Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den NachrichtenPiratenpartei
#Gruppe42, Piraten und Konzepte

Eines der Probleme, die das Konzept einer Partei mit sich bringt, ist es, dass früher oder später irgendjemand auf die Idee kommt, dass man auf alles zumindest eine Antwort haben müsste. Die momentane Entwicklung der Piratenpartei Deutschland hat einer der Gründer in einer E-Mail gestern auf den Punkt gebracht:

Im September 2006 entschlossen wir uns wohlüberlegt, eine Themenpartei zu gründen – in bewusster Abgrenzung von den Profischwätzern anderer Parteien, die von wenig eine Ahnung haben, aber zu allem einen kernigen Satz raushauen. Genau auf dem Kurs sind wir inzwischen.

Wir wollten eine Partei sein, die eigentlich nicht Partei sein wollte. Es ging bloß darum, dass die Parteistruktur Möglichkeiten eröffnet, die z.B. der CCC nicht hat. Dafür hat der CCC wiederum Möglichkeiten, die wir nicht haben. Der CCC kann von außen kompetent und sachlich einwirken, die Piratenpartei von innen verändern.

(…)

Die Piratenpartei hat sich schleichend zu etwas entwickelt, was mich nicht interessiert. Dumm sein kann ich allein, da brauche ich keine Partei.

(…)

Der aktuelle Höhenflug der Piratenpartei – über den ich mich prinzipiell freue! -, hat nicht zuletzt einen Grund: Wir sind oft genaus so hohlpopulistisch wie die anderen Parteien. Plötzlich erleben wir unsere Funktioniere im Smalltalk mit Günther Jauch über den Holocaust, ohne dass dabei piratige Positionen vermittelt würden. Mit Marina und Sebastian haben wir erstmals eine kamerataugliche Spitze, wohlgefallend am Bildschirm wie im Radio. Super eigentlich. Wir dürfen nur nicht vergessen, worauf es uns ankommt. Sympathisch sein und Volk einlullen?

Das sind klare Worte, aber sie sind sicher nicht zu hart gewählt. Der Spagat, den die Piratenpartei vollführen „muss“, ist ein weiter: Zum Einen besitzt ein Großteil ihrer Mitglieder nur ein eingeschränktes Interesse ebenso wie lediglich vollumfängliche Kenntnisse an beziehungsweise in wenigen Kernthemen, zum Anderen erwartet das Wahlvieh, an das sich ein Teil der Parteibasis mittlerweile anzubiedern versucht, eine Antwort auf alle Fragen, immerhin bieten diese alle anderen Parteien auch, und sei sie noch so wenig fundiert. Der Zwist zwischen Kernpiraten („Kernis“), deren Fokus auf den Gründungsthesen der Partei liegt, und Vollpiraten („Vollis“), die eine massentaugliche Allthemenpartei anstreben, ist mit Kompromissen nur unzureichend zu schlichten. (Warum jemand, der mit der Zielsetzung einer Partei nicht einverstanden ist, überhaupt zahlendes Mitglied wird, ist auch noch so eine Frage; wer sich um eine zukunftsfähige Gesellschaft bemüht, der tritt ja zum Beispiel auch nicht der CDU bei, nehme ich an.)

Um zu verhindern, dass in der Flut an neuen „Piratenthemen“ die Werte, für die der Name „Piratenpartei“ steht, nicht ertrinken, wurde in den vergangenen Wochen von ehemaligen Mitgliedern des Bundesvorstandes der Piratenpartei Deutschland und einigen weiteren Kernpiraten – insgesamt 42 von ihnen – die „Gruppe 42″ (wissenschon, die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest) ersonnen und gegründet, die sich dafür einsetzt, …

(…) dass der Gründungsgedanke der Piratenpartei — sowohl vom Umfang der Themen, als auch von ihrer Intention — in einer breiteren Piratenpolitik und im politischen Tagesgeschäft nicht nur erhalten bleibt, sondern weiter vertieft und in konkrete politischen Forderungen ausformuliert und umgesetzt wird.

In den Medien ist von einer „losen Vereinigung außerhalb der Partei“, einer Abspaltung also, die Rede; dabei spaltet sich niemand ab, sondern integriert sich bewusst. Die „Gruppe 42″ ist sozusagen eine innerparteiliche Opposition, analog zur „kommunistischen Plattform“ der Linkspartei vielleicht so etwas wie die „kernthematische Plattform“ der Piratenpartei Deutschland, die keinesfalls einen Graben schaffen, sondern vielmehr ein Forum für die Kernpiraten bieten soll, das in einer Phase wild wuchernder Programmerweiterung dringend vonnöten scheint, will man nicht diejenigen Piraten sich enttäuscht abwenden lassen, die einst Mitglied oder auch nur Sympathisanten wurden, weil jene Themen einmalig vertreten wurden und noch werden.

Damit steht die „Gruppe 42″ im Einklang mit der internationalen, von Skandinavien aus expandierten Piratenbewegung:

Wir sehen in der Piratenbewegung die einzigartige Möglichkeit eine neue Ära der Demokratie einzuleiten. Durch das Internet können alle Grenzen überwunden werden und die bereits begonnene Internetrevolution kann international fast uneingeschränkt vorangetrieben werden. Die Piratenpartei Deutschland ist einer der wichtigsten Antreiber dieser Zukunftsvision und sollte sich ihrer Bedeutung in der internationalen Piratenbewegung bewusst sein.

