Montagsmusik
Bryan Ferry – Gates of Eden

Skeptischer KauzBeinahe hätte ich ja „guten Morgen” geschrieben, aber es ist ja schon wieder Montag. Das Tor zur Welt steht offen.

Nur das Tor zum Paradies schließt sich jede Woche auf’s Neue.

Bryan Ferry – Gates of Eden [2007-02-10 London]

Guten Montag.

KaufbefehleMusikkritik
Queen – A Night At The Opera

queen-a-night-at-the-operaVon Queen hielt ich aus ähnlichem Grund nie allzu viel wie von Muse: Dieses Operettenhafte, Künstliche, Überhöhte tut mir beim Hören auch körperlich weh. Wenige Glanzstücke wie „Sheer Heart Attack” und „Stone Cold Crazy” stehen der grauenvollen „Bohemian Rhapsody”, dem von Fußballglotzern pervertierten „We Are The Champions”, dem prahlerischen „We Will Rock You” und weiteren Unmöglichkeiten ziemlich wehrlos gegenüber. Freddie Mercury mag ein Stil prägender Sänger gewesen sein, aber seinen Stil mag ich nicht.

Blöderweise schließt man – schließe ich – wider besseren Wissens von einem einzigen wirklich schlechten Stück oft auf das ganze Album. Lückenfüller als solche zu erkennen vermag man nur, wenn man bereit ist, sich dem ganzen Album trotz der Abschreckung zu widmen. Vorurteile, die ich immer noch nicht ganz abgebaut habe, sind trotz mehrfacher Versuche, mich selbst vom Gegenteil zu überzeugen, zum Beispiel Marillions „Misplaced Childhood” (wegen „Kayleigh”, dessen elende Ohrwurmmelodie einem auch nach fast 30 Jahren noch aus jedem zweiten Radiosender entgegennudelt) und eigentlich jedes Album von Queen, weil ich von Queen zuerst „Queen Rocks”, dieses seltsame best of aus den Neunzigern, besaß, auf dem zwar die gewohnten Mitklatschhymnen und einige selbst mir gefallende Lieder („Stone Cold Crazy”, „Sheer Heart Attack”, „One Vision”) zu finden sind, allerdings nichts, was umwerfend anders wäre.

Dann habe ich mir noch mal Queens „A Night At The Opera” von 1975 angehört, weil das Internet fand, ich hätte da was verpasst. Ja, habe ich wirklich.

Schon das erste Stück, „Death On Two Legs (Dedicated to…)”, hat mit dem fröhlichen Poprock der Radio-Queen nicht viel zu tun. Leise Klavierklänge werden allmählich begleitet von anschwellender, beklemmender Perkussion. Es folgt ein Ohrwurm fördernder Rock’n’Roll-Teil, in dem sich E-Gitarre und Klavier ein Gefecht liefern, während Freddie Mercury für Norman Sheffield, den vormaligen Manager der Band, ein nicht sehr fröhliches Liedchen zum Besten gibt: „You suck my blood like a leech / You break the law and you breach”, Brian May brilliert dazu mit vortrefflichen Gitarrensoli. An den „zornigen” Freddie Mercury könnte ich mich gewöhnen.

Queen – Death on Two Legs

Ganz anders der „Prophet’s Song”, die bessere „Bohemian Rhapsody”: Wiederum ein Geräusch-Intro, das mich an Wind und Meer erinnern lässt, Gitarre und Klavier setzen mit einem ersten Refrain ein: „Oh oh, people of the earth / listen to the warning, the seer he said: / ‘Beware the storm that gathers here. / Listen to the wise man!'” Einen Genrewechsel später geben Bass und Schlagzeug einen treibenden Marschrhythmus vor. Der zweite mehrstimmige Refrain wirkt beinahe bedrohlich. Bedrohlichkeit ist sowieso eine nennenswerte Eigenschaft dieses Stücks, aber da ist auch noch der Mittelteil: Freddie Mercury singt im Terzett mit zwei seiner eigenen Echos und klingt nicht mal dann nach Operettenkram. Anschließend finden die Musiker zurück zum musikalischen Thema des Anfangs.

