Archiv für die Kategorie ‘Fotografie’.

Wann immer ich etwas fotografiere und das entstandene Foto für einen Artikel verwende, landet der Artikel hier. Vorsicht, ich bin ein wirklich sehr, sehr schlechter Fotograf.

FotografieKaufbefehleMusikkritik
Herzberg unterm Dach

Buntes AllerleiWährend das Burg-Herzberg-Festival nach Jahrzehnten des Bestehens eine gewisse Bekanntheit erlangen konnte, ist der Ableger „Herzberg unterm Dach“, eine ebenfalls jährliche, aber nur einnächtige Veranstaltung, noch immer ein Geheimtipp. Selbigen allerdings nutzte ich, um mich am Abend des 9. September dort einzufinden. In diesem Jahr fand das „Herzberg unterm Dach“ in der „Fabrik“, also einer (offenbar stillgelegten) Fabrik in Hamburg-Altona, statt. Bereits vor dem Beginn – der Einlass begann gegen 19 Uhr, das eigentliche festival gegen 20 Uhr – inspizierte ich, wie es so meine Art ist, zuerst einmal das angereiste Publikum.

Eine Überschneidung mit der Klientel des anderen diesjährigen Musikfestes konnte ich nicht vorstellen, denn mittelalterlich gekleidet war niemand, stattdessen lief man in allerlei psychedelisch kolorierten Klamotten herum. Diverse Haschischschwaden später begann dann der Einlass, und die kleine Fabrik füllte sich; „füllte“ allerdings wäre wahrlich etwas viel gesagt, denn sowohl auf den Sitzrängen als auch auf der Tanzfläche vor der Bühne war noch reichlich Platz, der im Laufe des Abends allerdings erst knapper und dann wieder weniger knapp wurde.

Mit Heimvorteil eröffnete die Hamburger Combo Cosmic Finger, in der Tradition der Grateful Dead (von den Veranstaltern konsequent falsch „Grateful Death“ genannt, stehend, den Abend. Da dieser US-amerikanisch geprägte Bluesrock aber meiner musikalischen Präferenz nicht entspricht, verzichtete ich darauf, besagte Combo fotografisch festzuhalten. Allenfalls ist zu sagen: Der Frontmann geht einem mit seinem gekünstelt wirkenden Gegrinse und Gezappel mal so was von auf den Zeiger, dass auch Leute, die von derartiger Musik eher positiv beeindruckt sind, besser Abstand von Filmaufnahmen nehmen und sich eventuell dann trotzdem mal eines der Alben anhören.

Besser waren da Ashesh & Nekhvam aus Nepal, die ebenfalls Bluesrock zelebrierten, sich aber größte Mühe gaben, sich das nicht anmerken zu lassen. Angekündigt als Jimi-Hendrix-Coverband feuerten sie stattdessen ein mal im Stoner Rock, mal im Bluesrock beheimatetes Klangfeuerwerk ab, das auch wegen des markanten Gesangs des Gitarristen Ashesh Dangol (die Namensähnlichkeit zu „Haschisch“ ist also natürlich nur Zufall; auf einem Hippiespektakel durchaus eine Seltenheit) mitunter die guten, alten Tage der Led Zeppelin heraufbeschwor. Getrübt wurde der Auftritt nur von den ziemlich miesen Klangeigenschaften der „Fabrik“, die die eigentlich ziemlich primaen Musiker wie durch ein dumpfes Kissen filterte. Der hallentypische Hall (heißt ja nicht umsonst so!) tat ein übriges; nicht so, dass es alles ruiniert hätte, aber man wäre schon gespannt gewesen auf eine etwas „reinere“ Darbietung des, nun ja, Dargebotenen.

