Archiv für November 2011

FotografiePersönliches
Impressionen: Romantische Betrachtung eines Nachmittags in der Adventszeit (Versuch 6)

Man latscht bedächtig durch die engen Straßen der Stadt, vorbei an Menschen, deren Hektik der offen gelebten Besinnlichkeit zuwiderläuft. Bereits von Weitem ist der Weihnachtsmarkt zu erahnen, zwar noch nicht mit Weihnachtsliedern beschallt, aber von vielfachen Stimmen und Imbissduft umwölkt. Nachdenklich sieht sich der stille Beobachter inmitten unecht lächelnder Zeitgenossen stehen und hört aus den zwischen Tand und Tinnef sowie Wurst- und Fischverkäufern nur leidlich gut versteckten Glühweinbuden das leiernde Lachen offenbar enger Freunde des Weihnachtsfestes, dem auch das Karussell gegenüber nicht viel entgegenzusetzen vermag.

„Ein Fest für die ganze Familie“, denkt man und verzieht sein zweites Gesicht zu einem gequälten Lächeln, sieht man doch ganze Familien hier beim Versuch, ihre weihnachtliche Stimmung um keinen Preis zu verlieren. Glücklich sehen hier eher die Augen der Budenbesitzer als die der Kinder aus, aber vielleicht täuscht dieser Eindruck auch, ziehen doch die Rauchschwaden der Imbisse unvermindert vorüber.

Nach einigen Minuten erwacht man aus seiner Gedankenwelt und tritt, noch immer beeindruckt, den Rückzug durch die festlich geschmückte Stadt an, in der sich doch nicht vieles geändert hat.

Wie damals in Alassio beginnt auch hier die Luft sich mit Benzin und Tabakqualm zu füllen, je weiter man sich vom Ort des Geschehens entfernt. Das „quack-quack-quack“ der Enten klingt, als lachten sie den Vorübergehenden aus.

Vielleicht tun sie das.

In den NachrichtenPolitik
Vorerst erfolgreich

Sollte es in all dem Trubel um die wankelmütigen Stuttgarter (sie liefern sich Gefechte mit der Polizei und wählen die Regierung ab, weil sie keinen Bahnhof wollen, nur um dann der neuen Regierung, die das Projekt Stuttgart 21 ablehnt, den Auftrag zum Weiterbau desselben zu erteilen; das verstehe, wer will) untergegangen sein: Die Gefahr der Rückkehr des Herrn Freiherr von und zu Guttenberg ist längst nicht gebannt.

Dass er Fehler in seinem Tun erkennt, behauptet er zwar gelegentlich, aber er wird nicht müde, neue Schuldige zu finden. An seinem Versagen sei derzeit der Universität Bayreuth gelegen:

Die Hochschule sei in dem Plagiatsfall „leider nicht unabhängig“ gewesen, sondern habe offenbar aus Angst vor dem Verlust von Forschungsgeldern vorschnell ge- und verurteilt, sagte Guttenberg in dem Interview-Buch „Vorerst gescheitert“, das am Dienstag erscheint.

Na, so was – ein Buch. Wer ihm das wohl geschrieben hat?

Auch bei einem Ansehensverlust hätte die Wissenschaftseinrichtung „nicht Regeln und den Schutz von Persönlichkeitsrechten über Bord werfen“ dürfen, betonte Guttenberg in dem Buch. Er sei schließlich kein „Betrüger“. (…) Erneut versicherte Guttenberg, er habe bei seiner Dissertation „selbstverständlich“ keinen Ghostwriter gehabt.

Richtig, die Universität durfte nicht Regeln, etwa das Verbot des Plagiierens, und den Schutz von Rechten, etwa der Urheberrechte der Autoren der Texte, aus denen seine Dissertation zusammenkopiert war, missachten; und hat genau deshalb das Richtige getan. Ihm ist immerhin anzurechnen, dass er keinen ghostwriter hatte, sondern in mühevoller Kleinarbeit aus jeder Quelle mit seiner eigenen Hände Arbeit abgeschrieben hat. Ob sein Tun juristisch als Betrug zu werten ist, ist mir nicht bekannt, seine Versuche aber, die Folgen als Verschwörung von Neidern darzustellen, zeigen fehlende Einsicht und sind zumindest von Rufschädigung nicht weit entfernt. Ein Betrüger mag er nicht sein, ein Blender wird er bleiben, da helfen keine Pillen; und als ein solcher ist er im Politzirkus sicherlich nicht verkehrt.

Das weiß er selbst:

Eine Rückkehr nach Deutschland und auch in die Politik schloss Guttenberg nicht aus.

Da freuen sich Deutschland und die Politik natürlich sehr. Was dieses Land braucht, sind integre Politiker mit strahlender Persönlichkeit. Nur: Wohin mit dem ollen Guttenberg? In der CSU möchte er anscheinend nicht weitermachen:

Die CSU stehe vor der Gefahr, zu einer Regionalpartei abzusteigen.

Vielleicht sollte mal jemand Herrn Freiherr von und zu Guttenberg darauf hinweisen, dass die CSU außerhalb des Freistaates Bayern nicht existiert und Bayern lediglich eines von über zehn Bundesländern in Deutschland ist. Man sehe es ihm aber nach, dass ihm das bislang nicht bekannt war: So ein deutscher Verteidigungsminister hält sich eben auch in seiner Amtszeit nur selten im Inland auf.