Queen – The Prophets Song

Natürlich ist auch „A Night At The Opera” kein perfektes Album, natürlich hat es Längen, Ecken und Kanten.

Aber – ich korrigiere mich ausnahmsweise gern – „A Night At The Opera”, in seiner Dunkel- wie Vertracktheit das musikalische Gegenstück zum im Folgejahr veröffentlichten „A Day At The Races”, ist nach meinem Eindruck wohl eines der besten Musikalben von Queen, es sollte nicht ungehört verklingen.

Aber die „Bohemian Rhapsody” hätt’ wirklich nicht sein müssen.


Auch mal schön: SPD stimmt gegen Verbindlichkeit von SPD-Konventsbeschluss. Wen wundert’s?

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Frauentitel, Oktober 2014.

Es wird Herbst, die Frauenzeitschriften schlagen wieder aus.

Die „JOY” (Ausgabe für Oktober 2014) verspricht „Hammer-Haare” – keine schöne Aussicht:

JOY Oktober 2014

Außerdem: „Das verrät Ihr Name über Sie” und „Die geheimsten Locations” Berlins, also nicht einfach nur geheim, sondern richtig dolle geheim, wie man es aus einer unerforschten Kleinststadt wie Berlin eben kennt.

Anderswo geht es längst um Wichtigeres:

ok! Oktober 2014

Das Magazin „ok!” stellt mit Gerissenheit sicher, dass ich die Ankündigung unten rechts dreimal lese, und ansonsten scheint sich eine Lena Gercke (wer ist das?) von einem Sami Khedira (wer ist das?) getrennt zu haben. „Das Power-Paar in der Krise”, denn es gehört schon eine Menge power dazu, Teil eines Paars zu sein, das für irgendwas bekannt geworden ist.

Trennungen scheinen ohnehin gerade en vogue zu sein, weiß man auch bei „InTouch”, deren Titelredaktion es andererseits als „Kilo-Schock” erachtet, wenn man von Schwangerschaft schwerer wird:

InTouch 40-2014

Außerdem, so „InTouch”, sei irgendeine Sabia hinsichtlich irgendeiner Sylvie zu weit gegangen. Sabia, so berichtet „Closer” (Motto: „Stars, die wirklich interessieren”) wiederum, habe Sylvie nämlich zum Weinen gebracht:

Closer 40-2014

Außerdem noch eine Trennung, diesmal sogar mit jemandem, den ich kenne: Cora und Ralf Schumacher nämlich hätten sich ebenfalls getrennt. Warum das berichtenswert ist? Na, es sei ja auch ein „Schock für [den] kranken Schumi” (Michael Schumacher, A.d.V.). Herzlose Cora „&” Ralf – hätten die nicht warten können, bis es „Schumi” wieder besser geht?

:wallbash:

InternesMir wird geschlecht
In eigener Sache: Endlich Sekundärquelle!

Arne Hoffmann, seines Zeichens umstrittener Männerrechtler und Blogger, hat ein Buch geschrieben, und ich komme auch drin vor:

Männerpolitik

(Hinweis: Trotz Kompression ist die Vollansicht noch recht groß; ich empfehle eine mobile Ansicht nur mit Datenflatrate oder im WLAN.)

Mir kommen die Männertränen vor Rührung – ich hab’ alles erreicht und fühle mich mehr als nur bloß geehrt. Eine Fußnote! In einem Buch! Mit Seiten drin! Schwester, meine Tabletten!

(via @NetReaper)


Apropos „ich werd’ bekloppt”:

Wie wäre es

Ich wüsste schon, wie das wäre, Twitter. Darum tu’ ich es nicht. :irre:

In den NachrichtenMontagsmusikPiratenpartei
Oxide & Neutrino – Up Middle Finger

Huch - KäuzchenMontag. Man sollte dieses Wort als Schimpfwort in ein Schimpfwörterlexikon aufnehmen.

