Archiv für die Kategorie ‘Kaufbefehle’.

Ich spreche keine Kaufempfehlungen aus, ich bin ja nicht Amazon.

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Cowboys From Hell – Big Fish

Wie ein Stück von Pantera heißt das Schweizer Trio Cowboys From Hell, Kuhtreiber aus der Hölle also. Es sei den drei Herren verziehen, dass sie trotzdem keinen Brüllmetal oder Gähncountry zu Gehör bringen, sondern feinsten instrumentalen Jazzcore. „Big Fish“ heißt der am vergangenen Mittwoch erschienene Zweitling und gefällt.

War „Monster Rodeo“, das Debüt von 2008, noch schräg-avantgardesk, ist man auf „Big Fish“ beinahe schon diszipliniert. Von anderen Jazzcore-Bands wie den Landsleuten vom Lucien Dubuis Trio oder etwa dem Münchner Quintett Panzerballett unterscheidet sich das hier Dargebotene dadurch, dass es nicht die Metalschiene befährt, sondern eher den Geist von Frank Zappa und seinen Zöglingen atmet.

Geblieben ist das verfremdete Saxophon als Universalinstrument, Gastsänger Andi Peter ist aber nicht mehr dabei. Eine Konzentration auf das Wesentliche also: Bass, Saxophon, Schlagzeug und reichlich Elektronik. Die Besetzung erinnert vielleicht an Van der Graaf Generator oder Morphine, die Musik aber keinesfalls. Stattdessen taucht man in seine ganz eigenen Klangwelten ab. Etwas übertrieben klingt das dann so:

Mit waghalsigen Arrangements und kräftigen Klängen erzeugt die Band einen wahren Sound-Orkan. Mal dampfen Funk-Grooves, dann rauchen die Rock-Kanonen oder spruzelt die Elektronik. Man mag an Frank Zappa und Rage Against The Machine denken, und doch ist die Musik eigenständig und frisch, geprägt von unbändigem Spielwitz und brachialer Energie.

Von seltsamem RIO („Horror Show“) über groovenden Funk („Hymn For The Sailor“, eingeleitet natürlich mit Ozeangeräuschen und mit großartiger Bassarbeit) bis hin zu einem Jazzcover von Panteras (da sind‘se ja) „Walk“ wird allerlei geboten. Was fehlt? Nun, mir persönlich der Gesang – aber es muss ja andererseits auch nicht ständig wer dazwischengrölen.

Wer jedenfalls die von mir bereits vor einiger Zeit für gut befundene Band Weltpinguintag mag, dem dürften die „Cowboys“ ebenfalls zusagen. Zurzeit ist das Album „Big Fish“ in einer frühen Fassung – statt „Hymn For The Traitor“ ist „Blubber“ enthalten – und etwas anderer Reihenfolge auf soundcloud.com zu hören. Eine angenehme Hörerfahrung wünsche ich.

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Tetrafusion – Horizons EP

Ich wurde heute via E-Mail auf die CD „Horizons“ der US-Amerikaner Tetrafusion hingewiesen, die mir ganz gut gefällt. Tetrafusion ist eine ehemalige Instrumentalband, die nunmehr auch Gesang in die eigene Musik einbaut. Ich zitiere:

Tetrafusion begannen als Instrumentalband und nahmen so ein Album auf („Absolute Zero“). (…) Ihre neue CD ist eine EP namens „Horizons“ und wurde im Vorfeld komplett von Fans finanziert. Daher hat die Band beschlossen, die Musik als Gratis-Download anzubieten. Wer will, darf aber auch einen selbst gewählten Preis zahlen oder für $7 einfach die CD-Version bestellen.

Sich selbst bezeichnen sie als Progressive-Metal-Band, und das progressive Element hat tatsächlich einen hohen Stellenwert. Jazzig-verspielte Soli, vielerlei Takt- und Rhythmuswechsel und die Dominanz des Keyboards klingen den Ohren des Dream-Theater-Freundes vertraut, da sei auch die kurze Spielzeit von durchschnittlich ungefähr vier Minuten (mal mehr, mal weniger) verziehen.

