Spaß mit Spam
Ihre 1.250 Euro warten auf Sie

Oh, meinGeld („IhrGeld“) lässt von sich hören. Ich hatte schon befürchtet, es sei verschollen – ich habe es schon sehr vermisst.

Heute aber beglückt es mich mit diesem Lebenszeichen:

Warum anderswo schauen? 1250€ ist eine der höchsten Online Casino Anmeldepromos
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Merkwürdig, normalerweise ruft mein Geld eher „gib mich aus“ als „guck dir ma das krasse Casino an, Lan“, aber die Zeiten ändern sich.

Was genau wollte mir mein Geld eigentlich jetzt sagen? Ach, ja, dass ich bei Anmeldung eines Online Casinos (sic!) mit 97 Prozent Wahrscheinlichkeit bis zu 1.250 Euro, einzigartige Unterstützung sowie eine durchschnittliche Auszahlungsrate bekomme. Mit 100 Prozent Wahrscheinlichkeit bekomme ich sogar bis zu 250.000 Euro, immerhin liegt auch ein Betrag von 0 im Bereich „bis zu 250.000 Euro“. Aber man übt sich in Bescheidenheit, das ist sympathisch. Was mache ich aber, wenn ich gar kein Casino anmelden möchte? Wahrscheinlich gar nicht weiterlesen.

Alle anderen fragen sich vielleicht: CasinoAction, was ist das eigentlich?

CasinoAction ist das neuste prestigeträchtige europäische Online Casino welches
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Ach, dieses Casino. Und diese Gruppe. Klar, wer kennt sie nicht?!
Das ist diese hier, und das mit der Welteinheitswährung hat man verstanden; so heißt es zum Beispiel bei „Casino Action“:

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Mindesteinzahlung: $€£40

Zahlt man also erstmals 40 Dollareuropfund ein, bekommt man 40 Dollareuropfund ausgezahlt; ab dem zweiten Mal wird es einbehalten. Wer würde da nicht sofort mitmachen wollen? (Dass das mit der Mindesteinzahlung in der werbenden E-Mail nicht so recht erwähnt wurde, soll dieser Freude ja keinen Abbruch tun.)

Und Geld ist ja auch nicht alles im Leben:

Unser Ziel ist es,
Spielern die unterhaltsamste und sicherste Spielerfahrung zu ermöglichen, die
das Internet derzeit bieten kann.

“Sicherheit“ zieht immer, das hat das Auswärtige Amt auch erkannt; denn:

Bei uns können Sie sicher und geschützt um
unsere Jackpots spielen und sich rundum unterhalten lassen, ohne auch nur einen
Fuß vor die Tür setzen zu müssen.

Dafür wurde das Internet einst erdacht: Damit die Leute sich bescheißen lassen können, ohne aufstehen zu müssen. Für nur 40 Dollareuropfund.
Ein wahres Schnäppchen.

In den NachrichtenMusikkritik
AbACAB

Interessant ist übrigens auch diese Meldung:

ACAB (…) steht für „All Cops are Bastards“. Das ist mittlerweile weithin bekannt.

Und dem 36jährigen Ronny K., der am Mittwoch wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht Regensburg stand, mochte man es nicht so recht abnehmen, als er sagte: „Das sind Buchstaben aus dem deutschen Alphabet. Die können viel bedeuten.“

Die Regensburger Staatsanwaltschaft hatte dem arbeitslosen Bürokaufmann einen Strafbefehl wegen zweifacher Beleidigung zukommen lassen, weil er sich im vergangenen Jahr mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Copacabana“ am Hauptbahnhof aufgehalten hatte.

So weit, so blöde; aber, Regensburger Staatsanwaltschaft, macht doch gleich Nägel mit Köpfen. Vor 31 Jahren veröffentlichte die Musikgruppe „Genesis“, nur wenige Jahre zuvor noch eine Größe des Progressive Rocks, das wirre, unausgegorene Musikalbum „Abacab“; ja, richtig: Abacab. Nachdem bis heute niemand so recht weiß, was Stücke wie das merkwürdige (aber immer noch vergleichsweise erträgliche) „Who Dunnit?“ (verdächtiger Titel auch: „Wer war‘s?“) eigentlich bedeuten sollen, schlage ich vor, das Album sicherheitshalber beschlagnahmen zu lassen. Phil Collins nervt.

