Nerdkrams
Tore zum Mistmachweb

Browser, so ertönt ein vielfacher gequälter Aufschrei dieser Tage, überböten sich darin, immer größer und funktionsreicher zu werden, so dass auch ehedem leichte Programme wie Mozilla Firefox nicht sofort nach ihrem Aufruf auf dem Bildschirm erscheinen. Schlimm sei das, was hätten sich diese Programmierer nur dabei gedacht?

Dabei können die gar nichts dafür. Schuld ist die gleiche schreckliche Gruppe von Menschen wie einst beim Leistungsschmutzrecht: Es kamen Werber, die ein textlastiges weltweites Kommunikationssystem – das Internet – sahen und der Meinung waren, was da noch dringend fehle, seien Produktinformationen. Sie kamen in unsere hood, überschmierten unsere weißen Wände mit grellbunten und funkelnden Graffiti und beklagten sich noch bei uns, wenn wir ihren Vandalismus einfach wieder rückgängig machten. Sie kamen uneingeladen auf eine fremde Party und wollten dann Geld dafür sehen.

Klar, mit einem griffigen Schlagwort schmeckt jede Medizin. Web 2.0. Was das bedeutet? Fragt mal das BWL-Abbrechergeschmeiß, das kleinen und größeren Firmen heute als consultant einen Knoten in die Ohren quatscht. „Naja, irgendwas mit Mitmachen.” Mitmachinternet am Arsch. Es gibt keine Besucher mehr, es gibt nur noch Teilnehmer. Willkommen im Blafasel-Mistmachweb. Und was man da nicht alles mitmachen muss! Die durchschnittliche Website ist etwa 1,5 MB groß; und das betrifft nur Websites, noch nicht einmal SaaS-Angebote (nicht mit SARS zu verwechseln, SARS lässt wenigstens die Augen intakt) wie Online-Officepakete, die im Wesentlichen dem Zweck dienen, dass man als Entwickler künftig Miete statt nur einmaliger Zahlungen verlangen kann. Die 1,5 MB versteht man vielleicht einfacher, wenn man sie aufdröselt. Ohne gigantisches JavaScript kein Kommentieren. Textfelder sind diesen Fatzken, die auf Web.de nach Google suchen, eben nicht sozial genug.

Mitmachen konnte man schon früher, als das Internet noch vorrangig in Hochschulen benutzt wurde. Damals kam content ebenso theoretisch von jedem Teilnehmer wie er gelesen werden konnte, nicht umsonst trägt das Usenet („Benutzernetz”) noch heute diesen Namen. Die Wikipedia als später Ausläufer dieses Kollektivgedankens ist ohnehin ein bekanntes altes Beispiel.

Ein Webbrowser ist ein Webbrowser ist ein Webbrowser ist kein Gemüse. Der Browser ist kein Hypertextclient mehr, er ist gleichzeitig eine Laufzeitumgebung für allerlei JavaScript-Irrsinn. Wisst ihr noch, als man darüber lachte, dass GNU Emacs (bekanntlich eine Laufzeitumgebung für Emacs Lisp mit Editorfunktionen, nicht andersherum) sich irgendwie langsamer anfühlte als Vim? So ähnlich ist es mit Browsern. Ein Webbrowser ist, so wollen’s die Wirtschaftler, zwar das virtuelle Tor zur Welt, aber bitte nur bis zur nächsten Bezahlschranke. Man kann komplexe Anwendungen wie Excel unter Windows ausführen, warum sollte man das nicht auch in einem Dokumentenbetrachter (was ein Webbrowser nun mal eigentlich sein sollte) tun können? – Ich kännte da ein paar Gründe, aber ich habe natürlich auch nicht BWL studiert, sondern mache irgendwas mit Computern. Da habe ich natürlich keine Ahnung von den Bedürfnissen des Marktes.

Firefox, Chromium und ihre Abkömmlinge haben euretwegen, ihr Schlips tragenden Empörkömmlinge, ihre Identität aufgeben müssen, weil sie von euch für etwas zweckentfremdet werden sollen, was sie niemals bieten sollten. Vielleicht kommt ja demnächst einer von euch auf die grandiose Idee, dass der Markt euretwegen wieder Platz hat für einen kleinen, schlanken HTML-Browser, der nicht versucht, ein Betriebssystem im Betriebssystem zu sein. Midori, uzbl, alles gut und schön, aber da habt ihr eure gierigen Griffel noch nicht drin, das muss sich ändern.

