Empfohlen: Sommer ohne Kino.

Was blafaselt da der zuständige RTL-Werbeheinz wieder in den Äther?

Der “RTL Kinosommer“, wahlweise auch “RTL Kino-Sommer” und immerhin bisher nicht “RTL Kino Sommer”, solle dem willfährigen Zuschauer beste Unterhaltung bieten, während es draußen heizt.

Nun sehen wir mal, was der “RTL Kinosommer” inklusive der bereits gesendeten Filme 2010 so spannendes zu bieten hat: Es sind, dies trompetet der Werbefilm, “American Dreamz”, “Ich, du und der andere”, “Vielleicht, vielleicht auch nicht”, “Die Insel der Abenteuer”, “Die Super Ex” und ähnliche, soll heißen: im Durchschnitt vier Jahre alte Machwerke, gut abgehangen, längst von allen Interessenten ausreichend rezensiert, auf DVD erworben und auswendig gelernt, somit eben eigentlich, wie auch der gesamte Sender RTL, völlig überflüssig; “ein Sommer voller Leidenschaft” heißt das im Senderjargon, nun, die Leidenschaft für’s Cineastische dürfte wohl kaum gemeint sein.

Was dann natürlich auch den “Kinosommer” erklärt. Die Langfassung lautet schätzungsweise so:

“Liebes RTL-Stammpublikum, draußen ist so herrliches Wetter, dass wir es für gut und richtig halten, in den nächsten Wochen statt abgedroschenen sog. ‘Comedy’-Unfugs mit den beliebten deutschen Komikern Cindy aus Marzahn und Mario Barth auch mal vermehrt Filme zu zeigen, die Sie eh schon kennen. Somit bieten wir Ihnen die Gelegenheit, Ihren arbeitslosen Arsch mal von Ihrem versifften Sofa ins Kino zu tragen, wo manchmal Filme laufen, die noch nicht so schrecklich abgelutscht sind. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen!”

Wie passend jedenfalls, dass die “Kinosommer”-Reihe 2009 einen Film mit einem sprechenden Titel beinhaltete:
Dabei sein ist alles“.

Apropos “passend”, die Website WikiLeaks hat ja unlängst einige interne Informationen über den umgangssprachlichen Krieg in Afghanistan publiziert. Mittlerweile hat das US-amerikanische Militär jemanden entsandt, dem eine schlaue Antwort darauf partout nicht einfallen wollte, und so sagte er stattdessen, das Veröffentlichen der Daten gefährde das Leben von Soldaten und Zivilisten, de facto habe der Gründer von WikiLeaks Blut an den Händen; weil Soldaten und Zivilisten in Afghanistan sich nämlich seit 2001 schon nur gemütlich zum Kaffee treffen wollen, ohne irgendwelches Leben (bspw. das von Taliban) zu gefährden, so sieht das nämlich aus. Und dann kommt so eine Internetseite und behauptet frech, die Soldaten hätten da eigentlich gar nichts verloren. Wenn das nur keine Verletzten gibt! (via Fefe)

Beinahe verletzt habe ich mich übrigens auch beim eher zufälligen Lesen der Rezensionen zu Chelsea Cains Thrll… Thril… Spannungsbuch “Gretchen”. Da steht nämlich:

“(…) Die psychologischen Spielchen in Gretchen lassen dem Leser die Haare zu Berge stehen.”
dpa (07.01.2010)

“Die psychischen Spielchen lassen dem Leser die Haare zu Berge stehen.”
Lübecker Nachrichten (10.01.2010)

Ob das nun immer gut ist, ein Buch zu lesen, von dessen Inhalt einem die Haare zu Berge stehen, und wieso es offenbar keinen Unterschied zwischen psychischen und psychologischen Spielchen gibt, mag ein versierterer Literaturkritiker als ich beantworten wollen. (Auch ein hübsches Spielchen eigentlich: Eigentlich harmlose Begriffe mit “bizarre Spielchen” umfassen. “Bizarre Lesespielchen”, das klingt doch gleich viel hübscher.)

Weltsicht, gelb und sauer (Versuch und Irrtum)

Man hätte es wissen können.

Man hätte wissen können, dass das, was passieren sollte, passieren sollte. Dass es so passieren sollte, wie es passieren sollte. Sie wussten es, alle wussten es. Wer sagte, dass die, die es wussten, es nicht wussten, der log. Wissentlich, um sich selbst zu schonen, wissentlich auch wider besseren Wissens.

Man hätte wissen können, dass hinterher wieder alle sagen würden, sie hätten es schon immer gewusst, aber keiner habe ihnen zugehört. Schlimm sind immer nur die anderen. Die anderen, das sind die, die sagen, tja, das ist der Lauf der Dinge. Anpassen und Klappe halten. Sie sagen “haha, das war lustig” und lachen nicht. Sie sagen “endlich sagt’s mal einer” und bleiben selbst stumm, man könnte ja die Leute verschrecken, die sie nie interessiert haben. Und überhaupt, Individualismus ist so 90er.

Man hätte wissen können, dass das, was sie taten, nicht falsch war. Dass die Art, wie sie es taten, zur Lage nichts beitrug. Was empörte, war, was sie nicht taten, und so sahen sie sich selbst tatenlos beim Nichtstun zu, während um sie herum die Welt explodierte. Das Letzte, was sie sahen, war ein Schulterzucken, und sie zuckten zurück, weil sie ihr ganzes Leben schon nur gezuckt hatten. Zuckend in den Untergang, und man bleibt sich treu.

Man hätte es wissen können, ja, ja, hätte. Alles Schwarzmaler und Faschisten, Ewiggestrige, Reaktionäre. Ich weiß, dass ich nichts weiß, wissen Sie? Uralt, kennt man, nichts zu danken, bis bald mal wieder.

Aber hinterher hat es wieder keiner wissen wollen.


(Haspelt doch vorhin eine sichtlich unentspannte Frau fraglichen Alters, die an irgendeiner fragwürdigen Aktion von attac teilgenommen hatte, in die erstbeste Nachrichtenkamera, es sei “echt toll” gewesen, unter freiem Himmel zu schlafen. Darum, werte Frau, werden Sie Hunderte von Obdachlosen beneiden, dessen bin ich mir fast sicher. Andererseits hätten Sie das auch einfacher haben können.)

Kurz verlinkt XXII: Von Terror und Trauer

Heute mal wieder nur eine kleine Nachrichtenumschau:

Das Thema Loveparade beherrscht noch immer die Medien, und endlich kommen auch mal andere Menschen als nur die ewig in jedes bereitstehende Mikrofon heulenden Angehörigen (na, man muss ja Prioritäten setzen, Pietät ist wurscht; Hauptsache, mal mit der Presse reden!) zu Wort, die mir doch so langsam auf die Nerven gehen.