Übrigens:

Das T-Shirt bleibt in Gewahrsam der Justiz.

Hoffentlich in einer Einzelzelle ohne Freigang!

In den NachrichtenPolitik
Der Kampf geht weiter

Oh, was lässt das Auswärtige Amt („AA“, hihi) denn da in der Kategorie „Friedenspolitik“ verlauten? Deutsche Panzer rollen weiter, dem Wachstum der Rüstungsindustrie zuliebe:

Am 26. Januar hat der Bundestag beschlossen, dass das ISAF-Mandat der Bundeswehr in Afghanistan bis zum 31. Januar 2013 verlängert wird.

Nachdem sie alles kurz und klein geschossen und massenhaft Zivilisten gemeuchelt haben, ja, nicht einmal mehr der Auslöser für den Einsatz noch existiert, ist das natürlich eine gute und richtige Entscheidung; sozusagen als Belohnung für die hervorragende Arbeit:

(…) Die deutschen Soldaten hätten – wie auch die Entwicklungshelfer und Diplomaten – in Afghanistan unter schwierigen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet(…).

Die bisher mit Abstand größte Zahl von Opfern durch einen Einsatz der ISAF war Folge einer Bombardierung durch US-Flugzeuge am 4. September 2009, die von Deutschen angefordert worden war. Nach NATO-Einschätzung wurden dabei bis zu 142 Menschen, darunter auch Kinder, getötet oder verletzt. Gute Arbeit, meine Herren! (Apropos: „Unter schwierigen Bedingungen“ hatte doch auch Frhr. v.u.z. Guttenberg „seine“ „Doktorarbeit“ „angefertigt“, oder?)

Natürlich weiß das Auswärtige Amt, dass die deutschen Bürger teilweise nicht doof sind, und versucht es mit einer Erklärung, die die Konservativen unter den Wählern zufriedenstellen sollte:

So gebe es Fortschritte bei der Sicherheitslage, dem Wiederaufbau und beim Kampf gegen den Terrorismus.

Mehr Sicherheit! Weniger Terrorismus! Mal was anderes als immer nur „das böse Internet“, immerhin. Hierzu nur zwei Anmerkungen:

  1. Die Bundeswehr hat „in internationalem Auftrag“ ein Land zu zerstören geholfen, das diese Hilfe gar nicht wollte. Ausländer, die ungebeten Anschläge verüben, bei denen bislang einige Tausend Menschen gestorben sind – wenn Afghanen das in den USA machen, ist es Terrorismus, wenn die USA das in Afghanistan machen, ist es ein Hilfseinsatz. Schön, dass wir mal darüber geredet haben.
  2. Der „Wiederaufbau“ wäre nicht notwendig, wenn man nicht vorher alles kaputtgeschossen hätte. So schafft man sich also die Grundlagen, die das eigene Handeln rechtfertigen: „Wenn es nach uns ginge, wären wir gar nicht in Afghanistan, aber wir haben alles zerstört, so können die doch nicht leben!“ – Natürlich auch weiterhin: Hilfe nur mit Panzern und Gewehren. Für die Sicherheitslage, wissenschon.

Denn eigentlich will man gar nicht in Afghanistan sein:

(…) Deutschland handle entsprechend der international vereinbarten Strategie, die auf die schrittweise Übergabe der Verantwortung und schrittweise Reduzierung der internationalen Truppen in Afghanistan setzt.

Manche schreiten eben etwas langsamer voran als andere. Auch geistig:

“Wir dürfen weder das bisher Erreichte noch die Sicherheit unserer Truppen aufs Spiel setzen“, betonte der Bundesaußenminister. Sehr wichtig seien Fortschritte bei der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte und beim politischen Prozess.

Die Sicherheit von Truppen ist am ehesten gewährleistet, wenn man sie noch ein paar Monate länger in ihren Panzern durch ein vermintes Land gurken lässt, statt sie nach Hause zu schicken. Guckt doch mal in die Zeitung, wie viele Leute pro Tag in Deutschland sterben! Das wäre unverantwortlich!