Schwerer wogen die Qualitätseinbußen bei Vibravoid aus Düsseldorf, die das „Herzberg unterm Dach“ mit ihrem von den frühen Pink Floyd beeinflussten Psychedelic Rock beendeten und gleichzeitig ihre neue CD „Live at Burg Herzberg Festival 2011″, aufgenommen im Juli, mitbrachten, denn obwohl sie zweifelsohne zu dem Besten gehören, was Deutschlands Musikerszene momentan zu bieten hat, beeinträchtigten unabsichtliche Rückkopplungen und, wieder mal, der dumpfe Hall den Hörgenuss.

Das bedeutet allerdings nicht, dass man als Konsument keine Freude gehabt hätte an den Klangwänden, die die vier Musiker auf die versammelten Psychedelicfreunde losließen. Mitreißend nämlich waren sie (die Klangwände) stets. Hörbar profitiert hat von diesen Effekten gar das Abschlussstück, eine grandiose Version von Pink Floyds „Set The Controls For The Heart Of The Sun“, das Vibravoid bereits auf dem Burg-Herzberg-Festival 2011 spielten und das auf ihrem diesjährigen Album Minddrugs enthalten war:

Dass es sich um eine Coverversion handelt, bedeutet allerdings nicht bloße Kopie, denn Vibravoid spendierten dem Stück einen ausgedehnten Mittelteil aus Klangexperimenten, die sich harmonisch in das Gefüge der übrigen Stücke des Abends einfügten, denn experimentelle Klänge lieferten Vibravoid sozusagen im Minutentakt ab. Obwohl es bereits weit nach Mitternacht war, war an Schläfrigkeit nicht zu denken. Gegen 2 Uhr morgens schließlich verebbten die letzten Takte von „Set The Controls …“ und das festival war vorüber.

Natürlich ist das insgesamt keinesfalls mit dem „großen“ Burg-Herzberg-Festival vergleichbar, natürlich ist eine Nacht mit drei Musikgruppen, obendrein nicht einmal unter freiem Himmel, nicht genug, um des Blumenkindes Herz tagelang höher schlagen zu lassen. Als Ausklang des Festivalsommers 2011 aber konnte das „Herzberg unterm Dach“ voll und ganz überzeugen; und mindestens Vibravoid live erleben zu können ist den Besuch einer jeden Veranstaltung dieser Art wert.

Hin und wieder lohnt es sich eben doch, über den Tellerrand hinweg zu schauen.

FotografieSonstiges
Sparen Sie sich reich!

Heute in der beliebten Serie „Die Qualitätsoffensive der Bahn“:

Sparpreise!

„Im September (2010, A.d.V.) wird der Vorstand weitere Schritte unserer Kunden- und Qualitätsoffensive verstellen“, kündigte Grube bei der Vorstellung des Halbjahresergebnisses der Bahn an.

:?

Fotografie
Drei Bilder, drei Geschichten

(Die Bildunterschriften sind ausgedacht, die Motive leider nicht.)

Was mochte der Autor damit ausdrücken wollen?
Möglich ist, dass ein findiger Geschäftsmann, um die homosexuelle Szene in seiner Heimatstadt wirtschaftlich zu fördern, jüngst ein Etablissement eröffnete, es plakativ multikulturell „Gay-Town“ nannte und nun nur noch ein gutes Motto benötigte. Vielleicht sind dies also die ersten Gehversuche eines zukünftig berühmten Werbetexters?
Möglicherweise wollte der Schreiber aber auch nur in einem Anflug pubertärer Heiterkeit die Nachbarstadt verunglimpfen. Es ist jedoch leider nicht ersichtlich, um welche es sich handeln möge, weshalb der Vorwurf, sie sei schwul und würde obendrein orale Aktivitäten vollführen, unwidersprochen bleiben muss. Ganz schön gewitzt, der unbekannte Verfasser.


Die Bau GmbH in Ballenstedt war verzweifelt: Das Traditionsunternehmen, dessen Kunden seit jeher das geschäftliche Motto „Bewusst besser bauen“ zu schätzen wussten, hatte sich eine teure Vermarktungskampagne geleistet und sogar in fernen Innenstädten plakatiert, und dennoch blieben Neukunden aus. An der Kampagne selbst, dessen war man sich sicher, konnte das jedenfalls nicht liegen.