So schreibt etwa HD Schellnack über die subjektive Verklärung des Vorfalls:

Die 19 Todesopfer von gestern sind ganz sicher unfassbar… aber sie nehmen sich bescheiden aus gegen die 4152 Menschen, die 2009 auf Deutschlands Straßen im Verkehr ums Leben kamen (und diese Zahl ist ein historischer Tiefstand). Der plötzlich eintretende, unfallartige, unerwartete Tod betrifft und stärker als das schleichende, uhrwerkartige Risiko, das wir eingehen, wenn wir eine Autobahnauffahrt herabfahren. Das ist so schrecklich wie verständlich, der unsichtbare tröpfelnde Tot von fast 5000 Einzelnen bleibt unsichtbarer, 19 Opfer in einem medialen Spektakel sind präsenter.

In die gleiche Kerbe schlägt André F. Lichtschlag vom Magazin eigentümlich frei:

Am 29. Mai 1985 starben 39 Menschen beim Europapokalendspiel im Brüsseler Heysel-Stadion. Schlägereien zwischen Fußball-Hooligans hatten eine Massenpanik ausgelöst. In den folgenden Wochen wurde umfangreich über das Wesen fanatischer Fußballfans und ihre Mitverantwortung an der Katastrophe diskutiert. (…) 25 Jahre später sterben 19 Menschen bei einer vergleichbaren Katastrophe in Duisburg anlässlich der Loveparade. Eigenartigerweise findet eine Diskussion über eine mögliche Mitverantwortung der Teilnehmer auch im Ansatz nicht statt.

Zählt nur Tod, der sich dank anwesender Presse medial ausschlachten lässt, noch etwas? Wird ein Mensch zu einer Person öffentlichen Interesses, wenn die Zahl der Menschen, inmitten derer er stirbt, ausreichend groß ist? Tod verkauft sich gut, fast besser noch als Brüste.

Zur Abwechslung mal eine ganz andere Meldung gibt es auf netzpolitik.org zu lesen:
Ein französischer “Terrorismusexperte” (erstaunlich, wofür es inzwischen “Experten” gibt; ist das ein anerkannter Hochschulabschluss?) versucht, die Gefahren von “Al-Qaida-Handbüchern im Internet” zu illustrieren, und hält ein arabisches Handbuch in die Kamera.

Ein C++-Handbuch.

Für so lustig ich das auch befinde (Informatiker, die neuen Terroristen?), so erhellend ist es auch; erklärt es doch, woher unsere Politiker die zahlreichen Gefahren des Internets nehmen, die außer ihnen nur wenige Menschen nachvollziehen können: Gefährlich ist, was man nicht versteht.

(Nicht umsonst beherrscht die vor allem für den Aufbau von Internetpräsenzen wie etwa dieser hier genutzte Interpretersprache PHP den Befehl die(), also stirb! [Den Witz habe ich schon lange nicht mehr gemacht.])

Nachtrag:
Gerade flimmert über den Fernsehschirm wieder einmal ein Bericht über die Loveparade, wie immer wird vergebens nach den Gründen gefragt. Mein Lieblingssatz, der die Impertinenz aller Beteiligten hübsch illustriert: “[Die Raver] treffen sich hier zum Trauern.” – Das klingt nach einem aufregenden Flashmob.

“Me, you, fuck, fuck”

Dies und “me, you, kiss” soll Cristiano Ronaldo, recht bekannter Fußballtyp, geäußert haben, um eine Kellnerin herumzubekommen; und er hatte Erfolg mit dieser Methode.

Nun zerpflückt der Boulevard genüsslich sein (C. Ronaldos) miserables Englisch und seine vorgeblich schlechten Manieren, aber dieser Ansatz ist in meinen Augen falsch. Natürlich ist der Wunsch nach gemeinsamem Beischlaf mit einem Menschen, der die eigene Muttersprache vermutlich nicht spricht, diesem gegenüber nur schwerlich auszudrücken, ohne auf Intimvokabular (zum Beispiel eben “fuck”) zurückzugreifen, aber als Gentleman schob er immerhin noch “me, you, kiss” hinterher. Herrschaften, dieser Mensch, Cristiano Ronaldo, hatte nicht vor, eine ernsthafte Liaison mit dem Objekt der Begierde einzugehen, denn dann wäre das wohl tatsächlich ein eher fragwürdiger Ansatz. Ihm aber ging es um bloßen, animalischen Sex, und den hat er bekommen.

Womit wir wiederum beim eigentlich interessanten Aspekt dieser Meldung wären, nämlich, dass “me, you, fuck, fuck” eine erfolgreiche Methode ist, neue Bekanntschaften zum Geschlechtsverkehr mit dem Sprecher dieser Worte zu bewegen, jedenfalls, wenn man zufällig Cristiano Ronaldo ist. Nicht das Verhalten des Herrn Ronaldo ist hier bemerkenswert, sondern das der Kellnerin. Auch wenn sich nun vermutlich wieder die Frauenrechtlerinnen, Emanzinnen und sonstige Sektierer zusammenrotten und gemeinsam zum Boykott meiner Texte aufrufen werden: Eine Frau, die Cristiano Ronaldo nach einer Anrede wie der bereits zitierten willig ins Netz geht, ist nicht etwa das Opfer anachronistischen Machotums, sondern eine oberflächliche, dumme Kuh.

Sicher erscheint es reizvoll, aufgrund bloßer Oberflächlichkeiten Erfolg bei einer nun gleichfalls nicht allzu grausig aussehenden Person mit gut und regelmäßig befülltem Bankkonto und annähernd weltweiter Bekanntheit zu haben, wie auch immer man als Handelnder selbst diesen Erfolg definiert. Man muss sich dann als Handelnder (bei einvernehmlichem Geschlechtsakt gibt es keine Passivität, so gern sie sich der Boulevard auch herbeifantasiert) aber auch die Frage gefallen lassen, was dazu bewog, auf die niederen Gelüste des Gegenübers einzugehen.

