Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

Nerdkrams
□□□□□□□□□: 0 □□□□□□□□

Für eine eilends angefertigte Pro- und Contra-Liste für und gegen die neuen Versionen einiger aktiv gepflegter Büroanwendungen für Windows – LibreOffice benimmt sich allzu oft ein wenig wunderlich – habe ich in einer virtuellen Maschine einige Kombattanten gegeneinander antreten lassen.

SoftMaker Office 2012 – ein Produkt deutscher Geisteskraft – mag es aber gar nicht, wenn man es deinstallieren will, und spricht spontan asiatisch, jedenfalls behauptet der Zeichensatz das:

Das ist ziemlich gewitzt; noch gewitzter wäre es, würde man in der gleichen Sprache eine Frage stellen, die richtig beantwortet werden muss, bevor man mit der Installation fortfahren kann, denn so dürfte das Abwandern von Kunden dauerhaft gehemmt sein. Na, vielleicht in der nächsten Version.

Nerdkrams
EncFS und Dropbox unter Windows: Sicher „clouden“ leicht gemacht

Aus dem Hause Dropbox gibt es momentan gute Neuigkeiten zu vermelden: Bereits nach der kostenlosen Anmeldung ist es, zumindest unter Windows, zurzeit möglich, bis zu 4,5 GiB zusätzlichen Speicherplatz für lau zu bekommen. Voraussetzung sind einzig die Installation der neuen Testversion 1.3.12 und eine aktivierte „Autostart“-Funktion für externe Datenträger. Anschließend sollte ein solcher, etwa eine externe Festplatte oder eine SD-Karte, mit Bild- und/oder Videodateien angeschlossen und der Menüpunkt zum Importieren dieser Dateien in Dropbox ausgewählt werden. Für jedes halbe GiB wird der Dropbox-Speicherplatz einmalig, aber dauerhaft um diese Menge erhöht.

Nun ist Dropbox wegen verschiedener Sicherheitsbedenken erst im vergangenen Jahr in die Kritik geraten, und statt jetzt Alternativen wie etwa Wuala (furchtbarer Name) zu bewerben, rate ich dazu, so etwas wie sensible Daten von fremden Servern fernzuhalten: Wer zum Beispiel interne Unternehmensdaten freiwillig auf US-amerikanischen Servern ablegt, der ist zumindest naiv.

Alternativ kann man sich auch mit Kryptografie behelfen. Containerverschlüsselung wie etwa per TrueCrypt ist für die Verwendung mit Dropbox nicht empfehlenswert, „echte“ Verschlüsselung muss also her. Benutzer von Linux- oder BSD-basierten Systemen wie Mac OS X können auf EncFS zurückgreifen, das das lokale Dropbox-Verzeichnis (und somit auch seine Inhalte in der cloud) verschlüsselt. Das können Windowsnutzer aber auch.

Zunächst benötigen sie hierfür die Dokan-Bibliothek, eine Art FUSE, also die Basis für installierbare Dateisysteme, für Windows. Sollte bereits eine ältere Version vorhanden sein, wird das Installationsprogramm darauf hinweisen, eine manuelle Deinstallation mit anschließendem Neustart, um den Treiber vollständig zu entladen, wird empfohlen.

Wenn Dokan läuft, ist der Boden für EncFS bereitet. Eine Windowsportierung gibt es etwa hier. Es handelt sich um eine wahlweise portable Anwendung, das .zip-Archiv kann also an einen beliebigen Ort entpackt werden. Das Programm encfsw.exe dient der Steuerung von EncFS. Startet man es, taucht im Benachrichtigungsfeld ein Schlüsselsymbol auf.

Nehmen wir an, wir haben noch kein verschlüsseltes Verzeichnis in der Dropbox angelegt. Das können wir jetzt nachholen:

(Natürlich sollte man die üblichen Regeln für möglichst kompatible Datei- und Verzeichnisnamen beachten; Umlaute zum Beispiel sind tabu.)

Per Doppelklick auf das Schlüsselsymbol können wir diesen Ordner mit EncFS bekannt machen:

Anschließend denken wir uns ein sicheres Passwort aus und bekommen obendrein einen Laufwerksbuchstaben für das „entschlüsselte“ Verzeichnis zugewiesen:

Jetzt haben wir ein verschlüsseltes Verzeichnis in der Dropbox. Um Dateien dort abzulegen, müssen wir es, wie aus der *ix-Welt bekannt, mounten. Dazu bedarf es eines Rechtsklicks auf das Schlüsselsymbol und die Auswahl unseres verschlüsselten Verzeichnisses. Nach Eingabe des festgelegten Passworts ist das virtuelle Laufwerk, hier F:, benutzbar. Alle Dateien, die wir dort ablegen, werden automatisch via EncFS-Treiber verschlüsselt:

Datenschutz in der cloud funktioniert eben doch. Trotzdem sollte man ihn nicht der Bequemlichkeit opfern und immer zweimal darüber nachdenken, ob Datei x wirklich in die Dropbox muss.

Korrekturen, Anmerkungen und Ergänzungen sind gern gesehen. :)

Nerdkrams
Siris Erben

Das iPhone 4S („for ass“) hat als nennenswerten Kaufgrund „Siri“ spendiert bekommen, eine nervige Version der Google-Sprachsuche von Android-Mobiltelefonen. Ob man iPhone-Nutzer nun darum beneiden sollte, dass sie für den lachhaften Preis von ein paar hundert Kröten die technische Grundlage für etwas kaufen dürfen, was in der Regel eher mäßig funktioniert und die Benutzer in der Öffentlichkeit wie Geistesgestörte wirken lässt, wenn sie Selbstgespräche zu führen scheinen, weiß ich nicht – sie um Siri zu beneiden ist jedenfalls schon längst nicht mehr nötig.

Wer nämlich ein Android-Gerät – Android „2″ genügt völlig – sein eigen nennt und wem bei der mitgelieferten Sprachsuche die von Apple beworbene Semantikerkennung fehlt, der muss nicht viel Geld in ein iPhone 4S stecken, sondern kann sich mit Alicoid (99 ct. im Android Market) oder Alice (preisfrei ebendort) behelfen.

Der Name kommt early adoptern wahrscheinlich bekannt vor, gab es doch schon seit 1995 verschiedene Entwicklungen dieses Namens, am Bekanntesten wahrscheinlich ist die „Alice“-Version für ICQ. Diese diente sozusagen als Anrufbeantworter für den Sofortnachrichtendienst und konnte eingehende Nachrichten mehr oder weniger sinnvoll beantworten.

Die wirkliche Neuerung von Siri ist der Server, über den die Kommunikation, vom Benutzer unbemerkt, stattfindet. Siri selbst ist anscheinend ziemlich blöd, die Routinen auf dem Server ziemlich mächtig. Komponenten, um Siri nachzubauen, sind also eine einfache Spracheingabe mit der Möglichkeit, Datenaustausch mit einem Server zu betreiben, der sie dann nach Belieben auswertet, und eben dieser Server.

