Viel Getöse veranstalten die guten und weniger guten Medien seit einigen Monaten, als die GEMA im Auftrag der VG Musikedition – dies wird selten bemerkt – Kindertagesstätten angeschrieben hatte, sie, die Kindertagesstätten, sollten doch bitte eine Pauschale für das Kopieren von Notenblättern zahlen. Gehirnakrobaten wie die Schreiberlinge von BILD, aber leider auch die seriöser Magazine, haben es seitdem versäumt, die Kindertagesstätten mal zu fragen, was denn eigentlich genau in den Anschreiben steht, und beschränken sich darauf, von einem „Singverbot” zu schwadronieren und davon, dass Kinder, die noch nicht mal lesen können, jetzt nicht mehr von Notenblättern ablesen dürften, ohne horrende Gebühren zu bezahlen; allein: das durften sie nie.
Das entsprechende Gesetz ist schon einige Jahrzehnte alt: Das Kopieren von urheberrechtlich geschützten Partituren erfüllt den Straftatbestand der unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke, auch „Privatkopien” sind ausnahmsweise nicht gestattet. Der Verein Musikpiraten e.V. stellt zwar unter freier Creative-Commons-Lizenz stehende Alternativen zur Verfügung, nichtsdestotrotz sollten die Politiker gerade auch der F.D.P., die sich jetzt dem Volk am nächsten zeigen möchten, weniger populistischen Unfug in Totholzmedien rülpsen, sondern ihren Vertrag mit der Musikmafia, der einst das strittige Gesetz entstehen ließ, einseitig kündigen; selbst dann, wenn dadurch regelmäßige Spenden entfallen. Mehr weiß Stefan Niggemeier.
Apropos Gerülps:
Verkehrsminister Peter Ramsauer hat eine Mission: Der CSU-Politiker ruft zum Kampf gegen englische Begriffe auf.
Das (Quelle) ist prima und ein Grund, Herrn Minister Ramsauer wertzuschätzen, und darum möchte ich hier auch keinen Einwand erheben gegen den Inhalt der Meldung, sondern gegen die Publikumsreaktion in Form von Kommentaren untendrunter:
„Lasst euch von nem Unnötigen wie Ramschi nix erzählen”, bittet Anonymus „LouChypher”, der sich in keiner Sprache zurechtzufinden scheint. „Elric” stört es, dass man versuche, ihm sein geliebtes schlechtes Englisch zu nehmen, denn es sei „Bullshit”, schließlich solle „[d]er Typ … vernuenftig reigeren und nicht populistische Scheingefechte schueren”; er, Ramsauer, sei „der reinste circle-jerk”. Der passend benamte „Deutschtrottel” postuliert, er könne „ja nichts dafuer, dass mache Politiker zu bloed sind um Englisch zu reden”, erklärt jedoch auch nicht, wer etwas dafür kann, dass er ein Deutschtrottel ist.
Zuspruch ist in der Masse von inzwischen über 1.400 Kommentaren nur wenig zu finden, einige gewitzte Leser stimmen zwar „im Prinzip zu”, weisen dann aber auf das „Aber” hin, so etwa Kommentator „Harka”, der da schreibt: „Gespannt bin ich auch auf seinen Alternativvorschlag zum „Handy”, einen englischen Begriff, den es im Englischem gar nicht gibt”, kein Problem: Im Englischen, wie auch im Deutschen, nennt sich das Gerät nämlich schlicht Mobiltelefon, gern geschehen. Andere, etwa „ccc”, missverstehen Herrn Ramsauer, denn „mit aller Gewalt aus dem Laptop einen Klapprechner zu machen [sei] einfach nur lächerlich”, ja, nur versucht Herr Ramsauer es nicht mit Gewalt; anders etwa hier nicht näher benannte Institutionen, die „Jobcenter” und „Servicepoints”, gern auch „Service Points”, betreiben, angesichts derer ich meinerseits übrigens auch nicht immer ohne Gedanken an Gewalt meiner Wege gehe. Es ist ungemindert erstaunlich, wie bereitwillig sich manche Menschen ins Abseits stellen. (Danke an M.)
Eine schließlich dann noch eine etwas weniger erheiternde Meldung ist diese:
Sie war magersüchtig und stellte ihren gepeinigten Körper zur Schau, um andere vor der Krankheit zu warnen. Wie jetzt bekannt wurde, ist das französische Model Isabelle Caro in einem Krankenhaus in Japan gestorben – vermutlich an einer Lungenentzündung. (…) Sie war 1,64 Meter groß und wog gerade einmal 31 Kilo, als sie sich von Starfotograf Oliviero Toscani [im Jahr 2007] nackt für eine Kampagne gegen Anorexie fotografieren ließ.
Konträr hierzu stellten die „Frauenärzte im Netz” im März 2010 zum Thema Magersucht fest:
Im Vergleich zu 2000 hat sich die Zahl der Behandlungen um über acht Prozent erhöht.
Mal ganz ehrlich, ihr jungen, dummen Dinger, die ihr hier mitlest:
Ist das etwa attraktiv? (Vorsicht: Albtraumgefahr.)
Ihr missversteht da etwas:
Dass 63 Prozent der 13- bis 14-Jährigen sagen, sie würden gerne besser aussehen, sei Besorgnis erregend, (…).
Es wäre sehr angenehm, sähet ihr besser aus, reduziertet ihr etwa eure fünf bis sechs Schichten Kajal und sonstige Schminke auf höchstens eine, denn was nützt euch künstliche Schönheit, wenn das, was eure künftigen Lebensabschnittspartner abends zu sehen bekommen, mit eurem zur Schau gestellten Konsumgesicht nicht mehr viel gemeinsam hat? Eine dauerhafte Beziehung, die schon mit einer Lüge beginnt, könnt ihr euch, haha, abschminken.
Stattdessen findet ihr es total prima, euch zu bemalen wie Harlekins oder zumindest Nutten auf der Reeperbahn nachts um halb drei und glaubt, man würde euch nicht angewidert ansehen, weil ihr euch schminkt und kleidet wie jemand, dessen Beziehungen nach Stundentarif vergütet werden, sondern weil ihr zu fett wärt. Immer noch ein bisschen weniger, Kleidung nur noch bei C&A in der Kinderabteilung kaufen und so lange hungern, bis ihr hineinpasst. Idealgewicht: 40 Kilogramm. Hauptsache, nicht so fett sein wie die beste Freundin, die immerhin fast 60 Kilogramm wiegt, das speckige Walross!
Bitte verschont uns mit eurem Anblick.
(Unglücklich gewählt ist übrigens diese Formulierung: „Essstörungen nehmen unter Frauen und Mädchen zu”. Hihi!)