“You know that we are living in the material world, and I am a material girl” sang Madonna 1984, und wurden diese Worte damals vielleicht als schamlose Provokation gedeutet, so zeigt sich doch immer wieder, dass in den Augen moderner Frauen der erotischste Körperteil an einem Mann sein Bankkonto ist. Da braucht es weder Stil noch Ausstrahlung, noch Eloquenz. Der Lebensweg ist nicht von Bedeutung; Fußballer, Musiker oder Schauspieler, was darf’s sein? Ein Cristiano Ronaldo, ein Johnny Depp oder ein Lenny Kravitz jedenfalls kämen, dessen bin ich mir sicher, auch mit einem schlichten “Äh, du hast Haare!” ans Ziel. Beneidenswert eigentlich.

(Und es muss natürlich “You, me, fuck, fuck” heißen, zefix.)

Die Idee zu diesem Text basiert auf diesem Artikel von Bettina Weber, gefunden im Spreeblick. Für dreist von dort geklaute Witze übernehme ich keine inhaltliche Haftung.

(Nachtrag für Interessierte: Gamers.IRC 5.32 ist fertig.)

Medienkritik XXXIII: The Art Of Love. (Guckt mal, Leichen!)

Als Prolog und Anlass für diesen Artikel darf heute mal folgender Ausschnitt aus einem Dialog herhalten, den ich soeben führte:

[Kuole] was gibts sonst neues?
[ich] berichte über die love parade auf spiegel.de
[Kuole] zusammenfassung? ^^
[ich] alles voll traurig und schrecklich und grausam, und auf den folgenden zehn seiten sehen Sie, liebe leser, exklusiv nahaufnahmen der leichen (oder so)
[ich] wie immer halt

Ihr habt es, liebe Leser, sicher mitbekommen: Gestern starben bei einer Massenpanik auf der Love Parade einige Personen. Auch wenn es für mich schwer ist, das übliche Treiben auf dieser Festivität von einer Massenpanik zu unterscheiden, so hat wohl laut übereinstimmenden Zeugenaussagen tatsächlich eine solche stattgefunden, Stampede mit Todesfolge inklusive.

So unangenehm das auch ist (wer eigentlich zum Feiern und/oder Bumsen und/oder Rauschgiftkauf in den Ruhrpott reist, der erwartet normalerweise, einigermaßen unbeschadet wieder heimfahren zu können, nehme ich an), so gewöhnlich bleibt die Berichterstattung.

Als Beispiel nehme ich einmal den Nachrichtenticker von SPIEGEL Online heran, den ich seit einiger Zeit abonniert habe und der mir somit Recherchearbeit spart. Ab 18:02 Uhr (“Zehn Tote bei Massenpanik auf Love Parade”) trafen dort immer wieder neue Berichte von den überwiegend gleichen Autoren ein, illustriert mit zunächst weitgehend harmlosen Abbildungen. Hierbei wurde außer der Zahl der bekannten Toten nur wenig geändert, was die Intention der Autoren ohnehin bereits fragwürdig macht; wollte man nur immer wieder ganz oben in den Nachrichtentickern stehen? Ich greife mal willkürlich eine der vielen Zahlen heraus, um zu illustrieren, was ich meine.

18:02 Uhr (“zehn Tote”):
Die Bundespolizei war mit über 1200 Polizeibeamten im Einsatz. Die Love Parade wurde rund um das Gebiet des alten Duisburger Güterbahnhofs gefeiert.

19:32 Uhr (“viele Tote”):
1200 Polizisten waren in Einsatz, aber die Zahl der Raver, die in Duisburg ihren Spaß suchten, lag bei rund einer Million.

22:04 Uhr (“mindestens 19 Menschen gestorben”):
Zeugen schildern, dass (…) 1200 Polizisten nicht genug seien, um ein solches Ereignis mit mehr als einer Million Teilnehmern zu sichern.

Was genau will man eigentlich bei SPIEGEL Online mit diesen Zahlen anfangen – etwa eine Statistik erstellen?
Wer übrigens ebenfalls hin und wieder auf SPIEGEL Online herumliest und den Liveticker von der Massenpanik schon für eine sensationslüsterne Perversion hielt, der hat die bisherige Klimax des Grauens (damit meine ich nicht den Vorfall an sich) noch nicht gesehen:

Seit 00:43 Uhr ist ein Artikel mit Zeugenaussagen, allerdings ohne die Zahl der anwesenden Polizisten (vergessen?), online, in alter BILD-Manier mit reißerischem Titel versehen (“Neben mir ist ein Mädchen gestorben”); jeder Klick bringt Geld, so läuft das im Journalismus, nich’ wahr? Und was da für ekliger Unfug zitiert wird!

Udo, n-tv-Kameramann und Zeuge: Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor, na, als n-tv-Kameramann sollte man eigentlich wissen, wie Krieg aussieht. Noch neu in dem Geschäft?

Ja, es ist wahrlich grausam anzusehen, wenn Menschen totgetrampelt werden, und es ist ein ganz großes Unglück. Und was macht man, wenn man für ein großes deutsches Nachrichtenmedium arbeitet und irgendwie illustrieren soll, wie grausam das Grausame so ist? Richtig: Man baut in jeden der bislang sechs weitgehend redundanten Berichte zu dem Ereignis eine Klickstrecke mit ganz vielen bunten Fotos ein. Sechsundzwanzig Stück. Leichte Unterhaltung für den bequemen Voyeur.

Apropos BILD-Manier: BILD.de konsumiere ich übrigens nach wie vor nicht, laut Menschen, die damit anders verfahren, sieht es dort jedoch nicht viel besser aus.

Schöne, neue Medienwelt.

(Nachtrag von 22:08 Uhr: Die Veranstalter trifft keine Schuld, der Tunnel war groß genug!11!1elf)

Kurz verlinkt XXI: Rotationseuropäer

Beim Nachtwächter fand ich gerade einen Verweis auf diesen Artikel und spuckte beinahe mein Getränk auf den Bildschirm.

Es geht dort unter anderem, kurz zusammengefasst, um die “kultursensible Sprache”, die Aygül Özkan (CDU, also wohl von Berufs wegen bekloppt) gern hätte und die allem Anschein nach auch nur ein Euphemismus für lückenloses Gendern mit integrierter P.C. sein soll. SPIEGEL Online weiß hierzu:

Journalisten sollen laut Plänen des Sozialministeriums im August eine “Mediencharta für Niedersachsen” unterschreiben. Darin will Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) die Medien des Landes auf einen gemeinsamen Kurs in der Berichterstattung über Integration festlegen.

Und wer glaubt, die “kultursensible Sprache” ende bei “Zigeuner heißen nicht Zigeuner, sondern fahrendes Volk” oder ähnlichem Zeigefinger schwingenden Unfug, der hat sich zu früh gefreut:

gesamtrechts.wordpress.com:

Der Ersatz für das Wort “Zigeuner” besteht aus den einfallslosen Erfindungen “Personen mit häufig wechselndem Aufenthaltsort” oder “Mobilen ethnischen Minderheiten“ oder kurz: „Mems“.

faz.net:

Als jüngster Begriff hat sich nun die Formulierung “Rotationseuropäer” durchgesetzt.

