Persönliches
Mitgefühl für Donald Duck

Kein Mensch ist perfekt. Perfektion ist etwas, was den Menschen wie ein unerreichbares Ideal eigentlich sein Leben lang verfolgt; beziehungsweise, genau genommen, andersherum. Und gerade, wenn man sich der eigenen Unperfektion bewusst ist, ist es vermeintlich um so wichtiger, nicht im Stillstand zu verharren, sondern sich immer wieder quasi selbst neu zu erfinden.

Oft geht das aber gründlich schief. Vor Jahren gab es einen kurzen Donald-Duck-Comic, der ungefähr so ging: Donald hilft seiner Freundin Daisy dabei, ihr Haus umzugestalten, und folgt hierzu ihrer Bitte, das – natürlich – schwerste Möbelstück des Zimmers an eine andere Stelle zu rücken. Jeder neue Stellplatz aber missfällt Daisy, und schließlich, als Donald längst außer Atem ist, beschließt sie, dass er es wieder dort, wo es ursprünglich stand, hintragen solle, denn dort hatte es ihr am besten gefallen. Damit endet die Geschichte.

Manchmal erlebt ein Mensch Momente, von denen er sich wünscht, dass sie nie vergehen mögen. Sobald sie vorüber sind, erwächst in ihm der Wunsch, diesen Moment noch einmal zu erleben. Wenn diese glücklichen Momente aber Momente der Zweisamkeit sind, obliegt es nicht allein dem eigenen inneren Schweinehund, sondern dem Konsens, einen ähnlichen Zustand wieder herbeizuführen.

Wie gern ist man da geneigt, gewohnte Verhaltensweisen, wenn nötig, abzulegen! Wenn der selbst vom Lauf der Zeit gezeichnete Partner, mit dem man gemeinsam nächtelang das Leben genoss und, kaum war diese Zeit vorüber, wegen dessen man allein nächtelang am Leben zerbrach, nun als Faustpfand für die Ewigkeit erwartet, dass man sein Selbst in den Dienst der Zweisamkeit stellt, dann wirft man nur allzu gern alle lieb gewordenen Gewohnheiten über Bord, winkt doch zum Tausch gegen Altlasten die Freiheit des Herzens.

Was ist nun aber zu tun, wenn es letzten Endes doch die abgelegten Altlasten sind, die der Partner vermisst?
Wenn jeder Schritt im Bewusstsein anderer ein Schritt in die falsche Richtung ist, ist dann nicht der Stillstand der beste, weil einzig kompromissfähige aller Lebenswege?

Aus dem Leben Donald Ducks, so fiktiv es auch sein mag, kann man vieles lernen; und es besser machen.