Weil’s eben passt: Ein Großteil des Bremer Landesverbandes der Piratenpartei, der sich zu Unrecht (lokale Kopie) nicht mehr willkommen fühlte, hat’s der Berliner Parteiprominenz nachgemacht und ist ausgetreten, natürlich nicht immer ohne einen Blogeintrag. Viel Geschrei allerorten. Der Berliner Landesverband ist schon weiter, er hat sich gestern mehrheitlich dafür ausgesprochen, mit vorhandenen Mitteln eine neue Partei zu gründen, vorerst als Zweitpartei. Ich vermute, dort werden sich in absehbarer Zeit viele Mitglieder der „Progressiven Plattform” sammeln, was nur konsequent wäre, immerhin will am 28. September auf der „anderen” Seite des Piratenspektrums auch die Partei „Neue Liberale” (es gab bereits 2010 den Versuch einer Parteigründung unter diesem Namen) einen Gründungsparteitag abhalten. Damit hätten sich nun sowohl der „neoliberale Flügel” als auch der „Flügel” derer, die nach 2009 die Piratenpartei bei eher mauem Wählerzuspruch von einer Nerd- zu einer erkennbar „linken” Partei erweitern wollten, selbstständig gemacht; zurück aber bleibt womöglich keine rauchende Ruine, sondern eine Partei, die wohl zumindest nicht mehr zwischen den ständigen Flügelkämpfen zerrissen wird und deren Bundesvorstand zu weiten Teilen auch von denen gewählt wurde, die die Vorstellung von einer Partei, die sich vorrangig für direkte Demokratie, ein modernes Urheberrecht, Datenschutz und Privatsphäre einsetzt, noch immer nicht aufgegeben haben. So weit die Theorie.

In der Praxis allerdings ist immer noch Montag. Und Montage sind wirklich, wirklich nicht gut. Aber was soll’s? Die Montagsstimmung raus und es kann losgehen.

Oxide & Neutrino Up Middle Finger

Didn’t wanna back we / now they beg friend
Up middle finger / I show them

Guten Morgen. :aufsmaul:

In den NachrichtenPiratenpartei
Ausgelauert

Erinnert sich noch jemand an Christopher Lauer?

Christopher Lauer war unlängst noch, nun, charismatischer Landesvorsitzender des Landesverbandes Berlin der Piratenpartei Deutschland und fiel in den letzten Jahren meist dadurch auf, dass er politische Gegner im Berliner Abgeordnetenhaus ebenso wie in diesen scheußlichen talkshows genüsslich zerriss, wobei er sich auch in der eigenen Partei selten mit Kritik zurückhielt.

Sein jüngster großer Auftritt, die Bewerbung als politischer Geschäftsführer auf dem außerordentlichen Bundesparteitag in Halle, hatte auch für mich als Teil des anwesenden Publikums einen hohen Unterhaltungswert:

Christopher Lauer grandiose Kandidatur Rede beim #aBPT14

So dreist und satirisch diese Rede auch gewesen sein mag, er verdrängt nur teilweise den schwelenden Richtungsstreit (wir erinnern uns: auf diesem Parteitag hat der progressive Flügel der Piratenpartei jegliches Vorstandsamt auf Bundesebene aufgeben müssen). Christopher Lauer als Vertreter des linken Teils der Piratenpartei hat sich hier als Landesvorsitzender also mit einer Mehrheit – den Liberalen (von den Progressiven gern bekloppterweise auch die Rechten genannt) – angelegt.

Es ist in der Piratenpartei nicht verboten, einen Parteitag zu trollen, was mir sehr gelegen kommt; die Satzung gilt trotzdem. Vom neuen Bundesvorstand, der auf diesem Parteitag gewählt wurde, wurde auch erwartet, sich nicht zum Spielball machen zu lassen, wie es der vorherige Bundesvorstand war. Gerüchten zufolge hat dieser Bundesvorstand auch angemessen reagiert und satzungsgemäß nach vorheriger Anhörung möglicherweise Ordnungsmaßnahmen gegen Christopher Lauer verhängen wollen, der Anhörungstermin wäre der 25. September gewesen. Auch sonst macht der amtierende Bundesvorstand vieles anders und versagt etwa der „openmind”, der Konferenz mit dem Symbol der verkrampft geschlossenen erhobenen Faust, die Unterstützung.