Unser Web ist keine Litfaßsäule, kein Produktkatalog, keine Plattform und kein Markt. Wir sind sein Volk, nicht eure Kunden. Wir wollen Informationsaustausch betreiben können und uns manchmal einfach nur informieren lassen. Wir wollen keine überdimensionierten touch-Gestaltungen auf unserem Tastatur-und-Maus-Gerät. Wir wollen eure Werbescheiße nicht. Wir wollen unseren Rechner nicht durch das Aktivieren von JavaScript noch angreifbarer machen, weil sonst die ganze Seite nicht angezeigt werden kann, weil eure Blinkewerbung das so will. Wir wollen kein Betriebssystem im Betriebssystem hochfahren müssen, um die Nachrichten zu lesen. Ganz besonders aber wollen wir niemanden, der die Regeln des Spiels nicht kennt, das Spiel kampflos gewinnen lassen.

Es sollte euch nachdenklich stimmen, wenn immer mehr Leute lieber einen Trampelpfad einschlagen als eure aggressiv beleuchteten Straßen entlangzukriechen. Kulturpessimismus? Nicht doch; Kultur bedarf wachen Geistes. Ihr seid mit eurem Verständnis von der Welt, dass alles und jeder eine Ware ist, das parasitäre Gegenteil von Kultur. – Aber was red’ ich? Die Großflächenspammer sind längst weitergezogen, unsere rauchenden Ruinen interessieren sie nicht mehr. Das „Web 3.0″, das “mobile Internet”, ruinieren diese Gestalten sicherheitshalber schon im Voraus. Moderne Smartphones haben doch acht Kerne, könnte man da nicht…? Das seit jeher kommerziell orientierte Windows Phone ist da vielleicht vorbildlich, dort ist selbst die Dropbox-app nicht nennenswert mehr als die Dropbox-Website mit einem zusätzlichen Werbebanner.

Auf dem Browser der Zukunft sollte „Bitte keine Werbung einwerfen” stehen.

ComputerIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Alexander Dobrindt, CSU.

Dieser Artikel ist Teil 11 von 11 der Serie Schmalhans des Tages

Dass Johanna Wanka der Ansicht ist, Programmieren sei eine Sprache und eine wichtige obendrein, ist allenfalls ein Schmunzeln wert. Die Frau ist Bildungsministerin, die muss nicht wissen, wie Dinge funktionieren.

Wesentlich schlimmer ist’s da schon beim Verkehrsminister. Das Bundesverkehrsministerium – wir erinnern uns ungern – wurde Mitte Dezember 2013 in „Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur” umbenannt. Klar, die Datenautobahn muss ja auch ausgebaut werden, damit Polizisten darauf Streife fahren können. Brumm, brumm.

Momentan ist ein gewisser Alexander Dobrindt, Mitglied der Kompetenzpartei CSU, Herrscher über Wohl und Wehe der digitalen Infrastruktur. In seiner Eigenschaft als Generalsekretär der CSU hatte er noch vor wenigen Jahren für das selektive Feigenblattsperren des Internets gestimmt und war sich später auch nicht zu blöde, es als wichtigen Baustein im Kampf gegen irgendwas zu bezeichnen.

Und dann jetzt aber; dem „IT-Gipfel” sei’s geschuldet:

„Der Zugang zum Internet wird über unseren Erfolg im globalen Wettkampf um die neuen Märkte entscheiden”, sagte Dobrindt.

Das Internet als Medium zur ungehinderten Kommunikation bedürfe staatlicher Kontrolle; der Zugang zu diesem staatlich beschränkten Medium aber dürfe nicht behindert werden, denn es gelte einen Markt zu erobern. Der Markt als Instanz, die dem Bürger über-, dem Internet jedoch untergeordnet ist, das wiederum der jeweiligen Bundesregierung zu unterstellen ist – damit ist wohl auch geklärt, wer die Strategen der F.D.P. nach deren Scheitern übernommen hat.

Das ist ja wohl der Gipfel.

MontagsmusikNerdkrams
Soft Machine (1968)

Schau' mir in die Augen, Kleines.Hurra, Apple hat ein neues Betriebssystem. Jetzt noch flacher, und ein paar schöne neue Funktionen hat es auch bekommen:

Yosemite:default spyware/keylogger, easily rootkitable, unpatched vulnerabilities,safari remote exploitable, etc.The best OS X release ever!