Beim SPIEGEL, wo man auch die Abschaffung des Adelsstandes noch nicht bemerkt hat und ihn, Frhr. v.u.z. Guttenberg, weiterhin einen „Adligen“ nennt, bestätigt man die Befürchtung:

Er selbst will Ende Januar erstmals wieder vor großem Publikum in Deutschland auftreten: Ausgerechnet beim Karneval.

Und zwar nicht etwa als Berufsclown, wie es Norbert Blüm nach seiner Tätigkeit in der Bundespolitik zu praktizieren beschloss, sondern als Laudator, denn so eine Laudatio braucht ja immer jemandem, der über den zu Ehrenden wahre, weise Worte spricht. Weil der SPIEGEL im Rest des Artikels ebenso wie auch N24 reichlich auf die Werbetrommel für des „Adligen“ Buch schlägt, ist es derweil nicht verwunderlich, dass selbiges in der Erstauflage bereits „fast vergriffen“ ist.

Den Erlös kann er, Frhr. v.u.z. Guttenberg, ja zum Beispiel nutzen, um die Lizenzrechte an seinen handverlesenen Quellen zu erwerben. Aber warum sollte er das tun?

(Danke an L.!)

Musikalisches
Erste Allgemeine Verunsicherung: Ihr Kinderlein kommet (verdammt noch einmal)

Nachdem die meisten meiner Leser wahrscheinlich bereits die Nase voll haben von Lebkuchen und Dominosteinen, kann die Adventszeit ja nun sinnvoll verbracht werden; zum Beispiel mit nach außen hin zelebrierter Besinnlichkeit, obwohl man sich eigentlich gar nicht besinnlich fühlt, und den letzten hektischen Weihnachtseinkäufen, denn man hat zwar eigentlich gerade nicht viel Geld oder auch nur Lust, ernsthaft von Herzen ein Geschenk auszusuchen, aber es muss ja sein, denn bald ist Weihnachten, und da macht man das halt so; wenn die Liebe zur eigenen Familie während der anderen 11 Monate im Jahr schon nicht genügt, um ein Fest der Familie zu feiern oder den Menschen, denen man viel verdankt, hin und wieder etwas materielle Aufmerksamkeit zu schenken.

Es ist jedes Jahr dasselbe: Elf Monate im Jahr vergehen ohne einen Gedanken an das Christentum zu verschwenden, womöglich gar, ohne sich um die Gebote als Grundsatz der Christen zu scheren, im zwölften Monat dann ist man dankbar für den Ablasshandel, den die Kaufhäuser gewähren. Die Seele wird rein von der Nachlässigkeit, die man ihr angedeihen ließ, wenn man drei Tage lang Zeit und Geld für nahe Menschen aufwendet. Christentum? Ach, i wo. Aber Weihnachten, das macht man eben so.

Sagt jedenfalls die Werbung, und die muss es ja wissen.

Man möchte nicht darüber nachdenken, man möchte nicht aus der Reihe fallen. Alle schenken, also schenke ich mit, auch denen, die ich eigentlich nicht mag; mit einem falschen Lächeln im Gesicht und Ebbe in der Geldbörse, aber es kommt ja von Herzen, redet man sich und dem Gegenüber ein.

Hört den Klang der Glocken, kauft und singet Halleluja!

Das befreit von der Seelenlast und rettet den Euro. Amen, Bruder.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Kurz verlinkt LXIX: … aber für‘s Fernsehen niemals!

Achwat, Sarah Kuttner?

Sich selbst findet Kuttner „viel harmloser, als alle glauben: anständig, nicht ernsthaft rabaukig“, und sie sage „nicht am laufenden Band ficken, kacken, kotzen. Ich bin nicht anstrengend, und nackig mach ich mich im TV schon gar nicht“, so die Autorin (…).

Das wäre bekanntlich unter ihrer Würde. Sie weiß, wovon sie spricht, sollte man meinen:

Im Juli 2003 erschienen von ihr Aktfotos in der deutschen Ausgabe des Playboy.

Und Frau Kuttner dann so:

„(…) Bestenfalls muss man auf sein eigenes Wertesystem verzichten. Ein erfolgreicher Moderator ist sich für kaum etwas zu schade.“

Außer halt fürs Fernsehen.

(via @chriszim (via @janboehm))

In den NachrichtenPiratenpartei
Hilfe, schon wieder Unterwanderung!

Positiv: Der Vorwurf, die Piratenpartei würde von der NPD unterwandert, ist inzwischen beinahe verhallt.

Negativ: Stattdessen muss sich die Piratenpartei nun den Vorwurf gefallen lassen, ihre Transparenz sei von Nachteil.

Der Hintergrund: Das Piratenpad, eine kollaborative Plattform, die unter anderem als virtueller AG-Tagungsraum innerhalb der Piratenpartei dient, aber auch von den Aufständischen in einigen dieser neumodischen Revolutionsländer zur Koordination genutzt wurde und wird, beinhaltete kürzlich Verweise auf Kinderpornografie, nach aktuellem Kenntnisstand von Mitgliedern des Kollektivs Anonymous im Rahmen derer Bemühungen, aktiv gegen ebensolche vorzugehen, eingestellt, und wurde daraufhin heruntergefahren. Dass sich die Aufmerksamkeit jetzt auf die Piratenpartei konzentriert, ist erstaunlich, denn ob die fraglichen Seiten inzwischen erfolgreich bekämpft worden sind, scheint niemanden zu interessieren; „erschlagt den Boten!“ lautet das Motto.