Zum Mitsprechen: Ro-ta-ti-ons-eu-ro-pä-er.
Das meinen die ernst!

8O

Und die Schweiz mache es, so der Artikelverfasser, auch nicht besser:

Und auch die Liste der “diskriminierenden Wörter” ist länger. Statt Vater oder Mutter sollte man laut Bund besser “der Elternteil” oder “das Elter” schreiben. “Der Leitfaden ist für amtliche Publikationen verbindlich”, sagt Isabel Kamber, Stellvertretende Leiterin Zentrale Sprachdienste, Sektion Deutsch.

Leiterin der was? (Und warum muss ich schon wieder an die unsäglichen Piratinnen denken?)

Wer schon immer mal wissen wollte, was “Weltknall” bedeutet:
Genau das.

Chaccaron Maccarón

Eine von mir sehr geschätzte, bildhübsche, lustige und auch sonst total tolle unregelmäßige Leserin des von mir hier abgesonderten Sermons ließ mir heute dankenswerterweise dieses Video zukommen, das mich Tränen lachen machte und daher nicht unerwähnt bleiben soll:

Ulalelauela lauaiaia aliriulon laoulauraluo alauaus, olualala slaoelaoelelaou lauautisu lirausou, talgaoausus ulasuria laouruta; lauturi ritislagaou lauaoauat slauaosus ausogusari riaitl, lauaotut asrisis ulualou lausisle aoauaure. Latisorosi lauruis ouatal tlausosu uolasusi alsoslelr iroslaolso.

Oulauslus uolasusi, larisiolaol itlso ltosirls olroaisu, laosolru ualsuia laoru aliluron alsorl luronalal uralsuslsu lausiara alsilt gualso alsoslru ulaueia 2006 uolasusi uaoslosi laureia tislaoue saoauto asrisus. Olsuaus alsoel slaosle eilaost slaeil, alsosu soalsuto ulaul slaisoelt slaot (“aaaaaalt!”) usoaul lautieis, dagu ualtisi galsudus oleos gaga dudu banana.

Chacarron, Chacarron, aliluliron.

Und jetzt alle!

NPD-Blog: Mit den Kraken auf Piratenjagd

Prolog: Die so genannte “antifaschistische Bewegung” erfreut sich auch mehrere Dekaden nach dem gewaltsamen Ableben ihrer erwählten Lieblingsdämonen unverändert großer Beliebtheit, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch das “Web 2.0″, wie auch immer man es definiert, über ein “antifaschistisches Netz” verfügt, zu dessen deutschsprachigen Knoten unter anderem Indymedia und das NPD-Blog gehören.

Letzteres behauptet von sich, ein wachsames Auge auf den Aktivitäten der NPD und ähnlich ausgerichteter Gruppierungen zu halten, damit halt nicht eines Tages jemand Hitler wieder zusammenklebt und zum Kanzler wählt oder so ähnlich. Niemals wieder, und wenn doch, dann jetzt gleich.

Seit einiger Zeit haben die weltweiten Piratenparteien die Initiative “Stopp ACTA” als unterstützenswert gepriesen, die sich gegen das ACTA richtet. Piratenparteien, wir erinnern uns, stehen für andere Ideale als das abgelutschte Fa- und Antifa-Geblubber der etablierten Parteien und haben folgerichtig Mitglieder aus jeder politischen Strömung in ihren Reihen, die allesamt ähnliche Ziele vertreten. Als Logo für “Stopp ACTA” haben die Piratenparteien das Symbol eines Kraken erwählt, der mit seinen Tentakeln die Erde umklammert. Dieses Symbol wird seit mehreren Generationen von Karikaturisten verwendet, um eine gierige Allmacht auszudrücken, zum Beispiel eben auch so:

Um die Bedeutung dieses Symbols weiß man auch beim NPD-Blog und widmet ihr einen Satz. Und was steht nur einen Satz zuvor?

Die Bildkomposition ist faktisch identisch, mit einer Darstellung aus dem Jahr 1938, die in der antisemitische Wochenzeitung “der Stürmer” publiziert wurde.

Ein Krake umklammert die Erde, das ist eindeutig antisemitisch!
Das ist eindeutig ein Judenkrake! Doofe Piraten!

So also entstehen heutzutage oft verlinkte Blogbeiträge: Man fängt irgendwo mittendrin an, schreibt dort den ersten Satz und versteht ihn hernach selbst nicht mehr. Würde ich bloggen, würde ich es mir merken.

Man nehme ein Bild, reiße es aus dem Zusammenhang, setze es in einen völlig anderen Kontext und rege sich dann über diesen Kontext auf; ich weiß auch nicht, welchen Begriff das Vokabular eines NPD-Bloggers für derartige Berichterstattung vorsieht, aber “Stürmer-Stil” wäre doch geradezu prädestiniert. Gegenvorschläge?

(Merke: Krake und Autobahn gehen mal so gar nicht.)

Sexkillerspiele

Auf Ameland ereignete sich unlängst eine Geschichte unter Beteiligung sexuellen Missbrauchs.

Und wer sich angesichts solcher Schlagzeilen immer wieder fragt, wie ein Mensch überhaupt auf die Idee zu derlei Unternehmungen kommt, dem fehlt einfach nur die nötige Fantasie; richtig macht es zum Beispiel Beate Merk, CSU, die schon fast so toll fantasieren kann wie Frau von der Leyen.

Die Schuld trügen nämlich, so sprach Beate Merk, “Killerspiele”, die F.D.P. und die viele Kinderpornografie im Internet, ausschnittsweise so formuliert:

“Wenn man sich ansieht, welche Folgen der Konsum von schädlichen Videos haben kann, ist die Laissez-faire-Politik der FDP bei Kinderpornos im Netz grob fahrlässig”, sagte die stellvertretende CSU-Vorsitzende laut dpa. Die Missbrauchstaten Jugendlicher zeigten Verrohungstendenzen, die “auch deshalb geschehen, weil man heutzutage im Netz problemlos alle erdenklichen Formen von Gewalt und Pornografie ansehen kann”, sagte Merk.