Ein wenig schade ist es, dass die Stücke immer etwas abrupt enden, aber womöglich legt sich das noch auf späteren Aufnahmen. Der (neue) Gesang nämlich scheint seinen Teil zu diesem Eindruck beizutragen, indem er selten mehr ist als bloße Begleitung der Melodie. An wen mich der Sänger stimmlich erinnert, weiß ich gerade nicht. Ich glaube, an die Smiths.

Ansonsten gibt es an „Horizons“ nichts zu meckern. Einem geschenkten Gaul schaut man als Musikfreund zwar ins Maul, aber man schläfert ihn nicht ein, wenn das Maul intakt erscheint, sondern behält ihn und gewinnt ein paar Rennen mit ihm.

Was fehlt? Ach so, der Verweis. Der führt zu Bandcamp.com, und wer genannte Beschreibung für positiv interessant befindet, dem lege ich nahe, ihm zu folgen. Gern geschehen.

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Discipline. – To Shatter All Accord

Heute ist ja bekanntlich der Tag des kollektiven Abschaltens, anlässlich dessen sich jetzt jedes kleine Hobbyblog mal so richtig in Szene setzen könnte. Diesen mir geschenkten Status als wegen der Nichtteilnahme an diesem Kinderkram heute wahrscheinlich überdurchschnittlich viele Leser erhaltender Insinternetschreiber könnte ich jetzt natürlich ausnutzen, um mich wortreich über SOPA, PIPA, LEGO und Teewurst auszulassen, aber die Innenpolitik der USA interessiert mich weniger als gute Musik, also nutze ich die Aufmerksamkeit, um ein weiteres gutes Musikalbum zu empfehlen.

Zu den Musikalben, die die Frechheit besaßen, sich für die Aufnahme in die Jahresbestenliste 12/2011 nicht rechtzeitig bei mir zu melden, gehört außer Opeths ebenfalls unbedingt hörenswertem, weil mit Grölmetal nicht mehr eng verbundenem „Heritage“ auch „To Shatter All Accord“ von der US-amerikanischen Progressive-Rock-Band Discipline. (ganz diszipliniert mit Punkt am Ende).

Nun ist das Album augenscheinlich recht kurz, enthält es doch lediglich fünf Stücke. Allein die letzten beiden überschreiten gemeinsam jedoch bereits 30 Minuten. Radiogewohnte, schlichte Gemüter, denen die Geduld für Lieder jenseits der drei bis vier Minuten fehlt, sind hier also wahrscheinlich überfordert. Schade eigentlich.

Denn das Gehörte ist klasse. Seit dem Album „Unfolded Like Staircase“ sind immerhin vierzehn Jahre vergangen, so hatte das Quartett viel Zeit, den Nachfolger zu perfektionieren, und diese Zeit hat es wahrlich genutzt. Zu hören ist gitarren- und keyboardlastiger Retro-Prog, der die bedrohliche Atmosphäre von Van der Graaf Generator (zu „Godbluff“-Zeiten) einfängt und modernisiert. Dabei ist trotz häufigen Zitierens von „VdGG“-Melodien die Aufnahme so klar und modern, dass der Rückgriff auf die 1970-er Jahre kaum auffällt.

Ausgedehnte Instrumentalpassagen, in denen Keyboards und Gitarre sich duellieren, besonders beeindruckend im 24-minütigen Abschluss „Rogue“, dem auch der Titel des Albums entnommen ist, treffen auf hervorragenden Gesang. Genregrenzen sind hier völlig irrelevant, zwischen Hard Rock, Jazzrock und Funk wird variiert, gelegentlich (etwa fünf Minuten vor dem Ende von „Rogue“) winken auch die klassischen Genesis ebenso um die Ecke wie Rush und Led Zeppelin. Rock, Alter.

Wie gesagt: Frechheit, dass ich dieses Album erst jetzt entdecke. Das Warten hat sich aber allemal gelohnt.

Nachvollziehbar ist meine Freude an „To Shatter All Accord“ auf Grooveshark.com. Viel Spaß!

