Die Wirbelsäule fegen – warum?

Eine dieser Sprachwirrnisse, die mich immer wieder zu amüsieren vermögen, ist die konsequente Gleichsetzung von jmdm. etw. zukehren, -wenden mit jmdm. etw. kehren. Wenn ich, zum Beispiel, den Nachbarn den Gehweg kehre, dann meist, weil es geschneit hat. Manchmal kehre ich auch Dinge unter den Teppich oder schlicht um. Wonach mir allerdings auch noch nicht der Sinn stand, ist es, mit einem Kehrgerät anderen natürlichen oder juristischen Personen den Körper reinigend zu traktieren; um so erstaunlicher erscheint dies angesichts des Umstandes, dass es zu den normalen Tätigkeit mancher Menschen zu gehören scheint, anderen Menschen den Rücken zu kehren.

Das kann unmöglich auf Dauer gut für den Rücken sein; aber es schafft zusätzliche Arbeitsplätze im Bereich des Kehrwesens und andererseits, gleichsam als Ausgleich, des Kraftsports:

Der Bundesgerichtshof stärkt Anlegern den Rücken: (…).

Ha ha. Na ja.


“Ha ha” mit einem “uff” ist zudem dies:
Da bringt also ein Vater seine Tochter um, weil sie es wagt, mit einem Jugendlichen anzubandeln, was, versteht sich, eine furchtbare Tragödie ist; so weit, so wunderlich. Das Schlusswort des Vaters während der Gerichtsverhandlung hat mich allerdings noch mehr überrascht:

In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte: “Ich habe sie getötet, um sie zu schützen.” Er habe Angst gehabt, dass Büsra entführt werden oder ihr sonst etwas zustoßen könne.

Klar, der Bengel hat vermutlich weniger Interesse an ihr, wenn sie tot ist. Sie sollte froh sein, dass man sich so um sie sorgt!


Sonderlich intelligent wirken auch die Versuche von Drehbuchschreibern, aus nichtigem Anlass moderne Technik in ihre Handlung einzuweben, nicht immer; so wurde bspw. gestern auf RTL eine Folge der Serie Law & Order ausgestrahlt, in der unter anderem ein Blogger gespielt wurde, der eine Liste aller Kommentatoren mit ihrer jeweiligen, aufgemerkt, Loginadresse führt.

Nicht online: Mit einem Stift. In einem Buch.
So richtig analog.

Nur so als klischeehafte Frage: Wie hoch wären meine Chancen, wenn ich vermutete, der Drehbuchschreiber ist ein Konservativer über 40 Jahren, richtig zu liegen?

(Heute in’ner Uni übrigens per Zufall bemerkt: Wer wegen der Entwicklung künstlicher Intelligenz bereits jetzt Angst um seine Zukunft hat, möge sich einmal mit Cpt. Kirk unterhalten. Tipp für Gourmets: Mit Ton ist es noch eindrucksvoller.)

Sonnen, hohe Ströme…

High vibration, go on to the sun
Oh, let my heart dreaming
Past a mortal as me, where can I be?

Wish the sun to stand still
Reaching out to touch our own being
Past a mortal as we, here we can be

– Yes: Awaken

Pong!

Da es, immerhin seit mindestens Juli 2009 bekannt, noch immer in mancherlei Neuigkeitenrubrik Erwähnung findet, ist es noch nicht zu spät, wenn ich mich nun erdreiste, selbst auch mein pikantes Gewürz einzubringen.

Die Meldung ist geradezu spektakulär: Die Universal Studios haben die Rechte an Asteroids zwecks Verfilmung erworben. Asteroids – Vertreter meiner Generation kennen das wahrscheinlich noch – war, unter Vorbehalt, der erste heimcomputertaugliche space shooter, also das ebensolche Weltraumschießspiel, der seit 1979 zahlreiche Generationen mit seinem ausgeklügelten Spielprinzip und seiner faszinierenden Grafik an den Bildschirm zu fesseln weiß:

Nach Kinoerfolgen wie Doom ist es nur logisch, dass es jetzt auch Kultspielen (wobei aber doch “Kult” die Verehrung von eingeschworenen Geheimbünden quasi bedingt und eben das Gegenteil bedeutet, aber es verkauft sich besser als “abgelutschtes Standardspiel”) filmisch an den Kragen geht, und das Drehbuch ist ja eigentlich schon fertig. (Wird es dann eigentlich auch das Spiel zum Film zum Spiel geben, ganz in alter Covermanier, und wer wird eigentlich die Asteroiden spielen?)