Vorbei die Zeit, als Ubuntu noch die schlechtesten Ideen von Mac OS X abkupferte; inzwischen ist’s andersherum. Das Sicherheitskonzept von Mac OS X, laut übereinstimmenden technischen Analysen das momentan mit Abstand unsicherste Desktopsystem, war wohl noch nicht grauenvoll genug, in das noch flachere „neue” design passen noch ein paar Hintertürchen rein. Es wird schon einen Grund haben, wieso Apple gern wissen möchte, was der Benutzer auf seinem Heimrechner tut. Vielleicht hat er was zu verbergen.

Was tun? Tor nutzen? Schlechte Idee:

Auch wenn es manchmal sinnvoll sein kann und man Tor durchaus sicher nutzen kann: Für Lieschen Müller wie Bettina Beispiel erhöht Tor das allgemeine Risiko.

Das Neue, Moderne ist beängstigend. Zum Glück gibt es das Alte, Bewährte; und Musik. Musik geht immer.

SOFT MACHINE – 25 August 1968 Ce Soir On Danse

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusik
In aller Kürze: Wenigstens kein Kommunist!

Es gibt auch noch gute Nachrichten:

Standing outside the Hamilton County courtroom where a teenager faced a charge of raping a 69-year-old man, the boy’s family said there has been a mistake. (…) „He ain’t a pedophile,” another family member said.

„Er hat einen alten Mann vergewaltigt, aber er ist zumindest nicht pädophil!” :irre:


Apropos durchgeknallt:

Scott Walker und Sunn O))) haben zusammen Musik gemacht.

Lauscht!

FotografieMir wird geschlecht
Deutschland, deine Allegorien! (5)

Piratenpartei
Reclaim your Bigotry: Alle rechts außer Mutti!

(Vorbemerkung: Folgender Text über die Entwicklung der Piratenpartei könnte versehentlich Irrtümer enthalten. Ich bitte solche in den Kommentaren aufzuzeigen.)

Wieder einmal ist ein Pirat wortreich („eine Abrechnung”, drunter machen sie’s ja nicht mehr) aus der Partei ausgetreten, und vor Lachen hat mein Bullshitdetektor versehentlich gekündigt.

‘Reclaim your Bigotry: Alle rechts außer Mutti!’ weiterlesen »

Montagsmusik
Eloy – Time to Turn

Huch!Montag. Muss das denn immer sein? Markiert er doch stets ein Ende viel mehr als einen Anfang.

Herbstzeitstimmung, Träume enden mit dem Wochenende. Es katert, eine Katze wird man davon aber auch nicht.

Zeit zur Umkehr. Zurück ins Wochenende oder mit Anlauf ins nächste. Nur raus, raus.

The glossy front’s just fake
The firm base breaks
As this doomed world slowly decays

ELOY in Mainz 2012 – Time to Turn

So we dance and sing, try to bear the thought
Of approaching the end of our time

Zieht euch was Anständiges an und tretet nicht in die Scherben.

Guten Morgen.

Nerdkrams
Beinahe Buchkritik: Kontrollverlust

Der schwierige Autor Michael Seemann hat heute sein lange angekündigtes Buch zum Thema „digitaler Kontrollverlust” unter der WTFPDL veröffentlicht, die es mir ermöglicht, eine digitale Fassung des Buchs hier nicht nur öffentlich blöd zu finden, sondern auch zu vertreiben, ohne potenzielle Leser vom dortigen VG-Wort-Zähler, Google Analytics, Flattr und dergleichen tracken zu lassen, was sich prima mit der Überschrift „Datenkontrolle schafft Herrschaft” eines Kapitels aus dem Buch in Einklang bringen lässt:

Das neue Spiel

Worum geht es in dem Buch? Es geht um „Strategien für die Welt nach dem digitalen Kontrollverlust”:

Datenschutz, Urheberrecht, Staatsgeheimnisse. Wir haben die Kontrolle verloren. Daten, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, finden Wege, die nicht vorgesehen waren und offenbaren Dinge, auf die wir nie gekommen wären. (…) Die Verdatung der Welt stößt die postindustrielle Ordnung in die Krise. All unsere Institutionen und unser ganzes Verständnis von Freiheit sind vom Kontrollverlust bedroht. (…) Welche Strategien funktionieren nicht mehr, welche um so besser, welche neuen gibt es?

