In den NachrichtenPolitik
In aller Kürze: „Zum Glück wurde niemand verletzt.”

Na endlich:

Die Waffe, die mindestens fünffache Schallgeschwindigkeit – also mehr als 6000 km/h – erreichen soll, könnte Teil des „Prompt Global Strike”-Programms werden. Es soll den USA ermöglichen, jedes Ziel der Welt innerhalb einer Stunde zu treffen.

Natürlich nur zur Verteidigung, versteht sich:

Zwar können Interkontinentalraketen auch mit nicht-nuklearen Sprengköpfen bestückt werden, doch eine solche Nutzung hat die US-Regierung verworfen – aus Angst, dass andere Atommächte dies als nuklearen Erstschlag missverstehen könnten.

„Nein, Herr Botschafter, wir haben keinen nuklearen Erstschlag gegen Ihr Land durchgeführt, nur eine Rakete, mit der man quasi per Knopfdruck jeden Punkt auf der Erde kaputtschießen kann, draufgeschossen.” – „Oh, dann entschuldigen Sie bitte die Störung.”

Zum Glück sind die Amerikaner noch zu blöd, das Ding wenigstens zuverlässig zu bauen, so dass die Hoffnung besteht, dass es beim Einsatz den Amerikanern auf den Kopf statt in ein fremdes Land fällt:

Der Flugkörper stürzte nur wenige Sekunden nach dem Abheben auf das Startgelände. (…) Man habe die Mission abgebrochen, um die öffentliche Sicherheit nicht zu gefährden.

Am Ende wird mit so einem militärischen Gerät noch jemand verletzt. Das wollen wir ja nicht. :ja:

Ich beginne mich mit unseren amerikanischen Freunden ein wenig unwohl zu fühlen. Geht euch das auch so?

Montagsmusik
DIIV – Druun/Past Lives

Der erste Montag nach dem Sommer. Selbst die Käuzchen bleiben daheim.

Trost spendende Gitarren direkt voraus. Es ist ja nicht alles schlecht im Internet.

DIIV – Druun/Past Lives (Live on KEXP)

Guten Morgen!

Netzfundstücke
Toll: Endlich unter Wasser telefonieren!

Der unglaublich beknackte Eiseimer-Wettbewerb, an dem momentan allerlei Vollidioten teilnehmen, ist sicher nicht an euch vorübergegangen. Dass es dabei gar nicht darum geht, sich vor möglichst vielen Leuten möglichst auffällig zum Affen zu machen, wird gern übersehen.

Dass viele Teilnehmer gern vergessen, dass es eigentlich darum geht, Spenden zu sammeln, macht ein Neuzugang deutlich:

Samsung Galaxy S5 ALS Ice Bucket Challenge

Ich weiß nicht, wie viel das Samsung Galaxy S5 gespendet hat oder noch spenden wird, aber viel wird es wohl nicht sein. Aber ja-ha, wir haben es verstanden, Samsung: Das Smartphone ist also wasserdicht und die Konkurrenz nicht. Das ist sicher sehr praktisch, wenn man mal unter der Dusche seine Klöten in der Frontkamera angucken will.

So gut scheint dem Smartphone das Eiswasser aber nicht zu bekommen: Kaum wurde es vergossen, springt die Uhrzeitanzeige oben rechts von 14:16 auf 14:50 Uhr – und allerlei Akkuladung geht auch verloren. Da solltet ihr dringend nachbessern!

Bitte, gern. :irre:

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Nackedeieiei!

Benjamin Schulz von SPIEGEL ONLINE, dessen Kürzel unter diesem Artikel steht, ist offensichtlich einer von der konservativeren Sorte:

Nackedei-Show (…) Nackige (…) Hinterteile (…) Nackedeis

Kicher, hihi. Mutti, die haben nix an! Dabei geht es um ein ernstes Thema:

Auf VH1 lief in den USA die Show „Dating Naked”. (…) Klägerin Jessie Nizewitz bemängelt, dass sie in der Show nackt zu sehen gewesen sei.

Ja, ihr habt das richtig verstanden: Eine US-Amerikanerin nimmt an einer Sendung teil, die ungefähr „nacktes Rendezvous” heißt und in der es darum geht, dass sich nackte Menschen zu Paaren zusammenfinden, und verklagt anschließend diverse Menschen, weil sie darin nackt zu sehen war. Ach, Verzeihung: Nackig. Hihihi.

