In den NachrichtenPolitik
Vorwärtsverteidigung

Die NATO von 1990 bis 2009:

NATO-Expansion - Quelle: Internet

Angela Merkel, 18. August 2014 (laut „Braunschweiger Zeitung” von heute):

Die NATO muss sich auf die Verteidigung (gegen Russland, A.d.V.) vorbereiten, viel stärker als wir es in der Vergangenheit hatten.

Die Freiheit Deutschlands wird an der Ostfront verteidigt. Der Russe steht vor der Tür und uns im Weg. Was soll die Wirtschaft davon halten?


Apropos „gefährliche Arschlöcher”:

SPIEGEL ONLINE, 16. September 2011:

USA lieferten Zieldaten für türkische Angriffe auf Kurden

SPIEGEL ONLINE, 11. August 2014:

Die USA haben damit begonnen, die kurdischen Kämpfer im Nordirak direkt mit Waffen und Munition auszustatten.

Wenigstens gehen dem Waffenexport auch ohne Russland nicht die Kunden aus.

Montagsmusik
Jethro Tull – The Whistler

Kann auch nichts dafür: Ein Käuzchen.Es ist Montag. Nein, schlimmer: Es ist Montagmorgen.

Nach einem Wochenende voller Freude blickt man wieder in das tiefe Loch, das sich Alltag nennt. Mürrische Menschen in den Bussen und Bahnen werden kontrastiert von übermäßig fröhlicher Jugend, die sich einander die Feier vom Freitag noch einmal erzählt. Sie waren ja alle nicht die ganze Zeit wachen Verstandes selbst dabei. Wenigstens übergibt sich keiner, das haben sie alle schon am Wochenende getan, sagen sie lachend und geraten nicht nur sprachlich ins Stolpern. Mit solchem Nachwuchs haben wir noch keinen Krieg gewonnen. Wenn das der Bundespräsident sehen müsste, wäre er erschüttert.

Andererseits: Jugend, die ständig unter Substanzeinfluss steht, macht dabei wenigstens nicht viel kaputt. Stellt euch vor, die wären stattdessen bei der Bank!

Ich meinerseits pfeif’ also drauf, zum Beispiel so:

Jethro Tull The Whistler

Guten Morgen!

KaufbefehleMusikkritik
Erst mal ‘nen Tee: Margin – Psychedelic Teatime

Margin - Psychedelic TeatimeEine angenehme musikalische Überraschung dieses Jahres ist übrigens, dass Pink Floyd, ungeachtet des Todes ihres Keyboarders Richard Wright, noch in diesem Jahr ein neues Studioalbum veröffentlichen wollen. Pink Floyd haben mit ihrem Frühwerk ja so einige Bands beeinflusst, viele Musiker, die irgendwas mit Psychedelic Rock machen, berufen sich auf die Combo.

Darunter auch Margin. Margin, ein Berliner Musikprojekt um den Multiinstrumentalisten Lutz Meinert, veröffentlichte Ende Juni 2014 sein Debütalbum „Psychedelic Teatime”, das, wie man’s im Rezensentengeschäft auszudrücken pflegt, den Geist der Pink Floyd atmet, aber eben doch mehr ist als eine bloße Kopie.

Das Album ist allerdings schon sehr klischeehaft, angefangen vom Titel und Coverbild (Tee als Symbol für Drogen hatten ja bereits Gong mit „Flying Teapot” etabliert) und längst nicht endend mit der Aufteilung. Den Anfang nämlich macht mit über dreiundzwanzig Minuten Länge das fünfteilige „A Mysterious Cup of Tea”, das mit dem Geräusch des Eingießens von Tee beginnt. Leise Klavier- und Tassenklänge gesellen sich dazu. Hätten Pink Floyd ein Konzeptalbum über’s Teetrinken gemacht, hätte es wohl ähnlich begonnen. Hier dominiert allerdings nicht die Gitarre, sondern Keyboard/Synthesizer und Schlagzeug liegen im Vordergrund. Gesang folgt im zweiten Teil, und natürlich geht es um Tee und um Pink Floyd: „A saucerful of secret sounds…”.

