Archiv für Dezember 2011

In den Nachrichten
Da bahnt sich etwas an

Schon seit einigen Tagen knallen draußen die Korken oder jedenfalls die Böller. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel Geld die Volkswirtschaft in diesen krisengebeutelten Tagen noch erübrigen kann, um es in die Luft zu blasen; also die wenigen Euro, die noch nicht im Ackermann oder im Griechen stecken, denn die sind ja recht teuer, diese beiden.

Und die Silvesterraketen, diese hohlen Knallkörper (nicht mit den hohlen Knallköpfen (CDU) zu verwechseln), liegen dann auf der Straße herum und werden auf Kosten der Steuerzahler – also wenigstens meist auch derer, die den Dreck selbst machen, was mich mit einer gewissen Genugtuung erfüllt – irgendwann weggeräumt. (Andererseits: Gemeinsamkeiten mit der CDU gibt es ja doch: Irgendwann verpuffen sie, der Steuerzahler zahlt‘s trotzdem.) Das ist befriedigend, dennoch neige ich dazu, es den Hunden gleichzutun und dieses nervtötende Gepfeife als äußerst störend zu empfinden. Ich war auch mal 12, aber nie bescheuert.

Auch, wenn Freunde Gegenteiliges behaupten.

Dabei ist das Aufderstraßeliegen längst Volkssport, sei es im Kampf gegen Atommülltransporte, anlässlich dessen mir immer noch keiner so recht zu erklären vermochte, inwiefern es ein Vorteil ist, wenn der Atommüll noch länger durch die Umwelt kutschiert wird als beabsichtigt, sei es wegen der hohen Arbeitslosigkeit.

Ach, die Arbeitslosigkeit. Manche können ja noch nicht einmal etwas dafür: Aus Gründen, die wohl nur die Arbeitgeber selbst verstehen, werden sie dem Arbeitsmarkt zurückgegeben, damit so manch ein Manager die Raten für seinen Bentley abbezahlen kann. Sesselfurzer, elende.

Wobei so ein Manager natürlich auch Geld verdienen bekommen möchte, und die bereits an anderer Stelle angesprochene Inflation macht das nicht leicht. Diese entgangenen Einnahmen müssen dann natürlich an anderer Stelle wieder hereinkommen, sonst braucht man bald einen Rettungsschirm. Die Bahn macht es vor:

Die Normalpreise im Fern- und im Nahverkehr steigen mit dem Fahrplanwechsel im Schnitt um 3,9 Prozent. Auch Wochen-, Monats- und Jahreskarten kosten künftig mehr, genauso die Bahncard und viele Pauschaltickets für den Nahverkehr wie das Schöne-Wochenend-Ticket.

Als wirtschaftlich orientiertes Unternehmen, wie es die Deutsche Bahn ja leider ist, braucht man eben auch sein Auskommen mit dem Einkommen, und …

Gleichzeitig will der Konzern im kommenden Jahr 2,75 Milliarden Euro erwirtschaften: ein Rekordgewinn.

… so ein Finanzplan will sorgfältig überlegt sein. Ohnehin wird der Bahn übel mitgespielt:

Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ zahlt der Stahlproduzent dem Logistikkonzern Schadensersatz wegen Preisabsprachen beim Schienenverkauf. (…) Insgesamt belaufe sich die Schadenssumme durch das Kartell auf bis zu eine Milliarde Euro.

Da hat die Bahn noch mal Glück gehabt, dieses Geld dürfte vielleicht reichen, um die größten Budgetlöcher zu stopfen. Gutes Personal ist wertvoll in der heutigen Zeit, und das lässt sich die Bahn einiges kosten:

Im Werben um Auszubildende seien die Zeiten der Bestauswahl aus einer Vielzahl von Bewerbern vorbei, meinte [EVG-Chef Alexander] Kirchner. Hier müssten die Bahnen verstärkt Programme entwickeln, um auch schwächeren Schulabgängern den Einstieg zu ermöglichen.

Wer aus seinem Leben etwas machen will, aber in der Schule eine Niete war, der muss also trotzdem nicht bei KIK an der Kasse oder bei McDonald‘s in der Küche arbeiten; die Bahn hält interessante Perspektiven offen: Sich von betrunkenen Passagieren anpöbeln lassen müssen, an den chronisch geschlossenen Bahnschaltern „arbeiten“, auf Fragen nach Zugverspätungen mit einem Achselzucken antworten müssen, weil man die tolle blaue Bahnuniform eben nur trägt, weil sie so fesch ist – all das wird bei McDonald‘s nicht geboten.