Das „bisher Erreichte“ – ein weitgehend zerstörtes Land ohne eigene Innen- und Außenpolitik und mit totem oder traumatisiertem Zivilvolk – kann der Bundeswehr aber niemand nehmen. Keine Sorge. Vielleicht gibt es ja dafür noch ein paar Orden – in „Grand Theft Auto“ gibt es ja auch Bonuspunkte, wenn man einen Kinderwagen zusammen mit der Mutter über den Haufen fährt. Das ganze Leben ist ein Spiel…

Ach, jetzt sind schon wieder so viele Sätze ohne „Terrorismus“ gefallen, das kann nicht so bleiben:

(…) „Wir tun alles dafür, damit Afghanistan nicht erneut in Chaos und Bürgerkrieg versinkt und Rückzugsort für internationale Terroristen wird“, unterstrich Westerwelle. Das liege auch in unserem eigenen Sicherheitsinteresse.

Die internationalen Terroristen kommen dann halt lieber hierher, sagen die Innenpolitiker. Vielleicht sollten die Ministerien sich besser absprechen. (Mein Sicherheitsinteresse hätte mit einer Ansammlung internationaler Terroristen in Afghanistan übrigens ein geringeres Problem als mit der Stationierung deutscher Auftragsmörder „in meinem Namen“ ebendort.)

Man habe auf diesem Weg Fortschritte gemacht – bei allen Problemen und bei allen Rückschlägen, mit denen leider auch weiter zu rechnen sei.

“Rückschläge“. Aber immerhin: Fortschritte!

Krieg reicht aber nicht, hat selbst Herr Westerwelle erkannt:

(…) Am Ende werde es in Afghanistan nur eine politische Lösung geben.

So sieht es aus: Die Endlösung kann nur politisch erfolgen. Vielleicht sollte man, so lange man eh‘ noch in dem Land ist, gleich Nägel mit Köpfen machen und alles, was mindestens halbafghanisch ist, in Arbeitslager stecken – dann kommen die gar nicht erst auf die Idee, Dummheiten zu machen. Problem gelöst, nicht wahr?

“Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“
– George Santayana

In den Nachrichten
Medienkritik LXII: Gebrannte Kinder

Die deutsche Sprache hat manchen anderen Sprachen voraus, dass man sich in ihr beliebig präzise ausdrücken kann. Eine Eigenschaft, die damit einhergeht, ist eine gewisse Notwendigkeit, Betonung und Interpunktion nicht nach Belieben zu verwenden, sondern sinnvoll einzusetzen. (Das beliebte Beispiel „komm wir essen Opa“ sollte jedem meiner Leser ebenso bekannt sein wie zumindest der Titel des Buches „Jetzt koch ich, Mama!“ und was mitunter daraus wird.)

Dass nicht nur die blöde Kommasetzung aus manchem Satz eine ulkige Anekdote werden lässt, sondern das Schriftdeutsch mangels Betonungszeichen auch gelegentlich auftretende Homonyme, die in der Umgangssprache längst eine Selbstverständlichkeit sind, zu Verständnisfallen macht, ist seltsamerweise nicht oft Gegenstand sprachtheoretischer Blog- oder Zeitungsartikel. Dabei sind die Beispiele zahlreich. Erwähntes „komm wir essen Opa“ ließe sich statt mit zwei Kommata auch mit einer einfachen Betonung unmissverständlich präzisieren. Die (mitunter ewig-)gestrige „Braunschweiger Zeitung“ hat ein weiteres Beispiel gefunden:

Sprecher anderer Sprachen haben da nichts zu lachen; das altgriechische „sie wollen erhalten/beibehalten“ (σώζοιεν) etwa ist mit „sie wollen bekommen“ (λαμβάνοιεν) nicht identisch, wobei die alten Griechen für „ein Brandzeichen bekommen“ wahrscheinlich wiederum ein eigenes Wort benutzt hätten, somit ist die Analogie lediglich als Erklärung zu verstehen.

Davon einmal abgesehen: Dieser Wunsch ließe sich sicherlich erfüllen. Hat jemand Vorschläge für ein Motiv?
Eine Piratenflagge böte sich an.

Sonstiges
Etikettenschwindel

Aus der beliebten Serie „Hätt‘ ich das gewusst!“ folgt eine brandneue Episode nach einem allerdings bereits bekannten Drehbuch:

Ach so!

