Montagsmusik
Isis – Weight

(… und ihr wacht auf und der Montag ist vorbei, er nahm mit sich, was ihr liebt und wonach ihr euch verzehrt. Ihr stürzt euch in die Flut aus Farben und plötzlich ergibt alles einen Sinn.

ISIS "Weight" Live at the Troubadour

Digitale Rebellen der Neuzeit: Montagsmusik am Dienstagmorgen.)

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Medienkritik extern: Die zwei Arten von Journalisten

Habt ihr auch manchmal den Eindruck, die Medien würden beständig boulevardesker? Das hat Gründe:

Die Zahl der Journalisten, die wenigstens sprachlich noch lesbar und lesenswert schreiben kann (sic), ist drastisch zurückgegangen und wird auch nicht mehr gesucht. Das Einstellungskriterium ist nicht mehr die Schreibe, sondern der „Umgang mit Social Media”, die Fähigkeit des Twitterns. Die allermeisten Journalisten fallen heute nur noch in zwei Kategorien: Die, die bei DPA abschreiben, und die, die bei Twitter abschreiben. Bei Wikipedia schreiben sie alle ab. Und wenn sich da mal nichts abschreiben lässt, bringen sie das neueste Youtube-Video. Geistige Leere, sprachliche Inkompetenz.

Lesebefehl!

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2014 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 13 von 13 der Serie Jahresrückblick

Huch, schon Mitte Juli! Hättet ihr mir nicht was sagen können?

Ein halbes Jahr ist längst vorbei, und ihr wisst, was das bedeutet: Hier gibt’s Musik satt – alles, was bis Ende Juni so in meiner Bestenliste gelandet ist – zu lesen. Entgegen der öffentlichen Meinung ist die Nummerierung allerdings willkürlich gewählt. Ranglisten sind Firlefanz.

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In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Ein ganzer Bundestag voller Pfuscher

Ich habe einen Fehler gemacht.

Ich nahm fälschlicherweise an, jemand, der die freie Enzyklopädie Wikipedia zu erweitern mithelfe, sei ein Manipulator, egal, ob er sich nun einer bestimmten Ideologie verschrieben habe oder eben nicht.

Markus Böhm (SPIEGEL ONLINE) belehrte mich jedoch gestern darüber, dass das manchmal nicht Manipulation, sondern Pfusch heiße:

Wie oft wird vom Bundestag aus am Online-Lexikon Wikipedia herumgepfuscht?

Jetzt bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich das verstehen soll: Sind alle Wikipedia-Autoren außer den Pfuschern, die im Bundestag arbeiten, Manipulatoren oder verhält es sich genau andersherum, sind also alle Wikipedia-Autoren Pfuscher außer denen, die ein Geschlechterthema manipulieren? Ist man beides, wenn man vom Bundestag aus einen ideologiegeladenen Artikel ändert, oder gibt es dafür wieder ein ganz anderes Wort?

Herr Böhm, helfen Sie mir!

Nerdkrams
OpenSSL unter FreeBSD durch LibreSSL ersetzen

(Vorbemerkung: Dies ist nur eine kurze Anleitung, beinahe nur für eigene Zwecke; wenn sie für jemanden von euch von Interesse ist, ist das allerdings erfreulich.)

Dass das historisch gewachsene OpenSSL vom OpenBSD-Team mit LibreSSL eine entrümpelte Alternative bekommen hat, die nicht nur weniger Fehler, sondern auch mehr Funktionen mitbringt, haben die Medien, darunter heise online, ja bereits vor einiger Zeit verbreitet. Am vergangenen Freitag ist Version 2.0.0 erschienen, die erstmals offiziell auch andere Betriebssysteme als OpenBSD, darunter FreeBSD und Linux, unterstützt. Für einen Serverbetreiber wie mich ist das natürlich ein willkommener Anlass, das mir doch mittlerweile ziemlich suspekte OpenSSL auszutauschen.