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The Rolling Stones – Miss You

Letztes Jahr erschien mal wieder eine Neuauflage des Albums „Some Girls“ der verehrten Rolling Stones, meines Empfindens das einzige Album der ehemaligen Jungs, das die Medien in der Regel nicht mit angemessener Würdigung versehen (stattdessen schreiben sie das öde „Their Satanic Majesties Request“ in den Rockolymp, wo es nicht viel zu suchen hat).

2012: 35 Jahre erster Tod der Rockmusik, 34 Jahre „Some Girls“.
Und somit 34 Jahre „Miss You“:

Ich mag es, wenn es groovt.

Guten Morgen.

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Musik 12/2011 – Favoriten und Analyse

Leydiesendtschentelmen, herzlich willkommen am Jahresende und damit zur üblichen Retrospektive der primasten Alben des Jahres, die es in die Halbjahresliste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht einmal unbedingt eine Frage des Erscheinungsdatums, denn wie üblich hatten sich wieder einige Alben aus dem ersten Halbjahr geschickt vor mir versteckt.

Ich erhielt anlässlich der Rückschau 06/2011 vereinzelte Kritik, es sei zu viel Material zusammen gekommen, um sich in einer angemessenen Zeit damit beschäftigen zu können. Diesmal aber kann Peter, der glaubt, drei Alben würden reichen, aufatmen: Diese Liste wird kürzer als angenommen. Hierfür gibt es einen guten und einen beschämenden Grund: Das selbstbetitelte Debütalbum von broken.heart.collector etwa kann sich wie auch manch anderes interessantes Musikwerk längst eines separaten Artikels erfreuen, vor allem aber hat noch während der Zusammenstellung der zu rezensierenden Alben meine alte digitale Schreibmaschine beschlossen, die Priesterlaufbahn einzuschlagen, und ohne Umschweife etwas gesegnet, nämlich das Zeitliche; und getreu Murphys immerwährendem Gesetz hatte ich diesmal keine Sicherheitskopie angefertigt.

Daher seht es mir nach, wenn euer persönliches Album des Jahres diesmal fehlt, und lasst es mich wissen: Vielleicht gefällt es auch anderen Musikfreunden, die dies hier zufällig entdecken. Weiterlesen ‚Musik 12/2011 – Favoriten und Analyse‘ »

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Kurze Notiz zu Domian.

Der Zufall und das Album des Jahres – mehr dazu am Jahresende -, anlässlich dessen die Musikheroen Metallica und Lou Reed gemeinsam auftraten und dabei Zuschauer und Zuhörer verwirrten (wer Metallica erwartet, kann mit Lou Reed meist nichts anfangen, und umgekehrt), ließen mich am gestrigen Abend dem merkwürdigen Radiosender „1LIVE“ lauschen.

Dem Konzert und der anschließenden Fragerunde folgte die Sendung „Domian“. Den Anfang habe ich verpasst, aber offenbar ging es um das Thema Tod.

“Domian“ ist, dies konnte ich bislang in Erfahrung bringen, eine von einem Herrn Domian moderierte Ratgebersendung, bei der Leute anrufen können, denen sonst niemand zuhört, um über Dinge zu sprechen, die ihnen gerade so einfallen. Die voyeuristische Ader des Menschen bedankt sich, seine ratio wendet sich angewidert ab.

Allein den schwarzen Humor wird‘s freuen: Um kurz vor 2 Uhr morgens rief ein – seinem Idiom nach zu urteilen – junger Mann an, dem ein dementer Greis vor das Auto gelaufen und jüngst verstorben war und den darob ein schlechtes Gewissen plagte. Herr Domian nun schlug vor, er solle sein Beileid schriftlich bekunden; so überrolle er die Angehörigen nicht. Immerhin!
Dass danach eine beschwingte Frau anrief, die nur einmal öffentlich ihre Freude über ihre gerade erfolgte Scheidung bekunden wollte, gab der Sendung einen surrealen Anstrich.

Anscheinend sollte ich das Schaffen von Herrn Domian künftig etwas aufmerksamer verfolgen.

