Archiv für die Kategorie ‘Musikalisches’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

Montagsmusik
Icona Pop – I Love It

Eine dieser Popsensationen von 2012, die an mir völlig vorbei gegangen wären, würde ich nicht gelegentlich in Filialen einer ursprünglich US-amerikanischen Kette von Schnellrestaurants ein wenig Zeit verbringen, ist das schwedische Duo Icona Pop. Um welches Genre es sich handelt, möge der kluge Leser selbst erraten.

Und dann haben die zwei Sängerinnen trotz des saumäßig bescheuerten Textes, den ich nicht zu zitieren wage, auch noch Melodien, die man tagelang nicht aus dem Kopf bekommt. So ein Mist.

Icona Pop – I Love It (Official Video)

Guten Morgen. Genießt den Tag, so lange ihr dies noch könnt.

Montagsmusik
Neil Young & Crazy Horse – Hey Hey, My My (Into the Black)

Montag, der 24. Dezember.

Draußen kein Schnee, im Radio nur Quatsch. Also machen wir uns unsere Besinnlichkeit einfach selbst.

NEIL YOUNG & CRAZY HORSE – Hey Hey, My My (Into the Black)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2012 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 10 von 10 der Serie Jahresrückblick

Noch bis zum 31. Dezember 2012 läuft auf Plattentests.de der „Jahrespoll”, und ich kenne nur einen sehr, sehr kleinen Teil der dort aufgeführten „Künstler”. Ich hatte 2012 nun mal bessere Musikalben zu hören als den immergleichen Indiepop-Mist.

Und da schon wieder Jahresende ist, freue ich mich darauf, euch mit gewohnt herausragender Grammatik den zweiten Teil (den ersten Teil gibt es hier) der Liste der mir am gefallendsten Alben 2012 zu präsentieren. Keine Sorge, selbstverständlich trägt jedes aufgeführte Album das übliche Gütesiegel: Ohne Phil Collins. Weiterlesen ‚Musik 12/2012 – Favoriten und Analyse’ »

Montagsmusik
The Babies – Baby

Wir haben großes Glück gehabt: Der Amokläufer von Connecticut („wir brauchen Waffen!” geben Einwohner der betroffenen Stadt heute zu Protokoll) hat doch kein Computerspiel gespielt, sondern er litt eventuell am Asperger-Syndrom. Das muss als Erklärung genügen. Warum darf so jemand wie Cinthia Briseño (c/o SPIEGEL ONLINE) eigentlich überhaupt noch frei rumlaufen?

Aber es ist Montag früh, da wollen wir uns noch nicht aufregen, davon bekommt man nur Krähenfüße. Und damit kann man doch nicht mehr vernünftig laufen. Hören wir lieber Musik. Auf guteshoerenistwichtig fand ich die Popgruppe The Babies. Schön, unauffällig und harmonisch. Ideal für einen Montagmorgen.

The Babies – "Baby" (Official Music Video)

Guten Morgen.

MusikalischesNetzfundstücke
Leider etwas spät: Geschenke für’s Schrottwichteln.

Warum man übrigens mit Superlativen immer etwas vorsichtig sein sollte, zeigt Amazon.de. In einem Rundschreiben erfuhr ich soeben, dass „die beste Musik 2012″ nun reduziert im Angebot sei. Gewagt, immerhin werden in diesem Jahr noch einige Musikalben erscheinen, aber vielleicht weiß Amazon da mehr als ich.

Nach einem Klick wird Amazon.de allerdings etwas kleinlaut und gibt zu, dass „die beste Musik” nach eigener Angabe die ist, die sich auf Amazon.de am allerbestesten verkauft, nicht unbedingt die, von der man am wenigsten das Kotzen bekommt:

Die beste Musik 2012

Falls ein Optimist unter meinen Lesern davon ausgeht, dass die „ganze Liste” (unten im Bild ist ein Verweis hierauf zu sehen) diesen Fauxpas wettmacht: Viel besser wird’s nicht. Im Gegenteil: Mit angefügter Nummerierung offenbart sich erst das ganze Grauen.

Xavier Naidoo

Irreführende Werbung mag’s nicht sein; beängstigend ist es jedoch allemal.
Offenbar lohnt sich Radiohören auch Ende 2012 noch nicht.

KaufbefehleMusikkritik
Pixel – Reminder

Pixel - ReminderIrgendwer – vermutlich das Magazin eclipsed (Ausgabe 10/2012) – ließ mich von „Reminder” Kenntnis nehmen, dem Debütalbum des norwegischen Jazzquartetts Pixel, das ich interessierten Lesern einfach mal kurz empfehlen möchte.

