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Nazigurken

Der totale Krieg gegen Rechts geht weiter: Während sich Mitglieder der Piratenpartei Niedersachsen, angefeuert von sensationslüsternen Bloggern, inzwischen wochenlang gegenseitig vorwerfen, aus den jeweils falschen Gründen („Kampf gegen Rechts” bzw. eben „Propaganda für Rechts”) in der Piratenpartei zu sein, ist man auf dem Land schon einen Schritt weiter. Die nächste Entnazifizierung muss nicht mehr in der Politik stattfinden, sie wird als Essensschlacht ausgetragen – du bist, was du isst. (Vegetarier sind also, vermutlich, überwiegend Kohlköpfe.)

Denn in einen deutschen Magen darf nie mehr politisch inkorrekte Nahrung gelangen, und damit sind ausnahmsweise nicht „Gürkinnen und Gurken” gemeint. Reinen Gewissens darf nicht schlemmen, wer Massentierhaltung, genetische Experimente oder die falsche Gesinnung damit unterstützt. Moment, was?

Offenbar dräut uns in Zeiten steigender Beliebtheit von Biogemüse beinahe unabänderlich ein neues Deutsches Reich, wenn wir nicht endlich mit harter Hand durchgreifen gegen heimatverbundene Bauern, denn ein Gemüsekäufer trägt mit seinem Tun, ob gewollt oder nicht, seinen Teil dazu bei, dass der Gemüsebauer mit seinen womöglich, je nach persönlichem Standpunkt, fragwürdigen Ansichten (sei er nun F.D.P.-Mitglied, sei er Radiohead-Anhänger) ein zufriedenes Leben führen kann.

So kann es zum Beispiel auch mal passieren, dass man mit dem Kauf von Biogemüse auch die Kasse eines ehemaligen Funktionärs der NPD, der Partei von Holger Apfel (womit wir auch weiterhin beim Gemüse wären), zu füllen hilft, warnt die „Süddeutsche Zeitung”:

Im politisch unverdächtigen Biolandbau tummeln sich zunehmend Rechtsextreme. Und so landet neonazistisches Gedankengut, unschuldig grün verpackt, in der Mitte der Gesellschaft.

Klar; Natur- und Heimatschutz, ein beliebtes Thema von rechts außen, später zum Teil adaptiert von den „linken” Grünen, erfreut sich ungebrochener Beliebtheit, aber Ernährung ist ein Grundbedürfnis des Menschen, und da hat Politik nicht viel verloren:

„Ich kann ja keine politische Grundhaltung zertifizieren, ich kann nur ökologische Anbaumethoden zertifizieren”, sagt [Biopark-Geschäftsführerin Delia] Micklich. „Nur wenn man die Partei verbietet, dann haben wir eine Handhabe gegen solche Leute.”

Frech von den Nazis – erst verderben sie einem den Stolz auf das Heimatland und jetzt kann man nicht mal mehr Gemüse kaufen, ohne sich rechtsradikaler Hetzpropaganda auszusetzen. Was sollen die Nachbarn nur denken, wenn man nichts ahnend an ihnen vorbeigeht und plötzlich schreit der Eisbergsalat „Heil Hitler!” aus der Einkaufstasche? Jemand sollte etwas dagegen tun, bevor es zu spät ist und unsere gesunde Ernährung das Land ein weiteres Mal in den Abgrund stürzen wird. Immerhin hätten wir dann aber jemanden, auf den wir zeigen können.

Denn wer trägt an all dem die volle Schuld? Natürlich die „Süddeutsche Zeitung” selbst, die in ihren Lesern jahrelang dermaßen Angst vor Genmais und dergleichen geschürt hat, dass ihnen letzten Endes nichts anderes übrig blieb als in den, nun, sauren Apfel zu beißen und fortan zu Braunkohl zu greifen. Lieber Nazigurken als Killermais.

Olles Naziblatt.

(Mit Dank an L.!)

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