Archiv für die Kategorie ‘Lyrik’.

Wann immer mich die Muse küsst, werde ich zum Pöten. Wenn das Ergebnis nicht übermäßig schlecht ist, lege ich es in dieser Kategorie ab und hoffe, dass es niemand findet.

LyrikPersönliches
Die falschen Worte.

Es wäre auch zu schön gewesen, hätte die Geschichte mit der Froschleiche kein Nachspiel gehabt.

Das Leben mit all seinen komplizierten Zusammenhängen ist nicht immer ein faires, und Übereinkünfte bedeuten nicht immer Einigkeit. Dies vorausgesetzt erfüllt es, wenn ein gemütliches Beisammensein, forciert durch die berauschende Wirkung des Alkohols, dazu führt, dass man sich näher kommt, ohne sich im Voraus der möglichen Folgen bewusst gewesen zu sein, und nach einem Tag der Ungewissheit mit Vorwürfen konfrontiert wird, gar die Schuld trägt am gemeinsamen Ungewissen und der falschen Zweisamkeit zum womöglich immerhin richtigen Zeitpunkt, und überdies zunächst von einem unverhofften Dritten, der sich als neuer (frischer, unverbrauchter) Lebensabschnittswegbegleiter der doch eigentlich zumindest und aber immerhin vermeintlich noch gut befreundeten Person gemeinsamen Interesses zu erkennen gibt, über diese Unwägbarkeiten informiert wird, noch bevor die Dimension des Vergangenen von dann allerdings doch letzterer schriftlich verdeutlicht und subjektiv (somit unvermeidlich einseitig) überzeichnet erläutert und mit Verwünschungen und Ausdrücken der Reue für etwas versehen wird, was dann ja eigentlich keine Missetat, vielmehr ein beiderseitiges Ungeschick war, dann insgesamt auch nicht die Voraussetzungen für den sprichwörtlichen Funken Hoffnung in den gleichfalls sprichwörtlichen schlimmsten Albträumen bzw. dann eben auch nur Befürchtungen gleicher Beschaffenheit, sondern bildet die Kulisse für die Symphonie der Zerstörung, die nun bekannt harmonischen Menschen wie dem Schreiber dieses Textes hier wahrlich nicht zur Erheiterung beitragen, hingegen sehr wohl zu dem, was der oft zitierte Volksmund mitunter als Depression bezeichnet, aber sich eher in zeitweiser Niedergeschlagenheit als in dauerhaften psychischen Schäden manifestiert.

Damit ich irgendwann sagen kann: Jeder liebt ein Regengedicht, weil wir oben auf sind und trocken hinter den Ohren und wissen, was es heißt, zu zweit zu sein, ganz ohne den Schatten eines allerletzten Tages, denn wir wissen, was es heißt, zu zweit zu sein; und zum Glück fällst du mir nicht mehr ein, wenn ich hier kotze vor Scheißglücklichsein. Und die Frage heißt immer nur leben mit dir im Jetzt oder nie, und ich werde der erste sein – bestimmt werde ich der erste sein! -, der dich kennt. Meine Angst, dass sich alles jetzt ändert, schlägt meinen Tag tot. Gar nichts mehr bleibt. Das, was wir hier suchen, ist vielleicht das, was wir schon haben und gar nicht wollen. Das, was wir hier suchen, ist vielleicht auch gar nicht da.

- The Hirsch Effekt: Epistel / Calmo

LyrikMusikalischesPersönliches
Sie. (Fragment 2)

… Es war dunkel und es regnete, als er wieder auf die Straße trat. Kein Mensch war mehr zu sehen, fast kein Geräusch mehr zu hören; nur in der Ferne unterhielt sich eine Eule mit der Nacht. „Wie passend“, dachte er.