Es geht also um Datenhoheit beziehungsweise die Erlangung derselben. Eigentlich ist „Das neue Spiel” weniger ein Sachbuch als eine Kampfschrift: Wir müssen was tun! Dabei erwähnt der Autor zahlreiche gescheiterte Versuche, die seit Jahrzehnten fortschreitende Überwachung einzudämmen; eine Antwort aber hat er nicht. „Das neue Spiel” ist ein Buch voller „wir müssen”, „man sollte” und weiterer Wünsche, quasi ein Wunschbuch. Gelegentlich kommt auch mal eine handfeste Meinung, dann aber nicht zum Thema Überwachung:

Die NSA mag die theoretische Möglichkeit haben, jeden Einzelnen von uns unter Druck zu setzen, einzuschüchtern und zu terrorisieren. Vielen Menschen passiert genau das jeden Tag, und sie werden dadurch effektiv zum Schweigen gebracht – aber nicht von der NSA, sondern von Trollen, Maskulinistinnen, Nazis oder anderen Menschenfeinden.

Ich habe bisher – die Zeit war zu knapp – zwar nur wenige Kapitel gelesen, bezweifle aber, dass mir da noch viel entgangen ist.

Ohne Schwurbelei kommt Michael Seemann freilich auch diesmal nicht aus:

Wir haben das Buch in geschlechtergerechter Sprache geschrieben. Wir verwenden das generische Femininum und das generische Maskulinum abwechselnd. Sollte jemand beim Lesen darüber stolpern: Das ist so gewollt.

Stolperfallen beim Lesen sind meine Sache nicht. Da verlier’ ich die Kontrolle.


Schöne Sportart auch: Extrembügeln.

Netzfundstücke
Kuschelvirus

“Ohne seine Plüschkrankheit kann mein Kind nicht einschlafen.”

Ebola

Auf einmal bekommt die Plage, mit der man sich gerade herumschlägt, ein Gesicht – was diese kleinen Wesen natürlich zu grandiosen Geschenken für „befallene” Freunde macht.

:irre:

NerdkramsNetzfundstücke
OnePlusMinusEins

Wer bisher dachte, als Androidnutzer sei man vor einem schrecklichen Gewese um die Veröffentlichung neuer Geräte gefeit und man würde niemals eine Horde von Androidnutzern vor dem nächsten Saturn campieren sehen, wenn zum Beispiel das nächste Samsung Galaxy S erscheint, der sollte sich nicht zu früh freuen, lange dürfte es nämlich nicht mehr dauern.

Das mir bis heute unbekannte Unternehmen OnePlus hat im April 2014 sein Smartphone „One” vorgestellt, im Wesentlichen ein Oberklassesmartphone mit vorinstallierter CyanogenMod-Distribution und allerlei nützlichen Extras sowie einem leider eingelöteten Akku, was jedenfalls mich davon abhält, das Ding irgendwie interessant zu finden.

Offensichtlich kann man es mittlerweile auch kaufen, denn in den sozialen Netzen, in denen ich mich so herumtreibe, werden derzeit rege Einladungen verteilt.

Einladungen? Ja, denn bestellen darf das OnePlus „One” nur, wer Zugang zum elitären Zirkel hat:

To buy the OnePlus One, you will need to get an invite[.]

Da es schon jetzt deutlich mehr freie Einladungen als Interessenten gibt, ist dieses System der künstlichen Verknappung als die Blenderei enttarnt, die sie von Anfang an war. Wenn’s wenigstens eine Einladung für ein Gratis-Smartphone wäre! Aber wenn jeder einfach so ein „One” kaufen könnte, wäre es ja nichts Besonderes mehr, eines zu besitzen. Dann müssten die Macher womöglich noch durch Innovationen auffallen und sich nicht mit der Rolle als zweites „Oppo” zufriedengeben. Von Apple zu lernen heißt Vermarktung zu lernen; Vermarktung und Selbstüberschätzung.

Das alles scheint so eine Art Intelligenztest zu sein. Ich würde wirklich gern die Auswertung sehen.

Montagsmusik
Wishbone Ash – The King Will Come

Kauz AdlerÄchz, ein Montag; mit bleibenden Schäden, die selbst den montäglichen Routineablauf stören. Was hör’ ich für Musik in dieser wirren Zeit, in der Alte (Frank-Walter Steinmeier) das Neue (freie Kommunikation) zerstören, was für ein Lied als Begleitung dazu, dass Neues anderem Neuem nachfolgt? Auf Twitter ist der große GNU-Social-Hype schon wieder vorüber, man preist nun um so offensiver ello an. Ich wüsste noch nicht einmal, was ich auf Facebook tun sollte. ello? owdy!