Google hat Server, genauer gesagt: Google hat zurzeit acht Rechenzentren. Was Google dank seiner Suchmaschine außerdem hat, ist das Wissen, wie man Texteingaben so lange umformuliert, bis irgendetwas ganz anderes dabei herauskommt, was ein Algorithmus verstehen kann – semantische Suche ist also kein Problem. Seit dem 9. Juni 2010 ist es in deutscher Sprache möglich, Google-Suchanfragen per Mikrofon durchzuführen. Was noch zur Siri fehlte, war die Anbindung an nahezu beliebige apps.

Ein tritt die Familie Alice.

Diese apps nutzen eine Kombination aus Sprachausgabe und Google-Sprachsuche, um wie das einer Offenbarung nicht unähnlich angepriesene Siri auf Sätze in, mehr oder weniger, natürlicher Sprache brauchbare Antworten zu geben. („Mehr oder weniger“: Die Frage „Wer isn des?“ wird wohl kein befriedigendes Ergebnis nach sich ziehen.)

Voraussetzung: Android. Dass Alicoid mehr kann als Alice, ist noch nicht unbedingt ein Grund, zu der Bezahlapp zu greifen, wenn einfache Terminplanung oder ähnliche Aufgaben genügen, bedenkt man, dass Alicoid zurzeit (legal) nur per Android Market und somit nur von Kreditkartenbesitzern zu erwerben ist, was in Deutschland ja durchaus nicht auf die überwiegende Mehrheit der Android-Nutzer zutreffen dürfte. Zu empfehlen ist sowieso, zuerst einmal zu überprüfen, ob die eigene Aussprache mit der Google-Sprachsuche harmoniert, denn auch Alicoid kann da keine Wunder wirken.

Es wäre sicherlich vermessen, technikverliebte Zeitgenossen auszulachen, wenn sie in einer Menschenmenge wieder einmal mit ihrem Telefon reden. Hin und wieder jedoch ist ein mitleidiger Blick in Richtung derer, die für diese Funktion 600 oder mehr Euro ausgeben, die richtige Entscheidung.

Nerdkrams
Digitale Verflachung

(Vorbemerkung: Weil ich mich im IRC gerade so schön darüber aufgeregt habe, rotze ich hier noch kurz eine Langfassung eines weiteren öden Computerthemas rein. Keine Sorge, morgen gibt es wieder Musik.)

Seit Windows 95 nehme ich eine eigenartige Entwicklung wahr: Mit jeder größeren Änderung an den Bedienkonzepten der Arbeitsumgebung wird alles, reziprok zu den Zukunftsvisionen aus frühen science-fiction-Filmen und -Romanen, nicht komplexer und bunter, sondern, im Gegenteil, schlichter und abstrakter. Weiterlesen ‚Digitale Verflachung‘ »

NerdkramsProjekte
WP-PasteExtender: Kopierschutz mal anders

Ich kopiere manchmal Textausschnitte auf FOCUS.de und ähnlichen Seiten. FOCUS.de verwendet nun allerlei JavaScript-Spielereien, unter anderem eine, die automatisch einen Verweis auf die Seite, von der man den Text kopiert hat, mitkopiert.

Das hat mich so sehr beeindruckt, dass ich das mal für WordPress nachgebaut habe. Werte Damundherrn, ich präsentiere:

WP-PasteExtender, „Version“ 20120102.

Der Text, der an den zu kopierenden Text angehängt werden soll, ist frei konfigurierbar. Der Verwaltungsbereich sieht so aus:

Momentan habe ich nur wenig Zeit, ernsthaft an dem Plugin zu arbeiten, weshalb kleinere Probleme nicht ausgeschlossen sind. Vollständig funktionstüchtig ist das Plugin derzeit nur mit WebKit-basierten Browsern. Unter Firefox funktioniert die blockquote-Funktion noch nicht, der Internet Explorer verweigert gänzlich den Dienst. Ich hoffe, das irgendwann beheben zu können.

Wenn jemand von euch Lust und Ahnung hat, um mir hierbei zur Hand zu gehen, so wäre mir dies sehr willkommen. Weitere Funktionen sind jedoch vorerst nicht geplant.

In den NachrichtenNerdkrams
Die verlorene Neutralität der Suchmaschine G.

Dass Google seit einigen Wochen bestrebt ist, sein Kerngeschäft mit der hauseigenen Suchmaschine hinten anzustellen, und dafür auch bereit ist, selbst diese Suchmaschine nachhaltig zu beschneiden, ist nun keine Neuigkeit mehr. Nun aber beschwert man sich im Hause Twitter darüber, dass man zugunsten von Google+ vernachlässigt wird, nachdem der wie auch immer geartete Vertrag zwischen Google und Twitter abgelaufen ist. (Ich sollte mich glücklich schätzen, dass diese Webpräsenz hier laut Statistik auch ohne einen Vertrag überhaupt noch bei Google auftaucht, schätze ich.)

Es sammelt sich auf Google+ hämisches Geschnatter von überzeugten Google+-Nutzern, Twitter brauche halt eh‘ keiner mehr, weil sie den Unterschied zwischen einem Mikroblog und einem sozialen Netzwerk eben noch nie so richtig verstanden haben (gut, was ist von Google-Freunden auch zu erwarten?); aber das Problem liegt tiefer:

So bemängelte Twitter, dass Google durch die Änderungen keine neutralen Suchergebnisse mehr ausliefere.

Neutralität? Will Google das?

Google verdient recht viel Geld damit (bzw. bekommt es dafür), dass Anzeigenkunden gewünschte Verweise oben in den Suchergebnissen platzieren können, und das nicht erst seit gestern. Der Wegfall der Echtzeitsuche für ausgerechnet Tweets, die normalerweise ja eher unpersönlich gehalten sind, kann also noch irgendwelche „Neutralität“ beschädigen?

Googles Suchmaschine überhaupt noch als solche zu bezeichnen war schon lange fragwürdig, tat sie doch selten das, was man ihr sagte, sondern formulierte intern die Suchanfragen so lange um, bis etwas herauskam, was man ganz sicher nicht gesucht hatte. Natürlich führte das so zu vielen Treffern, die am Rande etwas mit dem zu tun hatten, was man eigentlich gesucht hatte, aber Quantität und Qualität sind eben selten deckungsgleich.

Und nun also nicht nur „Suchen“, sondern „Search, plus your world“. Suchen in der eigenen kleinen Welt. Ist man bei Google+ registriert und rege aktiv, ausgefülltes und wahrheitsgemäßes Profil inklusive, bekommt Google nicht nur einen großen Anteil am Datenkuchen, den das fettleibige Facebook sonst allein gefressen hätte, sondern ist auch in der Lage, aus diesen Daten Ergebnisse zu liefern, die für das eigene reale Umfeld von hoher Priorität sind. (Ich nehme an, man sollte es also vermeiden, auf Google+ Pornodarstellerinnen „einzukreisen“; es sei denn, man sucht häufiger mal nach, ähm, so Sachen bei Google.)

