Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

Montagsmusik
Elbow – With Love

(Beziehungsweise eben: Liebe.)

Fill your boots, fill your spine, fill your dome, fill your eyes with love, wie man’s auch definieren mag, und irgendwas muss die Welt vom Zerbrechen abhalten; die EU jedenfalls nicht.

Prost und guten Morgen.

MusikPolitik
Klaus der Geiger – Nein, nein, wir woll’n nicht eure Welt

Wählt die Richtigen! Wählt die Guten, nicht die Bösen! Wählt die mit den buntesten Plakaten! Wählt die mit der schlimmsten Kanzlerin! Wählt die mit dem blödesten Humor! Wer x wählt, ist doof, wer y wählt, ist dööfer!

Demokratisch in den Untergang. Ihr habt ja morgen euer Kreuz gemacht. Oder ihr habt es morgen gelassen. Apathie und Verelendung, aber wenigstens gibt es wieder Erdbeeren und Spargel.

Prost Mahlzeit.

Klaus der Geiger – Nein, nein wir woll´n nicht eure Welt

FotografieMusik
Ultras Helene Fischer

Hallo, Helene-Fischer-Anhänger,

im April wart ihr mir noch suspekt.

Seit heute habe ich Angst vor euch.

Ultras Helene Fischer

Richtig große Angst.

Montagsmusik
The Alan Parsons Project – Sirius / Eye in the Sky

(Und dann ist Montag, und man hört das langweilige alte Zeug aus dem Radio mal mit Gehör für den Text und denkt dann noch mal darüber nach.

The Alan Parsons Project – Eye in the sky – Live in Madrid – Audio HQ

Believe me, the sun in your eyes
made some of the lies worth believing.

Und eigentlich ist man sich dann ja auch wieder nicht ganz sicher, ob man nicht wieder und wieder genau so gehandelt hat und handeln wird, wie’s den größtmöglichen Schaden anrichtet, weil Leben Macht ist und es nichts macht zu leben, überhaupt aber auch immer: Verlust. Verlust und Erdbeeren.

Guten Morgen.)

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Last Remaining Pinnacle – 64

Last Remaining Pinnacle - 64Das US-amerikanische Duo Last Remaining Pinnacle beziehungsweise ihr damals aktuelles Album „Visitors” fand ich 2012 bereits sehr gut, in der Folge allerdings hörte ich nicht mehr viel von der Band. Heute nun traf eine E-Mail ein: Am kommenden Mittwoch, dem 21. Mai 2014, und somit genau zwei Jahre nach „Visitors” erscheint mit „64” ein neues Last-Remaining-Pinnacle-Album namens „64”.

Warum „64”? Darauf geht die E-Mail nicht ein. Es sind auch tatsächlich nur acht und nicht etwa 64 neue Stücke enthalten. Last Remaining Pinnacle bleiben sich und dem Garage-Noise-Rock dabei treu: Verzerrte Gitarre, peitschendes Schlagzeug und gewohnt effektreicher, krautiger Gesang erfreuen den Sonic Youth und The Velvet Underground schätzenden Musikfreund außerordentlich.

Wenige Durchhänger wie das zäh dahinfließende „Forces” fallen da auch nicht weiter ins Gewicht, allein schon das großartige „Hallow Sky” rechtfertigt die Geduld. Mit „Mantle Rotation 4 (C.M.E.)” ist auch ein Nachfolger des schon 2012 gesondert erwähnten „Mantle Rotation 3″ auf “64” zu finden, und allmählich scheint es mir, als sollte ich demnächst einmal Ausschau nach den ersten beiden Teilen der „Mantle Rotation” halten.

Hören und vorbestellen könnt ihr „64” per Bandcamp. Das Konzept „zahle, so viel du willst” scheint sich bei „Visitors” wohl nicht bewährt zu haben, „64” kostet in jeder Darreichungsform – leider nicht auf Vinyl – mindestens 8 US-Dollar. Ich sage: Gut angelegtes Geld!

Krieg zum Beispiel wäre deutlich teurer.

MontagsmusikMusikPiratenpartei
Rush – 2112

Für den kommenden Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland kandidieren auch Wolfgang Dudda, seines Zeichens bigotter Kämpfer gegen das Böse, und Mirco da Silva, der als Motto für seine etwaige Amtszeit „Sind wir zu links, bist Du zu rechts.” angab, was nicht unbedingt dafür spricht, dass irgendetwas besser werden wird.

