFS bekannt machen:

Anschließend denken wir uns ein sicheres Passwort aus und bekommen obendrein einen Laufwerksbuchstaben für das „entschlüsselte“ Verzeichnis zugewiesen:

Jetzt haben wir ein verschlüsseltes Verzeichnis in der Dropbox. Um Dateien dort abzulegen, müssen wir es, wie aus der *ix-Welt bekannt, mounten. Dazu bedarf es eines Rechtsklicks auf das Schlüsselsymbol und die Auswahl unseres verschlüsselten Verzeichnisses. Nach Eingabe des festgelegten Passworts ist das virtuelle Laufwerk, hier F:, benutzbar. Alle Dateien, die wir dort ablegen, werden automatisch via EncFS-Treiber verschlüsselt:

Datenschutz in der cloud funktioniert eben doch. Trotzdem sollte man ihn nicht der Bequemlichkeit opfern und immer zweimal darüber nachdenken, ob Datei x wirklich in die Dropbox muss.

Korrekturen, Anmerkungen und Ergänzungen sind gern gesehen. :)

Nerdkrams
Siris Erben

Das iPhone 4S („for ass“) hat als nennenswerten Kaufgrund „Siri“ spendiert bekommen, eine nervige Version der Google-Sprachsuche von Android-Mobiltelefonen. Ob man iPhone-Nutzer nun darum beneiden sollte, dass sie für den lachhaften Preis von ein paar hundert Kröten die technische Grundlage für etwas kaufen dürfen, was in der Regel eher mäßig funktioniert und die Benutzer in der Öffentlichkeit wie Geistesgestörte wirken lässt, wenn sie Selbstgespräche zu führen scheinen, weiß ich nicht – sie um Siri zu beneiden ist jedenfalls schon längst nicht mehr nötig.

Wer nämlich ein Android-Gerät – Android „2″ genügt völlig – sein eigen nennt und wem bei der mitgelieferten Sprachsuche die von Apple beworbene Semantikerkennung fehlt, der muss nicht viel Geld in ein iPhone 4S stecken, sondern kann sich mit Alicoid (99 ct. im Android Market) oder Alice (preisfrei ebendort) behelfen.

Der Name kommt early adoptern wahrscheinlich bekannt vor, gab es doch schon seit 1995 verschiedene Entwicklungen dieses Namens, am Bekanntesten wahrscheinlich ist die „Alice“-Version für ICQ. Diese diente sozusagen als Anrufbeantworter für den Sofortnachrichtendienst und konnte eingehende Nachrichten mehr oder weniger sinnvoll beantworten.

Die wirkliche Neuerung von Siri ist der Server, über den die Kommunikation, vom Benutzer unbemerkt, stattfindet. Siri selbst ist anscheinend ziemlich blöd, die Routinen auf dem Server ziemlich mächtig. Komponenten, um Siri nachzubauen, sind also eine einfache Spracheingabe mit der Möglichkeit, Datenaustausch mit einem Server zu betreiben, der sie dann nach Belieben auswertet, und eben dieser Server.

Google hat Server, genauer gesagt: Google hat zurzeit acht Rechenzentren. Was Google dank seiner Suchmaschine außerdem hat, ist das Wissen, wie man Texteingaben so lange umformuliert, bis irgendetwas ganz anderes dabei herauskommt, was ein Algorithmus verstehen kann – semantische Suche ist also kein Problem. Seit dem 9. Juni 2010 ist es in deutscher Sprache möglich, Google-Suchanfragen per Mikrofon durchzuführen. Was noch zur Siri fehlte, war die Anbindung an nahezu beliebige apps.

Ein tritt die Familie Alice.

Diese apps nutzen eine Kombination aus Sprachausgabe und Google-Sprachsuche, um wie das einer Offenbarung nicht unähnlich angepriesene Siri auf Sätze in, mehr oder weniger, natürlicher Sprache brauchbare Antworten zu geben. („Mehr oder weniger“: Die Frage „Wer isn des?“ wird wohl kein befriedigendes Ergebnis nach sich ziehen.)

