Weil nämlich, ne?

Da sitzt man mal wieder doof im ÖPNV der Stadt, die verarmte Alkoholisierte seit heute zwar immer noch nicht zu therapieren vermag, aber immerhin seit heute nicht mehr zu Gesicht bekommen will, herum und wird zufällig Ohren- und Augenzeuge eines Dialogs zweier Prekatiarier, von denen einer, wie ich mitbekam, ein wichtiges juristisches Gespräch führen sollte, und als ich gerade Bewunderung für diesen Menschen zu empfinden begann, der sich trotz seiner misslichen Lage nicht in endlosem betrunkenen Gestammel verlor, sondern eine akzeptable Ausdrucksweise beibehielt, hob er erneut zu sprechen an und sprach wie folgt:

“… weil, ich kann ja gut reden.”

Kennt ihr diese Momente, in denen Triple Facepalm immer noch als zu wenig erscheint?

(Gerade, als ich an diesem Text feile, ist die Siegerin aus der Sendung “Unser Star für Oslo” im Fernsehen zu sehen und redet ein wirres Gemisch aus deutschen Satzfetzen mit einem hörbaren Dialekt und englischen Wortbrocken. Kann nicht bitte endlich der nächste Sieger irgendeines drittklassigen Gesangswettbewerbs gekürt werden, am besten einer mit einer angenehmeren Stimme?)


Was ich gerade bei Fefe fand und auch bemerkenswert fand, war übrigens dies:

Vor einer Weile haben die deutschen Steuerzahler unter anderem die Commerzbank gerettet, und sie versprach, die Rettung schleunigst zurückzuzahlen, und etwa zur gleichen Zeit wurden der Kaupthing Bank einige Mrd. Euro in den Hintern geblasen. Auf Wikileaks.org wurde heute eine Liste von Investoren dieser Bank veröffentlicht; darunter neben der Commerzbank auch die Deutsche Bank und, aufgemerkt!, Goldman Sachs.

Es scheint, als könnte das mit der Rückzahlung noch eine Weile dauern.

Kurz verlinkt XI: Es ist ein Kreuz!

Dieser Tage, in denen sich Kirchenvertreter durch eher unchristliche Werte hervortun, sind Scherze über das Christentum fast omnipräsent. Dabei ist gerade in dieser Gesellschaft ein wenig christliche Lehre dringend nötig!

Diese Firefox-Erweiterung zum Beispiel hilft redlichen Christen, wieder auf den rechten Weg zurückzufinden, indem sie darauf hinweist, dass das Betrachten von Pornografie gemäß 1 Kor 6,18 einer erneuten Kreuzigung von Jesus gleichkommt:

Hütet euch vor der Unzucht! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib.

Amen.


In, mehr oder weniger, eigener Sache: eMule 0.50a, das einige prima Verbesserungen mit sich bringt, ist in der Betaphase, was bedeutet, dass sich die nächste Version von eMule beba sich noch ein bisschen hinauszögern wird. Wer mir beim Testen helfen möchte, ist herzlich eingeladen.


Apropos Sünde noch mal: Sind euch auch schon die Plakate aufgefallen, die in Städten die Jugend dazu auffordern, ihr Limit zu kennen (heißt: sich zu besaufen und es so herauszufinden)?

Ist natürlich auch nicht schlecht.

Pi.

Pi, die Naturkonstante mit den sehr, sehr vielen Nachkommastellen, ist eine Zahl, der man auch als Nichtmathematiker Aufmerksamkeit schenken sollte. Zum Einen enthält ihre Binärdarstellung, sofern die Zahl tatsächlich, wie vermutet, unendlich ist, sämtliche Daten dieser Welt (inklusiver diverser Pornografie und Hitlerreden, versteht sich), zum Anderen übt sie bis heute, abgesehen von ihrem noch immer nicht bekannten exakten Wert, eine eigentümliche Faszination auf Menschen aller Altersstufen und Bildungsgrade aus; der heutige 14. März (3-14, wie der US-Amerikaner zu schreiben pflegt, also, interessanterweise, minus 11) ist folgerichtig zum Pi-Tag erklärt worden, der weltweit, ähnlich dem 1234567890 Day, gefeiert wird; um gebührend genau zu sein, nur zum ersten von zwei “Pi-Tagen”, denn am 22. Juli findet der Pi-Annäherungs-Tag (22/7, also ungefähr 3,1429, gemäß Archimedes, der damit bereits vor über 2200 Jahren ein erstaunlich genaues Ergebnis errechnet hat) statt.