Von der Beliebigkeit, der politischen Normalität bleibt die Piratenpartei also weit entfernt. Die Presse allerdings sollte sich einmal entscheiden, was sie nun eigentlich propagieren will: Dass die Piratenpartei eine blöde Einthemenpartei und somit politisch irrelevant sei oder dass sie (wie seit Jahren) „kurz vor der Spaltung“ stehe, weil sie zu viele Themen vertrete – beides gleichzeitig geht halt nicht. Aber vielleicht sind meine Ansprüche an die Presse auch einfach nur zu hoch.

Ihre eigenen an sich selbst leider nicht.

In den Nachrichten
Medienkritik LXV: Die Netzgemeinde und wir

Eines dieser Ärgernisse, die den gesellschaftlichen Fortschritt in ein digitales Miteinander erschweren, ist ja dieses merkwürdige Selbstverständnis von Totholzjournalisten, die „das Internet“ für Google, Wikipedia, Facebook und Sascha Lobo halten und ansonsten stets eine Front herbeihalluzinieren, die nicht existiert: „Die im Internet“ und „die Gesellschaft“. Jüngster Spross dieser Wurzel ist dieser merkwürdige Artikel aus dem Hause Handelsblatt, der schon zu Beginn erfrischend daneben liegt:

Prominente Köpfe der Netzgemeinde behaupten, die Netzgemeinde gäbe es gar nicht. Weil die Mehrheit der Bevölkerung das Internet nutze, sei der Begriff überflüssig. Das ist falsch.

Das ist falsch.

Warum? Weil Autor Stephan Dörner das Internet nicht verstanden hat:

Auch meine Mutter nutzt das Internet – schon seit 1999. Sie schreibt E-Mails, kauft auf Ebay Reisen und liest Nachrichten auch online. Sie ist dennoch kein Teil der Netzgemeinde. (…) Weil der Begriff Netzgemeinde in der Regel eben nicht 74,7 Prozent der Bevölkerung meint, sondern diejenigen, die das Netz aktiv mittels Blogs und Twitter nutzen, um Ideen zu verbreiten und Kampagnen zu organisieren.

Ach so, Teil der „Netzgemeinde“ ist man nur, indem man bloggt oder twittert. Aktive Nutzer des Usenets etwa werden gänzlich ignoriert; „da ist ja gar kein blaues e dran, also ist das auch kein Internet“. (Schön wäre es ja, würde die Mehrheit des Volkes das Internet nutzen, aber sie beschränken sich weitgehend auf Mail und WWW und nutzen beide bevorzugt passiv.)

Dabei konnte das World Wide Web als wohl erfolgreichster Dienst des Internets überhaupt nur so groß werden, weil in seinen Anfangstagen bis zur „.com-Blase“ um die Jahrtausendwende herum ein Großteil seiner Nutzer gleichzeitig Produzenten waren. Das „Web“ ist ein Kommunikations- und kein statisches Informationsmedium.

Sicherlich ist das Definitionssache, aber das Wort „Netzgemeinde“ ist es ja auch: Bin ich Netzgemeinde, sind‘s meine Leser? Stephan Dörners Behauptung ist aber sogar nach seinen eigenen Maßstäben gänzlich Hirnbrei, denn man kann von Facebook halten, was man will, aber ich stelle die steile These auf, dass wirklich alle, die dort nicht nur als Karteileiche angemeldet sind, den Dienst zur Informationsverbreitung nutzen – wahrscheinlich (statistisch gesehen) auch Stephan Dörners Mutter.

Und da wird das Problem deutlich: Wo niemand außer Sascha Lobo „Netzgemeinde“ sein will, dort wird es schwierig, sie zu definieren. Warum überhaupt wird versucht, einen Sammelbegriff für diejenigen Internetnutzer zu finden, die nicht nur passiv Internet gucken, sie sozusagen als Sonderlinge zu kennzeichnen? (Im Internet (!) einen Artikel zu veröffentlichen, der Leute, die sich allesamt primär als Individuen betrachten und eine Unterscheidung zwischen „schreibt ins Internet“ und „nutzt das Internet“ prinzipiell ablehnen, pauschal als „die Netzgemeinde“ bezeichnet, ist übrigens auch nicht ganz frei von Komik.)

Die einzige Gemeinsamkeit derer, die die Medien als „Netzgemeinde“ bezeichnen, ist ein Internetanschluss, ob mobil oder stationär. Wenn das als Aufnahmekriterium genügt, ist „die Netzgemeinde“ ungefähr so sinnvoll wie „die Mineralwassergemeinde“.

Wer „Netz“ sagt, meint auch das Nichtnetz; oder, kurz und prägnant, eben auch: Netzgemeinde, Zeitungsgemeinde, Fernsehgemeinde, Faxgemeinde, Telefongemeinde, Gesprächgemeinde, Briefgemeinde, Höhlenmalereigemeinde my ass.

In den NachrichtenMusikalischesPolitik
Tom Waits – Rain Dogs

Jene, die mit meinen musikalischen Empfehlungen konfrontiert werden, attestieren mir mitunter ein fehlendes Gespür für die schöne Kunst und einen Hang zu möglichst Abstraktem. Dabei ist dem gar nicht so. Ich schätze jedoch Texte mit Tiefgang, eine extrovertierte Darbietung und komplexe Melodien.

Zum Beispiel „Rain Dogs“ von Tom Waits, enthalten auf dem gleichnamigen Album.

Hübsch, nicht? :)

(Mit spätem Dank an T.!)