Den Anfang macht mit „Prelude”, eben dem Präludium, ein Solostück der Kontrabassistin und Sängerin Ellen Andrea Wang. Es ist ein bisschen langweilig. Mit „Home” folgt ein etwas energiereicheres Instrumentalstück, das ebensolche „Esset” wird vorangetrieben von Schlagzeug und Bass und von Saxophonist Harald Lassen bemerkenswert und mitunter schräg ergänzt. Ich mag schräg.

Das energiereichste Stück auf „Reminder”, „Call Me”, lässt wieder einmal (wie leider noch zu selten) Frau Wang ans Mikrofon, allerdings ganz anders als im Präludium. Irgendwie besser. Dass das dazu gehörende Musikvideo eher mau ist, tut dem Lied selbst keinen Abbruch:

PIXEL – CALL ME (OFFICIAL MUSIC VIDEO)

Dass der Gesang hier stellenweise als zusätzliches Instrument und nicht als einzeln stehendes Element eingesetzt wird, ist lobenswert.

Das folgende „She Knows” ist wiederum ein melodiöses Instrumentalstück, „Wake Up” (weitestgehend dominiert von Schlagzeug, Bass und Gesang und durchaus auch für Postrockfreunde interessant) in seiner Ruhe und Ausgeglichenheit sozusagen das Gegenstück zum hektischen, aufgedrehten „Call Me”.

Auf „Reminder” spielen Pixel insgesamt eine hörenswerte Mischung aus Pop, Jazz und so manch anderem Stil; schwer zu klassifizieren ist das Dargebotene allemal, aber was interessiert uns Musikfreunde schon der Schubladenquatsch? Ganz richtig schreibt auch Bruce Lindsay:

Pixel bring a unique creative mix to the scene: difficult music to categorize, easy music to enjoy.

Der größte Makel des Albums: Bis auf „Hvor ble Den Avi” ist jedes der zehn Stücke kürzer als fünf Minuten. Wenn Pixel aber auf den nächsten Alben ihren Stil beibehalten oder sogar weiter verfeinern, haben sie auf jeden Fall einen großartigen Erstling vorgelegt, und man sollte ihre Geschicke weiterhin aufmerksam im Auge behalten.

Musikalisches
“…, so I’ll be on my way.”

Das Unternehmen Microsoft ist normalerweise nicht zu doof, Liedtexte zu hören und zu interpretieren. Für die Werbekampagnen zur Markteinführung von Windows 95 wurde damals zum Beispiel „Start Me Up” von den Rolling Stones (wegen des „Start”-Knopfes, wissenschon) verwendet, das recht gut passte.

If you start me up
If you start me up I’ll never stop

So weit, so naja.

Nun fiel mir heute im lokalen Elektrofachhandel auf irgendsoeinem Album von Alex Clare der Aufkleber auf, der besagte, dies sei das Album mit „dem Lied aus der Internet-Explorer-Werbung”. Verstehe: Wenn man’s schon nicht schafft, Musik zu machen, die irgendwen wirklich bewegt, prahlt man eben stattdessen damit, wie toll sie sich als Hintergrundgedudel eignet.

Bei dem Lied handelt es sich um „Too Close”, es wird in folgendem Microsoft-Werbefilm verwendet:

Microsoft Internet Explorer 9 – Das Web neu entdecken – Werbespot 2012

Textauszug gefällig?

There’s nothing to say, nothing to do,
I’ve nothing to give, I must leave without you.
You know we’re headed separate ways.

Wenn’s halt sonst nichts wird.

Montagsmusik
Cinekod – Cry

(… und so ein Wochenende voller Nichts geht ja auch immer fast so schnell vorbei wie ein glücklicher Moment, ganz gleich, wie lang er sein mag; aber man vermisst es nicht, wenn es vorüber ist.)

Beim Begutachten der noch zu sichtenden Musikalben in meinem Archiv stieß ich zufällig auf die instrumentale Postrock-Gruppe Cinekod. Einer der Titel auf dem Album („People Change, Things Change, You’ll Never Gonna Be The Same For Me”) heißt „Cry” und ist trotz des (kein bisschen) fehlenden Gesangs dem Titel entsprechend reichlich melancholisch; wie’s eben auch Death Metal ist, wenn man nur deprimiert genug ist.

Zurücklehnen, ‘n Radler öffnen und sich fragen, warum man sich diesen ganzen Quatsch namens Leben Montag eigentlich immer noch antut.

Cinekod – Cry

Guten Morgen.