Überhaupt: Pink Floyd. „Psychedelic Teatime” besteht aus fünf Stücken, aber in keinem davon wird die Ähnlichkeit so deutlich. Das Überwerk „Echoes” klingt hier ebenso immer wieder an wie spätere Glanzstücke wie „High Hopes”.

Zum Schluss klappert die Teetasse noch mal, und der „Psychedelic Underground” bricht los, zunächst als „Short Trip”. Dreieinhalb Minuten lang brettert feinster Psychedelic-Lärm auf den Hörer herein, im Text geht’s um den verrückten Hutmacher (cf. „Alice im Wunderland”), der eine seltsame Tasse Tee trinkt, und damit „willkommen im psychedelischen Untergrund”. Ich werd’ das Gefühl nicht los, dass gar kein Tee gemeint ist.

„Landscapes on the Sky” ist ein nettes, aber musikalisch uninteressantes Füllsel, das instrumentale Space-/Krautrockstück „Last Exit to Pluto” mit seinem dominanten Bass indes weiß zu gefallen. Der Rezensent sitztanzt die Bassmelodie mit und ist höchst erfreut. Es gilt diese Freude in voller Länge auszukosten, denn nach viel zu kurz scheinenden zehn plus x Minuten ist sie schon wieder vorbei. Nicht jedoch das Album selbst, denn es fehlt noch „Psychedelic Underground – The Long Trip”.

Dieser wiederholt zunächst den „Short Trip”, wiederum mit einer Anspielung auf das pinkfloydsche „A Saucerful of Secrets”, wird aber noch verspielter. Zehneinhalb Minuten feinster psychedelischer Artrock. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Hörproben stellt die Website der mir bislang unbekannten Plattenfirma Madvedge bereit, eine Vinylaufnahme scheint es aber leider nicht zu geben; auch Amazon.de kennt nur die CD- und die MP3-Version. Egal, seien wir mal nicht kleinlich, den Trip ist’s wert.

Wohl bekomm’s!

Nerdkrams
systemd: Linux und die Monokultur

Nachdem OpenBSD-Entwickler bereits im August 2013 das Jahr-2038-Problem – der klassische 32-bittige UNIX-timestamp wird am 19. Januar 2038 überlaufen – gelöst haben, legt ein Jahr später auch das nicht gerade für seine Innovationskraft bekannte Linux nach, für das es dann auch irgendwann – vielleicht noch dieses Jahr – eine Lösung geben soll. Beeindruckend.

Aber um Entwicklungsgeschwindigkeit geht es im Land der Softwarefreiheit eben nicht, sondern vorrangig darum, nicht Windows zu sein. Als Linuxnutzer sei man mündig und frei, und wenn was nicht passe, könne man ja gehen.

Nun hat Linux aber einige wenige Menschen unter seinen Unterstützern, die den Fehler machen, nur das Beste für alle Linuxnutzer erreichen zu wollen. Zu diesen Menschen zählt Lennart Poettering, der maßgeblich die Entwicklung von PulseAudio – eine Sound-Middleware, die sich im Vergleich mit ALSA dadurch auszeichnet, dass sie nicht funktioniert – vorangetrieben hat und nun im Auftrag seines Arbeitgebers Red Hat eine tolle neue Idee umgesetzt hat, die ebenfalls nicht funktioniert: systemd.

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In den NachrichtenPolitik
Bumsrebellen

Die Ärzte, 2001:

Ficken, ficken, ficken / gegen das System!
Ficken, ficken, ficken / ihr könnt nicht überle’m!

„Sozialpartei” SPD, 2014:

„Menschenunwürdige Geschäftsmodelle wie Flatrate-Sex und Gangbang-Partys werden verboten”, erklärte [Familienministerin Manuela] Schwesig.

Wer sich erwischen lässt, ist wahrscheinlich, nun, gefickt, wenn nicht gar: am Arsch.