Warum die F.D.P. am Wochenende nicht Philipp Rösler nominiert hat, sondern Carsten Maschmeyers persönlichen Freund Joachim Gauck, bleibt mir übrigens ein Rätsel, hat ersterer doch seine ihm offenbar von einer Mehrheit der Parteimitglieder zugetrauten Führungsqualitäten bereits erfolgreich unter Beweis stellen dürfen, immerhin gibt‘s die F.D.P. noch; aber sei‘s drum.

In den NachrichtenPolitik
Noch ein letztes Wort zu Wulff

Schade.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt LXXXIII: Millionäre gegen Reichensteuer

Oha, die CDU gibt sich liberal:

Merkel lehnt Abgabe für Kinderlose ab

Weil halt:

Angela Merkel (…) ist verheiratet, aber kinderlos geblieben.

Natürlich kann ich mir diesen Zusammenhang auch einfach nur herbeifantasiert haben, immerhin sprechen sich auch CDU-Mitglieder mit Kindern dafür aus, dagegen zu sein, zum Beispiel Jungmutter Kristina Schröder, die lieber „Kinderwünsche befördern“ als „Kinderlosigkeit bestrafen“ lassen würde; was halt irgendwie auf dasselbe hinausliefe, nämlich eine Bevorteilung derer, die Nachwuchs haben, woher und warum auch immer. Kinder sind dann nicht mehr nur – nach Borwin Bandelow – der verlängerte Arm des eigenen Narzissmus‘, sie sind obendrein der Garant für eine soziale Besserstellung, obgleich diejenigen, die kinderlos sind, mitunter nicht mal etwas dafür können. Mitgefangen, mitgehangen?

Apropos Nachwuchsförderung, Käpt‘n Offensichtlich schlägt wieder zu:

US-Psychologen haben Dating-Seiten jetzt wissenschaftlich untersucht und kommen zu einem vernichtenden Urteil: Die Versprechen der Anbieter sind kaum haltbar.

Bedeutet das etwa, dass man auf diesen Partnerbörsen gar nicht unbedingt die Liebe des Lebens finden können muss? Unfassbar! (Wie diese „wissenschaftlichen Untersuchungen“ genau aussehen, steht in der umfassenden Studie wahrscheinlich ungefähr drin, da ich sie aber bislang nicht gelesen habe, vermute ich einfach mal, die Forscher haben versucht, fündig zu werden, sind daran gescheitert und lassen ihren Unmut darüber jetzt an den Flirtportalen aus.)

Wenn sie wenigstens etwas herausgefunden hätten! Haben sie aber nicht:

“Es bleibt unklar, ob der Grad der Ähnlichkeit bei einem Paar etwas damit zu tun hat, wie erfolgreich eine Beziehung im Laufe der Zeit ist“, sagt Finkel.

Mit anderen Worten: Vielleicht sind die Algorithmen der Partnersuchprogramme sinnvoll, vielleicht auch nicht. Und dafür wurden nun mehrere Forscher über einen längeren Zeitraum bezahlt?

“Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…“

In den NachrichtenPolitik
Schmalhans des Tages: Wolfgang Bosbach, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 3 von 3 der Serie Schmalhans des Tages

Nicht per Twitter (neumodisches Teufelszeug!), sondern ganz klassisch in die Totholzmedien hinein sonderte Wolfgang Bosbach, Innenpolitiker (aber ganz tief drin) und gegenwärtige Oberquatschnase der CDU, anlässlich der jüngst stattgefunden habenden Gegen-ACTA-Proteste folgenden Quark ab:

Was im realen Leben verboten ist – das Kopieren fremden geistigen Eigentums –, muss auch im virtuellen Leben verboten sein“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Montag). (…) „Die ACTA-Kritiker müssten sagen, wie sie das sicherstellen wollen“, forderte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses vor allem in Richtung von Piratenpartei und Grünen, die die Anti-ACTA-Proteste unterstützen.

Dass Wolfgang Bosbach nicht so recht verstanden hat, wo eigentlich das Problem mit ACTA und dergleichen liegt, ist wohl jedem klar, der in den letzten Tagen ab und zu mal die Inlandsnachrichten jenseits der Klatschspalten begutachtet hat und nun mit obiger Forderung konfrontiert wird; den etwas Langsameren (CDU) hilft es vielleicht, greift man Herrn Bosbachs höchsteigene Parallele auf: Wenn ich Tante Erna eine Zeitungsartikelkopie und ein Volksmusik-Mixtape schicke, schraubt mir niemand dafür den Briefkasten ab.

Lieber eine schlechte als gar keine Lösung; wer etwas zu meckern hat, der soll‘s halt besser machen – was auch immer er damit meint: Konstruktive Vorschläge, das Urheberrecht zu reformieren statt es zu zementieren, gab und gibt es in vielfacher Ausführung, sie scheitern jedoch stets am Widerstand der herrschenden Parteien, etwa der CDU (Wolfgang Bosbach).

Natürlich weiß Herr Bosbach das, es hält ihn dennoch nicht davon ab, unkundigen Bürgern weismachen zu wollen, die Protestanten seien einzig an der Legalisierung ungesetzlichen Tuns interessiert. Die Kriminalisierung unbescholtener Bürger ist bei ihm und seinen Freunden aus der Medienindustrie ja längst das Mittel zum Zweck.

Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

In den NachrichtenMusikalischesPolitik
Talking Heads – Burning Down the House

Das haben wir jetzt davon:

Bei gewaltsamen Protesten gegen den radikalen Sparkurs sind in Athen mehr als 80 Menschen verletzt worden. (…) Cafés, Geschäfte und historische Kinos standen am Sonntag in Flammen, als vermummte Randalierer im Zentrum der Hauptstadt mit Brandsätzen und Steinen warfen.

Da höre ich doch lieber noch ein wenig Musik:

People on their way to work -
and, baby, what did you expect -
gonna burst into flames;
ah, burning down the house …

Einen angenehmen Montag wünsche ich.

In den NachrichtenPolitik
Ad ACTA gelegt

Den Witz aus der Überschrift hat, unfreundlicherweise, Bov Bjerg vor mir gemacht, aber besser hätte ich es nicht beschreiben können: Deutschland mag ACTA jetzt doch nicht mehr.

Deutschland wird vorerst das ACTA-Abkommen nicht unterzeichnen. Das Auswärtige Amt habe die Weisung zurückgezogen, wie dpa (sic!) twitterte.

Damit ist das Kapitel ACTA vorerst beendet. „Vorerst“ bedeutet hier, dass sich alle beteiligten Länder wohl inzwischen darüber einig sind, dass ACTA in der vorliegenden Form niemals hätte ratifiziert werden sollen. Anders gesagt: ACTA wird voraussichtlich das Schicksal der Vorratsdatenspeicherung erleiden, man wird es mehrfach redigieren, womöglich umbenennen und in einem unbeachteten Moment doch noch durchdrücken. Die kommende Fußballweltmeisterschaft bietet sich an.

Das ärgert natürlich vor allem die entschlossenen ACTA-Gegner, denn die für morgen geplanten Demonstrationen haben somit ihr Ziel verloren. Gegen ein Gesetz zu demonstrieren, das der Staat nicht mehr beschließen will, erscheint mir ein wenig dämlich.

Aber weil man sich schon so lange darauf gefreut hat, endlich in der Kälte herumstehen zu dürfen, um hinterher einen Grund zu haben, sich mit Glühwein zu besaufen, wird natürlich trotzdem demonstriert. Das tote Pferd wird so lange getreten, bis irgendjemand wiehert.

Die ACTA-Demonstrationen verstehen sich als überparteilich, NPD-nahe wie auch diverse linke Gruppen haben ebenso wie Amnesty International ihre Unterstützung zugesichert. Auf der „Aktiven“-Mailingliste der niedersächsischen Piratenpartei wurde ebenfalls vorhin für den Tritt geworben:

ich hoffe, Ihr seid morgen alle auf der Straße

Ich antwortete auszugsweise neben oben bereits geschilderter Befürchtung betreffs einer kommenden Neuauflage von ACTA dies:

Interessehalber: Wogegen? Dagegen, dass Deutschland vorerst nicht unterschreibt? Die Forderung lautet also, dass Deutschland noch nichter unterschreiben soll als es das eh‘ schon nicht tut? Wat?

“Vorerst vom Tisch“. Ja. Strengt doch bitte mal eure ratio an: Vorerst besteht also kein Grund zur Sorge, noch vomtischer als „vom Tisch“ geht nicht. Wenn ihr JETZT protestiert, wird das verpuffen, denn es gibt nichts mehr, was ihr fordern könnt. Vorerst.

Ihr könnt jetzt sagen „wir wollen kein ACTA“, dann wird Deutschland sagen, ja, kriegt ihr doch eh‘ nicht, also wo ist das Problem?

Dass ich für diese eher distanzierte Haltung zu den auch weiterhin sinnfreierweise unter „Stopp ACTA“ geführten Demonstrationen diverse Schelte einstecken durfte, soll hier gar nicht weiter das Thema sein: Ich habe Verständnis dafür, dass bei manchen Menschen – auch Piraten – der Beißreflex einsetzt, wenn die Sinnlosigkeit des eigenen, vom menschlichen Herdentrieb geleiteten Tuns offenbart wird.

Das Problem ist aber gar nicht ACTA, unter welchem Namen auch immer es gerade daherkommen mag – das Problem sitzt tiefer.

Gegen ACTA, SOPA, PIPA und sonstige Abkürzungen zu protestieren gleicht dem Kampf gegen die Hydra: Schlägt man einen Kopf ab, wachsen sogleich neue. ACTA nachhaltig aufzuhalten und aus der Erinnerung jedes Menschen zu löschen, der irgendwas mit Politik zu tun hat, ist ein interessantes und sicher auch erstrebenswertes Ziel, aber es beseitigt nur die Symptome, nicht jedoch die Ursache, die da heißt: Lobbyarbeit.

ACTA und seine Geschwister sind nur möglich, weil eine arrogante Industrie, die sich jeden Anwalt der Welt mühelos leisten kann, es schafft, jahrzehntelang ihre Kunden gegenüber dem Staat als eine räuberische Bande darzustellen, vor der sie unbedingt (finanziellen) Schutzes bedarf.

Dabei hat das nicht mal etwas mit dem Internet zu tun: Schon, als bespielbare Audiokassetten erschwinglich wurden, sahen die Plattenfirmen ihr Geschäftsmodell bedroht. Das war, wir erinnern uns, vor ungefähr vierzig Jahren. Heute tauscht die Jugend aber nicht mehr Kassetten, sondern USB-Sticks oder gleich per Bluetooth. Die Empfänger der getauschten Ware Musik müssen dann natürlich keine CDs mehr kaufen, tun es aber bei Gefallen trotzdem. Da ist es nur logisch (in der merkwürdigsten mir bekannten Definition von „logisch“), dass die Umsätze der Musikindustrie steigen werden, wenn man im Internet ‘n bisschen härter durchgreift.