Auch eine Trilogie ist denkbar:

“Asteroids – der Film”, “Asteroids 2: Froggeralarm” (die Wahl eines Hauptdarstellers wird sicher ebenfalls recht interessant) und schließlich, als Krönung, der Abschluss unter der Regie von mindestens Steven Spielberg, ein Meisterwerk des Surrealismus’:

PONG: Die Asteroiden schlagen zurück!

In den Hauptrollen könnten zum Beispiel Keira Knightley, Natalie Portman und Danny DeVito brillieren, die Laufzeit wird nicht unter zwei Stunden betragen, aus dem Stoff lässt sich ‘ne Menge machen. Wird bei den Filmfestspielen ordentlich abräumen, jawollja.

Apropos “argh”: Als ich, über diesen Beitrag sinnierend, durch die Straßen der Stadt schlenderte, rannten mir zwei Bälger Jungexemplare Mensch über den Weg. Das laufende Spiel hieß offenbar Fangen, und so quäkte der Flüchtende der beiden Jungmenschen fröhlich: “Fang mich doch, du Eierloch!”. Ja, er sprach genau dies.

Die verwendete Bezeichnung für den Mitspieler ist so schön doof, dass man sie fortan als Leser dieses Textes bitte in seinen aktiven Wortschatz aufnehmen möge. Besten Dank.

(Oh, heute ist übrigens der internationale Frauentag. Endlich ist die Bude mal sauber. Gute Sache, dieser Tag. Die Restzeit bis zum Schnitzel- und Blowjob-Tag 2010 beträgt, abermals übrigens, nur noch etwas mehr als 5 Tage. Ich bitte um freundliche Beachtung.)

Einstweilige Verfügung gegen UseNeXT

Da predigt man seit Jahren, dass man als Filesharer eine recht platinfarbene Zukunft hat, jedenfalls verglichen mit denen, die ausreichend leicht zu begeistern sind, dass sie freiwillig Geld an einen Konzern zahlen, nur um sicher Schwarzkopien herunterladen zu können, und man wird trotz aller Erfolge der Industrie müde belächelt. “eMule ist eh tot”, und das schon seit mindestens zehn Jahren, versteht sich.

Zur Abwechslung geht es jetzt auch mal anderen Anbietern an den Kragen:

Der ‘GEMA’ ist den eigenen Angaben zufolge erneut ein großer Erfolg gegen die Betreiber des Dienstes UseNeXT gelungen. Die am 17. Februar dieses Jahres verhandelte einstweilige Verfügung gegen den Zugangsanbieter zum Usenet hat das Landgericht Hamburg nun erlassen.

Das Urteil des Landgerichts in Hamburg bringt eine erweiterte Haftung für Zugangsvermittler mit sich. Laut einer veröffentlichten Mitteilung der GEMA haften diese nicht nur wenn sie explizit auf illegale Nutzungsmöglichkeiten ihres Angebots hinweisen. Auch wenn der beworbene Dienst nicht ausreichend zum Schutz der Rechteinhaber modifiziert wird, ist von einer Haftung die Rede.

Ich halte üblicherweise nicht viel von den Entscheidungen des LGs Hamburg, das bisweilen aufgrund fragwürdiger Entscheidungen Aufmerksamkeit von eher modernen Medien erlangt, aber diesmal, ausnahmsweise, darf es sich beglückwünscht fühlen.

Einem Unternehmen, das damit wirbt, dass man über es – nach Zahlung eines geringen Obulus’ – nahezu unbegrenzten Zugriff auf nicht geringe Mengen gratis Software habe, kann man, so meine ich, durchaus Vorsatz unterstellen. Wenn UseNeXT, dank deren/dessen Angebot das Usenet der Mehrheit der Internetnutzer wohl nur mehr als Ansammlung fragwürdiger Inhalte bekannt ist, nun gezwungen ist, Inhalte herauszufiltern, dürfte dieses Angebot deutlich an Attraktivität verlieren. (Es erscheint mir angebracht, wieder einmal auf eMule hinzuweisen; jegliches Filtern von Inhalten wäre dank dezentralen Aufbaus wirkungslos.)