(Abt.: Niveau für Fortgelaufene.)

In den Nachrichten
„O Captain! My Captain!”: Trauerflor auf Küchenmöbeln allerorten

Die britischen Anarchokomiker Monty Python haben Ende Juli dieses Jahres nach etwa 45 Jahren der gelegentlichen Zusammenarbeit und einem letzten großen Auftritt in London die endgültige Auflösung der Truppe bekanntgegeben. Damit endet ein Kapitel der globalen Humorgeschichte, das wohl noch so manche Generation positiv beeinflussen wird.

Viel mehr mediales Aufsehen allerdings erregte der vorgestrige Tod des Schauspielers Robbie Robin Williams, der sich, wie’s die Medien berichten, mit einem Sexspielzeug selbst erstickt hat. Seit vorgestern nun wird rege aus seinen Filmen zitiert, von „Peter Pan” über „Mrs. Doubtfire” bis hin zum unvermeidlichen „Club der toten Dichter”, der nicht nur auf Twitter die Grundlage für weltweite Trauerzeremonien bildet, die sich bis ins öffentlich-rechtliche Fernsehen ausdehnen:

Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat „Tagesthemen”-Moderatorin Caren Miosga das Lebenswerk des gestorbenen Schauspielers Robin Williams gewürdigt. Während ihrer Sendung am Dienstagabend stieg sie auf ihren Moderatorentisch und erinnerte so an den „Club der toten Dichter”, einen der bekanntesten Filme des Hollywood-Stars.

Wie’s eben auf Twitter auch üblich war und ist, den Film auf sein altbekanntes Motto „carpe diem” einzudampfen, weil 140 Zeichen einem eben die Ausdrucksmöglichkeiten beschneiden: Macht etwas aus eurem Leben! Macht etwas Ungewöhnliches! Macht genau das, was auch im Film vorkommt! Und so steigen sie auf die Tische und rezitieren aus Walt Whitmans immer gleichem Gedicht den immer gleichen Halbsatz, den auch Robin Williams (für weitaus mehr Geld) rezitiert hat: „O Captain! My Captain!”. Carpe diem, pflücke den Tag. Schließe dich an. Hebe dich nicht ab aus der Menge derer, die individuell das Gleiche tun.

Und natürlich wetteifern Deutschlands Fernsehsender darum, wer aus dem Ableben mit den meisten Robin-Williams-Filmen die höchsten Quoten ziehen kann, und ich freue mich dann doch ein bisschen darüber, dass Robin Williams hauptsächlich Schauspieler und kein Musiker war, denn dem Fernsehen entkommt unsereins viel leichter als dem Radio, aus dem nach Michael Jacksons Tod quasi Dauergekiekse erscholl.

Die Besinnung auf Horaz’ „carpe diem” ist, dies sei noch angemerkt, keinesfalls eine schlechte Idee, so lange es nicht bei bloßer Symbolik bleibt. Seid unangepasst in allem, was ihr tut. Monty Python hatten es lange vor Robin Williams erkannt:

Ihr seid alle Individuen

Aber auf die hört natürlich mal wieder niemand.


Skandalös: Frau fand Butterswastika auf ungesundem Fraß und verlor sofort den Appetit auf selbigen. Der Umkehrschluss ist wahrscheinlich nicht zulässig.

Montagsmusik
Bob Dylan – It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)

Guckt nur zufällig so: Ein Käuzchen.Wie schön! Es ist Montag! Erdoğan wird Präsident. Mit denen können sie’s ja machen.

Nein, ein Montag ist guter Tag, um beschwingt zu sein. Endlich raus aus dem Wochenende und rein in den blühenden Büroalltag!

Warum nicht mal ein wenig beschwingende Folkmusik zum Morgenkaffee?

Dylan It's Alright Ma Hard To Handle 1986

Old lady judges watch people in pairs
Limited in sex, they dare
To push fake morals, insult and stare
While money doesn’t talk, it swears
Obscenity, who really cares, propaganda, all is phony.

Guten Morgen!