Man könnte sich das alles allerdings ersparen, indem man einfach stirbt, zum Beispiel an einer Herzkrankheit. Das Bewusstsein für Herzkrankheiten ist viel zu niedrig, lässt die Coca-Cola Company mit Fokus auf das immerhin nur Hirnschäden und Diabetes fördernde „Light“-Coca-Cola-Produkt vermelden, ungeachtet der Tatsache, dass man selbst mit seinem Zuckergesöff für so manche Organschäden gesorgt haben dürfte. Dabei dürfen die blöden Kerle ruhig verrecken:

Die Initiative „Hör auf dein Herz“ startete heute in Berlin im Rahmen eines Ladies Lunchs im Berliner China Club erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie hat das Ziel, das Bewusstsein für die Herzgesundheit bei Frauen zu erhöhen, über Präventionsmaßnahmen aufzuklären und somit möglichst viele Frauen zu einem herzgesunden Lebensstil zu motivieren. (…) Die geladenen Gäste – Frauen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft – wie Friede Springer, Nadja Uhl, Alexandra Oetker, Anna von Griesheim, Gräfin Karin von Dönhoff sowie Ursula Karven, Fiona Bennett und Ehrengast Katja Flint wurden von Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek und Dr. Natascha Hess über die wichtigsten Fakten zum Thema Herzgesundheit informiert.

(Hervorhebungen von mir.)

Dass angeblich seit 1984 mehr Frauen als Männer an Herz-/Kreislauferkrankungen sterben, ist noch kein Grund, „insbesondere Frauen“ auf dieses Risiko hinzuweisen. Zumal es dafür nicht mal prominenter Patinnen bedürfte, denn die Grundregeln lernt man eigentlich schon als kleines Kind: Nicht so viel ungesunde Zuckerplörre trinken, sonst wird man das noch mal bereuen.

Wer die braune Brühe ohnehin nicht gern mag, der hat gute Chancen, nachhaltigen Schaden an der neuen Volkskrankheit Burn-Out-Syndrom zu nehmen. Das ist eigentlich eine Unverschämtheit, sagt die „Welt“ und appelliert: Hört auf, ausgebrannt zu sein, sonst macht ihr die Wirtschaft kaputt, ihr Pimmel! Am besten einfach einsperren, das arbeitsscheue Pack. Tja, ʇןǝʍ ǝıp steht Kopf in diesen Tagen.

Ach, kaputte Wirtschaft – wir Deutschen, wir zahlungskräftigen Schuldner, sollten uns nicht so anstellen. Verglichen mit Spanien und den USA geht es uns noch bestens. Dass sich der US-amerikanische Präsident da lieber ins Ausland absetzt, ist verständlich:

US-Präsident Barack Obama zieht es wieder nach Berlin. „Die Chancen, dass Präsident Obama wieder nach Berlin kommt, stehen gut, weil er das auch selbst unbedingt will“, verdeutlicht der US-Botschafter Philip D. Murphy in der Samstagsausgabe der „Berliner Morgenpost“.

Es ist eine urdeutsche Tradition, hohlen Blendern zuzujubeln. Der Karl-Theodor ist gerade nicht greifbar, also muss man sich an einen anderen notorischen Lügner halten und ihn zum Heiland stilisieren. Einen echten Deutschen interessieren gebrochene Wahlversprechen nicht. Der CDU steht auch weiterhin eine rosige Zukunft bevor.

2012 wird sicher lustig. Frohes neues Jahr.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXVI: „Haste mal ‘ne Däne-Mark?“ / Dänen leiht man gern etwas.

Dänemark ist eines der Länder, die den Euro nicht so toll finden wie Angela Merkel (also Frau Merkel den Euro, nicht die Länder Frau Merkel). Das heißt, dieser ganze Schuldenzirkus mit Pleiteländern, Rettungsschirmen und aufmüpfigen Briten kann dän den Dänen vollkommen schnuppe sein. Der Erfolg gibt ihnen Recht:

Die Zentralbank des Landes platzierte am Donnerstag Staatsanleihen mit drei-, sechs- und neunmonatigen Laufzeiten und sammelte so 2,32 Milliarden dänische Kronen ein, das entspricht rund 310 Millionen Euro. Bei zwei dieser drei Emissionen betrug die Rendite für die Investoren weniger als null Prozent – der Staat muss ihnen also weniger Geld zurückzahlen, als sie ihm geliehen haben. Konkret lagen die Zinsen bei den dreimonatigen Papieren bei minus 0,21 Prozent, bei Anleihen mit sechsmonatiger Laufzeit bei minus 0,07 Prozent.