Tatsächlich gibt es Leute, die von einer Existenz anderer Suchmaschinen gar nichts wissen; die verzweifelt sind, wenn Google einmal nicht erreichbar ist. Diese Menschen bereiten mir Sorge. Noch mehr Sorge aber bereitet mir diese mit sanftem Druck erreichte Dominanz von Google+ in einem wichtigen Teil des Internets, nämlich seiner Durchsuchbarkeit.

Marcel Weiss hat es schon richtig erkannt:

Google dagegen ist es ‘relativ’ egal, welches Social Network sich etabliert. Hauptsache, es hat Zugriff auf die Daten und kann diese auswerten und durchsuchbar machen. (…) Je größer Facebooks private Datenschatzkammer wird, je mehr Social-Graph-Daten Twitter und co. anhäufen, desto größer die eben beschriebene Gefahr für Google und desto erpressbarer wird Google.

Es geht hier nicht um Komfort für die Benutzer; was sollte auch daran komfortabel sein, wenn eine Suchmaschine bevorzugt auf Seiten des Betreibers verweist? Es geht einzig darum, den Mittelpunkt des virtuellen Lebens ihrer Benutzer auf Google+ zu verlagern. Die Verheißung: Endlich mal wieder brauchbare Suchergebnisse mit dem besonderen Extra, nämlich der noch persönlicheren Note als bisher. (Wer glaubte, Google würde jedem Suchenden auf die gleiche Frage die gleiche Antwort geben, den muss ich enttäuschen. Probiert es einmal aus!)

Google versucht Google+ neben dem allmählich verwelkenden Facebook, das sich mit der „Timeline“ gerade zum wahrscheinlich letzten Mal aufgebäumt hat, zu etablieren und geht dafür über die eigene Leiche. Dass Facebook sich ebenfalls darüber beschwert, dass der einzig ernst zu nehmende Konkurrent sich selbst zum Invaliden macht, halte ich für unwahrscheinlich, aber die Befindlichkeiten der großen Konzerne sind gerade auch nicht das, was mich als Endanwender (zumal als momentaner DuckDuckGo-Nutzer) interessieren sollte. Vielleicht ist es aber auch deshalb gut, dass Twitter vorerst nicht mehr mit Google zusammenarbeitet: Wenn alle „großen“ Plattformen im Google-Profil zusammenflössen, hätte das wahrscheinlich eher nicht so gute Konsequenzen.

Jedenfalls gilt: Die Google-Suche ist keine neutrale Suchmaschine und will es auch gar nicht sein. Dass das noch irgendjemanden so sehr überrascht, dass mein RSS-Leser mit Aaaahs und Oooohs ob der neuen verplussten Suche befüllt ist, ist daher ziemlich erstaunlich. Und ich wünschte, diesmal würde man dem Jungen, der „Wolf!“ ruft, Gehör schenken. Er – der Wolf – kommt schneller als gedacht.

“Das Denken fand man bis heute nicht…“
– Hölderlin, „Requiem für einen Wicht“

Nerdkrams
Diktat der Werbeakzeptanz

An das dunkle Zeitalter des Webs, als Geocities und Beepworld noch große Namen trugen und animierte GIF-Bilder noch den Flaschenhals der Webseitenübertragung per 56-kbit-Leitung darstellten, erinnert heute zum Glück kaum noch etwas. Nur Nostalgiker und Spaßvögel kommen mit Gedenkseiten wie dem Geocities-izer noch immer auf ihre Kosten. Das persönliche Web, so hässlich es auch war, hatte aber doch seine attraktiven Seiten. Zusammengefasst bedeuteten sie: Klein, aber mein.

Dann kam die „Dot-Com-Blase“, die Monetarisierung des WWW, als irgendein schusseliger Praktikant einem Schlipsträger versehentlich zu verstehen gegeben hatte, dass dieses Web zwar kreischend bunt und voller Menschen, jedoch noch weitgehend frei von groß angelegten Werbekampagnen war. Das sollte sich ändern: Urplötzlich, gleichsam über Nacht, fielen die Vermarktungsstrategen wie einst die spanischen Eroberer in das nur mit dem Dancing Baby bewaffnete persönliche Web ein und brachten ihm „Demokratie“, „Freiheit“ und den Tod. Es schien für sie unerträglich zu sein, dass da ein paar Leute einfach ihren Spaß haben konnte, ohne dass größere Geldbeträge flossen.

Beeindruckt vom Erscheinungsbild des nunmehr verblichenen persönlichen Webs ersannen die wenigen Unternehmen, die das leider viel zu späte Blasen des Platzes Platzen der Blase überlebt hatten, gleichfalls bunte, blinkende, tönende Werbung, die ihren Platz auf Webseiten mit virtuellen Klauen und Zähnen verteidigte. In ihrer Vorfreude auf die zu erzielenden Werbeeinnahmen haben sie jedoch vergessen, dass Internetnutzer auch nur Menschen sind und nur wenige Menschen es mögen, wenn sie arglos einen Stadtbummel machen und plötzlich ein Dudelsackspieler sich von hinten anschleicht und ihnen ins Ohr trötet: Wer nervt, der macht sich eben unbeliebt. (Ich empfehle an dieser Stelle nochmals den hervorragenden offenen Brief zum Thema von Jan Schejbal.)

Und so schlossen sich die Stadtbummler zusammen und entwickelten allerlei Abwehrmaßnahmen. Erfolgreich waren, auch aufgrund ihrer freien Verfügbarkeit, vor allem die Projekte Proxomitron und Adblock. Während aber ersteres aus natürlichem Grund, nämlich dem Tod seines Programmierers vor einigen Jahren, nicht mehr grundlegend weiterentwickelt werden kann, erfuhr zweiteres nach Zerwürfnissen eine Aufspaltung, und es entstand Adblock Plus.

Jahrelang genoss Adblock Plus neben Ad Muncher die Stellung eines Referenzprodukts bei einem großen Teil der Internetnutzer. Im Jahr 2011 bemerkte Wladimir Palant, maßgeblich Verantwortlicher für die Entwicklung von Adblock Plus, dass sein freies Projekt sich zum Reichwerden nur wenig eignete, und gründete gemeinsam mit Till Faida die Eyeo GmbH, deren Zweck es sein sollte, die Entwicklung finanzieren zu helfen. Vorerst war dies, so die Ankündigung, lediglich eine Umfirmierung ohne weiteren Einfluss auf das Produkt selbst. Beobachter beschworen dennoch umgehend das Ende von Adblock Plus herauf und rieten zu Alternativen.

Dann kam Version 2.0 und mit ihr die Klasse der „nicht aufdringlichen Werbung“. Adblock Plus sollte sich so selbst überflüssig machen. Das Prinzip lautet: Werbung, die nicht nervt, erfordert nicht unbedingt jemanden, der sie in die Schranken weist. Diese Idee erschien nur konsequent, hatte man doch die Werbeblockierer einst erdacht, um sich gegen immer aufdringlichere Werbung zur Wehr setzen zu können. Ein Internet, dessen Werbung weder aufdringlich noch datenschutztechnisch fragwürdig ist, bedarf solcher Maßnahmen im Grunde genommen nicht mehr, der Finanzierung größerer Projekte mithilfe von Werbeeinblendungen käme dies zugute.