In den NachrichtenPiratenpartei
Basisentscheid offline?

Beo (Symbolbild)Ach, Medien.

Vor beinahe genau vier Jahren schrieb ich:

LQFB jedenfalls ist bereits in seinem aktuellen Zustand nicht weniger als eine Reform der Demokratie.

Bei „LQFB” (Liquid Feedback) handelt es sich, kurz gesagt, um eine seit Jahren im Testbetrieb laufende Plattform, auf der Mitglieder der Piratenpartei über Anträge abstimmen können. Ursprünglich hatte sich die Piratenpartei Deutschland zum Ziel gesetzt, auf diese oder eine andere Weise mal unter dem Begriff „BEO” („Basisentscheid online”), mal unter dem Begriff „SMV” („ständige Mitgliederversammlung”) eine einfach zugängliche Alternative zu den mehrmals jährlich an mitunter nicht für jeden Teilnehmer einfach zu erreichenden Orten stattfindenden Parteitagen einrichten zu können. Netzpartei, ihr wisst schon.

Dieses Liquid Feedback hat aber im Laufe der Zeit – abgesehen von der miserablen Beteiligung, ein ständiger Internetzugang wird für eine Mitgliedschaft in der Partei auch nicht vorausgesetzt – einige erhebliche Nachteile erhalten, seien es Delegationen, also die Konzentration vieler Stimmen auf einige wenige Mitglieder, sei es die ausbleibende Bereinigung der Benutzerdatenbank bei Austritt oder ausbleibender Beitragszahlung. Gegenwärtig ist LQFB also eigentlich nicht für verbindliche Mehrheitsabstimmungen innerhalb der Partei zu gebrauchen.

Da aber die Basisdemokratie in der Piratenpartei eine wichtige Rolle spielt, hat der Bundesvorstand sich nun vorläufig auf eine andere Methode zur Umsetzung des „Basisentscheids online” geeinigt:

Es gebe keine Software, mit der eine verbindliche Mitgliederbefragung online abgewickelt werden könne. Außerdem seien solche IT-Systeme anfällig für Manipulationen. „Deswegen werden wir den ersten Basisentscheid jetzt wohl ganz konventionell, ganz herkömmlich auf Papier durchführen”, sagte [der Bundesvorsitzende Stefan] Körner.

Damit ist zwar noch kein „Basisentscheid online” umgesetzt, aber zumindest ist es so jedem stimmberechtigten Mitglied möglich, ohne kosten- und zeitintensive Anreise zu einem Parteitag über Anträge abzustimmen; zudem ist die Missbrauchsgefahr gering, denn Briefpost erreicht selten nicht erwünschte Empfänger.

Aber was gab das nicht für ein tolles Bohei! Haha, diese Piraten. Post! Offline! Igitt! – Und so ist Twitter seit Stunden voller Lästereien über dieses Vorgehen. Dabei sind sich manche der Diskutanten auch für bescheuerte Vergleiche nicht zu schade:

Mit dieser „Es muss 100% sicher sein”-Attitüde der #Piraten hätten wir weder Internet noch elektrischen Strom oder gar Katzenklos.

Von hundertprozentiger Sicherheit war nie die Rede, und auch Abstimmungen per Post – Briefwahl quasi – sind nicht vor Missbrauch geschützt, aber im Vergleich zur gegenwärtigen Alternative noch immer die bessere Wahl. Mit einem Katzenklo würde ich allerdings tatsächlich gern irgendwo beinahe sicher abstimmen können. Wo genau geht das?

Derart private Dinge wie eine Wahl nur deshalb ins Internet zu verlagern, weil’s hip ist, ist, gelinde gesagt, eine Scheißidee, so lange nicht gewährleistet werden kann, dass die genannten Probleme eines solchen Wahlsystems nicht behoben werden können. Post-privacy ist in der Politik eben nicht egal.

Macht doch auch mal ein bisschen Urlaub vom Internet!
Felix von Leitner

In den NachrichtenWirtschaft
„We are the 41 %!”