Das Wort „svadu“ bedeutet auf Sanskrit ungefähr „wohlschmeckend“. Was aber ist ein Dacksterspien?
Ich empfehle, in nächster Zeit das Süßwarenregal des örtlichen Supermarkts im Auge zu behalten. Lobenswert ist es jedenfalls, dass die Jugend noch immer zu sprachlicher Kreativität imstande ist.

FotografieKaufbefehleMusikalisches
So‘n Festival: Informationsarme Rückschau auf eine nicht näher benannte Veranstaltung

Wenn ich nicht gerade auf seltsame festivals gehe und dort fotografiere, gehe ich manchmal auch auf seltsame festivals und fotografiere dort.

Nicht jedes festival verläuft so wie anlässlich des letzten ebensolchen geschildert, denn tatsächlich haben andere festivals, seien es nun die Hildesheimer Wallungen, sei es nun die hier auch weiterhin nicht näher benannte Veranstaltung, noch weitaus obskurere Zielgruppen, und damit einher geht das kollektive feeling des vollends Geisteskranken, yo!

Will sagen: Wenn der überregional bejubelte headliner eines der Veranstaltungstage wegen alkoholinduzierten Deliriums und daraus folgernden Desinteresses am eigenen Schaffen mitten im Auftritt die eigene Bühne zu verlassen beabsichtigt, Menschen in Was-zum-Teufel?-esquen Kostümen unter quasi tosendem Beifall rein instrumentales Gekloppe und Getröte zum Besten geben und das Niveau stetig singt sinkt, dann ist das schon so‘n bisschen meine Welt.

Wenn dann noch in strömendem Regen Hunderte, gewandet in Kostüme zwischen leger und so was von retro, bis in die Nacht hinein zwei (allerdings sehr guten) Blasinstrumentalisten, einer Harfistin, einer Paukistin und einem Akustikgitarristen zujubelt, die in guter, alter Jethro-Tull-Manier (allerdings weniger subtil) Flüche gegen Regierungen ausstoßen, wenn obendrein das Zelt infolge zweier Tage Dauerregens den Dienst quittiert, man also feucht und erkältet und mit einem Schädel von hier bis (mindestens) Honolulu aufwacht und trotzdem die beste Laune des ganzen verdammten Sommers mit sich herumträgt, dann fühlt man sich doch schon ein bisschen lebendig.

Jedenfalls meistens.

Sollte einer der hier Lesenden ebenfalls zugegen gewesen sein, so empfehle ich eine entsprechende Äußerung zwecks Austausches.

P.S.: Entdeckung des Wochenendes ist Omnia. Konsum empfohlen. (Also Konzertkarten und Tonträger, nicht die schnuckelige Harfistin, latürnich.)

P.P.S.: „Apple: Die Arroganz der Macht“; warum muss man für so grandiose Schlagzeilen einklich das „manager-magazin“ lesen?

FotografieMusikalisches
Tagträume

Can‘t you feel that sun a-shinin‘?
Ground hog runnin‘ by the country stream
This must be the day that all of my dreams come true
So happy just to be alive
Underneath the sky of blue
On this new morning, new morning…

- Bob Dylan: New Morning

Fotografie
Pilot mit Schluckauf

Hicks:

(Entschuldigt die Säule im Vordergrund; ging nicht besser, ohne aufzustehen.)

FotografiePersönliches
Mief (außerdem: Crappy chips)

Und als ich also im Rahmen ernsthafter Vereinsarbeit den alljährlichen Flohmarkt mit sich örtlich anschließender Automobilausstellung aufsuchte und dabei unter anderem einem Hund mit lackierten Fußnägeln begegnete, fragte ich mich zweierlei:

  • Ist „i-Miev“ nicht ein denkbar blöder Name für ein doch vorgeblich schadstoffarmes Automobil? (Vgl. hierzu den – lustiger Zufall – Mitsubishi Pajero.)