Eigentlich schade, dass Frau Merk in ihrer Aufzählung die Piratenpartei vergessen hat. Aber apropos, was für eigenartige Spiele spielt man denn eigentlich im Hause Merk, die dazu anregen, anderen Menschen große, nicht genitale Gegenstände in den Po zu stecken? (Und wo kann man sie kaufen?)

Aber sicher wird jeglicher Sexual- und Gewalttrieb aus der menschlichen Psyche verschwinden, wenn man dem Internet so einen großen roten Knopf spendieren würde; vermutlich würde es auch helfen, einfach ein bisschen mit ihm zu schimpfen. “Böses, böses Internet! Zeig nicht immer so eklige Sachen!”

Selbst, wenn es da irgendeinen wie auch immer gearteten Zusammenhang gäbe, so wäre zudem die Frage zu stellen, inwieweit das Sperren von Inhalten eine wirksamere Maßnahme als ihre Löschung darstellte, was ich dann hiermit auch getan habe.

Die Logik von Beate Merk ist die des Reflexes: Wenn etwas Entsetzliches passiert, muss man handeln, und zwar, indem man etwas anderes, was man selbst entsetzlich findet, möglichst schnell aus der Welt schafft, oder das wenigstens öffentlichkeitswirksam fordert. (…) Den Opfern sexueller Gewalt wird mit solchen Forderungen nicht geholfen, im Gegenteil: Sie werden auf plumpe Weise instrumentalisiert, um diffuse Gefühle zu bedienen, die man innerhalb der eigenen Wählerschaft vermutet.

Ein treffender Schluss, SPIEGEL Online!

Miley Cyrus. (inkl.: Schreib Kultur!)

(Für Lisa.)

Miley Cyrus, wir erinnern uns, ist vorrangig bekannt als zweitklassige Laiendarstellerin, mittelmäßig begabtes Popsternchen, qualifiziert hierfür allein aufgrund ihrer Eigenschaft als Tochter des ungleich besseren Billy Ray Cyrus.

Miley Cyrus mache jetzt Electro-/Dance-Musik, sagt meine Schwester; weil das halt alles irgendwie künstlich klinge und so gar nicht mehr nach richtigen Instrumenten, also eigentlich dann doch unverändert, und weil zwischen Electro und Dance ja auch kein allzu großer Unterschied bestehe. Wer war noch mal Kraftwerk?

Miley Cyrus habe ja ohnehin schon lange keinen Popmist (apropos Popmist) mehr gemacht, sondern Rock, sagt meine Schwester; weil da eben Gitarre und Schlagzeug vorkämen und das schon genüge, um Rock zu sein, egal, ob die Instrumente aus dem Computer kommen oder ob da tatsächlich jemand eine Gitarre nicht nur leidlich gerade halten, sondern obendrein auch noch auf ihr spielen kann.

Miley Cyrus habe gesagt, sie wolle ihre Aktivitäten, darunter bislang noch ihre werbewirksame Persönlichkeitsabspaltung Hannah Montana, künftig auf die Filmbranche beschränken, sagt meine Schwester; soll heißen: auf jegliche Absonderung vermeintlich musikalischer Töne künftig verzichten. Na, Gott sei Dank.


Ach, du meine Güte übrigens:

(Und da ich gerade diese Fotografie einband, habe ich die Ehre, anmerken zu dürfen, dass ich nunmehr offiziell Rundfunk mache. Falls einer der Verantwortlichen mitliest: Wo genau muss ich meine Kontodaten zwecks Einnahmenverteilung hinterlegen?)

Die 10 anderen gefährlichsten Windows-Befehle

Dem Internet, diesem Hort der Unzucht, ist derzeit als werbewirksame Klickstrecke zu entnehmen, dass zu den “zehn gefährlichsten Windows-Befehlen” das Kopieren von Dateien, das Nutzen von Dateisystemverknüpfungen (wo doch aber normale Verknüpfungen offenbar viel gefährlicher sind!) und das “Killerkommando” (sic!) robocopy zählen.

Verfasst wurde diese Grütze “in Kooperation mit PC-Welt”, was dann immerhin auch erklärt, warum die verständlicherweise nicht genannten Autoren Konsolenbefehle, Mausklicks und Tastenkürzel in einen Topf schmeißen, “sind ja alles irgendwie Befehle”, na, meinen Glückwunsch. Sicher ist es “brandgefährlich”, Dateien zu kopieren, weil man dabei versehentlich andere Dateien überschreiben könnte; aber Windows fragt netterweise vorher, ob es überschreiben darf. Nicht der Befehl ist der Bösewicht, das Problem sitzt auch hier vor dem Bildschirm. (Ich frage mich ohnehin, wie viele Leute erst aufgrund dieses Artikels überhaupt auf die Idee gekommen sind, mit besagten “Befehlen” herumzuspielen.)

Aber bittesehr, liebes Web.de, wenn ihr euch seit neuestem für möglichst komplizierte und verschwurbelte Methoden interessiert, dem unbedarften Windows-Nutzer das mitunter leider nötige “Augen auf beim Rumklicken, Idiot!” ins Gesicht zu brüllen, stehe ich euch doch gern als freier, unterbezahlter Autor zur Verfügung und ergänze weitere zehn gefährliche Windows-Killerbefehle:

ERSTENS: Die Windows-Konsole.

In der Windows-Konsole (der so genannten “Eingabeaufforderung”, mitunter auch “Terminal” genannt) stehen neben einigen angenehmen auch brandgefährliche Killerbefehle zur Verfügung, unter anderem del, das in der Lage ist, Dateien ohne Rückfrage zu löschen, und cacls (in neueren Windowsversionen auch icacls), mit dem man sich selbst Lese- und Schreibrechte auf seine eigenen Dateien entziehen kann. Achtung also beim Nutzen der Konsole! Wer auf Nummer Sicher gehen will, der sollte nur noch die grafische Oberfläche benutzen, wo diese gefährlichen Befehle nicht plötzlich aus dem Nichts auftauchen.

ZWEITENS: Formatieren.

War man es bei Disketten noch gewohnt, sie zunächst zu formatieren, bevor man damit etwas anderes anstellt, so sollte man es tunlichst vermeiden, eine Festplatte, die gerade in Benutzung ist, zu formatieren. Was Microsoft erst verrät, nachdem man diese unscheinbare Killerfunktion bereits aufgerufen hat: Das Formatieren gibt den Geräten nicht etwa, wie man denken könnte eine andere Form, sondern löscht sämtliche Daten auf der zu löschenden Festplatte, und oft ist es sehr aufwändig, diese zurückzugewinnen. Vorsicht also! Wer auf Nummer Sicher gehen will, der sollte zudem alle Magneten aus dem Haus verbannen.