Da ich auf FreeBSD-Servern bevorzugt mit Ports und dem Werkzeug portmaster arbeite, beschränkt sich dieser Austausch nicht darauf, LibreSSL zu installieren; auch alle Ports, die bislang OpenSSL verwendeten, müssen mit der neuen Bibliothek vertraut gemacht werden, indem man sie neu kompiliert.

Voraussetzung für das Folgende sind ein aktueller Ports-Tree (portsnap fetch update) sowie das portmaster-Werkzeug. Mit diesem geht das ziemlich einfach. Da viele Ports nur nach openssl suchen, müssen wir dem System beibringen, dass es diesen Port unter security/libressl finden kann (wir gaukeln ihm also vor, der Port von LibreSSL sei OpenSSL):

portmaster -o security/libressl security/openssl

Anschließend können „OpenSSL” (also LibreSSL) und alle Ports, die es benutzen, automatisch neu erstellt werden:

portmaster -r libressl

Sollten währenddessen Fehler auftreten, weil zum Beispiel benötigte Compiler nicht rechtzeitig neu erstellt werden, so kann dies vorgezogen werden; schlägt etwa cmake fehl, so genügt eine Neuinstallation:

cd /usr/ports/devel/cmake ; make reinstall clean
portmaster -r libressl

Eigentlich kann damit nichts schiefgehen. Überprüfen könnt ihr den Erfolg mit dem Befehl openssl version. Zeigt dieser noch immer das normale OpenSSL an, so liegt dies vielleicht an unterschiedlichen Pfadangaben von Open- und LibreSSL. Das ist ein lösbares Problem:

cd /usr/bin
mv openssl openssl.orig
ln -s /usr/local/bin/openssl

Das sollte es gewesen sein.

In den NachrichtenMontagsmusik
Caspian – The Raven

Ein paar Millionäre haben ein Stück Kunststoff ein bisschen treffsicherer als ein paar andere Millionäre über einen großen grünen Platz getreten und werden seit Stunden pausenlos behupt und betrötet. Wenn eines Tages Archäologen anhand von zeitgenössischen Aufzeichnungen versuchen, unser Leben zu ergründen, wäre ich wirklich gern dabei.

Aber was soll’s, es ist Montag. Den Seelenkater noch nicht verdaut, gibt’s Kopfhörer und Gitarren, um nicht vollends den Verstand zu verlieren.

Caspian – The Raven (Live on KEXP)

Es ist zu spät. Die Welt ist kaputt. Israel und Palästina beschießen einander seit Tagen mit Raketen. 70.000 Haushalte dort ohne Strom. Der letzte Original-Ramone ist tot. Ich bin kein Weltmeister und ich möchte es auch nicht werden.

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Medienkritik extern: ZDFs Beste

Dass das ZDF in Kooperation mit dem furchtbaren Johannes B. Kerner, der im Juli die Sendung „Deutschlands Beste” wegmoderierte, eine beworbene Abstimmung des Straßenpublikums nicht nur ignoriert, sondern sogar die anderweitig beschafften Zahlen umgedeutet zu haben zugibt, wird nur durch die Annahme noch beschämender, dass irgendjemand das ZDF für einen Sender hält, der seinen Zuschauern und nicht nur seinen Eignern Freude bereiten soll.

Beziehungsweise:

Programmdirektor Norbert Himmler kündigte Strafen an[.]

Doch nicht etwa eine weitere Sendung mit Johannes B. Kerner?


In weiteren Nachrichten: Spion soll Spion enttarnen, spioniert stattdessen. So ein Geheimdienst ist schon eine prima Sache.

In den NachrichtenPersönliches
Torheit und Tore

Ich habe es wirklich versucht, mich in euch hineinzudenken, ihr Passivsportverrückten, die ihr jedes Tor seitens einer Mannschaft, deren Spieler mit euch nichts außer der Staatsangehörigkeit verbindet, mit einem frenetischen Jubel verbindet und wenigstens dafür eure wirren Gesänge („Superdeutschland, léolé”, alternativ „superdeutsch, olé olé”, alternativ „ääääööööääääööööääää”) kurzzeitig unterbrecht.