Ihr sei aber auch grobes Unrecht widerfahren, teilte sie mit:

Nizewitz behauptet, in einer Szene des Trailers sei die Verpixelung vergessen worden. (…) Nun sei sie zum Gespött auf Twitter geworden, klagt die 28-Jährige. Ihre Großmutter rede nicht mehr mit ihr. (…) Zudem hätten die Bilder eine beginnende Romanze torpediert. „Er hat mich nach der Show nie wieder angerufen. Ich hatte auf eine langfristige Beziehung gehofft.”

Wie muss man sich das mit der Großmutter vorstellen? „Kindchen, ich bin entsetzt, du hattest ja gar keine Pixel an im Fernsehen!” Und so ein Romanzenende ist natürlich besonders schmerzhaft, wobei ich mich, wäre ich Jessie Nizewitz, zunächst einmal fragen sollte, ob ich mich mit jemandem auf eine Romanze einlassen sollte, der nicht mehr mit mir redet, sobald er mich einmal nackt gesehen hat (und auch das, wie man so liest, nur von hinten).

Interessant wäre ja auch die Frage, wieso sich Frau Nizewitz in eine Nacktflirtsendung integriert, wenn sie doch offensichtlich eine nicht der Sendung zugehörige beginnende Romanze hat, die ihr nicht ganz unwichtig zu sein scheint und die sie nicht nackt sehen möchte. Von einem investigativen Journalisten, wie es Benjamin Schulz („SPIEGEL ONLINE”) wohl sein muss, ist das ja wohl zu erwarten!

Immerhin gibt er seinen Lesern einen wertvollen Tipp mit auf den Weg:

Wer meint, mit „Dating Naked” etwas verpasst zu haben, sei auf kommende Woche verwiesen. Dann startet bei RTL „Adam sucht Eva – Gestrandet im Paradies”, eine weitere Kuppelshow mit Nackedeis.

Hurra! Endlich wieder Brüste im Fernsehen! :irre:

Fotografie
Deutschland, deine Allegorien! (4)

Spätburgunder

In den NachrichtenPolitik
Vorwärtsverteidigung

Die NATO von 1990 bis 2009:

NATO-Expansion - Quelle: Internet

Angela Merkel, 18. August 2014 (laut „Braunschweiger Zeitung” von heute):

Die NATO muss sich auf die Verteidigung (gegen Russland, A.d.V.) vorbereiten, viel stärker als wir es in der Vergangenheit hatten.

Die Freiheit Deutschlands wird an der Ostfront verteidigt. Der Russe steht vor der Tür und uns im Weg. Was soll die Wirtschaft davon halten?


Apropos „gefährliche Arschlöcher”:

SPIEGEL ONLINE, 16. September 2011:

USA lieferten Zieldaten für türkische Angriffe auf Kurden

SPIEGEL ONLINE, 11. August 2014:

Die USA haben damit begonnen, die kurdischen Kämpfer im Nordirak direkt mit Waffen und Munition auszustatten.

Wenigstens gehen dem Waffenexport auch ohne Russland nicht die Kunden aus.

Montagsmusik
Jethro Tull – The Whistler

Kann auch nichts dafür: Ein Käuzchen.Es ist Montag. Nein, schlimmer: Es ist Montagmorgen.

Nach einem Wochenende voller Freude blickt man wieder in das tiefe Loch, das sich Alltag nennt. Mürrische Menschen in den Bussen und Bahnen werden kontrastiert von übermäßig fröhlicher Jugend, die sich einander die Feier vom Freitag noch einmal erzählt. Sie waren ja alle nicht die ganze Zeit wachen Verstandes selbst dabei. Wenigstens übergibt sich keiner, das haben sie alle schon am Wochenende getan, sagen sie lachend und geraten nicht nur sprachlich ins Stolpern. Mit solchem Nachwuchs haben wir noch keinen Krieg gewonnen. Wenn das der Bundespräsident sehen müsste, wäre er erschüttert.

Andererseits: Jugend, die ständig unter Substanzeinfluss steht, macht dabei wenigstens nicht viel kaputt. Stellt euch vor, die wären stattdessen bei der Bank!