Gestern trat Christopher Lauer aus und kam damit einer Amtsenthebung zuvor. Manche Mitglieder der „progressiven” – 2009 nannte man ja noch die „Netzpolitiker” in der Partei „progressiv” – Parteiseite folgten seinem Beispiel, oft unter großem Gezeter (auf Twitter) und Applaus (ebd.), denn ein leiser, unkommentierter Austritt ist ja doch nicht stilecht.

Sein Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus möchte der „Bubi” (Christopher Lauer über ausgetretene Parteimitglieder) übrigens behalten. Aus Gründen.

Wir haben uns das auch einfacher vorgestellt.


Nachtrag: Auch Anne Helm („THANK YOU BOMBER HARRIS” – leider überschattete diese doch eher unüberlegte Aktion ihre bis dahin weitgehend löbliche Arbeit für die Menschenrechte) und Oliver Höfinghoff sind ausgetreten, bedauernd begleitet von den Medien, die einen Austritt, wenn er nur laut genug ertönt, grundsätzlich als Zeichen für das sichere Ende der Piratenpartei deuten wollen; andere gehen, weil der Bundesvorstand ihnen vermeintlich nicht antifaschistisch genug sei. Die Piratenpartei ist zwar keine Antifa-Veranstaltung, wohl aber ist sie – wie alle guten demokratischen Parteien – totalitären Strömungen gegenüber negativ eingestellt.

Die Piratenpartei stellt zweifelsohne gesellschaftlich radikale Forderungen; wem eine Partei, in der politischer Radikalismus grundsätzlich nicht willkommen ist, jedoch nicht weit genug geht, der war in der Piratenpartei von vornherein falsch. Es wäre verfrüht, den Austritt von Klassenclowns und ehemaligen Mitgliedern, die sich mit den Grundfesten der Partei von Anfang an nicht identifizieren konnten, als Zeichen für den Niedergang der Partei zu verstehen. Es ist vielmehr ein sicheres Zeichen dafür, dass sie wieder weiß, wo sie stehen möchte, und sich nicht noch länger mit Flügelkämpfen selbst demontieren will. Ich bin damals in eine Partei eingetreten, weil ich das Urheberrecht und aktuelle Überwachungsgesetze in der gegebenen Form nicht in Ordnung fand und finde – nicht, um potenziell Gewaltbereite zu verdreschen.

Ich finde das gut.

LyrikPersönliches
Sie. (Fragment 9 einhalb, lose)

“Für mich ist die Welt nicht mehr in Ordnung,
nicht früh um 7 und auch nicht nach der Tagesschau.”
– Ton Steine Scherben: Wir müssen hier raus


… Es war ihr Stolz, der sie scheitern ließ.

Er hatte sich das alles so viel leichter vorgestellt. Aber es gab so viel, was sie auseinanderdrückte, und obwohl er jedes Mal glaubte stärker zu sein, fühlte er sich doch schuldig an seiner eigenen Unzulänglichkeit.

Wohl hatte er geahnt, dass das nicht gutgehen würde. Was konnte er ihr schon bieten außer seinem Herzen, das sich danach sehnte, die ruhelose Phase zu beenden, und vielleicht seinem Leben, das er noch führen wollte. Mit ihr? Das klang verlockend. Er fühlte sich zum ersten Mal im Leben gereift, als er bei ihr war, zum ersten Mal wie jemand, der sein Spiegelbild noch ertrug.

Und doch: Je mehr er sich nach ihr sehnte, nach ihr griff, nach ihr rief, desto schwieriger schien es ihm, Schritt halten zu können. Sie war ihm immer überlegen, sie lebte. Sie schien unerreichbar, das faszinierte ihn. Er fühlte sich ihr nicht gewachsen, doch er hatte sich schon viel zu oft unterschätzt. Was konnte er verlieren, wenn er es wagte? Dieses Mal, nahm er sich vor, würde es für immer sein. Die richtige Zeit, der richtige Ort, das richtige Gefühl. Und doch, bei allem, was sie ihm in lauen Sommernächten gestanden hatte, war er immer zu feige gewesen, erfüllt von der Furcht sich aufzugeben, sich auf sie einzulassen.