In anderen Worten: Weil Dänemark mangels Euro-Mitgliedschaft nicht von aberwitzig hohen Pflichtausgaben für strauchelnde Misswirtschaftsstaaten betroffen ist, ist seine Zahlungsfähigkeit derart standfest, dass es sich auch Geld leihen darf, ohne es vollständig zurückzahlen zu müssen. Ein bisschen wie Portugal eben.

Denn was ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ein Schuldner sicher zahlungsfähig ist? Klar: Er leiht sich ein paar hundert Millionen Euro. Das weckt Vertrauen. Deutschland kennt das ja:

Von dieser Unsicherheit profitiert hingegen außer Dänemark auch Deutschland, das ebenfalls als sicherer Schuldner gilt. Seit Monaten liegen die Renditen für Bundesanleihen unter der Inflationsrate (…).

Renditen liegen „unter der Inflationsrate“; Deutschland ist also ein sicherer Schuldner, weil unser Geld immer schneller immer weniger wert ist?

Vielleicht sollte ich auch mal wieder einen Kredit beantragen.

(Danke an L.!)

Nerdkrams
SIP unter Android 4.0: Es muss nicht immer Skype sein.

Skype bietet, seine ständigen Sicherheitsprobleme einmal gänzlich außer Acht gelassen, eigentlich keine nennenswerten Vorteile. Sprachübertragung ist ein alter Hut, Videokonferenzen beherrscht selbst Google+ inzwischen ohne irgendwelchen Mehraufwand, von dem ebenfalls videotauglichen MSN und den anderen Diensten einmal ganz zu schweigen. Wer darauf verzichten kann, beim Telefonieren die Fresse seines Gegenübers ständig ertragen zu müssen, dem genügt ein einfacher VoIP-Anbieter.

Ein tritt SIP. SIP ist ein offenes Übertragungsprotokoll, für das es zahlreiche Clients für nahezu jedes gängige Betriebssystem gibt. Videoübertragung ist möglich, aber ich möchte hier vor allem den Audioteil beleuchten. Die Telefon-app von Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ nämlich hat eine Unterstützung für SIP bereits eingebaut.

Worin der Vorteil liegt, wenn man eh‘ eine flatrate hat (und ein smartphone ohne flatrate ist unaufregend)? Nun, es ist der gleiche „Vorteil“ wie bei der Nutzung von Skype: Man kann mit anderen SIP-Nutzern (gratis) oder anderen Telefon- oder Skypebesitzern (nicht gratis) auch am Laptop telefonieren und spart so gegebenenfalls eine Menge Geld. Viele Vor- und Nachteile werden im Internet bereits zur Genüge beleuchtet, deswegen möchte ich es auch hierbei belassen. Ausschlag gebendes Argument für mich war es, dass es über SIP möglich ist, jederzeit ohne notwendigen Mehrpreis über eine Festnetznummer erreichbar zu sein. Das möchte ich im Folgenden einmal erläutern.

Voraussetzung, um mir inhaltlich folgen zu können, ist ein smartphone mit Android ab 2.3, die screenshots unten sind jedoch unter Android 4.0 entstanden. Für viele smartphones gibt es ja bereits entsprechende Portierungen, ein Umsehen auf xda-developers ist ratsam.

Ist die Voraussetzung erfüllt, man jedoch noch unerfahren im Bereich des SIPs, so empfehle ich eine Anmeldung bei einem SIP-Anbieter. Hat man eine DSL-/Telefonflatrate in der eigenen Wohnung, nutzt man wahrscheinlich bereits SIP, ohne es zu wissen. Dieses SIP-Konto lässt sich in der Regel ebenfalls per Android oder Desktopprogramm nutzen, ich empfehle einen Blick in die Hilfeseiten des Anbieters. Möchte oder kann man davon keinen Gebrauch machen, so mangelt es aber auch nicht an Alternativen. Die meisten haben sehr ähnliche Konditionen: Keine Grundgebühr, keine Kosten von SIP zu SIP, teilweise gibt es auch SIP-Flatrates. Im Beispiel verwende ich sipgate (aus rechtlichen Gründen hier nicht verlinkt). Die Schritte der Anmeldung variieren zwischen den Anbietern, man sollte aber auf jeden Fall seine korrekten Meldedaten angeben. Manchmal wird das überprüft.

Hat man sich angemeldet, ist der aufwändigste Teil schon erledigt. Jetzt kann man sich einen beliebigen SIP-Client installieren, einrichten und sich mal spaßeshalber selbst anrufen. Die nötigen Daten (Server, Benutzername, Passwort) teilt der gewählte Anbieter mit, bei sipgate etwa stehen sie in den „Einstellungen“:

Aber eigentlich geht es ja hier um Android. Android 4.0 ist nicht nur schön blau, sondern auch noch SIP-fähig. Möchte man mit dieser neuen SIP-Festnetznummer nun auch unter Android erreichbar sein, kann man sich (anders als bei Skype) die Einrichtung einer eigenen app sparen. Man rufe schlicht die Telefonfunktion auf, betätige die Menütaste und wähle „Einstellungen“. Dort befindet sich unten ein Menüpunkt „Konten“. Eine Berührung desselben eröffnet dem Nutzer die Möglichkeit, seine Zugangsdaten dort zu hinterlegen.