Marina Weisband so:

Schlage Experiment vor: Wir schalten für eine Woche „das Internet“ ab und warten, ob bei den Künstlern das Geld nur so in die Kassen strömt.

Der Markt für digitale Musikübertragung, etwa per Streamingdiensten, wächst kontinuierlich, trotz GEMA auch in Deutschland, und dabei bekommen die Rechteverwerter einen recht großen Teil des Kuchens ab. (Was die Künstler am Ende erhalten, steht ja auf einem ganz anderen Blatt.) Böses, böses Internet.

Aber ich schweife ab. ACTA ist tatsächlich in Deutschland nicht nur gefährlich, sondern obendrein vollkommen wirkungslos, denn die enthaltenen Forderungen sind bereits Teil deutscher Legislatur. Das ist es, wogegen man demonstrieren sollte. Es erschüttert mich, dass ACTA so große Wellen schlägt, die koordinierten Massenproteste, als die enthaltenen Regelungen in die deutsche Gesetzgebung einflossen, aber gänzlich ausblieben.

Wir können gern jedes Jahr auf die Straße gehen, Schilder in die Luft heben, wütend mit den Armen herumfuchteln und sogar Petitionen unterzeichnen, bis uns (wegen der Kälte) die Finger abfallen, aber alles, was wir damit erreichen können, ist, dass die Hydra einen neuen Kopf bekommt. Der gleiche Mist in neuer Farbe, und alles geht von vorn los.

Wogegen deshalb um so energischer demonstriert werden muss, ist die gierige Content-Industrie. Zum Vergleich: Miele hat einen höheren Jahresumsatz als die Musikindustrie, erstaunlicherweise sind Gesetze wie etwa ein Verbot, seine Miele-Waschmaschine zu verleihen, trotzdem noch nicht erlassen worden; immerhin entgeht Miele so ein Gewinn, da der Beliehene sich keine eigene Waschmaschine kaufen muss. (Eigentlich sollte die Musikindustrie ja mal was gegen Miele unternehmen, deren Waschmaschinen erzeugen immerhin in Konkurrenz zur gegenwärtigen Popmusik stehende, obendrein auch länger andauernde Geräusche.)

Aber niemand geht gegen die Wurzel auf die Straße. Man hackt lieber Äste ab und freut sich, dass sie wieder nachwachsen – so hat man wenigstens immer etwas zu tun.

Hoffentlich wird es morgen kalt.

In den Nachrichten
Äppel statt Büchers

Eine ganz tolle Neuigkeit dringt da aus der Region Braunschweig herüber:

Apple hat angekündigt, mit iPads und iBooks die Klassenzimmer erobern zu wollen.

iBooks würden ideal in heutige Schulen passen, sechs Jahre alte Hardware ist in deren „Computerräumen“ ja durchaus nicht unüblich, wahrscheinlich waren aber MacBooks gemeint. Kann man ja mal verwechseln, wenn man Apple ist.

Die IGS Volkmarode ist die erste Schule in Niedersachsen, in der Schüler schon mit den kleinen Tablet-Computern arbeiten.

“Arbeiten“; na denne. Sind mit den „kleinen Tablet-Computern“ jetzt eigentlich die iPads oder die MacBooks gemeint? So ein MacBook Air ist ja auch nicht gerade klein.
Aber die inneren Werte zählen:

Schulleiter Christian Düwel nennt die Vorteile der handlichen Computer: „Anders als andere Rechner müssen Tablet-Computer nicht erst lange hochgefahren werden. Man stellt sie an und ist sofort online. Der Aufwand ist minimal und die Bedienung sehr einfach.“

Ein „gesundes“ Windows 7 benötigt zum Starten weniger als eine Minute. „Weniger als eine Minute“ ist allerdings, das verstehe ich, deutlich länger als „sofort“, und im Unterricht kommt es auf jede Sekunde an, die die potenziellen Applekunden im Internet verbringen können. Natürlich nur zur Recherche:

(…) „Über das Internet holen wir die Welt ins Klassenzimmer. Die Recherchemöglichkeiten sind unbegrenzt, das ist natürlich faszinierend“, schwärmt der Schulleiter. Zudem gebe es zahlreiche Anwendungen, die man nutzen könne. Im Musikunterricht könnten die Schüler beispielsweise mit einer App selber Lieder komponieren: „Ob Rap-Song oder Saxophon-Solo – jeder nach seinem Geschmack und jeder in seinem eigenen Lerntempo.“ Die Ergebnisse werden dann per Mausklick untereinander ausgetauscht.

“Oooh, was es da alles zu sehen gibt!“
– Dagobert Duck bei seinem ersten Aufenthalt im Internet

Natürlich würde kein Schüler auf die Idee kommen, einmal nachzusehen, ob im Internet auch unterrichtsferne Inhalte zu finden sind. Flash kann das iPad zum Glück ohnehin nicht, Pornostreaming fällt also aus. Mich beschleicht anhand seiner Schilderung allerdings eine leise Ahnung, dass Herr Düwel, verglichen mit seinen Schülern, ein Internetnovize ist und vor allem davon ausgeht, dass das, was die Lehrkraft im Unterricht vorführt, auch von allen anderen Anwesenden ohne Umschweife wiederholt wird.