Das alles war nun viele Wochen her, sie war längst weitergezogen und hatte, wer weiß?, ihn längst vergessen. Er aber blieb zurück, allein und voller Erinnerungen an ihr Lächeln, ihre Wärme.

Und er wusste, was das bedeutete. …


“Liebe, Liebe, Liebelei,
morgen ist sie vielleicht vorbei.”
– Tony Holiday: Tanze Samba mit mir.

ComputerFotografieIn den Nachrichten
Schmeckt sicher „gut”.

Neulich bei Edeka:

"Kräuter"-Croutons


In weiteren Nachrichten: Das Leistungsschmutzrecht wirkt.

Wer die Internetsuche von web.de, GMX oder T-Online nutzt, bekommt keine Ergebnisse mehr von „Bild“, „Welt“, „Hannoversche Allgemeine“, „Berliner Zeitung“ und zahlreichen weiteren Online-Angeboten von Zeitungen angezeigt. Die drei Portale haben jene Verlage, die in der VG Media organisiert sind, um Ansprüche aus dem neuen Presse-Leistungsschutzrecht geltend zu machen, ausgelistet.

Und als Nächstes schmeißt Amazon alle Autoren raus, die gegen Amazon und sein Angebot protestieren, und vielleicht merken dann ein paar Idioten, dass sie selbstverständlich gern die Forderung stellen dürfen, dass andere dafür Geld zahlen müssen, Werbung für sie machen zu dürfen, dieses Geschäftsmodell allerdings nur bedingt realitätstauglich ist.

Andererseits: Würden manche von ihnen etwas merken, wären sie nie zur HAZ gegangen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Joe Sample Trio – Street Life

;-)Was für ein Wochenende!

Im Osten des Landes fanden wieder einmal Wahlen statt, und weil die Uhren dort anders ticken als im Rest des Landes, hat die „Alternative für Deutschland” den Einzug in zwei weitere Landesparlamente geschafft, die F.D.P. bekommt wie üblich den Trostpreis für’s Mitspielen. Sympathisanten der kurzlebigen Spaßpartei AfD finden, die Piraten seien ja wohl weg vom Fenster. Wahlkampf ist der einzige Kampf ohne einen Verlierer. Man kann sich auch totdiskutieren.

Auch tot ist übrigens Joe Sample („Joachim Beispiel”). Das ist ein bisschen schade, er war kein so übler Pianist. Beginnen wir den Tag in stillem Gedenken mit ordentlich Death Metal passender Begleitung:

"Street Life" – Randy Crawford (2006)

In weiteren Nachrichten: Chuck Norris ist eine Farbe. Dieses Internet überrascht mich immer wieder.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Bio macht blöd

Erinnert sich noch jemand an die Grünen, von denen man seit ihrem tiefen Fall im Jahr 1999 nicht mehr viel gehört hat? Die Grünen, ich erkläre das kurz für die Jüngeren, sehen ungefähr so aus:

Bio macht schön

Eigentlich also genau so, wie man sich seine Regierung schon immer gewünscht hat. Aber die Grünen tauchen in der Presse kaum mehr auf, sie sind zu brav und konform geworden. Das ist auch nicht ganz unbeabsichtigt, öffentlich präsentiert sich die Partei bevorzugt als Alles-ist-erlaubt-Partei:

Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen die Freiheit haben, ihr Leben selbst zu gestalten. Die Grünen sind eng verwurzelt mit den Bürgerrechtsbewegungen, mit emanzipatorischen Bestrebungen. Diese wie auch libertäre und liberale Traditionen prägen unsere gemeinsame freiheitliche Orientierung. Für eine Gesellschaft, die jedem eine Chance gibt. Ohne Bevormundung.