So weit die Theorie. Gibt es notwendige Ergänzungen? Sicher: Videotelefonie geht so nicht. Wer dies auch per SIP erreichen möchte oder noch mit einer älteren als den hier genannten Android-Versionen arbeitet, dem rate ich dazu, sipdroid auszuprobieren, das angeblich entsprechende Funktionen bietet.

Fragen? Weitere Ergänzungen? Immer hier hinein damit!


Nachtrag von Mitte Januar 2012: In den Kommentaren wurde ich darauf hingewiesen, dass dies anscheinend bereits ab Android 2.3 funktioniert. Ich habe den Text entsprechend erweitert.

Spaß mit Spam
Eh, „Swiss Apotheke“!

Dass ihr in euren komischen Spammails abwechselnd Abnehm- und Penisprodukte anpreist, ist ja schön und gut und bringt ein bisschen Abwechslung hinein, auch wenn ihr es immer noch nicht hinbekommen habt, wenigstens ansatzweise seriös zu wirken.

Ab jetzt gibt es bei der Swiss Apotheke das Nr. 1 Abnehm-Produkt! So können
Sie mehr als 10 KG a
bnehmen.

Am einfachsten kann man ja „mehr als 10 KG a bnehmen“, indem man einfach stirbt; und ob eure Pillen aus dubioser Quelle noch andere Nebeneffekte haben, will ich lieber nicht ausprobieren.

Natürlich vermeidet ihr auch weiterhin jede Nennung von Produktnamen, wohl wissend, dass Mails mit „Viagra“, „V!@gr4″ und ähnlichen Worten in der Regel keinen Spamfilter passieren. Ob eure Alternative aber so viel besser ist?

Guten Tag,

P,otenzmittel diskret und schnell im Netz einkaufen:

http://www.viagra-zu-sylvester-ax.info

Auch der angehängte Ausschnitt aus der Cleve-Pozar-Biografie, ohne Sinn und Verstand aus der deutschsprachigen Wikipedia kopiert, lässt dieses A,ngebot n!cht überd enkenswErt erscheinen.

Wisst ihr, „Swiss Apotheke“, wer in eine Apotheke geht, der hat normalerweise ein Leiden, das seine Umwelt nicht unbedingt etwas angeht. Etwaige Erektionsprobleme vertraut man aber gerade deswegen lieber dem bekannten Apotheker als wildfremden „Schweizern“ unklarer Identität an, denn es gibt nur wenig, das weniger diskret wäre als eine Bestellung im Internet.

Wer in einem Anflug pubertärer Geilheit dann doch mal in euren Mails herumklickt und hofft, die niederen Gelüste befriedigt zu bekommen, dem wird sofort ins Auge springen, mit was für lichtscheuem Gesindel er es hier zu tun hat, denn die verschiedenen Links führen allesamt auf swissapotheke.de, eine Adresse, die erfahrenen Spamempfängern bekannt vorkommen sollte. In der Schweiz will euch keiner mehr, dann versucht ihr es jetzt eben in Deutschland. Wie lange wohl?

Zum Glück hat die deutsche Gesetzgebung ein paar Bedingungen an die Domainregistrierung geknüpft, und so erfährt man mittels einer kurzen Anfrage nicht nur, dass der Verantwortliche für die Schweizerapotheke gar kein Schweizer ist, sondern in Karlsruhe wohnt, sondern (anhand seiner E-Mail-Adresse) auch, dass er keinen Spam empfangen möchte: Die dort eingetragene Adresse bei s0ny.net ist nämlich eine Wegwerfadresse. Was wohl Sony davon hält?

Wahrscheinlich interessiert ihn das aber herzlich wenig, immerhin gibt er seinen Namen für eine vermeintliche Online-Apotheke her, die mit Anmaßungen nicht geizt. Da wäre zum Beispiel das GeoTrust-Partner-Logo:

Wen wundert es, dass ein Aufruf über das HTTPS-Protokoll trotzdem einen Fehler 404 („nicht gefunden“) erzeugt?