Ich meinerseits pfeif’ also drauf, zum Beispiel so:

Jethro Tull The Whistler

Guten Morgen!

KaufbefehleMusikkritik
Erst mal ‘nen Tee: Margin – Psychedelic Teatime

Margin - Psychedelic TeatimeEine angenehme musikalische Überraschung dieses Jahres ist übrigens, dass Pink Floyd, ungeachtet des Todes ihres Keyboarders Richard Wright, noch in diesem Jahr ein neues Studioalbum veröffentlichen wollen. Pink Floyd haben mit ihrem Frühwerk ja so einige Bands beeinflusst, viele Musiker, die irgendwas mit Psychedelic Rock machen, berufen sich auf die Combo.

Darunter auch Margin. Margin, ein Berliner Musikprojekt um den Multiinstrumentalisten Lutz Meinert, veröffentlichte Ende Juni 2014 sein Debütalbum „Psychedelic Teatime”, das, wie man’s im Rezensentengeschäft auszudrücken pflegt, den Geist der Pink Floyd atmet, aber eben doch mehr ist als eine bloße Kopie.

Das Album ist allerdings schon sehr klischeehaft, angefangen vom Titel und Coverbild (Tee als Symbol für Drogen hatten ja bereits Gong mit „Flying Teapot” etabliert) und längst nicht endend mit der Aufteilung. Den Anfang nämlich macht mit über dreiundzwanzig Minuten Länge das fünfteilige „A Mysterious Cup of Tea”, das mit dem Geräusch des Eingießens von Tee beginnt. Leise Klavier- und Tassenklänge gesellen sich dazu. Hätten Pink Floyd ein Konzeptalbum über’s Teetrinken gemacht, hätte es wohl ähnlich begonnen. Hier dominiert allerdings nicht die Gitarre, sondern Keyboard/Synthesizer und Schlagzeug liegen im Vordergrund. Gesang folgt im zweiten Teil, und natürlich geht es um Tee und um Pink Floyd: „A saucerful of secret sounds…”.

Überhaupt: Pink Floyd. „Psychedelic Teatime” besteht aus fünf Stücken, aber in keinem davon wird die Ähnlichkeit so deutlich. Das Überwerk „Echoes” klingt hier ebenso immer wieder an wie spätere Glanzstücke wie „High Hopes”.

Zum Schluss klappert die Teetasse noch mal, und der „Psychedelic Underground” bricht los, zunächst als „Short Trip”. Dreieinhalb Minuten lang brettert feinster Psychedelic-Lärm auf den Hörer herein, im Text geht’s um den verrückten Hutmacher (cf. „Alice im Wunderland”), der eine seltsame Tasse Tee trinkt, und damit „willkommen im psychedelischen Untergrund”. Ich werd’ das Gefühl nicht los, dass gar kein Tee gemeint ist.

„Landscapes on the Sky” ist ein nettes, aber musikalisch uninteressantes Füllsel, das instrumentale Space-/Krautrockstück „Last Exit to Pluto” mit seinem dominanten Bass indes weiß zu gefallen. Der Rezensent sitztanzt die Bassmelodie mit und ist höchst erfreut. Es gilt diese Freude in voller Länge auszukosten, denn nach viel zu kurz scheinenden zehn plus x Minuten ist sie schon wieder vorbei. Nicht jedoch das Album selbst, denn es fehlt noch „Psychedelic Underground – The Long Trip”.

Dieser wiederholt zunächst den „Short Trip”, wiederum mit einer Anspielung auf das pinkfloydsche „A Saucerful of Secrets”, wird aber noch verspielter. Zehneinhalb Minuten feinster psychedelischer Artrock. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Hörproben stellt die Website der mir bislang unbekannten Plattenfirma Madvedge bereit, eine Vinylaufnahme scheint es aber leider nicht zu geben; auch Amazon.de kennt nur die CD- und die MP3-Version. Egal, seien wir mal nicht kleinlich, den Trip ist’s wert.

Wohl bekomm’s!