Was hatte er erwartet, als er noch kurz zuvor mit Herzklopfen vor ihrer Tür stand? Er hätte sich ohrfeigen können. Wie ein Narr hatte er sich benommen. Alles war an seiner Angst zerbrochen, auch damals im Frühling, als er noch nicht alles ruiniert hatte. Angst war sein Begleiter, seit er denken konnte, und hatte ihn schon oft in Gefahr gebracht. Eine Angst jedoch war neu: Die Angst, die ihn nun seit Monaten quälte und die ihm heute auch diese eine, letzte Chance versagt hatte. Die Angst, sie endgültig zu verlieren.

Sie war fort, daran zweifelte er nicht, und es war seine eigene Schuld. Sie war die Frau seines Lebens, und eigentlich hätte er jetzt ebenso gut einfach tot umfallen können. Dabei hatte alles so gut begonnen. Seiner Bitte um die längst fällige Aussprache wollten sie beide endlich – und nach langem endlich wieder gemeinsam – nachkommen. Vielleicht schwangen Übermut und Leichtsinn mit, als er es sich ausmalte, wie es wohl ausgehen würde, vielleicht war es auch nur seine Verzweiflung; er wusste jedenfalls, dass es für ihn, nein: für sie beide an diesem Abend um alles ging, um eine gemeinsame Zukunft oder um ein Leben ohne ein „Wir“, an das er in diesen Tagen ständig dachte. Wochenlang hatte er sich vorbereitet, Fragen, Antworten und Erinnerungen sorgfältig sortiert. Er hatte schon zu viel Glück gehabt, diesmal durfte er sich nicht auf es verlassen.

Er hatte es mal wieder übertrieben. Je näher der Tag rückte, auf den er all seine Hoffnungen, Wünsche und Träume projiziert hatte, desto ungeduldiger wurde er. Als er es schließlich nicht mehr aushielt, begann er wieder zu schreiben. Er schrieb Gedichte und zitierte Lieder, er offenbarte dem Papier in Prosa sein Gefühlsleben. Der Stapel an Aufzeichnungen wuchs zusehends. „Warum warten?“, dachte er sich, als er dies bemerkte. Er wollte ihr zeigen, was sie ihm bedeutete. Der Aussicht darauf, all dies noch unausgesprochen lassen zu müssen, behagte ihm nicht. Hin und wieder also, wenn ihm ein Text besonders gut gefiel, verpackte er ihn und sandte ihn ihr zu. Er hoffte, dass sie ihn verstehen würde.

Endlich war sein Tag gekommen. Geschlafen hatte er seit mehreren Nächten nur noch wenig, er lag stundenlang wach und dachte an sie. Was würde passieren, wenn sie sich in die Augen sähen – er in ihre dunklen, tiefen, sie in seine hellen, klaren?

Zögernd trat er vor ihre Tür und betätigte die Klingel. Erst nach, so kam es ihm vor, mehreren Minuten bemerkte er, dass an ihr ein Brief befestigt war, auf dem sein Name stand. Er zitterte, während er ihn öffnete. Er war von ihr.

Mit jedem Satz, den er las, zitterten die Buchstaben ein wenig mehr. Sie habe, schrieb sie, sich entschieden. Sie fühle sich von ihm noch immer – oder schon wieder? – eingeengt und unter Druck gesetzt; genau wie damals, als sie ihn verließ. „Die Briefe!“, dachte er und riss die Augen auf. Diese verdammten Briefe, die er ihr immer wieder zukommen ließ, hatten ihn um den letzten Grashalm gebracht. Den letzten hatte er erst am Vortag geschrieben, die Tinte war noch nicht lange getrocknet. „Gestern“, dachte er, und die alte, ungeliebte Schallplatte in seinem Kopf begann sich wieder zu drehen. „Why she had to go I don‘t know, she wouldn‘t say; I said something wrong, now I long for yesterday.“

Nur mit Mühe konnte er durch die Schleier, die seine Augen und seinen Verstand zu umhüllen begannen, ihre letzten Worte entziffern:
Sie wolle ihn nie mehr wiedersehen.

