In den NachrichtenPersönliches
Mein Problem mit dem Feminismus

Obwohl (oder gerade weil?) ich die #PiratinnenKon besucht und mich dort sowie im Anschluss mit einigen durchaus diskussionsbereiten und auch überzeugenden Feministinnen unterhalten habe, werde ich gelegentlich gefragt, worin eigentlich mein Problem mit dem Feminismus bestehe. Vorgeworfen werden mir unter anderem meine nicht feindseligen Kontakte zu vermeintlichen Tätern sowie meine mangelnde Bereitschaft, mich an nett gemeinten, rational aber eher kontraproduktiven Aktionen wie der „In-Woche”, also einer Woche, in der ausschließlich das generische Femininum verwendet wird, zu beteiligen. Auch meine Kritik daran, dass eigentlich unterstützenswerte Aktionen gegen sexuelle Übergriffe häufig stur ein bestimmtes Täter-Opfer-Schema befolgen, stößt nicht überall auf Zuspruch. Offenbar wirke ich in meinem Habitus wie ein Frauenfresser.

Natürlich gibt es auch radikal agierende oder sich radikal äußernde Vertreter der Ansicht, Frauen seien aufgrund ihres Geschlechts in der Küche noch immer am Besten aufgehoben. Dass viele Frauen dieses Spiel aktiv mitspielen, sei es aus religiösen, sei es aus anderen wirren Gründen (recht beliebt ist das Bild der Frau als untergebene Gefährtin des Mannes zum Beispiel auch bei Freunden des Mittelalters), ist zumindest eine Randbemerkung wert, jedoch kein Grund anzunehmen, negative Rollenklischees seien eine rein männliche Eigenheit.

„Wein soll fließen, brennen soll das Weib!”
– Lost Belief: Bischofswein

Vermutlich ist es eher wenig förderlich für den Feminismus, wenn Feministinnen in der Tradition von Valerie Solanas das Ende alles Männlichen fordern. (Einem Magazin gefällt das.) Dabei befinde ich Feminismus von seiner bloßen Intention her gar nicht für schlimm. Die Gleichbehandlung aller drei Geschlechter, ohne ein Geschlecht (etwa, wie es oft erfolgt, das männliche oder das weibliche) positiv oder negativ hervorzuheben, ist eine durchaus progressive Idee und der „Postgender”-Idee, die die Überwindung von Geschlechterzugehörigkeit zum Inhalt hat, nicht unähnlich. Nicht schön wird es aber, wenn man sich auf dem Weg dorthin radikaler Methoden bedient.

Ein konkretes Beispiel: Vor recht kurzer Zeit wurde in Berlin das „Barbie Dreamhouse” eröffnet. Natürlich waren viele Kinder und Eltern dort. Nahe liegend ist, dass man als rationaler Mensch eine Kundgebung abhält, um medial desinteressierten Besuchern zu verstehen zu geben, dass das Frauenbild, das Barbie vermittelt, nicht unbedingt optimal ist. (Dabei ist die Kritik an dem Frauenbild nicht immer klar verständlich: Geht es um die ungesunden Proportionen der Puppe, um das Klischee von der kichernden Hausfrau, die ständig nur mit ihren Freundinnen Urlaub macht und sonst nichts auf die Reihe bekommt, oder um die heutzutage allzu weltfremde Vorstellung, die erste richtige Beziehung ["Ken"] wäre die „Liebe des Lebens”?)

Etwas weniger nahe liegend ist das:

Klara Martens tauchte als Barbie auf, entblößte ihre perfekten Brüste („Life in plastic is not fantastic!“) und hielt ein brennendes Kreuz hoch.

Nun würde ich ja behaupten, die Formulierung „perfekte Brüste” sei hier nicht klug gewählt und wirke eher neidisch als spöttisch, aber mich fragt natürlich wieder keiner. Interessant ist aber auch das mit dem brennenden Kreuz, an das im Übrigen – ein hier nicht ganz unwichtiges Detail – eine Barbie-Puppe gebunden worden war. Da hat jemand zu viel Geld.

Einmal ganz abgesehen von dem recht dämlichen Umstand, dass man als feministische Frau gegen Geschlechterklischees heutzutage offenbar bevorzugt halbnackt demonstriert („Sexismus ist scheiße, aber guckt mal, wie toll meine Brüste sind!”), denn von voll bekleideten Demonstrantinnen bekommt man in den Medien nur wenig zu sehen, ziehen sich durch die „Femen”-Proteste – „Femen” nennen sich die barbusigen Radikalfeministinnen, deren einzige Emotion anscheinend Aggression ist – auch Stilmittel ganz anderer Gruppen wie ein roter Faden. Brennende Kreuze? Haben andere schon gemacht. Verharmlosung von NSDAP-Symbolen? Läuft. Die Zurschaustellung des weiblichen Körpers als Objekt erfolgt ja als Gruppenkonsens ohnehin. Eine kreative Femengruppe, die irgendetwas Unerfreuliches machen möchte, was noch nicht jeder gemacht hat, um aufzufallen, müsste also eventuell irgendwas mit aktiver Pädophilie machen. Oder mit Fäkalien. Oder beides.