Außer, wenn’s um Kleidung geht, denn da verliert auch eine bayrische Grüne die Fassung:

In Tracht nahm [Verkehrsstaatssekretärin Dorothee Bär, CSU] auf der Regierungsbank Platz – was die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl (61) zu einer öffentlichen Kritik im Netz ermunterte. Es ging dabei keineswegs um Politik, sondern um das Dirndl der Bambergerin. Dieses sei „rückständig”.

Freiheit gern, aber ohne die Einhaltung der Kleiderordnung verfällt hier alles in Anarchie. Anarchie!!1 :motz:
Turnschuhe und Männer mit langen Haaren sind kein Problem, aber Dirndln sind eine klare Respektlosigkeit.

Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Dead Sara

Dead SaraIch bin ja meist ein Anhänger der leisen Töne, mitunter so leise, dass ich sie selbst kaum vernehmen kann. Das Eintauchen in die Musik bedarf nicht vieler Dezibel. Selten, ganz selten aber finde ich auch an Rockmusik Gefallen, die nicht lange zögert, sondern direkt auf den Punkt kommt.

Das Debütalbum von Dead Sara zum Beispiel.

Dead Sara ist in diesem Fall keine tote Frau, sondern ein Rockquartett – zwei Männer, zwei Frauen, von denen ebenfalls keine Sara heißt – aus Los Angeles, das 2013 mit Muse gemeinsam auf Tour war und trotzdem nicht scheiße klingt. Das soll ihnen erst mal wer nachmachen. Ach, „Rock” ist ja wieder viel zu kurz gegriffen:

Dead Sara | Test On My Patience Live @ The Viper Room 2.27.12

Ist das Garagengrunge? Ist es Stonerpunk? Nein, Dead Sara nennen sich selbst eine Rockband mit monströsen Gitarrenriffen und einem wirklich fantastischen Gesang. Emily Armstrong sticht als Frontfrau unter den zeitgenössischen Frontfrauen der Rockmusik vortrefflich hervor, die großartige Grace Slick von den nicht minder großartigen Jefferson Airplane, heißt es, bewundert sie.

Dead Sara stehen Nirvana musikalisch nahe, gelegentliche AC/DC-Anleihen („Timed Blues”) auf dem Album hingegen sind vermutlich nur Zufall, aber fallen nicht einmal als Fremdkörper auf. Selbst die Single (kennt ihr eigentlich noch CD-Singles?) „Weatherman” ist klasse:

Dead Sara – "Weatherman"

Ich möchte das jetzt einfach mal empfohlen haben.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz gefragt zur gestrigen Apple-Keynote

Außer diesem Comic fällt mir angesichts der momentanen Apple-Nachrichtenschwemme gerade nur eine Frage ein:

Ob es den vielen, vielen Menschen und „Journalisten”, die gestern stundenlang ungeduldig vor dem Bildschirm oder gar vor Ort ausharrten, um einem professionellen Produktvertreter applaudierend dabei zuzuhören, wie er Dinge, die Konkurrenzprodukte längst beherrschen, als innovativ anpreist, bewusst ist, dass sie nichts weiter beiwohnten als einer bloßen Verkaufsveranstaltung, die von einer Tupperparty nur der Preis der Ware unterscheidet?

InternesSpaß mit Spam
Anfrage Linkentfernung

Die Software WordPress, die seit 2005 auch Basis für diese Website hier ist, hat den großen Nachteil, dass sie URLs in Kommentaren erlaubt, dass also ein Kommentator zusätzlich zu seinem Senf noch einen Verweis auf seine (oder eine beliebige andere) Website hinterlassen kann.

Kommentarspammer haben das jahrelang ausgenutzt, da auch Links in Kommentaren von schlechten Suchmaschinen wie Google oft einen positiven Einfluss auf die Bewertung der jeweiligen Website hatte. Auch bei mir hat sich zumindest eine Kommentatorin mit einem unauffälligen Verweis bemerkbar gemacht, der Rest ist möglicherweise im Spamfilter hängen geblieben.