Raus, einfach raus. Sei der Panda! Und dazu ein wenig Rock. Alten, versteht sich.

Wishbone Ash – The King Will Come (From "Live Dates 3" DVD)

Guten Abend.

In den NachrichtenPolitik
Morgens Eikonal, abends TTIP

Davon, dass sie im Juli davon abrücken wollte, weiß sie freilich schon wenige Wochen später nichts mehr: Die SPD, deren Führern daran gelegen ist, aus bloßer Freundschaft das bürgerfeindliche „Freihandelsabkommen” TTIP mit den Scheiß-USA durchzubekommen, hielt denen, die deutschen Bürgern offen feindselig gegenübertraten, verdächtig lange die Stange.

Zum Glück ist das deutsche Volk traditionell vergesslich. Erinnert sich noch jemand an die zahlreichen bisherigen Verfehlungen der Partei, die es wieder einmal in den Bundestag gewählt hat? Die Vergesslichkeit der Bürger ist das Kapital der SPD, wie es scheint. Zum Glück gibt es immer wieder Nachschub, damit der Deutsche zwischen zwei Fußballmeisterschaften nicht vergisst, was für ein widerwärtiger Haufen ihn da eigentlich regiert:

Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge hat der BND unter Abdeckung des damaligen Geheimdienstkoordinators Frank-Walter Steinmeier (SPD-Außenminister, A.d.V.) zwischen 2004 und 2008 unter der Code-Bezeichnung „Eikonal” einen Bypass am Frankfurter Knotenpunkt DE-CIX gelegt, dem weltweit größten seiner Art. Die gesplitteten Signale wurden nach Pullach ausgeleitet und sollten von der damaligen BND-Zentrale aus um die „deutsche Kommunikation” gefiltert an die NSA gehen, deren Kabel am vormaligen NSA-Abhörstützpunkt Bad Aibling nach Input dürsteten.

Anders gesagt: Der BND hat unter federführender Aufsicht der SPD und der Telekom über Jahre hinweg systematisch fremde Kommunikation an ausländische Geheimdienste weitergegeben und dabei billigend Verstöße gegen § 7a des G10-Gesetzes in Kauf genommen. Da insbesondere aufgrund letzteren Verstoßes eine Datenwiedergabe im Rahmen internationaler Verträge hier nicht vorliegen kann, empfehle ich als Rechtslaie, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gemäß § 94 StGB zu behandeln:

(1) Wer ein Staatsgeheimnis einer fremden Macht oder einem ihrer Mittelsmänner mitteilt (…), um (…) eine fremde Macht zu begünstigen, und dadurch die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter eine verantwortliche Stellung mißbraucht, die ihn zur Wahrung von Staatsgeheimnissen besonders verpflichtet (…).

Man muss wahrscheinlich keine kriminelle Energie besitzen, um in der SPD Karriere zu machen. Es erleichtert aber so vieles.

Politiker sind Schauspieler ohne Drehbuch, ohne einen Regisseur, der alles zusammenhält.
Luc Besson

In den NachrichtenNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Geld oder Geschrei!

Das Leistungsschmutzrecht ist offenbar ein voller Erfolg.

Wir erinnern uns: Am 1. August 2013 trat dieses Gesetz in Kraft. Allerlei Verlage in Deutschland haben mal mehr, mal weniger hart mit der Legislative gerungen, um ein Gesetz maßgeschneidert zu bekommen, das im Wesentlichen Bloggern und Suchmaschinen das unbezahlte Zitieren aus den eigenen Onlineauftritten – und damit kostenlose Werbung – verbieten soll.

Mehrere kleinere Suchanbieter haben die entsprechenden Verlagsangebote ersatzlos gestrichen, aber das hat nur wenige Menschen interessiert. Der Fokus liegt natürlich auf Google. Google ist ein großer Konzern, Google hat Geld, Google soll zahlen.

Zunächst hat Google das Gesetz weitgehend ignoriert und in seinem Nachrichtenaggregator „Google News” trotzdem weiterhin auf die Nachrichtenangebote verschiedener Verlage verlinkt. Dafür ist ein Nachrichtenaggregator da. Rennen also die Schmalhänse von VG Media zum Deutschen Patent- und Markenamt und klagen.