Er atmete tief durch. Das Geschrei der Eule, die noch immer unaufhörlich mit der Nacht sprach, klang jetzt, als lachte sie ihn aus. Das Wasser, das ihm über das Gesicht lief, schmeckte salzig. …

LyrikMusikalischesPersönliches
Sie. (Fragment)

… Noch in seinem Sessel, er hatte längst die Zeit aus den Augen verloren, überkam ihn ein seltsames Gefühl. Er blickte an sich herab. Was war nur mit ihm passiert?
Er ließ die Zeit, seit sie fort war, Revue passieren. Das war nun schon lange her, und dennoch berührte es ihn noch immer sehr, wann immer er an sie dachte; und er dachte oft an sie.

Als sie noch bei ihm war, so sagten seine Freunde und seine Familie, schien er voller Lebensfreude, mit sich und dem Leben im Reinen. Seine Augen leuchteten und seine Wangen glühten, wenn er von ihr sprach. Sie hatte sein Leben bereichert, war längst zu einem Teil von ihm geworden; nein, sie war sein Leben. Menschen verändern sich, dachte er, und das nicht immer nur zum Guten. Er hatte es, wie so oft, gründlich vermasselt, hatte dadurch, dass er nur keine Fehler machen wollte, den größten Fehler seines bisherigen und, so meinte er, vermutlich auch zukünftigen Lebens gemacht.

Hatten sie nicht die schönste Zeit ihres oder jedenfalls mindestens seines Lebens gemeinsam verbracht? Und dachte sie eigentlich genau so? Er wusste es nicht, es war ihm in dieser Minute auch völlig egal. „Ganz schön selbstsüchtig“, dachte er und verachtete sich, wie so oft in den letzten Monaten, für seine eigenen unausgesprochenen Gedanken.

Nachdem sie es beendet hatte, war er nicht in Depression verfallen – die hätte er vermutlich längst überwunden -, sondern in Apathie. Seine Zukunftspläne lagen in Scherben, das Leuchten war verschwunden. Es blieb eine Leere, die er, wenn er die Augen schloss, wie ein großes schwarzes Loch vor sich sah.

Im Radio lief „Was zählt“ der Toten Hosen. Er sang leise mit:

„Für mich ist gestern wertlos und morgen ganz egal, so lange du mir versprichst, dass du mich halten kannst…“

Über all die Monate, bald Jahre hatte er jegliches Interesse daran, seine Vergangenheit endlich ruhen zu lassen, abgelegt. Niemand anders, dessen war er sich sicher, hatte ihm je dieses Gefühl gegeben, und er konnte sich nicht vorstellen, dass eine andere es ihm jemals geben könnte.

Er war damals – früher – sicher nie ein Kostverächter gewesen, aber er wusste: Wenn er jemals wieder glücklich werden wollte, brauchte er sie dafür. Natürlich gab es andere Frauen in seinem Freundes- und Bekanntenkreis, und natürlich hätte er, und sei es aus Trotz, versuchen können, seine Geschichte in ihren Armen zu vergessen. Allein: Er wusste ebenso wie sie, dass dies unmöglich funktionieren konnte. Er würde ihnen – und sich – das Herz brechen. In seinen Träumen sah er sie. In seinen Träumen war er glücklich, seine Augen leuchteten und seine Wangen glühten. Nein, so konnte das nicht funktionieren.

Vielleicht hatte er nur noch eine Chance, vielleicht keine mehr; auf jeden Fall musste er es versuchen. Er musste seinen Mut zusammennehmen, er musste sie zurückgewinnen. Was sollte ihm passieren? Er hatte nichts zu verlieren, er konnte nur gewinnen. Den Hauptgewinn. Sie.

Zufrieden lächelnd im Gedanken an das Glück griff er zaghaft nach der Bierflasche, die halb geleert neben ihm stand.
Eine vertraute Stimme in seiner Erinnerung flüsterte leise: „Ich liebe dich.“ …

(Stimmung heute: Schwülstig.)