Leider wurde diese Änderung offenbar nicht ausreichend kommuniziert, die Internetnutzer brüllten im Chor, es sei eine “Schweinerei“, dass eine Erweiterung zum Blockieren von Werbung künftig keine Werbung mehr blockieren sollte. Dass das Abschalten der neuen Toleranz nur eines einfachen Klicks im Einstellungsbildschirm bedarf, ist ihnen wohl meist völlig entgangen. (Zum Vergleich: Das ist ungefähr so, als wenn man sein neues Auto reklamiert, weil man den Schlüssel herumdrehen muss, bevor es fährt.) Der wesentliche Kritikpunkt scheint darin zu bestehen, dass Adblock Plus nicht in der Lage ist, automatisch eingebundene Werbung anhand ihres Verhaltens zu erkennen, und somit auf eine von den Entwicklern gepflegte “weiße Liste“ zurückgreifen muss, auf die der Benutzer keinen aktiven Einfluss nehmen kann, vom Melden versehentlich freigeschalteter Werbung einmal abgesehen.

Um in diese Liste aufgenommen zu werden, muss ein Werbetreibender eine entsprechende Vereinbarung eingehen: Er verpflichtet sich, vom Schalten brüllender Nervereien als Werbung abzusehen, und bekommt dafür einen Eintrag als Quelle unaufdringlicher Werbung. Dabei geben sich die Verantwortlichen nicht käuflich, überlegen sich öffentlich lediglich die Einführung von Verwaltungsgebühren für die Freischaltung eines neuen Listeneintrags.

Die Redaktion des reißerischen Computermagazins PC-WELT widerspricht seit gestern energisch und behauptet unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen („Besuch von Adblock Plus“), man könne sich Einträge auf der „weißen Liste“ schlicht erkaufen.

Webseiten-Betreiber müssen voraussichtlich zahlen, um auf die Ausnahmeliste mit den „acceptable ads“ zu kommen. Anders formuliert: Für Geld will Adblock Plus Werbung zum User durchlassen. Wer nicht zahlt, kommt nicht auf die Liste und muss auf Werbeeinnahmen verzichten. (…) Die Webseiten sollen zahlen. Die Werbeblocker-Nutzer sollen Werbung sehen.

Ja, das ist zutreffend. So etwas wie journalistische Tätigkeit (zum Beispiel Hintergrundrecherchen) erwarte ich von den „Redakteuren“ der PC-WELT schon lange nicht mehr, aber für einen solchen schweren Vorwurf („Das sind schwere Vorwürfe.“) hätte man als Leser zumindest erwartet, dass sich der Schreiber einmal mit den Aussagen „von Adblock Plus“ befasst, denn diese Frage wurde, wie oben bereits angedeutet, dererseits hinreichend beantwortet:

Werden Sie für Einträge in die Liste bezahlt?

Nein. (…) Es ist (…) wahrscheinlich, dass ab einem gewissen Zeitpunkt die Firmen an den Kosten beteiligt werden, die in die Liste aufgenommen werden möchten.

Vielleicht müssen ab einem gewissen Zeitpunkt Anbieter akzeptabler Werbung ein wenig Geld investieren, um als solche gekennzeichnet zu werden. Schlicht falsch ist aber offenkundig die Behauptung, es gäbe Pläne, diesen Status später einmal – oder gar bereits jetzt – erkaufen zu können. (Dass jemand die quietschbunte PC-WELT-Werbung als „nicht aufdringlich“ klassifizieren würde, halte ich ohnehin für ein Gerücht, das auch Unkundigeren zu verstehen geben sollte, dass hier Unfug kolportiert wird.)

Möglicherweise ist die gegenwärtige Implementierung der „Liste akzeptabler Werbung“ noch nicht das Gelbe vom Ei, möglicherweise ist sie inkompatibel mit dem Verständnis vieler Anwender vom Zweck eines Werbeblockierers. Zeter und Mordio zu schreien und die Entwickler zu verfluchen ist aber der falsche Schritt, denn es zeugt allenfalls vom eigenen Missverständnis.

Aber wer lieber den Aufwand auf sich nimmt, auf eine Alternative umzusteigen, statt einfach den entsprechenden Haken in den Adblock-Plus-Filtereinstellungen zu entfernen, dem muss man mit sachlichen Erklärungen wahrscheinlich gar nicht erst kommen.

Nerdkrams
SIP unter Android 4.0: Es muss nicht immer Skype sein.

Skype bietet, seine ständigen Sicherheitsprobleme einmal gänzlich außer Acht gelassen, eigentlich keine nennenswerten Vorteile. Sprachübertragung ist ein alter Hut, Videokonferenzen beherrscht selbst Google+ inzwischen ohne irgendwelchen Mehraufwand, von dem ebenfalls videotauglichen MSN und den anderen Diensten einmal ganz zu schweigen. Wer darauf verzichten kann, beim Telefonieren die Fresse seines Gegenübers ständig ertragen zu müssen, dem genügt ein einfacher VoIP-Anbieter.

Ein tritt SIP. SIP ist ein offenes Übertragungsprotokoll, für das es zahlreiche Clients für nahezu jedes gängige Betriebssystem gibt. Videoübertragung ist möglich, aber ich möchte hier vor allem den Audioteil beleuchten. Die Telefon-app von Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ nämlich hat eine Unterstützung für SIP bereits eingebaut.

Worin der Vorteil liegt, wenn man eh‘ eine flatrate hat (und ein smartphone ohne flatrate ist unaufregend)? Nun, es ist der gleiche „Vorteil“ wie bei der Nutzung von Skype: Man kann mit anderen SIP-Nutzern (gratis) oder anderen Telefon- oder Skypebesitzern (nicht gratis) auch am Laptop telefonieren und spart so gegebenenfalls eine Menge Geld. Viele Vor- und Nachteile werden im Internet bereits zur Genüge beleuchtet, deswegen möchte ich es auch hierbei belassen. Ausschlag gebendes Argument für mich war es, dass es über SIP möglich ist, jederzeit ohne notwendigen Mehrpreis über eine Festnetznummer erreichbar zu sein. Das möchte ich im Folgenden einmal erläutern.

Voraussetzung, um mir inhaltlich folgen zu können, ist ein smartphone mit Android ab 2.3, die screenshots unten sind jedoch unter Android 4.0 entstanden. Für viele smartphones gibt es ja bereits entsprechende Portierungen, ein Umsehen auf xda-developers ist ratsam.