SPIEGEL ONLINE, 4. August 2014:

Die SPD und Teile der Union fordern den Abbau heimlicher Steuererhöhungen – doch Kanzlerin Merkel weist solche Pläne zurück: Die Konsolidierung des Haushaltes habe Vorrang vor der Abschaffung der kalten Progression. (…) Die kalte Progression führt dazu, dass sich Arbeitnehmer bei Lohnerhöhungen, die nur die Inflation ausgleichen, weniger leisten können als zuvor, weil sie gleichzeitig in einen höheren Steuertarif rutschen.

SPIEGEL ONLINE, 8. August 2014:

Die Große Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel ist so beliebt wie nie: 59 Prozent der Befragten im ARD-Deutschlandtrend sind mit der Regierung zufrieden.

O_o

Möglicherweise befragt man für den ARD-Deutschlandtrend ausschließlich Rentner, denen es ohnehin wurscht ist, und Vertreter des gehobenen Mittelstands, die sich mit den Sorgen der Arbeitnehmer nur im Wahljahr herumschlagen müssen, anders kann ich mir das nicht sinnvoll erklären. Die ehemalige Weltkriegs- und Arbeiterpartei SPD jedenfalls macht als Teil dieser Regierungskoalition einen eher schwächlichen Eindruck, aber das kennen wir ja bereits von ihr. Keine Sau braucht mehr die F.D.P.

Ich jedenfalls, „ARD-Deutschlandtrend”, gehöre zu den unzähligen Prozent, die kein „Befragter” sein dürfen; andererseits wäre meine Meinung zur „Arbeit” der Regierung womöglich nur wenig zitierfähig. Ich bin die 41 Prozent, und viele andere sind es auch. 41 Prozent entspreche laut SPIEGEL ONLINE ungefähr dem virtuellen Wahlergebnis der CDU/CSU laut aktueller „Sonntagsfrage” („Steh’ ich auf oder bleib’ ich im Bett?”). Bei 41 Prozent scheint es sich also um eine überwältigende Mehrheit der Bürger zu handeln.

Ich bin nicht nur „nicht zufrieden”, ich bin sogar höchst unzufrieden. Wut, Bürger. Anderswo entstehen so Revolutionen. Die SED erfuhr ihrerzeit auch eine große „Zustimmung”; die hat aber auch die Steuern nicht erhöht. Vielleicht wäre sie sonst noch an der Macht.

Und die Regierung schaut nur zu.
Die Ärzte: Regierung

In den NachrichtenPersönliches
Ein Geier weniger.

Und, ihr römisch-katholischen Knabenverführer, ihr könnt gern weiter wie die Geier um das Aas kreisen. Ich spiele nicht mehr mit euch.

Kirchenaustritt


Wem gebührt eigentlich das Urheberrecht an einem Selbstporträt eines Affen? Klar: Dem Affen.

Hoffentlich hat er einen guten Anwalt.

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstücke
Kurz verlinkt: Der Iwan, die Mina und das Gewaltmonopol

Nie wieder Krieg! Naja, militärische Gewalt gegen den Russen ist natürlich ein Ausweg. Si vis pacem: para bellum. Kein Fußbreit den Russlandverstehern. Das heilige römische Reich darf niemals untergehen, jedenfalls nicht kampflos. Das wäre doch entgegen jeder Tradition.


Was macht eigentlich die Mina („mehr kaffee als latte”, Twitter) heute so? Richtig: Sie hält sich für einen fünf Jahre jüngeren Mann und beschimpft deswegen Sascha Pallenberg als einen Sexisten, dem ihre Follower infolgedessen die Beine brechen und auf den Kopf koten wollen.

