In den NachrichtenPolitik
WikiLeaks im Krieg

Bis vor kurzem hat WikiLeaks noch fast niemanden in Deutschland ernsthaft interessiert, und noch immer verwendet mancher Zeitgenosse „die Wiki” als Einheitsbegriff für die Wikipedia und WikiLeaks, weil sich die beiden Portale so ähnlich sehen und obwohl es doch „das Wiki” heißen müsste. (Ob es solche Menschen wohl völlig entgeistern würde, wenn ich ihnen offenbarte, jede größere deutsche Informationswebseite sei mit einem eigenen Wiki ausgestattet? Vielleicht werde ich es beizeiten einmal ausprobieren.)

Nun allerdings, da WikiLeaks mit den eigentlich nicht einmal besonders Aufsehen erregenden Berichten US-amerikanischer Diplomaten über deutsche Politiker nicht nur hierzulande mediale Aufmerksamkeit erhielt, passiert alles recht schnell:

Erst setzte sich der führende Kopf hinter dem Portal, Julian Assange, nach Großbritannien ab, weil man ihm mit fadenscheinigen Begründungen juristisch Einhalt zu bieten gedenkt, nun kündigte Amazon, über dessen CDN die verkehrsreichen Seiten verteilt wurden, das Vertragsverhältnis aus lustigen Gründen. Ein Schenkelklopfer ist vor allem dieser Satz:

Auch könne bei der großen Zahl von 250.000 Depeschen nicht gesichert sein, dass durch deren Veröffentlichung nicht Unschuldige wie etwa Menschenrechtler in Gefahr gerieten.

Nichts mit „in dubio pro reo”. Die Argumentation verläuft ungefähr so: Da gibt es ein großes Portal, das aus irgendwelchen Quellen geheime Informationen schöpft und sie veröffentlicht, und das sind inzwischen ungefähr 250.000 Dokumente, da weiß man nicht, ob da nicht irgendetwas Gefährliches drinsteht. (Wenn man übrigens die Internetseite, auf die ich gerade diesen Text stelle, aufruft, dann weiß man auch nicht, ob durch die hiesigen Texte nicht Unschuldige wie etwa Menschenrechtler in Gefahr geraten. Wo bleibt das SEK?)

Wen WikiLeaks konkret in Gefahr bringt, hat mir bislang niemand zufrieden stellend beantwortet, und fast bin ich versucht, zu vermuten, dass es eher die sind, die WikiLeaks kritisieren, an deren Händen das Blut der Leute klebt, deren Ehre WikiLeaks wiederherzustellen versucht. Aber das traue ich mich jetzt nicht mehr.

Die diversen Domains von WikiLeaks sind derzeit nicht erreichbar, über die IP 213.251.145.96 kann man die Seite jedoch weiterhin aufrufen. (Nachtrag vom 5. Dezember: Inzwischen sind an zahllosen Stellen im Internet alternative Weiterleitungen auf WikiLeaks aufgetaucht. Damit sind direkte IP-Verlinkungen überflüssig.) Vielleicht ist das eine Folge dieser Meldung:

Der französische Minister für Industrie, Energie und digitale Wirtschaft hat WikiLeaks den Krieg erklärt, vermutlich war der Außenminister gerade zu Tisch. Frankreich mischt sich da ein, da die genannte IP auf französische Server verweist. Wie genau man sich diesen Krieg vorzustellen hat, interessiert mich; umstellt die französische Armee die Server? Fahren sie mit Panzern beim Domainregistrar vor? Allein zur Klärung dieser Frage, finde ich, sollte Frankreich die Kriegserklärung auch umsetzen.

Und was passiert, wenn Frankreich jemandem den Krieg erklärt, ist bekannt:
Frankreich verliert und wird besetzt oder holt andere Staaten zu Hilfe, die das mit dem Krieg besser können, und bekommt dann langweilige Gegenden wie das Saarland zugesprochen, damit es aufhört zu nörgeln.

In diesem Fall tippe ich auf ersteres.

Senfecke

Bisher gibt es 6 Senfe:

  1. Also ich bin zwar kein Menschenrechtler. Aber gefährdet bin ich! Spätestens seit der Verwirrung um Helden und Superhelden und Polizisten weiss ich gar nicht mehr, was ich denken soll. Dies könnte mich auch in meiner weiteren Entwicklung hin zu einem vollwertigen Mitglied der Gesellschaft beeinträchtigen. Deshalb schlage ich vor, entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen und beende mit einem Zitat:

    Ich bin Batman!

  2. Der Einwand, dass ja auch auf dieser Seite Informationen stehen könnten die zb Menschenrechtler gefährden ist nicht ganz stichhaltig. Bei WikiLeaks könnten Namen stehen. Die lassen sich leicht zuordnen und zb in Afganistan hat das dann umgehend Konsequenzen.
    We wahrscheinlich ist aber sowas auf dieser Seite?

  3. PINGBACK: » Wikileaks bei OVH? « Trash-Log Blog Archive
  4. Was ist das erste, das ein französischer Soldat lernt?

    - Wie man das Gewehr fallen lässt.

  5. Wie wahr.

  6. …Wie man das Gewehr fallen lässt..
    Drum leistet sich dieser Staat ja eine Fremdenlegion,
    die dann zur Problemlösung herangezogen wird.
    Wenn ich mir jetzt vorstelle … Fremdenlegion besetzt Server ….
    Sergant Heinz Müller erklärt …. muah ;-)

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