Das Internet freut sich derweil seit Tagen darüber, dass bei der unerträglichen Massenvernichtungssendung „Eurovision Song Contest” eine bärtige Österreicherin gewonnen hat („Österreich hat eine neue Kaiserin!”, man hört den SPIEGEL-ONLINE-Praktikanten beinahe durch den Bildschirm ejakulieren), während zwei Siebzehnjährige von den jubelnden Verfechtern der Toleranz dafür geschmäht wurden, dass sie blöderweise Russinnen sind. Ich habe offensichtlich die Pointe nicht mitbekommen.

Insgesamt also ein Montag zum Hardrockhören, wie mir scheint.

Warum nicht mal wieder was von Rush?

RUSH _ ("2112"- Dec.10, 1976- REMASTERED-No watermarks)

I can’t believe you’re saying, these things just can’t be true
Our world could use this beauty, just think what we might do

Guten Morgen!

Montagsmusik
Nine Inch Nails – Piggy

Ah, Montag! Immer wieder ein Genuss. Diese Woche gilt es freudig zu begrüßen!

Zum Beispiel mit Nine Inch Nails.

nine inch nails: piggy

Hey pig, nothing’s turning out the way I planned;
hey motherfucking pig, there’s a lot of things I hoped you could help me understand.

Desillusioniert? Quatsch. Montag, das ist alles.

Guten Morgen!

KaufbefehleMusikkritik
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra – Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra - Fuck Off Get Free We Pour Light on EverythingDie Band mit dem elend langen Namen, der in seiner aktuellen Form noch nicht einmal der längste der Bandgeschichte ist (diesen Rekord dürfte „Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band with Choir” im Jahr 2003 bis auf Weiteres halten), ist eines der unzähligen weiteren Musikprojekte, die aus dem als Dronetrio gegründeten und quasi nebenbei weiterhin aktiven Kollektiv Godspeed You! Black Emperor (kurz GY!BE) hervorgingen. Der „Choir” im ehemaligen Bandnamen ist allerdings immer noch da, alle fünf derzeitigen Bandmitglieder bedienen gelegentlich auch mal das Mikrofon. Nach vier Jahren gibt es nun also wieder ein neues Studioalbum.

Schon auf dem Vorgängeralbum „Kollaps Tradixionales” von 2010 reicherten die Musiker den musikalischen Weltschmerz, der bis dahin überwiegend als Schwermut und Trauer daherkam, mit zorniger Verzweiflung an; seit der Geburt von Ezra, dem gemeinsamen Sohn zweier Bandmitglieder, ist diese Verzweiflung, wie man weiß, schierer Wut gewichen; Wut auf die Politik im Besonderen, die dem friedfertigen Miteinander der Menschen Steine in den Weg zu legen pflegt. So wütend wie auf „Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything” hat man Efrim Menuck seit dem „GY!BE”-Debüt „f#a#∞” von 1997 nur selten gehört.

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra – What We Loved Was Not Enough (Live at Lee's Palace)

Die von Ezra gesprochene Zeile am Anfang des Albums – „We live on the island called Montreal, and we make a lot of noise because we love each other!” – gibt also auch dessen Richtung vor: Hier wird die Liebe der Menschen zueinander mit Musik verteidigt. Verteidigt werden muss sie offenbar zumindest gegen die Politik, nicht gegen die Kirche, denn jüdischer Glaube bleibt ebenso ein Antrieb wie die Vaterschaft:

Lord, let my son live long enough to see that mountain torn down!
Austerity Blues

Mit „f#a#∞”, der vertonten Apokalypse, hat „Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything” insofern auch die Endzeitstimmung gemeinsam: And the day has come when we no longer feel („What We Loved Was Not Enough”), mechanisch agiert ein Mensch in fremder Dunkelheit eben anders. Befreit euch, wir begießen alles mit Licht.

Großartige Musik.

Montagsmusik
Queen – Sheer Heart Attack

(Und dann, montagmittags, findet man im Repertoire von Queen doch noch das eine, einzige Stück, das die Stimmung einfängt und repliziert, ohne Ambitionen, ohne Kunst.)

Queen Sheer Heart Attack Live in Hammersmith Odeon 1979 HD

Guten „Morgen”!

KaufbefehleMontagsmusikMusikkritik
Kurzkritik: Incura – Incura

IncuraKanada, du unterschätztes geografisches Anhängsel der USA! Was nicht alles aus dir kommt: OpenBSD, Cobie Smulders, Kuchen mit Semikolon und Incura.