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Pin-up Went Down – 342

Apropos Rock, Alter: 2010 erschien das Album „342″ der französischen Avantgarde-Metaller Pin-up Went Down und geht so ab, dass man geneigt ist, von Mordsmäßigkeit zu sprechen, wäre Mord nicht so negativ behaftet.

Bei pin-ups denkt man womöglich an Spindposter mit Ikonen früherer Jahrzehnte und nicht an Metal. Nun, tatsächlich zelebrieren die Musiker die Ästhetik der 50-er Jahre. Das Album beginnt mit lauschigen Klängen, wie sie ungefähr zu hören sind, wenn man sich Klavierbegleitung in einem Café in einem klischeehaften Schwarz-Weiß-Spielfilm über die Vor- und frühe Nachkriegszeit vorstellt (oder wie jedenfalls ich sie mir vorstelle), Sängerin „Asphodel“ beherrscht ihr Handwerk vortrefflich. Duffy ist ein stimmlicher Vergleich, der unsereinem in den Sinn kommt.

Kaum aber hat man sich an die leicht entrückte, insgesamt nach The Cardigans und Belle and Sebastian und Bell, Book & Candle und Regina Spektor und Klischeefilmen klingende Einleitung gewöhnt, haut der Schlagzeuger kurz auf die Pauke, und der Metal bahnt sich seinen Weg ins Gehör des erwartungsvollen und plötzlich ziemlich überwältigten Hörers. Maskulines Growling, Gitarrengeschepper, irres Schlagzeug, dazu gibt „Asphodel“ die Tarja Turunen oder, je nach Generation, die „Columbia“ aus der Rocky Horror Picture Show. Eine neue Assoziation, die sich bei der von mir gehörten Musik nur selten anbietet: Haggard. (Die ebenfalls recht gut sind und mal gehört werden sollten, liebe Leser.)

Nach etwa drei Minuten folgt ein Folkstück mit mehrstimmigem Gesang, spärlich instrumentiert, der bereits erwähnte Bell, Book & Candle auch gesanglich in Erinnerung ruft. Lied 3, „Porcelain Hours“, ist beinahe schon „Pop“, stilecht mit diesem modernen Sprechgesang, den nach über 30 Jahren noch viele Jugendliche echt prima finden, in „Essence of I“ paart man Growling mit Shakira, und das klingt nicht einmal schlecht. Gelegentliche merkwürdige Choraleinwürfe, etwa in dem ebenfalls merkwürdig benannten “Murphy in the Sky with Daemons“ (da gab es doch mal was von den Beatles?), erinnern an Yes‘ merkwürdiges „Sound Chaser“ („cha cha cha / cha cha“) und belustigen und halten die Aufmerksamkeitsspanne des Hörers auf einem hohen Niveau. So muss das sein, so ist es fein.

Das gesamte Album und seinen Vorgänger „2 Unlimited“ von 2008 gibt es auf der Internetpräsenz des Trios zu hören, dauerhaften Spaß auch unterwegs bietet die CD-Version, die es zum Beispiel via Amazon oder zum Selbstbrennen auf Bandcamp.com zu erwerben gibt.

Man möge reichlich davon Gebrauch machen!

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Rush – 2112

35 Jahre später immer noch große Klasse:

Rock, Alter. Das ganze verdammte Album.

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Magma – Ëmëhntëhtt-Ré (außerdem: Jean Louis)

Na, werdet ihr montags auch nicht so recht wach, die Nebenwirkungen des Wochenendes noch in den Organen?

Da ist Metal sicher ebenso wenig eine geeignete Maßnahme wie das pubertäre Gekicher irgendwelcher Radiomoderatoren. Womit man so einen Montag viel besser beginnen kann, ist Jazz; und zwar nicht irgendein Jazz, sondern solcher, der nachhaltig wirkt.

Zum Beispiel Zeuhl.