DRITTENS: Stecker ziehen.

Möchte man den Computer ausschalten, verwendet man hierzu in der Regel den Befehl “Herunterfahren”. Was Microsoft verschweigt: Anders als mit diesem Befehl fehlt die Möglichkeit, noch nicht gespeicherte Daten vorher zu sichern, wenn man einfach die Stromzufuhr unterbricht. Hier besteht dringend Nachholbedarf! Wer auf Nummer Sicher gehen will, bis Microsoft einen Patch für dieses dringende Problem veröffentlicht hat, der sollte davon absehen, den Computer vom Stromkreis zu trennen.

VIERTENS: Die Taste Entf/Del.

Unter fortschrittlichen Betriebssystemen wie Microsoft Windows ist es Usus, alle anfallenden Aufgaben mit der Maus und Menüs bzw. Symbolleisten zu erledigen. Die Tastatur, auf die manche vermeintliche “PC-Profis” schwören, ist abseits von Alphabet, Sonderzeichen und Umschalttaste ein Teufelswerk, und man sollte sich hüten, andere Tasten zu benutzen. Meist oben rechts befindet sich etwa die Löschtaste (meist mit “Entf“, “Del” oder “Delete” beschriftet), die, was die PC-Hersteller selten explizit erwähnen, nicht nur Text, sondern auch Dateien ins Nirwana schieben kann. Schnell ist dann mal die unwiederbringliche Kettenmail, an der man tagelang gearbeitet hat, auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Brandgefährlich! Wer auf Nummer Sicher gehen will, der lösche auch Text künftig nur noch mit der Maus.

FÜNFTENS: Die Tastenkombination Alt-F4.

Außer der bereits erwähnten “Entf“- besitzen aktuelle Computertastaturen auch zahlreiche weitere Tasten unklarer Bedeutung. Die Taste F4 jedoch hat in Microsoft Windows vornehmlich eine Bedeutung in Kombination mit der Alt-Taste: Diese Verbindung schließt das jeweils aktive Fenster fast sämtlicher Anwendungen, in etlichen Programmen auch ohne Bestätigung, so dass unter Umständen wertvolle Arbeitszeit verloren geht. Ein Unding in der heutigen Zeit! Wer auf Nummer Sicher gehen will, der sollte die Killertaste F4 mit einem Schraubenzieher entfernen und wegwerfen.

SECHSTENS: Die Tastenkombination Strg-Alt-Entf.

Landläufig kennt man diese Tastenkombination auch als “Affengriff”, als “Notlösung” für PC-Probleme gar. Microsoft Windows ist jedoch oft so konfiguriert, dass nach einem Druck auf Strg-Alt-Entf der Windows-Taskmanager erscheint, in dem ein falscher Klick genügt, um ganze Programmbäume ohne Rückfrage zu beenden, nach zweimaligem Druck gar ein sofortiger Neustart des Computers erfolgt. Ein unverständlicher Patzer! Wer auf Nummer Sicher gehen will, dem sei (auch wegen 4.) nahe gelegt, die Taste Entf ebenso wie bereits die Taste F4 gänzlich zu entfernen.

SIEBTENS: Die Feststelltaste.

Bereits auf der Schreibmaschine fristete diese Taste, mit der man das Schreiben von Großbuchstaben dauerhaft aktivieren und deaktivieren kann, ein Schattendasein, unter Microsoft Windows ist sie zu einem gefährlichen Accountkiller geworden. Trifft man sie versehentlich, bemerkt man dies nicht immer sofort, und die dreimalige Eingabe eines fälschlicherweise in Großbuchstaben geschriebenen Passwortes kann zur dauerhaften Sperrung führen, was erhebliche Einbußen der Lebensqualität mit sich bringen kann. Halbherzige Lösungen wie etwa das Deaktivieren dieser Taste mittels Zusatzanwendungen sind mit Vorsicht zu genießen, da sie im entscheidenden Moment versagen können. Mitunter steht vieles auf dem Spiel! Wer auf Nummer Sicher gehen will, dem sei dazu geraten, auch diese Taste rückstandslos zu entsorgen.

ACHTENS: Der Registrierungs-Editor (regedit).

Seit Microsoft mit Windows 95 anstelle der bis dahin üblichen .ini-Dateien die systemweite Registrierungsdatenbank (“Registry”) eingeführt hat, sind Änderungen in ihr oft ein Grund für unbrauchbare Windows-Installationen geworden, da sie gegen versehentliches Löschen von Einträgen keinerlei über eine simple Dialogabfrage hinaus gehende Schutzvorrichtungen besitzt. Hochbrisant! Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte den Zugriff auf den gefährlichen Registrierungs-Editor sperren. Da hierzu selbst ein Eingriff in die Datenbank notwendig wäre, ist stattdessen dazu zu raten, einen Trojaner herunterzuladen, der diese Aufgabe übernimmt.

NEUNTENS: Das Systemkonfigurationsprogramm (msconfig).

Hinter dem mit Windows 98 bzw. XP eingeführten Befehl msconfig verbirgt sich ein Programm, dessen einsteigerfreundliche, aufgeräumte Oberfläche trügerisch davon ablenkt, dass ein falscher Klick das System unbrauchbar machen kann. Unter dem aktuellen Windows 7 etwa kann man dort mit einem einfachen Klick wichtige Systemdienste deaktivieren und gar den für den Systemstart benötigten Eintrag im Bootmanager gänzlich löschen. In den falschen Händen eine tödliche Waffe! Wer auf Nummer Sicher gehen will, der sollte diesen Befehl schnell wieder vergessen und auf keinen Fall jemals ausführen.

ZEHNTENS: Der Editor (notepad).

Mit notepad schließlich, das in seinen Grundzügen bereits so alt ist wie Windows selbst, hat Microsoft Windows das mit Abstand gefährlichste Killerwerkzeug standardmäßig beigefügt. Auch, wenn der Name anderes vermuten lässt, so kann man mit notepad nicht nur Notizen bearbeiten, sondern etwa auch die Systemstartdatei boot.ini und jede Binärdatei, also etwa auch winword.exe. Tut man dies versehentlich, ist die betreffende Anwendung meist nicht mehr lauffähig; handelt es sich um eine Systemdatei, so muss das ganze System unter Umständen neu aufgesetzt werden. Eine fatale Fehlentscheidung von Microsoft! Wer auf Nummer Sicher gehen will, der sollte das Programm notepad.exe von seinem Computer löschen und auf das Bearbeiten von vermeintlichen Textdateien künftig verzichten; allzu oft genügt ein falscher Klick.

