In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt XLIII: Auf sie mit Gebräu!

Neues von der Coca-Cola-Front:

Das einst von John S. Pemberton gemixte Gebräu gegen Kopfschmerz, Müdigkeit und Frauenleiden, das [am 6. Mai] vor genau 125 Jahren erstmals über die Ladentheke ging, avancierte im Zweiten Weltkrieg zum Symbol der amerikanischen Heimat par excellence.

Wäre heute nicht Muttertag und ich somit moralisch zu ein wenig Zurückhaltung verpflichtet, schriebe ich jetzt zum Beispiel, dass das beste „Gebräu gegen Frauenleiden” noch immer aus Tschechien kommt; denn wer unter Frauen leidet, für den ist seliger Bierkonsum noch immer ein probates Mittel.

Allerdings hat sich in den letzten 125 Jahren die beabsichtigte Wirkung von Coca-Cola in den Augen der Weltöffentlichkeit gewandelt. Als Medizinprodukt wird sie – wohl auch aufgrund des mittlerweile fehlenden Koka-Gehalts – nicht mehr angepriesen, und schon im 2. Weltkrieg war ihr Genuss stattdessen ein geradezu heroischer Akt:

„Wenn uns jemand fragte, wofür wir kämpfen, würde vermutlich die Hälfte von uns antworten, für das Recht, wieder Coca-Cola zu trinken”, schrieb einer der GIs von den Trümmerfeldern nach Hause (…).

Dass den US-Amerikanern kein Grund zu blöd ist, Krieg spielen zu dürfen, ist ja bekannt. (Insofern kommt es ihnen ganz gelegen, dass al-Qaida die Ermordung Osama bin Ladens nicht gutheißen kann, denn so ist der Fortbestand der Kriegsgründe vorerst gewährleistet. Arschlöcher.) Die optische Ähnlichkeit von Coca-Cola und Erdöl lässt mich übrigens gerade über etwaige Zusammenhänge sinnieren.

„Wir kämpfen für das Recht, wieder Coca-Cola zu trinken”; sehr schön, das hat was von „wir kämpfen für die Freiheit Deutschlands am Hindukusch”, ist genau so bekloppt, denn, immerhin:

Dem US-Colonel Robert L. Scott wiederum half der Gedanke an „Amerika, Demokratie und Coca-Cola”, seinen „ersten Japsen abzuschießen”, wie er seinem Bestseller „Gott ist mein Co-Pilot” schrieb.

Ich gratuliere bei der Gelegenheit dann übrigens auch all den Deutschen, die Coca-Cola als „Teil des American way of life” preisen und allein deshalb für ein lobenswertes Getränk halten, zu ihrem sorglosen Weltbild. Zuckerbrause als Ausdruck eines Lebensstils? Das mag ein Lebensstil sein, der sich außerhalb meiner Wahrnehmung abspielt.

Beängstigend fände ich dann übrigens auch dies, predigte ich es nicht schon seit Jahren:

„Coca-Cola” avancierte, gemeinsam mit „o.k.”, zur bekanntesten Vokabel der Welt, überall leckten sich die Menschen, Sieger ebenso wie Besiegte, die Finger danach.

Das Leben der Deutschen wird auch heute noch wesentlich davon bestimmt, dass sie 1944 und 1945 von den US-Amerikanern bombardiert, besiegt und fortan unterjocht worden waren. Keinesfalls möchte ich hier den Siegeszug der Rockmusik kritisieren, ging doch ihre Revolution stets von Großbritannien aus, aber der Sprach- und Kulturverfall heranwachsender Generationen deckt sich mit der Entwicklung der US-amerikanischen Jugend. (In Filmform empfehle ich zum Beispiel die Komödie „Matilda”, deren Hauptdarstellerin in einer typisch amerikanischen Familie aufwächst, ohne Cola zwar, gleichfalls aber ohne Kultur.)

„Sprache entwickelt sich halt weiter”, ich meinerseits verbinde mit Weiterentwicklung aber Fortschritt und nicht Liquidation.

Dennoch, um zum Thema zurückzukehren, halte ich das Schüren von Vorurteilen gegen Coca-Cola für deutlich überzogen:

In Italien verbreiteten antiamerikanische Genossen, dass der Cola-Konsum über Nacht die Haare schlohweiß werden lässt, in Japan wiederum kursierte das Gerücht, Cola würde die Frauen unfruchtbar machen. Und während ein muslimischer Demagoge in Ägypten aus Wut über die Unterstützung Israels durch die USA die Theorie aufstellte, Cola sei aus Schweineblut gebraut, beschimpfte Mao das Prickelwasser gar als „Opium für die Rennhunde des revanchistischen Kapitalismus”.

Deutsche Eltern haben ähnliche Ideen: Als Kind wurde mir gesagt, von Cola bekäme ich schwarze Füße. Wie viel Cola ich dafür trinken muss, wurde allerdings nicht erläutert, bis jetzt hat es nur für schwarze Nägel genügt. Aber wie das mit Kindern so ist, machte Colatrinken dann erst recht Spaß, der Geschmack war beinahe schon Nebensache. „Ich nehm Cola, weil Mama das gerade nicht sieht.”

Nun ist das alles schon ein paar Jahre her, und aller Nachkriegsrevues zum Trotz hat es sich gezeigt, dass die Weltmacht Coca-Cola nicht unangefochten in einer Monopolstellung verharrt, sondern sich zahlreicher Konkurrenz erfreuen kann. Konkurrenz belebt bekanntlich den Markt.

Darauf erhebe ich ein Konkurrenzprodukt!

(Danke an C.)

Senfecke

Bisher gibt es 6 Senfe:

  1. sie beste coke ist eh die hamburger fritz-kola
    ein hoch auf die 2 ex studenten

    *darauf eine flasche öffne*

  2. Konkurrenzprodukt? Diese eklige Aldi-Cola, die ohne Kohlensäure noch weniger schmeckt als Reiskekse? Prost.

  3. Ich nehm Vitacola. 8)

  4. Kein Koka in Coca-cola?
    Das ist mit Verlaub – Definitions- oder mindestens Glaubenssache: https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Coca-Cola#Mythos_Kokain

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