Manchmal frage ich mich, was das für Menschen sein müssen, um deretwillen Inhaltsinformationen wie die gezeigte eigentlich nötig sind. Treffen möchte ich diese Menschen aber auch nicht unbedingt, ich hätte Angst um meinen Verstand.

Apropos Verstand: Der Zufall wollte es, dass ich heute meinen Blick über das DVD-Regal eines nahen Supermarktes schweifen ließ. Zu meiner Belustigung und eurer Unterhaltung folgt eine Premiere hier auf dieser kleinen Internetpräsenz, nämlich ein Suchspiel. Es geht um den Titel dieser DVD über die „Sängerin“ LaFee. (Das reimt sich.) Welcher meiner bevorzugt zynischen Leser findet die Pointe? (Tipp: Ein Klick an der richtigen Stelle offenbart die Lösung.)

Viel Vergnügen und: Hihi!

Sonstiges
Kakapo statt Schlecker!

(Vorbemerkung: Ich habe, so weit ich mich erinnere, noch niemals etwas bei Schlecker gekauft und finde gesonderte Drogeriemärkte, die mindestens Mondpreise als gemeinsame Eigenschaft teilen, auch grundsätzlich immer ein wenig einfältig, gar überflüssig.)

Ach, ihr Gutmenschen, die ihr jetzt alle, den Zeigefinger schwingend, beeindruckt von den total überraschenden Erkenntnissen zu den Interna von Schlecker zum Boykott von Lohndumping betreibenden Ladenketten aufruft (und somit vermutlich binnen weniger Tage mangels Alternativen verhungern und verdursten werdet, denn einkaufen könnt ihr ja nun nirgends mehr), um wenigstens einen geringen Teil zu einer besseren Welt beizutragen:

Bevor ihr also sterbt, lasst euch sagen, dass es auf der Welt noch größeres Unglück gibt als die soziale Marktwirtschaft mit ihren neoliberalen Idealen, die den Leuten das Leben schwer macht. Der Kakapo ist vom Aussterben bedroht. Es leben – ausschließlich auf Neuseeland, in Hannover könnte ich das Aussterben ja noch verstehen – noch etwa 130 Exemplare, Tendenz sinkend.

Der Kakapo ist ein flugunfähiger Papageienvogel und wahrscheinlich die älteste noch lebende Vogelart, obendrein die einzige, deren bloße Nennung das Kind in mir ständig albern kichern lässt („Kackapo, hihihi!“). Blöderweise riecht er angeblich zwar „angenehm“, aber ziemlich streng nach allerlei Natürlichem, was ein Grund dafür ist, dass seine Fressfeinde nicht lange suchen müssen. (Amüsante Vorstellung: Menschen, die an Kakapos riechen, um das dann zu dokumentieren.)

Wenn ihr also etwas für eine bessere Welt tun wollt, hört auf, gegen die soziale Marktwirtschaft zu demonstrieren, denn die lässt es in der Regel kalt. Vergesst all die großkapitalistischen Albrecht-Brüder und ihre Gesinnungsgenossen. Wenn euch danach ist, solche Läden zu boykottieren, dann tut das, aber erwartet nicht, dass es in anderen Läden anders ist. So lange Regierungen das tolerieren, wird es sich nicht ändern. Demonstriert also nicht gegen die Herren Schlecker, demonstriert gegen die Regierung.

Und wenn ihr zwischendurch noch etwas Freizeit habt, rettet den Kakapo. Dem Wort zuliebe.

Musikalisches
417.3: Saublöder Name, saugute Musik.

Aus Russland stammen außer Pornofilmen anrüchigen Inhalts auch die Musiker von 417.3, einer instrumentalen Postrock-Gruppe mit viel Melancholie und ein bisschen Streicherunterstützung.

2008 erschien der/die/das EP „-‌-“, 2011 schob man das Vollzeitdebüt „_(-_-)_“ hinterher. Wie wohl der Nachfolger heißen wird? Die Stücke tragen jedenfalls Namen wie „+3″, „~“ und „27″ und sind trotzdem spitze. Vergleichspunkte: „Godspeed You! Black Emperor“ und „A Silver Mt. Zion“. Ohne Gesang mit wohligen Schauern. Großartig.