Tatsächlich ist die Piratenpartei fein heraus: Die unverzügliche Abschaltung nach Kenntnisnahme der Sachlage sollte juristische Konsequenzen vermeiden, zumal nicht nachvollzogen werden kann, wer die fraglichen Inhalte eingestellt hat. Selbstverständlich verzichtet man als EDV-Verantwortlicher bei der Piratenpartei auf die Speicherung personenbezogener Daten wie der IP-Adresse.

Und in der Presse klingt das dann so:

Es ist nicht das erste Mal, dass der Anspruch auf Transparenz und Durchlässigkeit für die Partei zum Eigentor wird. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen warnte kürzlich vor einer Unterwanderung durch Scientology, auch hatte die Partei Ärger wegen Neumitgliedern mit NPD-Vergangenheit.

Zu der Unterwanderung durch Sekten, Verharmloser linken Extremismus‘ und die NPD kommt nun auch noch eine Unterwanderung durch Leute, die Kinderpornografie bekämpfen wollen. Man hat es nicht leicht als Piratenpartei.

Und weil jeder Artikel eine gute Überschrift braucht, greift man tief in die Kompositakiste der „BILD“ …

Kinderporno-Panne erschüttert Piratenpartei

…, auf dass die Leserschar, deren konservativere Elemente grundsätzlich bei jedem progressiven Gedanken den Weltuntergang heraufbeschwören, sich gar nicht erst mit dem Text befassen, sondern gleich wieder die Causa Tauss zitieren möge, „war ja auch irgendwas mit Kinderpornos“.

Dass „Anonymous“ inzwischen die Urheberschaft der fraglichen Verweise zugegeben und sich entschuldigt hat, nimmt man in der Öffentlichkeit ebenso wenig wahr wie den eigentlichen Inhalt des mittlerweile gelöschten Pads:

Allerdings haben die auf dem Pad vorhandenen Links _nichts_ mit Kinderpornographie direkt zu tun. Es waren Links zu Foren, in welchen sich pädophile Menschen treffen und austauschen. Zudem wurde eines der genannten Foren in Schweden gehostet, was wir nicht tolerieren.

Es ist wirklich eine Schweinerei von der Piratenpartei, es zuzulassen, dass sich anonyme Internetbenutzer mithilfe ihrer Infrastruktur über Methoden zur Unterbindung kinderpornografischer Aktivitäten im Internet austauschen. Da sieht man mal wieder, wohin diese Freiheit im Internet führt.

Mit der Vorratsdatenspeicherung wäre das alles nie passiert!

(Danke an M.!)

PersönlichesPolitik
Quotenkompetenz

Als Angestellter im öffentlichen Dienst erlebt man so manche Überraschung.

Heute zum Beispiel erreichte mich neben dem gewohnten Informationsmaterial betreffs meiner Arbeitszeitvergütung auch ein Brief der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration (Männer interessieren eben niemanden), die treffenderweise Aygül Özkan heißt und somit für mindestens zwei ihrer fünf Ämter sogar ein wenig Fachkompetenz besitzen dürfte, in welchem sie – oder einer ihrer Bediensteten – mich bat, an einer Umfrage teilzunehmen. Den Brief habe ich im Dienst der Transparenz und der Information meiner Leser im Folgenden einmal kopiert und die bemerkenswerten Stellen hervorgehoben:

Es geht also in Kurzform darum, dass Frau Özkan im öffentlichen Dienst ihresgleichen vermisst. Etwa 17 Prozent der Niedersachsen sind nicht von hier, und da man im Amt für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration offenbar gerade die genauen Zahlen nicht finden kann, hat man dort beschlossen, einmal herumzufragen, ob diese Zahl sich auch im Verhältnis der vom Land Beschäftigten wiederfinden lässt. Bei ungefähr 17 Prozent „betroffenen“ Niedersachsen ist es doch sicher möglich, eine Migrantenquote von min-des-tens 50 Prozent hinzubekommen, sofern das nicht mit der Frauenquote kollidiert. Besonders gern gesehen sind also, wahrscheinlich, behinderte weibliche Migranten; Verzeihung, es muss natürlich „behinderte weibliche Migrant/-innen“ heißen. Kompetenz ist, wie üblich, zweitrangig. (Nur, falls sich noch jemand wundert, wieso niedersächsische Behörden nicht für ihre Effizienz bekannt sind.)

Warum ich das Anschreiben in der heutigen, zum Nachteil einheimischer Männer „politisch (und sexistisch) korrekten“ Zeit überhaupt für erwähnenswert halte, erklärt die zweite Seite desselben:

Denn warum sollte man im öffentlichen Dienst auch arbeiten, wenn man stattdessen Umfragen ausfüllen kann? Sicher, „10 bis 15 Minuten“ klingt nicht nach viel Verlust, aber man sollte nicht vergessen, dass nicht jeder von der Bedienung des Internets allzu viel Ahnung hat, so dass es auch etwas länger dauern kann. Die erwähnte Internetseite wird etwas konkreter und erwähnt neben dem Umstand, dass außer der Herkunft auch das Geschlecht und das Alter sehr wichtig sind, wenn man im öffentlichen Dienst zukünftig einen Arbeitsplatz bekommen möchte, auch dieses Detail:

Insgesamt werden rund 222.000 Bedienstete gebeten, bis zum 20. Januar 2012 Auskunft über ihren möglichen Migrationshintergrund und ihr Beschäftigungs-verhältnis zu geben sowie einige zusätzliche Angaben zu machen.