Und natürlich geht es immer noch ein bisschen abgeschmackter, denn auch ein „Testurteil“ der „Stiftung Warentest“ darf nicht fehlen:

Wirklich zu schade, dass die Ausgabe 6/2009 gar keinen entsprechenden Test vorzuweisen hat. Aber wer gierig auf der Suche nach schnellen Pimmelpillen ist, der lässt sich von so etwas nicht aufhalten. Immerhin ist das eine seriöse „Online Apotheke“ (sic!), sagt die „Stiftung Warentest“. Wird schon stimmen.

Copyright © 2011 Swissapotheke

Eigentlich fehlt nur noch das TÜV-Siegel.

Wisst ihr, „Swiss Apotheke“, es ist ja rührend, dass ihr euch so viel Mühe beim Fälschen und Betrügen gebt. An der Überzeugungskraft aber zweifle ich ein wenig. Vielleicht solltet ihr die Branche wechseln.

Musikalisches
John Lennon – How do you sleep?

Zum 44. Jubiläum der Weltpremiere des Beatles-Films „Magical Mystery Tour“ ist Paul McCartney der letzte Beatle, der noch regelmäßig in Föjetong und Musikpresse auftaucht. Das ist schade.

Dass seine Werke noch immer gepriesen werden, ist möglicherweise Geschmackssache. Man sollte aber auch nicht vergessen, was John Lennon einst über ihn sang:

Those freaks was right when they said you was dead
The one mistake you made was in your head

Guten Morgen!

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXV: Geistig zu Fuß gehen

Die jährliche Weihnachtsansprache des Papstes war auch in diesem Jahr nicht gänzlich frei von Komik.

Dass er die Kommerzialisierung von Weihnachten bemängelte, mag man positiv auslegen, obwohl so ein Papst ja nicht gerade für seinen schlichten Lebensstil bekannt ist. Ja, an Weihnachten geht es eigentlich nicht um Laufen und Kaufen und Saufen, aber die niederen Gelüste wollen ja auch bedient werden, nicht wahr?

Was der Papst sagt, ist manchmal ja schön und gut, aber von der gesellschaftlichen Realität weit entfernt. Mit einem Satz jedoch hat er sozusagen den Nagel auf den Kopf getroffen:

Der niedrige Eingang der Geburtskirche Jesu in Bethlehem lehre: „Wir müssen uns herunterbeugen, sozusagen geistig zu Fuß gehen, um durch das Portal des Glaubens eintreten zu können.“

Wer zu viel darüber nachdenkt, stößt sich an dem niedrigen geistigen Niveau des Christentums eben gewaltig den Kopf. Amen.

Internes
Suchbegriffe, 24. Dezember 2011

Und als ich gerade so in meiner Nichtblogstatistik wühlte, schaute ich mal nach, wonach die Leute diese Woche so gesucht haben, als sie bei mir landeten, und ich konnte es nicht fassen.

Bemerkenswerte Auszüge:

justin bieber nackt

Beunruhigend: 39 Menschen sind darauf hereingefallen.

selbstmord emo

Oft.

amoklauf lustig

Hihi.

barcodes von lustigen sachen

Warum? Nein, ernsthaft: Warum?!

brief der eine frau anmacht

“He, wunderschöne Frau! Typen wie dich können wir hier nicht besonders gut leiden!“

daisy fickt donald

Wahrscheinlich – in den Comics wird es nur angedeutet. (Manchmal aber sehr eindeutig.)

fick deine mutter lesen

Aus der beliebten Reihe: „Wenn ein Satz nicht so endet, wie er Kartoffel“.

ich ficke keine gehirne

Beruhigend.

ich wünsche mir eine tochter gibt es ein gerät

Ja, nennt sich „Penis“. Keiner verfügbar? Dann wird das kompliziert, fürchte ich.

samengrüß in der nacht

Ein guter Titel für einen Schlager eigentlich.

windows zerficken

Purer Sex.

Mir fröstelt‘s.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2011 – Favoriten und Analyse

Leydiesendtschentelmen, herzlich willkommen am Jahresende und damit zur üblichen Retrospektive der primasten Alben des Jahres, die es in die Halbjahresliste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht einmal unbedingt eine Frage des Erscheinungsdatums, denn wie üblich hatten sich wieder einige Alben aus dem ersten Halbjahr geschickt vor mir versteckt.

Ich erhielt anlässlich der Rückschau 06/2011 vereinzelte Kritik, es sei zu viel Material zusammen gekommen, um sich in einer angemessenen Zeit damit beschäftigen zu können. Diesmal aber kann Peter, der glaubt, drei Alben würden reichen, aufatmen: Diese Liste wird kürzer als angenommen. Hierfür gibt es einen guten und einen beschämenden Grund: Das selbstbetitelte Debütalbum von broken.heart.collector etwa kann sich wie auch manch anderes interessantes Musikwerk längst eines separaten Artikels erfreuen, vor allem aber hat noch während der Zusammenstellung der zu rezensierenden Alben meine alte digitale Schreibmaschine beschlossen, die Priesterlaufbahn einzuschlagen, und ohne Umschweife etwas gesegnet, nämlich das Zeitliche; und getreu Murphys immerwährendem Gesetz hatte ich diesmal keine Sicherheitskopie angefertigt.