FotografieIn den NachrichtenLyrikMusikalischesPersönlichesPolitik
Abenddämmerung

In den NachrichtenLyrikNetzfundstückePersönlichesPolitik
Unerwünschte Werbekunden (inkl. Versuch einer Assoziationskette, leider fehlgeschlagen)

Das haben sie nun davon:
Da kauft Dynamo Dresden bei einem externen Dienstleister – datenschutzrechtlich ohnehin ein recht heikles Thema – eine recht lange Liste an Adressen, unter denen sie Geschäftskunden werben können, und dann ist unter diesen Adressen ausgerechnet auch ein NPD-naher Verlag. Eine grandiose Fehlleistung für einen Verein, der seine Mitglieder vertraglich zum Linkssein verpflichtet:

[...] alle damaligen Spieler mussten eine Liste unterschreiben, in der sie sich gegen ‚rechts‘ positionieren.

Allein schon die Existenz eines solchen Vertrages lässt mich, der grundsätzlich politische Entscheidungsfreiheit gutheißt, schmunzeln; und die NPD bekam den öffentlichkeitswirksamen Skandal, den man offenbar dringend vermeiden will, diesmal frei Haus.


Aber ich rege mich schon wieder auf. Über Politik. Das ärgert mich selbst.
Brechen wir das Thema also kurzerhand ab und assoziieren angesichts des Wetters einfach mal munter drauflos:

„Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer?“ (Rudi Carrell)
“The fire in our throats will beckon the thaw.“ (Pelican)

Für dich brennen – dich wärmen – du lässt mich nicht kalt.
Für dich leben – mit dir leben – du bist Leben.
Dich lieben – du bist Liebe.
Lebenswert – liebenswert.

(Zu mehr Lyrik hat‘s diesmal nicht gereicht. Vielleicht nächste Woche. Nach den Prüfungen.
Derweil kann sich der geneigte Leser beim Niggemeier über die treffende Karikatur des Journalismus‘ im Zeichen des „Web 2.0″ amüsieren.
Bis dahin gilt wieder einmal: Seufz!)

LyrikMusikalischesPersönliches
Impertinenz. Verelendung. Leckere Himbeeren. Depression.

Wetter heute: Supi.
Stimmung heute: Muss.

Der Morgen graut, ich bin schon wach.
Ich lieg im Bett und denke nach.
Mein Herz ist voll, doch jemand fehlt.
Ich hätt‘ dir gern noch so viel erzählt.

Traurig sein hat keinen Sinn.
Die Sonne scheint auch weiterhin.
Das ist ja grad die Schweinerei,
die Sonne scheint, als wäre nichts dabei…

Farin Urlaub – Sonne


(Eichhörnchen sind bisweilen durchaus amüsante Tiere; vorhin lag eines auf der Straße herum und stellte sich tot. Recht unangenehm für die Automobilfahrer, die auf derselben Straße, dadurch bedingt, nicht vorwärtskamen. Nach einer Weile ist das Tier dann aufgesprungen und den nächstbesten Baum hinaufgerannt. Schon ein niedlicher Anblick.)

LyrikSonstiges
Im Gedenken an Edgar Allan Poe (1809 – 1849)

Mitternacht umgab mich schaurig, als ich einsam, trüb und traurig,
Sinnend saß und las von mancher längstverklung’nen Mähr’ und Lehr’ –
Als ich schon mit matten Blicken im Begriff, in Schlaf zu nicken,
Hörte plötzlich ich ein Ticken an die Zimmerthüre her;
„Ein Besuch wohl noch,“ so dacht’ ich, „den der Zufall führet her –
Ein Besuch und sonst Nichts mehr.“

Wohl hab’ ich’s im Sinn behalten, im Dezember war’s, im kalten,
Und gespenstige Gestalten warf des Feuers Schein umher.
Sehnlich wünscht’ ich mir den Morgen, keine Lind’rung war zu borgen
Aus den Büchern für die Sorgen – für die Sorgen tief und schwer
Um die Sel’ge, die Lenoren nennt der Engel heilig Heer –
Hier, ach, nennt sie Niemand mehr!