Google mag das aber nicht mehr. Und so bekam ich heute eine Mail, die ich hier auszugsweise wiedergebe:

Hiermit möchten wir uns an Sie als Webmaster von

(verlinkte Adresse)

mit folgender Bitte wenden:
Wir lesen sehr gerne Ihre Beiträge und kommentieren diese auch mit Freude. Jedoch möchten wir auf die Links in den Kommentaren zu unserer Website verzichten, darum bitten wir Sie den unten genannten Link zu entfernen. Den Content können Sie ganz nach Ihrer Vorstellung belassen oder auch löschen. Wir freuen uns aber natürlich, wenn Sie den Content trotzdem belassen, damit wir einen Mehrwert zu ihren Beiträgen bieten können.

Mit anderen Worten: Die Verantwortlichen haben irgendwo gelesen, dass der „Backlinkspam” von Google nicht mehr so toll gefunden wird, und würden ihn gern nachträglich entfernen, um ihre Weste reinzuwaschen.

Da helfe ich doch gern:

Hallo,

> Wir lesen sehr gerne Ihre Beiträge und kommentieren diese auch mit Freude.

Das haben Sie genau einmal getan.

> Jedoch möchten wir auf die Links in den Kommentaren zu unserer Website
> verzichten, darum bitten wir Sie den unten genannten Link zu entfernen.

Ich fürchte, diesem Wunsch werde ich nicht ohne Weiteres nachkommen.

Ich habe sehr wohl gelesen, dass Sie momentan recht viele „Webmaster” anschreiben, weil Sie fürchten, dass Sie in Google schlechter gestellt werden. Das heißt, Sie haben über einen langen Zeitraum Ihre Website aggressiv per Kommentarspam beworben (und damit fremde Webauftritte, auch den meinen, als Litfaßsäule verwendet) und nun ein Problem damit, dass Ihr Spam auch als Spam bewertet wird? Das ist unfreiwillig komisch.

Ich mache Ihnen ein Angebot: Gegen eine Zahlung von 20 Euro (Paypal bevorzugt) entferne ich jeden Link auf Ihre Website. Ansonsten bleiben Sie drin.

Ich bin ja nicht so.

MontagsmusikPersönliches
The Rolling Stones – Gimme Shelter

Schräges KäuzchenEs ist Montag. Ich weiß auch nicht, wie wir das immer machen.

Draußen ziehen Wolken vorbei und verdecken Erkenntnisse und Himmelskörper. Die OECD fand jetzt heraus, dass Leute mit weniger Geld weniger kaufen können. Mitmensch Durchschnittsbürger sitzt auf seinen Milliarden und dreht sich noch mal rum, weil Aufstehen sich ja dann doch nicht lohnt; der nächste Krieg kommt bestimmt. Außen so kaputt wie man’s innen eben schon aufgegeben hat.

Wenn der eigentliche Krieg doch sowieso der Krieg gegen sich selbst ist, der Kampf gegen die Bequemlichkeit und um sich und das, was man sich wünscht. Schutz und Zuflucht nur im Schreiben, draußen sind Menschen, und das an einem Montag. Ihr macht es einem schwer. Kryptik ist für Narren, auf die Zwölf versteht jeder. Es schlägt Dreizehn (bzw. halb neun).

The Rolling Stones – Gimme Shelter – the best version ever.

War, children, it’s just a shot away.

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkrams
Twitter macht dicht.

Twitter hat wieder etwas geändert und die deutsche Internetgemeinde ist dermaßen empört, dass sie heute von 10 bis 12 Uhr einen geplanten Twitterstreik abhielt, der wie gewohnt folgenlos verhallte. Klar, so’n Sitzstreik ist bei einer Fabrik wahrscheinlich effizienter als bei einem Mikroblog.

Worum geht es? Nun, Twitter zeigt künftig auch möglicherweise interessante Tweets von Leuten an, denen man nicht folgt. Bislang kommen ja bereits Leute, die zum Beispiel die offizielle Twitter-app unter Android nutzen (dazu später mehr), in den Genuss von Werbeeinblendungen von Firmen, denen man ebenfalls nicht folgt.

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