Daher seht es mir nach, wenn euer persönliches Album des Jahres diesmal fehlt, und lasst es mich wissen: Vielleicht gefällt es auch anderen Musikfreunden, die dies hier zufällig entdecken. Weiterlesen ‚Musik 12/2011 – Favoriten und Analyse‘ »

Fotografie
Wir wünschen Ihnen einen gesegneten… Humor.

Na dann guten…berg.

Spaß mit Spam
Kim Jong-il Special…

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal über tatsächlich erwünschte Werbemails amüsieren würde.

Gerade traf aber eine solche von MaxCDN, meinem bevorzugten Lastenverteilungsdienst, ein, die mich darüber informierte, dass noch bis Silvester anlässlich des Todes des ehemaligen Diktators Kim Jong-Il – das war seit dem Ende von Gaddafi exklusiv der mit der Sonnenbrille – ein besonderes Angebot verfügbar sei:

Modetrends sind manchmal wirklich erstaunlichen Ursprungs.

Schade, dass nicht nach Europa geliefert wird.

Persönliches
Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier. (Matthäus 24,28)

Eines der weniger ruhmreichen Kapitel in meinem Leben ist meine Konfession.

Ich gestehe, ich stamme aus einer überwiegend katholischen Familie. Gerade die Familie eines meiner Elternteile ist traditionell römisch-katholisch getauft und bis zur vorletzten Generation durchaus auch noch heute kirchlich rege aktiv, und so wurde auch ich katholisch getauft, ohne, dass mich jemand um mein Einverständnis gebeten hätte. Meinem Großvater zuliebe verbrachte auch ich in Kindheit und früher Jugend einige Zeit damit, der Kirche zu dienen; die Bedeutung des Wortes „dienen“ war mir damals schlicht nicht bewusst, ich hielt das für etwas, was man halt so sagt, und so empfand ich es auch. Aus ähnlichem Grund nahm ich an Erstkommunion und Firmung teil. Dem hinzu kam der Aspekt, dass man das eben so machte, ob man nun die Wiederkunft des HErrn erwartete oder nicht. Katholisch getauft worden zu sein hieß für mich, sich auch firmen lassen zu müssen. Vielleicht lag es auch an den Geldgeschenken, die mich erwarteten.

Unter anderem wohl dem evangelischen anderen Elternteil und seiner Aversion gegen von Leuten, die sich außerhalb eines Kirchenhauses für christliche Gebote nur für einen Teil der zehn Gebote interessieren, vorgeschobenes Christentum ist es zu verdanken, dass sich mit der Zeit die ratio durchsetzen konnte und ich begann, meinen Einsatz für die katholische Kirche auf ein Minimum zu reduzieren, indem ich die Kirche nur noch in Ausnahmefällen betrat und mich auch dann den römisch-katholischen Leibesübungen (Aufstehen, Hinsetzen, Hinknien, Hinsetzen, Aufstehen, Hinsetzen, rauf, runter, rein, raus) entzog; nein, ich korrigiere mich – „rein, raus“ war damals nicht an der Tagesordnung.

Wenn also irgendwann der Verstand einsetzt und man bemerkt, dass das, wofür man sich für Jahre seines Lebens (zeitweise halbherzig) eingesetzt hat, ethisch nicht mehr dem eigenen Weltbild entspricht, muss – nicht nur sollte – man, um sich selbst nicht zu belügen, die Konsequenzen ziehen. Ich bewundere Menschen, die trotz allem weiterhin an Weihnachten, Ostern oder Neujahr aus Prinzip in die Kirche gehen, für diese Fähigkeit. Ich habe sie längst verloren.

Der Zufall hat mich bisher davor bewahrt, die Kirchensteuer entrichten zu müssen. Ich hatte mir fest vorgenommen, den Austritt, im Geiste vor Jahren erfolgt, bald auch formell vorzunehmen, bevor sich dieser Zustand ändert. Ein Austritt, immerhin, kostet aus unerfindlichem Grund Verwaltungsgebühren, also eilte es bislang nicht. Nicht einmal die, wie erst später bekannt wurde, erstaunliche Häufung von Kinderfickern inmitten der Bediensteten dieser Sekte – das ist sicher, wie bei der „christlich-demokratischen“ Union, nur Zufall – konnte für mich persönlich diesen Schritt beschleunigen.