Und wenn die ehemals müden Gliedmaßen nach so viel rhythmischer Bewegung wieder in betriebsfähigem Zustand sind, empfehle ich anschließendes wildes Gezappel zu den wilden Strukturen des ebenfalls französischen Jazzcore-Trios Jean Louis. „Jazzcore“? Jawoll:

Wenn es notwendig ist, bellt zu stampfenden Rhythmen eben ein Hund, dazu schrubbt ein zur Unkenntlichkeit verzerrter Bass und zwei Trompeten erklingen gleichzeitig in einer Art elektronisch-dissonantem Singsang. Dann wieder wird es fast metalartig krass, schweres Geriffe bricht über den Hörer hinein, nein, Rücksicht nehmen Jean Louis dabei nicht.

Kunst? Wahrscheinlich. Und Kunst kennt kein Pardon.

In diesem Sinne: Guten Morgen!

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London Underground: So was von 70-er.

In meiner Sammlung obskurer musikalischer Auswüchse entdeckte ich soeben das 2010 veröffentlichte Album „Honey Drops“ von London Underground, einer italienischen Psychedelic-Rock-Band.

“Psychedelic Rock“ ist hier keinesfalls ein verzweifelter Versuch, das Gehörte in Schubladen zu stecken. Tief atmen London Underground die Luft ein, in der The Kinks, The United States of America und weitere Heroen mit und ohne „The“ einst standen, und von dem Schweißgeruch bleibt dem Sänger vermutlich die Luft weg, denn „Honey Drops“ ist ein Instrumentalalbum, aber ein wirklich gutes.

Es dominiert die Hammond-Orgel und die Lust am Covern. Von den 12 Liedern sind neun Coverversionen auf dem Album zu finden, was niemanden ernsthaft stören sollte, denn London Underground spielen nicht bloß alte Klassiker nach, sondern warten mit einem eigenen Stil auf. So klingt Arzachels „Queen St. Gang“ hier ebenso wenig nach Arzachel wie Jethro Tulls „Dharma For One“ hier nach Jethro Tull klingt, was selbstverständlich bedeutet, dass die Originale auch weiterhin nicht überflüssig sind. (Gerade Arzachel ist für Freunde drogenschwangeren Psychedelic Rocks ein wahrer Schatz.) Dass auch die Beatles („Norwegian Wood“) gecovert werden, ist beinahe unvermeidlich, war doch das Album „Rubber Soul“ einer der Auslöser der Psychedelic-Welle in den 60-er Jahren.

In anderen Worten und einer anderen Sprache:

All in all „Honey Drops“ is a fantastic album which should please all fans of retro-prog and instrumental psychedelia.

Reinhören und mögen wird wärmstens empfohlen, zum Beispiel per YouTube.


Apropos obskur: Der bizarre Erfinder und einzige Protagonist des gleichsam bizarren Genres „Hippiepunk“, Ey Lou Flynn, sucht in seinem bizarren Blog reimbegabte Kreative, es gibt auch was zu ge-Wii-nnen (ich bitte um Verzeihung für dieses sehr vorhersehbare Wortspiel). Helft zahlreich!

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broken.heart.collector: Sammelt gebrochene Herzen und Stile

Während ich also eben gerade die Statistiken für September 2011 in einen akzeptablen Text einfließen zu lassen versuchte, rotierte in der Musikanlage das Album „broken.heart.collector“ des österreichischen Quintetts selben Namens, eigentlich ein um Sängerin und Bassklarinettistin erweiterter Abkömmling des Trios Bulbul, von dem ich ebenfalls nie zuvor gehört hatte; das Quintett jedenfalls schaffte es auf den Babyblauen Seiten zum Tipp des Monats, und das ist eigentlich meist ein gutes Zeichen. Die Musiker stehen übrigens bei Discorporate Records unter Vertrag, regelmäßige Leser meines Geschwafels kennen also einige ihrer Stücke bereits vom Discorporate-Records-“Sampler“ 2011.