Eine Leserin erinnerte mich außerdem freundlicherweise daran, dass mit dem 14. März seit einigen Jahren ein eher weniger mathematisch, dafür aber maskulistisch relevanter Tag beginnt:

Der 14. März ist ab sofort offiziell “Schnitzel-und-Blowjob-Tag”. Einfach, wirkungsvoll und selbsterklärend ist dieser neue Feiertag dazu da, damit Ihr Frauen Eurem Holden endlich zeigen könnt, wie sehr Ihr ihn liebt. Keine Karten, keine Blumen, keine tollen Nächte des Ausgehens; der Name dieses Feiertags erklärt alles: nur ein Schnitzel (oder Steak) und ein Blowjob. Das ist alles.

Anders als dieser unsägliche Valentinstag eine wahrlich schöne Tradition, die man opulent würdigen sollte.
Mathematik ist schon eine tolle Sache.

(Die Grafik stammt ursprünglich von hier, wurde dann leicht überarbeitet von mir. [Reimt sich!])


Statistik des Tages für Greenpeace, PETA und Sozialarbeiter: Wer moralisch handelt und sich zum Wohle anderer verhält, leitet daraus häufig das Recht ab, gegen Normen zu verstoßen; wenn man so viel für die Gesellschaft tut, kann die Gesellschaft auch mal was zurückgeben, versteht sich von selbst und bedarf keiner etwaigen Höflichkeit. Man ist ja schließlich kein warmherziger Bernhardiner barmherziger Samariter, nich’ wahr?

Merke: Egoisten sind immer nur die anderen.

Kritik ist Diskriminierung!

Die F.D.P. hat von Islam und Frauinnen gelernt:

Die Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin und der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, beschuldigen SPD-Politiker, Vorbehalte gegen Homosexuelle zu schüren, wenn sie über die Motive der Mronz-Mitreise mutmaßen.

(Sueddeutsche.de)

Lindner warnte am Freitag im ZDF vor schlimmen Folgen der Vorwürfe gegen Westerwelle: “Wir müssen aufpassen, dass die Demokratie insgesamt nicht Schaden nimmt durch solche Vorwürfe, die da konstruiert werden.” Er verlangte “einen respektvollen Umgang von Demokraten miteinander. Dazu gehören auch minimale Anstandsregeln.”

(SPON)

Das könnte noch zu amüsanten Situationen führen, wenn zukünftig jeder, der dummes tut, Kritiker pauschal als Diskriminierer abtun wird; beziehungsweise käme es mir zugute. Denn wer will schon durch Nichtbesuchen dieser Internetpräsenz als jemand gelten, der intolerant gegenüber Insinternetschreibern ist?

Wenn das Adjektiv, das Guido Westerwelle primär angeheftet wird, “schwul” ist, dann hat sich “schwul” in den letzten Jahren tatsächlich zum Schimpfwort gewandelt, und die F.D.P. tut sich seit der letzten Bundestagswahl durch allerlei schwule Aktionen hervor, zum Beispiel, indem sie sich zuerst über Hartz-IV-Empfänger echauffiert und ihnen dann die Beiträge kürzt.

Die bürgerliche Mitte macht mir, irgendwie, Angst.

Obstrassismus

“Wir hätten gerade Fruchtsaft im Angebot.”
“Fruchtsaft?”
“Ja, aus Obst und Bananen.”

Kurz verlinkt X: Geolokäischen ist voll so Web 3.0, mindestens.