Nerdkrams
systemd: Linux und die Monokultur

Nachdem OpenBSD-Entwickler bereits im August 2013 das Jahr-2038-Problem – der klassische 32-bittige UNIX-timestamp wird am 19. Januar 2038 überlaufen – gelöst haben, legt ein Jahr später auch das nicht gerade für seine Innovationskraft bekannte Linux nach, für das es dann auch irgendwann – vielleicht noch dieses Jahr – eine Lösung geben soll. Beeindruckend.

Aber um Entwicklungsgeschwindigkeit geht es im Land der Softwarefreiheit eben nicht, sondern vorrangig darum, nicht Windows zu sein. Als Linuxnutzer sei man mündig und frei, und wenn was nicht passe, könne man ja gehen.

Nun hat Linux aber einige wenige Menschen unter seinen Unterstützern, die den Fehler machen, nur das Beste für alle Linuxnutzer erreichen zu wollen. Zu diesen Menschen zählt Lennart Poettering, der maßgeblich die Entwicklung von PulseAudio – eine Sound-Middleware, die sich im Vergleich mit ALSA dadurch auszeichnet, dass sie nicht funktioniert – vorangetrieben hat und nun im Auftrag seines Arbeitgebers Red Hat eine tolle neue Idee umgesetzt hat, die ebenfalls nicht funktioniert: systemd.

‘systemd: Linux und die Monokultur’ weiterlesen »

In den NachrichtenPolitik
Bumsrebellen

Die Ärzte, 2001:

Ficken, ficken, ficken / gegen das System!
Ficken, ficken, ficken / ihr könnt nicht überle’m!

„Sozialpartei” SPD, 2014:

„Menschenunwürdige Geschäftsmodelle wie Flatrate-Sex und Gangbang-Partys werden verboten”, erklärte [Familienministerin Manuela] Schwesig.

Wer sich erwischen lässt, ist wahrscheinlich, nun, gefickt, wenn nicht gar: am Arsch.

(Abt.: Niveau für Fortgelaufene.)

In den Nachrichten
„O Captain! My Captain!”: Trauerflor auf Küchenmöbeln allerorten

Die britischen Anarchokomiker Monty Python haben Ende Juli dieses Jahres nach etwa 45 Jahren der gelegentlichen Zusammenarbeit und einem letzten großen Auftritt in London die endgültige Auflösung der Truppe bekanntgegeben. Damit endet ein Kapitel der globalen Humorgeschichte, das wohl noch so manche Generation positiv beeinflussen wird.

Viel mehr mediales Aufsehen allerdings erregte der vorgestrige Tod des Schauspielers Robbie Robin Williams, der sich, wie’s die Medien berichten, mit einem Sexspielzeug selbst erstickt hat. Seit vorgestern nun wird rege aus seinen Filmen zitiert, von „Peter Pan” über „Mrs. Doubtfire” bis hin zum unvermeidlichen „Club der toten Dichter”, der nicht nur auf Twitter die Grundlage für weltweite Trauerzeremonien bildet, die sich bis ins öffentlich-rechtliche Fernsehen ausdehnen:

Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat „Tagesthemen”-Moderatorin Caren Miosga das Lebenswerk des gestorbenen Schauspielers Robin Williams gewürdigt. Während ihrer Sendung am Dienstagabend stieg sie auf ihren Moderatorentisch und erinnerte so an den „Club der toten Dichter”, einen der bekanntesten Filme des Hollywood-Stars.

Wie’s eben auf Twitter auch üblich war und ist, den Film auf sein altbekanntes Motto „carpe diem” einzudampfen, weil 140 Zeichen einem eben die Ausdrucksmöglichkeiten beschneiden: Macht etwas aus eurem Leben! Macht etwas Ungewöhnliches! Macht genau das, was auch im Film vorkommt! Und so steigen sie auf die Tische und rezitieren aus Walt Whitmans immer gleichem Gedicht den immer gleichen Halbsatz, den auch Robin Williams (für weitaus mehr Geld) rezitiert hat: „O Captain! My Captain!”. Carpe diem, pflücke den Tag. Schließe dich an. Hebe dich nicht ab aus der Menge derer, die individuell das Gleiche tun.