Aus ähnlichem Grund waren in meiner Schulzeit die Computerräume meist besetzt; oft auch dann, wenn dort gar kein Unterricht stattfand. Diese wissbegierige Jugend – nicht einmal Freistunden vom Lernen gönnt sie sich!

Insbesondere werde diskutiert, welchen pädagogischen und didaktischen Vorteil iPads im Unterricht hätten.

Ein Vorteil liegt klar auf der Hand: Die Störer, die nur ihre Pflichtzeit in der Schule absitzen wollen, halten im Unterricht endlich mal die Fresse und widmen sich sogar dem Lehrmaterial. (Apropos, auch recht lesenswert: „Am besten verzichten [um ihre Privatsphäre besorgte Menschen] darauf, ein Mobiltelefon mit sich herumzutragen – insbesondere ein Smartphone. Denn die Gesetzgebung hat noch nicht mit der Tatsache Schritt gehalten, dass wir Peilsender kaufen, mit denen wir auch telefonieren können.“)

Anders als in den USA, wo Hersteller Apple neuerdings mit großen Schulbuchverlagen zusammenarbeitet, wollen die deutschen Verlage nicht mitziehen. Sie haben eine eigene Plattform entwickelt, auf der sie digitale Schulbücher anbieten wollen. (…) Beim Braunschweiger Schulbuchverlag Westermann war am Dienstag zu diesem Thema niemand zu erreichen.

“Wat? Indernett? Machenwa nicht. *klick*“

Düwel ist inzwischen restlos überzeugt vom iPad. Ihm wäre es am liebsten, wenn jeder Schüler sein eigenes Gerät hätte.

iPads für alle! Schüler zu mündigen Menschen erziehen und sie mit Medienkompetenz ausstatten ist halt Sache der Eltern, nicht der Schulen. „Sapere aude“, das gehört in den Geschichtsunterricht, aber doch nicht in eine moderne, unabhängige, aufgeklärte Schule! iPads sind gut, iPads sind die Zukunft, da können‘se jeden Computerfachmann fragen. Android? Ach was, Frickelkram. Außerdem sind die Schüler ganz verrückt nach dem angebissenen Apfel – die werden schon wissen, was gut ist. „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“, und im Leben zählt nun einmal oft die Brieftasche.

Aber wer soll das bezahlen?

Aber wer soll das bezahlen? Die 20000 Euro für den ersten Klassensatz hat die Stadt übernommen – die Schule verzichtete dafür auf neue Laptops für den EDV-Raum.

Hoffentlich müssen die Nachwuchstalente nicht irgendwann mal Briefe schreiben lernen, denn ohne eine angemessene Tastatur macht das keinen Spaß, auch nicht mit meinem leider noch nicht patentierten Vierfingersystem. (Einer der Gründe, wieso ich oft etwas länger an neuen Artikeln feile, statt sie gleich zu veröffentlichen: Auf meinem smartphone möchte ich nichts schreiben müssen, was komplexer ist als ein Tweet.)

Die iPad-Freunde hoffen nun, dass das Budget entsprechend erhöht wird und keiner der Entscheider mal auf die Idee kommt, Preise zu vergleichen und womöglich festzustellen, dass iPads nicht nur technisch, sondern auch preislich mit gleich- oder höherwertigen Android-Tablets nicht mithalten können.

Andernfalls müssten die Eltern die Kosten tragen – mehrere hundert Euro pro Gerät. „Das können nicht alle Eltern leisten, und wir wollen auch niemanden ausschließen“, betont Düwel. Derzeit werde nach einer Lösung gesucht. (…)

Dabei liegt diese Lösung doch auf der Hand: Eltern, die sich den technischen Firlefanz nicht leisten können oder wollen, werden eben dezent, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass ihr Kind für diese Schule vielleicht doch nicht so gut geeignet ist. Man könnte aber auch einfach beim Steuerzahler die Hand aufhalten. An finanziellen Mitteln für die Anschaffung unnötigen Blödsinns mangelt es der öffentlichen Hand ja interessanterweise nie, zu pleite für humanitäre Hilfseinsätze ist Deutschland wohl noch lange nicht. Was sind da schon ein paar iPads?

Inwiefern nun zum Beispiel apps, die auf Berührung Geräusche von sich gibt, das Erlernen eines Musikinstruments erübrigen sollen, weiß Herr Düwel leider nicht vorzubringen, aber wen interessiert das heute noch? Wer nach dem Warum fragt, ist von gestern, wurde von der Digitalisierung abgehängt und sollte schleunigst in Rente gehen. Alle machen‘s jetzt so, also ist es gut.

“Liebe Güte, Samson!“
– Trixi, c/o „Chip & Chap“

In den NachrichtenPolitik
Lecker Merkollade

So‘n Pech:

Die französische Präsidentschaftswahl findet am 22. April und am 6. Mai statt. Laut Umfragen liegt Hollande in der Wählergunst derzeit vor Sarkozy.

Wo die zwei Wochen zwischen der Wahl herkommen, weiß ich nicht – von französischer Politik habe ich nur wenig Ahnung. Es bereitet mir aber ein wenig Sorge, dass demnächst vielleicht „Merkozy“ Geschichte sein wird. Die Frage hier soll doch stets lauten: Und dann?

Hier mein Vorschlag:

Gibt es bessere?

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXXII: Was wirklich zählt

Dass die Begeisterung junger Mädchen für Filmberühmtheiten seit Jahrzehnten ungehindert bleibt, ist andererseits ganz gut, denn so können diese, sich ihrer Vorbildfunktion meist bewusst, ihnen Werte vorleben, die sie zu vollwertigen Mitgliedern einer zivilisierten Gesellschaft machen.