  • Woraus genau bestehen eigentlich Krappenchips?

(Wenigstens teilweise richtig hat es ja da der Unbekannte gemacht, der im lokalen Supermarkt den anstehenden Verkauf eines Mikrofons, „wo man mit singen kann“, annoncierte, gemacht. Leider war ich in Eile, ich hätte nämlich wirklich sehr gern von dem Angebot Gebrauch gemacht, denn ich kann angeblich nicht sonderlich gut singen. Und danach kaufe ich mir ein Tampon, denn damit kann ich reiten und schwimmen und Rad fahren, sagt die Werbung.)

(Danke an D.!)

FotografieIn den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt XLVI: Deutschland im Stresstest

Ach nee:

Angesichts der Fukushima-Katastrophe verlangt die Kanzlerin weltweite Stresstests für Atommeiler. (…) Sie dringe auf „höchste Standards“ bei den AKW-Stresstests, nicht nur in Deutschland und der EU.

Sicher ist sicher! Obwohl:

Ich möchte aus gegebenem Anlass nochmal daran erinnern, dass der Auslöser für die Tschernobyl-Katastrophe ein Stresstest war.

Aber Frau Merkel hat es auch nicht leicht, steht sie doch sozusagen ständig unter Beschuss:

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier attackierte den außenpolitischen Kurs Deutschlands massiv. „Aus einer respektierten Führungsnation in Europa sind wir in zwei Jahren an die Peripherie geraten“, sagte er in der Debatte zur Regierungserklärung. Nirgendwo seien bei der Koalition Konzepte oder Initiativen erkennbar. „Das ist Außenpolitik in Lethargie“, kritisierte der Oppositionsführer. „Die Welt erwartet mehr von uns.“

Ich finde, dass die SPD weitestgehend in der Bedeutungslosigkeit verschwunden und uns ein Kanzler Frank-Walter Steinmeier erspart geblieben ist, setzt bereits das richtige Zeichen in der Welt.

Und was erwartet so ein erfolgreicher Politiker von einem souveränen Deutschland? Genau:

Bemerkenswert sei auch, dass US-Präsident Barack Obama immer noch nicht den Weg zu einem Besuch in Berlin gefunden habe, während er längst in vielen anderen EU-Hauptstädten gewesen sei.

Die Ehre, dass der Präsident eines anderen Staatenbundes sich dazu herablässt, dem souveränen Deutschland, das sich dann natürlich dankbar zeigt, von seinem großen Bruder überhaupt beachtet zu werden, gnädig seine Aufwartung zu machen. :mrgreen:

Außenpolitische Lethargie ist manchmal doch nicht verkehrt; und überhaupt sollten mehr Staaten wie die Schweiz sein, denn die Schweiz hat weder einen Besuch von Herrn Obama noch von Herrn Steinmeier zu befürchten.
Es muss wunderbar sein, dort zu leben.

FotografieIn den NachrichtenNerdkramsNetzfundstückePersönliches
“Leave me in the clouds.“

Ich gebe zu, ich bin mitunter nicht immer konsequent in dem, was ich schreibe und andererseits tue. So lehne ich zum Beispiel Dienste von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf der Verwertung von Benutzerdaten basiert, ab, kann mich dennoch den Segnungen der Digitalisierung nicht immer entziehen. Ich bin in der Cloud.

Beim Kauf meines mobilen Büros hatte ich nicht gedacht, dass es einen nachhaltigen Einfluss auf mein Leben und vor allem mein Sicherheitskonzept haben würde. Natürlich verwendete ich schon eine Zeitlang Dropbox, um etwa unfertige Projekte und Dateien für das Studium zu sichern und bei Bedarf auch unterwegs zur Hand zu haben, darüber hinaus nutzte ich, da ich auf mehreren Computern die weitgehend gleichen Lesezeichen und Passwörter verwende, Xmarks (mittlerweile Firefox Sync) und LastPass zur Synchronisation. Dass im Fall einer Kompromittierung meine Lesezeichen und/oder der aktuelle Entwicklungsstand von TinyTodo in die Hände Dritter fallen könnten, hat mich dabei nie erschaudern lassen, und meine Passwörter sind auf den LastPass-Servern nicht unsicherer als in meinem Kopf. (Siehe weiter unten.)