Ist die Voraussetzung erfüllt, man jedoch noch unerfahren im Bereich des SIPs, so empfehle ich eine Anmeldung bei einem SIP-Anbieter. Hat man eine DSL-/Telefonflatrate in der eigenen Wohnung, nutzt man wahrscheinlich bereits SIP, ohne es zu wissen. Dieses SIP-Konto lässt sich in der Regel ebenfalls per Android oder Desktopprogramm nutzen, ich empfehle einen Blick in die Hilfeseiten des Anbieters. Möchte oder kann man davon keinen Gebrauch machen, so mangelt es aber auch nicht an Alternativen. Die meisten haben sehr ähnliche Konditionen: Keine Grundgebühr, keine Kosten von SIP zu SIP, teilweise gibt es auch SIP-Flatrates. Im Beispiel verwende ich sipgate (aus rechtlichen Gründen hier nicht verlinkt). Die Schritte der Anmeldung variieren zwischen den Anbietern, man sollte aber auf jeden Fall seine korrekten Meldedaten angeben. Manchmal wird das überprüft.

Hat man sich angemeldet, ist der aufwändigste Teil schon erledigt. Jetzt kann man sich einen beliebigen SIP-Client installieren, einrichten und sich mal spaßeshalber selbst anrufen. Die nötigen Daten (Server, Benutzername, Passwort) teilt der gewählte Anbieter mit, bei sipgate etwa stehen sie in den „Einstellungen“:

Aber eigentlich geht es ja hier um Android. Android 4.0 ist nicht nur schön blau, sondern auch noch SIP-fähig. Möchte man mit dieser neuen SIP-Festnetznummer nun auch unter Android erreichbar sein, kann man sich (anders als bei Skype) die Einrichtung einer eigenen app sparen. Man rufe schlicht die Telefonfunktion auf, betätige die Menütaste und wähle „Einstellungen“. Dort befindet sich unten ein Menüpunkt „Konten“. Eine Berührung desselben eröffnet dem Nutzer die Möglichkeit, seine Zugangsdaten dort zu hinterlegen.

So weit die Theorie. Gibt es notwendige Ergänzungen? Sicher: Videotelefonie geht so nicht. Wer dies auch per SIP erreichen möchte oder noch mit einer älteren als den hier genannten Android-Versionen arbeitet, dem rate ich dazu, sipdroid auszuprobieren, das angeblich entsprechende Funktionen bietet.

Fragen? Weitere Ergänzungen? Immer hier hinein damit!


Nachtrag von Mitte Januar 2012: In den Kommentaren wurde ich darauf hingewiesen, dass dies anscheinend bereits ab Android 2.3 funktioniert. Ich habe den Text entsprechend erweitert.

Nerdkrams
DropIt: Dateien sortieren leicht gemacht

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift c‘t wird kurz auf das quelloffene Windowsprogramm DropIt hingewiesen, das ausreichend gut ist und daher hier Erwähnung findet.

Dabei handelt es sich um ein widget mit einem Pfeilsymbol, das auf Wunsch stets im Vordergrund bleibt und auf das man beliebige Dateien und Verzeichnisse ziehen kann. Diese Dateien und Verzeichnisse werden dann anhand von Dateinamenregeln verarbeitet, zum Beispiel entpackt, gelöscht oder verschoben.

Dabei können die Dateien beim Verschieben auch umbenannt werden. Zum Beispiel können so Fotos von der Digitalkamera in nach Datum sortierte Unterordner aufgeteilt und heruntergeladene Dateien, etwa von DownThemAll! immer in demselben Ordner gespeichert, je nach ihrer Art (OnlineTVRecorder-Aufnahmen, zu testende Programme, Musikdateien, …) in einem Rutsch in die korrekten Verzeichnisse verschoben werden.

Was mir persönlich noch fehlt: Reguläre Ausdrücke für Dateinamen (zum Beispiel die Möglichkeit, dass nur Dateien, die mindestens 2 Ziffern am Ende ihres Namens tragen, berücksichtigt werden sollen) und eine deutsche Sprachdatei, die alltagstauglich ist. Hierfür gibt es allerdings einen (englischsprachigen) Diskussionsstrang, in dem Fehlermeldungen und Funktionsideen erwünscht sind.

Is‘ ganz nett, ja.


Kurze Ansage für meine politisch interessierten Leser: Deutschland soll einen eigenen „Cloud“-Dienst bekommen, damit die US-amerikanischen Geheimdienste nicht mehr in den Daten der Bürger schnüffeln können. Stattdessen können‘s dann eben die deutschen. Für die Sicherheit soll unter anderem das BSI sorgen. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Nerdkrams
Nachschlag: Linux, Freiheit und Gratiskultur

(Wegen allgemeinen Interesses noch mal ein Beitrag zum Thema Linux und Windows. Das muss aber auch reichen für dieses Jahr.)

Auf meinen neuerlichen linuxkritischen Beitrag erhielt ich vielfach Kritik, jemand, der Windows in Schutz nehme, habe ohnehin keine Ahnung, und den entscheidenden Vorteil von Linux hätte ich bewusst verschwiegen. Es sei nämlich, anders als Micro$uck Wind000f, kostenlos und frei. Und kostenlos. Und frei. Übrigens ist es auch kostenlos.

Na und?

Wer ernsthaft glaubt, kommerziell orientierte Unternehmen wie Red Hat und Canonical, die das mit dem „Open Source“ je nach Tageslaune mal gut finden, mal ablehnen, würden aus reiner Menschlichkeit an einem freien Betriebssystem arbeiten, hat offenbar nur wenig Erfahrung in ökonomischen Zusammenhängen. Auch jemand, der wie Mark Shuttleworth Geld anscheinend scheißen kann, hätte natürlich auch gern ein wenig Einkommen für sein Auskommen. In diesem Punkt unterscheiden sich die Linuxkonzerne nur wenig von dem verhassten Microsoft.

“Aber Linux ist kostenlos herunterladbar und offen und frei und, äh, kann fliegen!“, versuchen sich nun die Verteidiger der wahren Religion Linux herauszureden. Ja. Aber:

Windowslizenzen, zumal in der OEM-Fassung (die im Wesentlichen nur den Lizenzaufkleber und einen mit Herstellerwerbung gefüllten Datenträger umfasst), kosten auch kaum noch etwas. Der Umstieg auf ein neues Windows geht meist mit einem Wechsel des Rechners einher, und dass der enorme Aufpreis überhaupt bemerkbar ist, bezweifle ich nach Durchsicht von Preislisten für Rechner mit vorinstalliertem Linux stark.

In einem Punkt gebe ich den Meckernden Recht: Dass Linux frei ist und jeder in den Quellcode gucken kann, ist ein Argument, dem ich bedauerlicherweise etwas entgegenzusetzen vergessen hatte. Das lasse ich gern folgen: Wer bitte macht das? Welcher Endbenutzer wählt sein Betriebssystem danach aus, dass er den Quellcode der glibc auf Wunsch mitinstallieren kann?

Die meisten Jugendlichen bekommen von ihren Eltern ein Fahrrad geschenkt, dessen Größe auch für spätere Verwendung noch ausreicht. Trotzdem geben sie oft irgendwann viel Geld dafür aus, stattdessen einen Motorroller benutzen zu können, obwohl sie, anders als beim Fahrrad, das Zusammenspiel zwischen seinen Komponenten nicht sofort und vielleicht nie wirklich durchschauen werden. Sind sie nun dumm und unmündig, dass sie lieber den Motorroller als das offene Fahrrad verwenden möchten?