Was mir da gerade gewaltfrei ins Ohr drang, war jedenfalls wirklich beeindruckend. (Erwähnte ich schon, dass Genres und gute Musik miteinander nur selten harmonieren?) Bereits der eröffnende „Love Reclamation Song“, etwas mehr als elfeinhalb Minuten lang, überrascht: Kammermusikartig setzen langsam und sanft und aber auch ein bisschen bedrohlich die Instrumente ein, Sängerin Maja Osojnik intoniert mit Bedacht und melodisch in solcher Form, dass man an die Strophen im Meisterstück „The End“ der legendären Doors denkt, stimmlich dann auch an die deutsche Chanteuse Nico, die selbiges Lied irgendwann mal gecovert hatte. Schön düster und nur vordergründig schlicht, denn die Instrumente sind zwar zurückhaltend, aber doch abwechslungsreich bedient. Wer sich aber jetzt versehentlich auf fast eine Stunde beschaulicher Hintergrundbeschallung einstellt, der sollte seine Nervenpillen bereit halten, denn bei etwa 9:00 Minuten erfolgt eine Zäsur und die fünf – plus, in einigen Stücken, Didi Kern als Gast am Klavier – rocken mit viel Bass und verzerrtem Gesang los. Kennt noch jemand „Open Your Eyes“ von den Guano Apes? Ganz so lärmend wird es nicht, aber so ähnlich klingt es doch, bedenkt man, dass broken.heart.collector von denen, die auf Genreschubladen Wert legen, oft als „RIO/Avant“, experimentelle Avantgarde-Musik also, geführt werden.

Dabei geht es ihnen nicht nur um die Lust am Krach. Das zweite Stück, „Another Heart Bites The Dust“, eröffnet mit brummenden Tieftönen, ist aber trotz des Titels keine Queen-Coverversion, sondern feinster Alternative. Den Anfang habe ich schon mal irgendwo gehört; nur wo? Andreas Hofmann unterstellt auf den Babyblauen Seiten klangliche Nähe zu Placebo, das infernalische Gejaule von Brian Molko bleibt aber zum Glück fern, vielmehr kommt mir spontan ein Vergleich mit Belle & Sebastian in den Sinn.

Die Band unternimmt auf dem Album sozusagen einen Streifzug durch die Genres. Von den aufgelösten Avantgarde-Metal-Kabarettisten Sleepytime Gorilla Museum („Eisenwalzer“) über The Kills („Get The Dog“) und Donovan („Boatwischmusik“) bis hin zum Canterbury und zeuhlschwangeren Jazzrock („Cestni črv“) reicht die stilistische Bandbreite. Das abschließende „Wolves“ (ein Wolf ziert als den Kurzfilmen im DDR-“Sandmännchen“ nicht unähnliche Zeichnung auch das Titelbild des Albums) rundet das Album schließlich ab: Der eingängige, unaufgeregte Pop steigert sich ebenso wie der Gesang allmählich zu einer geradezu irren Klimax in Form eines improvisierten Lärms mit Gekreisch, sozusagen als eine nicht instrumentale Version der letzten Sekunden von „A Day In The Life“ der überbewerteten Beatles und auch als eine Art Fazit, Zusammenfassung des bis dahin Gehörten. All das – alle 10 Stücke – wird dargeboten in einem eigenständigen Klanggewand aus Bassflöte, Klarinette, Gitarre, Bass, Schlagzeug und dergleichen; wer also behauptet, das alles sei längst ein alter Hut, dem unterstelle ich so lange Irrtum, bis er es belegt, denn mir ist es letztlich nicht wichtig, ob prima Musik nun zum ersten oder zum hunderttausendsten Mal in dieser Form vorliegt. Die Hauptsache sollte doch, neben einem Mindestmaß an Anspruch, immer sein, dass sie gefällt. Und das tut sie fürwahr.

“Scheppern / Raunen / Avant-Noise“ schreibt man im Magazin „Intro“ und hat damit vollkommen Recht. broken.heart.collector machen dort weiter, wo Sonic Youth längst aufgehört haben. Und das ist auch gut so.

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Pink Floyd – Careful With That Axe, Eugene

Und da wir gerade bei Pink Floyd waren:

Am Freitag erscheint das Gesamtstudiowerk dieser doch nicht allzu üblen Musikgruppe in einer Neuauflage, und die ganz Harten unter ihren Hörern, denen es mehr um‘s Prinzip geht, weil sie sowieso schon alles von Pink Floyd im Schrank haben, bekommen natürlich auch die Gelegenheit, eine Hypersuperbonusedition einzelner Alben zu erwerben, auf denen jedes Lied in ermüdender Vielfalt zu hören ist. The Dark Side of The Moon kommt dann auch schon mal auf sechs Scheiben und fast hundert Euro; „money“, sangen sie einst, „it‘s a gas: Grab that cash with both hands and make a stash.“

Da möchte man doch beinahe die Axt schwingen.

