Archiv für Oktober 2011

Spaß mit Spam
Hallo! ich Leslie Rich

Ach, da schau her, man beflirtet mich erneut unter obigem Sujet und beweist dabei sogar Humor, denn bereits die Einleitung ist zum Schreien:

Klopf, klopf:)

Herein!

Wie geht es dir? Hoffe, Sie sind ok.

Ja, das Deutsche ist schon knifflig mit diesem förmlichen Sie. Aber kleine Pannen passieren selbst Alteingesessenen; wer häufiger mit dem ÖPNV fährt, der weiß das und ist sehr zu bedauern.

Ich sah Ihre E-Mail und entschieden sagen: „Hallo“.

Meine E-Mail? Welche jetzt? Und vor allem: Wo? Ich vermisse sie nämlich sehr und weiß nicht mehr, wo ich sie hingelegt habe.

Aber wie, Leslie, darf ich mir ein entschiedenes „Hallo“ vorstellen? Mit verschränkten Armen und Aufstampfen vielleicht? Das wäre fürwahr sehr amüsant! (Und jetzt, um noch eins oben drauf zu setzen, stellen wir uns das entschiedene „Hallo“ mit der Stimme von Angela Merkel vor. Fertig? Dann weiter im Text.)

Ich weiß nicht, wer bist du, aber ich will check up mein Schicksal.

(Ja, so redet die Jugend heutzutage.)

Ich bin ein junges Mädchen 24 Jahre alt, bescheiden, ehrlich, fürsorglich und I `m eröffnet für neue Bekanntschaft.

„Ich bin jung, na ja, eher so mittel, aber supertoll, prima und ein bisschen bescheiden vielleicht. Ach, und ich hab Bock zu vögeln.“

Wenn Sie interessiert sind schreiben Sie mir bitte zurück werde ich Ihnen weitere Informationen über mich.

… vorenthalten? Via Mail zusenden? Andererseits: Letzteres vielleicht eher weniger, denn die technischen Fähigkeiten scheinen begrenzt. Immerhin …

Ich gebe Ihnen mein foto, so konnte man mich sehen.

… fehlt der E-Mail der angekündigte Anhang, was sicher sehr schade ist. (Oder war das „geben“ etwa wörtlich gemeint?)

Leslie Rich

Dr. med. Wurst

__________________
1318858875 consectetuer euismod est arcu ac orci. Ut semper

Auch Ihnen ein freundliches lorem ipsum, Gnädigste!

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXII: Für‘n Arsch.

Ihr konntet es auf euren kotverschmierten iPhone-Bildschirmen vielleicht bereits lesen, liebe Leser:

Die Statistik des Tages bereitet manchem ein merkwürdiges Gefühl in den Eingeweiden.

Jedes sechste Mobiltelefon weist einer britischen Studie zufolge Spuren von Fäkalien auf. Auf den betroffenen Handys fanden die Wissenschaftler der am Freitag veröffentlichten Studie Rückstände des E-Coli-Bakteriums, das im Darm vorkommt und von dem bestimmte Stämme tödlich sein können.

Zugegeben, zum Telefonieren ist so manches dieser modernen smartphones ja nun nachweislich nicht geeignet; aber ein derart kreativer Verwendungszweck für diese mit einem großflächig kontaminierten touchscreen ausgestatteten lifestyle gadgets wäre selbst mir im Traum nicht eingefallen. Körperhygiene statt Kommunikation. Elektronisches Toilettenpapier. Na dann: Wohl bekomm‘s.

(Auch mal interessant: Die Realschule in Winnenden, an der der Amoklauf stattgefunden hat, wurde renoviert und neu eröffnet. Jetzt freuen sich alle, dass der Umbau so gut geklappt hat und keiner mehr an den Amoklauf denkt, aber an die Beseitigung der Missstände, die überhaupt zu jenem Amoklauf geführt haben, hat niemand gedacht. Tim K. lief sicher nicht Amok, weil ihm die Möblierung missfiel. Sie werden es nie lernen.)

KaufbefehleMusikalisches
Magma – Ëmëhntëhtt-Ré (außerdem: Jean Louis)

Na, werdet ihr montags auch nicht so recht wach, die Nebenwirkungen des Wochenendes noch in den Organen?

Da ist Metal sicher ebenso wenig eine geeignete Maßnahme wie das pubertäre Gekicher irgendwelcher Radiomoderatoren. Womit man so einen Montag viel besser beginnen kann, ist Jazz; und zwar nicht irgendein Jazz, sondern solcher, der nachhaltig wirkt.