[W]enn (…) Frauen merken, dass sie – obwohl sie so starke Mädels sind – auch Teil der Unterdrückung sind, egal ob gewollt oder nicht; dann ist das unangenehm und erzeugt eine kognitive Dissonanz.
Yasmina Banaszczuk (selbige)


Ach ja. Nie wieder Krieg? Dann werden ja Ressourcen frei. Und auch im Fußball soll das Polizeiaufgebot gekürzt werden, damit die rammdösigen Johler nach dem Spiel ungestört einander eins auf die Glocke geben können. Aber das war ja bisher viel zu wenig effizient, die natürliche Selektion scheitert hier offensichtlich, denn es scheinen nicht weniger Beteiligte zu werden. Da hilft nur eins:

Der Staat hat im öffentlichen Raum das Gewaltmonopol. (…) Sollen wir uns jetzt Wasserwerfer und Waffen kaufen und vielleicht von Schusswaffen Gebrauch machen?

Ich bitte darum.

Tor!

MontagsmusikNetzfundstücke
Osmi Dan – Galvanize

Jeder, den ich kenne, hat ein gebrochenes Herz. So steht’s über einem herausragenden Text, den ich vor ein paar Stunden fand. Ethisch zu sein ist egal. Ein guter Mensch zu sein ist egal. Was zählt, wer ihr seid, so lange ihr die Popstars kennt? Seid Werbeträger, konsumiert, verliert euch im Gedränge.

Mehr Technik ist nicht mehr Antwort. Der Ausweg seid ihr. Drückt auf den Knopf, bevor es zu spät ist.

28. Osmi Dan – Galvanize (The Chemical Brothers cover)

And the music sucks. Dear God, the music sucks.

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Genres sind soo 90er: Boris – Noise

Boris - NoiseBei „Boris” denkt mancher vielleicht an Russland, manch anderer an Tennis. Die japanische Formation, die sich ebenfalls Boris nennt, hat mit „Noise” allerdings eines der bemerkenswertesten Musikalben des Jahres 2014 veröffentlicht. Auf dem Coverbild seht ihr einen Stuhl. Setzt euch erst mal hin!

Nun ist ein neues Boris-Album keine Überraschung, immerhin erscheint ein solches seit der Bandgründung 1996 beinahe jährlich. Abnutzungserscheinungen aber sind den drei Musikern fremd, sie bleiben kreativ. Was wird gespielt? „Drone Metal” und „Progressive Rock” stehen im Internet als Etiketten dran, und Etiketten sind, wie der geneigte Leser weiß, nur Feigenblätter.

Laut Presse ist’s mit Genres auch nicht getan:

[Noise] verstärkt Boris’ endloses Streben nach musikalischen Extremen und lässt zugleich aggressiven, intensiven Rock in neue Gebiete vordringen. Die Band vermengt hier meisterhaft Sludge-Rock, Blasen bildenden Crustpunk, schimmernden Shoegaze, episch donnernden Doom, psychedelische Melodien und so ziemlich alles, was sie je gemacht haben.

Dabei beginnt „Melody” noch behutsam mit leiser Gitarre und Synthesizer, wenig später aber bricht der rock los, es gibt Elektronik und Indie und ordentlich Bass:

Boris preschen nach vorn. Mit Progressive Rock, wie man ihn sich vorstellt, hat das nicht viel zu tun, und das ist nicht schlimm. Im folgenden „Vanilla” winken die guten alten Mars Volta aus der Mottenkiste und bringen eine Ladung Metal mit. Wer es lieber behäbig und rhythmisch mag, der kommt in „Ghost of Romance” und in „Heavy Rain”, dessen Anfang ich irgendwoher – Red Hot Chili Peppers? – zu kennen glaube.

Was kann da noch kommen? Japanischer Gitarrenpop! „Taiyo no baka”. Ich verstehe kein Wort. Verhallter Gesang aus allen Richtungen, dazu treibende Gitarre und ein Die Ärzte würdiger Surfrock-Refrain. Eiderdaus.

Boris – 太陽のバカ (Taiyo no Baka)

Andere Bands würden mit so etwas ein Album beginnen oder beenden, Boris sind aber nicht andere Bands. Wenn ihr eine Band wärt und hinter einem dreieinhalbminütigen Poprocklied noch Platz auf dem Album hättet, was würdet ihr noch in die tracklist aufnehmen wollen?