Da stellen die Webzweinull-Fachidioten richtig fest, dass sich aus Gratisdiensten nur selten Kapital schlagen lässt, und statt sich mal mit sinnvollen Themen zu beschäftigen, suchen sie nach der nächsten Verbesserung für unser aller Leben, und sie suchen, wie üblich, an der falschen Stelle:

Über Twitter und Facebook sollen künftig Leute mit entsprechenden Mobilgeräten sehen, dass sie gleich mit einem anderen Nutzer kollidieren, dann können sie gegenseitig via flink ausgetauschter message ihre gesunde Lebenseinstellung gut finden und sich freuen, dass sie zu den in people und nicht zu den Langweilern gehören, die sich noch umständlich mittels mündlicher Kommunikation verständigen.

Don Alphonso fasst in einem angemessenen Tonfall zusammen:

Sie werden ihre Mobilgeräte zücken und checken, ob ein anderer Depp in der Nähe ist, der das bestätigt und sie dafür nicht auslacht. Sie werden uns vom Vergnügen der von der Virtualität überbrückten Realität erzählen, und in Rom auf ihr Display starren, wenn andere den Vatikan betrachten, und linsen, ob sie jemand beobachtet, dem man dann erzählen kann, wie verdammt cool das ist – und dabei leider auch noch den LKW entdecken, der sie beinahe kohlenstofflich platt gemacht hätte. Wenn jemand ihrer Bekannten twittert, dass er gerade über die Device gemerkt hat, dass er in der Nähe ist, bekommen sie einen Orgasmus und werden noch ein wenig schmutziger.

Was wohl danach kommen mag?
(Und ob ich das wirklich wissen will?)

Die Wirbelsäule fegen – warum?

Eins dieser Sprachwirrnisse, die mich immer wieder zu amüsieren vermögen, ist die konsequente Gleichsetzung von jmdm. etw. zukehren, -wenden mit jmdm. etw. kehren. Wenn ich, zum Beispiel, den Nachbarn den Gehweg kehre, dann meist, weil es geschneit hat. Manchmal kehre ich auch Dinge unter den Teppich oder schlicht um. Wonach mir allerdings auch noch nicht der Sinn stand, ist es, mit einem Kehrgerät anderen natürlichen oder juristischen Personen den Körper reinigend zu traktieren; um so erstaunlicher erscheint dies angesichts des Umstandes, dass es zu den normalen Tätigkeit mancher Menschen zu gehören scheint, anderen Menschen den Rücken zu kehren.

Das kann unmöglich auf Dauer gut für den Rücken sein; aber es schafft zusätzliche Arbeitsplätze im Bereich des Kehrwesens und andererseits, gleichsam als Ausgleich, des Kraftsports:

Der Bundesgerichtshof stärkt Anlegern den Rücken: (…).

Ha ha. Na ja.


“Ha ha” mit einem “uff” ist zudem dies:
Da bringt also ein Vater seine Tochter um, weil sie es wagt, mit einem Jugendlichen anzubandeln, was, versteht sich, eine furchtbare Tragödie ist; so weit, so wunderlich. Das Schlusswort des Vaters während der Gerichtsverhandlung hat mich allerdings noch mehr überrascht:

In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte: “Ich habe sie getötet, um sie zu schützen.” Er habe Angst gehabt, dass Büsra entführt werden oder ihr sonst etwas zustoßen könne.

Klar, der Bengel hat vermutlich weniger Interesse an ihr, wenn sie tot ist. Sie sollte froh sein, dass man sich so um sie sorgt!


Sonderlich intelligent wirken auch die Versuche von Drehbuchschreibern, aus nichtigem Anlass moderne Technik in ihre Handlung einzuweben, nicht immer; so wurde bspw. gestern auf RTL eine Folge der Serie Law & Order ausgestrahlt, in der unter anderem ein Blogger gespielt wurde, der eine Liste aller Kommentatoren mit ihrer jeweiligen, aufgemerkt, Loginadresse führt.

Nicht online: Mit einem Stift. In einem Buch.
So richtig analog.