Jedes Rauschen der Gardinen, die mir wie Gespenster schienen,
Füllte nun mein Herz mit Schrecken – Schrecken nie gefühlt vorher;
Wie es bebte, wie es zagte, bis ich endlich wieder sagte:
„Ein Besuch wohl, der es wagte, in der Nacht zu kommen her –
Ein Besuch, der spät es wagte, in der Nacht zu kommen her;
Dies allein und sonst Nichts mehr.“

Und ermannt nach diesen Worten öffnete ich stracks die Pforten:
„Dame oder Herr,“ so sprach ich, „bitte um Verzeihung sehr!
Doch ich war mit matten Blicken im Begriff, in Schlaf zu nicken,
Und so leis scholl Euer Ticken an die Zimmerthüre her,
Daß ich kaum es recht vernommen; doch nun seid willkommen sehr!“ –
Dunkel da und sonst Nichts mehr.

Düster in das Dunkel schauend stand ich lange starr und grauend,
Träume träumend, die hienieden nie ein Mensch geträumt vorher;
Zweifel schwarz den Sinn bethörte, Nichts die Stille draußen störte,
Nur das eine Wort man hörte, nur „Lenore?“ klang es her;
Selber haucht’ ich’s, und „Lenore!“ trug das Echo trauernd her –
Einzig dies und sonst Nichts mehr.

Als ich nun mit tiefem Bangen wieder in’s Gemach gegangen,
Hört’ ich bald ein neues Pochen, etwas lauter als vorher.
„Sicher,“ sprach ich da mit Beben, „an das Fenster pocht’ es eben,
Nun wohlan, so laß mich streben, daß ich mir das Ding erklär’ –
Still, mein Herz, daß ich mit Ruhe dies Geheimniß mir erklär’
Wohl der Wind und sonst Nichts mehr.“

Riß das Fenster auf jetzunder, und herein stolzirt’ – o Wunder!
Ein gewalt’ger, hochbejahrter Rabe schwirrend zu mir her;
Flog mit mächt’gen Flügelstreichen, ohne Gruß und Dankeszeichen,
Stolz und stattlich sonder Gleichen, nach der Thüre hoch und hehr –
Flog nach einer Pallasbüste ob der Thüre hoch und hehr –
Setzte sich und sonst Nichts mehr.

Und trotz meiner Trauer brachte er dahin mich, daß ich lachte,
So gesetzt und gravitätisch herrscht’ auf meiner Büste er.
„Ob auch alt und nah dem Grabe,“ sprach ich, „bist kein feiger Knabe,
Grimmer, glattgeschor’ner Rabe, der Du kamst vom Schattenheer –
Sprich, welch’ stolzen Namen führst Du in der Nacht pluton’schem Heer?“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr.“

Ganz erstaunt war ich, zu hören dies Geschöpf mich so belehren,
Schien auch wenig Sinn zu liegen in dem Wort bedeutungsleer;
Denn wohl Keiner könnte sagen, daß ihm je in seinen Tagen
Sonder Zier und sonder Zügen so ein Thier erschienen wär’,
Das auf seiner Marmorbüste ob der Thür gesessen wär’
Mit dem Namen „Nimmermehr.“

Dieses Wort nur sprach der Rabe dumpf und hohl, wie aus dem Grabe,
Als ob seine ganze Seele in dem einen Worte wär’.
Weiter Nichts ward dann gesprochen, nur mein Herz noch hört’ ich pochen,
Bis das Schweigen ich gebrochen: „Andre Freunde floh’n seither –
Morgen wird auch er mich fliehen, wie die Hoffnung floh seither.“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

Immer höher stieg mein Staunen bei des Raben dunklem Raunen,
Doch ich dachte: „Ohne Zweifel weiß er dies und sonst Nichts mehr;
Hat’s von seinem armen Meister, dem des Unglücks finstre Geister
Drohten dreist und drohten dreister, bis er trüb und trauerschwer –
Bis ihm schwand der Hoffnung Schimmer, und er fortan seufzte schwer:
‚O nimmer – nimmermehr!‘“