Montagsmusik
Gotye – State of the Art

Der belgisch-australische Musiker Gotye ist der gegenwärtigen Generation womöglich vor allem für das Lied „Somebody That Used To Know” bekannt, das, zugegeben, einen nicht üblen Text besitzt (ich zitierte bereits daraus). Zu diesem Lied gibt es ein ziemlich lustiges Video, in dem sich Gotye von einer nackten Frau anschreien lässt, was mich amüsiert.

Weniger bekannt ist es, dass Gotye außer MTV-Pop auch wirklich bemerkenswerte Lieder im Repertoire hat.

Ich schätze ja Lieder, die textlich den kulturellen Verfall der Musikindustrie dokumentieren, etwa „Four Chords That Made A Million” von Porcupine Tree. Auch Gotye, ironischerweise ja ein Nutznießer besagter Industrie, hat auf „Making Mirrors” (dem Album mit dem Lied mit der nackten Frau im Video) ein solches Lied aufgenommen. „State of the Art” nimmt die neuen Möglichkeiten auf’s Korn, dass eben Computer heutzutage quasi jedes Instrument ersetzen und der Musik somit das Herzblut fehlt.

"State of the Art" by Gotye live in Glasgow 2012-03-04 – O2 ABC

Now we can’t tell them apart,
but these amazing simulations end up sounding even better than the real thing

Wahr, so wahr.

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritikPiratenpartei
Toc.Sin

Am Wochenende fand ein Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschland statt, und wer ungefähr wissen möchte, was dort zwischen den konstruktiven Anträgen so passiert ist, der möge es den wie üblich tendenziösen Nachrichten entnehmen.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Parteitagstag, nämlich am Sonnabendabend, wurde eine Veranstaltung zur Präsentation GEMA-freier Musik abgehalten. Ich beschloss, statt einer Teilnahme hieran dem Aufruf eines weiteren niedersächsischen Piraten zu folgen und einem Konzert der nordrhein-westfälischen Musikgruppe Toc.Sin in Essen beizuwohnen; ein Entschluss, den ich im Folgenden nicht bereut habe.

Die mir unbekannte schlechte Vorband (irgendwas mit Punk) hätte nicht sein müssen, aber zum Glück ging die irgendwann weg, und irgendwann gegen 23 Uhr – vielleicht etwas früher, vielleicht etwas später – betrat ein Teil von Toc.Sin die Bühne. Es folgten zunächst nur interessante Gitarrenklänge, die eine Vorbereitung auf das sein sollten, was der Hörer zu erwarten hatte. Ich mag ja diesen leicht dreckigen Postrock mit Verzerrung und mächtig Wumms. Den gab es.

Toc.Sin nennen sich selbst ein von unter anderem Tool, Kyuss und Mogwai inspiriertes „Post-Ambient-Rock-Kollektiv”. Das ist ein bisschen übertrieben, schließlich sind es nur vier Musiker und eine zwar talentierte, aber völlig deplatzierte Tänzerin. „Post-Ambient-Rock” kann aber passen.

Ein wenig schade war, dass der ergraute Herr am Mischpult das mit dem ausgewogenen Klang noch nicht ganz verstanden hat: Die Vorband war zu dröhnend, der Gesang von Toc.Sins recht engagierter (allerdings nicht in jedem Lied zu hörende) Frontfrau „Layn” (schade, dass über sie nur wenig in Erfahrung zu bringen ist) zu laut gemischt. Schlecht war es trotzdem nicht. Der geneigte Musikfreund hört Isis, Tool und Oceansize heraus und freut sich, dass er das in diesem Jahr veröffentlichte Album vorab nicht gehört hat, denn live ist’s immer besser.

toc.sin & layn – cry (live @ Kunst Peripherie Ruhrstadt 2012)

Dass vor der Bühne nicht einmal ein Dutzend Zuschauer stand, ist ein bisschen schade. Toc.Sin haben sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Mögen sie selbige nun bekommen!

Montagsmusik
In eigener Sache: Montagsmusik fällt aus

Entgegen der Gepflogenheiten dieser Internetpräsenz gibt es heute aus Gründen keine neue Montagsmusik. Stattdessen folgt im Laufe des Tages etwas anderes mit Musik. Ich danke für etwaiges Verständnis.

MontagsmusikPiratenpartei
Haggard – The Final Victory

Heute beginnt offiziell der Wahlkampf der Piratenpartei Niedersachsen. Nun kann man von dieser Partei halten, was man will – die Wahlkampagne ist ziemlich amüsant und womöglich überzeugend, zumindest aber eine willkommene Alternative zu dem Einheitsbrei der etablierten Parteien.