Das Album kann der geneigte Musikfreund für lau per myspace.com (von wegen tot) und via eMule herunterladen.

Er möge davon reichlich Gebrauch machen!

Nerdkrams
Digitale Verflachung

(Vorbemerkung: Weil ich mich im IRC gerade so schön darüber aufgeregt habe, rotze ich hier noch kurz eine Langfassung eines weiteren öden Computerthemas rein. Keine Sorge, morgen gibt es wieder Musik.)

Seit Windows 95 nehme ich eine eigenartige Entwicklung wahr: Mit jeder größeren Änderung an den Bedienkonzepten der Arbeitsumgebung wird alles, reziprok zu den Zukunftsvisionen aus frühen science-fiction-Filmen und -Romanen, nicht komplexer und bunter, sondern, im Gegenteil, schlichter und abstrakter. ‚Digitale Verflachung‘ weiterlesen »

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: FOCUS, Magazin der Selbstironie

Apropos FOCUS: Was ist eigentlich ein (Computer-)Nerd? Jemand mit umfangreichen Kenntnissen von Funktionsweise und Möglichkeiten der Digitaltechnik, der, bepickelt und bebrillt, im dunklen Keller von kalter Pizza lebt? Jemand, der typischerweise den Unterschied zwischen „Hacken“ und „Dinge kaputtmachen“ verstanden hat, der sich im CCC engagiert und dessen Lieblingsspielzeug als Kind der Lötkolben (nicht „Lötkolben“, ihr Ferkel) war?

Weit gefehlt, behauptet man beim FOCUS, wo man den täglichen Umgang mit dem Internet für so wunderlich hält, dass man es sich nicht nehmen lässt, dem dämlichen Artikel über die Piratenpartei, trotz sogar wörtlichen Zitats von Wilm Schumacher („Wir sind schon längst nicht mehr die sogenannte Internet-Partei“) in der Überschrift „Internet-Partei“ genannt, einen weiteren über Rainer Langhans nachzuschieben, der der Internet-Partei nicht nur 20.000 Euro überreichte, sondern obendrein auch einer von denen ist, und man liest die unverhohlene Bewunderung des Autors aus jeder Silbe heraus, wenn er schreibt:

„Ich könnte sicher noch mehr machen, aber ich bin so fünf, sechs Stunden am Tag im Netz“. Was er da mache? „Twitter, Facebook, das übliche“. Rainer Langhans, der Nerd, und das mit 71 Jahren.

Twitter, Facebook. Was für ein Nerd! Womöglich hat er gar eine E-Mail-Adresse?

FOCUS, du olles Investigativblatt, das ist doch eine gute Idee für einen Folgeartikel. Ich „freue“ mich darauf!

NerdkramsProjekte
WP-PasteExtender: Kopierschutz mal anders

Ich kopiere manchmal Textausschnitte auf FOCUS.de und ähnlichen Seiten. FOCUS.de verwendet nun allerlei JavaScript-Spielereien, unter anderem eine, die automatisch einen Verweis auf die Seite, von der man den Text kopiert hat, mitkopiert.

Das hat mich so sehr beeindruckt, dass ich das mal für WordPress nachgebaut habe. Werte Damundherrn, ich präsentiere:

WP-PasteExtender, „Version“ 20120102.

Der Text, der an den zu kopierenden Text angehängt werden soll, ist frei konfigurierbar. Der Verwaltungsbereich sieht so aus:

Momentan habe ich nur wenig Zeit, ernsthaft an dem Plugin zu arbeiten, weshalb kleinere Probleme nicht ausgeschlossen sind. Vollständig funktionstüchtig ist das Plugin derzeit nur mit WebKit-basierten Browsern. Unter Firefox funktioniert die blockquote-Funktion noch nicht, der Internet Explorer verweigert gänzlich den Dienst. Ich hoffe, das irgendwann beheben zu können.

Wenn jemand von euch Lust und Ahnung hat, um mir hierbei zur Hand zu gehen, so wäre mir dies sehr willkommen. Weitere Funktionen sind jedoch vorerst nicht geplant.