  • Rund 222.000 Bedienstete werden offiziell dazu aufgerufen, durchschnittlich 15 Minuten ihrer Arbeitszeit damit zu verbringen, dem Ministerium ihre Person zu erläutern; klar: Woher sollte so ein Ministerium auch wissen, wer im Dienst des Landes steht? Das macht nach Adam Riese und calc.exe 3,3 Millionen Minuten, 55.500 Stunden oder 2.312,5 Tage (das sind einige Jahre), die auf Kosten des Steuerzahlers erwünscht verplempert werden.
  • Rund 222.000 Ausfertigungen vorliegenden Schreibens kosten den Steuerzahler nach den üblichen Briefbeförderungspreisen insgesamt über 122.000 Euro.

Und das alles, nur noch einmal zur Erinnerung, nur, weil Frau Özkans Ministerium der Meinung ist, Migranten seien unabhängig von ihrer fachlichen Kompetenz oder sonstigen Qualitäten bei der Vergabe von Arbeitsplätzen zu bevorzugen. Arbeitslose Deutsche gibt es eben noch nicht genug – als Ministerin für Soziales weiß man so etwas ja meist.

„Auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein.“
– Die Toten Hosen

(Für eifrige Leser: Wer alle Grammatikschnitzer in obigem Anschreiben findet, bekommt ein virtuelles Schulterklopfen von mir.)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz verlinkt LXVIII: Anständiger Aufstand

In den USA so:

Eine US-Lobbyfirma bietet amerikanischen Banken Hilfe bei der Demontage der Occupy-Protestler an. Die Aktivsten gelten in Washington als ernsthafte politische Bedrohung.

(Quelle)

Weil vorher in den USA so:

Die Stimmung zwischen Polizei und der Occupy-Bewegung heizt sich auf. In New York wurden 250 Menschen festgenommen. Polizisten und Demonstranten sind verletzt.

(Quelle)

Während in Deutschland so:

(…) das Verhalten der Demonstranten gibt den städtischen Ordnungshütern keinen Grund zur Klage, im Gegenteil: „Wenn jede Demonstration so angenehm und friedlich verlaufen würde, hätten wir weniger Arbeit“, sagte der Chef des Frankfurter Ordnungsamts (…). Der Platz vor der Europäischen Zentralbank (EZB) sei eben „ein Platz, an dem man nicht aneckt“. Dort campiert „Occupy Frankfurt“ seit dem weltweiten Aktionstag vom 15. Oktober.

(Quelle)

Und dann das Ordnungsamt so:

Das Frankfurter Ordnungsamt hat den Occupiern am Willy-Brandt-Platz gerade erneut die Protestgenehmigung verlängert, diesmal bis zum 27. November. (…) „Wenn es so weiter geht, werden wir das auch den Winter hindurch verlängern.“

(Quelle)

Ihr seid mir ein paar Revolutionäre. Eure 68er-Eltern sind jetzt sicher sehr stolz auf euch.

„In Deutschland wird es keine Revolution geben, weil man dazu den Rasen betreten müsste.“
(wahrscheinlich) Wladimir Iljitsch Uljanow

Netzfundstücke
Obama: Rechts im Bild.

Nun kann man bei diesem Artikel auf n24.de schon die Überschrift amüsant finden:

Obama begnadigt „Peace“ und „Liberty“

Die Todesstrafe für Frieden und Freiheit wird also auf unbestimmte Zeit ausgesetzt; das ist erfreulich. Tatsächlich aber handelt es sich bei „Peace“ und „Liberty“ um Truthähne.

Und weil man so einen Truthahn nur schwer von US-amerikanischem Nachwuchs unterscheiden kann, bin ich der Redaktion von N24 für die wichtige Bildunterschrift natürlich sehr dankbar:

Beinahe hätte ich sie verwechselt.

(Danke an L.!)

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Kurz verlinkt LXVII: Was wirklich gegen Terrorismus hilft, …

… der nicht nur aktiv gefördert, sondern auch tatkräftig unterstützt wird vom so genannten „Verfassungsschutz“, der die Verfassung ungefähr so erfolgreich schützt wie der „schwarze Block“ die Demokratie, ist nicht etwa ein NPD-Verbot, sondern es sind mehr Kompetenzen.

Mit der Vorratsdatenspeicherung nämlich wäre das alles nie passiert. Weil das mit der Vorratsdatenspeicherung nicht so leicht ist, muss stattdessen eine andere Lösung her, sagte schon Ehrhart Körting von der (Achtung!) SPD (Tusch!) im Jahr 2004; die sich allerdings auch nicht entscheiden kann, ob die Vorratsdatenspeicherung nun gut oder nicht so gut ist.

Er brachte seinerzeit einen Vorschlag ein, der sich schon eher nach der SPD anhört und den jetzt vor dem Hintergrund der Geschehnisse um den „Nationalsozialistischen Untergrund“ auch Innenminister Friedrich aufgreift.

Wie nämlich verhindern wir in Zukunft, dass der Verfassungsschutz die Aktivitäten terroristischer Vereinigungen (ein scheußlicher Terminus) nicht nur nicht bekämpft, sondern auch noch aktiv unterstützt oder gar initiiert; dass also eine Bande gewaltbereiter „Verfassungsschützer“ bis dahin eher gemäßigte Bürger zu Neonazitum anstiftet und so Terrororganisationen im Untergrund errichtet, über die sich hinterher alle wundern?

Klar:

Nach den Ermittlungspannen im Fall der Neonazi-Mordserie will Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den Verfassungsschutz auf Bundesebene stärken.