Tatsächlich ähnelt das Vorgehen von Unternehmen, die den Austausch von Geld gegen Schwarzkopien fördern, weit eher der traditionellen Hehlerei als P2P-Filesharing, das ja lediglich dem unentgeltlichen Datenaustausch dient. Ich hoffe, das Beispiel des LGs Hamburg macht Schule, und die Interessensvertreter kümmern sich nunmehr verstärkt um die kommerziellen Anbieter. Filesharing ist kein Verbrechen.

“UseNeXT? Ist eh tot.”

Heilige Stoppschilder

Ich würde mich an dieser Stelle gern über die katholische Kirche lustig machen, aber das könnte teuer werden. Ihre Vertreter sind nämlich zwar nicht bereit, aufzuhören, sich an Knaben zu vergehen, aber sie haben was dagegen, dass man darüber berichtet:

Gestern machte die Süddeutsche Zeitung bekannt, wie ein katholischer Würdenträger aus dem Bistum Regensburg Hinweise auf Kindsmissbrauch mit Abmahnungen erstickte. Der Fall eines Marburger Bloggers deutet darauf hin, dass dies kein Einzelfall gewesen sein könnte.

Ich bin bekanntlich ein eher friedliebender Mensch, dem es grundsätzlich erst einmal missfällt, mit martialischen Phrasen seine Abneigung kundzutun, aber in diesem Fall geht mir (Peter möge mir verzeihen, dass ich diese Formulierung adaptiere) das Messer in der Tasche auf. Könnte bitte endlich jemand mit ausreichend Einfluss anregen, diesem Verein von potenziell gefährlichen, rückständigen Spinnern den Status als “Religion” abzuerkennen?

Mir graust es selbst vor Scientology weniger, die sind wenigstens einigermaßen harmlos.


Apropos grausig: Nachdem das diesjährige “Echo”-Schaulaufen einigermaßen unspannend vorüberging, steht nun, wie meine Schwester vor einigen Stunden in Erinnerung rief, die “Oscar”-Verleihung ins Haus; soll heißen: Die internationale Geldelite lässt sich fotografieren und für die Arbeit Dritter rühmen, es werden inhaltsleere Reden gehalten, anstelle derer auch ein schlichtes Fressehalten keinesfalls weniger Mehrwert einbrächte, und die Fachpresse wird am nächsten Tag, noch ganz aus dem Häuschen, darüber berichten, wie furchtbar bzw. prima eine Person, über die es ansonsten offenbar also wenig zu schreiben gäbe, wieder gekleidet war. Die Gewinner – meist die mit dem geringsten kulturellen Beitrag – werden ihr schiefes, künstliches Lächeln und ihre schiefen, künstlichen Gliedmaßen bis dahin in zahlreiche Kameras halten, und Zehntausende werden vor dem Fernseher sitzen und staunen, und es würde ihnen nicht einmal auffallen, wenn man stattdessen heimlich die Ausstrahlung von 2009, 2008 oder noch früheren Jahren vorspielte, was ja, eigentlich, auch ein gelungener Scherz wäre.

(Pro Sieben ist auch so ein Sender, den man an manchen Tagen besser meiden sollte.)

Ein Beitrag über Beiträge (apropos Webzweinull)

(Weil es eben den Menschen nicht um das Was, sondern um das Wie geht und man als Schreiberling so eigentlich schreiben kann, was man will; und weil es eben nicht wichtig ist, ob man öffentlich sein Herz ausschüttet oder auskippt oder einfach nur irgendwelche Belanglosigkeiten niederschreibt, sondern wie man es verkauft. Leidlich amüsant darf’s sein, muss aber nicht. Die Zeit der Twitterwalls und sonstiger Schnellbeschallung, schnell statt gedankenvoll, Sterne statt Lesezeichen, 140 Zeichen statt 140 Sätzen. Zusammenfassung gern, mehr als einen Absatz lesen wir dann später, Zeit ist kein Geld mehr, aber lieber zehn Tweets als einen klugen Gedanken zitieren, ach, faven. Früher war mehr Herzblut. Banalitäten zu Popkultur erklären und dabei vergessen, die Popkultur näher zu definieren, oder es einfach nur so unterlassen. Gerühmt wird Prägnantes, ignoriert solches, das nicht in seiner Überschrift schon seine Brillianz verrät. Lesen ist was für alte Säcke, ’s Leben wird nicht länger. Ach. Vielleicht sollte ich stattdessen mehr twittern.)