In den NachrichtenPolitik
SPD: Holzwurm beklagt Holzwurmbefall

Hihi:

SPD-Fraktionschef Steinmeier fürchtet grundsätzliche Folgen der Affäre Wulff. Er wirft dem Bundespräsidenten vor, mit seinem Verhalten die Politik in Verruf zu bringen.

Frank-Walter Steinmeier, wir erinnern uns, ist der SPD-Mann, der unsereinem vor allem aufgrund seines notorischen Hangs zur Unwahrheit im Gedächtnis geblieben ist:

Noch während ihrer Rückreise, so der stern, teilten sie ihren Vorgesetzten mit, die USA sähen „die Unschuld von Kurnaz als erwiesen“ an und wollten ihn „in sechs bis acht Wochen“ entlassen. Dieses war auch Thema der sogenannten Präsidentenrunde der deutschen Sicherheitsbehörden am 29. Oktober 2002 unter Leitung des damaligen Kanzleramtschefs Frank-Walter Steinmeier. Steinmeier hatte am Dienstag behauptet, er kenne ein solches Angebot an die Deutschen nicht. Während der Runde im Kanzleramt wurde auch beschlossen, Kurnaz die Einreise zu verbieten.

In gewisser Weise ist er also immerhin Experte dafür, die Politik in Verruf zu bringen. Laut „Deutschlandtrend“ ist es auch keinesfalls die Partei des Bundespräsidenten, die in Verruf geraten wäre:

CDU und CSU konnten gegenüber der letzten Erhebung in der Wählergunst einen Prozentpunkt zulegen und erreichten 36 Prozent. Die SPD rutschte um einen Prozentpunkt auf 29 Prozent ab, auch die Grünen verloren einen Punkt und lagen bei 15 Prozent der Wählerstimmen. Die FDP legte einen Punkt zu und erreichte drei Prozent.

Wenn sich ein Verruf so auswirkt, sollte Frank-Walter Steinmeier vielleicht schnellstens einen Kredit aufnehmen, damit es mit der SPD wieder aufwärts geht.

Apropos aufwärts: Es darf bekanntlich keinen SPIEGEL-Online-Bericht über die momentane Wählerstimmung ohne einen Beleg dafür geben, dass man bei SPIEGEL Online das mit der Fünfprozenthürde nicht verstanden hat. Bleibt es nämlich bei den genannten Zahlen, bekommen CDU/CSU also 36 Prozent und die F.D.P. drei Prozent der Wählerstimmen, würde letztere also den Reichstag künftig von außen betrachten müssen, so entstünde eine Koalition mit …

Rot-Grün käme somit auf 44 Prozent, die Regierungskoalition (CDU/CSU + F.D.P., A.d.V.) hätte 39 Prozent der Bürger hinter sich.

…, nein, aber nah dran. Vielleicht ja nächstes Mal.

In den Nachrichten
Kein nahrhaftes Studium

Das war wohl eine Entscheidung aus dem Bauch heraus: “Döner-Morde“ ist „Unwort des Jahres“.

Durch die Beschreibung der Verbrechen als „Döner-Morde“ seien die Opfer „aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert“ und in höchstem Maße reduziert worden“, sagte [Sprachwissenschaftlerin Nina] Janich.

Dass Männer auf ihr Geschlechtsteil und Frauen auf ihren imposanten Vorbau reduziert werden, ist ein bekanntes Phänomen. Das aber ist neu. (Ist das eigentlich jetzt besser oder schlechter?)

Dabei geht es ja nicht mal um die Herkunft: Außer den acht türkischstämmigen Opfern wird auch ein Grieche als „Döner-Ermordeter“ geführt, außerdem eine deutsche Polizistin mit französischstämmigem Vornamen. Vielleicht wäre „Brotmorde“ noch griffiger gewesen.

Aber was wäre so eine Meldung ohne ein Wortspiel vom Weltgeist? Das Zentrum für Türkeistudien fand die Entscheidung nämlich aus nachvollziehbaren Gründen ziemlich prima. Und wo befindet sich dieses Zentrum? Natürlich:

Das Zentrum für Türkeistudien in Essen begrüßte die Entscheidung.

Ich habe tatsächlich eine Weile nachdenken müssen, bis mir klar wurde, dass ein Studium in Informatik und ein Studium in Essen nicht vergleichbar sind. Eine schöne Schlusspointe wäre es aber gewesen.