„Brennen, sie soll brennen!”
– Subway to Sally: Die Hexe

Bemerkenswert ist, dass sowohl der Ku-Klux-Klan als auch die NSDAP primär Vereine waren beziehungsweise sind, in denen das verhasste Patriarchat den Ton angab beziehungsweise angibt. Man macht also Gebrauch von den Methoden des Feindes, eben des vermeintlichen Patriarchats, um zu zeigen, dass es falsch liegt. Ich bin unwillens, mich einen Patriarchen zu nennen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Männer, die gegen eine Vorherrschaft des Weiblichen, sofern diese eines Tages eintritt, demonstrieren gehen wollen, dafür keine Nazisymbolik benötigen. Allerdings ist mir auch kein solcher Fall bekannt. Man schelte mich einen Narren, so er denn eines Tages eintritt und ich soeben irrte.

Blöd am Feminismus ist auch, dass er in Behörden und ähnlichen Einrichtungen allzu oft mit „Gendern” verwechselt wird. Dafür kann der Feminismus indes nichts. „Gendern” ist – so mein bisheriger Kenntnisstand – die furchtbare Marotte, geschlechtergerechte Sprache zu benutzen, also jedem generischen Maskulinum ein generisches Femininum zur Seite zu stellen. (Transsexuelle dürfen natürlich auch weiterhin sprachlich unterdrückt werden, sind ja nicht so viele.) Mir als Mann ist es ja völlig wurscht, ob ich nun „der Mensch”, „die Menschin” oder „das Mensch” bin, und ich habe bisher auch nur wenige Studentinnen kennen gelernt (ich könnte spontan nicht mal einen Namen nennen), die eine Anrede als „liebe Studenten” als tiefe Beleidigung empfunden hätten, schon, weil es im Regelfall um den Stand und nicht um das Geschlecht geht; aber bitte, ein jeder möge seine eigenen Probleme zur Lösung einreichen. Persönlich bin ich ein Freund des generischen Neutrums, und wenn man schon Wörter wie „Piraten” mit irgendwelchen Auslassungsasterisken ergänzen muss, weil es das generische Neutrum für Personenbezeichnungen in der Praxis gar nicht gibt, dann doch bitte „Pirat*en” und nicht „Pirat*innen”, da letzteres bereits eine geschlechtseindeutige Endung impliziert; das „Gendersternchen” steht ja, entlehnt aus der EDV-Welt, dafür, dass man an seiner Stelle Beliebiges einfügen kann, und solches Beliebiges, das aus „Pirat*innen” männliche oder transsexuelle „Piraten” – letztere bevorzugen sowieso oft das Wort „Queeraten” – macht (offizieller Sprachgebrauch: „mitmeint”), ist jedenfalls mir nicht geläufig.

Man sollte natürlich auch weiterhin gesondert von „sehr geehrten Damen und Herren”, „sehr geehrten Männern und Frauen” oder ähnlichen Teilungen sprechen, sofern man etwa als Redner ein Publikum, das restlos aus Vertretern beiderlei Geschlechts besteht, anzureden beliebt; „sehr geehrte Menschen” klingt doch etwas holprig und „sehr geehrte Teilnehmer” passt längst nicht immer. Warum es aber unzumutbar erscheint, auch in der Schriftsprache alle angesprochenen Personen mitsamt ihrem Geschlecht, sofern als notwendig erachtet, vollständig auszuschreiben, erschließt sich mir nicht. (Der Autor des soeben verlinkten Textes verwechselt jedoch „zusehends” und den meines Erachtens fragwürdigen Anglizismus „zunehmend”, ich empfehle also, seine Ergüsse nicht einfach als gegeben hinzunehmen.) Die Zeit, in der ein einfacher Text noch zu Kapazitätsengpässen führte, sollten seit einigen Jahren längst überwunden sein. Ich persönlich lege hingegen gar keinen Wert darauf, Wörter nach ihrem grammatikalischen Geschlecht zu beurteilen. Bin ich ein Frauenfeind, weil es mich nicht stört, wenn der Baum prächtig gedeiht? Zugegeben, der Vergleich hinkt. Ziehen wir einen anderen heran: Bin ich ein Frauenfeind, wenn ich nach der Konsultation eines Ärztepaares, von dem ein Teil männlich, ein Teil weiblich ist, sage, ich sei beim Arzt oder bei Ärzten und nicht beim Arzt und bei der Ärztin gewesen? Ich versuche wirklich zu begreifen, warum das notwendig sei, um sich vom Patriarchat zu distanzieren, aber es gelingt mir einfach nicht. Ich sehe mich ohnedies – ich erwähnte es bereits – nicht als einen Patriarchen. Herrschaft qua Geschlecht ist keine gute Herrschaft, Herrschaft qua Kompetenz gilt es zu fördern. Mit dem Wort „Herrschaft” rate ich in einer Demokratie übrigens äußerst vorsichtig umzugehen, meine Herrschaften. (Hat eigentlich schon jemand den Begriff der „weiblichen Herrschaft” angeprangert?)