„Ermittlungspannen“; kann ja mal passieren. Wir können beruhigt sein, dass die CSU sich jetzt endlich mal darum kümmert.
Dann kann nämlich nichts mehr schiefgehen.

Spaß mit Spam
du magst sie jung und dumm?

Wen jetzt? Ach so, „junge Girls“, wie auch der Absender lautet, wahrscheinlich. Nein, eigentlich wäre es mir lieber, es gäbe mehr gebildete als dumme „junge Girls“, und wer das nicht versteht, den lade ich gern auf eine Wochenkarte für den ÖPNV in einer Kleinstadt seiner Wahl ein, auf dass sich das ändere, Aldah, ey, fickdisch.

Insofern muss ich die eingangs gestellte Frage leider verneinen. Darf ich trotzdem weiterlesen? Ja? Gut:

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junge Teenies sind auf der Suche nach Fickerfahrungen

Aber so richtig „junge Teenies“, nicht etwa alte Teenies oder solche mittleren Alters, nein, junge Teenies. Nur, falls der Leser das an dieser Stelle schon wieder vergessen haben sollte.

Schau dir an wie ihre Löcher das erstemal weit gedehnt werden
und sie Sperma schlucken bis der Rachen voll ist.
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Ach, nein, gedehnte Löcher (das nennt man doch heute „Tunneln“, oder?) sind nicht sonderlich interessant oder auch nur attraktiv. Interessant ist aber die Ankündigung, besagte „junge Teenies“ würden Ejakulat schlucken, bis der Rachen voll ist. Ist das nicht ziemlich gefährlich, die Atemwege zu blockieren?

In gewisser Hinsicht klingt das nach einem Zirkusplakat. „Sehen Sie die Frau mit den Witzen mit dem längsten Bart der Welt, die unglaublichen siamesischen Zwillinge und junge Teenies, die an fremdem Ejakulat ersticken! Kommen Sie zahlreich!“

Aber eigentlich geht es ja gar nicht ums Schlucken, sondern ums Schnackseln:

Blutjunge sexy Teens ficken jeden um den Verstand!

Anscheinend hält das beworbene Angebot eine reichliche Auswahl an Protagonisten vor, denn außer „jungen Teenies“ gibt es dort auch „blutjunge sexy Teens“, quasi als Gegensatz zu den „nicht mehr ganz blutjungen Teens eher durchschnittlichen Aussehens“ und vor allem den „jungen Girls“, Abwechslung muss ja sein, nicht wahr? Jemanden um den Verstand zu bringen, und sei es mit solchen Mitteln, kann ich allerdings nicht gutheißen. Am Ende klauen die einem noch die Kreditkarte.

Diese jungen dauerfeuchten Teenie Muschis brauchen
Schwänze in alle Löcher und als Belohnung nur
eine Ladung warmes Sperma zum schlucken!

Junge Muschis, soso, zu meiner Zeit hat man denen noch eine Schale Wasser hingestellt, aber die Zeiten ändern sich anscheinend. Oder ist etwa das weibliche Geschlechtsteil gemeint? Falls ja: Wie viele Löcher hat so eine „Muschi“ normalerweise, und wie genau darf man sich das „Schlucken“ vorstellen?

Ist Dr. Sommer zufällig anwesend?

Schau jetzt den geilen Girlies zu oder chatte live
vor der Webcam und bring den Gören noch was bei.

Oh, da kann ich mich ja gar nicht entscheiden: Zuzugucken reizt mich nicht, für das Lehren fehlt mir die Geduld.

Möchte das jemand für mich übernehmen?

MusikalischesPersönliches
Die Toten Hosen – Nichts bleibt für die Ewigkeit

… und dann ertappt man sich manchmal dabei, nachzudenken über sich und sein Leben und ob man seine Zukunft, die man sich einst so rosig ausgemalt hatte, auch verwirklichen konnte, und man würde gern das Fenster aufreißen und schreien, aber man bekommt kein Wort heraus. Man schafft es nicht einmal, aufzustehen, die Last der Gedanken drückt mit Gewalt zurück in den Sessel. Etwas durchströmt den Körper, von dem man sich wünscht, man könnte es hier und jetzt ein für allemal ausrotten.

War es immer ratsam, den gut gemeinten Ratschlägen zu folgen, das unbeschwerte Leben in den Tag hinein einzutauschen gegen eine ungewisse Zukunft? Ist es jetzt zu spät, noch etwas zu ändern?

Und warum fragt man sich all das erst jetzt?

Wenn du nachts hellwach in deinem Bett liegst,
hörst du, wie es leise tickt;
es ist ’ne Uhr in dir, die läuft nur für dich,
sie erinnert dich dran, wie spät es ist…

In den Nachrichten
Medienkritik LIX: Provinzjournalist Michael Naumann ist überfordert.

Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, hat sich für mehr gemeinsame Politik in Europa ausgesprochen und dabei den Fehler begangen, sich bildlich auszudrücken, denn mit so etwas können deutsche Journalisten bekanntlich nicht umgehen. Unter dem Eindruck der starken Europapolitik von (ausgerechnet) Angela Merkel sprach er unter anderem dies:

Kauder deklinierte den Beschluss noch einmal durch und bezog sich mehrfach auf die Rede von CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag. Er fügte hinzu: „Auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen.“ Nicht in der Sprache, aber in der Akzeptanz der Merkel-Politik, sagte der CDU-Politiker.

(Hervorhebung von mir.)