Und natürlich wetteifern Deutschlands Fernsehsender darum, wer aus dem Ableben mit den meisten Robin-Williams-Filmen die höchsten Quoten ziehen kann, und ich freue mich dann doch ein bisschen darüber, dass Robin Williams hauptsächlich Schauspieler und kein Musiker war, denn dem Fernsehen entkommt unsereins viel leichter als dem Radio, aus dem nach Michael Jacksons Tod quasi Dauergekiekse erscholl.

Die Besinnung auf Horaz’ „carpe diem” ist, dies sei noch angemerkt, keinesfalls eine schlechte Idee, so lange es nicht bei bloßer Symbolik bleibt. Seid unangepasst in allem, was ihr tut. Monty Python hatten es lange vor Robin Williams erkannt:

Ihr seid alle Individuen

Aber auf die hört natürlich mal wieder niemand.


Skandalös: Frau fand Butterswastika auf ungesundem Fraß und verlor sofort den Appetit auf selbigen. Der Umkehrschluss ist wahrscheinlich nicht zulässig.

Montagsmusik
Bob Dylan – It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)

Guckt nur zufällig so: Ein Käuzchen.Wie schön! Es ist Montag! Erdoğan wird Präsident. Mit denen können sie’s ja machen.

Nein, ein Montag ist guter Tag, um beschwingt zu sein. Endlich raus aus dem Wochenende und rein in den blühenden Büroalltag!

Warum nicht mal ein wenig beschwingende Folkmusik zum Morgenkaffee?

Dylan It's Alright Ma Hard To Handle 1986

Old lady judges watch people in pairs
Limited in sex, they dare
To push fake morals, insult and stare
While money doesn’t talk, it swears
Obscenity, who really cares, propaganda, all is phony.

Guten Morgen!

In den NachrichtenPiratenpartei
Basisentscheid offline?

Beo (Symbolbild)Ach, Medien.

Vor beinahe genau vier Jahren schrieb ich:

LQFB jedenfalls ist bereits in seinem aktuellen Zustand nicht weniger als eine Reform der Demokratie.

Bei „LQFB” (Liquid Feedback) handelt es sich, kurz gesagt, um eine seit Jahren im Testbetrieb laufende Plattform, auf der Mitglieder der Piratenpartei über Anträge abstimmen können. Ursprünglich hatte sich die Piratenpartei Deutschland zum Ziel gesetzt, auf diese oder eine andere Weise mal unter dem Begriff „BEO” („Basisentscheid online”), mal unter dem Begriff „SMV” („ständige Mitgliederversammlung”) eine einfach zugängliche Alternative zu den mehrmals jährlich an mitunter nicht für jeden Teilnehmer einfach zu erreichenden Orten stattfindenden Parteitagen einrichten zu können. Netzpartei, ihr wisst schon.

Dieses Liquid Feedback hat aber im Laufe der Zeit – abgesehen von der miserablen Beteiligung, ein ständiger Internetzugang wird für eine Mitgliedschaft in der Partei auch nicht vorausgesetzt – einige erhebliche Nachteile erhalten, seien es Delegationen, also die Konzentration vieler Stimmen auf einige wenige Mitglieder, sei es die ausbleibende Bereinigung der Benutzerdatenbank bei Austritt oder ausbleibender Beitragszahlung. Gegenwärtig ist LQFB also eigentlich nicht für verbindliche Mehrheitsabstimmungen innerhalb der Partei zu gebrauchen.

Da aber die Basisdemokratie in der Piratenpartei eine wichtige Rolle spielt, hat der Bundesvorstand sich nun vorläufig auf eine andere Methode zur Umsetzung des „Basisentscheids online” geeinigt:

Es gebe keine Software, mit der eine verbindliche Mitgliederbefragung online abgewickelt werden könne. Außerdem seien solche IT-Systeme anfällig für Manipulationen. „Deswegen werden wir den ersten Basisentscheid jetzt wohl ganz konventionell, ganz herkömmlich auf Papier durchführen”, sagte [der Bundesvorsitzende Stefan] Körner.

Damit ist zwar noch kein „Basisentscheid online” umgesetzt, aber zumindest ist es so jedem stimmberechtigten Mitglied möglich, ohne kosten- und zeitintensive Anreise zu einem Parteitag über Anträge abzustimmen; zudem ist die Missbrauchsgefahr gering, denn Briefpost erreicht selten nicht erwünschte Empfänger.