„Ich bin nicht unter dir, ich bin nicht über dir, ich bin neben dir.”
– Ton Steine Scherben: Komm schlaf bei mir

Dass eines der Ziele des Feminismus’ auch eine Gleichbehandlung der Frau bei Beförderungen, Anstellungen und Entlohnung ist, finde ich des Weiteren gut und richtig. Die Verfechter dieser Gleichbehandlung schaden ihrer eigenen Sache jedoch allzu oft mit inkorrekter Wiedergabe tatsächlicher Zahlen und (bewusster?) Unkenntnis der wirtschaftlichen Realität. Natürlich sind Personalchefs, die bei Bewerbungen einen Mann wegen seines Gliedes und nicht wegen seiner Kompetenz bevorzugen, eine Fehlbesetzung. Wenn aber zum Beispiel eine Frau in Männerberufen (zum Beispiel in der Informatikbranche) abgelehnt wird, weil sie in ihrer Kindheit mit Puppen statt wie ihre männlichen Mitbewerber mit Computern gespielt hat, dann ist das eine Kompetenz- und keine Geschlechterfrage. Ich als Personalchef würde übrigens für Programmierung generell lieber eine Frau, die C++ beherrscht, als einen Mann, der den modischen Nullbegriff „Web 2.0″ als Fachkenntnis angibt, einstellen; mir sind sogar konkrete Beispiele für beide genannten Personen bekannt. „Frauen können nicht programmieren und Männer sind Nerds” ist also ausgemachter Schwachsinn. Ich bin aber kein Personalchef. – Andersherum bezweifelt wahrscheinlich auch kaum jemand (gleich welchen Geschlechts), dass Frauen sich aufgrund ihrer Urinstinkte als Kindergärtner, äh, Kindergärtnerinnen generell besser eignen als Männer. (Eine persönliche Anekdote in diesem Zusammenhang: Seitens der staatlichen Institution, bei der ich in Lohn, wenn auch nicht in Brot, stehe, wird in Stellenausschreibungen gegenwärtig ausdrücklich angegeben, dass Bewerbungen von Männern aufgrund der Bestimmungen des niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetzes (NGG) besonders erwünscht seien. Anscheinend ist der Frauenanteil stellenweise inzwischen so groß geworden, dass der Gesetzgeber intervenieren musste. Das könnte daran liegen, dass einen männlichen, kinderlosen Akademiker mit abgeschlossenem Studium die hier üblichen 50-Prozent-Stellen meist nicht sonderlich reizen. – Wer jedenfalls in überstürztem Aktionismus trotz guter Absichten pauschal eine Frauenquote im öffentlichen Dienst fordert und keine Ausnahmen vorsieht, übersieht dabei offensichtlich etwas Grundlegendes.)

Nein, ich habe kein Problem mit dem Feminismus. Ich habe ein Problem damit, dass die Menschen ihn pervertieren. Das Ende von geschlechterbezogener Diskriminierung mittels der Überwindung der Kategorisierung nach (mithin: der impliziten oder expliziten Bevorzugung von) Mann, Frau oder unklarem Dritten (in behördlichen Formularen tauchen diese Dritten oft nicht einmal auf, sie haben also ein zusätzliches Diskriminierungsproblem), sollte gegebenenfalls politisches, primär aber gesellschaftliches Ziel eines progressiv denkenden Menschen sein.

Das ist eigentlich auch schon alles.

In den NachrichtenPiratenpartei
“Mit dem Handy komme ich sogar in die Zeitung!”

In der beliebten Reihe „Piraten geben dumme Antworten auf dumme Pressefragen” hat René Rottmann im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten nachgelegt.

Es beginnt mit einer schwachsinnigen (und schon viel zu oft beantworteten) Frage:

„Fluch der Karibik“ ist ein toller Piratenfilm, die Piraten vor Afrika sind schlechte Menschen – Piraten, ein doofer Name?

Prima wäre eine Antwort wie: „(Ihre dümmliche und vor allem abgelutschte Einstiegsfrage verdirbt mir bereits beinahe die die Lust, weiter mit Ihnen zu reden, aber gnädigerweise) möchte ich zumindest darauf verweisen, dass unser Name nichts mit Seeräubern zu tun hat.”

Eher ungut hingegen ist unter anderem die gegebene Antwort:

Der Name ist historisch gewachsen. Er kommt aus Schweden und hängt zusammen mit einer verbotenen Internet-Plattform, die viele Menschen genutzt haben. Und wir machen ja auch was Gutes mit dem Namen Piraten. Und schließlich ist man ja auch kein schlechter Mensch, wenn man im Internet Filme herunterlädt.

Es ist zwar sachlich korrekt, dass die Piratenpartei dem Dunstkreis der Tauschbörse The Pirate Bay entstammt, aber diese ist nicht verboten. (Eine Tauschbörse mit dem Herunterladen von Kinofilmen gleichzusetzen ist übrigens ein Fauxpas, den die Industrie gern begeht. Von einem Piraten hätte ich hingegen mehr erwartet.) Das wäre natürlich eine Steilvorlage gewesen, dem Fragesteller in Kürze nahe zu bringen, warum und in welchem Ausmaß die Piratenpartei sich für die Reformierung des Urheberrechts stark macht. Stattdessen wurde sich hier dem Duktus der politischen Gegner angepasst. Damit wurden 100 Prozent der Chancen, dass das Interview irgendeine Relevanz bekommt, verspielt. Ansonsten: Glatt gebügeltes Geschwafel. Das ist etwas schade.

Und was qualifiziert Herrn Rottmann dazu, ausgerechnet Direktkandidat zu sein? Nun:

(…) es sind – wenn es hoch kommt – 15 aktive Piraten. Es gibt keinen Kreis- oder Ortsverband. Aber alle Piraten aus dem Wahlkreis haben einstimmig mich gewählt und die stehen auch voll hinter mir.