Voraussetzung: Android. Dass Alicoid mehr kann als Alice, ist noch nicht unbedingt ein Grund, zu der Bezahlapp zu greifen, wenn einfache Terminplanung oder ähnliche Aufgaben genügen, bedenkt man, dass Alicoid zurzeit (legal) nur per Android Market und somit nur von Kreditkartenbesitzern zu erwerben ist, was in Deutschland ja durchaus nicht auf die überwiegende Mehrheit der Android-Nutzer zutreffen dürfte. Zu empfehlen ist sowieso, zuerst einmal zu überprüfen, ob die eigene Aussprache mit der Google-Sprachsuche harmoniert, denn auch Alicoid kann da keine Wunder wirken.

Es wäre sicherlich vermessen, technikverliebte Zeitgenossen auszulachen, wenn sie in einer Menschenmenge wieder einmal mit ihrem Telefon reden. Hin und wieder jedoch ist ein mitleidiger Blick in Richtung derer, die für diese Funktion 600 oder mehr Euro ausgeben, die richtige Entscheidung.

Nerdkrams
Digitale Verflachung

(Vorbemerkung: Weil ich mich im IRC gerade so schön darüber aufgeregt habe, rotze ich hier noch kurz eine Langfassung eines weiteren öden Computerthemas rein. Keine Sorge, morgen gibt es wieder Musik.)

Seit Windows 95 nehme ich eine eigenartige Entwicklung wahr: Mit jeder größeren Änderung an den Bedienkonzepten der Arbeitsumgebung wird alles, reziprok zu den Zukunftsvisionen aus frühen science-fiction-Filmen und -Romanen, nicht komplexer und bunter, sondern, im Gegenteil, schlichter und abstrakter. Weiterlesen ‚Digitale Verflachung‘ »

NerdkramsProjekte
WP-PasteExtender: Kopierschutz mal anders

Ich kopiere manchmal Textausschnitte auf FOCUS.de und ähnlichen Seiten. FOCUS.de verwendet nun allerlei JavaScript-Spielereien, unter anderem eine, die automatisch einen Verweis auf die Seite, von der man den Text kopiert hat, mitkopiert.

Das hat mich so sehr beeindruckt, dass ich das mal für WordPress nachgebaut habe. Werte Damundherrn, ich präsentiere:

WP-PasteExtender, „Version“ 20120102.

Der Text, der an den zu kopierenden Text angehängt werden soll, ist frei konfigurierbar. Der Verwaltungsbereich sieht so aus:

Momentan habe ich nur wenig Zeit, ernsthaft an dem Plugin zu arbeiten, weshalb kleinere Probleme nicht ausgeschlossen sind. Vollständig funktionstüchtig ist das Plugin derzeit nur mit WebKit-basierten Browsern. Unter Firefox funktioniert die blockquote-Funktion noch nicht, der Internet Explorer verweigert gänzlich den Dienst. Ich hoffe, das irgendwann beheben zu können.

Wenn jemand von euch Lust und Ahnung hat, um mir hierbei zur Hand zu gehen, so wäre mir dies sehr willkommen. Weitere Funktionen sind jedoch vorerst nicht geplant.

In den NachrichtenNerdkrams
Die verlorene Neutralität der Suchmaschine G.

Dass Google seit einigen Wochen bestrebt ist, sein Kerngeschäft mit der hauseigenen Suchmaschine hinten anzustellen, und dafür auch bereit ist, selbst diese Suchmaschine nachhaltig zu beschneiden, ist nun keine Neuigkeit mehr. Nun aber beschwert man sich im Hause Twitter darüber, dass man zugunsten von Google+ vernachlässigt wird, nachdem der wie auch immer geartete Vertrag zwischen Google und Twitter abgelaufen ist. (Ich sollte mich glücklich schätzen, dass diese Webpräsenz hier laut Statistik auch ohne einen Vertrag überhaupt noch bei Google auftaucht, schätze ich.)

Es sammelt sich auf Google+ hämisches Geschnatter von überzeugten Google+-Nutzern, Twitter brauche halt eh‘ keiner mehr, weil sie den Unterschied zwischen einem Mikroblog und einem sozialen Netzwerk eben noch nie so richtig verstanden haben (gut, was ist von Google-Freunden auch zu erwarten?); aber das Problem liegt tiefer:

So bemängelte Twitter, dass Google durch die Änderungen keine neutralen Suchergebnisse mehr ausliefere.

Neutralität? Will Google das?

Google verdient recht viel Geld damit (bzw. bekommt es dafür), dass Anzeigenkunden gewünschte Verweise oben in den Suchergebnissen platzieren können, und das nicht erst seit gestern. Der Wegfall der Echtzeitsuche für ausgerechnet Tweets, die normalerweise ja eher unpersönlich gehalten sind, kann also noch irgendwelche „Neutralität“ beschädigen?