KaufbefehleMusikkritik
Discipline. – To Shatter All Accord

Heute ist ja bekanntlich der Tag des kollektiven Abschaltens, anlässlich dessen sich jetzt jedes kleine Hobbyblog mal so richtig in Szene setzen könnte. Diesen mir geschenkten Status als wegen der Nichtteilnahme an diesem Kinderkram heute wahrscheinlich überdurchschnittlich viele Leser erhaltender Insinternetschreiber könnte ich jetzt natürlich ausnutzen, um mich wortreich über SOPA, PIPA, LEGO und Teewurst auszulassen, aber die Innenpolitik der USA interessiert mich weniger als gute Musik, also nutze ich die Aufmerksamkeit, um ein weiteres gutes Musikalbum zu empfehlen.

Zu den Musikalben, die die Frechheit besaßen, sich für die Aufnahme in die Jahresbestenliste 12/2011 nicht rechtzeitig bei mir zu melden, gehört außer Opeths ebenfalls unbedingt hörenswertem, weil mit Grölmetal nicht mehr eng verbundenem „Heritage“ auch „To Shatter All Accord“ von der US-amerikanischen Progressive-Rock-Band Discipline. (ganz diszipliniert mit Punkt am Ende).

Nun ist das Album augenscheinlich recht kurz, enthält es doch lediglich fünf Stücke. Allein die letzten beiden überschreiten gemeinsam jedoch bereits 30 Minuten. Radiogewohnte, schlichte Gemüter, denen die Geduld für Lieder jenseits der drei bis vier Minuten fehlt, sind hier also wahrscheinlich überfordert. Schade eigentlich.

Denn das Gehörte ist klasse. Seit dem Album „Unfolded Like Staircase“ sind immerhin vierzehn Jahre vergangen, so hatte das Quartett viel Zeit, den Nachfolger zu perfektionieren, und diese Zeit hat es wahrlich genutzt. Zu hören ist gitarren- und keyboardlastiger Retro-Prog, der die bedrohliche Atmosphäre von Van der Graaf Generator (zu „Godbluff“-Zeiten) einfängt und modernisiert. Dabei ist trotz häufigen Zitierens von „VdGG“-Melodien die Aufnahme so klar und modern, dass der Rückgriff auf die 1970-er Jahre kaum auffällt.

Ausgedehnte Instrumentalpassagen, in denen Keyboards und Gitarre sich duellieren, besonders beeindruckend im 24-minütigen Abschluss „Rogue“, dem auch der Titel des Albums entnommen ist, treffen auf hervorragenden Gesang. Genregrenzen sind hier völlig irrelevant, zwischen Hard Rock, Jazzrock und Funk wird variiert, gelegentlich (etwa fünf Minuten vor dem Ende von „Rogue“) winken auch die klassischen Genesis ebenso um die Ecke wie Rush und Led Zeppelin. Rock, Alter.

Wie gesagt: Frechheit, dass ich dieses Album erst jetzt entdecke. Das Warten hat sich aber allemal gelohnt.

Nachvollziehbar ist meine Freude an „To Shatter All Accord“ auf Grooveshark.com. Viel Spaß!

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXIX: Endstation.

Die Deutsche Bahn AG feiert momentan das zehnjährige Jubiläum von „Olis Bahnwelt“, des kindgerechten Indoktrinationsportals, anderweitig so erklärt:

Seit 2001 ist Oli die Identifikationsfigur der Kinder- und Jugendkommunikation der Deutschen Bahn. Mit seinen Pixi-Bücher, die eine Auflage von über 2 Millionen erreicht haben, und mehreren Spielen ist Oli mittlerweile in vielen deutschen Kinderzimmern angekommen.

Diese „Bahnwelt“ dient natürlich nicht nur der Werbung, sondern auch pädagogischen Zwecken:

Zudem bietet die Seite Spiele, News und Infos, die auch über den Tellerrand der Bahn hinausblicken – so entdecken die Kinder beispielsweise die Hintergründe des Treibhauseffektes und finden von der Stiftung Lesen, dem langjährigen Partner der DB, ausgewählte Lesetipps. Darin zeigt sich das pädagogische Konzept der Seite(…).