So bringt sie ein wenig Farbe in den trüben Wahlkampfspätherbst; oder eben:

Haggard – The Final Victory (live)

The final victory has crushed the autumn silence
The final victory has crushed the autumn silence

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusikalisches
“Und wenn dies Lied ihre Lippen verlässt…”: „Xavas” zwischen Gangstaattitüde und Muttersöhnchentum

Eigenartige Forderungen werden da an das grauenvolle „Musiker”-Duo Kool Savas und Xavier Naidoo herangetragen. Für diejenigen unter meinen Lesern, die es geschafft haben, ihr Leben lang beiden Künstlern zu entfliehen, fasse ich beider Schaffen einmal kurz zusammen:

Bei Kool Savas handelt es sich um einen Rapper, der sich selbst als „König des Rap” bezeichnet, vegetarisch lebt, Projekte zur Jugendförderung unterstützt und auch sonst sein anscheinend Möglichstes tut, um bei Töchtern aus gutem Hause gut anzukommen. Xavier Naidoo ist sozusagen sein Soulpop-Gegenstück, bekannt geworden mit gottesfürchtigem Zeigefingerschwingen und schrecklichen Liedern wie „Nicht von dieser Welt”, „Wo willst du hin?” (mit der grammatikalisch falschen Textstelle „… denn es macht jetzt keinen Sinn …”) und „Dieser Weg”.

Irgendein übler Zwischenfall hat beide Solisten dazu veranlasst, ein gemeinsames Album namens „Gespaltene Persönlichkeit” aufzunehmen; ein Name, der wirklich total gut passt. Noch besser wäre allerdings „Nur mit der Gabel auf dem Teller zu kratzen ist schöner” gewesen; nun, eventuell wird ja das zweite Album so heißen.

Dabei sorgte doch bereits das Debüt für einigen Trubel. Zwei Monate nach Veröffentlichung – hat vermutlich so lange gedauert, sich das Geld für das Album zusammenzubetteln – stellte die Linksjugend („eine unbabhängige [sic!] Jugendorganisation der Partei Die Linken” [sic!], meinrap.de, so unabhängig dann eben doch nicht) wegen „Homophobie und Gewaltverherrlichung” Strafanzeige gegen die beiden „Künstler”. Der Grund ist das letzte Stück auf dem Album, in dem es unter anderem in bekannt kulturell anspruchsvollem Duktus heißt:

Ich schneide euch jetzt mal die Arme und die Beine ab und dann fick ich euch in’n Arsch, so wie ihr’s mit den Kleinen macht. (…) Warum liebst du keine Möse? Weil jeder Mensch doch aus einer ist.

Wo sind unsere Helfer? Unsere starken Männer? Wo sind unsere Führer? Wo sind sie jetzt?

Der Vorwurf der Homophobie ist insofern schon mal von vornherein entkräftigt, denn die Ankündigung, eine Person ungenannten Geschlechts in’n Arsch zu ficken, zeugt vom Gegenteil. Daran ändert auch die rhetorische Frage „Warum liebst du keine Möse?” nichts, die allerdings an dieser Stelle deplatziert wirkt: Natürlich lieben manche Kinderschänder auch Mösen, sonst würden sie sich ja lediglich an Knaben vergehen.

Das mit der Gewaltverherrlichung hat die zuständige Staatsanwaltschaft jetzt auch mal verworfen:

Die Behörde sieht jedoch weder den Vorwurf der Volksverhetzung gerechtfertigt, (sic!) noch einen Aufruf zur Gewalt. „Zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Begehung von Straftaten“ lägen nicht vor, hieß es am Donnerstag.

Naiv, sagt ihr? Nein, naiv ist, was der drollige Herr Naidoo zur Causa zu sagen hat:

Auch der Satz „Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“, ruft Kritik hervor. Naidoo erklärte, der Ruf gelte natürlich „unseren aktuellen Führern“, also den Verantwortlichen in Politik, Medien und bei den Ermittlungsbehörden. „Es ist mir unverständlich, wie man das falsch interpretieren kann.“

Ich bin davon überzeugt, dass die NPD sich das auch manchmal fragt.

Aber zurück zum Anfang, nämlich zu den eigenartigen Forderungen: Klaus Jetz, der Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland, gab zu Protokoll, die beiden „Musiker” müssten den Song zurücknehmen. So wenig ich auch von schlechter „Musik” halte, so affig finde ich das prinzipiell doch. Ein wie auch immer geartetes Lied kann man ebenso wenig „zurücknehmen” wie bereits erfolgte Taten oder getätigte Aussagen. Wer heute etwas zurücknimmt, kann morgen genau so gut die Rücknahme zurücknehmen. Das wäre feige.