Googles Suchmaschine überhaupt noch als solche zu bezeichnen war schon lange fragwürdig, tat sie doch selten das, was man ihr sagte, sondern formulierte intern die Suchanfragen so lange um, bis etwas herauskam, was man ganz sicher nicht gesucht hatte. Natürlich führte das so zu vielen Treffern, die am Rande etwas mit dem zu tun hatten, was man eigentlich gesucht hatte, aber Quantität und Qualität sind eben selten deckungsgleich.

Und nun also nicht nur „Suchen“, sondern „Search, plus your world“. Suchen in der eigenen kleinen Welt. Ist man bei Google+ registriert und rege aktiv, ausgefülltes und wahrheitsgemäßes Profil inklusive, bekommt Google nicht nur einen großen Anteil am Datenkuchen, den das fettleibige Facebook sonst allein gefressen hätte, sondern ist auch in der Lage, aus diesen Daten Ergebnisse zu liefern, die für das eigene reale Umfeld von hoher Priorität sind. (Ich nehme an, man sollte es also vermeiden, auf Google+ Pornodarstellerinnen „einzukreisen“; es sei denn, man sucht häufiger mal nach, ähm, so Sachen bei Google.)

Tatsächlich gibt es Leute, die von einer Existenz anderer Suchmaschinen gar nichts wissen; die verzweifelt sind, wenn Google einmal nicht erreichbar ist. Diese Menschen bereiten mir Sorge. Noch mehr Sorge aber bereitet mir diese mit sanftem Druck erreichte Dominanz von Google+ in einem wichtigen Teil des Internets, nämlich seiner Durchsuchbarkeit.

Marcel Weiss hat es schon richtig erkannt:

Google dagegen ist es ‘relativ’ egal, welches Social Network sich etabliert. Hauptsache, es hat Zugriff auf die Daten und kann diese auswerten und durchsuchbar machen. (…) Je größer Facebooks private Datenschatzkammer wird, je mehr Social-Graph-Daten Twitter und co. anhäufen, desto größer die eben beschriebene Gefahr für Google und desto erpressbarer wird Google.

Es geht hier nicht um Komfort für die Benutzer; was sollte auch daran komfortabel sein, wenn eine Suchmaschine bevorzugt auf Seiten des Betreibers verweist? Es geht einzig darum, den Mittelpunkt des virtuellen Lebens ihrer Benutzer auf Google+ zu verlagern. Die Verheißung: Endlich mal wieder brauchbare Suchergebnisse mit dem besonderen Extra, nämlich der noch persönlicheren Note als bisher. (Wer glaubte, Google würde jedem Suchenden auf die gleiche Frage die gleiche Antwort geben, den muss ich enttäuschen. Probiert es einmal aus!)

Google versucht Google+ neben dem allmählich verwelkenden Facebook, das sich mit der „Timeline“ gerade zum wahrscheinlich letzten Mal aufgebäumt hat, zu etablieren und geht dafür über die eigene Leiche. Dass Facebook sich ebenfalls darüber beschwert, dass der einzig ernst zu nehmende Konkurrent sich selbst zum Invaliden macht, halte ich für unwahrscheinlich, aber die Befindlichkeiten der großen Konzerne sind gerade auch nicht das, was mich als Endanwender (zumal als momentaner DuckDuckGo-Nutzer) interessieren sollte. Vielleicht ist es aber auch deshalb gut, dass Twitter vorerst nicht mehr mit Google zusammenarbeitet: Wenn alle „großen“ Plattformen im Google-Profil zusammenflössen, hätte das wahrscheinlich eher nicht so gute Konsequenzen.

Jedenfalls gilt: Die Google-Suche ist keine neutrale Suchmaschine und will es auch gar nicht sein. Dass das noch irgendjemanden so sehr überrascht, dass mein RSS-Leser mit Aaaahs und Oooohs ob der neuen verplussten Suche befüllt ist, ist daher ziemlich erstaunlich. Und ich wünschte, diesmal würde man dem Jungen, der „Wolf!“ ruft, Gehör schenken. Er – der Wolf – kommt schneller als gedacht.