Sie können, müssen aber nicht:

Hollywood-Schauspielerin Drew Barrymore freut sich sehr über den Antrag ihres Freundes Will Kopelman. Vor allem, weil er bei der Auswahl des vierkarätigen Verlobungsrings so guten Geschmack bewiesen hatte.

Klar, die inneren Werte zählen, zum Beispiel die des Rings:

“Er (der Ring, A.d.V.) ist einfach wunderschön. Er hat ihn (den Ring, A.d.V.) ausgesucht und er hat einen großartigen Geschmack. Er (der Ring, A.d.V.) ist wirklich extravagant. Ich bin eher ein flippiges Mädchen, das verschiedene Dinge gerne zusammenmischt, deshalb habe ich das Gefühl, er (der Ring, A.d.V.) ist wirklich extravagant und ich versuche noch, mich damit (mit dem Ring, A.d.V.) wohlzufühlen“, so die 36-jährige Barrymore, die bereits zwei Mal verheiratet war, in einem US-Fernsehinterview.

Sich mit einem Verlobungsring wohlzufühlen scheint anstrengend zu sein; das mit der ewigen Treue allerdings auch.
Ein neues hobby reicher Schauspielerinnen: Extravagante Ringe sammeln.

“The boy with the cold hard cash is always Mister Right.“
– Madonna: Material Girl

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXXI: Eiskalt erwischt: Passagiere auf der Rodelbahn

Na endlich:

Auf den Gleisen der Deutschen Bahn kommt es offenbar durch die Kälte wieder zu Problemen mit festgefroren (sic!) Weichen. Am Donnerstagmorgen blieb ein Regionalexpress in Richtung Düsseldorf aufgrund einer Weichenstörung am Duisburger Hauptbahnhof stehen. Es kam zu weiteren Verspätungen.

Das wurde auch Zeit – fast hätten wir seit Jahren den ersten Winter ohne Zugausfälle ertragen müssen. Ein undenkbarer Zustand. Die Infrastruktur der Deutschen Bahn ist auf ungewöhnlich normale Temperaturen nicht vorbereitet; oder eben auch:

Früher hätt‘s das nicht gegeben!

In den Nachrichten
“… wie Journalismus heute funktioniert“

Wer die „Huffington Post“ nicht kennt, für den zitiere ich gern zeit.de:

Jetzt(…) gilt die Web-Zeitung als eine aufstrebende Macht im amerikanischen Journalismus. (…) In der Huffington Post behielt Huffington zwar ihre liberale Ausrichtung, vor allem gelang es ihr aber, das Portal zu einer Art „digitaler Speakers‘ Corner“ für politische Diskussionen zu machen. (…) Obwohl ein großer Teil der Inhalte seichte Ratgeber-Artikel sind, habe Huffington verstanden, wie Journalismus heute funktioniert, lobte sie der Onlinemedien-Guru Jeff Jarvis.

Wie Journalismus heute funktioniert:

Wird Katy Perry Russell Brand auch auf Facebook entfreunden? Bleiben Sie dran für weitere erschütternde Nachrichten!

(Eigentlich könnten wir uns ja glücklich schätzen, denn wenn das das Vorzeigemedium des US-amerikanischen Journalismus‘ ist, sind wir immer noch gut bedient. Na ja: Eigentlich.)

In den NachrichtenMusikkritik
AbACAB

Interessant ist übrigens auch diese Meldung:

ACAB (…) steht für „All Cops are Bastards“. Das ist mittlerweile weithin bekannt.

Und dem 36jährigen Ronny K., der am Mittwoch wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht Regensburg stand, mochte man es nicht so recht abnehmen, als er sagte: „Das sind Buchstaben aus dem deutschen Alphabet. Die können viel bedeuten.“

Die Regensburger Staatsanwaltschaft hatte dem arbeitslosen Bürokaufmann einen Strafbefehl wegen zweifacher Beleidigung zukommen lassen, weil er sich im vergangenen Jahr mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Copacabana“ am Hauptbahnhof aufgehalten hatte.

So weit, so blöde; aber, Regensburger Staatsanwaltschaft, macht doch gleich Nägel mit Köpfen. Vor 31 Jahren veröffentlichte die Musikgruppe „Genesis“, nur wenige Jahre zuvor noch eine Größe des Progressive Rocks, das wirre, unausgegorene Musikalbum „Abacab“; ja, richtig: Abacab. Nachdem bis heute niemand so recht weiß, was Stücke wie das merkwürdige (aber immer noch vergleichsweise erträgliche) „Who Dunnit?“ (verdächtiger Titel auch: „Wer war‘s?“) eigentlich bedeuten sollen, schlage ich vor, das Album sicherheitshalber beschlagnahmen zu lassen. Phil Collins nervt.

Übrigens:

Das T-Shirt bleibt in Gewahrsam der Justiz.

Hoffentlich in einer Einzelzelle ohne Freigang!

In den NachrichtenPolitik
Der Kampf geht weiter

Oh, was lässt das Auswärtige Amt („AA“, hihi) denn da in der Kategorie „Friedenspolitik“ verlauten? Deutsche Panzer rollen weiter, dem Wachstum der Rüstungsindustrie zuliebe:

Am 26. Januar hat der Bundestag beschlossen, dass das ISAF-Mandat der Bundeswehr in Afghanistan bis zum 31. Januar 2013 verlängert wird.