Richtig: Einen „Longtrack”. Ein langes Stück eben. „Angel”, 18:41 Minuten lang, ist allein ein überzeugender Grund, „Noise” wertzuschätzen. Behäbiger Postrock, Shoegaze, sucht euch was aus. Der Musikfreund sitzt mit Kopfhörern und geschlossenen Augen davor und nickt mit dem Beat. Vergleiche? dear john letter fallen mir ein, auch Godspeed You! Black Emperor und Mogwai. Gesang ist Nebensache.

Moment, war nicht von Drone Metal die Rede? Der kommt im Anschluss: „Quicksilver”, noch mal 9:50 Minuten lang, lebt sechseinhalb Minuten lang vom Hämmern des Schlagzeugs und dem Kreischen von Sänger und Gitarre; die dann allmählich ausklingt und drones weicht. Sunn O))) seien nahe, heißt es, aber auf so etwas ist bei Boris kein Verlass. Genres? Konstanten? Wofür?

Wo der arme Saturn-Mitarbeiter dieses Album einsortieren wird, ist also wahrscheinlich allein dem Zufall überlassen. Schneller werdet ihr woanders fündig: „Noise” könnt ihr streamen oder kaufen; wenn ihr Bandcamp.com aus irgendwelchen Gründen meiden wollt, gibt’s das Album auch auf Amazon.de. Gefällt mir.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Facebook / Was wirklich zählt

Über die Meldung selbst wundere ich mich ja schon gar nicht mehr:

Facebook

Es wurde niemand verletzt, Twitter stand ja als Auffangbecken bereit.

Allerdings:

Viele Nutzer beklagten sich bei Twitter über den Ausfall – und über die allzu karge Gestaltung der Fehlerseite.

So ein Mist! Auf der Fehlerseite seh’ ich nicht mal meine Glücksnüsse! – Erstaunlich, dass die Nutzer Twitter gefunden haben. Andererseits war wahrscheinlich Google noch erreichbar.

Dafür prangte unten auf der Fehlerseite (Screenshot: siehe SPIEGEL ONLINE) ein ©-Zeichen. Damit sie niemand unbefugt kopiert, nehme ich an.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zu Israel

Natürlich ist es auch wenig angenehm, wenn zwei benachbarte Staaten (momentan steht’s 1327 zu 59 für Israel, das blöderweise auf Foulspiel setzt) gegenseitig militärisch von der Landkarte zu tilgen versuchen, insbesondere dann nicht, wenn einer der beiden Staaten Schützenhilfe bekommt: USA verurteilen Angriff auf Schulgebäude in Gaza (30. Juli 2014), USA stellen Israel weitere Munition zur Verfügung (31. Juli 2014). Vielleicht haben sie beim ersten Mal nicht alles erwischt.

Bei so viel Fürsorge seitens unserer US-amerikanischen „Freunde” (Joachim „Zu den Waffen!” Gauck) müssen „wir” (ebd.) uns ja eigentlich nicht mehr darum kümmern. SPIEGEL ONLINE indes, 23. Juli 2014:

„Wir hier in Deutschland freuen uns darüber, dass in diesem Land Nachkommen der Menschen wohnen, die andere Deutsche vom Erdboden vertilgen wollten”, sagte Gauck.

Den Satz muss man gegebenenfalls zweimal lesen. „Andere Deutsche” ist hier das Subjekt, nehme ich an. Aber zum Glück ist die Zeit, in der ein ganzes Volk vertilgt werden sei, längst vorbei:

„Sie müssen sterben und ihre Häuser sollten zerstört werden, damit sie keine weiteren Terroristen gebären können” sagte Shaked (Ayelet Shaked, Mitglied des israelischen Parlaments, A.d.V.). „Sie alle sind unsere Feinde und ihr Blut sollte an unseren Händen kleben. Dies gilt auch für die Mütter der toten Terroristen.”

Die „Zivilgesellschaft” (tagesspiegel.de, 23. Juli 2014) sollte wirklich netter zu Israel sein.