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Da hilft nur noch mehr Hubschraubereinsatz!

Apropos “Blinde sprechen über Farben”:

In genau einer Woche jährt sich der bislang letzte Amoklauf in Winnenden. Da liegt doch nur wenig näher, als dass mal wieder ein Konservativer sein Gesicht in der Presse sehen will und ein wenig über “Killerspiele” referiert:

“Killerspiele halte ich für abartig und gefährlich. Da sollten wir mit einem Verbot ernst machen.”

Ich halte die CDU für abartig und gefährlich, aber ein Verbot würde ihre verquere Denkweise nicht aus den Köpfen vertreiben, also wäre es zwecklos, ein solches zu fordern; zumal sie oft geradezu progressive Ideen hat, ohne die unser Land längst vor die Hunde gegangen wäre (und so):

Das Gesetz sei unter dem Eindruck der Ereignisse von Winnenden und Wendlingen nochmals verschärft worden. “Ich meine, wir sollten jetzt erst einmal schauen, wie sich das im Juli 2009 verschärfte Waffenrecht auswirkt”, sagte der Minister.

Und bis es so weit ist, bis man es also geschaut hat, soll es erst einmal den wirklichen Gefahren an den Kragen gehen. Nicht nämlich sei die Verfügbarkeit von Waffen von Bedeutung, sondern es seien die Computerspiele, die Menschen andere Menschen töten lassen. Ein Waffenverbot hätte auch keinerlei Sinn, denn:

“Natürlich ist die Verfügbarkeit von Waffen ein Risikofaktor auch für Amoktaten. Aber man muss auch sehen, dass es in keinem Bereich hundertprozentige Sicherheit und hundertprozentigen Schutz gibt. (…)”

Wäre der Besitz von Schusswaffen strafbar, würden all die Killerspieler eben mit irgendetwas anderem Amok laufen, das sagt ja das Wort “Killerspieler” schon; es heißt ja aus einem ähnlichen Grund auch nicht “Killerwaffen”, da besteht doch offensichtlich ein Zusammenhang. Außerdem läuft nicht jeder Amok, der eine Waffe hat, also hat das damit gar nichts zu tun; während jeder, der am Computer der Ballistik frönt, bereits einer Tötungsabsicht nachgeht, und sei’s nur Schach, jawollja.

“Waffen bringen niemanden um – aber ich.”
- UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung

Da hilft nur noch Hubschraubereinsatz!

Nun, da dank der Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung bald wieder nahezu anarchistische Zustände wie vor ihrer Inkrafttretung 2008 (das war ja eine geradezu fürchterliche Zeit damals!) herrschen, wird auch die Anzahl der virtuellen Delikte geradezu explodieren!

Folgerichtig fordert die deutsche Polizeigewerkschaft 3.000 neue “Cybercops”, was immer damit gemeint sein mag, um “rechtsfreie Räume” im Internet einzudämmen; wo doch dieses Ind… Inta… Internet selbst schon ein rechtsfreier Raum ohne Gesetze ist, das kann so nicht bleiben! Wo bleibt eigentlich die Sendezeitregelung für’s Internet?

Das Justizministerium müsse nun schnell ein Gesetz auf den Weg bringen, “das uns als Kriminalisten wieder handlungsfähig macht”.

Wenn Internetdienstleister nicht mehr verpflichtet sind, Daten länger als nur wenige Monate zu speichern, müssen Kriminalisten ja womöglich umgehend auf Verdachtsmomente reagieren. Wie stellen die Leute sich das nur vor?

Das muss eine Verschwörung sein. Wer profitiert denn von dem Ende der Datenspeicherung?
Allein die islamische Raubkopier- und Kinderschändermafia!

Wo ist nur das Militär, wenn man es mal wirklich braucht?

Auch Ihnen einen puten Tag.