Wie viele von diesen höchstens 15 Piraten wahlberechtigt und anwesend waren, weiß ich zwar nicht, jedoch gehe ich aufgrund von Erfahrungswerten mit anderen Aufstellungsversammlungen davon aus, dass es nicht viel mehr als 4 waren. Dass diese 4 sich auf einen Kandidaten einigen konnten, ist wahrlich erstaunlich.

Eines aber hat René Rottmann verstanden:

Die Leuten wollen die Landtags- oder Bundespolitiker nicht mehr hören, die schwafeln ja nur.

Er zieht jedoch die falschen Konsequenzen, wenn er seine Eignung für den Bundestag beschreibt:

Durch meine Ausbildung bin ich sehr geübt im Umgang mit Gesetzestexten. Und ich kann nicht schwafeln, das ist eine meiner Stärken.

Aber kennt René Rottmann überhaupt seinen Wahlkreis?

Blicken wir in die Region, diesen etwas speziellen Wahlkreis rund um den Großraum Ibbenbüren mit Emsdetten, Greven und Saerbeck als Anhängsel – kennen Sie sich aus im Tecklenburger Land?

Rottmann: Mit dem Bus komme ich da bestimmt hin. Ich bin digital Native, ich mache alles mit dem Handy. Ich kann überall alles finden.

In anderen Worten: „Nie davon gehört, aber ich kann ja mal die Wikipedia fragen.” – „Ich mache alles mit dem Handy” ist jedenfalls ein ziemlich interessanter Kernsatz in diesem Dialog, über den jeder Leser nun für ein paar Minuten sinnieren sollte, bis er seine komplette Gurkigkeit erfasst zu haben glaubt.

Dann geht es weiter. Nach einigem Geplänkel über Schulformen und -reformen („wir brauchen … eine einzige Schulform, bei der alles rauskommen kann”, ahja) wird es wieder persönlich. Wo wolle er, René Rottmann, Akzente setzen?

Der Gesellschaft die Illusion der Vollbeschäftigung zu nehmen ist ein Schwerpunkt.

Ich weiß nicht, ob „Ihr könnt übrigens nicht alle arbeiten!” ein gutes Wahlkampfmotto ist, aber der Versuch kann ja nicht schaden, nicht wahr? Wer mit einer derartigen politischen Unbedarftheit in den Wahlkampf zieht, hat noch nicht automatisch verloren, immerhin ist die Laienhaftigkeit einer der menschlichen Vorzüge der Piratenpartei; ein bisschen umsichtiger könnte man allerdings schon sein. Der Nachsatz, man habe stattdessen immerhin ein bedingungsloses Grundeinkommen im Programm, relativiert den Schwerpunkt nur unzureichend.

(Für die munteren Mitleser empfohlener Suchbegriff: „Demografischer Wandel”.)

Auf die Frage, ob er Angst habe zu scheitern, antwortete René übrigens:

Nein! Bei der Landtagswahl habe ich es ja auch geschafft, die Piraten nicht zu blamieren.

Gut, dass zumindest dieser Fehler endlich behoben werden konnte.

(Offenlegung: René ist mir – mehr oder weniger – persönlich bekannt und einiges von mir gewohnt.)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Kurz verlinkt CLX: Uns geht’s doch gut!

Die (nach eigenen Angaben) „Qualitätsjournalisten” von SPIEGEL ONLINE (das waren die hier) sind immerhin gelegentlich doch noch im positiven Sinne belustigend.

Der Schlussteil des heute kurz nach Mitternacht veröffentlichten Artikels „Neue Umfrage: Europäer trauen Europa nicht mehr” (regelmäßige Leser meiner Texte rufen nun vielleicht verwundert „Ach?!”) etwa ist ein humoreskes Bonmot sondergleichen:

Befragt zu Stereotypen über andere EU-Länder, halten die Bürger in sechs der acht Umfrage-Staaten Deutsche für am wenigsten mitfühlend, in fünf von acht Nationen für am arrogantesten. Bundesbürger können derlei Ressentiments nicht verstehen: Nach ihrem Urteil ist Deutschland die vertrauenswürdigste, mitfühlendste und am wenigsten arrogante EU-Nation.

Echt jetzt; die Banausen da unten haben nur keine Ahnung!

In den NachrichtenMontagsmusikPiratenpartei
Ton Steine Scherben – Jenseits von Eden

Am Wochenende hat der Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschland in Neumarkt einen Teil des Bundesvorstands neu gewählt. Der Posten des ersten Vorsitzenden bleibt mit Bernd Schlömer, der die Partei auch schon mal öffentlich und entgegen der Meinung der von ihm oft vorgeschobenen Basis als sozialliberal und für einen Wahlkampf zu demotiviert bezeichnet und auch sonst eine Menge Stuss vor sich hinplappert, wenn er nicht gerade einen lichten Moment hat, besetzt. Nun, jedes Volk bekommt den Schlächter, den es verdient.

Den Montagskater macht das alles auch nicht besser; zumal man aufwacht und die Welt immer noch die alte ist. Tempora non mutantur, was praktisch ist, weil man sich dann selbst nicht verändern muss. Man würde es eben nur gern können.

Ton Steine Scherben – Jenseits von Eden

Liebe – was ist das? Das ist das Leben in der Stadt.
Was soll daran schlecht sein? Liebe kommt von unten,
Liebe hat schwache Worte; ach, ich bin so müde…

Manchmal wünscht man sich, der Teufel bliebe im Detail stecken.

Guten Morgen.