Incura sind ein RIO/Avant-Quintett, das kammermusikalische Elemente, Progressive Metal und Indie-Rock zu einem recht hörbaren und erstaunlich radiotauglichen Geflecht verknüpft. Die markante Stimme von Sänger Kyle Gruninger ist eine willkommene Abwechslung in jenen musikalischen Gefilden, in denen seine vier Mitstreiter – mal gefällig, mal verspielt – wildern. 2013 (hierzulande erst kürzlich) erschien nach einigen Jahren des Bandbestehens bei der überhaupt recht beachtlichen Plattenfirma InsideOut das Debütalbum von Incura, auf dem die Band allerlei Feines zu Gehör bringt, zum Beispiel „Who You Are”.

Who You Are – Official Music Video

Auch für Freunde gepflegten Gitarrengewitters ist im Übrigen was dabei:

Incura – Here To Blame Animated Music Video

Nicht nur an Ostern ein sehr vergnügliches Album.

Guten Morgen!

Musik
Mysterium Helene Fischer

Was hört eigentlich „die Jugend” heute so? Scooter, Aqua und Eminem wie „wir” damals? Blödsinn: Helene Fischer natürlich.

Helene Fischer, deren Name mir bis dahin ohne zugehöriges Gesicht schon des Öfteren begegnet war, sah und hörte ich zum ersten Mal diese Woche auf VIVA. Womöglich bin ich damit etwas spät dran, aber ich will ja auch nicht jeden Firlefanz kennen müssen. Apropos Firlefanz: VIVA – die Älteren erinnern sich vielleicht noch – war um das Jahr 2000 herum ein hipper Jugendsender, auf dem den ganzen Tag schlechte Moderatoren unter Zuhilfenahme dummer Witze groteske Popmusik „präsentierten” (lies: ansagten), sozusagen so was wie YouTube ohne die musikalischen Lichtblicke. Und was macht Helene Fischer so für Musik? Nein, nicht etwa Synth-Pop oder sonstigen Discoquark: Schlager.

Vielleicht ist das auch ihrem Partner Florian Silbereisen („DAS Traumpaar der Schlagerszene” laut SchlagerPlanet.com; früher waren „Szenen” ja noch irgendwas, wo man drin sein wollte), den ich zumindest kenne, geschuldet – jedenfalls: Ja, die deutsche Jugend, sonst nur für Alkohol- und Drogenexzesse, Unfälle und Kleinkriminalität bekannt, hört Schlager.

Helene Fischer – Atemlos durch die Nacht

Aufmerksame Hörer bemerken nicht nur: Trotz des harmlosen Schlager-beats verbirgt sich dahinter harte „NSFW”-Lyrik. Silbermonds „Durch die Nacht” hieß und funktionierte ähnlich; nur Die Ärzte („Die Nacht”) durchbrachen das Muster. „NSFW” ist die gängige Abkürzung für alles, was irgendwas mit Schnackseln zu tun hat; die Buchstaben stehen für „not safe for work”, „nicht sicher für den Arbeitsplatz”, und wer ernsthaft glaubt, sein Chef habe noch keine ausreichende sexuelle Aufklärung erfahren und hätte daher kein Verständnis für derlei, der ist bescheuert, wenn nicht gar US-Amerikaner. Ja, die US-Amerikaner, ein fröhliches Volk voller Waffen, Rassismus und Drogen. Nur Ficken mögen sie gar nicht, das ist ja nichts für Kinder. – Aber ich schweife ab.

Hatte Ricky Zazikys „Du hast noch Sperma in den Haaren” wenigstens einen gewissen Unterhaltungswert, so fehlt Helene Fischers Schlagergedudel indes jeglicher Reiz. Wie kommt es dann, dass sie in den Medien einen dermaßen großen Zuspruch erfährt? Ganz einfach: Sie ist „die neue Traumfrau” („JOLIE”), weil Männer es total klasse finden, einer verheirateten Interpretin schlimmer Schlagermusik den Hof zu machen; ähnlich sieht’s wahrscheinlich auch bei Emma Stone, Schauspielerin in gleichfalls schlimmen Filmen, aus, die jemandem beim Konkurrenzblatt „JOY” diesen Monat stolz mitteilte, sie sei „total chaotisch” (ebd.). Liebenswert: Durchschnittlich attraktive, vergebene Frauen, die für verwerfliches Tun zu viel Geld bekommen und dabei noch menschlich bleiben.

Und so lässt die „JOLIE” („die kluge Frau ist das neue Statussymbol des Mannes”, die „JOLIE” ist also ein typisches Singlemagazin) in der aktuellen Ausgabe dann auch begeisterte Männer zu Wort kommen, etwa den Studenten Kevin:

Hätte ich nicht meine Freundin, würde ich Helene Fischer auf der Stelle heiraten. (…) [Meine Freundin] hat sogar Verständnis dafür, wenn ich von ihr (Helene, A.d.V.) schwärme.