Ach, in diesem Jahr ist ja schon wieder so eine komische Fußballweltmeisterschaft geplant, diesmal erfreulicherweise auf einem anderen Kontinent. Die Chance, hierzulande weitgehend von grölenden Idioten mit gestreiften und unsicht-, dafür aber riechbaren Fahnen verschont zu werden, bevor die deutsche Nationalmannschaft* verdient aus dem Spiel fliegt bzw. dann doch eher stolpert, ist dennoch leider einigermaßen gering, und so sollte der zynismusbegeisterte Mensch schon jetzt mögliche Bewältigungsarten in Erwägung ziehen.

Eine künstlerisch wertvolle solche, die obendrein auch unalkoholisiert einen positiven Unterhaltungswert zu bieten vermag, ist diese hier:

Hihi.

(* – Memo an mich selbst: Beizeiten herausfinden, wie eigentlich die weibliche Fußballstaatself von den Sexistinnen bezeichnet wird.)


Die Hölle verliert ihren Sinn,
denn wir kommen alle hin,
und jeder Krieg ist Mord;
“Liebe” ist nur ein Wort.

Dies interpretierte die Rockgruppe Drosselbart 1970 auf ihrem ansonsten eigentlich viel zu sakral betexteten un- bzw. selbstbetitelten Album.

Ich sach’s mal so: Jo, passt.


Hübsch auch: “Puten Tag!” wünscht die Aufschrift eines Geflügelverkäuferstandes auf dem Wochenmarkt.
Danke, lieber Geflügelverkäuferstand!

Impfkreuzung. (Es erwachte die Menschlichkeit.)

Nicht ohne Belustigung wurde ich heute, in allzu gewöhnliche Gedanken versunken, mittels krähender Konversation auf die Gegenwart deutlich jüngerer Zeitgenossen aufmerksam gemacht, die in dem von mir benutzten Verkehrsmittel herumtollten. (Machen die das eigentlich mit Absicht?) Das Sodbrennen, das sich prompt einstellte, hinderte mich nicht daran, dem Spiel aufmerksam zu folgen.

Wie es hieß, brachte ich nicht in Erfahrung, aber der Zweck des Spieles schien es zu sein, dass durch Akklamation zunächst ein Mitspieler ausgewählt wurde, der dran war. Dessen Aufgabe war es anschließend, dieses Dransein durch Berühren eines Mitspielers und erstaunlich indezente Erwähnung des Wortes “Schweinegrippe” einem jeweils anderen Mitspieler aufzutragen, dem dann seinerseits die gleiche Aufgabe zuteil wurde.

Die Schwierigkeit dieses bis hierhin recht simpel erscheinenden Spiels war es, dass lediglich nicht geimpfte Spieler dran sein konnten. Geimpft war ein Spieler, wenn er beliebige Gliedmaßen kreuzte, was er anscheinend jederzeit nach Gutdünken tun und unterlassen konnte; folgerichtig krähte mir ein Zweieinhalbkäsehoch nach beinaher Dranwerdung “Ich bin geimpft, ich hab die Beine über Kreuuuuz!” fast ins Ohr. Hat sich eigentlich schon einmal ein Mediziner mit dieser alternativen Heiltheorie befasst?

In meiner Kindheit, so entsann ich mich, gab es dieses Spiel auch bereits, damals wurde noch möglichst infantil “Pest!” statt “Schweinegrippe!” gebrüllt; was einerseits mein Alter unschön betont, sich andererseits aber auch weit besser brüllen ließ. Es erfüllte mich jedenfalls mit Freude, dass in dieser Gesellschaft, in der ich jede Hoffnung auf eine noch nicht vollends dem Medienkonsum zum Opfer gefallene Jugend längst verloren glaubte, immer noch Platz für simple Unterhaltung dieser Art bleibt. Ist, immerhin, besser als Fernsehen.

Das zweite positive Erlebnis des heutigen Tages (was ist bloß los?) folgte im Supermarkt. Die Warentrennhölzer aus Plastik oder anderem Kunststoff (quasi Warentrennplastiken oder andere Warentrennkunststoffe), die in ihrem Originalzustand den “nächsten Kunden” anzukündigen, waren dergestalt modifiziert worden, dass sie nunmehr den “nächsten Kurden” zur Ablage der zu erwerbenden Waren aufforderten, womöglich von einem der zahlreichen Angehörigen jenes Volks, die, von der Berufsschule kommend, die auch ich zwei Jahre lang besuchte (allein das Wort schon!), bisweilen gemeinsam in diesem Supermarkt anzutreffen sind.