Trotz der Trauer wieder brachte er dahin mich, daß ich lachte;
Einen Armstuhl endlich rollte ich zu Thür und Vogel her.
In den sammt’nen Kissen liegend, in die Hand die Wange schmiegend,
Sann ich, hin und her mich wiegend, was des Wortes Deutung wär’ –
Was der grimme, finst’re Vogel aus dem nächt’gen Schattenheer
Wollt’ mit seinem „Nimmermehr.“

Dieses saß ich still ermessend, doch des Vogels nicht vergessend,
Dessen Feueraugen jetzo mir das Herz beklemmten sehr;
Und mit schmerzlichen Gefühlen ließ mein Haupt ich lange wühlen
In den veilchenfarb’nen Pfühlen, überstrahlt vom Lichte hehr –
Ach, in diesen sammtnen Pfühlen, überstrahlt vom Lichte hehr –
Ruhet sie jetzt nimmermehr!

Und ich wähnte, durch die Lüfte wallten süße Weihrauchdüfte,
Ausgestreut durch unsichtbare Seraphshände um mich her.
„Lethe,“ rief ich, „süße Spende schickt Dir Gott durch Engelshände,
Daß sich von Lenoren wende Deine Trauer tief und schwer!
Nimm, o nimm die süße Spende und vergiß der Trauer schwer!“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

„Gramprophet!“ rief ich voll Zweifel, „ob Du Vogel oder Teufel!
Ob die Hölle Dich mir sandte, ob der Sturm Dich wehte her!
Du, der von des Orkus Strande – Du, der von dem Schreckenlande
Sich zu mir, dem Trüben, wandte – künde mir mein heiß Begehr:
Find’ ich Balsam noch in Gilead! ist noch Trost im Gnadenmeer?“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

„Gramprophet!“ rief ich voll Zweifel, „ob Du Vogel oder Teufel!
Bei dem ew’gen Himmel droben, bei dem Gott, den ich verehr’ –
Künde mir, ob ich Lenoren, die hienieden ich verloren,
Wieder find’ an Edens Thoren – sie, die throhnt im Engelsheer –
Jene Sel’ge, die Lenoren nennt der Engel heilig Heer!“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

„Sei dies Wort das Trennungszeichen! Vogel, Dämon, Du mußt weichen!
Fleuch zurück zum Sturmesgrauen, oder zum pluton’schen Heer!
Keine Feder laß zurücke mir als Zeichen Deiner Tücke;
Laß allein mich dem Geschicke – wage nie Dich wieder her!
Fort und laß mein Herz in Frieden, das gepeinigt Du so sehr!“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

Und der Rabe weichet nimmer – sitzt noch immer, sitzt noch immer
Auf der blassen Pallasbüste ob der Thüre hoch und hehr;
Sitzt mit geisterhaftem Munkeln, seine Feueraugen funkeln
Gar dämonisch aus dem dunkeln, düstern Schatten um ihn her;
Und mein Geist wird aus dem Schatten, den er breitet um mich her,
Sich erheben – nimmermehr!

Carl Theodor Eben, 1869

LyrikPersönlichesProjekte
Der GEZ-Mann oder: Die Axt im Walde. (Für dich.)

Ich warte noch auf die perfekte Stunde hier
in der Straße, in der du zu wohnen beliebst;
es nährt mich der Zweifel, gepaart auch mit Furcht:
Wie kann ich dir mitteilen, was du mir gibst?

Ich warte noch auf die perfekte Minute
(geh aus meinem Kopf, du zerstörender Geist!),
denn ein Gefühl in mir muss unbedingt raus,
und ich will es befreien und will, dass du‘s weißt.

Ich warte noch auf die perfekte Sekunde,
in der deine Augen mich wieder berührn,
mein Herz entzünden, meine Seele umklammern,
denn in dieser Sekunde kann ich dich wieder spürn.

Ich warte noch auf den perfekten Moment, um
dir sagen zu können, dass du mich betörst;
derweil – sei‘s für immer! – werde ich still von
dir träumen und hoffen, dass du mich erhörst…


(Wenn ich gerade nicht in Gedanken versinke, bastle ich derzeit ein wenig an einer kleinen Firefox-Erweiterung. Wer beim Testen helfen möchte, ist gern dazu eingeladen. Danke!)