Zum Beispiel Zeuhl.

Und wenn die ehemals müden Gliedmaßen nach so viel rhythmischer Bewegung wieder in betriebsfähigem Zustand sind, empfehle ich anschließendes wildes Gezappel zu den wilden Strukturen des ebenfalls französischen Jazzcore-Trios Jean Louis. „Jazzcore“? Jawoll:

Wenn es notwendig ist, bellt zu stampfenden Rhythmen eben ein Hund, dazu schrubbt ein zur Unkenntlichkeit verzerrter Bass und zwei Trompeten erklingen gleichzeitig in einer Art elektronisch-dissonantem Singsang. Dann wieder wird es fast metalartig krass, schweres Geriffe bricht über den Hörer hinein, nein, Rücksicht nehmen Jean Louis dabei nicht.

Kunst? Wahrscheinlich. Und Kunst kennt kein Pardon.

In diesem Sinne: Guten Morgen!

Netzfundstücke
Kurz verlinkt LXI: Probleme.

Probleme hat das Unternehmen Google in der öffentlichen Wahrnehmung nicht. Es kursiert aber ein Google+-Beitrag eines Google-Beschäftigten, der ihn versehentlich für alle Besucher sichtbar gemacht hatte, dies aber dann doch noch bemerkte und – zum Glück zu spät – den für interne Kreise bestimmten Text löschte. Ja, Google und die Transparenz.

Worum es in besagtem Beitrag geht? Nun, der Schreiber nennt das größte Problem von Google, gemessen an Konkurrenten wie Amazon und Facebook, beim Namen: Mit Plattformen haben sie es nicht so.

That one last thing that Google doesn‘t do well is Platforms. We don‘t understand platforms. We don‘t „get“ platforms. Some of you do, but you are the minority.

Für jene, die der englischen Sprache zumindest leidlich mächtig sind und schon immer mal herzlich über Manager und Google-Interna lachen wollten, ist das eine großartige Lektüre. (Vorsicht, Geeksprache enthalten.)


Probleme eher mathematischer oder ähnlich theoretischer Natur haben oft auch viele Darsteller in den Filmen, in denen Menschen mit fortlaufender Spielzeit immer weniger Kleidung am Leib tragen. Dass die zu lösenden Probleme oft eher trivial sind, fällt dem Betrachter dabei selten auf, denn der Schnitt sorgt oft dafür, dass er davon abgelenkt wird, zu bemerken, dass die Protagonisten oft zu blöd für die einfachsten Aufgaben sind.

Aber wofür gibt es das Deep Web Internet? Konsequenterweise ist den Problemen auf Tafeln in so Filmen eigens ein Blog gewidmet.

Viel Spaß und einen schönen Sonntag!

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Dennis Ritchie

Was bei den noch immer andauernden Nachrufen auf Steve Jobs und die bange Frage, wie es denn nun mit Apple weitergehe, wohl mal wieder keiner mitbekommen hat:

Am 9. Oktober 2011, nur wenige Tage nach Steve Jobs, verstarb mit Dennis Ritchie einer der wirklich essenziellen Persönlichkeiten der EDV-Geschichte, ohne den Apple vermutlich ebenso wenig existieren würde wie Linux und Windows in ihrer heutigen Form, denn er hat nicht nur die Programmiersprache C, die für spätere Entwicklungen wie C++ und Java maßgeblich war, entwickelt, sondern auch einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Betriebssystems Unix gehabt, aus dem später BSD (und, darauf basierend, Mac OS X) und viele weitere Betriebssysteme erwuchsen. Selbst Windows bedient sich einiger Konzepte, die erstmals in Unix zu finden waren.

Kristian Köhntopp bringt es auf den Punkt:

Es ist absolut unmöglich, mit Computern zu arbeiten und mit den Arbeiten und den Ideen von Dennis Ritchie nicht an jedem einzelnen Tag in direkten Kontakt zu kommen.

Dennis Ritchie war, anders als Steve Jobs, ein Mann der leisen Worte. Seine Person stand nie im Mittelpunkt, seine Verdienste für die EDV waren um so größer. Vielleicht war das sein Fehler; eine kurze Umfrage in meinem direkten Umfeld ergab, dass niemand mit dem Namen Dennis Ritchie etwas anzufangen weiß, Steve Jobs jedoch ist ihnen allen bekannt.