Nachdem sie alles kurz und klein geschossen und massenhaft Zivilisten gemeuchelt haben, ja, nicht einmal mehr der Auslöser für den Einsatz noch existiert, ist das natürlich eine gute und richtige Entscheidung; sozusagen als Belohnung für die hervorragende Arbeit:

(…) Die deutschen Soldaten hätten – wie auch die Entwicklungshelfer und Diplomaten – in Afghanistan unter schwierigen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet(…).

Die bisher mit Abstand größte Zahl von Opfern durch einen Einsatz der ISAF war Folge einer Bombardierung durch US-Flugzeuge am 4. September 2009, die von Deutschen angefordert worden war. Nach NATO-Einschätzung wurden dabei bis zu 142 Menschen, darunter auch Kinder, getötet oder verletzt. Gute Arbeit, meine Herren! (Apropos: „Unter schwierigen Bedingungen“ hatte doch auch Frhr. v.u.z. Guttenberg „seine“ „Doktorarbeit“ „angefertigt“, oder?)

Natürlich weiß das Auswärtige Amt, dass die deutschen Bürger teilweise nicht doof sind, und versucht es mit einer Erklärung, die die Konservativen unter den Wählern zufriedenstellen sollte:

So gebe es Fortschritte bei der Sicherheitslage, dem Wiederaufbau und beim Kampf gegen den Terrorismus.

Mehr Sicherheit! Weniger Terrorismus! Mal was anderes als immer nur „das böse Internet“, immerhin. Hierzu nur zwei Anmerkungen:

  1. Die Bundeswehr hat „in internationalem Auftrag“ ein Land zu zerstören geholfen, das diese Hilfe gar nicht wollte. Ausländer, die ungebeten Anschläge verüben, bei denen bislang einige Tausend Menschen gestorben sind – wenn Afghanen das in den USA machen, ist es Terrorismus, wenn die USA das in Afghanistan machen, ist es ein Hilfseinsatz. Schön, dass wir mal darüber geredet haben.
  2. Der „Wiederaufbau“ wäre nicht notwendig, wenn man nicht vorher alles kaputtgeschossen hätte. So schafft man sich also die Grundlagen, die das eigene Handeln rechtfertigen: „Wenn es nach uns ginge, wären wir gar nicht in Afghanistan, aber wir haben alles zerstört, so können die doch nicht leben!“ – Natürlich auch weiterhin: Hilfe nur mit Panzern und Gewehren. Für die Sicherheitslage, wissenschon.

Denn eigentlich will man gar nicht in Afghanistan sein:

(…) Deutschland handle entsprechend der international vereinbarten Strategie, die auf die schrittweise Übergabe der Verantwortung und schrittweise Reduzierung der internationalen Truppen in Afghanistan setzt.

Manche schreiten eben etwas langsamer voran als andere. Auch geistig:

“Wir dürfen weder das bisher Erreichte noch die Sicherheit unserer Truppen aufs Spiel setzen“, betonte der Bundesaußenminister. Sehr wichtig seien Fortschritte bei der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte und beim politischen Prozess.

Die Sicherheit von Truppen ist am ehesten gewährleistet, wenn man sie noch ein paar Monate länger in ihren Panzern durch ein vermintes Land gurken lässt, statt sie nach Hause zu schicken. Guckt doch mal in die Zeitung, wie viele Leute pro Tag in Deutschland sterben! Das wäre unverantwortlich!

Das „bisher Erreichte“ – ein weitgehend zerstörtes Land ohne eigene Innen- und Außenpolitik und mit totem oder traumatisiertem Zivilvolk – kann der Bundeswehr aber niemand nehmen. Keine Sorge. Vielleicht gibt es ja dafür noch ein paar Orden – in „Grand Theft Auto“ gibt es ja auch Bonuspunkte, wenn man einen Kinderwagen zusammen mit der Mutter über den Haufen fährt. Das ganze Leben ist ein Spiel…

Ach, jetzt sind schon wieder so viele Sätze ohne „Terrorismus“ gefallen, das kann nicht so bleiben:

(…) „Wir tun alles dafür, damit Afghanistan nicht erneut in Chaos und Bürgerkrieg versinkt und Rückzugsort für internationale Terroristen wird“, unterstrich Westerwelle. Das liege auch in unserem eigenen Sicherheitsinteresse.

Die internationalen Terroristen kommen dann halt lieber hierher, sagen die Innenpolitiker. Vielleicht sollten die Ministerien sich besser absprechen. (Mein Sicherheitsinteresse hätte mit einer Ansammlung internationaler Terroristen in Afghanistan übrigens ein geringeres Problem als mit der Stationierung deutscher Auftragsmörder „in meinem Namen“ ebendort.)

Man habe auf diesem Weg Fortschritte gemacht – bei allen Problemen und bei allen Rückschlägen, mit denen leider auch weiter zu rechnen sei.

“Rückschläge“. Aber immerhin: Fortschritte!

Krieg reicht aber nicht, hat selbst Herr Westerwelle erkannt:

(…) Am Ende werde es in Afghanistan nur eine politische Lösung geben.

So sieht es aus: Die Endlösung kann nur politisch erfolgen. Vielleicht sollte man, so lange man eh‘ noch in dem Land ist, gleich Nägel mit Köpfen machen und alles, was mindestens halbafghanisch ist, in Arbeitslager stecken – dann kommen die gar nicht erst auf die Idee, Dummheiten zu machen. Problem gelöst, nicht wahr?

“Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“
– George Santayana