Sonstiges
Bundesligaliveticker. Allein das Wort schon!

Momentan läuft wieder mal ein Bundesligaspieltag. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, zur Abwechslung mal zu schauen, was „SPIEGEL ONLINE” da so als „Liveticker” bewirbt.

Aktueller Auszug aus dem Spiel der Borussia Dortmund gegen den VfL Wolfsburg:

14. Minute
Tor
1:1 – Torschütze: Perisic

Der Ausgleich! Olic wird schön in den Sechzehner geschickt und spitzelt den Ball mit Übersicht weiter Richtung zweiter Pfosten. Dort muss Perisic nur noch einschieben. Sein erstes Tor für den VfL – und das gegen seinen Ex-Klub.

(…)

5. Minute
Tor
0:1 – Torschütze: Bender

Anstatt zu flanken, legt Reus einen Freistoß quer zu Sahin, der den Ball aus halbrechter Position gefühlvoll in den Sechzehner hebt. Dort ist Bender zur Stelle und schießt mit links zur Führung ein. Sein erstes Saisontor!

Ich hab’ schon erotische Geschichten gelesen, die weniger explizit waren.

(Ernsthaft: Warum liest jemand einen „Liveticker” zu einem Fußballspiel? – Andererseits gibt es ja auch Leute, die bei Büchern erst mal auf den Film warten.)

Internes
Suchbegriffe, Monat Mai 2013

Der Monat hat erst angefangen, aber wie schon vor etwa einem Jahr haben bereits viele Leute mit sehr merkwürdigen Vorlieben hierher gefunden.

Suchen Mai 2013

Abgesehen von offensichtlichen Suchbegriffen zu mehr oder weniger aktuellen Texten meinerseits gab es auch einige sehr spezielle Anfragen:

telefon app android 4.0

Nö, für Android brauchst du keine Telefon-App, da ist schon eine drauf. Du installierst ja auch keinen Browser für Firefox.

ferder die frauen ficken

Das heißt „Verder”, herrje!

anständige mädchen ficken gern

Das ist ein wenig pauschal, oder?

fick dene mutter in den asch widio

„Widio”. WIDIO! Machen Inzestvideos blöd oder setzt ihre Betrachtung Blödheit voraus? Und warum lässt man solche Leute das Internet benutzen?

In eine ähnliche Kategorie fällt allerdings auch:

pornos auslander ficken veise frrauen

Weise Frrauen verzweifeln still.

Apropos:

ficken beim schmalz auslassen

Also ich lasse das Ficken eigentlich immer aus – das Schmalz jedoch ebenfalls.

katherine jenkins brust 14. märz 2010

Am 15. März 2010 war sie nicht mehr interessant.

pinguin witze

Hier entlang bitte. Wobei: Warst du das?

wie ficken pinguiene

Dann nämlich besser nicht.

Ach, gab es denn überhaupt keine interessanten Suchanfragen im bisherigen Mai? Doch, eine:

rat zu der musikgruppe freiwild,ab welchem alter geeignet

Belanglose „Rockmusik” ist nicht ab, sondern bis zu einem bestimmten Alter geeignet. Wer mit, sagen wir mal, Beginn der Volljährigkeit immer noch nichts Besseres hört, der wird diese Hölle niemals mehr verlassen können und den Rest seines Lebens mit, schauder, Musik aus dem Radio verbringen. Es liegt in unser aller Verantwortung, dass das nie passiert! Oder wollt ihr das wirklich einem Menschen antun?

(Bei Leuten allerdings, die nach „fick dene mutter in den asch widio” suchen, ist das wahrscheinlich nicht mehr sonderlich schlimm.)

Ich wende mich ab mit Grausen.

Netzfundstücke
Stupssex

„Warum bin ich immer noch Single?” hört man vielerorten junge und nicht mehr ganz so junge Mädchen verzweifelt rufen. Nun, vielleicht liegt das daran, dass sie es potenziellen Bewerbern nicht leicht machen, überhaupt als jemand zu erscheinen, der das ändern möchte.

Ein anschauliches Beispiel wurde mir gerade wieder in meine Twitter-timeline gespült. Auf Facebook gibt es bekanntlich die Funktion „Anstupsen”, die wahrscheinlich so was ist wie „Gruscheln” auf StudiVZ. Offenbar ist die Benutzung dieser Funktion inzwischen eine Kurzform für „hallo, ich bin total interessiert an Sex mit dir” oder ähnliches.

Twitternutzerin @_kleines__ gab nämlich bekannt:

Mich in FB anschreiben und beste Freundin anstupsen.

Männer denken wohl, wir reden nicht.

Ohne Kennenlernchance geblockt.

Warum diese Haltung? Nun, das ist doch offensichtlich: Wenn ein (womöglich schüchterner und) an Frau @_kleines__ interessierter Mann sich nämlich endlich aus der Deckung traut und selbige endlich anschreibt (wobei unklar ist, ob mehr als nur eine Begrüßung im Anschrieb stand), dann verpflichtet er sich damit selbstverständlich sofort, jedwelche positiven Kontakte zu ihren Geschlechtspartnerinnen zu unterlassen.

„Ich habe mich tierisch in dich verliebt und kann nur noch an dich denken” wird wirkungslos, sobald man eine andere Frau anstupst – Anstupsen ist bereits der erste Schritt zur späteren Untreue!!1. Wieder was gelernt.