Einmal davon abgesehen, dass der relativierende Nachsatz mir deplatziert erscheint, denn Deutsch ist nach wie vor eine wichtige Amts- und Arbeitssprache in der Europäischen Union, rief diese Rede Cicero-Chefredakteur Michael Naumann auf den Plan, der Spott und Häme über Volker Kauder ausschüttete und bei der Gelegenheit auch gleich zeigte, dass Cicero, seines Rufs ungeachtet, auch nicht unbedingt hellere Köpfe beschäftigt als die „Bild“, zumal Kai Diekmann sich dort mitunter zu Wort melden darf.

Michael Naumann nämlich hat offenkundig bei seinen, wie üblich, gründlichen Hintergrundrecherchen kurzzeitig den Faden und die Beherrschung verloren und stammelt also unter der Überschrift „Provinzpolitiker Kauder und die deutsche Sprache“ unter anderem folgenden Unsinn in sein virtuelles Heimblatt:

„In Europa wird wieder Deutsch gesprochen“, rief der CDU-Fraktionschef Volker Kauder seinen Parteifreunden beim jüngsten Wellness-Kongress (sic!) der Union zu. „Oh, really?“ antwortete die britische Presse mit der inseltypischen Empörung.

Die „inseltypische Empörung“ hat übrigens einen deutschen Fachbegriff, er lautet „Sarkasmus„.

Sind wir also wieder im Nationalismus des frühen 19. Jahrhunderts mitsamt seinem Sprachenstreit und Sprachenhochmut gelandet?

Wen Michael Naumann mit „uns“ meint, bleibt offen. Herrn Kauder jedenfalls nicht, denn das Thema „Sprache in Europa“ war kein Teil seiner Rede. Eventuell möchte Herr Naumann sich selbst damit an die Öffentlichkeit wagen. Tapfer!

Unvergessen ist der Hochmut deutscher Historiker, als sie entdeckten, dass peinlicherweise Deutsch die „Arbeitssprache“ im ersten panslawistischen Kongress zu Moskau (1867) war.

Unvergessen ist auch der Hochmut des Michael Naumann, der weder mit den europäischen Arbeitssprachen der Gegenwart noch mit der Rede, über die er sich auslässt, vertraut zu sein scheint. Aber bekanntlich kommt Hochmut vor dem Phallus Fall.

Wann also wird Herr Kauder beim irgendwann fälligen Gespräch mit dem neuen Vorstand der Deutschen Bank, dem indischen Briten Anshu Jain, darauf beharren, dass der Vielfachmillionär doch bitte die Landessprache benutzen möge?

Nun, wahrscheinlich nie; erstens, weil Indien kein europäisches Land ist, zweitens, weil hierzu keine Verpflichtung besteht. Aber ich bin beeindruckt, dass Michael Naumann den Umstand, dass Herr Jain Vielfachmillionär ist, für erwähnenswert hält; als habe er als ein solcher selbstverständlich jedes Recht auf eine Sonderbehandlung. Cicero, das kapitalistische Blatt für Stammtischbrüder.

„Provinz“ beginnt im Kopf: Volker Kauder, der offensichtlich stolz darauf ist, dass mit deutschen Steuergeldern und deutschen Haushalts-Vorschriften europäische Rettungsmaßnahmen verknüpft werden, ist ein Provinzpolitiker, gegen den – im Vergleich – der Europäer Helmut Kohl aus Oggersheim ein strahlender Kosmopolit war.

Dabei hat Helmut Kohl doch viel dafür getan, dass gerade Deutschland wieder Deutschland sein darf, die deutsche Einheit eingeschlossen. Von welchem Helmut Kohl spricht Herr Naumann hier?

Ebenso könnte man sich fragen, von welcher deutschen Sprache er eigentlich spricht:

Was hülfe es (Luther-Deutsch), ihm zu erklären, (…)

„Was hülfe es“ ist nämlich genau so „Luther-Deutsch“ wie „ihm zu erklären“, aber Provinzjournalist Michael Naumann kennt den Konjunktiv II vielleicht nur aus den Erzählungen seiner Großeltern und hält ihn daher für ein Anzeichen eigener Sprachbeherrschung. Ich stelle mir gerade vor, wie Herr Naumann beim Schreiben dieses Satzes aufspringt, in die Hände klatscht und ausruft: „Welch formschönes Hochdeutsch!“. Meinen Glückwunsch, Herr Naumann.

Nein, wir leben im 21. Jahrhundert, und die Arbeitssprache der international und wissenschaftlich tätigen Europäer ist Englisch. Europa spricht weder finnisch, noch deutsch.

Das ist einem Herrn Naumann vielleicht auch ganz recht, denn die deutsche Sprache, die zum Beispiel zwischen „weder“ und „noch“, von eingeschobenen Relativsätzen abgesehen, kein Komma vorsieht, scheint ihn zu überfordern. Ein wenig Recherche aber hätte ihm ausnahmsweise sicher nicht geschadet, denn Deutsch ist, wie bereits angeführt, Amts- und Arbeitssprache nicht nur der Europäischen Union, sondern auch recht vieler ihrer Mitgliedsstaaten, zumal die Beherrschung des britischen Idioms auch hierzulande selten ist. Englisch und Englisch ist eben nicht dasselbe.

Jetzt hat Herr Naumann also zwei „Seiten“ im Internet mit Gift und Galle wegen eines Satzes, der so nie gefallen ist, vollgeschrieben.

Man wundert sich und fragt sich, was das heißen könnte.