Careful with that axe, Eugene …

:twisted:

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Herzberg unterm Dach

Buntes AllerleiWährend das Burg-Herzberg-Festival nach Jahrzehnten des Bestehens eine gewisse Bekanntheit erlangen konnte, ist der Ableger „Herzberg unterm Dach“, eine ebenfalls jährliche, aber nur einnächtige Veranstaltung, noch immer ein Geheimtipp. Selbigen allerdings nutzte ich, um mich am Abend des 9. September dort einzufinden. In diesem Jahr fand das „Herzberg unterm Dach“ in der “Fabrik“, also einer (offenbar stillgelegten) Fabrik in Hamburg-Altona, statt. Bereits vor dem Beginn – der Einlass begann gegen 19 Uhr, das eigentliche festival gegen 20 Uhr – inspizierte ich, wie es so meine Art ist, zuerst einmal das angereiste Publikum.

Eine Überschneidung mit der Klientel des anderen diesjährigen Musikfestes konnte ich nicht vorstellen, denn mittelalterlich gekleidet war niemand, stattdessen lief man in allerlei psychedelisch kolorierten Klamotten herum. Diverse Haschischschwaden später begann dann der Einlass, und die kleine Fabrik füllte sich; „füllte“ allerdings wäre wahrlich etwas viel gesagt, denn sowohl auf den Sitzrängen als auch auf der Tanzfläche vor der Bühne war noch reichlich Platz, der im Laufe des Abends allerdings erst knapper und dann wieder weniger knapp wurde.

Mit Heimvorteil eröffnete die Hamburger Combo Cosmic Finger, in der Tradition der Grateful Dead (von den Veranstaltern konsequent falsch “Grateful Death“ genannt, stehend, den Abend. Da dieser US-amerikanisch geprägte Bluesrock aber meiner musikalischen Präferenz nicht entspricht, verzichtete ich darauf, besagte Combo fotografisch festzuhalten. Allenfalls ist zu sagen: Der Frontmann geht einem mit seinem gekünstelt wirkenden Gegrinse und Gezappel mal so was von auf den Zeiger, dass auch Leute, die von derartiger Musik eher positiv beeindruckt sind, besser Abstand von Filmaufnahmen nehmen und sich eventuell dann trotzdem mal eines der Alben anhören.

Besser waren da Ashesh & Nekhvam aus Nepal, die ebenfalls Bluesrock zelebrierten, sich aber größte Mühe gaben, sich das nicht anmerken zu lassen. Angekündigt als Jimi-Hendrix-Coverband feuerten sie stattdessen ein mal im Stoner Rock, mal im Bluesrock beheimatetes Klangfeuerwerk ab, das auch wegen des markanten Gesangs des Gitarristen Ashesh Dangol (die Namensähnlichkeit zu „Haschisch“ ist also natürlich nur Zufall; auf einem Hippiespektakel durchaus eine Seltenheit) mitunter die guten, alten Tage der Led Zeppelin heraufbeschwor. Getrübt wurde der Auftritt nur von den ziemlich miesen Klangeigenschaften der „Fabrik“, die die eigentlich ziemlich primaen Musiker wie durch ein dumpfes Kissen filterte. Der hallentypische Hall (heißt ja nicht umsonst so!) tat ein übriges; nicht so, dass es alles ruiniert hätte, aber man wäre schon gespannt gewesen auf eine etwas „reinere“ Darbietung des, nun ja, Dargebotenen.