Tja – warum sind manche Frauen nur immer noch Single?

Spaß mit Spam
mm..hi)

mm…Spam) in meinem Posteingang! Eine gewisse „Mila” (mit Anführungszeichen) schreibt mir ohne grundlegendes Verständnis von Textformatierung, nämlich ohne Zeilenumbrüche, dies:

Hi how a u??My name is Herda.

Guten Tag, Frau „Mila”-Herda. Ich bin belustigt.

I have a great desire to find a mate and soul mate.

Also einen für’s Bett und einen für’s Sofa quasi. Müssen die beiden voneinander wissen?

I am 29 years old. I am gentle and affectionate girl. I want to find a permanent mate.

Also einen mate, einen soul mate und einen permanent mate. Zum Ohrwurm fehlt nur noch der funk soul brother. Aber warum sollten sich diese Herren für Sie, Frau „Mila”-Herda, interessieren?

Nun, dafür gibt es Gründe:

For this, I have all the features. I like to create comfort me nice when the house is beautiful and clean. I think that serious relationship is a responsibility. But just as they are full of romance and feelings.

Ich übersetze frei: „Hierfür (für die Partnerschaft jedwelcher Art, A.d.V.) bringe ich alle nötigen Voraussetzungen mit: Ich mag es, wenn das Haus sauber ist. Ich halte ernsthafte Beziehung für Verantwortung, sofern sie voller Romantik und Gefühle ist”.

Hm.

Kurz gesagt: Frau „Mila”-Herda würde sich gern als Putze andienen und wäre damit überaus glücklich. Nun, dank der Emanzipadings kann eine Frau heutzutage ihre Stellung in der Beziehung ja selbst nach Belieben definieren. Wer wäre ich, dass ich ihr da reinreden würde?

Our dreams are the same?

Nee, ich mag nicht putzen und halte Putzen auch nicht für einen essenziellen Bestandteil einer romantischen Zweisamkeit.

I’m from Berlin !!!

Zum Glück schrieb sie mir auf Englisch; Berliner versteh’ ich immer so schlecht.

Vielleicht sollte ich ihr mal schreiben.

PersönlichesPiratenpartei
Abrechnung mit Fabian Reinbold

(Vorbemerkung: Ich bin gegenwärtig kein Funktionsträger der Piratenpartei, jedoch allmählich übermäßig genervtes Basismitglied.)

Jeder kennt sie, die populistischen Schmierfinken, die für eine billige Schlagzeile jedes Risiko für Dritte in Kauf nehmen würden. Bei der BILD ist diese Haltung offenbar zwingend vorausgesetzt, das muss nicht explizit erwähnt werden.

Man sollte aber darüber nicht vergessen, dass auch andere Magazine Brandstifter beherbergen.

Bei SPIEGEL ONLINE etwa treibt seit Jahren Fabian Reinbold sein Unwesen, der seit August 2011 dafür bezahlt wird, den Mythos Piratenpartei zu entzaubern. (Und ich hatte schon gedacht, das „Ressort Politik”, in dem er beschäftigt ist, hätte irgendwas mit Politik zu tun.) Die Welle an piratenkritischen Artikeln auf SPIEGEL ONLINE trägt zu einem beeindruckenden Teil seine Handschrift, gelegentlich auch zusammen mit Kollegin und (laut ZDF-Angestellter „koegler.nicole”) Piraten-Expertin Annett Meiritz, die es zumindest noch manchmal schafft, ihre Aversion gegen die Piratenpartei – mit Ausnahme von Marina Weisband, die sie anscheinend sehr mag – leidlich gut zu verbergen.

Dabei geht Fabian Reinbold so weit wie sonst nur die BILD. Einer seiner Artikel etwa kostete aufgrund einer womöglich bewusst missverständlichen, in diesem Kontext falschen Formulierung eine nur nebenbei erwähnte Angestellte der Berliner Piraten im weiteren Diskussionsverlauf ihren Arbeitsplatz. (Da ich nicht Fabian Reinbold bin, verzichte ich auf Namensnennung oder andere Details, die eine Identifikation der anderen Beteiligten vereinfachen.) Das allein ist eigentlich Grund genug, dass es mir nicht leicht fällt, ihm gegenüber die Contenance zu wahren. Zu rücksichtslosen Populisten sollte man nicht nett sein, denn das werden sie gegen dich verwenden; und dass es Fabian Reinbold bisher auf Parteitagen stets geschafft hat, mich zu meiden, ist bedauerlich, denn sonst hätte ich vermutlich längst die Gelegenheit genutzt, ihm in meiner bekannt umgänglichen Art seinen Beruf zu erklären. Journalisten nämlich tun so etwas nicht.

Aber Fabian Reinbold ist Teil dieser Presse, die wir unbedingt brauchen. Somit ist er auch weiterhin nicht nur geduldet, sondern auch erwünscht. „Auch schlechte Presse ist Presse”? Ich bezweifle es. Nach meinem Dafürhalten sollten Boulevardjournalisten, die nicht berichten, sondern mit Suggestivfragen an möglichst prominente Parteimitglieder aufbauschen und Skandale herbeischreiben wollen, nach dem spätestens dritten Vergehen (three strikes hat sich ja bewährt) lebenslanges Hausverbot auf offiziellen Parteiveranstaltungen erhalten, und ich bin nach meinem Kenntnisstand nicht der Einzige, dessen fehlende Entscheidungsgewalt alles ist, was zwischen Fabian Reinbold und entsprechenden Konsequenzen steht. So jedoch kann er auch weiterhin jedes missverständliche Wort, jede Halbinformation nutzen, um daraus einen weiteren Untergang für die Partei zu machen. Das neueste Skandälchen ist das Mittelfinger-”Gate”. (Von dem kindischen Wort „Stinkefinger” nehme ich Abstand – meine Finger duften.)