Vielleicht das Buhlen um Aufmerksamkeit, wohl wissend, dass populistisches Geifern bei den Massen besser ankommt als einfach mal die Klappe zu halten. Man muss dafür ja nicht unbedingt wissen, worüber man spricht, die „Bild“ immerhin verkauft sich mit wenig tatsächlichem Hintergrundwissen ja ebenfalls nicht schlecht, und auch Michael Naumann schätzt sie dafür, immerhin zitiert er sie eingangs sogar.

Vielleicht aber liege ich da auch völlig falsch, und Herr Naumann hatte ehrenwerte Absichten. Das allerdings werden wir wohl nie erfahren.

Nothing for ungood.
– Urban Priol, „Neues aus der Anstalt“

Nerdkrams
Regelvernetzung: ifttt

Informatiker sind ja eine naturgemäß eher bequeme Spezies. Der „Computer“, später zum „PC“ und zum „Mac“ pervertiert, wurde ursprünglich erschaffen, um tägliche Aufgaben zu vereinfachen; dass heute zum Teil mehr Arbeit durch ihn entsteht als bewältigt wird, lässt mich als ironischen Menschen sehr bedeutungsvoll gucken.

Nun kann man inzwischen ja fast alles automatisieren, was außerhalb des Internets vor sich geht. Dort aber galt es bislang noch Schranken zu überwinden.

Der Dienst „if this then that“, kurz „ifttt“, den ich vor einigen Monaten schon einmal in der geschlossenen Betaversion kurz ausprobiert hatte, verspricht dieses Problem zu lösen. Mittlerweile ist die Anmeldung für jeden Internetnutzer offen und frei zugänglich. ifttt verfolgt dabei eine lobenswerte Datensparsamkeit: Benutzername, E-Mail-Adresse, zweimal das Passwort – fertig. (Eine Wegwerfadresse genügt übrigens, sofern man später auf die Benachrichtigung bei Problemen verzichten kann.)

Was einige meiner Leser vielleicht abschreckt: ifttt ist derzeit nur in englischer Sprache verfügbar. Ja, das ist ja alles schön und gut, sagt ihr jetzt vielleicht, aber was tut ifttt überhaupt? Wie der Name – „wenn dies, dann das“ – schon andeutet, ist ifttt ein Dienst, der bei bestimmten Ereignissen bestimmte Aktionen auslöst, etwa so wie der Aufgabenplaner von Windows oder die Unix-/Linux-Crontabs („immer, wenn es 3 Uhr ist, formatier die Festplatte“, zwar blöd, aber geht), nur eben mit Internet.

Falls jemand von euch Twitter nutzt, hat er vielleicht schon in irgendeiner timeline Tweets von YouTube oder WordPress gesehen: „Ich habe gerade einen neuen Artikel geschrieben: …“ oder „Mir gefällt ein YouTube-Video: …“, jeweils mit der Adresse dahinter. Diese Tweets stammen direkt von YouTube und WordPress (mit entsprechenden Plugins); aber sie könnten ebenso gut von ifttt stammen. Dabei ist noch weit mehr möglich als bloßes Twittern. Ich zum Beispiel habe derzeit zwei aktive Aufgaben eingerichtet:

  1. Wenn ich via Twitter einen URL bewerbe, kopiere diese Adresse automatisch auch in meine Lesezeichensammlung bei Zootool.
  2. Wenn ich auf Last.fm ein Lied mit einem Herzen versehe, kündige dies auf Twitter an.

Das klingt jetzt alles nach komplizierter Programmierung, intern ist es das wahrscheinlich auch, aber der Benutzer bemerkt davon nichts:

Dabei ist das nur eine sehr kleine Auswahl dessen, wozu ifttt imstande ist, hat es doch unter anderem auch Zugriff auf den Notizdienst Evernote, das furchtbare Facebook, den Speicherplatz in der eigenen Dropbox, den Google Reader, beliebige RSS-Feeds und E-Mail-Konten; es ist sogar möglich, ifttt per SMS anzusteuern. Natürlich benötigen alle unterstützten Dienste eine erstmalige Freischaltung, das bedeutet, wenn man sie in seinen „Channeln“ aktiviert („Activate“), muss man sich zunächst zum Beispiel auf Twitter.com anmelden und ifttt den Zugriff gewähren, damit man keinen Schindluder mit dem Twitterkonto Dritter treibt.

Das Erstellen einer neuen Aufgabe erfolgt dann per Klick auf „Create task“, oben rechts im Bild, grafisch und ziemlich komfortabel: Zu jedem „Channel“ werden jeweils die erkannten Ereignisse oder die möglichen Aktionen aufgelistet. Möchte man zum Beispiel auf Ereignisse in seiner Dropbox reagieren, präsentiert sich ifttt so:

Die verfügbaren „Channel“ werden ständig erweitert, unter anderem kann ifttt auch bereits auf Google+-Einträge reagieren. Einige Anwendungsbeispiele für unterschiedliche Zwecke gibt es auf der Seite „Recipes“ („Rezepte“) zu sehen.

Natürlich ist vieles, was ifttt bisher zu bieten hat, nicht viel mehr als eine amüsante Spielerei. Wenn man aber zum Beispiel häufiger mal auf interessante Internetseiten verweisen möchte, wie es etwa diplix tut, oder etwa Facebook nutzt, um Einträge aus anderen sozialen Netzwerken und RSS-Feeds auf der Pinnwand zusammenzufassen, ist ifttt ein mächtiges, hilfreiches Werkzeug.