Aber was gab das nicht für ein tolles Bohei! Haha, diese Piraten. Post! Offline! Igitt! – Und so ist Twitter seit Stunden voller Lästereien über dieses Vorgehen. Dabei sind sich manche der Diskutanten auch für bescheuerte Vergleiche nicht zu schade:

Mit dieser „Es muss 100% sicher sein”-Attitüde der #Piraten hätten wir weder Internet noch elektrischen Strom oder gar Katzenklos.

Von hundertprozentiger Sicherheit war nie die Rede, und auch Abstimmungen per Post – Briefwahl quasi – sind nicht vor Missbrauch geschützt, aber im Vergleich zur gegenwärtigen Alternative noch immer die bessere Wahl. Mit einem Katzenklo würde ich allerdings tatsächlich gern irgendwo beinahe sicher abstimmen können. Wo genau geht das?

Derart private Dinge wie eine Wahl nur deshalb ins Internet zu verlagern, weil’s hip ist, ist, gelinde gesagt, eine Scheißidee, so lange nicht gewährleistet werden kann, dass die genannten Probleme eines solchen Wahlsystems nicht behoben werden können. Post-privacy ist in der Politik eben nicht egal.

Macht doch auch mal ein bisschen Urlaub vom Internet!
Felix von Leitner

In den NachrichtenWirtschaft
„We are the 41 %!”

SPIEGEL ONLINE, 4. August 2014:

Die SPD und Teile der Union fordern den Abbau heimlicher Steuererhöhungen – doch Kanzlerin Merkel weist solche Pläne zurück: Die Konsolidierung des Haushaltes habe Vorrang vor der Abschaffung der kalten Progression. (…) Die kalte Progression führt dazu, dass sich Arbeitnehmer bei Lohnerhöhungen, die nur die Inflation ausgleichen, weniger leisten können als zuvor, weil sie gleichzeitig in einen höheren Steuertarif rutschen.

SPIEGEL ONLINE, 8. August 2014:

Die Große Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel ist so beliebt wie nie: 59 Prozent der Befragten im ARD-Deutschlandtrend sind mit der Regierung zufrieden.

O_o

Möglicherweise befragt man für den ARD-Deutschlandtrend ausschließlich Rentner, denen es ohnehin wurscht ist, und Vertreter des gehobenen Mittelstands, die sich mit den Sorgen der Arbeitnehmer nur im Wahljahr herumschlagen müssen, anders kann ich mir das nicht sinnvoll erklären. Die ehemalige Weltkriegs- und Arbeiterpartei SPD jedenfalls macht als Teil dieser Regierungskoalition einen eher schwächlichen Eindruck, aber das kennen wir ja bereits von ihr. Keine Sau braucht mehr die F.D.P.

Ich jedenfalls, „ARD-Deutschlandtrend”, gehöre zu den unzähligen Prozent, die kein „Befragter” sein dürfen; andererseits wäre meine Meinung zur „Arbeit” der Regierung womöglich nur wenig zitierfähig. Ich bin die 41 Prozent, und viele andere sind es auch. 41 Prozent entspreche laut SPIEGEL ONLINE ungefähr dem virtuellen Wahlergebnis der CDU/CSU laut aktueller „Sonntagsfrage” („Steh’ ich auf oder bleib’ ich im Bett?”). Bei 41 Prozent scheint es sich also um eine überwältigende Mehrheit der Bürger zu handeln.

Ich bin nicht nur „nicht zufrieden”, ich bin sogar höchst unzufrieden. Wut, Bürger. Anderswo entstehen so Revolutionen. Die SED erfuhr ihrerzeit auch eine große „Zustimmung”; die hat aber auch die Steuern nicht erhöht. Vielleicht wäre sie sonst noch an der Macht.

Und die Regierung schaut nur zu.
Die Ärzte: Regierung

In den NachrichtenPersönliches
Ein Geier weniger.

Und, ihr römisch-katholischen Knabenverführer, ihr könnt gern weiter wie die Geier um das Aas kreisen. Ich spiele nicht mehr mit euch.

Kirchenaustritt


Wem gebührt eigentlich das Urheberrecht an einem Selbstporträt eines Affen? Klar: Dem Affen.

Hoffentlich hat er einen guten Anwalt.