Und so bleibt das Andenken an diesen Weg weisenden Mann, gestützt von nur wenigen deutschen Medien, denen vorbehalten, die sich mit der Materie ohnehin auseinandersetzen. Dass sich ein US-Präsident, einer der Gründer von Microsoft und der Vorstandsvorsitzende von Facebook kondolent zeigen, war bei Steve Jobs noch beinahe eine Selbstverständlichkeit – aber Dennis Ritchie hat eben keine bunten lifestyle gadgets vermarktet, sondern nur ihr Betriebssystem maßgeblich mitgestaltet.

Und so wird Mark Zuckerberg vermutlich dazu schweigen. Andererseits: Vielleicht ist das auch besser so.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt LX: Die Bahn kommt (zu spät).

Wisst ihr schon, wer schuld daran ist, dass die Bahn ihre Fahrpläne nicht einhält? Nicht etwa inkompetente Verantwortliche oder ungewöhnlich normales Wetter, sondern die linke Szene, heißt es seitens der Bahn AG.

Man habe, hieß es, „an verschiedenen Kabelschächten der Bahn Feuer mit elektronischen Zeitgebern und Brandbeschleuniger gelegt“. Obwohl nur einer dieser Brandsätze losging und Sachschaden anrichtete – an mehreren weiteren Orten zündeten ähnliche Vorrichtungen nicht – hatte die Aktion ihre Folgen. (…) Anfang dieser Woche kamen nun mehr als 300 Züge nicht oder mit deutlicher Verzögerung ans Ziel. Auf rund 17.000 Minuten summierten sich die Verspätungen nach Angaben der Bahn.

Das bedeutet, die Anschlagenden sind für eine Verspätung von insgesamt ungefähr 10 Minuten verantwortlich – stimmt das so weit?

Aber was sind das eigentlich für Leute? Die SPD klärt auf:

Berlins SPD-Innensenator Ehrhart Körting erklärte, mit dem Anschlag habe er dem Linksextremismus „erneut sein hässliches Gesicht“ gezeigt.

Ach, Entschuldigung – verlesen. Es heißt natürlich:

Berlins SPD-Innensenator Ehrhart Körting erklärte, mit dem Anschlag habe der Linksextremismus „erneut sein hässliches Gesicht“ gezeigt.

Warum die Anschlagenden irgendeiner politischen Ideologie unterworfen sein sollten, weiß niemand, das linke Blatt „taz“ behauptet, zuerst sei dieser Vorwurf aus Reihen der CDU gekommen; was ja schon mal ein Fortschritt ist, denn es zeigt immerhin, dass die CDU, ebenso wie die gleichfalls konservative „WELT“, außer „islamistischem Terrorismus“ auch „linken Terrorismus“ kennt, wie andere Medien wiederum nur „islamistischen“ und „rechten“ Terrorismus kennen, denn gänzlich unpolitisch könne man ja nicht sein, wenn man der Hektik dieser durchpolitisierten Gesellschaft mit „Entschleunigung“ begegnen wolle. In der „Tradition der RAF“ jedenfalls, wie mancher Kommentator behauptet, stehen die Attentäter nicht, denn diese hatte bereits 1998 die „Stadtguerilla“ für überholt erklärt.

Aber ob links, rechts oder Islamisten; wir wissen alle genau: Anschläge wie dieser lassen sich nur verhindern, indem wir jeden Computer in diesem Land, von der Armbanduhr bis zum Server, lückenlos überwachen, das Internet abschalten und in jedem Schlafzimmer Kameras installieren. Könnte ja sein, dass dort Bomben gebaut werden.

(Das war jetzt ein bisschen übertrieben.)

Apropos übertrieben: Habt ihr auch schon alle den Internet Explorer, den derzeit sichersten Browser laut Microsoft, installiert?

KaufbefehleMusikkritik
London Underground: So was von 70-er.

In meiner Sammlung obskurer musikalischer Auswüchse entdeckte ich soeben das 2010 veröffentlichte Album „Honey Drops“ von London Underground, einer italienischen Psychedelic-Rock-Band.

„Psychedelic Rock“ ist hier keinesfalls ein verzweifelter Versuch, das Gehörte in Schubladen zu stecken. Tief atmen London Underground die Luft ein, in der The Kinks, The United States of America und weitere Heroen mit und ohne „The“ einst standen, und von dem Schweißgeruch bleibt dem Sänger vermutlich die Luft weg, denn „Honey Drops“ ist ein Instrumentalalbum, aber ein wirklich gutes.