Ich gebe zu, das Beispiel war jetzt vielleicht etwas zu abwegig. Nehmen wir ein besseres: Seit 2004 gibt es “Open-Source-Bier“, also solches, das unter einer freien Lizenz steht und dessen Inhaltsstoffe jeder selbst überprüfen und bei Bedarf modifizieren kann. Es ist sozusagen die Linuxvariante von Staropramen, Wicküler und wie Bier eben heute so heißt. Ich persönlich kenne trotzdem niemanden, der das Zeug selbst herstellt oder auch nur trinkt, der Gang in den nächsten Supermarkt – oder zur Tankstelle – wird stets bevorzugt. Vielleicht ist das Bequemlichkeit, vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass offene Quellen und Qualität nicht unbedingt in direktem Zusammenhang zueinander stehen.

Und genau so ist das auch mit Linux und Windows.

NerdkramsNetzfundstücke
“Warum Linux besser ist“ oder: PEBKAC!

(Vorbemerkung: Ich setze neben Windows auch diverse Linuxdistributionen ein, entsprechende verbale Entgleisungen werden ihr Ziel also verfehlen.)

Gewünscht wurde, dass ich mal wieder über Technik und/oder Schnackseln berichte. Wie es der Zufall so will, konfrontierte man mich heute mit der Internetseite “Warum Linux besser ist“, die gar nicht erst versucht, den Anschein zu erwecken, objektiv die Vor- und Nachteile von Linux abzuwägen – vielleicht wäre „Warum ich Windows nicht mag“ ein besserer Titel. Vorsicht: Ohne parat liegende Brechtüte sollte kein Klick erfolgen.

Anstelle harter Fakten findet man dort nämlich zuvörderst viele schöne bunte Bildchen, die wohl von ihrer Inhaltsleere ablenken sollen. Insgesamt hat der Autor 27 Thesen zusammengetragen, warum Linux „besser“ – als Windows – sein soll, wahrscheinlich, weil ihm partout keine 27 Unterschiede zwischen Äpfeln und Birnen einfallen wollten, aber auch eine Sammlung von „FAQ für den Linux-Geek“ zusammengestellt, in der er unter anderem bekundet, er selbst habe nicht viel Ahnung von Linux. So viel sei schon einmal verraten: Von Windows anscheinend auch nicht. Weiterlesen ‚“Warum Linux besser ist“ oder: PEBKAC!‘ »

Nerdkrams
Regelvernetzung: ifttt

Informatiker sind ja eine naturgemäß eher bequeme Spezies. Der „Computer“, später zum „PC“ und zum „Mac“ pervertiert, wurde ursprünglich erschaffen, um tägliche Aufgaben zu vereinfachen; dass heute zum Teil mehr Arbeit durch ihn entsteht als bewältigt wird, lässt mich als ironischen Menschen sehr bedeutungsvoll gucken.

Nun kann man inzwischen ja fast alles automatisieren, was außerhalb des Internets vor sich geht. Dort aber galt es bislang noch Schranken zu überwinden.

Der Dienst „if this then that“, kurz “ifttt“, den ich vor einigen Monaten schon einmal in der geschlossenen Betaversion kurz ausprobiert hatte, verspricht dieses Problem zu lösen. Mittlerweile ist die Anmeldung für jeden Internetnutzer offen und frei zugänglich. ifttt verfolgt dabei eine lobenswerte Datensparsamkeit: Benutzername, E-Mail-Adresse, zweimal das Passwort – fertig. (Eine Wegwerfadresse genügt übrigens, sofern man später auf die Benachrichtigung bei Problemen verzichten kann.)

Was einige meiner Leser vielleicht abschreckt: ifttt ist derzeit nur in englischer Sprache verfügbar. Ja, das ist ja alles schön und gut, sagt ihr jetzt vielleicht, aber was tut ifttt überhaupt? Wie der Name – „wenn dies, dann das“ – schon andeutet, ist ifttt ein Dienst, der bei bestimmten Ereignissen bestimmte Aktionen auslöst, etwa so wie der Aufgabenplaner von Windows oder die Unix-/Linux-Crontabs („immer, wenn es 3 Uhr ist, formatier die Festplatte“, zwar blöd, aber geht), nur eben mit Internet.

Falls jemand von euch Twitter nutzt, hat er vielleicht schon in irgendeiner timeline Tweets von YouTube oder WordPress gesehen: „Ich habe gerade einen neuen Artikel geschrieben: …“ oder „Mir gefällt ein YouTube-Video: …“, jeweils mit der Adresse dahinter. Diese Tweets stammen direkt von YouTube und WordPress (mit entsprechenden Plugins); aber sie könnten ebenso gut von ifttt stammen. Dabei ist noch weit mehr möglich als bloßes Twittern. Ich zum Beispiel habe derzeit zwei aktive Aufgaben eingerichtet:

  1. Wenn ich via Twitter einen URL bewerbe, kopiere diese Adresse automatisch auch in meine Lesezeichensammlung bei Zootool.
  2. Wenn ich auf Last.fm ein Lied mit einem Herzen versehe, kündige dies auf Twitter an.

Das klingt jetzt alles nach komplizierter Programmierung, intern ist es das wahrscheinlich auch, aber der Benutzer bemerkt davon nichts:

Dabei ist das nur eine sehr kleine Auswahl dessen, wozu ifttt imstande ist, hat es doch unter anderem auch Zugriff auf den Notizdienst Evernote, das furchtbare Facebook, den Speicherplatz in der eigenen Dropbox, den Google Reader, beliebige RSS-Feeds und E-Mail-Konten; es ist sogar möglich, ifttt per SMS anzusteuern. Natürlich benötigen alle unterstützten Dienste eine erstmalige Freischaltung, das bedeutet, wenn man sie in seinen „Channeln“ aktiviert („Activate“), muss man sich zunächst zum Beispiel auf Twitter.com anmelden und ifttt den Zugriff gewähren, damit man keinen Schindluder mit dem Twitterkonto Dritter treibt.

Das Erstellen einer neuen Aufgabe erfolgt dann per Klick auf „Create task“, oben rechts im Bild, grafisch und ziemlich komfortabel: Zu jedem „Channel“ werden jeweils die erkannten Ereignisse oder die möglichen Aktionen aufgelistet. Möchte man zum Beispiel auf Ereignisse in seiner Dropbox reagieren, präsentiert sich ifttt so:

Die verfügbaren „Channel“ werden ständig erweitert, unter anderem kann ifttt auch bereits auf Google+-Einträge reagieren. Einige Anwendungsbeispiele für unterschiedliche Zwecke gibt es auf der Seite “Recipes“ („Rezepte“) zu sehen.

Natürlich ist vieles, was ifttt bisher zu bieten hat, nicht viel mehr als eine amüsante Spielerei. Wenn man aber zum Beispiel häufiger mal auf interessante Internetseiten verweisen möchte, wie es etwa diplix tut, oder etwa Facebook nutzt, um Einträge aus anderen sozialen Netzwerken und RSS-Feeds auf der Pinnwand zusammenzufassen, ist ifttt ein mächtiges, hilfreiches Werkzeug.