Mit Android hielten auch Evernote und wunderlist Einzug in meine Organisation. Nutzte ich zuvor KeyNote-NF, die Notizfunktion von ac‘tivAid und mitunter Textdateien, um Notizen und zu erledigende Aufgaben nicht zu vergessen, trage ich all dies nun quasi ständig mit mir herum. (Anzumerken sei, dass KeyNote-NF für einige Notizen allzu privater Natur noch immer mein Programm der Wahl ist; die Datenbankdatei sichere ich selbstverständlich regelmäßig.) Es gibt nur wenig Ärgerlicheres als eine gute Idee zu haben und sie wieder vergessen zu haben, bevor man wieder am Laptop sitzt, und das passiert mir leider nur allzu häufig. Das ist einer der Gründe, wieso ich nur selten ohne Notizbuch aus dem Haus gehe.

Der eigentliche Auslöser für diesen Beitrag war übrigens die Meldung, dass bei LastPass auf den Servern Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. Sofort unkten die Skeptiker, es sei selbst schuld, wer seine Passwörter einem externen Dienst anvertraue, ungeachtet dessen, dass die gegebenenfalls „erhackten“ Passwörter verschlüsselt sind und nur mit einer gezielten Wörterbuchattacke lesbar gemacht werden können; und wer ein Passwort verwendet, das im Wörterbuch steht, hat, diese Bemerkung sei gestattet, einen Knall und es eigentlich auch nicht besser verdient.

Man möge mich kritisieren für den Leichtsinn, auch nur irgendetwas auf Servern abzulegen, die mir nicht gehören; man sollte aber, bevor man mich nun verwünscht, einmal über das eigene Tun nachdenken. Menschen stellen intime Details, oft bebildert, von sich selbst bei Facebook (ist ja „nur für Freunde“ sichtbar, von wegen!), MySpace oder *VZ online, sie bearbeiten bereitwillig sensible Firmendokumente auf Google Text & Tabellen und schicken sie dann via Google Mail oder, schlimmer noch, Skype durch die Gegend, ohne sich auch nur ansatzweise im Klaren über die Gefahren geschlossener Systeme kommerzieller Anbieter im Klaren zu sein. Wer ständig Ängste schürt, sollte zumindest selbst ein wenig Vorsicht walten lassen.


(Nur mal rein interessehalber gefragt: „Einmal zahlen, ewig nutzen“ ist zwar ein durchaus lobenswertes Konzept, aber ist es noch sinnvoll, wenn der Preis alljährlich fällig wird?)

Fotografie
Teurer Spaß.

In einem spontanen, gleichwohl überraschenden Anflug von Heiterkeit geradezu pubertärer Natur dachte der Vorübergehende:

„Bei den Preisen ist es ja kein Wunder, dass die Zahl der Teenagerschwangerschaften ebenso wie die Zahl der Armen kontinuierlich steigt. Wirklich hart trifft die Preisgestaltung aber vor allem diejenigen, die trotz kleinerer Maße den vollen Preis zahlen sollen.“

Fotografie
Illusionen.

Ich mag es, gesammelte Schmierereien aus mehreren Jahren Schulödnis zu lesen.

Nicht, weil mich Ästhetik oder wenigstens Wortgewandheit überzeugen würden, sondern, weil Fundstücke wie dieses bildlich Auskunft über das Leben des Schreibenden geben:

Der (vermutlich) jungen Dame ging vor Verliebtheit versehentlich ihr deutscher Wortschatz flöten.
Ich frage mich, was sie heute denkt, wenn sie ihr Kunstwerk sieht.