„Das Denken fand man bis heute nicht…“
– Hölderlin, „Requiem für einen Wicht“

Nerdkrams
Diktat der Werbeakzeptanz

An das dunkle Zeitalter des Webs, als Geocities und Beepworld noch große Namen trugen und animierte GIF-Bilder noch den Flaschenhals der Webseitenübertragung per 56-kbit-Leitung darstellten, erinnert heute zum Glück kaum noch etwas. Nur Nostalgiker und Spaßvögel kommen mit Gedenkseiten wie dem Geocities-izer noch immer auf ihre Kosten. Das persönliche Web, so hässlich es auch war, hatte aber doch seine attraktiven Seiten. Zusammengefasst bedeuteten sie: Klein, aber mein.

Dann kam die „Dot-Com-Blase“, die Monetarisierung des WWW, als irgendein schusseliger Praktikant einem Schlipsträger versehentlich zu verstehen gegeben hatte, dass dieses Web zwar kreischend bunt und voller Menschen, jedoch noch weitgehend frei von groß angelegten Werbekampagnen war. Das sollte sich ändern: Urplötzlich, gleichsam über Nacht, fielen die Vermarktungsstrategen wie einst die spanischen Eroberer in das nur mit dem Dancing Baby bewaffnete persönliche Web ein und brachten ihm „Demokratie“, „Freiheit“ und den Tod. Es schien für sie unerträglich zu sein, dass da ein paar Leute einfach ihren Spaß haben konnte, ohne dass größere Geldbeträge flossen.

Beeindruckt vom Erscheinungsbild des nunmehr verblichenen persönlichen Webs ersannen die wenigen Unternehmen, die das leider viel zu späte Blasen des Platzes Platzen der Blase überlebt hatten, gleichfalls bunte, blinkende, tönende Werbung, die ihren Platz auf Webseiten mit virtuellen Klauen und Zähnen verteidigte. In ihrer Vorfreude auf die zu erzielenden Werbeeinnahmen haben sie jedoch vergessen, dass Internetnutzer auch nur Menschen sind und nur wenige Menschen es mögen, wenn sie arglos einen Stadtbummel machen und plötzlich ein Dudelsackspieler sich von hinten anschleicht und ihnen ins Ohr trötet: Wer nervt, der macht sich eben unbeliebt. (Ich empfehle an dieser Stelle nochmals den hervorragenden offenen Brief zum Thema von Jan Schejbal.)

Und so schlossen sich die Stadtbummler zusammen und entwickelten allerlei Abwehrmaßnahmen. Erfolgreich waren, auch aufgrund ihrer freien Verfügbarkeit, vor allem die Projekte Proxomitron und Adblock. Während aber ersteres aus natürlichem Grund, nämlich dem Tod seines Programmierers vor einigen Jahren, nicht mehr grundlegend weiterentwickelt werden kann, erfuhr zweiteres nach Zerwürfnissen eine Aufspaltung, und es entstand Adblock Plus.

Jahrelang genoss Adblock Plus neben Ad Muncher die Stellung eines Referenzprodukts bei einem großen Teil der Internetnutzer. Im Jahr 2011 bemerkte Wladimir Palant, maßgeblich Verantwortlicher für die Entwicklung von Adblock Plus, dass sein freies Projekt sich zum Reichwerden nur wenig eignete, und gründete gemeinsam mit Till Faida die Eyeo GmbH, deren Zweck es sein sollte, die Entwicklung finanzieren zu helfen. Vorerst war dies, so die Ankündigung, lediglich eine Umfirmierung ohne weiteren Einfluss auf das Produkt selbst. Beobachter beschworen dennoch umgehend das Ende von Adblock Plus herauf und rieten zu Alternativen.

Dann kam Version 2.0 und mit ihr die Klasse der „nicht aufdringlichen Werbung“. Adblock Plus sollte sich so selbst überflüssig machen. Das Prinzip lautet: Werbung, die nicht nervt, erfordert nicht unbedingt jemanden, der sie in die Schranken weist. Diese Idee erschien nur konsequent, hatte man doch die Werbeblockierer einst erdacht, um sich gegen immer aufdringlichere Werbung zur Wehr setzen zu können. Ein Internet, dessen Werbung weder aufdringlich noch datenschutztechnisch fragwürdig ist, bedarf solcher Maßnahmen im Grunde genommen nicht mehr, der Finanzierung größerer Projekte mithilfe von Werbeeinblendungen käme dies zugute.