In der erwähnten Berufsschule wurde während meiner Zeit dort auch erläutert, dass es selbst im Falle eines plötzlich nahenden Ablebens keinesfalls genügt, “Tach, krank, tschüss!” in den Hörer zu röcheln, um einen Fehltag genehmigen zu lassen; und ähnliches scheint auch die Kassiererin gelehrt worden zu sein, denn statt der leider dieser Tage durchaus üblichen gelangweilten Preisnennung folgte auf das vollendete Einlesen der Preisauszeichnungen ein Singsang, der außer der Gesamtsumme auch gute Wünsche für den restlichen Tag beinhaltete, obendrein vorgetragen mit freundlicher Miene.

Mit dem Schnee, so scheint es, schmilzt auch die menschliche Kälte. Der Frühling naht meist sonderbar.

Zurück in der Stadt

Den Semesterbeginn erkannte ich daran, dass ich pünktlich nach etwa drei Stunden Ruhe erwachte und partout keinen Schlaf mehr fand. Nach mehreren Monaten zurück in der Stadt nahm ich dann wahr, dass sich fast alles verändert hatte.

Die Straßenlaternen am Omnibussammelplatz tauchten das Gebiet in ein dunkles Orange. Wenige Straßen weiter hatte die Bahn AG elektronische Hinweistafeln anbringen lassen, die bereits auf einen ausfallenden Zug hinwiesen; wohl nicht zufällig stauten sich noch zur Mittagsstunde die Automobile auf den engen Straßen der Kleinstadt.

Während die Lampen abends glommen und als eins der wenigen Relikte des Vorjahrs die Jugendlichen mit- wie auch gegeneinander rebellierten, warf ich, angeregt von einem, einen Blick auf den klaren Sternenhimmel. Erinnerungen an schöne Zeiten durchströmten mein Innerstes. Hätte eine Gruppe von Geigern gespielt, ich hätte es vermutlich genossen.

Ab morgen nehme ich wieder eine Kamera mit. Versprochen.
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Piratinnen: Klarmachen zum WAS?

Und als ich gerade über Genderei schrieb, stieß ich auf die neueste Verrücktheit der Sexistinnen:

Die “Piratinnen” – das Wort kommt mir bekannt vor – sollen eine Anlaufstelle für jene weiblichen Mitglieder der Piratenpartei bieten, die Angst davor haben, sich im Kreise der vorurteilsfreien, nicht vom Genderwahn befallenen Piraten zu Frauenthemen zu äußern. All dies soll auf einer unabhängigen Mailingliste diskutiert werden, um sicherzugehen, dass sich keine Männer einmischen, was offenbar immens wichtig ist:

Die Piraten sind kein frauenfeindlicher Haufen junger Männer, wie sie in dem Medien häufig dargestellt werden. Emanzipation ist nicht eines unserer Kernthemen.

Die Piraten sind ein datenschutzfreundlicher Haufen von Menschen jedwelchen Geschlechts und Alters, wie sie in den Medien häufig dargestellt werden, und eine ihrer zentralen Forderungen ist konsequente Transparenz. Und gerade deshalb ist eine offene Kommunikation unabdinglich:

Wir erwarten nicht von den Männern, dass sie hellsehen können und erraten, was wir uns wünschen und wie wir uns fühlen. Gerade deshalb und für ein produktives Miteinander ist es notwendig, eine offene Kommunikation zu ermöglichen und unangenehme Verhaltensweisen aufzuzeigen und zu spiegeln.

Unangenehme Verhaltensweisen also, womöglich frauenfeindlicher Natur, sollen diskutiert werden. Und eine offene Kommunikation über unangenehme Verhaltensweisen äußert sich wie?

Die Mailingliste steht daher absichtlich nur Frauen zur Verfügung, lädt aber explizit auch die Frauen ein, die nicht Parteimitglied sind und es eventuell werden wollen oder nur aufgrund der Position der Partei zur Genderfrage bisher nicht geworden sind.