Aber die Bahn weiß: Pädagogik bedeutet nicht nur Zuckerbrot, sondern auch Peitsche. Und wenn, dann richtig:

„Ich finde keine Worte dafür“, sagt die Frau anschließend im Interview. Eine Schaffnerin habe ihrem Sohn die Weiterfahrt verboten, weil ihm 6,30 Euro für ein regionales Anschlussticket fehlten. „Er hat mich sogar im Beisein der Schaffnerin angerufen und wir haben ihr angeboten, dass ich mit dem Geld am Bahnsteig auf ihn warte, aber sie ging nicht darauf ein. Stattdessen haben sie ihn sogar eingesperrt.“

(…)

Der Junge sei in die Obhut eines Bundespolizisten gegeben worden, der zufällig im selben Zug unterwegs gewesen sei, sagt ein Sprecher der Bundespolizei auf Anfrage. (…) Große Sorgen mache sie sich um die Verfassung ihres Kindes. „Ich konnte am Telefon gar kein Gespräch mit ihm führen – er war komplett fertig.“ Als ihr Mann ihn abgeholt habe, habe er geweint, sagt sie. „Er muss sich wie ein abgeführter Verbrecher gefühlt haben.“

“Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muß weggehämmert werden. (…) Beherrschung müssen sie lernen. Sie sollen mir in den schwierigsten Proben die Todesfurcht besiegen lernen. Dies ist die Stufe der heroischen Jugend.“
– Adolf Hitler

In den NachrichtenPolitik
Entenhausen bleibt stabil

SPON so:

Nach Demonstrationen gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremen in Magdeburg ist es im Stadtteil Stadtfeld zu Ausschreitungen gekommen. Nach Angaben eines Polizeisprechers warfen am Samstagabend in der Puschkinstraße Unbekannte eine 40 Zentimeter große Betonplatte aus dem 5. Stockwerk nach einem Beamten. Die Platte verfehlte den Polizisten nur knapp. Er wurde leicht verletzt.

Der Polizei zufolge sieht die Staatsanwaltschaft den Tatbestand des versuchten Totschlages als erfüllt an. Polizisten umstellten das Haus, in dem mehr als 50 Anhänger der linksautonomen Szene vermutet wurden. (…)

SPD-Chef Sigmar Gabriel, Grünen-Chefin Claudia Roth und die Vorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch, forderten in ihren Ansprachen ein Verbot der NPD und würdigten das Engagement der Magdeburger im Kampf gegen Rechts.

Ischa klar, so eine friedlich verlaufende Demonstration, während derer von rechtsextremer Gewalt keine Rede war, in deren Folge aber Linke versuchten Totschlag verüben, ist natürlich ein weiteres Argument für ein NPD-Verbot: Hätte die NPD nicht demonstriert, wären die Linken nicht in das Haus eingekehrt und der Polizist wäre unverletzt geblieben. Simple Logik, wenn man links und ein bisschen balla-balla ist. (Manche Anhänger der neuen Mauerpartei – meist die, die am lautesten brüllen – haben das mit der argumentativen Logik konsequent seit Jahren immer weiter perfektioniert: “Sie können nicht argumentieren und müssen deshalb hier herumpöbeln, Sie feiges Nazischwein!“ Ob das noch Zufall ist?)

Achjo, der Kampf gegen Rechts. Hat der CDU/CSU eigentlich inzwischen jemand erklärt, dass ein NPD-Verbot zur Folge hätte, dass sie zur rechtsextremen Partei in Deutschland würde, oder woran liegt es, dass sie in letzter Zeit eher zurückhaltend mit dem Thema umgeht?

Apropos wirres Geschwätz: Die F.D.P., die ich für ihre Zuversicht, die sich darin äußert, dass sie anlässlich kommender Wahlen im Saarland eine Kandidatenliste – also wohl mehr als 1 Person – aufstellen will, zumindest respektiere, ist immer noch da.

Die FDP sei die Partei der leistungsbereiten Mittelschicht und mache wie keine andere mobil gegen Umverteilung und staatliche Bevormundung.

Natürlich passt der F.D.P. eine Umverteilung von oben nach unten nicht ins Konzept: Wenn Mövenpick kein Geld mehr hat, wird der Etat irgendwann knapp.

Schön, dass die F.D.P. noch da ist. Aber warum?