Es dominiert die Hammond-Orgel und die Lust am Covern. Von den 12 Liedern sind neun Coverversionen auf dem Album zu finden, was niemanden ernsthaft stören sollte, denn London Underground spielen nicht bloß alte Klassiker nach, sondern warten mit einem eigenen Stil auf. So klingt Arzachels „Queen St. Gang“ hier ebenso wenig nach Arzachel wie Jethro Tulls „Dharma For One“ hier nach Jethro Tull klingt, was selbstverständlich bedeutet, dass die Originale auch weiterhin nicht überflüssig sind. (Gerade Arzachel ist für Freunde drogenschwangeren Psychedelic Rocks ein wahrer Schatz.) Dass auch die Beatles („Norwegian Wood“) gecovert werden, ist beinahe unvermeidlich, war doch das Album „Rubber Soul“ einer der Auslöser der Psychedelic-Welle in den 60-er Jahren.

In anderen Worten und einer anderen Sprache:

All in all „Honey Drops“ is a fantastic album which should please all fans of retro-prog and instrumental psychedelia.

Reinhören und mögen wird wärmstens empfohlen, zum Beispiel per YouTube.


Apropos obskur: Der bizarre Erfinder und einzige Protagonist des gleichsam bizarren Genres „Hippiepunk“, Ey Lou Flynn, sucht in seinem bizarren Blog reimbegabte Kreative, es gibt auch was zu ge-Wii-nnen (ich bitte um Verzeihung für dieses sehr vorhersehbare Wortspiel). Helft zahlreich!

FotografiePersönliches
Leben am Feuer

(… und dann ergibt sich plötzlich diese Gelegenheit, und man findet sich im Kreise unbekannter Gleichaltriger wieder, geschart um ein Feuer nach alter Feuermachtradition; „Wein, Weib und Gesang“ mit enttäuschend wenig Wein, aber um so mehr Likören. Das Singen übernimmt zur allgemeinen Erleichterung die Konserve, batteriebetrieben wie damals in‘nen Neunzigern und ohne MP3 und Internet drin.

Irritiert, doch amüsiert beobachtet man die Szenerie, wie Äste und Jägermobiliar Opfer der Flammen werden, ebenso verschiedene Flaschen, und dass eine dieser Flaschen im Verlauf der Nacht detoniert und unangenehme Folgen für die eigene körperliche Unversehrtheit mit sich bringt, ist einem dann so was von egal, denn man fühlt sich nicht nur zehn Jahre jünger, sondern auch zehn Jahre älter, und da macht es einem sowohl noch nichts als auch nichts mehr aus, denn immerhin ist diese Zeit auch schon wieder bald zehn Jahre her.

Wildfremde Betrunkene, die gern Bruderschaft trinken würden, stören ebenso wenig wie die klirrende Kälte um die Feuerstelle herum, denn ein Blick nach oben offenbart Grenzenlosigkeit. Während Rage Against The Machine vom Töten in fremdem Namen singen, ist all das unendlich weit weg; man würde gern seufzen, aber im Kreise unbekannter Gleichaltriger würde dem unweigerlich eine Diskussion folgen, also seufzt man still in sich hinein. Die Sterne tanzen ihren Namen. „Weil wir oben auf sind und trocken hinter den Ohren“, und der Betrunkene am Szenenrand könnte davon sicherlich ein schmutziges Lied singen, schliefe er nicht.)

„Life is what happens to you while you‘re busy making other plans.“
- John Lennon

Fotografie
Der leckerste aller Kaiser

Erstaunliches eröffnete sich mir heute in einer Filiale einer bekannten Handelskette: Ein Kollege von Wilhelm, Franz und Karl dem Großen ist offenbar in Tütenform erhältlich.

(“Wie, Bindestriche sind noch nicht abgeschafft?“)

Auch nicht schlecht übrigens staunte ich, als ich beim Verlassen der Filiale ein Gespräch vernahm. Eine Kundin schickte sich an, der ausgeschriebenen Inventur beizuwohnen. Es scheiterte daran, dass sie nicht Schülerin, Studentin oder Rentnerin, sondern schnöde Arbeitslose („Arbeitssuchende“, das sagen sie alle und meinen es eigentlich selten) war. Es tue ihr somit Leid, plapperte die Zuständige im Auftrag der Filiale, aber Arbeitslose stellten sie nicht ein.