Ich habe in der verrückten Annahme, mir würde irgendein großer Spaß entgehen, wirklich versucht zu verstehen, was daran so reizvoll ist, von einem „Wir” zu sprechen, wenn irgendwo in Südamerika, umgeben von allerlei Armutsvierteln, in denen Kinder verhungern, ein knappes Dutzend an Herren, deren Schulbildung sie offenbar nicht zu einem anständigen Beruf verleiten konnte, hinter einem Ball herrennt, dafür pro Person und Spiel mehrere Jahresgehälter eines Durchschnittsmitglieds eurer Gemeinschaft erhält und hinterher mit dummen Fragen konfrontiert wird, die etwa zum Inhalt haben, wie sie es denn fänden, gewonnen zu haben, also mental und so. „Wir” haben gewonnen. „Wir” exportieren Panzer und schießen im Ausland auf Menschen. Tor!

Ich habe mir das bizarre Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Brasilien tatsächlich teilweise angesehen. Kenne deinen Feind. Zum Glück wird im Fußball niemand bestochen, sonst wäre ich ein wenig skeptisch bezüglich der Statistik in der ersten Halbzeit gewesen, aber ich habe auch keine Ahnung von diesem Sport. Da bekommt also ein mehrmaliger Weltmeister dermaßen eins auf die Mütze, dass die Anhänger der brasilianischen Mannschaft zum Ende hin großteils dazu übergehen, die deutschen Spieler zu bejubeln und die eigenen auszupfeifen, und ich habe euch immer noch nicht verstanden.

Worum geht es euch, wenn ihr vor dem Fernseher oder in der Kneipe lautstark einer Zeitverschwendung zuseht, anschließend die Nachbarschaft stundenlang mit eurem Gegröle von sinnvolleren Tätigkeiten abhaltet und derart laut hupend durch die großen Städte korsot, dass ich mich sogar darüber freuen kann, in einem idyllischen stinklangweiligen Städtchen zu hausen? Protest gegen die Benzinpreise wird’s nicht sein. Ist es das Gemeinschaftsgefühl, das man entwickelt, wenn man einer großen Gruppe von Menschen (denen, die sich aus Passivsport nichts machen) gemeinschaftlich auf die Nerven fällt? Agieren brasilianische fans, die die Mannschaft, denen beim Laufen zuzusehen sie teuer erkauft haben, im Kritikfall auch mal auspfeifen, so völlig anders als ihr?

Ich habe wirklich versucht euch zu verstehen. Erklärt mir, was den Reiz dessen ausmacht, gemeinsam mit anderen Betrunkenen eine Mannschaft anzufeuern, die man danach auswählt, welche Hymne sie schief mitgrölt. Ich weigere mich anzunehmen, dass die nahe liegende Antwort, dass ihr so wenigstens kurzzeitig nicht darüber nachdenken müsst, dass eure erschreckende Passivität eine Ursache für den Zustand eures Lebens ist, die einzige Begründung liefert. Würdet ihr auf das, was euer Leben bestimmt, wenigstens fast so viel achten wie auf ein paar schlecht gekleidete Millionäre, dieses Land wäre ein besseres. Wir haben das mit der Revolution bisher offenbar völlig falsch gemacht. Vielleicht funktioniert es ja so: He, Fußballfans, der Bundespräsident hat vielleicht heimlich auf 2:0 für Brasilien getippt!

Meine Arbeit hier ist getan.

Montagsmusik
Her Name is Calla – Ragman Roll

Es ist ein Montag der leisen Töne.

Die großartigen Her Name is Calla, die das Jahr 2014 mit einer Kollektion von bislang unbekannten Stücken bereichern (mehr dazu demnächst), bereichern auch den Morgen des geneigten Hörers.