Vielleicht: „Jetzt ist es beinahe auf den Tag genau zwei Jahre her, dass ich diesem einen Jungen mein ganzes Herzblut widmete. Und wo ist er heute? Fort mit all unserer gemeinsamen Geschichte!“

Vielleicht auch: „Jetzt kenne ich ihn schon über zwei Jahre lang und bin immer noch so glücklich wie am ersten Tag, mein Leben mit einem so wundervollen Menschen teilen zu dürfen.“

Vielleicht aber auch: „Ich weiß selbst nicht mehr, was damals in mich gefahren ist. So toll war das alles nicht. Hat mal jemand Tipp-Ex?“.

Manchmal ist es schade, dass so ein Bus nicht sprechen kann.

FotografieSonstiges
Erstatten Sie?

Neulich im service center:

„Ich habe hier am Automaten diese Fahrkarte für 12 Euro gekauft, kann die Fahrt aber leider nicht mehr antreten, und sie war zu teuer, um sie verfallen zu lassen, darum bitte ich um Erstattung.“
- „Macht drei Euro!“
- „Hier, bitte.“
- „Danke. Schönen Tag noch!“

(Mit Dank an den tollsten Menschen dieses Planeten, mindestens.)

FotografieSonstiges
Einst Mensch, nun Fleisch

Ohne Worte:

Fotografie
Gottes Krieger

Der Vorüberfahrende dachte: Den frommen Spruch „Gott ist bei uns…“ mit bedeutungsschwangeren Auslassungspunkten und insbesondere einigen Kreuzen, dem Symbol für Tod und religiös motivierte Kriege, zu verzieren kann nur eine Tat von Narrenhand sein.

FotografieKaufbefehleMusikalischesPersönliches
Anderthalb Konzertnächte.

Aufmerksamen Lesern ist womöglich nicht entgangen, dass ich im März bislang eher zurückhaltend bin, was die Frequenz meiner Veröffentlichungen betrifft. Hierfür gibt es mehrere Gründe, die alle aufzuzählen ich gerade nicht müßig genug bin; einer jedenfalls trägt Schwarz:

Da eine eigentlich vorgesehene Bandprobe aus logistischen Gründen ausfiel, entschied die tanzwütige Meute, das legendäre Braunschweiger Nachtleben zu erforschen, was in zeitlicher Hinsicht ziemlich prima war, denn eine kurze Recherche offenbarte, dass gerade das diesjährige Reizwäsche-Schaulaufen „Festival of Darkness“ zu beginnen im Begriff war, das, so versprach die Ankündigung, für EBM-Freunde ein Ohrenschmaus sein sollte, und ich schloss mich interessiert an.

Erst etwa vier Stunden nach Beginn des ersten Abends machten wir dem Festival unsere Aufwartung und erschienen so erst nach den Auftritten mir unbekannter Musikgruppen wie Diorama mitten im Konzert von Frozen Plasma. Wer meine Musikrezensionen aufmerksam verfolgt, der weiß, dass die dröhnende überwiegend elektronische body music normalerweise nicht meinen CD-Schrank ziert und dies so bald wohl auch nicht tun wird, aber steht man vor der Bühne, ist das ein völlig anderes Erlebnis.

„Körpermusik“ ist es, frei übersetzt, und tatsächlich spürt der Körper so manches. Vieles ist dem Postrock ähnlich. Leider habe ich es am ersten Abend aus Zeit- und Organisationsgründen kaum geschafft, das Geschehen in Bildern und Worten zu fixieren, daher ist die folgende Zusammenfassung unvollständig. Das ist insbesondere schade, weil der erste Abend mit einem Auftritt der mir bis dato gleichfalls unbekannten Gruppe Combichrist endete, die mit meiner Vorstellung von prima elektronischer Musik kompatibel scheint. (Ich empfehle entsprechende Recherchen.)