Das war etwas surreal, denn wem, wenn nicht Arbeitslosen, gibt man denn heutzutage Beschäftigung? (Und sind Studenten nicht auch eigentlich Arbeitslose unter anderem Namen?) – Andererseits erklärt dieses Szenario, wieso ich in besagter Filiale nur selten neue Mitarbeiter erspähe: Ein Großteil der Interessenten ist vermutlich ohne anderweitige Beschäftigung.

(Immerhin ist das mal ein gelungener Anreiz, nicht länger arbeitslos zu sein: Man darf an der Inventur teilnehmen, ist man es nicht mehr. Vielleicht ist das ein gutes Motiv für eine spätere Werbekampagne in der Arbeitsagentur: „Sie sind mit Hartz IV zufrieden? Wussten Sie, dass Ihnen so die Chance entgeht, bei der Inventur zu helfen?“ – Der anschließende Andrang dürfte überwältigend sein!)

In den NachrichtenMusikalischesPersönlichesPolitik
Red Hot Chili Peppers – Get on Top

Wie wohl die meisten Jugendlichen meiner Generation durchlebte auch ich im Laufe meiner musikalischen Sozialisation eine Phase, in der ich des Öfteren Zeit mit Punks verbrachte, und obgleich ich mich ihrer überwiegenden politischen Radikalität – wie man als Jugendlicher eben so ist: Widerstand ist Lebenszweck – nicht anschloss, so besitze ich doch bis heute einige musikalische Andenken an jene Zeit in Form von CDs der Hamburger Musikgruppe Slime.

Als unlängst die neuen vermeintlichen Erkenntnisse zum „Bundestrojaner“ bekannt wurden, wäre dies eigentlich eine gute Gelegenheit gewesen, sich nochmals inhaltlich mit jenen Liedern zu beschäftigen, aber auch nach einer Dekade Bedenkzeit erschien mir plumpes „Mollis und Steine gegen Bullenschweine“ noch zu niveaulos und undurchdacht.

Also höre ich stattdessen etwas völlig anderes:

Viel besser!

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik LVII: Steves Jobs

Ich hatte mir fest vorgenommen, das Thema Steve Jobs an mir vorbeiplätschern zu lassen wie den heutigen Regenschauer. Zu emotional ist diese öffentliche Diskussion geführt worden und wird noch immer zu emotional geführt. Apple war Steve Jobs war Apple, so lautet der Kanon, nur den Refrain, dass Apple dann jetzt wohl auch langsam einen qualvollen Tod stirbt, kommt niemandem über die Lippen.

Über die technische Rückständigkeit von Appleprodukten, die sie bei Apple mit tollen bunten Bildern „auszugleichen“ pflegen und damit bei ihrer Klientel unverändert Ansehen gewinnen, wurde ja bereits viel geschrieben. Das iPhone 4S, das frenetisch gefeierte neue Modell, ist technisch dort angesiedelt, wo die androide Konkurrenz schon vor einem Jahr stand. Innovativ? Ach, i wo!

Und es erschreckt mich beinahe ein bisschen, dass inmitten der Welle an Lobpreisungen dann tatsächlich auch mal diese Kritik in den Medien – traditionell ohnehin meist applenah – angekommen ist, zum Beispiel auf faz.net:

(…) strenggenommen hat er weder den Computer, noch den digitalen Musikspieler, das Handy oder den Tabletcomputer erfunden.

Erstaunlich; ich hatte anderes vermutet!

Leider macht faz.net diesen einen guten und richtigen Satz durch eine Menge Unfug wieder wett:

Ohne Jobs und Apple wäre der Computer vielleicht heute noch ein grauer, ungeliebter Kasten unter dem Schreibtisch und kein elegantes Telefon in der Hosentasche.

Vielleicht kännte man bei faz.net ohne Jobs und Apple sogar den Unterschied zwischen einem Tower-PC und einem Smartphone und einem Tamagotchi, in dem ebenfalls „ein Computer“ arbeitet; vielleicht hat das alles aber auch gar nichts mit Jobs und Apple zu tun, denn wenn es um „ungeliebt“ geht, rangieren zumindest bei mir, ganz persönlich, die überteuerten Lifestyle-Plastikbierdeckel von Apple weit vor jedem „grauen Kasten“ unter dem Schreibtisch. Die IBM-PCs hatten – und haben – den Appleäquivalenten nämlich eines voraus, und zwar die Offenheit für jede Form der Erweiterung. Alles aus einer Hand, und der Hersteller dirigiert den Preisverlauf? Na, wem‘s gefällt.