Nur so als klischeehafte Frage: Wie hoch wären meine Chancen, wenn ich vermutete, der Drehbuchschreiber ist ein Konservativer über 40 Jahren, richtig zu liegen?

(Heute in’ner Uni übrigens per Zufall bemerkt: Wer wegen der Entwicklung künstlicher Intelligenz bereits jetzt Angst um seine Zukunft hat, möge sich einmal mit Cpt. Kirk unterhalten. Tipp für Gourmets: Mit Ton ist es noch eindrucksvoller.)

Sonnen, hohe Ströme…

High vibration, go on to the sun
Oh, let my heart dreaming
Past a mortal as me, where can I be?

Wish the sun to stand still
Reaching out to touch our own being
Past a mortal as we, here we can be

– Yes: Awaken

Pong!

Da es, immerhin seit mindestens Juli 2009 bekannt, noch immer in mancherlei Neuigkeitenrubrik Erwähnung findet, ist es noch nicht zu spät, wenn ich mich nun erdreiste, selbst auch mein pikantes Gewürz einzubringen.

Die Meldung ist geradezu spektakulär: Die Universal Studios haben die Rechte an Asteroids zwecks Verfilmung erworben. Asteroids – Vertreter meiner Generation kennen das wahrscheinlich noch – war, unter Vorbehalt, der erste heimcomputertaugliche space shooter, also das ebensolche Weltraumschießspiel, der seit 1979 zahlreiche Generationen mit seinem ausgeklügelten Spielprinzip und seiner faszinierenden Grafik an den Bildschirm zu fesseln weiß:

Nach Kinoerfolgen wie Doom ist es nur logisch, dass es jetzt auch Kultspielen (wobei aber doch “Kult” die Verehrung von eingeschworenen Geheimbünden quasi bedingt und eben das Gegenteil bedeutet, aber es verkauft sich besser als “abgelutschtes Standardspiel”) filmisch an den Kragen geht, und das Drehbuch ist ja eigentlich schon fertig. (Wird es dann eigentlich auch das Spiel zum Film zum Spiel geben, ganz in alter Covermanier, und wer wird eigentlich die Asteroiden spielen?)

Auch eine Trilogie ist denkbar:

“Asteroids – der Film”, “Asteroids 2: Froggeralarm” (die Wahl eines Hauptdarstellers wird sicher ebenfalls recht interessant) und schließlich, als Krönung, der Abschluss unter der Regie von mindestens Steven Spielberg, ein Meisterwerk des Surrealismus’:

PONG: Die Asteroiden schlagen zurück!

In den Hauptrollen könnten zum Beispiel Keira Knightley, Natalie Portman und Danny DeVito brillieren, die Laufzeit wird nicht unter zwei Stunden betragen, aus dem Stoff lässt sich ‘ne Menge machen. Wird bei den Filmfestspielen ordentlich abräumen, jawollja.

Apropos “argh”: Als ich, über diesen Beitrag sinnierend, durch die Straßen der Stadt schlenderte, rannten mir zwei Bälger Jungexemplare Mensch über den Weg. Das laufende Spiel hieß offenbar Fangen, und so quäkte der Flüchtende der beiden Jungmenschen fröhlich: “Fang mich doch, du Eierloch!”. Ja, er sprach genau dies.

Die verwendete Bezeichnung für den Mitspieler ist so schön doof, dass man sie fortan als Leser dieses Textes bitte in seinen aktiven Wortschatz aufnehmen möge. Besten Dank.

(Oh, heute ist übrigens der internationale Frauentag. Endlich ist die Bude mal sauber. Gute Sache, dieser Tag. Die Restzeit bis zum Schnitzel- und Blowjob-Tag 2010 beträgt, abermals übrigens, nur noch etwas mehr als 5 Tage. Ich bitte um freundliche Beachtung.)

Einstweilige Verfügung gegen UseNeXT

Da predigt man seit Jahren, dass man als Filesharer eine recht platinfarbene Zukunft hat, jedenfalls verglichen mit denen, die ausreichend leicht zu begeistern sind, dass sie freiwillig Geld an einen Konzern zahlen, nur um sicher Schwarzkopien herunterladen zu können, und man wird trotz aller Erfolge der Industrie müde belächelt. “eMule ist eh tot”, und das schon seit mindestens zehn Jahren, versteht sich.