Ein Blick ist vielleicht für jeden interessant, der sich oft und gern im „Web 2.0″ aufhält, wie auch für jeden, der, wie ich, einfach nur gern neue Dinge ausprobiert. Eine effiziente Verknüpfung der verschiedenen Dienste, die sich im Laufe der Jahre in den täglichen Arbeitsablauf eingliedern lassen, kann viel Zeit sparen; und Zeit ist manchmal Geld. (Nur wir Studenten haben beides nur selten. Das ist der Lohn für Wissensdurst.)

In den NachrichtenNerdkrams
Soziale Differenzen

Als ich letzte Woche spekulierte, Facebook werde in absehbarer Zeit den Weg aller „sozialen Netzwerke“ gehen, deren größte Beliebtheit in der Regel einen Zeitraum von ungefähr drei Jahren umfasst, bevor sie vom nächsten „kommenden Ding“ abgelöst werden, erntete ich vor allem ungläubiges Kopfschütteln. Facebook sei, schrieb zum Beispiel „Silencer“, mittlerweile schlicht zu bedeutend, um abgelöst werden zu können.

Ich hatte diese Diskussion längst wieder vergessen, wurde aber heute an sie erinnert, als ich zufällig die Meldung las, dass der Musikstreamingdienst Spotify, der in Deutschland aus Gründen nicht offiziell verfügbar ist, seit Ende September 2011 Neuanmeldungen nur noch per Facebook-Verbindung zulässt, soll heißen: Der Zugriff auf die eigene Musik – selbst, wenn man sich ein teures Premiumkonto dort geleistet hat – ist abhängig von der Gunst Facebooks. Das wiederum bedeutet: Wer bei Facebook für die Spotify-Nutzung ein zweites Profil anlegt, eine falsche Identität vorgibt oder sonstwie gegen die Richtlinien verstößt, könnte irgendwann ein Problem bekommen; zumal Facebook in Schulen und Büros oft schlicht nicht zugänglich ist.

Dass die Kritik an Facebook kein „typisch deutsches“ Phänomen ist, zeigt sich nun anhand der zahlreichen Beschwerden interessierter oder ehemaliger Spotify-Nutzer. Zu Recht fragen dort manche: „Ist es verantwortungsvoll, die Nutzung von Facebook vorauszusetzen?“ Offensichtlich steht Facebook auch in anderen Ländern in der Kritik. „Soziale Netzwerke“, so der Tenor, sollten eine private Spielerei und keine Zugangsvoraussetzung für irgendetwas sein, vor allem dann nicht, wenn sie sich wie Facebook gebärden. So fragt etwa „coronadoug“:

How do I purchase this for my young daughter? Do you think that I want her having a FB account?

Es ist schön, dass sich manche Eltern noch über die Internetnutzung ihrer Kinder Gedanken machen. Anonymus „iampetstone“ trifft den Nagel jedenfalls auf den Kopf:

Get back to actually being social, you know, by seeing friends in person or picking up the PHONE!

Medienkompetenz setzt sich langfristig anscheinend durch. Platzhirsch Google, mit dem mit den übrigen Google-Diensten zusehends mehr verzahnten Google+ noch vergleichsweise neu im Rennen, aber recht erfolgreich, bereitet mit seiner Allgegenwart bislang noch weniger Unbehagen, Benutzer des Google Readers allerdings sind seit der letzten größeren Änderung dort tendenziell unzufrieden und suchen nach Alternativen, und es sollte mich erstaunen, träfe so etwas nicht auch früher oder später auf die anderen Google-Dienste zu.

„Silencer“ irrte offensichtlich: Der Trend geht weg von der Monopolisierung des digitalen Lebens. Wir können inzwischen jeden Bereich unseres digitalen Lebens zwischen Google und Facebook aufteilen, aber wir sind immer weniger bereit, es zu tun. Das ist vielleicht den ungezählten aus dem Boden schießenden Alternativen zu verdanken, immerhin ist so ein „Web-2.0″-Dienst nicht mit unmenschlich viel Arbeit verbunden (auch Microsoft arbeitet daran), vielleicht hilft es aber auch, dass die Nörgler, die Datenschützer sich häufiger in den Medien zeigen als noch vor wenigen Jahren, denn auch ein datenschutzkritischer Artikel veranlasst Menschen dazu, sich mit dem Thema zumindest oberflächlich zu beschäftigen.

Was das nächste Facebook wird, steht immer noch in den Sternen. Aber es wird kommen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt LXVI: Internationales Ansehen

Ach du Schreck:

Erstmals seit seinem Rücktritt zeigt sich Karl-Theodor zu Guttenberg der Öffentlichkeit. Bei einem Vortrag in Kanada will der gestrauchelte Politiker nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen über die Wirtschaftskrise sprechen – angekündigt ist er als „angesehener Staatsmann“.

In Kanada, wo der ehemalige Feldherr nebst Familie vermutlich fast niemandem näher bekannt ist, kann man so etwas natürlich besser verkaufen als hierzulande. Aber schämen sich die Veranstalter nicht für diese Falschetikettierung?

Alle Hoffnungen, in Kanada würde er so positiv aufgenommen, dass er fortan dort statt hier agieren wird, sind leider bereits zerstreut: Seine Frau ist auch wieder da. Eins muss man ihnen lassen, beharrlich sind sie ja. (Und die CSU braucht dringend wieder ein Maskottchen.)

Das wird noch übel enden.

(via Fefe)