Nun begab es sich, dass ein naher Verwandter nach langer Krankheit, also keinesfalls überraschend, abnippelte verstarb. Heute wohnte ich dem Trauergottesdienst bei, dem eine Trauerfeier folgen sollte, aber feierlich war mir nicht mehr zumute. So ein Trauergottesdienst unterscheidet sich ja von allen anderen Gottesdiensten offenbar nur darin, dass der Name des Toten während der Eucharistie genannt wird, und dann bittesehr weiter zur Tagesordnung.

Die besteht dann darin, dass man den Herrn lobt und preist und ihm selbstverständlich für seine guten Taten dankt. Dass sich niemand vernehmlich zu räuspern erlaubt, wenn zum Auszug des Priesters am Ende der Trauerveranstaltung die anwesende Schar an Menschen, ob nun eigentlich katholisch oder evangelisch oder buddhistisch oder satanistisch oder apathisch, im Chor ein altes Kirchenlied rezitiert, in dem es heißt:

Großer Gott, wir loben dich,
Herr, wir preisen deine Stärke,
vor dir beugt die Erde sich
und bewundert deine Werke.

(…)

Alle Tage wollen wir
dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeiten dir
Ehre, Lob und Dank erweisen.

…, fühlt sich zwar für die Anwesenden vielleicht mystisch und tief gläubig an, aber es ist selbst für mich eine Spur zu zynisch.

Katholikenpack, beschämendes!

Eurem widerwärtigen Haufen kündige ich hiermit das letzte kümmerliche bisschen Freundschaft, das ihr noch nicht verspielt hattet. Möge ein gerechtes höheres Wesen euch lieber früher als später im Fegefeuer brennen lassen.

Arschlöcher.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt LXXIV: Dinosaurier und Mammuts

Manchmal wüsste ich wirklich gern, was in den Köpfen der EU-Politiker eigentlich vorgeht, wenn ich Nachrichten wie diese lese:

Bankkunden müssen vom 1. Februar 2014 an europaweit einheitliche Kontonummern mit 22 Stellen (IBAN) verwenden. Zu diesem Zeitpunkt werden nationale Überweisungen und Lastschriften im europäischen Zahlungsraum (SEPA) vereinheitlicht.

Nehmen wir mal an, am 1. Februar 2014 ist so etwas wie eine europäische Einheit überhaupt noch bruchstückhaft vorhanden:

Um jetzt Geld von Hannover nach Hildesheim zu schicken, muss man sich statt zwei leidlich kurzer eine einzige, ziemlich lange, europäisch einheitliche merken, weil die EU die Vorteile innerstaatlicher Finanztransaktionen nicht zu schätzen weiß und ja beide Städte auch irgendwo in Europa liegen?

Dieser EU-Apparat ist doch immer wieder für lustige Ideen gut. Zukünftig wird wahrscheinlich wieder mehr Geld per Briefumschlag verschickt, seufz.

(Danke an L.!)

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXIII: Mittelstand und Unverstand

Falls noch jemand dachte, dass die F.D.P. ihre witzigen Umfragewerte zum Anlass nehmen könnte, ihre Stammklientel, die so genannten „Besserverdienenden“ aus dem so genannten „Mittelstand“, kritisch zu überdenken und gegebenenfalls zu wechseln, dann hat er nicht mit Patrick Döring gerechnet:

Gewerkschaftschef Sommer hatte sich in der „Bild am Sonntag“ für die Einführung einer Reichen- und einer Vermögensteuer, die Erhöhung der Erbschaftsteuer sowie die Besteuerung von Finanztransaktionen ausgesprochen. Döring kritisierte diese Vorschläge als „ein Programm gegen den deutschen Mittelstand“, das auf Kosten der Arbeitsplätze und auch des Staatshaushalts gehe.

Wir wollen ja die Ackermänner und Maschmeyer und ihr Geld nicht vergraulen, nich‘ wahr?


Ach, übrigens, die Gleichung E = m*c² sollte jedem Menschen bekannt sein, der hierzulande mal so was wie eine Schule besucht hat; auch, dass es „c Quadrat“ und nicht „c zwei“ am Ende heißt. Deshalb ist es eigentlich unverzeihlich, dass der „Freitag“ ausgerechnet in der Rubrik „Wissen“ bereits am Donnerstag so etwas veröffentlichen ließ:

[Das Elektronenvolt] beschreibt die Masse m in Form der Energie E – errechnet aus Einsteins Formel E=mc2, wobei c die Lichtgeschwindigkeit ist[.]

Aber montags ist man ja immer etwas milder gestimmt. Immer diese Wochenenden.