Zur Abwechslung geht es jetzt auch mal anderen Anbietern an den Kragen:

Der ‘GEMA’ ist den eigenen Angaben zufolge erneut ein großer Erfolg gegen die Betreiber des Dienstes UseNeXT gelungen. Die am 17. Februar dieses Jahres verhandelte einstweilige Verfügung gegen den Zugangsanbieter zum Usenet hat das Landgericht Hamburg nun erlassen.

Das Urteil des Landgerichts in Hamburg bringt eine erweiterte Haftung für Zugangsvermittler mit sich. Laut einer veröffentlichten Mitteilung der GEMA haften diese nicht nur wenn sie explizit auf illegale Nutzungsmöglichkeiten ihres Angebots hinweisen. Auch wenn der beworbene Dienst nicht ausreichend zum Schutz der Rechteinhaber modifiziert wird, ist von einer Haftung die Rede.

Ich halte üblicherweise nicht viel von den Entscheidungen des LGs Hamburg, das bisweilen aufgrund fragwürdiger Entscheidungen Aufmerksamkeit von eher modernen Medien erlangt, aber diesmal, ausnahmsweise, darf es sich beglückwünscht fühlen.

Einem Unternehmen, das damit wirbt, dass man über es – nach Zahlung eines geringen Obulus’ – nahezu unbegrenzten Zugriff auf nicht geringe Mengen gratis Software habe, kann man, so meine ich, durchaus Vorsatz unterstellen. Wenn UseNeXT, dank deren/dessen Angebot das Usenet der Mehrheit der Internetnutzer wohl nur mehr als Ansammlung fragwürdiger Inhalte bekannt ist, nun gezwungen ist, Inhalte herauszufiltern, dürfte dieses Angebot deutlich an Attraktivität verlieren. (Es erscheint mir angebracht, wieder einmal auf eMule hinzuweisen; jegliches Filtern von Inhalten wäre dank dezentralen Aufbaus wirkungslos.)

Tatsächlich ähnelt das Vorgehen von Unternehmen, die den Austausch von Geld gegen Schwarzkopien fördern, weit eher der traditionellen Hehlerei als P2P-Filesharing, das ja lediglich dem unentgeltlichen Datenaustausch dient. Ich hoffe, das Beispiel des LGs Hamburg macht Schule, und die Interessensvertreter kümmern sich nunmehr verstärkt um die kommerziellen Anbieter. Filesharing ist kein Verbrechen.

“UseNeXT? Ist eh tot.”

Heilige Stoppschilder

Ich würde mich an dieser Stelle gern über die katholische Kirche lustig machen, aber das könnte teuer werden. Ihre Vertreter sind nämlich zwar nicht bereit, aufzuhören, sich an Knaben zu vergehen, aber sie haben was dagegen, dass man darüber berichtet:

Gestern machte die Süddeutsche Zeitung bekannt, wie ein katholischer Würdenträger aus dem Bistum Regensburg Hinweise auf Kindsmissbrauch mit Abmahnungen erstickte. Der Fall eines Marburger Bloggers deutet darauf hin, dass dies kein Einzelfall gewesen sein könnte.

Ich bin bekanntlich ein eher friedliebender Mensch, dem es grundsätzlich erst einmal missfällt, mit martialischen Phrasen seine Abneigung kundzutun, aber in diesem Fall geht mir (Peter möge mir verzeihen, dass ich diese Formulierung adaptiere) das Messer in der Tasche auf. Könnte bitte endlich jemand mit ausreichend Einfluss anregen, diesem Verein von potenziell gefährlichen, rückständigen Spinnern den Status als “Religion” abzuerkennen?

Mir graust es selbst vor Scientology weniger, die sind wenigstens einigermaßen harmlos.