Achtung, es wird selbst für Piratenverhältnisse peinlich: Auf einem Foto zeigen mehrere Freibeuter demonstrativ Parteichef Bernd Schlömer den Mittelfinger. Das Bild postete ein Landesgeschäftsführer. Schlömer sieht den Beginn einer „Treibjagd auf einen Menschen”.

(Hervorhebung von mir; bitte beizeiten mit der journalistischen Ethik des SPIEGELs vergleichen.)

Dass Fabian Reinbold nicht verstanden hat, dass „Freibeuter” im Piratenumfeld für „Sympathisanten, die (noch) keine Mitglieder sind” steht, ist ausnahmsweise nicht schlimm; dieses Wissen ist auch parteiintern leider kaum verbreitet. Doof nur, dass er auch sonst die falschen Schlüsse zieht. Ein „Parteichef” (der bei den Piraten auch nur ein einfaches Mitglied ist, was man gar nicht oft genug erklären kann), der stellvertretend für die Piraten bekannt gibt, dass der Wahlkampf wegen fehlender Kraft und Motivation quasi ohnehin vergebens sein würde, tritt so mit Anlauf denen in den Hintern, die viel wertvolle Lebenszeit in die Parteiarbeit investieren. Ein ausgestreckter Mittelfinger ist ein Witz dagegen. Das ist keine Treibjagd auf einen Menschen, das ist mehrheitliches Ekligfinden dessen, was Bernd Schlömer so in die Gazetten blubbert. Wohl niemand der Treibjäger wünscht Herrn Schlömer nachhaltigen persönlichen Schaden. Nur als Obervorstand taugt er halt nix, und die Piratenpartei ist nun einmal so strukturiert, dass ein herzliches „halt’ endlich mal die Klappe, Chef, du redest zu viel Scheiße” als Meinung der Basis und nicht als Affront gewertet wird. Die einst von unter anderem Gerhard Schröder populär gemachte Vertrauensfrage würde Bernd Schlömer nach meinem Empfinden aufgrund diverser Diskussionen innerhalb der Basis einen äußerst geringen Zuspruch attestieren; trotzdem nehme ich an, dass er anders als Johannes Ponader sein Amt auf dem kommenden Bundesparteitag in Neumarkt nicht einfach niederlegen wird. (Positive Überraschungen erwarte ich von ihm schon lange nicht mehr.) Das ist etwas bedauerlich.

Aber zurück zu Fabian Reinbold. Dieser kann sich offenbar selbst nicht entscheiden, worin nun eigentlich sein Problem mit der Piratenpartei liegt. Kurz nach seinem Dienstantritt bei SPIEGEL ONLINE 2011 befürchtete er noch, die Piraten würden sich angreifbar machen. Später war ihm das bei der Suche nach einem Schuldigen nur Recht: Letztes Jahr war es Johannes Ponader („Das Piraten-Problem heißt Ponader”, Oktober 2012), letzten Sonnabend war es Sebastian Nerz, nur Bernd Schlömer ist es nie. Wie man es als Pirat schafft, von Fabian Reinbold für jedwelches Tun in Schutz genommen zu werden, erschließt sich mir nur als Vermutung – die beiden haben in ihrer Vorgehensweise viel gemeinsam.

Man verstehe mich nicht miss: Kritische Berichterstattung ist gut und wichtig. Wer jedoch keinen Hehl daraus macht, dass er die Piratenpartei („peinlich”, siehe oben) nicht nur kritisch betrachtet, sondern in seiner Berichterstattung gezielt, nun, Partei gegen sie ergreift, mag vielleicht ein talentierter Blogger sein, für einen Vertreter von SPIEGEL ONLINE, mithin der so genannten „Presse” (das Wort hängt etymologisch mit „pressen” zusammen, nicht?), ist das aber kein Verhalten, das man fördern sollte.

Ich empfehle diesen Text als eine Warnung zu betrachten. SPIEGEL ONLINE ist kein seriöses Medium. Seine Vertreter sind oft skrupellose und gefährliche Menschen, denen es nicht um die journalistische Wahrheit geht und die für eine reißerische Schlagzeile auch berufliche Existenzen zu vernichten imstande sind. Es ist falsch, diesen Leuten eine Plattform zu geben, auf der sie sich in Szene setzen können.

Angeblich hat Fabian Reinbold sein Handwerk an der Deutschen Journalistenschule in München gelernt. Diese Schule sollte man im Auge behalten.

SPIEGEL ONLINE darf mich hier gern zitieren.

Montagsmusik
Amenra – Nowena I 9.10.

Montag!

Amenra – Nowena I 9.10. (Full Length, With intro and Official Video) Mass V (2012)

Alle wach?

Guten Morgen.

Spaß mit Spam
Benzin ist gerast: „Chubbly 87 will es mit Ihnen machen!”

Folgende Spam lasse ich mal auf den Betrachter wirken:

Benzin ist gerast

Leser rast mit.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: SPIEGEL ONLINE und das subtile Vorurteil

Ach, „SPIEGEL ONLINE”, eine Frage hätte ich dann schon noch.