Musikalisches
The Toten Crackhuren im Kofferraum – Ich hab keinen Spaß

Zur Lage der Nation (und weil ich den Bandnamen so lustig finde) sowie im Dienst des schlechten Geschmacks schlage ich vor, die Woche mit „Ich hab keinen Spaß“ von The Toten Crackhuren im Kofferraum beginnen zu lassen. Ich hoffe, dieser Vorschlag findet Zustimmung.

Gegenteilige Meinungen sind zu spät.

Piratenpartei
Piraten und der Esoterror

Ach, das ist ja geradezu furchtbar: Die Fraktionsgeschäftsführerin der Berliner Piratenpartei, Daniela Scherler, hängt privat esoterischer Alternativmedizin an, worüber sie auch Bücher schreibt, in denen sie angeblich – ich habe das jetzt aus Gründen nicht selbst überprüft – schwer Kranken (etwa Krebs- oder AIDS-Erkrankten) zu verstehen gibt, sie seien selbst schuld an ihrem Zustand. Gut, bei AIDS kann man sich jetzt darüber streiten, inwieweit eine Erkrankung vermeidbar wäre.

SPIEGEL Online hat vorgeblich nachgelesen:

An einer Stelle schreibt sie etwa über das Fasten. Sie sei sich vorher sicher gewesen, die Zeit locker zu überleben. Es gebe aber Menschen, die in vergleichbaren Situationen sterben würden, „weil sie noch in ihrem begrenzten Ego-Denken gefangen sind“.

Als Beispiel zieht Scherler dafür eine Flugzeugkatastrophe heran: Sie habe davon gelesen, dass nach dem Unglück in den Bergen einige der Überlebenden gestorben seien, nachdem sie drei Tage nichts zu essen hatten: „Und das, weil sie sich nicht vorstellen konnten, länger ohne Essen zu überleben. Sie manifestierten so unbewusst ihr Verhungern.“

Die Verhungerten waren also selbst schuld? Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt sie, wenn es um Krankheiten geht. Diese seien die „‘Quittung für (falsches) Projektionsverhalten“, meint Scherler.

Tja, ihr bei SPIEGEL Online, Lesen und Verstehen sind eben zwei Dinge. Eure ganze Argumentation steht und fällt mit der von mir hier hervorgehobenen, vermeintlich rhetorischen Frage. Dabei hat Frau Scherler von „Schuld“ überhaupt nichts geschrieben, nur von mangelnder Disziplin. Provokant gefragt: Könnt ihr das widerlegen?

Nehmen wir an, die Interpretation von SPIEGEL Online ist überhaupt auch nur ansatzweise richtig, woran es zu zweifeln gilt, so ist diese Haltung den Betroffenen gegenüber sicherlich nicht nett. Die Welt der Esoterik ist in der Regel in sich abgeschlossen: Wer nicht mitzieht, ist selbst schuld. Was mir aber von den vielen, die nach Parteiausschluss und Unwählbarkeit krähen, bislang nicht beantworten konnten oder wollten: Inwiefern ist es politisch relevant, wenn (und falls) die Fraktionsgeschäftsführerin der Berliner Piratenpartei privat irgendwelche absurden esoterischen Methoden der Alternativmedizin nicht schlecht findet?

Die Fraktion hat sich hinter Frau Scherler gestellt und erntet dafür Schelte: Sei man doch nicht so anders als die anderen Parteien?

Doch, natürlich ist die Piratenpartei das, und darum verzichtet man auf einen Parteiausschluss. Es ist doch ganz einfach: So lange man nichts tut, was den Prinzipien der Piratenpartei zuwiderläuft, ist alles erlaubt. Einen Programmpunkt, der besagt, die Piratenpartei stelle sich entschlossen gegen Alternativmedizin, Homöopathie und ähnlich wirres Zeug, gibt es nun einmal nicht. (Dass Menschen, die Alternativmedizin und Esoterik seriöser Wissenschaft vorziehen, wohl doch nicht so verachtenswert sind, zeigt der Fall von Steve Jobs, dessen Tod unter anderem seinem Versuch, den Krebs mit ebensolchen Methoden zu bekämpfen, geschuldet ist; und was sieht man auf Fotos von Piraten-Fraktionssitzungen? Klar: Apple-Produkte.)

Es ist schlimm mit der Piratenpartei. Dort tummeln sich geläuterte NPD-Aussteiger, Scientologen und Esoteriker. Wenn jetzt auch noch herauskommt, dass trotz der weltfremden und Menschen verachtenden Haltung des Papstes zur Sexualität sogar Katholiken in ihren Reihen sind – nicht auszudenken!