Apropos grausig: Nachdem das diesjährige “Echo”-Schaulaufen einigermaßen unspannend vorüberging, steht nun, wie meine Schwester vor einigen Stunden in Erinnerung rief, die “Oscar”-Verleihung ins Haus; soll heißen: Die internationale Geldelite lässt sich fotografieren und für die Arbeit Dritter rühmen, es werden inhaltsleere Reden gehalten, anstelle derer auch ein schlichtes Fressehalten keinesfalls weniger Mehrwert einbrächte, und die Fachpresse wird am nächsten Tag, noch ganz aus dem Häuschen, darüber berichten, wie furchtbar bzw. prima eine Person, über die es ansonsten offenbar also wenig zu schreiben gäbe, wieder gekleidet war. Die Gewinner – meist die mit dem geringsten kulturellen Beitrag – werden ihr schiefes, künstliches Lächeln und ihre schiefen, künstlichen Gliedmaßen bis dahin in zahlreiche Kameras halten, und Zehntausende werden vor dem Fernseher sitzen und staunen, und es würde ihnen nicht einmal auffallen, wenn man stattdessen heimlich die Ausstrahlung von 2009, 2008 oder noch früheren Jahren vorspielte, was ja, eigentlich, auch ein gelungener Scherz wäre.

(Pro Sieben ist auch so ein Sender, den man an manchen Tagen besser meiden sollte.)

Ein Beitrag über Beiträge (apropos Webzweinull)

(Weil es eben den Menschen nicht um das Was, sondern um das Wie geht und man als Schreiberling so eigentlich schreiben kann, was man will; und weil es eben nicht wichtig ist, ob man öffentlich sein Herz ausschüttet oder auskippt oder einfach nur irgendwelche Belanglosigkeiten niederschreibt, sondern wie man es verkauft. Leidlich amüsant darf’s sein, muss aber nicht. Die Zeit der Twitterwalls und sonstiger Schnellbeschallung, schnell statt gedankenvoll, Sterne statt Lesezeichen, 140 Zeichen statt 140 Sätzen. Zusammenfassung gern, mehr als einen Absatz lesen wir dann später, Zeit ist kein Geld mehr, aber lieber zehn Tweets als einen klugen Gedanken zitieren, ach, faven. Früher war mehr Herzblut. Banalitäten zu Popkultur erklären und dabei vergessen, die Popkultur näher zu definieren, oder es einfach nur so unterlassen. Gerühmt wird Prägnantes, ignoriert solches, das nicht in seiner Überschrift schon seine Brillianz verrät. Lesen ist was für alte Säcke, ’s Leben wird nicht länger. Ach. Vielleicht sollte ich stattdessen mehr twittern.)

‘Ein Beitrag über Beiträge (apropos Webzweinull)’ weiterlesen »

Da hilft nur noch mehr Hubschraubereinsatz!

Apropos “Blinde sprechen über Farben”:

In genau einer Woche jährt sich der bislang letzte Amoklauf in Winnenden. Da liegt doch nur wenig näher, als dass mal wieder ein Konservativer sein Gesicht in der Presse sehen will und ein wenig über “Killerspiele” referiert:

“Killerspiele halte ich für abartig und gefährlich. Da sollten wir mit einem Verbot ernst machen.”

Ich halte die CDU für abartig und gefährlich, aber ein Verbot würde ihre verquere Denkweise nicht aus den Köpfen vertreiben, also wäre es zwecklos, ein solches zu fordern; zumal sie oft geradezu progressive Ideen hat, ohne die unser Land längst vor die Hunde gegangen wäre (und so):

Das Gesetz sei unter dem Eindruck der Ereignisse von Winnenden und Wendlingen nochmals verschärft worden. “Ich meine, wir sollten jetzt erst einmal schauen, wie sich das im Juli 2009 verschärfte Waffenrecht auswirkt”, sagte der Minister.