Facepalm

Eventuelle Honorarangebote nehme ich gern entgegen.

(Und als nächstes Titelthema bitte “Die zehn gefährlichsten Todesarten”, abgemacht, Web.de?)

Medienkritik XXXII, eigentlich Filmkritik: C.i.S. (RTL)

Entgegen meinen üblichen Konsumgewohnheiten verfolgte ich unlängst aufmerksam die RTL-Produktion “C.i.S. – Chaoten im Sondereinsatz”, seines Zeichens, wie in der Wikipedia zu lesen und bereits an der Wahl des Filmtitels zu erkennen ist, eine Krimi-Parodie, die weitgehend auf Spott stieß. Ich meine: Zu Unrecht!

Die Handlung selbst ist schnell erzählt und erinnert entfernt an die beiden “Wixxer”-Filme:

Ein ehemaliger Rechtsmediziner (dargestellt von Sascha “Sasha” Schmitz), der inzwischen als Fleischer arbeitet, wird an seinen alten Arbeitsplatz zurückgerufen, um bei der Aufklärung einer Reihe an Morden zu helfen. Dabei muss er unter anderem mit seiner Exfrau (Martina Hill) zusammenarbeiten, und am Ende siegt, wie in schauderhaften Frauenfilmchen, die Macht des Herzens.

So seicht diese Geschichte auch klingen mag, so ungewöhnlich ist sie doch umgesetzt worden: Zahlreiche Cameo-Auftritte bekannter Schauspieler aus Sat.1- und RTL-Produktionen, die sich selbst persiflieren, und Wortspiele, die so nahe liegen, dass man nicht mit ihnen rechnet, erfreuen das mitunter doch sehr seichte Gemüt des Komikfreundes. Sicher ist “C.i.S.” nicht unbedingt der anspruchsvollste Film, der in den letzten Monaten im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, doch er ist auf jeden Fall sehenswert; “herrlich albern” würde eine Fernsehzeitschrift wohl schreiben, dabei jedoch weit niveauvoller als die beiden “Hot-Shots!”-Filme mit Charlie Sheen. Auf unnötig viele pubertäre Witzchen verzichtet der Film, Genitalkomik wird (RTL-untypisch) nur dezent eingesetzt.

Den ganzen Film gibt es derzeit auf YouTube.com zu sehen, aus rechtlichen Gründen verzichte ich auf ein direktes Verlinken.

Kurz verlinkt XX: Hauptsache, die Kasse stimmt.

Neues aus der Welt der geldaffinen Juristerei:

17. April 2000, Chip.de:
“In der vergangenen Woche hatten die amerikanische Plattenindustrie RIAA und die Rockband Metallica gegen Napster Klage eingereicht. Sie befürchten massive Umsatzeinbußen, wenn Nutzer weiter ungehindert Musik zum Dow[n]load anbieten.”

Juli/August 2002, Stadtrevue Köln:
“Es wurden keine CDs mehr verkauft, weil deren Inhalt für Jedermann mit einem Internetanschluss frei verfügbar war: So schlicht diese Erklärung war, so gerne wurde sie geglaubt.”

Ebenfalls 2002, SALON ROUGE:
“Kaum ein Vertreter der Musikindustrie lässt es sich nehmen, angebliche 15-prozentige Umsatzeinbußen zu bejammern und zu erklären, was die Ursache sei: das massenhafte Kopieren von CDs und die Möglichkeit, sich Musik gratis aus dem Internet herunterzuladen.”

Und jetzt, Tusch!, die Pointe, aktuell mehrfach dokumentiert:
Die RIAA hat in den letzten Jahren jeweils eine sieben- bis achtstellige Summe an Anwaltskosten ausgegeben, um nicht einmal ein Zwanzigstel davon aus Klagen zurückzugewinnen.

The RIAA paid Holmes Roberts & Owen $9,364,901 in 2008, Jenner & Block more than $7,000,000, and Cravath Swain & Moore $1.25 million, to pursue its “copyright infringement” claims, in order to recover a mere $391,000.

(Quelle (via (via)))

Juli/August 2002, nochmals Stadtrevue Köln:
“Wenn Menschen in einer Krise stecken, gehen sie gewöhnlich zum Psychiater. Warum eigentlich nicht die Musikindustrie?

Exif- und IPTC-Tags stapelweise löschen

Ihr kennt das vielleicht: Ihr geht mit eurer Digitalkamera durch eure Umwelt, macht Fotos und publiziert sie womöglich gar, und Monate später fällt euch auf, dass eure Kamera Meta-Tags in den Bildern hinterlassen hat, was die Dateien unnötig aufbläst und obendrein beredt Auskunft über euer equipment erteilt. Meist habt ihr die Bilddateien nicht einmal mehr auf der Festplatte, müsstet sie also erst wieder herunterladen, um die Tags entfernen zu können.

Nun könnte man diesem Problem natürlich mit speziellen Anwendungen wie etwa dem in der kostenlosen Version nicht stapelfähigen Exif Tag Remover oder den üblichen Hilfsprogrammen (einem FTP-Client zum Runter- und Hochladen eurer Dateien und einem skriptfähigen Grafikprogramm wie etwa dem gleichfalls nicht allzu preiswerten Adobe Photoshop) zu Leibe rücken, aber ich nehme an, ihr als meine Leser erwartet flexiblere und vor allem kostenlose Alternativen, die sich wunderbar in der Konsole und somit etwa auch in Batch-Skripten nutzen lassen. Die folgenden Schritte sind unter Windows, Mac OS X und Linux gleichermaßen durchzuführen, die verwendete Software läuft überall dort. Ich erkläre es mal im folgenden Beispiel nur für Microsoft Windows, da die meisten meiner Besucher dieses Betriebssystem verwenden; die Vorgehensweise unter den anderen Betriebssystemen ist aber weitgehend identisch.

Zunächst solltet ihr den NcFTP-Client installieren, ein Konsolen-FTP-Programm, das weit mehr Möglichkeiten bietet als der jeweils betriebssystemeigene ftp-Befehl. Darauf komme ich noch zu sprechen. Außerdem braucht ihr das ExifTool; ich empfehle die vorkompilierte Version, sofern ihr nicht Linux nutzt oder euch mit Perl auskennt (in diesem Fall solltet ihr statt diesem Beitrag zunächst die Dokumentation konsultieren), unter Windows also das im .zip-Archiv enthaltene Programm exiftool(-k).exe, das ihr beliebig umbenennen könnt. Speichert es am besten im NcFTP-Verzeichnis, das spart später ein wenig Tipparbeit.