Frauen, die aufgrund der Ablehnung des Genderismus’ noch kein Mitglied der Piratenpartei geworden sind, sind nun herzlich eingeladen, dies zu ändern, was der Slogan “Klarmachen zum Gendern”, also zum bewussten Erzeugen von Unterschieden in der Behandlung von Männern und Frauen, bereits unmissverständlich zu verstehen gibt. Es ist ja auch wahrlich ein für Feministinnen undenkbarer Zustand, dass es eine Interessensgemeinschaft gibt, die sich strikt weigert, von “Bürgerinnen und Bürgern” zu sprechen (merke: Der Frau gebührt die Erstnennung!).

Es scheint dieser Tage en vogue zu sein, die Grenzen der Bundessatzung nach eigenem Gutdünken zu erweitern. Ich bin recht zuversichtlich, dass ein Großteil der Piraten gleichwelchen Geschlechts diesen sexistischen Unfug ablehnen wird. Bis jetzt sieht es gut aus.

Morphine, Frau Käßmann und der Genderismus

Bei Durchsicht meiner Musiksammlung fiel mir auf, dass ich hier noch gar nichts über die offenbar weithin unbekannte Musikgruppe Morphine geschrieben habe. Das hole ich doch prompt nach:

Morphine war eine recht possierliche Band aus den USA, die bis zum Tod ihres Sängers Mark Sandman im Jahr 1999 ihren ganz eigenen “Low rock”, der Elemente aus Blues, Jazz und Rock verbindet, praktizierte. Obgleich es nie zu weltweitem Ruhm kam und auch das Video zu “Early to Bed” bei den Grammy Awards gegen Janet Jackson verlor, so reichte es doch zu weitgehend positiven Kritiken in Fachmagazinen wie dem Rolling Stone.

Die spärliche Instrumentierung – Gitarren ertönen nur selten, stattdessen sind vor allem Saxophone zu hören – erzielt bisweilen eine hypnotische, meist aber mindestens beruhigende Wirkung. Als weiteren Beleg verweise ich auf das von mir bislang präferierte Lied “French Fries With Pepper“, wie “Early to Bed” auf dem 1997 erschienenen Album “Like Swimming” zu finden.

Musik für einen Abend nach einem langen, harten Tag.


Dass sich übrigens “alle” darüber aufregen, dass Frau Käßmann sich einen kleinen Fauxpas erlaubt hat, begründet Bärbel Wartenberg-Potter mit dem Sexismus, der in Kirche und Gesellschaft noch immer vorherrsche; Günther Beckstein behauptet gar, Trunkenheit am Steuer wäre ihr längst verziehen worden, wäre sie ein Mann. (Sollte jemals jemand dem gemeinhin eher unbeliebten, aber nicht unbedingt weiblichen Jörg Haider, der bekanntlich ebenfalls betrunken am Steuer saß, seine Tat verzeihen und nicht noch nach Jahren “selbst schuld!” skandieren, bin ich gern bereit, über diese These nochmals nachzudenken.)

Was all diese Befragten nicht zu beantworten vermögen, ist indes, wer denn etwas zu verzeihen hätte. Die EKD, die geschlossen hinter Frau Käßmann stand, bis sie in freier Entscheidung ihren Rücktritt einreichte? Die Medien gar, die, ständig und überall Sexismus witternd, lieber Dialoge mit Dritten führten, die dann erklärten, wieso sie hinter Frau Käßmann stehen?

Es sagt mehr über diese Dritten als über Margot Käßmann aus, wenn sie versuchen, deren Fall als direkte Folge eines gesellschaftlichen Genderismus’ zu deuten. In bester Alice-Schwarzer-Tradition fabulieren sie über allgegenwärtigen Sexismus, ohne Belege zu nennen; Alice Schwarzer selbst hätte es auch lieber gesehen, wäre der Rücktritt nicht erfolgt, denn unabhängig von ihren Moralvorstellungen und ihrem Amt war Frau Käßmann eben primär eine Frau und somit nur Opfer der Scheinheiligkeit ihrer Kollegen, die ja überhaupt als Männer allesamt viel furchtbarer und per se verachtenswert seien, siehe die jüngsten Missbrauchsfälle seitens der Jesuiten. (Kein Scherz, die Frau reimt sich tatsächlich solche Vergleiche zusammen.)

Und so interessiert sich der Journalismus im Allgemeinen auch und vor allem für das Geschlecht und nicht für die Geisteshaltung des nächsten EKD-Ratsvorsitzenden. Die Frage, wer denn nun eigentlich die zahlreichen Personen seien, die Frau Käßmann allein deshalb loswerden wollten, weil sie eine Frau ist, bleibt unbeantwortet.