Für seine Produkte musste auch die Technik reif sein, die er nicht kontrollieren konnte. Zum Beispiel die Übertragungstechnik im Mobilfunk, die den Erfolg des iPhones erst möglich gemacht hat.

Dass die relevanten Patente „im Mobilfunk“ allesamt Samsung und nicht Apple gehören und das mit der Vorreiterrolle damit wohl geklärt ist, ist übrigens auch Bestandteil der aktuellen Klagen zwischen Samsung und Apple. Aber warum sollte man auch recherchieren, wenn man einen inhaltlich fundierten Bericht über Steve Jobs abliefern möchte?

Ach, halt; das möchte man ja gar nicht:

Dass heute Kinder und ihre Großeltern mit einem Computer umgehen können, ist in einem großen Maße Steve Jobs zu verdanken.

Wir lernen: Windows und Linux sind vollkommen irrelevant, und die Firma Xerox, die bereits in den frühen 1970-er Jahren eine grafische Bedienoberfläche samt Mausbedienung entwickelt hatte, hat es nie gegeben. Da brauchte es schon einen Steve Jobs, der quasi im Alleingang und rückwirkend all das ganz allein erfunden und entwickelt und gebaut hat:

Heute berühren wir die Bildschirme der Telefone mit den Fingerspitzen, weil Jobs das iPhone genau so gebaut hat.

Ja, „er allein“ (Bertolt Brecht), nicht etwa die chinesischen Sklavenarbeiter, die sich in Apples Fabriken bis zum Selbstmord knechten lassen. Aber wen interessieren schon derartige Kinkerlitzchen?

Steve Jobs mag ein riesiges Talent gehabt haben, Apples Kunden auch noch den ältesten Käse als brandneue Innovation zu verkaufen (ja, selbst Sprachsteuerung habe ich unter Windows schon in den 90-er Jahren in beinahe brauchbarer Qualität gesehen); aber er war kein Heiliger, kein gottgleicher Visionär, ohne den wir alle immer noch auf Bäumen hocken würden. Er war immer ein Vermarkter, nie ein Entwickler. Sicherlich würde ohne sein Talent zur Vermarktung die Computerwelt heute anders aussehen. Apple hätte es wahrscheinlich nie gegeben. Die Revolution des digitalen Zeitalters aber hatte längst stattgefunden, als Apple gegründet wurde: Unix gab es schon ein paar Jahre, grafische Bedienoberflächen waren bereits ein alter Hut, und selbst Tablet-PCs waren bereits erfunden.

Es ist leider zu spät, die meisten Medienschaffenden von ihrem Irrweg abzubringen; denen aber, die noch mit sich hadern, sei gesagt: Die künstliche Überhöhung der Person Steve Jobs errichtete einen Kult um jemanden, der nie die treibende Kraft hinter dem war, was Apples Produkte in frühen Jahren auszeichnete. Um Bedienkonzepte zu lizenzieren, braucht man jedenfalls keinen kreativen Visionär, sondern einen kühlen Geschäftsmann. In den letzten Jahren hat sich dieses Bild von Apple aber herumgedreht: Es ging immer weniger um technische Details und immer mehr um einen Lebensstil. Technik war nie Steve Jobs‘ eigentliches Jagdgebiet, er sah sich, wie man Apples diversen Präsentationen entnehmen konnte, quasi mehr als Heilsbringer. Wen interessiert es, ob die verkaufte Technik der Konkurrenz überlegen ist, wenn sie nur ein Gefühl der awesomeness zu vermitteln vermag?

In anderen, etwas schlichteren Worten ausgedrückt: Wäre Apple nicht mehr als „die Firma von Steve Jobs“, könnte man nun ruhigen Gewissens sagen: Der Letzte macht das iLicht aus.

Aber wäre das angemessen?

(“So … Apple has vacant Jobs now?“)

Netzfundstücke
Jappy: 2011 minus 1920 < 14

Zu den abwechslungsreicheren Tätigkeiten während der ständigen Recherche nach Berichtenswertem gehört es, hin und wieder plötzliche Einfälle zu haben und ihnen nachzugehen.