Ein Blick ist vielleicht für jeden interessant, der sich oft und gern im „Web 2.0″ aufhält, wie auch für jeden, der, wie ich, einfach nur gern neue Dinge ausprobiert. Eine effiziente Verknüpfung der verschiedenen Dienste, die sich im Laufe der Jahre in den täglichen Arbeitsablauf eingliedern lassen, kann viel Zeit sparen; und Zeit ist manchmal Geld. (Nur wir Studenten haben beides nur selten. Das ist der Lohn für Wissensdurst.)

In den NachrichtenNerdkrams
Soziale Differenzen

Als ich letzte Woche spekulierte, Facebook werde in absehbarer Zeit den Weg aller „sozialen Netzwerke“ gehen, deren größte Beliebtheit in der Regel einen Zeitraum von ungefähr drei Jahren umfasst, bevor sie vom nächsten „kommenden Ding“ abgelöst werden, erntete ich vor allem ungläubiges Kopfschütteln. Facebook sei, schrieb zum Beispiel „Silencer“, mittlerweile schlicht zu bedeutend, um abgelöst werden zu können.

Ich hatte diese Diskussion längst wieder vergessen, wurde aber heute an sie erinnert, als ich zufällig die Meldung las, dass der Musikstreamingdienst Spotify, der in Deutschland aus Gründen nicht offiziell verfügbar ist, seit Ende September 2011 Neuanmeldungen nur noch per Facebook-Verbindung zulässt, soll heißen: Der Zugriff auf die eigene Musik – selbst, wenn man sich ein teures Premiumkonto dort geleistet hat – ist abhängig von der Gunst Facebooks. Das wiederum bedeutet: Wer bei Facebook für die Spotify-Nutzung ein zweites Profil anlegt, eine falsche Identität vorgibt oder sonstwie gegen die Richtlinien verstößt, könnte irgendwann ein Problem bekommen; zumal Facebook in Schulen und Büros oft schlicht nicht zugänglich ist.

Dass die Kritik an Facebook kein „typisch deutsches“ Phänomen ist, zeigt sich nun anhand der zahlreichen Beschwerden interessierter oder ehemaliger Spotify-Nutzer. Zu Recht fragen dort manche: „Ist es verantwortungsvoll, die Nutzung von Facebook vorauszusetzen?“ Offensichtlich steht Facebook auch in anderen Ländern in der Kritik. „Soziale Netzwerke“, so der Tenor, sollten eine private Spielerei und keine Zugangsvoraussetzung für irgendetwas sein, vor allem dann nicht, wenn sie sich wie Facebook gebärden. So fragt etwa „coronadoug“:

How do I purchase this for my young daughter? Do you think that I want her having a FB account?

Es ist schön, dass sich manche Eltern noch über die Internetnutzung ihrer Kinder Gedanken machen. Anonymus „iampetstone“ trifft den Nagel jedenfalls auf den Kopf:

Get back to actually being social, you know, by seeing friends in person or picking up the PHONE!

Medienkompetenz setzt sich langfristig anscheinend durch. Platzhirsch Google, mit dem mit den übrigen Google-Diensten zusehends mehr verzahnten Google+ noch vergleichsweise neu im Rennen, aber recht erfolgreich, bereitet mit seiner Allgegenwart bislang noch weniger Unbehagen, Benutzer des Google Readers allerdings sind seit der letzten größeren Änderung dort tendenziell unzufrieden und suchen nach Alternativen, und es sollte mich erstaunen, träfe so etwas nicht auch früher oder später auf die anderen Google-Dienste zu.

“Silencer“ irrte offensichtlich: Der Trend geht weg von der Monopolisierung des digitalen Lebens. Wir können inzwischen jeden Bereich unseres digitalen Lebens zwischen Google und Facebook aufteilen, aber wir sind immer weniger bereit, es zu tun. Das ist vielleicht den ungezählten aus dem Boden schießenden Alternativen zu verdanken, immerhin ist so ein „Web-2.0″-Dienst nicht mit unmenschlich viel Arbeit verbunden (auch Microsoft arbeitet daran), vielleicht hilft es aber auch, dass die Nörgler, die Datenschützer sich häufiger in den Medien zeigen als noch vor wenigen Jahren, denn auch ein datenschutzkritischer Artikel veranlasst Menschen dazu, sich mit dem Thema zumindest oberflächlich zu beschäftigen.

Was das nächste Facebook wird, steht immer noch in den Sternen. Aber es wird kommen.

In den NachrichtenNerdkrams
Thilo Weichert und die Facebookaffäre

Thilo Weichert hat es nicht leicht. Als Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein ist es seine Aufgabe, darauf zu achten, dass auch in Zeiten totaler Vernetzung der Datenschutz der Bürger gewahrt bleibt. Als größte Bedrohung für diesen – von den eigenen Behörden natürlich abgesehen – hat er, durchaus zu Recht, Facebook erkannt.

Das Blöde ist: Schleswig-Holsteins Facebookseitenbetreiber haben keine Lust, den Betrieb ihrer praktischen Werbeflächen einzustellen.

Obwohl mit Bußgeldern gedroht wird, habe von 15 Angeschriebenen bislang nur eine öffentliche Stelle reagiert und ihre Facebook-Seite deaktiviert. (…) Anlass des Ungehorsams gegenüber dem Datenschutzrecht seien keine hochwertigen Motive, sondern allein der Wunsch, über einen Internetdiensteanbieter, der meint, nicht durch deutsches Datenschutzrecht gebunden zu sein, für sich Werbung machen zu können.

Nun könnte man Thilo Weichert, der auch der Schufa schon Unverträglichkeit mit Datenschutzbestimmungen bescheinigte, für allzu konservativ und rückständig halten, und sei es nur für einen billigen, aber herzlichen Lacher:

Ja, ich bin befangen, ich habe Thilo Weichert mal auf einer Podiumsdiskussion in Berlin gesehen, und ich hatte den Eindruck, er trinkt Lack.

Aber danach sollte man sich doch einmal damit befassen, worum es eigentlich geht:

Die offensichtliche Frage, warum ausgerechnet Behörden eine Facebook-Fanseite unterhalten sollten, wird anscheinend von den betroffenen Behörden selbst gar nicht gestellt. Natürlich nicht, man möchte ja modern sein und sich diesem… diesem Dings… Internet da ausreichend anbiedern, weil irgendjemand von irgendjemandem ein Memo bekommen hat, dass heutzutage eh alle Facebook nutzen oder so. Im Prinzip wäre daran nichts auszusetzen, wäre es nicht Facebook.

Facebook spaltet die Gesellschaft dabei auf ähnlichem Niveau wie Google: Während gegen Google Street View in Massen protestiert wurde, hat eine Wiederholung der gleichen Prozedur (Städte mit entsprechend ausgestatteten Automobilen filmen) durch Microsoft für das eigene Produkt Bing nur wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Klar, denn Microsoft versucht nicht, den Lebensmittelpunkt seiner Kunden darzustellen; anders etwa als Google und Facebook, die seit Jahren darum konkurrieren, wer seine Benutzer wohl am besten „kennt“.