Schade.

Aufrechte Demokraten

Aus “Dresden nazifrei!” hat man, wie es scheint, nichts gelernt, und so probte man heute in Augsburg den Aufmarsch Aufstand:

Wir nutzen diesen Erfolg in Dresden zur Motivation auch in weiteren Städten in Deutschland, wie Augsburg, Düsseldorf und Gelsenkirchen, mutig den selbsterklärten Feinden der Demokratie entgegenzutreten und diesen Aufmarsch nicht einfach an uns vorbeigehen zu lassen.

Die selbsterklärten Feinde der Demokratie, deren Recht auf Demonstration von einem demokratischen Verwaltungsgericht bestätigt wurde, kann man als wahrer Demokrat wahrlich nicht gewähren lassen. Wo kämen wir denn da auch hin, wenn jede politische Richtung das Recht hätte, Gebrauch von ihrem Demonstrationsrecht zu machen? Immerhin rief man nicht zur Gewalt auf:

Friedlicher Protest in all seinen Formen ist erwünscht.

Hauptsache, irgendwie dazwischenfunken – das dient erwiesenermaßen der Deeskalation und hat ja auch in Dresden so prima funktioniert; sehr richtig und mit vermutlich unbeabsichtigter Ironie frug das Piratenweib: “Erst Dresden, dann Augsburg?”.

Wer ein wahrer Demokrat ist, der kann das nicht durchgehen lassen, und schon gar nicht, wenn man Pirat ist zu sein glaubt und das mit dem Links und dem Rechts noch nicht so ganz verstanden hat.

Ich distanziere mich als Pirat sowie persönlich ausdrücklich von diesen antidemokratischen “Demonstranten” und gebe, Naivling, der ich bin, die Hoffnung nicht auf, dass sie irgendwann einsehen, dass die Piratenpartei die falsche Partei für sie ist.

Wir haben wahrlich andere Sorgen als diesen Links-Rechts-Unsinn. Die Piratenpartei steht für Bürgerrechte, Transparenz und Datenschutz. Sie ist keine zweite Antifa und soll es auch nie werden; denn dann wäre sie wahrlich überflüssig.

Übermenschliche Roboter (inkl. Kurzmedienkritik)

Roboter müssen weicher und flexibler werden, um auch Stürze zu überstehen; um eben noch zuverlässiger menschliche Arbeitskräfte ersetzen zu können, wobei der Aspekt, dem Menschen noch ähnlicher zu werden, gar nicht mal der entscheidende ist.

“Geschmeidige Roboter” ist eine durchaus amüsante Vorstellung. Ich frage mich, wann die ersten Kuschelroboter in den Spielwarenhandel kommen; und ob Menschen bis dahin überhaupt noch einen praktischen Zweck erfüllen.


Schon wieder eine schreckliche Tragödie vermeldet SPIEGEL Online: Ein Familienvater habe seine Familie ausgelöscht. “Alles deutet auf eine schreckliche Familientragödie hin”, sagte ein Polizeisprecher, was jeden Leser überraschen dürfte. Und als wäre das noch nicht genug:

“Es ist eine doppelte Tragödie”, sagte Polizeisprecher Norbert Schätzle.

Ach, es ist furchtbar.


Eher für meine schweizaversiven Leser interessant könnte die Meldung sein, dass der libysche Kindskopf al-Gaddafi die Schweiz gern zerschlagen würde:

Im Juli 2009 hatte der libysche Staatschef beim G-8-Gipfel gesagt, die Schweiz müsse “zerschlagen und auf ihre Nachbarländer aufgeteilt werden”. Sein Sohn Hannibal legte der britischen “Sunday Times” zufolge nach: “Wenn ich eine Atombombe hätte, würde ich die Schweiz von der Landkarte fegen.”

Die Forderung nach Sanktionen gleichwelcher Art für gleichwelches Vergehen der Schweiz hat dieser Tage großen Rückhalt im Volk. Vielleicht sollte sich Libyen stattdessen mit der Anreicherung von Uran beschäftigen, dann gäbe es wenigstens mal wieder jemanden, der sich darüber aufregt.

(*prust*: Eveline Widmer-Schlumpf. Hihihihi.)