Vorhin zum Beispiel fiel mir plötzlich ein, dass ich von dem Vollpfosten-Netzwerk Jappy.de seit ein paar Monaten nichts mehr gehört hatte, und aus Jux und ein bisschen Langeweile wollte ich einmal nachsehen, warum das so ist; selbstverständlich unter Berücksichtigung gewisser Datenschutzgrundsätze (man beachte insbesondere den eindrucksvollen Deppenapostroph):

Hier allerdings war ich offenbar zu vorsichtig, denn ich hatte nicht gewahnt, dass Jappy seinen fehlenden Jugend- mit übervorsichtigem Seniorenschutz wettmacht, der mich von einer erfolgreichen Anmeldung (mit anschließender Berichterstattung und folgender Abmeldung) mit einer Fehlermeldung abhielt:

Jappy.de: Achtung! du kannst dich erst bei Jappy anmelden, wenn du mindestens 14 Jahre alt bist.

Na, dann eben nicht.

FotografieNerdkrams
WLAN-Kabel

Saturn macht‘s richtig: WLAN-Kabel sind selbstverständlich in der Netzwerkabteilung zu finden.

(Abt.: Alte Witze, für die anderen Insinternetschreibern ihr Server zu schade ist.)

NetzfundstückePolitik
YouTube und die Staatsverträge

Heyo auch, YouTube,

dass die GEMA euch zwingt, hin und wieder Videos schlechter und weniger schlechter Musiker (zum Beispiel Bob Dylan) in guter alter deutschenfeindlicher Tradition länderspezifisch auszublenden, wie ihr ja auch für Besucher aus anderen Teilen der Welt gern mal irgendwas sperrt, ist altbekannt. Der Grund für zumindest ersteres ist ja, dass ihr der GEMA kein Geld zahlen wollt; raffgieriger Haufen, der das nun mal ist, sagt der Volksmund.

Ebenfalls altbekannt ist es ja, dass es Deutschland finanziell eher mau geht, und die Schuld tragen Griechenland und der Euro und die Banken und vermutlich Hitler höchstselbst, wenn man nur lange genug herumfragt. Neu ist aber, dass sich das Geschäftsmodell der GEMA – Erpressung von deutschen Bürgern, um von US-amerikanischen Großkonzernen dann doch noch irgendwie Geld zu bekommen – als lohnende Alternative auch in der Regierung herumgesprochen hat.

Jetzt mal ganz unter uns, YouTube, uns könnt ihr‘s doch sagen: Will die Regierung etwa auch Geld von euch, zum Beispiel zum Schuldenabbau? Und welches düstere Geheimnis barg das entfernte Video – womöglich ein Musikvideo der CDU?

Dann bedanke ich mich natürlich herzlich.

(Der Vollständigkeit wegen: Mit ausländischem Proxy oder ausländischem VPN ist das Video natürlich problemlos abrufbar, ebenso in der 2DF-“Mediathek“; und ich kann Entwarnung geben: Zu sehen ist keine singende CDU.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt LIX: Facebook / Senfautomatismen

Sascha Lobo, von dem man nicht viel halten muss, hat eine trotzdem eigentlich ganz interessante Kolumne auf SPIEGEL Online mit ziemlich viel Text zum Thema „Facebook ist an allem schuld“ befüllt, um dieser These ausführlich zu widersprechen. Ich nehme seine Pointe schon mal vorweg:

Facebook ist nicht Treiber, sondern Profiteur einer allgemeinen Datenbegeisterung. Und die ist die logische Folge der digitalen Vernetzung.

Und das ist das eigentlich Erschreckende; dass die „allgemeine Datenbegeisterung“ als naturgegeben akzeptiert wird, während Medienschaffende unfassbar viel Geld dafür bekommen, die Symptome ausführlich nicht gut zu finden. Andererseits: Ich beneide sie ein bisschen darum.


Noch ein kurzer Hinweis in, mehr oder weniger, eigener Sache:

ix hat ein WordPress-Plugin geschrieben, das Kommentatoren das immer wiederkehrende Schreiben von „Hätte von mir sein können“, „Volle Zustimmung!“ oder „LOL“ erleichtern sollte, indem es selbige Bemerkungen als Schaltflächen an das Kommentarfeld anheftet.

Inspiriert von Nerdcore und einem meiner Kommentatoren missbrauche ich es nunmehr für Albernheiten und politische Zitate. Ergänzungswünsche bitte einfach unten hineinsenfen!