In den NachrichtenLyrikMusikalischesPolitik
Turris caedit.

Ruße in Beton und Stahl,
müde alles Material.
Hörst du das Flüstern im Land? [...]
Die Postbeamten tragen schwarz,
´ne Tonne Öl kost´ tausend Mark.
Siehst du die Schrift an der Wand?

In den NachrichtenLyrik
Ein Hoch auf das BKA!

Servus,

nachdem moderne Bildbearbeitung nun für jedermann erschwinglich ist, ist es nur angemessen, dass parallel zu sinkenden Kosten für IT-Systeme auch die Steuern zur Bezahlung IT-gestützter Fahndung mindestens stagnieren.

Und wenn ich so was lese, bin ich froh, in einem modernen Staat zu leben. Derartige Expertise ist jeden Cent wert!

Polizeiexperten machten die Bearbeitung rückgängig

Erforderliche Kenntnisse: Umgang mit The GIMP sowie die Fähigkeit, eine Suchmaschine (Stichwort: „Photoshop Wirbel“) zu bedienen.

Im nächsten Leben geh ich zum BKA!
- euer überforderter Pinguin


Und, der Besinnlichkeit wegen, noch ein Tipp des Tages, gefunden hier:

Ein Walroß las im Internet:
„Ein Walroß ist erschreckend fett.“
Nun kannte es sich endlich aus
und ging sehr gutgelaunt nach Haus.
Moral: Man soll die Welt verstehn
und gutgelaunt nach Hause gehn.

Merkt euch das für die Zukunft!

Lyrik
Liebe Paare, kennt ihr das?

Was mir gehört, was dir gehört -
wir scheren uns nicht drum:
Ich nehme, denn ich bin gescheit;
du gibst, denn du bist dumm.

Was mir gefällt, was dir gefällt -
das ist doch alles eins:
Ich kriege schon mein Stück vom Glück,
und wenn ich will, auch deins.

Was mir gebricht, was dir gebricht -
uns ist das einerlei:
Ich weiß ja nicht, was Mangel ist,
denn du entsagst für zwei.

(Robert Gernhardt, „Paargesang“)

Lyrik
Tuxis Liebeslyrik

Guten Morgen, Welt!
Auch wenn es eigentlich nicht hierher passt – auf allgemeinen Wunsch das uralte Liebesdings…

Grausam ist die Liebe
Wenn man sie fühlt
Doch nicht zu sehr
Dunkel, geheimnisvoll
Benutzen, um benutzt zu werden

Mehr Abstand, mehr Licht
Doch weniger von dir
Zeit, Licht, Ort verschwinden im All
Wo ist sie?
Wo bist du?

Nur die Fesseln machen frei
Doch die Freiheit liegt in Fesseln
Was ist passiert mit der Zeit?
Was ist passiert mit mir?
Mit dir?

Liebe – doch nur ein Wort
Oder der Schlüssel zu allem
Und zu nichts?
Wir sprechen nicht dasselbe Wort
Doch wir fühlen gleich

Und ich steh im Regen
Ausgelöschte Sonne
Zu viele Gedanken an dich
Zu viele Gedanken an uns
Kein Ausweg bleibt…

Fremde Freunde
Alles und nichts
Nichts ist alles
In den Gedanken
In den Gefühlen

Alles ist vergänglich
Doch Schönheit bleibt bestehen
Was könnte ewiger sein
Als du?

Ich opferte die Erde
Um den Himmel zu bekommen
Doch Himmel ist
Wo Engel singen
Nicht für mich

Wo beginnt das Leben?
Wo die Liebe?
Was sind Gefühle?
Die Antwort liegt
Allein in dir

Denn du bist alles
Und alles ist in dir
Und ohne dich
Ist nichts geblieben

Zeit, Raum – wofür?
Frei und doch nicht frei
Nichts ist mehr
Doch fehlt nur eins
Ich liebe dich