Schwerer wogen die Qualitätseinbußen bei Vibravoid aus Düsseldorf, die das „Herzberg unterm Dach“ mit ihrem von den frühen Pink Floyd beeinflussten Psychedelic Rock beendeten und gleichzeitig ihre neue CD „Live at Burg Herzberg Festival 2011″, aufgenommen im Juli, mitbrachten, denn obwohl sie zweifelsohne zu dem Besten gehören, was Deutschlands Musikerszene momentan zu bieten hat, beeinträchtigten unabsichtliche Rückkopplungen und, wieder mal, der dumpfe Hall den Hörgenuss.

Das bedeutet allerdings nicht, dass man als Konsument keine Freude gehabt hätte an den Klangwänden, die die vier Musiker auf die versammelten Psychedelicfreunde losließen. Mitreißend nämlich waren sie (die Klangwände) stets. Hörbar profitiert hat von diesen Effekten gar das Abschlussstück, eine grandiose Version von Pink Floyds „Set The Controls For The Heart Of The Sun“, das Vibravoid bereits auf dem Burg-Herzberg-Festival 2011 spielten und das auf ihrem diesjährigen Album Minddrugs enthalten war:

Dass es sich um eine Coverversion handelt, bedeutet allerdings nicht bloße Kopie, denn Vibravoid spendierten dem Stück einen ausgedehnten Mittelteil aus Klangexperimenten, die sich harmonisch in das Gefüge der übrigen Stücke des Abends einfügten, denn experimentelle Klänge lieferten Vibravoid sozusagen im Minutentakt ab. Obwohl es bereits weit nach Mitternacht war, war an Schläfrigkeit nicht zu denken. Gegen 2 Uhr morgens schließlich verebbten die letzten Takte von „Set The Controls …“ und das festival war vorüber.

Natürlich ist das insgesamt keinesfalls mit dem „großen“ Burg-Herzberg-Festival vergleichbar, natürlich ist eine Nacht mit drei Musikgruppen, obendrein nicht einmal unter freiem Himmel, nicht genug, um des Blumenkindes Herz tagelang höher schlagen zu lassen. Als Ausklang des Festivalsommers 2011 aber konnte das „Herzberg unterm Dach“ voll und ganz überzeugen; und mindestens Vibravoid live erleben zu können ist den Besuch einer jeden Veranstaltung dieser Art wert.

Hin und wieder lohnt es sich eben doch, über den Tellerrand hinweg zu schauen.

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De Staat – Ah, I See

Guten Morgen, es ist Montag und die Rockmusik ist tot.

In den Niederlanden hat man davon zum Glück noch nicht viel bemerkt.

Die Musiker nennen sich „De Staat“, das Album heißt „Machinery“ und ist wirklich großartig.

Weiter so!

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Discorporate Records: Querschnitt 2011

Wer übrigens, wie so viele andere Menschen, am Sonntag noch nichts besseres vorhat, dem sei der diesjährige sampler der Plattenfirma Discorporate Records ans Herz gelegt, bei der unter anderem exzellente Musiker wie etwa The Season Standard unter Vertrag stehen. Wie viele andere Indielabels – wie auch immer man dieses „Indie“ zu definieren beliebt – gibt es sozusagen zum kostenlosen Anfixen (denn tatsächlich ist diese Art von Musik eher Droge als Konsumprodukt) gelegentliche Auszüge aus ihrem Katalog zum kostenlosen Runterholen.

Auf dem „Sampler 2011″, den übrigens ein wirklich hübsches Titelbild ziert, sind The Season Standard zwar nicht zu hören, wohl aber der ebenfalls großartige Ableger SchnAAk und Auszüge aus dem Debütalbum der Österreicher broken.heart.collector, das, nebenbei, gute Chancen hat, die diesjährige Jahresrückschau zu zieren.

Der ganze Spaß kostet nichts, jedes Lied ist auf bandcamp.com (scheint das neue MySpace zu werden) für lau anzuhören, herunterladen kann man das Gesamtarchiv ebenfalls ohne nötigen Obulus als MP3, FLAC, AAC oder wonach einem gerade der Sinn steht. Wer seine E-Mail-Adresse lieber nicht irgendwelchen obskuren Musikanbietern zur Verfügung stellt, der findet die MP3-Version auch bei eMule.

Wärmstens empfohlen!