Klar, Helene Fischer ist (wahrscheinlich treu) vergeben, will das aus unerfindlichem Grund auch bleiben und ist damit keine ernste Konkurrenz – da stört’s die Partnerin nicht so sehr. Nur zur Sicherheit legt Heike Steiner am Ende des Artikels noch mal nach („Sehr wahrscheinlich pupst sie nachts auch mal unter der Bettdecke und wacht morgens mit Mundgeruch auf.”), damit auch die dümmsten Leserinnen begreifen, dass Helene Fischer kein unerreichbares Frauenideal darstellt; die, wie ich annehme, gleichen dümmsten Leserinnen, die am auf der gleichen Seite erwähnten „JOLIE”-Test unter dem Motto „Wie viel Helene Fischer steckt in Ihnen?” teilnehmen, übrigens. Tja. Und wie viel pupst eure Freundin so?

Das sollte gleich ein doppelter Tritt ins Kreuz der Frauen sein, denn junge Männer wollen sich heutzutage nicht mehr binden:

Drei Männer habe ich in letzter Zeit kennengelernt. Alle drei Geschichten endeten, bevor sie richtig begonnen hatten. Was ist nur los mit den Männern von heute?

Dass es daran liegen könnte, dass Steffi Arendsee, die für ZEIT.de schreibt, vielleicht einfach selbst nur eine nicht besonders gute Partnerin ist, kommt ihr nicht in den Sinn: Es muss den Männern von heute geschuldet sein, die alle lieber eine geheimnisvolle Helene Fischer (oder Emma Stone) als eine offensichtlich weinerliche Zicke wie Steffi Arendsee („Es dauerte zwanzig Minuten, bis er sich bei mir entschuldigte. Ich nahm die Entschuldigung nicht an.”, ebd.) heiraten wollen. – Es sei doch nichts Schlimmes, „sexy zu sein” (Helene Fischer über Helene Fischer), und bescheiden obendrein.

Ich als Mann finde Helene Fischer jedenfalls verglichen mit dem Trara um sie ziemlich langweilig. Dass ihr Medienmacher zu wissen glaubt, was mich an einer Frau positiv anspricht, und dieses Etwas ausgerechnet bei Helene Fischer verortet, bereitet mir nicht einmal allzu viel Kopfzerbrechen; den Umstand hingegen, dass einige eurer Leserinnen eure lobhudelnde „Berichterstattung” zum Anlass nehmen könnten, „wie Helene Fischer” (jedenfalls optisch, von Natürlichkeit wär’ dann allerdings keine Spur mehr zu sehen) sein zu wollen und/oder einen Zwist mit dem Partner zu beginnen, der als potenzieller Helene-Fischer-Verehrer ja sowieso nur unfreiwillig mit ausgerechnet ihnen liiert sind, nehme ich euch tatsächlich übel. (Warum ihr bei der Frage, was „Männer” wirklich wollen, niemals solche Männer befragt, die aussehen oder wenigstens sind wie ich und die meisten meiner männlichen sozialen Kontakte, und woher ihr die total natürlichen Allerweltsbubis immer nehmt, die dafür herhalten dürfen, möchte ich übrigens auch gar nicht so genau wissen.)

Vor Empörung höre jetzt erst mal was von Rolf Zuckowski. Ich hab’ den hippen Lebensstil halt voll drauf.

Montagsmusik
Extrabreit und Hildegard Knef – Für mich soll’s rote Rosen regnen

Ich habe vor einigen Tagen erschüttert festgestellt, dass auf den Fernsehsendern, auf denen sich einst Rockbands tummelten, mittlerweile Schlager von Helene Fischer gespielt werden. Helene Fischer, das partygirl; damit man nicht immer Rolf Zuckowski hören muss, nehme ich an.

Dem Trend zu mehr Schlagermusik gerade auch in der Jugend kann und will ich mich nicht verschließen. Aber dann doch bitte wenigstens gute:

Extrabreit (+ Hilde Knef)-Für mich solls rote Rosen regnen

Guten Morgen!

Montagsmusik
Caravan – Golf Girl

Ihr habt doch nicht ernsthaft gedacht, ich entlasse euch ohne Musik in den Montag? Ich könnte es doch selbst nicht ertragen.

Caravan – Golf Girl (music video 1971)

Guten Morgen!