Google blieben nun also nur zwei Möglichkeiten, um sich ans Gesetz zu halten: Entweder für jeden kostenlosen Link auf ein VG-Media-Angebot Geld zu zahlen oder die strittigen Angebote gemäß den Vorgaben des Leistungsschmutzrechts zu beschneiden. Google hat nun Letzteres getan (Hinweis: Link auf ein Google-Blog!):

Vor dem Hintergrund dieser Klage werden wir Snippets und Thumbnails einiger bekannter Webseiten wie bild.de, bunte.de oder hoerzu.de nicht mehr anzeigen, also jener Verlage, die in der VG Media organisiert sind. Für diese Seiten werden wir nur noch den Link zum Artikel sowie dessen Überschrift anzeigen.

Rennen also die Schmalhänse von VG Media zum Kartellamt und klagen.

Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt.
Stefan Niggemeier

Ist mir auch ein Rätsel, wieso Verlage sinkende Einnahmen haben. :irre:


Nützliches Handwerkszeug für’s nächste Bullshit-Bingo übrigens: Die Floskelwolke.


Nachtrag vom 23. Oktober 2014: Das Leistungsschmutzrecht hat die Verlage dazu gezwungen, es nicht anzuwenden. :lachtot: Euch, Verlage, hat niemand gerufen, also beschwert euch nicht, wenn ihr wie die Eindringlinge behandelt werdet, die ihr seid.

Fotografie
Herbst. (Symbolbild)

Herbst

Manchmal glaube ich, die Welt möchte mir irgendwas sagen.

NerdkramsNetzfundstücke
Zwei schöne Projekte: Octobox und percol

Seit der Sache mit der NSA beginnt das Konzept des Selbsthostens der jeweils verwendeten Clouddienste wieder an Fahrt aufzunehmen. So mancher, der bis dahin blind den Heilsversprechen großer US-amerikanischer Konzerne vertraute, wollte plötzlich weg von Google Mail, Dropbox und Evernote.

Während das bei Google Mail und Dropbox aber zumindest theoretisch ziemlich einfach ist, ist ein tauglicher Ersatz für Evernote schwer zu finden. Microsoft bietet OneNote, Google bietet Google Drive, aber beide haben hinsichtlich ihres Funktionsumfangs Evernote nur wenig entgegenzusetzen; und selbst hosten kann man sie auch nicht. Bei den freien Alternativen sieht es noch weit schlimmer aus – es mangelt bereits an einem synchronisierten guten virtuellen Notizbuch mit Android- und Desktopanbindung.

Möglicherweise schließt Octobox – wahlweise gehostet oder zum Selbstinstallieren – diese Lücke. Octobox, wenngleich noch in einer frühen Testphase, bietet bereits jetzt ein Evernote-ähnliches Aussehen und Markdown-Unterstützung, am „Clipper” und einer Browsererweiterung wird noch gearbeitet. Möglicherweise wird es irgendwann auch mobile Anwendungen geben.

Octobox

Die Besonderheit von Octobox ist, dass es sämtliche Notizen in der Dropbox speichert, ein Konto hierfür ist also momentan noch vonnöten. Diese Funktionsweise aber hat Vorteile: Anders als in Evernote liegt alles im Klartext vor, lässt sich also mit jedem Texteditor bearbeiten und bei Bedarf manuell sichern; um die Sicherung selbst kümmert sich aber ebenfalls bereits Dropbox, das auf Wunsch auch gelöschte Dateien bis auf Weiteres aufbewahrt.

Ich empfehle das Projekt im Auge zu behalten.

(via reddit)


Für uns nerds auch nicht uninteressant ist übrigens percol. percol ist sozusagen ein Filter für Pipe-Befehle, der eine dem Emacs-helm-Plugin ähnliche Schnellsuche für Befehle, Dateien und Zeilen anbietet. Auf der GitHub-Seite gibt es eine (etwas hektische) Demonstration in GIF-Form.

percol ergänzt also Shellbefehle um type to find. Ein Beispiel:

Dieser Befehl zeigt zum Beispiel die Ausgabe von ls mit dem percol-Filter an:

Percol ls

Der Text „QUERY>” kann beinahe nach Belieben angepasst werden.

(via One Thing Well)


In weiteren Nachrichten: Die BPjM ist doch nicht so nutzlos wie gedacht, sie ist zum Beispiel ein hervorragender Versandhandel für alte Pornos.