Und bis es so weit ist, bis man es also geschaut hat, soll es erst einmal den wirklichen Gefahren an den Kragen gehen. Nicht nämlich sei die Verfügbarkeit von Waffen von Bedeutung, sondern es seien die Computerspiele, die Menschen andere Menschen töten lassen. Ein Waffenverbot hätte auch keinerlei Sinn, denn:

“Natürlich ist die Verfügbarkeit von Waffen ein Risikofaktor auch für Amoktaten. Aber man muss auch sehen, dass es in keinem Bereich hundertprozentige Sicherheit und hundertprozentigen Schutz gibt. (…)”

Wäre der Besitz von Schusswaffen strafbar, würden all die Killerspieler eben mit irgendetwas anderem Amok laufen, das sagt ja das Wort “Killerspieler” schon; es heißt ja aus einem ähnlichen Grund auch nicht “Killerwaffen”, da besteht doch offensichtlich ein Zusammenhang. Außerdem läuft nicht jeder Amok, der eine Waffe hat, also hat das damit gar nichts zu tun; während jeder, der am Computer der Ballistik frönt, bereits einer Tötungsabsicht nachgeht, und sei’s nur Schach, jawollja.

“Waffen bringen niemanden um – aber ich.”
- UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung

Da hilft nur noch Hubschraubereinsatz!

Nun, da dank der Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung bald wieder nahezu anarchistische Zustände wie vor ihrer Inkrafttretung 2008 (das war ja eine geradezu fürchterliche Zeit damals!) herrschen, wird auch die Anzahl der virtuellen Delikte geradezu explodieren!

Folgerichtig fordert die deutsche Polizeigewerkschaft 3.000 neue “Cybercops”, was immer damit gemeint sein mag, um “rechtsfreie Räume” im Internet einzudämmen; wo doch dieses Ind… Inta… Internet selbst schon ein rechtsfreier Raum ohne Gesetze ist, das kann so nicht bleiben! Wo bleibt eigentlich die Sendezeitregelung für’s Internet?

Das Justizministerium müsse nun schnell ein Gesetz auf den Weg bringen, “das uns als Kriminalisten wieder handlungsfähig macht”.

Wenn Internetdienstleister nicht mehr verpflichtet sind, Daten länger als nur wenige Monate zu speichern, müssen Kriminalisten ja womöglich umgehend auf Verdachtsmomente reagieren. Wie stellen die Leute sich das nur vor?

Das muss eine Verschwörung sein. Wer profitiert denn von dem Ende der Datenspeicherung?
Allein die islamische Raubkopier- und Kinderschändermafia!

Wo ist nur das Militär, wenn man es mal wirklich braucht?

Auch Ihnen einen puten Tag.

Ach, in diesem Jahr ist ja schon wieder so eine komische Fußballweltmeisterschaft geplant, diesmal erfreulicherweise auf einem anderen Kontinent. Die Chance, hierzulande weitgehend von grölenden Idioten mit gestreiften und unsicht-, dafür aber riechbaren Fahnen verschont zu werden, bevor die deutsche Nationalmannschaft* verdient aus dem Spiel fliegt bzw. dann doch eher stolpert, ist dennoch leider einigermaßen gering, und so sollte der zynismusbegeisterte Mensch schon jetzt mögliche Bewältigungsarten in Erwägung ziehen.

Eine künstlerisch wertvolle solche, die obendrein auch unalkoholisiert einen positiven Unterhaltungswert zu bieten vermag, ist diese hier:

Hihi.

(* – Memo an mich selbst: Beizeiten herausfinden, wie eigentlich die weibliche Fußballstaatself von den Sexistinnen bezeichnet wird.)


Die Hölle verliert ihren Sinn,
denn wir kommen alle hin,
und jeder Krieg ist Mord;
“Liebe” ist nur ein Wort.

Dies interpretierte die Rockgruppe Drosselbart 1970 auf ihrem ansonsten eigentlich viel zu sakral betexteten un- bzw. selbstbetitelten Album.

Ich sach’s mal so: Jo, passt.


Hübsch auch: “Puten Tag!” wünscht die Aufschrift eines Geflügelverkäuferstandes auf dem Wochenmarkt.
Danke, lieber Geflügelverkäuferstand!