KaufbefehleMusikkritik
The Rolling Stones – Their Satanic Majesties Request

The Rolling Stones - Their Satanic Majesties RequestNennt mal ein paar Lieder der Beatles! – Das ist nicht so schwer, ein Teil von ihnen (es gibt ja genug) wird sowieso von den Sendern tagein, tagaus einem beinahe wehrlosen Publikum vorgespielt. Ein besonders bedrückendes Beispiel war der Sender Radio 21, der vor ein paar Jahren die Angewohnheit hatte, jeden Morgen ein paar Beatles-Lieder zu spielen, inzwischen vermutlich aber damit aufgehört hat.

Und jetzt nennt mal ein paar Lieder der Rolling Stones!

„Satisfaction”, ja. „Start Me Up”, auch richtig. „Paint It, Black” und „Sympathy for the Devil”, vielleicht noch „Angie” und „Gimme Shelter”. War’s das? Meistens. Das ist eigentlich erstaunlich: Nach über 50 Jahren im Musikgeschäft haben „die Stones” deutlich mehr hinterlassen, was man kennen könnte. Klar, es war auch viel Unfug dabei, zum Beispiel das überflüssige „Tattoo You”, aber auch einige wahre Albenperlen wie „Some Girls” und das deutlich unterbewertete „Their Satanic Majesties Request”.

Letzteres, ein halbes Jahr nach „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” der Beatles veröffentlicht, wird oft als Versuch missverstanden, jenes zu kopieren. Während aber von „Sgt. Pepper” entgegen dem ursprünglichen Konzept nicht viel mehr übrig blieb als eine unzusammenhängende Liedsammlung, deren „Rahmenhandlung” um eine Musikgruppe namens „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” auf ein Minimum gekürzt wurde und deren „psychedelische Elemente” im Gegensatz zu Pink Floyds wiederum 1967 erschienenen Debüt allenfalls den Geist der Hippies atmeten, machten die Rolling Stones es von Anfang an richtig.

Das wohl bekannteste Stück auf „Their Satanic Majesties Request” – „She’s a Rainbow” – ist trotz der beachtlichen Instrumentierung zugleich das untypischste:

Rolling Stones – She's A Rainbow 1966

Wie so oft in den Jahren um 1967 herum wurde auf „Their Satanic Majesties Request” nämlich daneben allerlei Unfug getrieben; sei’s ein schnarchender Bill Wyman in „In Another Land”, sei’s das beschauliche Lagerfeuerlied „Sing This All Together”, das die erste LP-Seite (mit John Lennon und Paul McCartney als Hintergrundsänger) eröffnet und in einer etwas längeren, aber völlig anderen, psychedelisch-durchgedrehten Version (nicht der folgenden) wieder schließt:

01. Sing This All Together.mp4

Das alles ist noch kein Grund, „Their Satanic Majesties Request” überragend zu finden; aber da ist auch noch „Citadel”.

„Citadel” – one of the most underrated Stones songs ever – ist das psychedelische Lied der Rolling Stones, klingt natürlich nach John Lennon, Jefferson Airplane, The United States of America und …And You Will Know Us by the Trail of Dead (und zwar gleichzeitig) und kann gar nicht genug gewürdigt werden:

Citadel – Rolling Stones

Dass „Citadel” wie auch die meisten anderen Stücke auf diesem Album nie live gespielt wurde, ist ebenso bedauerlich wie die Rückkehr der Rolling Stones zum gewohnten Bluesrock mit dem Nachfolgealbum „Beggars Banquet” 1968. Mitgründer Brian Jones blieb nicht mehr lange in der Band – vermutlich wegen übertriebenen Drogenkonsums zog er sich wie Syd Barrett immer mehr zurück, 1969 wurde er vor die Tür gesetzt und starb noch im selben Jahr. „Their Satanic Majesties Request” verschwand im Folgenden weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung, was etwas schade ist.

Ich empfehle jenen, die (wie ich) an den Rolling Stones vor allem ihre gelegentlichen Experimente (Disco und Punk auf „Some Girls” sowie eben dieses hier) schätzen, diese Wahrnehmung zurückzugewinnen, stilecht auf Vinyl (weil’s schöner ist) oder eben auf einem Tonträger eurer Wahl. Der Rest kann’s natürlich ignorieren, aber dann verpasst er was.

Open our heads, let the pictures come!
The Rolling Stones: Sing This All Together

Montagsmusik
Ladyfinger (ne) – Little Things

Sich montags zu fragen, warum man sich das überhaupt noch antut, ist ja auch so eine beliebte Angewohnheit.

Tja, manchmal sind’s die kleinen Dinge (zum Beispiel ein „(ne)”).

Ladyfinger (ne) – Little Things

Guten Morgen.