Rechtzeitig informiert erschienen wir aber immerhin pünktlich vor dem Einlass am zweiten Abend, und der war mindestens ebenso angenehm:

Den Anfang machte Moon.74, ein im Festivalwesen noch weitgehend unbeleckter Künstler, der den weiteren Abend dann auch im Zwiegespräch am Autogrammstand verbrachte:

Louis Manke von Terminal Choice, der an diesem Abend sein Soloprojekt „Staubkind“ mit einer kleinen Band zusammen präsentierte, wusste nicht so recht, wo er war (Bochum, Braunschweig; fängt halt auch mit „B“ an), musizierte dann aber doch noch recht solide vor sich hin.

Die in den Liedtexten des Künstlers versierte Begleiterin lobte die Lockerheit und Kommunikationsbereitschaft des Künstlers, ich konzentrierte mich auf die musikalische Ebene und begann im Laufe des Abends zu verstehen, wieso EBM auf Tanzveranstaltungen sich stetiger Beliebtheit erfreut. Die Rhythmen nämlich sind überaus bewegend und verleiten, dem Postrock nicht unähnlich, dazu, selbst unbemerkt mit den Gliedmaßen zu wackeln, bis man spät in der Nacht feststellt, dass selbige dann doch allmählich Ermüdungserscheinungen zeigen.

Spärlicher instrumentiert und mit an diesem Abend bereits häufiger zu sehenden Projektionsproblemen – die Leinwand zeigte eine Zeitlang das CyberHome-Logo – trat dann Sven Friedrich mit seinem (gleichfalls) Soloprojekt Solar Fake auf, der sofort wusste, wo er sich befand, und einige beeindruckende Musikstücke aus dem eigenen Repertoire zum Besten gab. Als Freund des etwas weniger schmusigen Gesangs fand ich viel Gefallen an dem letzten Stück „Lies“ („Lügen“), das zwar schon ein wenig älter ist, aber recht druckvoll präsentiert wurde.

Zwischen Staubkind und Solar Fake traten Noisuf X (X-Fusion) auf, die wir zwar hörten, aber nicht sahen; wisstja, Verpflichtungen:

Solar Fake folgte nach einer Umbaupause die Sängerin Mina Harker nebst Band, von der ich glaube, so etwas schon mal irgendwo gehört zu haben, leider jedoch war ihr Mikrofon zu leise. Insgesamt erschien ihre Musik auch zu austauschbar, so dass wir den Auftritt nach dem ersten Lied lieber anderswo verbrachten; wisstja, Verpflichtungen.

Der Auftritt von Nachtmahr, die das Festival als letzte Künstler ausklingen ließen und die, bitteschön, auch dringend toll gefunden und mit CD-Käufen bedacht werden sollten, riss uns aus der Abwesenheit, denn sie schepperten in guter, alter Laibach-Manier los.

Aufgelockert mit Publikumsintervention („Ein Quiz: Was ist Industrial? – Du nicht!“) boten sich dem Zuschauer auf der Leinwand martialische Szenen im Stil von NSDAP-Propaganda, sich abwechselnd mit weiser Lyrik. „War is not the answer“, „Krieg ist nicht die Antwort“ also, während die Herren hinter ihren Macbooks, denen sie dennoch erstaunlich annehmliche Klänge entlockten, verharrten und ihr Sänger, auf der Bühne herumwirbelnd, Texte wie etwa den von „Feuer frei!“ ins Mikrofon schrie:

Neun Millimeter
direkt in dein Gesicht,
reinigender Stahl
bei diesem Standgericht.

Einige standhafte, teils jedoch schon sichtlich ermüdete Besucher vergnügten sich anschließend noch weit nach Mitternacht auf dem Tanzboden, während Nachtmahr an der Theke Platz nahmen.

Blöderweise hatte die Cocktailbar zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen, ein blinkender Werbebanner warb aber weiterhin für die dort zu erwerbenden Leckereien. Meinen Verpflichtungen musste ich also anderweitig nachkommen; wisstja.

Das nächste „Festival of Darkness“ findet, so gab eine weitere Projektion beredt Auskunft, Ende März 2012 wiederum in Braunschweig statt. Mir scheint, dass sich eine erneute Anwesenheit lohnen wird.