Ganz nach hinten geneigt, die Augen geschlossen.

Her Name is Calla – Ragman Roll

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Heute geht’s ohne Abendessen ins Bett!

Ihr USA könnt euch einfach nicht benehmen! Jetzt habt ihr mit eurem Doppelagenten sogar Opa aufgeweckt! :motz:

Gauck über US-Spionage: „Jetzt reicht’s auch einmal” (…) Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, sei es Zeit für klare Worte Richtung Washington.

Eure Eltern bekommen einen besonders böse formulierten Brief von Opa, vielleicht sogar ohne „Sehr geehrte” in der Anrede, wenn ihr euch nicht sofort zusammenreißt! Jetzt reicht’s aber auch einmal, ihr Lausbuben!

(mit Dank an L.!)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Werbung von Google, Werbung von O₂

Google, Marktführer in mobiler Werbung, wurde 1998 als akademische Suchmaschine vorgestellt. Was Google anderen Suchmaschinen voraus hatte? Nun, unter Anderem keine Werbung:

The goals of the advertising business model do not always correspond to providing quality search to users.

Aber wen interessiert schon Qualität?

(via @hakantee)


Apropos Spammer:

Ich habe heute einen Telefonanruf von #Emnid auf eine Telefonnummer bekommen, die in keinem Telefonbuch steht, nirgends sonst veröffentlicht ist, niemals von mir angegeben wird und die ansonsten nur sechs Menschen bekannt ist.

Meiner Meinung nach gibt es nur eine Erklärung dafür, wie diese Telefonnummer in den Datenbestand von Emnid kommen konnte: Indem #O2 in großen Paketen Telefonnummern (und wer weiß schon: vielleicht auch weitere Kundendaten) an derartige Fäkalmaden verkauft. Das ist vermutlich das, was man bei O2 unter dem Dienst am zahlenden Kunden versteht: Dass diese »PENETRANT WIEDERHOLTE, STÖRENDE UND SINNLOSE ANRUFE« auf ihrem Händi bekommen. Ich hoffe, dass der Insolvenzverwalter sich bald dieses Ladens annimmt und kann bis dahin nur vor O2 warnen.

O₂ – wir erinnern uns – war der Laden, der Menschen keinen Vertrag geben möchte, wenn sie am falschen Ort wohnen. Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

ComputerNetzfundstücke
Fürchtet die Spezialsoftware!

Flieht, ihr Narren!

Spezialsoftware!

(via @NDRnetzwelt)

In den NachrichtenPiratenpartei
Was auf dem #aBPT geschah (eine Zusammenfassung)

Am Wochenende traf sich ein Teil der Piratenpartei Deutschland in einer Halle in Halle, um dem kommissarischen Bundesvorstand einen Nachfolger zusammenzuwählen. Die beiden Flügel der Partei hatten sich längst verhärtet, zur Wahl standen Vertreter des „progressiven Flügels” (also der Parteilinken) ebenso wie Vertreter des „konservativen” Kernpiratentums (also der Netzpolitiker und Datenschützer).

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Montagsmusik
Bastille – Things We Lost In The Fire

Montag, Tag 1 nach einem Wochenende der Stagnation.

Ein guter Tag, um etwas zu verlieren.

Warum nicht einfach mal sich selbst?

Bastille – Things We Lost In The Fire

Flames, they licked the walls
tenderly, they turned to dust all that I adored.

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Alles nur Schall und Niederschlag

Habt ihr schon mal eine Wetterstation für das heimische Wohnzimmer gebastelt?

Falls nicht: Wisst ihr, was ihr dafür braucht?

Richtig: Unter Anderem Einen Schallmesser.

Chile hat die lautesten Fußballfans. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Geräuschdaten aus den Wohnzimmern, die weltweit durch das in die Netatmo-Wetterstation integrierte Sonometers erfasst werden.

:-?

(via Schwerdfegr)