Viele Menschen haben viel Dummes gesagt und getan, von religiöser Verfolgung bis zu Weltkriegen. Könnten sie es zurücknehmen, wäre die Welt vielleicht eine andere, aber wahrscheinlich keine bessere. Die Nachhaltigkeit des eigenen Tuns würde verpuffen. Und das wäre alles andere als wünschenswert.

Sich von sich selbst zu distanzieren ist kein Zeichen von wahrer Größe, sondern von, nun, gespaltener Persönlichkeit. Vielleicht ist diese Forderung in diesem einen Fall doch nur die logische Konsequenz.

Die Linksjugend hat den Herren Savas und Naidoo übrigens einen großen Gefallen getan: Ohne ihre Anzeige hätten viele Leute das gemeinsame Schaffen nicht einmal bemerkt. Das wäre wirklich schön gewesen.

MontagsmusikProjekte
Stolen Babies – Splatter

Ich witzelte: Twitter braucht einen „Anstupsen”-Knopf.
@c2h5oh1 reagierte prompt: Nein! N E I N!!!

Das betrachtete ich als Herausforderung.
Heißt also den Stupsbot herzlich willkommen in der Welt der nützlichen Twitter-Accessoires!


Von derlei fröhlichen Dingen einmal abgesehen: Die Stolen Babies, von mir vor fünf Jahren bereits gepriesen, haben endlich ihr zweites Album veröffentlicht.

Es ist ziemlich montagstauglich und klingt ungefähr so:

Stolen Babies Splatter WMV V9

Guten Morgen!

KaufbefehleMusikkritik
Belleruche – Rollerchain

Bei Belleruche handelt es sich um eine dreiköpfige britische Trip-Hop-/Electronic-/Soul-Musikgruppe, die 2005 gegründet wurde. Das diesjährige Studioalbum „Rollerchain” ist bereits ihr viertes, und es gefällt mir.

Auf das Trio wurde ich aufmerksam, als einer Aufzeichnung von Poetry Slam auf dem merkwürdigen Sender zdf.kultur, den ich offenbar im Auge behalten sollte, ein Musikvideo des hier enthaltenen Liedes „Stormbird”, in dem die Frontfrau Kathrin deBoer im Wesentlichen herumsteht, singt und dabei seltsam guckt, vorausging, das mich mit seiner Kombination aus Minimalismus, Eingängigkeit und unscheißem weiblichem Gesang, dem „Der digitale Flaneur” verständlicherweise eine subtile Erotik bescheinigt, beeindruckte. Eine mir neue, jedoch sehr schöne englische Vokabel (halcyon) empfiehlt es sich aus besagtem Lied allemal einzuprägen. Man weiß nie, wofür man sie mal brauchen könnte. Manchmal ist Fernsehen eben doch lehrreich.

„Belleruche” heißt auf Deutsch so viel wie „Schönerbienenstock”. Gestochen wird man auf „Rollerchain” aber nicht, stattdessen läuft es gelegentlich zäh wie Honig aus den Lautsprechern. Kathrin deBoer betreibt ihr Tun weitgehend von sphärischen Elektronikklängen untermalt. Vom Trip-Hop stammen vor allem die markanten drum loops, die auf anderen Musikalben gelegentlich schrecklich nerven, auf „Rollerchain” aber ganz gut ins Gesamtgefüge passen. Das Onlinemagazin „hhv.de mag” spricht von „Nu Jazz”, und das muss ein wirklich sehr “nuer” Jazz sein, denn so recht jazzig mutet das dann doch nicht an, womit wieder einmal belegt wäre, dass Genres eigentlich gar nicht existieren.

An Vergleichen hätte ich spontan The Ting Tings und Regina Spektor (von der ich allerdings nicht viel kenne) im Ohr, obwohl Belleruche weniger aufdringlich sind als erstgenannte, aber lauter als letztgenannte. Als eine ungefähre Richtungsangabe taugt dies jedoch meines Erachtens allemal.

89 von 100 Punkten vergibt das weise benannte Blog guteshoerenistwichtig, und ich schließe mich einfach mal an. Dass Amazon.de zwar Hörproben, aber bislang keine Kundenrezensionen für das Album vorzuweisen hat, werte ich erfahrungsgemäß als zusätzliches Qualitätsmerkmal.

Ich wünsche angenehmes Hören.