Leider wurde diese Änderung offenbar nicht ausreichend kommuniziert, die Internetnutzer brüllten im Chor, es sei eine „Schweinerei“, dass eine Erweiterung zum Blockieren von Werbung künftig keine Werbung mehr blockieren sollte. Dass das Abschalten der neuen Toleranz nur eines einfachen Klicks im Einstellungsbildschirm bedarf, ist ihnen wohl meist völlig entgangen. (Zum Vergleich: Das ist ungefähr so, als wenn man sein neues Auto reklamiert, weil man den Schlüssel herumdrehen muss, bevor es fährt.) Der wesentliche Kritikpunkt scheint darin zu bestehen, dass Adblock Plus nicht in der Lage ist, automatisch eingebundene Werbung anhand ihres Verhaltens zu erkennen, und somit auf eine von den Entwicklern gepflegte „weiße Liste“ zurückgreifen muss, auf die der Benutzer keinen aktiven Einfluss nehmen kann, vom Melden versehentlich freigeschalteter Werbung einmal abgesehen.

Um in diese Liste aufgenommen zu werden, muss ein Werbetreibender eine entsprechende Vereinbarung eingehen: Er verpflichtet sich, vom Schalten brüllender Nervereien als Werbung abzusehen, und bekommt dafür einen Eintrag als Quelle unaufdringlicher Werbung. Dabei geben sich die Verantwortlichen nicht käuflich, überlegen sich öffentlich lediglich die Einführung von Verwaltungsgebühren für die Freischaltung eines neuen Listeneintrags.

Die Redaktion des reißerischen Computermagazins PC-WELT widerspricht seit gestern energisch und behauptet unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen („Besuch von Adblock Plus“), man könne sich Einträge auf der „weißen Liste“ schlicht erkaufen.

Webseiten-Betreiber müssen voraussichtlich zahlen, um auf die Ausnahmeliste mit den „acceptable ads“ zu kommen. Anders formuliert: Für Geld will Adblock Plus Werbung zum User durchlassen. Wer nicht zahlt, kommt nicht auf die Liste und muss auf Werbeeinnahmen verzichten. (…) Die Webseiten sollen zahlen. Die Werbeblocker-Nutzer sollen Werbung sehen.

Ja, das ist zutreffend. So etwas wie journalistische Tätigkeit (zum Beispiel Hintergrundrecherchen) erwarte ich von den „Redakteuren“ der PC-WELT schon lange nicht mehr, aber für einen solchen schweren Vorwurf („Das sind schwere Vorwürfe.“) hätte man als Leser zumindest erwartet, dass sich der Schreiber einmal mit den Aussagen „von Adblock Plus“ befasst, denn diese Frage wurde, wie oben bereits angedeutet, dererseits hinreichend beantwortet:

Werden Sie für Einträge in die Liste bezahlt?

Nein. (…) Es ist (…) wahrscheinlich, dass ab einem gewissen Zeitpunkt die Firmen an den Kosten beteiligt werden, die in die Liste aufgenommen werden möchten.

Vielleicht müssen ab einem gewissen Zeitpunkt Anbieter akzeptabler Werbung ein wenig Geld investieren, um als solche gekennzeichnet zu werden. Schlicht falsch ist aber offenkundig die Behauptung, es gäbe Pläne, diesen Status später einmal – oder gar bereits jetzt – erkaufen zu können. (Dass jemand die quietschbunte PC-WELT-Werbung als „nicht aufdringlich“ klassifizieren würde, halte ich ohnehin für ein Gerücht, das auch Unkundigeren zu verstehen geben sollte, dass hier Unfug kolportiert wird.)

Möglicherweise ist die gegenwärtige Implementierung der „Liste akzeptabler Werbung“ noch nicht das Gelbe vom Ei, möglicherweise ist sie inkompatibel mit dem Verständnis vieler Anwender vom Zweck eines Werbeblockierers. Zeter und Mordio zu schreien und die Entwickler zu verfluchen ist aber der falsche Schritt, denn es zeugt allenfalls vom eigenen Missverständnis.

Aber wer lieber den Aufwand auf sich nimmt, auf eine Alternative umzusteigen, statt einfach den entsprechenden Haken in den Adblock-Plus-Filtereinstellungen zu entfernen, dem muss man mit sachlichen Erklärungen wahrscheinlich gar nicht erst kommen.