Ist alles so weit eingerichtet, kann die Arbeit beginnen. Öffnet ein Konsolenfenster mit der Tastenkombination Windowstaste+R und der Eingabe cmd. Ein schwarzes Fenster mit einem Eingabecursor sollte geöffnet werden. Wechselt dort nun in euer NcFTP-Verzeichnis und legt ein Unterverzeichnis an, in dem ihr die Bilddateien zur Verarbeitung zwischenspeichern könnt, zum Beispiel so:

cd "C:\Program Files\NcFTP"
md ablage

Jetzt könnt ihr mittels NcFTP zunächst die zu ändernden Bilddateien auf euren Rechner (in das neu erstellte Verzeichnis “ablage”) kopieren, am besten also gleich euer gesamtes Bilderarchiv. NcFTP besteht im Wesentlichen aus den beiden Programmen NcFTPGet (herunterladen) und NcFTPPut (hochladen). Zunächst wird ersteres benötigt. Die Syntax für das Kopieren von Verzeichnissen vom FTP-Server auf eure Festplatte lautet:

ncftpget -R -u Benutzername -p Passwort FTP-Server Zielordner Quellordner

Angenommen, eure Bilder liegen auf dem FTP-Server meinServer.de unter /archiv/bilder/ und dessen Unterordnern, sähe der zu verwendende Befehl also wie folgt aus:

ncftpget -R -u Benutzername -p Passwort meinServer.de ./ablage /archiv/bilder

Eine vollständige Parameterliste erhaltet ihr übrigens mit dem Parameter -help hinter dem Programmnamen. Die Eingabe obigen Befehls jedenfalls sollte das Verzeichnis bilder mitsamt allen Unterordnern und Dateien in …\NcFTP\ablage kopieren.

Lagen eure Bilddateien ohnehin noch auf eurer Festplatte, so beginnt der Beitrag hier für euch. ;-)

In diesem Bilderverzeichnis nun könnt ihr mithilfe des ExifTools automatisiert alle Exif- und sonstigen Tags entfernen. Die Syntax lautet:

exiftool(-k) Parameter Dateien

Um also rekursiv (-R) alle Informationstags (-0:all) im Verzeichnis ablage zu löschen (=), muss der Befehl wie folgt lauten:

exiftool(-k) -R -0:all= ablage

Das ExifTool unterstützt hierbei übrigens neben .jpg-, .png- und .gif-Dateien auch verschiedene Office-Dokumente und Audio-/Videoformate, aus denen es mit dem Befehl auch die Copyrightinformationen entfernt, wenn ihr die Angabe 0: weglasst oder durch 1: ersetzt. Nach erfolgter Verarbeitung sollte das ExifTool eine Statusmeldung ausgeben, die etwa so aussieht:

12 directories scanned
 3 image files updated
 2 image files unchanged
 1 files weren't updated due to errors

Eventuelle “Fehler” könnt ihr hier ignorieren. Von allen geänderten Dateien legt das ExifTool vor der Änderung eine Kopie an, so dass ihr gegebenenfalls keinen Datenverlust zu befürchten habt. Sind alle Dateien unversehrt, könnt ihr diese Sicherheitskopien gefahrlos löschen.

Ist alles zu eurer Zufriedenheit verlaufen, so könnt ihr die bereinigten Dateien wieder hochladen:

cd ablage
..\ncftpput -R -u Benutzername -p Passwort meinServer.de /archiv/bilder/ .

Fertig!
Wenn ihr wollt, könnt ihr jetzt alles wieder löschen. Aber vielleicht wollt ihr auch noch ein wenig damit spielen?

In diesem Fall: Viel Spaß!

An die elektronische Adresse des schönen Fremden

Ah, mein Donnervogel meldete sich, ich bekam Post!
Sehen wir mal nach. So ein Betreff sagt ja schon viel aus. Er lautet:

hallo

Welch herzliche Begrüßung noch vor Beginn des Mailtextes! Beflügelt von so viel Herzlichkeit klicke ich freudig auf die Überschrift. Zuerst fällt mir die Signatur auf, beginne also unten zu lesen:

——————————–
ruucsmm iimullyg cyltc ptxbja

Ist das die Adresse oder ein schlaues Zitat? Ich weiß es nicht. Vielleicht steht es im Text?

Hallo werde ich der schone Fremde, uber unsere Bekanntschaft mich froh sein rufen Oksana.

Liebste Oksana, ich der schone Fremde, werde froh sein uber unsere Bekanntschaft.

Ich suche die einzige und eigenartige Halfte.

Reicht ja auch für den Anfang. Wo ist meine Schweinehälfte, wo ist meine Schweinehälfte?, intonierten auch bereits Ton Steine Scherben vor Jahrzehnten. Scheint eine dringende Frage zu sein. Ob die “Scherben” wohl inzwischen fündig geworden sind?

Ich suche nicht einfach den Mann ich ich suche den Freund, des gegenwartigen Freundes auf lebenslang.

“Den Freund des Freundes”, das erinnert mich ein wenig an die verschämten Leserbriefe an mancherlei Jugendmagazin. “Der Freund eines Freundes von mir hat da ein Problem…”

Ich das warme, zartliche, zarte Madchen. Mir 27 Jahre.

27 Jahre Gefängnis würde ich sogar glauben, Spammer.

Es ist ein wenig uber mich: ich habe gern, die Gemutlichkeit zu schaffen, mir gefalle wenn zu Hause gut und ruhig, ich nach Ma?gabe (sic!) das ernste, verantwortliche, richtige Madchen.

Ernst ist gut, das gleicht’s vielleicht aus, dass ich zu lachen beginne, wann immer du, Oksana, zu sprechen anhebst.

… Betreffs der Einfachheit kann ich sagen, dass ich geoffnet wie das Buch. Mich muss man nur lesen.

Tatsächlich, Oksana, ich lese in dir wie in einem Buch, und doch bleibst du voller Geheimnisse fur mich. Beflugelt sind die Gedanken!

Wenn es Ihnen interessant ist, uber mich jenes dann zu erkennen schreiben Sie!

Nun, das tue ich gerade. Soll ich die Adresse zurückmailen?

Ich warte mit der riesigen Ungeduld auf die Antwort.
Auf diese elektronische Adresse xxxxx at yahoo.de

Ist das ein Ja? Und wieso soll die Antwort an eine seltsame Adresse bei yahoo.de, nicht jedoch an die Absenderadresse bei aim.com gesendet werden?

Wartet sehnsuchtig auf Antwort,
dein unleserlich.