Dabei treibt diese Spaltung bisweilen skurrile Blüten: Im Blog Netzpolitik.org etwa, aus dem unter anderem die fragwürdige „Digitale Gesellschaft“ hervorging, wird in kurzen Abständen immer wieder davon berichtet, dass Facebook als Gefahr angesehen wird, das obligatorische „Gefällt mir“ aber lassen sich die Warner nicht nehmen, und es prangt weiterhin bunt unter jedem Artikel.

Das Problem von Facebook wird oft auf die allgegenwärtigen „Tracking-Buttons“, also die von facebook.com eingebundenen Javascripts, die jeden Besucher, ob Facebook-Nutzer oder nicht, zu identifizieren versuchen und auch über einen längeren Zeitraum „wiedererkennen“, so dass Facebook in Prinzip weiß, wann er welche Internetseite wie lange besucht hat, reduziert. (Facebook hat dies verneint, jedoch war das schlicht gelogen. Vertrauen zu schaffen sieht anders aus.) Insofern könnte man – und Thilo Weichert – zufrieden sein, dass mehr und mehr Seitenbetreiber auf eine Zweiklicklösung wie etwa die von heise.de setzen, die die Javascripts nur lädt, wenn der Benutzer dem ausdrücklich zustimmt. Dies aber ist nur die halbe Wahrheit, all diese Datensicherheit ist nämlich beim Aufruf von Facebook, ob bewusst oder unbewusst, wieder dahin.

Bereits das Bewerben von Facebook mittels wie auch immer geartetem Verweis dorthin, sei es als „Gefällt mir“, sei es als Lesetipp, gefährdet den Datenschutz derer, die diesen Verweis betätigen. Welcher normale Internetnutzer weiß schon, was „Tracking“, also Verfolgung, bedeutet? Wer weiß so genau, was Facebook über ihn weiß? Sicher ist das kein Weltuntergang, vermutlich niemand wird daran sterben, dass Facebook 2013 noch weiß, welche Internetseiten er am 2. September 2011 besucht hat, aber das fällt auch nicht in den Zuständigkeitsbereich eines Datenschützers.

Die Maxime eines Datenschützers sollte es nicht sein, Bürger zu bevormunden, sondern eben solche Bevormundungen zu unterbinden. Die Hoheit über die eigenen Daten ist ein wertvolles Gut, das ist nicht erst seit der Piratenpartei bekannt. Niemand kann es Bürgern verbieten, ihre Daten freiwillig jedem anzuvertrauen, der sie gern einsehen würde; niemand aber darf sie auch dazu zwingen, dies zu tun, indem er ungefragt solche Verfolgungsmechanismen Dritter installiert. (Anders gesagt: Es möge Facebook nutzen, wer es denn unbedingt will, aber das zu entscheiden obliegt ihm selbst und nicht den Werbetreibenden.)

Thilo Weicherts Kampf gegen den sorglosen Umgang mit Facebook ist berechtigt. Es ist seine Aufgabe als Datenschützer, diesem Einhalt zu gebieten. Die meisten seiner Kritiker scheinen nur „Kampf gegen … Facebook“ zu verstehen, und das wäre in der Tat ein nicht nur alberner, sondern die Informationsfreiheit gefährdender Vorstoß. Davon hat aber auch niemand geredet.

Mit etwas Glück wird Facebook eher früher als später das Schicksal von Wer-kennt-wen und den anderen Netzwerken, die keiner mehr haben will, ereilen; dann wird die Karawane weiterziehen, vielleicht zu Diaspora (oder Despora oder Geraspora, völlig egal), vielleicht zu irgendetwas ganz anderem, und keiner wird sich mehr ereifern, wenn jemand die Integrität von Facebook in Frage stellt. Bis dahin gilt es, wachsam zu bleiben: Wer öffentlich lügt, dem sollte man nicht vertrauen.

(Und trotzdem wählen immer noch irgendwelche Leute die CDU.)

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt LXIII: Der Terror und die Dilettanten

Um den Freitag angemessen heiter in das Wochenende übergehen zu lassen, empfehle ich den Konsum dieses Artikels auf heise.de, demzufolge die meisten Parteien im Bundestag – mit Ausnahme der Grünen natürlich, denn die sind gerade in der Opposition und finden blöde Ideen (Stuttgart 21, Trojanereinsatz und so weiter) nur gut, bis sie abgewählt werden, um dann mit dem Finger auf die anderen Parteien zu zeigen, und der Linken – den fortgesetzten Einsatz des grundrechtswidrigen „Staatstrojaners“ befürworten. Eine wirklich beeindruckende Begründung hierzu kommt aus dem konservativen Lager:

Clemens Binninger sprach im Namen der CDU/CSU-Fraktion von einer „absurden Forderung“, die mit keinem Wort auf die ernste terroristische Bedrohungslage hierzulande eingehe.

“Ernste terroristische Bedrohungslage hierzulande“ in anderen Worten:

Gegen den Beschuldigten wurde ermittelt, weil er bei einem IT-Unternehmen arbeitete, das Handelsplattformen für Firmen programmierte, die in Deutschland ordentlich zugelassene Psychopharmaka ins Ausland vertreiben. Der Vorwurf lautete auf „gewerbsmäßige Ausfuhr von Betäubungsmitteln“.

Wenn wir uns sonst keinen ernsthaften Gefahren ausgesetzt sehen, etwa durch die ganze unschöne Geschichte mit dem Euro oder ähnliches, dann könnten wir uns eigentlich stattdessen auch zurücklehnen und uns freuen, dass es uns doch eigentlich ganz gut geht. Aber einige haben eben immer was zu meckern.

Dabei stört es sie auch nicht, quasi hintenrum eine Abwandlung der „Sippenhaft“ wieder einzuführen:

Es sei bekannt, dass Tatverdächtigte im Bereich des Terrorismus immer konspirativer vorgingen und verschlüsselt kommunizierten, erklärte Binninger. Der verdeckte Zugriff auf Festplatten und andere IT-Systeme sei daher unverzichtbar.

(“Unverzichtbar“ ist dabei, „alternativlos“ abzulösen, wie mir scheint; es bleibt aber derselbe Unsinn.)

Die Terroristen mit ihren fiesen Verschlüsselungen „erzwingen“ also den Einsatz grundrechtsfeindlicher Automatismen; und im Umkehrschluss haben alle, die auf derlei Maßnahmen verzichten, nichts zu befürchten, denn wer verschlüsselt, hat etwas zu verbergen, nicht wahr? (Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis irgendjemand aus der CDU/CSU oder vom BKA das genau so darstellen wird, wartet es ab!)

Und nächste Woche verbieten sie dann das Abschließen der Haustür beim Verreisen, denn das erschwert die heimliche Installation von Schadsoftware durch Unbefugte doch immens.

Ich kann diese Fressen nicht mehr sehen. Sie machen mit ihrer Scheiße alle Leute verrückt. (R. Pofalla, CDU, in anderem Zusammenhang)