Am dieswöchigen Dienstag schrieb deine Autorin Frauke Lüpke-Narberhaus über eine geschlechtsneutrale Umkleidekabine an einem Gymnasium in Stockholm:

Es passt, dass diese Idee aus Schweden kommt.

Auf eine Erklärung für diesen Satz habe ich bis zum Ende des Artikels vergeblich gewartet, stattdessen geht Frauke Lüpke-Narberhaus mehrfach auf Ereignisse an diesem einen Gymnasium ein. Das ist ein bisschen schade.

Aber es passt, dass dieser Text auf SPIEGEL ONLINE steht.

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Kurz verlinkt CLIX: Das BKA und der Markenrechtstrojaner

Nachdem vor einigen Jahren ein erster „Bundestrojaner”, also ein mit illegalen Methoden arbeitendes Werkzeug zur mehr oder weniger unbemerkten Onlineüberwachung vermeintlicher Straftäter, eher weniger regelkonform war, hat das Bundesinnenministerium nun nachgebessert:

Das Bundesinnenministerium hat zehn Lizenzen des FinSpy-Trojaners für die „Quellen-Telekommunikationsüberwachung“ (Quellen-TKÜ) erworben. (…) Das BKA will den eingekauften Trojaner übergangsweise einsetzen, bis die Behörde eine Überwachungssoftware in Eigenregie entwickelt hat.

Dass auch bei diesem neuen Trojaner nicht alles regelkonform abläuft, steht außer Frage. Der Konzern hinter „FinSpy” beziehungsweise „FinFisher”, Gamma International, sieht sich bereits mit der ersten Klage konfrontiert; nicht jedoch wegen der Entwicklung illegal verwendbarer Anwendungssoftware, sondern aus markenrechtlichen Gründen:

Mozilla hat die Firma Gamma International abgemahnt, welche die Überwachungs-Software FinFisher, auch bekannt als Staats-Trojaner, herstellt. Der Grund: Diese Software gibt sich als Firefox aus und begeht damit einen Missbrauch der Mozilla-Marke.

Dabei ist zur Erklärung erwähnenswert, dass der Trojaner nicht so tut, als sei er ein Browser:

Gammas Software ist komplett eigenständig und benutzt lediglich Mozillas Markenzeichen um sich als Firefox und damit als vertrauenswürdiges Programm zu tarnen. Der Spionage-Trojaner gibt sich als Firefox.exe aus und beinhaltet die dazugehörigen Hersteller-Informationen wie die Versionsnummer von Firefox und Copyright-Hinweise von Mozilla. In den Quellcode wurde außerdem das “Assembly Manifest” von Firefox wortwörtlich eingebunden.

Die Zuständigen bei Gamma International können allerdings froh sein, dass sie ihr Produkt nicht davidbowie.exe genannt haben. Der GEMA traue ich inzwischen alles zu.

FotografieMusikalisches
Weine nicht, wenn der Regen fällt.

Weine nicht, wenn der Regen fällt.

(Abt.: Irgendwann muss ich das mal fotografieren, wenn ich nicht nur dran vorbeifahre.)

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Mehr Hartz IV für alle!

Heute wird wie jedes Jahr der Kampftag der Arbeiterklasse zelebriert. Während einige Leute diesen Tag nutzen, um geräuschreich die NPD zu kritisieren, und andere der Ansicht sind, eine polizeilich genehmigte Kundgebung sei total revolutionär, haben zumindest die Gewerkschaftler und einige Parteien auch den früheren Sinn dieses Tages, nämlich die Vertretung der Rechte einfacher Arbeitnehmer, nicht vergessen.

Zum Beispiel die SPD.

Die Gewerkschaften wollen durch Mitbestimmung und Tarifpolitik die Lage der arbeitenden Menschen verbessern. (…) Denn nur gute Arbeit sichert gute Renten.

Deshalb fordern SPD und Gewerkschaften unter anderem dies:

  • einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro – flächendeckend, in allen Branchen, in Ost und West
  • die Verhinderung des Missbrauchs von Werkverträgen
  • die Abschaffung der Möglichkeit, befristete Arbeitsverträge ohne Sachgrund abzuschließen

Dass die „8,50 Euro” laut DGB, auf den die SPD sich hier stolz beruft, zu einem Einkommen unter der Armutsgrenze führen würden, sei mal gnädig verschwiegen, immerhin war von mindestens 8,50 Euro die Rede. (Gut, die SPD spricht ausdrücklich von „guter Arbeit für alle”, nicht von „gut bezahlter Arbeit für alle”, insofern kann man es ihr ohnehin nicht begründet vorwerfen.)

Dass die Agenda 2010 einen Reallohnverlust von etwa neun Prozent mit sich brachte, wie der dortige Kommentator „Garfield” anmerkte, setzt den Forderungen von SPD und Gewerkschaften allerdings die Eselsmütze auf. Die Hartz-IV-Gesetzgebung machte die Verhinderung des Missbrauchs von Werkverträgen ebenso schwieriger wie die Abschaffung der Möglichkeit, befristete Arbeitsverträge ohne Sachgrund abzuschließen. Im Wesentlichen ruft also die SPD dieses Jahr dazu auf, gegen die Politik der SPD zu demonstrieren.

Nicht, dass wir das nicht sowieso tun sollten.